Riga 2019

Hörerlebnis: Stille + Podcast

Ich habe mein „lokales Hörmaximum“ gefunden, das bessere Ergebnisse als Noice Cancelling bringt. Und zwar eine Kombination aus angepassten Schallschutz Ohrenstöpsel für 65€ und Knochenschallkopfhörer für 120$.
Die Knochenschallkopfhörer habe ich schon seit zwei Jahren, die legen zur Umgebung einfach eine (Podcast-)Stimme drauf, wie wenn jemand neben einem hergeht und mit einem spricht. Radfahren möglich, man hört sonst alles.
Aber wenn ich das „Alles“ mit den Ohrenstöpseln wegmache, dann spricht jemand ruhig zu mir.
Ein Traum. Stille! Mit diesen unglaublich weichen Ohrenstöpsel im Schlafwagen, beim Busfahren und vor allem auch im Bett neben der Strasse. Und dann, wenn man Lust hat, einen Podcast auf die Stille addieren.
Ahhhhhh!
Links:
1) Ohrenstöpsel SleepLine via Neuroth
2) Knochenschall AfterShocks
Und ich habe alles bezahlt, das ist keine bezahlte Werbung, sondern Begeisterung.

305. Ich habe einen Traum

Utopien in Wien: Energie-Unabhängigkeit, Arbeiten auf Reisen und Irish Dance
In diesem Sommer erzählen Menschen in ganz Österreich, wie sie idealerweise leben möchten. Nicht in einer fernen Zukunft, sondern jetzt – aber manchmal nimmt die Gegenwart die Zukunft vorweg.
Zum Beispiel, wenn in Wien der Ingenieur und Tüftler Peter Ott von der Selbstversorgung mit Energie träumt – und schon damit beginnt, sie in die Wirklichkeit umzusetzen.
Oder wenn zwei junge „Digitalnomaden“, die Fachleute für IT und Neue Medien Nina Benkotic und Robert Strobl, sich ihren idealen Arbeitstag in der Zukunft vorstellen.
Oder wenn die Schülerin Adriana Gerstner Musik, Sport und die Erfahrung von Gemeinschaft verbindet: „Ich habe einen Traum von einer Welt, wo man etwas für einander macht und nicht übereinander, sondern mit einander redet.“
Gestaltung: Lothar Bodingbauer
Link: Ö1

304. Stoffmuster

Punkte, Streifen, Flecken, Blüten
Vielfalt der Stoffmuster
Es ist eine ganze Industrie, die Musterindustrie, die sich mit der grafischen Gestaltung von Stoffmustern beschäftigt. Ob Karo, Fischgrat, Hahnentritt, Glencheck oder Nadelstreif – die Klassiker sind allen gut bekannt. Der Hunger des Marktes nach immer neuen Formen und Ideen ist groß. Viele traditionelle Muster haben sich aus der Art der Webtechnik ergeben. Drucke erweitern diese Möglichkeiten und in zunehmenden Maße sind auch individuelle Muster von Kundinnen und Kunden gestaltbar. (Lothar Bodingbauer)
Link zur Seite mit Sendung und Postcast-Episoden

Gedanken zum Mathematikunterricht

Verbesserungen in Mathematik
Dieser Text entstand durch ein Anonymes PAD, an dem alle mitschreiben konnten, die wollten.
Beobachtungen:

Schularbeiten und Ergebnisse:

Oft ist die Stoffangabe unklar. Was soll gelernt werden, was soll gekonnt werden.
Die Anzahl an Nicht genügend bei den Schularbeiten ist riesig.

Unterricht vor Ort:

Unterricht beschränkt sich oft auf das Vorrechnen von Beispielen.
Fragend-entwickelnder Unterricht funktioniert bei den „neuen Beispielen“ nicht mehr als Standardmethode.
Lehrer wissen auch oft nicht, wo sie anfangen sollen.
Anwesenheiten (Schule für junge Erwachsene): oft kommt jemand nur jedes zweite Mal. Das geht nicht.
Viele Schüler:innen wollen nicht reden.
Viele Schüler:innen können nicht reden.

Lernen:

Schlechte Schüler wissen nicht, wo sie anfangen sollen.
Viele SuS fangen oft sehr spät/kurzfristig zum Lernen an.
Einige SuS lernen nicht, sondern lesen nur oberflächlich ohne zu reflektieren.​​​​​​​

Vorschläge:

Klare Listen für jedes Semester, was man können muss. Mit Übungsbeispielen aus den Büchern. (Anmerkung: <– dazu gibt es doch den Lehrplan und die Kompetenzen <– Antwort: Wir können jeden Punkt daraus so zur Schularbeit geben, dass ihn niemand beantworten kann, und es ist aus Sicht der Studierenden sehr oft unklar, wo sie anfangen sollen, nachzulernen, auf welcher Ebene; „grün unterlegte Beispiele“ aus Büchern helfen, aber wenn dann trotzdem etwas anderes kommt, gibt es Probleme. Ich muss mich als Lehrer verlässlich & vorhersagbar daran halten)
Onlinekurse leicht zugänglich, wie der für 1. Semester mit Sprachtraining: https://www.phyx.at/mathematik/m1/ematik/m1/
Maßnahmen, dass Schüler:innen selbst die Lehrer:innenrolle übernehmen.
Mathe-Partys. Mathe Clubs. Auch die Guten brauchen Motivation. Gibt es Erfahrungen?
Erfolgsgeschichten ein, zwei mal pro Semester, vorgestellt
Meine eigenen „Versuche“ im Unterricht (BHS):

Wöchentlich wird durch kleine schriftliche Wiederholungen (eine Aufgabe) das zuvor Gelernte „abgeprüft“ und somit bekommen die SuS Rückmeldung, was sie z.B. falsch verstanden haben.
Die SuS müssen selbst über besprochene Stoffgebiete Zusammenfassungen schreiben (klassische Zusammenfassung, Mindmap, Video drehen, Folder, selber Fragen erstellen (Kahoot)…)
SuS viel selber rechnen lassen, ev. eine Musterlösung bereit stellen (geht mit Aufgabenpool recht gut) –> SuS haben dann die Möglichkeit, nicht vor allen anderen Leuten, sondern die Lerperson persönlich Fragen zu stellen
Lernvideos einsetzen, bzw. „Flipped Classroom“ – falls möglich

Erste Hilfe:

Fragen an Studierende: Was ist das Problem?
Wie teilst du dir deine Lernzeit ein?
Wie gehst du vor, wenn du nicht mehr weiter weißt?
Mehoden besprechen, wie Hilfe geholt werden kann. Mit welchen Sätzen.
Worte- und Vokabeltraining. Es ist gar nicht klar, ob nicht jemand das Wort „Gelände“ mit „Geländer“ verwechselt.

Weitere Gedanken:

Was tun, mit Leuten, die nichts können?
Die Studierenden lernen zu wenig.
Sie können mit Fehlern nicht adäquat umgehen.
Sie haben ihre Unterlagen nicht geordnet.
Positive Bestärkung wirkt immer noch am besten.
Rückmeldungen über Lernerfolg / Misserfolge werden oft fatalistisch gesehen.
Stress ist unfassbar kontraproduktiv in Mathe – aber viele beginnen nicht zu lernen ohne Stress.
Verantwortungen sind zu trennen: wer muss wofür Verantwortung übernehmen?
Wir müssen mehr voneinander wissen, es geht nicht mehr, dass wir isoliert unser Ding machen.
Wenn von 20 Handystunden pro Woche nur 5 Stunden zur Mathematik wandern, wäre das Problem gelöst.
Es gibt viele Insel-Initiativen. Was fehlt, sind große Stimmungen und Trends. Fairs/Konferenzen zum Austausch.
Viele Maßnahmen führen dazu, dass die Lehrer immer besser werden, nicht die Schüler.
Alles ist unüberschaubar.
Schnittstellen Abendschule – Tagesschulen. Wer kommt wann warum.

 
Guter Link: Simon Singh, Parallel
 

Familienentscheidung in 5 Schritten: Gegen einen Job in Guatemala

Wer das Angebot hat, für zwei Jahre an der Österreichischen Schule in Guatemala zu unterrichten, muss zunächst alle Familienmitglieder befragen. Jede:r könnte mit – in Form eines Auslandsschuljahres, oder in Form eines Karenzjahres für die mitreisende Partnerin. Aber jeder muss zustimmen, denn die Kinder sind zu alt, um sie einfach einzupacken, und zu klein, um sie alleine in Österreich zu lassen. Wir haben uns gemeinsam entschieden – zuhause zu bleiben. Wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind, und warum alle damit zufrieden sind, das beschreibe ich hier.

303. Grenze zum Paradies

Moment Randnotizen über Grenzen, Zonen, Verbindungen und das Ankommen.
ORF Österreich 1 / 17.01.2019
SIGNATION
Wie weiß man, wann man angekommen ist? Wie weiß man, wann man da ist? Es geht ja jetzt wieder los mit dem Urlaub, und die Kinder sind auch oft dabei, die fragen dann. „Wann sind wir endlich da“.
Wenn es um ein Ziel geht mit GPS Adresse, mit Navigator, dann ist alles klar: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“. Bei einer ganzen Region ist das schon schwieriger. Nehmen wir mal den Sauwald, ein tiefer dichter Wald im oberösterreichischen Innviertel, an der Grenze zu Passau – daher auch der Name: Sauwald, von Passauer Wald. Wer in den Sauwald zum Wandern will, wird bemerken, dass auf die Frage, wo er denn ist, der Sauwald, die Leute sagen, da hinten ist er, da weiter oben, noch ein Stückchen hier rauf – und flugs ist man durch und wieder an der Donau drunten und man bemerkt, im Sauwald ist man gerade gewesen. Menschen zu fragen, funktioniert dort offenbar nicht, aus welchen Gründen auch immer, und man muss sich mit einem Trick helfen, den ich Ihnen gerne verrate, um zu erkennen, wann man da ist: man lässt die Kinder, die man trifft auf dem Weg, in der Gegend, einfach zählen. Und wenn es sich so anhört wie diese Kinder, wenn sie zählen, dann ist man da:
OT 1-20
Die großartigen Feinheiten des Dialekts. Hören Sie die Nuancen? Die Endungen? Das Betonen und Ziehen?
TRENNER
Anders verhält es sich, wenn man ins Paradies will. Und die Sprache nicht versteht. Da muss man an den Rändern schauen.
Wir kommen gerade von einer Wanderung im „Slowakischen Paradies“ zurück. Das ist ein Mittelgebirge mit schönen Bächen und Klüften im Zentrum der Slovakei. An seinem Rand liegt Spisska Nova Ves, Zipser Neudorf auf Deutsch. Eine wunderschöne Altstadt, Cafes am Platz, Menschen an Feiertagen mit schönen Gewändern – Blumentragend und Torten.
Woran erkennen wir hier, dass wir im Paradies angekommen sind? Fragten die Kinder am Beginn der Wanderung aus dem Stadtzentrum hinaus in Richtung Berge. Es ging vorbei an der Altstadt, an den Wohngebieten der Vororte, es ging durch Gewerbezonen, eine Straße entlang mit schmucken Reihenhäusern – um jedes Haus ein Hund, das Grün schon vor Augen – und plötzlich eine Zone mit erkennbarer Armut im Vorgarten. Wer auch immer dort wohnt, er wohnt am Rande der Stadt – an der „Grenze zum Paradies“. Dichte dunkle Haare hatte der Bursch, der aus dem Fenster schrie, kein Foto, die Hunde schwiegen, und die staubige Straße führte weiter hinauf in das Tal. Es kamen Markierungen und dann der große Parkplatz mit einem hohen Torbogen aus Holz. Der offizielle „Eingang zum Paradies“. Wer mit dem Auto kommt, hat seine Ränder zu Fuß nicht durchstreift. Dem würde was fehlen im Bild dieser Gegend.
Es sind die Ränder. Menschen, die an den Rändern wohnen, die zwischen den Altstädten und Paradiesen leben. Seggregation sagen die Geografen, Trennung, wenn es kein soziales Miteinander gibt, keine Vermischung. Konflikte gibt es dann, wissen sie, und nicht das Paradies.
TRENNER
Menschen am Rande der Gesellschaft baden in einem Schwimmbad im Speckgürtel Wiens dort, wo das Wasser der sogenannten „Kristallquelle“ durch Gitterstäbe zwischen der Mauer aus dem Schwimmbadgelände hinausfließt. Sie können sich die höheren Eintrittspreise nicht leisten, eines von der Gemeinde verpachteten und daher privatwirtschaftlich betriebenen Schwimmbads. Ein Paradies drin für uns. Und die Menschen draußen baden in dem, was wir überlassen. Sie spielen im Wasser, das zwischen Gitterstäben dort hinausfließt. Man sieht sie nicht, man muss außen um die Mauer herumgehen. Und dann sind sie ganz plötzlich da. Alternativ könnte sich die Gemeinde um das Bad kümmern, das Bad selbst betreiben, und sie könnte mit günstigen Eintrittspreisen dafür sorgen, dass jeder hineinkommt, ins Paradies.

WordPress Widgets verschwunden?

Wenn einmal die Widgets der WordPress-Seite verschwinden: einfach auf ein anderes Theme umschalten und dann wieder auf das originale Theme zurückschalten. Dann sind alle Widgets wieder da.

302. Meisterstück Abenteuermesser

Das Abenteuermesser des oberösterreichischen Messermachers Norbert Leitner | Audio

https://www.sprechkontaktat/audio/open/mom_meister_abenteuermesser.mp3

 

Die Frage, was ein Meisterstück ist, ist eine sehr spannende Frage. Meisterstücke zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie sehr filigran verziert sind, sehr detailreich ausgearbeitet sind, sehr wertvoll sind. Aus Gold, Elfenbein. Das sind natürlich alles Attribute, die einen Wert haben. Von meiner Warte aus, als Macher, steckt sehr viel Liebe drin, Leidenschaft drin, Kreativität drin, Eigensinn drin, und Lebenszeit in Form von Arbeitszeit.

Norbert Leitners Meisterstück. Es ist ein Messer. 20cm ist das Messer groß. Es wirkt wie ein kleineres Küchenmesser mit größerer Klinge und relativ kleinem Griff. Eine Woche hat Norbert Leitner daran gearbeitet. Die Klinge ist aus mehrfärbigem Damaszenerstahl. Einzelne hell- und dunkelgraue Schichten sind sichtbar. Der Griff ist aus Holz. Hellbraun. Feingeschliffen. Weich liegt es in der Hand. Die Klinge ist an ihrer Oberseite sanft gerundet, so wie ein Handrücken. Unten natürlich scharf, und oben ist sie 4 mm dick. Das Meisterstück hat einen Namen.

Sirak. Sirak. Das sind Eisgebilde, die am Gletscher hängen, die sehr filigran und sehr ästhetisch in der Landschaft stehen. Es ist oft so, dass ich das Wort zuerst habe und die Empfindung danach und erst dann das Messer mache. Meine Messer werden von Menschen gekauft, die einen starken Bezug zur Natur haben. Bei diesem Stück ist es so dass das Messer den Proportionen der Hand folgt.

Was heißt das? Das Werkzeug, das uns am vertrautesten ist, sind die Hände. Die Klingenlänge ist so lange wie der Finger. Und wenn die Hand etwas in die Hände bekommt, wo diese Proportionen bedacht sind, dann fühlt sich die Hand automatisch wohl und sagt „ah, das kenne ich, damit kann ich umgehen“. Stimmen diese Proportionen nicht, dann muss sich der Körper in Verbindung mit dem Geist einstellen drauf. Wir können auch mit Klumpert arbeiten, wir brauchen halt eine Zeit.

Meine Messer zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr kompakt und sehr klein sind. Und was für mich als Künstler ganz wichtig ist, ist die Reduktion. Mich interessiert, wie kann man drei Striche so setzen, dass es spricht.

Auf der Suche nach der Reduktion, sucht man da sehr viel und man lässt dann vieles weg, oder packt man gar nicht erst viel hinein? Beide Ansätze sind möglich. Mein Ansatz ist eigentlich von Haus aus, mit wenig zu beginnen, um dann draufzukommen, dass man von dem wenigen, das man reinlegt, auch noch die Hälfte wegnehmen kann. Wichtig ist, wenn man die Reduktion im Produkt sucht, auch die Reduktion in der Arbeitsweise finden muss. Das heißt, den Zugang zum Material findet ich nur dadurch, wenn ich ganz langsam und nur körperlich, sinnlich an diesem Material dran bin.

Meine Messer baue ich ausschließlich mit der Hand. Jede Linie, jedes Detail ist von Hand gemacht. Zu wissen, wie fein ich ein Holz schleifen darf, dass es spricht, hat sehr viel mit Reduktion zu tun. Höre ich zu früh auf, ist es zu früh und das Holz spricht nicht. Ist zu spät, schleife ich das Holz oder das Material, oder den Stahl, es betrifft alle Materialien, schleife ich zu fein, spricht es auch nicht.

Ist das der Sinn der Reduktion, die Dinge zum Sprechen zu bringen? Ja, absolut. Wenn du in einem Fußballstadion bist, hörst du den einzelnen nicht. Aber den möchte ich hören, was sagt er. In der Meditation versucht man ja genau das gleiche, weil das Ruhig werden nicht dadurch, dass man ruhig wird, sondern dass man zuhört. Das Holz variiert von der Qualität je nach cm ist es jedes Mal anders. Es gibt Passagen, die sind hart und widerstandsfähig. Es gibt Zonen, die sind weicher. Das mit der Hand nachzuspüren ist ein extrem sinnlicher Prozess. Dieser Prozess macht mir Freude. Die Arbeitsweise ist das Stück, das den Meister viel näher ist. Das ist das eigentliche Meisterstück, die Arbeit. Das Produkt, was immer auch gemacht wird, ist weg.

Das ist jetzt ein Repräsentant, dieses Messer, das hier liegt. Ein Repräsentant des Meisterstück „Arbeitsweise“. Ja, wenn ich dieses Stück ansehe, dann sehe ich nicht das Messer, sondern ich sehe die ganzen Fragen und die ganzen Probleme, die da Stück aufgeworfen wird, dass es am Ende so geworden ist, wie es ist, und ich kann meine Antworten darin sehen.

Moment – Meisterstück, ORF Radio Ö1, 6. Juni 2019, 15:45 Uhr.

Link zum ausführlichen Gespräch mit Norbert Leitner: Lobster und Tentakel 81.

Podcast im Wirtshaus

Unseren „Horch“-Podcast – haben wir erstmals im Wirtshaus mit 20 Leuten aufgenommen. Was muss ich wissen, um zeitgenössische Musik gerne zu haben? Elisabeth Haselberger aus Ulm hat ihre Flöten mitgebracht, ich den Klang der Sonne – und es war beim Haiderwirt in St. Veit ein wunderschöner Vormittag. Risiko? Keines. Schön wars.
Nachzuhören hier als Episode Horch 22

„Wir alle sind Armin Wolf“ – Trilologie

Workshop anlässlich der „Medientage Strobl 2019“, die Fachtagung für „Freie Medien und Bildungsarbeit“, Link zur Website.

Gerade in der Bim gehört: "Ey kennst du diesen Reporter @ArminWolf, er ist übelste Legende, Alter! Echt voll krass."
— Lukas Sinabell (@Curlenius) May 20, 2019

Als „4. Macht im Staat“ bezeichnet wird Journalimus bezeichnet, und wenn es jemandem nicht daran gelegen ist, dass diese Macht existiert, wird er angegriffen. Oder seine besten Vertreter:innen. Als Anchorman der ZIB2 steht Armin Wolf und insgesamt der gesamte öffentlich-rechtliche Journalismus immer wieder ganz vorne. Lassen wir nicht ihm und dem öffentliche-rechtlichen Rundfunk die heißen Kartoffeln aus dem Rohr holen, „wir alle sind Armin Wolf“. Als Akteure – als Journalist:innen – aber auch als Medienkonsument:innen.
 
Wir-alle-sind-Armin-Wolf: Trilogie / Diskussion / Manifest
(Lothar Bodingbauer)
Kritischer Journalismus macht Populisten keine Freude. Eigentlich ist das doppelt gemoppelt. Man könnte auch nur „Journalismus“ dazu sagen. Journalismus ist kritisch. Wenn Armin Wolf als ZIB2-Anchorman ganz vorne an den glühenden Kohlen arbeitet und dabei angegriffen wird, dann passiert das stellvertretend ihm, wir schauen zu. Aber Armin Wolf, das sind wir alle.

Bestandsaufnahme. Was ist Journalismus. Ganz genau? Wie funktioniert Meinungsbildung beim Publikum. Geht es um Glauben? Um Wahrheit? Welche Interessensgruppen gibt es, und warum sind wir wirklich alle Armin Wolf?
Komplexität statt einfache Antworten. Was bedeutet kritisch denken ganz genau? Wer hat Vorteile? Wer hat die Nachteile?
Glauben versus Wissen. Die „Marke Wissenschaft“ löst aus dem Gesamtkomplex „Universum“ jene Elemente, die messbar, wiederholbar, vorhersagbar und widerspruchsfrei sind. Was ist der Rest, und wie sollen wir damit umgehen? Es ist nicht die Suche nach der Wahrheit, sondern die Suche nach der besten Geschichte, die Wissenschaft stark macht. Ihre Stärke ist, vom „warum“ zum „wie“ zu kommen. Warum und wie? Das schauen wir uns an.

Als Endprodukt der Trilogie entsteht pro Teilnehmer:in ein Manifest (LINK), wie sie mit Journalismus, Komplexität, Glauben und Wissen umgehen möchten. Das nageln sie dann an eine Tür.

Mit wem reden? Ausgrenzen? Oder nicht? – Jan Böhmermann.
Umgang mit Komplexität.
Der andere Standpunkt.Meinung abgeben – Meinung machen.

301. Wechselkröte

Zwischen Land und Wasser
Der Biologe Werner Kammel aus Wildon spricht über die Wechselkröte.
(ORF Radio Ö1/Vom Leben der Natur, 13.-17.05.2019)
1. Kaulquappen in der Schottergrube
2. Vergessene Teiche
3. Rückhaltebecken am Kreisverkehr
4. Auland zwischen Autobahnen
5. Begehrte Beute
Die Wechselkröte hat ihren Namen von ihrer weiß-grün gefleckten Haut, ein Muster das aussieht wie bei einem militärischen Tarnanzug. Wie andere heimische Krötenarten lebt sie gleichermaßen an Land wie auch im Wasser. Erkennbar sind ihre Eier in Pfützen und Tümpeln, weil sie in sogenannten Laichschnüren aneinanderhängen.
Der Misserfolg bei der Fortpflanzung ist durchaus einkalkuliert. Oft trocknen die Tümpel aus, bevor sich die Kaulquappen zu fertigen Kröten entwickelt haben. Da die Wechselkröte aber bis zu 30 Jahre alt wird, ist es nicht notwendig, dass jede Eiablage auch erfolgreich sein muss.
Was die Wechselkröte auf die Liste der bedrohten Arten setzt ist das Verschwinden der Lebensräume. Es sind in unseren stark bewirtschafteten Kulturräumen oft die verlassenen Plätze, die sie nutzt. Schottergruben, deren Böden oft von Baggern oder LKW verdichtet werden – dort hält sich das Wasser, das sie braucht. Oder Rückhaltebecken in Gewerbegebieten, die angelegt werden, damit es bei Regenfällen nicht zu Überschwemmungen kommt.
Interviewpartner:
Mag. Dr. Werner Kammel
Technisches Büro für Biologie
Wildon, Steiermark
http://www.wernerkammel.at
Foto: Werner Kammel

300. Randnotizen: Einkaufen

Überraschungen, die man beim Einkaufen erleben kann. (ORF Österreich 1 / Moment Leben heute)
 
https://www.sprechkontakt.at/audio/ran_einkaufen.mp3
 
SIGNATION
Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu Ihrem Lieblings-Obst-und-Gemüsehändler am Eck auf dem Platz vor der Kirche und während Sie so schauen und gustieren, was es heute besonders Gutes gibt, fragt Sie der Obst- und Gemüsehändler, ob Sie nicht auch diese Samen haben möchten, da gibt es alte Sorten, die wiederentdeckt wurden, ganz natürlich, Bio, und gute Paradeiser würden das werden. Sie sagen „ja“, das finden Sie gut, das wollten Sie immer schon mal probieren und danke für die Empfehlung, nett dass Sie daran denken, aber Sie kennen mich ja schon lange, da ist Ihnen klar, dass mich das anspricht.
Stellen Sie sich vor, Sie gehen dann zur Drogerie weiter vor, und währen Sie so schauen im Verkaufsbereich, ob es Erde gibt für die neuen Samen, die Sie vorhin gekauft haben, da fragt Sie der Drogist, ob Sie nicht auch dieses Unkrautvertilgungsmittel haben möchten, und da noch was gegen die Läuse, es ist zwar nicht biologisch, aber effektiv, giftig und daher wirksam. Es sorgt für Ordnung im Garten, so dass das Gute gewinnt und das Böse verliert. Und Sie sagen, sind Sie wahnsinnig, guter Mann? Woher kommen Sie auf diese Idee? Und der Drogist sagt, ach, ich habe sie da an der Ecke zu diesem Haus mit dem schönen Rasen stehen gesehen, dort, wo alles so gepflegt ist, die Ränder so sauber, und keine Blumen die irgendwo wachsen, wo sie nicht hingehören, dort, wo auch die Schnecken gut überwacht und unter Kontrolle sind, und da dachte ich, Sie machen sich Sorgen, und Sie möchten das auch. Nein, danke, sagen Sie und machen sich auf und gehen zur Silbernen Kugel einige Schritte weiter die Einkaufsstraße entlang, wegen der Erde für die Paradeiser, die Silberne Kugel, ein Geschäft für alles, was man im Haushalt braucht. Der Besitzer begrüßt Sie und kaum sind einige Sekunden vergangen, fragt er Sie auch, ob Sie nicht dieses Mittel gegen die Schnecken brauchen und das Unkrautvertilgungsmittel und das Gift gegen die Läuse. Genau das, was der Drogist Ihnen gerade empfohlen hat. Woher wissen Sie das, fragen Sie, ach, sagt der Mann von der Silbernen Kugel, der Drogist hat es mir gerade erzählt, er hat mich angerufen, und da dachte ich, Sie hätten Bedarf, aber warum schauen sie jetzt so komisch?
TRENNER
Ja, so funktioniert das im Internet. Auf Facebook pflege ich meinen kleinen Garten an Freunden. Als politisch interessierter Mensch schaue ich auch dann auch in der Suchfunktion nach Facebookeinträgen von Politikerinnen und Politikern, von linken und von rechten, und dreimal habe ich von einem hochrangigen Regierungsmitglied in den letzten Wochen die persönliche Facebookseite aufgerufen. Was dann geschah, raubt dir den Atem. Beim nächsten Login wurden mir in den Werbungen nicht wie üblich Werbung für Fahrradcomputer oder Pflanzenregale eingespielt, für Bildbearbeitungsprogramme oder Reisen, sondern eine Hose für den Nahkampf, eine personalisierte Werbung, ausgesucht vom Algorithmus, für, Zitat, „Kampfhosen, die jeder Mann braucht“.
Aber es ging noch weiter. Auf Instagram mag ich es, Fotos mit Freunden anzuschauen, zu posten und zu tauschen. Beim nächsten Login keine Werbung für mich über Fahrradcomputer und Pflanzenregale wie sonst, sondern: Werbung für eine Hose für den Nahkampf, eine personalisierte Werbung für Zitat „Kampfhosen, die jeder Mann braucht“. Der Algorithmus des „sozialen Netzes“ hat schon wieder gearbeitet. Von Facebook hat er zu Instagram telefoniert, und von meinen „neuen Interessen“ erzählt. – Das war zuviel. Ich habe meine sozialen Netzte also wieder entkoppelt, pflege ein eigenes Login für das eine – und ein anderes Login für das andere Konto. Habe da meine Freunde, dort meine weiteren Bekannten, auch eine Züchterin von sogenannten Kampfhunden ist dabei, obwohl es diesen Begriff eigentlich gar nicht gibt, und ich einen Dackel habe, aber vor allem, weil ich sie mag, nicht ihre politische Haltung, aber wir teilen uns die Freude an den Hunden.
TRENNER
Dieser Tage kommt eine neue Kundenkarte auf den Markt, erzählt mir ein persönlich adressierte Brief im Briefkasten, erzählt mir auch die Werbung im Fernsehen, erzählt mir auch der Aufdruck am T-Shirt der Verkäuferin im Supermarkt. Mehr Bonus. Mehr Vorteile. Da erzählt dann der Mann von der Tanke ganz automatisch und elektronisch der Papierhändlerin und dem Drogeriemarkt, was ich bei der Feinkost gestern gekauft habe – und meine Bank ist auch noch mittendrin. Das Plastik der beigesteckten neuen hoffnungsfrohen Karte habe ich zum Restmüll gegeben, das Papier mit der Anmeldung in den Altpapiercontainer. Die versprochenen Bonuspunkte investiere ich lieber in die Freiheit, unerkannt so einzukaufen wo und wie ich will.

Sendungsbewusst

Drüben auf Sendegate wird gerade diskutiert, was „sendungsbewusstsein“ bedeuten kann. Das ist eine interessante Diskussion
 

Ich sehe Sendundungsbewusstsein vor allem auf der Seite des Gastes im Podcast. Ich verlange es sogar. Dabei rede ich eher von Wissenspodcasts, bei dem man jemanden besucht, der etwas Bestimmtes weiß. Ich möchte, dass diese Person erzählen möchte, und das Erzählte auch senden oder gesendet haben möchte. Keinesfalls möchte ich jemanden besuchen, der diese Verantwortung mir zuschieben möchte. Ich als Gatekeeper. Um dann auch noch herumzumäkeln, was alles nicht gesendet werden sollte aus dem Gespräch, und daher raus muss. Public Relations mit Message Control fallen daher alle raus bei mir als Gäste, eben weil diese Leute nicht sendungsbewusst sind. — Für mich selbst als Host hat das Wort „sendungsbewusst“ keine Bedeutung.

299. Insekten im Garten

Wer seinen Garten schön zusammenräumt – verblühte Blumen rasch entsorgt, alte Bäume nicht verrotten lässt, auch Laub zusammenträgt – der macht es Insekten schwer, sich wohlzufühlen. Es sind aber gerade die kleinen Hausgärten, die für den Lebensraum von Insekten wichtig sind. Was können wir tun, damit sie sich ansiedeln? Dass sie bleiben? Etwas gelassener alles sehen, meinen ökologisch bewusste Gärtner/innen. Historisch werden Insekten oft mit Parasitentum und Krankheit verbunden, aber in einem naturnahen Garten sichern gerade sie eine gesunde Vielfalt, die Lebensgrundlage auch für Vögel und größere Tiere sind. Ein naturnaher Garten ist auch oft weniger Arbeit, braucht aber mehr Wissen. (Moment / ORF Radio Österreich 1)

MANUSKRIPT fast-final

SIGNATION

ATMO Gartenarbeit, Laub
OT / Teaser-Mix
*Wenn ich hier Wiesenfläche habe, oder Rasen habe, dann mähe ich den, und dann habe ich immer wieder so kleine Spots, wo ich Blumenvielfalt vorfinde, und dahinten stelle ich mir einen Sessel hin, und dann liege ich in der grünen Natur. – Die große Mehrzahl der roten Listen wird länger und länger und länger. – Es hat jeder eine unterschiedliche Toleranzgrenze, die kann man niemanden vorschreiben. – Wir haben eine große Zahl an Arten, von denen wir wirklich ernsthaft befürchten müssen, dass sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verschwinden werden.*
MODERATION
Vom Leben und Überleben der Insekten im eigenen Garten.
OT / Teaser-Mix
*Es gibt halt nun mal Schädlinge und es gibt vielleicht auch Pflanzen, da will ich sie nicht haben. Ich werde auch zum Beispiel, wenn ich Rosenrost habe, das Laub dort nicht liegen lassen, weil ich will im nächsten Jahr, dass sich die nicht wieder aus dem infizieren. – Jeder Quadratmeter zählt. Wenn jeder von uns in seinem Rahmen den Garten nicht so durchpflegt, auf Chemie verzichtet. Wenn jeder in seinem Rahmen das Beste gibt, hilft das der Natur schon.*
MODERATION
Wer seinen Garten immer schön zusammenräumt – verblühte Blumen rasch entsorgt, und alte Bäume nicht verrotten lässt, auch Laub zusammenträgt – der macht es den Insekten schwer, sich wohlzufühlen. Es sind aber gerade die kleinen Hausgärten, die für den Lebensraum von Insekten so wichtig sind. Was können wir tun, damit sie sich ansiedeln? Was können wir tun, dass sie bleiben? Etwas gelassener alles sehen, meinen ökologisch bewusste Gärtnerinnen und Gärtner. Ein naturnaher Garten ist oft weniger Arbeit, braucht aber mehr Wissen. Lothar Bodingbauer hat sich umgehört – und nach seinem Beitrag können Sie uns anrufen und erzählen, wie es bei Ihnen läuft und summt und brummt im Garten.
OT Katja Hintersteiner
*Ja, jetzt gehen wir in meinen Garten.*
(darüber)
Zu Besuch bei Katja Hintersteiner in Linz.
*Die Mädchen haben das Trampolin aufgebaut, und die Sachen nicht weggeräumt.*
Mutter von zwei Kindern und Ökologin. Sie kennt sich aus in ihrem Garten.
*Gut. Klein, fein. Da haben wir etwas Bienenfreundliches angepflanzt. Dort kommt jedes Jahr etwas dazu. Die Frühblüher sind schon fast verblüht. Die nächsten Frühjahrsblüher kommen. Die Tulpen und Narzissen, und jetzt wird es bald ein blaues Meer von Iris und Schwertlilien herinnen werden. Da drüben haben wir noch verschiedene Weiden. Wir haben eine Purpurweide da, dazwischen und eine sehr zezelige Lavendelweide, die ganz spät blüht. Das ist sehr schön, wenn man ein Pollenangebot über einen längeren Zeitraum von den Weiden anbietet und nicht immer nur die Salweide nimmt. Dort drüben haben wir Brombeeren und Hinbeere und dort haben wir meine Sandkiste. Das war der Spielplatz der Kinder lange Zeit. Dort war tatsählcih ein alter Baumstamm hinten, der über die Jahre verrotten durfte. Das war Lebensraum für Ameisen, Käfer, etc. Man sieht hier noch die Reste von einem Stamm, wo wir lange Zeit draufgesessen sind. Und du siehst, wie die Tiere daran arbeiten, wei die Pilze daran arbeiten, wie er sich zersetzt. Und diese Sukzession des Zersetzens, des Abbauens, man sieht es auch dort drüben, wo man noch so Strukturelemente von Holz sieht, hier entsteht neuer Raum, Lebensraum und aus der Sandkiste ist ein Magerrasen geworden.*
Die Unordnung, die man sieht in Katja Hintersteiners Garten ist wolüberlegt und gut begründet. Katja ist auch Imkerin, und sie weiß, was Insekten wirklich brauchen. Nicht immer nur nass. nicht immer nur trocken.
OT Hintersteiner
*Ja. Viele Wildbienenarten sind ja ganz eng mit ihren Pflanzen vergesellschaftet. Und dementsprechend wenn ich jetzt diese Wildbienen fördern möchte, dann muss ich ihnen auch ihre Pflanzen anbieten oder eben diese Vielfalt anbieten. Das sind Nelken. Flachliegende, bodenkriechende Nelkenarten, dann haben wir vereinzelt, was da so aufsteht und ein bisschen an Schafgarbe erinnert, Puftalmum, das Ochsenauge. Dann haben wir da hinten schon im schönen saftig grünen Blatt, die pfirsichblättrige Glockenblume. Auch so eine trockenheitsliebende Pflanze. Da wieder andere Nelkenarten, Steinnelken. Man lässt auch Pflanzen stehen, auch wenn das für einen Hobbygärtner oder für viele Hobbygärtner ganz arg klingt. Weil das schaut schlampig aus. Weil es stängelbrütende Wildbienenarten gibt. Und hier muss ich die Stängel stehen lassen, kann die nicht wegschneiden.*
Es ist das Ausräumen der Gärten, das Saubermachen, was am meisten Probleme für Insekten schafft. Wer braucht welchen Lebensraum? Wann soll was gemäht werden?
OT Hintersteiner
*Schau, so schön, so viele Vögel wieder. Und die Schlüsselstelle ist die Pflanzenvielfalt, und mit der muss ich beginnen.*
EVENTUELL MUSIK DRUNTER
ZITAT
„Sei höflich und gefällig gegen alle Insekten, die dir begegnen“, sagte Kassandra zum Schluss, „dann wirst du mehr von ihnen lernen, als ich dir heute sagen kann, aber hüte dich vor den Hornissen und Wespen. Die Hornissen sind unsere mächtigsten und bösesten Feinde, und die Wespen sind ein unnützes Räubergeschlecht ohne Heimat und Glauben. Wir sind stärker und mächtiger als sie, aber sie stehlen und morden, wo sie nur können.
Mehr als 100 Jahre alt ist die Biene Maja – ein Buch mit adaptiertem Zeichentrickfilm, in jüngsten Jahren auch ganz neu aufgelegt. Abgesehen davon, dass der Schriftsteller Waldemar Bonsels offen antisemitisch war und eine zweifelhafte Rolle im Nationalsozialismus gespielt hat – das Gut und Böse, das Beseelte der Natur aus der Neuromantik hat sich bis heute gehalten. Aber das Bild wandelt sich: Die Nahrungspyramide wird zu Nahrungsnetzen. Der Stammbaum zum Netz des Lebens. Es geht um Gleichgewichte und Zwischenverbindungen, systemisches Denken. Ursachen können Wirkungen an ganz unterschiedlichen und unbeabsichtigten Orten haben. Der Feind wird nicht zum Freund, sondern zum Wesen, dessen Rolle im ökologischen Gefüge wir gar nicht kennen.
OT Alena
*Wanzen. Blattläuse, Wollläuse, Schilfläuse, Schnecken…*
Wir besuchen Alena Binder. Sie ist beruflich Gärtnerin im Botanischen Garten in Wien.
OT Alena
*Wir verbinden historisch vermutlich Insekten immer eher mit Schädling, Parasit und Krankheit, was früher auch vielleicht mal zugetroffen hat. Aber gerade in einem naturnahen Garten wäre es absurd, wenn ich ein Problem mit Insekten habe. Ja, wenn mein Kohl von Raupen zusammengefressen wird, bin ich auch nicht glücklich, aber im Endeffekt gerade in naturbelassenen Gärten, wenn irgendwo mal ein paar Blattläuse sind, ist das nicht gleich – ah – die Krise, sondern es stellt sich dann eh ein Gleichgewicht mit den Gegenspielern von den Schädlingen ein. – Da drüben blitzt was. – Ja, wir haben diese Blechdose mit Stroh gefüllt und verkehrt herum auf einen Holzstecken platziert. Das soll ein Lebensraum für Ohrwürmer sein. Und diese Ohrwürmer sind Nützlinge, weil sie unter anderem auch Blattläuse vertilgen und ja, es heißt immer, man soll sie nicht direkt zu Bienenhäusern hin stellen, weil sie anscheinend auch deren Brut schnabulieren, aber es ist eh groß genug und so gefährlich sie auch aussehen, und sie können auch ganz schön zuzwicken, aber im Endeffekt will man sie haben. – Jeder Mensch hat seine Vorstellungen, die er vom Alltag mitbringt. Man macht sich selbst Konzepte. Wie wächst eine Pflanze, oder wie lebt eine Biene.*
David Bröderbauer leitet die „Grüne Schule“ im Botanischen Garten. Sie soll Bewusstsein bilden für die engen Zusammenhänge in unseren Ökosystemen. Nämlich bei den Menschen, die dieses Bewußtsein noch nicht entwickelt haben, bei Kindern. David Bröderbauer, selbst Ökologe, gibt ein Beispiel.
OT David
*Wir haben im Garten in den Wiesen unzählige Frühjahrsgeophyten, einfach gesagt, Frühjahrsblüher.– Geophyten sind die, die es nur hier gibt? – Geophyten wachsen mit unterirdischen Organen in der Erde. Sie überwintern mit diesen Organen in die Erde und dann treiben sie im Frühjahr schnell aus, bevor die Bäume eine dichte Laubdecke machen und das Sonnenlicht stehlen – Ah ja. – Wie kommen nun diese Frühjahrsblüher in unsere Wiesen? Wenn man jetzt reinschaut man hat da die Traubenhyazinthe, man hat den Milchstern und man hat die Schlüsselblumen. Das sind tausende hier und die werden zum teil von Ameisen verbreitet. Diese Frühjahrsblüher haben oft Samen mit Ölkörpern, Eleiosomen nennt man das wissenschaftlich. Die sind sehr nährstoffreich. Die Ameisen. fressen das gerne, schnappen den Samen und vertragen die, schleppen die zum Bau und mit diesen Ölkörper nehmen sie diese Samen mit und führen so zur Verbreitung von den Frühjahrsblühern. Die helfen uns, die Ameisen, dass diese Wiesen jetzt im Frühjahr so wunderschön blühen, indem sie die Samen weitertragen. – Wir sind jetzt aus diesem schattigen Bereich, aus diesem Forstbereich da runter gegangen, und plötzlich hat man wirklich ein anderes Gefühl, es ist sandig, es sind Steine da. Es stehen vertrocknete Gewächse herum, wo man wissen sollte, dass das absichtlich so ist, und nicht einfach vergessen wurde beim Bewirtschaften oder beim Schönmachen. – Ja (Alena). Das ist jetzt die panonnische Gruppe. Pannonikum, ja der Neusiedlersee aber nicht nur das, das Pannonikum erstreckt sich zum Teil noch ins Waldviertel hinein. Viele Pflanzen muss man immer mal wieder ein bisschen bitten, dass sie dableiben, wo sie hinsollen. Aber an sich ist es gewünscht, dass das auch möglichst natürlich aussieht und wirkt und ja, im Pannonikum räumt auch keiner die Pflanzenteile weg. Ich räume schon ein bisschen im gewissen Grad aus. Vor allem Dingen, ich hole zum Beispiel Laub raus, weil meine Gruppe, oder ein Großteil meiner Gruppe soll nährstoffarm sein.*
Mit „Gruppe“ ist hier gemeint mit dem Gefüge aus pannonischen Pflanzen.
OT Alena
*Und sobald ich da viel Laub drin habe, habe ich natürlich sofort wieder eine andere Zusammensetzung der oberen Bodenschicht. Da hinten im Wald lasse ich es einfach liegen. Da stört es niemanden und ist sogar gut. – (David) Diese natürliche Anlage dient auch dazu, dass die Pflanzen blühen, von Wildbienen bestäubt werden können und auch Samen bilden, und dann sich selbst aussamen. Das heißt, wir sind hier im pannonischen Raum und bilden im Garten eine Fläche, wo das halbnatürlich wachsen kann, damit es noch Standorte gibt, wo diese Pflanzen und Tiere leben können. (Alena) Vor zwei Jahren habe ich ein Hummelnest entdeckt, in dem Fall ist es unter einer Rose unter dem Laub gewesen. Ich wollte die Rosen etwas zurückschneiden und habe etwas gehört, ein etwas ertzürntes Brummen und habe mir gedacht, OK da ist jetzt jemand, und ich dann wirklich gesehen, sie hat sich aus Moos und kleinen Ästchen und Laub da ihr Nest gebaut. Dann habe ich sie natürlich in Ruhe gelassen.*
Es sind aber durchaus die Katastrophen die kleine Katastrophen, die ein Ökosystem begehrenswert macht und einen Lebensraum wertvoll, erzählt der Biodiversitätsforscher Harald Fiedler.
OT Fiedler
*Ökosysteme haben dann den größten Artenreichtum, wenn sie einem mittleren Störungsgrad unterliegen. Das heißt, wenn nicht in zu großer Folge Störungsereignisse immer wieder passieren, also kleinräumige Störungsereignissen haben. So wie wir sie bei soclhen Überschwmmungen haben. Da wird mal hier was weggeschwemmt, da wird mal da was weggeschwemmt. Und es kann die Sukzession wieder starten. Es brennt mal irgendwo, aber kleinräumig, nicht Riesenflächen, es brennt kleinräumig, ein Baum wird vom Blitz getroffen, ein Baum fackelt ab, durch kommen dann an diesem kleinen Standort Organismenarten ansiedeln, die nebendran unter dem Kronenschirm eines großen Baumes nicht existieren können. Also diese Heterogenität, diese Mosaikartigkeit, die ist wichtig, und das ist eben beim Klimawandel ganz anders ist, das ist ja nicht heterogen, sondern eine homogene Erwärmung über ganze Kontinente.*
Leben, Sterben und auch Aussterben gehört bei der Evolution, bei der Entwicklung der Arten immer auch dazu. Was beunruhigend für Harald Fiedler ist, ist die Geschwindigkeit, mit der das derzeit passiert. Warum ist eigentlich Biodiversität wichtig, die Vielfalt der Arten?
OT Fiedler
*Wenn wir viele verschiedene Arten in einem Ökosystem haben, die alle mehr oder weniger das Selbe können, aber nicht ganz genau das selbe können oder nicht ganz genau das selbe tun, dann haben wir etwas, was wir in der theoretischen Ökologie den Portfolioeffekt nennt, oder den Insuranceeffekt nennt. Wie an der Börse auch. Wenn ich mehrere Arten habe, wenn ich viel Arten habe, die eine bestimmte Funktion erfüllen, dann ist die Wahrscheinlichkeit große, wenn sich die Außenbedingungen ein bisschen ändern, ich hab e mal ein kühleres Jahr, ein feuchtere sJahr, ein heißeres Jahr, eintrockeneres Jahr, ich habe ein Jahr, in dem ein Sturm passiert, in dem etwas ganz Anderes passiert. Dann habe ich eine größere Chance, dass irgendeine der vielen Arten die Funktion trotzdem wahrnehmen können. Wenn ich aber nur einzige Art habe, die diese Funktion erfüllt, und die fällt dann wirklich weg, dann habe ich ein echtes funktionelles Problem. Da kann man einen schönen Bogen zu den Bienen schlagen. Die eine Bestäuberart fliegt am frühen Morgen, die andere in der frühen Mittagszeit, die anderen am Nachmittag. Mal regnet es, mal regnet es nicht. Und durch vielfältigen Unvorhersehbarkeiten kann eine artenreichere Bestäubergilde tatsächlich diese Dienstleistung der Bestäubung, diesen Ökosystemservice besser erbringen.*
Bestäubergilde, also die Vielfalt der bestäubenden Insekten. Ökosystemservices, das, was die Natur für uns leistet. – Für die Gärtnerin Alena Binder heißt das vor allem eins: schauen, dass die Vielfalt bleibt, und das geht am besten durch Strukturen im Garten.
OT Alena
*Was einmal ein großer Punkt ist, ist einfach Pflanzen. Und ohne Pflanzen und Pflanzenvielfalt am besten während der gesamten Vegetationsperiode was Blühendes, ohne dem brauche ich mir auch keine Gedanken über Insekten machen. Weil das ist nun mal die Lebensgrundlage eines Insekts, in irgend einer Weise Pflanzen zu haben, am besten blühend. Das zweite ist Strukturen, Strukturenvielfalt und auch Strukturen über das ganze Jahr. – Was ist da mit Strukturen gemeint? – Das sind einerseits unterschiedliche Lebensräume von offenen Flächen, geschlossenen Flüchen, Flächen im Schatten, Flächen in der Sonne, sandigen Flächen, gemulchten Flächen, Laubhaufen oder Steinmauer. Also so unterschiedliche Lebensräume. Unter Struktur fällt in meinen Augen auch Pflanzen, weil die gerade auch abgestorbene Pflanzen, trotzdem noch sehr wesentlich sind. Da ist zum Beispiel ein wesentlicher Punkt, Totholz stehen lassen, in einem normalen Hausgarten ist es sicher kein Problem, wenn man sagt, wenn man sagt, OK, da ist ein alter Baum, den lasse ich stehen. Der darf auch absterben hier, und da darf es auch etwas Vermoderndes geben. Oder Holzhaufen liegen lassen. Und das nächste, was halt auch unter Pflanzenstruktur fällt in meinen Augen, dass man gerade im Winter bei Stauden die abgestorbenen Pflanzenteile stehen lässt. Das ist sicher ein wesentlicher Punkt. So dieser ausgeräumte Garten ist gerade im Winter ganz schlecht, weil die Tiere sind zwar im Sommer, aber die brauchen im Winter ja auch eine Überbrückung, um dann wieder im Frühjahr dazu sein. Man sieht dann auch ästethisch auch was schönes, weil es hat dann auch den Rauhreif, der irgendwo hängenbleibt, ist ja auch optisch schön.*
Eine besondere Rolle hat das abgeschnittene Gras. Rasenmäher würden es zerhächseln, samt allen Tieren und Larven und Würmern und Raupen, die drauf sind. besser ist es, und so wird es im Botanischen Garten in Wien gemacht, mit einem Balkenmäher abzuschneiden. Das erzählt Frank Schuhmacher, einer der leitenden Gärtner im Botanischen Garten.
OT Frank
*Wir haben es versucht mit so Mandeln, wie man es in der Landschaft sieht, so Heumanderl, das geht auch, oder eben teilweise, dass man sie offen auf dem Kompost auflegen, der ist hier gleich in der Nähe, auf diesen Komposthaufen, und dort können dann diese Tiere schlüpfen.*
Und Bäume, ja die Bäume. Viel zu oft zu gut gepflegt.
OT Frank
*Das wäre auch für den heimischen Garten der Punkt, dass man erstens die Bäume, die da sind, wenn man zum Beispiel ein Bauvorhaben hat oder Ähnliches, sehr gut überlegt, welche Bäume man rausnimmt. Zeit kann man nicht kaufen, einen alten Baum kann man nicht ersetzen irgendwie, da kann man nur einen jungen Baum setzen, und dann eben diese alten Bäume, so lange sie keine Gefahr darstellen, wirklich alt werden lässt. Auch wenn sie dann nicht mehr die ganz perfekte Kronenform haben, und vielleicht nicht mehr ganz so viele Früchte tragen.*
Und Bäume, so heißt es unter Botanikern, Bäume sterben im Stehen.
OT Frank
*Ja, die sterben im Stehen und langsam. Die schmeissen nen Ast runter, große Äste, da denkt man um Gottes Willen, jetzt muss der Baum raus. Wenn wir nicht wären, die wir sagen, wir sind jetzt gefährdet durch diesen Baum, dann würde dieser Baum noch Jahrzehnte dort leben, obwohl er vielleicht die Hälfte seines Individuums abgeworen hat. – Aber in diesem Sinne, umsägen und liegen lassen ist durchaus eine Option. – Ist sicher besser als ganz entfernen, noch besser ist noch auf 2m runterzusägen. Es gibt eine ganze Reihe an Tierarten, die sozusagen das vertikale Holz brauchen. Horizontales Holz und vertikales Holz. Beides braucht es dafür. (Paula) Also Insekt ist ja nicht gleich INsekt. Die haben alle ganz unterschiedliche Bedürfnisse.*
Paula Polak. Sie ist ökologische Landschaftsarchitektin und berät Menschen, die sich einen Garten einrichten wollen, was sie tun können, damit sich Insekten im Garten wohl fühlen.
OT Paula
*Vor ein paar Jahren haben die meisten Leute was für sich selber wollen. Was kann ich denn essen, wo kann ich einen Tee machen. Und jetzt kommen sie, was ist denn gut für die Bienen.*
Das ökologische Bewusstsein hat sich gewandelt, beobachtet Paula Polak.
OT Paula
*Unsere Generation kennt das ja noch, aber jetzt wachsen Kinder heran, die so etwas nie gesehen haben. Das heißt, es liegt eigentlich an unserer Generation, diese blühende Landschaft wieder ins Bewusstsein zu bringen und zu erhalten.*
Ja, und es ist einigermaßen interessant, was es alles zu beachten gibt, und man wird viele Bücher lesen und Gespräche mit Leuten führen müssen, die sich damit auskennen. Aber, so ein, zwei Tipps, gibt es auf alle Fälle, und die beginnen bei Paula Polak bei der Kleinräumigkeit, beginnen bei der Maht. Der Rasenmäher ist oft auch zu schnell. Wer mit der Hand mäht, das dauert.
OT Paula
*Das versuche ich den Leuten, die Blumenwiesen anlegen, bitte lasst ein Drittel der Fläche echt einmal ein Jahr in Ruhe. Weil einfach dieser Rückzugsraum ist für verschiedenste Insekten. – Warum nicht 3/3? – Weil das für die Leute schlecht auszuhalten ist und weil schon: Vielfalt ist ja das Schlüsselwort bei der naturnahen Gestaltung. Das heißt, ich kriege dann, wenn ich vielfältig mähe zum Beispiel, die Fläche, also das erste Drittel der Wiese mähe ich Ende Juni, wenn die Margerite anfängt zu verblühen. Das ist der klassische Zeitpunkt. Haben wir ein Drittel. Gut. Das heißt, die Pflanzen, die bis dahin schon ausgesamt haben, können sich so verjüngen. Das zweite Drittel mähe ich, wenn das erste schon wieder Blüten zeigt. Das heißt, die Insekten können zwischen zwischen diesen zwei Dritteln schon mal herumfliegen und Nahrung aufnehmen, und das dritte Drittel bleibt stehen, da blüht, was blüht, da samt aus, was aussamt, das darf bis zum nächsten Jahr stehen. Und das Ganze variiere ich über die Jahre. Ich lasse dann auch mal das erste Drittel übers Jahr stehen und ich mähe dann mal zwei Wochen später. So können alle, kriegen alle Pflanzenarten, die in der Wiese drin sind, und das sind meistens 50-60 Arten, kriegen ihre Chance sich weiter zu vermehren. Was man nicht bedenkt ist nämlich, viele Wiesenpflanzen wie Margerite und Wiesensalbei sind sehr kurzlebig. Das Individuum lebt 5, 6, 7Jahre, wenn sie nicht aussamen könne, dann wars das. Wenn man immer zu früh mäht, wenn man ihnen keine Samen gönnt, dann ist die Pflanzenart halt weg.*
ATMO Garten/Laub/Arbeit in den letzten Satz.
Zurück im Garten von Katja Hintersteiner, der Ökologin in Linz. Sie ist immer am Probieren, sie hütet ihren mosaikartigen Garten wie einen Schatz. / Insekten und Wildbienenhotels sind gut, sagt sie, allerdings müssen sie auch richtig gemacht werden. Und da ist sie gerade am Experimentieren. Um Verbesserungen einzuführen.
OT Katja
*Die alte Bauweise ist, dass man Baumscheiben nimmt in einer Stärke von ca. 10 cm. Und da hat man Löcher hineingebohrt. Aber jetzt kommen wir zur Physik, Stirnholz. Zieht Feuchtigkeit. Und wenn ein Stirnholz Feuchtigkeit zieht, geht natürlich die Feuchtigkeit in die Bienenbrut hinein und die verschimmelt. Diese Erfahrung habe ich machen müssen und ich rüste jetzt um, ich nehme jetzt einfach die Baumstämme als Ganzes, entrinde die und spiee somit die sukzessive Besiedelung von einem Totholz nach, indem ich eben die Baumstämme, wenn sie entrindet sind, dann schon mit Lächern versehe, aber ich bohre wirklich längs hinein und nicht ins Stirnholz. Die Tiefe sollte schon so um die 10 cm. betragen, das ist schon gut, dass die Bohrgänge sehr lange sind. Das sind natürlich keine handelsüblichen Bohrer, die bekommt man in. keinem Bauhaus, eher selten, und das wäre natürlich ideal, wenn so ein zwei Millimeterbohrer auch 8 cm lange ist. Also jede Wildbienenart hat so ihren bevorzugten Nistraum und es gibt natürlich Gemneralisten, also die gehörnte Mauerbiene zum Beispiel, die nimmt ja alles, was geht, da sind die Lochgrößen relativ wurscht, wenn zu klein, dann passt sie irgendwann nicht mehr rein, aber sie nimmt auch große 8 mm Durchmesser an, dann verkittet sie die besser. Es gibt Wildbienenarten, cih hab e Schnekcenhäsuer überall leigen, weil sie nutzen auch Schneckenhäuser. Viele kleiden ihre Nistplätze mit Blättern aus, manche verkleben es auch in Blättern, das heißt sie kleben Blätter zu, unterschiedliche Strategien für diese Vielfalt an Wildbienen. Und wenn ich es nicht für den ganzen Garten aushalte, was ich ja absolut verstehe, dann schaffe ich zumindest kleine, wilde Strukturen in meinem Garten. Und auch der Hügel ist permanent in der Veränderung, und ich finde das ganze Leben, und das sieht man in der Natur, wenn man sich solche Naturstandorte ansieht, Urwälder, sind permanent in einem Prozess der Weiterentwicklung. Natur bleibt nicht stehen, und sagt, so jetzt daugt es mir, und es ist gut. Es ist eine permanente Weiterenwicklung und das darf ich in meinem Garten auch machen.*
Und insgesamt, eine Zusammenschau, bevor wie Sie um eine Meinung bitten:
MUSIK, darüber
OT Mix Schluss
Also absolut der erste Punkt, keine Chemie im Garten. – Dort, wo man es selber steuern kann, ein bisschen Unordnung zulassen, dann kommen diverse Arten wieder da hin, also da kann man schon auch was machen. Wiesen, die kein Rasen sind, sind ja trotzdem gepflegt, vielleicht mehr wie ein Rasen, aber trotzdem geht man mit einer anderen Gelassenheit ran, wenn man zulässt, dass Insekten und Lebewesen da sind, weil die nun mal dazugehören.
MUSIK hoch

298. Sonnenforschung

Astrid Veronig erzählt von der Sonne. Sie leitet das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe in der Nähe von Villach. Einer der Wissenschaftler dort ist auch Werner Pötzi.  Ein Beitrag über die Sonne, unseren nächsten Stern. (Diagonal / ORF Radio Österreich 1)
 
Manuskript / fast-final
Seine Größe, seine Wärme, seine Wanderung am Himmel, so sagen fast alle Sprachen. „Ihre“ Größe, ihre Wärme und ihre Wanderung am Himmel, sagen wir. Und wir meinen damit die Phänomene der Sonne, die allgemein bekannt sind. Größe, Wärme, Wanderung.
Wäre sie nicht da, würden alle Planeten samt Erde in alle Richtungen des Universums davonfliegen. Das wird oft vergessen, ihre Anziehungskraft. Die Sonne hält alles zusammen mit ihren 2 Milliarden Milliarden Milliarden Tonnen, sodass während der Reise der Erde um sie herum, über Frühling, Sommer, Herbst und Winter ein schönes Jahr zustande kommt. Und wer im hohen Norden wohnt, der kennt noch etwas ganz Besonderes, was es ohne Sonne auch nicht gibt. Jonna, eine Schülerinnen aus Sodankylä in Finnland:
OT / Jonna / Fuchsfeuer / Overvoiced
*Als kleines Kind habe ich mich auch oft über die Nordlichter gewundert, und wie verrückt geschrieen, was sind die denn, und dabei bin ich herumgerannt. Was sind die eigentlich, zeigte ich lachend mit dem Finger auf sie. Was sind die? Ich will sie berühren! Dann hat mein Patenonkel gesagt, das sind Nordlichter. Wow, sagte ich dann, wow!*
Der Sonnenwind ist es, der das Nordlicht macht. Die indigene Bevölkerung im Norden, die Samen, nennen das Nordlicht „Fuchsfeuer“ – weil das Leuchten der Legende nach von einem Fuchs kommt, der mit seinem Schweif über den Himmel wischt. Wissenschaftler meinen: „Ohne Sonne kein Fuchsfeuer“. Sie stößt in Ausbrüchen, die dramatischer nicht sein können, Materie in den Weltraum. Elektronen, Protonen. Sie schleudert sie in alle Richtungen. Auch zur Erde. Das Magnetfeld der Erde fängt die Teilchen ein – sie bewegen sich zum Nordpol und Südpol, und bevor sie dort jemanden treffen, treffen sie zuerst auf die Atmosphäre, die sie zum Leuchten bringen. Auch bei uns.
OT / Veronig / bei uns auch
*Das letzte war glaube ich 2003 im Oktober. Da gab es extrem starke Ausbrüche von der Sonne, wo man sie auch in Österreich sehen konnte. Das musste außerhalb der Stadt sein.*
Astrid Veronig leitet in Kärnten das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe. Es wurde im zweiten Weltkrieg 1941 errichtet, auf der Gerlitzen, einem Berghang in der Nähe von Villach über den Nebeln des Ossiachersees. Dort wo die Sonne am schönsten ist. Also am häufigsten scheint in Österreich.
OT / Veronig / Arbeit
*Sonnenphysik und Astrophysik ist die generelle Fragestellung, wie kann ich Informationen vom Objekt kriegen, das ganz weit weg ist. Da hat man festgestellt, dass die Ausbrüche von der Sonne und diese Strahlungsausbrüche, und Materiausbrüche einen großen Einfluss auf die Erde haben können. Damals insbesondere der Einfluss auf den Funkverkehr.*
Der Funkverkehr auf der Mittel- und Langwelle ist in hohem Maß von der Sonnenaktivität abhängig. Geht die Sonne unter, bilden sich in der hohen Atmosphäre geladene Schichten, die den Funkverkehr reflektieren und über viel größere Distanzen schicken können. Kein Wunder, dass sich das Militär dafür interessierte. Auch heute noch zeichnen die diensthabenden Messwarte täglich die Sonne, „wie es ihr geht“, sie zeichnen die Sonnenflecken. Es die Fortführung der Zeitreihe der Messungen, die ganz besonders wertvoll ist.
OT / Veronig heute
*Es schaut natürlich teilweise anachronistisch aus, wenn man jetzt wirklich Das Bild projiziert und die Sonnenflecken abzeichnet. Nur der Punkt ist, dass die Sonnenfleckenzahl, das ist unser wichtigstes Maß zur Bestimmung der Sonnenaktivität, und die gibt es seit ungefähr 400 Jahren, die wird genau auf diese Weise ermittelt, dass man diese Sonnenfleckenzeichnungen hat, und man überprüft, wie viele Sonnenfleckengruppen gibt es, wie viele Einzelflecken gibt es, wie sind die atmosphärischen Bedingungen vor Ort wie groß ist das Teleskop, und das ist unsere wichtigste homogene Zeitserie, die auch unter anderem für Klimaforschung auch relevant ist, weil man sagt, wie schauen die Änderungen auf der Sonne auf, wie steht das in Beziehung mit Klimamodellen. Und wenn man das jetzt ändert auch ganz andere Beobachtungsbedingungen., wie elektronische, größere Teleskope, dann ist es möglich, dass man hier einen Sprung in diesen Beobachtungsserien hat.*
Eine Bibliothek gibt es in dem schönen Gebäude, geeignet für Arbeitstreffen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus alle Welt.
OT Pötzi / Intro
*Die Sonne ist ein großes Experiment*
Einer von ihnen ist Werner Pötzi.
OT / Pötzi / cont.
*Wir wissen nicht wirklich, wie sie funktioniert. Und weil wir draufkommen möchten, wie sie funktioniert, müssen wir sie beobachten. – Atmo raufgehen – Jetzt gehen wir hinein in das Gebäude und hinauf in unseren Hauptbeobachtungsturm. Wir sehen hier, das Teleskop ist relativ klein. Erstens, die Sonne liefert genug Licht. Die Sonne ist so hell, dass wir das Teleskop sogar abblenden müssen. Und zweitens, wir wollen immer die gesamte Sonne sehen. Das heißt, wir brauchen nicht eine so hohe Auflösung, weil sonst Das Bild nicht auf die Kamera passen würde. Wir sehen hier ein Weißlichtbild, das genau die Sonne so zeigt, wie wir sie mit unserem Bild, das nennt man Weißlicht. In Wirklichkeit nehmen wir die Sonne hier im grünen Licht. Im grünen Licht ist die Sonne am hellsten. Und dort ist die zentrale Wellenlänge der Sonne. Die Sonne ist eigentlich grün. Hier sehen wir schon ein paar Sonnenflecken. – Jeder Beobachter hier hat normalerweise eine Woche Dienst, und sollte bescheid wissen, was auf der Sonne passiert. Denn wenn wir die Sonne nur mehr über Kameras und Computer beobachten, so verlieren wir sie total aus den Augen und wir wissen selber nicht, was los ist, ob alles richtig funktioniert. Also, wenn sich ein Fleck sehr schnell ändert, so kann man davon ausgehen, dass es bald wieder Ausbrüche geben wird. Dann ist man darauf vorbereitet, man schaut, dass alle Geräte richtig funktionieren, und dass man das auch aufnehmen kann. – So, vom Beobachtungsturm können wir jetzt direkt hinaufgehen auf das Dach, auf das weiße Dach (Atmo), und wir gehen hier über einen Steg hinauf und über Treppen hinauf, ganz oben, auf den Giebel. (Atmo). Hier heroben befindet sich unser Strahlungsmessstation.*
Auch die Atmosphärenwissenschaften sind am Sonnenobservatorium beteiligt. (Atmo weg). Wer das Licht der Sonne analysiert, und feststellt, da fehlt etwas davon, von dem, was eigentlich da sein müsste, bestimmte Farben nämlich, dann muss das einen Grund haben. Ozon zum Beispiel. Und anhand der Menge des Fehlenden kann man die Menge des Ozons feststellen, oder umgekehrt: wenn kein Licht fehlt, die Größe des Ozon-Lochs, das sich durch alle Umwelt-Maßnahmen übrigens ganz gut wieder zurückentwickelt hat. Und ja, das Klima. So stark das Wetter schwankt, das Klima sich verändert, die Sonne ist in der ganzen Geschichte ein verlässlicher Motor, der schnurrt und brummt und läuft und strahlt.
OT / Veronig / Gleichmäßigkeit
*Also unsere Sonne ist jetzt ungefähr 4,5 Milliarden Jahren alt, und wird noch einmal so alt werden. Das heißt, wir sprechen hier von Zeitskalen von 10 Milliarden Jahren. Auch wenn wir jetzt Leben auf anderen Exoplaneten um andere Sterne suchen, dann suchen wir auch bevorzugt bei Sternen, die so lange stationäre Entwicklungen haben. Wenn ich jetzt sehr mausereiche Sterne habe, da passiert viel, da gibt es riesige Ausbrüche, und das auf kurzen Skalen, da ist es unwahrscheinlich, wenn ich jetzt lange Entwicklungszeitskalen habe, wie die Sonne, die sind da sehr dankbar auch für die Entwicklung auf Planeten, die sie umkreisen, und insofern ja, auf Zeitskalen, auf denen wir hinschauen, gibt es keine großen Änderungen.*
Die ESA, die europäische Weltraumagentur, plant eine neue Mission. In ein, zwei Jahren soll es los gehen, und bis auf 60 Sonnenradien Respektabstand wird sich eine Sonde, der „Solar Orbiter“, der Sonne nähern.
OT / Veronig / ESA
Man würde zum Beispiel gerne wissen, wie die Korona unter Anführungszeichen geheizt wird. Das ist eigentlich die äußerste Schicht der Sonne, die Corona, das ist keine stationäre Schicht, sondern die Sonne expandiert permanent, wird von unten nachgeliefert und expandiert. Und letztlich schützt sie uns auch gegenüber den Einfluss, sei es jetzt von kosmischer Strahlung, die von anderen Sternen und Supernovaexlosionen kommt, das macht eine Art Schicht um unsere Planeten herum, das passiert über den Sonnenwind, der auch das Magnetfelder der Sonne auch mit rausträgt. Und wie der beschleunigt wird, das hängt mit der Heizung der Sonne zusammen, weil beides bedeutet, dass man Energie in die Korona bringt und damit Materie nach außen treiben kann.*
Der Orbiter wird die Sonne auch von „oben“ sehen. Er wird sich für diese polare Bahn viel Schwung holen müssen, er wird die körnige Sonnenoberfläche wie das blubbernde Grießkoch am Herd sehen.
OT / Veronig Temperatur
*Die Sonnenoberfläche hat eine Temperatur von 6000 Grad, in den 40-er Jahren hat man festgestellt, die Corona, die oberste Schicht hat eine Temperatur von 1 bis 2 Millionen Grad. Seit dem ist das ein ungelöstes Problem in der Sonnenphysik.*
Sonnenforschung steht immer in Verbindung mit der Erde. Es ist das, was sie uns schickt: Teilchen und Licht. Radiowellen, Röntgenstrahlung. Ein bisschen was von Gammastrahlen. Von ihren physiologischen Auswirkungen – Vitamin D, Photosynthese, gar nicht zu reden.
OT Veronig / Schluß
*Früher hat es geheißen, die solarterrestrischen Beziehungen, heute heißt es „das Weltraumwetter“, weil wir über moderne Technologien und Technologien, die über Satelliten funktionieren, und auch über die ganzen Kommunikationswege sehr anfällig sind gegenüber Störungen.*
Und man kann sie auch hören, die Sonne: Übersetzt man ihre Schwingungen in Klänge, dann – am besten Sie hören selbst, so klingt die Sonne, wenn sie Wasserstoff zu Helium verbindet. So klingt sie, wenn sie im sonst dunklen Universum das Licht macht.
ATMO / Klang der Sonne zum Ausfaden.

297. Von Geistern und dem Unsichtbaren

Sind Sie sich sicher, dass es keine Geister gibt? Und warum wissen Sie das? Weil Sie bis gestern keinen Geist getroffen haben? Woran würden Sie einen Geist erkennen? Anders gefragt: Sind Sie unsicher, ob es Geister gibt? Dann gehen Sie vermutlich auch durch die dunkle Garage und fürchten sich noch ein bisschen, vielleicht aus Tradition von früher, als Sie noch klein waren. Nein. Wir können uns nicht sicher sein. Nie sicher sein. Die Abwesenheit von etwas ist äußerst schwierig zu belegen. Obwohl: bei einer Lücke, das ist einfach.

Improvisationsübungen

ERZÄHL-SPIEL-IDEEN (zu zweit)
1. Der fehlende Buchstabe… Ihr einigt euch auf einen Buchstaben, der in der nicht vorkommen darf. (AEIOU sollen das aber nicht sein). A erzählt eine Geschichte, B läutet eine Glocke, wenn A ein Wort mit dem Buchstaben doch sagt. In diesem Fall wechseln die Rollen und die Geschichte geht weiter. (Sehr schwer! Macht lieber erst die nächsten!)

296. Wert der Vielfalt

Der Biodiversitätsforscher Konrad Fiedler spricht über Artenvielfalt. (Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1)

Gedanken zu Podcasts

Podcast ist „Zuhören am Lagerfeuer“: Wir sitzen dabei und hören einer Diskussion zu. Auch wenn wir nicht mitreden, sind wir am Feuer. Wir können die Distanz frei wählen.

Podcasts sind eine Art, die Wirklichkeit zu beschreiben, sie zu denken durch „Erreden“. Die eigentliche Frage ist: worüber lohnt es sich zu reden? Worüber lohnt es sich zu denken?

Möchten wir das Rauschen erhöhen? Das kann passieren. Es ist gar nicht so leicht, etwas Eigenständiges zu machen, was am Wasserfall bemerkt werden kann. Authentizität ist gut. Eine hohe Schlagzahl bringt auch Anfänger schnell in den Bereich guter Ergebnisse (ab Folge 10).

Bei Podcasts ist die Kommentarkultur höher, Hater hören nicht lange zu, und wenn jemand lange zuhört, hat er eine differenzierte Meinung (bekommen).

Podcasts finden im Kopfhörer statt, Radio im Lautsprecher. (Tim Pritlove)

Die Zielgruppe ist bei Podcasts reichlich egal. Ein Podcast spricht sich herum (man kann gar nicht verhindern, dass er gehört wird). Regelmäßigkeit hilft dabei.

Aus Podcastern werden keine Radioleute. Das ist eine Beobachtung.

Ähs schneiden? Beim Denken hören braucht bestimmte Ähs. Das schneiden wir beim Radio recht undifferenziert alles weg, man kann in den Sendungen den Menschen nicht mehr beim Denken zuhören, ein Wesenentlicher Teil der Sprache geht verloren. Das Vorlesen von Manuskripten ist nicht mehr denken/sprechen, sondern die Wiedergabe von Gedrucktem. Eine Katastrophe der Menschheit, wie ich meine.

Der Vertrauenslevel der Podcasthörer:innen ist höher, sie entschuldigen meine Fehler, weil sie mich kennen, übrigens wird auch Ironie hörbar, einordenbar. Weil mehr Zeit ist.

Gute Podcaster sind die gute Zuhörer. Sie können auch gut zusammenfassen, was wir gehört haben. Zwischendurch schadet das gar nicht.

Metatexte sind unsere Freunde. Kapitelmarken. Untertitel, Inhaltsbeschreibungen.

Hörer:innentreffen: Podcaster:innen, die das machen, bauen ihre Hörerschaft gut aus. Und ich kenne sehr viele, die routinemäßig ankündigen, wenn sie in einer Stadt sind, sie treffen sich in Restaurants, passenden Locations.

Podcast ist das „nächste“ Medium, sagt Tim Pritlove in seiner Keynote (Video hier) bei der #subscribe10 im März 2019 – und er meint damit das dem Ohr nächstengrenzende Medium. Weil Podcast eben mit Kopfhörern gehört werden.

Werbung macht nichts besser, sagen viele Podcaster, sie macht das Publikum zur Zielgruppe – teilt sie in Scheibchen, Glaubwürdigkeit leidet, der „Wert der Marke“ sinkt. Wer nicht für eine Zielgruppe sendet, ist überrascht, aus welchen Ecken Hörer:innen kommen. Das ist auch ein sonderbarer Widerspruch: Man macht das Ding für die Hörer, und mann macht es genau nicht für die Hörer – man lässt sie dabei sein.

Zweiter sonderbarer Widerspruch: Die Person des Podcasters ist egal, er ist stellvertretend der Gesprächspartner im Podcast, und gleichzeitig ist die Person wichtig, mit einer oft erlebten Asymmetrie der Bekanntheit. Man ist den Menschen sehr vertraut, denen man zuhört, aber eben einseitig vertraut, Podcaster berichten aber auch, dass ihnen die Hörer vertraut sind, für die sie ja diese Gespräche machen.

„Seit exzellent zueinander“ war der letzte Punkt bei der Eröffnung der Podcaster:innenkonferenz #subscribe10 (Link zum Programm).

Sprechen als Mittel zur Erkenntnis braucht Zeit.

Worüber lohnt es sich zu reden, finde ich noch einmal, das ist die eigentliche Frage.

Museumspodcasts

#subscribe10 | Workshop Museumuspodcasts |…hier zur Workshopdoku

Gespräche, die zugänglich sind. Bei denen man dabei sein kann. Wie damals am Lagerfeuer, als die Menschen noch in Kohorten umherzogen. Das, worüber sie reden, steht im Mittelpunkt. Die Wärme des Feuers. Und sie reden so lange, bis sie fertig sind.

Es geht bei Podcasts vorderhand nicht um Reichweite, sondern um die Zugänglichkeit des Gesprächs. Um die Möglichkeit, dabei zu sein. Die Länge der Sendung ist egal. Podcaster:innen sind in seltenen Fällen berühmt. Meinung ist Teil des Konzepts, und im Museumsumfeld wird durch einen Podcast kuratorische Arbeit hörbar gemacht.

In Podcasts finden Sie meistens Gespräche. Radiosendungen zeigen hingegen in aufwändig gestalteten Beiträgen die Welt, wie sie den Gestaltenden erscheint. Und das ist nicht der einzige Unterschied: Radio wird über Lautsprecher gehört, Podcasts über Kopfhörer. Radio ist geteilte Öffentlichkeit. Podcasts eher intim. Bei Radioaufnahmen wird ein Mikrofon hin- und her geschwenkt. Beim Podcast-Gespräch tragen alle Teilnehmer:innen Kopfhörer, an denen Mikrofone montiert sind, die der Kopfbewegung folgen. Jede:r kann zu jeder Zeit reden. Jeder kann den anderen gut hören.

Musik ist wegen GEMA-Gebühren selten dabei. „Verlautbarungen“ verschwinden wie das Geheul der Wölfe im Dunkel weit hinter dem Feuer. Sie machen Platz dem Detail, den weiten Augen, dem schweifenden Geist, und dem Wunsch etwas herauszufinden zu wollen. Im Kontakt, im Gespräch.

Sendungen heißen beim Podcast „Episoden“. Im Museum können sie via QR-Code den Ausstellungsobjekten hinzugefügt werden. Wer also ein Objekt sieht und Lust auf den Hintergrund hat, verfolgt bei Verfügbarkeit die Entstehung des Präsentierten als Podcastepisode über den bereitgestellten Link.

Blick in die Geschichte.

Die erste Podcastwelle entstand um das Jahr 2000. Audiofiles wurden via mp3 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es war die Zeit der illegal geteilten Musikfiles. Die neuen mp3-Player lösten den Walkman und Discman ab. Parallel zu Internet-Blogs mit Texten und Bildern entstanden erste Audioblogs. Auch sie konnten über „RSS-Feeds“ abonniert werden, ohne jede Seite einzeln ansurfen zu müssen, um zu schauen, ob es etwas Neues gibt. Wann immer es eine neue Episode gibt, wird das zugehörige mp3-File automatisch heruntergeladen. Es wartet dann auf dem mobilen Endgerät, bis es der Benutzer zeitsouverän hören möchte. Einziges Problem der ersten Podcastwelle: der Klang. Viele der Aufnahmen hörten sich an, als ob sie auf dem Klo gemacht wurden. Die Stimmen waren nicht präsent, es hallte und schepperte. Aber man konnte senden, man konnte gehört werden.

Und dann kam Podcastwelle 2.

Ausgelöst durch Pioniere aus Deutschland, zuzuordnen dem Umkreis des „Chaos Computer Clubs“ – die „guten Hacker“. Sie geben Wissen über Podcastepisoden weiter. Die Episoden dauern gerne um die 1, 2, 3 Stunden. Oder 4. Wenn sich jemand mit dem Thema auskennt. Über das Ohr zum Beispiel – ein Experte für Cochleaimplantate. Oder über Kurdistan, Feminismus, das Bierbrauen, Pornographie oder die Chilli-Schote. Über Kakteen. Gespräche sind nun in Studioqulität zu hören und von Radiosendungen nur insofern zu unterscheiden, dass sie keine gebauten Beiträge oder Features sind. Und dass auch mal gelacht wird.

Auch die Rundfunkanstalten ziehen nach, die in Podcasts einen weiteren Ausspielkanal für ihre Sendungen haben. Öffentlich-rechtliche Radiostationen müssen diese Angebote üblicherweise „depublizieren“, nach einer bestimmten Zeit vom Netz nehmen. Freie Podcaster:innen nicht. Die Erfahrung zeigt: auch ältere Episoden werden noch gehört, wenn sie verfügbar sind.

Dann kam die Podcastwelle 3.

„Podlove“ entstand, ein digitales Plugin für das weitverbreitetes Content-Management-System „WordPress“, das viele Bloger:innen verwenden. Episoden können damit noch einen Tick einfacher veröffentlicht werden. Die Podcasts verlassen die Nerd-Ecke. Die Community trifft sich regelmäßig an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum, um Erfahrungen zu tauschen. Oder digital auf www.sendegate.de. Österreichische Audioexperten entwickelten mit „Auphonic“ ein Onlineservice, das aufgenommenes Material akustisch optimiert. Mehrspuraufnahme sind mit „Ultraschall“ möglich, und über das Plugin „Studiolink“ können Mikrofone an mehreren Orten kostenlos via Internet in Studioqualität verbunden werden. Das Podcast-Equipment passt in ein Köfferchen.

Zunehmend werden auch „Podcastlabels“ gegründet, eigene Agenturen, die ausschließlich Podcasts produzieren.

Manche Podcaster:innen finanzieren mit Werbung ihre Episoden -obwohl, da sind sich viele einig, Werbung noch nie etwas besser gemacht hat. Andere Podcaster:innen arbeiten mit Produktplatzierung. Oft zahlen die Hörer:innen zusammen, und es gibt auch jene Podcasts, bei denen Auftraggeber Episoden kaufen, weil es ein Budget für Öffentlichkeitsarbeit gibt. Einige verkaufen Bücher, Vorträge Expertise und Kurse, aber die meisten podcasten als Hobby. Und das in guter Qualität – Garantie oder Aufsicht gibt es keine. Es braucht ein kritisches Ohr und auch die Erfahrung kuratierter Podcastverzeichnisse wie wissenschaftspodcasts.de, um „gut“ von „belanglos“ zu unterscheiden.

Wir sind jetzt in Podcastwelle 4.

Die Verlage und Zeitschriften und Zeitungen sind eingestiegen. Podcast wurde bekannter, weil auch Musikplattformen wie Spotify die Episoden anbieten. Wir schreiben das Jahr 2019. Jede:r, der etwas auf sich hält, macht einen Podcast. Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.

Für Menschen beim Pendeln, im Auto, in der Werkstatt. Manche Podcasts sind einzigartig. Viele senden für die Nische, einige für die breite Masse. Ein Spielplatz für Experimente auch für Verlage, die die längste Zeit ihre Inhalte auf Papier gedruckt haben.

Andreas Sator etwa lernt als Standard-Journalist in „Erklär mir die Welt“ Alltägliches und Unbekanntes im Gespräch mit Expert:innen in einem eigenen Podcast kennen und Maria Wegenschimmel erforscht in ihrem „Wiener Sozial-Pod“ Hilfsangebote für Mitmenschen auf eigene Faust, sorgt dadurch für eine Vernetzung der Beteiligten untereinander.

Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.

Interessant ist dabei, dass sich freie Podcaster:innen oft in ihren eigenen Produktionen einen unabhängigen Ruf erarbeiten. Einen Stil, eine Art, für die sie ihren Hörer:innen bekannt sind, und die dann von einem Auftraggeber gekauft wird. Zum Beispiel Holger Klein aus „WRINT“, der für einen Hornbach-Bauhaus-Podcast seine Art, Gespräche zu führen, mitbringt. Er spricht mit Abenteurern und Do-It-Yourself-Pionieren. Marketingabteilungen und Pressestellen müssen in solchen Projekten ebenso flexibel sein, wie die beteiligten Podcaster:innen, die bisher gewöhnt waren, alleine zu arbeiten. Müssen die Inhalte freigegeben werden? Wer entscheidet? Wer hört ab, wer hört mit? Wer repräsentiert und wer veröffentlicht, wo und wie?

Es gibt Abhängigkeiten, Überschneidungsflächen, Graubereiche, Bekanntheitsströme und die Eroberung neuer Terrains.

Und das Stadtgespräch?

Das „Stadtgespräch“ ist der Podcast des Technischen Museums Wien. Mittlerweile bei Folge 20 erschien die erste Episode Anfang 2017 im Zusammenhang mit der Ausstellung „Zukunft der Stadt“, weil Expert:innen verfügbar waren, die bereit waren, über ihre Inhalte ausführlicher zu reden. Der Lichtmeister von Wien – er kümmert sich um alle Lampen inklusive Ampeln. Die Logistikexpertin über die Zukunft der Lastenräder. Die Leute vom Stromverteiler, die dafür sorgen, dass Energie für alle zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellt – eine Episode in Verbindung mit der Elektrizitätsausstellung On-Off. Mit der Ausstellung „Zukunft der Arbeit und Produktion“ erschienen Gespräche mit Roboteringenieuren, mit Soziologen, einer Expertin der Gewerkschaft, mit einer Datenwissenschaftlerin der VOEST. Die Gespräche immer ausführlich und immer mit vielen Details.

Und immer lang.

Im allgemeinen werden die Episoden der „Stadtgepräche“ nicht geschnitten. Es sind auch die Pausen zu hören. Das Denken. Das Atmen. Das Leben. Das Dazwischen, was in Kurzbeiträgen in Radio und Fernsehen meist wegfällt.

Eigene Gedanken werde sorgsam in die des Gegenübers geflochten. Beim „Stadtgespräch“ aus dem Technischen Museum sind oft sind die Kurator:innen der kommenden Ausstellung dabei. Ihre Fragestellungen werden hörbar, zugänglich, ihre Ansätze spürbar. So bekommt das Museum eine Stimme. Die Sicherheiten, die Zweifeln, das Nachfragen, das Explorieren. Wer Lust hat, hört zu. Wer nicht – nicht.

Podcast-Tipps und Beispiele aus anderen Museen.

Empfehlenswerte Podcasts sind – natürlich neben dem Stadtgespräch – die Referenzprodukte aus dem deutschsprachigen Raum: „CRE“, „Omega Tau“, „Forschergeist“. Vielleicht auch die „Bienengespräche“ aus Wien, wenn Sie sich für Natur interessieren. Es gibt den „Lila Podcast“ mit feministischen Inhalten. Ja, auch für Männer. Für Läufer:innen die „3-Schweinehunde“. Oder „Zeitsprung“, Geschichten aus der Geschichte. Alle sind einfach zu finden, einfach zu googeln. Das Sigmund-Freud-Museum in Wien hat einen Podcast, das Smithsonian Museum, das Archäologische Museum Hamburg. Über Ausstellungen erzählen der „Museumscast“, „Exponiert“, „Kunst und Horst“ und das „Kulturkapital“. Die Grenzen verschwimmen. Empfehlenswerter Startpunkt für Suchen ist auch das Podcastverzeichnis www.fyyd.de

Wenn Sie Ihren Lieblingspodcasts gefunden haben, drücken sie auf dessen Website auf den „Abonnieren“-Knopf und aktivieren dadurch eine App auf Ihrem Smartphone, den sogenannten „Podcatcher“. Er sammelt die neuen Episoden und speichert sie wie in einem Schatzkästchen bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Sie bereit sind, zu hören. Es gibt eine Pausetaste. Und oft auch Kapitelmarken. Damit sie wieder zurückfinden, wo sie aufgehört haben zu hören, als Sie stoppen mussten, weil es ja auch noch die anderen Dinge im Leben gibt.

Lothar Bodingbauer, Radiojournalist und Podcaster der „Stadtgespräche“ aus dem Technischen Museum Wien

 

Beispiele für Podcasts aus Museen

Archäologisches Museum Hamburg
Technisches Museum Wien
Bene Lebensraum Museum
Smithonian
Sigmund Freud Museum
British Museum Membercast
Van Gogh Museum Amsterdam
Schirn Frankfurt

Beispiele für Podcasts über Museen

Museumscast
Exponiert
Kunst und Horst
Podcastepisode über Museen und Podcasts (Kulturkapital)
Podcastepisode über Kulturdigitalisierung (Hafenradio)
Museumbug

295. Der Buchstabe X

Der Joker unter den Zeichen: Wie das X als Zeichen für das Unbekannte in die Mathematik kam. Studiogespräch. (Diagonal / ORF Radio Österreich 1)
 
(Passwort notwendig)
https://www.sprechkontakt.at/audio/dia_x.mp3

294. Der Österreichische Siedlerverband

Verband mit Geschichte: Wenn es in einer Ortschaft besonders schön geschmückte Balkone gibt. Besonders stattliche Gärten, schöne Häuser, dann könnte das sein, weil es Preise dafür gibt. Ortsbildgestaltung. Gemacht von Menschen, die dort wohnen. Die ihre Siedlungen dort haben. Organisiert sehr wahrscheinlich durch einen Verein, in dem sie Mitglied sind. Genau genommen 281 Vereine österreichweit – mit 68.000 Mitgliedern. (Moment / ORF Radio Österreich 1)
 
(Passwort notwendig)
https://www.sprechkontakt.at/audio/mom_siedlerverband.mp3

293. Mutmaßlich

Wort der Woche: Das Recht ist verschriftlich. Wenn sich später herausstellt, ein mutmaßlicher Täter war doch kein wirklicher Täter, dann zeugt zumindest das Wort ‚mutmaßlich‘ von diesem Zweifel in der Berichterstattung. Mit Daniel Leisser, Österreichische Gesellschaft für Rechtslinguistik. (Moment / ORF Radio Österreich 1)
 
(Passwort notwendig)
https://www.sprechkontakt.at/audio/wow_mutmasslich.mp3

292. Vom Teilen

Randnotizen: Schöne Aufnahmen und Listen müssen geteilt werden. (Moment / ORF Radio Österreich 1)
 
(Passwort notwendig)
https://www.sprechkontakt.at/audio/ran_listenteilen.mp3

291. Mindeststrafe

Wort der Woche: Was passiert, wenn die Mindeststrafe für ein Gewaltdelikt erhöht wird? Katharina Beclin, Kriminologin an der Universität Wien erzählt. (Moment / ORF Radio Österreich 1)
 
(Passwort notwendig)
https://www.sprechkontakt.at/audio/wow_mindeststrafe.mp3

290. Diamanten auf dem Prüfstand

Künstlich, natürlich, oder vielleicht sogar gefälscht? Die Mineralogin Vera Hammer spricht über die Echtheitsprüfung von Edelsteinen. (Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1)

289. Verbindungen und Brüche

Über den Wintereinbruch, den Sommeausbruch, das Bruchrechnen und den Unterbruch des NZZ.Abos. (Moment / ORF Radio Österreich 1)

Kommentar zur neuen Mathematikmatura

„Es ist ein Problem der Kommunikation.“
Gedanken zur Reifeprüfung Mathematik
Die zentrale Reifeprüfung in Mathematik hat inhaltlich keine Probleme. Die Beispiele sind schön, passend, interessant und im Schwierigkeitsgrad angemessen. Die schlechten Ergebnisse zeigen Eines: wie gut die Kommunikation nicht funktioniert. Bisher konnte jedes Probleme durch passende Angaben gelöst werden. Das ist nun nicht mehr so.
Das Problem der schlechten Leistungen der neuen Reifeprüfung in Mathematik wird überstürzt auf die fehlende sprachliche Kompetenz der Schüler:innen geschoben. Das greift zu kurz.
Die gesamte schlechte Kommunikation fliegt auf.
1) Innerhalb der Fachgruppe. Wie gut reden die Lehrer:innen miteinander.
2) Innerhalb den Schüler:innen. Wie gut reden die Schüler:innen miteinander.
3) Zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen.
4) Zwischen Eltern und Schüler:innen.
5) Zwischen Bifie und Lehrer:innen, zwischen Schulaufsicht und Lehrer:innen, zwischen Direktion und Lehrer:innen.
Ich wiederhole: bisher wurden Probleme auf allen fünf Ebenen in Mathematik gelöst, in dem die zur Gesamtsituation passenden Angaben gegeben wurden.
Die Beispiele der zentralen Reifeprüfung können nun nur gelöst werden, wenn deren Inhalte von den Schüler:innen verstanden wurden. Das geht nicht mehr alleine („ich lerne das zuhause“), das geht durch Kommunikation („wir reden über Mathematik“). Können Lehrer:innen genügend Gesprächssituationen im Unterricht schaffen? Können Sie diese Situationen plausibel machen? Können Sie Schwächen im kommunikativen Bereich verbessern?
Wollen die Schüler:innen mit Lehrer:innen über die Inhalte sprechen? Wollen sie miteinander reden, um offene Fragen und ihr Lernen zu diskutieren? Wie gelingt es den Eltern, mit ihren Kindern über Mathematik zu reden. Können sie es überhaupt? Wie lange tun sie es schon – die Oberstufe dauert 4 Jahre. Kommunikation kann nicht im letzten Moment gelernt werden.
Lehrer:innen weisen schon in der 5. Klasse die Schuld den Schüler:innen zu, sie müssten besser, mehr lernen. Das greift zu kurz.
Es geht um den problematischen Umgang mit Modalverben in Österreich: Können die Schüler:innen reden? Verstehen sie die Sprache? Worüber wollen sie reden? Verstehen sie den Sinn des Redens? Worüber dürfen sie reden? Sind Fehler diskutierbar, Teil der Kultur, oder führen sie zu Minus, Punktabzug, schlechtem Image und Noten? Wie müssen sie reden? Und ja, wie müssten sie es tun.
Es geht um Autoritätsgläubigkeit, Hörigkeit, Unterdrückung, Gewalt. Das fliegt auf, bei der Mathematikmatura. Weil sie vollständiges Denken, vollständige Menschen braucht. Jene Leute, die diese Art der Matura in Österreich eingeführt haben, haben Großes geleistet. Aber jetzt wird durch die schlechten Ergebnisse sichtbar, was wir alles nicht haben:
Wir verstehen die Gestaltung von Prozessen noch zu wenig, wir denken noch immer in Zuständen. Leistung wird als Zustand gedacht. Leistung ist ein Prozess, Kommunikation ist ein Prozess.
Die folgenden fünf Vorschläge sind im wesentlichen: Verbesserung der Kommunikation.
Vorschlag 1: Achtsamkeit als Thema.
1) Wie sprechen die Ebenen miteinander.
2) Wozu sprechen sie miteinander.
3) Wie können Schüler:innen einen wertschätzenden Umgang in ihrer Kommunikation mit sich selbst beim Mathelernen entwickeln.
Vorschlag 2: Förderung der Kommunikation.
Sie findet zwischen Menschen statt, um sie zu verbinden. Was können Lehrer:innen dazu beitragen? Wie verständlich ist das Bifie, das Ministerium, der Schulrat? Es braucht hier Experten der Wissensvermittlung. Profis. Warmherzige Menschen.
Vorschlag 3: Verbesserung der Bildungssprache.
„Typ 1“-Aufgaben und „Typ 2″-Aufgaben sind schreckliche Wörter. Das Können, das Wissen; können, wissen. Die Frage, fragen. Das sind schöne Wörter. Damit können wir arbeiten. Es braucht hier Experten der Sprachgestaltung. Profis. Warmherzige Menschen.
Vorschlag 4: Konzentration auf Prozesse.
Sprechkontakte schaffen. Sprechgelegenheiten schaffen. Die gesprochene Sprache der geschriebenen Sprache mehr Gewicht geben. Dem Zuhören. Dem Entwickeln. Bei Geschriebenem entwickelt sich nichts. Geschriebenes diente in Österreich zu oft der Verlautbarung. Beim Reden passiert das Gute.
Vorschlag 5: Tafeln abmontieren. Dann können Lehrer:innen nicht mehr vorne stehen und predigen. Individualisierung. Die neuronalen Netze können die Schüler:innen im Bereich der Mathematik nur durch Selbsttätigkeit knüpfen. Sonst: alles was Spaß macht. Podcasten etwa. (Aus dem Abendgymnasium z.B. das „Schulgespräch“: http://schug.sprechkontakt.at)
Zeit gibt es genug. Inhaltlich ist mathematisch alles möglich, die Inhalte sind zeitgemäß. Die Verbesserung steckt im „wie“. Im „miteinander“.

Ich müsste meine Gedanken eigentlich im Gespräch erzählt haben, weil ich auch mein Gegenüber hören wollte.
(Lothar Bodingbauer, Abendgymnasium Wien, https://www.sprechkontakt.at)

#reifeprüfung #mathematik #schule #kommentar

288. Wie kam das Wasser auf die Erde?

Der Astronom Rudolf Dvorak spricht über die mögliche Herkunft der wichtigsten Grundlage des Lebens. (Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1)

Erkenntnis

Ich darf da mal was weitererzählen, was ich in Gesprächen mit Wissenschaftler:innen immer wieder gehört habe.

287. Plastiksackerl

Wort der Woche: In Österreich sollen ab dem Jahr 2020 die Plastiksackerl verboten werden. EU-weit muss schon heuer die Zahl der Sackerl entweder reduziert werden, oder sie dürfen zumindest nicht mehr gratis sein. (Moment / ORF Radio Österreich 1)
 
(Passwort notwendig)
https://www.sprechkontakt.at/audio/wow_plastiksackerl.mp3

286. Das Geodreieck

Fast jeder hat damit Erfahrungen gemacht. Für die einen einfach praktisch – für die anderen mehr als das, durch die eingezeichneten Winkel eröffnete sich eine Welt. Besuch in Wörgl bei Geotec. Ein Gespräch Michael Schwaiger und Gregor Kabosch. Link zu Episode 237 der Physikalischen Soiree. (Moment / ORF Radio Österreich 1)

Audiologo

https://www.sprechkontakt.at/wp-content/uploads/2018/11/intro_sprechkontakt.wav
 
Sprechkontakt bedeutet, in dem ganzen Rauschen und Gewusel eine Verbindung herzustellen, die durch Sprache funktioniert. „Wir haben Sprechkontakt“. Das sollte doch möglich sein: in wenigen Sekunden diese Grundlage als Logo den Podcastepisoden voranzustellen. Gedanken daran hatte ich schon länger, sich aber mal hinzusetzen, und das zu probieren, wurde ausgelöst durch eine Diskussion in der Freaks Show 227, Kapitel Audiologo, in der Tim Pritlove für seine Metaebene Podcasts eine akustische Verbindung sucht. Das sollte er schaffen, ich denke da an die Intro von der Audioausgabe des Economist.
Was soll ein Audiologo können: Kurz. Öffnend. Konstruktiv. Mehrschichtig aber nicht zu vielschichtig. Nicht banal. Meines hat eine Stunde Arbeit gebraucht, es besteht aus folgenden Elementen:

Walkie Talkie, Freesound 27878
Power On, Freesound 70107
Synthesizer Schluss, Freesound 378113
Fußgängerübergang in Sodankylä, Finnland, eigene Aufnahme auf Freesound 149972

In Verbindung mit einer Episode hört sich das Audiologo dann so an:
 
http://www.bienenpodcast.at/podlove/file/1331/s/webplayer/c/episode/bg041.mp3

Aufgeschrieben

Es gibt Sprache, die ist weit und rund. Doch manche springt und stolpert, Stück. Für Stück.

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