Remote-Aufnahme in Studioqualität

Remote-Aufnahme in Studioqualität

Dieses Set kann man per Post verschicken: ein Yahama AG-03 Interface/Mischpult über USB an den Computer angebunden, Headset Beyerdynamic DT-297 dabei, Verbindung über Studiolink. Das Ganze kann mit der Post verschickt werden.

Einstellungen:

  1. +48V Phantomspeisung ON / für Mikrofon
  2. Ausgangslevel auf “normal”, also 3/4
  3. Computerton möchte man hören, daher Regler auf Mitte (anpassbar)
  4. Kopfhörerlevel insgesamt (mit eigenem Ton), auf Mitte (anpassbar)
  5. ON natürlich – das ganze Ding eingeschaltet
  6. Mikrofoneingang mal auf Mitte (anpassbar)
  7. Effekt aus – sonst klingt’s nach Keller

Wie klingt es? Zum Beispiel so. Aufnahme remote:


Alternativ ist auch ein Focusrite Solo – sogar noch kleiner – möglich. (Foto als PDF)

48V muss gedrückt sein, Direct Monitor gedrückt. Air eher nicht gedrückt.

Geschichten, Sprache und Geräusche

Eine besonders schöne Radiosendung, die mit Sprache und Geräuschen eine ganze Welt entwickelt, ist diese: Eider Island by Falling Tree Productions. Es geht um Vögel und um Menschen auf einer Insel, und die Menschen, die dort leben.

Link: Soundcloud – Ider Island

Vorgestellt wurde diese Sendung im “How Sound Podcast“, einem englischsprachigen Podcast über das Radiomachen, in welcher Episode, weiß ich wieder: Folge 279. Empfehlenswert ist der Podcast für Radiomacher:innen überhaupt. Klar, auch für Podcaster:innen, obwohl es halt wirklich viel Arbeit ist, so mit Tönen zu gestalten.

4 Tipps für die erfolgreiche Radiogeschichte

  1. Wenn du einen Konflikt erlebst, mische dich nicht ein, oder versuche ihn gar zu lösen, sondern lehne dich zurück und beobachte.
  2. Gehe die Hauptstraße hin, aber hinter den Häusern zurück.
  3. Wenn jemand sagt, alle sind einer ganz bestimmten Meinung, finde die Person, die anders denkt.
  4. Schau auch ein bisschen auf die Bücher im Regal, besonders jene, die herumliegen, die gerade benützt und gelesen werden.

Storytelling – Kurzfassung

Wenn man die folgenden drei Fragen gut beantworten kann, dann läuft’s

  1. Ich mache eine Geschichte über …
  2. Es geht dabei um …
  3. Und das Besondere dabei ist …

Quelle: Out on the Wire: The Storytelling Secrets of the New Masters of Radio Taschenbuch – Illustriert, 25. August 2015
Englisch Ausgabe von Jessica Abel

Interviewausschnitt rechtzeitig beenden

Ich bin immer wieder mal in der Situation, in der ich einen Ausschnitt suche, den ich einer Sendung voranstelle (“Teaser-OT”. Und oft lasse ich da zu viel dran, an diesem Ausschnitt. Es gibt aber einen Moment in jedem Ausschnitt, an dem man schneiden muss. Da habe ich grad ein schönes Beispiel beim Bearbeiten gefunden:

Ideal


Zu lange

Nach der Frage einfach mal still sein

… und wieder einmal habe ich nach der Frage den Mund nicht gehalten und wieder irgendwelche Optionen angeboten.

Beim Schneiden kommt das einfach weg.

Besser wäre es, gleich beim Aufnehmen nach der Frage einfach still zu sein. Gelingt mir immer öfter, aber lange nicht immer.

12 Tipps für den eigenen Reisebericht

12 Tipps für den eigenen Reisebericht

Was ich bei Reiseberichten gerne habe, ist:

1) Eine Spur, die erkennbar verfolgt wird. Und wie verfolgt man eine Spur? Man startet bei etwas, das man bemerkt. Und dann geht's los. Man trifft Menschen und hört ihre Geschichten. Man blickt in die Vergangenheit und entdeckt ihre Spuren in der Gegenwart.

Beispiel: Der Katalog des Lebens, Carl von Linné, Radiosendung, aufgenommen in Uppsala, Schweden: https://www.sprechkontakt.at/phs151/

2) Was bemerkt man? Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit dem Bekannten. Es wahrscheinlich unmöglich, vielleicht sogar unsinnig, einen Ort beim ersten Mal zu portraitieren – außer man hat Zeit. Was immer geht, sind Blicke. Die man bemerkt, die man beschreibt.

3) Nichts ist belangloser, als das, was an einem Ort „geboten“ wird.

4) Wenn etwas in besonders schönem Licht erscheinen soll, ist der Schmutz an den Rändern genauer unter die Lupe zu nehmen.

5) Manchmal bringen einen beim Aufnehmen die Fragen nicht weiter. Dann kann man es durchaus mit einer Feststellung probieren. Oder mit einem Ausdruck der Verwunderung. Der Bitte um Hilfe.

6) Die An- und Abreisen miteinzubeziehen ist je nach Umstand möglich, unvermeidlich, völlig irrelevant oder für den Beginn oder den Abschluss der Geschichte lebensnotwendig.

7) Im Radio erzählen wir eigene Geschichten, wir erzählen die Geschichten der anderen, und wir erzählen die Geschichten einer völlig leblosen Welt: die der Geräusche. Verkehrslärm ist zu vermeiden. Was vor Ort aufgenommen wird, das zählt. Es gibt so viele interessante Geräusche. Sie werden aber erst dann verständlich, wenn sie mit Gefühlen zum Leben erweckt werden.
Meine schönsten Beispiele: https://www.sprechkontakt.at/atmosderwelt/

8) Wir hören gerne jemandem zu, der von seinen Träumen spricht. Sollte niemand von seinen Träumen sprechen, hilft es, die Frage nach diesen Träumen als letzte Frage im Interview zu stellen.

9) Public Relations sind keine Träume.

10) „Ich“ oder „wir“ ist möglich, aber schwierig. „Wir“ kann man erst nehmen, wenn jedem klar ist, wer das ist. Und „ich“ kann man erst nehmen, wenn man als Gestalter interessant ist. Vorderhand also nie, aber es gibt Ausnahmen: „ich“ als Persona muss etabliert sein oder werden.

11) Scheitern hörbar, lesbar, spürbar zu machen, ist eine ehrenwerte Aufgabe und es kann böse enden. Es verrät viel über die/den, der berichtet. Und deswegen kommt es ganz darauf an. Sprich (zumindest im Radio) nicht über das, was letztlich nicht gelungen ist. Aber: einen Erfolg werden die Hörer:innen erst dann gestatten, wenn man zuvor ehrlich und nachvollziehbar gescheitert ist.

12) Worüber lohnt es sich zu reden? Zu schreiben? Wenn ich für mich schreibe: alles lohnt sich. Wenn ich für andere schreibe, dann sollte ich schlüssig die Relevanz nachweisen, zeigen, dass es sich lohnt, die Geschichte zu hören. Das funktioniert immer. Man dreht den Blickwinkel und wendet ihn. Man zoomt hinein, oder hinaus. Man hört Stimmen oder blendet sie aus. Die Relevanz muss für jede Geschichte neu verhandelt werden.

Extra: Es gibt in jeder Sprache die wunderbaren Wortgruppen. Für etwas, was ist (Dinge). Für etwas was passiert (Prozesse). Für die Vergangenheit und die Zukunft. Für Möglichkeiten und Bedingungen (Modalverben). Das alles spannt einen ganzen Raum für Neues auf.

Lothar Bodingbauer ist Reise- und Wissenschaftsjournalist. https://www.sprechkontakt.at/

*** Lothar Bodingbauer, Radiojournalist mit Schwerpunkt Reisen, Wissenschaft, Leben. Homebase: dort wo sein MacBook ist. Kontakt: lothar@sprechkontakt.at

Reisebericht, Reisejournalismus, Reden über die Reise

Reisebericht, Reisejournalismus, Reden über die Reise

Es lässt sich immer auf eine Frage herunterbrechen: „Worüber lohnt es sich zu reden?“. Die Antwort auf diese Frage bestimmt, was ein guter Reisebericht ist. Was guter Reisejournalismus ist. Ob das, was über die Reise erzählt wird, spannend, packend, fesselnd, wirklich ist.

Ein gutes Beispiel findet sich überraschend nahe. 4 Bücher. Jemand hat eine vierbändige Gesamtausgabe von Graham Greenes Werken in die Ecke eines Lehrerzimmers einer Schule gestellt. Dort wo sich Druckerpatronen und Overheadfolien sammeln, altes Zeug, dort wo niemals etwas wegkommt, ich bin Lehrer dieser Schule. Man nimmt den ersten Band über die Ferien mit, um Graham Greene eine Chance zu geben. Eine Geschichte über die Reise eines Pfarrers durch den Dschungel Südamerikas. Eine Geschichte voll Hitze, Schmutz, Jammern und Niedertracht. Man nimmt es so hin. Aber spannend wird es, als man in einem anderen Buch des großartigen Reiseschriftsellers Paul Theroux eine Geschichte über Graham Greene liest. Er beschreibt dessen kurzen Aufenthalt in Südamerika, den er nach zwei Wochen mit Fieber abbrechen musste, sein Leben voller Widersprüche. Seine Abscheu vor Langeweile.

Nicht nur ist Paul Theroux ein Reiseschriftsteller, der vor allem die schwierigen Seiten einer Reise bemerkt und notiert, es ist der Zufall, der diese Kette an Beobachtungen aneinanderreiht. Eine Verbindung zu Bruce Chatwin, der wohl eine Tradition der Reiseschriftstellerei begründet hat, und der anfangs Freund dann Feind von Paul Theroux war.

Zu einer Spur, zu einer Spurensuche und zum Thema von Gedanken wird es, wenn in diese Landschaft nun auch das Lehrerzimmer eingebaut wird. Von wem stammt diese Gesamtausgabe? Gedruckt wurde sie vermutlich in den 1960-er oder 1970-er Jahren. Intakt mit Schutzumschlag, leicht eingerissen, ein wenig vergilbt. Wer stellt die Gesamtausgabe von Graham Greene sorgsam dorthin, wo sich nur altes Schulzeug ansammelt, das sich niemand traut, wegzuwerfen. Eine Lehrerin? Ein Lehrer? Vielleicht kurz vor der Pensionierung? Warum? Hat er oder sie das Werk gelesen? Den ersten Band? Die Geschichte aus dem Dschungel? Und hat diese Person die selbe Mühe gespürt, über die Plage der Reise und der politischen Umstände der Region zu lesen? Wie vermischen sich diese Welten? Überlappen sie sich, verlaufen sie parallel? Sind sie identisch?

Das, worüber man redet, ist nicht planbar. Es ist immer etwa, was sich vor Ort mit den Beteiligten, die man oft suchen muss, entwickelt. Es ist der Staub, der herumliegt, die Risse im Umschlag. Der wichtige Blick zum Konflikt. Zur Reibung der überlappenden Ränder. Das Beschreiben genau dieser Landschaft. Bereinigt um lose Enden und Dinge, die sich im Nichts wieder verlaufen. Zusammengestellt zu einer Geschichte. Die in meinem beschriebenen Fall dort beginnt, wo ich Paul Theroux das erste Mal entdeckte: Im „alten Patagonien-Express“, im Buch, das ich zuerst von ihm entdeckte. Die Geschichte hält im Lehrerzimmer kurz inne. Und geht in Therauxs Beschreibung vom Leben Graham Greenes wieder weiter. Sie endet in einem neuen Blick auf die vier Bücher. Und der Frage, von wem sie wohl sind.

Links: Theroux über Greene in „Figuren in der Landschaft“, Hoffmann und Campe

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Theroux
https://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_Chatwin
https://de.wikipedia.org/wiki/Graham_Greene

Foto: Berlin BVG Straßenbahn M1 / Dezember 2021 / Lothar Bodingbauer

Gebaute Ö1-„Journal-Panorama“-Sendungen im Dezember 2020

Das Journal-Panorama beschäftigt sich im Radioprogramm von Österreich 1 mit sozialpolitischen Themen. Üblich sind gebaute Beiträge (Reportagen), manchmal werden Diskussionsrunden ausgestrahlt.


30.12.2020: Spionage im Wandel der Zeit. Wir sind den Fragen zum Geheimdienstwesen nachgegangen - in der Realität und im Roman. Gestaltung: Stefan May https://oe1.orf.at/programm/20201230/624414/Spionage-im-Wandel-der-Zeit 

29.12.2020: Von Hiroshima bis Fukushima: Japans traumatische Strahlenwunden. Die Atombomben vor einem Dreivierteljahrhundert beeinflussen die Inselnation im Fernen Osten bis heute stark. Gestaltung: Martin Fritz https://oe1.orf.at/programm/20201229/622063/Von-Hiroshima-bis-Fukushima-Japans-traumatische-Strahlenwunden 

28.12.2020: Dialog statt Volkstümelei? Wie geht Kärnten mit seinem Jubiläum um? Sind alle Wunden geheilt? Gestaltung: Bea Sommersguter https://oe1.orf.at/programm/20201228/622007/Dialog-statt-Volkstuemelei

23.12.2020: Wuhan ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie. Reportage aus der 11-Millionenstadt Wuhan, wo die verheerende Virus-Krise ihren Ausgang nahm. Gestaltung: Steffen Wurzel, ARD https://oe1.orf.at/programm/20201223/621783/Wuhan-ein-Jahr-nach-Ausbruch-der-Corona-Pandemie

22.12.2020: Endlich Österreicher! Neo-Österreicher erzählen, warum sie die Staatsbürgerschaft wollten und was sie mit dem Land ihrer Eltern und Großeltern verbindet. Gestaltung: Astrid Plank https://oe1.orf.at/programm/20201222/621729/Endlich-Oesterreicher

21.12.2020: Schwierige Hilfe in Zeiten von Corona. Mit welchen Problemen sehen sich Hilfsorganisationen in der Pandemie konfrontiert? Wie steht es mit der Spendenbereitschaft? Gestaltung: Elisa Vass https://oe1.orf.at/programm/20201221/621673/Schwierige-Hilfe-in-Zeiten-von-Corona

17.12.2020: Umsorgte Risikogruppe: Pflege in Zeiten von Corona. Reportage zu den Auswirkungen des Corona-Virus auf die besonders vulnerable Gruppe der Pflegebedürftigen. Gestaltung: Maria Harmer https://oe1.orf.at/programm/20201217/621485/Umsorgte-Risikogruppe-Pflege-in-Zeiten-von-Corona 

16.12.2020: Religiöse Spannungen im Land der Spiritualität. In Indien werden Menschen, die nicht Hindu sind, systematisch diskriminiert. Gestaltung: Bernd Musch-Borowska (ARD) https://oe1.orf.at/programm/20201216/621428/Religioese-Spannungen-im-Land-der-Spiritualitaet

15.12.2020: Meilenstein der österreichischen Geschichte: 75 Jahre konstituierende Sitzung des Parlaments. Zusammenfassung der Festsitzung im österreichischen Parlament. Gestaltung: Elisa Vass https://oe1.orf.at/programm/20201215/621373/Meilenstein-der-oesterreichischen-Geschichte-75-Jahre-konstituierende-Sitzung-des-Parlaments 

10.12.2020: Russland: Lockerer Umgang mit der Pandemie. Russland hat knapp zweieinhalb Millionen Infizierte, von Lockdowns sieht die Regierung in Moskau aber ab. Gestaltung: Paul Krisai https://oe1.orf.at/programm/20201210/621123/Russland-Lockerer-Umgang-mit-der-Pandemie 

07.12.2020: Lateinamerika: Der Kampf gegen das Verschwindenlassen. Dass Menschen gewaltsam verschleppt werden, ist in Ländern wie Mexiko oder Honduras keine Seltenheit. Was kann dagegen getan werden? Gestaltung: Markus Plate https://oe1.orf.at/programm/20201207/620968/Lateinamerika-Der-Kampf-gegen-das-Verschwindenlassen 

03.12.2020: Haiti: Die vergessene Geschichte der Sklavenbefreiung. Besuch der haitianischen Festung Citadelle Laferrière, die seit 1982 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Gestaltung: Cornelius Wüllenkemper https://oe1.orf.at/programm/20201203/620693/Haiti-Die-vergessene-Geschichte-der-Sklavenbefreiung 

02.12.2020: So wie Schwalben ihr Nest bauen - ökologisches Bauen in Mexiko. Die UNO-Klimakonferenz 2020 ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen, sie wird nun im November 2021 im schottischen Glasgow nachgeholt. Keine Pause macht hingegen der Klimawandel, Lösungen zu einer nachhaltigen Reduktion der Treibhausgasemissionen sind mehr denn je gefragt. Gestaltung: Markus Plate https://oe1.orf.at/programm/20201202/620638/So-wie-Schwalben-ihr-Nest-bauen-oekologisches-Bauen-in-Mexiko 

01.12.2020: Neustart für das Klima? Nach der Pandemie darf es in Sachen Klimapolitik kein Zurück geben. Gestaltung: Sonja Bettel https://oe1.orf.at/programm/20201201/618959/Neustart-fuer-das-Klima 

30.11.2020: Griechenland und die Türkei - eine lange, tiefe Feindschaft. Die Feindschaft ist tief verwurzelt, alte Konflikte zwischen beiden Ländern wurden nie aufgearbeitet. Gestaltung: Thomas Bormann und Karin Senz (ARD) https://oe1.orf.at/programm/20201130/618902/Griechenland-und-die-Tuerkei-eine-lange-tiefe-Feindschaft