Zeitsouverän hören. Hochqualitative und authentische Inhalte nicht nur aus dem Bereich der etablierten Rundfunkanstalten. Die technische Qualität der Sendungen steigt rundherum. Ich habe wieder mal meine Podcast Empfehlungen aktualisiert. In dieser Liste sind nur solche, die ich regelmäßig höre.
Die unabhängige Podcaster im deutschsprachigen Raum entwickeln sich derzeit stürmisch und spannend. Maßgeblich durch die Initiativen um Tim Pritlove. Es geht neben dem Inhalt um die technische Verbesserung des Hörbaren (Auphonic) und die einfachere Verteilung über WordPress (Podlove Publisher). Samt Verbesserung der Kapitelmarken, Metadaten und Shownotes. Die technische Umsetzung wird immer wieder auf den Websites der Podcaster genau beschrieben.
Von hier aus mache ich die Physikalische Soiree und Atmos der Welt. Starten wird bald Lob und Tadel. Der neue Mischer ist bereits in Österreich, schon fast bei mir.
Die Akustik an Zebrastreifen ist ein Thema für sich. Eigentlich nur für Blinde gedacht, sind die Geräusche doch von jedem wahrnehmbar – und werden ausgeblendet. Ein ausgesprochen schönes Ping-Pong über die Straße gibt es in Sodankylä, eine kleine Stadt in Lappland, im Norden Finnlands. Die akustische Kennzeichnung der Stelle ist dort wohl auch für Sehende notwendig, denn in der lang und dicht verschneiten Landschaft sind die Zebrastreifen im Winter nur selten zu sehen. Dort wo es piepst, dort geht man rüber.
Das ist einer meiner größten, schönsten, bemerkenswertesten gesammelten Klänge. Er ist in der Stille entstanden, in einer Nacht an einem Ort nördlich des Polarkreises, im Winter. Niemand ist da draußen um diese Zeit in Sodankylä, aber der Zebrastreifen macht mit seinen Ampeln und Geräuschgebern Leben in die Stille. Die eine Seite kommuniziert mit der anderen. Gemacht für Blinde, die das Dunkle nicht sehen. Oder das Helle, ist hier egal. Das Geräusch des Zebrastreifens ist zwischen den Ampeln wie ein Ping-Pong-Spiel, das der Platz hier spielt mit seinen Elementen. Und es zeigt, wie die Wissenschaftler des Geophysikalischen Institutes hier arbeiten, um das Nordlicht zu erforschen, die Atmosphärenphysiker, sie schicken Strahlen in den Weltraum, und sie empfangen Strahlen, und was davon dann fehlt, erzählt ihnen eine Geschichte von der Situation dazwischen zwischen Himmel und Erde.
Aufnahme mit einem AKG 214 Studiomikrofon, verbunden mit Focusrite Scarlett Solo, das über USB mit einem Macbook Air verbunden ist. Ein Beyerdynamic DT-770 Kopfhörer am Interface. Zusätzlich kann ein/e Gesprächspartner/in über Internet zugeschaltet werden. Siehe unten.
Kosten: Mikrofon 274€: Interface 98€.
Produktion: Zwei Gesprächspartner/innen
Aufnahme mit zwei DT-297 Headsets von Beyerdynamic, verbunden mit Focusrite Scarlett 8i6 Interface, das über USB mit einem Macbook Air verbunden ist. Zwei Kopfhörerausgänge sind am Interface. Alternativ kann ein/e Gesprächspartner/in über Internet zugeschaltet werden. Siehe unten. Mobile Alternative ohne Netzspannung: die zwei Headsets können auch an einem mobilen Zoom (meines: Zoom F8) betrieben werden, man braucht aber dann einen Splitter für die Kopfhörer, da das F8 nur einen Ausgang hat.
Kosten: Headsets je 290€ mit Kabel; Interface: 227€; Zoom F8: 1200€.
Produktion: Mehr zwei bis acht Gesprächspartner/innen
Aufnahme mit bis zu acht Headsets von Beyerdynamic, verbunden mit Zoom F8, das acht Spuren getrennt auf Speicherkarte aufzeichnet. Kopfhörer werden durch Kopfhörerverstärker versorgt, die dazu kommen: bis vier Stück geht mit dem kleinen Behringer MicroAMPG HA400, mehr noch über ein größeres beide brauchen eine Stromversorgung vom Netz.
Kleiner Kopfhörerverstärker für individuelle Lautstärken.
Arbeitszeit: 2 Stunden Aufnahme; Postproduction 2 Stunden (Texte schreiben, vorne/hinten schneiden, bereitstellen); Intensivschnitt bei vielen Ähs und Nebenlinien, die gekürzt werden: 2 Stunden pro 30 Minuten Sendezeit. Normalerweise werden die Gespräche nicht geschnitten.
Podcast aufsetzen: Das habe ich hier in einem Blogbeitrag zusammengefasst: In 3 Stunden und 30 Schritten.
Der Legende nach gibt es Geckos, die irgendwo in den Bäumen sitzen und ihren Namen sagen. Einen habe ich in Batam getroffen, das ist die erste Insel in Indonesien unterhalb von Singapur. Mit einem Schnellboot kann man sie in 45 Minuten erreichen. Weitere 45 Minuten mit dem Angkot und wir sind in Anggrek Mas 2, auf der Veranda eines Freundes. Dort sitzt dessen Freund, der Gecko, der sich alle Stunde mal zu Wort meldet und seinen Namen sagt.
In Indonesien ist viel Leben. Sobald die Sonne untergeht und davor. Wer das nicht gewöhnt ist, ist vielleicht manchmal ein bisschen verzagt, wenn er auf der Terrasse sitzt am Wohnort eines Freundes, der eingeladen hat, vorbeizukommen. Man kommt früher nach Hause als der Freund und wartet auf seiner Terrasse in der Dunkelheit, und da kommt auch der Gecko vorbei und erzählt. Was genau, ist nicht zu verstehen. Vielleicht sagt er einfach seinen Namen. Gecko! Gecko, Gecko!
Als Radiojournalist reise ich mit offenen Ohren durch die Landschaft.
Nicht jedes Geräusch ist interessant und für eine Sendung zu gebrauchen. Aber immer wieder finde ich sie. Ganz besondere Geräusche, die unverwechselbar sind für diesen oder jenen Ort.
Warum hat diese Website diesen Namen? Kein besonderer Grund, die Domain hatte ich nur mal registriert, weil sie eine der wenigen österreichischen mit vier Buchstaben und leicht auszusprechen ist. Und Atmo ist die in der Radiosprache übliche Abkürzung für Atmosphäre – für Geräusch, im Gegensatz zu OT, dem Originalton, dem Ausschnitt aus einem Interview.
Übrigens: Nehmen Sie sich die Töne mit, wenn Sie möchten. Sie können sie gerne für eigene Projekte verwenden.
Wenn Sie selbst ein besonders schönes Geräusch haben, das Sie in diesem Podcast sehen hören wollen, machen Sie doch mit und schicken Sie’s rüber, wenn Sie wollen.
Bahnverbindungen werden am Gare du Nord in Paris immer noch am Klapperboard angezeigt. Im Gegensatz zu Monitoren ist das akustisch äußerst hübsch. So ein Board musste einmal ungeahnte Vorteile gehabt haben. Heute erscheint es aber logisch, dass die mechanische Bewegung der Farbplättchen der Anzeige von Zügen auf Monitoren unterliegt. Was wohl der richtige Name dafür ist?
Monitore als Anzeigetafeln sind bequem für die Betreiber. Aber so richtig toll sind klappernde Anzeigetafeln, die die Verbindungen der Züge am Bahnhof anzeigen. Die sich verändern, die Rattern, neu gestalten, alles zeigen. Was für ein Leben. Und gerne wartet man am Bahnhof lange auf den nächsten Zug. Eine meiner schönsten Aufnahmen und Reisezustände.
Ein schwedisches Arbeiterlied singen Emma und Adam bei der Farnernte in Schottland. Ein Lied über die Arbeit und die Liebe. Emma und Adam gehören zu den Studierenden, die ihre Ferien als Freiwillige Helfer auf einer Ökofarm in Schottland verbringen. In Fearnan am Loch Tay versuchen sie, mit anderen Menschen in einem Bauernhof über dem See nachhaltig zu leben. Der geerntete Farn wird getrocknet und als Streu für die Tiere verwendet.
Wir haben in Schottland auf einem Öko-Bauernhof mitgeholfen. Mitgearbeitet für Kost und Quartier. Emma und Adam waren dabei. Sie haben gesungen. Ein weiterer Student war zuhause mit seiner Gitarre. Eine Einsiedlerin hat eingeladen. Darunter das Loch, der See. Wir fuhren mit dem kleinen Lastwagen in der Wiese und sammelten Farn, das mit diesem Arbeiterlied gleich viel besser verlief. Die Kinder saßen am Wagen auf dem Farn, um ihn hinunterzudrücken. Wo kann man bloß so schöne Lieder lernen, liebe Emma, lieber Adam? Wer ihr seid, weiß ich nicht mehr, aber wir hatten eine wirklich schöne Zeit mit Euch.
Auch ein schönes Tonschnipsel, hier ausnahmsweise mit bewegtem Bild. Schule anderswo. Kinder üben das Marschieren in Padangbai, Indonesien. Sie trainieren für die Feierlichkeiten zum Indonesischen Unabhängigkeitstag.
Rituale und Gesetze eines lokalen Marktes finden sich auch in den Stimmen der Verkäufer wieder. Die Rufe der Verkäufer am Bahnhofsmarkt in Brüssel sind ein schönes Beispiel für Rhythmus, Klang und Sprache. Einzigartig im Vergleich zu anderen Märkten.
Der Markt. Billiger-billiger-billiger heißt es am Naschmarkt in Wien, auf Deutsch. In einer anderen Sprache geht es in Brüssel zur Sache, beim Markt am Bahnhof. Keine Ahnung, welche Sprache, denn so oft ist man nicht in Belgien. Französisch, Flämisch? Könnte man nachschauen. Aber der Klang dieser Marktverkäufer ist charakteristisch wie eine belgische Briefmarke – passt nur hierher, hierhin.
Lothar Bodingbauer ist österreichischer Radiojournalist, Abendschullehrer und freier Podcaster.