312. Notdienste zum Jahreswechsel

RANDNOTIZEN ORF Ö1/Moment 13.01.2020

SIGNATION

Wie waren Ihre Weihnachtfeiertage? Sind Sie gut gerutscht? Das Kabarettprogramm im Fernsehen zu Silvester war ja großartig. Das Neujahrskonzert, ein Traum. Ein bisschen breitbeinig sind die Philharmoniker gesessen, oder war es nur die Kameraeinstellung? Aber es war schön.
Wir sind diesmal nicht weggefahren, sondern haben die Feiertage in Notaufnahmen verbracht. Und mit Notdiensten. Keine Sorge, nichts Menschliches. Der Hund. Am Bildschirm der Tierklinik stand als erste Zeile einer sich über die Tage füllenden Liste: „Balu hat beim Spazierengehen zu Mittag seinen Erzfeind getroffen“. Balu ist unser Hund, und sein Erzfeind ein größer Hund. Dem unser Hund jedesmal, wenn er ihn trifft, sofort an die Kehle springt. Bei dem es unserem Hund die Haare aufstellt, wenn er den anderen nur am Horizont am Ende der Gasse sieht. Das wissen wir natürlich, der gegnerische Besitzer und wir, und wir sorgen dafür, dass sich die beiden Hunde nicht treffen. Diesmal sind sie aber gleichzeitig um die Ecke gebogen. Das haben Ecken an sich, dass man vorher nicht sieht, was dahinter ist. „Balu hat beim Spazierengehen zu Mittag an der Ecke seinen Erzfeind getroffen“, müsste es heissen. Die weiteren Zeilen des Eintrags der Tierklinik waren dann: Bluterguss ums Auge herum, Dosierungen von Medikamenten, Schmerzmitteln, Details zur Narkose, Beruhigung und Heilung, die Bindehaut des Auges hat es rot und geschwollen herausgedrückt. Mehr dazu erspare ich Ihnen. Das Endergebnis: alles ist gut gegangen. 927 Euro hat es gekostet. Wir sind heuer nicht weggefahren – hätten wir uns auch nicht recht leisten können.

TRENNER

Was man erlebt, wenn man 8 Stunden in der Notaufnahme der Tierklinik sitzt? Unzählige Menschen, die mit sorgenvollen Blicken hereinkommen. Ihre Tiere in Schachteln tragend, in Käfigen, in Decken gewickelt. Warten, Infusionen am Gang. Aufrufe. Ein zitternder Hase. Eine Katze, die nicht mehr frisst. Und immer wieder die Frage: kann ich mit Bankomat zahlen? Von denen, die gehen mit ihren Tieren, lachen einige draußen wieder am Gehsteig. Einige gehen ebenso sorgenvoll, wie sie gekommen sind – das Management des Sterbens gibt es auch bei Tieren. Begleitung, Schmerzmittel, Pläne, das Sterben menschlich zu machen, und manche gehen mit leeren Käfigen hinaus und weinen. Man kommt ins Reden, weil Zeit ist, gemeinsam zu warten, man lernt einander kennen, Menschen, und die Tiere, und ihre Geschichten. Wir sind heuer nicht weggefahren – wir haben hier viel erlebt und viel auch erfahren.

TRENNER

Ein weiterer Notdienst kam dann zu uns, am Samstagabend nach Neujahr. Wer eine neue Lampe im Bad montiert, muss eine Abzweigung im Stromkabel legen. Und wer den Erfolg seiner Arbeit ausprobieren möchte, muss spätestens dann die Sicherung wieder einlegen, wenn er sehen möchte, ob’s leuchtet. Ein weisser Blitz. Der Knall war gewaltig, danach wurde es ganz finster und es blieb auch finster, nachdem die Sicherung wieder eingelegt war. Der Elektrikernotdienst – 180 Euro – lachte und legte im Gang eine große neue Sicherung in einen versteckten Sicherungskasten ein, von dessen Existenz man bisher nicht wusste. Und es ward hell.

Den dritten Notdienst brauchten wir dann zu Heiligendreikönig. Milch, Brot und Butter waren ausgegangen, und der kleine Not-Supermarkt am Bahnhof hat offen. Wie Käfige sind dort Bereiche abgetrennt, weil es gar nicht so einfach ist in Österreich, für Supermärkte an Feiertagen offen zu halten. Das Geschäft muss untertags immer wieder mal abgeteilt werden, damit die Kunden bestimmte Bereiche erreichen oder eben nicht mehr erreichen. Ich war auf der falschen Seite, bei Getränken und Schnaps, Brot und Butter waren auf der anderen Seite. Man findet dann etwas ratlos aber insistierend umherirrend durchaus einen Eingang zum anderen Käfig. Insgesamt äußerst erfolgreich – 12 Euro 50 und das Frühstück war da. Zuhause freute sich die Familie über das Frühstück, und der Hund wedelte, dessen Nähte am Auge wieder entfernt waren. Er sieht jetzt etwas rot, wegen der Blutspuren im Auge, und weil er noch sauer ist. Die Leute von der Tierklinik haben gemeint, er wird sich anstrengen, seinen Erzfeind das nächste Mal schneller und besser zu erwischen. Damit er den Kampf beim nächsten Mal eben gewinnt. Ein aufregendes Jahr steht uns bevor.

Randnotizen von Lothar Bodingbauer

311. Bienenwachs

Vom Leben der Natur, ORF Radio Österreich 1, 23. – 27. Dezember 2019

Gelb, hell, wertvoll, duftend.

Der Bioimker Dietmar Niessner spricht diese Woche über das Bienenwachs.     

  1. Natürlicher Wachskreislauf
  2. Licht in dunkler Jahreszeit.
  3. Wertvolles Kulturgut

Bienenwachs ist neben dem Honig das zweite begehrte Produkt, das von den sozial lebenden Honigbienen im Bienenvolk erzeugt wird. Die Arbeiterinnen schwitzen feine, weiße Wachsplättchen aus ihren Wachsdrüsen, um die Waben zu bauen. Erst durch Pollenöl und Honig wird aus dem ursprünglich weißen Wachs das typische gelbe Bienenwachs. Sein Geruch kommt vorwiegend von Propolis, dem Harz, das die Bienen von Baumknospen sammeln und das sie als antiseptischen Überzug über die Waben verteilen.

Die Waben aus Wachs dienen als Zellen für das Aufziehen der Bienenbrut, als Zellen zur Lagerung von Pollen und Honig, sowie als „Tanzboden“, der die Vibrationen der Bienentänze im Stock  gut verteilt. Durch das Bebrüten der Zellen und die Häutchen der sich immer wieder häutenden Maden, die in den Zellen abgelagert werden, werden die Wachswaben dunkler und weniger flexibel, so dass sie ausgetauscht werden. In der Natur würde das etwa durch Wachsmotten passieren, die die alten und verlassenen Waben auffressen, in der Bienenhaltung sorgen Imkerin und Imker für den regelmäßigen Austausch alter Waben. Das Wachs wird eingeschmolzen und gereinigt. Es kann für neue Mittelwände – die Ausgangsflächen für neue Waben – verwendet werden, und so entsteht der  Wachskreislauf der Imkerei. Wird Wachs vom Kreislauf abgezweigt, kann es für Kerzen verwendet werden. Das geht aber auf Kosten der Honigernte, denn Bienen brauchen Honig – und Sonne – für die Produktion ihres Bienenwachses.

Interviewpartner: Dietmar Niessner, http://www.bienenschule.at

111+ Stellschrauben für Podcasts

  1. Länge
  2. Tonqualität / Auphonic-Verwendung
  3. Frequenz der Veröffentlichung
  4. Aktuelle Folgenzahl
  5. Anzahl Downloads
  6. Regelmäßigkeit der Veröffentlichung
  7. Format
  8. Community-Angebot
  9. Live-Aufnahme mit Chat
  10. Live-Option vor Publikum
  11. Monetarisierungswille
  12. Förderungspotenzial für Geldgeber
  13. Anzahl an Stimmen, unterscheidbar/ähnlich
  14. Sprechweise und Sprechtechnik
  15. Genderwahrheit (Gäste, Inhalt, Art zu reden)
  16. Gewalt in der Sprache vs. Gesprächskultur
  17. Bedarf für diesen Podcast
  18. Massentauglichkeit
  19. Skalierbarkeitselemente
  20. Aktuelle thematische Relevanz
  21. Definierte existierende Zielgruppe
  22. Außerhalb-der-Zielgruppen-Chancefaktor
  23. Abhängigkeiten irgendwelcher Art
  24. Medienhaus im Nacken vs. Indie
  25. Interessensgruppe im Nacken vs. Indie
  26. Support von angrenzenden Abteilungen
  27. Persönlichkeitszuordnung & Rampensau-Faktor
  28. Kleinteiligkeit, Gestaltungsdichte
  29. Schnitt oder nicht
  30. Vorbereitungsdauer
  31. Definierter Workflow zur Episodenentstehung
  32. Kontributorendeklaration
  33. Bearbeitungsdauer nach der Produktion
  34. Unverwechselbarkeit, Vergleichbarkeitsfaktor
  35. Vorbilder irgendwo vorhanden?
  36. Grafik und Metatexte
  37. Signation, Sounddesign, Soundlogo
  38. Newsletter begleitend
  39. Facebook / Twitter / Instagram / TicToc
  40. Vorankündigung der Folgen
  41. Planungshorizont
  42. Podcast-Community-Anbindung D/Ö
  43. Nähe-Ferne-Potenzial ausgeschöpft
  44. Ausspielkanäle ausgeschöpft
  45. Lizenzfragen geklärt
  46. Jingle / Signation / akustische Trennungselemente
  47. Transkript und Transkript-Player-Einbettung
  48. Übersetzung in andere Sprachen & Länder
  49. Micro Payments und weitere Spendenmöglichkeiten
  50. Hörer-Adressierung
  51. Housekeeping : Content – Ratio
  52. Mikrofondisziplin
  53. Überraschungselemente
  54. Impact-Factor – wird erwähnt, Cross-Empfehlungen
  55. Shownotes gepflegt
  56. Episodenbilder und Episodenunterscheidbarkeit
  57. Ästhetisierungsfaktor im Gesamtbild
  58. Schnöselfaktor
  59. Kritikmöglichkeit
  60. Hörertreffen
  61. Podcast-Radio-Crossoverpotenzial
  62. Podcast-Print/Online Crossoverpotenzial
  63. Abo-Button auf Homepage
  64. Internetauftritt: Episodenliste versus „letzte Folge only“
  65. Aufkleber, Kugelschreiber, Luftballons, Shirts etc.
  66. Kindermit/zuhörtauglichkeit
  67. Intimitätsfaktor, Lagerfeuerfeeling, Radiogefühl, Drama und große Bühne?
  68. Geschwindigkeit / Pace
  69. Doppelgeschwindigkeitsabspielgeeignet
  70. Innovationspotenzial – ganz vorne in der Meute?
  71. Professionalitätsgesamteindruck
  72. Dauer-Archivierung (archive.org) vs „stirbt mit Macher:in“
  73. Kapitelmarken / Bilder zu Kapitelmarken
  74. Würde man eine Episode zufällig hören wollen – Faktor
  75. Hat bei einem Symposion darüber erzählt
  76. Hat einen Preis gewonnen, Preistauglichkeit
  77. Universitäts-Anbindung
  78. Zitierbarkeit angesprochen bzw. geklärt
  79. Volatilität – Folgen ändern sich ständig / bleiben gleich
  80. Ausgereiztheit. Fertig. bzw. Potenzial für wie viele Folgen
  81. Haben-die-Gestalter:innen was davon-Faktor
  82. Podcast-als-Haltung Kompatibilität
  83. Bei fyydd und panoticum geclaimed?
  84. Foto der Gestalter:innen irgendwo dabei
  85. Eigene Domain
  86. Hobbyproduktion, Nebenbei oder Hauptberuf
  87. Wie finden es andere – Stimmen bekannt?
  88. Im Sendegarten je gewesen?
  89. Gäste oder nicht
  90. Prominenzfaktor passiv (Gäste) und aktiv (Hörer:innen)
  91. Themenklarheit
  92. Würde es mein Vater hören – Faktor
  93. Druck auf die Veröffentlichung der nächsten Folge vorhanden
  94. Redigierte Manuskripte bzw. Zweitverwertung der Inhalte
  95. Hinweise auf andere Podcasts im Programm
  96. Gibt es eine oder mehrere Gold-Folgen, sind diese auf der Homepage dargestellt
  97. Sieht auf allen Playern und Devices gut aus
  98. Veränderungswille, -wunsch, oder -druck
  99. Existierendes Einkommen aus Podcast / Folgeaufträgen
  100. Könnte man es als Unternehmen aufblasen-Faktor
  101. Wurde bereits eine Folge zurückgezogen
  102. Könnte jemand eine produzierte Folge zurückziehen – (Droh)potenzial
  103. Troll-Freiheit
  104. Text-Redundanzen/Dubletten in der Folgendarstellung (Titel, Untertitel, Beschreibung)
  105. Wenn kommerziell: Produktionskosten bekannt, Verkaufskosten pro Folge bekannt
  106. Nachhaltigkeitspotenzial für Produzent:innen, „wesensgemäßes Podcasten“ möglich?
  107. Glücksfaktor aktiv (Produktion) und passiv (Zuhören)
  108. Qualitätsmananagement
  109. Feedback vorhanden
  110. Feedbackmanagement vorhanden
  111. Einsam versus gemeinsam – Faktor
  112. Accessibility: Hörbehinderung, Seebehinderung, Leichte Sprache
  113. Fachzeitschriften Anbindung
  114. Sprachmix / Mehrsprachigkeit
  115. Freies Radio Anbindung/Verwandtschaft/Herkunft
  116. Fach-Experten machen Podcast vs. Laie
  117. Risikofaktor 1: was würde passieren, wenn was inhaltlich schiefgeht
  118. Risikofaktor 2: was würde passieren, wenn der Feed bricht und alle Abos weg sind
  119. Kopf und Kragen – Faktor: Ist jemand abhängig vom Podcast
  120. Geplante Obsoleszenz/Ablaufdatum vorhanden
  121. Langzeitarchivierung gesichert

n! Sprüche für 24 Wochen

Der Friede meiner Freude ist die Hoffnung deiner Vielfalt.
Der Friede seiner Freude wird die Vielfalt ihrer Hoffnung.
Der Friede seiner Hoffnung war die Freude unserer Vielfalt.
Der Friede eurer Hoffnung ist die Vielfalt ihrer Freude.
Der Friede meiner Vielfalt wird die Freude deiner Hoffnung.
Der Friede ihrer Vielfalt war die Hoffnung seiner Freude.
 
Die Freude meines Friedens sei die Hoffnung deiner Vielfalt.
Die Freude seines Friedens werde die Vielfalt ihrer Hoffnung.
Die Freude seiner Hoffnung wäre der Frieden unserer Vielfalt.
Die Freude eurer Hoffnung sei die Vielfalt ihres Friedens.
Die Freude meiner Vielfalt werde der Frieden deiner Hoffnung.
Die Freude ihrer Vielfalt wäre die Hoffnung seines Friedens.
 
Die Hoffnung meines Friedens ist die Freude deiner Vielfalt.
Die Hoffnung seines Vielfalt wird die Struktur ihrer Freude.
Die Hoffnung seiner Freude war der Frieden unserer Vielfalt.
Die Hoffnung eurer Freude ist die Vielfalt ihres Friedens.
Die Hoffnung meiner Vielfalt wird der Frieden deiner Freude.
Die Hoffnung ihrer Vielfalt war die Freude seines Friedens.
 
Die Vielfalt meines Friedens sei die Freude deiner Hoffnung.
Die Vielfalt seines Friedens werde die Hoffnung ihrer Freude.
Die Vielfalt seiner Freude wäre der Frieden unserer Hoffnung.
Die Vielfalt eurer Freude sei die Hoffnung ihres Friedens.
Die Vielfalt meiner Hoffnung werde der Frieden deiner Freude.
Die Vielfalt ihrer Hoffnung wäre die Freude seines Friedens.

 

(Mit Zaun funktioniert es nicht.)

Podcast und Natur

Journalismus ist Handwerk und Podcast ist eine Haltung. Beim Podcast möchte man Inhalte vielleicht weniger veröffentlichen, im Sinne hoher Zuhörer:innenzahlen, sondern eher „zugänglich machen“. Wie beim Lagerfeuer, um das man sitzt, bei dem sich jemand über ein bestimmtes Thema unterhält und man dabei zuhören kann. Besonders die Natur eignet sich als Thema für Podcasts, weil es gerade hier viele Menschen gibt, die über einen Teil daraus sehr gut Bescheid wissen. Man spricht in beliebiger Länge miteinander, bis das Thema entweder fertig geredet, oder argumentativ, diskursiv umkreist wurde. So entstehen Geschichten, im Fall der Natur „Naturgeschichten“.

https://www.facebook.com/annadoppelpunktlog/

310. Vielfalt der Flechten

310. Vielfalt der Flechten

Fotos: Roman Türk

ORF Radio Österreich 1 / Vom Leben der Natur, 25. bis 29. November 2019

Arbeitstitel: Trompeten, Krusten, Schuppen, Bärte
Der Botaniker Roman Türk spricht über die Flechten.

Teil 1: Erfolgreiche Lebensgemeinschaft
Teil 2: Nahrung in extremer Gegend
Teil 3: Lebensraum Antarktis
Teil 4: Umfassende Verbeitung
Teil 5: Geänderte Bedingungen

Flechten sind Pilze. Carl von Linné bezeichnete sie als das „Pöbelvolk im Pflanzenreich“. Die längste Zeit war das unklar. Sie sind auch heute noch aus der sinnlichen Wahrnehmung meist ausgeschlossen. Wir übersehen sie. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Doppelnatur der Flechten bekannt – die Lebensgemeinschaft von Pilz und Alge.

Die Algen sorgen für die Photosynthese, die Pilze für Halt, Struktur und Vermehrung. Welche interaktiven Prozesse spielen sich zwischen Alge und Pilz ab?

Wo sich höhere Pflanzen nicht entwickeln können, fallen sie auf. In großen Höhen, bei großer Kälte – aber auch bei großer Hitze. Sie halten extreme klimatische Bedingungen gut aus. Was vielen Arten aber schadet, sind erhöhte Stickstoffeinträge aus der Luft. Sie sterben ab, oder werden durch andere Arten verdrängt, die genau diese höheren Stickstoffeinträge lieben.

Interviewpartner:

DR. ROMAN TÜRK, UNIV.-PROF. (I.R.)
Lektor und freier wissenschaftlicher Mitarbeiter
Universität Salzburg, Fachbereich Biowissenschaften
Hellbrunnerstr. 34
5020 Salzburg

Link: https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=206339

309. Meisterstück: Porzellan

Meisterstück: Porzellanschale von Michaela Dinges, Keramikerin

ORF Österreich 1 – Moment Leben heute, 21. November 2019

 

SIGNATION

 

Farbe

 

Weiß

 

Oberfläche

 

Glänzend

 

Gewicht

 

Leicht

 

Form

 

Für meine Wahrnehmung gleichmäßig

 

Kunst oder Handwerk?

 

Es ist Kunsthandwerk

 

Im Atelier von Michaela Dinges stapeln sich massive Gipsblöcke und zarte Porzellanschalen. Sie ist Keramikerin, um die 40, und sie lebt und arbeitet in Wien. Ihr Meisterstück ist eine Schale.

 

Die begleitet mich seit nunmehr sechs Jahren und ist immer noch in Verwendung – ist die falsche Bezeichnung – sondern ich produziere sie nach wie vor in ihrer Urform. Ich habe sie nie verbessern wollen oder anders machen und die ist mir mehr oder weniger passiert.

 

Genau genommen ist also das Meisterstück von Michaela Dinges nicht die Schale selbst, sondern die Gipsform dieser Schale, deren Porzellanabguss, der erste davon, vor ihr steht.

 

Es ist eine handtellergroße Schale in Form einer Zuckermelone. Da sieht man an der Außenseite die Beschaffenheit, beziehungsweise die Struktur dieser Melone.

 

Fein unterteilt, gerippt, symmetrisch angelegte Sektoren …

 

Ja, so ein bisschen wie ein Seestern. – Es ist rau kann man sagen, in dem Fall besonders, weil die ist außen nicht glasiert. Mittlerweile glasiere ich sie innen und außen. Und mir gefallt sie so besser, aber wenn man sie nur innen glasiert, kann es passieren, dass sie sich beim Brand verzieht.

 

Was bei dieser Form und dieser Schale aber durchaus beabsichtig ist. Denn anders als eine Honigmelone kullert die Porzellanschale in Form einer Honigmelone dann nicht am Tisch herum. Das Runde hat sich beim Trocknen und Brennen ein wenig gesetzt.

 

Ein bisschen hängt sie, und das macht für sie irgendwie diese interessante Form aus. Was kann ich mit dieser Schale machen? Ich kann super Sachen für den Aperitif reingeben, ich kann sie als Suppenschale verwenden. Man kann sicher auch einen Tee draus trinken. Man kann Dessert darin servieren. Und es ist auf Grund dessen so klein, weil Porzellan als Material an sich beim Brand einen Schwund von 18% hat.

 

An der Akademie für bildende Künste in Wien hat Michaela Dinges das Arbeiten mit Keramik gelernt, hat dieses Wissen dann lange nicht verwendet und vor sechs Jahren wieder begonnen, herauszufinden, was es mit den Feinheiten des Porzellans genau auf sich hat, wie man gute Formen baut.

 

Wenn irgend etwas, man nennt das in der keramischen Sprache, wenn etwas untergriffig ist, dann bekomme ich es nicht aus der Form raus.

 

Anders als das Arbeiten mit Ton, der fest ist, wird Porzellan als Flüssigkeit angerührt.

 

Flüssigkeit in der Konsistenz ähnlich wie Palatschinkenteig, das ist so ein bisschen eine sämige Masse. Und Porzellan wird gegossen. Du gießt sie in diverse Formen, die du aus Gips anfertigst, rein und der Gips macht nichts anderes, als dass er dieser Porzellanmasse das Wasser entzieht. Das geht relativ schnell, und das Resultat ist, dass sie auf der Innenseite der Gipsform eine festere Schicht bildet. Und wenn ich befinde, dass die Schicht dick genug ist, dann leere ich die restliche Masse wieder aus.

 

Drei Millimeter etwa ist die Zieldicke. Das dauert dann nicht lange.

 

Ein, zwei Minuten, das ist ein sehr schnelles Material, es gibt andere, die brauchen länger, aber mir liegt das sogenannte 400Cin-CL. Das ist die Bezeichnung. Das ist relativ flink und sehr weiß.

 

Einige Stunden warten, bis der Abguss trocken wird, Kleinigkeiten ausbessern, weiter trocknen lassen, brennen und glasieren. Die Schale vor Michaela Dinges ist keine bloße Kopie einer Frucht, der Honigmelone. Sie ist anders.

 

Ich will ja da eine gewisse Veränderung haben. Es ist ein bisschen rau, es hat eine kühle Haptik, es ist ein bisschen steril weiß. Es geht so ein bisschen in diese Ästhetik rein von etwas Stylischem.

 

In den letzten Jahren sind weiter Porzellan-Früchte dazugekommen, die Michaela Dinges aus der Urschale, dem Meisterstück entwickelt hat: Zitrone, Quitte, Granatapfel …

 

Orange, Apfel, Birne, Avocado… Ich liebe es, Fitzelarbeiten zu machen, wo andere sagen, dass du das überhaupt siehst. Wenn ich Porzellan mache, oder wenn ich an meinen Sachen arbeite, ist in Windeseile dieses Gefühl da, wo es mir gut geht. Es macht mir immer Spaß, ich liebe es.

FYYD Podcastverzeichnis

Wer eine Podcastepisode zu einem bestimmten Thema sucht, ist bei FYYD gut aufgehoben. Es gibt darüberhinaus kuratierte Listen und die Möglichkeit, Player mit bestimmten Episoden in WordPress-Seiten einzubetten. Wie es geht, steht hier. Ich verwende das Plugin, um die letzten Episoden meiner Episoden hier darzustellen.

So sieht das aus, die letzte Episode aus dem Neue-Musik-Podcast:

 

Oder:

308. Randnotizen: Bücher

ORF Radio Österreich 1 – Moment Leben heute, Randnotizen / 14.10.2019
Lothar Bodingbauer über die Verwendung von Büchern.

 

SIGNATION

 

Ich muss Ihnen jetzt etwas erzählen, aber Sie müssen mir versprechen, dass Sie nicht lachen. Ja?

 

Es war vor einer Woche, ich kenne mich ganz gut aus in Mathematik, und eine ungefähr 17-jährige Schülerin hat mich gebeten, ihr beim Mathematiklernen zu helfen. So etwas macht man doch gerne, wenn man gut ist in Mathematik, und natürlich hat man ein bisschen den Wunsch, nicht nur die Antworten auf Fragen zu geben, sondern auch ein bisschen was von seiner Erfahrung weiterzugeben, wie man schwierige Dinge lernt, wie man sein Wissen vervollständigt, wenn etwas davon noch fehlt.

 

„Was sind denn statistische Kennzahlen“, fragte die Schülerin, zum Beispiel der Mittelwert, aber wer weiß, was es da noch alles gibt. „Schau doch mal im Mathematikbuch nach“, sagte ich. Das Mädchen nahm da Buch in die Hand, und wog es ein bisschen wie unschlüssig hin und her. Es öffnete das Buch und sah dabei ein wenig verloren aus. „Weißt du“, sagte ich, „da gibt es ganz hinten eine Liste mit wichtigen Wörtern, die im Buch vorkommen, der Index, da schauen wir jetzt einfach nach“. Und tatsächlich, unter „Statistische Kennzahlen“, und unter „Kennzahlen, Komma, statistische“ standen beide Male die gleichen Seitennummern, nämlich 31. Das Gesicht des Mädchens erhellte sich. Es schlug die Seite auf und fand dort gleich auch die Überschrift: „Statistische Kennzahlen“.

 

Das hat der jungen Frau gefallen. Sie fand auf dieser Seite dann alles, den Modus, den Mittelwert, den Median und die Standardabweichung. All das, was sie im Unterricht bereits irgendwann gehört hat. Und dann, ich wollte die Chance nützen, sagte ich ihr, „es hilft oft, wenn man sich in diesem Kapitel ein wenig umschaut, was es sonst noch alles gibt. Blättere doch mal nach vor.“ Sie schaute ein wenig unschlüssig und wog das Buch in den Händen. Blätterte ein wenig herum. „Vorne ist links“, sagte ich, „das Buch ist nach aufsteigenden Seitenzahlen geordnet.“ Und schon war sie vorne beim Anfang des Kapitels. Sie stellte fest, dass es neben „statistische Kennzahlen“ auch noch ganz andere Überschriften gibt, und ich sagte ihr, das das Herumblättern ganz praktisch wäre, weil man dann einen Überblick bekäme, was es sonst noch alles gibt. Beim nächsten Mal würde man sich dann besser zurechtfinden.

 

Das Gesicht der Schülerin erhellte sich weiter. „Und schau, ganz vorne im Buch, da gibt es ein Inhaltsverzeichnis“, sagte ich. Sie schaute gleich nach und sah dort auf wenigen Zentimetern alle Überschriften untereinander, denen sie durch das Blättern im Buch begegnet war. Sie war hin und weg. *Das* hätte ihr noch niemand gezeigt. Das Konzept „Buch“ gefiel ihr. *Das* hätte ihr noch niemand gezeigt.

 

TRENNER

 

Jetzt kann man sagen, blöd gelaufen, ich hatte es mit jemandem zu tun, der gar keine Ahnung hat. Aber so einfach lässt sich die Sache nicht vom Tisch wischen, denn: „Computer – was ist die Fläche Österreichs?“ Die Antwort kommt vom Smartphone, ganz ohne Buch.

 

OT „Österreich ist 83 879 Quadratkilometer groß“

 

Und, ist nicht Wikipedia ganz ohne Seitennummern geschrieben, mit Hyperlinks, und wenn man liest, schiebt man die Seite am Bildschirm mit dem Finger nach oben. Wikipedia, oder überhaupt, das Internet, kennt keine Seitennummern, warum soll man dann wissen wollen, wo vorne ist im Internet?

 

Der Tag mit dieser Schülerin hat mein Leben in zwei Hälften geteilt. Wie Christi Geburt unsere Zeitrechnung. In eine Zeit vorher, und eine Zeit nachher. Wir leben jetzt etwa im Jahr 5 „nach der Verwendung von Büchern“. Wir haben es jetzt offenbar mit Menschen zu tun, die Bücher nur mehr vom Hörensagen kennen. Sie werden von Lehrerinnen und Lehrern begleitet, die das – so wie ich – oder vermutlich auch Sie – noch nicht vollständig erfasst haben. Die vergessen, den Schülerinnen, den Schülern, die Funktionsweise eines Buches zu erklären, wenn sie es zum Beispiel als Schulbücher austeilen. Und das Rührende an der ganzen Geschichte ist, wie viel Wohlwollen das Mädchen dieser Idee eines Buches entgegengebracht hat. Das Mädchen war hin und weg vom Mathebuch, das ihr noch niemand erklärt hat. Und ich hoffe, Sie haben bei der ganzen Geschichte jetzt weder gelacht – noch geweint. Computer, erzähl einen Witz!

 

OT „Welches ist das älteste Musikinstrument? Das Akkordeon, es hat die meisten Falten“.

 

307. Pflanzensamen sammeln

307. Pflanzensamen sammeln

Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1 / 30.09.2019 – 4.10.2019

Auf der Suche nach Raritäten.

Barbara Knickmann vom Botanischen Garten der Universität Wien sammelt Samen von wildwachsenden Pflanzenarten.

Teil 1: Lebensraum Straßenrand
Teil 2: Eine verwilderte Wiese
Teil 3: Sammeln und schützen
Teil 4: Wettlauf mit Tieren
Teil 5: Ein Gefühl für die Landschaft

 

Pflanzensamen sind Zeitkapseln. Sie können die Zeit überdauern. Gekühlt gelagert bleiben sie – je nach Art – mehr oder weniger lange keimfähig. Bis etwa auf die leichten Samen von Weiden, die nur sehr kurz haltbar sind, weil sie in freier Natur normalerweise in feuchter Umgebung rasch keimen.

Wissenschaftliche Sammlungsausflüge werden genau geplant. Einerseits gibt es genaue Ideen, welche Pflanzen „besammelt“ werden sollen, andererseits sind Genehmigungen einzuholen und Naturschutzaspekte zu bedenken. Allgemein werden nur maximal 20% der Samen einer Pflanzengruppe entfernt.

Die Samen werden innerhalb der wissenschaftlich arbeitenden botanischen Institute weltweit mit Hilfe von jährlich erstellten Samenkatalogen getauscht. Sie werden für Schausammlungen in botanischen Gärten benötigt, für wissenschaftliche Fragestellungen, die gerade bearbeitet werden, und in der Ausbildung bieten Jungpflanzen – aus Samen gezogen – Einblick in frühe Entwicklungsstadien der jeweiligen Pflanze. Neben den Samen der Pflanzen wird auch das Wissen darüber gesammelt und in den Datenbanken festgehalten. Sammlungsausflüge ermöglichen es den Beteiligten darüberhinaus, die Pflanze auch außerhalb eines Botanischen Gartens „im Feld“ zu sehen.

Pflanzensamen aus Österreich werden auch zur „Millenium Seed Bank“ nach London geschickt, wo sie gekühlt lange Zeit als Botanisches Welterbe gesammelt und aufbewahrt werden.

Bis 31. Oktober ist im Botanischen Garten der Universität Wien die Ausstellung „Forscher, Sammler, Pflanzenjäger“ zu sehen.

„Unterwegs mit Humboldt & Co.“ – mit Pflanzensammlern, die in die entlegensten Winkel der Erde vordrangen.

Interviewpartnerin:

Dipl.-Ing. Barbara Knickmann
Core Facility Botanischer Garten Wien
Rennweg 14/2
1030 Wien

Links:

Botanischer Garten Wien

Millenium Seed Bank