Die Venus schiebt sich vor die Sonne – Rudi Radiohund fragt nach, bei Hermann Mucke vom Wiener Planetarium.
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Rudi – Der rasende Radiohund.
Rudi
Ah, grüß euch. Ich bin gerade beim Sternschnuppern. Jetzt ist es zwar noch nicht finster, aber das macht nichts. Morgen ist nämlich Venus-Durchgang. Und morgen ist es auch nicht finster. Am Vormittag. Da wird die Venus vor der Sonne vorbeiziehen. Sie wird sich vor die Sonne schieben, mitten am Vormittag. Herr Professor Hermann Mucke, Sie sind der Sternmeister im Wiener Freiluftplanetarium am Georgenberg. Sie kennen sich am Himmel aus wie keiner. Wie geht das genau, so ein Venus-Durchgang?
Herr Mucke
Bis jetzt, Rudi, bis jetzt war die Venus am Abendhimmel zu sehen. Und sie ist jeden Abend ein Stück tiefer in der Dämmerung gestanden. Und dann ist sie plötzlich in der Abenddämmerung nicht mehr zu sehen gewesen.
Rudi
Ja, wo ist sie denn hin?
Herr Mucke
Ja, da ist ja die Sonne gerade untergegangen, die stand da unter dem Horizont. Und die wandert jetzt zwischen uns und der Sonne durch.
Rudi
Moment, wer wandert wie, wohin?
Herr Mucke
Die Venus, die wandert vor der Sonne vorbei, von links nach rechts, über sechs Stunden lang. Aber du musst früh aus deinem Körbchen, denn es geht schon um 7.20 Uhr los. Morgen früh? Morgen früh. Und es geht ungefähr bis vor halb zwei zu Ende. Am Nachmittag. Am Nachmittag. Und während der Zeit kannst du das dunkle Bunkterel sehen. Aber wichtig, wichtig, da braucht man eine Schutzbrille. Eine normale Sonnenbrille ist viel zu schwach, aber man kann sich beim Optiker eine kaufen. Oder wenn der keine hat, dann geht man in die nächste Apotheke und kauft sich vielleicht mit ein paar anderen zusammen eine Rettungsdecke.
Rudi
Ah, das kenne ich. So eine silberne Rettungsdecke. Aber die ist teuer, oder?
Herr Mucke
Viereinhalb Euro. Und wenn das ein paar zusammen machen, haben sie einen großen Fleck. Und den nehmen wir doppelt und dann schneiden wir so große Stückerl heraus wie eine Ansichtskarte, machen einen Rahmen aus dem Pappendeckel und biegen diese Folie hinein. Und dann kann man durchschauen und dann sieht man die Sonne ganz abgedunkelt und das schwarze Fleckerel der Venus in der Sonnenscheibe. Jede Stunde ist sie ein Stück weiter.
Rudi
Wuffen! Herr Professor Mucke, kann ich als Hund auf der Venus spazieren gehen? Wie ist denn die Venus für mich?
Herr Mucke
Grauslich! So schön sie am Himmel ausschaut, Sie ist zwar so groß wie die Erde, nur ganz wenig kleiner. Sie hat eine dichte Lufthülle und da geht das Sonnenlicht durch, wacht den Boden warm und die Wärme geht nicht mehr raus. Und daher ist es dort fast 500 Grad heiß. Stell dir vor, da ist das Blei vom Bleigießen schon längst geschmolzen bei der Temperatur. Und atmen kann man auch nicht ordentlich, weil das ist lauter Kohlendioxid, sagen die Physiker und Chemiker. Und das kann man ja nicht atmen, da geht man ja zugrunde, da müsste man einen Raumanzug tragen. Nein, nix. Mit herumlaufen auf der Venus ist wirklich nix.
Rudi
Wuff! Und wie ist man eigentlich zum ersten Mal draufgekommen, dass es so einen Venus-Vorbeiflug vor der Sonne gibt? Hat da einer dauernd zur Sonne geschaut?
Herr Mucke
Ja, das hat man eigentlich ausgerechnet. Und dann hat man gewartet, ob es auch stimmt. Und da gab es einen Astronomen in Paris, der hat gehört davon, dass im Jahre 1631 die Venus vor der Sonne vorbeiziehen wird. Und da hat er gewartet. Aber leider, dieser Durchgang ist zu Ende gegangen, eine halbe Stunde bevor die Sonne aufgegangen war in Paris. Und da hat er es nicht mehr gesehen. Man hat damals noch nicht so genau rechnen können. Aber den nächsten 1639, den hat man in England gesehen. Zum ersten Mal einen Venus-Durchgang.
Rudi
Wuff, wuff, ich freue mich so. Und morgen wieder. Am Vormittag zwischen 7.20 Uhr und 13.23 Uhr. Wuff, wuff, wuff. Also Achtung, rechtzeitig auf die Uhr schauen, denn die Venus wartet nicht. Danke, Herr Professor Mucke. Als Astro-Sternen-Radio-Schnupperhund verabschiede ich mich heute von Euch mit Venus Ahoi und für morgen gut Guck!
Dazu gibt es auch eine Physikalische Soiree, die am 7. Juni 2004 erschienen ist.
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Es gibt für Sie kein Fernsehen heute Abend. Und Sie wollen auch nichts lesen. Und nicht reden. Es gibt für Sie Radio 1476. Alles schwingt. Alles strahlt. Und alles wirkt auf alles. Die Physikalische Serie. Herzlich willkommen, Lothar Bodingbauer begrüßt Sie zur physikalischen Soiree. Heute zu einem ganz speziellen Anlass morgen, morgen am Vormittag. Morgen wird sich am Vormittag die Venus vor der Sonne vorbeischieben. Zu bemerken ist das nur, wenn man in die Sonne hinein sieht und das darf man nur, wenn man eine Schutzbrille hat. aber bemerkt man einen schwarzen Punkt, der sich durch die Sonne durchschiebt. Das Ganze beginnt um 7.20 Uhr, endet um 13.23 Uhr und ist ein Ereignis, das kein lebender Mensch jemals gesehen hat. Das letzte Mal war das 1800 und irgendwas der Fall. Morgen wieder. Zu Gast in der physikalischen Sorée ist heute Professor Hermann Mucke. Und wer das Glück hatte in Wien gefirmt zu werden, hat sehr wahrscheinlich Professor Mucke kennengelernt. Man geht nach einer ordentlichen Wiener Firmung in den Prater, fährt mit dem Riesenrad und wenn man Glück hat, geht man ins Planetarium und dort hat man Professor Mucke erlebt. Er ist ein Sternmeister. Er bediente lange Jahre im Wiener Planetarium die große Projektionsmaschine, die die Sterne im Planetarium projizieren und mehr als das, er erklärte Generationen von Wienerinnen und Wienern den Sternenhimmel. Guten Abend Herr Professor Mucke. Guten Abend. Herr Professor Mucke, morgen erleben auch Sie etwas völlig Neues, den Venusdurchgang. Wie ist das für Sie? Ja es ist etwas Besonderes. Kein lebender Mensch hat das bisher gesehen, denn der letzte war 1882 und der nächste wird 2012 sein. Und es Das sind sehr seltene Ereignisse und sie werden in ihrem Ablauf bestimmt von den Umlaufzeiten des Planeten Venus, unseres inneren Nachbars im Sonnensystem, und unserer Erde, die die Bahn der Venus mit ihrer Bahn umschließt. Und da das Ganze ein bisschen alles gekippt ist gegeneinander, ist das nicht regelmäßig und oft zu sehen, sondern wirklich nur ganz selten. Ganz selten. Und es sind Perioden von acht Jahren, von 105 einhalb Jahren, von 121 einhalb Jahren. Und diese Erscheinungen sind nicht immer alle an einem und demselben Ort sichtbar. So ist zum Beispiel dieser Durchgang morgen von Anfang bis zum Ende zu sehen. Wir erleben den Eintritt der winzigen schwarzen Venus-Scheibe, wenn die Sonne etwa 30 Grad hoch im Ost-Nordosten steht und sie wird wieder austreten, wenn sie schon über den Mittag hinaus ist. Also wir sehen den kompletten Durchgang, wenn das Wetter mitspielt. Dagegen den nächsten sehen wir leider nur in seinen Endphasen, weil da geht die Sonne für uns zu spät auf. Da Und der erste Venus-Durchgang, der vorberechnet wurde und wo die Leute dann zum Himmel geschaut haben, war 1631. Von Kepler vorhergesagt, aber noch mit Hilfsmitteln, die nicht so genau waren wie die heutigen natürlich, weil wir verdanken ja Kepler die ersten Berechnungen der Bahnen der Planeten, die mit der Wirklichkeit, wie man sie mit freiem Auge beobachten konnte, damals nahtlos zusammenpassten. Und so prognostizierte er für 1631 einen solchen Durchgang. Die Astronomen waren zur Stelle, zum Beispiel in Paris, Garcentie, aber der Durchgang endete für Paris eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Und so hat dieser Astronom ihn nicht gesehen. Der erste, den man wirklich nach Vorherberechnung, und zwar eigener Vorherberechnung, beobachtet hat, war der von 1639. Und es war ein Astronom namens Horrocks, der ihn in der Nähe von Manchester mit seinem Freund Crabtree im Fernrohr beobachtet hat. Diese Astronomie, so wie wir sie hier in Europa kennen, ist ja eine faszinierende Sache. Da haben jahrhundertelang Menschen den Himmel beobachtet und ganz genau mitgeschrieben, wann welcher Planet wo steht, wann welche Tierkreiszeichen wo zu sehen sind. Und dann sind Menschen wie Kepler gekommen und haben gerechnet und konnten mit diesen jahrhundertelang gesammelten Daten etwas anfangen. Ja, es ist zunächst einmal so, dass man staunend unter dem großen Himmel stand, die Figuren, die die Sterne miteinander bildeten, mit Fantasie erfüllten, sodass die Sternbilder entstanden, richtige Figuren. Und das war eine sehr wichtige Sache, denn mit Hilfe dieser Figuren konnte man sich am Himmel zurechtfinden. Denken wir zum Beispiel an das Sternbild des großen Bären, dann konnte man sagen, Diese oder jene Himmelserscheinung erreigete sich an der Schnauze des großen Bären oder beim rechten Fuß des Jägers Orion. Das waren also zahlenfreie Ortsangaben und es fiel auf, dass in gewissen Sternbildern helle Lichtpunkte zu sehen waren, die langsam ihren Ort vor dem Hintergrund der Sterne veränderten. Sie sahen aus wie Sterne, aber sie bewegten sich. Daher der Name “Wandelsterne”. Und das griechische Wort, das wir als Lenwort haben “Planet”, geht ja zurück auf die griechische Wurzel. Die bedeutet jemand, der umherirrt. Und darin liegt schon die Tatsache, dass man vor dieser Planetenbewegung ziemlich radlos stand. Und erst später dann, Copernicus und dann erst Kepler, hat man die Gesetze gefunden, nach denen sich diese Bewegungen vollziehen. Was sehen Sie vom Beruf Astronom? Ja, ich habe mein Berufsleben der Himmelskunde gewidmet und habe im Jahr 1964 die ehrenvolle Aufgabe durch die Stadt Wien bekommen, das damals neue Wiener Planetarium zu leiten und zu betreuen. Das war keine ganz einfache Sache. Es ist so ein Mittelding zwischen einer Schule und einem Theater und es erfordert also nicht nur Fachwissen in entsprechendem Ausmaß, sondern auch die Fähigkeit dieses Fachwissen in verständlicher Form weiterzugeben und besonders durch die Möglichkeiten des Planetariums darzustellen. Und es ist an so einem Schaltpult, wie es damals im war, eine große Versuchung oft, das Publikum zu überfordern. Noch dazu sind erhebliche Probleme in der Vermittlung da. Man sitzt erhöht über dem Publikum, man sitzt sozusagen hinter einem Pult mit vielen Schaltern, hinter Wall und Graben. Es ist dann dunkel, wenn die Sterne leuchten. Man sieht also das Publikum nicht. Man hat über sich das, was man erklärt und Aufmerksamkeit wird vom Publikum her auf das und nicht auf den Redner gezogen. Das alles muss überbrückt werden und das erfordert eine sehr subtile und durch Erfahrung und Praxis anzueignende Tätigkeit. Man hat also wirklich die Möglichkeit hier das zu tun, was man sagt, nun es ist ein Teil der Natur, den wir erklären. Und es gibt eine Regel beim Radiomachen, wenn man einen Gast einlädt, schmeichle nicht dem Gast zu sehr, aber ich kann den Hörern versichern, ich war als 14-jähriger mit meiner Großmutter im Planetarium und ich habe Professor Mucke dort kennengelernt, da war ein Mann hinter einem riesen Pult und einer riesen Kuppel mit unzähligen Punkten und eine Höllenmaschine in der Mitte, ein Projektor und dieser Mann hat diese Höllenmaschine geritten und wir sind im Universum vorn zurückgefahren und das Ganze war so, dass ich immer angesprochen wurde. Ich war dabei und ich war auch verblüfft, wie die anderen Kinder, die dieses Planetarium öfters besucht haben, auch schon gut informiert waren. Die haben sehr viel gewusst, die Kinder. Ja, also Kinder sind ja sehr aufgeweckte Zuhörer und Zuseher und es stand damals im im Mittelpunkt der Bemühungen, das zu erklären und zu zeigen, was man mit freiem Auge in der Natur draußen sehen kann. Das heißt, wenn jemand nach einer Vorführung hinausging, dann fand er nahtlos Anschluss unter guten Sichtverhältnissen an das, was er am Himmel mit freiem Auge sehen konnte. Das war ein großer Anreiz, nicht mehr die künstlichen Sterne anzuschauen, sondern die echten und sich zu überzeugen. Da oben gibt es Sternbilder, in denen manchmal ein Stern überzählig ist, nämlich ein Planet. Und diese Sternbilder, wo diese Wandelsterne laufen, das sind ja dadurch ausgezeichnete Bilder. Und das sind einfach die, die wir heute die Sternbilder des Tierkreises Und wenn man die gut im Kopf hat, ist jeder überzählige Lichtpunkt sofort zu entdecken gewesen. Und es ist so ein großer Jammer, dass auch heute noch und gerade heute viele oft gebildete Menschen natürlich wissen, was ein Planet ist, ja sogar wissen, wie es am Mars ausschaut, dank der vorzüglichen Berichte in unseren Medien. Aber die noch nie einen Planeten wirklich am Himmel gesehen haben, sodass sie wussten, Lichtpunkt ist nicht ein Stern, eine ferne Sonne, sondern ein dunkler, von unserer Sonne beleuchteter und wegen seiner Nähe noch sichtbarer Planet. Wenn Sie zum Himmel schauen, sehen Sie diese überzähligen Sterne auf einen Blick? Ja sofort, natürlich, das sind gute Freunde und man kann sie verfolgen, wie sie langsam wandern. Und jetzt, morgen, da zeigt uns die Venus, wie sie vor der Sonne als Planet vorüberzieht. In sechs Stunden und sechs Minuten ist sie durch. Und da kann man erleben, in diesen wenigen Stunden, wie ein Planet wirklich auf seinem Weg um die Sonne zieht. Wie ist eigentlich die Gewichtung als Sternenkundler? Da ist ja viel Normales zu sehen. Der normale Ablauf der Planetenbewegung, die Sterne, wie man sie sieht. Und dann gibt es diese Besonderheiten, Kometen, Mondfinsternis, Sonnenfinsternis, Venusdurchgang, wie ist da die Gewichtung? Sind das Einzelereignisse, die dann und wann auftreten, mit denen man sich erfreut, beschäftigt wie eine Belohnung für jahrelanges auf den Himmel schauen mit der Normalkost sozusagen? Ja, also das sind natürlich Höhepunkte des Erlebens, aber zunächst einmal ganz einfache Sachen, die Stirne gehen auf und unter, wie es uns die Sonne zeigt. Der Mond geht ebenfalls auf und unter, aber jeden Tag steht er eine Handspanne im Stierkreis unter den Sternbildern weiter. Er nimmt zu, seine Lichtgestalt ändert sich von der schmalen Sichel des Neulichtes gleich nach Neumond über das erste Viertel bis zum Vollmond und dann nimmt er wieder Grundlage für die Schaffung eines Mondkalenders in alter Zeit. Oder wir erleben eben den Sternbilder Himmel, die Kulisse. Und das Schöne ist, diese Kulisse ändert sich mit der Zeit übers Jahr weg, denn unser Planet Erde, der steht ja ein halbes Jahr später auf der anderen Seite seiner Bahn. Und dann schauen wir in der Nacht in eine entgegengesetzte Himmelsrichtung und dort stehen natürlich ganz andere Sternbilder. Das heißt, wir erleben die Bewegung der Erde indirekt in einem Wechsel der Sichtbarkeit der Sternbilder. Der Sternbilderhimmel ist nicht immer der gleiche, wie viele Leute glauben. Und das sind ganz einfache Sachen zunächst einmal, die man gerade mit einem Planetarium wunderbar erklären konnte. Aber natürlich ist es so, dass solche Darstellungen, die den Himmel nachbilden, nicht die einzigen Tätigkeitsgebiete sind, die man im Planetarium abdeckt. Man kann natürlich die großen Ereignisse der Erkundung des Weltalls durch Großteleskope, durch Satelliten, durch Weltraumsonden vermitteln und da kommt man dann natürlich ganz zwangläufig in die Bereiche der astronomischen und astronautischen Technik und das ist etwas, was natürlich wieder eine besondere Vermittlung verlangt. Zu Gast in der heutigen Ausgabe der Physikalischen Sorée ist Professor Hermann Mucke. Er ist Sternenkundler und hat in Wien im Planetarium jahrelang Menschen den Himmel nahe gebracht. Herr Professor Muck, Sie haben den Schritt aus dem Planetarium jetzt heraus gemacht. in Wien am Georgenberg ein Freiluftplanetarium verwendet, das keinen Projekte hat als die natürlichen Sterne selbst. Ja, also wir erklären die echten Sterne und wenn der Himmel schön und klar ist und das ist er dort am Stadtrand von Wien noch dazu leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar in Mauern neben der Wotruba-Kirche, dann ist das natürlich ein ganz großartiges Erlebnis für die Leute. Wir können also wirklich, und das jetzt auf kurzen Nenner gebracht, die wichtigsten Tatbestände unseres astronomischen Weltbildes durch Beobachtungen mit freiem Auge abdecken. Aber da kommt es natürlich einmal vor, dass die Sicht ein bisschen schlechter ist oder dass jemand nicht so scharf sieht und deshalb bitten wir auch Ferngläser mitzunehmen, die also Sichtschwächen ausgleichen und wir können sogar besondere Einzelheiten vermitteln durch Projektion mit einem Computerprojektor unter freiem Himmel, so dass aus dem normalen modernen Stonehenge ein Freiluftplanetarium wird, wo wir auch in Zeitraffung arbeiten können, wo wir den Himmel nachstellen können und sollte plötzlich eine Wolkenbank aufziehen, dann flüchten wir in die Wotruba-Kirche und dann übernimmt der Computer mit seinem Himmel die Rolle des Echten. Ich sag’s Ihnen, Sie sitzen schon wieder auf seiner Höllenmaschine, die Sie da draußen an Georgenberg gebaut haben. Aber diese Höllenmaschine ist die Natur und jeder kann das nacherleben. Und da gehen oft Leute vorbei, die das noch nicht kennen und die denken sich dann, ja Ja, ist das ein Landeplatz für Außerirdische? Ja, wir stellen uns vor eine Arena, nicht wahr? Mit Sitzstufen. Bei uns ist die Bühne oben und daher ist die Arena eine Sitzstufenpyramide. Also genau umgedreht, man sitzt nach oben hin. Ja, und wir haben Masten und Pfeiler. Es gibt dort jeden Tag ein Zeitsignal zum Mittag, nachdem man die Uhr stellen kann und vieles mehr. Und damit jeder auch privat hingehen kann, es kostet nichts, es ist nicht abgesperrt. Jeder ist willkommen, der dort hinkommt. Dass sich der ein bisschen auskennt mit dieser Anlage, haben wir ein kleines Büchlein verfasst. Da ist alles genau beschrieben, was man dort macht. Und da sind alle Hilfsmittel in dem Büchlein drin, die man braucht. Ein wunderschöner Sternbilderatlas, Monatskarten, die kann man mit den Mitteln der Kopiertechnik vergrößern ohne weiteres im nächsten Copycenter. Dann über sich halten, wer einen Regenschirm und hat einen Himmel zum Angreifen. Und da kann man auch alleine hingehen? Ja, man kann nicht nur alleine hingehen, sondern wir haben auch unsere Hoffnung nicht enttäuscht gesehen, dass viele Lehrer schon sich anhand dieses Büchleins oder durch den Besuch von Führungen diese Methode sozusagen angeeignet haben, dort zu erklären, dass die mit ihren Schülern hingehen und ihnen das selbst erklären. Und da ist nur eines notwendig, nämlich uns zu informieren, wenn man mit einer Gruppe kommen will, denn wir müssen darauf achten, dass nicht mehrere Gruppen übereinander kommen. Das Schöne an der Astronomie, an der Sternenkunde ist, wenn man jemanden hat, der einem das erklärt, einer der sich auskennt. Das heißt die Vermittlung ist in der Sternenkunde wirklich was Schönes. Ja und mein Lehrer Thomas hat immer gesagt, die Himmelskunde wird von den Frauen übertragen, von den Großmüttern, den Tanten. Das war früher wirklich so, die Mütter waren es, die die das Wissen weitergegeben haben. Oder die Freundinnen, die Bräute, die haben die Astronomie verbreitet. Und gar viele haben Erinnerungen dank Schlüsselerlebnissen, wie zum Beispiel eine Sonnenfinsternis. Dieses Nicht-Eingreifen-Können in den Ablauf himmelskundlicher Vorgänge nur in dem staunenden Zuschauen liegt ein ganz besonderer Reiz. Es ist dem menschlichen Zugriff und all dem, was da vielleicht als schlecht empfunden werden könnte, entdrückt. Es ist eine Welt, die man eigentlich nicht so ohne weiteres manipulieren kann. Es sei denn durch Sichtverschlechterung. Wenn Ihnen der liebe Gott den Wunsch erfüllt, Ihre Beobachtungen nicht nur auf der Erde durchzuführen, durch hinaufschauen, sondern da gibt Ihnen ein kleines Weltraummoped, mit dem sie überall ganz schnell hinkommen. Wo würden sie denn da als erstes herumfliegen und sich ein bisschen näher umschauen, wie es dort da ist? Da brauche ich gar nicht weit fahren, da brauche ich nur außerhalb der Lufthülle der Erde mich zu bewegen. Da hat man dann wunderbare Sicht und da kann man dann auch zum Beispiel sich in die Nähe von himmelskundlichen Kleinkörpern begeben. Zum Beispiel einen kleinen Planeten aus der Nähe anschauen. Ich frage mich ja immer wieder, wie das Weltbild so wäre, wenn man unter ganz bestimmten Bedingungen aufwächst. Zum Beispiel, Sie kommen in einer Eisenbahn zur Welt und verbringen Ihre ganze Kindheit in dieser ständig fahrenden Eisenbahn und bemerken die Welt nur, wie sie draußen beim Fenster vorbei gleitet. Und dann dürfen Sie einmal aussteigen im Alter von 18 Jahren. Das möchte ich ganz gerne erleben, wie man sich da fühlt. Anders, man kann aufwachsen ohne den Himmel erklärt zu bekommen. Man sieht Sterne, man sieht sich verändernde Sterne und das möchte ich auch ganz gern wissen, wie das wäre, wenn man eigentlich überhaupt nichts vom Weltraum, von den Sternen und von den Bedingungen, die es dort gibt und Bewegungen wüsste. Das möchte ich ganz gern erleben. Ja, das wäre dann eine Forderung an den Wunsch, etwas zu entdecken. Und man könnte dann Entdeckungsfaden unternehmen. Und das ist natürlich etwas, was in jedem Menschen steckt. Die Forscher, die noch mit ganz einfachen Fortbewegungsmitteln die Erde erforscht haben, Dann denken wir zum Beispiel an die Suche, die James Cook im Auftrag der englischen Admiralität erledigen musste und einen Südkontinent gesucht hat und kreuz und quer durch den Südpazifik gefahren ist, ja sogar mit einem Segelschiff rund um die Antarktis gefahren ist, was der für Entbehrungen und Mühen auf sich genommen hat, aus Entdeckeraufgaben heraus. Und das ist natürlich auch überall in der Botanik, in der Zoologie, in der Geografie eine Sache, die appelliert an das Wissenwollen der Menschen. Und das wäre dann der Antrieb, dass man auch hinaufschaut und sich überlegt, was ist das. Und dann macht man sich in der Regel von den Dingen, die man sieht, eine Art Modellvorstellung und prüft dieses Modell an der Wirklichkeit. Stellt dann fest, es passt doch nicht ganz so. Wir verbessern das Modell Schritt für Schritt. Und das war genau das, was man in der Himmelskunde vom Altertum bis zur Gegenwart getan hat. Und das zu erläutern und darzustellen und zu erklären war immer ein großer Teil meiner Bemühungen. Ich stelle mir Sie vor mit der Pulmanmütze vorne bei einem Schiff, James Cook, der da durch die Ozeane gleitet, zum Himmel sehend und heraus zu versuchen versucht, wie das Ganze zusammenhängt. Wann hat das bei Ihnen angefangen? Ja, so 14, 15 Jahren. Warum? Ich wollte eben auch einmal da oben mich ein bisschen tummeln und natürlich war der Wunsch da, das mit irgendwelchen optischen Hilfsmitteln zu tun. Was war da gegeben? Das war die Zeit unmittelbar nach dem Krieg. Nichts war da, nur Trümmer. Und zum Beispiel ein gutes Fernglas wäre weit über meinen Zugriffsmöglichkeiten gestanden. Und da fiel mir in die Hände, am Dachboden in einer Truhe, Das, was noch aus der Zeit meiner Großeltern dort aufgehoben wurde, alte Schulbücher. Und die alten Schulbücher waren ja in einer Art geschrieben, die noch viel unmittelbarer war als heute. An diesen Schulbüchern konnte man wirklich etwas lernen, auch wenn man nicht zur Schule ging. Und da war ein Fernrohr beschrieben, wie es funktioniert. Da ging nun die Suche nach geeigneten Brillenlinsen. Ich habe welche gefunden, ich habe sie kombiniert mit Teilen des Mikroskops und hatte plötzlich ein Fernrohr. Und habe all die Entwicklungsprobleme, die man wirklich beim Bau von Fernrohren hatte, in der Optik vor allem, miterlitten. Und mir dann später, durch die Güte meines Lehrers Thomas, auch wirklich ein schönes Fernrohr beschaffen können und dann ging es erst richtig los. Dann war es wirklich auch Ihre Mutter, also weil Sie gesagt haben, die Frauen bringen uns den Himmel nahe? Schauen Sie, ich bin ein Junge gewesen, der im Krieg aufgewachsen ist. Mein Vater war eingerückt, er ist zum Glück unbeschadet wieder zurückgekommen. Meine Mutter musste sich um die Familie kümmern Und meistens ist es ja doch so, dass die Eltern im Erwerbsleben stehen und daher oft nicht das geben können, was zum Beispiel Großeltern geben können. Und daher spielen Großeltern oft eine viel größere Rolle in der Entwicklung eines jungen Menschen als die Eltern. Bei Ihnen auch? Ja, ich kann nicht sagen. Und es war dann auch immer der Wunsch, immer mehr kennenzulernen und genaueres einzelnen dann auch die Dinge mit Zahl und Maß zu erleben, sich daran zu freuen, dass alles stimmt oder zu entdecken, ich habe mich verrechnet, es stimmt doch nicht. Aber so erlebte man zum Beispiel auch die Rechentechnik. Und eine Rechenmaschine, eine mechanische, die nur vier Grundrechnungsarten kannte und praktizieren ließ, die war natürlich ein Geschenk des Himmels damals. Und als der erste Taschenrechner mit den Winkelfunktionen kam, das war ja ein Geschenk des Himmels gewissermaßen. Und so ist es dann weitergegangen bis zum Computer. Und jetzt geht es dann wieder weiter. Ich glaube, Herr Professor Mucke, wir reden in 100 Jahren wieder. Machen wir wieder eine Sendung? Und wie sich das weiterentwickelt hat? Ja, also das wäre natürlich interessant zu sehen und ich danke Ihnen für dieses fröhliche Gespräch und die Möglichkeit ein bisschen was davon zu erzählen, was mein Leben bewegt hat. Wir danken Ihnen und das war die Physikalische Sorée, die Vor-Venus-Durchgangsausgabe, nämlich die Juni-Ausgabe und morgen am 8. Juni, schauen Sie zum Himmel, einfach am Vormittag, da wird die Sonne mit der Venus ein kleines Tänzchen auffüllen. Lothar Bodingbauer verabschiedet sich.
