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Wien

Montreal Holocaust Memorial Centre: Gedenkdiener B. berichtet: Was ein österreichischer Zivildiener in Montreal erlebt: Von Insurance-Claims, stillen Feiern und angekündigten Politikern.

URL: https://www.sprechkontakt.at/audio/radio044_gedenkdienst mp3

Hinweis: Der Gedenkdienst wurde in Österreich von Andreas Maislinger (Innsbruck) gegründet. Link zu weiteren Infos: https://www.sprechkontakt.at/archives/tag/gedenkdienst

Transkript (automatisiert, Whisper, kann Fehler enthalten)

Speaker 1
Es war wieder einmal einer jener Tage, an denen alles schiefgehen sollte. Das Innenministerium war mit seiner Zahlung schon den zweiten Monat im Verzug, Regierungswechsel. Und der Bankomat war in der Folge für mich zumindest seit einer Woche tot. In der Nacht hatte ich meinen ersten Holocaust-Traum. Ich wurde von Nazi-Schergen gejagt und musste beim Loch am Zaun zur Straße in die Freiheit warten. Und das wussten sie. Sie erschossen mich. Solche Träume seien ganz normal unter Gedenktin, heißt es. Normalerweise kommen sie schon früher. Ich hatte meinen erst im 4. Zivildienstmonat. Gedenktdienst heißt der Zivildienst eigentlich bei mir. Und weil wir gerade dabei sind, der Holocaust ist die systematische und bürokratische Vernichtung von 6 Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges durch das Nationalsozialistische Regime und seine Kollaborateur. In der Anerkennung der Täterrolle Österreichs schickt mich die Republik nach Kanada, um das Land zu verteidigen. Zivildienst, so sagte man uns beim Stellungstermin, sei die zivile Form der Landesverteidigung. Und Österreichswerte sollen erhalten werden. Die In-Teilbrücke wurde uns damals auf einem Video gezeigt und alte Menschen in Rollstühlen. Was hat der Holocaust damit zu tun? Nun ja, erst Teil der österreichischen Geschichte. Ob nun Österreich Opfer oder Täter war, ist mir wiederum ziemlich egal. Da wird viel gestritten und die Sachlage ist philosophisch, politologisch, pädagogisch. Aber selbst die schärfsten Kritikerstimmen zu niemals vergessen und nichts über einen Kamm scheren. Und wo viel gestritten wird, gibt’s viel zu tun und deshalb bin ich hier. Der Hungertrieb, meinen Kollegen Mike Pollan und mich, ins Golden Age, ins Altenheim des jüdischen Zentrums in Montreal. Hier wird von den alten Leuten neben gutem Essen auch Musik gemacht, wie sie eben gehört haben, den Walze. zu essen, gab es aber Pflanzen, süße Teigtaschen mit Topfenfüllung. Und der Koch fragte mich mit einem aufmunternden Blick, ob ich Apfelsoße wollte. Genauso aufmunternd und deutsch und deutlich sehr erfreut war meine Antwort. “Ja, Woll!” Es fiel mir ein. “Ein, ja, Woll!” war unter dieser Schaf- und Holokaustüberliminten das unangebrachteste Wort, Apfelsoße gut zu finden. Es hätte bös enden können, aber der Koch erklärte der Kassierin, dass ich von den fünf Prinzen nur vier bezahlen muss, weil ich eh so schlecht aussehe. Paula arbeitet wie viele andere im Museum ehrenamtlich. Auch sie ist ein Survivor, eine Überlebende des Holocaust. Als ihnen 70er-Jahren weltweit Stimmen laut wurden, den Holocaust habe es nie gegeben, begannen die Survivor zu sprechen. Sie suchten einen Platz, um ihre Erinnerungen den neuen Generationen mitzuteilen. Hier in Montreal wurde im jüdischen Zentrum des Holocaust Memorial Center eingerichtet. Ein Gedächtnisraum, ein Museum und Programme wurden entworfen für Schulen. Die Überlebenden fanden einen Platz und viele Aufgaben, und damit war auch eine therapeutische Funktion erfüllt. Neu für mich war zu erfahren, dass die jüdische Gemeinschaft einer Stadt für mittellose Juden Ein Dach über den Kopf zu bieten, Essen, Bildung und zwei Sätze von Kleidungsstücken, Sommer und Winterkleidung. Unser Dienstart ist also im Bildungsteil angesiedelt, im Holocaustmuseum, der Direktor Bill Serkes. Als vor fast vier Jahren das Seid Bronfmann Center auf der Straße gegenüber einen Brief von Judith Pfeiffer erhalten hat, die Wolle für ein Jahr nach Montreal kommen, als österreichische Gedenkdienerin.

Speaker 2
Da wusste noch niemand, was es war.

Speaker 1
Und unsere erste Frage war, ob das Ganze ernst gemeint ist und ob es so eine Einrichtung in Österreich überhaupt gibt. Eine Mitarbeiterin von uns ist dann zufällig zu dieser Zeit nach Wien gefahren. Und sie ist mit der Bestätigung zurückgekommen, den Gedenktdienst gibt es. Er wurde vom Innsbrucker Politologen Andreas Meislinger gegründet und schickt junge Österreicher an Holocaust-Gedenkstätten. als Ersatz für den Militär bzw. Zivildienst. Judiths Anfrage wurde dem Komitee des Centers vorgelegt und auch bewilligt. Es kam also ein junger Mensch aus Österreich und obendrein eine junge Frau. Sie wurde aufgenommen und begann bei uns zu arbeiten. Liebkatz war zu dieser Zeit Präsident des Museums. Es gab, so erinnert er sich, beträchtliche Bedenken innerhalb der Gemeinschaft der Überlebenden gegen eine Beteiligung Österreichs am Museum. Ihr seid 60 Jahre zu spät hieß es und ihr wollt nur gute Stimmung machen. Man sah keine wirkliche Einsicht Österreichs, dass man den Holocaust nicht nur miterlebt hat, sondern auch daran Schuld war. Als dann aber klar wurde, dass der junge Österreicher kommen, denen die traurige Rolle zumindest einiger ihrer Vorfahren durchaus bekannt war, da konnten sich die Offenren im Komitee durchsetzen. Wir wollten es probieren.

Speaker 3
Ich muss vergessen, aber ich kann nicht vergessen. Vergeben, wo kannst du vergeben, jemand, das mir totgeschlagen, deine Pferde, Schwester, Bruder, Nichten, Neffen. Sie können das nicht vergeben. Viel Weinbaum. Geboren in Polen, Savichurst, an der Wiesnl river. Ich war verschickt von der SS nach dem Konzentrationslage, Matthausen und dann Gussen. Ich war befreit bei der Amerikaner Armee 6 und 6. Ich glaube, dass ich gearbeitet habe in Estreich und war nicht bezahlt. Und der Messerschmitt-Kompany war in Estreich, in Steuern, und ich habe dort gearbeitet. Keine Essen war nicht genug. Wenn ich bin rausgekommen, war ich 38 Kilo, habe ich geweckt, gewogen. Heute leide ich mit Romatisen, Portraitis, mein Herz ist nicht gut. Weil ich gearbeitet mit Dualminium zu machen der Europanen, das gibt Känze Krebs. Ich lade von der Inbne, ich habe zwei Jahre zurück eine Operation gehabt. Ich kann nicht arbeiten, ich mache gar nicht. Und der Rente, das ich bekommen, ist nicht genug.

Speaker 1
Viel Weinbaum lebt von 8.000 Schillingen Rente pro Monat. Das Preisenniveau in Kanada ist ungefähr gleich wie in Österreich. Menschen wie viel kommen zu uns, damit wir ihnen helfen, Claims auszufüllen. Claims sind die notwendigen Registrierungen für Entschädigungen oder Rückerstattungen aus Europa, von den Schweizer Banken, von österreichischen Banken, von Versicherungen oder nun auch für die Zwangsarbeiterentschädigungen aus Österreich und Deutschland. Da kommen sie und werden wieder einmal von einem Österreicher registriert, eine skurrile und immer wieder schwierige Situation. Natasha Laliba T. arbeitet im Holocaust-Center. Sie erzählt von unserem Vorgänger Klaus Jagutitsch. Eine Frau, die als Kind den Holocaust überlebt hat, ist hereingekommen, hat Klaus gesehen und gehört. Sie sah ihn an und sagte, wie kannst du das getan haben? Fühlst du dich nicht schlecht? Er saß da und starte sie an und hatte keine Idee, worüber diese Frau sprach. Er war sehr verstört. Er sagte, gnädige Frau, ich kenne sie überhaupt nicht. Ich weiß nicht, wovon sie reden. Da hat sie bemerkt, dass sie ihn für etwas verstanden hat. was beschuldigt hat, was während des Krieges geschehen ist, und sie entschuldigt es sich bei ihm. Sie sagte, mein Gott, ich kann gar nicht glauben, was ich gerade sagte. Sie sind ja gar nicht verantwortlich. Es waren vielleicht seine Vorfahren, aber nicht diese 27-Jährige, der hier im Center seinen Dienst verrichtete.

Speaker 4
young man who’s come here to do a service.

Speaker 5
You know, this is from the insurance. Mm-hmm, yes. Everything belonged to you.

Speaker 6
You want to fill out another one?

Speaker 5
Yes. The same one?

Speaker 6
Sure. Sentee. But you already sent it in. I beg your pardon? But we already sent it in.

Speaker 5
I know. They asked me so. I want to get filled out again. Mm-hmm. That’s it. Just give a fill out. That’s all. I send it back. Sie haben sie nicht bekommen oder was? Man weiß es nicht. So ist Mike ein guter Mann. Das ist es.

Speaker 6
Was hast du für ein Geburtstag gemacht?

Speaker 5
19, 20. 5. Januar.

Speaker 6
Das erste Mal, als ich gekommen bin, wollte ich Ihnen, wie heute bei diesen Insurance-Claim-Helfe, und das sind eben Verfälle, wo familienangehörige Versicherungen hatten. Bei ihm zum Beispiel war es der Vater und der Großvater. Der Vater hatte zum Beispiel einen Fabrik, die versichert war. Und dieses Versicherungsgeld ist natürlich abhandengekommen. Das wurde natürlich nie wieder gesehen. Und sonst war er ein paar Mal da und hat mich gebeten ihm zu helfen bei Briefen, die er nach Deutschland schicken musste wegen der Wiedergutmachung. Meistens ist es so, dass diese ganzen Briefe von Deutschland alle auf Deutsch geschrieben sind und die Leute hier verstehen es natürlich nicht. Nach dazu ist es ein sehr kompliziertes Deutsch, dieses Fach Deutsch sogar, ich habe auch oft Probleme zu verstehen, was genau gemeint ist und deshalb kommen oft Leute her und fragen, dass man das übersetzt und hin und wieder auch einen Brief zurückschreibt für sie und solche Sachen.

Speaker 5
Mike, er hat mir viel geholfen. Er fiel mir alle meine Papers vom Holocaust, alles. Er hat mir viel geholfen. Das ist für mich sehr wichtig. Ich weiß nicht, wie ich es in Deutschland alles fiel.

Speaker 6
Er hat eine sehr große Familie gehabt. Er ist der einzige Überlegende, also wirklich der einzige. Ich meine, muss ich vorstellen, alle Leute, die er in seinem Leben in Polen gekannt hat, sind umgekommen, sind ermordet worden. Er war in Auschwitz und er wurde auch sterilisiert. Das ist besonders tragisch, also er hat nie Kinder bekommen können. Deshalb bekommt auch ein bisschen mehr Pension als normal 1500 Dämer gemohnt. Das ist nicht viel, aber es ist doch um einiges mehr als die normale Pension.

Speaker 7
Good morning kids. Good morning. How are you? Good. Should I say good morning to the teachers too? Yeah. Good morning teachers. Good morning. I was born in Austria. You guys know where Austria is? Yeah. Do you know any famous Austrians? No. No. The famous, yes. Who? There’s a guy in the paper. That guy.

Speaker 8
Your glider.

Speaker 2
Who?

Speaker 8
Your glider? Hi there. Hi there, yes. Anybody else?

Speaker 7
Yes. Yeah, I’m afraid so.

Speaker 8
Yes. The ones who survived.

Speaker 7
Yes. How about somebody very important today?

Speaker 8
You.

Speaker 7
No. How about Schwarzenegger?

Speaker 9
Yeah.

Speaker 7
We have other guys that are a little less important like Mozart. Schraus, der Waldkirche, Dr. Freud.

Speaker 8
Dr. Freud, Siegmann Freud, Psychoanalysis.

Speaker 1
Walter Absel war es Jugendlicher im Belgischen Widerstand und überlebte. Er emigrierte nach Kanada und baute sich dort ein neues Leben auf. Heute ist Walter Absel 75 Jahre und er genießt es, im Holocaust-Zentrum zu Kindern zu sprechen. Den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vergleicht Walter Absel so. “Stell euch vor, die Amerikaner marschieren morgen in Kanada ein”, im Quebec und machten es zu einem seiner Bundesstaaten. Glaubt ihr, die kanadische Armee könnte etwas dagegen tun?

Speaker 7
Über Nacht wurden wir zu Ostmark. Das Leben eines jüdischen Buben, ich war 13, änderte sich drastisch. Ich durfte nicht mehr zur Schule gehen, in Swimmingpool. Ich durfte nicht mehr

Speaker 1
ins Theater gehen oder ins Kino und sogar die Parkbänke waren angeschrieben. Nicht für Juden. Da habe ich meinen ersten Akt des Widerstands gemacht. Ich habe mich geschwind auf die Ecke einer Bank gesetzt.

Speaker 7
Kommt und holt mich.

Speaker 1
Glücklicherweise hat mein Vater einen Freund getroffen, der gesagt hat, das ist verrückt, aber das geht vorbei. Das dauert nur ein paar Monate. Warum schaut ihr nicht, dass ihr wegkommt? Zufällig haben wir ein Visum für Belgien bekommen. Und so klingt der Originalton, der für Erwachsene bestimmt ist.

Speaker 7
wurden Ende 1943, also ein Jahr bevor der Befreiung Belgians von der Gestapo verhaftet. In meiner Abwesenheit, ich kam vielleicht 10, 15 Minuten später nach Hause und sie wurden in das Sammellager Marlin gebracht. Ich habe die Bestätigung der Belgischen Behörden und wurden von dort natürlich nach Auschwitz verschleppt. Wir haben nie mehr von ihnen gehört. Das Komische ist, dass wir, dadurch dass wir in Belgien zuerst von Österreicher Deutsche wurden, wie die Deutschen einmarschiert sind, dann haben wir den Belgien natürlich beigebracht, dass wir eigentlich nicht Deutsches sind, sondern als Juden, dann haben wir in unsere Identitätskarte hingegeschrieben bekommen “Al Ma’ no Enmi”, das heißt also nicht feindlicher Deutsche. Dann kamen die Deutschen, die Deutsche Besetzung und dann waren wir nicht würdig, Deutsche zu sein. So wurde unsere Nationalität wieder geändert auf Appatrit, also staatenlos. Und nach der Befreiung ging die ganze Geschichte wieder verkehrt, also zuerst von staatenlos auf Deutsch. Dann bekommen wir nicht feindliche Deutsche und dann eventuell bekamen wir wieder die österreichische Nationalität. Also mit In einer kanadischen Nationalität haben wir wahrscheinlich sechs Mal diese Nationalität geändert. Meine Frau, die auch in Wien geboren ist, ist ganz narisch mit Österreich und besonders mit Wien. Ich freue mich auch, wenn wir jetzt jeden Sommer nach Österreich fahren. Meine Frau sinkt dann immer morgen. Morgen bin ich wieder in Wien. Wir wissen genau, wo wir gehen. Ich habe im dritten Bezirk gewohnt. Meine Frau im neunten. Wir besuchen die alten Häuser. Und jedes Jahr sind wir wieder dort. Meine Frau sagt, wenn ich nach dem Ring spazieren gehen kann, dann hat der Hitler gewonnen.

Speaker 1
Kanada hat während des Zweiten Weltkrieges fast keine Juden aufgenommen, die emigrieren mussten. Bei der alljährlichen Holocaust-Gedächtnisfeier wird dennoch zum Schluss die kanadische Hymne gesungen. Wir zwei Österreicher haben den Gästen die Plätze angewiesen. Hinter mir eine schniefende Frau, vor mir sechs brennende Kerzen und rechts zu meiner Seite der ungrische Honorakonsul. Wo mit wir beide Botschafterrolle des Gedenktienstes angekommen sind. Mein Kollege Michael Paulern sieht es so.

Speaker 6
Es ist eine ziemlich heikle Situation. Als Gedenktiner hier, als österreichische Gedenktiner wird man von Holocaust-Überlehmeten immer wieder besorgt nach der Situation Österreich gefragt. Ich persönlich versuche einfach zu erklären, warum die politische Situation dazu ist, was überhaupt los ist und das irgendwie zugänglicher zu machen, ohne das Problem zu verharmlosen von meiner Sicht aus. Und ich glaube, es ist sehr wichtig, dass die Menschen hier, die vielleicht nicht den gleichen Einblick in die österreichische Politik haben, mit Österreichern vor Ort darüber sprechen können.

Speaker 1
Ich wiederum erkläre, dass die Österreicher demokratisch gewählt haben, dass Jörg Heider kein Nazi ist und dass das herkömmliche Regierungssystem nach so langer Zeit wahrscheinlich sein Ende finden musste, was den Vorteil hat, dass wieder viel mehr Österreicher eine politische Meinung jenseits der Wurstigkeit haben. Und dann bedanke ich mich für die Proteste, denn die gehören halt auch zur Demokratie. Als Jörg Heider seinen Besuch in Montreal angekündigt hat, war für uns ein grauenhafter Tag. hat Bill Serkis, unser Chef, noch angekündigt, heider wolle unser Museum besuchen. Wir sahen uns an und sagten, warum nicht? Schaden tut es ihm sicher nicht. Die Sache ist ein Mediummäßig hochgegangen und der Canadian Jewish Congress hat eine Stunde nach dem Aufsperren angeördnet, die Museumstheor wieder zuzusperren, das Licht abzudrehen und heider nicht herein zu lassen. Die Reaktion des Canadian Jewish Congress war auf der anderen Seite widerverständlich, denn zwei Wochen zuvor hat man noch zur Demonstration vor dem österreichischen Konsulat aufgerufen. Gegen Heider, den Hater, den Hasservisie nannten und alles andere als zuzusperren, wäre inkonsequent gewesen.

Speaker 10
Die 10. Jauhrung hat mich jeden gefragt, wo ist die Welt? Die Welt hat dann nicht geentfert und 6 Millionen von unseren Brüdern und Schwestern seinen Klaig geschwarnichtet geworden. Aber wer jetzt treibt, lebt mir in ein Freiland, mir ist ein Atel von der Welt. [speaking German]

Speaker 11
Each candle will be lit by three people, thereby symbolizing the transmission of the Holocaust legacy from one generation to the next.

Speaker 12
Die erste Kandel wird von Benik Granik durchgelegt. Der Survivor von Buchenwald, Flossenberg und Grossrosen. Er ist ein Hochzeichen, der Erster. Michel Friedman, der Granddaughter der Erster.

Speaker 1
Sie haben einfach Angst. Vor allem, was aus der Richtung der Vergangenheit kommt. Irrational Angst, was sie aus Europa an die Toten, die sie beklagen, erinnert. Beim Yamashua-Gedächtnisfest für die Opfer des Holocaust zünden jeweils drei Generationen eine Kerze an. Großvater, Vater, Tochter, legen ihre Hände übereinander. Der hinter ganzen Feier fällt kein Wort gegen Österreich, kein Wort gegen Deutschland. Es ist nur ein stilles Trauer.

Speaker 11
candle will be lit by Brenda Gertel, survivor from Pauline.

Speaker 5
If I hear news from the Nazis or from the camps, I get very mad. It makes me very, very mad. When I don’t talk about that, I cool off. Now when they talk about Germany, about the Holocaust, I’m very mad because me myself particularly, I pass lots of trouble in Auschwitz and Bergen. I’ve been operated, sterilized, castrated in a broken leg, and I got beat up. And then I lost all my family. It’s only when it comes to holidays, I feel very, very, I’m very nervous.

Speaker 4
You’re dealing with people that have experienced a great trauma for the most part.

Speaker 1
Wenn man mit Menschen arbeitet, die ein großes Trauma erlebt haben, dann gibt es natürlich die bekannten Probleme, das Trauma. Einige haben Schuldgefühle, das sie überlebt haben und andere nicht. Das ist die ganze Palette psychologischer Probleme, aber zu allem kommt, dass diese Menschen auch jetzt ihren Alterungsprozess erleben. Die Leute werden älter und ihre Eigenheiten verstärken sich. In anderen Worten, wenn sie in ihrer Jugend mit irgendetwas überkreuzt waren, dann wird stärker. Ihr hauptsächlicher Lebensinhalt wird zu ihrer Mitte und wenn das das Überleben des Holocaustes ist,

Speaker 4
können Sie sich vorstellen, was das heißt. Arbeiten mit Überlebenden ist sehr, sehr schwierig.

Speaker 1
“Kathleen Chatterley arbeitet an Schulprogrammen über den Holocaust. Wir alle kennen die Geschichten unserer Eltern”, sagt sie, “wenn wir uns über den Schulweg beklagten.” Die haben dann gemeint, Das ist ja gar nichts gegen das, wie wir zur Schule gehen mussten. Zwei Stunden lang im Schnee und das mit einem Schuh oder so. Dann kann man sich vorstellen, wie es manchen Kindern gegangen ist,

Speaker 13
die an Eltern in Holocaust überlebt haben, wenn sie mit irgendwelchen Sorgen zu ihnen gekommen sind. Meine Eltern haben gerade erst angefangen zu reden, was ihnen passiert ist.

Speaker 2
Sie haben das nie gemacht.

Speaker 1
Ich kann mich erinnern, als Kind habe ich die Geschichten von Albträumen mitbekommen, wie sie sich erzählt haben. Ich hatte dann auch diese Träume. Hunde haben mich gejagt. Vielleicht ist es bei meinen Kindern nicht mehr so. Es dauert wirklich Generationen. Das war unser Name während der Zwangsarbeit und wir waren noch glücklich, dass sie uns nicht

Speaker 13
sofort erschossen haben.

Speaker 1
Einmal pro Monat kommen Überlebende ins Museum und schauen sich einen Horrorfilm an. Einen auf den Deutsch. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum sie das machen.

Speaker 11
Was will er jetzt? Er sagt, dass hier das Herr Lude ist. Wo? Er sagt, dass ich ein Juni bin. Wer? Er sagt, dass ich… Es gibt eine Hitparade des Holocaust erzählt Catherine Chatterley.

Speaker 1
Es kommt darauf an, wo die Überlebenden sich während des Krieges befunden haben in Europa, in welcher politischen Umgebung, welchen religiösen Hintergrund sie hatten, wie sie sich mit dem Judentum identifizierten. Wettbewerb gibt es wie in jeder anderen Gemeinschaft auch. Aber dass es sich hier um den Holocaust handelt, erhöht einfach den Einsatz. Sie haben alles verloren. Es ist eine total verrückte Gemeinschaft. Ich kann es nie allen recht machen. Sie sind zu verschieden. Aus diesem Grund, wenn wir jetzt das neue Museum machen, neue Programme entwerfen, das Bild, das wir zeichnen sollen, es ist extrem schwierig, es der jüdischen Gemeinschaft recht zu machen. Es ist eigentlich ganz unmöglich.

Speaker 14
…based on who you ask you will have different answers.

Speaker 9
I think it’s the dehumanizing of your opponent, whether he’s political or religious. And I don’t even talk about opponents.

Speaker 1
Maurice Schenker, überlebender aus Belgien. Er hat nach dem Krieg als Repräsentant für die deutsche Radiofirma Blaupunkt gearbeitet. Ironischerweise, wie er sagt. Es geht um die Entmenschlichung des Menschen. Egal, ob es politisch ist oder religiös, es kann jeder das Opfer sein. Es ist recht einfach, jemanden umzubringen, nachdem du ihn erst einmal entmenschlicht hast. Hinter jeder Zahl steht ein Name, und hinter jedem Opfer standen die Täter. Die Opfer sind leichter auszumachen, weil sie im Boden liegen. Mr. Tanagol braucht Geld für seine dritten Zähne. Von den Schweizer Banken hat er vor einiger Zeit 5’300 Schillinge erhalten und davon sein Auto repariert. Was aber wird er mit dem Entschädigungsgeld für die Zwangsarbeit machen?

Speaker 5
Ich würde nach Israel fahren und ein Stückchen Land kaufen für meine Familie.

Speaker 2
Ich würde einen Stein aufstellen und für meine Familie beten mit einem Rabbi. Weil ich habe ja meine ganze Familie verloren.

Speaker 1
Den Namen Tanagol wird es nach mir nicht mehr geben, weil jeder andere tot ist. Und wissen Sie, von welchem Stückchen Land Mr. Tanagol spricht, dass er sich kaufen will?

Speaker 5
Er meint ein Grab in Israel.

Speaker 1
Das Innenministerium zahlt mir für die Betreuung der Täterrolle von Österreichern und für die Betreuung der Opfer 138.000 Schilling, genauso viel wie einem österreichischen Zivilliner für ein Jahr. Weil ich 14 Monate arbeiten muss und zu meinem Einsatzort fliegen, bezahle ich selbst umgerechnet pro Arbeitsstunde 25 Schilling. Feiertags zahle ich doppelt. In Summe 80.000 Schilling. Dafür darf ich in allen Bereichen mitarbeiten und bei den festen Mitfeiern und natürlich auch mitessen. Lise Lotte hat wieder angefangen in Deutsch zu reden. Sie fragt viel, erkundigt sich mal über die politische Lage, mal übers Essen, mal wie es so geht. Sie muss als junge Frau eine Prinzessin gewesen sein.

Speaker 8
Wenn Sie jetzt zurückkommen im Jänner, werden Sie darüber sprechen, was Sie hier gelernt haben?

Speaker 1
Nein, ich kann noch nichts sagen. Schaut, wie normal die Juden sind. Ich werde nicht sprechen müssen, weil ich hier lebe, ich werde Kinder erziehen müssen oder dürfen, ich werde Lehrer sein und die Art, wie ich mit ihnen umgehe, da muss ich gar nicht mehr reden.

Speaker 8
Nein, nein, nein, nein, nein. Man kann sagen … ich habe eine Klasse …