Podcast und Radio

Eine Art ist, was sich paart. Das wissen die Biologen. Pferd und Igel sind verschieden. Radio und Podcast auch, sonst hätten sie sich längst vermischt. Es gibt aber Überschneidungen. Das Wichtigste: sie teilen sich ein Ohr. Zwei natürlich.

Dann geht es aber schon los: Radio wird über Lautsprecher gehört, Podcasts über Kopfhörer. Radio ist Verlautbarung, Podcast Diskurs. Radio ist Handwerk. Podcast eine Haltung. Radio ist Schein. Podcast hat nichts zu verlieren. Zielgruppe wichtig – Zielgruppe egal. Radio möchte Hörer, Podcasts akzeptiert die Hörer, die sie verdienen. Wenn Radio zu Podcast werden soll, ist das mit Mehraufwand verbunden. Wenn Podcast zu Radio werden soll, auch. Beide müssen nachhaltig agieren, damit sie auf längere Sicht erfolgreich sind. Radio ist gebühren- oder werbefinanziert, Podcast Umweg- oder Hörer:innenfinanziert. Ausnahmen bestätigen wie immer diese Regeln.

Nun zu Details.

Eine Erfolgsgeschichte: Drosden, Virologe. Corona Virus Update. Tägliche Episode zur Corona-Lage. Produziert von zwei Wissenschaftsjournalisten des NDR. Schnell umgesetzt: der Arzt bekommt ein Gerät und kann jeden Tag technisch eine Folge Gespräch liefern. Kompetenz kommt von beiden Seiten.

Hat es einen Feed? Dann ist es ein Podcast. „Podcast” als Ausspielkanal für hochwertige Radiosendungen. Nur mit einem Feed ist eine regelmäßige Sendung im „Podcatcher“ auf mobilen Endgeräten (Smartphones) abonnierbar. Hier gibt es bereits einen Rückstand: Es sollte einen Feed für jede regelmäßige Radio-Wortsendung geben. Zusätzlich zur Mediathek. Es ist dabei nicht wirklich notwendig, dass die Files länger als eine Woche vorgehalten werden. Hauptsache, Onkel Fred in Australien kann die Sendung auf seinem Smartphone abonnieren. Der deutschsprachige Raum befindet sich im ganzen Internet – weltweit.

Radio ist Handwerk, Podcast eine Haltung. Die Stärke von Öffentlich-Rechtlichem-Radio liegt in der ausgebildeten Sprache, im Journalismus, in der Musik, in der Schönheit von Formaten, im Weglassen, Auswählen, Gestalten und im verlässlichen Auffinden unterschiedlicher Standpunkte. In der Diskussion (Redaktionssitzungen). Die Stärke von Radio liegt nicht in der Wahrheit – die gibt es nicht. Die Stärke von Podcast hingegen liegt im Diskurs, im Prozesshaften, im Zugänglichmachen. Nicht im Veröffentlichen – hier ist also für Radio vermutlich wenig zu tun. Obwohl.

Vom persönlichen Vorteil. Ein Podcast wächst dann über die 4. Episode hinaus, wenn er nachhaltig ist. Wenn er für den Produzenten Vorteile hat. Das müssen ehrliche Vorteile sein, im Sinne Viktor Frankls Ergonomie am Arbeitsplatz. Wissen, Vorsprung, ein besserer Zuhörer werden, ein besserer Mensch. Wenn es die Hörerzahl ist, die mir zuhören, und ich das wichtig finde, dann die Hörerzahl. In jede Unternehmen gibt es bisher unerkannte Mitarbeiter:innen, die genau in dieser Hinsicht nicht nur Interesse, sondern auch Talent haben.

Podcast ist Lagerfeuer. Intim (im Ohr über Kopfhörer), authentisch, befreit von Längenvorgaben. Verlässlichkeit, einmal pro Woche, zweimal im Monat, ein mal pro Monat, alle zwei Monate. Sie fordern bestehende Hierarchien heraus und erreichen Zuhörende an nicht vorhergesehenen Orten und Umständen. Zielgruppen zu definieren ist nicht Podcasterdenke. Sie haben keine Musik. Oft auch keine Signation, einfach weil es egal ist. Ein Podcast erreicht die Hörer, die er verdient. Podcast ist Hörer:innentreffen – direkter Kontakt in verschiedenen Städten. Manchmal auch live. Podcast ist das Leben und die Pflege von Metadaten, von Kapitelmarken, die Einbindung des Chats (begleitende Diskussion von Livesendungen via Slack/Andere Software) auf Augenhöhe. Podcasts sind durch ihre Länge trollfrei. Es gibt immer eine Nullnummer, die bereits veröffentlicht wird. Podcasts entwickeln sich über die Episodenzahl. Jene mit 200+ sind die Götter im Podcasthimmel. Podcast is Community, in der bedingungslos geholfen und das System weiterentwickelt wird (Sendegate, #Subscribe, #podcastpatInnen).

Wovon leben Podcaster:innen? Nicht von Werbung, denn „die hat noch nie etwas besser gemacht“, sondern von Aufträgen aus Museen (Texte schreiben) Hörer:innenbeiträgen (freiwillig), Moderationen von Diskussionsrunden, Zuwachs von Wissen. Von der sozialen Währung „Kontakt und Begegnung“. Von Auftragsarbeiten, die aus ihrem Ruf entstehten, gute Gesprächspartner zu sein.

Weitere Gedanken: Das Manuskript wieder aus dem Radiobereich zurückdrängen. Erzählendes Radio. Das kann man im Podcast üben. Weiterbildung (Mikrofonzeit).

Meine Meinung — was kann man beim Radio tun: Transfer von Radio zu Podcast funktioniert nicht gut, vieles wird dann als „Zusatzbelastung“ empfunden. Eher beim Radio bleiben, oder Podcasts völlig neu aufsetzen.

Hörtipp: “Organisationsidentität” von “FG077 Organisationsforschung” / Leonhard Dobusch
Link: https://forschergeist.de/podcast/fg077-organisationsforschung/?t=14%3A54%2C19%3A47


Sammlung der Podcast-Posts hier: http://www.sprechkontakt.at/category/podcasting/ 

Radio von zuhause

Erfahrungen von Lothar Bodingbauer (Ö1 NAT, Ö1 MOM)

Interviews für Radio wurden bisher face:face oder in Studios durchgeführt, die über Rundfunkleitungen verbunden sind. Wenn beides nicht funktioniert, weil Homeoffice vorgeschrieben und Funkhäuser gesperrt sind, können Radioleute Technik verwenden, die in den letzten Jahren von Podcaster:innen der deutschsprachigen Podcastlandschaft entwickelt wurden: “Studio-Link”. Abhängig vom Mikrofon der Gegenseite sind hier Interviews in Studioqualität möglich.

Beispiel (Sendung mit 6 Leuten an unterschiedlichen Plätzen): https://freakshow.fm/fs248-public-static-final

So geht es:

1) Mein Gegenüber hat ein tolles Mikro und ein Interface. Lösung: Studio-Link Standalone. Die Gegenseite lädt das Programm herunter, startet es, sagt mir ihre/seine ID. Ich lade das Programm herunter, starte es, gebe die ID ein. Allenfalls: Auswahl des Interfaces. Beide Seiten haben einen Aufnahmeknopf, den sie betätigen. Sollte es durch das Internet zu Verbindungsstörungen kommen, kann die lokale Aufnahme verschickt werden. Das Gespräch kann auch gleichzeitig über ein beliebiges Videokonferenz-System geführt werden, um die Gegenseite zu sehen, es wird dann dort nur das Bild verwendet, und der Ton stummgeschaltet. / Häufiger Fehler: Echo – Gegenseite muss einen Kopfhörer aufsetzen. Es gibt auch einen “live”-Knopf, das einen Link zum Abhören der laufenden Aufnahme in bestmöglicher Qualität liefert.

Link: https://doku.studio-link.de/standalone/installation-standalone.html

Link: Anleitung (pdf, Englisch, für Gäste) | Anleitung für Gäste, gut zu klingen von Joram Schwartzmann (engl.)

2) Mein Gegenüber hat kein ordentliches Mikrofon, aber immerhin ein Smartphone. Lösung: Ich schicke ihm einen Link – angeklickt öffnet sich beim Ersten mal eine Download-Seite für eine App (Softphone), diese App wird installiert, und der Link noch einmal geklickt – es ist mit diesem Link alles vorkonfiguriert. Ich habe auf meiner Seite in “my Studiolink” diesen Link vorbereitet und kann dann mit Studiolink-Standalone auf meiner Seite das Gespräch wie in Punkt 1) durchführen und aufzeichnen.

Link: https://doku.studio-link.de/mystudiolink/cloud-softphone.html

3) Mein Gegenüber hat “nur” eine Telefonnummer. Einerseits kann ich aus Skype mit Guthaben herauswählen. Mit Skype Call Recorder (Apple) kann ich beide Spuren getrennt aufnehmen und dann verwenden. Oder ich sorge dafür, dass Studio-Link eine Nummer anrufen kann. Dazu muss ich eine sogenannte SIP-Nummer organisieren. Mit diesem SIP-Konto kann ich die/den gewünschten TeilnehmerIn anrufen, Aufzeichnung wie immer über den Studiolink-Standalone Aufnahmeknopf. Oder ich kann angerufen werden.

Link: https://sipcall.at/index-private.php

Funktioniert das? Es gibt zwei Fehlerquellen – eine auf meiner Seite – ich sollte meine Infrastruktur schon ausprobiert haben, weil sie eine etwas “neue” Logik hat. Auf der Gegenseite kann es alles geben – von “funktioniert sofort” und “wow”, zu “wir finden den Fehler nicht”. Die Chance ist aber immer mehr als fair. Nur in ungewöhnlichen Umständen (Betriebssysteme/Computer/Aktualisierungsgrad/Interfaces) gibt es Probleme. Die Mühe zahlt sich aus, das Ergebnis ist immer besser als ein Telefonmitschnitt oder Zoom-Mitschnitt oder auch Skype.

Weitere Tipps:

A) Größere Interviews (Vom Leben der Natur): Ich verschicke per Post ein kleines Paket mit einem Headset (Beyerdynamic DT297) und einem kleinen Interface (Focusrite Scarlet), das wird angesteckt, und mit Studiolink-Standalone mache ich das Gespräch in bester Qualität. Theoretisch können hier bis 6 Teilnehmer:innen kombiniert werden.

Link Headset: https://www.thomann.de/at/beyerdynamic_dt297pv80_mk_ii.htm

Link Interface: https://www.thomann.de/at/focusrite_scarlett_solo_3rd_gen.htm

B) Ein AKG-214 Großmembranmikrofon kostet bei Klangfarbe 298€, vielleicht gibt es sie auch in irgendwelchen Lagern zum Ausborgen. Das sorgt für Studioklang ohne Kleiderschrank und Bettdecke etc. Es klingt einfach nicht wie ein “normales Interviewmikrofon für Moderationen verwendet”. In einem normalen Zimmer verwendbar, das nicht kahl ist, braucht keine absolute Stille in der Wohnung.

Link: https://www.klangfarbe.com/artikel.php?a=akg-c-214-s30516

C) Auphonic rechnet mir die Aufnahmen “schön”, und zwar vor allem was die Lautstärken betrifft, Rundfunk ist -23 LUFS (Ö1: -20 LUFS). Diese Aufnahme kann ich dann via ftp in den ORF Pool übertragen. Bis 2 Stunden pro Monat gratis. (Keine Rauschunterdrückung einstellen, das mögen wir beim Radio nicht.)

Link: https://auphonic.com/

D) Soll ein Podcast bespielt werden, nimmt man sinnvollerweise mit Ultraschall.fm auf, Studiolink ist dort integriert. Man kann auch einfach live senden (bis 500 Hörer:innen, Link verschickbar). Ultraschall verwendet Reaper (derzeit kostenlos), und adaptiert das in die Podcastwelt.

Link: http://ultraschall.fm

E) Möchte man zuhause OTs/Radiosendungen schneiden, empfehle ich eher Hindenburg (Mac) als Software – dieses Programm ist angetreten, „um Protools aus dem Rundfunkbereich zurückzudrängen“. Es reicht, die einfach Version zu verwenden, “Journalist Pro” ist nicht notwendig, weil Auphonic für die passenden Lautstärken sorgt.

Link: https://hindenburg.com

F) Für den Mitschnitt von Computerton verwende ich Audio Hijack.

Link: https://rogueamoeba.com/audiohijack/

G) Die deutschsprachige Podcast-Community heißt “Sendegate”. Dort gibt es Möglichkeiten, alle Fragen zu stellen, die sich ansammeln. Üblicherweise gibt es jährliche Treffen, bei denen man die Entwicklung vorantreibt:

Link: http://sendegate.de

H) Alle Podcast-Tipps habe ich auf meiner Seite zusammengestellt, ich stehe gerne auch für Fragen zur Verfügung: lothar@sprechkontakt.at , lothar.bodingbauer@orf.at

Link: https://www.sprechkontakt.at/category/podcasting/

I) Cleanfeed kann auch noch ausgezeichnete Audioverbindungen (Chrome Browser), kostet im monatlichen Abo etwas, ist easy für unerfahrene Gesprächspartner:innen, kann lokale Aufnahmen. Easy mit Smartphones. Man verschickt einfach ein Mail mit dm Link und der Gast wird zugeschalten. Hier muss nichts installiert werden.

Podcast – 7 häufige Fehler

  1. Sprache ist zu groß – man eifert vielleicht jemandem oder etwas nach, möchte einen Schein erwecken, fehlender Zeitraum, der beansprucht wird; Atem mit Mundgeräuschen; Klicken
  2. Technik ist zu schlecht – Hall, Nichtpräsenz, Lautstärken, Rauschen
  3. Kein Feed, oder sonderbarer Feed, oder Feed in geschlossenen Systemen
  4. Konzept ist mau bei niedriger Folgenzahl
  5. Format ist nicht nachhaltig – zu viel Energie pro Folge
  6. Monolog statt Dialog oder Trialog etc: Isoliertheit im Denken, Isoliertheit in der Durchführung
  7. Keine Anbindung an Sendegate/Podlove – keine Kapitelmarken, Player, Transkript, Shownotes, keine gegenseitige kostenlose Hilfe

111+ Stellschrauben für Podcasts

  1. Länge
  2. Tonqualität / Auphonic-Verwendung
  3. Frequenz der Veröffentlichung
  4. Aktuelle Folgenzahl
  5. Anzahl Downloads
  6. Regelmäßigkeit der Veröffentlichung
  7. Format
  8. Community-Angebot
  9. Live-Aufnahme mit Chat
  10. Live-Option vor Publikum
  11. Monetarisierungswille
  12. Förderungspotenzial für Geldgeber
  13. Anzahl an Stimmen, unterscheidbar/ähnlich
  14. Sprechweise und Sprechtechnik
  15. Genderwahrheit (Gäste, Inhalt, Art zu reden)
  16. Gewalt in der Sprache vs. Gesprächskultur
  17. Bedarf für diesen Podcast
  18. Massentauglichkeit
  19. Skalierbarkeitselemente
  20. Aktuelle thematische Relevanz
  21. Definierte existierende Zielgruppe
  22. Außerhalb-der-Zielgruppen-Chancefaktor
  23. Abhängigkeiten irgendwelcher Art
  24. Medienhaus im Nacken vs. Indie
  25. Interessensgruppe im Nacken vs. Indie
  26. Support von angrenzenden Abteilungen
  27. Persönlichkeitszuordnung & Rampensau-Faktor
  28. Kleinteiligkeit, Gestaltungsdichte
  29. Schnitt oder nicht
  30. Vorbereitungsdauer
  31. Definierter Workflow zur Episodenentstehung
  32. Kontributorendeklaration
  33. Bearbeitungsdauer nach der Produktion
  34. Unverwechselbarkeit, Vergleichbarkeitsfaktor
  35. Vorbilder irgendwo vorhanden?
  36. Grafik und Metatexte
  37. Signation, Sounddesign, Soundlogo
  38. Newsletter begleitend
  39. Facebook / Twitter / Instagram / TicToc
  40. Vorankündigung der Folgen
  41. Planungshorizont
  42. Podcast-Community-Anbindung D/Ö
  43. Nähe-Ferne-Potenzial ausgeschöpft
  44. Ausspielkanäle ausgeschöpft
  45. Lizenzfragen geklärt
  46. Jingle / Signation / akustische Trennungselemente
  47. Transkript und Transkript-Player-Einbettung
  48. Übersetzung in andere Sprachen & Länder
  49. Micro Payments und weitere Spendenmöglichkeiten
  50. Hörer-Adressierung
  51. Housekeeping : Content – Ratio
  52. Mikrofondisziplin
  53. Überraschungselemente
  54. Impact-Factor – wird erwähnt, Cross-Empfehlungen
  55. Shownotes gepflegt
  56. Episodenbilder und Episodenunterscheidbarkeit
  57. Ästhetisierungsfaktor im Gesamtbild
  58. Schnöselfaktor
  59. Kritikmöglichkeit
  60. Hörertreffen
  61. Podcast-Radio-Crossoverpotenzial
  62. Podcast-Print/Online Crossoverpotenzial
  63. Abo-Button auf Homepage
  64. Internetauftritt: Episodenliste versus „letzte Folge only“
  65. Aufkleber, Kugelschreiber, Luftballons, Shirts etc.
  66. Kindermit/zuhörtauglichkeit
  67. Intimitätsfaktor, Lagerfeuerfeeling, Radiogefühl, Drama und große Bühne?
  68. Geschwindigkeit / Pace
  69. Doppelgeschwindigkeitsabspielgeeignet
  70. Innovationspotenzial – ganz vorne in der Meute?
  71. Professionalitätsgesamteindruck
  72. Dauer-Archivierung (archive.org) vs „stirbt mit Macher:in“
  73. Kapitelmarken / Bilder zu Kapitelmarken
  74. Würde man eine Episode zufällig hören wollen – Faktor
  75. Hat bei einem Symposion darüber erzählt
  76. Hat einen Preis gewonnen, Preistauglichkeit
  77. Universitäts-Anbindung
  78. Zitierbarkeit angesprochen bzw. geklärt
  79. Volatilität – Folgen ändern sich ständig / bleiben gleich
  80. Ausgereiztheit. Fertig. bzw. Potenzial für wie viele Folgen
  81. Haben-die-Gestalter:innen was davon-Faktor
  82. Podcast-als-Haltung Kompatibilität
  83. Bei fyydd und panoticum geclaimed?
  84. Foto der Gestalter:innen irgendwo dabei
  85. Eigene Domain
  86. Hobbyproduktion, Nebenbei oder Hauptberuf
  87. Wie finden es andere – Stimmen bekannt?
  88. Im Sendegarten je gewesen?
  89. Gäste oder nicht
  90. Prominenzfaktor passiv (Gäste) und aktiv (Hörer:innen)
  91. Themenklarheit
  92. Würde es mein Vater hören – Faktor
  93. Druck auf die Veröffentlichung der nächsten Folge vorhanden
  94. Redigierte Manuskripte bzw. Zweitverwertung der Inhalte
  95. Hinweise auf andere Podcasts im Programm
  96. Gibt es eine oder mehrere Gold-Folgen, sind diese auf der Homepage dargestellt
  97. Sieht auf allen Playern und Devices gut aus
  98. Veränderungswille, -wunsch, oder -druck
  99. Existierendes Einkommen aus Podcast / Folgeaufträgen
  100. Könnte man es als Unternehmen aufblasen-Faktor
  101. Wurde bereits eine Folge zurückgezogen
  102. Könnte jemand eine produzierte Folge zurückziehen – (Droh)potenzial
  103. Troll-Freiheit
  104. Text-Redundanzen/Dubletten in der Folgendarstellung (Titel, Untertitel, Beschreibung)
  105. Wenn kommerziell: Produktionskosten bekannt, Verkaufskosten pro Folge bekannt
  106. Nachhaltigkeitspotenzial für Produzent:innen, „wesensgemäßes Podcasten” möglich?
  107. Glücksfaktor aktiv (Produktion) und passiv (Zuhören)
  108. Qualitätsmananagement
  109. Feedback vorhanden
  110. Feedbackmanagement vorhanden
  111. Einsam versus gemeinsam – Faktor
  112. Accessibility: Hörbehinderung, Seebehinderung, Leichte Sprache
  113. Fachzeitschriften Anbindung
  114. Sprachmix / Mehrsprachigkeit
  115. Freies Radio Anbindung/Verwandtschaft/Herkunft
  116. Fach-Experten machen Podcast vs. Laie
  117. Risikofaktor 1: was würde passieren, wenn was inhaltlich schiefgeht
  118. Risikofaktor 2: was würde passieren, wenn der Feed bricht und alle Abos weg sind
  119. Kopf und Kragen – Faktor: Ist jemand abhängig vom Podcast
  120. Geplante Obsoleszenz/Ablaufdatum vorhanden
  121. Langzeitarchivierung gesichert
  122. Ist/war zu Gast in anderen Podcasts
  123. Es gibt kleine Aufkleber
  124. Dauer und Stelle von Housekeeping
  125. Beim Reden klickt es

Podcast und Natur

Journalismus ist Handwerk und Podcast ist eine Haltung. Beim Podcast möchte man Inhalte vielleicht weniger veröffentlichen, im Sinne hoher Zuhörer:innenzahlen, sondern eher “zugänglich machen”. Wie beim Lagerfeuer, um das man sitzt, bei dem sich jemand über ein bestimmtes Thema unterhält und man dabei zuhören kann. Besonders die Natur eignet sich als Thema für Podcasts, weil es gerade hier viele Menschen gibt, die über einen Teil daraus sehr gut Bescheid wissen. Man spricht in beliebiger Länge miteinander, bis das Thema entweder fertig geredet, oder argumentativ, diskursiv umkreist wurde. So entstehen Geschichten, im Fall der Natur “Naturgeschichten”.

https://www.facebook.com/annadoppelpunktlog/

FYYD Podcastverzeichnis

Wer eine Podcastepisode zu einem bestimmten Thema sucht, ist bei FYYD gut aufgehoben. Es gibt darüberhinaus kuratierte Listen und die Möglichkeit, Player mit bestimmten Episoden in WordPress-Seiten einzubetten. Wie es geht, steht hier. Ich verwende das Plugin, um die letzten Episoden meiner Episoden hier darzustellen.

So sieht das aus, die letzte Episode aus dem Neue-Musik-Podcast:

 

Oder:

Hörerlebnis: Stille + Podcast

Ich habe mein „lokales Hörmaximum“ gefunden, das bessere Ergebnisse als Noice Cancelling bringt. Und zwar eine Kombination aus angepassten Schallschutz Ohrenstöpsel für 65€ und Knochenschallkopfhörer für 120$.

Die Knochenschallkopfhörer habe ich schon seit zwei Jahren, die legen zur Umgebung einfach eine (Podcast-)Stimme drauf, wie wenn jemand neben einem hergeht und mit einem spricht. Radfahren möglich, man hört sonst alles.

Aber wenn ich das „Alles“ mit den Ohrenstöpseln wegmache, dann spricht jemand ruhig zu mir.

Ein Traum. Stille! Mit diesen unglaublich weichen Ohrenstöpsel im Schlafwagen, beim Busfahren und vor allem auch im Bett neben der Strasse. Und dann, wenn man Lust hat, einen Podcast auf die Stille addieren.

Ahhhhhh!

Links:

1) Ohrenstöpsel SleepLine via Neuroth
2) Knochenschall AfterShocks

304. Stoffmuster

304. Stoffmuster

Punkte, Streifen, Flecken, Blüten
Vielfalt der Stoffmuster

Ein „Podcast-küsst-Radio“-Projekt.

Es ist eine ganze Industrie, die Musterindustrie, die sich mit der grafischen Gestaltung von Stoffmustern beschäftigt. Ob Karo, Fischgrat, Hahnentritt, Glencheck oder Nadelstreif – die Klassiker sind allen gut bekannt. Der Hunger des Marktes nach immer neuen Formen und Ideen ist groß. Viele traditionelle Muster haben sich aus der Art der Webtechnik ergeben. Drucke erweitern diese Möglichkeiten und in zunehmenden Maße sind auch individuelle Muster von Kundinnen und Kunden gestaltbar. (Lothar Bodingbauer)

Link zur Seite mit Sendung und Postcast-Episoden

Aspekte der Stimmbildung

Handout / Klick: Download (PDF)

Die Stimme ist ein Instrument. Bei täglichem Üben (10 min) sind erste Erfolge nach sechs Wochen unüberhörbar. Stimmbildung hat Auswirkungen auf die Kommunikation mit anderen Menschen. Es zahlt sich aus.

Was aus Entfernung einfach als „Stimme“ ankommt, besteht in Wirklichkeit aus dem Zusammenwirken mehrerer Aspekte. Jeder Aspekt ist separat trainierbar. 

1. Zeitraum beanspruchen. Inhalt braucht Zeit. Pausen. Stille. Ausatmen. Einatmen. Pausen zwischen Sätzen, zwischen Aufzählungen: Langsamkeit und Ruhe. Zeitraum hat mit Selbstbewusstsein zu tun. Mit dem Ertragen einer Wirkung.

2. Die Aussprache. Die „gemäßigte Hochlautung“ ist die Aussprache geschulter Sprecher:innen. Es ist weniger das perfekt „r“ oder „s“ sondern die Richtige Länge und Geschlossenheit/Offenheit der Selbstlaute a-e-i-o-u. Das Training sollte hier nur mit Lehrer:in erfolgen. Übungen dazu täglich.

3. Agogische Aufbereitung der Sätze. Das kommt zusätzlich und schafft besser erkennbare Sinnzusammenhänge. “Sprich einmal laut und einmal leise, einmal langsam, einmal schnell, einmal hoch und einmal tief” – das ist ein Aspekt davon, Pausen innerhalb von Sätzen (und der Fluss der Sprache darin) ein anderer. Achtung: Nur wenige Kommas zeigen Sprechpausen an.

4. Die Resonanz. „Die Sonne „tööööönnnnn“. Das hat etwas mit Frequenz und Zeitraum zu tun, mit Energie.

5. Zu Beginn: Erst ausatmen, dann einatmen. Und dann: Pausen – kann man üben.

6. Das Gegenüber. Kann im Theater in der hintersten Ecke sitzen – dort will man seine Stimme hinschicken. Das kann man lernen und zahlt sich aus. Präsenz.

7. Der Stimmsitz. Mit welcher Frequenz spreche ich meine Gegenüber an. Eher tiefer wäre besser, gemeint ist aber: eher mehr Frequenzen. Öffnen. Meist nach unten hin. Das muss man herausfinden.

8. Inhalt und Klang. Wie bei Büchern oder Zeitungen, die (diskursive) gute Inhalte nicht mit unpassenden Schriftsätzen drucken, wird auch die Stimme mit den Inhalten in Verbindung gebracht. Wir werden üben, den Eindruck zu beschreiben.

9. Die Grenze. Profi-Sprecher:innen haben ihre Stimme zum Beruf gemacht. Professionelle Aufträge sollten auch von ihnen gemacht werden. Das zu erkennen, ist auch ein wichtiger Aspekt für Nicht-Profis.

10. Die Authentizität. Man ist, wie man spricht. Und in jedem Moment spricht man so, wie man ist. Die gebildete Stimme kann wie eine Fremdsprache eingesetzt werden. Im normalen Gespräch ist das meist nicht notwendig. Das zu erkennen ist ein Teil der Stimmbildung.


Die 6 Häuser der Stimme

  1. Erzählen
  2. Miteinander sprechen
  3. Text lesen (Buch)
  4. Text lesen (Manuskript, geschrieben für gesprochene Sprache)
  5. Schauspiel, Drama
  6. Komik  / Cartoon

Möglichkeiten zur Reparatur …

Die eigene Einschätzung täuscht oft. Meistens hilft:

  1. Tiefer / nach unten offener
  2. Weniger auf und ab
  3. Härter, sachlicher
  4. Die Sprache in die Weite senden, wo jemand ist
  5. Nicht so intim / freundlich / nah ran
  6. Zeitraum beanspruchen
  7. Pausen

12 Tipps / Übungen

  1. Ausatmen vor dem Einatmen
  2. Unhörbar nachatmen
  3. Wasser dabei haben
  4. Mikrofondisziplin
  5. Nicht jeder Beistrich ist eine Pause
  6. Wörter ohne Information nicht betonen (davon/daher werden nie betont)
  7. R vorne: dedlängen-dedlängen-dedlängen-drängen
  8. CH vorne: durich-durich-durich-durch
  9. Klares kurzes Ei: land-land-land-leise (kurz)
  10. Resonanzübung: die Sonne tönt, singen:
    Major Ascending/Minor Descending –
    https://www.youtube.com/watch?v=n_cTfhvS3fg 
  11. Beim Gehen erzählen, was man sieht. Ohne Äh’s aber gerne mit kleinen Pausen.

  12. Hören. Zuhören.

Hörbeispiele

  1. Podcast: Karim in Auroville – Link
  2. Stimme von Emma Clark (London Underground) – Link

Manuskriptbeispiele

Kriterien der Beschreibung und Bewertung

  • Zielgruppenorientiert
  • Tempo, Tempovariationen
  • Rhythmus / binnen-Rhythmus
  • Emotionalität (Sprecher:in/Zuhörende)
  • Unterhaltend
  • Wortwahl
  • Betonung
  • Modulation / Tonhöhe / Melodie
  • Deutlichkeit der Aussprache
  • Authentizität / „normal klingen“
  • Persönlichkeit erkennbar
  • Gespräch – Manuskriptvortrag
  • Nähe – Distanz
  • Angenehm
  • Atmung / Nachatmen / Klicken
  • Umgebungsgeräusche
  • Pausen
  • Dialekt
  • Stil (Gespräch, Kinderbuch, Reportage) Tradition/Epoche
  • Sendung mit der Maus – Faktor
    (lieb/einfach/persönlich/nette Schulmeisterei/an die Hand/Erinnerung)
  • Rolle, Haltung
  • Nachvollziehbarkeit
  • Verlautbarungsfaktor
  • Wärme-Kälte / Guter Wille / positiv gestimmt
  • Druck in der Stimme / „pressen“
  • Präsenz / Skala 1 2 3
  • Ähm-Faktor
  • Eng – weit / Skala 1 2 3
  • Mag-ich – Koeffizient
  • Aversionsfaktor

20 mal Troubleshooting

20 Highlights | Troubleshooting 

  1. Richtig große Probleme hört man selbst im allgemeinen nicht.
  2. Komisches R bei Arbeit? Weglassen oder üben: Ale Ale Ale – Arbeit.
    So sitzt das r an der richtigen Stelle (vorne)
  3. Komisches R bei drängen? Üben: de-dlängen, de-dlängen, de-dlängen – drängen. So sitzt das r an der richtigen Stelle (vorne).
    Ebenso bei drei (de-dlei).
  4. Komisches Krachen bei durch? Üben: Dur-ich, Dur-ich, Dur-ich, und dann das i weg. Durch. So sitzt das ch an der richtigen Stelle (vorne).
  5. Der – dem – den. Das sollte passen! Alle E’s sind lange und geschlossen.
  6. Vokale: Lang oder kurz, offen oder geschlossen? Das kann man nicht immer vorhersagen und muss (einzeln) gelernt werden. Generelle Regeln sind kaum vorhanden. Das zahlt sich aus, denn sie machen 3/4 der Sprache.
  7. Vierzehn und vierzig mit r und kurzem I.
  8. Je emotioneller der Text, desto neutraler die Sprache.
  9. Beistriche zeigen an erster Stelle üblicherweise keine Pause an.
    Viele Leute, die Pausen machen, haben den Sinn im Satz nicht verstanden.
  10. Mikrofondisziplin heißt: Abstand und Winkel bleiben unverändert.
  11. Zwielaute sind selten so, wie man glaubt.
    EI, AI ist A-E kurz ausgesprochen. Leise? Land-Land-Land-Laese.
    EU ist O-E. Europa? O-E-ropa.
    AU ist A-O. Australien? A-O-stralien.
  12. Ein O wird zum U, wenn man den Unterkiefer sanft vorschiebt.
  13. Resonanzprobleme? Ning neng nang neng nain.
  14. Zuck fährt ab? Lange. Der Zug. Wir wünschen einen langen guten Tag.
  15. Nächst-nächstens, höchst-höchstens
  16. Kurze Wörter sind wichtig.
  17. Die Vorsilbe un- ist immer betont. Unangenehm, unglaublich, unschön
  18. Die Vorsilbe Er-, ver-, zer- sind nie betont. Erleben, erinnern, vernichten, zerstäuben. Zudem, zugute, zugrunde, zufrieden auch nicht
  19. Davon will ich etwas haben. Davon sonst nie betonen: Davon sollen wir mehr haben. Ebenso nicht betont die erste Silbe bei: Dazu, damit, dafür, darunter, darauf, dahinter, daran, darüber, davon, dabei.
  20. Bei den Endungen -en und -el fällt das e gänzlich weg, außer davor steht ein n oder ein m: Flaschen = flaschn; Säbel = Säbl.
  21. Tiefer sagen sie immer, wäre besser. Gemeint ist aber: mehr Resonanz, alle Frequenzen aktivieren, auch die Tiefen dazu.

Auf Punkt lesen

5-Minuten-Beitrag über Insektenökologie, hier das Ende:

… aber es gibt auch eine gute Nachricht. Wenn sich die Bedingungen verbessern, dann erholen sich gerade bei Insekten die Bestände sehr schnell. Und wer Honigbienen schützt, fördert in ihrem Windschatten auch alle anderen Insekten, die von den verbesserten Bedingungen profitieren.

Die Vorsilbe un- (immer betont) und um- (manchmal betont)

Aus Ungunst unachtsam und unlieb mit den Eroberern verhandeln.

Untreue Leute vereinen sich bei Unwettern und verunreinigen ihre Seele. Die Verhandlungen wurden zerredet und endeten unentschieden.

Das unliebenswürdige Ungeheuer zerfranst uns die Kleidung.

Der Erfolgreiche benahm sich unlieb, unanständig und unfreundlich. Ungebildet und zerknirscht verlassen diese verblödeten Schüler die Schule. Unzertrennliche Seelen erleben unendlich schöne Stunden. Untragbarer Unverstand blüht gern im Verborgenen. Unachtsamkeit verdient Erregung und Ergreifung.

Vor dem Umbau des Hauses müssen wir noch das Erdreich umgraben. Ich umbaue das umstrittene Haus mit unüberwindbarem Zaungeflecht. Wir umgehen beim Umgang unsere Sorgen und Verluste. Unter Umständen umstehen wir aus Protest das umkämpfte Lager. Du mußt diesen Beitrag umschreiben, weil du die Sache zu sehr umschrieben hast.

Podcast im Wirtshaus

Podcast im Wirtshaus

Unseren “Horch”-Podcast – haben wir erstmals im Wirtshaus mit 20 Leuten aufgenommen. Was muss ich wissen, um zeitgenössische Musik gerne zu haben? Elisabeth Haselberger aus Ulm hat ihre Flöten mitgebracht, ich den Klang der Sonne – und es war beim Haiderwirt in St. Veit ein wunderschöner Vormittag. Risiko? Keines. Schön wars.

Nachzuhören hier als Episode Horch 22

Gedanken zu Podcasts

Podcast ist „Zuhören am Lagerfeuer“: Wir sitzen dabei und hören einer Diskussion zu. Auch wenn wir nicht mitreden, sind wir am Feuer. Wir können die Distanz frei wählen.

Podcasts sind eine Art, die Wirklichkeit zu beschreiben, sie zu denken durch „Erreden“. Die eigentliche Frage ist: worüber lohnt es sich zu reden? Worüber lohnt es sich zu denken?

Möchten wir das Rauschen erhöhen? Das kann passieren. Es ist gar nicht so leicht, etwas Eigenständiges zu machen, was am Wasserfall bemerkt werden kann. Authentizität ist gut. Eine hohe Schlagzahl bringt auch Anfänger schnell in den Bereich guter Ergebnisse (ab Folge 10).

Bei Podcasts ist die Kommentarkultur höher, Hater hören nicht lange zu, und wenn jemand lange zuhört, hat er eine differenzierte Meinung (bekommen).

Podcasts finden im Kopfhörer statt, Radio im Lautsprecher. (Tim Pritlove)

Die Zielgruppe ist bei Podcasts reichlich egal. Ein Podcast spricht sich herum (man kann gar nicht verhindern, dass er gehört wird). Regelmäßigkeit hilft dabei.

Aus Podcastern werden keine Radioleute. Das ist eine Beobachtung.

Ähs schneiden? Beim Denken hören braucht bestimmte Ähs. Das schneiden wir beim Radio recht undifferenziert alles weg, man kann in den Sendungen den Menschen nicht mehr beim Denken zuhören, ein Wesenentlicher Teil der Sprache geht verloren. Das Vorlesen von Manuskripten ist nicht mehr denken/sprechen, sondern die Wiedergabe von Gedrucktem. Eine Katastrophe der Menschheit, wie ich meine.

Der Vertrauenslevel der Podcasthörer:innen ist höher, sie entschuldigen meine Fehler, weil sie mich kennen, übrigens wird auch Ironie hörbar, einordenbar. Weil mehr Zeit ist.

Gute Podcaster sind die gute Zuhörer. Sie können auch gut zusammenfassen, was wir gehört haben. Zwischendurch schadet das gar nicht.

Metatexte sind unsere Freunde. Kapitelmarken. Untertitel, Inhaltsbeschreibungen.

Hörer:innentreffen: Podcaster:innen, die das machen, bauen ihre Hörerschaft gut aus. Und ich kenne sehr viele, die routinemäßig ankündigen, wenn sie in einer Stadt sind, sie treffen sich in Restaurants, passenden Locations.

Podcast ist das „nächste“ Medium, sagt Tim Pritlove in seiner Keynote (Video hier) bei der #subscribe10 im März 2019 – und er meint damit das dem Ohr nächstengrenzende Medium. Weil Podcast eben mit Kopfhörern gehört werden.

Werbung macht nichts besser, sagen viele Podcaster, sie macht das Publikum zur Zielgruppe – teilt sie in Scheibchen, Glaubwürdigkeit leidet, der „Wert der Marke“ sinkt. Wer nicht für eine Zielgruppe sendet, ist überrascht, aus welchen Ecken Hörer:innen kommen. Das ist auch ein sonderbarer Widerspruch: Man macht das Ding für die Hörer, und mann macht es genau nicht für die Hörer – man lässt sie dabei sein.

Zweiter sonderbarer Widerspruch: Die Person des Podcasters ist egal, er ist stellvertretend der Gesprächspartner im Podcast, und gleichzeitig ist die Person wichtig, mit einer oft erlebten Asymmetrie der Bekanntheit. Man ist den Menschen sehr vertraut, denen man zuhört, aber eben einseitig vertraut, Podcaster berichten aber auch, dass ihnen die Hörer vertraut sind, für die sie ja diese Gespräche machen.

„Seit exzellent zueinander“ war der letzte Punkt bei der Eröffnung der Podcaster:innenkonferenz #subscribe10 (Link zum Programm).

Sprechen als Mittel zur Erkenntnis braucht Zeit.

Worüber lohnt es sich zu reden, finde ich noch einmal, das ist die eigentliche Frage.

Museumspodcasts

#subscribe10 | Workshop Museumuspodcasts |…hier zur Workshopdoku

Gespräche, die zugänglich sind. Bei denen man dabei sein kann. Wie damals am Lagerfeuer, als die Menschen noch in Kohorten umherzogen. Das, worüber sie reden, steht im Mittelpunkt. Die Wärme des Feuers. Und sie reden so lange, bis sie fertig sind.

Es geht bei Podcasts vorderhand nicht um Reichweite, sondern um die Zugänglichkeit des Gesprächs. Um die Möglichkeit, dabei zu sein. Die Länge der Sendung ist egal. Podcaster:innen sind in seltenen Fällen berühmt. Meinung ist Teil des Konzepts, und im Museumsumfeld wird durch einen Podcast kuratorische Arbeit hörbar gemacht.

In Podcasts finden Sie meistens Gespräche. Radiosendungen zeigen hingegen in aufwändig gestalteten Beiträgen die Welt, wie sie den Gestaltenden erscheint. Und das ist nicht der einzige Unterschied: Radio wird über Lautsprecher gehört, Podcasts über Kopfhörer. Radio ist geteilte Öffentlichkeit. Podcasts eher intim. Bei Radioaufnahmen wird ein Mikrofon hin- und her geschwenkt. Beim Podcast-Gespräch tragen alle Teilnehmer:innen Kopfhörer, an denen Mikrofone montiert sind, die der Kopfbewegung folgen. Jede:r kann zu jeder Zeit reden. Jeder kann den anderen gut hören.

Musik ist wegen GEMA-Gebühren selten dabei. “Verlautbarungen” verschwinden wie das Geheul der Wölfe im Dunkel weit hinter dem Feuer. Sie machen Platz dem Detail, den weiten Augen, dem schweifenden Geist, und dem Wunsch etwas herauszufinden zu wollen. Im Kontakt, im Gespräch.

Sendungen heißen beim Podcast “Episoden”. Im Museum können sie via QR-Code den Ausstellungsobjekten hinzugefügt werden. Wer also ein Objekt sieht und Lust auf den Hintergrund hat, verfolgt bei Verfügbarkeit die Entstehung des Präsentierten als Podcastepisode über den bereitgestellten Link.

Blick in die Geschichte.

Die erste Podcastwelle entstand um das Jahr 2000. Audiofiles wurden via mp3 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es war die Zeit der illegal geteilten Musikfiles. Die neuen mp3-Player lösten den Walkman und Discman ab. Parallel zu Internet-Blogs mit Texten und Bildern entstanden erste Audioblogs. Auch sie konnten über “RSS-Feeds” abonniert werden, ohne jede Seite einzeln ansurfen zu müssen, um zu schauen, ob es etwas Neues gibt. Wann immer es eine neue Episode gibt, wird das zugehörige mp3-File automatisch heruntergeladen. Es wartet dann auf dem mobilen Endgerät, bis es der Benutzer zeitsouverän hören möchte. Einziges Problem der ersten Podcastwelle: der Klang. Viele der Aufnahmen hörten sich an, als ob sie auf dem Klo gemacht wurden. Die Stimmen waren nicht präsent, es hallte und schepperte. Aber man konnte senden, man konnte gehört werden.

Und dann kam Podcastwelle 2.

Ausgelöst durch Pioniere aus Deutschland, zuzuordnen dem Umkreis des “Chaos Computer Clubs” – die “guten Hacker”. Sie geben Wissen über Podcastepisoden weiter. Die Episoden dauern gerne um die 1, 2, 3 Stunden. Oder 4. Wenn sich jemand mit dem Thema auskennt. Über das Ohr zum Beispiel – ein Experte für Cochleaimplantate. Oder über Kurdistan, Feminismus, das Bierbrauen, Pornographie oder die Chilli-Schote. Über Kakteen. Gespräche sind nun in Studioqulität zu hören und von Radiosendungen nur insofern zu unterscheiden, dass sie keine gebauten Beiträge oder Features sind. Und dass auch mal gelacht wird.

Auch die Rundfunkanstalten ziehen nach, die in Podcasts einen weiteren Ausspielkanal für ihre Sendungen haben. Öffentlich-rechtliche Radiostationen müssen diese Angebote üblicherweise “depublizieren”, nach einer bestimmten Zeit vom Netz nehmen. Freie Podcaster:innen nicht. Die Erfahrung zeigt: auch ältere Episoden werden noch gehört, wenn sie verfügbar sind.

Dann kam die Podcastwelle 3.

“Podlove” entstand, ein digitales Plugin für das weitverbreitetes Content-Management-System “Wordpress”, das viele Bloger:innen verwenden. Episoden können damit noch einen Tick einfacher veröffentlicht werden. Die Podcasts verlassen die Nerd-Ecke. Die Community trifft sich regelmäßig an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum, um Erfahrungen zu tauschen. Oder digital auf www.sendegate.de. Österreichische Audioexperten entwickelten mit “Auphonic” ein Onlineservice, das aufgenommenes Material akustisch optimiert. Mehrspuraufnahme sind mit “Ultraschall” möglich, und über das Plugin “Studiolink” können Mikrofone an mehreren Orten kostenlos via Internet in Studioqualität verbunden werden. Das Podcast-Equipment passt in ein Köfferchen.

Zunehmend werden auch “Podcastlabels” gegründet, eigene Agenturen, die ausschließlich Podcasts produzieren.

Manche Podcaster:innen finanzieren mit Werbung ihre Episoden -obwohl, da sind sich viele einig, Werbung noch nie etwas besser gemacht hat. Andere Podcaster:innen arbeiten mit Produktplatzierung. Oft zahlen die Hörer:innen zusammen, und es gibt auch jene Podcasts, bei denen Auftraggeber Episoden kaufen, weil es ein Budget für Öffentlichkeitsarbeit gibt. Einige verkaufen Bücher, Vorträge Expertise und Kurse, aber die meisten podcasten als Hobby. Und das in guter Qualität – Garantie oder Aufsicht gibt es keine. Es braucht ein kritisches Ohr und auch die Erfahrung kuratierter Podcastverzeichnisse wie wissenschaftspodcasts.de, um “gut” von “belanglos” zu unterscheiden.

Wir sind jetzt in Podcastwelle 4.

Die Verlage und Zeitschriften und Zeitungen sind eingestiegen. Podcast wurde bekannter, weil auch Musikplattformen wie Spotify die Episoden anbieten. Wir schreiben das Jahr 2019. Jede:r, der etwas auf sich hält, macht einen Podcast. Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.

Für Menschen beim Pendeln, im Auto, in der Werkstatt. Manche Podcasts sind einzigartig. Viele senden für die Nische, einige für die breite Masse. Ein Spielplatz für Experimente auch für Verlage, die die längste Zeit ihre Inhalte auf Papier gedruckt haben.

Andreas Sator etwa lernt als Standard-Journalist in “Erklär mir die Welt” Alltägliches und Unbekanntes im Gespräch mit Expert:innen in einem eigenen Podcast kennen und Maria Wegenschimmel erforscht in ihrem “Wiener Sozial-Pod” Hilfsangebote für Mitmenschen auf eigene Faust, sorgt dadurch für eine Vernetzung der Beteiligten untereinander.

Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.

Interessant ist dabei, dass sich freie Podcaster:innen oft in ihren eigenen Produktionen einen unabhängigen Ruf erarbeiten. Einen Stil, eine Art, für die sie ihren Hörer:innen bekannt sind, und die dann von einem Auftraggeber gekauft wird. Zum Beispiel Holger Klein aus “WRINT”, der für einen Hornbach-Bauhaus-Podcast seine Art, Gespräche zu führen, mitbringt. Er spricht mit Abenteurern und Do-It-Yourself-Pionieren. Marketingabteilungen und Pressestellen müssen in solchen Projekten ebenso flexibel sein, wie die beteiligten Podcaster:innen, die bisher gewöhnt waren, alleine zu arbeiten. Müssen die Inhalte freigegeben werden? Wer entscheidet? Wer hört ab, wer hört mit? Wer repräsentiert und wer veröffentlicht, wo und wie?

Es gibt Abhängigkeiten, Überschneidungsflächen, Graubereiche, Bekanntheitsströme und die Eroberung neuer Terrains.

Und das Stadtgespräch?

Das “Stadtgespräch” ist der Podcast des Technischen Museums Wien. Mittlerweile bei Folge 20 erschien die erste Episode Anfang 2017 im Zusammenhang mit der Ausstellung “Zukunft der Stadt”, weil Expert:innen verfügbar waren, die bereit waren, über ihre Inhalte ausführlicher zu reden. Der Lichtmeister von Wien – er kümmert sich um alle Lampen inklusive Ampeln. Die Logistikexpertin über die Zukunft der Lastenräder. Die Leute vom Stromverteiler, die dafür sorgen, dass Energie für alle zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellt – eine Episode in Verbindung mit der Elektrizitätsausstellung On-Off. Mit der Ausstellung “Zukunft der Arbeit und Produktion” erschienen Gespräche mit Roboteringenieuren, mit Soziologen, einer Expertin der Gewerkschaft, mit einer Datenwissenschaftlerin der VOEST. Die Gespräche immer ausführlich und immer mit vielen Details.

Und immer lang.

Im allgemeinen werden die Episoden der “Stadtgepräche” nicht geschnitten. Es sind auch die Pausen zu hören. Das Denken. Das Atmen. Das Leben. Das Dazwischen, was in Kurzbeiträgen in Radio und Fernsehen meist wegfällt.

Eigene Gedanken werde sorgsam in die des Gegenübers geflochten. Beim “Stadtgespräch” aus dem Technischen Museum sind oft sind die Kurator:innen der kommenden Ausstellung dabei. Ihre Fragestellungen werden hörbar, zugänglich, ihre Ansätze spürbar. So bekommt das Museum eine Stimme. Die Sicherheiten, die Zweifeln, das Nachfragen, das Explorieren. Wer Lust hat, hört zu. Wer nicht – nicht.

Podcast-Tipps und Beispiele aus anderen Museen.

Empfehlenswerte Podcasts sind – natürlich neben dem Stadtgespräch – die Referenzprodukte aus dem deutschsprachigen Raum: “CRE”, “Omega Tau”, “Forschergeist”. Vielleicht auch die “Bienengespräche” aus Wien, wenn Sie sich für Natur interessieren. Es gibt den “Lila Podcast” mit feministischen Inhalten. Ja, auch für Männer. Für Läufer:innen die “3-Schweinehunde”. Oder “Zeitsprung”, Geschichten aus der Geschichte. Alle sind einfach zu finden, einfach zu googeln. Das Sigmund-Freud-Museum in Wien hat einen Podcast, das Smithsonian Museum, das Archäologische Museum Hamburg. Über Ausstellungen erzählen der “Museumscast”, “Exponiert”, “Kunst und Horst” und das “Kulturkapital”. Die Grenzen verschwimmen. Empfehlenswerter Startpunkt für Suchen ist auch das Podcastverzeichnis www.fyyd.de

Wenn Sie Ihren Lieblingspodcasts gefunden haben, drücken sie auf dessen Website auf den “Abonnieren”-Knopf und aktivieren dadurch eine App auf Ihrem Smartphone, den sogenannten “Podcatcher”. Er sammelt die neuen Episoden und speichert sie wie in einem Schatzkästchen bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Sie bereit sind, zu hören. Es gibt eine Pausetaste. Und oft auch Kapitelmarken. Damit sie wieder zurückfinden, wo sie aufgehört haben zu hören, als Sie stoppen mussten, weil es ja auch noch die anderen Dinge im Leben gibt.

Lothar Bodingbauer, Radiojournalist und Podcaster der “Stadtgespräche” aus dem Technischen Museum Wien

 

Beispiele für Podcasts aus Museen

Beispiele für Podcasts über Museen

Podcast-Techniksetup in 3 Schritten – Jede:r kann senden*

* in Radio-Studioqualität

Klick zum Vergrößern

Zur technischen Seite eines Podcasts in bester Qualität braucht es nicht viel. Jede:r kann senden. Jedes Element in meinem aktuellen mobilen Setup hat natürlich Alternativen. Aber kein Element an sich ist für den perfekten Klang verzichtbar.

Hier ist also “mein Goldstandard Setup”, das sich an Technik und Format an der deutschen Podcasterlandschaft im Umfeld von sendegate.de, metaebene.me, ultraschall.fm und auphonic.com orientiert. Bei Fragen helfen die Podcastpat:innen (via Podcasterei in Österreich) gerne weiter, und ich auch.

Aufnahme:

Jede Person bekommt ein eigenes Mikrofon. Für Gespräche sind Headsets die ideale Lösung, weil man sich gleichzeitig gut hört. Aufgenommen werden die Spuren getrennt digital. Wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich manchmal eine Funkstrecke dabei. Üblicherweise sind die Zoom-Aufnahmgeräte passend (meines: Link zu Thomann), es geht aber fast jede beliebige Alternative. Das könnte auch ein Computer mit Audiointerface für zwei oder mehrere Eingänge – zB. von Focusrite (Link zu Thomann) – sein.

Die dargestellten Headsets Beyerdynamic DT297 (Link zu Thomann) sind das Herzstück des Goldstandards, und sie kosten je rund 300 Euro mit Kabel. Günstige Alternativen gibt es auch (HMC660 Diskussion), die aber nicht ganz trivial sind. Daher bleibe ich hier bei der “Alles-Sorglos-Investition” – für mich hat sich die ausgezahlt.

Nachbearbeitung:

Am Computer kann man die einzelnen Spuren noch schneiden und mit Kapitelmarken versehen. Das geht sinnvollerweise mit Ultraschall – ein Softwarepaket, das die Audiosoftware “Reaper” ergänzt, die man sich vorher installiert. Die fertigen Spuren werden exportiert und dann transferiert.

Upload:

Wer alles selbst machen möchte, lädt die Spuren hoch zu Auphonic, ein Online-Servidce, die sich um perfekten Klang, die Lautstärke und den fertigen Mix samt Export auf den Zielserver kümmert. Das ist dann üblicherweise eine WordPress Installation mit Podlove Podcast Publisher. Wie man so etwas in 3 Stunden  aufsetzt, habe ich hier beschrieben. Oder man schickt alles zu Podigee, die kümmern sich ums Publizieren. Natürlich können auch alle anderen denkbaren Audio- oder Videoplattormen mit dem fertigen Produkt beschickt werden.

Mein persönlicher Eindruck: Immer wieder tauchen Podcasts mit super Inhalten auf, die ihre Klangqualität nicht voll ausschöpfen. Meist verzichten sie auf Hedasets oder/und Auphonic.


Mit genau diesem Setup habe ich diese Episode 30 von “The Macher Report” mit Titilaflora aufgenommen:


Zum Publizieren gibt es noch dieses Gespräch mit Stefan. Wir besprechen das Publizieren eines Podcasts, wenn man dabei alles selbst machen möchte, mit Worpdress und eigenem Hoster:


 

Disclaimer: Die Links zu Thomann sind Partnerlinks. Jede andere Bezugsquelle ist auch schön – in Österreich zum Beispiel die Klangfarbe in Wien.

282. Japanisches Formen

282. Japanisches Formen

Noriko Mafune-Bachinger

Ein Podcast-küsst-Radio-Projekt

Ikebana, die Kunst des Blumensteckens; Bonsai, die Kunst des “Bäume-Kleinhaltens”; Origami, die Kunst des Papierfaltens; Shibari, die Kunst des erotischen Verschnürens: all diese Techniken haben mit der Lust am Formen zu tun. Nicht das Endprodukt steht im Focus der Könner, sondern der Vorgang des Veränderns und Verstehens. Es ist eine Philosophie. Gestaltung: Lothar Bodingbauer und Thomas Gasser. Die Podcast-Episoden dazu auf dieser Seite. (Moment / ORF Radio Österreich 1)