Vergangenes Wochenende wurden die Golden Globes verliehen, Preise für die besten Filme und Fernsehsendungen. Für die besten Schauspieler, die beste Regie. Die beste Serie. Die Vergabe bestimmt eine Gruppe rund 100 internationalen Journalisten, die in Hollywood arbeiten. Und bei dieser 78. Verleihung viel es auf, dass die schwarze Community unter den Abgesandten der internationalen Medienwelt in Los Angeles nicht repräsentiert ist. Die Schauspielerin Jane Fonda erhielt einen Preis für ihr Lebenswerk. “Lasst uns das Zelt größer machen”, sagte Fonda in ihrer Rede. Die Diversität sollte in Hollywood, im Zentrum der amerikanischen Erzählindustrie, doch größer sein.
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343. Schwerefeld der Erde
Die Erde sieht vom Weltraum perfekt rund aus. Es gibt kein “oben” und kein “unten”, weil die Schwerkraft wirkt und alle Dinge die “oben” sind nach “unten zieht”. Die Anziehungskraft der Massen, erstmals wissenschaftlich beschrieben durch Isaac Newton und wichtig als Teil der Relativitätstheorie von Albert Einstein.
Rund ist die Erde aber bei präzisen Blick nicht. Je nachdem, wie die Masse im Erdinneren verteilt ist, ändert sich die Schwerkraft im Gebiet darüber, und das hat Auswirkungen auf die Form der Erde. Dazu kommen die regelmäßige Auswirkungen der Anziehungskraft von Sonne und Mond, die Gezeiten. Sie “walken” die Erde durch und verändern das Schwerefeld.
Wenn jemand Interesse an einer präzisen Höhenangabe hat, braucht diese Person alle Informationen über die Unregelmäßigkeiten. Er möchte das sogenannte “Geoid” kennen, ein perfektes Modell der Erde mit allen Unregelmäßigkeiten. Der Bezugspunkt, die “Meereshöhe 0”, braucht ebenfalls Informationen über das Geoid. Es ist aus vielen Messpunkten und der kontinuierlichen Beobachtung des Schwerefelds durch Satelliten entstanden. Das Geoid sieht aus wie eine Wetterkarte mit Luftdruck- oder Temperaturverteilung und ist ein wichtiges “Produkt” der Geodäsie, der präzisen Vermessung der Erde.
Interviewpartner
Em. Univ.-Prof. DI Dr. Hans Sünkel
Österreichischen Akademie der Wissenschaften – Institut für Weltraumforschung https://www.oeaw.ac.at/iwf/
TU Graz – Institut für Geodäsie
1. Eine unförmige Erde (Filename: radio343_nat_schwerefeld_1 mp3)
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2. Eine veränderte Zeit (Filename: radio343_nat_schwerefeld_2 mp3)
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3. Berge unter den Meeren (Filename: radio343_nat_schwerefeld_3 mp3)
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4. Die Meereshöhe “Null” (Filename: radio343_nat_schwerefeld_4 mp3)
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5. Die Auswirkungen der Jahreszeiten (Filename: radio343_nat_schwerefeld_5 mp3)
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Foto: NASA / Virginia CubeSat Constellation Satellites Deployed from Space Station
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342. Blick zu den Sternen
Warum ich zu den Sternen blicke
Blicke zu den Sternen gehören neben der Wahrnehmung von Sonne und Mond zu den wohl eindrücklichsten Erlebnissen der Kindheit. In der dunklen Nacht den Kopf zu heben, um bei klarem Wetter „die Unendlichkeit“ zu sehen, das haben wir wohl alle irgendwann erlebt. Es kamen viele Fragen, und im Idealfall viele Antworten. Oft Jahre später.
Für Wissenschaftler:innen, die sich mit dem Universum beschäftigen, entstehen neben den Antworten dann auch immer neue Fragen. Der eine beschäftigt sich mit Galaxien, wie sie entstehen, und wie sie zusammenhalten, der andere mit den technischen Fähigkeiten, sie zu fotografieren. Wenn es jemanden gibt, der darüber nachdenkt, ob es „Leben da draußen“ gibt, wird es ein anderer auch suchen – und muss sich dazu überlegen, wie man es denn finden kann. Und es gibt jene, die sich überlegen, wie man das Wissen über das Universum weitererzählen kann, sodass es alle verstehen – sie halten Kurse und betreiben Planetarien.
Der Blick zum Himmel ist etwas, was begeistert. Die Faszination darüber teilen sie alle. Sich selbst als Mensch vom Universum zu lösen, würde ihnen dabei schwer fallen, besonders dann, wenn sich die Sterne, bei voller Dunkelheit im Gebirge oder beim Beobachten am Meer, von Horizont zu Horizont ziehen.
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341. Der Fadenwurm
Der Nervennetz des Fadenwurms: Der Neurobiologe Manuel Zimmer spricht über Caenorhabditis elegans, einen der wichtigsten Modellorganismen der Biologie. Abgekürzt wird dieser Fadenwurm „C-elegans“ genannt.
Caenorhabditis elegans, der Fadenwurm, ist neben der Fruchtfliege (Genetik) und der Acker-Schmalwand (Botanik) einer der wichtigsten Modellorganismen der Biologie. Er ist klein, durchsichtig, genügsam und braucht für seine Entwicklung nur 3 Tage. Das ist aber noch nicht alles. Jeder Wurm hat die gleiche Anzahl an Zellen – etwas über 1000 – und die gleiche Anzahl an Nervenzellen – etwas über 300. Jede dieser Zellen hat eine eigene Bezeichnung und kann so zunächst kartiert – das ist noch zum Ende des 20. Jahrthunderts passiert – und auf ihre Verbindungen untersucht werden – das ist jetzt Gegenstand der Forschung.
Einerseits geht es bei den wissenschaftlichen Untersuchungen derzeit um Fragen zum programmierten Zelltod. Während der Entwicklung eines Fadenwurms sterben einige Zellen geplanterweise zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt wieder ab. Das ist für die Krebsforschung vom Interesse. Bei Krebs gibt es Störungen beim programmierten Zelltod, die Krebszellen vermehren sich unkontrolliert. Andererseits sind besonders die Nervenzellen des Fadenwurms für Neurowissenschaftler interessant. Sie können deren Aktivität durch genetische Tricks sichtbar machen. Ist ein Neuron aktiv, flackert es im Mikroskop auf. Der Fadenwurm leuchtet beim „denken“.
So wird es möglich, das Verhalten zu untersuchen, und zwar auf neuronaler und genetischer Basis. Was im Wurm ist wofür zuständig? Auch Schlaf-Forschung wird auf zellulärer Ebene möglich. Wenn sich ein Fadenwurm schlafen legt, kündigen das seine Neuronen im Vorfeld an.
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340. Appell
“Appelle haben nicht geholfen”, meinte gestern der deutsche SPD Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. “Ohne den schnellen Teil-Shutdown droht uns ein längerer Voll-Lockdown nur wenige Wochen später. Jetzt können wir noch ein relativ normales Weihnachten und bis dahin offene Schulen retten.” Das gilt für Deutschland. Aber analog meint das offizielle Österreich das selbe: Der Halloween-Appell von Gesundheitsminister Anschober. Der Allerheiligen-Appell von Bundeskanzler Kurz. “Es darf nicht die Post abgehen”, so Anschober. Keinen Blödsinn machen. Und zuhause zu bleiben. Appell.
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339. Menschlicher Faktor
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Menschliches Versagen bei Flugzeugunfällen
Diagonal 17.10.2020, Lothar Bodingbauer, 7 min.BEITRAG
Es war kein ganz normaler Flug. Schon von Beginn an. Kurz nachdem der Airbus der Hapag Lloyd am 12. Juli 2000 in Kreta gestartet war, ließ sich das Fahrwerk nicht einfahren. Kein allzu großes Problem eigentlich. Kommt vor, ist gut geübt und gut bekannt. Der Flug wurde fortgesetzt und landete nicht wie geplant in Hannover, sondern in Wien. Allerdings: am Acker vor der Landebahn. 143 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder mussten das Flugzeug über die Notrutschen verlassen. Alle haben überlebt, aber 26 Personen wurden verletzt. – Der Treibstoff war ausgegangen. Überraschend für die Piloten, denn der Flugrechner im Airbus-310 hätte eine geordnete Landung zumindest in München vorausberechnet. – Was war passiert? Luftwiderstand: Wer mit ausgefahrenem Fahrwerk fliegt, braucht um die Hälfte mehr Treibstoff. Das wussten die Piloten, sie dachten aber, dass der Flugrechner das auch weiß, und miteinbezieht in seine Berechnungen.
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Was macht es? Warum macht es das? Und was macht es als nächstes?
Das fragen sich Pilotinnen und Piloten sehr häufig, wenn sie es mit komplexen Systemen zu tun haben, denen sie vertrauen müssen. Der Flugrechner ist so ein System.
Und jetzt kommt das “hätte”, dieses unscheinbare Wort, das die Verzweigungen des Schicksals in der Vergangenheit ermöglicht. “Hätte” der Pilot nicht versucht herauszufinden, was der Flugrechner macht, warum er das macht, und was er als nächstes macht, hätte er seine Denkzeit verwenden können, eine bessere Lösung für das Problem “Fahrwerk lässt sich nicht einziehen” zu finden. “BIAS” heißt das auf Englisch, wenn Menschen ihre Gedanken in einem bestimmten Licht führen. Voreingenommenheit. BIAS, eine gedankliche Schlagseite, die man erhält, weil vielleicht die Zeit knapp ist. Es gibt mehrere davon: Den Bestätigungs-Bias zum Beispiel: Die Lösungssuche konzentriert sich auf bisherige Annahmen. Der Aufmerksamkeitszurodnungs-Bias, er tritt unter Stress auf, die Reihenfolge strukturierter Abläufe wird verworfen und der Bedrohung geopfert. Und neben diversen Biases gibt es noch den Tunneleffekt, die Konzentration auf das Problem statt der Rundumsicht; Aufgabeneliminierung: unter hoher Belastung werden ganze Handlungsketten ausgelassen. Und: das Vertrauen in die eigene Kontrollfähigkeit, vulgo: sich zu überschätzen; plus Autoritätsgefälle im Cockpit – dem Copiloten fällt’s auf, und fragt sich, wie sag ich`s dem Chef.
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Die Stresszunahme des Kommandanten wird aus der Sprachauswertung evident …
… steht im Unfallbericht des Hapag Lloyd Flugs 3378 von Kreta zum Acker vor Wien …
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… Symptome der Regression, Stottern und unvollständige Sätze, Äußerungen von Hoffnung und Angst sind in der Sprachauswertung nachweisbar.
Die Piloten wurden von Ereignissen überrascht, anstelle sie vorherzusehen. “Sie flogen hinter ihrem Flieger her”, so heißt es es in der Fliegersprache.
Was passiert ist, wird im Unfallbericht akribisch analysiert: Eigentlich war eine Kontermutter schuld, eine Befestigung, die die Fahrwerkseinziehungshydraulik justiert. Ein Fehler in der Wartung. Die Feinjustierung wurde immer schlabbriger über die Monate und Jahre hinweg, so dass nach 2000 klaglosen Starts und Landungen sich bei der 2001 das eingefahrene Fahrwerk nicht mehr verriegeln ließ. Der Pilot wollte das Flugzeug zurück nach Deutschland bringen – Stichwort: wirtschaftliche Anforderungen – und er verließ sich dabei auf den Flugrechner, der anzeigte, zumindest bis München kannst du fliegen.
“Getheritis” wird ein sehr spezieller BIAS genannt, unter dem Piloten leiden, die viel fliegen. Sie möchten am Abend schleunigst zuhause ankommen, wenn sie schon 5 Flüge hatten.
“Getheritis, ankommen wollen”. Eigentlich kein Problem, wenn es nur das einzige Problem wäre. Sind aber: schlechte Sicht. Seitenwind und ein unstabilisierter Anflug noch mit im Spiel, dann könnte die letzte Entscheidung, die Landung nicht abzubrechen, zum Problem werden.
Unfallberichten listen auch auf, an welcher Stelle zeitlich zurück was getan hätte werden können, um ein Unglück zu verhindern. Beim Flug der Hapag Lloyd war diese Stelle in der Gegend um Graz, dort wäre eine sichere Landung noch möglich gewesen. Besser in Zagreb. Oder in Kreta, in aller Ruhe hätten die Checklisten abgearbeitet werden können, die extra dafür da sind, nichts zu vergessen.
Der Pilot hat seine Fluglizenz aufgrund dieses Unfalls verloren. Unter anderem weil er lange keine Luftnotlage erklärt hat, bis 22 km vor der Landebahn in Wien beide Triebwerke ausgefallen waren. Ob er auch ein Lob erhielt, dass er trotzdem noch landen konnte, und alle überlebten?
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25 Minuten vor der Notlandung äußerte der Kommandant offen und erstmalig auch seine Skepsis hinsichtlich einer erfolgreichen Landung …
… steht im Unfallbericht …
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… und zwei Minuten später räumte er auch ein, dass ihn die Umstände verblüffen. Als danach der Copilot aussprach, dass er zur Überzeugung gelangt sei, dass der Flugrechner den höheren Luftwiderstand doch nicht berücksichtigt, schlug sich die dadurch ausgelöste zusätzliche Überraschung und Belastung des Kommandanten in seiner Sprache nieder.
Selbst das Cockpit-Design kann mitverantwortlich sein, ob Pilotinnen und Piloten Fehler machen – im Krisenfall, wenn es eng wird mit der Aufmerksamkeit. Leuchten alle Lämpchen grün, wenn alles passt, und nur das eine rot? Oder leuchtet nichts, bis auf das Problematische? Welche Alarmmeldungen werden automatisiert ausgerufen? Schüttelt das Steuer, wenn die Strömung droht abzureißen – und sind die Steuerbewegungen des Piloten auch zu spüren vom Co-Piloten?
OT / Markus Völter 1
“Also was die Luftfahrt sehr gut kann erst mal, ist Kommunikation. Jeder Fehler führt nur einmal zu einem Unfall. Weil dann wird viel Aufwand in die Aufklärung gesteckt und es wird dann auch an alle Airlines kommuniziert und es wird gefordert, dass sie Procedures ändern.”
Markus Völter, Softwareingenieur und Autor des Buches “Once You Start Asking”. Er hat mit über 300 Technikerinnen und Technikern über ihren Beruf gesprochen, ihre Arbeit, und ihre Geräte. Und wenn sie versagen.
OT / Markus Völter 2
“Ein weiterer Punkt ist dann eben auch eine Fehlerkultur, dass man Fehler zugibt. Und eben nicht die Angst hat, das man dann als Depp dasteht oder gefeuert wird. Und was auch dabei hilft, ist dieses anonyme Reporting. Das man sagen kann, hey ich habe heute den Kapitän soundso beobachtet und das war echt übel, was der Mann getrieben hat, redet mal mit dem. Man muss solche Prozesse gut designen. Weil Fehlerkultur heißt ja, dass alle Willens sind, Fehler zuzugeben und damit konstruktiv umzugehen.”
Dazu kommt natürlich: Gutes Handwerk, und: trainieren, was sich trainieren lässt. – Rein technische Gebrechen, wie das plötzliche Ausfahren der Schubumkehr in vollem Reiseflug, wie das 1991 bei der abgestürzten Lauda Air Maschine im Westen Thailands der Fall war, sind meist völlig neu und nicht vorhersagbar, sonst würde man das ja verhindern.
Menschliches Versagen besteht aus menschlichen Unzulässigkeiten, die für sich ganz normal sind, aber in einer schicksalhaften Verbindung mit Technik zum Schweizer-Käse-Problem werden: wenn sich die Löcher darin zufällig in Linien aneinander reihen, dann fällt der Käse auseinander.
OT / Markus Völter 3
“Also der Punkt ist einfach, dass immer an solchen Grenzsituationen, wo man fast beschlossen hätte, durchzustarten, oder wo die Sicht fast zu schlecht war, oder der Wind fast zu hoch, das ist sozusagen eins von diesen Swiss Cheese-Löchern. – Wenn man es philosophisch betrachtet ist immer der Mensch schuld, weil jeder technische Fehler in der Maschine natürlich auch irgendwie von einem Menschen verursacht wurde, weil die Maschine nicht früh genug getauscht wurde, weil die Wartung fehlgeschlagen hat, weil im Design was kaputt ist. Wir kommen immer beim Menschen raus im Endeffekt.”
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338. Kommission
Ö1 / Moment / Das Wort der Woche / 14.10.2020
Haben die Betriebe in Ischgl zu spät geschlossen, obwohl man von Corona längst schon wusste? Das zu untersuchen, war Aufgabe einer Kommission unter dem Vorsitz früheren Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofes, Ronald Rohrer. Sie hat am Montag ihren 287-seitigen Schlussbericht vorgelegt hat, der öffentlich über die Website des Landes Tirols zugänglich ist. 6 Expertinnen und Experten haben die Fakten und alle Aussagen der Beteiligten gesammelt. Und sie schreiben im ersten Teil des Schlussberichts: es soll keine Anklage sein, wer was falsch gemacht hat, sondern es soll Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wie man bei einer Pandemie besser vorzugehen hat. Kommission – (das Wort der Woche)
SIGNATION
Kommission. Die Vereinigung. Die Verbindung. Aus dem Lateinischen, commissio – das hat auch mit Mission zu tun, einer Entsendung, einem Auftrag. Von “mittere”, etwas Laufen lassen. “Committere”, zusammen etwas laufen lassen.
“Kommission zur fachlichen Beratung im Bereich von Blut und Blutprodukten sowie Blutspende- und Transfusionswesen”, das ist etwa so eine österreichische Kommission, angesiedelt im Sozialministerium. Ehrenamtlich ist dort die Tätigkeit. Wer dabei ist, wird schon anderswo bezahlt: Leiterinnen und Leiter von Blutdepots etwa, Fachärztinnen und Fachärzte aus Universitätskliniken, je eine Vertretung aus der Wirtschaftskammer, der Interessensgemeinschaft Plasma, der Ärztekammer, der Arbeiterkammer, und so weiter.
Oder: die Bioethikkommission, ein “Beratungsgremium für den Bundeskanzler zu Bioethik mit Geschäftsstelle im Bundeskanzleramt”. Darf die CRISPR-CAS Genschere, für die es den Chemienobelpreis heuer gab, verwendet werden, um Menschen, kurzgefasst, gesund zu machen, ist eine der Fragestellungen. Dürfen Stammzellen dazu verändert werden – die Antwort ist ja – oder Experimente an menschlichen Ei- und Samenzellen gemacht werden? – die Antwort ist nein, nämlich genau dann nicht, wenn daraus in der Folge Menschen entstehen.
Oder: Die Kommission für Provinienzforschung. Sie untersucht die österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen “nach Objekten, die heute in Folge einer NS-Entziehung”, so heißt es in der Selbstbeschreibung der Kommission, im Eigentum des Bundes stehen.
Kommissionen sind mit klaren Interessen verbunden.
OT “Kommissionen werden in allen möglichen Bereichen des Lebens gebildet. In der Politik kommen die Aufträge entweder aus den Regierungen, aber auch aus dem Parlament.”
Katrin Auel ist Politikwissenschaftlerin in Wien, sie leitet am Institut für Höhere Studien die Abteilung “European Governance and Finance”, ihr Spezialgebiet ist die Rolle nationaler Parlamente.
OT “In der Regel werden Kommission eingesetzt um ein Thema aufzubereiten. Das gilt für Kommissionen, die außerhalb des politischen Systems eingerichtet werden, das gilt aber auch für einen Teil der Kommissionen die beispielsweise innerhalb des Parlaments eingerichtet werden, denken Sie an Enquetekommissionen und beispielsweise an die Enquetekommission zur Stärkung der Demokratie. DAs war eine Kommission, die ist gebildet worden vom Hauptausschuss des Nationalrats mit dem expliziten Ziel, sich untereinander aber auch mit Experten dieses Themas anzunehmen und sich dafür mehr Zeit dafür zu nehmen, als normalerweise im parlamentarischen Alltag Zeit dafür ist.”
Entscheidungen werden normalerweise nicht getroffen, in Kommissionen, sondern es werden die Voraussetzungen geschaffen, die es den Auftraggebenden ermöglicht, Entscheidungen zu treffen.
OT Häufig geht es darum, Lösungsvorschläge für einen bestimmten Problembereich zu entwerfen, Handlungsempfehlungen zu entwerfen, diese aber nicht selber umzusetzen sondern im Grunde genommen ein Thema für die Politik und später daraus folgende politische Entscheidungen aufzubereiten. Das muss man ein kleines bisschen unterscheiden von Kommissionen, die die Untersuchung eines bestimmten Falles oder eines bestimmte Ereignisses und das Stichwort hier ist natürlich die Ischgl Kommission, die sich damit befassen, hier geht es nicht darum, ein Themenfeld relativ breit aufzuarbeiten, sondern es geht darum, nachzuvollziehen, wie bestimmte politische Abläufe passiert sind, welche Entscheidungen getroffen sind, welche Entscheidungen man hätte besser treffen können. Aber auch hier ist mit einer solchen Kommission in der Regel keine Entscheidungsfähigkeit verbunden, sondern das obliegt dann politischen aber auch unter Umständen juristischen Entscheidungsträger.
Wenn Studien in Auftrag gegeben werden, dann ist das die “Kleine Version”, sozusagen, einer Kommission.
OT “Ja. Studien werden häufig für eine relativ abgegrenzte Frage in Auftrag gegeben, während sich Kommissionen häufiger mit einem großen, breiten Thema beschäftigen.
Oft tragen Kommissionen die Namen bedeutender Persönlichkeiten, und oft werden sie von bedeutenden Persönlichkeiten geleitet. Natürlich auch international. Eine sehr bekannt gewordene Kommission wurde zum Beispiel in Südafrika zum Ende der Apartheid eingerichtet, 1996 durch den damaligen Präsidenten Nelson Mandela: die Wahrheits- und Versöhnungskommission, mit dem Ziel, die Verbrechen der Apartheid aufzuarbeiten, es einerseits den Tätern zu ermöglichen, zu sprechen – sie gingen straffrei aus, andererseits auch die Stimmen der Opfer hörbar zu machen.
Wahrscheinlich findet man jeden Aspekt menschlichen Lebens in einer speziell dafür eingerichteten Kommission. Katrin Auel vom Institut für Höhere Studien:
OT “Mich interessieren natürlich ganz besonders als Parlamentsforscherin parlamentarische Kommissionen, das ist etwas, wo man selbst verständlich hinhört, auch Kommissionen wie beispielsweise die Ischgl-Kommission sind natürlich immer interessant.”
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337. Schwarzes Meer
Österreich 1 / ORF / Vom Leben der Natur, 5. – 9. Oktober 2020
Das Schwarze Meer hat eine geringere Artenvielfalt als das Mittelmeer. Grund ist der geringere Salzgehalt und ein widrigeres Klima in Teilen der Küstenstaaten. Im Winter friert das Wasser des Schwarzen Meeres in Küstennähe dort durchaus zu.
Weniger Arten bedeutet aber nicht unbedingt eine geringere Anzahl an Lebewesen. Jene wenigen Arten, die vorkommen, kommen in einer größeren Zahl vor. Viele dieser Arten können über den Bosporus aus dem Mittelmeer das Schwarze Meer besiedeln, wenn sie es schaffen, in der richtigen Tiefe die richtige Strömung zu erwischen. Andere Arten stammen aus einer früheren geologischen Erdzeit, in der die sogenannte Parathetys Teil eines weltumspannenden Meeres war, das unter anderem auch bis nach Wien reichte.
Das Schwarze Meer steht über die Donau auch mit Österreich in Verbindung. Berichte über Störe (Hausen) aus dem Schwarzen Meer, die auf Wanderungen den Weg zum Oberlauf der Flüsse zurücklegten, gab es bis zum Bau der Kraftwerke und Staustufen auch aus unserer Region.
Für Meeresbiolog:innen ist das Schwarze Meer besonders interessant, weil sie viele Arten und Lebensgemeinschaften aus dem Mittelmeer im Schwarzen Meer in anderen Umständen bzw. Kontexten vorfinden, und so unter Umständen als bekannt und gültig vorausgesetzte Lehrmeinungen revidiert werden müssen.
Interviewpartner:
ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Steiner
Department für Evolutionsbiologie
Universität Wien
Link zu Publikationen -
336. Gehsteiggespräche
ORF Radio Österreich 1, Moment – Leben heute, 29. September, 15:30 Uhr – 15:55 Uhr, 25 Minuten, mit Hörer:innenreaktionen am nächsten Tag
Eine Radio-küsst-Podcast-Produktion: https://www.sprechkontakt.at/gehsteiggespraeche/
Aus einer Serie von sechs Gehsteiggesprächen hier im Bildungspodcast sind Ausschnitte zu einer Radiosendung verwebt.
Seit Menschen in Städten wohnen, teilen sie sich den Verkehrsraum auf. Die Liste der dabei entstehenden Konflikte ist lang. Einerseits sind es planmäßige Begegnungen, andererseits Zufälligkeiten und Unfälle, oft sind es unterschiedliche Interessen, die für Probleme sorgen. Schanigärten, Begegnungszonen, Parkplatz für Autos, Platz für Fahrräder und Roller? Eine Bestandsaufnahme nicht nur der baulichen Anlagen, sondern auch der Möglichkeiten, die es bereits gibt, sich vom wohldefinierten Bürgersteig wieder hin zu einer gemeinsam genutzten Verkehrsfläche zu bewegen. „Gehsteiggespräche“ mit Planer:innen, Historiker:innen und Betroffenen. Hörer:innen haben nach der Sendung die Möglichkeit, Ihre Erfahrungen oder Ideen telefonisch oder per E-Mail einzubringen. (Lothar Bodingbauer)
