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  • 298. Sonnenforschung

    298. Sonnenforschung

    Astrid Veronig erzählt von der Sonne. Sie leitet das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe in der Nähe von Villach. Einer der Wissenschaftler dort ist auch Werner Pötzi.  Ein Beitrag über die Sonne, unseren nächsten Stern.

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    Manuskript (ohne letzte Änderungen)

    Seine Größe, seine Wärme, seine Wanderung am Himmel, so sagen fast alle Sprachen. “Ihre” Größe, ihre Wärme und ihre Wanderung am Himmel, sagen wir. Und wir meinen damit die Phänomene der Sonne, die allgemein bekannt sind. Größe, Wärme, Wanderung.

    Wäre sie nicht da, würden alle Planeten samt Erde in alle Richtungen des Universums davonfliegen. Das wird oft vergessen, ihre Anziehungskraft. Die Sonne hält alles zusammen mit ihren 2 Milliarden Milliarden Milliarden Tonnen, sodass während der Reise der Erde um sie herum, über Frühling, Sommer, Herbst und Winter ein schönes Jahr zustande kommt. Und wer im hohen Norden wohnt, der kennt noch etwas ganz Besonderes, was es ohne Sonne auch nicht gibt. Jonna, eine Schülerinnen aus Sodankylä in Finnland:

    OT / Jonna / Fuchsfeuer / Overvoiced
    *Als kleines Kind habe ich mich auch oft über die Nordlichter gewundert, und wie verrückt geschrieen, was sind die denn, und dabei bin ich herumgerannt. Was sind die eigentlich, zeigte ich lachend mit dem Finger auf sie. Was sind die? Ich will sie berühren! Dann hat mein Patenonkel gesagt, das sind Nordlichter. Wow, sagte ich dann, wow!*

    Der Sonnenwind ist es, der das Nordlicht macht. Die indigene Bevölkerung im Norden, die Samen, nennen das Nordlicht “Fuchsfeuer” – weil das Leuchten der Legende nach von einem Fuchs kommt, der mit seinem Schweif über den Himmel wischt. Wissenschaftler meinen: “Ohne Sonne kein Fuchsfeuer”. Sie stößt in Ausbrüchen, die dramatischer nicht sein können, Materie in den Weltraum. Elektronen, Protonen. Sie schleudert sie in alle Richtungen. Auch zur Erde. Das Magnetfeld der Erde fängt die Teilchen ein – sie bewegen sich zum Nordpol und Südpol, und bevor sie dort jemanden treffen, treffen sie zuerst auf die Atmosphäre, die sie zum Leuchten bringen. Auch bei uns.

    OT / Veronig / bei uns auch
    *Das letzte war glaube ich 2003 im Oktober. Da gab es extrem starke Ausbrüche von der Sonne, wo man sie auch in Österreich sehen konnte. Das musste außerhalb der Stadt sein.*

    Astrid Veronig leitet in Kärnten das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe. Es wurde im zweiten Weltkrieg 1941 errichtet, auf der Gerlitzen, einem Berghang in der Nähe von Villach über den Nebeln des Ossiachersees. Dort wo die Sonne am schönsten ist. Also am häufigsten scheint in Österreich.

    OT / Veronig / Arbeit
    *Sonnenphysik und Astrophysik ist die generelle Fragestellung, wie kann ich Informationen vom Objekt kriegen, das ganz weit weg ist. Da hat man festgestellt, dass die Ausbrüche von der Sonne und diese Strahlungsausbrüche, und Materiausbrüche einen großen Einfluss auf die Erde haben können. Damals insbesondere der Einfluss auf den Funkverkehr.*

    Der Funkverkehr auf der Mittel- und Langwelle ist in hohem Maß von der Sonnenaktivität abhängig. Geht die Sonne unter, bilden sich in der hohen Atmosphäre geladene Schichten, die den Funkverkehr reflektieren und über viel größere Distanzen schicken können. Kein Wunder, dass sich das Militär dafür interessierte. Auch heute noch zeichnen die diensthabenden Messwarte täglich die Sonne, “wie es ihr geht”, sie zeichnen die Sonnenflecken. Es die Fortführung der Zeitreihe der Messungen, die ganz besonders wertvoll ist.

    OT / Veronig heute
    *Es schaut natürlich teilweise anachronistisch aus, wenn man jetzt wirklich Das Bild projiziert und die Sonnenflecken abzeichnet. Nur der Punkt ist, dass die Sonnenfleckenzahl, das ist unser wichtigstes Maß zur Bestimmung der Sonnenaktivität, und die gibt es seit ungefähr 400 Jahren, die wird genau auf diese Weise ermittelt, dass man diese Sonnenfleckenzeichnungen hat, und man überprüft, wie viele Sonnenfleckengruppen gibt es, wie viele Einzelflecken gibt es, wie sind die atmosphärischen Bedingungen vor Ort wie groß ist das Teleskop, und das ist unsere wichtigste homogene Zeitserie, die auch unter anderem für Klimaforschung auch relevant ist, weil man sagt, wie schauen die Änderungen auf der Sonne auf, wie steht das in Beziehung mit Klimamodellen. Und wenn man das jetzt ändert auch ganz andere Beobachtungsbedingungen., wie elektronische, größere Teleskope, dann ist es möglich, dass man hier einen Sprung in diesen Beobachtungsserien hat.*

    Eine Bibliothek gibt es in dem schönen Gebäude, geeignet für Arbeitstreffen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus alle Welt.

    OT Pötzi / Intro
    *Die Sonne ist ein großes Experiment*

    Einer von ihnen ist Werner Pötzi.

    OT / Pötzi / cont.
    *Wir wissen nicht wirklich, wie sie funktioniert. Und weil wir draufkommen möchten, wie sie funktioniert, müssen wir sie beobachten. – Atmo raufgehen – Jetzt gehen wir hinein in das Gebäude und hinauf in unseren Hauptbeobachtungsturm. Wir sehen hier, das Teleskop ist relativ klein. Erstens, die Sonne liefert genug Licht. Die Sonne ist so hell, dass wir das Teleskop sogar abblenden müssen. Und zweitens, wir wollen immer die gesamte Sonne sehen. Das heißt, wir brauchen nicht eine so hohe Auflösung, weil sonst Das Bild nicht auf die Kamera passen würde. Wir sehen hier ein Weißlichtbild, das genau die Sonne so zeigt, wie wir sie mit unserem Bild, das nennt man Weißlicht. In Wirklichkeit nehmen wir die Sonne hier im grünen Licht. Im grünen Licht ist die Sonne am hellsten. Und dort ist die zentrale Wellenlänge der Sonne. Die Sonne ist eigentlich grün. Hier sehen wir schon ein paar Sonnenflecken. – Jeder Beobachter hier hat normalerweise eine Woche Dienst, und sollte bescheid wissen, was auf der Sonne passiert. Denn wenn wir die Sonne nur mehr über Kameras und Computer beobachten, so verlieren wir sie total aus den Augen und wir wissen selber nicht, was los ist, ob alles richtig funktioniert. Also, wenn sich ein Fleck sehr schnell ändert, so kann man davon ausgehen, dass es bald wieder Ausbrüche geben wird. Dann ist man darauf vorbereitet, man schaut, dass alle Geräte richtig funktionieren, und dass man das auch aufnehmen kann. – So, vom Beobachtungsturm können wir jetzt direkt hinaufgehen auf das Dach, auf das weiße Dach (Atmo), und wir gehen hier über einen Steg hinauf und über Treppen hinauf, ganz oben, auf den Giebel. (Atmo). Hier heroben befindet sich unser Strahlungsmessstation.*

    Auch die Atmosphärenwissenschaften sind am Sonnenobservatorium beteiligt. (Atmo weg). Wer das Licht der Sonne analysiert, und feststellt, da fehlt etwas davon, von dem, was eigentlich da sein müsste, bestimmte Farben nämlich, dann muss das einen Grund haben. Ozon zum Beispiel. Und anhand der Menge des Fehlenden kann man die Menge des Ozons feststellen, oder umgekehrt: wenn kein Licht fehlt, die Größe des Ozon-Lochs, das sich durch alle Umwelt-Maßnahmen übrigens ganz gut wieder zurückentwickelt hat. Und ja, das Klima. So stark das Wetter schwankt, das Klima sich verändert, die Sonne ist in der ganzen Geschichte ein verlässlicher Motor, der schnurrt und brummt und läuft und strahlt.

    OT / Veronig / Gleichmäßigkeit
    *Also unsere Sonne ist jetzt ungefähr 4,5 Milliarden Jahren alt, und wird noch einmal so alt werden. Das heißt, wir sprechen hier von Zeitskalen von 10 Milliarden Jahren. Auch wenn wir jetzt Leben auf anderen Exoplaneten um andere Sterne suchen, dann suchen wir auch bevorzugt bei Sternen, die so lange stationäre Entwicklungen haben. Wenn ich jetzt sehr mausereiche Sterne habe, da passiert viel, da gibt es riesige Ausbrüche, und das auf kurzen Skalen, da ist es unwahrscheinlich, wenn ich jetzt lange Entwicklungszeitskalen habe, wie die Sonne, die sind da sehr dankbar auch für die Entwicklung auf Planeten, die sie umkreisen, und insofern ja, auf Zeitskalen, auf denen wir hinschauen, gibt es keine großen Änderungen.*

    Die ESA, die europäische Weltraumagentur, plant eine neue Mission. In ein, zwei Jahren soll es los gehen, und bis auf 60 Sonnenradien Respektabstand wird sich eine Sonde, der “Solar Orbiter”, der Sonne nähern.

    OT / Veronig / ESA
    Man würde zum Beispiel gerne wissen, wie die Korona unter Anführungszeichen geheizt wird. Das ist eigentlich die äußerste Schicht der Sonne, die Corona, das ist keine stationäre Schicht, sondern die Sonne expandiert permanent, wird von unten nachgeliefert und expandiert. Und letztlich schützt sie uns auch gegenüber den Einfluss, sei es jetzt von kosmischer Strahlung, die von anderen Sternen und Supernovaexlosionen kommt, das macht eine Art Schicht um unsere Planeten herum, das passiert über den Sonnenwind, der auch das Magnetfelder der Sonne auch mit rausträgt. Und wie der beschleunigt wird, das hängt mit der Heizung der Sonne zusammen, weil beides bedeutet, dass man Energie in die Korona bringt und damit Materie nach außen treiben kann.*

    Der Orbiter wird die Sonne auch von “oben” sehen. Er wird sich für diese polare Bahn viel Schwung holen müssen, er wird die körnige Sonnenoberfläche wie das blubbernde Grießkoch am Herd sehen.

    OT / Veronig Temperatur
    *Die Sonnenoberfläche hat eine Temperatur von 6000 Grad, in den 40-er Jahren hat man festgestellt, die Corona, die oberste Schicht hat eine Temperatur von 1 bis 2 Millionen Grad. Seit dem ist das ein ungelöstes Problem in der Sonnenphysik.*

    Sonnenforschung steht immer in Verbindung mit der Erde. Es ist das, was sie uns schickt: Teilchen und Licht. Radiowellen, Röntgenstrahlung. Ein bisschen was von Gammastrahlen. Von ihren physiologischen Auswirkungen – Vitamin D, Photosynthese, gar nicht zu reden.

    OT Veronig / Schluß
    *Früher hat es geheißen, die solarterrestrischen Beziehungen, heute heißt es “das Weltraumwetter”, weil wir über moderne Technologien und Technologien, die über Satelliten funktionieren, und auch über die ganzen Kommunikationswege sehr anfällig sind gegenüber Störungen.*

    Und man kann sie auch hören, die Sonne: Übersetzt man ihre Schwingungen in Klänge, dann – am besten Sie hören selbst, so klingt die Sonne, wenn sie Wasserstoff zu Helium verbindet. So klingt sie, wenn sie im sonst dunklen Universum das Licht macht.

    ATMO / Klang der Sonne zum Ausfaden.

  • 295. Der Buchstabe X

    Der Joker unter den Zeichen: Wie das X als Zeichen für das Unbekannte in die Mathematik kam.

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  • 286. Das Geodreieck

    286. Das Geodreieck

    Fast jeder hat damit Erfahrungen gemacht. Für die einen einfach praktisch – für die anderen mehr als das, durch die eingezeichneten Winkel eröffnete sich eine Welt. Besuch in Wörgl bei Geotec. Ein Gespräch Michael Schwaiger und Gregor Kabosch. Link zu Episode 237 der Physikalischen Soiree.

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  • 284. Gackern, scharren, Eierlegen

    Eine traditionsreiche Nutztierrasse. Die Biologin Irene Hochrathner über das Altsteirer Huhn.

    Link zum Programm

    Haushühner stammen aus dem chinesischen Raum, sie wurden bereits vor 4000 Jahren domestiziert. Sie kamen durch Phönizier, Griechen und Römer nach Europa. Bei uns haben sich in ländlichen Gebieten je nach Gegend individuelle Rassen weiterentwickelt, die zunehmend wiederentdeckt werden.

    Das Altsteirer Huhn, das Sulmtaler Huhn und das Nackthalshuhn sind drei österreichische Hühnerrassen, die als gefährdet gelten. Besonders das Altsteirer Huhn wird zunehmend in bäuerlichen Kleinbetrieben wiederentdeckt, da es als besonders stabile, wetterfeste und krankheitsresistente Rasse gilt. Es ist die Zweifachnutzung, für die die Tiere gehalten werden, für Eier und Fleisch gleichermaßen.

    Hybridrassen im Gegensatz dazu werden in der modernen Hühnerzucht spezialisiert gezüchtet: entweder als Mast- oder Legehennen. Im Vergleich zu Hybridhühnern legen die Altsteirer Hühner zwar weniger Eier, dafür aber bis ins hohe Alter.

    INTERVIEWPARTNERIN:

    Dr. Irene Hochrathner
    Spartenbetreuerin bei Arche-Austria (Verein zur Erhaltung seltener Nutztierrassen)
    COO Orchis


    Teil 1: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_1 Asiatische Urahnen (mp3)

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    Teil 2: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_2 Eierlegen bis ins hohe Alter (mp3)

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    Teil 3: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_3 Ein Huhn wie aus dem Bilderbuch (mp3)

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    Teil 4: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_4 Schlafplätze und Hackordnung (mp3)

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    Teil 5: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_5 Wiederentdeckte Haltung (mp3)

    Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_5

  • 281a. Hotzenplotz

    281a. Hotzenplotz

    Der Räuber Hotzenplotz ist einmal mehr aus dem Gefängnis ausgebrochen. Und Seppel und Kasperl sind fest entschlossen, ihn wieder einzufangen. Überraschend ist ein neues Abenteuer des beliebten Schurken aufgetaucht, das hat der Thienemann-Verlag am Montag mitgeteilt. Am 17. Juli wird eine bisher unveröffentlichte Geschichte vom 2013 verstorbenen Kinderbuchautor Otfried Preußler erscheinen, rund 45 Jahre nach dem letzten, dritten Band. Hotzenplotz.

    SIGNATION „Das Wort der Woche“.

    Pfefferpistole, Kaffeemühle, Bratwürste. Das wären die wichtigsten Worte im Buch „Der Räuber Hotzenplotz“, sagen die Kollegen der angrenzenden Redaktion, als die Rede auf das Wort der Woche kommt. Und Sauerkraut – oder Bratkartoffel – da sind sie sich aber nicht ganz sicher. – Jeder, der das Buch selbst nicht gelesen hat, wird sich schwer dazu einen Reim machen können. Was haben die Begriffe wohl gemeinsam? Aber es gibt ja noch die handelnden Personen, und wenn man die gleich noch mit psychoanalytischer Kinderbuchbetrachtung kombiniert, dann würde sich das Kind – das „Ich“ – mit dem Kasperl oder dem Seppel identifizieren, je nach Entwicklungsstufe; der Wachtmeister Dimpfelmoser und die Oma wären das „Über-Ich“, das Gewissen, und der Räuber Hotzenplotz steht für das „Es“, das Triebhafte, durchaus auch Genussvolle. Eigentlich sollte die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz nach dem ersten Teil schon zu Ende sein, aber es waren zu viele Handlungsstränge offen, und Otfried Preußler wurde von seinen Fans bestürmt, doch weiter zu machen, um der Entwicklung der Charaktere in einer zweiten und dritten Folge eine Chance zu geben. Was auch geschah.

    ZUSPIELUNG Hörspiel 1
    (Klingel, klingel). Oh, mein Fahrrad!

    Ausschnitt aus dem Hörspiel im Kinderfunk von Radio Wien, vom 26.1.1984.

    ZUSPIELUNG Hörspiel 2
    Hotzenplotz hat mir mein Fahrrad gestohlen, und das schon zum zweiten Mal. Nur keine unnötige Aufregung, Herr Hauptwachmeister. Sie haben vergessen, es abzuschließen, da habe ich mir gedacht, dass ich es ihnen hereinstelle. So und jetzt gehe ich, endgültig, habe die Ehre, empfehle mich, leben Sie wohl meine Herrschaften.

    Generationen von Kindern haben vom Räuber Hotzenplotz gelesen, haben vorgelesen bekommen. Oder sie haben die Hörspiele gehört, und haben sich über Pfefferpistole, Kaffeemühle, Bratwürste und Sauerkraut ihre Gedanken gemacht. So sehr, dass Hotzenplotz auch in die Tagespolitik Einzug gehalten hat. „Wem wird wieviel weggenommen?“ Aus einem Beitrag eines Mittagsjournals aus dem Jahr 2014 – Steuerreform der großen Koalition, und nein, man war sich gar nicht einig.

    ZUSPIELUNG Hotzenplotz 3

    Es gehe darum, den Räuber Hotzenplotz Effekt zu vermeiden: wem wird wie viel weg genommen, dürfe nicht die zentrale Frage sein. „Ich glaube, wenn man den Räuber Hotzenplotz zur Seite räumt, dann kommt man bei all den Vorschlägen auf eine sehr gute Lösung.

    Andreas Zakostelsky, damaliger Chefverhandler in der Expertengruppe der ÖVP zum Gestalter des Nachrichtenbeitrags.

    Hotzenplotz. Dieses lautmalerische Wort für einen Kindernbuchräuber ist keine freie Erfindung. Es gibt tatsächlich einen Ort in Tschechien mit eben diesem Namen, nahe der polnischen Grenze. Osoblaha heißt diese 1000-Seelengemeinde im Stadt in Mährisch-Schlesien heute, Hotzenplotz ist eine deutsche Verballhornung dieses Namens. Verballhornung – eine deutsche Umschreibung eines für die damaligen großteils deutschsprachigen Bewohner unverständlich slawisch klingenden Wortes. Osoblaha heißt der Fluß, an der das Städtchen liegt, das den selben Namen wie der Fluss trägt. In einer Gegend voller historischer Unruhe. Schlesien war neben Böhmen und Mähren eines der drei Länder der Böhmischen Krone. Der größte Teil davon musste von Maria Theresia als Königin Böhmens an Preußen abgetreten werden. Nur ein kleiner Teil verblieb 1742 bei der Habsburger Monarchie, zu der auch die Enklave Hotzenplotz gehört. 4000 Einwohner hatte Hotzenplotz 1880 in seiner Blüte, danach nahm die Bevölkerungszahl ab. Nach dem ersten Weltkrieg rissen die Beziehungen zu Wien ab. 1938 nahmen die Deutschen die Stadt in Besitz, 1945 wurde sie hart umkämpft und von der Roten Armee besetzt, die Deutschen wurden vertrieben. – Otfried Preußler wurde 1923 in Böhmen geboren, seine Vorfahren waren Glasmacher, er selbst wurde Lehrer. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft und gelangte 1949 nach Rosenheim in Deutschland. Viele seiner Erzählungen brachte er aus Böhmen mit, viele Erzählungen hörte er auch von seiner Großmutter, und so machte er als Schriftsteller „Hotzenplotz“ zum Namen der Hauptperson seines Kinderbuchs „Der Räuber Hotzenplotz“.

    ZUSPIELUNG Hotzenplotz 4
    Kasperl! Ich und du Seppel, wir haben den Halunken auf eigene Faust geschnappt, und du wirst sehen, wir schaffen es noch ein drittes Mal.

    (MUSIK, darüber Text)

    Und bald vielleicht ein Viertes Mal, 5 Jahre nach dem Tod des Autors. Das Manuskript zur Fortsetzung wurde im Nachlass entdeckt, von seiner Tochter, die für Otmar Preußler als Lektorin tätig war. Und so viel sei verraten, es geht zum Mond in der neu erscheinenden Geschichte.

  • 279. Der Handelsvertreter

    Immer unterwegs: Nur noch selten läuten Verkäufer/innen an der Haustüre, um ihre Waren feilzubieten. Das Berufsbild hat sich geändert, nur noch wenige Firmen vertrauten auf diese Art des Direktvertriebs. Mehr als 8000 Menschen sind in Österreich hingegen sind als Handelsagent/innen unterwegs. Sie arbeiten im Business-to-Business und verbinden Produktionsbetriebe mit kommerziellen Verkäufer/innen. Sie kennen den Markt, ihre Erfahrungen schützen sie davor, von digitalen Handelsplattformen ersetzt zu werden.

  • 264. Schmelzendes Eis und steigende Meere

    Die Ozeanografin Kristin Richter spricht über menschgemachte und natürliche Gründe, die dazu geführt haben, dass die weltweiten Meeresspiegel im 20. Jahrhundert im Schnitt um 17 cm gestiegen sind.

    Link zur Sendung

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_1 Teil 1: Globale Verbindungen

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    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_2 Teil 2: Eisschilde als Wasserspeicher

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    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_3 Teil 3: Die Ursachen der Unterschiede

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    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_4 Teil 4: Kontinuierliche Messungen

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    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_5 Teil 5: Praktische Anwendungen

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    Inhalt

    Teil 1

    Beim Meeresspiegel denken wir oft einfach daran, wo trifft das Meer auf das Land. Diese Linie verändert sich durch Gezeiten, durch Sturmfluten, auch durch Klimaveränderungen. Die langfristige Veränderung des Meeresspiegels muss uns lokal nicht unbedingt auffallen, denn durch Gezeiten etc. gibt es große Unterschiede.

    Global gleichen sich die kleinräumigen Schwankungen aber aus, wenn man die Meeresspiegel über alle Ozeane mittelt. Das heißt, dass man sehr gut sehen kann, das sich der Meeresspiegel auch global gesehen langfristig ändert, er steigt langsam an.

    Zum einen durch die Ausdehnung des Meerwassers. Wenn sich Wasser erwärmt, dehnt es sich aus. Das Zweite ist, dass durch das Abschmelzen der Gletscher und Eisschilde dem Meer zusätzlich Wasser in Form des Schmelzwassers zugeführt wird. Abschmelzende Gletscher und Erwärmung des Wassers sind ungefähr zu gleichen Teilen für den Anstieg verantwortlich.

    In den letzten 100 Jahren ist der Meeresspiegel global um etwa 15 cm gestiegen. Zu gleichen Teilen haben die Erwärmung des Meerwassers und Abschmelzen der Gletscher beigetragen. Es gibt aber noch kleinere Beispiele, zum Beispiel, dass der Mensch Dämme baut. Meer, das ins Wasser fließen würde, wird am Land zurückgehalten. Ein kleiner Faktor, der zu einer Absenkung des Meeresspiegels führts. Weitere Prozesse aber, zum Beispiel Entnahme von Grundwasser für Bewässerung oder Trinkwasser etc. Das ist ein positiver Beitrag zum Meeresspiegelanstieg, denn dieses Grundwasser, das eigentlich an Land gespeichert ist, wird letztendlich dem Meer zugeführt. Wir unterbrechen da sozusagen den natürlichen Wasserkreislauf. Das sind relativ kleine Beiträge, die zur Veränderung des Meeresspiegels beitragen.

    Ich rede immer vom globalen Meeresspiegelanstieg. Damit kann der Küstenbewohner relativ wenig anfangen. Lokal kann dieser Anstieg sehr unterschiedlich ausfallen. Das hängt damit zusammen, dass sich Windsysteme verändern, Winde können Wasser im Meer hin -und hertransportieren, das ist ein großer Effekt. Beim Abschmelzen von Gletschern, dieses Schmelzwasser verteilt sich nicht gleichmäßig im Ozean, da gibt es große Unterschiede, und da gibt es natürliche Veränderungen im Meeresspiegel, die lokal sehr groß sein können, etwa El Niño, ein natürliches Klimaphänomen, das unter anderem auch mit Veränderung im Meeresspiegel einhergehen kann.

    Wenn nun irgendwo sagen wir an der Küste Westamerikas absinkt, dann kann es sein, dass er an der Küste Ostasiens zunimmt. Man kann sich das ein wenig wie in der Badewanne vorstellen, wo das Wasser hin- und herschwappt. Auf der einen Stelle schwappt es nach oben, an der anderen unten. Wenn wir über die ganze Badewanne mitteln, gibt es keinen Unterschied. Wenn wir beim Bild der Badewanne bleiben, ist durch die globale Erwärmung der Wasserhahn immer ein bisschen offen, das heißt, es tröpfelt immer ein klein wenig Wasser in die Badewanne. Wenn nun das Wasser wirklich an beiden Seiten sehr viel hin- und herschwappt, fällt uns das nicht unbedingt sofort auf. Gerade wenn wir uns nur eine Seite der Badewanne anschauen, durch das Schwappen haben wir so große Unterschiede im Wasserstand, dass ein paar Millimeter durch den tropfenden Wasserhahn nicht unbedingt auffallen, wenn wir aber beide Seiten der Badewanne anschauen, mitteln sich diese Schwankungen heraus, aber dieses Tröpfeln kommt dann plötzlich zum Vorschein. Dann sehen wir, oh, der Wasserstand in der Badewanne steigt langsam an. So kann man das auch auf die Weltmeere übertragen.

    Zusammenfassend kann man sagen, es tröpfelt, und wenn es vielleicht auch lokal nicht so sehr auffällt, steigt der globale Meeresspiegel. Und dann kann es dazu kommen, dass es in der Badewanne auf der einen Seite plötzlich überschwappt, was vorher nicht passiert ist, und das wäre schon eine Auswirkung des Meeresspiegelanstiegs, dass gerade extreme Wasserstände dann einfach häufiger auftreten und vielleicht auch zu größeren Schäden führen.

    Teil 2

    Ein wichtiger Beitrag zum Anstieg der Meere ist das Abschmelzen von Eis. Es gibt im Klimasystem verschiedene Arten von Eis. Zum einen das Meereis in der Arktis, der Nordpol. Man muss aber aufpassen, dass das Meereis schon im Wasser schmilzt im Ozean. Das heißt, wenn das Meereis schmilzt, und das tut es, trägt es nicht zum Meeresspiegelanteil bei. Es schwimmt bereits im Wasser, ob es das in fester oder flüssiger Form tut, ist nicht so wichtig.

    Es gibt aber auch Eis in Form von Gletschern, besonders in den Alpen, es gibt aber auch wirklich sehr große Gletscher auch in Alaska, Kanada, Sibirien, im Himalaya und so weiter. Und dann gibt es die großen Eisschilde. Und der Unterschied ist, das sind kilometerdicke Eispanzer, die sich zum einen auf Grönland befinden, auf der Insel Grönland, und in der Antarktis, auf der antarktischen Insel.

    Wie viel Wasser ist jetzt in diesem Landeis gespeichert? Da haben wir zum einen die Gletscher. Wenn man alle Gletscher der Welt schmelzen würde, würde der Meeresspiegel um weniger als einen halben Meter steigen. Das ist jetzt nicht wenig. Die österreichischen Gletscher sind für die Alpen als Ökosystem sehr wichtig, für den Tourismus, zum Meeresspiegelanstieg tragen sie weniger als 1 mm bei. Für den Meeresspiegel sind sie völlig unwichtig, dafür sind sie einfach zu klein.

    Würde der grönländische Eisschild schmelzen, würde der Meeresspiegel 5-6 m steigen.

    Wenn man das ganze antarktische Eisschild schmelzen würde, würde der Meeresspiegel um 60 m steigen. Das ist unglaublich viel Eis, das auf den Eisschilden auf Grönland und auf Antarktis gespeichert ist, in den Gletschern relativ wenig.

    Im letzten Jahrhundert haben aber hauptsächlich die Gletscher zum Meeresspiegelanstieg beitragen. Man darf sie auf keinen Fall vernachlässigen, da sie kleiner sind können sie schneller auf Klimaveränderungen reagieren. Den gesamten grönländischen Eispanzer kann man jetzt nicht in 100, 200 und 300 Jahren schmelzen können, das dauert tausende von Jahren, auch in der Antarktis Trotzdem kann in den nächsten Jahrzehnten, Jahrhundert, kann der Verlust von Eis sehr stark zum Meeresspiegelanstieg beitragen.

    Das Spezielle daran, das Eis schmilzt, dass es die Massenverteilung ändert. Das heißt, zunächst haben wir, nehmen wir das Beispiel Grönland. Wir haben unglaublich viel Eis, damit haben wir Masse auf den grönländischen Inseln. Das ist ein Eispanzer, der mehrere Kilometer dick ist. Die Verteilung der Masse auf der Erde beeinflusst auch das Schwerefeld, das Gravitationsfeld der Erde. Dadurch dass Masse verloren geht von Grönland, ändert sich auch das Schwerefeld der Erde. Grönland hat eine große Masse, deshalb auch eine große Anziehungskraft auf alles drumherum, auch auf die Wasseroberfläche, die sich frei bewegen kann, das Land kann das nicht. Durch die größere Anziehungskraft von Grönland bewegt sich das Wasser leicht auf Grönland zu. Es wird durch Grönland angezogen. Dadurch, dass Grönland an Masse verliert, sinkt die Anziehungskraft. Es zieht weniger Wasser an, es bewegt sich in entferntere Gegenden von Grönland weg. Das heißt, es ist nicht intuitiv, wenn Grönland an Masse verliert, wenn Eis schmilzt in Grönland, sinkt auch der Meeresspiegel um Grönland herum, denn durch die verminderte Anziehungskraft bewegt sich das Wasser in andere Gegenden.

    Norwegen ist zum Beispiel nicht weit weg von Grönland. Nehmen wir an, das Eis in Grönland würde komplett schmelzen, was nicht so schnell passieren wird, aber nehmen wir an, der globale Meeresspiegel steigt um 5 m, weil Grönland schmilzt, würde man in Norwegen nichts mitbekommen, weil sich die Meeresoberfläche dem Schwerefeld anpasst, das bedeutet einfach, dass der Meeresspiegel in den Tropen, also weit weg von Grönland ansteigt, tropische Inseln wie zum Beispiel die Malediven würden mit einem Meeresspiegelanstieg von 5 m fertig werden müssen, und das geht einfach nicht, weil die Inseln nicht mehr als 1 Meter aus dem Meer hervor ragen.

    Teil 3

    Man hört nun oft, das Klima hat sich schon verändert, der Meeresspiegel hat sich oft verändert. Die Erde kann sich relativ zum Ozean anheben oder absinken. Das ist eine Sache, die hat aber nichts mit Klimaveränderung zu tun. Dann gibt es auch Vulkanausbrüche. Ein starker Vulkanausbruch kann feine Teilchen bis in die höhere Atmosphäre ausstoßen und dort agieren diese Teilchen für ein paar Jahre wie ein Sonnenschirm. Sonnenstrahlung wird reflektiert und kommt nicht auf der Erde an.

    Es kann auch sein, und das ist wahrscheinlich auch so, dass durch diese kühleren Temperaturen auch Gletscher weniger stark abschmelzen und anwachsen.

    Dann gibt es Klimaphänomene wie El Niño, die lokal, gerade im Pazifik, den Meeresspiegel beeinflussen können, aber global eine relativ geringe Auswirkung haben. Und dann gibt es den menschgemachten Meeresspiegelanstieg. Dadurch, dass wir immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre emittieren, steigt die globale Mitteltemperatur. Treibhausgase sind zum Beispiel CO2, Kohlendioxid, Methan oder auch Wasserdampf. Bei CO2 kann man wirklich eindeutig feststellen, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre durch den Menschen durch Treibhausgasemissionen, durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen ansteigt.

    Das Wasser wird wärmer, Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt. Dieser Prozess läuft langsam ab, aber stetig. Es addieren sich diese Beiträge auf. Auf kurzen Zeiträumen merkt man das nicht besonders, wenn man aber länger wartet, 50, 60 Jahre, dann merkt man schon, dass das Meer ansteigt. Das Sturmfluten stärker ausfallen, dass auch schwächere Stürme Sturmfluten hervorrufen können. Gerade schwächere Stürme treten häufiger auf, es gibt öfter größere Schäden durch den langfristigen Prozess des Meeresspiegelanstiegs.

    Wie kann man den natürlichen Einfluss vom menschgemachten Einfluss unterscheiden. Unser Labor, das sind Klimamodelle, Computermodelle, die auf physikalischen Gesetzen basieren. In diesen Computermodellen können wir uns verschiedene Welten erschaffen. Was haben wir gemacht, wir haben uns Modellsimulationen angeschaut, in denen wir die vergangenen 150 Jahre reproduziert haben, wir wissen ungefähr, wie viele Treibhausgase haben wir ausgestoßen, wie viel Vulkanausbrüche gab es. Wir konnten damit den Meeresspiegelanstieg sehr gut rekonstruieren. Dann haben wir uns eine Welt angeschaut, in denen es den Menschen nicht gibt, wir haben simuliert, wie würde der Meeresspiegel sich verändern in dieser Welt. Und wir haben gesehen, dass dieser Meeresspiegel nicht mit dem beobachteten Meeresspiegel übereinstimmt.

    Das heißt, wir brauchen wirklich den menschgemachten Treibhausgasausstoß und die Aerosole, um den beobachteten Anstieg zu erklären. Den ersten Teil des 20. Jahrhunderts können wir den Meeresspiegelanstieg noch relativ mit natürlichen Ursachen erklären, allerdings die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, speziell ab 1970 haben wir gezeigt, dass 2/3 des Meeresspiegelanstiegs menschgemacht ist.

    Wir können also wirklich sagen, dass wir in den letzten 30, 40 Jahren für einen großen Teil des Meeresspiegelanteils verantwortlich sind. Wenn man noch einen weiteren Schritt weitergehen würden, könnten wir noch die direkten Verursacher identifizieren. Das wäre ein Schritt in Richtung sozialer Gerechtigkeit. Denn die Verursacher, die Industrienationen, haben Mittel und Wege sich anzupassen, sie sind auch nicht jene, die von den Auswirkungen betroffen sind. Das sind hauptsächlich kleinere Inselstaaten und auch Anrainer in den Tropen und gerade diesen Ländern haben oft nicht Mittel und Wege, sich an die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs anzupassen, an Überflutung, an Kontaminierung des Süßwasservorrats kleinerer Inseln und an heftigere Sturmfluten, und so weiter.

    Teil 4

  • 256. Parlamentsheer

    Montagabend kam der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel von seinem Türkeibesuch nach Berlin zurück und berichtete noch vom Flughafen Tegel im Heute-Journal des ZDF von der Weigerung der Türkei, deutsche Abgeordneten freien Zugang zum Bundeswehrstützpunkt Incirlik zu ermöglichen. Daher: die deutschen Soldaten werden abgezogen. Denn die Deutsche Bundeswehr wäre eine „Parlamentsarmee“.

    Filename: radio256_wow_parlamentsarmee

    Manuskript (ohne letzte Änderungen)

    SIGNATION „Das Wort der Woche“

    OT Parlamentsarmee 01 / Gabriel / ZDF / 00:15 / im ORF Pool

    Wir haben versucht zu erklären, dass das nach deutschem Recht undenkbar ist. Das ist eine Parlamentsarmee. Dort wo die Bundeswehr ist, muss sie auch von deutschen Abgeordneten besucht werden können. Da das für Incirlik nicht möglich ist, werden wir die Deutsche Bundeswehr aus Incirlik abziehen.

    Parlamentsarmee. „Diesen Begriff gibt es in Österreich gar nicht“, meinen manche österreichische Verfassungsrechtler „und auch in Deutschland ist er ein Kunstwort“, sagen sie, „um nicht zu sagen ein Schlagwort, zu dem nichts Sinnvolles zu sagen ist“. 

    Nun ja, so schlimm ist es auch wieder nicht, denn gemeint ist, dass deutsche Soldaten nur nach Zustimmung des Parlaments ins Ausland gesendet werden dürfen. Das ist natürlich auch in Österreich so – wobei sich durch die österreichische Neutralität die Beteiligungen auf Beobachtermissionen oder anderweitige Hilfsmissionen beschränken. Aber auch in Österreich muss der Einsatz von Auslandsmissionen vom Parlament bestätigt werden. Der Ministerrat schlägt vor, der Hauptausschuss des Parlaments stimmt zu. Österreichische Soldaten befinden sich derzeit im Kosovo, in Bosnien und im Libanon. – Das ist die eine Sache, geregelt im sogenannten Wehrgesetz – und ja, Oberbefehlshaber über alle Soldatinnen und Soldaten ist der Bundespräsident, das haben wir in der Schule gelernt, wobei die Befehls- und Verfügungsgewalt beim Bundesminister für Landesverteidigung und Sport liegt. 

    Aber sehr schnell – das heißt, weit oben im Wehrgesetz, ist dann von einer „Parlamentarischen Bundesheerkommission“ die Rede, die das Heer mit dem Parlament verbindet. 

    OT Parlamentsarmee 02 / 00:11 / im ORF Pool

    … und da geht es im Wesentlichen darum, das Bundesheer, die Streitkräfte auch demokratisch zu kontrollieren, ob die Menschenrechte eingehalten werden, wie das Führungsverhalten ist, ob Missstände auftauchen …

    Michael Hammer ist Abgeordneter zum Nationalrat und derzeit amtsführender Vorsitzender der parlamentarischen Bundesheerkommission. Seit ihrer Gründung vor rund 60 Jahren wacht diese Kommission aus Parlamentariern darüber, dass es unseren Soldaten gut geht. Kurz gefasst.

    OT Parlamentsarmee 03 / im ORF Pool

    Wenn irgendwo uns ein Fall zu Ohren kommt, wo man einen Missstand vermutet, dann haben wir jederzeit die Möglichkeit, an den Standort hinzufahren, und uns das vor Ort durch Befragungen durch Lokalaugenschein uns anzusehen und das amtswegig zu prüfen, bis hin ins Ausland wo wir unsere Truppen stellen und immer wieder auch amtswegige Prüfverfahren im Ausland bei unseren Soldaten machen. So waren wir gerade bei unseren Einheiten in Bosnien, wo wir uns wieder einen Überblick verschafft haben und im heurigen Jahr stehen auch noch auf dem Programm Mitte Juli ein Besuch bei unseren Soldaten, die im Libanon stationiert sind.

    Parlamentarische Besuche gibt es aber auch durch die Mitglieder des Landesverteidigungsausschusses. In diesem Ausschuss des Parlaments werden alle Gesetzesvorlagen und Anträge behandelt, die sich auf die militärische Landesverteidigung und das österreichische Bundesheer beziehen. Steuern werden verteilt, Budgets werden bewilligt – im Parlament eben. Aber zurück zu Michael Hammer und der Parlamentarischen Bundesheerkommission.

    OT Parlamentsarmee 04 / 00:33 / im ORF Pool

    Die häufigsten Beschwerdeaufkommen sind nach wie vor im Ausbildungsbetrieb, wo unangebrachte Tonlagen zutage treten, wo einfach das Verhalten von Führungskräften nicht passt, aber deutlich im Abnehmen. Man merkt eine deutliche Verbesserung. Natürlich, was infrastrukturelle Fragen betrifft, Einteilung der Dienstpläne und, und, und. Wir beschäftigen uns auch mit der Verpflegslogistik, also, wie wird beim österreichischen Bundesheer verpflegt, wie wird gekocht, auch da wollen wir als Kommission unseren Beitrag leisten, dass man optimiert. Das ist also eine breite Palette.

    —- SCHNEIDEN MÖGLICH

    Im letzten Jahresbericht ist zum Beispiel auch von einem Prüfbesuch beim Tragtierzentrum am Truppenübungsplatz Hochfilzen die Rede:

    ZITAT

    Maßgebliche Unterstützung erhält das Tragtierzentrum von Grundwehrdienern, die in drei Turnussen pro Jahr einrücken. Sie sind bei der Erfüllung ihrer Aufgaben hochmotiviert und unverzichtbar bei der Versorgung, Ausbildung und dem Einsatz der Tragtiere. Neben den Haflinger-Pferden werden seit kurzem auch zwei Esel ausgebildet. Sie verhalten sich in Extremsituationen nicht wie Pferde, die Fluchttiere sind. Die Stallungen und Trainingshallen des Tragtierzentrums weisen einen hohen Standard auf.

    –––– SCHNEIDEN ENDE

    OT Parlamentsarmee 05 / 00:10 / im ORF Pool

    Wir tauschen uns auch sehr stark international aus, es gibt auch einen Zusammenschluss, wo einmal im Jahr eine internationale Tagung stattfindet, wo sich die demokratischen Aufsichtsorgane der Armeen treffen.

    … und in Workshop werden dabei Fragen diskutiert, die zum Beispiel auch ehemalige Armeeangehörige betreffen:

    ZITAT

    Hören Sie auch von Beschwerden von Veteranen?

    Werden dabei Themen der Gesundheitsvorsorge angesprochen?

    Was ist die generelle Wahrnehmung von Veteranen in Ihrem Land?

    Werden sie als Helden beschrieben oder mit negativen Ausdrücken bedacht?

    Was würden Sie empfehlen, um die soziale Stellung von Veteranen zu verbessern?

    Parlamentsarmee. Auch wenn es das Wort in Österreich vielleicht so nicht gibt: Im Vorwort zum letzten Jahresbericht der Parlamentarischen Bundesheerkommission steht, dass der französische Staatsmann Georges Clemenceau einmal gemeint hat, dass das Militär viel zu wichtig sei, um es den Generälen allein zu überlassen.

  • 255. Gletscher und Klima

    Die österreichischen Gletscher gehören weltweit zu den am besten untersuchten. Sie werden seit mehr als 100 Jahren systematisch vermessen, um Gletschertagebücher zu erstellen. Das Klima im Hochgebirge bestimmt die Ausdehnung der Gletscher. Interviewpartnerin: Andrea Fischer, Leiterin des Gletschermessdienstes des Österreichischen Alpenvereins.

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  • 254. Handschrift

    Auf den Spuren einer handgeschriebenen Karte. Besuch bei einer Graphologin.

    Link zur verwandten Podcastepisode LUT061 Graphologie

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