Die Donau macht in Oberösterreich, auf halbem Weg zwischen Linz und Passau, bei Schlögen auf fünf Kilometern zwei 180°-Kehren. Diese sogenannte „Schlögener Schlinge“ ist entstanden, als die Donau das harte Gestein der Böhmischen Masse nicht durchschneiden konnte. Wissenschaftlich ist diese Besonderheit des Donautals mit seinen umgebenden, 250 m hohen Hängen für viele Disziplinen ein spannender Bereich. In der Kurve entstehen typische Strömungsphänomene im Flusswasser: Erosions- und Sedimentationszonen, spiralförmige Sekundärströmungen, das Wasser wird an der Außenseite beschleunigt und an der Innenseite gebremst. Die Schlögener Schlinge ist ein schönes Beispiel für Flussdynamik, Talbildung, Geologie und Landschaftsformung. Flora und Fauna sind vielfältig. Es ist ein Gebiet hoher Biodiversität, die auch mit Citizen-Science-Projekten untersucht wird. (Lothar Bodingbauer)
Vom Alpenvorlands eine “Industrielinie” entlang ins Salzkammergut hinein. Industrie zu Beginn im Welser Raum, dann Flusstransport – Salz aus den Bergen, Papierverarbeitung zwischendurch. Und Sprengstoff.
Erst mit zwei Wochen Verspätung konnte der kaiserliche Bote den Eintritt Österreichs in den ersten Weltkrieg in die dichten Stellen dieses Waldes bringen. Mit der Zeit wurde es leichter mit der Erreichbarkeit, aber auch heute noch ist der Sauwald an der Donau auf der österreichischen Seite vor Passau ein wildes Stück Land. Nur selten verirren sich Touristen in diese schöne Gegend, in dessen bäuerlichen Orten noch bis bis vor kurzem ganz gern des Sonntags nach der Kirche zum blanken Zeitvertreib gerauft wurde. (Sonntagsspaziergang / Deutschlandfunk)
In der Gegend von Passau hat sich die Donau den Weg durch den uralten Granit der Böhmischen Masse gebahnt. Der Großteil des Granits befindet sich nördlich der Donau. Ein bisschen was davon aber auch südlich von ihr, auf österreichischer Seite. „Sauwald“ heißt das waldreiche und hügelige Gebiet. Nur selten verirren sich Touristen dorthin, wo bis vor nicht allzu langer Zeit des Sonntags nach der Kirche noch zum Zeitvertreib gerauft wurde.
02.09.2012
SONNTAGSSPAZIERGANG: SAUWALD (13:07 min)
MODERATIONSVORSCHLAG
Wenn sich ein Fluss einen Weg bahnt, dann teilt er immer eine Landschaft. So ist das auch in der Gegend von Passau in Bayern, an der Grenze zu Österreich. Die Donau hat sich hier an einer Bruchstelle den Weg durch den uralten Granit der Böhmischen Masse gebahnt. Der Großteil des Granits befindet sich nördlich der Donau. Ein bisschen was davon aber auch südlich von ihr, auf österreichischer Seite, oberhalb der Flüsse Inn und Donau.
Das Gebiet heißt Sauwald, ist waldreich und hügelig, und so groß etwa wie das Stadtgebiet von Hamburg.
Nur selten verirren sich Touristen dorthin, wo bis vor nicht allzu langer Zeit des Sonntags nach der Kirche noch zum Zeitvertreib gerauft wurde. Das hat mein Kollege Lothar Bodingbauer mit schreckgeweiteten Augen in Erfahrung gebracht, den wir jetzt auf eine kleine Rundreise dorthin begleiten.
BEITRAG MANUSKRIPT
Es gibt Hinweise darauf, dass man als Fremder im Sauwald nie ankommen kann, denn wenn man sich dem Gebiet nähert, und fragt, “bin ich schon da”, sagen die Leute dort gerne “nein”, “weiter da oben” sagen sie, und sie sagen “weiter dahinten”. Das setzt sich so fort, bis der Suchende lange Zeit niemanden mehr trifft, dann plötzlich an der Donau steht, den Passauer Dom sieht und erkennen muss: im Sauwald bin ich gerade gewesen.
Er muss es daher mit einem Trick versuchen und fragt die Menschen dort nach ihrer Sprache, am besten einen Schübel Kinder. Er bittet sie zu zählen (OT Kinder: 1, 2, 3) und wenn es sich so anhört, dann weiß er, ja, jetzt bin ich wirklich da:
OT Kinder – 4, 5, …, 15
Sprachlich ist unüberhörbar Bayern nahe.
OT Kinder – Wir im Sauwald haben einen Dialekt, wir gehören zum Bayrischen Dialektkreis dazu. Am Anfang verstehst du es sicher schwer, aber mit der Zeit gewöhnst du dich daran.
ATMO – Eisenbahn im engen Tal
Hier in Wernstein und Neuburg, nur noch einige Kilometer vor Passau, wird es eng für den Inn, kurz vor seiner Mündung in die Donau. Straße, Fluss und Bahn teilen sich das enge Tal. – Wer den Kopf hebt, sieht die vielen Flugzeuge von und nach Deutschland, und wer sich umdreht und über kleine eingeschnittene Bachschluchten hinweg bergan geht, der erreicht nach einigen Stunden Wanderung den höchsten Punkt des Sauwalds.
OT Reportage – Ich bin am Haugstein, 895m Seehöhe in einem Fichtenwald, durchzogen von Buchen, einige Schritte weiter noch, und dann bin ich oben an der höchsten Stelle. Kein Gipfelkreuz sondern unzählige Granitblöcke, verwittert und zerfurcht, eine hohe Waldlichtung mit einer Buche ganz im Mittelpunkt eines Kultplatzes, so sieht es aus, von Granitsteinen, die wie von einem Riesen hingeworfen, hier herumliegen.
Angeblich war der Wald hier an manchen Stellen so dicht, dass der Kaiserliche Bote erst mit zwei Wochen Verzögerung den Eintritt Österreichs in den ersten Weltkrieg bekanntgeben konnte. Wer heute hier wandert, wird aber schnell bemerken, dass der Wald sich wandelt, dass er vielseitig ist, sich immer wieder ändert, und das auf kleinem Raum. 23 verschiedene Waldarten haben unermüdliche Alleszähler hier gezählt. Vom Eichen- und Birkenvorwald, der von den Einheimischen auch „Hoad“ genannt wird, zu Tannen-, Föhren-, Fichtenwäldern, Waldmeister-Ahorn-Buchen-Mischwäldern, Moorwäldern, Schlucht und Hangwäldern bis hin zu Schwarzerlen-Ufer-Auwäldern.
OT Stefanie Haidinger – Es ist der Wald, der dir Schutz gibt.
Sagt Stefanie Haidinger, eine Pensionistin aus Viechtenstein, eine der 30 Gemeinden der Gegend mit etwa 700 Einwohnern.
OT Stefanie Haidinger – Es gibt verschiedene Wälder. Und der Sauwald ist ein freundlicher Wald.
Als Kinder sind sie mit dem Postbus um die Wette gelaufen, der Postbus von der Donau herauf schnaufend und langsam fahrend über Serpentinen, die Kinder durch den Wald auf direkter Linie. Gewonnen haben die Kinder meistens, bergan. Und bergab mit dem Schlitten im Winter haben sie immer gewonnen.
OT Stefanie Haidinger – Du hast irgendwie das Gefühl in dem Wald, da ist etwas um dich herum, das beschützt dich. Also der Wald hinter dir gibt dir Schutz und nach vorne hast du das Gefühl. Hurra, mir gehört die ganze Welt.
…die ringsherum zu Füßen liegt, denn immer wieder sieht man durch lichte Stellen weit hinab ins Umland. Der Blick ins Innviertel….
OT Stefanie Haidinger – und der Blick nach Bayern.
OT Gabi Bernauer – Ja ich denke, dass man da einfach wandern geht …
… sagt Gabi Bernauer, die auch hier wohnt.
OT Gabi Bernauer – Es ist im Viechtenstein genauso, wenn man raufgeht zum Jagabild. Oder da in Wernstein, wenn man hinunterschaut. Da gibt es schon so Stellen, wo Blicke frei werden, wo man wirklich die Burg Wernstein, die Burg Neuburg, die Innenge bei Schärding, wo man das wirklich schön sieht. Wenn man dort hinkommt, dort kommt man wirklich nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß hin, und da kann man es dann bewusst wahrnehmen, wie schön es da ist.
Gabi Bernauer betreut mit ihrem Mann das einstige Wohnhaus und Museum von Alfred Kubin in Zwickledt bei Wernstein.
ATMO Glocken, OT Gabi Bernauer – Kubinhaus Zwickledt, es steht an der Tür
Alfred Kubin war ein österreichischer Künstler, der ab 1906 hier gelebt und gearbeitet hat. Kubin war Zeichner, er illustrierte Bücher, hat auch Horrorzeichnungen gemacht für Bücher von Edgar Allan Poe. Kubin war Mitglied der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ in München, und er war damit Wegbereiter der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts. Auch Wasiliy Kandinski gehörte dieser Gruppe an. Die künstlerische Moderne – und das mitten im Sauwald. Schloss Zwickledt in Wernstein am Inn war während der Weltkriege jahrzehntelanger Wohnsitz des Ehepaares Kubin. Der Künstler schätzte den Sauwald wegen der Ruhe. Selbst eher nervös und immer wieder in Sorgen verwickelt, liebte er den Garten und die Gegend rund ums Haus.
OT Gabi Bernauer – So ein schöner Garten! – Ja, der Garten ist so belassen wie zu Kubins Zeiten. Früher war es ein Gemüsegarten, der ist aber dann umfunktioniert worden in einen Ziergarten und so ist es jetzt ein gewachsener, wirklich schöner alter Garten.
Ein Bauerngarten, mit allen Farben, so scheint es, die es gibt in dieser Welt. Kubins Zeichnungen hingegen sind meist schwarzweiß. Angst hatte der Künstler oft, wenn er bei seinen ausgedehnten Spaziergängen länger wo ausblieb, beim Kartenspielen zum Beispiel, in den umliegenden Wirtshäusern. Karl Bernauer führt durch das Kubinhaus.
OT Karl Bernauer – Da hängt Kubin, ich sag das einfach einmal so. Wenn er draußen einmal unterwegs war, und er ist viel zu Fuß gegangen, dann hat er fast immer diesen Wetterfleck getragen. So haben ihn die Leute gesehen und kennengelernt. Er ist oft nach Wernstein gegangen zur Eisenbahn, man kann nach Passau und Linz fahren. Wenn es einmal später geworden ist, dann war es oft so, dass der Franz, der jetzige Bauer, der damals ein kleiner Bub war, mit Kubin mitgehen hat müssen, denn wenn es dämmrig war, hat er sich nicht mehr so wohlgefühlt, wenn er alleine heimgehen musste. Der hat ihn dann heimgebracht und ihn nach Zwickledt zum Hausherrn begleitet.
… und der kleine Bauernbub ging dann seinerseits alleine durch den dunklen Wald nach Hause. Aber Bauernbuben haben keine Angst vorm Wald, sondern Respekt, sagt einige Kilometer weiter in Kopfing, dort wo der Sauwald am dichtesten ist, der “große Bauernbub” Hans Schopf.
OT Hans Schopf – Das ist einfach der Unterschied von Tag und Nacht. Und es heißt nicht umsonst, der Wald hat tausend Augen. Die hat er auch in der Nacht. Und Geräusche noch viel mehr. Wir sind halt das gewöhnt als Bewohner von da, da sehr viel Wald ist und dass man immer wieder durch den Wald gehen muss. Ich weiß es als Kind noch, wenn wir bei der Musik dabei waren, nach der Musikprobe ist man zu Fuß zum Teil heimgegangen, immer durch den Wald gehen müssen, da hätte ich mir nie was gedacht. Das war halt so.
Hans Schopf hat in der Sauwaldgemeinde Kopfing einen Baumkronenweg errichtet. Besucher können durch seinen Wald auf hölzernen Brücken durch die Kronen der Bäume gehen, und ihnen dabei in die Augen schauen, wie er sagt. – In die Augen schauten sich die Männer der Region bis vor kurzem auch ganz gerne, und zwar besonders fest, wenn gerauft wurde.
OT Hans Schopf – Wir haben sogar für’s Raufen ein eigenes Gesetz gehabt. Da hat es ein eigenes Landesgesetz gehabt, dass die Kopfinger nur die Hälfte an der Zeit verurteilt wurden, als andere. Weil das war bei uns so überbracht, dass die Kopfinger das so geregelt haben. Das war halt einmal so. Das ist Vergangenheit. Das Raufen hat sich dann aufgehört, ist auch kein System. Aber dass wir ein wenig härter sind, ein wenig rauer in der Mentalität, aber ich sage immer, im Herzen dann doch sehr, sehr weich sind.
In sogenannten Zechen waren die Menschen früher hier organisiert, kulturell. Brauchtum, Volkstanz und dort und da auch eine Kegelbahn. Das gesellige Beisammensein wird auch heute hochgehalten. Mostverkosten, Traktoren zeigen. Wie zum Beispiel den hier, einen alten „Lanz Pampa“ – aus Argentinien.
OT Bauernbub – Jetzt muss ich einmal die Heizlampe aufheizen, dass der Glühkopf einmal warm ist, und dann muss ich warten, bis der Glühkopf glüht, dann kann ich ihn anwerfen. – Ein bisschen weggehen, nicht dass er zu brennen beginnt. – Nein, da kann nichts passieren.
ATMO Traktor startet
Jetzt läuft er. Der Jungbauer lacht, holt sich ein hübsches Mädchen im Dirndlkleid und fährt mit ihr ganz stolz davon.
ATMO Autoradio
Ich fahre auch weiter, ein schöner Sonntag, im Autoradio aus dem nur kilometerentfernten Deutschland: der “Sonnstagsspaziergang” eine Reisesendung, die Lust macht aufs Verreisen, zum Beispiel nach Ferrara.
Ferrara. Mein Kollege kann hier aus dem Vollen schöpfen. Leben und Kultur auf jeden Meter dieser Stadt. Ich aber fahre durch eine fast menschenleere Landschaft. Die Geschichte präsentiert sich hier, so scheint es, vorwiegend als Verwitterung. Links ein aufgelassener Schilift, wegen der wenigen Touristen zahlt sich der Betrieb im Winter nicht aus. Überwachsene Granitblöcke, die in den Feldern und im Wald liegen. Wollsackverwitterung heißt das, wenn das Wetter den Granit über Jahrtausende an Rissen zerfurcht, und die Blöcke dann aussehen, wie aufgestapelte Leinensäcke mit Wolle. In den Feldern wurden diese “Blockhalden” meist weggeräumt, aber in den Wäldern sind noch viele zu sehen. Die Landschaft prägen neben den vielen Waldteilen ebenso viele bunte Wiesen, wogende graue Kornfelder und kleine bäuerliche Siedlungen. Die Gehöfte wurden an den Hängen errichtet, kaum einmal auf flachem Grund, denn dieser ist kostbar. Ein Mosaik auch das Klima. Vom Warmen Hügel her kommend taucht man oft hinab und hinein in einen Kaltluftsee.
Erfrischend kühl ist es im Sommer auch in der Erde selbst. Ich bin im verabredet mit Hilde Ganglmaier, im Ort Raab. In der “Kellergröppe”.
OT Hilde Ganglmaier – Sie sind den ersten Teil der Kellergröppe schon gegangen.
Gröppe ist ein altes Wort und bezeichnet einen vom Wasser ausgespülten Graben, einen schattigen mittelalterlichen Hohlweg, und in der Kellergröppe in Raab wurden links und rechts in die Wände des Hohlweges 26 Keller in den Sand gegraben, oft 70 Meter tief in den Hang hinein.
OT Hilde Ganglmaier – Die großen Keller werden auch heute noch genutzt von den Baumschulen im Winter zum Pflanzen einlagern. Weil die Temperatur konstant 9 Grad Sommer wie Winter ist. Und wenn Sie wollen, das ist mein eigener Keller, Sie können reinschauen, das ist ein Haushaltskeller, da können wir reinschauen, dürfen Sie sich nicht schrecken, es ist finster (ATMO).Vorsicht! Sie sehen, das ist ein typischer Haushaltskeller. Man lagert Äpfel, ich habe einen Kren herinnen, und die Äpfel können Sie kosten, die kann man noch essen. Ich suche Ihnen einen schönen aus.
Und wirklich, der Apfel schmeckt gut, vom letzten Herbst den Winter hinüber gerettet, und das ohne Strom. In den großen Kellern wurde auch, als es noch drei Brauereien im Ort gab, Bier gelagert. Ein begeisterter Biertrinker war damals auch Franz Stelzhammer, Dichter und Schöpfer der oberösterreichischen Heimathymne. Ihm wird heute hier gedacht.
OT Hilde Ganglmeier – Der war ja Wanderer, war früher immer zu Fuß gewesen, und ist ganz viel nach Raab gekommen, weil ihm das Raaber Bier so geschmeckt hat. Da hat er so ein liebes Gedichtl geschrieben.- (Räuspert sich). Aber jetzt frisch voran, übers Viechtstein und Fran, wo es das beste Bier oh gad. Z’Raab halt dich staad. Raaber Bier, Raaber Bier, bist wie ein Graberstier. Haust um dich, schlagst um dich. Sakaratie. – Die Kellergröppe, jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Jetzt ist es wunderschön, wenn es grün ansticht. Wunderschön im Frühling, im Winter wenn es hereinschneibt ist es wunderschön. Im Sommer ist es sehr kühlend, und im Herbst ist die Laubfärbung das Besondere, das Ganze Flair vom Herbst kommt dann zum Vorschein.
OT Kinder – … 16, 17, 18, 19, 20
Zurück in der Schule, bei den zählenden Kindern. Sie haben hier ausreichend Platz zum Spielen und zum Aufwachsen. Wenn sie aber eine höhere Schule besuchen möchten, müssen sie weg aus ihrer Heimat, sagt ihre Lehrerin, die aber selbst nach Jahren im Ausland mit ihrer Familie wieder zurückgekommen ist.
OT Lehrerin – In unserem Bekanntenkreis sind viele, die wirklich wo anders studiert haben, etwas gesehen haben von der Welt. Und wieder zurückgekommen sind. Das zeichnet eine Gegend aus, dass nicht nur die Leute abwandern, sondern dass auch wieder Leute zurückkommen. (Lacht)
Und ein Geheimnis müssen wir noch lüften, sagt der Heimatkundelehrer: warum der Sauwald Sauwald heißt.
OT Lehrer – Der Name Sauwald leitet sich ab vom Passauer Wald, und nicht wie viele meinen würden, von den vielen Wildschweinen, von den Wildsauen. Also: Passauer Wald, Sauwald. Daher kommt der Name.
Hintergrund: Wie ist es zu diesem Beitrag gekommen? Ausflug nach Kopfing, zum schönsten Hühnerstall der Welt, über dem Innviertel. Besuch in der Hauptschule Esternberg bei den Kindern, die ein Dialektprojekt gemacht haben. Für Rudi Radiohund. Ausflug nach Raab, Wanderung auf den Haugstein, Besuch bei Feuerwehrfest mit Traktorenschau.
Sebastian Mitterbauer: Portrait eines 15-jährigen mit ungewöhnlichen Interessen: Niemand in der Gegend kann so gut Kurrent wie Sebastian Mitterbauer. Wann immer ein alter Text mit den nicht mehr lesbaren Buchstaben auftaucht, wird Sebastian gerufen. Als 14-jähriger wurde er zum Experten für Haus- und Ortschroniken. In den Ferien räumt er das Gemeindearchiv auf. Vom spanischen Erbfolgekrieg bis hin zur jüngeren Geschichte erstreckt sich seine spezielle Welt.
Gesprochene Geschichten mit Großeltern: Wenn Ida Maier aus Mettmach (OÖ) aus ihrem Leben erzählt, hören ihr Schülerinnen und Schüler der Hauptschule des Ortes mit offenen Ohren zu. Sie erzählt den von einer Zeit, als sie das selbe Alter hatte, wie die Jugendlichen heute. “Oral History” heißt es, wenn der Geschichtsunterricht nicht in der Schule stattfindet, sondern bei den Betroffen zu Hause.
Am Land wurde immer schon versucht, die Mundart aus der Schule zu drängen. “Red schön”, hatte es geheißen. Trendumkehr nun: In der Musikhauptschule St. Martin im Innkreis lernen die Schüler die charmanten Feinheiten und verbalen Schärfen ihres Dialektes kennen, mit einem Mundartdichter der Region. Ein Lokalaugenschein.
Arbeitslosigkeit in der Region Braunau im Jahr 1996, nach der Umstrukturierung des Aluminiumwerks Ranshofen (AMAG). Wie man die Zahlen dreht und wendet, egal ob absolut oder relativ gerechnet wird, die Zahl der Arbeitslosen steigt Risikogruppen sind ältere Menschen, Personen mit Lehr- oder Pflichtschulabschluß, Nicht-Österreicher, Beschäftigte in Industrie und Gewerbe. Aber was sind Zahlen, Raten und Vergleiche. Betroffene profitieren höchstens vom Verschwinden des Vorurteils, jeder könne arbeiten, wenn er nur wolle. Für den Einzelnen und die Familien bedeutet Arbeitslosigkeit Krisenphase mit offenem Ende.
Arbeitslos. Eine Region ist machtlos und beunruhigt.Im Vormonat waren in Österreich fast 240.000 Menschen arbeitslos. Wie man die Zahlen dreht und wendet, egal ob absolut oder relativ gerechnet wird, die Zahl der Arbeitslosen steigt. 12% sind es nun mehr als im Vorjahr. Risikogruppen sind ältere Menschen, Personen mit Lehr- oder Pflichtschulabschluß, Nicht-Österreicher, Beschäftigte in Industrie und Gewerbe. Aber was sind Zahlen, Raten und Vergleiche. Betroffene profitieren höchstens vom Verschwinden des Vorurteils, jeder könne arbeiten, wenn er nur wolle. Für den Einzelnen und die Familien bedeutet Arbeitslosigkeit Krisenphase mit offenem Ende. Lothar Bodingbauer hat sich in Oberösterreich umgesehen. Ort der folgenden Reportage ist die Region Braunau.
2 OT Arbeiter
Was uns so ärgert, es ist um die Hälfte fast reduziert worden, aber nur der ganze Führungsstab droben ist heute noch. Das paßt sicher nicht mehr, aber na ja.
OT Meditation
TEXT:
Die Adressaten dieser Meditation, 30 Männer und Frauen jeden Alters, waren vor einem Monat noch Härteres gewohnt. Schichtarbeit in der Aluschmide Ranshofen, an Walzgerüsten und Preßmaschinen. Fließbandarbeit in einem anderen Krisenbetrieb, der schließen mußte oder anderswo billiger produziert. Auch ein Käsereimeister ist dabei.
Einer hat vorhin erzählt, er würde jetzt gerne Staplerfahren. Diese Zeit ist nun vorbei. Sie alle haben ihre Arbeit verloren.
Alle wissen, sie sind da, um sich zu erholen, um fit zu werden, für die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.
4 OT Arbeiter
Vielleicht finden wir ja noch etwas (4)
3 (~2) OT Meditation
2 OT Arbeiter-Mix
Man wird selbstbewußter da herinnen, weil man lernt, Eigeninitiative zu ergreifen…
Na, mich hat das nicht geschreckt, weil ich schon immer gerechnet habe, daß ich einmal hinaufgeholt werde…
Ich war Gruppenleiter in der Forschung und Entwicklung. Durch die Umstrukturierung in der Forschung der AMAG ist diese Stelle aufgelöst worden…
Mir wäre eigentlich im Freien irgendwas noch, weil ich war jetzt 43 Jahre immer drinnen, in der Hüttengießerei, und in der Werkstätte…
Ich war zuletzt im Magazin noch ein wenig, aufräumen…
Was ich in Zukunft noch lernen kann oder nicht, ich weiß nicht, ob das noch was günstiges draus wird. Gesundheitich war ich auch schon so halbwegs geschädigt, ich habe schon ewig lang Astma…
Durch das Sanierungskonzept in der AMAG hat man auch zu mir gesagt, ich hätte die Möglichkeit, auf einvernehmiche Art und Weise das Arbeitsverhältnis zu lösen…
Früher war ich in der Elektroyse 20 Jahre…
Ich bin ersetzt worden dort, das weiß ich…
Entweder Landschaftspfleger oder Gärtner täte mich noch interessieren…
Bevor ein jüngerer gehen muß, erklärt man sich eben bereit, Platz zu machen…(~3)
Weil die Firma hat abgebaut, dann bin ich in die Stiftung gegeangen. Ich hoffe, daß ich noch irgendwas –
4 leise MUSIK Internationale – also Beruf habe ich keinen erlernt…
Und ich hoffe, daß ich noch irgendwo unterkomme…
In der freien Natur wird´s sicher noch was geben für mich. (2)
MUSIK
TEXT:
Hyper, hyper. Wir heben ab. Auf dem Weg in die Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft gibt es keinen Platz mehr für Aluschmelzer, Staplerfahrer, Löchergräber, Kabelroller. Die erkämpften Rechte der Arbeiter gelten nicht mehr für Arbeitslose, und das Recht auf Arbeit ist System- und Konjunkturabhängig.
Gerhard Skiba ist Bürgermeister der Bezirkshauptstadt Braunau.
Arbeitslosigkeit sei der Trend der Zeit.
2 OT Bürgermeister
Freie Marktwirtschaft heißt glasklar, Produktion dort wo die Arbeitskosten günstiger sind, wo man die Leute ausbeuten kann, wo man zu niedrigen Fertigungskosten und Stückkosten kommt. Ich kann nicht einer Firmenleitung den Schüssel wegnehmen und sagen, ihr dürfts nicht absiedeln. Wenns so einfach wäre, dann würde ich das tun.
OT Seelsorge
Wie es angefangen hat, größere Formen anzunehmen, hat es noch Proteste gegeben. Ich denke an die Schließung der Elektrolyse. Am Anfang ist noch protestiert worden, mitlerweile haben wir eine Arbeitslosigkeit in einem ungeahnt größeren Ausmaß, und es gibt eigentlich keinen Protest mehr. Wenn man weiß, daß das Lohnniveau ich glaube innerhalb von einem Jahr um 1000 Schiling gesunken ist, das muß man sich vorstellen, was das für eine Region heißt. (2)
(~4) TEXT:
Die Arbeitslosenrate im Bezirk Braunau liegt bei etwa 8 Prozent. Gleichverteilt. 4% Männer, und 4% Frauen. Arbeitsplätze fehlen vorwiegend in jenen Bereichen, wo es weniger ums Handeln und Delegieren, als ums Zupacken geht. Nun soll auch das Krankenhaus schließen.
Marianne Hagenhofer ist Leiterin des Arbeitsamtes Braunau.
2 OT Hagenhofer
Die offenen Stellen sind stärker denn je zurückgegangen, es ist derzeit so, daß grob 10 Personen auf 1 offene Stelle kommen. Sie können sich vorstellen, wie groß der Verdrängungswettbewerb unter den Arbeitslosen dann ist.
OT Wirtshaus
Die Frauen erwischts jetzt wieder, weil wieder ein Betrieb zusperrt, wo ziemich viele Frauen beschäftigt sind, und die AMAG will auch wieder heuer 500 Leute entlassen. (*2)
TEXT:
Braunau ist nach Linz und Steyr der von Arbeitsosigkeit am stärksten betroffene Bezirk Oberösterreichs. Die Strukturveränderung habe das bewirkt, erklärt Marianne Hagenhofer, andere Bezirke müßten diesen Prozeß erst vollziehen. Was heißen soll, daß im Bezirk Braunau die Betriebe schon zugesperrt haben, oder abgewandert sind, auf die Phillipinen, oder nach Ungarn.
Der Großbetrieb der Region, das Aluminiumwerk Ranshofen, die AMAG, wartet auf einen Käufer und schrumpft inzwischen gesund.
2 OT Arbeiter
Meistens ist ein ganzes System gesperrt worden, das sind immer zwei Ofenhäuser. Aber wie gesagt, die Nebenbetriebe, dies gerissen hat, das hat dann natürlich auf das ganze Werk übergegriffen. – Das Ofenhaus war ja der Teil, der die Defizite von Walzwerk und Preßwerk aufgefangen hat. Und das hat jeder begriffen, wann die das Ofenhaus sperren, daß es dann Feierabend wird. Es ist auch von Seiten des Betriebsrates ganz wenig Druck gemacht worden. Getan hat er auch nicht viel.
OT Bürgermeister
Das Probem ist, die AMAG ist im Grunde genommen als Aluminiumproduzent am Wetmarkt ein Klacks. Und Aluminium wird heute ganz wo anders in ganz anderen Dimensionen am Weltmarkt erzeugt und angeboten. Da hat Ranshofen ganz einfach nicht mehr mitkönnen.
OT Arbeiter
Wenn Dir da oben einer die Wahrheit sagt, wärs schön. Aber man spürt das eh ungefähr, weißt, ganz dumm sind ja wir auch nicht, daß wir nicht wissen, was wirklich im Werk oben lauft. Es wird ja ständig kleiner gemacht, und die Devise, wies immer heißt oben, mit 50 Jahren hast einen Kündigungsschutz, mein Gott na, haben ein paar von der Führungsetage gesagt, mag sein, aber wenn wir jemanden anbringen wollen, bringen wir jeden an.
OT Stiftling
Weil es immer geheißen hat, die älteren haben einen Kündigungsschutz, aber dann heißt es natürlich auch, wenn wir nicht gehen, müssen andere gehen, und für 50jährige oder noch jüngere ist es natürlich noch schwieriger, als für denjenigen, der ein paar Jahre vor der Pension steht. (2)
TEXT:
Die Firmenleitung der AMAG mußte einem Sozialplan zustimmen, der neben Abfertigungen auch die Gründung einer Arbeitsstiftung vorsah. Die nicht mehr benötigten Arbeitnehmer können weiter von 8 bis 16 Uhr ins Werk fahren – nicht mehr in die Produktionsbetriebe, sondern in den Schulungsraum der Alu-Stiftung.
Leiter der Stiftung ist Heinrich Simböck.
2 OT Chef
Begonnen hat die Arbeitsstiftung in Ranshofen im Zuge der Schließung der Elektrolyseanlage. Es wurden damals 711 direkt Betroffene in der AMAG betreut, und haben über die Arbeitsstiftung selber ein Licht am Horizont gesehen, sie waren nicht alleine. Da sind wir auch ganz besonders dankbar, daß das ganze so funktioniert.
OT Trainer
Unser Motto ist wirklich Hilfe zur Selbsthilfe, die Stiftung ist nicht da, einen Arbeitsplatz zu finden, das ist ein wirklich wichtiger Punkt von uns, wir suchen keine Arbeit nicht, wir helfen nur.
OT Stifting: Es geht so schnell
OT Stifting
Und es ist einfach erstaunlich, wenn man das so sieht. Heute sind wieder 3 weg zur Arbeitssuche, und heute habe ich gerade einen Kollegen getroffen, der hat mit mir zusammengearbeitet, der macht Masseur, der ist schon wieder in Deutschland draußen, den habe ich gerade kurz getroffen, der ist schon wieder weg. Und es ist interessant, wie schnell das geht, daß die Leute wieder eine Arbeit finden.
Stiftung Trainer
Arbeiten mit über 50jährigen ist das schönste, was es gibt, sie sind dankbarer wie jüngere, man arbeitet im Bereich Teamarbeit. Nicht gerade Arbeitsplatzsuche, sondern wir packen unser Zeug und gehen in die Natur spazieren, daß das auch nicht zu kurz kommt. (*2)
TEXT:
Die Teilnehmer, die zwar arbeitslos sind, aber nicht so heißen, weil sie Stiftlinge sind, sie lernen das, wofür sie nie Zeit hatten, weil sie arbeiten mußten.
Teamarbeit, Selbstdarstellung- und Bewerbungsstrategien. 4 Jahre sind Zeit, um sich beruflich neu zu orientieren, und an Weiterbildungsprogrammen teilzunehmen. Ältere Teilnehmer können so auch die Zeit zur Pension überbrücken. „Sich aus dem Arbeitsleben ausblenden” heißt das.
Für Jungunternehmer des Bezirkes sind die Stiftlinge begehrtes Personal. Für die Unternehmungsgründung bezahlt die Stiftung einzuschulende Mitarbeiter.
2 OT Jungunternehmer
Ist aber bei einem Unternehmen, das neu anfangt, teilweise die einzige Möglichkeiten. Denn mit dem Start ein großes Personal zu haben, ist für kleine Jungunternehmen fast nicht mehr möglich am Anfang. Und wenn das Unternehmen lauft, kann man die entsprechenden Stiftlinge ja auch einstellen. (*2)
TEXT:
Betriebsgründungen sind jedoch rar, Arbeitsplätze sind rar, und die Perspektive, unnötig zu sein, ist keine gute.
2auf MONO stellen!
OT Frau
Mein Mann ist 28 Jahre in der AMAG gewesen, jetzt habens ihn freigestellt. Der weiß mit 47 Jahren nicht mehr wohin. Aber jetzt hat er schon dort oder da gefragt, ob sie ihn aufnehmen würden, zu arbeiten, er bekommt überall eine Absage, Grund: das Alter, jetzt gehts natürlich wieder an. Na, es war am Anfang sehr schlimm, dann haben wir ihm gut zugeredet, dann ist es wieder gegangen. Gemütsverstimmungen, seelisch, psychisch. Eigentlich, der ganze Mensch ist anders worden.
OT Hagenhofer
Jemand der noch nie arbeitslos war, weiß eigentlich nicht, was Arbeitslosigkeit bedeutet. Wenn man gerne arbeiten würde, aber trotz alledem keine Arbeit bekommt, ist das ja sofort ein psychisches Problem.
OT Arbeitsloser
Konkret sind meine Schwierigkeiten, sind das Finanzielle. Was ich jetzt verdiene, ca. 9000 Schilling, das reicht halt gerade, daß ich die Miete bezahlen kann, 3000 Schilling, 1000 Schilling Strom, ca 600 Schilling Versicherung, der Rest blebt zum Leben, dann habe ich Schulden, ca. 70000 Schilling, die muß ich auch noch zahlen, dann bleiben ca. 2000 Schilling zum Leben. Und dann wirds knapp. Das schlimme ist, daß die Leute so unfair sind, daß sie sagen,. schau da geht er, er ist schon sop lange daheim. Derjenige der Arbeitet, ist sich ja dessen nicht bewußt, was es heißt, arbeitslos zu sein. Nur, den kann es über Nacht auch treffen. Und dann wird er selbst sehen, was das heißt. Innerlich, was sich da abspielt, man hat Existenzangst, es treten viele Problem auf. Man kann sich nix mehr leisten. Man trinkt nun ium ein Bier zuviel, weil man sagt, der Schädel raucht mir, weil ich nicht weiß, was ich tun soll. Man wird ja dann irgendwie psychisch ein bißerl angeknackst, weil man nicht weiß, wie gehts morgen weiter, oder nächstes Monat. – Ich täte sagen, zum Fürchten fängt man an, wenns über 1 1/2, 2 jahre geht. Das geht an, ab einem jahr. Man fühlt sich, so Quasi, Dich kann eh keiner brauchen, dann sagt jeder, jetzt bist schon ein Jahr daheim, Dir muß man das Arbeiten wieder lernen. Wenn einem das gesagt wird, bricht schon innerlich was zusammen, weil man sich abwertet, und sagt, vielleicht hat er wirklich recht. Obwoh man aber im Hinterstüberl den Willen hat, ich möchte ja. Aber immer wieder, das reinsagen, Du bist eh schon so lang arbeitsos, du kannst nichts, du wirst nie was können, und das macht es aus, daß man ein bißerl aufgibt. (*2)
2 OT Lehrer
Also ich bin schon längst pragmatisiert, deswegen kann ich so locker drüber reden, weil das ganze berührt mich überhaupt nicht. (*2)
3 OT Stempel (3)
TEXT:
Und das ist das Geräusch zur Sendung. So klingt Arbeitslosigkeit.
„Stempeln gehen“, sagt der Volksmund.
Für einen Jungakademiker aus Wien war der Umzug in die Region schockierend.
2 OT Akademiker
Und der Kontrast war einfach so schlimm. Das, was ich bisher am Jungakademikerservice in Wien gesehen habe, wo man wirklich darauf spezialisiert ist, jungen Universitätsabsolventen adäquate Jobs zu vermitteln, und wo die Leute hingehen um ihre Karriere zu planen. Mit diesen Vorstellungen bin ich ungefähr auch ans Arbeitsamt in Braunau gegangen. Was ich dort gesehen habe, das war Not, war menschliches Elend, war menschliche Not, bei jedem anders gelagert, und das zu sehen, tut weh.
ATMO Kindergeschrei
TEXT:
Das Arbeitsamt Braunau heißt nun Arbeitsmarktservice. Das neuerbaute Gebäude am Rande der Stadt erinnert mehr an ein Großambulatorium. „Arbeitslosikgkeit ist keine Krankheit“, meinen die einen, „ist sehr wohl eine“, die anderen. Die Klobürste sei zu verwenden, und man habe sich niederzusetzen. Das Schild auf der Toilette ist aber schon das einzige, was anzeigt, daß man sich in einem Amt befindet.
4-(~2) OT/ATMO Arbeitsamt
Sie können auf 11 reingehen…
TEXT:
Felix Leininger ist seit 18 Jahren Arbeitslosenberater. Er stempelt aktiv. An ihn die Frage, wieviele Leute denn jetzt eigentlich sozialschmarotzen. Also gar nicht arbeiten wollen! (~2)
3 OT Berater
Ich habe jetzt ungefähr 450 Leute in der Vormerkung, 99% wollen wirklich, ein geringer Teil hat sich an das Einkommen gewöhnt, die man nicht vermitteln kann, weil so viel egute Arbeitslose da sind. Der Betrieb sucht sich die besseren aus.(*3)
TEXT:
Zahl und Größe der Probleme haben in den letzten Jahren enorm zugenommen, erzählt der Berater inmitten farbenfroher Leinwandgemälde, die er in seiner Freizeit malt und mit ins Amt bringt.
Alleinerziehende Frauen haben die größten Schwierigkeiten, wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Halbtags oder Teilzeitstellen werden kaum angeboten und wenn, dann sind meist mit den angebotenen Kinderbetreuungszeiten unvereinbar.
2 OT Frau
Wei ich könnte es für mich nicht vorstellen, daß ich mir denke, ich ginge arbeiten, und in der Zeit schaut eine Betreuerin auf mein Kind. Das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn das Kind reif ist für den Kindergarten, dann kann ich auch was arbeiten in der Zeit. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß ich arbeiten gehen muß, und eine andere, fremde Frau, schaut auf mein Kind in der Zeit, wo ich mir denke, das ist eigentlich meine Arbeit. Auf das stehe ich. –
Stehen kann man nur so lange, wie nichts angeboten wird. Das ist nämlich die Probematik. ich sitze auf der einen Seite herinnen, daß ich die Leute wieder in Arbeit bringe, auf der anderen Seite, muß ich das soziale abchecken, das ist die Schwierigkeit bei den Frauen. Darum sind viele Frauen im Notstandshilfebezug, aber das liegt nicht an den Frauen, sondern an den Betrieben, daß nichts angeboten wird, und an den betrieben, und an den Kinderbetreuungseinrichtungen. – Daß das Geld weiterlauft, Antrag ausfüllen und auf Zimmer 28 abgeben. – Super, das kann ich heute geich abgeben. – Ja, gleich nach vorn gehen. (*2)
TEXT:
Das Amt erhielt einen anonymen Hinweis, daß ein Klient jeden Tag von einem Auto abgeholt werde. Verdacht auf Pfuschen. Der Mann wird zu Felix Leininger ins Amt gebeten.
3 OTBerater
Man ist ja Psychologe auch, man kann ja umgehen auch mit den Leuten, gerade mit solchen. Der kommt herein, braust auf, und zwei Minuten später ist er wieder ruhig. –
(Action bis zum Türeschließen) (*3)
2 OT Angestellte
Und man muß reden können. Auch wenn einer mal hereinkommt und durchdreht und schimpft und plärrt, dann muß ich ruhig beiben und sagen, schrei Dich einmal aus, und dann reden wir normal weiter. Das ist aber nicht immer zu machen, das ist auch klar. Aber das finde ich, macht einen Berater aus. (2)
3 OT Beschuldigter
Überhaupt kein Problem nicht. Menschlich ist es. Wie du in den Wald schreist, kommts raus. Gibt überhaupt nichts. Kannst ganz normal reden mit ihm, ist ganz klar. Wir kennen uns schon lange, hatte schon öfters zu tun mit ihm. Wenns mit der Arbeit wieder pfeift, alles in Ordnung, habe ich damit eh nichts mehr zu tun, servus. (~3)
2 OT Psychologin
Menschen sind sehr verschieden. natürlich finden sich unter Arbeitslosen genauso wie unter Leuten die Arbeit haben, Anstrengungsvermeider, keine Frage. Im großen und ganzen ist es so, daß die Situation der Arbeitslosigkeit so deprimierend ist, daß man sich nicht wundern muß, daß die Menschen die Lust verlieren, die Hoffnung verlieren, resignieren. Das heißt ist mehr gelernte Hilflosigkeit, wie man es in der Psychologie sagt, also ein völlig anderes Phänomen.(2)
TEXT:
Die Psychologin Brigitte Rollet zum Thema Anstrengungsvermeidung. –
Ein Glück für die Region Braunau ist ihre Lage, in unmittelbare Nähe zur deutschen Grenze. Drüben im Chemiedreieck Burghausen arbeiten etwa 5000 Österreicher. Etwa im Wacker-Werk: jeder 5. Arbeitnehmer kommt aus Österreich. Gerd Keller ist der Arbeitsdirektor des Unternehmens.
2 OT Geschäftsführer
Dadurch daß wir mit unserem Produktionsstandort so nahe an der Salzach sind, haben wir diese Salzach nie als Grenze empfunden zu Österreich, was unseren Arbeitsmarkt anbelangt. Nehmen Sie einen Zirkel und ziehen Sie einen 50km Kreis um das Werk, dann ist das unser Beschaffungsmarkt für Arbeitskräfte. Wir werden in diesem Jahr etwa 260 Mitarbeiter hier in Burghausen einstellen können, das hängt damit zusammen, daß die Halbleiterindustrie sehr stark wächst, Wachstumsraten zwischen 15 und 20% in den nächsten zwei Jahren, das wirkt sich natürlich deutlich in unserer Einstellpolitik aus. (*2)
TEXT: Aus Österreich hat sich für die Beschäftigung der Österreicher noch niemand bedankt.
2 OT Geschäftsführer
Sagen wir, das wäre vieleicht ganz nett, aber wir kommen auch so ganz gut zurecht. (*2)
TEXT:
Nehmen Firmen staatliche finanzielle Anreize wahr, neue Mitarbeiter mit Handicaps einzustellen, ältere Arbeitslose etwa?
2 OT Geschäftsführer
Eigentich weniger. Wir müssen eigentlich sehen, primär, funktionierende Abteilungen zu haben, und wir haben nur sehr wenige Bereiche, wo es in Frage kommt, Mitarbeiter, die mit welchen Handicaps auch immer versehen sind, vernünftig und adäquat einzusetzen. Diese Anreize haben wir bisher gar nicht in Anspruch nehmen können. (*2)
TEXT:
Was tun? Wer oder was auch immer Arbeitslosigkeit verursacht. Tatsache ist, daß Menschen, die arbeiten könnten, keine Arbeitsplätze finden, weil es sie nicht gibt. In Zukunft werden sich mehr Leute weniger Arbeit teilen müssen. Zu geringeren Löhnen. Das System der Lohnarbeit den heutigen Gegebenheiten anzupassen, ist ein politisches Problem. Und auch, was mit den immer mehr werdenden Arbeitslosen anzufangen ist.
2 OT Hagenhofer
Wir haben zur Problemlösung angesetzt, wir setzen auf aktive AM Politik. Das heißt, die Personen, nicht nur Arbeitslosengeld beziehen zu lassen, und die Existenz abzusichern, sondern mit ihnen aktiv etwas zu unternehmen, um sie wieder in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.
OT Sepp
Ich zerlege jetzt den Betteinsatz. Solche haben wir mehr, und das geht leicht.
TEXT:
Im Recyclinghof Braunau organisieren Langzeitarbeitslose die Sperrmüllsammlung. Müll wird getrennt, wiederverwertet und verkauft.
OT Sepp
Der Rahmen kommt nachher zum Brennholz, das Brennholz wird nachher zusammengeschnitten…
TEXT:
Herbert Ranftl leitet den Recycingof Braunau.
3 OT Ranftl
Wir sind ein Projekt, das für 10 vorher arbeitslose Personen konzipiert ist, dazu steht uns ein Betreuungspersonal von 2 1/2 Personen zur Verfügung. (3)
OT Arbeiter
Ja, mein Fachgebiet sind Elektrosachen zu zerlegen. Die einen könnnen recht gut Matratzen zeregen, er macht zum Beispiel die gröberen Sachen, er zerlegt sämtliche Möbelstücke eigentlich, im großen und ganzen.
3 OT Ranftl
Der Kursteilnehmer ist maximal ein Jahr bei uns beschäftigt, und in der Zeit soll er wieder einen Arbeitsplatz finden.
OT Hagenhofer
Wir belassen die Leute im Zeitrhythmus mit Qualifizierungsmaßnamen. Die Leute müssen in der Früh in die Maßnahme gehen, sie dauert 8 Stunden, und somit ist das Gefühl, arbeitslos zu sein, nicht so stark vorhanden.
TEXT:
Augenkontakt mit der Kundschaft sei wichtig, lehrt ein Plakat an der Wand, das schaffe Vertrauen. Das Projekt besteht nicht nur aus Arbeit. Auch hier sollen Fertigkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung vermittelt werden.
2-(~3) OT Sepp
Na ja so, arbeitsmäßig gefällts mir ganz gut, aber ich bin von Schneegattern, ich hab da eine Wohnung, das ist was, was mir nicht so gut gefällt. Der Kurs baut einen schon ein wenig auf, daß man wieder zu sich selben kommt. Wenn man weg ist, dann findet man selber nicht mehr so recht rein. Die helfen einen, daß man wieder dazu zurückfindet. Wie gesagt das ist ein Problem ,in Schneegattern habe ich eine Wohnung, und ich habe mich schon eingelebt, jetzt müßte ich wieder neu anfangen, des streßt mich, ich fahre schon das Wochenende heim, das geht ales ins Geld, ich muß ins Gasthaus essen gehen. Das geht ins Geld. Das bringt mich durcheinander.
TEXT:
Flexibel, dynamisch, mobil und kommunikativ. Das sind die neuen Kriterien. Fehlt nur eines davon, reicht es aus, um in der großen Konkurrenz unterzugehen.
OT Arbeiter
Ich habe, wie gesagt, Sehnsucht nach Zuhause.
OT Arbeiter
Ich bin ein recht fexibler Mensch, ich habe da 0 Probeme gehabt, ich habe zuvor einen ganz anderen Beruf gehabt, wie jetzt. Ich komme bei den Leuten gut an, glaube ich, aber wie gesagt, unser System ist, daß wir zusammenhelfen, weil sonst gehts fast nicht – Heh! –
Ich muß aber jetzt ein Interview geben, jetzt gehts nicht.
3-(~2) OTAction
2 OT Hagenhofer
Ich sage, bei uns wird niemand gezwungen. Jeder soll in die Ausbildung oder in das Projekt freiwillig. Wenn man jemanden zwingt bringt das nix. Allerdings, wenn eine Person, für die wir glauben, das ist für die Person sinnvoll, selbstverständlich das Arbeitslosengeld nicht so ohne weiters weitergezahlt wird, es wird für 4 Wochen ausgesetzt. Man sollte die eine oder andere gemeinnützige Organisation unterstützen, wenn sie Leute braucht, daß man sie aus dem Reservoir der arbeitslosen Personen bestücken kann. Aber mit Gewalt gehts nicht, das sind alles Menschen, man kann den ja nicht anbinden.
TEXT:
Teilnehmer an Projekten der aktiven Arbeitsmarktpolitik erhielten bis vor kurzem für die Arbeit während der Arbeitslosigkeit 2000 Schilling pro Monat zusätzlich zur Arbeitslosenunterstützung. DLU heißt das, Deckung des Lebensunterhaltes.
2(~3) OT Arbeiterin
Also, was ich gerade erfahren habe, ich bekomme die normale Arbeitslosen, mehr nicht, weil ja die DLU jetzt gestrichen worden ist. – Warum ? – Sparpaket. Habe ich jetzt gerade erfahren. Man wird eingestuft, was man vorher gemacht habe, früher hat man noch 2000 dazubekommen. Das ist gestrichen worden. Aber trotz allem, besser wie nichts. –
Aber es ist alles zu bewältigen mit der richtigen Einstellung.
OT Nachrichten
Die Wirtschafts- und Arbeitsminister der 7 führenden Industrienationen haben sich in Lille für einen flexibleren Arbeitsmarkt ausgesprochen, um neue Arbeitspätze zu schaffen. In einer gemeinsamen Abschlußerklärung fordern sie eine größere Mobiität der Beschäftigten und geringere Sozialabgaben für Arbeitspätze, die nur eine niedrigere Qualifikation erfordern. Österreichs Soziaminister Hums meinte zu den Beratungen, es habe keinen Sinn, Arbeitsplätze zu schaffen, die nicht geeignet seien, Existenzen zu sichern.
OT Arbeiterin
Ich täte es für gut halten, wenn es mehr solche Projekte gäbe, dann hätten die Leute vielleicht wie in meinem Fall größere Chancen, irgendwo unterzukommen. gar nicht so schecht. Pfft.
3 OT Hagenhofer
Das Ganze ist eine finanzielle Frage. Der Arbeitsmarkttopf für aktive Beschäftigungspolitik ist nicht endlos, daß man nur daraus schöpfen kann. Man hat ein bestimmtes Budget, mit dem wir haushalten müssen. Man muß auch aufpassen, daß man den Markt mit derartigen Projekten nicht überfordert.(3)
TEXT:
Die Qualifikationsspirale dreht sich. Handelsakademiker ersetzen Handelsschüler, Maturanten Menschen mit Hauptschulabschluß. Im Zusammenhang damit sinken die Gehaltsforderungen der Arbeitssuchenden.
Gerhard Rauscher leitet das Renoveriungsprojekt im nahegelegenen Altheim. Langzeitarbeitslose haben dort ein altes Bauernhaus renoviert, das nun als Kulturzentrum und Museum dient. Für die Gemeinde war diese Renovierung billig, Material wurde von den heimischen Betrieben gekauft. Endlich profitieren auch die Arbeitslosen, ihre Fähigkeiten können erweitert werden. Zu Beginn der Schulung steht Grundsätzliches am Programm. Die Arbeitskultur.
2 OT Rauscher
Das ist wichtig, Thomas. Ich brauche heute, es geht nicht mehr so verstärkt um die Situation, daß Du als Hilfsarbeiter der fachlich fertige Mann sein für die Firma. Was den Hilfsarbeiter betrifft, übernimmt die Firma die Schulung selbst. Aber das was jeder mitbringen muß ist Verläßlichkeit, Pünktlichkeit, ist eine Situation, daß ich sagen kann, beim Thomas ist um 7 Arbeitsbeginn, dann ist er um 7 da. Das sind die Wertmaßstäbe, die man bei euch anlegt. Wo es nicht darum geht, daß ich hohe fachliche Qualifizierung habe, sondern wo ich sagen kann, er ist da, wenn man ihn braucht. Das zählt, alles andere macht Dich kaputt.
(2)
TEXT:
Während in den Stiftungen und Projekten Organisatoren und Teilnehmer an der Überlebenssicherung und Zukunfstplanung arbeiten, diskutieren drei Künstler im Braunauer Cafe Graf.
2 OT Künstler
Ich glaube, daß die Arbeitslosigkeit ein totaler Streß ist. Man muß sich rechtfertigen, daß man doch exisitiert, man hat als Künstler schon schwer, und wenn man als Arbeitsloser Soziahife bekommt, ist es noch schwerer, vor Freunden, die vielleicht einen Job haben, zu rechtfertigen, wieso man was bekommt und trotzdem lebt. –
Man hat ja seine Aufgabe, man muß funktionieren. Das ist einfach Pflicht. Ich muß auch funktionieren, wenn ich sowieso am Arsch bin. –
Sie können vielleicht ihre Phantasie wieder mehr beleben, weil sie mehr Zeit haben, ich stelle mir vor, daß sie sich mit ihrem Leben wieder mehr befassen, ich glaube es, ich wünsche es diesen Menschen. Wenn man mehr Freiraum hat und nicht im Streß ist, dann kann man ja mehr über sich nachdenken und die Welt –
Schwachsinn –
Bist du gerade arbeitslos? Sag ihm hinein, was du dir denkst! –
Was soll ich da sagen, sicher gehts mir schlecht. sieht man eh, psychischer Zustand, der Druck, Winterdepressionen. Schwere Depressionen. Ich kann jetzt gar nichts sagen, wei ich so schlecht beinand bin. –
Finde ich auch, wenn du eine Depression hast, dann redest du nicht gerne darüber. –
Ich habe immer gearbeitet, mein ganzes Leben lang. Meine Freundin, mir war alles was wert, immer noch, wenn ich was mache, dann anständig. Jetzt bin ich ein Jahr dahein, gesundheitshalber, dann schauen dich die Leute schon an wie einen Verbrecher.
OT Hagenhofer
Es ist ein Phänomen, daß Personen, die von Arbeitslosigkeit nicht betroffen sind, überhaut nicht daran denken, daß er morgen oder übermorgen er selbst schon betroffen ist, und was es heißt. Das ist das schlimmst aus meiner Erfahrung, was ich aus meiner beruflichen Laufbahn erfahren konnte, wie sie noch in Arbeit waren, war die Welt noch eine ander, als sie noch gearbeitet haben. Es ist so bezeichnend, daß es noch Leute gibt, die sagen, wenn er wirklich will, dann kriegt er schon eine Arbeit, weil es einfach nicht so ist. Das ist das Prekäre an der Situation in unserer Gesellschaft, daß jeder, der noch am Sessel sitzt, und glaubt er hat Arbeit, daß ihm das nicht passieren kann. Und leider kann es sehr rasch gehen.
OT Frau
Na ja, ich arbeite 4 Stunden, ich finde, man muß einfach zusammenhalten, ich kann nicht einfach sagen, mein Mann arbeitet nicht mehr. Er hat ja nicht aufgehört, weils ihm nicht mehr gefreut hat, sondern weil er gehen hat müssen. Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen, er hat ein super Zeugnis bekommen, aber was fangt er damit an, das bringt uns nichts. Na ja, es wird wieder weitergehen. Hoffmas.
MUSIK bis
ENDE (2)
Lothar Bodingbauer ist ein österreichischer Radiojournalist, Abendschullehrer und freier Podcaster. Er arbeitet auch als Science Lektor zu den Themen Farben, Wolken, Physik und Botanik. Lothar gestaltet Workshops zu Journalismus, Podcasting und Sprache sowie zu Naturwissenschaften und kooperativen Lernformen.
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