371. Abkürzungen und Durchhäuser

371. Abkürzungen und Durchhäuser

Wer auf eine Reise geht, weiß oft, was ihn erwartet. Ein klarer Weg, ein schönes Ziel. Manchmal aber lässt man sich treiben, besonders in der Stadt. Überraschungen sind dabei unvermeidlich. Und es gibt noch etwas: wenn die Stadtbewohner über Generationen schon jene oft „informellen Wege“ ganz selbstverständlich benützen, die touristische Besucher nur durch Zufall entdecken. Ingrid Rachbauer und Lothar Bodingbauer nehmen uns mit in Wien so einen Geheimgang, eine Abkürzung durch die Wiener Hofburg.

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361. Beim Totengräber von Hallstatt

Hallstatt im Salzkammergut ist eine kleine Gemeinde mit etwa 800 Einwohnern. Der Ort nimmt ganz wenig Platz ein am Ufer des Hallstättersees und wer mit der Bahn kommt, muss erst noch die Fähre zur anderen Seite des Sees hin zum Ort nehmen. Die meisten Häuser sind eng an den Berg gebaut und viele von ihnen sind nur über Treppen und enge Wege erreichbar. Trotz aller Enge gibt es zwei Kirchen in Hallstatt, die katholische und die evangelische, mit den jeweils zugehörigen Friedhöfen. Die Gebeine der Verstorbenen mussten immer schon nach einer angemessenen Zahl an Jahren den neuen Begrabenen Platz machen, wenn auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten Feuerbestattungen häufiger werden. Ein fest angestellter Totengräber hätte in diesen Tagen nur wenig zu tun. Lothar Bodingbauer hat mit dem letzten „offiziellen” Totengräber in Hallstatt gesprochen – über das Leben, Sterben und Begrabenwerden im Salzkammergut.

URL: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio361_hallstatt.mp3

Link zur Sendung: https://www.deutschlandfunk.de/beim-totengraeber-von-hallstatt-dlf-d685fdef-100.html

Link zur Podcastepisode (Lobster und Tentankel): https://www.sprechkontakt.at/archives/1634

325. Schluchzen im Liegewagen

Link: https://www.deutschlandfunk.de/hand-in-hand-im-liegewagen-dlf-c676dcf7-100.html

Geräusche finden ja immer in der Gegenwart statt, und wer über sie spricht, muss sie aus der Vergangenheit zurückholen. Vielleicht mit technischen Mitteln. Aber ein Aufnahmegerät war damals nicht dabei. Das folgende Geräusch kann ich Ihnen nicht vorspielen.

Es ist ein tiefes, herzzerreißendes Schluchzen, das aus der Ecke kommt. Der Zug hat Straßburg erreicht, und jemand ist zugestiegen. Hat sich in die Ecke der obersten Etage im Liegewagen zurückgezogen und weint, und weint, und weint so herzzerreißend, dass der Student in der obersten Etage gegenüber fragt, was leicht los wäre. Und das Mädchen erzählt von einem Sommer in Strassburg, einem Filmworkshop, an dem es teilgenommen hat, und dass es jetzt wieder nach Bulgarien zurückfährt. Und dass es nie dorthin zurück wird können, wo es so schön war.

Ob er ihre Hand halten könnte, fragt sie den Student gegenüber, und er hält ihre Hand, und so schlafen sie ein. Die Hände über den tiefen Raum des Liegewagenabteils verbunden, im dritten Stock, auf der dritten Ebene, ganz oben. Am Morgen steigt er aus, im Nebel von Wels, einem Umsteigebahnhof in Oberösterreich, wo der Zug wieder hält. Und sie schaut ihn an. Und er schaut sie an. Eine Sekunde, vielleicht zwei.

322. Trockenseifenspender

BEITRAG / Teil 1

Link: https://www.deutschlandfunk.de/reise-geraeusche-raetsel-die-frage-dlf-93686d7c-100.html

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie das folgende Geräusch schon einmal gehört haben. (GERÄUSCH) Und es ist durchaus personenabhängig. (GERÄUSCH). So klingt es beim Geduldigen, und so beim Ungeduldigen, oder bei dem der wenig Zeit dafür verwenden will. (GERÄUSCH) Der Zaghafte, es könnte auch der Sparsame sein. Wie auch immer, was ist das für ein Geräusch? Sie kennen es bestimmt, und ich wasche jetzt erst mal die Hände. (ATMO)


BEITRAG / Teil 2

Link: https://www.deutschlandfunk.de/reise-geraeusche-raetsel-die-aufloesung-dlf-ba6db079-100.html

Dieses Geräusch (GERÄUSCH) – Sie kennen es bestimmt, wenn man nämlich mehr von seinem Hintergrund dazu noch hört (ATMO), in der Eisenbahn, in der Eisenbahn, in der Deutschen, in der Österreichischen und wahrscheinlich auch in der Schweizer Eisenbahn hat oder hatte dieses Geräusch seinen Lebensraum, und zwar im WC. Es ist der Trockenseifenspender. Das war nämlich jenes Gerät, das unten so einen igelhaften Kreis hatte, mit drei, wahrscheinlich 120 Grad, 360 Grad durch 3, 120 Grad ja, versetzten Stacheln, die man mit den Fingern fassen und drehen kann, und es wird dabei die Seife, die trockene Seife auf die Hand gerieben. Und wenn dann kein Wasser da war, weil es schon aus war, konnte man sich die Seife (ATMO) runterklopfen. Heute ist es ja so, dass mit Flüssigseife das Problem besteht, wenn das Wasser aus ist haben wir die Seife flüssig in der Hand, was soll man tun. Ja, früher war ja alles besser… Also, die Erinnerungen, wir kennen es. Ich weiß nicht, ob es Trockenseifenspender noch in den modernen Eisenbahnwaggons gibt, man kann aber diesen Spender im Internet sehr wohl leicht finden. Ich habe mir einen schicken lassen, mit einem Karton voller Seife, und habe das im Bad installiert und bin jetzt beim Händewaschen so gut wie auf Reisen.

(ATMO) Und dazu gibt es Helmut Qualtinger, der „Österreichische Karl Valentin“, mit den schönsten Bundesbahnstationen.

MUSIK (Helmut Qualtinger, Bundesbahnblues)


Link zum Trockenseifenspender im Internet: http://sapor.de

242. Auf den Spuren des Kaisers

Zum 100. Todestag von Kaiser Franz Joseph I: Wenn sich heuer am 21. November der Todestag von Kaiser Franz Joseph I zum 100. Mal jährt, hatten die wenigsten heute noch lebenden Menschen die Chance, ihn je mit eigenen Augen zu sehen. Zu seiner Zeit war das genau anders. Aufgrund der langen Regierungszeit von 68 Jahren kannten die meisten Menschen keinen anderen Regenten. Wir begeben uns auf eine Spurensuche: wo ist der Kaiser heute noch in Österreich zu finden. Entlang der Bad Ischler Bahn zum Beispiel, die mit kaiserlichem Business-Abteil auf schmaler Spur von Salzburg zum Sommersitz des Kaisers in Bad Ischl führte. In den Innsbrucker Promenadenkonzerten, wo die Lieder der Monarchie einen wertvollen Fundus an heute noch gespielten Melodien darstellen. In der Netzwerkanalyse von Wiener Mittelalterforschern, die das Machtgefüge und heutige Bedeutung des Kaisers mit modernen Methoden präzise beleuchten und beschreiben können. In Schönbrunn und Belvedere, die großen Wiener Schlösser, wo viele Mitarbeiter die “K & K Erinnerungsmaschinerie” mit Grandesse und Eleganz betreiben und betreuen. In den Geschichten zweier junger Podcaster, die sich in akustischen Zeitsprüngen auf die Spuren von Franz Joseph machen. Und auf Reisen mit dem “Majestic Imperator Train de Luxe” auf der Franz-Josefs-Bahn mit Galadinner und kaiserlicher Unterhaltung. Zum Abschluss bringt uns diese Reise vielleicht auch nach Budapest, wo die Erinnerungen um die heutige “Freiheitsbrücke” als eine dem Kaiser Franz Joseph gewidmete Brücke die Herausforderungen der Monarchie zeigt, an denen sie letztendlich auch zerbrochen ist.

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144. Der Sauwald

144. Der Sauwald

Erst mit zwei Wochen Verspätung konnte der kaiserliche Bote den Eintritt Österreichs in den ersten Weltkrieg in die dichten Stellen dieses Waldes bringen. Mit der Zeit wurde es leichter mit der Erreichbarkeit, aber auch heute noch ist der Sauwald an der Donau auf der österreichischen Seite vor Passau ein wildes Stück Land. Nur selten verirren sich Touristen in diese schöne Gegend, in dessen bäuerlichen Orten noch bis bis vor kurzem ganz gern des Sonntags nach der Kirche zum blanken Zeitvertreib gerauft wurde. (Sonntagsspaziergang / Deutschlandfunk)

Link zur Sendung (Nachhören): https://www.deutschlandfunk.de/ein-wildes-stueck-land-100.html

Link zum Audiofile (mp3): https://www.sprechkontakt.at/audio/radio_144_sauwald_beitrag_remix.mp3

Link zum Trailerfile 1: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio144_sauwald_trailer_1_ schopf.mp3

Link zum Trailerfile 2: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio144_sauwald_trailer_2.mp3

Link zu Informationen zur Raaber Kellergröppe (PDF) (Quelle: unbekannt)

Viechtenstein

Wollsackverwitterung

Ein wildes Stück Land

Manuskript

In der Gegend von Passau hat sich die Donau den Weg durch den uralten Granit der Böhmischen Masse gebahnt. Der Großteil des Granits befindet sich nördlich der Donau. Ein bisschen was davon aber auch südlich von ihr, auf österreichischer Seite. „Sauwald“ heißt das waldreiche und hügelige Gebiet. Nur selten verirren sich Touristen dorthin, wo bis vor nicht allzu langer Zeit des Sonntags nach der Kirche noch zum Zeitvertreib gerauft wurde.

02.09.2012

SONNTAGSSPAZIERGANG:  SAUWALD (13:07 min)

MODERATIONSVORSCHLAG

Wenn sich ein Fluss einen Weg bahnt, dann teilt er immer eine Landschaft. So ist das auch in der Gegend von Passau in Bayern, an der Grenze zu Österreich. Die Donau hat sich hier an einer Bruchstelle den Weg durch den uralten Granit der Böhmischen Masse gebahnt. Der Großteil des Granits befindet sich nördlich der Donau. Ein bisschen was davon aber auch südlich von ihr, auf österreichischer Seite, oberhalb der Flüsse Inn und Donau. 

Das Gebiet heißt Sauwald, ist waldreich und hügelig, und so groß etwa wie das Stadtgebiet von Hamburg. 

Nur selten verirren sich Touristen dorthin, wo bis vor nicht allzu langer Zeit des Sonntags nach der Kirche noch zum Zeitvertreib gerauft wurde. Das hat mein Kollege Lothar Bodingbauer mit schreckgeweiteten Augen in Erfahrung gebracht, den wir jetzt auf eine kleine Rundreise dorthin begleiten.

BEITRAG MANUSKRIPT

Es gibt Hinweise darauf, dass man als Fremder im Sauwald nie ankommen kann, denn wenn man sich dem Gebiet nähert, und fragt, “bin ich schon da”, sagen die Leute dort gerne “nein”, “weiter da oben” sagen sie, und sie sagen “weiter dahinten”. Das setzt sich so fort, bis der Suchende lange Zeit niemanden mehr trifft, dann plötzlich an der Donau steht, den Passauer Dom sieht und erkennen muss: im Sauwald bin ich gerade gewesen.

Er muss es daher mit einem Trick versuchen und fragt die Menschen dort nach ihrer Sprache, am besten einen Schübel Kinder. Er bittet sie zu zählen (OT Kinder: 1, 2, 3und wenn es sich so anhört, dann weiß er, ja, jetzt bin ich wirklich da:

OT Kinder – 4, 5, …, 15

Sprachlich ist unüberhörbar Bayern nahe.

OT Kinder – Wir im Sauwald haben einen Dialekt, wir gehören zum Bayrischen Dialektkreis dazu. Am Anfang verstehst du es sicher schwer, aber mit der Zeit gewöhnst du dich daran.

ATMO – Eisenbahn im engen Tal

Hier in Wernstein und Neuburg, nur noch einige Kilometer vor Passau, wird es eng für den Inn, kurz vor seiner Mündung in die Donau. Straße, Fluss und Bahn teilen sich das enge Tal. – Wer den Kopf hebt, sieht die vielen Flugzeuge von und nach Deutschland, und wer sich umdreht und über kleine eingeschnittene Bachschluchten hinweg bergan geht, der erreicht nach einigen Stunden Wanderung den höchsten Punkt des Sauwalds.

OT Reportage – Ich bin am Haugstein, 895m Seehöhe in einem Fichtenwald, durchzogen von Buchen, einige Schritte weiter noch, und dann bin ich oben an der höchsten Stelle. Kein Gipfelkreuz sondern unzählige Granitblöcke, verwittert und zerfurcht, eine hohe Waldlichtung mit einer Buche ganz im Mittelpunkt eines Kultplatzes, so sieht es aus, von Granitsteinen, die wie von einem Riesen hingeworfen, hier herumliegen.

Angeblich war der Wald hier an manchen Stellen so dicht, dass der Kaiserliche Bote erst mit zwei Wochen Verzögerung den Eintritt Österreichs in den ersten Weltkrieg bekanntgeben konnte. Wer heute hier wandert, wird aber schnell bemerken, dass der Wald sich wandelt, dass er vielseitig ist, sich immer wieder ändert, und das auf kleinem Raum. 23 verschiedene Waldarten haben unermüdliche Alleszähler hier gezählt. Vom Eichen- und Birkenvorwald, der von den Einheimischen auch „Hoad“ genannt wird, zu Tannen-, Föhren-, Fichtenwäldern,  Waldmeister-Ahorn-Buchen-Mischwäldern, Moorwäldern, Schlucht und Hangwäldern bis hin zu Schwarzerlen-Ufer-Auwäldern.

OT Stefanie Haidinger – Es ist der Wald, der dir Schutz gibt. 

Sagt Stefanie Haidinger, eine Pensionistin aus Viechtenstein, eine der 30 Gemeinden der Gegend mit etwa 700 Einwohnern. 

OT Stefanie Haidinger – Es gibt verschiedene Wälder. Und der Sauwald ist ein freundlicher Wald.

Als Kinder sind sie mit dem Postbus um die Wette gelaufen, der Postbus von der Donau herauf schnaufend und langsam fahrend über Serpentinen, die Kinder durch den Wald auf direkter Linie. Gewonnen haben die Kinder meistens, bergan. Und bergab mit dem Schlitten im Winter haben sie immer gewonnen.

OT Stefanie Haidinger – Du hast irgendwie das Gefühl in dem Wald, da ist etwas um dich herum, das beschützt dich. Also der Wald hinter dir gibt dir Schutz und nach vorne hast du das Gefühl. Hurra, mir gehört die ganze Welt.

…die ringsherum zu Füßen liegt, denn immer wieder sieht man durch lichte Stellen weit hinab ins Umland. Der Blick ins Innviertel….

OT Stefanie Haidinger – und der Blick nach Bayern.

OT Gabi Bernauer – Ja ich denke, dass man da einfach wandern geht …

… sagt Gabi Bernauer, die auch hier wohnt.

OT Gabi Bernauer – Es ist im Viechtenstein genauso, wenn man raufgeht zum Jagabild. Oder da in Wernstein, wenn man hinunterschaut. Da gibt es schon so Stellen, wo Blicke frei werden, wo man wirklich die Burg Wernstein, die Burg Neuburg, die Innenge bei Schärding, wo man das wirklich schön sieht. Wenn man dort hinkommt, dort kommt man wirklich nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß hin, und da kann man es dann bewusst wahrnehmen, wie schön es da ist. 

Gabi Bernauer betreut mit ihrem Mann das einstige Wohnhaus und Museum von Alfred Kubin in Zwickledt bei Wernstein.

ATMO Glocken, OT Gabi Bernauer – Kubinhaus Zwickledt, es steht an der Tür

Alfred Kubin war ein österreichischer Künstler, der ab 1906 hier gelebt und gearbeitet hat. Kubin war Zeichner, er illustrierte Bücher, hat auch Horrorzeichnungen gemacht für Bücher von Edgar Allan Poe. Kubin war Mitglied der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ in München, und er war damit Wegbereiter der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts. Auch Wasiliy Kandinski gehörte dieser Gruppe an. Die künstlerische Moderne – und das mitten im Sauwald. Schloss Zwickledt in Wernstein am Inn war während der Weltkriege jahrzehntelanger Wohnsitz des Ehepaares Kubin. Der Künstler schätzte den Sauwald wegen der Ruhe. Selbst eher nervös und immer wieder in Sorgen verwickelt, liebte er den Garten und die Gegend rund ums Haus.

OT Gabi Bernauer – So ein schöner Garten! – Ja, der Garten ist so belassen wie zu Kubins Zeiten. Früher war es ein Gemüsegarten, der ist aber dann umfunktioniert worden in einen Ziergarten und so ist es jetzt ein gewachsener, wirklich schöner alter Garten.

Ein Bauerngarten, mit allen Farben, so scheint es, die es gibt in dieser Welt. Kubins Zeichnungen hingegen sind meist schwarzweiß. Angst hatte der Künstler oft, wenn er bei seinen ausgedehnten Spaziergängen länger wo ausblieb, beim Kartenspielen zum Beispiel, in den umliegenden Wirtshäusern. Karl Bernauer führt durch das Kubinhaus.

OT Karl Bernauer – Da hängt Kubin, ich sag das einfach einmal so. Wenn er draußen einmal unterwegs war, und er ist viel zu Fuß gegangen, dann hat er fast immer diesen Wetterfleck getragen. So haben ihn die Leute gesehen und kennengelernt. Er ist oft nach Wernstein gegangen zur Eisenbahn, man kann nach Passau und Linz fahren. Wenn es einmal später geworden ist, dann war es oft so, dass der Franz, der jetzige Bauer, der damals ein kleiner Bub war, mit Kubin mitgehen hat müssen, denn wenn es dämmrig war, hat er sich nicht mehr so wohlgefühlt, wenn er alleine heimgehen musste. Der hat ihn dann heimgebracht und ihn nach Zwickledt zum Hausherrn begleitet.

… und der kleine Bauernbub ging dann seinerseits alleine durch den dunklen Wald nach Hause. Aber Bauernbuben haben keine Angst vorm Wald, sondern Respekt, sagt einige Kilometer weiter in Kopfing, dort wo der Sauwald am dichtesten ist, der “große Bauernbub” Hans Schopf.

OT Hans Schopf – Das ist einfach der Unterschied von Tag und Nacht. Und es heißt nicht umsonst, der Wald hat tausend Augen. Die hat er auch in der Nacht. Und Geräusche noch viel mehr. Wir sind halt das gewöhnt als Bewohner von da, da sehr viel Wald ist und dass man immer wieder durch den Wald gehen muss. Ich weiß es als Kind noch, wenn wir bei der Musik dabei waren, nach der Musikprobe ist man zu Fuß zum Teil heimgegangen, immer durch den Wald gehen müssen, da hätte ich mir nie was gedacht. Das war halt so.

Hans Schopf hat in der Sauwaldgemeinde Kopfing einen Baumkronenweg errichtet. Besucher können durch seinen Wald auf hölzernen Brücken durch die Kronen der Bäume gehen, und ihnen dabei in die Augen schauen, wie er sagt. – In die Augen schauten sich die Männer der Region bis vor kurzem auch ganz gerne, und zwar besonders fest, wenn gerauft wurde.

OT Hans Schopf – Wir haben sogar für’s Raufen ein eigenes Gesetz gehabt. Da hat es ein eigenes Landesgesetz gehabt, dass die Kopfinger nur die Hälfte an der Zeit verurteilt wurden, als andere. Weil das war bei uns so überbracht, dass die Kopfinger das so geregelt haben. Das war halt einmal so. Das ist Vergangenheit. Das Raufen hat sich dann aufgehört, ist auch kein System. Aber dass wir ein wenig härter sind, ein wenig rauer in der Mentalität, aber ich sage immer, im Herzen dann doch sehr, sehr weich sind.

In sogenannten Zechen waren die Menschen früher hier organisiert, kulturell. Brauchtum, Volkstanz und dort und da auch eine Kegelbahn. Das gesellige Beisammensein wird auch heute hochgehalten. Mostverkosten, Traktoren zeigen. Wie zum Beispiel den hier, einen alten „Lanz Pampa“ – aus Argentinien.

OT Bauernbub – Jetzt muss ich einmal die Heizlampe aufheizen, dass der Glühkopf einmal warm ist, und dann muss ich warten, bis der Glühkopf glüht, dann kann ich ihn anwerfen. – Ein bisschen weggehen, nicht dass er zu brennen beginnt. – Nein, da kann nichts passieren.

ATMO Traktor startet

Jetzt läuft er. Der Jungbauer lacht, holt sich ein hübsches Mädchen im Dirndlkleid und fährt mit ihr ganz stolz davon.

ATMO Autoradio

Ich fahre auch weiter, ein schöner Sonntag, im Autoradio aus dem nur kilometerentfernten Deutschland: der “Sonnstagsspaziergang” eine Reisesendung, die Lust macht aufs Verreisen, zum Beispiel nach Ferrara. 

Ferrara.  Mein Kollege kann hier aus dem Vollen schöpfen. Leben und Kultur auf jeden Meter dieser Stadt. Ich aber fahre durch eine fast menschenleere Landschaft. Die Geschichte präsentiert sich hier, so scheint es, vorwiegend als Verwitterung. Links ein aufgelassener Schilift, wegen der wenigen Touristen zahlt sich der Betrieb im Winter nicht aus. Überwachsene Granitblöcke, die in den Feldern und im Wald liegen. Wollsackverwitterung heißt das, wenn das Wetter den Granit über Jahrtausende an Rissen zerfurcht, und die Blöcke dann aussehen, wie aufgestapelte Leinensäcke mit Wolle. In den Feldern wurden diese “Blockhalden” meist weggeräumt, aber in den Wäldern sind noch viele zu sehen. Die Landschaft prägen neben den vielen Waldteilen ebenso viele bunte Wiesen, wogende graue Kornfelder und kleine bäuerliche Siedlungen. Die Gehöfte wurden an den Hängen errichtet, kaum einmal auf flachem Grund, denn dieser ist kostbar. Ein Mosaik auch das Klima. Vom Warmen Hügel her kommend taucht man oft hinab und hinein in einen Kaltluftsee. 

Erfrischend kühl ist es im Sommer auch in der Erde selbst. Ich bin im verabredet mit Hilde Ganglmaier, im Ort Raab. In der “Kellergröppe”. 

OT Hilde Ganglmaier – Sie sind den ersten Teil der Kellergröppe schon gegangen.

Gröppe ist ein altes Wort und bezeichnet einen vom Wasser ausgespülten Graben, einen schattigen mittelalterlichen Hohlweg, und in der Kellergröppe in Raab wurden links und rechts in die Wände des Hohlweges 26 Keller in den Sand gegraben, oft 70 Meter tief in den Hang hinein.

OT Hilde Ganglmaier – Die großen Keller werden auch heute noch genutzt von den Baumschulen im Winter zum Pflanzen einlagern. Weil die Temperatur konstant 9 Grad Sommer wie Winter ist. Und wenn Sie wollen, das ist mein eigener Keller, Sie können reinschauen, das ist ein Haushaltskeller, da können wir reinschauen, dürfen Sie sich nicht schrecken, es ist finster (ATMO). Vorsicht! Sie sehen, das ist ein typischer Haushaltskeller. Man lagert Äpfel, ich habe einen Kren herinnen, und die Äpfel können Sie kosten, die kann man noch essen. Ich suche Ihnen einen schönen aus.

Und wirklich, der Apfel schmeckt gut, vom letzten Herbst den Winter hinüber gerettet, und das ohne Strom. In den großen Kellern wurde auch, als es noch drei  Brauereien im Ort gab, Bier gelagert. Ein begeisterter Biertrinker war damals auch Franz Stelzhammer, Dichter und Schöpfer der oberösterreichischen Heimathymne. Ihm wird heute hier gedacht.

OT Hilde Ganglmeier – Der war ja Wanderer, war früher immer zu Fuß gewesen, und ist ganz viel nach Raab gekommen, weil ihm das Raaber Bier so geschmeckt hat. Da hat er so ein liebes Gedichtl geschrieben.- (Räuspert sich). Aber jetzt frisch voran, übers Viechtstein und Fran, wo es das beste Bier oh gad. Z’Raab halt dich staad. Raaber Bier, Raaber Bier, bist wie ein Graberstier. Haust um dich, schlagst um dich. Sakaratie. – Die Kellergröppe, jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Jetzt ist es wunderschön, wenn es grün ansticht. Wunderschön im Frühling, im Winter wenn es hereinschneibt ist es wunderschön. Im Sommer ist es sehr kühlend, und im Herbst ist die Laubfärbung das Besondere, das Ganze Flair vom Herbst kommt dann zum Vorschein.

OT Kinder – … 16, 17, 18, 19, 20

Zurück in der Schule, bei den zählenden Kindern. Sie haben hier ausreichend Platz zum Spielen und zum Aufwachsen. Wenn sie aber eine höhere Schule besuchen möchten, müssen sie weg aus ihrer Heimat, sagt ihre Lehrerin, die aber selbst nach Jahren im Ausland mit ihrer Familie wieder zurückgekommen ist.

OT Lehrerin – In unserem Bekanntenkreis sind viele, die wirklich wo anders studiert haben, etwas gesehen haben von der Welt. Und wieder zurückgekommen sind. Das zeichnet eine Gegend aus, dass nicht nur die Leute abwandern, sondern dass auch wieder Leute zurückkommen. (Lacht)

Und ein Geheimnis müssen wir noch lüften, sagt der Heimatkundelehrer: warum der Sauwald Sauwald heißt.

OT Lehrer – Der Name Sauwald leitet sich ab vom Passauer Wald, und nicht wie viele meinen würden, von den vielen Wildschweinen, von den Wildsauen. Also: Passauer Wald, Sauwald. Daher kommt der Name.

Hintergrund: Wie ist es zu diesem Beitrag gekommen? Ausflug nach Kopfing, zum schönsten Hühnerstall der Welt, über dem Innviertel. Besuch in der Hauptschule Esternberg bei den Kindern, die ein Dialektprojekt gemacht haben. Für Rudi Radiohund. Ausflug nach Raab, Wanderung auf den Haugstein, Besuch bei Feuerwehrfest mit Traktorenschau.

Link: Haugstein (Wikipedia)

134. Sprengstoffnachweis auf Entfernung

Es klingt wie die Erfüllung eines lang gehegten Traumes, den Inhalt von Behältern zu bestimmen, die in großer und damit sicherer Entfernung stehen. Forscher der Technischen Universität Wien haben zwei Verfahren kombiniert, die nun genau das schaffen. Sie können mit Laserlicht Chemikalien in einer Entfernung von 100 Metern nachweisen, selbst wenn sie im Inneren von Behältern verborgen sind.

Link: https://www.deutschlandfunk.de/sprengstoffnachweis-auf-entfernung-100.html