Radio, Science, Education

Wien

    1. Der Bote trat, durchtrieben lächelnd, an den Trog.
    2. Hast du das Ding gut durchgebraten?
    3. Der Wilddieb traut dir nicht.
    4. Im Abenddienst sind die Bliddarmschmerzen härter zu ertragen.
    5. Warst du nur im Hemd, als du den Wald durchstreiftest?
    6. Dies und das fand ich an dir altdeutsch oder plattdeutsch. 
    7. Die Fahrtdauer wird unter Zeitdruck nicht kürzer. 
    8. Ernst dreht Draht und du schaust die Post durch. 
    9. Mit allem Drum und Dran kalt duschen hält dich auf Dauer warm.
    10. Sind die Raddampfer währenddessen eingetroffen?
    11. Bald darauf hat er den Pultdeckel zugeschlagen. 
    12. Während dem Fahrdienst notdürftig die Post durchsehen.
    13. Redest derb, legst breit dar, wann wirst du endlich denken?
    14. Hast du im Altdorf fortdauernd Donner und Doria gerufen?
    15. Kraft deines Amtes wird dieser Zeitungsdruck durchgehen.
    16. Der Wald dunkelt und ich fand dich total durchnäßt.
    17. Dies und das hast du gut durchdacht.
    18. Halt dich im Felddienst gerade und tüchtig!
    19. Deine Tante liest Dantes Göttliche Komödie dilettantisch vor.
    20. Nicht tausend Tonnen Getreide lindem die Not.
    21. Der Anstreicher übertünchte die feuchten Wände.
    22. Sei nicht dumm, tummle dich tüchtig!
    23. Und es wallet und siedet und brauset und zischt,  wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt, 
      bis zum Himmel auf spritzet die dampfende Gischt,  und Flut auf Flut sich ohn’ Ende drängt.
    24. Geduld, du ungeheures Wort, 
      wer dich erlebt, wer dich begreift, 
      erlebt hinfort, begreift hinfort, 
      wie Gottheit schafft, wie Gottheit reift.
    25. Tod und Teufel ängsten im Tal den tastenden, tappenden Tor,  trüben den Tag ihm und bringen selbst Trost nicht zur Nacht,  doch den Helden der Tat trägt der Lichtgott zu Matten empor,  wo satte Saaten stehn in triefender, tauiger Pracht, 
      wo Blütenkränze man windet zum heiteren Tun und Tanz, 
      und das Horn der Freiheit ertönt in des Treibens weitleuchtenden Glanz!
  • BEITRAG / Teil 1

    Link: https://www.deutschlandfunk.de/reise-geraeusche-raetsel-die-frage-dlf-93686d7c-100.html

    Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie das folgende Geräusch schon einmal gehört haben. (GERÄUSCH) Und es ist durchaus personenabhängig. (GERÄUSCH). So klingt es beim Geduldigen, und so beim Ungeduldigen, oder bei dem der wenig Zeit dafür verwenden will. (GERÄUSCH) Der Zaghafte, es könnte auch der Sparsame sein. Wie auch immer, was ist das für ein Geräusch? Sie kennen es bestimmt, und ich wasche jetzt erst mal die Hände. (ATMO)


    BEITRAG / Teil 2

    Link: https://www.deutschlandfunk.de/reise-geraeusche-raetsel-die-aufloesung-dlf-ba6db079-100.html

    Dieses Geräusch (GERÄUSCH) – Sie kennen es bestimmt, wenn man nämlich mehr von seinem Hintergrund dazu noch hört (ATMO), in der Eisenbahn, in der Eisenbahn, in der Deutschen, in der Österreichischen und wahrscheinlich auch in der Schweizer Eisenbahn hat oder hatte dieses Geräusch seinen Lebensraum, und zwar im WC. Es ist der Trockenseifenspender. Das war nämlich jenes Gerät, das unten so einen igelhaften Kreis hatte, mit drei, wahrscheinlich 120 Grad, 360 Grad durch 3, 120 Grad ja, versetzten Stacheln, die man mit den Fingern fassen und drehen kann, und es wird dabei die Seife, die trockene Seife auf die Hand gerieben. Und wenn dann kein Wasser da war, weil es schon aus war, konnte man sich die Seife (ATMO) runterklopfen. Heute ist es ja so, dass mit Flüssigseife das Problem besteht, wenn das Wasser aus ist haben wir die Seife flüssig in der Hand, was soll man tun. Ja, früher war ja alles besser… Also, die Erinnerungen, wir kennen es. Ich weiß nicht, ob es Trockenseifenspender noch in den modernen Eisenbahnwaggons gibt, man kann aber diesen Spender im Internet sehr wohl leicht finden. Ich habe mir einen schicken lassen, mit einem Karton voller Seife, und habe das im Bad installiert und bin jetzt beim Händewaschen so gut wie auf Reisen.

    (ATMO) Und dazu gibt es Helmut Qualtinger, der „Österreichische Karl Valentin“, mit den schönsten Bundesbahnstationen.

    MUSIK (Helmut Qualtinger, Bundesbahnblues)


    Link zum Trockenseifenspender im Internet: http://sapor.de

    1. Entweder jetzt in den Wald oder dann in den Tann. 
    2. Pudding zur Pute ist unerträglich.
    3. Leider stand die Leiter an der Wand.
    4. Das Drama dieses untauglichen Dramatikers machte wenig Eindruck.
    5. Dotter aus drei Eiern, mit Datteln vermischt, trösten dich nicht. 
    6. In der Tat betritt Tom den dunklen Dom.
    7. Till drechselt eine Daube. 
    8. Der tiefe Ton wurde nur unter großem Druck zustande gebracht. 
    9. Runder Tritt der gedrillten und getadelten Soldaten. 
    10. Aus einem starken inneren Drang heraus eroberte er den Thron. 
    11. Deine durchtriebene Dreistigkeit ist uns kein Trost. 
    12. Die dummen Tauben saßen am Tram, die stärkeren am Draht. 
    13. Der Eintrag des Datums geschah unter Drogeneinfluß. 
    14. Trink deinen Drink, teure Astrid, und laß den Tee in der Tasse!
    15. Der dumme Tor wurde durch die Drehtür durchgedrängt. 
    16. Vor lauter Taktgefühl die triefende, tropfende Dillsoße verdrücken. 
    17. Weder das Wetter noch die Tiere hindern dich daran, die Tracht zu tragen.
    18. Am Trödlermarkt hast du ein dunkelgetöntes Bild erstanden. 
    19. Der Widder tritt auf die von ihm gefundene Made auf der Matte. 
    20. Fröhliche Lieder trällernd, trinken wir Liter um Liter. 
    21. Der dunkle Tondichter hat einen wildernden Hund. 
    22. Der Andrang fand auf Antrag der Ortsbehörden statt. 
    23. Der Dampfer liegt, an Tauen festgemacht, im Trockendock. 
    24. Dante war Gott sei Dank nicht so durchtrieben, wie man dachte. 
    25. Der tolldreiste Dachs hatte dann doch Tollwut gehabt. 
    26. Nach durchtobten, durchzechten Nächten ist uns total elend zumute.
    27. Meistens werden von den Tondichtern Durtonarten angewandt. 
    28. Das Attentat auf den Thronprätendenten fand doch nicht statt. 
    29. Drucken dürfte man nicht, was die gute Mutter über die Soldaten dachte.
    30. Betet, danket, darbet, duldet! Nicht entrückt durch töricht Denken,  nicht enttäuscht, verderbt durch Welttand, trifft der Tod dich nicht dort drüben.
    31. Fort mit der Demut dürft’ger Tracht!
      Nicht däucht dich’s dumm und töricht doch,  daß dort der düst’re Tod dir droht, 
      der tobend dröhnt und leicht dich trifft!
      Tappst taumelnd, nicht denkend der Tat, du Tor, 
      traust dumm und träumend dem dürft’gen Trott,  der töricht Tausend drängt und treibt!
  • Deutschlandfunk, Sonntagsspaziergang, 26.04.2020

    Link: https://www.deutschlandfunk.de/polarlichter-und-weltenraum-dlf-de546f87-100.html

    Klänge aus Sodankylä, Finnland

    Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einem Zebrastreifen. In Lappland. Im Norden Finnlands. Es ist dunkel, es gibt überall Schnee. Irgendwie ist es hell, trotzdem. Aber niemand ist unterwegs. Denn alle sind zuhause. Es ist 10 Uhr am Abend. Und Sie stehen an diesem Zebrastreifen und warten, weil die Ampel rot ist.

    ATMO Piepsen / Ampel

    Und dann springt die Ampel auf Grün.

    ATMO weiter

    So klingt in Sodankylä, im Norden Finnlands, das akustische Leitsystem für Blinde über den Zebrastreifen Und das steht irgendwie für die Arbeitsweise der Wissenschaftler dort, denn dort gibt es nämlich ein geophysikalisches Institut, das das Magnetfeld der Erde und damit verbunden das Nordlicht untersucht. Und das funktioniert auch irgendwie ähnlich wie dieser Fußgängerübergang, der symbolisch dafür steht: Man schickt Signale in den Himmel und empfängt Funksignale vom Himmel. Und an dem, was da fehlt, kann man sagen, was sich da zwischen Himmel und Erde abspielt – nämlich das Weltraumwetter, das Nordlicht, die Farben des Nordlichts. (ATMO weg)

    Die Schülerinnen und Schüler warten oft an diesem Zebrastreifen auf dem Weg zum Gymnasium. Wenn man pfeift, kann man das Nordlicht hervorlocken, sagen sie. Und wenn es jetzt immer heller wird, dann verschwinden sie, die Nordlichter. Aber im Winter des Nordens, da sind sie oft zu sehen

    OT Finnische Mädchen

    Jonna und Räta erzählen von ihrer ersten Begegnung.

    ÜBERSETZUNG

    Wir waren auf dem Berg Schlitten fahren. Und da waren so Nordlichter, so verrückte. Die haben wir lange beobachtet.

    Als kleines Kind habe ich mich auch oft über das Nordlicht gewundert. Und wie verrückt geschriene, „was sind die denn“, und dabei bin ich herumgerannt. „Was sind die eigentlich“, zeigte ich lachend mit dem Finger auf sie. „Was sind die, ich will sie berühren“. Und dann hat mein Patenonkel gesagt, „Das sind Nordlichter“. „Wow, habe ich gesagt“.

    ATMO Zebrastreifen

    Für die Wissenschaftler ist es der Einfluss der Sonne. Der Sonnenwind, der vom Magnetfelder der Erde eingefangen wird und zu den Polen gebracht wird. Und für die Samen, die indigene Bevölkerung, da gibt es die Legende, dass das Legende vom Fuchs kommt, vom Polarfuchs, der mit seinem Schweif über den Himmel stricht.

    Aber jetzt kommt erst einmal das lange Tageslicht, der Sommer.

  • In einem am Montag bekannt gewordenen Brief teilten Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan mit, künftig jeglichen Kontakt mit den vier britischen Boulevardblättern “Sun”, “Daily Mail”, “Mirror” und “Express” vor zu meiden – der Grund: die Verbreitung, “verzerrter, falscher und übergriffiger” Geschichten.

    Und nachdem die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger eine Öffnung der österreichischen Grenzen für deutsche Sommerurlauber ins Spiel gebracht hatte. titelte die deutsche Boulevardzeitung “Bild” hoffnungsfroh “Erlaubt uns Österreich Sommerurlaub?“

    Filename: radio320_wow_boulevardblatt Beitrag

    Filename: radio320_wow_boulevardblatt


    Manuskript

    SIGNATION “Das Wort der Woche”

    Ist nicht der Boulevard das Große, Schöne, das sehr Prächtige? Das mondäne Leben in der großen Stadt? Vorbeilaufende Menschen, das Laufen, da sind wir sind schon beim Laufhaus um die Ecken dieser Boulevards, und da fängt das Schmuddelige dann an. Halbnackte Damen auf Seite 3.

    Die Boulevard-Blätter werden im Laufen verkauft, schnell, rasch, mit kleinen Beträgen in der Masse kommen die Verlage – zum großen Geld. Und das sogar, wenn es sie gratis gibt. Ein Rätsel?

    Es hilft zum Verständnis der Herkunft des Wortes Boulevardblatt ein wenig ins Englische zu schauen: Yellowpress. Das ist die amerikanische Bezeichnung für die Boulevard-Blätter, allgemeiner ausgedrückt der “Yellow-Journalism”: Der gelbe Journalismus. Wir gehen zurück in das Jahr 1890, nach New York. Dort kämpfen zwei Zeitungen im freien Wettbewerb: the World und the Journal. Joseph Pulitzer, ein ungarisch-amerikanischer Journalist hat die World gekauft und kämpft mit ihrer Stimme gegen politische Korruption und soziale Ungerechtigkeit – mit farbreichen plastischen und sensationslüsternen Stories. The World – die Nummer 1 im Zeitungsmarkt, bis zwei Jahre später 1895 William Hearst das Journal kauft, die Konkurrenzzeitung. Ein schmutziger Kampf entstand, in dem ein Comiczeichner Pulitzers von der Sonntags-World Pulitzers wegengagiert wurde, er hatte dort “The Yellow Kid” als beliebte Comicreihe gezeichnet. Pulitzer engagierte einen neuen Zeichner, der die beliebte Serie mit dem gelben Männchen fortführte und so zeichneten zwei bitter konkurrierende Blätter gelbe Comics – die Bezeichnung “Yellopress” ist entstanden.

    Die Techniken der Massenblätter blieben: die Inhalte im Wesentlichen auch.

    OT: Es geht bei diesen Zeitungen um den Verkauf von Sensationen in möglichst hoher Auflage.

    Ja, so einfach ist das. Das eine bedingt ja auch das andere. Die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank von der Universität Innsbruck:

    OT: Die Presse des Boulevards steht für eine eigene Art in der Berichterstattung mit bestimmten Kennzeichnen. Dazu gehören die Art der Aufmachung, zum Beispiel große Balkenüberschriften mit reisserischen Schlagzeilen, zahlreiche oft großformatige Fotos, die emotionalisieren, sowie eine stark vereinfachte Sprache. Die Texte und Sätze sind eben sehr kurz und auch leicht verständlich und oft sind auch Schlag- und Reizwörter darin erhalten.

    “Tabloids” ist der Ausdruck für die Boulevardblätter in Großbritannien, bezugnehmend auf das kleine Format dieser Zeitungen, ein bisschen größer als A4 – obwohl die auflagenstärkste Boulevardzeitung in Deutschland, die Bild, wieder recht großformatig daherkommt. Ihr kleines journalistisches 1×1:

    OT: Der Hund beisst den Mann, das ist langweilig, aber wenn es heißt Mann beisst Hund, dann ist das eine Sensation, und wenn dann noch eine Katastrophe dabei ist, jemand is zu Schaden gekommen, dann erregt es unsere Aufmerksamkeit.

    Hund reißt sich von Leine, zerbeißt Mäderl Gesicht – das finden wir in der gestrigen Online Ausgabe eines österreichischen Boulevardmediums, und gleich daneben:

    Eingeschläferter Hund von Ex-Ministerin exhumiert

    Riesiger Ansturm auch auf Dönerstand in Wien

    Lkw-Fahrer lag stundenlang tot in Fahrerkabine. Und:

    Corona-Patienten haben plötzlich dunkle Haut

    Erstaunlich friedlich gestern die britische Sun: Meghan Markle, Prince Harry and Baby Archie wish Queen a happy 94th birthday on video call from LA.

    Immer wieder diese drei Elemente.

    OT: Sensation, Vereinfachung und Identifikation. Und je mehr von diesen Faktoren ineinander verknüpft sind, desto besser.

    “Medienwissenschaftlerin liest im Urlaub Schmutzpresse.” – Das ist jetzt erfunden – wäre auch keine Schande, sagt die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank. Verschafft eine Boulevardzeitung doch einen schnellen Überblick, besonders auch in einem fremden Land – über die Hitze in der Stadt, den Puls der Gesellschaft.

    OT: Man ist auf dem ersten Blick sehr schnell informiert, man weiß sofort warum es geht und das Ganze hat natürlich auch einen gewissen Unterhaltungsfaktor und von da her finde ich es per se nicht verwerflif wenn man so eine Zeitung liest, aber natürlich sollte man es mit anderen Informationen kombinieren um sich ein umfassendes Bild zu machen, wie die Nachrichtenlage tatsächlich aussieht.

    Der Boulevard ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Bollwerk. Wer sich mit dem Boulevard einlässt, muss stark sein, er wird auf Plüsch getragen und kommt im Krisenfall in Teufelsküche. Neu ist für alle, dass der marktschreierische Kampf von Massenblättern aus dem Boulevard im Internet stattfindet. Und das kein bisschen leiser.

    ABMODERATION

    Lothar Bodingbauer zum Wort der Woche: Boulevard-Blatt.

    Wort der Woche – Lothar Bodingbauer – Boulevardblatt, 22.04.2020 / Moment – Leben heute / ORF Radio Österreich 1


    MODERATION

    In einem am Montag bekannt gewordenen Brief teilten Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan mit, künftig jeglichen Kontakt mit den vier britischen Boulevardblättern “Sun”, “Daily Mail”, “Mirror” und “Express” vor zu meiden – der Grund: die Verbreitung, “verzerrter, falscher und übergriffiger” Geschichten.

    Und nachdem die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger eine Öffnung der österreichischen Grenzen für deutsche Sommerurlauber ins Spiel gebracht hatte. titelte die deutsche Boulevardzeitung “Bild” hoffnungsfroh “Erlaubt uns Österreich Sommerurlaub?“

    Boulevardzeitung ist ….

    SIGNATION “Das Wort der Woche”

    Ist nicht der Boulevard das Große, Schöne, das sehr Prächtige? Das mondäne Leben in der großen Stadt? Vorbeilaufende Menschen, das Laufen, da sind wir sind schon beim Laufhaus um die Ecken dieser Boulevards, und da fängt das Schmuddelige dann an. Halbnackte Damen auf Seite 3.

    Die Boulevard-Blätter werden im Laufen verkauft, schnell, rasch, mit kleinen Beträgen in der Masse kommen die Verlage – zum großen Geld. Und das sogar, wenn es sie gratis gibt. Ein Rätsel?

    Es hilft zum Verständnis der Herkunft des Wortes Boulevardblatt ein wenig ins Englische zu schauen: Yellowpress. Das ist die amerikanische Bezeichnung für die Boulevard-Blätter, allgemeiner ausgedrückt der “Yellow-Journalism”: Der gelbe Journalismus. Wir gehen zurück in das Jahr 1890, nach New York. Dort kämpfen zwei Zeitungen im freien Wettbewerb: the World und the Journal. Joseph Pulitzer, ein ungarisch-amerikanischer Journalist hat die World gekauft und kämpft mit ihrer Stimme gegen politische Korruption und soziale Ungerechtigkeit – mit farbreichen plastischen und sensationslüsternen Stories. The World – die Nummer 1 im Zeitungsmarkt, bis zwei Jahre später 1895 William Hearst das Journal kauft, die Konkurrenzzeitung. Ein schmutziger Kampf entstand, in dem ein Comiczeichner Pulitzers von der Sonntags-World Pulitzers wegengagiert wurde, er hatte dort “The Yellow Kid” als beliebte Comicreihe gezeichnet. Pulitzer engagierte einen neuen Zeichner, der die beliebte Serie mit dem gelben Männchen fortführte und so zeichneten zwei bitter konkurrierende Blätter gelbe Comics – die Bezeichnung “Yellopress” ist entstanden.

    Die Techniken der Massenblätter blieben: die Inhalte im Wesentlichen auch.

    OT: Es geht bei diesen Zeitungen um den Verkauf von Sensationen in möglichst hoher Auflage.

    Ja, so einfach ist das. Das eine bedingt ja auch das andere. Die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank von der Universität Innsbruck:

    OT: Die Presse des Boulevards steht für eine eigene Art in der Berichterstattung mit bestimmten Kennzeichnen. Dazu gehören die Art der Aufmachung, zum Beispiel große Balkenüberschriften mit reisserischen Schlagzeilen, zahlreiche oft großformatige Fotos, die emotionalisieren, sowie eine stark vereinfachte Sprache. Die Texte und Sätze sind eben sehr kurz und auch leicht verständlich und oft sind auch Schlag- und Reizwörter darin erhalten.

    “Tabloids” ist der Ausdruck für die Boulevardblätter in Großbritannien, bezugnehmend auf das kleine Format dieser Zeitungen, ein bisschen größer als A4 – obwohl die auflagenstärkste Boulevardzeitung in Deutschland, die Bild, wieder recht großformatig daherkommt. Ihr kleines journalistisches 1×1:

    OT: Der Hund beisst den Mann, das ist langweilig, aber wenn es heißt Mann beisst Hund, dann ist das eine Sensation, und wenn dann noch eine Katastrophe dabei ist, jemand is zu Schaden gekommen, dann erregt es unsere Aufmerksamkeit.

    Hund reißt sich von Leine, zerbeißt Mäderl Gesicht – das finden wir in der gestrigen Online Ausgabe eines österreichischen Boulevardmediums, und gleich daneben:

    Eingeschläferter Hund von Ex-Ministerin exhumiert

    Riesiger Ansturm auch auf Dönerstand in Wien

    Lkw-Fahrer lag stundenlang tot in Fahrerkabine. Und:

    Corona-Patienten haben plötzlich dunkle Haut

    Erstaunlich friedlich gestern die britische Sun: Meghan Markle, Prince Harry and Baby Archie wish Queen a happy 94th birthday on video call from LA.

    Immer wieder diese drei Elemente.

    OT: Sensation, Vereinfachung und Identifikation. Und je mehr von diesen Faktoren ineinander verknüpft sind, desto besser.

    “Medienwissenschaftlerin liest im Urlaub Schmutzpresse.” – Das ist jetzt erfunden – wäre auch keine Schande, sagt die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank. Verschafft eine Boulevardzeitung doch einen schnellen Überblick, besonders auch in einem fremden Land – über die Hitze in der Stadt, den Puls der Gesellschaft.

    OT: Man ist auf dem ersten Blick sehr schnell informiert, man weiß sofort warum es geht und das Ganze hat natürlich auch einen gewissen Unterhaltungsfaktor und von da her finde ich es per se nicht verwerflif wenn man so eine Zeitung liest, aber natürlich sollte man es mit anderen Informationen kombinieren um sich ein umfassendes Bild zu machen, wie die Nachrichtenlage tatsächlich aussieht.

    Der Boulevard ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Bollwerk. Wer sich mit dem Boulevard einlässt, muss stark sein, er wird auf Plüsch getragen und kommt im Krisenfall in Teufelsküche. Neu ist für alle, dass der marktschreierische Kampf von Massenblättern aus dem Boulevard im Internet stattfindet. Und das kein bisschen leiser.

    ABMODERATION

    Lothar Bodingbauer zum Wort der Woche: Boulevard-Blatt.


    MODERATION

    In einem am Montag bekannt gewordenen Brief teilten Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan mit, künftig jeglichen Kontakt mit den vier britischen Boulevardblättern “Sun”, “Daily Mail”, “Mirror” und “Express” vor zu meiden – der Grund: die Verbreitung, “verzerrter, falscher und übergriffiger” Geschichten.

    Und nachdem die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger eine Öffnung der österreichischen Grenzen für deutsche Sommerurlauber ins Spiel gebracht hatte. titelte die deutsche Boulevardzeitung “Bild” hoffnungsfroh “Erlaubt uns Österreich Sommerurlaub?“

    Boulevardzeitung ist ….

    SIGNATION “Das Wort der Woche”

    Ist nicht der Boulevard das Große, Schöne, das sehr Prächtige? Das mondäne Leben in der großen Stadt? Vorbeilaufende Menschen, das Laufen, da sind wir sind schon beim Laufhaus um die Ecken dieser Boulevards, und da fängt das Schmuddelige dann an. Halbnackte Damen auf Seite 3.

    Die Boulevard-Blätter werden im Laufen verkauft, schnell, rasch, mit kleinen Beträgen in der Masse kommen die Verlage – zum großen Geld. Und das sogar, wenn es sie gratis gibt. Ein Rätsel?

    Es hilft zum Verständnis der Herkunft des Wortes Boulevardblatt ein wenig ins Englische zu schauen: Yellowpress. Das ist die amerikanische Bezeichnung für die Boulevard-Blätter, allgemeiner ausgedrückt der “Yellow-Journalism”: Der gelbe Journalismus. Wir gehen zurück in das Jahr 1890, nach New York. Dort kämpfen zwei Zeitungen im freien Wettbewerb: the World und the Journal. Joseph Pulitzer, ein ungarisch-amerikanischer Journalist hat die World gekauft und kämpft mit ihrer Stimme gegen politische Korruption und soziale Ungerechtigkeit – mit farbreichen plastischen und sensationslüsternen Stories. The World – die Nummer 1 im Zeitungsmarkt, bis zwei Jahre später 1895 William Hearst das Journal kauft, die Konkurrenzzeitung. Ein schmutziger Kampf entstand, in dem ein Comiczeichner Pulitzers von der Sonntags-World Pulitzers wegengagiert wurde, er hatte dort “The Yellow Kid” als beliebte Comicreihe gezeichnet. Pulitzer engagierte einen neuen Zeichner, der die beliebte Serie mit dem gelben Männchen fortführte und so zeichneten zwei bitter konkurrierende Blätter gelbe Comics – die Bezeichnung “Yellopress” ist entstanden.

    Die Techniken der Massenblätter blieben: die Inhalte im Wesentlichen auch.

    OT: Es geht bei diesen Zeitungen um den Verkauf von Sensationen in möglichst hoher Auflage.

    Ja, so einfach ist das. Das eine bedingt ja auch das andere. Die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank von der Universität Innsbruck:

    OT: Die Presse des Boulevards steht für eine eigene Art in der Berichterstattung mit bestimmten Kennzeichnen. Dazu gehören die Art der Aufmachung, zum Beispiel große Balkenüberschriften mit reisserischen Schlagzeilen, zahlreiche oft großformatige Fotos, die emotionalisieren, sowie eine stark vereinfachte Sprache. Die Texte und Sätze sind eben sehr kurz und auch leicht verständlich und oft sind auch Schlag- und Reizwörter darin erhalten.

    “Tabloids” ist der Ausdruck für die Boulevardblätter in Großbritannien, bezugnehmend auf das kleine Format dieser Zeitungen, ein bisschen größer als A4 – obwohl die auflagenstärkste Boulevardzeitung in Deutschland, die Bild, wieder recht großformatig daherkommt. Ihr kleines journalistisches 1×1:

    OT: Der Hund beisst den Mann, das ist langweilig, aber wenn es heißt Mann beisst Hund, dann ist das eine Sensation, und wenn dann noch eine Katastrophe dabei ist, jemand is zu Schaden gekommen, dann erregt es unsere Aufmerksamkeit.

    Hund reißt sich von Leine, zerbeißt Mäderl Gesicht – das finden wir in der gestrigen Online Ausgabe eines österreichischen Boulevardmediums, und gleich daneben:

    Eingeschläferter Hund von Ex-Ministerin exhumiert

    Riesiger Ansturm auch auf Dönerstand in Wien

    Lkw-Fahrer lag stundenlang tot in Fahrerkabine. Und:

    Corona-Patienten haben plötzlich dunkle Haut

    Erstaunlich friedlich gestern die britische Sun: Meghan Markle, Prince Harry and Baby Archie wish Queen a happy 94th birthday on video call from LA.

    Immer wieder diese drei Elemente.

    OT: Sensation, Vereinfachung und Identifikation. Und je mehr von diesen Faktoren ineinander verknüpft sind, desto besser.

    “Medienwissenschaftlerin liest im Urlaub Schmutzpresse.” – Das ist jetzt erfunden – wäre auch keine Schande, sagt die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank. Verschafft eine Boulevardzeitung doch einen schnellen Überblick, besonders auch in einem fremden Land – über die Hitze in der Stadt, den Puls der Gesellschaft.

    OT: Man ist auf dem ersten Blick sehr schnell informiert, man weiß sofort warum es geht und das Ganze hat natürlich auch einen gewissen Unterhaltungsfaktor und von da her finde ich es per se nicht verwerflif wenn man so eine Zeitung liest, aber natürlich sollte man es mit anderen Informationen kombinieren um sich ein umfassendes Bild zu machen, wie die Nachrichtenlage tatsächlich aussieht.

    Der Boulevard ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Bollwerk. Wer sich mit dem Boulevard einlässt, muss stark sein, er wird auf Plüsch getragen und kommt im Krisenfall in Teufelsküche. Neu ist für alle, dass der marktschreierische Kampf von Massenblättern aus dem Boulevard im Internet stattfindet. Und das kein bisschen leiser.

    ABMODERATION

    Lothar Bodingbauer zum Wort der Woche: Boulevard-Blatt.


    MODERATION

    In einem am Montag bekannt gewordenen Brief teilten Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan mit, künftig jeglichen Kontakt mit den vier britischen Boulevardblättern “Sun”, “Daily Mail”, “Mirror” und “Express” vor zu meiden – der Grund: die Verbreitung, “verzerrter, falscher und übergriffiger” Geschichten.

    Und nachdem die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger eine Öffnung der österreichischen Grenzen für deutsche Sommerurlauber ins Spiel gebracht hatte. titelte die deutsche Boulevardzeitung “Bild” hoffnungsfroh “Erlaubt uns Österreich Sommerurlaub?“

    Boulevardzeitung ist ….

    SIGNATION “Das Wort der Woche”

    Ist nicht der Boulevard das Große, Schöne, das sehr Prächtige? Das mondäne Leben in der großen Stadt? Vorbeilaufende Menschen, das Laufen, da sind wir sind schon beim Laufhaus um die Ecken dieser Boulevards, und da fängt das Schmuddelige dann an. Halbnackte Damen auf Seite 3.

    Die Boulevard-Blätter werden im Laufen verkauft, schnell, rasch, mit kleinen Beträgen in der Masse kommen die Verlage – zum großen Geld. Und das sogar, wenn es sie gratis gibt. Ein Rätsel?

    Es hilft zum Verständnis der Herkunft des Wortes Boulevardblatt ein wenig ins Englische zu schauen: Yellowpress. Das ist die amerikanische Bezeichnung für die Boulevard-Blätter, allgemeiner ausgedrückt der “Yellow-Journalism”: Der gelbe Journalismus. Wir gehen zurück in das Jahr 1890, nach New York. Dort kämpfen zwei Zeitungen im freien Wettbewerb: the World und the Journal. Joseph Pulitzer, ein ungarisch-amerikanischer Journalist hat die World gekauft und kämpft mit ihrer Stimme gegen politische Korruption und soziale Ungerechtigkeit – mit farbreichen plastischen und sensationslüsternen Stories. The World – die Nummer 1 im Zeitungsmarkt, bis zwei Jahre später 1895 William Hearst das Journal kauft, die Konkurrenzzeitung. Ein schmutziger Kampf entstand, in dem ein Comiczeichner Pulitzers von der Sonntags-World Pulitzers wegengagiert wurde, er hatte dort “The Yellow Kid” als beliebte Comicreihe gezeichnet. Pulitzer engagierte einen neuen Zeichner, der die beliebte Serie mit dem gelben Männchen fortführte und so zeichneten zwei bitter konkurrierende Blätter gelbe Comics – die Bezeichnung “Yellopress” ist entstanden.

    Die Techniken der Massenblätter blieben: die Inhalte im Wesentlichen auch.

    OT: Es geht bei diesen Zeitungen um den Verkauf von Sensationen in möglichst hoher Auflage.

    Ja, so einfach ist das. Das eine bedingt ja auch das andere. Die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank von der Universität Innsbruck:

    OT: Die Presse des Boulevards steht für eine eigene Art in der Berichterstattung mit bestimmten Kennzeichnen. Dazu gehören die Art der Aufmachung, zum Beispiel große Balkenüberschriften mit reisserischen Schlagzeilen, zahlreiche oft großformatige Fotos, die emotionalisieren, sowie eine stark vereinfachte Sprache. Die Texte und Sätze sind eben sehr kurz und auch leicht verständlich und oft sind auch Schlag- und Reizwörter darin erhalten.

    “Tabloids” ist der Ausdruck für die Boulevardblätter in Großbritannien, bezugnehmend auf das kleine Format dieser Zeitungen, ein bisschen größer als A4 – obwohl die auflagenstärkste Boulevardzeitung in Deutschland, die Bild, wieder recht großformatig daherkommt. Ihr kleines journalistisches 1×1:

    OT: Der Hund beisst den Mann, das ist langweilig, aber wenn es heißt Mann beisst Hund, dann ist das eine Sensation, und wenn dann noch eine Katastrophe dabei ist, jemand is zu Schaden gekommen, dann erregt es unsere Aufmerksamkeit.

    Hund reißt sich von Leine, zerbeißt Mäderl Gesicht – das finden wir in der gestrigen Online Ausgabe eines österreichischen Boulevardmediums, und gleich daneben:

    Eingeschläferter Hund von Ex-Ministerin exhumiert

    Riesiger Ansturm auch auf Dönerstand in Wien

    Lkw-Fahrer lag stundenlang tot in Fahrerkabine. Und:

    Corona-Patienten haben plötzlich dunkle Haut

    Erstaunlich friedlich gestern die britische Sun: Meghan Markle, Prince Harry and Baby Archie wish Queen a happy 94th birthday on video call from LA.

    Immer wieder diese drei Elemente.

    OT: Sensation, Vereinfachung und Identifikation. Und je mehr von diesen Faktoren ineinander verknüpft sind, desto besser.

    “Medienwissenschaftlerin liest im Urlaub Schmutzpresse.” – Das ist jetzt erfunden – wäre auch keine Schande, sagt die Medienwissenschaftlerin Natascha Zeitel-Bank. Verschafft eine Boulevardzeitung doch einen schnellen Überblick, besonders auch in einem fremden Land – über die Hitze in der Stadt, den Puls der Gesellschaft.

    OT: Man ist auf dem ersten Blick sehr schnell informiert, man weiß sofort warum es geht und das Ganze hat natürlich auch einen gewissen Unterhaltungsfaktor und von da her finde ich es per se nicht verwerflif wenn man so eine Zeitung liest, aber natürlich sollte man es mit anderen Informationen kombinieren um sich ein umfassendes Bild zu machen, wie die Nachrichtenlage tatsächlich aussieht.

    Der Boulevard ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Bollwerk. Wer sich mit dem Boulevard einlässt, muss stark sein, er wird auf Plüsch getragen und kommt im Krisenfall in Teufelsküche. Neu ist für alle, dass der marktschreierische Kampf von Massenblättern aus dem Boulevard im Internet stattfindet. Und das kein bisschen leiser.

    ABMODERATION

    Lothar Bodingbauer zum Wort der Woche: Boulevard-Blatt.

  • Da landet eine Biene auf dem Rücken einer anderen, um danach gleich wieder weiter zu fliegen.

    Video: Arthur Rachbauer, Wien

  • Johann Neumayer erzählt über den neu erschienenen Insektenatlas, Ulrich Haage über Erde, die nicht mehr mit aller Gewalt keimfrei gemacht werden muss, und Helene Polak über die Bioimkerei, die sie in Leutschach in der Südsteiermark führt – mit naturverträglicher Betriebsweise und sozialverträglichen Honigpreisen.

    Links: Insektenatlas 2020 Österreich | Insektenatlas 2020 Deutschland | Cactus-Podcast | Die Bioimker

  • Audio-Vignette / Sonntagsspaziergang, Deutschlandfunk.

    Link: https://www.deutschlandfunk.de/geschenkte-zeit-warten-am-bahnuebergang-dlf-f62b08b1-100.html

     

  • Die Zahlen sind eine besondere Herausforderung, was Zwielaute (EI) und Längen von I und E betrifft. Wir wollen sie üben.

    Hinweis: Vier, vierter (lang) aber vierzehn, vierzig (kurz).

    1 – 100

  • Agnes Dellinger spricht, wie sich Blüten an ihre Bestäuber anpassen. / Vom Leben der Natur 14. – 17. April 2020


     

    Die ersten Blütenpflanzen sind bereits vor mehr als 140 Millionen Jahren in der Kreidezeit entstanden. Mit zumindest 300.000 Arten sind diese damit die mit Abstand größte Pflanzengruppe.

    Die Diversität von Blütenpflanzen findet man in einer Vielfalt unterschiedlicher Blütenformen und Blütengrößen. Diese Diversität ist in Anpassung an unterschiedliche Bestäuber entstanden. Ob Bienen, Fliegen, Schmetterlinge, Kolibris oder Fledermäuse, es gibt immer eine “Belohnung” für die Bestäubungsleistung. Ändert sich der Bestäuber, wird sich die Blüte ändern. Die unterschiedlichen Bestäuber üben so einen starken evolutionären Selektionsdruck auf die Blüten aus.

    Passt sich nun die Blüte als Gesamtes an einen Bestäuber an, oder können sich einzelne Blütenteile unabhängig von anderen Blütenorganen anpassen?

    Wer dreidimensionale Blütenformen analysiert, kann nun herausfinden, dass sich nicht nur einzelne Elemente einer Blüte an die unterschiedlichen Bestäuber angepasst haben, sondern ganze Gruppen von Merkmalen – sogenannte Module.

    Eine besonders große Vielfalt in den Blütenformen finden sich in den 30 Pflanzenarten einer tropischen Pflanzengruppe aus den Anden, die “Merianieae.” Jede dieser Pflanzenarten hat sich an die Bienen-, Vogel-, Fledermaus- oder Mäusebestäubung angepasst.

    Mittels hochauflösender Computertomographie-Verfahren werden “Landkarten” erzeugt, die genauen Positionen charakteristischer Merkmale vermessen und mittels statistischer Analyse in Verbindung gebracht. Evolutionäre Entwicklungen können nachvollziehbar gemacht werden.

    So weisen etwa die auffällig bunten, sterilen Blütenblätter schnellere Anpassungen an die unterschiedlichen Bestäuber auf, als der Rest der Blüte. Die reproduktiven Organe der Blüte passen sich nur langsam an.

    Interviewpartnerin:

    Agnes Dellinger, PhD
    Department of Botany and Biodiversity Research
    University of Vienna
    Rennweg 14
    1030 Vienna
    Austri

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Lothar Bodingbauer ist österreichischer Radiojournalist, Abendschullehrer und freier Podcaster.

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Text: Zum Hintergrund (2014)

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