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  • 213a Aufgeräumt: Kabuff

    Vermutlich ist das das Datum dieses Beitrags Aufgeräumt wird mit Martin Strecha-Derkics.

    Filename: radio213a_mom_kabuff

  • 209. Aufgeräumt

    Das Handschuhfach im Auto

    Filename: radio209_mom_handschuhfach

  • 203. Sezession

    5000 ethnische Gruppen gibt es weltweit, Nationalitäten, Nationen. Die Anzahl jener, die sich innerhalb ihres Staates in Konflikten befindet, ist groß. Ob Ost-Timor, Quebec, Katalonien, die Krim. Auch in Schottland demnächst abgestimmt, ob das Land vom Vereinigten Königreich unabhängig werden kann. Unabhängigkeitsbestrebungen bestimmen also immer wieder die internationale Poltik. Unabhängigkeit – und Abspaltung. Die Sezession.

    Filename: radio203_wow_sezession

    Manuskript (ohne letzte Änderungen) SIGNATION „Das Wort der Woche“.

    Die Sezession. Das Wort kommt von lateinisch secessio, Abspaltung, Abseitsgehen, Trennung, und da ist durchaus auch die künstlerische Sezession gemeint, in der sich Künstler von der bisherigen Tradition getrennt haben, und eine neue geschaffen haben, bei der Wiener Sezession den Jugendstil – das war um 1900.

    Sezessionen bei Staaten aber entstehen zu allermeist bei ethnischen Konflikten. Manche Politikwissenschaftler sehen aber genau das als Mythos an. Nicht die Ethnien verursachen – sagen sie – Konflikte, sondern die vorherige Zerstörung des sozialen Netzwerkes. Da gehören dann auch die ökonomischen Faktoren dazu – wer profitiert wovon – zum Beispiel vom Öl an der Küste Schottlands.

    Die Gründe für Sezession liegen vorderhand im Staat selbst, eine Sezession ist daher zunächst auch nicht ansteckend, sagen Politikwissenschaftler. Wenn es aber einmal innerhalb eines Staates zu Sezessionsbewegungen gekommen ist, breitet sich das Phänomen rasch aus, auch außerhalb. So fürchtet zum Beispiel die UNO immer auch ein „spill over“, ein Überschwappen auf andere Regionen, wenn ein abtrünniger Teilstaat eines Landes zu früh international anerkannt wird.

    Andere Konfliktgegenden lernen daraus.

    Man muss sich ja überhaupt wundern, warum ein Staat überhaupt zusammenhält, aber wenn dieser Zusammenhalt nicht mehr gegeben ist, braucht es für den wirklichen Start einer Sezession folgende Bedingungen:

    Die Unzufriedenheit einer Gruppe, eine gemeinsame Identität,  und vorangegangene Überlegungen, eine politische Aktion zu starten. Weitere Zutaten sind dann der Glaube, dass der Nutzen der Sezession größer ist als die Kosten, der Erfolg wahrscheinlicher, als man früher glaubte, und dass einige Schlüsselstaaten der Sezession weniger feindlich gestimmt sind als früher.

    Einkommensunterschiede, Sozialleistungen, der Fluss von Arbeitskräften und Kapital. All das sind Faktoren, die bei Sezessionen eine Rolle spielen. In die eine oder auch in die andere Richtung – denn es profitieren wirtschaftlich starke Regionen durchaus auch von der Anwesenheit wirtschaftlich schwacher Regionen.

    — KÜRZEN MÖGLICH

    Es gibt hier übrigens eine Parallele zu Ehescheidungen. Im früheren Scheidungsrecht mussten beide Partner einer Trennung zustimmen, im modernen Scheidungsrecht darf nun durchaus ein Partner die Trennung verlagen, bekommt sie aber erst nach einer bestimmten Zeit oder mit Auflagen und Verpflichtungen, die vom Richter festgesetzt werden. Der stärkere Partner hat nämlich über die Jahre hin Verantwortung übernommen, an die sich der Schwächere mit Recht gewöhnen durfte.

    Eine plötzliche Trennung wäre daher fatal, und das ist bei Staaten nicht anders. Und

    — KÜRZEN ENDE

    … es gibt bei aller Ökonomie und abseits von Recht und Verfassung auch bei Sezessionen vor allem auch eine moralische Komponente, mit der sich die Sezessionsphilosophie beschäftigt, die Sezessionsethik.

    Im Schottischen Beispiel könnten bei einer Abspaltung nämlich durchaus den Bewohnern des restlichen Königreichs Nachteile entstehen, die Bewohner eines Staatsgebietes planen ihr Leben auch meist unter der Annahme, dass dieses Gebiet weiter bestehen bleibt, da könnten also Lebenspläne durchkreuzt werden. Und sie verlieren auch Souveränität, zu der eben gehört, dass sie zum Beispiel die Einkommensstuer in Schottland mitbestimmen können.

    Je nach Sezessionstheorie wird einer Gruppe die Abspaltung moralisch gestattet, wenn ihr Unrecht widerfahren ist, oder, schwächer, wenn sie eine Nation bildet, oder noch schwächer, wenn eine Mehrheit bloß der Meinung ist, eine Abspaltung wäre das Beste.

    Je nach Theorie, nach Philosophie, nach ethischer Auffassung wäre eben dann eine Abspaltung Schottlands in Ordnung – oder auch nicht, die, und das ist anzunehmen, friedlich verlaufen würde. Und diese Vielschichtigkeit zeigt, wie entwickelt unser Gefüge an Staaten, Grenzen und Ordnungen eigentlich ist. Sezessionen sind, so sagen manche Politikphilosophen, Sezessionen sind eine Büchse der Pandora, und die Frage ist, ob sie halb voll ist oder halb leer.

  • 201. Worte des Torfstechens

    201. Worte des Torfstechens

    Tarsdorf ist eine kleine Innviertler Gemeinde in der Nähe eines Moores. Die älteren Menschen des Dorfes können sich noch gut an das Torfstechen erinnern, bei dem durch harte Arbeit Brennmaterial für den Winter gewonnen wurde. Mit einem Mundartdichter und Verwandten, die selbst noch im Moor gearbeitet haben, machten sich die Volksschüler auf die Suche nach den Worten, die beim Torfstechen verwendet wurden. Es entstanden Geschichten, die durch den Komponisten des Ortes vertont wurden, und es entstand so ein Gemeinschaftsprojekt, in dem alle Beteiligten zusammenhalfen, die Kinder des Ortes mit seiner Geschichte in Verbindung zu bringen.

    Trailer

    Filename: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio201_tarsdorf_trailer


    Link: Moment – Leben heute / ORF Radio Österreich 1 am 18. August 2014

    Beitrag/Sendung

    Filename: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio201_tarsdorf_mom


    Beitrag ohne Moderation (mp3, bessere Qualität)

    Filename: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio201_tarsdorf_beitrag


    MANUSKRIPT 

    Worte des Torfstechens (Lothar Bodingbauer)
    Moment, 18. August 2014, 09:30 min

    Pressetext:

    Tarsdorf ist eine kleine Innviertler Gemeinde in der Nähe eines Moores. Die älteren Menschen des Dorfes können sich noch gut an das Torfstechen erinnern, bei dem durch harte Arbeit Brennmaterial für den Winter gewonnen wurde. Mit einem Mundartdichter und Verwandten, die selbst noch im Moor gearbeitet haben, machten sich die Volksschüler auf die Suche nach den Worten, die beim Torfstechen verwendet wurden. Es entstanden Geschichten, die durch den Komponisten des Ortes vertont wurden – ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem alle Beteiligten zusammenhalfen, die Kinder des Ortes mit dessen Geschichte in Verbindung zu bringen.

    SIGNATION

    OT 01 – Teaser 1

    Man hat schon ein bisschen Angst, wenn man auf so einem unsicheren Boden steht. Dort blodert der Boden, dort sogizt beim Geh, dort wachst nix, dort bliat nix, dort g’rat nix.

    Vom Leben und Arbeiten am Moor

    OT 02 – Teaser 2

    Also wenn man am Tag geht, dann ist es schon eher friedlich, aber wenn man in der Nacht geht, dann nicht gar so. – Wir sind da direkt im Alpenvorland, eigentlich im Innviertel.– Der Boden, wenn du so springst, der geht voll nieder, das ist wie ein Trampolin – Das Moorgebiet ist offiziell eingetragen, da ist es das Filzmoos, und bei den Leuten ist es „der Fiz“.

    Die Eiszeit hat die Lanschaft in Tarsdorf bei Salzburg geformt, hat die Berge und Täler glattgeschliffen und die Hügel weich gemacht. Weich, wie die Worte des Dialekts der Gegend, der keine harten Konsonanten kennt. Ganz oben in Tarsdorf, in der Nähe von Fucking, gleich neben Hucking, da hat sich das Wasser in einer Grube gehalten. Und auch das Wasser ist weich, es ist Moorwasser, mit dem man gut Brot backen kann, versichern die Bauern. Im laufe des letzten Jahres haben sich die Menschen der Region getroffen, um die Worte des Moores den Kindern des Dorfes beizubringen. Ein Mundartdichter wurde herbeigezogen, der mit ihnen Geschichten geschrieben hat, ein Komponist, der sie vertont hat. Ein Blick zu den Wurzeln des Dorfes ist entstanden, im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Wurzeln waren es, die den Torfstechern im Weg standen, wenn sie Brennmaterial gewinnen wollten. Fizgrampei heißen diese Wurzeln, Fiz von Filz, von Moor, und Grampei, weil es verflixte Wesen sind. Und Fizgrampei heißt auch das Dorf- und Schulprojekt, das um diese Wurzeln herum entstanden ist. Lothar Bodingbauer hat sich umgehört.

    OT 03 – Alter Mann, Lied, Kind

    Na ja Moor, dass man versinkt. Ausspruch war oft, „dich holts Filzgrampei“. Wenn man zu den Kindern so was gesagt hat, dann hat es oft geheißen, „dich holts Filzgrampei“.  Das sind so alte Wurzeln, die mit den Latschen versunken sind. Und wenn sie Filz gestochen haben, dann sind sie rausgekommen, und das war ein Hindernis. – Musik – I geh an Fiz. Auf amoi geht’s dahin. Ich wird allweil kleiner. Grad der Kopf schaut no aussa. Jetzt geht’s wirklich dahin. Das Fizgrampei ziagt mi einei. Hiaz bin ia a Fizgrampei. – Musik.

    Jabadabada Moosberln, jabadabada Mooswohl. – Und dann kommt noch der Sonnentau. – Genau, in drei verschiedenen Ausdrücken. Der Hergotslöffel, Fliegenfallen, und Wiedertot.

    Josef Esterbauer ist der Kapellmeister von Tarsdorf. Er bespricht mit dem Mundartdichter Hans Kumpfmüller aus Obernberg am Inn die Vertonung der Kindergedichte, die um die Worte des Moores herum entstanden sind.

    OT 04 Kumpfmüller

    Ich habe insgesamt 24 Ausdrücke nur für den Sonnentau gefunden.

    Der Sonnentau, eine Pflanze im Moor, die mit ihren klebrigen Tropfen auf den Stängeln Insekten fängt. Jeder, der hier wohnt kennt diese Pflanze, und es ist mit ihren Bezeichnungen fast ein bisschen so, wie bei den angeblich 20 verschiedenen Worten der Inuits für „Schnee“.

    0T 05 Kumpfmüller

    Es geht einmal mit der Feststellung an, dass da nichts ist, dass da nichts wächst, dass da nichts gerät.

    … weil der Himmelvater die Drainagerohre im Moor, im Fiz, vergessen hat. Die Entwässerung, und so ist das Gebiet zu nichts nutze, könnte man glauben.

    OT 06 Kumpfmüller, Esterbauer

    Drum wachsen grad diese Mundartkräutlein da. – Der Fiz ist früher schon eine gewisse Wertschöpfung gewsen, vom Brennmaterial, vom Heizmaterial – Und plötzlich kommt wer und sagt, da wachsenja die tollen Pflanzen – Musik – dann hat das Pflanzl einen lateinischen Namen – Musik – und dann ist es was wert. – Und dann kimmt man drauf, da hat der Himmelvater gottseidank gottseidank auf die Drainageröhrl vergessen. – Da hat der Himmelvater (singt) – und dann singen die Kinder ganz alleine – gottseidank – hat der Himmelvagter auf’d Drainageröhrl vergessen. – Musik.

    Sobald es ein ordentliches Wort für etwas gibt, ist es was wert, sagt man. Und wenn es so gar ganze Geschichten sind, die entstehen, dann erst recht. Die Kinder besuchten im letzten Jahr immer wieder das Moor und schauten den alten Menschen beim Torfstechen zu, die darüber redeteten, mit Worten, die fast schon vergessen waren.

    OT 07 Kind

    I bin a wenig spazieren gegangen, auf einmal bin ich über eine Wurzel gestolpert. Da habe ich eine Schatzkarte gesehen, da habe ich zum Suchen angefangen, und a Schatzkisten gefunden. Und, woast was drin war: a Vasen.

    Wasen sind hier nicht die Blumenvasen, sind auch nicht die Woosn, die Grasnaben, die über die Fahrbahn wachsen, Wasn sind die Torfziegel, die mit dem Stecheisen aus dem Boden gestochen werden, und die dann aufghäuselt werden, aufgehäuselt, luftig aufgebaut, zum Trocknen.

    Das schauen wir uns jetzt an, direkt im Fiz – also im Filz, also im Moor.

    ATMO 08 Hund, dann Traktor

    Der Hofhund freut sich, der fährt auch mit auf der Ladefläche hinten, gemeinsam mit den Bauern, die das Torfstechen von früher her noch kennen und noch können.

    Sie ist meine Nachbarin, Friedl Hedwig, ich heiße Mathilde, ich gehöre zu dem Mann mit dem Hut, Esterbauer ist der Schreibname und Heiss ist der Hausnahme. Und er ist der Schmied, und bei ihr ist es beim Staudinger, mir sind da hübsch beinander.

    (über Atmo)

    Beinander in einer Streusiedlung am Moor. Getrennte Bauernhäuser, aber doch  mit ihrem Leben und mit ihrer Arbeit gemeinsam. Bis in die 70-er Jahre wurde hier noch Torf gestochen.

    OT 09 Alte Leute über das Torfstechen

    Torfstechen war aber immer auch eine starke körperliche Arbeit, immer noch leichter allerdings, als mit den alten Sägen Brennholz zu schneiden. Mit der Wasntragn, einer Karre, wurden dann die Wasn, die Dorfziegel gesammelt, und das hat der Komponist Ruprecht Huber für das Moor-und Torfstech-Mundartdorfprojekt vertont.

    OT 10 Wasntragen Musik

    Beim Wasentragen muss man die Wasn zu der Wasntragen tragen. Aber die mit am Hirn, die werden die Tragn zu den Wasen hinführen.

    Die Musikstücke wurden vom Kirchenchor und den Kindern vertont. Und jedes der Kinder durfte eine Seite in einem Buch schreiben, erzählt Christina Eberharter, die Volksschuldirektorin.

    OT 11 Christine Eberharter

    Ich glaube, dass das ganze Projekt zu einem guten Selbstwertgefühl unserer Schüler beigetragen hat. – Gedicht – Es gibt für die Mundart keine Rechtschreibregeln.

    Weil man die Mundart so schreiben darf, wie man will, sagt der Mundartdichter Hans Kumpfmüller.

     OT Kumpfmüller / Eberharter

    Man hat beim Schreiben hat völlige Narrenfreiheit, beim Inhalt net, der soll schon passen. – Gedicht – Das tollste für mich war das, dass sie mit der Freiheit was anfangen haben können.

    Bei einem Dorffest im Juli wurden die Ergebnisse des Tarsdorfer Torfstech-Wort-und Musik-Dorfprojektes vorgestellt. Und alle machten mit. Die Alten, die Jungen, und der Komponist Rupert Huber, der die Texte vertont hat, er freut sich, denn für ihn waren die Geschichten rund ums Torfstechen eine Möglichkeit, nach Jahren im Ausland wieder mit seiner Heimat in Verbindung zu treten.

    OT 12 Komponist (darunter beginntend Musik)

    Auch mit den Leuten.  Da singen dann im Kirchenchor singt eine alte Dirn mit vom Bauernhof von meinem Großvater, der Zimmermann, der meinem Vater einen Dachstuhl gemacht hat, singt mit eine Hörgerät mit. Man trifft Leute in einem anderen Kontext. Dann geht man ins Wirthaus und trifft wieder Leute von früher. Das ist wahnsinnig gut aufgegangen, man hat es nicht zu hoffen gewagt. – Musik – Wegbeschreibung.


    Hinweis: Diese Sendung wurde auch für Folge 25 von Lobster und Tentakel aufbereitet.

  • 199. Das kleine Haus auf dem Land

    199. Das kleine Haus auf dem Land

    Zwischen Wohnburgen und Mehrfachanbau-Kunstwerken steht in österreichischen Gegenden ab und zu ein Winzighaus: zwei Räume oben, zwei unten; oder das Häuschen ist überhaupt nur ebenerdig und nicht viel größer als 30 Quadratmeter. Solche Häuser wären heute auf dem Land gefragt, sagen Immobilienmakler, immer noch werde eher groß gebaut. Wer wohnt in den wenigen, meist alten Winzighäusern. Eine Suche im Innviertel. (Moment / ORF Radio Österreich 1)

    Filename: radio199_kleinhaus Link zur Sendung

  • 198. Pflanzen an Verkehrswegen

    198. Pflanzen an Verkehrswegen

    Der Botaniker Michael Hohla spricht über die Vegetation an Orten des Transits. (Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1)

    Programmtext

    Ruderalflächen sind für Botaniker spannende Gebiete. Es ist die Dynamik der Besiedelung, die an solchen Stellen sichtbar wird, an Gebieten, in denen die Erde aus irgendeinem Grund einmal brach gelegen ist.

    Besondere Ruderalflächen sind jene, die an Transitstrecken liegen. Ob an Eisenbahnen, Autobahnen, Bundes- oder Wasserstraßen. Pflanzen können sich an diesen Linien durch viele Mechanismen besonders gut ausbreiten. Eine neue Pflanzenart kommt über die Hauptverkehrslinien ins Land, über die Nebenverkehrslinien besiedelt sie dann auch das Umland.

    Einerseits sind es die Samen, die durch die Fahrzeuge oft von weither herangebracht werden, andererseits ist es der Fahrtwind der vorbeibrausenden Fahrzeuge, der die Samen von bestehenden Pflanzen weiter verteilt. Meist werden die Streifen entlang der Linien regelmäßig gemäht, was zusätzlich eine Verschleppung der Samen durch Mähfahrzeuge möglich macht.

    Es sind aber auch die Standorte selbst, die eine spezielle Herausforderung an die Pflanzen stellen. Es bleiben jene, die zu den Bedingungen passen: heiße Ränder, die – wie bei Autobahnen – stark salzhaltige Böden aufweisen, oder die – an Bahnanlagen – regelmäßig durch Herbizide von Bewuchs befreit werden.

    Standorte an Verkehrswegen sind oft auch geschützte Bereiche, in denen sich durchaus seltene Arten mit sehr speziellen Ansprüchen gut entwickeln können. Besonders gut sieht man das auch an Plätzen mit Pflasterung. Es ist die “Gunst der Fuge”, die an den Stellen zwischen den Steinen einen besonderen Lebensraum für sehr kleine Pflanzen schafft.

    INTERVIEWPARTNER:

    Prof. Michael Hohla, Botaniker
    Konsulent der OÖ. Landesregierung
    Obernberg am Inn

    Persönlicher Botanik-Weblog


    Teil 1: Filename: radio198_transitstrecken_1 Gräser am Bahnhof


    Teil 2: Filename: radio198_transitstrecken_2 Autobahn und Rastplatz


    Teil 3: Filename: radio198_transitstrecken_3 Vorkommen entlang der Bundeststraße


    Teil 4: Filename: radio198_transitstrecken_4 Die “Trittgesellschaft” eines Marktplatzes


    Teil 5: Filename: radio198_transitstrecken_5 Neubürger am Hafen (mp3)


    Aufnahmedatum: 04.07.2014

  • 197. Podcasts

    Radio im Internet. – Seit der weiten Verbreitung von Smartphones und mp3-Playern ist Radiohören einfacher geworden. Sendungen kann man nun auch über Internet empfangen und hören, wenn man Zeit hat. Nicht nur etablierte Rundfunkanstalten machen im Rahmen dieser “Podcasts” Programm, sondern auch Menschen außerhalb der Radiostationen, die sich auf einem bestimmten Gebiet gut auskennen. Eine bunte Szene an unabhängigen Podcastern ist entstanden. (Moment / ORF Radio Österreich 1)

    Interviewpartnerinnen: Daniel Meßner, Florian Freistetter, Nele Heise. Die Gespräche mit ihnen sind in voller Länge in Lobster und Tentakel LUT022 zu hören.

    Filename: radio197_podcast Link zum Beitrag

  • 196. Bart

    Eine Stimme und besonders ein Gesicht macht diese Tage Furore in Europa: Conchita Wurst. Gewinner, oder auch Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2014. Mann, Frau, Kunst, und das Spielen mit den Grenzen, den Definitionen und Erwartungen. Wir Menschen beziehen viele Informationen aus dem Gesicht des Gegenübers, und wenn es dann dort trotz weiblichen Aussehens einen Bart gibt, sorgt das für Irritationen.

    Filename: radio196_wow_bart mp3)

    Filename: radio196_wow_bart

  • 185. Salzburger Glockenspiel

    Täglich drei Mal erfreut das Salzburger Glockenspiel Einheimische wie Tourist/innen durch seine meist bekannten Melodien. Die Tonreihe der 35 Glocken umfasst drei Oktaven mit allen Halbtönen. Das technische Wunderwerk am Residenzplatz wurde 1703 an der Westseite des “palazzo nuovo” errichtet, der heutigen “Neuen Residenz”. Für Abwechslung sorgt seit vielen Jahren Musikmeister Erich Schmidt, der pünktlich zu Monatsende um 11 Uhr die Melodien “umsteckt”.

    Filename: radio185_amb_glockenspiel Beitrag

    Filename: radio185_amb_glockenspiel


    Manuskript

    „Das klingelt so herrlich…“

    Melodiewechsel beim Salzburger Glockenspiel

    10 min. / (Lothar Bodingbauer)

    Salzburg, am Domplatz, ein schöner Herbsttag, ein Spätherbsttag. Es ist kurz vor 11. Vor der neuen Residenz versammelt sich erwartungsvoll eine kleine Gruppe von Menschen.

    OT Chinese (kurz) – Spricht chinesisch

    Der Herr aus China kommt wegen der Architektur und dem guten Ruf der Stadt hierher, und für die Salzburger selbst ist das zu erwartende Glockenspiel die Belohnung nach ein paar Wegen in der Stadt.

    OT Salzburgerin

    Wenn man so ungefähr um die Mittagszeit komm, dann erwartet man, dass das noch ein kleiner Zusatz ist für einen schönen Salzburgbesuch, dass man das Glockenspiel hört.

    ATMO Glockenspiel 1 mal die Melodie, darüber dann…

    Die Melodie wird einmal pro Monat gewechselt, und heute ist es wieder soweit. Ganz genau hört gerade einer zu: Erich Schmidt, er betreut das Glockenspiel gemeinsam mit seiner Frau Adelheid. Er runzelt die Stirn – zwei Glocken sind ausgefallen.

    OT Schmidt Erich

    Letzte Woche war es noch in Ordnung. Jetzt klingt es eher modern, das Ganze. – Ich bin der Glockenspielsetzer, mache monatlich die Melodien ins Glockenspiel, zusammen mit meiner Frau. Durch meine Heirat mit ihr habe ich sozusagen ins Glockenspiel hineingeheiratet, weil das ist in ihrer Familie Familientradition. Schon seit 1873 ist das in der Familie, dass immer die Nachfolger dann das Glockenspiel weiter betreuen.

    OT Schmidt Adelheid

    Mein Großvater war Uhrmacher und hat die Uhr gebaut, die drei mal am Tag oben das Glockenspiel auslöst. Und mein Vater hat von Jugend an von den 20-er Jahren bis zu seinem Tod das Glockenspiel betreut. Wir sind 4 Geschwister zuhause gewesen und mein Vater hat uns alle mit dem Glockenspiel aufwachsen lassen. Wir könnten alle vier das Glockenspiel setzen. Die meisten Stücke, so wie sie jetzt gespielt werden, hat er selber eingerichtet, dass es gut klingt, dass nicht zu viele Klänge zusammenkommen und doch die Melodie erkenntlich ist.

    ATMO hinaufgehen

    OT Schmidt Erich

    Ja, jetzt werden wir hinaufgehen in den Turm und die alte Melodie raustun und die neue Melodie reintun und zuerst einmal schauen, warum bei der alten Melodie so viele Glocken nicht angeschlagen haben, denn letzte Woche war’s ja in Ordnung.

    Der Turm ist zwischen 30 und 40 m hoch – wir werden das lieber etwas langsamer angehen – 190 Stufen sind es bis nach oben.

    OT Schmidt Erich

    Das ist die neue Residenz, nennt sich das im Volksmund. Offiziell heißt es Neugebeude, hat der Wolf Dietrich bauen lassen, Erzbischhof Wolf Dietrich. Ist später aufgestockt worden der Turm, um das Glockenspiel hineinzubauen. (Atmo sperrt auf)

    In der Turmstube angekommen, ist jeder ein wenig außer Atem. Ein Wunderwerk an Technik tut sich auf. Zähne, Räder, Seile, Stäbe, Rollen, Walzen. Alles hier ist analog, es riecht nach warmem Lerchenholz und, tatsächlich ja, nach vielen, vielen Schrauben.

    OT Schmidt Erich, Atmo läuft ständig passend

    Jetzt muss ich die sogenannte Klaviatur wegtun, weil sonst spielt es jedesmal wenn ich die Walze weiterdrehe, hört man es unten in ganz Salzburg.

    Schnell wird sichtbar, warum zwei Glocken vorhin fehlten, ein Kettenglied hat sich gelöst, mechanische Beanspruchung, ganz normal, sagen Herr und Frau Schmidt.  – So – Zentrales Stück der Anlage ist eine große Walze, wie ein Hamsterrad, zweieinhalb Meter im Durchmesser aus Bronze, mit 7970 Löchern. Da werden die Schrauben hineingedreht. 

    OT Schmidt Adelheid

    Jede Schraube ist ein Ton, die Glocken haben zwei Hämmer, und jede Linie auf der Walze ist eine Achtelnote. Und so kann man sich das dann umsetzen von der Partitur, dass man genau die Stifte in die richtige Reihe steckt, die Pausen einhält, und die Notenlänge und den Notenwert.

    OT Schmidt Erich

    Jetzt muss ich die Walze vorlaufen lassen auf meine Arbeitsposition, damit ich auch bei Takt 1 anfangen kann.

    Das Quietschen und Sirren das man dann und wann hört, kommt übrigens vom Elektromotor, der die Walze weiterdreht.

    OT Schmidt Adelheid

    Das alte Stück muss jetzt herausgenommen werden, das heißt jeder Stift ist von hinten mit einer Mutter angeschraubt, die wird gelockert, dann muss man von vorne den Stift rausnehmen und die neugesetzten muss man dann wieder anschrauben.

    OT Schmidt Erich

    Es sind 35 Glocken, und teilweise haben die Glocken zwei Hämmer. Es sind genau drei Oktaven mit allen Fis-Cis und so weiter dabei, alle Halbtöne dabei.

    OT Schmidt Adelheid

    Ich habe in meiner Kindheit auch sehr viel noch das Gewicht heraufgehoben. Da muss man kurbeln und kurbeln, dass das Gewicht raufkommt. Und das Faszinierendste für mich als Kind war die Geschwindigkeitsregelung mit den zwei Flügeln, dass du nur ein bisschen raustust und die ganze riesen Walze wird langsamer oder schneller.

    OT Schmidt Erich

    Die große Walze dreht sich jetzt natürlich auch mit einem Elektromotor. Sie könnte aber auch mit dem alten Werkl betrieben werden, die jetzt in Betrieb ist, und für besondere Anlässe als Demonstrationszweck benützt wird.

    ATMO Erich Schmidt summt die Melodie …

    OT Schmidt Erich

    … haben wir gerade geesetzt, und jetzt – genau da sind wir.

    Nach einer halben Stunde konzentrierten Schraubens folgt der erste Test der neuen Melodie, in der Turmstube selbst. 

    OT Schmidt Erich

    Beim ersten mal Abhorchen muss man die Geschwindigkeit einstellen, weil jedes Musikstück, was vom Vormonat zum Nachmonat, hat eine andere Geschwindigkeit. So, dann schauen wir mal.

    ATMO Klackern, leise Glocken

    Lange Holzleisten übertragen den Impuls der gesetzten Schrauben nach oben hin weiter zu den Glocken.

    Atmo hinaufgehen

    OT Schmidt Erich

    Jetzt muss ich schauen, mir ist vorgekommen, es hat zweimal ein D nicht angeschlagen, das wäre da (DING). Aha, genau. (DING). Aha. Da ist (DING) der Hammer zu weit von der Glocke weg und dadurch schlagt es nicht an, weil die Bremse vorher in Kraft tritt, bevor der Hammer an die Glocke schlägt. Na. (DING). Brauche ich ein anderes Werkzeug, muss ich wieder runtergehen.

    Zwei Jahre nach der Restaurierung „feigelt“ es immer wieder noch ein bisschen, sagt Erich Schmidt bis alles reibungslos läuft, was sich über die Jahrhunderte schön eingestellt hat. Die Glocken stammen übrigens aus Holland und wurden über wundersame Wege auf Karren mit Stroh nach Salzburg gebracht. Damals 1695. Erzbischof Johann Ernst Graf Thun hatte mit der Ostindischen Handelsgesellschaft Gewinne gemacht, der Hofuhrmeister Jeremias Sauter wurde beauftragt, das Werkl dann zusammenzubauen, was natürlich komplizierter ist, als es jetzt klingt.

    ATMO (DING DING DING)

    OT Schmidt Adelheid

    Das Glockenspiel hat ja auch die Funktion gehabt zu den Essenszeiten zu rufen, deswegen Früh, Mittags, Abends, die Arbeitspausen 7, 11 und 6 Uhr. Es war also nicht nur zur Muße sondern zur Information.

    So. Alle Glocken klingen, und jetzt kommt die Generalprobe für die Menschen, die schon unten drauf warten.

    ATMO neue Melodie

    Es passt. Und mit dem Schlusston ist für Erich Schmidt nur noch eines zu tun.

    OT Schmidt Erich

    Jetzt schreibe ich ins Turmbuch, dass ich die Melodie Lobet den Herren von Joachim Neander ins Glockenspiel gesetzt habe.

    So hat alles seine Ordnung, Herr und Frau Schmidt packen ihr Werkzeug zusammen – und unten – da lächeln die Leute.

    OT Salzburgerin

    Man hört das einfach gerne, man freut sich, es ist aus einer alten Zeit und kommt in die Gegenwart gut herüber.


    (Deutschlandfunk/Sonntagsspaziergang, 24. November 2013)

  • 181. Bernstein und Eis als Zeugen der Klimageschichte

    Der Mineraloge Ralf Tappert erforscht den Wandel der Erdatmosphäre in den letzten 300 Millionen Jahren.

    Link zum Programm

    Die Zusammensetzung der Erdatmosphäre bestimmt maßgeblich, wie sich Leben im Laufe der Erdgeschichte auf der Erdoberfläche entwickelt und entfaltet hat.

    Einerseits ist es der Sauerstoffgehalt, der für Tiere und Pflanzen eine wesentliche Randbedingung für den Stoffwechsel darstellt, andererseits ist es der Anteil an Kohlenstoffdioxid, der für den Wärmehaushalt der Erde mitverantwortlich ist.

    Die einzelnen Bestandteile und Teilnehmer des Gefüges “Atmosphäre-Biosphäre” sind dabei durch eine Vielzahl an Wechselwirkungen miteinander verbunden, die von Wissenschaftern untersucht werden.

    Glaubte man ursprünglich, nur der hoher Sauerstoffanteil führe zum verstärkten Größenwachstum von Tieren, zeigen neuere Forschungsergebnisse, dass der höhere Sauerstoffanteil über Erosionsprozesse auch mehr Kohlenstoffdioxid freisetzt, dessen Kohlenstoffanteil wiederum zu mehr Pflanzenwachstum und möglicherweise dadurch besserem Nahrungsangebot für Tiere führt. Mehr Kohlenstoffdioxid bedeutet aber wiederum höhere Temperaturen und in weiterer Folge wieder sinkende Sauerstoffanteile. Das Resultat dieser variierbaren Mengenanteile sind Warm- und Eiszeiten in zyklischer Abfolge, die zusätzlich mit geophysikalischen Phänomenen wie die sich ändernde Schrägstellung der Erdachse in Verbindung stehen.

    Informationen über den Zustand der Atmosphäre finden die Forscher – Paläoklimatologen – für die jüngere Vergangenheit durch die Analyse von Eisbohrkernen. Die Luftblasen darin stammen aus der Atmosphäre genau zu jener Zeit, in der sie eingeschlossen wurden. Möchte man aber weiter in der Erdgeschichte zurückgehen, gibt es kein Eis mehr, das aus dieser Zeit stammt.

    Bernstein springt ein, ein “natürliches Plastik”. Die Harze von Bernstein sind langkettige, vernetzte Kohlenstoffmoleküle, organisches Material, das sehr haltbar ist. Nicht etwa eigeschlossene Luft oder Insekten werden von den Klimatologen und Mineralogen analysiert, sondern die Zusammensetzung seiner Kohlenstoffe. Das Verhältnis der Isotope – Kohlenstoffarten – C-12 und C-13 gibt Aufschluss über den Zustand der Atmosphäre zu jener Zeit, als das Harz für den Bernstein gebildet wurde. Auch die Menge an Sauerstoff ist daraus ableitbar, und diese Menge war im Laufe der Erdgeschichte wieder sehr gering, nur etwa 10 bis 15% im Vergleich von 21% heute.

    Insgesamt denken und forschen Paläoklimatologen in sehr großen Zeiträumen: Sie überblicken durch die Wahl und die Entwicklung ihrer direkten und indirekten Beobachtungsmethoden Millionen von Jahren, was auch Informationen über eine mögliche Zukunft der Erde und ihrer Atmosphäre liefert.

    INTERVIEWPARTNER:

    Dr. Ralf Tappert
    Universität Innsbruck
    Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften

    UBIK Mineralogie


    Teil 1 : Filename: radio181_nat_atmosphaere_1 Stickstoff und Sauerstoff

    Filename: radio181_nat_atmosphaere_1


    Teil 2 : Filename: radio181_nat_atmosphaere_2 Indirekte Methoden

    Filename: radio181_nat_atmosphaere_2


    Teil 3 : Filename: radio181_nat_atmosphaere_3 Die Analyse eines Harzes

    Filename: radio181_nat_atmosphaere_3


    Teil 4 : Filename: radio181_nat_atmosphaere_4 Geringe Sauerstoffanteile

    Filename: radio181_nat_atmosphaere_4


    Teil 5 : Filename: radio181_nat_atmosphaere_5 Veränderbare Lebensgrundlagen

    Filename: radio181_nat_atmosphaere_5