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Wien

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  • 315. “Infisziert”

    Geht es Ihnen auch so? Sie haben ein Wort, dass Sie eigentlich gut kennen, müssen aber trotzdem immer wieder nachschauen, wie man es schreibt? Reparatur oder Reperatur? Das oder der Radio? Ein Wort taucht dieser Tage immer wieder mal falsch auf – INFISZIERT.

    Filename: radio315_wow_infiziert Beitrag

    Filename: radio315_wow_infiziert


    Manuskript

    SIGNATION: Das Wort der Woche

    Wohl kein anderes Wort spaltet die Bevölkerung eindeutiger in zwei Gruppen.

    OT Infisziert_Lang

    Und was mir auch auffällt, der Mitarbeiter, der mit dem Virus infisziert ist.

    So sagen die einen. Und …

    OT Infisziert_Kurz

    Der Mitarbeiter, der mit dem Virus infiziert ist.

    … sagen die anderen. Sie haben es gehört, es war dieselbe Person. Und das Missgeschick, das Sprachliche, ist durch einen Schnitt leicht korrigierbar.

    OT infisziert / infiziert

    Infiziert – infisziert – infiziert – infisziert – infiziert

    STOP!!!

    Vielleicht sollte man besser: “angesteckt” sagen.

    Infisziert. Die Autokorrektur am Computer steckt das Wort sofort in Quarantäne und streicht das versehentliche S gleich weg. Das wird sich also gar nicht erst ausbreiten. Die APA, die österreichische Nachrichtenagentur, hat seit 1986 nur 13 Meldungen ausgeschickt, in denen infiSziert steht. 16.191 Mal hingegen lautete es richtig “infiziert”. Fehlerquote 0,08%.

    Die Trennlinie richtig/falsch verläuft also nicht im geschriebenen Text, sondern entlang der gesprochenen Sprache, und hier entlang des Lateinunterrichts. Inficere ist die lateinische Grundlage für das Wort, “mit etwas anmachen”, mit etwas tränken. Zum Beispiel mit Gift. Inficere – infectum. Von facere – “machen”. Verwandt dazu: affizieren. Affekt. Fazit. Defizit. Defekt. Weit und breit kein S.

    Jetzt kann man sagen, blöd gelaufen, der Volksmund ist halt so, da ist ein s schnell zur Stelle, wenn es gut klingt, wenn es dazu passt. Aber es ist vermutlich mehr: Es gibt nämlich ein Wort mit S, das so ähnlich ist: Konfiszieren. Infizieren. Konfiszieren. Sie hören den Unterschied? Konfiszieren hat ein S. Und das ist richtig so. Es kommt von con – und Fiskus – die Sache mit dem Geld. Etwas in die Geldlade legen. Beschlagnahmen und ab in die Kaiserliche Schatzkammer. Und ein zweites – süßes – Beispiel: die Konfiserie – wir lieben ja die französischen Worte, auch da ein S – Konfiserie, aus dem Französischen entlehnt, ein Betrieb zum Herstellen von Süßwaren.

    Für den Betrieb einer Radiostation ist die ganze Sache nicht einfach. In den Hörerprotokollen gibt es immer wieder Hinweise auf falsche Aussprachen jedweder Art, mal freundlich, mal – na, sagen wir, ernst.

    ZITAT 1:

    Es heißt nicht der Virus, sondern das Virus.

    … schreibt der eine Hörer, und der andere …

    ZITAT 2

    Soeben war eine Sendung zur Grundlagenforschung über Viren. Ich möchte am Kultursender nicht mehr “das” Virus hören, es ist eine Ungeheuerlichkeit! Im Duden ist zwar diese Form erlaubt, sie bezieht sich aber eindeutig auf Computer-Viren.

    OT Haimo Godler 1

    Tja, da kann man erkennen, wie umstritten Fragen der Aussprache und der Sprache generell sind.

    Haimo Godler, ORF. Sein interner Newsletter heißt “Leider gehört – die Ö1 Fehlerbox”.

    OT Haimo Godler 2

    Es heißt das Virus im wissenschaftlichen Kontext. Der Virus ist umgangssprachlich erlaubt. Es gibt bei vielen Dingen auch kein richtig oder falsch, sondern meine Aufgabe ist es dann, wenn es mehrere korrekte Möglichkeiten gibt, eine gewisse Einheitlichkeit herzustellen, was bei über 900 Menschen, die beim ORF am Mikrofon arbeiten nicht ganz einfach ist. Bestes Beispiel ist jetzt die Quarantäne oder die Quarantäne. Richtig ist Quarantäne, auch wenn es viele Leute gibt, die richtigerweise sagen, das kommt aus dem Italienischen Cuaranta, weil in Venedig mussten während der Bestzeit alle Matrosen 40 Tage auf einer Insel verbringen, usw. Weiß ich alles, trotzdem Quarantäne, weil das Wort aus dem Französischen ins Deutsch gekommen ist.

    Die Aufgabe des Chefsprechers Haimo Godler ist hier auch erst einmal Sicherheit auszustrahlen, und auf Beschwerden freundlich zu antworten.

    OT Haimo Godler 3

    Ein schönes Beispiel ist, dass man den Vorschlag macht, Mozartbriefe im Original zu lesen, sowohl was Rechtschreibung als auch Wortwahl und Grammatik betrifft, dann vielleicht um nicht allzeit zurückzugehen, sich Texte von Arthur Schnitzler im Original anzuschauen, wenn man die Dativ- und Akkusativverwendung heute in einem Schulaufsatz verwenden würde, bekommt man ihn mit vielen roten Strichen zurück. Will heißen, Sprache verändert sich, sprechen verändert sich, Grammatik verändert sich und diese Prozesse sind unaufhaltsam, irreversibel und sie sind auch schwer zu steuern. – Aber eine Frage habe ich schon noch, warum ist da so viel Emotion dabei: “Das ist ungeheuerlich”. – Na ja. Das Auslösende Kriterium ist oft die Frage der Identitätsstiftung. Und wenn sich die Sprache verändert, verändert sich auch das Identitätsgefühl von v vielen Menschen und das führt dann dazu, dass viele Menschen das Gefühl haben, im eigenen Land mit ihrer Sprache ins Abseits zu geraten. Und das emotionalisiert Inn ganz besonderer Weise. – Es gibt sehr oft kein richtig oder falsch, aber manche Dinge sind objektiv falsch, “infiszieren” ist jedenfalls a Bledsinn.

  • 308a. Lichtbilder des Universums

    Link zur Sendung

    Der Astronom Stefan Meingast von der Universitätssternwarte Wien spricht über die Astrofotografie.

    Wer den Himmel fotografieren will, muss sich mit einigen Problemen auseinandersetzen, die es zu lösen gilt, um ebenso schöne farb- und formenreiche Bilder vom Nachthimmel zu erhalten, die wir aus der professionellen Astrofotografie kennen.

    Erstens sind die Objekte weit weg. Wir müssen vergrößern, um sie fotografieren zu können. Zweitens sind die Objekte lichtschwach. Wir müssen Licht über längere Zeit sammeln, um sie heller abzubilden, als sie am Himmel erscheinen. Drittens verhindert die Erddrehung, dass sie in dieser Zeit scharf abgebildet werden. Wir müssen das Fernrohr der scheinbaren Bewegung der Sterne nachführen, um immer dieselbe Stelle der Aufnahme zu belichten. Und viertens verhindern die Lichter der Stadt, dass die feinen Lichter der Planeten, Sterne und Galaxien überhaupt erst sichtbar werden.

    Es gibt Objekte am Himmel, die trotzdem fotografiert werden können, auch wenn man nicht alle Probleme lösen kann: Der Mond ist nahe, groß und lichtstark, nahe Planeten und Galaxien können auch schon mit leichten Vergrößerungen gut sichtbar gemacht werden, ausgedehnte Gasnebel zum Beispiel im Sternbild des Orions werden auch schon durch kürzere Belichtungszeiten am Foto sichtbarerer, als sie es für das freie Auge je sind.

    Für die professionelle Astrofotografie geben die Bilder des nahen und fernen Universums Hinweise auf seine Entwicklung. Wie entstehen Sterne? Welche Prozesse sind beteiligt? Wie ist das Universum entstanden und wie ist es heute aufgebaut? Die Bilder ermöglichen das Kennenlernen von Gegenden, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, da das Licht oft lange Zeit unterwegs war, bis es die Linsen der Kameras erreichte.

    Service
    GESPRÄCHSPARTNER:

    Dr. Stefan Meingast, Bakk. MSc.
    Universität Wien
    Institut für Astrophysik


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_1 Teil 1 : Leuchtende Wolken

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_1


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_2 Teil 2 : Ruhe und Bewegung

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_2


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_3 Teil 3 : Aufschlussreiche Strukturen

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_3


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_4 Teil 4 : Blicke in die Vergangenheit

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_4


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_5 Teil 5 : Heimatgalaxie Milchstraße

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_5

  • 306. Wie kommt das Wasser in hohe Häuser?

    Rätsel des Alltags. Interviewpartner: Paul Hellmeier, Wiener Wasser. (ORF Radio Österreich1/Moment – Leben heute)


    Manuskript

    MOMENT Beitrag „Wie kommt das Wasser in den 20. Stock“

    Lothar Bodingbauer, 5:04 min

    MODERATIONSVORSCHLAG

    Wie kommt das Wasser in den 20. Stock?

    SIGNATION: RÄTSEL DES ALLTAGS

    Wenn das Wasser bei Ihnen zu Hause nur kläglich aus der Leitung rinnt, kann es natürlich sein, dass zu wenig da ist, aber es kann auch sein, dass Sie zu hoch wohnen.

    Wasserversorgung bedeutet, neben dem Wasser auch den passenden Druck zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderungen der Wasserversorgung beginnen dort, wo es viele Stockwerke gibt, wo die Häuser hoch sind.

    OT 1

    Paul Hellmeier ist der Chef aller Wiener Wasserpumpen und Hebewerke. Magistratsabteilung 31, Wiener Wasser. Man könnte sagen, „er verteilt das Wasser in der Stadt“. Es läuft kostenlos über zwei Hochquellwasserleitungen bergabfließend nach Wien hinunter, wo es zunächst in 30 Behältern gesammelt wird, die sich wiederum über den meisten Häusern befinden.

    OT 2

    Mehr als diese 30-60 Meter Höhendifferenz zu diesen Sammelbehältern soll es auch nicht werden, denn dann wäre der Druck zu stark, das Wasser würde aus der Leitung spritzen.

    OT 3

    Wenn es einmal zu viel Druck gäbe, weil die Häuser eines Stadtteils tiefer liegen, dann gibt es technische Möglichkeiten aus diesem Zuviel an Druck, an Energie, Strom zu erzeugen, in sogenannten Süßwasserkraftwerken. „Wir haben ja nichts zu verschenken“, sagt Paul Hellmeier. Hohes Wasser ist kostbares Wasser.

    OT 4

    Gibt’s dann aber nicht umgekehrt im Erdgeschoss Überdruck?

    OT 5

    Stück für Stück, 5-Stockwerke auf einmal nehmend, wird das Wasser also hinaufgepumpt. Warum nicht alles gleich nach oben pumpen?

    OT 6

    Zusammenfassend, meint Paul Hellmeier vom Wiener Wasser, wer Wasser hoch oben haben möchte, weil er oder sie ein hohes Haus besitzt oder betreibt, muss dieses hohe Wasser durch den elektrischen Betrieb der Pumpen selbst bezahlen.

    ABMODERATION

    Wie kommt das Wasser in den 20. Stock? Ein Rätsel des Alltags, gelöst von Lothar Bodingbauer.

  • 301. Wechselkröte

    301. Wechselkröte

    Zwischen Land und Wasser. Der Biologe Werner Kammel aus Wildon spricht über die Wechselkröte.
    Link zur Sendung

    Die Wechselkröte hat ihren Namen von ihrer weiß-grün gefleckten Haut, ein Muster das aussieht wie bei einem militärischen Tarnanzug. Wie andere heimische Krötenarten lebt sie gleichermaßen an Land wie auch im Wasser. Erkennbar sind ihre Eier in Pfützen und Tümpeln, weil sie in sogenannten Laichschnüren aneinanderhängen.

    Der Misserfolg bei der Fortpflanzung ist durchaus einkalkuliert. Oft trocknen die Tümpel aus, bevor sich die Kaulquappen zu fertigen Kröten entwickelt haben. Da die Wechselkröte aber bis zu 30 Jahre alt wird, ist es nicht notwendig, dass jede Eiablage auch erfolgreich sein muss.

    Was die Wechselkröte auf die Liste der bedrohten Arten setzt ist das Verschwinden der Lebensräume. Es sind in unseren stark bewirtschafteten Kulturräumen oft die verlassenen Plätze, die sie nutzt. Schottergruben, deren Böden oft von Baggern oder LKW verdichtet werden – dort hält sich das Wasser, das sie braucht. Oder Rückhaltebecken in Gewerbegebieten, die angelegt werden, damit es bei Regenfällen nicht zu Überschwemmungen kommt.

    Interviewpartner:

    Mag. Dr. Werner Kammel
    Technisches Büro für Biologie
    Wildon, Steiermark

    http://www.wernerkammel.at

    Foto: Werner Kammel


    1. Kaulquappen in der Schottergrube (Filename: radio301_nat_wechselkroete_1 mp3)

    Filename: radio301_nat_wechselkroete_1


    2. Vergessene Teiche (Filename: radio301_nat_wechselkroete_2 mp3)

    Filename: radio301_nat_wechselkroete_2


    3. Rückhaltebecken am Kreisverkehr (Filename: radio301_nat_wechselkroete_3 mp3)

    Filename: radio301_nat_wechselkroete_3


    4. Auland zwischen Autobahnen (Filename: radio301_nat_wechselkroete_4 mp3)

    Filename: radio301_nat_wechselkroete_4


    5. Begehrte Beute (Filename: radio301_nat_wechselkroete_5 mp3)

    Filename: radio301_nat_wechselkroete_5


  • 298. Sonnenforschung

    298. Sonnenforschung

    Astrid Veronig erzählt von der Sonne. Sie leitet das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe in der Nähe von Villach. Einer der Wissenschaftler dort ist auch Werner Pötzi.  Ein Beitrag über die Sonne, unseren nächsten Stern.

    Filename: radio298_dia_sonne

    Manuskript (ohne letzte Änderungen)

    Seine Größe, seine Wärme, seine Wanderung am Himmel, so sagen fast alle Sprachen. “Ihre” Größe, ihre Wärme und ihre Wanderung am Himmel, sagen wir. Und wir meinen damit die Phänomene der Sonne, die allgemein bekannt sind. Größe, Wärme, Wanderung.

    Wäre sie nicht da, würden alle Planeten samt Erde in alle Richtungen des Universums davonfliegen. Das wird oft vergessen, ihre Anziehungskraft. Die Sonne hält alles zusammen mit ihren 2 Milliarden Milliarden Milliarden Tonnen, sodass während der Reise der Erde um sie herum, über Frühling, Sommer, Herbst und Winter ein schönes Jahr zustande kommt. Und wer im hohen Norden wohnt, der kennt noch etwas ganz Besonderes, was es ohne Sonne auch nicht gibt. Jonna, eine Schülerinnen aus Sodankylä in Finnland:

    OT / Jonna / Fuchsfeuer / Overvoiced
    *Als kleines Kind habe ich mich auch oft über die Nordlichter gewundert, und wie verrückt geschrieen, was sind die denn, und dabei bin ich herumgerannt. Was sind die eigentlich, zeigte ich lachend mit dem Finger auf sie. Was sind die? Ich will sie berühren! Dann hat mein Patenonkel gesagt, das sind Nordlichter. Wow, sagte ich dann, wow!*

    Der Sonnenwind ist es, der das Nordlicht macht. Die indigene Bevölkerung im Norden, die Samen, nennen das Nordlicht “Fuchsfeuer” – weil das Leuchten der Legende nach von einem Fuchs kommt, der mit seinem Schweif über den Himmel wischt. Wissenschaftler meinen: “Ohne Sonne kein Fuchsfeuer”. Sie stößt in Ausbrüchen, die dramatischer nicht sein können, Materie in den Weltraum. Elektronen, Protonen. Sie schleudert sie in alle Richtungen. Auch zur Erde. Das Magnetfeld der Erde fängt die Teilchen ein – sie bewegen sich zum Nordpol und Südpol, und bevor sie dort jemanden treffen, treffen sie zuerst auf die Atmosphäre, die sie zum Leuchten bringen. Auch bei uns.

    OT / Veronig / bei uns auch
    *Das letzte war glaube ich 2003 im Oktober. Da gab es extrem starke Ausbrüche von der Sonne, wo man sie auch in Österreich sehen konnte. Das musste außerhalb der Stadt sein.*

    Astrid Veronig leitet in Kärnten das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe. Es wurde im zweiten Weltkrieg 1941 errichtet, auf der Gerlitzen, einem Berghang in der Nähe von Villach über den Nebeln des Ossiachersees. Dort wo die Sonne am schönsten ist. Also am häufigsten scheint in Österreich.

    OT / Veronig / Arbeit
    *Sonnenphysik und Astrophysik ist die generelle Fragestellung, wie kann ich Informationen vom Objekt kriegen, das ganz weit weg ist. Da hat man festgestellt, dass die Ausbrüche von der Sonne und diese Strahlungsausbrüche, und Materiausbrüche einen großen Einfluss auf die Erde haben können. Damals insbesondere der Einfluss auf den Funkverkehr.*

    Der Funkverkehr auf der Mittel- und Langwelle ist in hohem Maß von der Sonnenaktivität abhängig. Geht die Sonne unter, bilden sich in der hohen Atmosphäre geladene Schichten, die den Funkverkehr reflektieren und über viel größere Distanzen schicken können. Kein Wunder, dass sich das Militär dafür interessierte. Auch heute noch zeichnen die diensthabenden Messwarte täglich die Sonne, “wie es ihr geht”, sie zeichnen die Sonnenflecken. Es die Fortführung der Zeitreihe der Messungen, die ganz besonders wertvoll ist.

    OT / Veronig heute
    *Es schaut natürlich teilweise anachronistisch aus, wenn man jetzt wirklich Das Bild projiziert und die Sonnenflecken abzeichnet. Nur der Punkt ist, dass die Sonnenfleckenzahl, das ist unser wichtigstes Maß zur Bestimmung der Sonnenaktivität, und die gibt es seit ungefähr 400 Jahren, die wird genau auf diese Weise ermittelt, dass man diese Sonnenfleckenzeichnungen hat, und man überprüft, wie viele Sonnenfleckengruppen gibt es, wie viele Einzelflecken gibt es, wie sind die atmosphärischen Bedingungen vor Ort wie groß ist das Teleskop, und das ist unsere wichtigste homogene Zeitserie, die auch unter anderem für Klimaforschung auch relevant ist, weil man sagt, wie schauen die Änderungen auf der Sonne auf, wie steht das in Beziehung mit Klimamodellen. Und wenn man das jetzt ändert auch ganz andere Beobachtungsbedingungen., wie elektronische, größere Teleskope, dann ist es möglich, dass man hier einen Sprung in diesen Beobachtungsserien hat.*

    Eine Bibliothek gibt es in dem schönen Gebäude, geeignet für Arbeitstreffen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus alle Welt.

    OT Pötzi / Intro
    *Die Sonne ist ein großes Experiment*

    Einer von ihnen ist Werner Pötzi.

    OT / Pötzi / cont.
    *Wir wissen nicht wirklich, wie sie funktioniert. Und weil wir draufkommen möchten, wie sie funktioniert, müssen wir sie beobachten. – Atmo raufgehen – Jetzt gehen wir hinein in das Gebäude und hinauf in unseren Hauptbeobachtungsturm. Wir sehen hier, das Teleskop ist relativ klein. Erstens, die Sonne liefert genug Licht. Die Sonne ist so hell, dass wir das Teleskop sogar abblenden müssen. Und zweitens, wir wollen immer die gesamte Sonne sehen. Das heißt, wir brauchen nicht eine so hohe Auflösung, weil sonst Das Bild nicht auf die Kamera passen würde. Wir sehen hier ein Weißlichtbild, das genau die Sonne so zeigt, wie wir sie mit unserem Bild, das nennt man Weißlicht. In Wirklichkeit nehmen wir die Sonne hier im grünen Licht. Im grünen Licht ist die Sonne am hellsten. Und dort ist die zentrale Wellenlänge der Sonne. Die Sonne ist eigentlich grün. Hier sehen wir schon ein paar Sonnenflecken. – Jeder Beobachter hier hat normalerweise eine Woche Dienst, und sollte bescheid wissen, was auf der Sonne passiert. Denn wenn wir die Sonne nur mehr über Kameras und Computer beobachten, so verlieren wir sie total aus den Augen und wir wissen selber nicht, was los ist, ob alles richtig funktioniert. Also, wenn sich ein Fleck sehr schnell ändert, so kann man davon ausgehen, dass es bald wieder Ausbrüche geben wird. Dann ist man darauf vorbereitet, man schaut, dass alle Geräte richtig funktionieren, und dass man das auch aufnehmen kann. – So, vom Beobachtungsturm können wir jetzt direkt hinaufgehen auf das Dach, auf das weiße Dach (Atmo), und wir gehen hier über einen Steg hinauf und über Treppen hinauf, ganz oben, auf den Giebel. (Atmo). Hier heroben befindet sich unser Strahlungsmessstation.*

    Auch die Atmosphärenwissenschaften sind am Sonnenobservatorium beteiligt. (Atmo weg). Wer das Licht der Sonne analysiert, und feststellt, da fehlt etwas davon, von dem, was eigentlich da sein müsste, bestimmte Farben nämlich, dann muss das einen Grund haben. Ozon zum Beispiel. Und anhand der Menge des Fehlenden kann man die Menge des Ozons feststellen, oder umgekehrt: wenn kein Licht fehlt, die Größe des Ozon-Lochs, das sich durch alle Umwelt-Maßnahmen übrigens ganz gut wieder zurückentwickelt hat. Und ja, das Klima. So stark das Wetter schwankt, das Klima sich verändert, die Sonne ist in der ganzen Geschichte ein verlässlicher Motor, der schnurrt und brummt und läuft und strahlt.

    OT / Veronig / Gleichmäßigkeit
    *Also unsere Sonne ist jetzt ungefähr 4,5 Milliarden Jahren alt, und wird noch einmal so alt werden. Das heißt, wir sprechen hier von Zeitskalen von 10 Milliarden Jahren. Auch wenn wir jetzt Leben auf anderen Exoplaneten um andere Sterne suchen, dann suchen wir auch bevorzugt bei Sternen, die so lange stationäre Entwicklungen haben. Wenn ich jetzt sehr mausereiche Sterne habe, da passiert viel, da gibt es riesige Ausbrüche, und das auf kurzen Skalen, da ist es unwahrscheinlich, wenn ich jetzt lange Entwicklungszeitskalen habe, wie die Sonne, die sind da sehr dankbar auch für die Entwicklung auf Planeten, die sie umkreisen, und insofern ja, auf Zeitskalen, auf denen wir hinschauen, gibt es keine großen Änderungen.*

    Die ESA, die europäische Weltraumagentur, plant eine neue Mission. In ein, zwei Jahren soll es los gehen, und bis auf 60 Sonnenradien Respektabstand wird sich eine Sonde, der “Solar Orbiter”, der Sonne nähern.

    OT / Veronig / ESA
    Man würde zum Beispiel gerne wissen, wie die Korona unter Anführungszeichen geheizt wird. Das ist eigentlich die äußerste Schicht der Sonne, die Corona, das ist keine stationäre Schicht, sondern die Sonne expandiert permanent, wird von unten nachgeliefert und expandiert. Und letztlich schützt sie uns auch gegenüber den Einfluss, sei es jetzt von kosmischer Strahlung, die von anderen Sternen und Supernovaexlosionen kommt, das macht eine Art Schicht um unsere Planeten herum, das passiert über den Sonnenwind, der auch das Magnetfelder der Sonne auch mit rausträgt. Und wie der beschleunigt wird, das hängt mit der Heizung der Sonne zusammen, weil beides bedeutet, dass man Energie in die Korona bringt und damit Materie nach außen treiben kann.*

    Der Orbiter wird die Sonne auch von “oben” sehen. Er wird sich für diese polare Bahn viel Schwung holen müssen, er wird die körnige Sonnenoberfläche wie das blubbernde Grießkoch am Herd sehen.

    OT / Veronig Temperatur
    *Die Sonnenoberfläche hat eine Temperatur von 6000 Grad, in den 40-er Jahren hat man festgestellt, die Corona, die oberste Schicht hat eine Temperatur von 1 bis 2 Millionen Grad. Seit dem ist das ein ungelöstes Problem in der Sonnenphysik.*

    Sonnenforschung steht immer in Verbindung mit der Erde. Es ist das, was sie uns schickt: Teilchen und Licht. Radiowellen, Röntgenstrahlung. Ein bisschen was von Gammastrahlen. Von ihren physiologischen Auswirkungen – Vitamin D, Photosynthese, gar nicht zu reden.

    OT Veronig / Schluß
    *Früher hat es geheißen, die solarterrestrischen Beziehungen, heute heißt es “das Weltraumwetter”, weil wir über moderne Technologien und Technologien, die über Satelliten funktionieren, und auch über die ganzen Kommunikationswege sehr anfällig sind gegenüber Störungen.*

    Und man kann sie auch hören, die Sonne: Übersetzt man ihre Schwingungen in Klänge, dann – am besten Sie hören selbst, so klingt die Sonne, wenn sie Wasserstoff zu Helium verbindet. So klingt sie, wenn sie im sonst dunklen Universum das Licht macht.

    ATMO / Klang der Sonne zum Ausfaden.

  • 286. Das Geodreieck

    286. Das Geodreieck

    Fast jeder hat damit Erfahrungen gemacht. Für die einen einfach praktisch – für die anderen mehr als das, durch die eingezeichneten Winkel eröffnete sich eine Welt. Besuch in Wörgl bei Geotec. Ein Gespräch Michael Schwaiger und Gregor Kabosch. Link zu Episode 237 der Physikalischen Soiree.

    Filename: radio286_mom_geodreieck

  • 284. Gackern, scharren, Eierlegen

    Eine traditionsreiche Nutztierrasse. Die Biologin Irene Hochrathner über das Altsteirer Huhn.

    Link zum Programm

    Haushühner stammen aus dem chinesischen Raum, sie wurden bereits vor 4000 Jahren domestiziert. Sie kamen durch Phönizier, Griechen und Römer nach Europa. Bei uns haben sich in ländlichen Gebieten je nach Gegend individuelle Rassen weiterentwickelt, die zunehmend wiederentdeckt werden.

    Das Altsteirer Huhn, das Sulmtaler Huhn und das Nackthalshuhn sind drei österreichische Hühnerrassen, die als gefährdet gelten. Besonders das Altsteirer Huhn wird zunehmend in bäuerlichen Kleinbetrieben wiederentdeckt, da es als besonders stabile, wetterfeste und krankheitsresistente Rasse gilt. Es ist die Zweifachnutzung, für die die Tiere gehalten werden, für Eier und Fleisch gleichermaßen.

    Hybridrassen im Gegensatz dazu werden in der modernen Hühnerzucht spezialisiert gezüchtet: entweder als Mast- oder Legehennen. Im Vergleich zu Hybridhühnern legen die Altsteirer Hühner zwar weniger Eier, dafür aber bis ins hohe Alter.

    INTERVIEWPARTNERIN:

    Dr. Irene Hochrathner
    Spartenbetreuerin bei Arche-Austria (Verein zur Erhaltung seltener Nutztierrassen)
    COO Orchis


    Teil 1: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_1 Asiatische Urahnen (mp3)

    Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_1


    Teil 2: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_2 Eierlegen bis ins hohe Alter (mp3)

    Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_2


    Teil 3: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_3 Ein Huhn wie aus dem Bilderbuch (mp3)

    Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_3


    Teil 4: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_4 Schlafplätze und Hackordnung (mp3)

    Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_4


    Teil 5: Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_5 Wiederentdeckte Haltung (mp3)

    Filename: radio284_nat_altsteirerhuhn_5

  • 282. Japanisches Formen

    282. Japanisches Formen

    Noriko Mafune-Bachinger

    Ein Podcast-küsst-Radio-Projekt

    Ikebana, die Kunst des Blumensteckens; Bonsai, die Kunst des “Bäume-Kleinhaltens”; Origami, die Kunst des Papierfaltens; Shibari, die Kunst des erotischen Verschnürens: all diese Techniken haben mit der Lust am Formen zu tun. Nicht das Endprodukt steht im Focus der Könner, sondern der Vorgang des Veränderns und Verstehens. Es ist eine Philosophie. Gestaltung: Lothar Bodingbauer und Thomas Gasser. (Moment / ORF Radio Österreich 1)

    ORF Radio Österreich 1, Moment am Sonntag
    10.06.2018, 18:15–19:00 Uhr

    Ikebana. Bonsai. Origami. Shibari.
    Die subtile Kunst, neue Formen entstehen zu lassen

    Filename: radio282_mom_japan

    Ikebana, die Kunst des Blumensteckens; Bonsai, die Kunst es Bäume-Kleinhaltens; Origami, die Kunst des Papierfaltens; Shibari, die Kunst des erotischen Verschnürens: all diese Techniken haben mit der Lust am Formen zu tun. Nicht das Endprodukt steht im Focus der Könner, sondern der Vorgang des Veränderns und Verstehens. Es ist eine Philosophie.

    Die folgenden Gespräche sind für diese Sendung entstanden und stehen als Podcastepisoden in voller Länge zur Verfügung:

    LUT064 Auftakt – Lothar Bodingbauer und Thomas Gasser
    Wie wird die Sendung angelegt

    LUT066 Japan-Blog “Wanderweib” – Tessa Tews
    Erste Eindrücke vom Leben in Japan

    LUT067 Origami – Noriko Mafune-Bachinger
    Die Kunst des Papierfaltens

    LUT068 Bonsai – Günther Klösch
    Bäume in der Schale

    LUT069 Ikebana – Helga Komaz
    Die Kunst des Blumensteckens

    LUT070 Zwischenstand – Lothar Bodingbauer und Thomas Gasser
    Diskussion zur entstehenden Radiosendung

    LUT073 Japanische Kulturvermittlung – Kai Iwabuchi
    Direktor des Japanischen Informations- und Kulturzentrums in Wien

    LUT074 Shibari – Vincience und Kenyade
    Die Kunst des erotischen Fesselns

  • 264. Schmelzendes Eis und steigende Meere

    Die Ozeanografin Kristin Richter spricht über menschgemachte und natürliche Gründe, die dazu geführt haben, dass die weltweiten Meeresspiegel im 20. Jahrhundert im Schnitt um 17 cm gestiegen sind.

    Link zur Sendung

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_1 Teil 1: Globale Verbindungen

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_1

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_2 Teil 2: Eisschilde als Wasserspeicher

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_2

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_3 Teil 3: Die Ursachen der Unterschiede

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_3

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_4 Teil 4: Kontinuierliche Messungen

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_4

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_5 Teil 5: Praktische Anwendungen

    Filename: radio264_nat_meeresspiegel_5

    Inhalt

    Teil 1

    Beim Meeresspiegel denken wir oft einfach daran, wo trifft das Meer auf das Land. Diese Linie verändert sich durch Gezeiten, durch Sturmfluten, auch durch Klimaveränderungen. Die langfristige Veränderung des Meeresspiegels muss uns lokal nicht unbedingt auffallen, denn durch Gezeiten etc. gibt es große Unterschiede.

    Global gleichen sich die kleinräumigen Schwankungen aber aus, wenn man die Meeresspiegel über alle Ozeane mittelt. Das heißt, dass man sehr gut sehen kann, das sich der Meeresspiegel auch global gesehen langfristig ändert, er steigt langsam an.

    Zum einen durch die Ausdehnung des Meerwassers. Wenn sich Wasser erwärmt, dehnt es sich aus. Das Zweite ist, dass durch das Abschmelzen der Gletscher und Eisschilde dem Meer zusätzlich Wasser in Form des Schmelzwassers zugeführt wird. Abschmelzende Gletscher und Erwärmung des Wassers sind ungefähr zu gleichen Teilen für den Anstieg verantwortlich.

    In den letzten 100 Jahren ist der Meeresspiegel global um etwa 15 cm gestiegen. Zu gleichen Teilen haben die Erwärmung des Meerwassers und Abschmelzen der Gletscher beigetragen. Es gibt aber noch kleinere Beispiele, zum Beispiel, dass der Mensch Dämme baut. Meer, das ins Wasser fließen würde, wird am Land zurückgehalten. Ein kleiner Faktor, der zu einer Absenkung des Meeresspiegels führts. Weitere Prozesse aber, zum Beispiel Entnahme von Grundwasser für Bewässerung oder Trinkwasser etc. Das ist ein positiver Beitrag zum Meeresspiegelanstieg, denn dieses Grundwasser, das eigentlich an Land gespeichert ist, wird letztendlich dem Meer zugeführt. Wir unterbrechen da sozusagen den natürlichen Wasserkreislauf. Das sind relativ kleine Beiträge, die zur Veränderung des Meeresspiegels beitragen.

    Ich rede immer vom globalen Meeresspiegelanstieg. Damit kann der Küstenbewohner relativ wenig anfangen. Lokal kann dieser Anstieg sehr unterschiedlich ausfallen. Das hängt damit zusammen, dass sich Windsysteme verändern, Winde können Wasser im Meer hin -und hertransportieren, das ist ein großer Effekt. Beim Abschmelzen von Gletschern, dieses Schmelzwasser verteilt sich nicht gleichmäßig im Ozean, da gibt es große Unterschiede, und da gibt es natürliche Veränderungen im Meeresspiegel, die lokal sehr groß sein können, etwa El Niño, ein natürliches Klimaphänomen, das unter anderem auch mit Veränderung im Meeresspiegel einhergehen kann.

    Wenn nun irgendwo sagen wir an der Küste Westamerikas absinkt, dann kann es sein, dass er an der Küste Ostasiens zunimmt. Man kann sich das ein wenig wie in der Badewanne vorstellen, wo das Wasser hin- und herschwappt. Auf der einen Stelle schwappt es nach oben, an der anderen unten. Wenn wir über die ganze Badewanne mitteln, gibt es keinen Unterschied. Wenn wir beim Bild der Badewanne bleiben, ist durch die globale Erwärmung der Wasserhahn immer ein bisschen offen, das heißt, es tröpfelt immer ein klein wenig Wasser in die Badewanne. Wenn nun das Wasser wirklich an beiden Seiten sehr viel hin- und herschwappt, fällt uns das nicht unbedingt sofort auf. Gerade wenn wir uns nur eine Seite der Badewanne anschauen, durch das Schwappen haben wir so große Unterschiede im Wasserstand, dass ein paar Millimeter durch den tropfenden Wasserhahn nicht unbedingt auffallen, wenn wir aber beide Seiten der Badewanne anschauen, mitteln sich diese Schwankungen heraus, aber dieses Tröpfeln kommt dann plötzlich zum Vorschein. Dann sehen wir, oh, der Wasserstand in der Badewanne steigt langsam an. So kann man das auch auf die Weltmeere übertragen.

    Zusammenfassend kann man sagen, es tröpfelt, und wenn es vielleicht auch lokal nicht so sehr auffällt, steigt der globale Meeresspiegel. Und dann kann es dazu kommen, dass es in der Badewanne auf der einen Seite plötzlich überschwappt, was vorher nicht passiert ist, und das wäre schon eine Auswirkung des Meeresspiegelanstiegs, dass gerade extreme Wasserstände dann einfach häufiger auftreten und vielleicht auch zu größeren Schäden führen.

    Teil 2

    Ein wichtiger Beitrag zum Anstieg der Meere ist das Abschmelzen von Eis. Es gibt im Klimasystem verschiedene Arten von Eis. Zum einen das Meereis in der Arktis, der Nordpol. Man muss aber aufpassen, dass das Meereis schon im Wasser schmilzt im Ozean. Das heißt, wenn das Meereis schmilzt, und das tut es, trägt es nicht zum Meeresspiegelanteil bei. Es schwimmt bereits im Wasser, ob es das in fester oder flüssiger Form tut, ist nicht so wichtig.

    Es gibt aber auch Eis in Form von Gletschern, besonders in den Alpen, es gibt aber auch wirklich sehr große Gletscher auch in Alaska, Kanada, Sibirien, im Himalaya und so weiter. Und dann gibt es die großen Eisschilde. Und der Unterschied ist, das sind kilometerdicke Eispanzer, die sich zum einen auf Grönland befinden, auf der Insel Grönland, und in der Antarktis, auf der antarktischen Insel.

    Wie viel Wasser ist jetzt in diesem Landeis gespeichert? Da haben wir zum einen die Gletscher. Wenn man alle Gletscher der Welt schmelzen würde, würde der Meeresspiegel um weniger als einen halben Meter steigen. Das ist jetzt nicht wenig. Die österreichischen Gletscher sind für die Alpen als Ökosystem sehr wichtig, für den Tourismus, zum Meeresspiegelanstieg tragen sie weniger als 1 mm bei. Für den Meeresspiegel sind sie völlig unwichtig, dafür sind sie einfach zu klein.

    Würde der grönländische Eisschild schmelzen, würde der Meeresspiegel 5-6 m steigen.

    Wenn man das ganze antarktische Eisschild schmelzen würde, würde der Meeresspiegel um 60 m steigen. Das ist unglaublich viel Eis, das auf den Eisschilden auf Grönland und auf Antarktis gespeichert ist, in den Gletschern relativ wenig.

    Im letzten Jahrhundert haben aber hauptsächlich die Gletscher zum Meeresspiegelanstieg beitragen. Man darf sie auf keinen Fall vernachlässigen, da sie kleiner sind können sie schneller auf Klimaveränderungen reagieren. Den gesamten grönländischen Eispanzer kann man jetzt nicht in 100, 200 und 300 Jahren schmelzen können, das dauert tausende von Jahren, auch in der Antarktis Trotzdem kann in den nächsten Jahrzehnten, Jahrhundert, kann der Verlust von Eis sehr stark zum Meeresspiegelanstieg beitragen.

    Das Spezielle daran, das Eis schmilzt, dass es die Massenverteilung ändert. Das heißt, zunächst haben wir, nehmen wir das Beispiel Grönland. Wir haben unglaublich viel Eis, damit haben wir Masse auf den grönländischen Inseln. Das ist ein Eispanzer, der mehrere Kilometer dick ist. Die Verteilung der Masse auf der Erde beeinflusst auch das Schwerefeld, das Gravitationsfeld der Erde. Dadurch dass Masse verloren geht von Grönland, ändert sich auch das Schwerefeld der Erde. Grönland hat eine große Masse, deshalb auch eine große Anziehungskraft auf alles drumherum, auch auf die Wasseroberfläche, die sich frei bewegen kann, das Land kann das nicht. Durch die größere Anziehungskraft von Grönland bewegt sich das Wasser leicht auf Grönland zu. Es wird durch Grönland angezogen. Dadurch, dass Grönland an Masse verliert, sinkt die Anziehungskraft. Es zieht weniger Wasser an, es bewegt sich in entferntere Gegenden von Grönland weg. Das heißt, es ist nicht intuitiv, wenn Grönland an Masse verliert, wenn Eis schmilzt in Grönland, sinkt auch der Meeresspiegel um Grönland herum, denn durch die verminderte Anziehungskraft bewegt sich das Wasser in andere Gegenden.

    Norwegen ist zum Beispiel nicht weit weg von Grönland. Nehmen wir an, das Eis in Grönland würde komplett schmelzen, was nicht so schnell passieren wird, aber nehmen wir an, der globale Meeresspiegel steigt um 5 m, weil Grönland schmilzt, würde man in Norwegen nichts mitbekommen, weil sich die Meeresoberfläche dem Schwerefeld anpasst, das bedeutet einfach, dass der Meeresspiegel in den Tropen, also weit weg von Grönland ansteigt, tropische Inseln wie zum Beispiel die Malediven würden mit einem Meeresspiegelanstieg von 5 m fertig werden müssen, und das geht einfach nicht, weil die Inseln nicht mehr als 1 Meter aus dem Meer hervor ragen.

    Teil 3

    Man hört nun oft, das Klima hat sich schon verändert, der Meeresspiegel hat sich oft verändert. Die Erde kann sich relativ zum Ozean anheben oder absinken. Das ist eine Sache, die hat aber nichts mit Klimaveränderung zu tun. Dann gibt es auch Vulkanausbrüche. Ein starker Vulkanausbruch kann feine Teilchen bis in die höhere Atmosphäre ausstoßen und dort agieren diese Teilchen für ein paar Jahre wie ein Sonnenschirm. Sonnenstrahlung wird reflektiert und kommt nicht auf der Erde an.

    Es kann auch sein, und das ist wahrscheinlich auch so, dass durch diese kühleren Temperaturen auch Gletscher weniger stark abschmelzen und anwachsen.

    Dann gibt es Klimaphänomene wie El Niño, die lokal, gerade im Pazifik, den Meeresspiegel beeinflussen können, aber global eine relativ geringe Auswirkung haben. Und dann gibt es den menschgemachten Meeresspiegelanstieg. Dadurch, dass wir immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre emittieren, steigt die globale Mitteltemperatur. Treibhausgase sind zum Beispiel CO2, Kohlendioxid, Methan oder auch Wasserdampf. Bei CO2 kann man wirklich eindeutig feststellen, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre durch den Menschen durch Treibhausgasemissionen, durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen ansteigt.

    Das Wasser wird wärmer, Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt. Dieser Prozess läuft langsam ab, aber stetig. Es addieren sich diese Beiträge auf. Auf kurzen Zeiträumen merkt man das nicht besonders, wenn man aber länger wartet, 50, 60 Jahre, dann merkt man schon, dass das Meer ansteigt. Das Sturmfluten stärker ausfallen, dass auch schwächere Stürme Sturmfluten hervorrufen können. Gerade schwächere Stürme treten häufiger auf, es gibt öfter größere Schäden durch den langfristigen Prozess des Meeresspiegelanstiegs.

    Wie kann man den natürlichen Einfluss vom menschgemachten Einfluss unterscheiden. Unser Labor, das sind Klimamodelle, Computermodelle, die auf physikalischen Gesetzen basieren. In diesen Computermodellen können wir uns verschiedene Welten erschaffen. Was haben wir gemacht, wir haben uns Modellsimulationen angeschaut, in denen wir die vergangenen 150 Jahre reproduziert haben, wir wissen ungefähr, wie viele Treibhausgase haben wir ausgestoßen, wie viel Vulkanausbrüche gab es. Wir konnten damit den Meeresspiegelanstieg sehr gut rekonstruieren. Dann haben wir uns eine Welt angeschaut, in denen es den Menschen nicht gibt, wir haben simuliert, wie würde der Meeresspiegel sich verändern in dieser Welt. Und wir haben gesehen, dass dieser Meeresspiegel nicht mit dem beobachteten Meeresspiegel übereinstimmt.

    Das heißt, wir brauchen wirklich den menschgemachten Treibhausgasausstoß und die Aerosole, um den beobachteten Anstieg zu erklären. Den ersten Teil des 20. Jahrhunderts können wir den Meeresspiegelanstieg noch relativ mit natürlichen Ursachen erklären, allerdings die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, speziell ab 1970 haben wir gezeigt, dass 2/3 des Meeresspiegelanstiegs menschgemacht ist.

    Wir können also wirklich sagen, dass wir in den letzten 30, 40 Jahren für einen großen Teil des Meeresspiegelanteils verantwortlich sind. Wenn man noch einen weiteren Schritt weitergehen würden, könnten wir noch die direkten Verursacher identifizieren. Das wäre ein Schritt in Richtung sozialer Gerechtigkeit. Denn die Verursacher, die Industrienationen, haben Mittel und Wege sich anzupassen, sie sind auch nicht jene, die von den Auswirkungen betroffen sind. Das sind hauptsächlich kleinere Inselstaaten und auch Anrainer in den Tropen und gerade diesen Ländern haben oft nicht Mittel und Wege, sich an die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs anzupassen, an Überflutung, an Kontaminierung des Süßwasservorrats kleinerer Inseln und an heftigere Sturmfluten, und so weiter.

    Teil 4

  • 258. Wo ist die Birkenmaus?

    258. Wo ist die Birkenmaus?

    Christine Blatt und Stephan Resch erforschen und schützen seltene heimische Kleinsäuger.

    (Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1)

    Die Birkenmaus gehört neben der Zwergmaus zu den kleinsten Nagetieren Europas. Sie wird rund acht Zentimeter groß und wiegt zehn Gramm. Man erkennt sie an ihrem schwarzen Strich am Rücken. Sie gehört zu den Springmäusen und zählt zu den seltensten Säugetieren.

    Nicht alles, was die Katze herbeischleppt, ist einfach “eine Maus”. Die meisten Mäuse – Feldmaus, Wühlmaus, Waldmaus und Birkenmaus – gehören zu den Nagetieren. Es gibt aber auch die Spitzmäuse, die sich vorwiegend von Insekten ernähren.

    Um die Birkenmaus zu schützen, muss zunächst ihr Auftreten bestimmt werden. Sie zieht sich immer mehr zurück. Die Birkenmaus lebt in höheren Gegenden, über der Waldgrenze; in Hochmooren etwa. Dort bewegt sie sich bedächtig durch das Gebüsch, sie wirkt für den menschlichen Betrachter nicht hektisch.

    Interviewpartner und -partnerinnen
    Dr. rer. nat. Stefan Resch
    Dr. rer. nat. Christine Blatt
    ARGE Kleinsäugerforschung

    A – 8967 Haus im Ennstal


    Teil 1: Filename: radio258_birkenmaus_1 Ein schwarzer Strich am Rücken
    Filename: radio258_birkenmaus_1


    Teil 2: Filename: radio258_birkenmaus_2 Mäuse lieben Haselnüsse

    Filename: radio258_birkenmaus_2


    Teil 3: Filename: radio258_birkenmaus_3 Verräterische Spuren

    Filename: radio258_birkenmaus_3


    Teil 4: Filename: radio258_birkenmaus_4 Ein kurzes Leben

    Filename: radio258_birkenmaus_4


    Teil 5: Filename: radio258_birkenmaus_5 Erfolgreicher Artenschutz

    Filename: radio258_birkenmaus_5