Radio, Science, Education

Wien

  • Die Artenzusammensetzung der Hecken umfasst die international als phänologische Indikatoren verwendeten Arten. (Quelle: nicht mehr auffindbar)

    • Hasel (Corylus avellana)
    • Schlehe (Prunus spinosa)
      Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
    • Sal-Weide (Salix caprea)
      Hunds-Rose (Rosa canina)
    • Gewöhnlicher Liguster (Ligustrum vulgare)
      Gewöhnlicher Spindelstrauch (Euonymus europaeus)
    • Berberitze (Berberis vulgaris)
    • Breitblättriges Pfaffenhütchen (Euonymus latifolius)
      Faulbaum (Frangula alnus)
      Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
    • Gewöhnliche Pimpernuss (Staphylea pinnata)
    1. Der Schuldschein lag ihm pfundschwer auf der Brust. 
    2. Der Mundschenk brachte das Kunststück in der Gaststätte fertig. 
    3. Vom Lastschiff aus haben wir eine gute Rundsicht. 
    4. Eine kurze Zeit werden wir auf diesem Grundstück Feldsport betreiben.  
    5. Thérèse mit der Mundspange versteckt sich hinter dem Wandschirm.  
    6. Der Rundspruch sagte aus, daß Frostschutz zu verwenden sei. 
    7. Entsprechend müde watscheln wir durch den tiefen Tann. 
    8. Auf Weg und Steg begleiten uns stark verästelte Holzstauden. 
    9. Der Puter wurde von Astrid mit fettem Speck gespickt. 
    10. Der Doktor wird vor dem Herzstillstand schmerzlindernde Mittel geben.
    11. Das Herzstück der Stelze wurde mit Stumpf und Stiel gefuttert. 
    12. Nach dem Staatsstreich trat eine deutliche Entspannung ein. 
    13. Der Putsch der Stabsoffiziere war nicht entschuldbar.
    14. Dieser rostrote Rost an der Schaltstelle täuscht Fred so recht. 
    15. Gute Partner empfinden tausend Jahre wie einen Tag. 
    16. Der Tscheche brachte die Wandschoner mit dem Postschiff. 
    17. Nach gutem Ratschlag verwendeten wir einen Blendschutz. 
    18. Der Brustschwimmer stieß einen Angstschrei aus. 
    19. Im Steinfeld, nahe der Ortschaft Trieben, fand man den Totschläger. 
    20. In Handschellen wurde Otto aus dem Beichtstuhl getragen. 
    21. Auf einer Erdscholle schaffte er den Handstand auf einer Hand. 
    22. Der Buntspecht klopfte im Wettstreit mit den klappernden Störchen.
  • Ö1 / 16.03.2020-20.03.2020 / Vom Leben der Natur

    Seit mehr als 50 Jahren: die Suche nach dem Einschlag kosmischer Boliden.
    Der Astrophysiker Dieter Heinlein spricht über das Feuerkugelnetz.

    Bei den Himmelskörpern, die auf die Erde fallen, gibt es einige sehr konkrete Namen zu vergeben. Zunächst ist es ein Asteroid – ein Stück Stein oder Metall aus der „Schottergrube“ des Sonnensystems zwischen Mars und Jupiter. Wenn es durch irgendwelche Gründe auf Kollisionskurs mit der Erde geht, wird ab 80 km Höhe die Reibung mit der Atmosphäre für Leuchterscheinungen sorgen. Wir sprechen von einem Meteor. Ist er klein – dann ist es eine Sternschnuppe. Nichts kommt auf der Erde an. Ist er groß, wird die Leuchterscheinung in rund 10 km Höhe stoppen, weil er zu langsam wird, um Leuchterscheinungen hervorzurufen. Vorher aber zischt und knallt und rumpelt es gewaltig, eine sehr helle Sternschnuppe ist sichtbar, sie wird auch Feuerkugel genannt. Ab 10 km Höhe wird seine Verfolgung zum Glücksspiel. Da das Leuchten stoppt, kann die Bahn der Feuerkugel nur rechnerisch fortgesetzt werden. Im Zielgebiet wird dann gesucht: der Meteorit, ein verkohltes Stück extraterrestrischer Materie. Ein Meteoritenfall hat stattgefunden.

    Das Feuerkugelnetz wurde von rund 50 Jahren im tschechischen, süddeutschen und österreichischen Raum gegründet, um die Leuchtspuren von Feuerkugeln zu fotografieren. Einmal pro Monat werden die Filme entwickelt und die schwarz-weiß-Fotos auch heute noch manuell betrachtet und analysiert. Die Spur einer Feuerkugel findet sich meist auf den Aufnahmen mehrerer Stationen und so kann nach Berechnungen der Einschlagsort auf einige Quadratkilometer eingegrenzt werden, um die Suche nach Überresten zu beginnen.

    Interviewpartner

    Dipl. Phys. Dieter Heinlein
    Technischer Leiter „Feuerkugelnetz“
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Planetenforschung, Planetengeodäsie
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Rutherfordstraße 2
    12489 Berlin

    Link:

    1. Vielfältige Namen
    2. Aufnahmen des ganzen Himmels
    3. Der Meteorit von Neuschwanstein
    4. Schwere Materie
    5. Suche nach Wasser

    1. Sprache ist zu groß – man eifert vielleicht jemandem oder etwas nach, möchte einen Schein erwecken, fehlender Zeitraum, der beansprucht wird; Atem mit Mundgeräuschen; Klicken
    2. Technik ist zu schlecht – Hall, Nichtpräsenz, Lautstärken, Rauschen
    3. Kein Feed, oder sonderbarer Feed, oder Feed in geschlossenen Systemen
    4. Konzept ist mau bei niedriger Folgenzahl
    5. Format ist nicht nachhaltig – zu viel Energie pro Folge
    6. Monolog statt Dialog oder Trialog etc: Isoliertheit im Denken, Isoliertheit in der Durchführung
    7. Keine Anbindung an Sendegate/Podlove – keine Kapitelmarken, Player, Transkript, Shownotes, keine gegenseitige kostenlose Hilfe
  • Beachte: „D“ am Ende eines Wortteils (Fundgrube) oder eines gesamten Wortes (Hund, und) muß immer aspiriert – etwas härter – ausgesprochen werden.

    1. Nach dem Tumult höchst ermattet, sank er entkräftet ins Bett. 
    2. Bei schlechtem Wetter den Tee trotzdem durch das Tor zum Teich tragen. 
    3. Die Trauben träge von der Tüte in das Tuch tun. 
    4. Der Attentäter wurde am Tatort gefaßt und bei Tag hinter Gitter gebracht.
    5. Gütig die Tragtasche Stück für Stück weitertragen.
    6. Der Wind kommt an dieser Stelle aus Nord, nicht aus Süd!
    7. Gestern hat er der angetrauten Tochter ein Bild entwendet. 
    8. Im Bad, bei gutem Wetter, betriebsam die Landkarte studieren. 
    9. Anton macht sich an Ort und Stelle ein Bild von dem Antrag. 
    10. Viele der Radfahrer fuhren, total blind, nach Radstadt.
    11. Die entführte Tochter trieb’s durch Betrug total bunt.
    12. Trude trägt sogar im Altbau ein Goldarmband zum Hemd.
    13. Astor hat gestern ein Bild von der Wand entwendet.
    14. Ohne triftigen Grund hat die Braut bald Altgold geklaut.
    15. Windreich bricht in der gut geplanten Trabantenstadt der Tag an.
    16. Wer ohne triftigen Grund getutet hat, wird in Tunke getaucht.
    17. Das in Tinte getauchte Traktat war unstatthaft.
    18. Den Mund voll Brot kam sich Edgar im Bad wie ein Held vor.
    19. Die Tischplatte des Toilettentisches ist meist verstellt.
    20. Der Teertrog voll Teer dampft und verbreitet feinsten Duft.
    21. Tante Trude tanzt mit Otto im Theater einen mittelalterlichen Totentanz.
    22. Der Tod ist und bleibt ein gutes Thema der tragischen Theaterstücke.
    23. Die Tanztruppe der tunesischen Tänzer ist gut betreut.
    24. Theatralisch und mit Kraft spielte der altgediente Held die Tragödie.
    25. Am toten Punkt angelangt und total abgetrennt von allem Betrieb.
    26. Die Tontauben triften durch den Südwest in Richtung Wald.
    27. Die in Tunke getunkten Torten standen in stählernen Tassen.

  • Vindfloy.Bees

    Corona und Varroa in Bergen (Norwegen) und Wien (Österreich) am 15. März 2020. Gespräch mit Manuel Hempel. Er ist Imker in Bergen – ihr kennt ihn schon. Wir machen einen Situationsabgleich. Link zu seinen Bildern und Videos auf Instagram (Vindfloy)

    Episodenbild: Obstbaumblüte 2020 / 15. März / Wien / Arthur Rachbauer

  • Die Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) ist Teil der Österreichischen Reifeprüfung. Damit das ein bisschen netter wird, habe ich auf meiner Physikseite drüben ein paar flotte Sachen zusammengetragen. Bitte hier entlang: https://www.phyx.at/vwa/

  • Hinweis: Stimmhaftes und stimmloses S wird in Österreich nicht wirklich unterschieden. In dieser Episode wird deshalb auch nicht unterschieden, obwohl es eigentlich um das “wechselnde” S geht. Wenn Sie sich professionell weiterbilden, werden Sie dieses Thema mit Ihrem Sprechtrainer individuell bearbeiten.

    1. Es hat sich und es war ratsam – du mußt sitzen! 
    2. Hast seins und haßt Seide?
    3. Du mußt der Entsiegelung des Briefes entsagen! 
    4. Aus Zeitmangel zog der Zar erst an die Saar, dann an die Isar. 
    5. Das Seil des Sklaven lag im Sand. 
    6. Beim Melken mußt du sitzend an den Zitzen sanft ziehen. 
    7. Die Sitten der Szythen glichen einem Skandal. 
    8. Sie müssen diesen Teil des Dramas als Szene bringen. 
    9. Zahlreiche Zander sanken auf den sandigen Grund. 
    10. Aus Zwang betrat der Sohn die Zone der Hitze. 
    11. Zeile für Zeile die Buchseiten durchsieben. 
    12. Sibylle zahlt’s Salz und tritt damit in den Festsaal. 
    13. Aus Selbstsucht oder aus Zufall sich hastig ins Zeug legen. 
    14. Daß der Selbstzünder sich selbst entzündete, gilt als Zweifel. 
    15. Es ist ratsam, selbständig und aus Zweifel, Skorpionen auszuweichen. 
    16. Zum Selbstschutz sang sie in der sehr finsteren Nacht. 
    17. Selbstsicher den Biß sauber aussaugen. 
    18. Er wird den miesen Zustand zugestehen und Selbstzucht üben. 
    19. Selbstsicher das Szepter als Zweck zum Mittel nehmen. 
    20. Die Seile waren aus Zwirn, man sah es, als sie zwischen den Tauen lagen. 
    21. Sylvia und Susi gehen als zwei Zangen auf den Maskenball.
    22. Zur Stund’ sang sie die Sachen ohne Zunder. 
    23. Das Los des soeben im See versunkenen Eisläufers soll aussichtslos sein.
    24. Süßsaures Senfgemüse aus Süditalien soll etwas sehr Köstliches sein. 
    25. Falls sie fallsüchtig sind, sollte man sie ins Sanatorium aussondern. 
    26. Sieben plus sechs sind seltsamerweise höchstens sechs plus sieben. 
    27. Wer sagt uns, daß sie sonst so süß ist, wie sie außen aussieht? 
    28. Falls seine Bremsen ausnahmsweise versagen, wird der Fels bremsen.
    29. Sorge nicht, suchende Seele, siehe, die segnende Sonne 
      sendet dir sorgsam und sanft des rieselnden Lichtes Wonne, 
      sagt dir, daß alles fließt; daß nach allem Sinnen und Sorgen 
      sicher erstrahlen dir muß alles süßseliger Sehnsucht Morgen!
    30. Das Wasser soll silbern fließen ins kristallene, helle Glas. 
      Wir wollen es saugend genießen, das köstliche, göttliche Naß. 
    31. Im heißen Sommerwalde, da singt so froh der Gesell’, 
      sieht er nach sonniger Halde den rieselnden Silberquell!
    32. Dies sagte die zierliche Seiltänzerin zum Zeltmeister des sechsmastigen Riesenzeltes, als er sie ausnahmsweise nicht aufs Seil hinauslassen wollte, weil ihre zitternden Fersen zeigten, daß sie nervös sei und er deshalb nicht zulasse, daß sie sich jetzt Todesgefahren aussetze. „Herr Zeltmeister“, sagte sie, „zuerst dies – sie sagen, ich sei nervös; das mag sein. Aber wer soll sonst nervös sein, wenn nicht eine Seiltänzerin, bevor sie den Fuß aufs Seil setzt? Das ist es doch, was uns Seiltänzer aufs Seil hinaus treibt, die entsetzliche Unsicherheit, Zweifel und Angst, das sich alles als Zittern im Fuß äußert, was denn sonst? Sehen sie, dies ist die Weisheit des Seiltänzers und seine Gewißheit: Sobald der erste Fuß aufs Seil gesetzt ist, löst sich das Zittern zuerst in sanftes Kräuseln unter Fersen und Zehen. Das ist für uns das Zeichen, daß Fuß und Seil sich begrüßen und wir uns mit ganzer Seele den zweien überlassen müssen, dem Fuß, der jetzt weiß, was als nächstes zu tun ist, dem Seil, das es nicht vergißt, daß es den Fuß zu tragen hat. Und so vergißt man alles unter sich, alles über sich und ist ganz tanzende Seele. Der Seiltänzer ist erlöst, solange er auf dem Seil tanzt.“ Der Zeltmeister sah sie verdutzt an. Sie zog sich zum Seil empor, setzte erst etwas zögernd, dann selbstsicher Fuß vor Fuß und tänzelte graziös, zierlich und selbstvergessen übers Seil zur anderen Seite.
    33. Das Wasser soll silbern fließen ins kristallene, helle Glas. 
      Wir wollen es saugend genießen, das köstliche, göttliche Naß. 
      Im heißen Sommerwalde, da singt so froh der Gesell, 
      sieht er nach sonniger Halde den rieselnden Silberquell.
    34. Sie sitzt am Ofen, schnurrt und kratzt und putzt sich mit der Tatze
      Sie fängt den Spatz mit einem Satz;
      sagt, wer das ist: die Katze.
    35. Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, 
      pfeilschnell ist das Jetzt entflogen.
    36. Sorge nicht, suchende Seele, siehe, die segnende Sonne
      sendet dir sorgsam und sanft des rieselnden Lichtes Wonne, 
      sagt dir, daß alles fließt; daß nach allem Sinnen und Sorgen 
      sicher erstrahlen dir alles muß in süßseligem Morgen!
  • Ich höre immer wieder mal von Schüler:innen, dass sie in der Schule von Wikipedia gewarnt werden. Besonders im Bereich der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) als Teil der österreichischen Reifeprüfung sollen Schüler:innen mit Quellen von Wissen kompetent umgehen. Wikipedia ist böse. Oder zumindest nicht offen und zugegeben verwendbar.

    Es scheint so, dass Positionen von Lehrer:innen aus der ersten Zeit von Wikipedia stammen und aktualisiert werden können. Hilfreich ist dazu, selbst einen Wikipedia-Artikel zu schreiben, oder auch nur zu bearbeiten, um die aktuellen Mechanismen kennenzulernen, um zu sehen, dass nicht “irgendetwas” in die Enzyklopädie aufgenommen wird. Klar, es muss nicht alles stimmen, was in der Wikipedia steht. Aber: es kann eben nicht jeder alles schreiben. Hat ein Autor keinen Ruf erarbeitet, müssen seine Änderungen oder Artikel erst “gesichtet” werden. Jede Behauptung in einem Wikipedia-Artikel braucht einen Beleg – sonst wird es im Artikel gekennzeichnet. Gelöscht wird da durchaus schnell. Es gibt umfassende Diskussionen über die Relevanz von Artikeln – alles hinter den Kulissen und sichtbar für jene, die selbst mitschreiben.

    Natürlich wird eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema nicht im Überblicksartikel bleiben und vielleicht zu den Quellen des Wikipedia-Artikels, der Belege, führen. Aber als Angabe der Basisliteratur zu wohl allen denkbaren Themen ist der Wikipedia-Artikel meines Erachtens sehr gut geeignet. Er gibt einen Überblick, wurde von mehreren Menschen verfasst, wird ständig aktualisiert, und die Mechanismen der Inhaltserstellungen sind transparent. Selbstverständlich sollte man den zugehörigen Wikipedia-Artikel zum Thema vor der Einreichung einer VWA gelesen haben, des Überblicks wegen – und somit ist es in Ordnung für mich, ihn auch als Basisliteratur anzugeben.

    [quote]Das, was Wikipedia von Lehrer:innen vorgeworfen wird, offen zu sein, um es als Argument zu verwenden, Wikipedia nicht zu verwenden, könnte heute im Jahr 2020 eigentlich umgekehrt gehandhabt werden. Gerade weil sie offen ist, und die Vorgänge dahinter transparent sind, sollte sie verwendet werden. Das ist bei anderen enzyklopädischen Standardwerken nicht unbedingt der Fall. Fehler wird es auch dort geben, nur sind die Vorgänge dahinter nicht transparent. — Lothar Bodingbauer, VWA-Betreuung am Abendgymnasium Wien.[/quote]

    Übrigens: wenn es sich um Lehrbuchwissen handelt, brauchen Quellen nicht angegeben zu werden. Man muss also nicht immer und unbedingt dazusagen, dass man sein Wissen aus der Wikipedia hat. Empfehlenswert ist in jedem Fall, vor allem Lesen sich über ein Thema selbst Gedanken zu machen, was man weiß, was man erwartet, um dann genauer nachzulesen. Und selbstverständlich sollte man den Wikipedia-Artikel zu jedem Thema gelesen haben, mit dem man sich irgendwo im (halb-)öffentlichen Raum beschäftigt, bevor man loslegt.

  • Geht es Ihnen auch so? Sie haben ein Wort, dass Sie eigentlich gut kennen, müssen aber trotzdem immer wieder nachschauen, wie man es schreibt? Reparatur oder Reperatur? Das oder der Radio? Ein Wort taucht dieser Tage immer wieder mal falsch auf – INFISZIERT.

    Filename: radio315_wow_infiziert Beitrag

    Filename: radio315_wow_infiziert


    Manuskript

    SIGNATION: Das Wort der Woche

    Wohl kein anderes Wort spaltet die Bevölkerung eindeutiger in zwei Gruppen.

    OT Infisziert_Lang

    Und was mir auch auffällt, der Mitarbeiter, der mit dem Virus infisziert ist.

    So sagen die einen. Und …

    OT Infisziert_Kurz

    Der Mitarbeiter, der mit dem Virus infiziert ist.

    … sagen die anderen. Sie haben es gehört, es war dieselbe Person. Und das Missgeschick, das Sprachliche, ist durch einen Schnitt leicht korrigierbar.

    OT infisziert / infiziert

    Infiziert – infisziert – infiziert – infisziert – infiziert

    STOP!!!

    Vielleicht sollte man besser: “angesteckt” sagen.

    Infisziert. Die Autokorrektur am Computer steckt das Wort sofort in Quarantäne und streicht das versehentliche S gleich weg. Das wird sich also gar nicht erst ausbreiten. Die APA, die österreichische Nachrichtenagentur, hat seit 1986 nur 13 Meldungen ausgeschickt, in denen infiSziert steht. 16.191 Mal hingegen lautete es richtig “infiziert”. Fehlerquote 0,08%.

    Die Trennlinie richtig/falsch verläuft also nicht im geschriebenen Text, sondern entlang der gesprochenen Sprache, und hier entlang des Lateinunterrichts. Inficere ist die lateinische Grundlage für das Wort, “mit etwas anmachen”, mit etwas tränken. Zum Beispiel mit Gift. Inficere – infectum. Von facere – “machen”. Verwandt dazu: affizieren. Affekt. Fazit. Defizit. Defekt. Weit und breit kein S.

    Jetzt kann man sagen, blöd gelaufen, der Volksmund ist halt so, da ist ein s schnell zur Stelle, wenn es gut klingt, wenn es dazu passt. Aber es ist vermutlich mehr: Es gibt nämlich ein Wort mit S, das so ähnlich ist: Konfiszieren. Infizieren. Konfiszieren. Sie hören den Unterschied? Konfiszieren hat ein S. Und das ist richtig so. Es kommt von con – und Fiskus – die Sache mit dem Geld. Etwas in die Geldlade legen. Beschlagnahmen und ab in die Kaiserliche Schatzkammer. Und ein zweites – süßes – Beispiel: die Konfiserie – wir lieben ja die französischen Worte, auch da ein S – Konfiserie, aus dem Französischen entlehnt, ein Betrieb zum Herstellen von Süßwaren.

    Für den Betrieb einer Radiostation ist die ganze Sache nicht einfach. In den Hörerprotokollen gibt es immer wieder Hinweise auf falsche Aussprachen jedweder Art, mal freundlich, mal – na, sagen wir, ernst.

    ZITAT 1:

    Es heißt nicht der Virus, sondern das Virus.

    … schreibt der eine Hörer, und der andere …

    ZITAT 2

    Soeben war eine Sendung zur Grundlagenforschung über Viren. Ich möchte am Kultursender nicht mehr “das” Virus hören, es ist eine Ungeheuerlichkeit! Im Duden ist zwar diese Form erlaubt, sie bezieht sich aber eindeutig auf Computer-Viren.

    OT Haimo Godler 1

    Tja, da kann man erkennen, wie umstritten Fragen der Aussprache und der Sprache generell sind.

    Haimo Godler, ORF. Sein interner Newsletter heißt “Leider gehört – die Ö1 Fehlerbox”.

    OT Haimo Godler 2

    Es heißt das Virus im wissenschaftlichen Kontext. Der Virus ist umgangssprachlich erlaubt. Es gibt bei vielen Dingen auch kein richtig oder falsch, sondern meine Aufgabe ist es dann, wenn es mehrere korrekte Möglichkeiten gibt, eine gewisse Einheitlichkeit herzustellen, was bei über 900 Menschen, die beim ORF am Mikrofon arbeiten nicht ganz einfach ist. Bestes Beispiel ist jetzt die Quarantäne oder die Quarantäne. Richtig ist Quarantäne, auch wenn es viele Leute gibt, die richtigerweise sagen, das kommt aus dem Italienischen Cuaranta, weil in Venedig mussten während der Bestzeit alle Matrosen 40 Tage auf einer Insel verbringen, usw. Weiß ich alles, trotzdem Quarantäne, weil das Wort aus dem Französischen ins Deutsch gekommen ist.

    Die Aufgabe des Chefsprechers Haimo Godler ist hier auch erst einmal Sicherheit auszustrahlen, und auf Beschwerden freundlich zu antworten.

    OT Haimo Godler 3

    Ein schönes Beispiel ist, dass man den Vorschlag macht, Mozartbriefe im Original zu lesen, sowohl was Rechtschreibung als auch Wortwahl und Grammatik betrifft, dann vielleicht um nicht allzeit zurückzugehen, sich Texte von Arthur Schnitzler im Original anzuschauen, wenn man die Dativ- und Akkusativverwendung heute in einem Schulaufsatz verwenden würde, bekommt man ihn mit vielen roten Strichen zurück. Will heißen, Sprache verändert sich, sprechen verändert sich, Grammatik verändert sich und diese Prozesse sind unaufhaltsam, irreversibel und sie sind auch schwer zu steuern. – Aber eine Frage habe ich schon noch, warum ist da so viel Emotion dabei: “Das ist ungeheuerlich”. – Na ja. Das Auslösende Kriterium ist oft die Frage der Identitätsstiftung. Und wenn sich die Sprache verändert, verändert sich auch das Identitätsgefühl von v vielen Menschen und das führt dann dazu, dass viele Menschen das Gefühl haben, im eigenen Land mit ihrer Sprache ins Abseits zu geraten. Und das emotionalisiert Inn ganz besonderer Weise. – Es gibt sehr oft kein richtig oder falsch, aber manche Dinge sind objektiv falsch, “infiszieren” ist jedenfalls a Bledsinn.

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Lothar Bodingbauer ist österreichischer Radiojournalist, Abendschullehrer und freier Podcaster.

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Text: Zum Hintergrund (2014)

Fotos sind auch auf Instagram: lobodingbauer