Radio, Science, Education

Wien

  • Schneiden oder nicht? Man soll beim Radio-OT dann schneiden, wenn der Punkt gemacht wurde. Es gibt oft Nachsätze, die etwas ergänzen, was eigentlich schon gesagt wurde. Wir schneiden es weg.

    Beispiel ohne Anhängsel, auf den Punkt geschnitten

    Beispiel mit Anhängsel, hier kommt noch ein unnötiger Satz

  • ORF Ö1 / MOMENT Randnotizen, 3. Februar 2020, ca. 15:45 Uhr

    Lothar Bodingbauer

    ANMODERATION: Haben Sie sich schon einmal gewundert, wer sich um die Elektroroller kümmert, die in vielen Städten vermehrt aufgetaucht sind und manchmal recht herrenlos wirken? Lothar Bodingbauer hat es probiert.

    SIGNATION

    „Danke“, sagt der Mann sichtlich erfreut, als ich den Elektroroller vor ihm am Gehsteig wegräume. Er steht quer, der Roller, und der Mann ist ein Anrainer, der sich wie ich jeden Morgen in Wiens 4. Bezirk über mehrere dieser achtlos geparkten Elektroroller den Weg bahnen muss. „Sind Sie von denen? „Nein“, sage ich, und habe das erste Mal seit langem wieder gelogen.

    Weil: Ich bin schon einer von denen, ein bisschen zumindest. Mir gehen die achtlos geparkten Elektroroller, die jedermann jederzeit mieten kann, um sie jederzeit und irgendwo wieder abzustellen, hinzuwerfen, oder – weiß gott – einfach wieder loszuwerden — sie gehen mir genauso auf den Geist, wie Ihnen vermutlich auch, wenn in Ihrer Stadt Verleihfirmen für diese Roller aktiv sind. Ein Geschäftsmodell als Zeichen unserer Zeit, für Menschen, die sich offenbar um nichts kümmern, außer um sich selbst. // Schneiden möglich // Analog zu jenen, die mit 50 in der 30-er Zone autofahren. Die das Ticktock-beim Spielen am Handy so eingestellt haben, dass es jeder in ihrer Umgebung hört. Die die Füße auf die Bank legen im Zug. Ja, haben die das nicht gelernt? Rücksicht? // Schneiden Ende //

    Als Journalist sucht man „den anderen Standpunkt“. Ich wollte herausfinden, wie diese Elektro-Roller-Welt tickt. Und habe mich angemeldet als “Juicer”. Als einer, der diese Roller in der Nacht einsammelt, um sie zuhause an der Steckdose zu laden, um sie am nächsten Morgen wieder – schön aufgereiht und geordnet, der Menschheit freizugeben.

    Das Gute: Die Anmeldung des Gewerbes war einfach. Online, über Nacht. Ich wurde sogar automatisch Mitglied der Wirtschaftkammer, bin jetzt „Mechatroniker“, also ein Spezialist für elektrisch-mechanische Geräte. Das Schlechte: die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag – 80€ – kam wenig später. Das Gute: ich bekomme jetzt auch die Wirtschaftskammerzeitung und erfahre im Detail, wie es den Wirten so geht dieses Jahr. Verdient habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

    Mit der Gewerbenummer erhielt ich am Smartphone einen Zugang als „Juicer“. Ich kann nun umschalten, zwischen dem Stadtplan mit verfügbaren Rollern für die zahlenden Benutzer, und dem Stadtplan mit Rollern, die umgeparkt oder geladen werden müssen. Ein Traum für einen Journalisten. Zwei Welten, von denen die zweite noch völlig unbekannt war.

    TRENNER 1

    Ich tauchte hinein in die Stadt, nahm falschparkende Roller und brachte sie zu sogenannten Nestern, Plätzen, wo sie eigentlich stehen sollten, wo sie nicht stören. Zwei Euro pro Vorgang. Man schwimmt mit Touristen im pulsierenden Betrieb dieser Stadt herum, zwischen Oper und Stefansdom, aber: man arbeitet. Recht viel für recht wenig Geld. Am Ende von 5 Abenden habe ich 170 Euro verdient – vor Steuern. Das Gute: Verdient, und nicht als Tourist ausgegeben. Ich hatte eine gute Zeit. Das Schlechte: jedes Risiko ging auf mich. Kaputter Roller? Kein Geld. Nicht auffindbarer Roller? Kein Geld. Unfallversicherung? Kein Geld. Krank? Kein Geld. – 5 Stunden brauchte ich, Standort und Ansprechpartner der Roller-Firma zu finden, um endlich zu meinem Geld auch zu kommen. Und diesen Jemand habe ich auch gar nicht gefunden, weil das Geld dann doch irgendwann auf mein Konto überwiesen wurde. Von Personen, die ich nicht kannte, von Unternehmen, die ich nicht fand.

    TRENNER 2

    Die neue freie Welt der „Gig-Economy“ ist das. Geldverdienen, auftragsbezogen. Über Winter wurden die Roller „meiner“ Firma eingezogen, Schluss war‘s mit dem Geldverdienen, mitgeteilt wurde das eine Woche per e-Mail, nachdem sie weg waren. Die Expertise dieser Firmen ist, das habe ich herausgefunden, herauszufinden, welche Beschränkungen in den einzelnen Städten ihres Auftretens gegen Roller existieren, um dann ein Konzept zu entwickeln, trotzdem die Roller irgendwie in Verkehr zu bringen. Ökologisch bedenklich, das weiß man, denn es steigen nicht die Autofahrer auf Elektroroller um, sondern die Fußgänger. Aus Bequemlichkeit.

    Sie merken schon, ich bin ein bisschen sauer. Aber, das Gute: ein Glücksgefühl stellte sich ein, wenn ich am Ring am lauschigen Herbstabend aufrecht lautlos durch die Baumreihen zische. Ein Gefühl wie damals als Kind, am Tretroller zum Badesee.

    Ich habe mich aus dem Geschäft wieder zurückgezogen, wegen Sinnlosigkeit. Viel Arbeit, wenig Geld, jedes Risiko. Jede Belastung wird abgewälzt. Auf die Leute, auf die Umwelt, auf die Nachbarschaft. // Schneiden möglich // Besser ich stelle mich, wenn ich Zeit habe, an eine Straßenecke, um die Leute zu fragen, ob sie was brauchen, ob es ihnen auch gut geht. // Schneiden Ende // Meinen Kindern empfehle ich, die Zeit vielleicht für das Lernen einer neuen Sprache zu verwenden, oder ein ehrliches Handwerk.

    Das Experiment war heilsam. Und über die querstehenden Roller ärgere ich mich heute noch einen Tick mehr.

  • Z (C) = TS

    1. Die hohe Zahl der Ziegen am Grenzzaun ist zweihundertzwanzig.  
    2. Cäsars Zorn schlug dutzendemale gerade zu Unzeiten zu. 
    3. Derzeit wächst die Nation durch den Zuzug vieler Menschen.  
    4. Kalbszungen erkennt man am Zungenschnalzen. 
    5. Der Lotse in der Zelle war ein Zwerg, der den Hauszins nicht bezahlte.  
    6. Der letzte Kreuzzug geschah im Zeichen des Kreuzes. 
    7. Zäh folgen wir im Zickzack dem Zug der Katzen. 
    8. Die Felszeichnung wurde in verhunztem Zustand nach Zürich gebracht.  
    9. Das Pferd am Schwanz aufzäumen und die Zügel über den Zaun hängen.  
    10. Jetzt reicht’s Heinz, er wirft das Schanzzeug ins Zelt. 
    11. Nimm es mit der Krebszange und nicht mit der Holzzange! 
    12. Eiszapfen halten in der Heizzone nicht lang. 
    13. Er zeigte uns, daß man Füchse nie durch Zwang zähmen kann. 
    14. Zuletzt stürzte der Zar und die Revolution drang vorwärts. 
    15. Schwarzes Malzbier zu zehn Ziegenzehen. 
    16. Die Straßenwalze wälzte den Boden erst aufwärts, dann abwärts. 
    17. Die Witzzeichnung stellt den zwanghaften Zoll dar. 
    18. Im Zirkuszelt verkürzt die Zirkuszeitung den Zuschauern die Zeit.  
    19. Verhunzt mir nicht die Kunstszene unzähliger Nationen! 
    20. Zahnärzte ziehen Zähne mit einer Zahnzange. 
    21. Es zieht uns nordwärts, westwärts, einfach auswärts. 
    22. In das Holz des Zauns war ein Kreuzzeichen geritzt.
  • Wien, Kaisergasse, 2005
  • Warum ist Datenschutz wichtig? Was bedeutet das für eine Schule? Pablo Weninger ist Studierender am Abendgymnasium Wien. Er spricht mit dem Datenschutzbeauftragten der Schule, Daniel Leisser.

    “Die Datenschutzerklärung.” Ein Buch von Daniel Leisser und Stefan Knotzer mit diesem Titel ist 2020 im LexisNexis-Verlag erschienen. Link zum Buch beim Verlag.

  • As, Baß, es, keß, dies, muß, aus, Eis, Raps, als, Hals, Haus, Knirps.

    Wasser, Esse, schießen, Buße, lässig, draußen, beißen, äußerlich.

    Hast, Fest, Rist, Post, Psalm, Haspel, Wespe, Erbse, Polster, Espe.

    Rößlein, Röschen, losbinden, lösbar, östlich, Asbest, loslassen.

    Skepsis, respektlos, Kosmos, Bosporus, muskulös, skandalös.

    1. Das Eis ums Haus ist weiß.
    2. Dies und das ins Haus lassen. 
    3. Was muß es sein – bloß eins.
    4. Äußerlich ist es bloß Rost. 
    5. Astrid ist nicht ihr Name, jenes Mädchen heißt anders. 
    6. Es ist ein Skandal, alles ist finster.  
    7. Ist das das Kleinste?
    8. Es ist aber das beste.
    9. Was ist das?
    10. Es ist gewiß des Hasses wegen. 
    11. Daß dies da draußen das blonde Röschen ist, ist klar. 
    12. Am westlichen Flußufer beißen die Fische besser.
    13. Das Wasser schießt in Form von Dampf aus der Esse. 
    14. Die Prinzessin mit der Erbse unter dem Polster. 
    15. Per Funk Post durch den Kosmos senden. 
    16. Es ist skandalös, hier wurde grundlos Asbest verwendet. 
    17. Fast alles Wasser floß aus dem Teich hinaus. 
    18. Der große Fluß mündet im Bosporus. 
    19. Halskranke müssen Eis essen, bis der Hals besser ist. 
    20. Das beste ist, daß das das kleinste Haus weiß angemalt ist. 
    21. Alles, was wasserlöslich ist, ist im Wasserfall aufgelöst. 
    22. Wenn Hans äußerst bös ist, preßt er im Hals außerordentlich. 
    23. Was ist aus Hans draußen geworden – wer weiß etwas Neues? 
    24. Der Katze blieb die Maus im Hals stecken. 
    25. Es ist das Messer nicht zum Eisessen da. 
    26. Nervös wurden die Rosse gerichtet und die Fahne gehißt. 
    27. Der Gast äußerte sich wie einer aus der Gosse. 
    28. Wir müssen die Risse im Fels überwinden. 
    29. Ich will’s, du mußt die bissige Gans bringen. 
    30. Hol’s Obst, es steht am Mast, und iß es!
    31. Es muß ohne Hast und mit viel Trost geschehen. 
    32. Es ist eine Lust, zu Ostern den Iltis loszulassen.
    33. In den Espen lispeln die Mispelknospen. 
    34. Kaspars Spleen ist: Er muß sich andauernd räuspern. 
    35. Wir waren von dem Baustil sporadisch begeistert. 
    36. Nach dem Sprint wirkten die Künstler trotzdem statisch. 
    37. Der Bühnenstar hatte eine Blumenknospe an der Weste. 
    38. In der Stratosphäre erkennen wir das ganze Spektrum des Alls. 
    39. Die Wespen werden von den verschiedensten Düften stimuliert.
    40. Stakkato vorzutragen gehört zum Standard eines Orchesters.  
    41. Rastende Künstler rosten und verbreiten nur mehr Stereotypien. 
    42. Die lustigen Gesten trotzdem mit Respekt betrachten. 
    43. Die Stereoanlage war in verschiedenen Kisten und Kasten verpackt.  
    44. Just zur Fastnacht werden abstrakte Künstler fast lustig.

    VERBINDUNGEN

    1. Die Waren aussondern, um eine Preissenkung zu erwirken.  
    2. Leis’ saust das Blut, der dickste Lebenssaft. 
    3. Er betritt mit einem Stoßseufzer den Kreiß-Saal. 
    4. Die Weissagung deutete auf den Aussatz hin. 
    5. Nach Landessitte beginnt die Aussaat im Herbst. 
    6. Diesseits des Mains wird gerne Reissuppe gegessen. 
    7. Was sagst du, nachdem du dein Anfangssemester begonnen hast?
    8. Die hohe Hadrianssäule wird uns nicht aussöhnen. 
    9. Rings summt am Waldessaum die Natur. 
    10. Der finster aussehende Vampir wird dir das Blut aussaugen. 
    11. Dem Aussehen nach wird der Zeuge aussagen.
    12. Ich werde mich vom Alltag lossagen und die Arbeiten aussetzen. 
    13. Die Haussuchung brachte die Kreissäge an den Tag. 
    14. Mit guter Aussicht auf Erfolg, lustig lossingen. 
    15. Laß sie, das sind die liebesseligen Schwestern! 
    16. Was soll’s, es muß sein, es sei – es ist noch dazu etwas Sicheres. 
    17. Im Fels sichern ist das Sicherste beim Klettern. 
    18. Den Schlangenbiß sauber aussaugen. 
    19. Aus sich heraus das Sagenhafte schöpfen. 
    20. Aus Haß das unterdrückte Volk aussiedeln. 
    21. Aus Angst aussagen, und mit der Anklage eins sein. 
    22. Was soll es sein – Eis sägen oder leis’ sein?
    1. Das Kochsalz wird durch den weichen Sand durchsickern. 
    2. Der wachsweiche Reichsapfel fordert Wachsamkeit. 
    3. Mit diesen Buchstaben setze ich mich sogar noch sicherer durch.  
    4. Mit dem Tauchsieder mäßig die verseuchte Milch sieden. 
    5. Manch’ Segler segelt im Hochsommer lediglich auf Hochsee.  
    6. Sage dem Dechant zum sechsten Mal: Kochsalz ist kein Riechsalz! 
    7. Weich sein und wach sein und wachsweich bleiben. 
    8. Wachs, besonders Weichwachs, am Weichselbaum. 
    9. Der König inspiziert die Wacht am Rhein auf ihre Wachsamkeit.  
    10. Der Frechdachs sucht eifrig Weichsein unter dem Baum. 
    11. Du wirst gleich sehen, ob seiner Frechheit wird er ledig bleiben. 
    12. Ich muß mich beständig um die Durchsicht der Bücher sorgen. 
    13. Die Sprachstörung wich stetig durch stündliche Übung. 
    14. Sie wird sich durch Schläue durchschlagenden Erfolg sichern.
    15. Der bleichsüchtige Strolch schreibt liederlich schlecht. 
    16. Das Selchstück roch entsetzlich stickig und faulig. 
    17. Der Marsch durch die seichte March machte uns schwach. 
    18. Nach stundenlangem Stechschritt sind die Hemden durchgeschwitzt. 
    19. Der Reiche sprach schlicht von sprichwörtlichem Reichtum. 
    20. Die Sprachschnitzer des Journalisten sind schlechtweg liederlich. 
    21. Der Schleicher kriecht durch die milchig schimmernde Schlucht. 
    22. Der Wicht aus Lech flucht reichlich schamlos frech. 
    23. Von Kurt Tucholsky stammt die Erzählung: ‘Das Loch’. 
    24. Man kann doch die Milchstraße mit keiner Blechschere durchschneiden! 
    25. Sie versucht, Männchen und Weibchen gleichzustellen. 
    26. Die Milch wurde durch und durch schwärzlich und stinkig.
    27. Nach windigem schwindligem Weg, auf gefährlich leichtbrüchigem Steg, durch eckige, zackige Schlucht – welch unsäglich klägliche Flucht!
    28. Nach solch’ nichtigem Krieg lacht nicht Rache, noch Sieg! 
      Ach, zag und reuig wieg’ ich mich lässig im Reigen der Nacht, 
      die nicht lauschig und sinnig, auch nicht selig noch minnig – 
      doch nur fürchterlich üppiges Schwelgen gebracht.
    29. Ach ich weich’ nicht solch frechem Wicht, 
      doch leicht bricht nicht solch’ Joch durch schlechte Streich’.
    30. Ach, welch’ Ringen, welch Schmachten 
      des kühnen Geists nach dem Kampftag; 
      doch nicht Krieg schickt Gott
      noch Rache – nur klägliche Knechtung!
  • Isolde Bornemann hat mich in meiner Küche besucht. Wir sprechen über Bienen, Honig und das Imkern in der Stadt. Isolde hat dieses Treffen für ihre “Küchengespräche” aufgenommen, einen Podcast über verantwortungsbewusstes Kochen. Entstanden ist so eine umgedrehte Situation – nicht ich bin zu Gast, sondern ich bin Gast. Weil das gar nicht so leicht ist, bin ich über Rückmeldungen dankbar, wie gut ich die Honigseite des Imkerlebens und die Sache der Bienen vertreten konnte. Link zu Isis Blog und Podcast: http://kuechenfreundin.at | Mail für Feedback: feedback@sprechkontakt.at

    Der Korrespondentenbericht kommt im zweiten Teil dann aus Berlin. Johannes Weber hat mit seinem Team ein Netzwerk an Stadtimker:innen aufgebaut, das sich vor allem mit Weiterbildung beschäftigt. Johannes wird auch von seinen Eindrücken als Experte für Nachhaltige Energie in Liberia und Sierra Leone erzählen, er hat dort einen ganz anderen Umgang mit Bienen erlebt, als wir ihn in Europa kennen. Link zum Netzwerk der Stadtimker:innen: https://www.stadtbienen.org

    Einen Buchtipp habe ich auch – ich habe in dieser Ausgabe gleich zu Beginn davon geschwärmt: Das große Tiefe Blau – Meeresbiologie, dtv Verlag 2020. Eindrücke aus erster Hand, die in der Kindheit beim Großvater am Boot beginnen. Link zum Buch bei dtv:


    Permalink zu dieser Episode: https://www.sprechkontakt.at/bg053/

  • RANDNOTIZEN ORF Ö1/Moment 13.01.2020

    SIGNATION

    Wie waren Ihre Weihnachtfeiertage? Sind Sie gut gerutscht? Das Kabarettprogramm im Fernsehen zu Silvester war ja großartig. Das Neujahrskonzert, ein Traum. Ein bisschen breitbeinig sind die Philharmoniker gesessen, oder war es nur die Kameraeinstellung? Aber es war schön.
    Wir sind diesmal nicht weggefahren, sondern haben die Feiertage in Notaufnahmen verbracht. Und mit Notdiensten. Keine Sorge, nichts Menschliches. Der Hund. Am Bildschirm der Tierklinik stand als erste Zeile einer sich über die Tage füllenden Liste: “Balu hat beim Spazierengehen zu Mittag seinen Erzfeind getroffen”. Balu ist unser Hund, und sein Erzfeind ein größer Hund. Dem unser Hund jedesmal, wenn er ihn trifft, sofort an die Kehle springt. Bei dem es unserem Hund die Haare aufstellt, wenn er den anderen nur am Horizont am Ende der Gasse sieht. Das wissen wir natürlich, der gegnerische Besitzer und wir, und wir sorgen dafür, dass sich die beiden Hunde nicht treffen. Diesmal sind sie aber gleichzeitig um die Ecke gebogen. Das haben Ecken an sich, dass man vorher nicht sieht, was dahinter ist. “Balu hat beim Spazierengehen zu Mittag an der Ecke seinen Erzfeind getroffen”, müsste es heissen. Die weiteren Zeilen des Eintrags der Tierklinik waren dann: Bluterguss ums Auge herum, Dosierungen von Medikamenten, Schmerzmitteln, Details zur Narkose, Beruhigung und Heilung, die Bindehaut des Auges hat es rot und geschwollen herausgedrückt. Mehr dazu erspare ich Ihnen. Das Endergebnis: alles ist gut gegangen. 927 Euro hat es gekostet. Wir sind heuer nicht weggefahren – hätten wir uns auch nicht recht leisten können.

    TRENNER

    Was man erlebt, wenn man 8 Stunden in der Notaufnahme der Tierklinik sitzt? Unzählige Menschen, die mit sorgenvollen Blicken hereinkommen. Ihre Tiere in Schachteln tragend, in Käfigen, in Decken gewickelt. Warten, Infusionen am Gang. Aufrufe. Ein zitternder Hase. Eine Katze, die nicht mehr frisst. Und immer wieder die Frage: kann ich mit Bankomat zahlen? Von denen, die gehen mit ihren Tieren, lachen einige draußen wieder am Gehsteig. Einige gehen ebenso sorgenvoll, wie sie gekommen sind – das Management des Sterbens gibt es auch bei Tieren. Begleitung, Schmerzmittel, Pläne, das Sterben menschlich zu machen, und manche gehen mit leeren Käfigen hinaus und weinen. Man kommt ins Reden, weil Zeit ist, gemeinsam zu warten, man lernt einander kennen, Menschen, und die Tiere, und ihre Geschichten. Wir sind heuer nicht weggefahren – wir haben hier viel erlebt und viel auch erfahren.

    TRENNER

    Ein weiterer Notdienst kam dann zu uns, am Samstagabend nach Neujahr. Wer eine neue Lampe im Bad montiert, muss eine Abzweigung im Stromkabel legen. Und wer den Erfolg seiner Arbeit ausprobieren möchte, muss spätestens dann die Sicherung wieder einlegen, wenn er sehen möchte, ob’s leuchtet. Ein weisser Blitz. Der Knall war gewaltig, danach wurde es ganz finster und es blieb auch finster, nachdem die Sicherung wieder eingelegt war. Der Elektrikernotdienst – 180 Euro – lachte und legte im Gang eine große neue Sicherung in einen versteckten Sicherungskasten ein, von dessen Existenz man bisher nicht wusste. Und es ward hell.

    Den dritten Notdienst brauchten wir dann zu Heiligendreikönig. Milch, Brot und Butter waren ausgegangen, und der kleine Not-Supermarkt am Bahnhof hat offen. Wie Käfige sind dort Bereiche abgetrennt, weil es gar nicht so einfach ist in Österreich, für Supermärkte an Feiertagen offen zu halten. Das Geschäft muss untertags immer wieder mal abgeteilt werden, damit die Kunden bestimmte Bereiche erreichen oder eben nicht mehr erreichen. Ich war auf der falschen Seite, bei Getränken und Schnaps, Brot und Butter waren auf der anderen Seite. Man findet dann etwas ratlos aber insistierend umherirrend durchaus einen Eingang zum anderen Käfig. Insgesamt äußerst erfolgreich – 12 Euro 50 und das Frühstück war da. Zuhause freute sich die Familie über das Frühstück, und der Hund wedelte, dessen Nähte am Auge wieder entfernt waren. Er sieht jetzt etwas rot, wegen der Blutspuren im Auge, und weil er noch sauer ist. Die Leute von der Tierklinik haben gemeint, er wird sich anstrengen, seinen Erzfeind das nächste Mal schneller und besser zu erwischen. Damit er den Kampf beim nächsten Mal eben gewinnt. Ein aufregendes Jahr steht uns bevor.

    Randnotizen von Lothar Bodingbauer

  • Das hintere CH, das sogenannte ach-ch

    1. Der Koch brachte fluchend und fauchend achtmal acht Kuchen. 
    2. Die Tochter hat dem Krach machenden Nachbarn Besuche gemacht.  
    3. Die Nachtwache hat die Flucht über das Flachdach doch beobachtet.  
    4. Der Koch lacht die tauchende Nachbarstochter noch und noch aus.  
    5. Wir verfolgen mit Hochspannung und wachsam das Schachspiel. 
    6. Ach mach doch, und lach noch und noch über diese Schmach! 
    7. Der Bach in der Schlucht macht bei Nacht Krach. 
    8. Vom Hochstand aus werden wir den Bachstelzen nachspüren.  
    9. Die Nachtwache wird im Buch nachsuchen und auch finden. 
    10. Die Sache ist unter Dach und Fach gebracht. 
    11. In der Kochschule lagen buchstäblich Rauchschwaden. 
    12. Der See in der Schlucht ist für Taucher in der Nacht doch geeignet. 
    13. Alle diese Sachen am Dach sind nachgemacht. 
    14. Die Tochter wird im Wachschlaf auf ihr Tuch achten. 
    15. Der Fluch traf mit Pesthauch und Wucht die wachenden Strauchdiebe.  
    16. Gib mir auch einen Nachschlag Rauchschinken von der Kochstelle!  
    17. Die Rachsucht des Bachsoprans schlug nach acht Tagen zu. 
    18. Mit knatternden Segeln im Nachsommer auf Hochsee Ferien machen. 
    19. Wach sofort auf, du mußt auf Wache wachsam sein!
    20. Mach diese Sachen nochmals, du wirst Lachsalven erben! 
    21. Hoch sitzend, die Bauchseite anspannend, Bach singen. 
    22. Im Hochsommer roch die Butter im Fenster sauer. 
    23. Man sagte, sein Bauch war achtfach so dick. 
    24. Mach schnell und achte auf die achtzigste Buchseite!
    25. Am Mittwoch koche ich in der Kochschule ohne Kochsalz.
    26. Im Wachschlaf Mengen von Rauchschinken verzehren. 
    27. Lachend und fluchend einen Nachschlag von der Kochstelle holen. 
    28. Hans läßt sich die Schachspalten in die Wachstube nachschicken. 
    29. Nach dem Hochsprung hat er sich den Bauch verletzt. 
    30. Lach schon, ich werde dir das Buch schenken. 
    31. Die Wacht wird hoch schießen und dabei viel Krach schlagen. 
    32. Die Nacht ist noch schwarz und auch schön. 
    33. Das Bachufer entlang der Hochspannungsleitung liegt brach. 
    34. Auf Wache am Hochstand sitzend, wach scheinen. 
    35. Der Taucher taucht zwischen den Zitterrochen umher.
Random image

Lothar Bodingbauer ist österreichischer Radiojournalist, Abendschullehrer und freier Podcaster.

Kontakt | Impressum | Unterstützen

Text: Zum Hintergrund (2014)

Fotos sind auch auf Instagram: lobodingbauer