Radio, Science, Education

Wien

  • Wie soll man mit Krieg umgehen? Mit Umweltkatastrophen? Mit einem Virus, der vielleicht im Herbst schon wieder anders aussieht?  Wir brauchen eine Strategie. Und das ist unser Wort der Woche.

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  • Link zur Sendung Kentucky Fried Planet – Diagonal zum Thema Huhn

    Wie schmeckt der Hahnenkamm? In Frankreich eine Delikatesse – in Österreich weitgehend verschwunden. Alois Schörghuber zeigt, wie man Hahnenkämme kocht, und gemeinsam probieren wir, wie sie schmecken.

  • Große Worte, kleine Worte. Zwischenrufe. Seufzer. „Ach ja“. Wer redet, teilt sich mit. Und manchmal ist es auch gut, eine Pause zu machen.

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  • Wer auf eine Reise geht, weiß oft, was ihn erwartet. Ein klarer Weg, ein schönes Ziel. Manchmal aber lässt man sich treiben, besonders in der Stadt. Überraschungen sind dabei unvermeidlich. Und es gibt noch etwas: wenn die Stadtbewohner über Generationen schon jene oft „informellen Wege“ ganz selbstverständlich benützen, die touristische Besucher nur durch Zufall entdecken. Ingrid Rachbauer und Lothar Bodingbauer nehmen uns mit in Wien so einen Geheimgang, eine Abkürzung durch die Wiener Hofburg.

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  • Alois Wilfling ist Pomologe, ein Spezialist für alte Apfelsorten. 160 Sorten und vielleicht mehr sind auf seiner Streuobstwiese in der Steiermark vorhanden und verfügbar auch über ein Netzwerk allen, die sich dafür interessieren. Wir unterhalten uns über alles, was man darüber wissen sollte. Link: http://evaundadam.at

    Korrespondentin: Edith Panzenböck, Imkerinnen und Imker Wien West – die eine eigene Belegstelle auf der “Sulzwiese” haben. Sie bieten den Imker:innen im Schutzradius dieser Belegsstelle an, die Völker zu untersuchen und gegebenenfalls auf eine hochwertige Königin umzuweiseln – kostenlos. Link: https://www.imkerwienwest.at

    Vorschau auf BG078: Bienengiftallergie und Hyposensibilisierung, Gespräch mit Gunter Sturm, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

    Permalink zu dieser Episode: https://www.sprechkontakt.at/bg077/

  • Sanktionen dienen dazu, unerwünschtes Verhalten zu bestrafen, und im Idealfall erwünschtes Verhalten hervorzurufen. Sie kennen das vielleicht vom Internetverbot für Jugendliche und Kinder. Wenn aus irgendeinem Grund ein ganzes Land vom Internet abgeklemmt werden soll, oder sich die Umstände des Datentransits durch dieses Land verändern, dann wird “umgeroutet”. Und das ist durchaus normal – so funktioniert das Internet.


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  • Der erste Platz im Bienenstaat: Fünf Imker:innen sprechen über ihre Sicht auf die Bienenkönigin.

    Eine Bienenkönigin der Honigbienen legt pro Tag 2000-3000 Eier im Volk. Ihr Leben lang, das um die 5 bis 7 Jahre dauern kann. Die Bienenkönigin wird auch “Weisel” genannt. 

    Sie entsteht aus einem Ei, aus dem eine Larve schlüpft, die mit “Gelee Royal” gefüttert wird, dem eiweiß- und nährstofreichen Königinnenfuttersaft, der von den Arbeiterbienen produziert wird. Einige Tage nach ihrem Schlupf fliegt die Königin aus, einmal nur, um von mehreren Drohnen – den männlichen Bienen – begattet zu werden. Sie kehrt danach in das Bienenvolk zurück, und bleibt dort bis zu ihrem Tod.

    Stirbt die Königin im Volk, oder beschließt es, dass die Königin getauscht werden muss, besteht nur während einiger Tage dieses Zeitfenster der jungen Larven, die mit Gelee Royal gefüttert werden, um eine neue Königin “zu machen”. Kommt hier etwas dazwischen, ist das Volk “hoffnungslos weiselos”, es löst sich auf.

    Interviewpartner:

    1) Ralph Büchler: Bienenwissenschaftler, Leiter des Bieneninstituts im hessischen Kirchhain

    2) Marian Aschenbrenner: Berufsimker im Wiener Bienenzentrum

    3) Ingrid Schmaranzer: Königinnenzucht und Gebirgsimkerei “Imego” in Gosau

    4) Paul Jungels: Königinnenzüchter und Berufsimker in Luxemburg

    5) Stefan Mandl: Präsident der österreichischen Berufsimker und Honigerzeuger im Bienenhof Mandl

    (Aufgenommen an der Fachtagung der Erwerbsimker 2022 in Salzburg)


    Teil 1: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_1 Ralph Büchler – Die Position im Bienenstaat

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    Teil 2: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_2 Marian Aschenbrenner – Wenn die Bienenkönigin fehlt

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    Teil 3: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_3 Ingrid Schmaranzer – Das Handwerk der Zucht

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    Teil 4: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_4 Paul Jungels – Persönliche Beziehung

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    Teil 5: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_5 Stefan Mandl – Anpaarung im Fliegen: Die Begattung der Königin durch Drohnen

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  • Flaschengärten sind Ökosysteme auf kleinstem Raum. In einer großen, bauchigen Glasflasche wachsen Pflanzen auf etwas Substrat, das im Idealfall arm an Nährstoffen und gut wasserdurchlässig ist. Wird die Öffnung des Glasbehälters mit einem gewöhnlichen Korken verschlossen, oder auch offen gelassen, sprechen wir von einem gewöhnlichen „Flaschengarten“. Bei luftdichtem Verschluss heißt das Ganze „Hermetosphäre“, weil der Deckel den Inhalt von der Umgebung „hermetisch“ abschließt. In diesem Fall befinden sich alle Stoffe im Kreislauf – Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid, sowie Wasser und alle Nährstoffe. Es können auch kleine Tiere (weiße Asseln, Springschwänze) quasi als „Hausmeister“ mitarbeiten, als Destruenten abgestorbenes Pflanzenmaterial wieder zu zerlegen.

    Entstanden sind Flaschengärten in der Zeit der großen Entdeckungsfahrten, als Pflanzenmaterial über viele Monate hinweg wieder in die Heimatländer gebracht werden musste. Flaschengärten und Hermetosphären sind besonders für den Unterricht anschauliche Objekte. Sie können von den Schülerinnen und Schülern unter Anleitung selbst gepflanzt werden, die Stoffkreisläufe erinnern an das Ökosystem der gesamten Erde, und nicht zuletzt übernimmt man Verantwortung für einen ganzen Lebensraum, den man selbst gestaltet hat.

    Hinweis: Auszüge aus diesen Gesprächen wurden ab den 28. Februar 2022 in fünf Teilen im ORF Radioprogamm Österreich 1 im Rahmen der Sendereihe “Vom Leben der Natur” erstmalig ausgestrahlt.

    GESPRÄCHSPARTNERINNEN: 
    Mag. Katharina Bäck
    BG und BORG/HIB Graz Liebenau
    Mag. Dr. Judith Haumann
    Universität Wien
    Department für Funktionelle und Evolutionäre Biologie

  • Ö1 / Moment – Leben heute – Wort der Woche – Zeitenwende

    In seiner Regierungserklärung hat am Sonntag der Deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz von einer “Zeitenwende” gesprochen. Andere Politiker sagten das auch. Zeitungen schreiben es. Europa, ja die ganze Welt, stehe vor einer Zeitenwende.


    Manuskript

    Signation “Wort der Woche”

    Physikalisch ist mit der Zeit ja alles klar. Sie läuft voran. Es gibt keine Umkehr. Keine Wende. Einzelne Zeitpunkte werden durch besondere Ereignisse markiert, und das war’s dann auch schon. Für die Historikerin, für den Historiker allerdings, gibt es ein Wort, die Zeitenwende.

    OT 1

    Das Wort „Zeitenwende“ wird in verschiedenen Kontexten verwendet. Da ist zum einen natürlich die Zeitenwende im Hinblick darauf, dass eine neue Zeitrechnung beginnt, also „vor Christus“, „nach Christus“, das bezeichnet man ja auch als Zeitenwende, oder dass dann Historiker im Nachhinein sagen, „das war ein epochaler Einschnitt“, und die Zeit davor unterscheidet sich qualitativ von der Zeit danach. Man spricht auch von Zeiten, wo sich die Ereignisse überschlagen, wo es eine Beschleunigung gibt, wo etwa in einer Woche so viel passiert wie sonst in einem Jahrzehnt. Und von dem unterscheiden muss man aber, dass Zeitgenossen selbst, dass Menschen, die ein bestimmte Ereignis erlebt haben, das selbst als eine Zeitenwende wahrgenommen haben, nicht erst dann Historiker Jahrhunderte später, sondern dass tatsächlich Zeitgenossinnen und Zeitgenossen eine solche Zeitenwende definieren.

    Johannes Preiser-Kapeller, Umwelthistoriker und Byzanzexperte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Als Historiker, sagt er, kann man erst aus einer gewissen zeitlichen Distanz rückblickend sagen, ob etwas wirklich eine Zeitenwende war.

    OT 2

    Zehn Jahre ist einmal ein Mindestabstand, auch als Zeitgenosse, wenn man das einigermaßen seriös einordnen möchte. Natürlich sprechen wir auch von Zeitenwenden, die dann Jahrhunderte später als solche definiert wurden. Etwa die Abfolge von Antike und Mittelalter. Das Mittelalter als Zeit haben erst Denker der Renaissance im 14., 15. Jahrhundert definiert, ganz am Ende der Periode, die sie als solche definiert haben. Da sprechen wir von Jahrhunderten, wo man dann solche Zeitenwenden definiert hat. Aber ansonsten muss man schon davon ausgehen, dass es einen Mindestabstand braucht, um überhaupt entscheiden zu können, welches Ereignis hat tatsächlich eine Veränderung herbeigeführt, die sich in der „longue durée“, wie es der große französische Historiker Fernand Braudel genannt hat, die in der langen Dauer eine Wirkung hat.

    Auch der Wechsel vom Mittelalter zur Neuzeit. Das erscheint als ein Zeitpunkt, erstreckte sich aber über eine längere Zeit.

    OT 3

    Das merkt man auch daran, dass auch Historikerinnen und Historiker darüber gestritten haben, wann endet das Mittelalter, beginnt die Neuzeit. Da gibt es sogar Deutungen, die nicht nur vom 15. Jahrhundert ausgehen, da gibt es auch verschiedene Kandidaten, 1453 der Fall Konstantinopels, 1492 die Entdeckung Amerikas, aber zum Beispiel Jacques Le Goff, ein großer französischer Historiker hat für ein Mittelalter bis zum Jahr 1789 plädiert, bis zur französischen Revolution, weil er gesagt hat, erst dann hat sich diese alte Gesellschaftsordnung Europas, die da über 1000 Jahre Bestand hatte, so fundamental verändert.

    Und wenn sich an solchen Zeitenwenden viel tut, wird auch viel wahrgenommen, sagt Johannes Preiser-Kapeller, es wird viel erzählt, berichtet, aufgeschrieben. Er nennt ein Beispiel: der Untergang des Römischen Reiches – in der Schule wird das mit dem Jahr 476 gelehrt, der große Einschnitt war aber bereits 410, als Rom von den Westgoten erobert wird.

    OT 4

    Das ist ein traumatisches Ereignis. Rom ist vorher 800 Jahre lang nie von Feinden besetzt worden. Die Hauptstadt des mächtigen Imperiums wird da jetzt geplündert. Und das wird wahrgenommen, hier hat sich etwas verändert. Und dann ist auf einmal das Sensorium da, vielleicht ist da eine große Krise des Imperiums dahinter und dann werden auch andere Ereignisse in diesen Interpretationsrahmen eingeordnet.

    1989, der Fall der Berliner Mauer, 2001, die Terroranschläge vom 11. September. Das sind Zeitenwenden neueren Datums, die sofort den Interpretationsrahmen verändert haben.

    OT 5

    Der Kampf der Kulturen, die Herausforderung der amerikanischen Supermacht und so weiter. Das sind dann so verschiedene Narrative deswegen entstanden und Dinge dann in diesen Rahmen eingeordnet worden.

    Auch geologische Zeitalter erleben ihre Zeitenwenden. Trias Jura, Kreide. Die Grenzen sind in den Ablagerungen sichtbar, und es wird ja derzeit auch diskutiert, ab welcher Zeit das menschliche Leben auf der Erde sich auch in den Ablagerungen wiederfindet. Bei allen Unsicherheiten, die mit Zeitenwenden und der Interpretation der Ereignisse verbunden sind, aus Japan gibt es ein Beispiel, wo Zeitenwenden ganz normaler Teil des Lebens sind, erzählt Johannes Preiser-Kapeller. Mit jedem „Tenno“, mit jedem neuen Kaiser, entsteht auch eine neue Zeitrechnung.

    OT 6

    Als 2019 Naruhito, der neue Tenno, inthronisiert wurde, wurde auch eine neue Periode definiert mit der Regierungsdevise Reiwa, das heißt, die Schöne Harmonie, und man rechnet jetzt, Jahr 1 von Reiwa, Jahr 2 von Reiwa, das ist eine neue Zeitrechnung, die unter dem neuen Tenno begonnen hat, so wie auch unter seinen Vorgängern. Das heißt, hier ist die Zeitenwende systemisch angelegt und wird dann jeweils aktiviert, wenn es zu einem solchen Wechsel kommt.

    ABMODERATION

    Zeitenwende, das Wort der Woche, gestaltet von Lothar Bodingbauer.


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Lothar Bodingbauer ist österreichischer Radiojournalist, Abendschullehrer und freier Podcaster.

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Text: Zum Hintergrund (2014)

Fotos sind auch auf Instagram: lobodingbauer