Am Land wurde immer schon versucht, die Mundart aus der Schule zu drängen. “Red schön”, hatte es geheißen. Trendumkehr nun: In der Musikhauptschule St. Martin im Innkreis lernen die Schüler die charmanten Feinheiten und verbalen Schärfen ihres Dialektes kennen, mit einem Mundartdichter der Region. Ein Lokalaugenschein.
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[0:11] In der Schule wird schön nach der Schrift gesprochen und richtig Deutsch gelernt, damit man nicht immer mir und mich verwechselt oder das Teller sagt. Am Mikrofon begrüßte Herbert Schaden. Für die Fallfehler und das Nicht-Hochdeutsch-Sprechen-Können werden immer schon die Dialektsprache oder eine ausgeprägte Mundart verantwortlich gemacht. Schule und Unterricht und Dialekt, das passte und passt nicht zusammen. Oder doch? Die Lehrer der Landhauptschule St. Martin im Innkreis sind besorgt, dass die Mundart-Rede in ihrer Gegend zu verschwinden droht und fühlen sich zuständig für deren Wiederbelebung. Eine bemerkenswerte Initiative auch für den Inviertler Lothar Bodingbauer. Ein Blärmekistel, das ausschaut wie ein Schuhrschopter, ein quadernförmiger Blumenkasten, Innenmasse 1,24 cm lang, 31 cm breit, 2 cm und 8 cm hoch, soll die Einwände auch farbiert werden. Wie viele Quadratmeter sind zu bestreichen? Mundart ist dann, wenn die Landschaft und ihre Menschen eine bestimmte Farbe bekommen. Eine Farbe, die man nur hört. Wir haben gerade die erste Übung gehört, Mathematik. Übung Nummer 2, Tausordnung. Mache keinen unnötigen Lärm. Lärm ist ungesund und stört die Konzentrationsfähigkeit. Blei nicht unnötig um a dumm, weil wann schreist wie a Kaiwe, ist es nicht gesund und aufpassen kannst du auch nicht.
[1:40] Riecht nicht zu fleiß a Psi, weil das Zeig oder Schuhe kostet ein Haufen Geld.
[1:45] Grat die Schuhebänge sind nicht zu Tagen da. Das Fach bei der Bank und der Kosten sollen kein Sauhaufen sein.
[1:53] Hausschuhe mit abriebfesten Sohlen halten nicht nur die Schule rein, sondern auch deine Füße gesund. Mit die Batsche, mit denen du keine schwarzen Strieh am Boden machst, wenn du ein wenig schliefst, sind nicht gerade kein Drehgeiner, mit denen kriegst du keine Kassel. Lass kein Geld in der Garderobe liegen. Dort, wo es gewohnt auf keinem Tier, sollst kein Geld ansagen lassen. Nicht auf dem Stierengelände sitzen und rutschen. Dass ein Jahr nicht auf dem Stierengelände sitzt und womöglich noch runterrutscht.
[2:24] Benehmen beim Schulbus fahren. Am Bus zieht es dir mal ruhig hin, macht kein Gaudi, darfst nicht und macht auch keinen anderen Tand. Nicht tanzen. Dort, wo die Tänze doch noch manchmal eine wichtige Rolle spielen, ist das eine gefährliche Drohung. Wie schreibt man aber diese Mundart-Geschichten eigentlich auf? Sicherlich mit vielen weichen Buchstaben, aber auch? Alles sie gelangen. Warum? Puh, also ich war zum Sohn. Du schreibst es einfach so, wie du denkst. Dann schreibst du es dann halt einfach alles sie gelangen, nicht mehr groß. Der Mundart-Dichter Hans Kumpfmüller wurde beigezogen, um zu helfen, der Sprache der Kinder wieder Beine zu machen. Wieder auf die Fürstshöfen. Wir haben dann auch gesagt, ja, was machen wir? Wir machen Fächerübergreifend, Mathematik haben wir gehabt und jetzt machen wir auch was mit Musik. Und da ist eigentlich von den Schülern, von der Gruppe, der Impuls kommt, dürfen wir ein Schanzl schreiben.
[3:25] Grundsätzlich dürfen wir alles. Also haben wir gesagt, sie dürfen. Und jetzt sind wir einfach hergegangen, irgendeiner ist auf die Tafel gegangen und haben gesagt, nehmen wir die Orte, von wo die Schüler her sind. Und da habe ich halt auf irgendeinen gezeigt, ich weiß nicht, war es der oder wie, ja, von was es ist, ja, von Uzenau, ne, Uzenaich, ne. Uzenau ist ja ein Wort, das ist allein schon ein Gestanz, da braucht es dir eigentlich nichts mehr dazu sagen. Irgendeiner hat dann mal Uzenau auf die Tafel geschrieben, ja, und dann Uzenau, was reimt sich? Oh, ne, ist ja klar, es ist sogar drinnen im Wort. Und wir, wir kommen, was gibt es für Ohr, dann sind die ganzen, was weiß ich, alles, was halt eurerlegt ist, da zur Debatte gekommen, da. Und wir haben aber gewusst, es sollte lustig werden, es sollte ein wenig ein Ding, nein, das Oster war einmal, das ist immerhin schon gescheckt, es ist schon einmal was. Aber es war, es war immer noch zu rund, jetzt haben wir ihm einmal die Hand gegeben, dann war es EKD-Ore. Das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst.
[4:33] Das ist einmal so da gestanden. Und dann war halt ein wenig ein Ding, so zwei Zeiten haben wir, jetzt sind wir aber erst Halbzeit. Was kommt dann, wenn man viel isst, dann muss man späumen. Und späumen, das war so herrlich, dass du mal späumen sagen darfst, späumen schreiben darfst. Und da ist auch Rannen durch die Reihen gegangen. Also späumen war richtig schön. Ich bin ein Späumen.
[5:09] Und dann, ja, was ist das? Gespeiber, das ist dann nur einmal schöner geworden. Und was schaut denn aus, wie er gespeibert? Und irgendwer hat dann gesagt, der Semmigren, das ist die mehrwertige Soße. Und das hat sich dann eh so mit der Gruppe mehr ergeben. Zunzunau, Zunzunau, ich gehöre die Osterwärme, beim Ganzen Semmigrenner, und was ist dann? Und man hat es da schön. Und hat schon gepasst. Und wir haben einen Gestanz gehabt.
[5:35] Music.
[5:44] Der Lump, der Feu, segiert die Blanbinderschläge. Der Depp, der Brieftrager, fliegt von Heusel runter. An Grundwasser drin, spielt sich der Elefant mit dem neuen Flieger. Der Gschäckert-Auf, turnt auf der Wasserbombe umeinander. Das sind Nonsens-Gedichte. Die Schüler lernen dabei die schöne Führung des lautmalerischen Sprechpinsels. Ich war früher in Eberschwang Lehrerin und die haben in Thurnen gesagt, schnell, schnell, schnell, weil sie uns schnell gehen hätten müssen. Dort wo ich bin, da sagt man schnell, sind wir in Kirchen am Hausruck. Das ist eigentlich eine Nachbarsgemeinde und schon wird das anders ausgesprochen.
[6:35] Die anderen haben gesagt, Affe und der andere Affe. Bist du aufgelaufen über den Hafen und die anderen haben gesagt, bist du Affe gelaufen auf den Hafen. Es sind sehr viele Ausdrücke verloren gegangen und die Kinder haben am Anfang zu Hause gefragt und sind mit ganz vielen Ausdrücken gekommen, die sie eigentlich nicht mehr verwenden. Und das, glaube ich, ist auch der Vorteil von unserem Projekt, dass manches wiederbelebt wird oder dass es nicht verloren geht. Ich denke an das 2, 2 und 2. Im Hochdeutschen heißt es, es gibt also zwei Personen, in der Mundart gibt es also 2, 2 und 2 für männlich, weiblich und säglich. Der Deutschlehrer Matthias Ertl. Naja, es ist so, dass die Umgangssprache, das ja eigentlich nicht mehr Dialekt ist, sich mehr und mehr verbreitet. Das ist klar, das ist der Lauf der Zeit. Und es ist irgendwo schade, weil das natürlich so prägnante Mundatausdrücke dann dadurch verloren kriegen. Schlagt das dann über in Deutschaufsätze auch?
[7:36] Dass auf einmal Späum drinnen steht? Und vor allem, wann es drinnen steht, kriegt man da dann jetzt einen Fehler? Oder ob heute nicht mehr? Ich glaube nicht, dass Späum schreiben. Aber es kann nur eine Bereicherung sein, wenn Sie da treffende Ausdrücke suchen in der Mundart und das dann auch in der Schriftsprache treffende Ausdrücke finden. Denn manches ist einfach in der Mundart besser zum Ausdrücken für uns, weil das die Sprache ist, die wir sprechen. Mein Papa kann auch viel gut dichten und dann gefällt das auch viel, was wir da alles zuschauen. Das Gstanzel dichten, das ist irgendwie am Anfang auch nicht so leicht, weil man muss sich einmal was einfallen lassen, wo was reimt. Aber man kann sich auch manchmal bei anderen Gstanzel, die man schon kennt, ein bisschen was anschauen.
[8:23] Und wenn man nachher mittendrin ist, nachher ist es auch gar nicht mehr so schwer. Und mir nix, dir nix haben die Kinder auch für das Radio aus Wien Eingstanzl fabriziert. Da drunter in den Wern, da sauchen sie aus der Rehre, da essen sie mit den Händen, weißt du, wie dick, das ist, wie dick kleiner Kind. Können wir das alles merken? Ja, dann machen wir das. Ohne wieder nachher.
[8:50] Music.
