Radio, Science, Education

Wien

Radioproduktion

  • 080. Verwandlungskünstler Eis

    Eis existiert in 18 verschiedenen Formen. Gut erforscht sind davon nur das klassische Eis und der uns wohlbekannte Schnee. Alle anderen Formen festen Wassers finden sich teils auf dem Meeresgrund, teils im Weltall, und zum Großteil nur in den Labors der Forscher. Es sind nämlich extreme Druck- und Temperaturbedingungen, die die beteiligten Wassermoleküle zu den exotischeren Eissorten anordnen lassen. Der Chemiker Thomas Loerting von der Universität Innsbruck spricht über das Eis und seine vielfältigen Formen.

    Link: Teil 1 bis 5 in der Physikalischen Soiree 131

    Filename: phs131

  • 079. Falknerei

    Die Jagd mit Greifvögeln hat auch in Österreich reiche Tradition. Auch heute noch trainieren Jäger Geier, Adler, Falken, Uhu, Milan und Bussard, um sie als Jagdhelfer einzusetzen. In der Falknerei Obernberg am Inn werden die Tiere darüber hinaus für die Verwendung in Flugvorführungen ausgebildet. Noch im Ei findet die erste Prägung durch den Falkner statt, der mit den Jungvögeln spricht, sodass sie sich an seine Stimme gewöhnen. Sind sie erst geschlüpft, werden die Vögel von Hand aufgezogen. Das Training danach erfolgt ausschließlich durch Belohnung. Im Idealfall bilden Falkner und Greifvogel eine fein eingestellte Verbindung, die – die Rangordnung im Greifvogelteam genau beachtend – eine komplexe Vorführung erarbeitet und darstellt.

    Es spricht: Helmut Kotlik, Falknerei Burg Obernberg am Inn.

  • 078. Libeccio, Bora, Scirocco und Khamsin

    Durch die Kleinräumigkeit der Landschaft und großen Unterschieden in der Oberflächenbeschaffenheit entstehen im Mittelmeerraum viele unterschiedliche Windsysteme, die meist klingende und charakteristische Namen bekommen haben: Bora, Libeccio, Khamsin, Scirocco, Mistral, Levante, und viele weitere mehr. Mit den Winden verbunden sind Sonne oder Regen, oft Sturm oder Stille, Überschwemmungen und Trockenheit, eine erfrischende Seebrise oder eben auch drückende Schwüle. Die Winde des Mittelmeers sind Ausdruck eines auch im Jahreslauf vielfältigen Lebensraums.

  • 077. Weihnachten beim Landpfarrer

    Karl Burgstaller: Zum Heiligen Abend hin beginnen die Menschen ruhig zu werden. Besonders für viele Landpfarrer beginnt eine hektische Zeit. Durch den Priestermangel müssen mehrere Pfarren betreut werden, damit alle ihren persönlichen Weihnachtsgottesdienst erleben können. Die Weihnachtszeit ist anstrengend. Wann genau kommt nun Weihnachten zu einem Priester selbst?

    Filename: radio077_mom_landpfarrer

  • 076. Leben im All

    Es spricht: Heinz Oberhummer, Atominstitut der Österreichischen Universitäten: Bis vor einigen Jahren noch war die Suche nach Außerirdischen reine Spekulation und die Forschung darüber ganz und gar nicht wissenschaftlich. Heute können Astrophysiker und Astrobiologen hingegen schon gut abschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es Leben außerhalb der Erde geben könnte. Der Astrophysiker Heinz Oberhummer spricht über Hypothesen, Bedingungen und Möglichkeiten der Existenz von Leben im Weltall.

  • 075. Sonnenwind und Weltraumwetter

    Die Sonne sendet nicht nur Licht zur Erde, sondern auch massive Teilchen, die vom Erdmagnetfeld abgefangen werden. Es entstehen Nordlichter, wenn diese Teilchen mit den Molekülen der hohen Atmosphäre zusammenstoßen. Normalerweise sind diese Polarlichter nur in den Regionen um die Pole sichtbar. Bei großen Sonnenstürmen werden jedoch ausbruchsartig große Mengen von Materie aus der Sonne in Richtung Erde geschleudert und Leuchterscheinungen gibt es dann auch in unseren Breiten. Sonnenstürme bergen dabei durchaus eine Gefahr für Leben, das auf Technologie angewiesen ist: Umspannungswerke können zerstört werden, und Flugzeuge werden angewiesen, die Polrouten zu meiden, da die Strahlung eine Gefahr für das Leben darstellt.

    Gesprächspartner: Helmut Rucker, Österreichische Akademie der Wissenschaften

    Helmut Rucker

    1. Filename: radio075_nat_sonnenwind_1 Lebensfeindliche Bedingungen

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_1

    Vakuum, Strahlung ab 30, 40 km – lebensfeindlich, in der Nähe von Weltraumbedingungen. „Erdnaher Weltraum“. Satelliten ab 250 km Höhe. Ab 10 Erdradien tagseitig (10 mal 6370 km) ist äußere Grenze jenes Raumes mit Erdmagnetfeld – jenseits davon: interplanetare Bedingungen, Sonnenwind.

    Sonne: Einfluss auf alles Geschehen auf der Erde. Strahlung: Licht und Wärme; aber auch: hochleitendes Plasma aus der Sonnenatmosphäre ist Sonnenwind. Plasa: ionisierte Teilchen. Teilchen mit Ladung. Elektronen, Protonen. Strömt von der Sonne ab, 300-800 km/s, braucht ca. 3-4 Tage zur Erde. Verändert das Erdmagnetfeld. Tagseitig zusammengedrückt, nachtseitig zu Magnetschweif ausgedehnt.

    Teilchen von Sonnenwind kann tiefer eindringen in Atomsphäre und Polarlicht auslösen. Weltraumwetter: Einfluss aus interplanetarem Raum, primär von der Sonne, auf die Erde.

    2. Filename: radio075_nat_sonnenwind_2 Stürme aus dem All

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_2

    Sonnenstürme klingt nach Wetter im Weltraum. Eruptionen auf der Sonne, Coronale Massenauswürfe. Lokal auf Sonne, können in Richtung Erde die Erde betreffen. Masse eines schnellen Sonnenwindes 1000 – 2000 km/s, in 1 Tag bei der Erde. Üblicherweise 1 mal pro Woche. Aber auch Aktivitätszyklus der Sonne: 11 Jahre. 

    Update: „4. Februar 2022. Das Raumfahrtunternehmen Space X schickt auf einen Schlag 49 niegelnagelneue Satelliten ins All. Einen Tag später sind 40 davon abgestürzt.“ (SWR)

    Einer der stärksten Auswürfe 2003, Nordlicht auch in Österreich, rötlich in Richtung Norden. Sehr selten dort sonst.

    Magnetfeldänderungen: Wirkungen auf der Erdoberfläche, Ströme in Pipelines, Hochspannungsleitungen. Probleme bei elektronischen Geräten. Stromausfall in Quebec. Auch Radiowellen, GPS verändert, Navigation

    3. Filename: radio075_nat_sonnenwind_3 Eine schützende Hülle

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_3

    Magnetfeld lenkt geladene Teilchen ab. Eine Art Strom entsteht auf dieser Grenzschicht, Plasma kann das Magnetfeld nicht durchdringen, würde es fehlen, kämen sie durch. Sind energiereich. Kosmische Strahlung, schädlich. Organisches Leben hätten Probleme, Mutationen. Bemannte Raumfahrt: Mondflüge, Astronauten haben schützende Hülle des Erdmagnetfelds verlassen, Astronauten waren dem ausgesetzt. Relativ kurz allerdings. 

    In Richtung Mars ist das schwieriger. Aufenthalt in Raumkapsel mehrere Monate. Hochenergetische Strahlung von Sonne und galaktischem Raum trifft Raumschiff. Kann intensiv sein, durch meterdickes Blei. Erbschäden. 

    Piloten sind allerdings länger davon betroffen, bei koronalen Massenausbrüchen: nicht so hohe Polrouten. Südlichere Routen.

    4. Filename: radio075_nat_sonnenwind_4 Seltene Phänomene

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_4

    Erscheinungen am Himmel: in Frühzeit Zeichen von Gottheiten, nahes Ende der Welt. Ursache: Sonnenwind. Wechselwirkung mit dem Erdmagnetfeld. Halloween Event Oktover, November 2003: deutliche Erscheinung rötlich über Österreich, ins Bläuliche, Hellgrüne. Unüblich in Österreich. Polarlicht: Aurora Borealis (N), Aurora Australis (S). Dauerte lange, es zu erklären.

    EIndringende Teilchen des Sonnenwinds spiralisierend auf Magentfeldlinien im N und S senkrecht zu Höhen der Atmoshäre, 200, 300 km Höhe. Kollidieren mit Atmosphärennteilchen, Sauerstoff, Stickstoff. Für kurze Zeit regen die Elektronen O und N Atome an, erregte Zustände gehen zurück in den Grundzustand. Das ist das Phänomen „Nordlicht“. Eötlich: Sauerstoff in großen Höhen, Stickstoff ins Bläuliche, gelblichgrün. AUch eine Frage der Höhe.

    Tanzende Gebilde: Vorhänge, Bögen, Strukturen, Bewegung der Leuchterscheinung.

    5. Filename: radio075_nat_sonnenwind_5 Erweiterte Untersuchungsräume

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_5

    1350 Konrad von Lebenberg erstmals beschrieben. Hat lange gedauert, Angstrom, Birkeland (1867-1917) sahen als Physiker einen Zusammenhang mit der Sonne. Grundlagenforschung. Räume, die man untersuchen will, von der Polkappe über Erdoberfläche hinaus in den Weltraum gelegt. 1882: Ausrufung des 1. Arktischen Jahres. Weyprecht. 1932 Abermals Kooperation, 1957/58 Internationales Geophysikalische Jahr, Start des 1. Satelliten. Internationales Heliophysikalische Jahr: Untersuchungsräume in Gesamtes Sonnensystem 2007.

    Forschung mit Satelliten und Höhenforschungsraketen. 

    Magnetic Reconnection: Phänomen bei geomagnetischen Stürken stark. Sonne schickt vermehrt Sonnenwind, an Flanken der irdischen Magnetosphäre treten vermehrt Teilchen ein, besonders nachtseitig. Folgen den Linien und werden in Polargebiete hineingepresst: Nordlicht.

  • 074. Fuchs

    Der Rotfuchs ist in Mittelereupa der einzige Vertreter der Füchse und erlebt derzeit einen großen Aufschwung, was seine Verbreitungsmöglichkeiten betrifft. Füchse sind generell äußerst anpassungsfähige Tiere. Genügsam und anpassungsfähig von Natur aus, hat er mit der praktischen Ausrottung der Tollwut in Österreich seinen größten natürlichen Feind verloren. In der freien Natur eher ein Einzelgänger schließt er sich zum Zwecke der Eroberung der Städte zu größeren Gruppen zusammen. Als ein Mitglied der “hundeähnlichen” Tiere sieht er zwar schlecht, riecht dafür jedoch umso besser und ernährt sich von ziemlich allem, was ihm die Natur und in zunehmenden Maß auch die Stadt an Futter überlässt. Jäger versuchen, sein zahlenmäßiges Aufkommen in den letzten Jahren zu reduzieren, sie haben es dabei nicht leicht, denn die in Märchen oft beschriebene Listigkeit des Fuchses ist tatsächlich vorhanden.

  • 073. Bildungsökonomie

    Was kostet ein Sitzenbleiber? Es gab eine Zeit, in der Bildung als grundsätzliche und unantastbare Bedingung für die Bezwingung des Wilden ins uns gesehen wurde. Heute wird Bildung fast ausschließlich in Kosten-Nutzen-Rechnungen an ihrer Auswirkung im Bruttoinlandsprodukt gemessen, verglichen im globalen Wettbewerb. Es zahlt sich demzufolge in unseren Breiten aus, schon in die Bildung von Kindergartenkindern zu investieren, allenfalls in die Erwachsenenbildung, die Alten hingegen werden möglichst kostengünstig allenfalls noch etwas bei Laune gehalten. Leise aber beharrlich entstand in den letzten Jahren ein neues ökonomisches Forschungsgebiet: die Bildungsökonomie. Eine Sendung über die Suche nach dem Wert der Bildung.

    URL: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio073_jp_bildungsoekonomie.mp3

    Manuskript (ohne letze Änderungen)

    JOURNAL PANORAMA: BILDUNGSÖKONOMIE 

    Lothar Bodingbauer

    PRESSETEXT

    Bildungsökonomie: Sei gescheit, mein Teuerster!

    Es gab eine Zeit, in der Bildung als grundsätzliche und unantastbare Bedingung für die Bezwingung des Wilden ins uns gesehen wurde – wie auch immer  das geschah. Heute macht Effizienz auch vor Bildungsfragen nicht halt. Der Bildungserfolg wird in Kosten-Nutzen-Rechnungen an seiner Auswirkung am Bruttoinlandsprodukt gemessen, verglichen im globalen Wettbewerb. Es zahlt sich aus, schon in die Bildung von Kindergartenkindern zu investieren. Leise aber beharrlich entstand in den letzten Jahren ein neues ökonomisches Forschungsgebiet: die Bildungsökonomie. Ein Journal-Panorama auf der Suche nach dem Wert der Bildung – von Lothar Bodingbauer.

    ANMODERATION

    Menschen, die im Bildungswesen arbeiten, reagieren auf bildungsökonomische Fragen oft äußerst allergisch. „Immer nur nach dem Nützlichen zu fragen, ziemt sich gar nicht für großzügige und freie Menschen“, wird Aristoteles zitiert, wenn es um die Frage nach der Effizienz von Bildungsmaßnahmen geht. Seit einigen Jahren machen aber wirtschaftliche Optimierungsversuche auch vor Bildungsfragen nicht halt. Der Bildungserfolg wird in Kosten-Nutzen-Rechnungen an seiner Auswirkung am Bruttoinlandsprodukt gemessen, verglichen im globalen Wettbewerb. Leise aber beharrlich entstand ein neues ökonomisches Forschungsgebiet: die Bildungsökonomie. Hören Sie dazu jetzt ein Journal-Panorama auf der Suche nach dem Wert der Bildung – von Lothar Bodingbauer.

    BEITRAG

    Mikrofon /     0:24    Text 

    Jeder, der einmal in der Schule war, ist in Österreich ein Bildungsexperte, und jeder, der einmal Geld ausgegeben hat, ein Ökonom. Wer beides tat, ist Bildungsökonom. So könnte man überspitzt die Verwirrung auf den Punkt bringen, die derzeit in Österreich um den Begriff „Bildungsökonomie“ herrscht. Dabei ist es doch so einfach. Man muss nur den richtigen fragen.

    CD-1 / 1    0:37    Mailbox Lückl – Bildungsministerium

    (Mailboxsignal: Kling – Heute, 10 Uhr 35): Grüß Gott, Herr Bodingbauer, Lückl Bildungsministerium. Sie haben gestern versucht, mich zu erreichen. Betreffend Ihre Anfrage, was für Kosten für den Staat anfallen beim Sitzenbleiben eines Schülers einer Schülerin liegen beim Bildungsministerium keine derartigen Zahlen aus entsprechenden Erhebungen vor. Eventuell könnte die Bundesanstalt Statistik Österreich dementsprechendes Zahlenmaterial für Sie bereitstellen. Mit freundlichen Grüßen, Lückl Bildungsministerium.

    Mikrofon /     0:23    Text 

    7700 Euro kostet einmal Sitzenbleiben im Durchschnitt in Österreich der öffentlichen Hand. Was immer man mit dieser Zahl anfangen will. Sie ist auch im Statistischen Zentralamt nicht leicht zu kriegen – die sonst alles haben, was in Österreich Daten verursacht. Was kostet ein Schuljahr dem Staat? Vielleicht ist diese Frage einfach nicht interessant?

    CD-2 / 1    0:2    OT Kurt Scholz

    Die Ökonomie ist unser Schicksal…

    Mikrofon /     0:5    Text 

    … sagt Kurt Scholz, der frühere Wiener Stadtschulratspräsident …

    CD-1 / 2    0:46    OT Kurt Scholz

    und auch ich bin der Meinung, dass man jeden Euro, der in das Schulwesen investiert wird, genau anschauen und umdrehen soll. Man soll wissen, was Unterrichtsstunden kosten, was die Absage von Unterricht kostet, man soll durchaus ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass das Schulwesen der zweit- oder drittgrößte Budgetbrocken überhaupt im Bundesbudget ist. Dafür soll man ein klares Bewusstsein haben. Davon trennen möchte ich allerdings eine Schule oder eine Pädagogik, die nur mehr unter dem Diktat der Zahlen steht. Derzeitig haben wir eine schleichende Entwicklung, in die Richtung, je billiger, desto besser organisiert ist das Schulwesen. Und dagegen muss man schon gewisse Einwände haben.

    CD-2 / 2    1:19    ******** Mix Abendschüler

    Ja, es hat mit meinen Eltern auch zu tun. Ich soll machen was ich will. Sie können mich nicht zwingen dazu. Das war beste, was sie machen haben können. So bin ich selbst immer wieder auf die Schnauze gefallen, rausgehaut worden, da passt es nicht. Und so bin ich selbst draufgekommen, wie wichtig die ganze Ausbildung da ist, dass man die ganze Ausbildung hat und so. — Es war so, dass ich mit 14, 15 Interessen entwickelt haben, die sich mit der Schule nicht überschnitten haben, Musik, selber Musik machen, ich dachte mir, das Wissen, das mir in der Schule übermittelt wird, kann ich mir selber über das Internet beizubringen, zumindest die Sachen, die mich da interessieren. Das war aber nicht ausreichend, um positiv abzuschließen, und darauf bin ich zwei mal in der 6. Klasse durchgefallen. — Ich habe Konditor gelernt, dann auf Patisserie umgestiegen, und habe in besseren Hotels gearbeitet, was furchtbar anstrengend war, ich habe aber was gesehen von der Welt, habe Geld verdient, jetzt kann ich mich zwei Jahr hinsetzen, arbeiten, was nicht so interessant ist, einfach nur sitzen, und die Schule machen.

    Mikrofon /     0:26    Text 

    Das war die Sicht von drei Wiener Abendschülern, die im zweiten Anlauf die Matura machen. Jeder von ihnen hat zwei Schuljahre a 7700 Euro in den Sand gesetzt. Auch Manfred Adlmanseder hat dem Staat mehr gekostet als der Durchschnitt. Er hat Russisch studiert, Doktorrat, dann Jus studiert, zweites Doktorrat. Jetzt ist er Finanzchef einer bedeutenden Maschinenbaufirma, exportorientiert.

    CD-1 / 3    0:11    OT Manfred Adlmanseder

    Es ist durchaus ein Vorteil, wenn man in einer Führungsposition zum Telefon greifen kann, um den Direktor eines Unternehmens anrufen kann und sich mit ihm in seiner Sprache zu unterhalten…

    Mikrofon /     0:12    Text 

    Ein Vorteil, der aber ziemlich teuer war. Stichwort Bildungsökonomie: hätte der Staat Ihnen nicht einen Sprachkurs zahlen können, musste es ein Russischstudium sein, anders gefragt:

    CD-2 / 3    0:58    OT Manfred Adlmanseder

    Wo liegt der Vorteil für die Volkswirtschaft, dass Sie als Finanzchef Puschkin gelesen haben? — Schauen Sie, Puschkin mag ein Privatvergnügen sein. Nur stellen Sie sich vor, ein Abendessen mit Geschäftspartnern in Moskau. Sie sitzen zusammen, im Cafe Puschkin, ich war erst letzte Woche dort im übrigen. Man plaudert, unterhält sich, parliert in Russisch. Natürlich kommen Themen wie Literatur, Musik. Ja was glauben Sie, wir können nicht als exportorientieres Land in der Führungsebene eines Unternehmens auftreten, wenn wir hier nicht mitreden könne. Bildung, auch schöngeistige Bildung, Musik Malerei, sind ein gemeinsamer Bestandteil Europas. Und ich sage es ihnen ganz ehrlich, für Geschäftsabschlüsse nicht gerade schlecht, wenn man ein bisschen was davon versteht.

    Mikrofon /     0:17    Text 

    Da ist doch etwas gut gegangen – beim Einzelnen. Bildung wurde eingekauft, von ihm, vom Staat, das Ergebnis lässt sich sehen. Das könnte doch eine schöne Verbindung ergeben: die Bildung und der Markt, fragt Lorenz Lassnig, Institut für Höhere Studien.

    CD-1 / 4    2:4    OT Lorenz Lassnig

    Was wäre, wenn man Bildungswesen organisieren würde, nach Marktwirtschaft. Dass Bildung eine Ware wie jede andere auch. Wohnungen, Brot. Hier gibt es eine wesentliche Unterscheidung: diese Unterscheidung ist mit privaten und sozialen Erträgen verbunden. Hier wird untersucht,  in wie weit durch Bildungsinvestitionen private Erträge erzielt werden, Ertrag gemessen in Einkommen mit bestimmten Bildungsabschluss. Ergebnisse: Rendite in Bildung gleiche Höhe wie bei normalen Kapitalinvestitionen. Aktienfonds kauft – Wenn der Staat investiert, oder wenn der einzelne Bürger investiert. – Das ist unabhängig, Investitionen egal woher sie kommen. Was kann man daraus politisch schließen. Bildungsökonomie hat einen starker Trend, die Hochschulbildung mit hohen Erträgen auf private Investitionen aufbauen soll, wohingegen man die allgemeine Bildung nicht auf privaten Investitionen aufbauen soll, hier soll man nicht nach ökonomischen Erträgen schauen, sondern hier gibt es wesentliche Aspekte, die über den Markt heraus  eine Rolle spielen: sozialer Zusammenhalt, Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten gegenseitig kennen lernen, dass man eine gemeinsame Kultur schafft und so weiter.

    Mikrofon /     0:40    Text 

    Hier gibt also die Ökonomie der Politik die Hand. Dieses Gemeinsame im Staat ist nämlich nicht ganz freiwillig, sagt Lorenz Lassnig. Fehlender sozialer Zusammenhalt kostet der Volkswirtschaft Wirtschaftswachstumspunkte. Damit sind wir weg vom Einzelnen. Jede Investition in die Bildung rechnet sich für das Individuum und für den Staat, und zusätzlich entsteht ein Gruppeneffekt, wenn besondere Bildung vermittelt wird: vernetztes Denken, Teamwork. Das bringt dem Individuum selbst nicht viel, aber dem Staat sehr wohl. Und zwar ebenso viel, wie die Arbeitsleistung selbst, sagt Lorenz Lassnig – Zur Sicht der Wirtschaft nun.

    CD-2 / 4    2:11    OT Claus Raidl

    Was braucht Böhler-Uddeholm?

    Mikrofon /     0:6    Text 

    Eine Frage, die Claus Raidl, der Vorstandsvorsitzende von Böhler Uddeholm beantwortet.

    CD-1 / 5    1:50    OT Claus Raidl

    Wir brauchen gutausgebildete Controller, gut ausgebildete Diplomingenieure, die sowohl in der Forschung einsetzbar sind in Produktion, Vertrieb, Produktentwicklung, wir brauchen gutausgebildete Juristen, wir brauchen gut ausgebildete Marketingleute. Finanzleute, die wissen, wie man Unternehmen billig finanzieren kann, wissen wie Kapitalmarkt funktioniert, die Börse funktioniert. Wenn ich es aus meiner kleinen Sicht von Böhler-Uddeholm sehe, so verlange ich, erwarte ich vom Bildungssystem, dass diese Qualifikationen auf den Bildungseinrichtungen vermittelt werden, Universitäten. Fachhochschulen, berufsbildenden Schulen; HAK, dass dort diese Qualifikationen vermittelt werden, die mir helfen, dass sich Böhler-Uddeholm sich im Wettbewerb besser behauptet. Denn wenn Sie bessere Dipl.Ing. für neue Produkte habe, für Forschungen, Ergebnisse aus Forschung, und Ergebnisse aus der Forschung, wenn Sie bessere Mitarbeiter haben für Finanzierungen, dann werden Sie einen Konkurrenzvorteil haben. Daran gibt es ein doppeltes Interesse, das Interesse des Individuums, man soll doch um Gottes willen einem Jungen Menschen mit 10 oder 12 Jahren durch die Auswahl seiner sekundären Ausbildung den Weg zu einer höheren Bildung versperren, das ist die individuelle Sicht, auch die Sicht der Wirtschaft ist, wir müssen ein Interesse haben, dass die Begabungen der jungen Menschen wirklich alle zur Entfaltung kommen, denn wir können die alle brauchen.

    CD-2 / 5    1:22    ******** Mix Große Menschen

    Ja, Bildung ist ein großer Begriff, aber was ich schon von klein auf gemerkt hat, meine Eltern, meine Mutter speziell auch, dass wir am Abend Bücher, vorlesen, mag sein, dass es bei anderen Bauern nicht selbstverständlich war — Meine Mutter hat immer gesagt, wir haben nicht so viel Geld, aber alles was ich an Geld habe, investiere ich in Eure Ausbildung. — Schule losgegangen ist, ist sehr gefördert worden, eine kleine Schulbank bekommen, da kann ich Hausübung machen, das ist von meiner Mutter sehr gefördert worden. — Selber schwere Jugend gehabt,. hätte sicher mehr aus mir machen könne, wenn ich ein gescheiteres Elternhaus gehabt hätte, da habe ich gesagt, solche Fehler dürfen nicht passieren, das muss einfach hinhauen — und mein ältester Bruder war ein Jahr in USA als Student, später draufgekommen, Eltern haben Kredit aufgenommen – später als er älter wurde, haben wir ein Terrarium gehabt, heimische Fischarten, Schlangen. Und da musst halt mit dem Kind machen. Ihm hat es gefallen, mir hat es gefallen, das war wirklich was ganz was Schönes.

    CD-1 / 6    0:6    OT Gudrun Biffl

    Wieviel Bildung lässt man wem zukommen, auf wieviel Bildung hat man Rechtsanspruch?

    Mikrofon /     0:5    Text 

    Fragt die Arbeitsmarktexpertin Gudrun Biffl vom Wirschaftsforschungsinstitut.

    CD-2 / 6    0:58    OT Gudrun Biffl

    Da komme ich jetzt von der Arbeitsmarktseite und sage, die Wirtschaft und auch daher die Gesellschaft braucht ein ganz bestimmtes Qualifikationsniveau der Menschen, um bestimmte Produktionsprozesse meistern zu können. Es ist durchaus sinnvoll, in einer Situation, wo ich eine Technologie habe, wo ich eine große Zahl von standardisierten Fähigkeiten brauche, also die Industrialisierungsphase, dass man ein Bildungssystem hat, das genau diese standardisierten Qualifikationen im hohen Maße für den Markt produziert. Wenn sich aber jetzt unser Wirtschaftssystem wegbewegt von diesen Qualifikationsprozessen, über Globalisierung, über die technologische Entwicklung, und wir sind ein reiches Land,  dann müssen wir uns überlegen, dass wir die jungen Menschen in die Qualifikationen hineinbringen, die sie dann brauchen für die nächste wirtschaftliche Entwicklungsstufe. Und da haben wir gewisse Probleme in Österreich.

    CD-1 / 7    0:6    OT Hannes Eichsteininger

    Es gibt Schüler, die braucht niemand. Das sind gar nicht so wenige.

    Mikrofon /     0:5    Text 

    Hannes Eichsteininger, Lehrer an der Polytechnischen Schule in Ried im Innkreis.

    CD-2 / 7    0:39    OT Hannes Eichsteininger

    Es ist ja das Problem in Österreich, dass es den Hilfsarbeiter, der früher an der Maschine gestanden ist und den Hebel umgelegt hat, nicht mehr gibt. Dadurch bleiben die Leute, die in diesem Bereich gearbeitet haben, die bleiben wirklich über. Die werden mitgeschleppt, Arbeitsloseninitiativen. Aber auch diese Unterstützungen laufen aus, wenn 18-19. Und das ist ein ungelöstes Problem, da ist Geld alleine nicht die richtige Lösung. Da können sie die Firmen mit Geld zuscheissen, die werden diese Leute nicht einstallen. Hier haben wir ein Arbeitslosenproletariat, das niemand benötigt.

    CD-1 / 8    0:34    OT Gudrun Biffl

    Österreich selektioniert. Wir selektionieren so, dass ein relativ großer Anteil an Jugendlichen nicht in Lage versetz wird, außer zu extrem hohen individuellen Kosten, auch Selbstmotivation Externistenmatura, Berufsreifeprüfung neben Erwerb ist nicht so leicht , das heisst es wird eine Gruppe abgesagt, die gar nicht einmal vorgesehen sind für die univistäre Ausbildung.

    CD-2 / 8    0:9    OT Ursula Müller

    Im allgemeinen kann man es in der 3. Klasse schon sagen, ob es ehr gute Schüler sind, und die gehören in ein Gymnasium, oder ob es eher durchschnittliche Schüler sind oder unterdurchschnittliche.

    Mikrofon /     0:4    Text 

    Ursula Müller, Volksschuldirektorin in Altheim, Oberösterreich.

    CD-1 / 9    1:3    OT Ursula Müller

    Da tut sich noch so viel, es gibt natürlich die Kinder, bei denen man es vom 1. Schultag an sieht, die so kompetent sind. Bei uns am Land hängt es noch stärker vom Familienhintergrund ab, weil für die Kinder die Belastung des Fahrens dazukommen, wenn sie nach Braunau oder Ried fahren müssen, sie 16 und 20 km Bus fahren, das ist für 10-jährige nicht unbedingt lustig, schon manchmal, erste Tragödien im Bus ab, es gibt auch diese Kinder, es ist eine Belastung. Wenn die Eltern selbst ins Gymnasium gegangen sind, und viel davon halten, werden sie die Kinder entsprechend persönlich stärken, dass diese Belastung aushalten, wenn die Eltern sagen, wir sind in die HS gegangen, es ist aus uns etwas worden, diese Belastung tuen wir unseren Kindern nicht an, dann ist natürlich der Weg in die Hauptschule gezeichnet, wenn es sich um sehr gute Schüler handelt.

    CD-1 / 9    1:11    OT Gudrun Biffl

    Vererbung des Bildungsniveaus heißt, dass die Kinder das selbe Ausbildungsniveau haben wie die Eltern. Das sind in Österreich 52% der Schüler. Das heißt, wir selektionieren. Normalerweise sagen wir immer, unser Bildungssystem selektioniert nach Fähigkeiten und Begabungen. Ganz eigenartig, weil man im Endeffekt nicht danach selektioniert, sondern nach dem sozialen Status. Wenn man wirklich nach Fähigkeiten und Begabungen selektionieren wollte, muss man diesen gesamten sozialen Krimskrams entfernen, welches Potenzial hat dieses Kind, das muss man fördern, herausfinden, in welchem Maß kann das das Schulsystem machen, im welchen Maße das Elternhaus. Bei uns kommt die Förderung in hohem Maße  aus dem Elternhaus. Daher haben es Kinder aus einem bourgeoisen Hintergrund es nun mal leichter, sich in diesem Bildungssystem zurechtzufinden, als Kinder die aus bildungsfernen Schichten kommen. Da können die Eltern einfach nicht den Beitrag leisten, und in Folge dessen fallen ihre Kinder automatisch zurück, weil das Schulsystem ihnen nicht diese Förderung angedeihen lässt, die diese Kinder bräuchten. Und das ist der Unterschied zu den nordischen Ländern.

    Mikrofon /     0:5    Text 

    Sagt die Arbeitsmarktspezialistin Gudrun Biffl vom Wirtschaftsforschungsinstitut.

    CD-1 / 10    1:18    ******** Mix Abendschüler

    Als ich mit meinen Eltern in dieser Zeit diskutiert habe, wo ich nicht wußte, was ich machen soll, war mein Papa verständnisvoll, er hat gesagt, mach irgendwas, mach weiter, überleg dir was anderes meine Mama war stressig, sonst verlierst wieder ein Jahr. Und die Mischung aus beiden hat dazu geführt, dass ich es selber verstanden habe — Im Gymnasium habe ich es versabelt, weil ich zu faul dazu war, und jetzt kann ich es, cih weiß, dass ich es kann, und das will ich mir beweisen. — Und jetzt denke ich mir, das ist ja wirklich interessant was ist da wirklich passiert, lerne es anders als mit den Augen und Kopf als mit 16, nehm auch mehr mit, es zahlt sich auf jeden Fall aus, mit 20 die Abendschule zu machen als mit 18 die Matura. — Bildung ist persönlich, will niemand was beweisen, mache Matura, weil ich Bandbreite des Wissens haben will, wenn man in einer Gesprächsrunde ist, und es geht um das und das, du hast eine Ahnung, worums geht, man muss zwar nicht mitreden können, aber ich verstehe, worums geht.

    Mikrofon /     0:36    Text 

    Ein staatlich geplanter Bildungsweg, der es allen recht macht, ist schwierig. Die Startpunkte sind verschieden, die Wege verlaufen unterschiedlich, und die Ziele sind anders. Effizienz in diesem Zusammenhang bedeutet normalerweise, nicht den Lehrer schneller reden zu lassen, oder die Stunden zu kürzen oder zu verlängern, sondern ganz grundlegend den Storch aus den Startpunkten der Ausbildung zurückzudrängen, die Streuung in den Ergebnissen nicht allzu groß werden zu lassen, und auch durchaus darüber zu wachen, dass nicht einige zu effizient ihren Bildungsweg durchziehen.

    CD-2 / 10    0:5    OT Walter Kiessling

    Zu einem entscheidenden Kriterium bei der Beurteilung von Bildungssystemen ist der Output geworden.

    CD-2 /     0:17    Text 

    Stellt der Bildungswissenschaftler Walter Kiessling fest. Er hat nicht immer Zeit, den Studenten ein Feedback zu geben, wie viel Zeit sie sich für ihre Seminararbeiten nehmen zu müssen, wie sie vom Copy und Paste, wie sie vom Plagiatsverhalten wegkommen können.

    CD-1 / 11    0:26    OT Walter Kiessling

    Zunehmend mehr Studierende ich sage jetzt einmal auch als Reaktion auf das gesellschaftliche Klima vermeiden Lernprozesse, die risikoreich sind. Wo nicht ganz klar ist, da ist der Anfang und hier ist das Ende, und dazwischen kann mir nichts passieren, da geht ein Schritt nach dem anderen und es gibt noch klare Zwischenetappen, sondern dass es sein kann, dass ich scheitere, zurück zum Start muss, aber zum Schluss kommt vielleicht etwas Neues heraus.

    CD-2 / 11    0:38    OT Claus Raidl

    Wir brauchen auf jeder Ebene eine Basis, die mindestens im obersten Drittel, bei diversen EU-Rankings ist. Es braucht aber jede Gesellschaft, und ich weiß, dass das vor einigen Jahren nicht möglich war zu sprechen, durch falsch verstandene Gleichheitsgrundsätze, es braucht jede Gesellschaft eine Elitenausbildung. Wichtig ist nur, dass sie jedem zugänglich ist, nicht an Geburt und Stand geknüpft ist, oder an irgend so was geknüpft ist.

    CD-1 / 12    0:5    ATMO Kindergarten

    (darüber nach kurzer Zeit folgender Text)

    Mikrofon /     0:10    Text 

    Die Kinder im Montessori Kinderhaus in Wien wachsen in zwei Sprachen auf, das kosten den Eltern pro Nase und Monat 350 Euro pro Monat. Es zahlt sich aus…

    CD-2 / 12    0:36    OT Lorenz Lassnig

    Weil hier gibt es nach den neueren Ergebnissen der Bildungsökonomie relativ klare Aussagen, dass die Investitionen im ganz frühen Alter noch vor der Volksschule, am besten verwerten, die höchsten ökonomischen Erträge bringen. Wenn in diesem Alter eine gute Basis geschaffen wird, die Kinder die besten Möglichkeiten haben, von höherer Bildung und so weiter und von Hochschulbildung zu profitieren.

    CD-1 / 13    0:48    OT Gudrun Biffl

    Man muss so was wie Schlüsselqualifikationen in den Bildungssystemen anbieten, umfassende Ausbildungen, nicht notwendigerweise Spezialisierungen. Wir sind häufig auf dem Spezialisierungstrip. Du brauchst eine relative Breite der Ausbildung, um dann auch Berufsswitching betreiben können. Viele Berufe im Informations- und Kommunikationsbereich, Bereiche wo das Wissen nicht aufbauen ist, wo sprunghaft etwas anders gebraucht wird, man muss über die Fähigkeit zu verfügen, etwas anders anzufangen, nicht ganz unten. Das ist auf allen Bildungsebenen, fängt mit der Vorschule an, Volksschule bis hinauf ins universitäre System.

    Mikrofon /     0:3    Text 

    Sagt Gudrun Biffl zu den Maßnahmen. Kurt Scholz: 

    CD-2 / 13    0:59    OT Kurt Scholz

    Wir brauchen ein Schulwesen, das sich seine soziale Selektivität eingesteht, und nach diesen Bewusstsein, dass das Schulwesen starken stärker macht und schwachen fast nicht hilft müssten eine Fülle von organisatorischen Maßnahmen, finanzielle Maßnahmen, Maßnahmen die den Übertritt ins höhere Schulwesen erleichtern. Aber es muss immer ergänzt werden durch den Appell an den Einzelnen. Du musst wollen, du musst auch gegen Hindernisse höhere Bildung erreichen. Ich sehe derzeit in Österreich leider Gottes wenig Entwicklung in diese Richtung. Der Appell an die Opferbereitschaft ist nicht sonderlich populär und der Glauben an die Sozialmechanik,  ich führe jetzt die Gesamtschule ein, und dann bricht das Paradies der Gerechtigkeit und der Gleichheit an, der ist in meinen Augen übergroß.

    Mikrofon /     0:13    Text 

    Womit wir wieder Zuhause wären, in den eigenen vier Wänden. Wir erinnern und an die Rendite. Sie ist wie bei jeder Vorsorge dort am größten, wo am frühesten begonnen wird. Wir sind bei den Maßnahmen.

    CD-1 / 14    0:52    OT Gudrun Biffl

    Ich habe immer wieder versucht, über Au Pair aus dem englisch- oder französischsprachigen Raum kommen, nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur hereinzubringen. Sie haben nicht nur die Sprache gesprochen, sondern auch die Küche hereingebracht, sie haben Lieder gesungen. Sie sind unterschiedlich Probleme angegangen. Das heißt die Kinder sind multikulturell aufgewachsen, das hat sie in die Lage versetzt, so weiterzuarbeiten. man macht nicht irgend einen Tourismusurlaub, sondern man geht längere Zeit wohin, arbeiteten dort , machten bei Sozialprojekt mit. Kriegen mit, Menschen in verschiedenen sozialen Situationen. All das ist unglaublich wichtig, dass man sich in einer komplexen Welt zurecht findet.

    CD-2 / 14    2:22    OT Kurt Scholz

    An der Spitzte stünden bei mir nicht die Budgetzahlen, sondern etwas ganz altmodisches , sondern lachende Kinder, oder das Glück der Kinder. Das wäre etwas, wo ich sagen würde, das wäre ein Ziel des Schulwesens, dem ich alles andere unterordnen würde. Wenn ich einmal fröhliche, lachende, optimistische Kinder habe, Kinder mit Zuversicht, die ich nur habe, wenn ich Lehrer habe, die Zuversicht in ihrem Beruf haben, dann würde ich sagen, was sind diese Inhalte, die diese Menschen in der Schule besprechen werden. Da gibt es eine breite Diskussion, welche Bildungsinhalte wir im Schulwesen haben. Und wenn ich einerseits das Menschenbild vor mir habe, nach dem ich erziehen will, und die Inhalte des Bildungswesens, müsste man fragen, mit welchem Kosteneinsatz erziele ich das. Die ökonomische Frage an erster Stelle zu stellen, ist meines Erachtens eine Sünde wider dem Geist des Bildungswesens. — Das nächste, wahrscheinlich investieren in Eltern, Vater- Kind Erlebnisse. Das Veschwinden der Väter aus der Erziehung ist die größte Tragödie der modernen Bildung. Es gehen hier so viele Rollenvorbilder verloren, dass den Kindern wirklich im Bildungsgang etwas wesentliches abgeht. Den Buben wie den Mädchen. — Würde ich Millionen gewinnen, eine Schule zu gründen. Keine exklusive Privatschule, eine relativ normale Schule, mit einer Beindung. Dass die Lehrerinnen und Lehrer dort handverlesen sind. Den dieser Faktor Mensch ist für mich mehr und mehr der entscheidende. Ich glaube nicht mehr an die Lehrplanreform mit Papier Schere und Kleister, wo irgendetwas modernistisches hineingeschrieben wird. Man sollte Lehrer wie die antiken Philosophen mit der Lampe in der Hand suchen und die besten können dann – fast egal wie der Lehrplan ausschaut – dann auch mit den Kindern etwas erreichen. 

    Mikrofon /     0:18    Text 

    Hier stößt die Bildungsökonomie an ihre Grenzen. Effizienz und Emotion. Wie misst man Emotion? In der bildungspolitischen Diskussion wird damit gerne gespielt. Insgesamt fehlen der Bildungsökonomie immer wieder diese Daten, sagt Lorenz Lassnig vom Institut für höhere Studien.

    CD-1 / 15    0:35    OT Lorenz Lassnig

    Ich glaube nicht, dass Katastrophenstimmung angesagt ist. Meine Sicht ist die, das ist vielleicht nicht so wissenschaftlich begründbar, dass man nicht gut Bescheid weiß darüber. Wenn man hohe Anforderungen stellt und nicht gut bescheid weiß, dann entsteht Unsicherheit und politischer Hickhack, und gleichzeitig gibt es feste Interessenspositionen, die man aus meiner Sicht auch angreifen sollte, und dann entsteht eben die Situation die wir haben.

    CD-2 / 15    1:18    ******** Mix Abendschüler

    Mir war es ganz wichtig, dass ich Matura mache, ich habe schon beim Schulabbruch gesagt, ich werde diese Matura nachholen. Ich sehe es nicht als verlorene Zeit an — verloren deshalb nicht, weil es in der Zeit, wo Schule nicht gut gelaufen ist, ich in eine andere Richtung entwickelt habe, Musik. — Ausgewogenheit im Leben, das man Bildung hat, dass ich meine Grenzen kenne, da her und nicht weiter, dann kann ich mit mir zufrieden sein und beeinflusse nicht meine Umwelt durch schlechte Einflüsse, grantig sein. — Der Plan bis jetzt funktioniert es super, weil man am Vormittag arbeitet, ich arbeite 8-14 Uhr, dann esse, und dann am Abend wieder in die Schule gehe, es ist hart, aber es schaut gut aus.

     PAGE 1

  • 072. Ibmer Moor

    Das Ibmer Moor ist mit 2000 Hektar die größte zusammenhängende Moorlandschaft Österreichs und liegt in den oberösterreichischen Gemeinden Eggelsberg, Moosdorf und Franking. Ein Teil ist als Naturschutzgebiet seit 1973 über den 4km langen Moorlehrpfad der Öffentlichkeit zugänglich. Bemerkenswert ist auch die Mischung unterschiedlicher Moortypen: Niedermoor, Übergangsmoor und Hochmoor. Die zeitweise intensive wirtschaftliche Nutzung der Moorflächen bis in die 1970er Jahre hat die ursprüngliche Vegetation durch Torfstich, Entwässerung oder Beweidung stark geschädigt. Trotzdem befindet sich im Ibmer Moor weiterhin eine große Vielfalt auch seltener Moorpflanzen sowie eines der größten Brachvögelvorkommen Österreichs in Form der Natura 2000 Vogelschutzgebiete Frankinger Moos und Pfeiferanger.

  • 071. Uppsala im Linné-Jahr

    071. Uppsala im Linné-Jahr

    Vor 300 Jahren wurde in Schweden Carl von Linné geboren. Er entwickelte jene Methode, die Natur zu benennen, die heute weltweit angewendet wird: zwei lateinische Namen bezeichnen Gattung und Art von Pflanzen und Tieren. In Uppsala unterhielt er einen kleinen, feinen botanischen Garten und lehrte an der Universität. Wir unternehmen eine Exkursion im Stile Linnés, mit der akustischen Botanisiertrommel – dem Mikrofon – in gepflegte botanische Gärten und wildwüchsige Wälder in und um Uppsala im Jubiläumsjahr.

    Manuskript

    AMBIENTE BEITRAG

    Uppsala – auf den Spuren von Carl von Linne

    (Lothar Bodingbauer)

    Anmoderation:

    Von der Hausmaus Mus musculus bis zum Buschwindröschen Anemone nemorosa hat er den Lebewesen der Natur Namen gegeben. Auch den Menschen hat er mit Homo sapiens benannt.

    In jedem Botanischen Garten der Welt befinden sich unzählige Pflanzen, die im Namensschild ein L führen, und dieses L steht für Linné. 

    Carl von Linné, der schwedische Naturforscher, er ist der Erfinder der uns oft vertrauten lateinischen Doppelnamen für Tiere und Pflanzen. Er feiert heuer seinen 300. Geburtstag.

    Die meisten Spuren vor Ort hat er in der Gegend von Uppsala hinterlassen, in Schweden. Dort wohnte er, betreute seine botanischen Gärten und unterhielt ein Sommerhaus, ein Zentrum für Studenten, Naturbegeisterte und auch Erholungsbedürftige. Das ist auch heute noch so. Lothar Bodingbauer hat Uppsala besucht und einige Menschen begleitet, die dort Carl von Linné immer noch tagtäglich treffen.

    CD 1 / 1    Atmo 

    (Atmo kurz stehen lassen)

    Mikro    Text 

    Die kleine Universitätsstadt Uppsala liegt ungefähr 60 Kilometer von Stockholm entfernt. Man könnte die Gegend vielleicht am besten als das Cambridge des Nordens bezeichnen. Die Universität prägt das Leben der Stadt, sie wurde schon 1477 gegründet, als zweite Universität Skandinaviens. 

    Der kleine Fluß Fyrisån durchzieht die Stadt und seine Länden bilden einen willkommenen Treffpunkt nicht nur für die Lachmöwen und Schwäne der Region, sondern gerade auch für die Studenten, die dort auf die nächste Prüfung lernen oder zwischen den Vorlesungen Café trinken.

    Oben am Berg das unvollendete Schloss von Uppsala, gleich daneben: die Kathedrale, in der neben Marmor und Bronce frische Blüten eine ganz bestimmte Grabplatte schmücken: Dort, am Grab von Carl von Linne, beginnt für den Besucher auf Linnés Spuren der Ausflug an jener Stelle, wo das Studium des Lebens für Linné selbst geendet hat.

    CD 2 / 1    Atmo 

    (In den letzten Satz ziehen, kurz stehen lassen, dann folgenden OT)

    CD 1 / 2    0:34    OT Deutsch Olof Jacobson

    Also wir sind hier am Grabe Carl Linneus. Wir sind also in der Domkirche von Uppsala. So ein großer Mann wie er war, er ist natürlich hier begraben. Es ist heute das Jubiläumsjahr, wie sie wissen. Das bedeutet, dass man hier es verschönt hat, wir haben eine Umringung von Pflanzen, es ist eine Menge von verschiedenen Pflanzen. Alle von ihnen sind normalerweise von Linneus Namen gegeben. Es ist grün und ganz schön am Grabe.

    Mikro    Text 

    Olaf Jacobson betreut dieses Ehrengrab. Er ist der Vorsitzende der schwedischen Linné-Gesellschaft und katalogisiert in Uppsala die Korrespondenz des Naturforschers. 

    Den größten Teil seines Lebens verbrachte Linné auf den Spuren der Pflanzen hier in dieser Stadt. Er kam 1707 aber in Småland zur Welt, einer Provinz in Südschweden, deren Bewohner als besonders energiereich und ausdauernd beschrieben werden. „Setze einen Smålander auf einen Felsen, und er kann sich ausreichend ernähren. Gib ihm eine Ziege, und er wird reich“ – so heißt es in Schweden. Der Name Linnaeus stammt von den Linden, die im Hof der Familie standen. Linnés Vater war Priester, und Carl, der zweite Sohn, sollte ebenfalls Priester werden – was durch einen Mentor an Carls Volksschule erfolgreich verhindert wurde, der beobachtete, mit welcher Freude Carl mit Blumen spielte. Es war Linnés Mutter, die ihm schon früh Kränze voller Blüten um die Wiege wand. Carl, so schreiben die Biographen, war immer freundlich, lustig, glücklich und außerordentlich amüsierend. Rasch eignete er sich das botanische Wissen seiner Zeit an, studierte Medizin und wurde Experte für die Botanik. Nach Lehr- und Wanderjahren in Europa ließ er sich in Uppsala nieder. Mitten in der Stadt entstand sein eigener botanischer Garten, in dem er Vorlesungen hielt: Der Linné-Garten, der auch heute das Linné-Museum von Uppsala beherbergt.

    CD 2 / 2    Atmo 

    (Kurz stehen lassen)

    CD 1 / 3    0:46    OT Deutsch Erik Århammer

    An der gegenüberliegenden Seite vom neuen provisorischen Kiosk bewegen wir uns auf ein altes Haus zu, was jetzt das Linne-Museum beherbergt, und was früher von der Familie Linne bewohnt wurde und wo er auch die Studenten unterrichtet hat, Forschung betrieben hat. Und dann hat er vom Fenster des Arbeitszimmers im 1. Stock über den Garten hinausschauen können und auch zusehen können, dass die Gärtner alles genau so in die Wege geleitet haben und gepflanzt haben, wie er das geheißen hat. Klingeln wir, und sehen, ob jemand zuhause ist.

    Mikro    Text 

    Erik Århammer ist Gärtner, ein Nachfolger Linnés, denn er betreut im Botanischen Garten der Universität das Linneanum – die Orangerie. Er führt durch das Linné-Museum und zeigt Linnés Arbeitszimmer im ursprünglichen Zustand: mit Kästen voller Bögen mit gezeichneten und gepressten Pflanzen, Büchern, botanischem Handwerkszeug, selbst die Tapeten der Räume bestehen aus Drucken von Buch-Bögen, die Linné von seinen Verlegern zum Korrigieren erhalten hat.

    CD 1 / 4    0:42    OT Deutsch Erik Århammer

    Jetzt stehen wir von einem lebensgroßen Bildnis, das einen sehr jungen Carl von Linne zeigt, in der Lappentracht. Er hat ja eine Reise nach Lappland unternommen, eine sehr strapaziöse solche, wo er eine Pioniertat vollbracht hat, dass er da lebend wieder herausgekommen ist, ist schon allerhand. Und da hat er auch eine Lappentracht von da mitgeführt, und da sieht man alle Utensilien. Sehr interessant ist die so genannte Zaubertrommel oder Neuttrümma, wie es auf schwedisch heißt, wo man gute Geister beschwört hat und auch böse Geister hat versucht fernzuhalten. Die hat also magische Eigenschaften.

    Mikro    Text 

    Es war seine erste große Forschungsreise, die Linné als 23-jähriger Student in den Norden Schwedens, nach Lappland unternahm. Er katalogisierte alles, was er erlebte, alles was er sah. Er beschrieb Blumen, Sträucher, Steine, aber auch Sitten und Gebräuche. Besonders die Eigenheiten der heutigen Samen interessierten ihn – für ihn sonderbare Menschen in seinem eigenen Land. Derartige Lebensbeschreibungen waren neu für die damalige Zeit, und sie lesen sich auch heute noch spannend, unterhaltsam und oft amüsant. Zum Beispiel das, was er über das Werbeverhalten junger Männer schreibt: Eine bestimmte Art von Pilz hilft ihnen, Frauen zu begeistern.

    Digas    Zitat Carl von Linné

    Wenn ein Jugendlicher in Lappland so einen Pilz findet, bewahrt er ihn vorsichtig in einer Tasche auf, die er an seiner Hüfte anbringt, sodass der leichte Duft des Pilzes ihn für die Mädchen attraktiver macht, um das er sich bewirbt. Oh, seltsame Venus! In anderen Gegenden der Welt musst du mit Schokolade oder Kaffe gelockt werden, mit Eingemachtem und Süßen, mit Wein und Leckerbissen, Juwelen und Perlen, Gold und Silber, Seide und Kosmetik, Kugeln und Schmuck, Konzerten und Spielen; hier gibst du dich zufrieden mit einem kleinen welken Pilz!

    Mikro    Text 

    Die Stadt war anstrengend, damals wie heute. So kaufte Linné für sich und seine Familie ein Sommerhaus, 10 Kilometer außerhalb von Uppsala: In Hammarby. Garbiele Bodegård trifft dort als Waldökologin immer wieder auf Linnés Arbeitsweise, auf Linnés Spuren.

    CD 1 / 5    1:45    OT Deutsch Gabriele Bodegård

    Es knuspert, wenn man läuft. Es ist schon lange her, dass es geregnet hat das letzte mal. Ja, jetzt sind wir in Linnes Hammarby. Schauen wir, ob wir hier reinkommen (Atmo) So. Das ist Linnes Museum, was er selbst gebaut hat, 1766. Da hat es gebrannt in Uppsala, er hat Angst gehabt, seine ganzen Pflanzensammlungen, dass sie auch verbrennen, deswegen hat er das Häuschen hier gebaut aus Stein, kein Ofen hier drinnen. Da hat er seine ganzen Pflanzensammlungen hineingelegt, ein paar Tiere. Man kann durchs Fenster kucken. Da steht wie ein Holzpferd aus, was da drin steht, da kann man drauf sitzen, mit einer Schreibunterlage. Das hat Linne gebaut. Auf schwedisch Plughest, pluga studieren, lernen, hier sagt man auch heutzutage Streber sagt man Plughest, viel zuhause sitzt und studiert.

    Mikro    Text 

    Man kann sich glücklich schätzen mit einer Wanderführerin wie Garbiele Bodegård. Sie zeigt winzige Nagelköpfchen-Flechten, die man alleine nicht einmal von Nahem selbst erkennen würde, sie bückt sich dort, wo jeder andere vorbeigehen würde. Als Linné-Pädagogik wird diese Art des teilnehmenden Wanderns in der Natur in Schweden bezeichnet.

    CD 2 / 3    3:25    OT Deutsch Gabriele Bodegård

    Wenn man da eine Gruppe hat, einer von der Gruppe soll ein Buch dabei haben, kriegt ein Buch, ein Pflanzenbuch, einer einen Kescher um Tiere zu fangen, einer kriegt ein Gewehr aus Holz. Denn früher hat es keine Ferngläser gegeben, da haben sie die Vögel vom Himmerl geschossen, um zu bestimmen, was sie waren. Wieder ein anderer hat Disziplinstrafen ausgeteilt, einer hat Protokoll geführt. Alle waren irgendwie aktiv. Das ist Linne Pädagogik, wenn alle aktiv sind, dann sind dann auch alle konzentriert. – Jetzt gehen wir aus dem kleinen Park auf Linnes Wanderpfad, den er immer zur Kirche eingeschlagen hat. –

    Ah kuck mal, das sieht eigentlich aus wie Elch. Ich glaube dass wir hier Elch-Fell, Haare gefunden haben. Und die Haare sind hohl. Und man kann sie brechen, das hört man vielleicht auch. (Atmo) Und wenn ich mit Kindern hier wäre oder mit Gruppe, und würde über den Elch erzählen, dass sich seit sich die schwedische Forstwirtschaft so geändert hat, seit den 50er 60er 70er Jahre, Kahlschlag macht, dann pflanzt man Fichten oder Tannen, dann haben sich die Elche wahnsinnig vermehrt. Das ist wie eine Futterkrippe. Die gehen herum fressen Knospen ab, die Forstwirte verzweifeln, und den Elchen geht’s gut, und die Jäger freuen sich auch. – Wir haben die mehr offene Landschaft verlassen und sind durch den Fichtenwald gelaufen. Und hier haben wir die Raststätte von Linne, seinen Lieblingsplatz, auf diesen abgeschliffenen Steinen hat er immer gerastet, wenn er zur Kirche gegangen ist. Man sagt, das ist Linnes Sofa. Der Stein ist abgebrochen, als der Gletscher rübergerutscht ist über die Kuppe, das sieht ziemlich bequem aus. Wenn man hier sitzt und der Wald ein bisschen lichter wäre, könnte man weit sehen. Es ist ein windgeschützter Platz, auch wenn es stürmt, hört man nur den Wind rauschen in den Wipfeln. Man kann hier sitzen und sich vorstellen, wie Linne über die Natur nachgedacht hat.

    ——– SCHNEIDEN MÖGLICH: BEGINN ———

    CD 1 / 6    0:10    OT Englisch / Weiblich Lena Hansson

    Möchten Sie die Linnea Borealis sehen? (ATMO)

    Mikro    Text 

    Wieder zurück im Linné-Garten in Uppsala zeigt Lena Hansen, die Chefgärtnerin, eine Pflanze, die zu Ehren Linnés benannt wurde: die Linnea Borealis, ein kleines unscheinbares Gewächs, mit ebenso unscheinbaren aber hübschen blassblauen Blüten. Im diesem botanischen Garten sind alle Pflanzen einfach zu finden, sie wurden geordnet, nach Linnés Vorstellungen.

    CD 2 / 4    1:40    OT Englisch / Weiblich Lena Hansson

    Wir haben hier eine symmetrisch angelegte Gartenanlage. Auf einer Seite befinden sich die mehrjährigen Pflanzen, auf der andern die einjährigen, und dann das Frühlings- und Herbst-Quartier bei der Orangerie dort. In Linnés Zeit war das hier ein wissenschaftlicher Ort, er war ausgelegt nach dem Sexualsystem, das Linné entwickelt hat. – Sie beginnen mit dem Pferdeschwanz hier, in der ersten Klasse. Sie müssen im Uhrzeigersinn gehen, dann können Sie dem System gut folgen. Dann können Sie vergleichen, wenn Sie ein Vergrößerungsglas bei sich haben, und schauen, ob er richtig gezählt hat. – Das System, das ganze Sexualsystem, ist aufgebaut von der Anordnung der Staubblättern und den Griffeln innerhalb der Blüte. Es gibt 24 Klassen, ein wirklich einfaches System, künstlich, aber einfach. So einfach, dass jeder der die verschiedenen Anordnungen sehen kann, auch dem System folgen kann.

    Mikro    Text 

    Carl von Linné taxonomierte Zeit seines Lebens. Ganz ohne Lehrer sollten alle Menschen die Pflanzen bestimmen und einordnen können. Lena Hansson kennt nicht nur die Pflanzen in ihrem Linné-Garten genau, sie kann auch die Besucher einteilen, je nachdem, wie sie durch den Garten gehen.

    CD 1 / 7    0:32    OT Englisch / Weiblich Lena Hansson

    Wenn sie wirklich Pflanzen lieben, greifen sie oft das Material an, schauen sich die Schilder an, gehen sehr langsam durch den Garten. Aber wenn sie nur hier sind mit einer Gruppe von Besuchern, dann schlendern sie herum, schauen sich einfach um schöne Pflanzen um. Diese Menschen genießen die Sicht des Gartens eher als einer ganz bestimmten Pflanze.

    ——– SCHNEIDEN ENDE ———

    CD 2 / 5    0:17    OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

    Also in Schweden liebt man die Natur. Weil wir haben ja so lange schwere Winter. Und wenn die Sonne kommt, dann fühlt man so glücklich. – Also wir lieben die Blumen, wir lieben die Natur, und wir lieben Linne.

    Mikro    Text 

    Wer hier für ihr Schweden spricht ist Mariette Manktelow-Steiner. Sie ist Botanikerin in Uppsala und hat in Wien studiert. Sie organisiert im Linné-Geburtstagsjahr heuer die Feierlichkeiten in Uppsala: Tänze, Spiele, Ausstellungen, Exkursionen im Stile von Linné. Ja sogar ein Liebesfestival gibt es, passend für Linnés System, die Pflanzen zu sortieren. Und wirklich: alle freuen sich: die Wanderer, die Forscher, die Kinder und die großen Leute. 

    CD 1 / 8    0:18    OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

    Ja, es ist eine Hysterie, aber nicht wie man denkt, also es ist so nett, und die Leute sind so engagiert und alle Leute in Uppsala werden wirklich und möchten wirklich Linné feiern. Also von kleine Kinder bis alte Leute. Alle sind da und möchten ein großes Fest machen zusammen.

    Mikro    Text 

    Eine unglaublich lebendige Welt tut sich auf, wenn man den Botanikern auf Linnés Spuren in Uppsala zusieht, wie sie mit einer einfachen Art die Natur zu erleben – dem genauen Hinsehen, dem Beschreiben, dem Ordnen, dem Überlegen, wie die Naturgeschichte geschrieben wurde, arbeiten und forschen. 

    Für die gewöhnlichen Menschen werden Anleitungen gestaltet, die im Jubiläumsjahr in Uppsala überall zu finden sind. Wo der Ausflug auf Linnés Spuren in Uppsalaheuer  endet, kann er in Zukunft immer wieder von neuem beginnen.

    CD 2 / 6    0:16    OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

    Das ist wahr, also wir machen das hier für die Zukunft. Viel Geld ist benützt  um Linnes Hammarby, die Plätze, die Linne-Garten, die Pfade zu restaurieren. So kommt man zu Uppsala nächstes Jahr, dann ist es viel mehr Spaß als voriges Jahr.