Muster im Stoff, die sich bestimmten Regionen eines Landes zuordnen lassen. Zu Besuch im Heimatwerk Oberösterreich, bei Maria Huber. Sie ist Filialleiterin und erzählt über die Trachtenmode, die in den letzten Jahren auch bei jungen Menschen einen großen Aufschwung erlebt hat. Was haben die Muster damit zu tun?
Gesprächspartnerin:
Maria Huber, Oberösterreichisches Heimatwerk, Linz
Hinweis: Ausschnitte aus diesem Gespräch werden in einer Radiosendung zu hören sein, die am 14. Juli 2019 von 18:15 – 19:00 Uhr im ORF Radioprogramm Österreich 1 ausgestrahlt wird. Link: Moment – Leben heute
Während Muster im Stoff ganz allgemein gesehen werden sollen, ist das bei Militäruniformen genau umgekehrt. Soldat:innen sollen mithilfe der Tarnmuster mit dem Hintergrund verschmelzen.
(Ergänzung/Korrektur zum Gespräch: die Spezialeinsatzkräfte haben ihre flecktarnfärbigen Einsatzanzüge nicht in den 90er Jahren bekommen, wie erwähnt, sondern erst 2012)
Gesprächspartner:
ADir Oberst Ing. Thomas Lassenberger Leiter HBA (Heeresbekleidungsanstalt) Österreichisches Bundesheer
Hinweis: Ausschnitte aus diesem Gespräch werden in einer Radiosendung zu hören sein, die am 14. Juli 2019 von 18:15 – 19:00 Uhr im ORF Radioprogramm Österreich 1 ausgestrahlt wird. Link: Moment – Leben heute
Wer das Angebot hat, für zwei Jahre an der Österreichischen Schule in Guatemala zu unterrichten, muss zunächst alle Familienmitglieder befragen. Jede:r könnte mit – in Form eines Auslandsschuljahres, oder in Form eines Karenzjahres für die mitreisende Partnerin. Aber jeder muss zustimmen, denn die Kinder sind zu alt, um sie einfach einzupacken, und zu klein, um sie alleine in Österreich zu lassen. Wir haben uns gemeinsam entschieden – zuhause zu bleiben. Wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind, und warum alle damit zufrieden sind, das beschreibe ich hier.
Aus zeitlichen Gründen hat sich die Bewerbung mit anschließender Bestätigung der Entsendung und die Entscheidung der Familie überlappt. Wir haben also nicht vor der Bewerbung entschieden. Das hatte für den Arbeitgeber Nachteile, es wurde aber im Bewerbungsgespräch von mir ausdrücklich angesprochen.
Wir wussten also: den Job gibt es. Und jetzt müssen wir herausfinden, ob “wir” ihn annehmen. Technisch sind mitreisende Kinder und Partner absolut willkommen, gerade an einer österreichischen Schule ist alles mit der Bildungsschiene in Österreich kombinierbar für die Kinder.
Wir haben den Informations- und Diskussionsprozess von der eigentlichen Entscheidung getrennt. Es war also klar, dass niemand an irgend einem Punkt eine Entscheidung trifft, bevor wir nicht gemeinsam am Entscheidungstisch sitzen.
Schritt 1: Entscheidungs-Matrix
Was spricht für oder gegen “gehen”, was spricht für oder gegen “bleiben”. Jeder der vier Beteiligten schreibt auf eine bestimmte Post-it Farbe die Argumente und positioniert sie im jeweiligen Quadranten. Besonders wichtige Punkte können mit einem extra Klebesymbol (Pferd, Blume, Stern, etc.) gekennzeichnet werden. Interessant war für die Kinder, dass ein Argument für das Gehen nicht unbedingt ein Argument gegen das Bleiben war. Alle vier Felder brauchen eigene Gedanken. Dieser Schritt hat sehr gut funktioniert, das Plakat wurde an die Zimmertür gehängt.
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Wir haben danach immer wieder im Raum miteinander gesprochen und konnten auf die Tür verweisen. Was man sieht ist, dass es bei niemandem nur Nachteile gibt, dass es bei niemandem nur Vorteile gibt, dass sich das Verhältnis der Vor- zu Nachteilen bei allen vier Personen stark unterscheidet. Die Sache würde also komplex werden.
Schritt 2: Weitere Informationen
Ein zweitägiges Seminar folgte und es kamen Informationen aus dem Ministerium, was Bezahlung und weitere Modalitäten betrifft. Und es folgten Gespräche mit einer Lehrerin der Schule, die bei diesem Seminar dabei war und beim Abendessen auch für Fragen der Familie zur Verfügung stand. Schwierig war, alle Familienmitglieder an diesen Tisch zu bekommen, weil sonst eigentlich eine Vorentscheidung getroffen worden wäre, wenn man diese besonders wertvollen Informationen nicht abholt oder erfragt.
Schritt 3: Bauchgefühl
Es war keine Eindeutigkeit bzw. Einstimmigkeit vorhanden. Zu sehr waren die Beweggründe, Wünsche, Sorgen, Hintergründe unterschiedlich, verwoben, vermischt und verwischt. Gespräche mit dem größeren Familienkreis brachten zusätzliche Informationen für Zwischen- oder Teillösungen. Einer von uns könnte beginnen, nach dem ersten Jahr könnte man nachkommen. Eine Ferienreise würde das Gebiet zeigen, man würde besser wissen, wofür- oder wogegen man entscheidet. Aus alldem entwickelte sich aber kein gemeinsamer eindeutiger Trend.
Schritt 4: Aufschlüsselung der Entscheidungsarten
Chefentscheidung: Geht nicht, da die beiden Erwachsenen keine klare Chefrolle beanspruchen, sondern recht fluid und austauschbar diese Rolle ausüben.
Mehrheitsentscheidung: Geht nicht, da es scheinbar 2:2 stand.
Eindampfen der Möglichkeiten: Kann gemacht werden, wenn viele verschiedene Möglichkeiten vorliegen, die man gruppieren und sortieren kann. War aber nicht, denn es gab nur eine Entscheidung: das Angebot anzunehmen, oder nicht. Die Zusage musste bis Schulende (innerhalb 14 Tagen) erfolgen.
So gesehen war an dieser Stelle eine Patt-Situation, die eigentlich ein “nein” als einzige Möglichkeit zuließ. Das hätte aber zumindest zwei von vier Personen frustriert. Die eine Gruppe hätte der jeweils anderen Gruppe die Schuld geben können, später vielleicht, eine positive Lebensentscheidung verhindert zu haben.
Das wollten wir nicht, daher eine vierte Art der Entscheidung, die aus dem Gebiet der Soziokratie kommt.
Es ist die Suche nach den inakzeptablen Szenarien: Es geht darum, dass jede:r eine Position formuliert, die für sie oder ihn definitiv nicht möglich ist. Dafür brauchten wir eine gute Stunde Zeit. Es war inhaltlich gut machbar, weil wir bereits alle möglichen Punkte kannten. Neu war die Art zu denken: Was möchte ich nicht, dass eintritt, auf keinen Fall. Trotz aller Zwischen- und Mischlösungen, was sollte nicht sein. Diese Position konnte jede:r formulieren (Schritt 1), und jede:r am Tisch hörte diese Formulierungen. Daraufhin (Schritt 2) formulierte jede:r Szenarien, die trotz der vier verschiedenen “no-go´s” möglich wären.
Und da war es dann klar: das einzige Szenario, das alle vier klaren Negativ-Positionen wertschätzt (acknowledged), war, das Angebot des Ministeriums nicht anzunehmen, nach Guatemala zu gehen.
Interessant dabei war, dass die Sache auf einer höheren Ebene Widersprüche gezeigt hat. Wer die “PM-Logikrätsel” kennt, weiß, dass es erst durch die Kombinationen von Elementen Umstände und Informationen gibt, die neuartige Erkenntnisse zu lassen. So war das auch bei uns. Durch die Formulierung eines bestimmten “no-go´s” musste ein anderes “no-go” geändert werden, was eine Verkettung zutage brachte, die zu Beginn nicht einsehbar war. Wenn man dann die Positionen beider Personen berücksichtigt, war das letzte mögliche “wir gehen nach Guatemala” Szenario nicht mehr im Rennen, und als einzige Möglichkeit blieb “nicht annehmen” über.
Wir verblieben an diesem Abend, dass wir mit der Entscheidung noch bis zum nächsten Tag warten würden, falls noch jemandem etwas einfällt.
Schritt 5: Die Entscheidung
Am nächsten Tag kamen wir am Küchentisch zusammen, besprachen die Möglichkeiten, eine Entscheidung zu treffen: Chef, Mehrheit, Eindampfen und die “Suche nach dem inakzeptablen Szenario”. Wir stimmten dafür, unsere Entscheidung nach dieser vierten Methode zu treffen. Somit haben wir nicht abgestimmt, ob wir nach Guatemala gehen oder nicht, sondern wir haben abgestimmt, wie wir entscheiden. Das war sehr spannend zu sehen.
Der Vorteil dieser Entscheidungsart war für uns sehr wichtig:
Niemand ist “schuld” an der getroffenen Entscheidung. Sie konnte nur gemeinsam entstehen. Wir können einander nicht zuschreiben, Grund für die Entscheidung zu sein. Das nimmt die Verantwortung von allen Schultern, besonders auch später in einigen Jahren.
Jed:r einzelne hätte eine „für-Guatemala“-Entscheidung ermöglichen können, indem auf die jeweilige “no-go”-Position verzichtet worden wäre. Da aber im Mittelpunkt unseres Wunsches war, diese vier Positionen zu respektieren und einzuhalten, war dies keine mögliche Option. Warum? Wir kennen Menschen, die durch Umstände, denen sie ausgesetzt waren, durch Entscheidungen, an denen sie nicht mitarbeiten durften, ein Leben lang betroffen sind.
Und wie ist es bei Euch? Habt ihr auch Erfahrungen mit komlexen Entscheidungen gemacht? Mail an lothar@sprechkontakt.at
Epilog: Der Schuldirektor hat sehr verständnisvoll reagiert und die Einladung ausgesprochen, sich wieder zu bewerben, wenn die Stelle in dieser Fächerkombination neu ausgeschrieben wird und sich die familiäre Situation geändert hat.
Dank an Ingrid/Linda/Alexandra für die Entscheidungsmatrix, Dank an Gottfried für das Erzählen der Methode der Soziokratie, Dank an alle Beteiligten für die Geduld.
Update 2022: Über das Mindset beim Entscheiden spricht die Psychologin Agnes Justen-Horsten in Folge 98 von Nicolaus Kreutters Auswanderer-Podcast.
Silke Geppert ist Kustodin und Kuratorin am Museum für Angewandte Kunst in Wien. Ihr Spezialgebiet: Sammlung Textilien und Teppiche.
Hinweis: Ausschnitte aus diesem Gespräch werden in einer Radiosendung zu hören sein, die am 14. Juli 2019 von 18:15 – 19:00 Uhr im ORF Radioprogramm Österreich 1 ausgestrahlt wird. Link: Moment – Leben heute
Jürgen Mandel ist technischer Textildesigner. Er arbeitet bei Backhausen im nördlichen Niederösterreich und erzählt, wie das Muster vom Entwurf weg in den Stoff kommt. Eine Kombination aus Persönlichkeiten, Ausbildung, Wissen, Erfahrung, Tradition, Öffnung und Qualität — so kann Weberei in Österreich funktionieren, auch wenn sich weltweit viele Produktionsstandorte in Ländern mit niedrigeren Löhnen befinden.
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Zu Besuch bei Wolfgang Kosak, Petra Kosak und Stephan Thierry in Wien. Sie entwerfen Designs für Webereien, für Textilien, Tapeten, Geschenkpapier und Keramik. Zu finden in der ganzen Welt.
Link:
Foto: Stephan Thierry, Bearbeitung: Petra Kosak
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