Radio, Science, Education

Wien

Radioproduktion

  • 314. Weltraumbotanik

    314. Weltraumbotanik

    Ö1 | Vom Leben der Natur | 17.-21.02.2020

    Foto: Gisele Detrell

    Der Aufenthalt im Weltraum kann wie ein Ausflug sein. Für kurze Ausflüge ist es günstig, Proviant von zuhause mitzunehmen. Bei längeren Ausflügen wird man auch Ressourcen unterwegs nützen. Kürzere Ausflüge – das sind die Aufenthalte auf der internationalen Raumstation ISS, die sich in der Erdumlaufbahn befindet. Längere Aufenthalte sind längere Flüge – zum Mond oder zum Mars.

    Die Lebenserhaltungssysteme im Raumschiff müssen bei längeren Ausflügen im All nicht nur für Wasser und Sauerstoff sorgen, sondern sie müssen auch Nahrung produzieren. Während Wasser und Sauerstoff durch technische Geräte produziert werden kann, braucht die Bereitstellung von Nahrungsmittel ganz einfach „Leben“.

    Leben ist aber komplex, und braucht selbst wieder Lebenserhaltungssysteme: Energie. Licht. Atmosphäre. Was dabei im Raumschiff fehlt, sind Puffer, große Mengen an Umgebungsluft, die Abweichungen vom Idealzustand auffangen können.

    Die Forschung über Botanik im All beginnt bei den Algen. Sie kommen mit Schwerelosigkeit gut zurecht, können in einer Nährflüssigkeit wachsen, und weisen je nach Art eine ganze Bandbreite an Umgebungsbedingungen auf, in denen sie wachsen können. Sie könnten als Nahrungsmittel dienen. Höhere Pflanzen stellen größere Anforderungen an ihre Umgebung. Beherrscht man die Gestaltung der Lebensbedingungen im Raumschiff, haben Pflanzen auch einen großen Vorteil – sie bieten den Astronautinnen und Astronauten das Gefühl von Leben, um dass sie sich kümmern müssen. Eine psychologische Komponente.

    Die Forschungen im Bereich der Weltraumbotanik werden zwar anlassbezogen für die Reise zum Mars gemacht, haben aber vor allem Auswirkungen auf die Produktion von Nahrungsmitteln auf der Erde. Geschlossene Kreisläufe machen Abwässer und Insektengifte obsolet.

    Interviewpartnerin: Dr.-Ing. Gisela Detrell, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Raumfahrtsysteme. Universität Stuttgart


    Fotos: Gisele Detrell

  • 313. Rollerfahren

    313. Rollerfahren

    ORF Ö1 / MOMENT Randnotizen, 3. Februar 2020, ca. 15:45 Uhr

    Lothar Bodingbauer

    ANMODERATION: Haben Sie sich schon einmal gewundert, wer sich um die Elektroroller kümmert, die in vielen Städten vermehrt aufgetaucht sind und manchmal recht herrenlos wirken? Lothar Bodingbauer hat es probiert.

    SIGNATION

    „Danke“, sagt der Mann sichtlich erfreut, als ich den Elektroroller vor ihm am Gehsteig wegräume. Er steht quer, der Roller, und der Mann ist ein Anrainer, der sich wie ich jeden Morgen in Wiens 4. Bezirk über mehrere dieser achtlos geparkten Elektroroller den Weg bahnen muss. „Sind Sie von denen? „Nein“, sage ich, und habe das erste Mal seit langem wieder gelogen.

    Weil: Ich bin schon einer von denen, ein bisschen zumindest. Mir gehen die achtlos geparkten Elektroroller, die jedermann jederzeit mieten kann, um sie jederzeit und irgendwo wieder abzustellen, hinzuwerfen, oder – weiß gott – einfach wieder loszuwerden — sie gehen mir genauso auf den Geist, wie Ihnen vermutlich auch, wenn in Ihrer Stadt Verleihfirmen für diese Roller aktiv sind. Ein Geschäftsmodell als Zeichen unserer Zeit, für Menschen, die sich offenbar um nichts kümmern, außer um sich selbst. // Schneiden möglich // Analog zu jenen, die mit 50 in der 30-er Zone autofahren. Die das Ticktock-beim Spielen am Handy so eingestellt haben, dass es jeder in ihrer Umgebung hört. Die die Füße auf die Bank legen im Zug. Ja, haben die das nicht gelernt? Rücksicht? // Schneiden Ende //

    Als Journalist sucht man „den anderen Standpunkt“. Ich wollte herausfinden, wie diese Elektro-Roller-Welt tickt. Und habe mich angemeldet als “Juicer”. Als einer, der diese Roller in der Nacht einsammelt, um sie zuhause an der Steckdose zu laden, um sie am nächsten Morgen wieder – schön aufgereiht und geordnet, der Menschheit freizugeben.

    Das Gute: Die Anmeldung des Gewerbes war einfach. Online, über Nacht. Ich wurde sogar automatisch Mitglied der Wirtschaftkammer, bin jetzt „Mechatroniker“, also ein Spezialist für elektrisch-mechanische Geräte. Das Schlechte: die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag – 80€ – kam wenig später. Das Gute: ich bekomme jetzt auch die Wirtschaftskammerzeitung und erfahre im Detail, wie es den Wirten so geht dieses Jahr. Verdient habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

    Mit der Gewerbenummer erhielt ich am Smartphone einen Zugang als „Juicer“. Ich kann nun umschalten, zwischen dem Stadtplan mit verfügbaren Rollern für die zahlenden Benutzer, und dem Stadtplan mit Rollern, die umgeparkt oder geladen werden müssen. Ein Traum für einen Journalisten. Zwei Welten, von denen die zweite noch völlig unbekannt war.

    TRENNER 1

    Ich tauchte hinein in die Stadt, nahm falschparkende Roller und brachte sie zu sogenannten Nestern, Plätzen, wo sie eigentlich stehen sollten, wo sie nicht stören. Zwei Euro pro Vorgang. Man schwimmt mit Touristen im pulsierenden Betrieb dieser Stadt herum, zwischen Oper und Stefansdom, aber: man arbeitet. Recht viel für recht wenig Geld. Am Ende von 5 Abenden habe ich 170 Euro verdient – vor Steuern. Das Gute: Verdient, und nicht als Tourist ausgegeben. Ich hatte eine gute Zeit. Das Schlechte: jedes Risiko ging auf mich. Kaputter Roller? Kein Geld. Nicht auffindbarer Roller? Kein Geld. Unfallversicherung? Kein Geld. Krank? Kein Geld. – 5 Stunden brauchte ich, Standort und Ansprechpartner der Roller-Firma zu finden, um endlich zu meinem Geld auch zu kommen. Und diesen Jemand habe ich auch gar nicht gefunden, weil das Geld dann doch irgendwann auf mein Konto überwiesen wurde. Von Personen, die ich nicht kannte, von Unternehmen, die ich nicht fand.

    TRENNER 2

    Die neue freie Welt der „Gig-Economy“ ist das. Geldverdienen, auftragsbezogen. Über Winter wurden die Roller „meiner“ Firma eingezogen, Schluss war‘s mit dem Geldverdienen, mitgeteilt wurde das eine Woche per e-Mail, nachdem sie weg waren. Die Expertise dieser Firmen ist, das habe ich herausgefunden, herauszufinden, welche Beschränkungen in den einzelnen Städten ihres Auftretens gegen Roller existieren, um dann ein Konzept zu entwickeln, trotzdem die Roller irgendwie in Verkehr zu bringen. Ökologisch bedenklich, das weiß man, denn es steigen nicht die Autofahrer auf Elektroroller um, sondern die Fußgänger. Aus Bequemlichkeit.

    Sie merken schon, ich bin ein bisschen sauer. Aber, das Gute: ein Glücksgefühl stellte sich ein, wenn ich am Ring am lauschigen Herbstabend aufrecht lautlos durch die Baumreihen zische. Ein Gefühl wie damals als Kind, am Tretroller zum Badesee.

    Ich habe mich aus dem Geschäft wieder zurückgezogen, wegen Sinnlosigkeit. Viel Arbeit, wenig Geld, jedes Risiko. Jede Belastung wird abgewälzt. Auf die Leute, auf die Umwelt, auf die Nachbarschaft. // Schneiden möglich // Besser ich stelle mich, wenn ich Zeit habe, an eine Straßenecke, um die Leute zu fragen, ob sie was brauchen, ob es ihnen auch gut geht. // Schneiden Ende // Meinen Kindern empfehle ich, die Zeit vielleicht für das Lernen einer neuen Sprache zu verwenden, oder ein ehrliches Handwerk.

    Das Experiment war heilsam. Und über die querstehenden Roller ärgere ich mich heute noch einen Tick mehr.

  • 312. Notdienste zum Jahreswechsel

    312. Notdienste zum Jahreswechsel

    RANDNOTIZEN ORF Ö1/Moment 13.01.2020

    SIGNATION

    Wie waren Ihre Weihnachtfeiertage? Sind Sie gut gerutscht? Das Kabarettprogramm im Fernsehen zu Silvester war ja großartig. Das Neujahrskonzert, ein Traum. Ein bisschen breitbeinig sind die Philharmoniker gesessen, oder war es nur die Kameraeinstellung? Aber es war schön.
    Wir sind diesmal nicht weggefahren, sondern haben die Feiertage in Notaufnahmen verbracht. Und mit Notdiensten. Keine Sorge, nichts Menschliches. Der Hund. Am Bildschirm der Tierklinik stand als erste Zeile einer sich über die Tage füllenden Liste: “Balu hat beim Spazierengehen zu Mittag seinen Erzfeind getroffen”. Balu ist unser Hund, und sein Erzfeind ein größer Hund. Dem unser Hund jedesmal, wenn er ihn trifft, sofort an die Kehle springt. Bei dem es unserem Hund die Haare aufstellt, wenn er den anderen nur am Horizont am Ende der Gasse sieht. Das wissen wir natürlich, der gegnerische Besitzer und wir, und wir sorgen dafür, dass sich die beiden Hunde nicht treffen. Diesmal sind sie aber gleichzeitig um die Ecke gebogen. Das haben Ecken an sich, dass man vorher nicht sieht, was dahinter ist. “Balu hat beim Spazierengehen zu Mittag an der Ecke seinen Erzfeind getroffen”, müsste es heissen. Die weiteren Zeilen des Eintrags der Tierklinik waren dann: Bluterguss ums Auge herum, Dosierungen von Medikamenten, Schmerzmitteln, Details zur Narkose, Beruhigung und Heilung, die Bindehaut des Auges hat es rot und geschwollen herausgedrückt. Mehr dazu erspare ich Ihnen. Das Endergebnis: alles ist gut gegangen. 927 Euro hat es gekostet. Wir sind heuer nicht weggefahren – hätten wir uns auch nicht recht leisten können.

    TRENNER

    Was man erlebt, wenn man 8 Stunden in der Notaufnahme der Tierklinik sitzt? Unzählige Menschen, die mit sorgenvollen Blicken hereinkommen. Ihre Tiere in Schachteln tragend, in Käfigen, in Decken gewickelt. Warten, Infusionen am Gang. Aufrufe. Ein zitternder Hase. Eine Katze, die nicht mehr frisst. Und immer wieder die Frage: kann ich mit Bankomat zahlen? Von denen, die gehen mit ihren Tieren, lachen einige draußen wieder am Gehsteig. Einige gehen ebenso sorgenvoll, wie sie gekommen sind – das Management des Sterbens gibt es auch bei Tieren. Begleitung, Schmerzmittel, Pläne, das Sterben menschlich zu machen, und manche gehen mit leeren Käfigen hinaus und weinen. Man kommt ins Reden, weil Zeit ist, gemeinsam zu warten, man lernt einander kennen, Menschen, und die Tiere, und ihre Geschichten. Wir sind heuer nicht weggefahren – wir haben hier viel erlebt und viel auch erfahren.

    TRENNER

    Ein weiterer Notdienst kam dann zu uns, am Samstagabend nach Neujahr. Wer eine neue Lampe im Bad montiert, muss eine Abzweigung im Stromkabel legen. Und wer den Erfolg seiner Arbeit ausprobieren möchte, muss spätestens dann die Sicherung wieder einlegen, wenn er sehen möchte, ob’s leuchtet. Ein weisser Blitz. Der Knall war gewaltig, danach wurde es ganz finster und es blieb auch finster, nachdem die Sicherung wieder eingelegt war. Der Elektrikernotdienst – 180 Euro – lachte und legte im Gang eine große neue Sicherung in einen versteckten Sicherungskasten ein, von dessen Existenz man bisher nicht wusste. Und es ward hell.

    Den dritten Notdienst brauchten wir dann zu Heiligendreikönig. Milch, Brot und Butter waren ausgegangen, und der kleine Not-Supermarkt am Bahnhof hat offen. Wie Käfige sind dort Bereiche abgetrennt, weil es gar nicht so einfach ist in Österreich, für Supermärkte an Feiertagen offen zu halten. Das Geschäft muss untertags immer wieder mal abgeteilt werden, damit die Kunden bestimmte Bereiche erreichen oder eben nicht mehr erreichen. Ich war auf der falschen Seite, bei Getränken und Schnaps, Brot und Butter waren auf der anderen Seite. Man findet dann etwas ratlos aber insistierend umherirrend durchaus einen Eingang zum anderen Käfig. Insgesamt äußerst erfolgreich – 12 Euro 50 und das Frühstück war da. Zuhause freute sich die Familie über das Frühstück, und der Hund wedelte, dessen Nähte am Auge wieder entfernt waren. Er sieht jetzt etwas rot, wegen der Blutspuren im Auge, und weil er noch sauer ist. Die Leute von der Tierklinik haben gemeint, er wird sich anstrengen, seinen Erzfeind das nächste Mal schneller und besser zu erwischen. Damit er den Kampf beim nächsten Mal eben gewinnt. Ein aufregendes Jahr steht uns bevor.

    Randnotizen von Lothar Bodingbauer

  • 311. Bienenwachs

    311. Bienenwachs

    Vom Leben der Natur, ORF Radio Österreich 1, 23. – 27. Dezember 2019

    Gelb, hell, wertvoll, duftend.

    Der Bioimker Dietmar Niessner spricht diese Woche über das Bienenwachs.     

    1. Natürlicher Wachskreislauf
    2. Licht in dunkler Jahreszeit.
    3. Wertvolles Kulturgut

    Bienenwachs ist neben dem Honig das zweite begehrte Produkt, das von den sozial lebenden Honigbienen im Bienenvolk erzeugt wird. Die Arbeiterinnen schwitzen feine, weiße Wachsplättchen aus ihren Wachsdrüsen, um die Waben zu bauen. Erst durch Pollenöl und Honig wird aus dem ursprünglich weißen Wachs das typische gelbe Bienenwachs. Sein Geruch kommt vorwiegend von Propolis, dem Harz, das die Bienen von Baumknospen sammeln und das sie als antiseptischen Überzug über die Waben verteilen.

    Die Waben aus Wachs dienen als Zellen für das Aufziehen der Bienenbrut, als Zellen zur Lagerung von Pollen und Honig, sowie als „Tanzboden“, der die Vibrationen der Bienentänze im Stock  gut verteilt. Durch das Bebrüten der Zellen und die Häutchen der sich immer wieder häutenden Maden, die in den Zellen abgelagert werden, werden die Wachswaben dunkler und weniger flexibel, so dass sie ausgetauscht werden. In der Natur würde das etwa durch Wachsmotten passieren, die die alten und verlassenen Waben auffressen, in der Bienenhaltung sorgen Imkerin und Imker für den regelmäßigen Austausch alter Waben. Das Wachs wird eingeschmolzen und gereinigt. Es kann für neue Mittelwände – die Ausgangsflächen für neue Waben – verwendet werden, und so entsteht der  Wachskreislauf der Imkerei. Wird Wachs vom Kreislauf abgezweigt, kann es für Kerzen verwendet werden. Das geht aber auf Kosten der Honigernte, denn Bienen brauchen Honig – und Sonne – für die Produktion ihres Bienenwachses.

    Interviewpartner: Dietmar Niessner, http://www.bienenschule.at

  • 310. Vielfalt der Flechten

    310. Vielfalt der Flechten

    ORF Radio Österreich 1 / Vom Leben der Natur, 25. bis 29. November 2019

    Arbeitstitel: Trompeten, Krusten, Schuppen, Bärte
    Der Botaniker Roman Türk spricht über die Flechten.

    Teil 1: Erfolgreiche Lebensgemeinschaft
    Teil 2: Nahrung in extremer Gegend
    Teil 3: Lebensraum Antarktis
    Teil 4: Umfassende Verbeitung
    Teil 5: Geänderte Bedingungen

    Flechten sind Pilze. Carl von Linné bezeichnete sie als das “Pöbelvolk im Pflanzenreich”. Die längste Zeit war das unklar. Sie sind auch heute noch aus der sinnlichen Wahrnehmung meist ausgeschlossen. Wir übersehen sie. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Doppelnatur der Flechten bekannt – die Lebensgemeinschaft von Pilz und Alge.

    Die Algen sorgen für die Photosynthese, die Pilze für Halt, Struktur und Vermehrung. Welche interaktiven Prozesse spielen sich zwischen Alge und Pilz ab?

    Wo sich höhere Pflanzen nicht entwickeln können, fallen sie auf. In großen Höhen, bei großer Kälte – aber auch bei großer Hitze. Sie halten extreme klimatische Bedingungen gut aus. Was vielen Arten aber schadet, sind erhöhte Stickstoffeinträge aus der Luft. Sie sterben ab, oder werden durch andere Arten verdrängt, die genau diese höheren Stickstoffeinträge lieben.

    Interviewpartner:

    DR. ROMAN TÜRK, UNIV.-PROF. (I.R.)
    Lektor und freier wissenschaftlicher Mitarbeiter
    Universität Salzburg, Fachbereich Biowissenschaften
    Hellbrunnerstr. 34
    5020 Salzburg

    Link: https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=206339

  • 309. Meisterstück: Porzellan

    Meisterstück: Porzellanschale von Michaela Dinges, Keramikerin

    ORF Österreich 1 – Moment Leben heute, 21. November 2019

     

    SIGNATION

     

    Farbe

     

    Weiß

     

    Oberfläche

     

    Glänzend

     

    Gewicht

     

    Leicht

     

    Form

     

    Für meine Wahrnehmung gleichmäßig

     

    Kunst oder Handwerk?

     

    Es ist Kunsthandwerk

     

    Im Atelier von Michaela Dinges stapeln sich massive Gipsblöcke und zarte Porzellanschalen. Sie ist Keramikerin, um die 40, und sie lebt und arbeitet in Wien. Ihr Meisterstück ist eine Schale.

     

    Die begleitet mich seit nunmehr sechs Jahren und ist immer noch in Verwendung – ist die falsche Bezeichnung – sondern ich produziere sie nach wie vor in ihrer Urform. Ich habe sie nie verbessern wollen oder anders machen und die ist mir mehr oder weniger passiert.

     

    Genau genommen ist also das Meisterstück von Michaela Dinges nicht die Schale selbst, sondern die Gipsform dieser Schale, deren Porzellanabguss, der erste davon, vor ihr steht.

     

    Es ist eine handtellergroße Schale in Form einer Zuckermelone. Da sieht man an der Außenseite die Beschaffenheit, beziehungsweise die Struktur dieser Melone.

     

    Fein unterteilt, gerippt, symmetrisch angelegte Sektoren …

     

    Ja, so ein bisschen wie ein Seestern. – Es ist rau kann man sagen, in dem Fall besonders, weil die ist außen nicht glasiert. Mittlerweile glasiere ich sie innen und außen. Und mir gefallt sie so besser, aber wenn man sie nur innen glasiert, kann es passieren, dass sie sich beim Brand verzieht.

     

    Was bei dieser Form und dieser Schale aber durchaus beabsichtig ist. Denn anders als eine Honigmelone kullert die Porzellanschale in Form einer Honigmelone dann nicht am Tisch herum. Das Runde hat sich beim Trocknen und Brennen ein wenig gesetzt.

     

    Ein bisschen hängt sie, und das macht für sie irgendwie diese interessante Form aus. Was kann ich mit dieser Schale machen? Ich kann super Sachen für den Aperitif reingeben, ich kann sie als Suppenschale verwenden. Man kann sicher auch einen Tee draus trinken. Man kann Dessert darin servieren. Und es ist auf Grund dessen so klein, weil Porzellan als Material an sich beim Brand einen Schwund von 18% hat.

     

    An der Akademie für bildende Künste in Wien hat Michaela Dinges das Arbeiten mit Keramik gelernt, hat dieses Wissen dann lange nicht verwendet und vor sechs Jahren wieder begonnen, herauszufinden, was es mit den Feinheiten des Porzellans genau auf sich hat, wie man gute Formen baut.

     

    Wenn irgend etwas, man nennt das in der keramischen Sprache, wenn etwas untergriffig ist, dann bekomme ich es nicht aus der Form raus.

     

    Anders als das Arbeiten mit Ton, der fest ist, wird Porzellan als Flüssigkeit angerührt.

     

    Flüssigkeit in der Konsistenz ähnlich wie Palatschinkenteig, das ist so ein bisschen eine sämige Masse. Und Porzellan wird gegossen. Du gießt sie in diverse Formen, die du aus Gips anfertigst, rein und der Gips macht nichts anderes, als dass er dieser Porzellanmasse das Wasser entzieht. Das geht relativ schnell, und das Resultat ist, dass sie auf der Innenseite der Gipsform eine festere Schicht bildet. Und wenn ich befinde, dass die Schicht dick genug ist, dann leere ich die restliche Masse wieder aus.

     

    Drei Millimeter etwa ist die Zieldicke. Das dauert dann nicht lange.

     

    Ein, zwei Minuten, das ist ein sehr schnelles Material, es gibt andere, die brauchen länger, aber mir liegt das sogenannte 400Cin-CL. Das ist die Bezeichnung. Das ist relativ flink und sehr weiß.

     

    Einige Stunden warten, bis der Abguss trocken wird, Kleinigkeiten ausbessern, weiter trocknen lassen, brennen und glasieren. Die Schale vor Michaela Dinges ist keine bloße Kopie einer Frucht, der Honigmelone. Sie ist anders.

     

    Ich will ja da eine gewisse Veränderung haben. Es ist ein bisschen rau, es hat eine kühle Haptik, es ist ein bisschen steril weiß. Es geht so ein bisschen in diese Ästhetik rein von etwas Stylischem.

     

    In den letzten Jahren sind weiter Porzellan-Früchte dazugekommen, die Michaela Dinges aus der Urschale, dem Meisterstück entwickelt hat: Zitrone, Quitte, Granatapfel …

     

    Orange, Apfel, Birne, Avocado… Ich liebe es, Fitzelarbeiten zu machen, wo andere sagen, dass du das überhaupt siehst. Wenn ich Porzellan mache, oder wenn ich an meinen Sachen arbeite, ist in Windeseile dieses Gefühl da, wo es mir gut geht. Es macht mir immer Spaß, ich liebe es.

  • 308a. Lichtbilder des Universums

    Link zur Sendung

    Der Astronom Stefan Meingast von der Universitätssternwarte Wien spricht über die Astrofotografie.

    Wer den Himmel fotografieren will, muss sich mit einigen Problemen auseinandersetzen, die es zu lösen gilt, um ebenso schöne farb- und formenreiche Bilder vom Nachthimmel zu erhalten, die wir aus der professionellen Astrofotografie kennen.

    Erstens sind die Objekte weit weg. Wir müssen vergrößern, um sie fotografieren zu können. Zweitens sind die Objekte lichtschwach. Wir müssen Licht über längere Zeit sammeln, um sie heller abzubilden, als sie am Himmel erscheinen. Drittens verhindert die Erddrehung, dass sie in dieser Zeit scharf abgebildet werden. Wir müssen das Fernrohr der scheinbaren Bewegung der Sterne nachführen, um immer dieselbe Stelle der Aufnahme zu belichten. Und viertens verhindern die Lichter der Stadt, dass die feinen Lichter der Planeten, Sterne und Galaxien überhaupt erst sichtbar werden.

    Es gibt Objekte am Himmel, die trotzdem fotografiert werden können, auch wenn man nicht alle Probleme lösen kann: Der Mond ist nahe, groß und lichtstark, nahe Planeten und Galaxien können auch schon mit leichten Vergrößerungen gut sichtbar gemacht werden, ausgedehnte Gasnebel zum Beispiel im Sternbild des Orions werden auch schon durch kürzere Belichtungszeiten am Foto sichtbarerer, als sie es für das freie Auge je sind.

    Für die professionelle Astrofotografie geben die Bilder des nahen und fernen Universums Hinweise auf seine Entwicklung. Wie entstehen Sterne? Welche Prozesse sind beteiligt? Wie ist das Universum entstanden und wie ist es heute aufgebaut? Die Bilder ermöglichen das Kennenlernen von Gegenden, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, da das Licht oft lange Zeit unterwegs war, bis es die Linsen der Kameras erreichte.

    Service
    GESPRÄCHSPARTNER:

    Dr. Stefan Meingast, Bakk. MSc.
    Universität Wien
    Institut für Astrophysik


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_1 Teil 1 : Leuchtende Wolken

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_1


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_2 Teil 2 : Ruhe und Bewegung

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_2


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_3 Teil 3 : Aufschlussreiche Strukturen

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_3


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_4 Teil 4 : Blicke in die Vergangenheit

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_4


    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_5 Teil 5 : Heimatgalaxie Milchstraße

    Filename: radio308a_nat_lichtbilderdesuniversums_5

  • 308. Randnotizen: Bücher

    ORF Radio Österreich 1 – Moment Leben heute, Randnotizen / 14.10.2019
    Lothar Bodingbauer über die Verwendung von Büchern.

     

    SIGNATION

     

    Ich muss Ihnen jetzt etwas erzählen, aber Sie müssen mir versprechen, dass Sie nicht lachen. Ja?

     

    Es war vor einer Woche, ich kenne mich ganz gut aus in Mathematik, und eine ungefähr 17-jährige Schülerin hat mich gebeten, ihr beim Mathematiklernen zu helfen. So etwas macht man doch gerne, wenn man gut ist in Mathematik, und natürlich hat man ein bisschen den Wunsch, nicht nur die Antworten auf Fragen zu geben, sondern auch ein bisschen was von seiner Erfahrung weiterzugeben, wie man schwierige Dinge lernt, wie man sein Wissen vervollständigt, wenn etwas davon noch fehlt.

     

    “Was sind denn statistische Kennzahlen”, fragte die Schülerin, zum Beispiel der Mittelwert, aber wer weiß, was es da noch alles gibt. “Schau doch mal im Mathematikbuch nach”, sagte ich. Das Mädchen nahm da Buch in die Hand, und wog es ein bisschen wie unschlüssig hin und her. Es öffnete das Buch und sah dabei ein wenig verloren aus. “Weißt du”, sagte ich, “da gibt es ganz hinten eine Liste mit wichtigen Wörtern, die im Buch vorkommen, der Index, da schauen wir jetzt einfach nach”. Und tatsächlich, unter “Statistische Kennzahlen”, und unter “Kennzahlen, Komma, statistische” standen beide Male die gleichen Seitennummern, nämlich 31. Das Gesicht des Mädchens erhellte sich. Es schlug die Seite auf und fand dort gleich auch die Überschrift: “Statistische Kennzahlen”.

     

    Das hat der jungen Frau gefallen. Sie fand auf dieser Seite dann alles, den Modus, den Mittelwert, den Median und die Standardabweichung. All das, was sie im Unterricht bereits irgendwann gehört hat. Und dann, ich wollte die Chance nützen, sagte ich ihr, “es hilft oft, wenn man sich in diesem Kapitel ein wenig umschaut, was es sonst noch alles gibt. Blättere doch mal nach vor.“ Sie schaute ein wenig unschlüssig und wog das Buch in den Händen. Blätterte ein wenig herum. “Vorne ist links”, sagte ich, “das Buch ist nach aufsteigenden Seitenzahlen geordnet.” Und schon war sie vorne beim Anfang des Kapitels. Sie stellte fest, dass es neben “statistische Kennzahlen” auch noch ganz andere Überschriften gibt, und ich sagte ihr, das das Herumblättern ganz praktisch wäre, weil man dann einen Überblick bekäme, was es sonst noch alles gibt. Beim nächsten Mal würde man sich dann besser zurechtfinden.

     

    Das Gesicht der Schülerin erhellte sich weiter. “Und schau, ganz vorne im Buch, da gibt es ein Inhaltsverzeichnis”, sagte ich. Sie schaute gleich nach und sah dort auf wenigen Zentimetern alle Überschriften untereinander, denen sie durch das Blättern im Buch begegnet war. Sie war hin und weg. *Das* hätte ihr noch niemand gezeigt. Das Konzept „Buch“ gefiel ihr. *Das* hätte ihr noch niemand gezeigt.

     

    TRENNER

     

    Jetzt kann man sagen, blöd gelaufen, ich hatte es mit jemandem zu tun, der gar keine Ahnung hat. Aber so einfach lässt sich die Sache nicht vom Tisch wischen, denn: “Computer – was ist die Fläche Österreichs?” Die Antwort kommt vom Smartphone, ganz ohne Buch.

     

    OT “Österreich ist 83 879 Quadratkilometer groß”

     

    Und, ist nicht Wikipedia ganz ohne Seitennummern geschrieben, mit Hyperlinks, und wenn man liest, schiebt man die Seite am Bildschirm mit dem Finger nach oben. Wikipedia, oder überhaupt, das Internet, kennt keine Seitennummern, warum soll man dann wissen wollen, wo vorne ist im Internet?

     

    Der Tag mit dieser Schülerin hat mein Leben in zwei Hälften geteilt. Wie Christi Geburt unsere Zeitrechnung. In eine Zeit vorher, und eine Zeit nachher. Wir leben jetzt etwa im Jahr 5 “nach der Verwendung von Büchern”. Wir haben es jetzt offenbar mit Menschen zu tun, die Bücher nur mehr vom Hörensagen kennen. Sie werden von Lehrerinnen und Lehrern begleitet, die das – so wie ich – oder vermutlich auch Sie – noch nicht vollständig erfasst haben. Die vergessen, den Schülerinnen, den Schülern, die Funktionsweise eines Buches zu erklären, wenn sie es zum Beispiel als Schulbücher austeilen. Und das Rührende an der ganzen Geschichte ist, wie viel Wohlwollen das Mädchen dieser Idee eines Buches entgegengebracht hat. Das Mädchen war hin und weg vom Mathebuch, das ihr noch niemand erklärt hat. Und ich hoffe, Sie haben bei der ganzen Geschichte jetzt weder gelacht – noch geweint. Computer, erzähl einen Witz!

     

    OT „Welches ist das älteste Musikinstrument? Das Akkordeon, es hat die meisten Falten“.

     

  • 307. Pflanzensamen sammeln

    307. Pflanzensamen sammeln

    Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1 / 30.09.2019 – 4.10.2019

    Auf der Suche nach Raritäten.

    Barbara Knickmann vom Botanischen Garten der Universität Wien sammelt Samen von wildwachsenden Pflanzenarten.

    Teil 1: Lebensraum Straßenrand
    Teil 2: Eine verwilderte Wiese
    Teil 3: Sammeln und schützen
    Teil 4: Wettlauf mit Tieren
    Teil 5: Ein Gefühl für die Landschaft

     

    Pflanzensamen sind Zeitkapseln. Sie können die Zeit überdauern. Gekühlt gelagert bleiben sie – je nach Art – mehr oder weniger lange keimfähig. Bis etwa auf die leichten Samen von Weiden, die nur sehr kurz haltbar sind, weil sie in freier Natur normalerweise in feuchter Umgebung rasch keimen.

    Wissenschaftliche Sammlungsausflüge werden genau geplant. Einerseits gibt es genaue Ideen, welche Pflanzen “besammelt” werden sollen, andererseits sind Genehmigungen einzuholen und Naturschutzaspekte zu bedenken. Allgemein werden nur maximal 20% der Samen einer Pflanzengruppe entfernt.

    Die Samen werden innerhalb der wissenschaftlich arbeitenden botanischen Institute weltweit mit Hilfe von jährlich erstellten Samenkatalogen getauscht. Sie werden für Schausammlungen in botanischen Gärten benötigt, für wissenschaftliche Fragestellungen, die gerade bearbeitet werden, und in der Ausbildung bieten Jungpflanzen – aus Samen gezogen – Einblick in frühe Entwicklungsstadien der jeweiligen Pflanze. Neben den Samen der Pflanzen wird auch das Wissen darüber gesammelt und in den Datenbanken festgehalten. Sammlungsausflüge ermöglichen es den Beteiligten darüberhinaus, die Pflanze auch außerhalb eines Botanischen Gartens “im Feld” zu sehen.

    Pflanzensamen aus Österreich werden auch zur “Millenium Seed Bank” nach London geschickt, wo sie gekühlt lange Zeit als Botanisches Welterbe gesammelt und aufbewahrt werden.

    Bis 31. Oktober ist im Botanischen Garten der Universität Wien die Ausstellung “Forscher, Sammler, Pflanzenjäger” zu sehen.

    “Unterwegs mit Humboldt & Co.” – mit Pflanzensammlern, die in die entlegensten Winkel der Erde vordrangen.

    Interviewpartnerin:

    Dipl.-Ing. Barbara Knickmann
    Core Facility Botanischer Garten Wien
    Rennweg 14/2
    1030 Wien

    Links:

    Botanischer Garten Wien

    Millenium Seed Bank

  • 306. Wie kommt das Wasser in hohe Häuser?

    Rätsel des Alltags. Interviewpartner: Paul Hellmeier, Wiener Wasser. (ORF Radio Österreich1/Moment – Leben heute)


    Manuskript

    MOMENT Beitrag „Wie kommt das Wasser in den 20. Stock“

    Lothar Bodingbauer, 5:04 min

    MODERATIONSVORSCHLAG

    Wie kommt das Wasser in den 20. Stock?

    SIGNATION: RÄTSEL DES ALLTAGS

    Wenn das Wasser bei Ihnen zu Hause nur kläglich aus der Leitung rinnt, kann es natürlich sein, dass zu wenig da ist, aber es kann auch sein, dass Sie zu hoch wohnen.

    Wasserversorgung bedeutet, neben dem Wasser auch den passenden Druck zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderungen der Wasserversorgung beginnen dort, wo es viele Stockwerke gibt, wo die Häuser hoch sind.

    OT 1

    Paul Hellmeier ist der Chef aller Wiener Wasserpumpen und Hebewerke. Magistratsabteilung 31, Wiener Wasser. Man könnte sagen, „er verteilt das Wasser in der Stadt“. Es läuft kostenlos über zwei Hochquellwasserleitungen bergabfließend nach Wien hinunter, wo es zunächst in 30 Behältern gesammelt wird, die sich wiederum über den meisten Häusern befinden.

    OT 2

    Mehr als diese 30-60 Meter Höhendifferenz zu diesen Sammelbehältern soll es auch nicht werden, denn dann wäre der Druck zu stark, das Wasser würde aus der Leitung spritzen.

    OT 3

    Wenn es einmal zu viel Druck gäbe, weil die Häuser eines Stadtteils tiefer liegen, dann gibt es technische Möglichkeiten aus diesem Zuviel an Druck, an Energie, Strom zu erzeugen, in sogenannten Süßwasserkraftwerken. „Wir haben ja nichts zu verschenken“, sagt Paul Hellmeier. Hohes Wasser ist kostbares Wasser.

    OT 4

    Gibt’s dann aber nicht umgekehrt im Erdgeschoss Überdruck?

    OT 5

    Stück für Stück, 5-Stockwerke auf einmal nehmend, wird das Wasser also hinaufgepumpt. Warum nicht alles gleich nach oben pumpen?

    OT 6

    Zusammenfassend, meint Paul Hellmeier vom Wiener Wasser, wer Wasser hoch oben haben möchte, weil er oder sie ein hohes Haus besitzt oder betreibt, muss dieses hohe Wasser durch den elektrischen Betrieb der Pumpen selbst bezahlen.

    ABMODERATION

    Wie kommt das Wasser in den 20. Stock? Ein Rätsel des Alltags, gelöst von Lothar Bodingbauer.