Radio, Science, Education

Wien

  • Da hat es doch einmal den Slogan “Die Polizei – dein Freund und Helfer” gegeben. Ist das noch aktuell? Ich meine, gilt das noch? Oder wurde der – wie die Schulmilch – irgendwann klammheimlich eingestellt?

  • In den Ausschlussbedingungen der österreichischen Ärzteflugambulanz wird festgehalten, in welchen Fällen bei Reisen kein Versicherungsschutz besteht. Neben Terrorgefahr und bakteriologische Kampfstoffe steigt die Versicherung auch bei Ereignissen aus, die infolge von Übermüdungs- und Erschöpfungszuständen eintreten. Also: nicht zu lange wegbleiben im Urlaub am Abend, und brav früh schlafen gehen – sonst kann man unangenehm erwachen.

  • Viele Fenster in unserer Gasse sind geöffnet, und Nachbarn schauen Fußball. Aber irgendwie ist die ganze Gasse nicht synchron. Wir schreien 5 Sekunden früher. Immer. Jetzt habe ich herausgefunden warum: wir haben Fernsehen über das Telekabel analog. Sie schauen digital. Scharfes Bild. Aber immer hinten. Hehe! Wenn’s drauf ankommt, schreien wir als erstes in der Gasse. Tipp: Abrüsten, liebe Nachbarn, für’s Endspiel!

  • Nicht nur SchülerInnen sollen die Bandbreite ihres Verhaltens kennen oder kennen lernen, sondern auch LehrerInnen. Daher eine längst fällige Formulierung eines Vorschlags für eine Verhaltensskala für LehrerInnen:

    Negativ

     

    Sie weisen zu Beginn der Stunde auf einen Missstand hin und beginnen den Unterricht, ohne den Stundenablauf im Groben zu skizzieren.

     

    Sie sagen missmutig „nein“, wenn etwas nicht geht und wirken persönlich gekränkt, weil Sie danach gefragt wurden.

     

    Sie gehen einen halben Tag nicht aufs Klo oder essen nichts, auch wenn Ihr Körper dringend nach dem einen oder dem anderen danach fordert. Tür- und Angelanfragen beantworten Sie missmutig und genervt, wenn keine Zeit für eine korrekte Entgegennahme besteht.

     

    In Gesprächen mit KollegInnen bezeichnen Sie SchülerInnen, die den Anforderungen des Schulalltags in der einen oder anderen Weise nicht entsprechen, als dumm, blöd, deppert oder auch vollkommen realitätsfremd.

     

    Sie ärgern sich, wenn SchülerInnen Fristen nicht einhalten, oder anderweitig durch Nichtorganisiertheit negativ auffallen, und lassen sich diese schlechte Laune so anmerken, dass man sie als Erziehungsmittel auffassen könnten.

     

    Sie versuchen, Probleme grundsätzlich durch ein „ja“ zu klären, um so SchülerInnen eine positive Erledigung durch Fristverlängerung zu ermöglichen, räumen ihr/ihm jedoch keine Verantwortung darüber ein, und so bleibt wieder alles bei Ihnen hängen – was Sie ärgert.

     

    Sie lassen sich in Gesprächen unterbrechen oder tadeln die/den unterbrechenden missmutig für den bloßen Versuch, das Gespräch zu unterbrechen.

     

    Sie werden durch die Anforderungen des Schulalltags von einer Situation zur anderen gehetzt, die Sie zu erfüllen suchen, Sie aber am Tagesende erkennen, dass dies nur unter größter Anstrengung möglich war.

     

    Sie versuchen Fehler entweder zu vertuschen, oder jemandem anderen zuzuschreiben. Keinesfalls informieren Sie Ihre/n Vorgesetzten über gröbere Geschichten und lernen statt dessen akribisch, so im Grauschatten des Erlaubten zu agieren, dass diese Missstände nicht weiter auffallen.

     

    Sie produzieren bei problematischen Elternanfragen grundsätzliche Aussagen, dass so etwas nicht gehe, und dass das Problem ausschließlich durch familieninterne Strategien gelöst werden können.

     

    Sie verwenden beim problembeladenen Elternkontakt reflexhaft eine der folgenden 14 Floskeln, die von www.learn-line.nrw.de so hübsch gesammelt wurden: 

    1. Das ist völlig ausgeschlossen.
    2. Das kann gar nicht stimmen.
    3. Da müssen Sie sich täuschen.
    4. Das gibt es bei uns nicht.
    5. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.
    6. Das habe ich noch nie gehört.
    7. Das ist noch nie vorgekommen.
    8. Sie sind der / die Erste.
    9. Sie sind der / die Einzige.
    10. Da müssen Sie / Ihr Kind selber irgend etwas falsch gemacht haben.
    11. Sie sind / Ihr Kind ist da sicher besonders empfindlich.
    12. Vergessen Sie bitte nicht, dass wir eine gute Schule sind.
    13. Dafür haben wir zu viel Erfahrung im Umgang mit Kindern.
    14. Von den anderen Eltern der Klasse haben wir diese Beschwerde noch nie gehört.

     

    Sie gehen davon aus, das Kinder perfekte Wesen sein müssen, die jederzeit jeden Tag sonnig und gut gelaunt ihrem Wissensdrang nachgehen und ständig Lust an positiven Sozialkontakten haben.

     

    Sie verwenden Ihre Freizeit nur um sich bis zur Besinnungslosigkeit vorzubereiten. Ihr Gehalt geben Sie für alles andere aus, nur nicht für eine Coaching Stunde, die Ihnen hilft, den Schulalltag einigermaßen intakt über die Runden zu bringen.

     

    Neutral

    Sie sind anwesend und fallen weiter nicht auf. Weder positiv, noch negativ. Ein ganz normaler Tag in einer ganz normalen Schule.

    Positiv

    Sie begrüßen die Schüler mit einer kleinen Geschichte, was Sie heute schon Nettes erlebt haben und stellen dann den SchülerInnen vor, was Sie in dieser Stunde mit ihnen vorhaben. (Schülerrecht auf positive Aktivierung und Recht auf Einblick in die eigene nächste Zukunft, wenn sie von anderen – Ihnen – abhängt.)

    Sie entschuldigen sich, dass etwas nicht geht, wenn etwas nicht geht. (Schülerrecht auf freundliche Mitteilung unbequemer Tatsachen.)

     

    Sie benützen die Pause, um Ihre persönlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen und verweisen Tür- und Angelanfragen mit einem freundlichen Hinweis auf Ihre Sprechstunde oder auf einen besseren konkreten Zeitpunkt. (Lehrerrecht auf Toilettenbesuch und rechtzeitige Nahrungsaufnahme.)

     

    Sie verwenden auch in internen Gesprächen korrekte Bezeichnungen für SchülerInnen, die den Anforderungen des Schulalltags in der einen oder anderen Weise nicht entsprechen. (Menschenrechte auf Würde und Nichtperfektsein.)

     

    Sie weisen SchülerInnen ernst auf Nichteinhaltung organisatorischer Fristen oder unpassende Strategien zur Bewältigung des Schulalltags hin und setzen einen konkreten messbaren Nachtermin, der zu einer konstruktiven Klärung der Problemstellung wenigstens von Ihrer Seite beitragen kann. (SchülerInnenrecht auf Schulung in organisatorischen Belangen.)

    Sie verwenden das Wort „nein“ in einem ernsthaften Kontext und haben kein wie immer geartetes schlechtes Gewissen, wenn dadurch dem/der SchülerIn Verantwortung übertragen wird, die sie/er vielleicht nicht nützt. (SchülerInnenrecht auf ein klares „nein“ und Selbstverantwortung.)

    Sie lassen sich in einem Gespräch nicht unterbrechen und weisen gegebenenfalls freundlich auf diese Tatsache hin. (SchülerInnenrecht auf Uninformiertheit.)

    Sie führen eine Liste persönlicher Prioritäten und kennen konstruktive Mechanismen und Strategien, wenn die Umstände so gelagert sind, dass diese Prioritäten nicht erfüllt werden können. (Menschenrecht auf Gestaltung ihrer/seiner Prioritäten.)

    Sie geben frank und frei Ihre Fehler zu, nennen diese Herausforderungen und versuchen keinen besseren Schein zu erwecken, als Sie selbst ausstrahlen können. Bei gröberen Geschichten wenden Sie sich auch an Ihren Vorgesetzten bzw. weisen sie/ihn auf täglich praktizierte Missstände hin, an die sich schon alle gewöhnt haben. (Menschenrecht auf Fehler.)

    Sie denken bei Elternkontakt als erstes daran, dass das betroffene Kind das Wichtigste ist, was diese Eltern haben. Danach formulieren Sie Ihre Sicht der Problemstellung und bieten dem Familiensystem unzählige Möglichkeiten, die Sache gemeinsam in den Griff zu bekommen. (Familienrecht auf Integrität und Intaktbleibenheit.)

    Sie erklären nicht jede Problemsituation mit Ihrer Unzulänglichkeit und verfallen andererseits nicht in das Extrem, diese Unzulänglichkeit der/dem anderen zuzuschreiben. (LehrerInnenrecht auf Teilung der Verantwortung.)

    Sie gehen davon aus, das Kinder keine perfekten Wesen sein müssen, die auch teilweise betrübt, besorgt, zornig und missmutig sind und ihrem Wissensdrang nicht nachgehen wollen und auch einmal keine Lust an positiven Sozialkontakten haben. Konstruktive Kritik an solchem Verhalten kennen Sie eine ganze Menge aus dem ff. (SchülerInnenrecht auf professionelle Erziehung.)

    Sie verwenden Ihre Freizeit nicht nur um sich bis zur Besinnungslosigkeit vorzubereiten, sondern auch um sich wohlzufühlen, sich zu entspannen, nette Sachen zu machen, zu Schlafen und dann und wann eine Coaching-Stunde auch aus dem eigenen Gehalt zu bezahlen. (LehrerInnenpflicht auf Sicherung der eigenen Ressourcen.)

  • Video Podcast, das wollte ich mit diesem Film mal ausprobieren.

    Hier meine Anleitung, wie man einen kleinen unspektakulären Film macht…
    1. Inhalt vor Technik. Thema wählen und ein paar Tage nur im Kopf durchdenken ohne technische Beschränkung.
    2. Apple Laptop mit eingebauter Kamera besitzen… (Apple macht glücklich; die schauen immer darauf, dass die Einzelkomponenten  Video, Fotos, Film, Dokumente zueinander passen) – oder die Windows Alternativen kennen.
    3. Also: Ich will Tafellöschen zeigen. Ablauf klar.
    4. Apple Laptop hinstellen, alle Lichter aufdrehen, Quicktime starten und Aufnahmetaste drücken.
    5. Aufnehmen. Zwei Einstellungen unter anderen Blickwinkeln aufnehmen – nicht mehr, das Wenige bringt die Abwechslung.
    6. iMovie öffnen, die Files vom Desktop reinziehen. Erinnern: schnell & schmutzig soll es werden. Nicht an Vorgesetzte denken, eher an den Lustfaktor.
    7. Arrangieren, Tracks teilen, Übergänge gestalten – weniger ist schon wieder mehr.
    8. Tonspur: im Apple Laptop die Audiodateien nach Musik durchwühlen, reinziehen in das Arrangement.
    9. Erzählerspur aufnehmen – ohne Manuskript, einfach erzählen, was man sagen will.
    10. Blödsinn aus der Audiospur rausschneiden, Audiovolume anpassen.
    11. Exportieren, rauf auf Youtube.
    Summe: 3 Stunden rasches Arbeiten.
    Update: Das Nachfolgevideo ist hier
  • Tigerrachen kriegt Zähne. Sein Schatten sieht schon sehr gefährlich aus.

  • In der Schule wurden wir belehrt, auf Fragen stets artig eine Antwort zu geben, oder es zumindest zu versuchen. Nie sollte man mit einer Gegenfrage antworten. Dass aber im heutigen Wissenschaftsbetrieb auch darauf ankommt, vor allem zunächst viele gute Fragen zu stellen, darauf wurden wir bisher nicht vorbereitet. Zu Gast im Studio sind 8 Studierende, die in Wien Physik für das Lehramt lernen. Wie geht es ihnen mit dem Fragen? Darüber sprechen sie mit Lothar Bodingbauer.

  • Taufliegen sind jene lästigen winzigen Fliegen, die sich in unseren Obstschüsseln tummeln. Eine davon ist Drosophila melanogaster, die als Modellorganismus der Entwicklungsgenetik große Berühmtheit erlangt hat und als eines der am besten erforschten Lebewesen gilt. Jährlich erscheinen mehr als 4.000 Publikationen über Drosophila, und dennoch gibt es Organe bei dieser Insektenart, die nahezu unerforscht sind. Auch nach 100 Jahren intensiver Forschungen lässt sich bei Drosophila noch immer wissenschaftliches Neuland beschreiten. Es spricht: Carlos Ribeiro, Genetiker im Labor Barry Dickson, IMP – Research Institute of Molecular Pathology (Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1 ab 2. Juni 2008 )

    Programmtext

    Die Fruchtfliege (Taufliege) ist ein bedeutender Modellorganismus für Genetiker. An ihr kann unter verhältnismäßig einfachen Bedingungen erforscht werden, wie Gene dazu beitragen, komplexe Strukturen und Verhaltensmuster von Organismen auszubilden.
    So unscheinbar diese Fliege ist, so spannend sind ihre Verhaltensweisen, was Partnerwahl und Essverhalten betrifft.

    Am Wiener Institut für Molekulare Pathologie wurde eine “Fliegenbibliothek” eingerichtet, ein Zentrum für den weltweiten Versand von genetisch veränderten Fruchtfliegen.

    Kontakt

    Carlos Ribeiro, Genetiker im Labor Barry Dickson
    IMP – Research Institute of Molecular Pathologie
    Dr. Bohr-Gasse 7
    1030 Wien


    Teil 1: Ein historisches Umfeld


    Teil 2


    Teil 3


    Teil 4


    Teil 5


    Hinweis: Die einzelnen Teile stehen gesamt als Physikalische Soiree 135 zum Hören zur Verfügung.

  • Der Kärntner Bischof Alois Schwarz wird vom Standard gefragt, ob es eine Intrige gegenüber seiner Person gäbe. Dessen Antwort: “Das ist keine Intrige. Für mich sind das Leute, die in kritischer Solidarität mit mir um die Diözese ringen.” Großes Kompliment. Kritische Solidarität statt Intrige. Aber vielleicht hat er ja recht!?

    Es gab da auch einmal einen Innenminister, der Menschen einlud, an der Grenze umzukehren. Nach draußen selbstverständlich. “Wir laden diese Menschen an der Grenze ein, umzukehren”. Auch diese Wortkombination verdient uneingeschränkte Bewunderung.

    Ein anderes Wort für Fernbedienung wäre: Entfernte Nahbedienung, und ein anderes Wort für Zusammenbruch: Kritischer Aufbruch. Alsdenn. Los geht’s.

  • Nicht nur für Seefahrer sind Meeresströmungen von großer Bedeutung, sondern auch für Fischfang und Landwirtschaft. Wasser in Bewegung bedeutet Energietransport – oft über weite Strecken. Kaum eine Meeresströmung ist etwa so berühmt wie der Golfstrom. Er transportiert große Mengen an Wärme nach Europa, von seiner Exitenz hängt Vieles in Europa ab. Längst sind nich alle Mechanismen geklärt, die für das Entstehung und die Aufrechterhaltung von Meeresströmngen von Bedeutung sind. Zu grobmaschig ist das Netz der Beobachtungen, zu komplex die zugrundeliegenden dynamischen Vorgänge. Die Sendereihe erzählt über die physikalischen Aspekte von Meeresströmungen und ihre Bedeutung für die Kulturlandschaften der Erde.

    (Ab 1. Juni 2008 – das genaue Datum der Ausstrahlung ist unklar)

    Interviewpartner: Michael Hantel, Meteorologe (Link zu Wikipedia)

    Meeresströmungen — Wassermassen in Bewegung

    Der Meteorologe Michael Hantel über Meeresströmungen

    Teil 1: Der Transport von Energie

    Erde ist von 70% von Wasser bedeckt. Klimatisch ist der Ozean daher sehr wichtig. Meeresströmungen sind eine Komponente. Wasser fließt, Wellen, sie bewegen Wasser hin und her. Wellen sind keine Meeresströmungen. 

    Meeresströmungen sind das, was übrigbleibt, wenn man sich die Wellen wegdenkt. Die Variabilität muss man sich auch wegdenken. Gezeitenströmungen zum Beispiel. 7 m/s in Irland. 

    Oststrom: West nach Ost. Ostwind: Aus Osten. “Ein westwärtiger Strom” ist einfacher zu verstehen 0,1 m/s = 0,2 Knoten, 360 m/ Stunde.

    Beispiele: Golfstrom, Kuroshio, Äquatorialströmung, Antarktischer Strom.

    Messung: Meeresströmungen merkt man nicht am Schiff. Columbus nach Amerika: geografische Position „heute“ + Kurs. Auf der Karte. Er rechnet vor. Er ist aber wo anders. Die Differenz ist die Meeresströmung. Segelt 6 m/s, Golfstrom nach Norden 6 m/s. Er segelt daher nach NW – nicht auf die Antillen. Sondern Cape Caverast in Amerika.

    Viele Geheimnisse. In welchen Bewegungsformen steckt die hauptsächliche Energie? In den kleinen Wirbeln im Golfstrom, die Golfstromwirbeln. Das sind ziemlich tiefgehende Drehbewegungen des Wasserkörpers, 1000m, nicht dauernd beobachtbar, das geht einem ständig durch die Lappen. Weil das aber für Wärme und Energietransport wichtig ist, sind da viele Fragezeichen.

    Auch die Tiefenzirkulation ist nicht ständig beobachtbar.

    Teil 2: Das Phänomen der Ekman Spirale

    Wie setzt sich die Strömung an der Oberfläche nach unten hin fort? Beim Fischen wird zum Beispiel die Leine mitgenommen: Das Phänomen der „Ekman Spirale“.

    Fridtjof Nansen versuchte den Nordpol zu erreichen. Bäume aus Sibirien wurden an der Küste von Grönland gefunden, Lerchen. Daraus schloss er, dass es am Nordpol kein Land gibt. Das Schiff „Fram“ fror im Eis fest. 1893–1896. Nansen beobachtete Wind aus Osten. Das Eis wurde nicht nach Westen geführt, sondern nach Nordwesten. Wind aus Westen, Eis nicht nach Osten, sondern Südosten. Eis wurde um 45° nach rechts abgelenkt. Drift.

    Nansen erzählte das in Bergen seinen Studenten. Ekman machte eine Theorie und löste das Problem in einer Nacht. Die Drehung kommt durch die Erdrotation zustande. Ostwind. Durch Reibung möchte er Reibung nach Westen mitnehmen. Warum nimmt er das mit? Wie ein Jugendlicher auf dem Surfbrett, er rennt hin, springt drauf, bei diesem Sprung gibt er seinen Impuls an das Surfbrett weiter. Jugendlicher ist der Wind, Surfbrett das Wasser. Weil sich Erde dreht, wird diese Strömung nach rechts abgelenkt. Kraft, die nach rechts geht, und die Kraft nach vorne, das sind 45 Grad. Nach unten immer weiter. Die obere Wasserschicht wirkt auf die untere. Noch weiter nach Norden, die noch weiteren Schichten fließen nach Norden und noch tiefer nach Osten zurück. Von oben alle verbundene Strömungsvektoren: eine Spirale, die sich auf ein Schwänzchen zusammenzieht. In den hohen Breiten. Am Äquator: Null. Das ist die Ekman Spirale. Das erklärt auch Eisdrift an der Oberfläche, auch Strömungsmessung von Nansen durch das 3 m dicke Polareis, Strömungsmessung in der Tiefe.

    Link: Die Korkenzieherströmung, auch Ekman-Spirale – https://de.wikipedia.org/wiki/Korkenzieherströmung

    Teil 3: Das Zusammenwirken von Kräften

    Die Menschheit hat immer Seefahrt betrieben. Äquatorialströme: Pazifik und Atlantik, Wasser von Osten nach Westen, über 20.000 Kilometer. Durch den             Passat getrieben, durch Wind. Dieser Windantrieb ist ein Transport von Impuls. Das heißt, dass der Wind einen horizontalen Impuls hat, wenn er weht. Und dass er den jetzt auf das Wasser überträgt. Dadurch entsteht die Wasserströmung in Windrichtung. Das ist die eine Kraft, die wirkt. Die andere Kraft ist die Schiefstellung der Meeresoberfläche. Wasser steht waagrecht, aber es sind ständig Kräfte da (der Wind etwa), die im Wasser Höhenunterschiede produzieren, kleine Berge und Täler. Wenn die Meeresoberfläche nicht exakt gerade ist, sondern an einer Stelle einen Berg bildet und einer anderen Stelle ein Tal, dann muss das Wasser vom Berg zum Tal fließen. Weil im Wasser Hochdruck herrscht. Das Wasser versucht vom Berg zum Tal zu fließen. 

    Man nennt diese Kraft, die das Wasser treibt, die Druckgradientkraft. Wir haben also Wind, Druckgradientkraft, und die dritte Kraft, die genauso wichtig ist, ist die ablenkende Kraft der Erdrotation. Das ist eine ganz unanschauliche Geschichte. 

    Da stellen Sie sich vor: wer hat schon mal den Film „Takshis Castle“ gesehen? Folgende Situation: die jugendlichen Wettbewerbsteilnehmer müssen über ein langes Brett gehen, ungefähr 10 m lang. Das Brett führt über ein Wasserbecken, in das darf man nicht fallen. Der Witz ist nun, dass sich das Brett in 1 Minute um sich selbst dreht. Man kann vom Rand an einer Stelle auf das Brett hinaufkommen. Und dann kommt man über Wasser und nach einer halben Umdrehung kommt das Ende vom Brett an dieser Stelle wieder vorbei. In der Zwischenzeit muss man über das Brett gegangen sein, dann kann man wieder ausseigen. Wenn man das nicht weiß, ist das zum Totlachen. Man muss die Jugendlichen sehen, die über das Brett laufen und von einer mächtigen Kraft abgelenkt ins Wasser fallen. Es schaffen es nur ganz wenige. Und diese Ablenkung heißt Corioliskraft. Man muss den Corioliseffekt wissen. Wenn man ihn weiß, kann man ihn berücksichtigen, dann braucht man sich nur vorher gegen die Kraft zu stemmen.

    Zurück zur Meeresströmung: dieser Prozess des Ausgleichs zwischen der der Schrägstellung der Wasseroberfläche, das ist ganz wenig, 1 m pro Tausend km. Das sehen Sie gar nicht. Das ist die eine Kraft, und die andere Kraft ist die Corioliskraft, und die ist auch sehr schwach, die kennt man normalerweise nicht. und der Takashi-Castle-Spieler, der sieht die nur, weil er sich in einer ganz abnormen Situation befindet. Aber das Wasser, das Tag und Nacht der Erddrehung ausgesetzt ist, und diesen schwachen Kräften ausgesetzt ist, merkt die Corioliskraft, die Schiefstellung der Oberfläche, und bewegt sich unter diesen beiden Kräften. Und diese verschiedenen Kräfte wirken zusammen. Das nennt man das „Geostrophische Gleichgewicht“.

    Ein Beispiel ist der Nordäquatorialstrom. Er fließt von Ost nach West, und wenn Sie sich die Karte ansehen, dann sehen Sie, dass die Wasseroberfläche im Atlantik und im Pazifischen Ozean ganz leicht nach Süden hin ansteigt. Dieser Ausgleich ist der ganz wichtige Ausgleich der Meeresströmung, dass die Balance der Meeresströmung im freien Weltmeer.

    Ein anderes Beispiel ist der antarktische Wasserring. Das ist ein Strom, der um die Antarktis von West nach Osten permanent herumläuft. Das ist das Reich des Albatros, und in dieser Gegend haben wir eine Strömung, die sonst im ganzen Weltmeer in dieser Stärke nicht erreicht wird. Da passiert das Entsprechende. Auf der Südhalbkugel steigt der Wasserspiegel zu Antarktika hin an.

    Der Golfstrom hat, der Kuroshio hat das, der Nordäquatorialstrom hat das. Und dieses Gleichgewicht sorgt dafür, dass Strömungen über 1000e km in eine Richtung fließen können.

    Teil 4: Die Bedeutung des Golfstroms

    Man muss mal im Golfstrom getaucht haben. Man muss gesehen haben, wenn die Wellen durchfließen und wenn die goldenen Schwärme von Fischen zu 1000en, kleine 10 cm lange Fische, 1000 Fische unter der Wasseroberfläche stehen, dann in der Welle gleichmäßig mit rauf und runtergehen. Und wenn die Sonne reinscheint und man wieder auftaucht, muss man das fast UV-blaue Licht auf der Wasseroberfläche gesehen haben. Man kann UV-Licht nicht sehen, aber wenn man dieses tiefe Blau sieht, denkt man, dass man UV sehen kann.

    Der Golfstrom ist bedeutend auf ganz vielen Gründen. Einer davon ist, dass er riesige Mengen von Wärme aus der Golfregion in die Polargebiete transportiert. Ein anderer ist, dass er das Gebiet der stärksten Sturmtätigkeit in der Atmosphäre markiert. Das hängt damit zusammen, dass durch die Wärme am Golfstrom ein sehr starker Vertikalaustausch von Wärme und Feuchte zwischen Ozean und Atmosphäre passiert. Er ist also energetisch äußerst wichtig, nicht nur der Golfstrom, sondern der Curoshio im pazifischen Ozean genauso.

    Was ist das Besondere am Golfstrom? Im Passatgebiet herrscht Hochdruck in der Atmosphäre. In den Subtropen, bis in die Tropen hinein, herrscht über dem Weltmeer, dem Atlantik und auch über dem Pazifik ein Windsystem, das von Nordosten her weht. Das ist der NO-Passt. Er weht von NO nach Südwest. Er ist sehr beständig, er treibt die Seefahrer auf ihren Weltumsegelungen von Europa nach Amerika. So ist Columbus nach Amerika gesegelt, im NO-Passat. Auf der Südbhalbkugel ist es der SO-Passat. Er weht auch nach O aber mit einer Komponente von S nach N. Die Passate treffen sich am Äquator und treiben das äquatoriale und das subtropische Strömungssystem am Ozean. Jetzt haben wir gleichzeitig nicht nur Winde dort, sondern auch Druck. Das Passatgebiet über dem subtropischen Ozean herrscht relativer Hochdruck in der Atmosphäre. Das Besondere ist, dass sich im Hochdruckgebiet die Luft entgegen der Erdrotation dreht, das nennt das „antizyklonal“. Das ist mit dem Linkswalzer vergleichbar. Die Erdrotation ist ein Rechtswalzer, die Antizyklonalrotation ist ein Linkswasser. Diese Linkswasserdrehung der Luft wird auf das Wasser übertragen. Das heißt, das Wasser bekommt Linkswalzerdrehung mit. Gleichzeitig führt der NO-Passat aber dazu, dass das Ozeanische Oberflächenwasser als Ganzes nach Süden fließt, nach Südwesten. Vor der amerikanischen Küste muss es wieder nach Norden zurück, sonst würde der Atlantik nach Süden leerlaufen. Wenn der Strom an der Westseite nach Norden zurückfließt, konzentriert er sich auf einen schmalen Küstenstreifen. Er ist nicht viel breiter als 100 km, vergleichen mit dem etwa 5000 km breiten Atlantik. Durch diesen schmalen Streifen muss das Wasser wieder nach Norden zurück, das heißt, das Wasser muss 50-mal so schnell sein im nordwärtigen Teil wie im südwärtigen Teil, um den Ausgleich zu machen. Im Golfstrom herrscht ungefähr 5 m/s, das sind ungefähr 18 Stundenkilometer. 20 km/h. 

    Das Beständigste am Golfstrom ist seine ständige Veränderlichkeit. Er ist hochvariabel, er bildet Ringe, er fluktuier, er mäandriert. Und er ist jedes Jahr anders. Das ist das Normale. Jetzt hört man, der Golfstrom bricht zusammen. Das stimmt nicht. Ja, er bricht immer wieder zusammen und dann bildet er sich immer wieder neu. Er muss sich immer wieder neu bilden, der Mechanismus des Golfstroms ist so stark. Wenn die atmosphärische Zirkulation auch weiterhin die Aufgabe hat, das globale Windsystem aufrechtzuerhalten und dabei den Wärmetransport und den Drehimpulstransport und den Wassertransport in die hohen Breiten zu bewerkstelligen, dann muss das atlantische und das pazifische Stromsystem so funktionieren, dass dort immer dieser Linkswalzerimpuls aus der Atmosphäre in den Ozean hineingeht und dann ist der Golfstrommechanismus immer aktiv. 

    Das heißt, der Golfstrom kann nicht zusammenbrechen. Der Golfstrom wird sozusagen, wenn er mal schwächer geworden ist, ständig neu gebildet.

    Teil 5: Die Kälte der Tiefsee

    Als die Amerikaner in den 50er Jahren das Problem des radioaktiven Abfalls hatten, kamen sie auf die Idee, das am Meeresboden abzulagern. Da wurden Experten befragt, ob das gefährlich sei, weil man eigentlich der Meinung war, dass es in der Tiefsee überhaupt keine nennenswerten Stromgeschwindigkeiten mehr geben könnte. Und ich weiß, dass mein Lehrer Georg Wüst damals gewarnt hat und Stromgeschwindigkeiten in der Gegend von 10 cm pro Sekunde, das ist also eine ziemliche Schneckengeschwindigkeit, das sind so kleine Geschwindigkeiten, dass man die normalerweise nur dadurch messen kann, dass man dort Unterseeboote hinschickt. Die würde aber reichen, um radioaktiven Abfall, den man dort ablagert, im Laufe der Zeit dort wegzutragen. Daraufhin wurde dieses Projekt abgeblasen, und ich weiß noch, mit welchem Stolz Wüst die ersten direkten Strommessungen und Fotografieren von dem Meeresboden zeigte. Da gibt es nämlich Rippeln, die bilden sich erst bei mindestens 10 cm Stromgeschwindigkeit. Das war der Beweis, dass es am Meeresboden Wasserbewegungen gibt. Auf diese Weise ist verhindert worden, dass radioaktiver Abfall am Meeresboden abgelagert worden ist.

    Diese Strömungsgeschwindigkeiten in der Tiefsee: Es fließt vor allem das kalte Wasser unten zum Äquator hin. Woher kommt dieses kalte Wasser? Warum ist der Ozean unten überhaupt kalt. Das Innere des Meeres ist doch warm? 

    An der Oberfläche ist das tropische Wasser warm. Aber das Tiefenwasser ist kalt, ungefähr 4 Grad, 3 Grad, 1 Grad. Ganz kalt. Das kann doch eigentlich gar nicht sein. Und es ist dadurch so, dass das kalte Wasser ständig durch arktisches und antarktisches eiskaltes Wasser gespeist wird. Das passiert auf der Nordhalbkugel, das in einem ganz schmalen Bereich durch die sogenannte Konvektion vor Labrador. In der Labradorsee befinden sich Areale, die sind im freien Ozean zum Teil nur 50 oder weniger km im Durchmesser, da ist das Wasser so kalt, durch Kälteausbrüche aus Kanada und der inneren Arktis, vor allem im Winter, da haben wir dort in der Luft Temperaturen von –20 Grad und weniger. Das Wasser wird abgekühlt und stürzt, weil es kalt ist, und damit schwer, an dieser Stelle im Ozean in die Tiefe und fällt auf 1000, 2000 Meter ab. Das ist eine Art kalter Wasserfall nach unten. Der jetzt am Meeresboden ankommt und sich dort in einem schmalen Strom entlang Amerika südwärts ausbreitet. Das fließt jetzt in Richtung zum Äquator und speist das gesamte ozeanische Tiefenwasser im Atlantik. Dieses kalte Wasser breitet sich nun dann aus, zum Äquator hin aus und wird dort wieder zurückgeführt und das gesamte ozeanische Stromsystem, das im Atlantik entwickelt ist, das im Pazifik entwickelt ist, im Indischen Ozean entwickelt, und das durch den entsprechenden Prozess vor Antarktika, wo es ebenfalls solche Konvektionszellen gibt, die kaltes Wasser nach unten führen und äquatorwärts führen, dieses gesamte ozeanische Stromsystem bezeichnet man als ein Förderbandsystem, die englische Fachbezeichnung ist „Conveyer Belt“. 

    Da geht es zu wie in einem Netzwerk, auf der Autobahn, einer Mischung aus hektischer Schnellbewegung und ganz ruhiger Bewegung dazwischen. Das Interessante ist, dass diese Tiefenzirkulation eigentlich im Wesentlich auf der deutsch-österreichischen Atlantik-Expedition mit dem Forschungsschiff und Vermessungsschiff Meteor 1925–1927 entdeckt wurde. Und das Verrückte ist, dass eben das Wasser nicht, wie man denken sollte, sich völlig gleichmäßig organisiert, sondern sich in starken Strömungen konzentriert. Und die Kräfte, die das bewirken sind immerfort am Werke. Wenn ein solcher Storm sich mal gebildet hat, bildet er sich immer wieder, auch wenn er mal zusammenbricht.


    Filename: radio084_meeresstroemungen_1 Teil 1

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_2 Teil 2

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_3 Teil 3

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_4 Teil 4

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_5 Teil 5

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Lothar Bodingbauer ist österreichischer Radiojournalist, Abendschullehrer und freier Podcaster.

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Text: Zum Hintergrund (2014)

Fotos sind auch auf Instagram: lobodingbauer