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  • Schule anders? Kommentar zum Kommentar

    In ihrem Kommentar zur Zukunft der Schule vom 19. August sitzt die Autorin bereits in der Überschrift “Weg mit dieser Schule” dem Trugschluss auf, dass Schule die Gesellschaft verändert. Es ist genau umgekehrt. Die Gesellschaft verändert die Schule, und wenn sich nichts ändert, ist die Mehrheit der Gesellschaft offenbar mit diesem Schulsystem sehr einverstanden. “Zerschlagt das Schulsystem” ist daher eher als Ruf nach einer gesellschaftlichen Revolution zu sehen, als einer revolutionären Neugestaltung des Schulsystems. Und warum auch nicht. Für die Zeit nach einer derartigen Revolution schlage ich vor: Schule ohne Ferien – weil Schule ein Ort ist, an dem es immer was zu lernen gibt. Wer genug gelernt hat, bleibt eine Zeitlang weg. Schule mit Lehrer:innen, die ihren Arbeitstag dort verbringen und mit dem Lehrplan im Hintergrund Tages- Wochen- und Monatskurse anbieten, an denen die Schüler:innen nach Lust und Interesse teilnehmen. Auf unterschiedlichen Niveaus, immer mit Sprachförderung. So können alle – und das schlägt die Autorin des Kommentars auch vor – gemeinsam zur Schule gehen. Fächer würden sich Themen unterordnen. Noten kann es da keine geben, sie würden bestehende Verhältnisse zementieren, es würde geschummelt werden. Feedback von vorbildlichen Lehrer:innen würde die Noten ersetzen. Schulen, die auch als Wohnräume gestaltet sind, würden es allen Beteiligten erleichtern, gerne dort zu sein. Das zu erreichen ginge nun auch ohne die im Kommentar vorgeschlagene Notbremse. Im bestehenden Schulsystem haben engagierte Teams sehr wohl sehr viel Gestaltungs- und Entwicklungsspielraum.

    Lothar Bodingbauer ist Wissensvermittler via Radio, Podcast und Unterricht, er unterrichtet Physik und Mathematik am Abendgymnasium Wien. https://www.sprechkontakt.at

  • 150+ Themen für die Schule

    Wir brauchen keine neuen Schulfächer, sondern neue Herausforderungen. #SchulChallenge

    1. 4 Arten von Wahrheit erkennen
    2. Gewaltfreie Kommunikation anwenden
    3. Zwei Dinge auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichen
    4. Eine Nachricht entschlüsseln
    5. Blumenzwiebeln pflanzen
    6. Die universale Erklärung der Menschenrechte kennen
    7. Über das Nichts sprechen
    8. Mund-Nasenschutze unterscheiden
    9. 1 dickes und 1 dünnes Brett bohren
    10. Eis machen
    11. Die Argumente für Evolution kennen
    12. Das kleine 1×1 auswendig wissen
    13. Eine Stärke weiter entwickeln
    14. Eine Schwäche umschiffen
    15. Eine Paradoxie analysieren
    16. Das Binnen-I passend aussprechen
    17. Ein Buch lesen
    18. Die Zellteilung beschreiben
    19. Alle Fluchtwege im Schulhaus kontrollieren
    20. Schuhe auf zwei Arten binden
    21. Zirbenöl riechen
    22. Haltbarkeit von Joghurt testen
    23. Einige Hühner füttern
    24. Ein Baby halten/unterhalten
    25. Den menschgemachten Treibhauseffekt begreifen
    26. Witz – Ironie – Sarkasmus – Zynismus unterscheiden
    27. Mit einem SUV durch die Wiener Innenstadt fahren
    28. Jemanden eine Zeitlang bei sich aufnehmen
    29. Eine Prüfung abnehmen
    30. Eine Beichte abnehmen
    31. Einen Hashtag richtig einsetzen
    32. Jemandem grundlos helfen
    33. Etwas ohne Grund ablehnen
    34. Versuchen in ein anderes Land ohne Pass einzureisen
    35. Die Konsequenzen von Gotteslästerung kennen
    36. Drei Sorgen passend abwenden
    37. Ein Problem – am Papier – eskalieren
    38. Einen Vogel mit der Hand aufziehen, der aus dem Nest gefallen ist: https://twitter.com/waldraeubers/status/1405453920382689281?s=21
    39. Etwas im richtigen Moment loslassen
    40. Fleisch grillen
    41. Mit dem Fahrrad ans Meer fahren
    42. Die Milchstraße sehen
    43. Einen Stall ausräumen und frisch machen, die Tiere hin- und weg bringen
    44. Eine Sternschnuppe abwarten
    45. Die Hecke schneiden
    46. Eine chinesische Teezeremonie (Gung Fu) selbst durchführen
    47. Einen Geschirrspüler perfekt einräumen
    48. Den Begriff „Othering“ verstehen
    49. Die Inhaltsstoffe von Leberkäse aufzählen
    50. Mit der Eisenbahn nach nach Schruns-Tschguns fahren
    51. Den Wert von Stahlbeton erkennen
    52. Verschiedene Schalter und Ventile zeichnen
    53. Eine Reise stornieren
    54. Fünf Straßenverkehrsregeln beherrschen
    55. Jemanden bitten, dass man sie/ihn fotografieren darf
    56. Gefahren für Demokratie aufzählen
    57. Propaganda beschreiben können
    58. Das Prinzip „Sonne im Mittelpunkt – und nicht die Erde“ verstehen
    59. Verstehen, dass sich zwei parallele Geraden im Unendlichen schneiden
    60. Jemanden bei der Geburt begleiten
    61. Ein Schloss knacken
    62. Den Begriff „Information“ definieren
    63. Ungefähr die Entfernung von St. Pölten, Amerika, Australien und vom Mond kennen
    64. Modellorganismen kennen (Fadenwurm, Fruchtfliege, Kolibakterium)
    65. Vegane Ernährung durchführen
    66. Den Quintenzirkel verstehen
    67. Impfungen cool finden
    68. Ein Mobile bauen
    69. Ein Bild in Rot malen
    70. Ein Projekt am 3D-Drucker durchführen
    71. Einen Haufen Äste zerhacken und zu Bündeln packen („Wied machen“)
    72. Sich um etwas bewerben
    73. Einen Konflikt beschreiben
    74. Einen Wunsch äußern
    75. Fragen stellen, wenn keiner eine stellt
    76. Einen Tag ohne Handy leben
    77. Eine Zeitlang auf einer chinesischen Tee-Farm arbeiten
    78. Jemanden trösten
    79. Einen Hund trainieren
    80. Mit 100 Dingen eine Woche lang leben
    81. Einen Monat ohne Verkehrsmittel verbringen
    82. Eine blinde Person begleiten
    83. Eine taube Person begleiten
    84. Eine Geschichte mit Happyend erfinden
    85. Über einen Fluss schwimmen
    86. Eine fremde Sprache lernen
    87. Alle Meinungen zu einem Thema herauszufinden versuchen
    88. Ein ZIB2-Interview vorbereiten
    89. Mit eine:r Zeitzeug:in reden
    90. Einen Vorgang in einer Skizze darstellen
    91. Einen Computer zerlegen
    92. Die Exponentialfunktion erkennen
    93. Änderungen quantifizieren können
    94. Jemandem dienen
    95. Ein Geheimnis hüten
    96. Eine Prüfung bestehen
    97. Einen Traum deuten
    98. Jemanden retten
    99. Die Phasen der Entwicklung Kakteen aus Samen mitzeichnen
    100. Jemanden verteidigen
    101. Jemanden verurteilen
    102. Sich ohne Wenn und Aber entschuldigen
    103. Jemandem vergeben
    104. Spaghetti Bolognese kochen
    105. Alpaccas richtig streicheln
    106. Einen Bahnübergang überqueren
    107. Eine Ausstellung entwerfen
    108. Einen Liebesbrief schreiben
    109. Eine verbogene Verkehrstafel geradebiegen
    110. Einen Knopf schön annähen
    111. Das Klo putzen
    112. Die Küche perfekt aufräumen
    113. Einen Tag in der Begegnungszone Herrengasse verbringen
    114. Apfelstrudel backen
    115. Kontakt zu einem Feind aufnehmen
    116. Einer Schnecke 5 Minuten zusehen
    117. Ein Auto umparken
    118. Argumente für und gegen das Veröffentlichen einer „österreichischen Islamkarte“ finden
    119. Atmen
    120. Ein Stück für einen Clown entwerfen
    121. Um Hilfe bitten
    122. Ein Gedicht übersetzen
    123. Feedback und Kritik entgegennehmen
    124. Einen Preis verhandeln
    125. Die Modalverben richtig unterscheiden
    126. Mit einem Rollstuhl durch Wien fahren
    127. Um Geld betteln
    128. Suppe für Obdachlose kochen
    129. Zwei Tage schweigen
    130. Kontakt zu eine:m Tourist:in aus Japan aufnehmen
    131. Alle 9 Landeshauptstädte an einem Tag besuchen
    132. Die Früchte eines Baums verwerten
    133. Eine Fläche desinfizieren
    134. Maiglöckchen von Bärlauch unterscheiden
    135. Barfuß durch Schlamm waten
    136. Eine Seite Text auf einen Absatz kürzen
    137. Ein kleines Dach decken
    138. Einen Zug nur knapp versäumen
    139. Ein Gespräch beginnen
    140. Ein Gespräch beenden
    141. Eine Schachtel falten
    142. Die wesentlichen Aussagen von Thomas Piketty „Kapital“ kennen
    143. Das Ende von Titanic ändern
    144. Die Phasen der Trauer von Elisabeth Kübler-Ross kennen
    145. Das Binär- und Dezimalsystem verstehen
    146. Ein Antistress-Seminar besuchen
    147. Altpapier, Plastik und Altglas richtig entsorgen
    148. In einem Fahrradschlauch das Loch finden
    149. Eine große Schachtel Schrauben sortieren
    150. Ein fremdes Passwort herausfinden
    151. Flucht von Suche unterscheiden können
    152. Seinen Computer neu aufsetzen können
    153. Mit einer Person des gleichen Geschlechts Hand in Hand gehen
    154. Den Satz „Satire darf alles“ verteidigen
    155. Einen Podcast starten
    156. Die Grundkräfte des Universums verstehen
    157. Mehrere Formen von Gerechtigkeit kennen (Wikipedia)

    Fehlt was?

  • “Neue Autorität”: Gewählte Macht im Blumenbeet

    Ellbogenarbeit, Bullying. Ist nicht cool. Nur mit Regeln kann dem Einhalt geboten werden. Mit Autorität, die sich nicht vom Schulhof zurückgezogen hat, um ihn jenen zu überlassen, die Regeln mit Körperkraft und reiner Macht bestimmen. Autorität, die sich um alle kümmert. Nach gemeinsam ausgehandelten Regeln. Das braucht Worte, und nicht Kraft.

    Buchtipp: “Neue Autorität” heißt ein Konzept, das von Haim Omer in einem Buch vorgestellt hat, und das ich ganz bemerkenswert fand. Sichtbar zu sein, zu sagen “wir sind hier, damit alle lernen können”, anstatt sich zurückzuziehen, das fand ich passend.

  • Wie geht das mit der VWA

    Wie geht das mit der VWA

    Die Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) ist Teil der Österreichischen Reifeprüfung. Damit das ein bisschen netter wird, habe ich auf meiner Physikseite drüben ein paar flotte Sachen zusammengetragen. Bitte hier entlang: https://www.phyx.at/vwa/

  • Wikipedia und Schule im Jahr 2020

    Ich höre immer wieder mal von Schüler:innen, dass sie in der Schule von Wikipedia gewarnt werden. Besonders im Bereich der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) als Teil der österreichischen Reifeprüfung sollen Schüler:innen mit Quellen von Wissen kompetent umgehen. Wikipedia ist böse. Oder zumindest nicht offen und zugegeben verwendbar.

    Es scheint so, dass Positionen von Lehrer:innen aus der ersten Zeit von Wikipedia stammen und aktualisiert werden können. Hilfreich ist dazu, selbst einen Wikipedia-Artikel zu schreiben, oder auch nur zu bearbeiten, um die aktuellen Mechanismen kennenzulernen, um zu sehen, dass nicht “irgendetwas” in die Enzyklopädie aufgenommen wird. Klar, es muss nicht alles stimmen, was in der Wikipedia steht. Aber: es kann eben nicht jeder alles schreiben. Hat ein Autor keinen Ruf erarbeitet, müssen seine Änderungen oder Artikel erst “gesichtet” werden. Jede Behauptung in einem Wikipedia-Artikel braucht einen Beleg – sonst wird es im Artikel gekennzeichnet. Gelöscht wird da durchaus schnell. Es gibt umfassende Diskussionen über die Relevanz von Artikeln – alles hinter den Kulissen und sichtbar für jene, die selbst mitschreiben.

    Natürlich wird eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema nicht im Überblicksartikel bleiben und vielleicht zu den Quellen des Wikipedia-Artikels, der Belege, führen. Aber als Angabe der Basisliteratur zu wohl allen denkbaren Themen ist der Wikipedia-Artikel meines Erachtens sehr gut geeignet. Er gibt einen Überblick, wurde von mehreren Menschen verfasst, wird ständig aktualisiert, und die Mechanismen der Inhaltserstellungen sind transparent. Selbstverständlich sollte man den zugehörigen Wikipedia-Artikel zum Thema vor der Einreichung einer VWA gelesen haben, des Überblicks wegen – und somit ist es in Ordnung für mich, ihn auch als Basisliteratur anzugeben.

    [quote]Das, was Wikipedia von Lehrer:innen vorgeworfen wird, offen zu sein, um es als Argument zu verwenden, Wikipedia nicht zu verwenden, könnte heute im Jahr 2020 eigentlich umgekehrt gehandhabt werden. Gerade weil sie offen ist, und die Vorgänge dahinter transparent sind, sollte sie verwendet werden. Das ist bei anderen enzyklopädischen Standardwerken nicht unbedingt der Fall. Fehler wird es auch dort geben, nur sind die Vorgänge dahinter nicht transparent. — Lothar Bodingbauer, VWA-Betreuung am Abendgymnasium Wien.[/quote]

    Übrigens: wenn es sich um Lehrbuchwissen handelt, brauchen Quellen nicht angegeben zu werden. Man muss also nicht immer und unbedingt dazusagen, dass man sein Wissen aus der Wikipedia hat. Empfehlenswert ist in jedem Fall, vor allem Lesen sich über ein Thema selbst Gedanken zu machen, was man weiß, was man erwartet, um dann genauer nachzulesen. Und selbstverständlich sollte man den Wikipedia-Artikel zu jedem Thema gelesen haben, mit dem man sich irgendwo im (halb-)öffentlichen Raum beschäftigt, bevor man loslegt.

  • Gedanken zum Mathematikunterricht

    Gedanken zum Mathematikunterricht

    Verbesserungen in Mathematik

    Dieser Text entstand durch ein Anonymes PAD, an dem alle mitschreiben konnten, die wollten.

    Beobachtungen:

    1. Schularbeiten und Ergebnisse:
      1. Oft ist die Stoffangabe unklar. Was soll gelernt werden, was soll gekonnt werden.
      2. Die Anzahl an Nicht genügend bei den Schularbeiten ist riesig.
    2. Unterricht vor Ort:
      1. Unterricht beschränkt sich oft auf das Vorrechnen von Beispielen.
      2. Fragend-entwickelnder Unterricht funktioniert bei den “neuen Beispielen” nicht mehr als Standardmethode.
      3. Lehrer wissen auch oft nicht, wo sie anfangen sollen.
      4. Anwesenheiten (Schule für junge Erwachsene): oft kommt jemand nur jedes zweite Mal. Das geht nicht.
      5. Viele Schüler:innen wollen nicht reden.
      6. Viele Schüler:innen können nicht reden.
    3. Lernen:
      1. Schlechte Schüler wissen nicht, wo sie anfangen sollen.
      2. Viele SuS fangen oft sehr spät/kurzfristig zum Lernen an.
      3. Einige SuS lernen nicht, sondern lesen nur oberflächlich ohne zu reflektieren.​​​​​​​

    Vorschläge:

    1. Klare Listen für jedes Semester, was man können muss. Mit Übungsbeispielen aus den Büchern. (Anmerkung: <– dazu gibt es doch den Lehrplan und die Kompetenzen <– Antwort: Wir können jeden Punkt daraus so zur Schularbeit geben, dass ihn niemand beantworten kann, und es ist aus Sicht der Studierenden sehr oft unklar, wo sie anfangen sollen, nachzulernen, auf welcher Ebene; „grün unterlegte Beispiele“ aus Büchern helfen, aber wenn dann trotzdem etwas anderes kommt, gibt es Probleme. Ich muss mich als Lehrer verlässlich & vorhersagbar daran halten)
    2. Onlinekurse leicht zugänglich, wie der für 1. Semester mit Sprachtraining: https://www.phyx.at/mathematik/m1/
    3. Maßnahmen, dass Schüler:innen selbst die Lehrer:innenrolle übernehmen.
    4. Mathe-Partys. Mathe Clubs. Auch die Guten brauchen Motivation. Gibt es Erfahrungen?
    5. Erfolgsgeschichten ein, zwei mal pro Semester, vorgestellt
    6. Meine eigenen “Versuche” im Unterricht (BHS):
      • Wöchentlich wird durch kleine schriftliche Wiederholungen (eine Aufgabe) das zuvor Gelernte “abgeprüft” und somit bekommen die SuS Rückmeldung, was sie z.B. falsch verstanden haben.
      • Die SuS müssen selbst über besprochene Stoffgebiete Zusammenfassungen schreiben (klassische Zusammenfassung, Mindmap, Video drehen, Folder, selber Fragen erstellen (Kahoot)…)
      • SuS viel selber rechnen lassen, ev. eine Musterlösung bereit stellen (geht mit Aufgabenpool recht gut) –> SuS haben dann die Möglichkeit, nicht vor allen anderen Leuten, sondern die Lerperson persönlich Fragen zu stellen
      • Lernvideos einsetzen, bzw. “Flipped Classroom” – falls möglich

    Erste Hilfe:

    1. Fragen an Studierende: Was ist das Problem?
    2. Wie teilst du dir deine Lernzeit ein?
    3. Wie gehst du vor, wenn du nicht mehr weiter weißt?
    4. Mehoden besprechen, wie Hilfe geholt werden kann. Mit welchen Sätzen.
    5. Worte- und Vokabeltraining. Es ist gar nicht klar, ob nicht jemand das Wort “Gelände” mit “Geländer” verwechselt.

    Weitere Gedanken:

    1. Was tun, mit Leuten, die nichts können?
    2. Die Studierenden lernen zu wenig.
    3. Sie können mit Fehlern nicht adäquat umgehen.
    4. Sie haben ihre Unterlagen nicht geordnet.
    5. Positive Bestärkung wirkt immer noch am besten.
    6. Rückmeldungen über Lernerfolg / Misserfolge werden oft fatalistisch gesehen.
    7. Stress ist unfassbar kontraproduktiv in Mathe – aber viele beginnen nicht zu lernen ohne Stress.
    8. Verantwortungen sind zu trennen: wer muss wofür Verantwortung übernehmen?
    9. Wir müssen mehr voneinander wissen, es geht nicht mehr, dass wir isoliert unser Ding machen.
    10. Wenn von 20 Handystunden pro Woche nur 5 Stunden zur Mathematik wandern, wäre das Problem gelöst.
    11. Es gibt viele Insel-Initiativen. Was fehlt, sind große Stimmungen und Trends. Fairs/Konferenzen zum Austausch.
    12. Viele Maßnahmen führen dazu, dass die Lehrer immer besser werden, nicht die Schüler.
    13. Alles ist unüberschaubar.
    14. Schnittstellen Abendschule – Tagesschulen. Wer kommt wann warum.

    Guter Link: Simon Singh, Parallel

  • Kommentar zur neuen Mathematikmatura

    “Es ist ein Problem der Kommunikation.”

    Gedanken zur Reifeprüfung Mathematik

    Die zentrale Reifeprüfung in Mathematik hat inhaltlich keine Probleme. Die Beispiele sind schön, passend, interessant und im Schwierigkeitsgrad angemessen. Die schlechten Ergebnisse zeigen Eines: wie gut die Kommunikation nicht funktioniert. Bisher konnte jedes Probleme durch passende Angaben gelöst werden. Das ist nun nicht mehr so.

    Das Problem der schlechten Leistungen der neuen Reifeprüfung in Mathematik wird überstürzt auf die fehlende sprachliche Kompetenz der Schüler:innen geschoben. Das greift zu kurz.

    Die gesamte schlechte Kommunikation fliegt auf.

    1) Innerhalb der Fachgruppe. Wie gut reden die Lehrer:innen miteinander.

    2) Innerhalb den Schüler:innen. Wie gut reden die Schüler:innen miteinander.

    3) Zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen.

    4) Zwischen Eltern und Schüler:innen.

    5) Zwischen Bifie und Lehrer:innen, zwischen Schulaufsicht und Lehrer:innen, zwischen Direktion und Lehrer:innen.

    Ich wiederhole: bisher wurden Probleme auf allen fünf Ebenen in Mathematik gelöst, in dem die zur Gesamtsituation passenden Angaben gegeben wurden.

    Die Beispiele der zentralen Reifeprüfung können nun nur gelöst werden, wenn deren Inhalte von den Schüler:innen verstanden wurden. Das geht nicht mehr alleine (“ich lerne das zuhause”), das geht durch Kommunikation (“wir reden über Mathematik”). Können Lehrer:innen genügend Gesprächssituationen im Unterricht schaffen? Können Sie diese Situationen plausibel machen? Können Sie Schwächen im kommunikativen Bereich verbessern?

    Wollen die Schüler:innen mit Lehrer:innen über die Inhalte sprechen? Wollen sie miteinander reden, um offene Fragen und ihr Lernen zu diskutieren? Wie gelingt es den Eltern, mit ihren Kindern über Mathematik zu reden. Können sie es überhaupt? Wie lange tun sie es schon – die Oberstufe dauert 4 Jahre. Kommunikation kann nicht im letzten Moment gelernt werden.

    Lehrer:innen weisen schon in der 5. Klasse die Schuld den Schüler:innen zu, sie müssten besser, mehr lernen. Das greift zu kurz.

    Es geht um den problematischen Umgang mit Modalverben in Österreich: Können die Schüler:innen reden? Verstehen sie die Sprache? Worüber wollen sie reden? Verstehen sie den Sinn des Redens? Worüber dürfen sie reden? Sind Fehler diskutierbar, Teil der Kultur, oder führen sie zu Minus, Punktabzug, schlechtem Image und Noten? Wie müssen sie reden? Und ja, wie müssten sie es tun.

    Es geht um Autoritätsgläubigkeit, Hörigkeit, Unterdrückung, Gewalt. Das fliegt auf, bei der Mathematikmatura. Weil sie vollständiges Denken, vollständige Menschen braucht. Jene Leute, die diese Art der Matura in Österreich eingeführt haben, haben Großes geleistet. Aber jetzt wird durch die schlechten Ergebnisse sichtbar, was wir alles nicht haben:

    Wir verstehen die Gestaltung von Prozessen noch zu wenig, wir denken noch immer in Zuständen. Leistung wird als Zustand gedacht. Leistung ist ein Prozess, Kommunikation ist ein Prozess.

    Die folgenden fünf Vorschläge sind im wesentlichen: Verbesserung der Kommunikation.

    Vorschlag 1: Achtsamkeit als Thema.

    1) Wie sprechen die Ebenen miteinander.

    2) Wozu sprechen sie miteinander.

    3) Wie können Schüler:innen einen wertschätzenden Umgang in ihrer Kommunikation mit sich selbst beim Mathelernen entwickeln.

    Vorschlag 2: Förderung der Kommunikation.

    Sie findet zwischen Menschen statt, um sie zu verbinden. Was können Lehrer:innen dazu beitragen? Wie verständlich ist das Bifie, das Ministerium, der Schulrat? Es braucht hier Experten der Wissensvermittlung. Profis. Warmherzige Menschen.

    Vorschlag 3: Verbesserung der Bildungssprache.

    “Typ 1”-Aufgaben und “Typ 2″-Aufgaben sind schreckliche Wörter. Das Können, das Wissen; können, wissen. Die Frage, fragen. Das sind schöne Wörter. Damit können wir arbeiten. Es braucht hier Experten der Sprachgestaltung. Profis. Warmherzige Menschen.

    Vorschlag 4: Konzentration auf Prozesse.

    Sprechkontakte schaffen. Sprechgelegenheiten schaffen. Die gesprochene Sprache der geschriebenen Sprache mehr Gewicht geben. Dem Zuhören. Dem Entwickeln. Bei Geschriebenem entwickelt sich nichts. Geschriebenes diente in Österreich zu oft der Verlautbarung. Beim Reden passiert das Gute.

    Vorschlag 5: Tafeln abmontieren. Dann können Lehrer:innen nicht mehr vorne stehen und predigen. Individualisierung. Die neuronalen Netze können die Schüler:innen im Bereich der Mathematik nur durch Selbsttätigkeit knüpfen. Sonst: alles was Spaß macht. Podcasten etwa. (Aus dem Abendgymnasium z.B. das „Schulgespräch”: http://schug.sprechkontakt.at)

    Zeit gibt es genug. Inhaltlich ist mathematisch alles möglich, die Inhalte sind zeitgemäß. Die Verbesserung steckt im “wie”. Im “miteinander”.

    Ich müsste meine Gedanken eigentlich im Gespräch erzählt haben, weil ich auch mein Gegenüber hören wollte.

    (Lothar Bodingbauer, Abendgymnasium Wien, https://www.sprechkontakt.at)

    #reifeprüfung #mathematik #schule #kommentar

  • Fakt oder Meinung?

    Ich habe mir das näher angeschaut. Fakt oder Meinung?

    Vielen Menschen fällt es schwer, Fakten von Meinung zu unterscheiden. Das ist aber wichtig. Besonders in Zeitung, Radio und Fernsehen sollten Fakten und Meinungen nicht vermischt werden. Wo ist da der Unterschied?

    Fakt: Eine Tatsache. Etwas Messbares. Eine Beschreibung von einem Zustand. Eine Beschreibung von einem Prozess. Der Übermittelnde halt es für wahr. Es gibt eine objektive Begründung. Es kann überprüft/demonstriert/gezeigt werden. Ein Faktum ist also etwas Allgemeines. Oft erkennbar durch hat/ist/sind/können in der Einleitung, oder der Phrase “es ist bekannt, dass…”, allerdings nicht jede dieser Einleitung bringt dann ein Fakt. Wenn es als Fakt erkannt wird, meinen Menschen oft, dass das Fakt damit auch genau (richtig) ist. Wenn fälschlicherweise als Meinung bezeichnet, dann stimmen diese Menschen üblicherweise dieser Meinung nicht zu (s. Link). Englisch: factual statement.

    Beispiel:

    • Die Banane ist gelb. Sie hat braune Punkte.
    • Viele Lokale sind rauchfrei.
    • Katzen können auf Bäume klettern.

    Meinung: Eine Bewertung. Eine Einschätzung. Eine Interpretation. Eine Beschreibung von einem Gefühl. Eine Beschreibung von einer Stimmung. Der Übermittelnde halt sie für wahr. Die Begründung dazu ist aber nicht objektiv. Eine Meinung ist also etwas Persönliches. Oft erkennbar durch: sollen/müssen/dürfen in der Einleitung, oder Eigenschaftswörter (groß/bester/vernachlässigbar/immer), oder der Phrase “Meiner Meinung nach…”. Wenn sie als Meinung erkannt wird, wissen Menschen im allgemeinen, dass sie zustimmen können, aber nicht müssen (s. Link). Selbst Expertenmeinungen sind keine Fakten. Englisch: belief, opinion statement (Stellungnahme).

    Beispiele:

    • Die Banane schmeckt ausgezeichnet. Sie ist reif.
    • Es sollte ein Rauchverbot in Lokalen geben.
    • Katzen müssen auf Bäume klettern.

    Ist der Folgende Absatz Fakt oder Meinung?

    Bevor man eine Meinung hat, braucht man idealerweise Fakten. Man sollte sich also erst ein Bildung von der Situation machen, bevor man eine Meinung dazu formuliert. Eine Meinung kann sich aber durchaus nur auf andere Meinungen stützen. Dann ist es halt keine eigene Meinung.

    Weiterführender Link: http://www.journalism.org/2018/06/18/distinguishing-between-factual-and-opinion-statements-in-the-news/

    https://twitter.com/LoBodingbauer/status/1008972857685274624

    Dazu zwei Interviews von CBC Radio One (As it Happens), in denen jeweils der andere Standpunkt eingenommen wird. Zwei 8 min. Interviews für jede Journalismusschulung. Link zur Zusammenstellung.

    Weiterführende Fragen:

    1. Wer hat Interesse daran, dass Fakten von Meinungen beim Formulieren getrennt werden? Die Senderseite.
    2. Wer hat Interesse daran, dass Fakten von Meinungen beim Hören und Verstehen getrennt werden? Die Empfängerseite.
    3. Was bedeutet Glaubwürdigkeit?
    4. Was bedeutet “hinterfragen” bzw. “kritisch denken”?
  • Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA)

    Ein VWA-Manual wird entwickelt. Mit Adobe Indesign Unterstützung schön teilbar. Ziel ist: viel Lust zu eigener Forschung und wenige beschränkende Elemente.