Radio, Science, Education

Wien

May 2022

  • Systemische Fragen

    Systemische Fragen helfen, bei Interviews andere Sichtweisen und Antworten hervorzurufen.

    PDF Script

  • Aspekte der Stimmbildung

    Download: Handout (pdf)

    Die Stimme ist ein Instrument. Bei täglichem Üben (10 min) sind erste Erfolge nach sechs Wochen unüberhörbar. Stimmbildung hat Auswirkungen auf die Kommunikation mit anderen Menschen. Es zahlt sich aus.

    Link zum Online-Sprechtraining: https://www.sprechkontakt.at/training/

    Was aus Entfernung einfach als „Stimme“ ankommt, besteht in Wirklichkeit aus dem Zusammenwirken mehrerer Aspekte. Jeder Aspekt ist separat trainierbar. 

    1. Zeitraum beanspruchen. Inhalt braucht Zeit. Pausen. Stille. Ausatmen. Einatmen. Pausen zwischen Sätzen, zwischen Aufzählungen: Langsamkeit und Ruhe. Zeitraum hat mit Selbstbewusstsein zu tun. Mit dem Ertragen einer Wirkung.

    2. Die Aussprache. Die „gemäßigte Hochlautung“ ist die Aussprache geschulter Sprecher:innen. Es ist weniger das perfekt „r“ oder „s“ sondern die Richtige Länge und Geschlossenheit/Offenheit der Selbstlaute a-e-i-o-u. Das Training sollte hier nur mit Lehrer:in erfolgen. Übungen dazu täglich.

    3. Agogische Aufbereitung der Sätze. Das kommt zusätzlich und schafft besser erkennbare Sinnzusammenhänge. “Sprich einmal laut und einmal leise, einmal langsam, einmal schnell, einmal hoch und einmal tief” – das ist ein Aspekt davon, Pausen innerhalb von Sätzen (und der Fluss der Sprache darin) ein anderer. Achtung: Nur wenige Kommas zeigen Sprechpausen an.

    4. Die Resonanz. „Die Sonne „tööööönnnnn“. Das hat etwas mit Frequenz und Zeitraum zu tun, mit Energie.

    5. Zu Beginn: Erst ausatmen, dann einatmen. Und dann: Pausen – kann man üben.

    6. Das Gegenüber. Kann im Theater in der hintersten Ecke sitzen – dort will man seine Stimme hinschicken. Das kann man lernen und zahlt sich aus. Präsenz.

    7. Der Stimmsitz. Mit welcher Frequenz spreche ich meine Gegenüber an. Eher tiefer wäre besser, gemeint ist aber: eher mehr Frequenzen. Öffnen. Meist nach unten hin. Das muss man herausfinden.

    8. Inhalt und Klang. Wie bei Büchern oder Zeitungen, die (diskursive) gute Inhalte nicht mit unpassenden Schriftsätzen drucken, wird auch die Stimme mit den Inhalten in Verbindung gebracht. Wir werden üben, den Eindruck zu beschreiben.

    9. Die Grenze. Profi-Sprecher:innen haben ihre Stimme zum Beruf gemacht. Professionelle Aufträge sollten auch von ihnen gemacht werden. Das zu erkennen, ist auch ein wichtiger Aspekt für Nicht-Profis.

    10. Die Authentizität. Man ist, wie man spricht. Und in jedem Moment spricht man so, wie man ist. Die gebildete Stimme kann wie eine Fremdsprache eingesetzt werden. Im normalen Gespräch ist das meist nicht notwendig. Das zu erkennen ist ein Teil der Stimmbildung.

    Die 6 Häuser der Stimme

    1. Erzählen
    2. Miteinander sprechen
    3. Text lesen (Buch)
    4. Text lesen (Manuskript, geschrieben für gesprochene Sprache)
    5. Schauspiel, Drama
    6. Komik  / Cartoon

    Möglichkeiten zur Reparatur …

    Die eigene Einschätzung täuscht oft. Meistens hilft:

    1. Tiefer / nach unten offener
    2. Weniger auf und ab
    3. Härter, sachlicher
    4. Die Sprache in die Weite senden, wo jemand ist
    5. Nicht so intim / freundlich / nah ran
    6. Zeitraum beanspruchen
    7. Pausen

    12 Tipps / Übungen

    1. Ausatmen vor dem Einatmen
    2. Unhörbar nachatmen
    3. Wasser dabei haben
    4. Mikrofondisziplin
    5. Nicht jeder Beistrich ist eine Pause
    6. Wörter ohne Information nicht betonen (davon/daher werden nie betont)
    7. R vorne: dedlängen-dedlängen-dedlängen-drängen
    8. CH vorne: durich-durich-durich-durch
    9. Klares kurzes Ei: land-land-land-leise (kurz)
    10. Resonanzübung: die Sonne tönt, singen:
      Major Ascending/Minor Descending (YouTube Link dazu)
    11. Beim Gehen erzählen, was man sieht. Ohne Äh’s aber gerne mit kleinen Pausen.
    12. Hören. Zuhören.

    Hörbeispiele

    1. Podcast: Karim in Auroville – Link
    2. Stimme von Emma Clark (London Underground) – Link

    Manuskriptbeispiele

    Kriterien der Beschreibung und Bewertung

    • Zielgruppenorientiert
    • Tempo, Tempovariationen
    • Rhythmus / binnen-Rhythmus
    • Emotionalität (Sprecher:in/Zuhörende)
    • Unterhaltend
    • Wortwahl
    • Betonung
    • Modulation / Tonhöhe / Melodie
    • Deutlichkeit der Aussprache
    • Authentizität / „normal klingen“
    • Persönlichkeit erkennbar
    • Gespräch – Manuskriptvortrag
    • Nähe – Distanz
    • Angenehm
    • Atmung / Nachatmen / Klicken
    • Umgebungsgeräusche
    • Pausen
    • Dialekt
    • Stil (Gespräch, Kinderbuch, Reportage) Tradition/Epoche
    • Sendung mit der Maus – Faktor
      (lieb/einfach/persönlich/nette Schulmeisterei/an die Hand/Erinnerung)
    • Rolle, Haltung
    • Nachvollziehbarkeit
    • Verlautbarungsfaktor
    • Wärme-Kälte / Guter Wille / positiv gestimmt
    • Druck in der Stimme / „pressen“
    • Präsenz / Skala 1 2 3
    • Ähm-Faktor
    • Eng – weit / Skala 1 2 3
    • Mag-ich – Koeffizient
    • Aversionsfaktor

    20 mal Troubleshooting

    20 Highlights | Troubleshooting 

    1. Richtig große Probleme hört man selbst im allgemeinen nicht.
    2. Komisches R bei Arbeit? Weglassen oder üben: Ale Ale Ale – Arbeit.
      So sitzt das r an der richtigen Stelle (vorne)
    3. Komisches R bei drängen? Üben: de-dlängen, de-dlängen, de-dlängen – drängen. So sitzt das r an der richtigen Stelle (vorne).
      Ebenso bei drei (de-dlei).
    4. Komisches Krachen bei durch? Üben: Dur-ich, Dur-ich, Dur-ich, und dann das i weg. Durch. So sitzt das ch an der richtigen Stelle (vorne).
    5. Der – dem – den. Das sollte passen! Alle E’s sind lange und geschlossen.
    6. Vokale: Lang oder kurz, offen oder geschlossen? Das kann man nicht immer vorhersagen und muss (einzeln) gelernt werden. Generelle Regeln sind kaum vorhanden. Das zahlt sich aus, denn sie machen 3/4 der Sprache.
    7. Vierzehn und vierzig mit r und kurzem I.
    8. Je emotioneller der Text, desto neutraler die Sprache.
    9. Beistriche zeigen an erster Stelle üblicherweise keine Pause an.
      Viele Leute, die Pausen machen, haben den Sinn im Satz nicht verstanden.
    10. Mikrofondisziplin heißt: Abstand und Winkel bleiben unverändert.
    11. Zwielaute sind selten so, wie man glaubt.
      EI, AI ist A-E kurz ausgesprochen. Leise? Land-Land-Land-Laese.
      EU ist O-E. Europa? O-E-ropa.
      AU ist A-O. Australien? A-O-stralien.
    12. Ein O wird zum U, wenn man den Unterkiefer sanft vorschiebt.
    13. Resonanzprobleme? Ning neng nang neng nain.
    14. Zuck fährt ab? Lange. Der Zug. Wir wünschen einen langen guten Tag.
    15. Nächst-nächstens, höchst-höchstens
    16. Kurze Wörter sind wichtig.
    17. Die Vorsilbe un- ist immer betont. Unangenehm, unglaublich, unschön
    18. Die Vorsilbe Er-, ver-, zer- sind nie betont. Erleben, erinnern, vernichten, zerstäuben. Zudem, zugute, zugrunde, zufrieden auch nicht
    19. Davon will ich etwas haben. Davon sonst nie betonen: Davon sollen wir mehr haben. Ebenso nicht betont die erste Silbe bei: Dazu, damit, dafür, darunter, darauf, dahinter, daran, darüber, davon, dabei.
    20. Bei den Endungen -en und -el fällt das e gänzlich weg, außer davor steht ein n oder ein m: Flaschen = flaschn; Säbel = Säbl.
    21. Tiefer sagen sie immer, wäre besser. Gemeint ist aber: mehr Resonanz, alle Frequenzen aktivieren, auch die Tiefen dazu.

    Auf Punkt lesen

    5-Minuten-Beitrag über Insektenökologie, hier das Ende:

    … aber es gibt auch eine gute Nachricht. Wenn sich die Bedingungen verbessern, dann erholen sich gerade bei Insekten die Bestände sehr schnell. Und wer Honigbienen schützt, fördert in ihrem Windschatten auch alle anderen Insekten, die von den verbesserten Bedingungen profitieren.

    Die Vorsilbe un- (immer betont) und um- (manchmal betont)

    Aus Ungunst unachtsam und unlieb mit den Eroberern verhandeln.

    Untreue Leute vereinen sich bei Unwettern und verunreinigen ihre Seele. Die Verhandlungen wurden zerredet und endeten unentschieden.

    Das unliebenswürdige Ungeheuer zerfranst uns die Kleidung.

    Der Erfolgreiche benahm sich unlieb, unanständig und unfreundlich. Ungebildet und zerknirscht verlassen diese verblödeten Schüler die Schule. Unzertrennliche Seelen erleben unendlich schöne Stunden. Untragbarer Unverstand blüht gern im Verborgenen. Unachtsamkeit verdient Erregung und Ergreifung.

    Vor dem Umbau des Hauses müssen wir noch das Erdreich umgraben. Ich umbaue das umstrittene Haus mit unüberwindbarem Zaungeflecht. Wir umgehen beim Umgang unsere Sorgen und Verluste. Unter Umständen umstehen wir aus Protest das umkämpfte Lager. Du mußt diesen Beitrag umschreiben, weil du die Sache zu sehr umschrieben hast.

  • 4 Tipps für die erfolgreiche Radiogeschichte

    1. Wenn du einen Konflikt erlebst, mische dich nicht ein, oder versuche ihn gar zu lösen, sondern lehne dich zurück und beobachte.
    2. Gehe die Hauptstraße hin, aber hinter den Häusern zurück.
    3. Wenn jemand sagt, alle sind einer ganz bestimmten Meinung, finde die Person, die anders denkt.
    4. Schau auch ein bisschen auf die Bücher im Regal, besonders jene, die herumliegen, die gerade benützt und gelesen werden.
  • Journalismus und Wahrheit

    Kein Phänomen wird so misshandelt wie die Wahrheit. Sie wird ans Licht gezerrt, veröffentlicht, gebeutelt, sie wird geknetet. Jede:r sucht sie. Viele glauben sie zu haben. Journalismus allerdings ist die Suche “nach dem anderen Standpunkt”. Und Wissenschaft die “Annäherung an das Beweisbare”. Von blanker Wahrheit ist da keine Spur. Das schauen wir uns an. An vielen Beispielen und an eigenen Ideen.

  • Schreiben wie ein Hai

    Gute Texte. Man soll sie lesen können. Wenn man müde ist, und schlapp schon vor dem letzten Bild noch im Museum steht.

    Gute Texte braucht es auch bei schriftlichen Arbeiten. Bei Angaben. Abgaben. Es sind die Klein- und Gebrauchstexte, mit denen wir das Publikum gewinnen können. In welcher Form steht wo das Verb? Beschäftigen wir uns mit einem Zustand, mit dem Prozess?

    Im Workshop lernen wir unsere Texte einfach mal “besser” zu machen. Eine “Wahrnehmung der Bedeutung” ändern wir möglicherweise zu “ich nehme wahr, was es bedeutet”.

    Wir werden genau diese Wahrnehmungsfähigkeiten auch trainieren: Worauf schauen wir beim Lesen? Und dann: worauf schauen wir beim Schreiben.

  • Sprechtraining

    Jede:r kann reden. Beim Podcasten ist alles frei. Beim Radio gibt es aber je nach Sender/Sendung/Format besondere Anforderungen. “So!” soll die Stimme, “so!” die Erzählung klingen. Obwohl es oft auch anders geht: Gelesene Manuskripte könnten vielleicht im Vorfeld eher für’s Erzählen geschrieben worden sein, als im Sprechtraining so gelesen, dass es “nicht gelesen” klingt.

    Aber auch beim Podcasten möchte man gut verstanden werden. Da gibt es schon ein paar Punkte, die einem selbst nicht auffallen, besonders wenn sie wichtig sind. Unhörbar nachatmen? Hetzen? Eigenheiten die uns ablenken? Das muss nicht sein.

    Im Sprechtraining-Workshop geht es um das Finden der eigenen Stimme im Gewusel der anderen. Im Gewusel der Anforderungen.

    Die Aussprache ist wichtig. Wir trainieren erst die Vokale, dann den Rest. Die Pausen sind genau so wichtig. Wir trainieren die Pausen, und überlesen erstmals Beistriche, die überlesen werden müssen, um den Sinn des Satzes zu verstehen. Dann der Zeitraum, der zu beanspruchen wäre. Und die Resonanz, die man findet.

    Nach sechs Wochen sind die ersten Änderungen – positiv – zu merken. Dann hat das Gelernte nämlich auch den Körper erreicht.

  • Storytelling

    Wir erzählen einander Geschichten. Was passiert ist. Was vielleicht passieren wird.

    Im Workshop “Storytelling” entwickeln wir Geschichten. Ausgehend von der Frage: “Worüber lohnt es sich zu reden?” finden wir Themen bei einem “doppelseitigen” Spaziergang, bei dem wir erst vor die Kulissen, und dann hinter die Kulissen schauen. Im gemeinsamen Gespräch werden wir jene Punkte identifizieren, die zu berichten spannend sind.

    Obwohl es einige Leitlinien gibt, was eine gute Geschichte ist, und wie sie vermittelt wird, steht in meinem Workshop zum Storytelling der Prozess der gemeinsamen Erarbeitung im Mittelpunkt.

    Wirkungsvolle Strategien lernen wir im “reverse engineering” einer guten Radiogeschichte kennen. Und: Storytelling beinhaltet immer die/den Erzähler:in, es gibt keine fertigen Rezepte die einzigartig sind. Es gibt nichts zu kopieren.

    Wer eine Geschichte vorschlägt, die es sich lohnen soll, zu machen, wird zum Vorstellen folgende drei Punkte vorbereiten:

    1. Ich mache eine Geschichte über …
    2. Es geht darin um …
    3. Und das Besondere daran ist …
  • Im Zug

    Es ist keine Kunst, in der Ruhezone der Eisenbahn etwas zum Aufregen zu finden. Steigt einer ein. Setzt sich fast hin und fragt: “ist da frei?”. “Grüß Gott, bitte gerne.” Lektion erteilt. Man grüßt. Kontaktaufnahme. Anfänger. Sein Telefon läutet nach 2 Minuten. Maximal laut, und der Klingelton das Scheppern eines Weckers. Kurzes Gespräch. Nach weiteren zwei Minuten noch ein Anruf. “Könnten Sie das auf lautlos stellen, das geht einen ja in den Bauch”. “Ja”. Konziliantes Gegenüber. Er sucht keinen Streit. Und verabschiedet sich nach einer halben Stunde in St. Pölten mit einem freundlichen “Auf Wiedersehen”.

  • 376a. Die singende Lokomotive