372. Worüber lohnt es sich zu reden?
Große Worte, kleine Worte. Zwischenrufe. Seufzer. „Ach ja“. Wer redet, teilt sich mit. Und manchmal ist es auch gut, eine Pause zu machen.
(more…)Große Worte, kleine Worte. Zwischenrufe. Seufzer. „Ach ja“. Wer redet, teilt sich mit. Und manchmal ist es auch gut, eine Pause zu machen.
(more…)Zwei Jahre leben wir nun mit Corona. Viel wurde erforscht, entwickelt und geredet. Folgendes lässt sich sagen:
Aber mal ehrlich. Ich finde Schlafzüge auch super, aber zeig mir einen, in dem man nicht in Zellen reist, die einem Gefängnis gleichen. Oder einem Aquarium. Ich weiß nicht. Besser ist, und das ist mir lieber, am Tage zu reisen, Mittags in einem Städtchen auszusteigen und in einem guten Restaurant zu Mittag zu essen, am Nachmittag nach einem Spaziergang am fremden Orte wieder einen Zug zu ersteigern, um am Abend dort auszusteigen, wo eine Kleinstadt ist, um dort gepflegt zu nächtigen. Das Frühstück am gedecktem Tisch, bevor es wieder weiter geht. So dauert die Fahrt nach Paris vielleicht drei Tage, aber menschliche drei Tage, und man kommt ausgeruht und erholt am Zielort an.
Seilbahnchefs, Wirtschaftskammerpräsidenten. Interessensvertreter:innen sorgen für die Interessen ihrer Gruppe. Das kann für sich genommen nicht schlecht sein. Für das Gesamtbild sind Journalist:innen zuständig. Spannend wird es, wenn politische Entscheidungsträger:innen dazukommen. Sie beziehen ihre Entscheidungsgrundlagen von Expert:innen, aber eben auch von Interessensvertreter:innen – die haben sie ja gewählt. Wir kommen zur Forderung “Macht braucht Kontrolle”. Dann funktioniert das Ganze auch in kritischeren Situationen.
Ellbogenarbeit, Bullying. Ist nicht cool. Nur mit Regeln kann dem Einhalt geboten werden. Mit Autorität, die sich nicht vom Schulhof zurückgezogen hat, um ihn jenen zu überlassen, die Regeln mit Körperkraft und reiner Macht bestimmen. Autorität, die sich um alle kümmert. Nach gemeinsam ausgehandelten Regeln. Das braucht Worte, und nicht Kraft.
Buchtipp: “Neue Autorität” heißt ein Konzept, das von Haim Omer in einem Buch vorgestellt hat, und das ich ganz bemerkenswert fand. Sichtbar zu sein, zu sagen “wir sind hier, damit alle lernen können”, anstatt sich zurückzuziehen, das fand ich passend.
Aggression definieren Verkerkehrspsychologen als einen emotionalen Zustand, bei dem man in Kauf nimmt oder beabsichtigt, dass das Gegenüber davon negativ betroffen wird. Bei Rassismus ist es vermutlich ähnlich. Es ist eine Geschichte zu bemerken, dass die XXX. ein Volk sind, die in der Straßenbahn durch lautes Reden auffallen, es ist eine andere Sache – nämlich – wenn Angehörige dieses Volkes, erkennbar durch ihren Namen, am Wohnungsmarkt keine Wohnung bekommen, mit dem Hintergrund, dass sie so laut reden. Das ist struktureller Rassismus und muss durch Gesetze, Überwachung und soziale Maßnahmen kontrolliert werden. Dass das Ganze zusätzlich auf einem Fehlschluss beruht – die leisen angehörigen der betroffenen Gruppe hört man in der Straßenbahn nicht – ist eine völlig andere Geschichte.
Wenn sich mehrere Ebenen vermischen, die jede für sich genommen eine ziemlich klare Aussage haben, ergibt sich ein Dilemma. Jede:r der Beteiligten argumentiert korrekt. Am Ende des Tages bleibt aber etwas übrig. Das mag für die einen das Recht sein, für die anderen die Richtigkeit eines Prozesses, und hoffentlich für die meisten die Menschlichkeit. Kinder abzuschieben, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben? Mitten in der Nacht? Vor den Augen ihrer Mitschüler:innen? Mit Hunden und vermummten Polizisten? Das tut man nicht.
Menschen, die einander treffen, um miteinander zu reden. Audio only. Das ist doch schön. Der negative Rest ist hoffentlich Detail: Datenschutz, Vermischung bestehender Ebenen und Regeln, Ungewohntes. Aber in Zeiten von Isolation und Behauptung ist die Metaebene zu bekannten Themen wichtig und interessant gepflegt zu diskutieren. Und darum geht es. Also gut.
Update August 2022: Clubhouse spielt keine Rolle mehr, zumindest in meinem Leben, ich habe es vor kurzem vom Smartphone gelöscht. War es schlecht? Nein, die erlebten Diskussionen waren toll und erinnerungswürdig. Über die Situation mit Corona, Impfungen, über die Regierung, mit regierungsteiligten oder regierungsnahen Personen.
Joe Biden hat die Aufgabe, das Land wieder zu einen. Das hören wir oft. Ein Präsident hat die Macht, eine Stimmung vorzugeben. Respekt, Anstand und Expertise. Einen müssen das Land aber die Menschen selbst. In jeder einzelnen Begegnung mit jemandem, der anders denkt. Und spricht. Und ist.
(To be continued)