Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1 / 30.09.2019 – 4.10.2019
Auf der Suche nach Raritäten.
Barbara Knickmann vom Botanischen Garten der Universität Wien sammelt Samen von wildwachsenden Pflanzenarten.
Teil 1: Lebensraum Straßenrand
Teil 2: Eine verwilderte Wiese
Teil 3: Sammeln und schützen
Teil 4: Wettlauf mit Tieren
Teil 5: Ein Gefühl für die Landschaft
Pflanzensamen sind Zeitkapseln. Sie können die Zeit überdauern. Gekühlt gelagert bleiben sie – je nach Art – mehr oder weniger lange keimfähig. Bis etwa auf die leichten Samen von Weiden, die nur sehr kurz haltbar sind, weil sie in freier Natur normalerweise in feuchter Umgebung rasch keimen.
Wissenschaftliche Sammlungsausflüge werden genau geplant. Einerseits gibt es genaue Ideen, welche Pflanzen “besammelt” werden sollen, andererseits sind Genehmigungen einzuholen und Naturschutzaspekte zu bedenken. Allgemein werden nur maximal 20% der Samen einer Pflanzengruppe entfernt.
Die Samen werden innerhalb der wissenschaftlich arbeitenden botanischen Institute weltweit mit Hilfe von jährlich erstellten Samenkatalogen getauscht. Sie werden für Schausammlungen in botanischen Gärten benötigt, für wissenschaftliche Fragestellungen, die gerade bearbeitet werden, und in der Ausbildung bieten Jungpflanzen – aus Samen gezogen – Einblick in frühe Entwicklungsstadien der jeweiligen Pflanze. Neben den Samen der Pflanzen wird auch das Wissen darüber gesammelt und in den Datenbanken festgehalten. Sammlungsausflüge ermöglichen es den Beteiligten darüberhinaus, die Pflanze auch außerhalb eines Botanischen Gartens “im Feld” zu sehen.
Pflanzensamen aus Österreich werden auch zur “Millenium Seed Bank” nach London geschickt, wo sie gekühlt lange Zeit als Botanisches Welterbe gesammelt und aufbewahrt werden.
Bis 31. Oktober ist im Botanischen Garten der Universität Wien die Ausstellung “Forscher, Sammler, Pflanzenjäger” zu sehen.
“Unterwegs mit Humboldt & Co.” – mit Pflanzensammlern, die in die entlegensten Winkel der Erde vordrangen.
Interviewpartnerin:
Dipl.-Ing. Barbara Knickmann
Core Facility Botanischer Garten Wien
Rennweg 14/2
1030 Wien
MOMENT Beitrag „Wie kommt das Wasser in den 20. Stock“
Lothar Bodingbauer, 5:04 min
MODERATIONSVORSCHLAG
Wie kommt das Wasser in den 20. Stock?
SIGNATION: RÄTSEL DES ALLTAGS
Wenn das Wasser bei Ihnen zu Hause nur kläglich aus der Leitung rinnt, kann es natürlich sein, dass zu wenig da ist, aber es kann auch sein, dass Sie zu hoch wohnen.
Wasserversorgung bedeutet, neben dem Wasser auch den passenden Druck zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderungen der Wasserversorgung beginnen dort, wo es viele Stockwerke gibt, wo die Häuser hoch sind.
OT 1
Paul Hellmeier ist der Chef aller Wiener Wasserpumpen und Hebewerke. Magistratsabteilung 31, Wiener Wasser. Man könnte sagen, „er verteilt das Wasser in der Stadt“. Es läuft kostenlos über zwei Hochquellwasserleitungen bergabfließend nach Wien hinunter, wo es zunächst in 30 Behältern gesammelt wird, die sich wiederum über den meisten Häusern befinden.
OT 2
Mehr als diese 30-60 Meter Höhendifferenz zu diesen Sammelbehältern soll es auch nicht werden, denn dann wäre der Druck zu stark, das Wasser würde aus der Leitung spritzen.
OT 3
Wenn es einmal zu viel Druck gäbe, weil die Häuser eines Stadtteils tiefer liegen, dann gibt es technische Möglichkeiten aus diesem Zuviel an Druck, an Energie, Strom zu erzeugen, in sogenannten Süßwasserkraftwerken. „Wir haben ja nichts zu verschenken“, sagt Paul Hellmeier. Hohes Wasser ist kostbares Wasser.
OT 4
Gibt’s dann aber nicht umgekehrt im Erdgeschoss Überdruck?
OT 5
Stück für Stück, 5-Stockwerke auf einmal nehmend, wird das Wasser also hinaufgepumpt. Warum nicht alles gleich nach oben pumpen?
OT 6
Zusammenfassend, meint Paul Hellmeier vom Wiener Wasser, wer Wasser hoch oben haben möchte, weil er oder sie ein hohes Haus besitzt oder betreibt, muss dieses hohe Wasser durch den elektrischen Betrieb der Pumpen selbst bezahlen.
ABMODERATION
Wie kommt das Wasser in den 20. Stock? Ein Rätsel des Alltags, gelöst von Lothar Bodingbauer.
Ich habe mein „lokales Hörmaximum“ gefunden, das bessere Ergebnisse als Noice Cancelling bringt. Und zwar eine Kombination aus angepassten Schallschutz Ohrenstöpsel für 65€ und Knochenschallkopfhörer für 120$.
Die Knochenschallkopfhörer habe ich schon seit zwei Jahren, die legen zur Umgebung einfach eine (Podcast-)Stimme drauf, wie wenn jemand neben einem hergeht und mit einem spricht. Radfahren möglich, man hört sonst alles.
Aber wenn ich das „Alles“ mit den Ohrenstöpseln wegmache, dann spricht jemand ruhig zu mir.
Ein Traum. Stille! Mit diesen unglaublich weichen Ohrenstöpsel im Schlafwagen, beim Busfahren und vor allem auch im Bett neben der Strasse. Und dann, wenn man Lust hat, einen Podcast auf die Stille addieren.
Utopien in Wien: Energie-Unabhängigkeit, Arbeiten auf Reisen und Irish Dance
In diesem Sommer erzählen Menschen in ganz Österreich, wie sie idealerweise leben möchten. Nicht in einer fernen Zukunft, sondern jetzt – aber manchmal nimmt die Gegenwart die Zukunft vorweg.
Zum Beispiel, wenn in Wien der Ingenieur und Tüftler Peter Ott von der Selbstversorgung mit Energie träumt – und schon damit beginnt, sie in die Wirklichkeit umzusetzen.
Oder wenn zwei junge “Digitalnomaden”, die Fachleute für IT und Neue Medien Nina Benkotic und Robert Strobl, sich ihren idealen Arbeitstag in der Zukunft vorstellen.
Oder wenn die Schülerin Adriana Gerstner Musik, Sport und die Erfahrung von Gemeinschaft verbindet: “Ich habe einen Traum von einer Welt, wo man etwas für einander macht und nicht übereinander, sondern mit einander redet.”
Punkte, Streifen, Flecken, Blüten
Vielfalt der Stoffmuster
Ein „Podcast-küsst-Radio“-Projekt.
Es ist eine ganze Industrie, die Musterindustrie, die sich mit der grafischen Gestaltung von Stoffmustern beschäftigt. Ob Karo, Fischgrat, Hahnentritt, Glencheck oder Nadelstreif – die Klassiker sind allen gut bekannt. Der Hunger des Marktes nach immer neuen Formen und Ideen ist groß. Viele traditionelle Muster haben sich aus der Art der Webtechnik ergeben. Drucke erweitern diese Möglichkeiten und in zunehmenden Maße sind auch individuelle Muster von Kundinnen und Kunden gestaltbar. (Lothar Bodingbauer)
Dieser Text entstand durch ein Anonymes PAD, an dem alle mitschreiben konnten, die wollten.
Beobachtungen:
Schularbeiten und Ergebnisse:
Oft ist die Stoffangabe unklar. Was soll gelernt werden, was soll gekonnt werden.
Die Anzahl an Nicht genügend bei den Schularbeiten ist riesig.
Unterricht vor Ort:
Unterricht beschränkt sich oft auf das Vorrechnen von Beispielen.
Fragend-entwickelnder Unterricht funktioniert bei den “neuen Beispielen” nicht mehr als Standardmethode.
Lehrer wissen auch oft nicht, wo sie anfangen sollen.
Anwesenheiten (Schule für junge Erwachsene): oft kommt jemand nur jedes zweite Mal. Das geht nicht.
Viele Schüler:innen wollen nicht reden.
Viele Schüler:innen können nicht reden.
Lernen:
Schlechte Schüler wissen nicht, wo sie anfangen sollen.
Viele SuS fangen oft sehr spät/kurzfristig zum Lernen an.
Einige SuS lernen nicht, sondern lesen nur oberflächlich ohne zu reflektieren.
Vorschläge:
Klare Listen für jedes Semester, was man können muss. Mit Übungsbeispielen aus den Büchern. (Anmerkung: <– dazu gibt es doch den Lehrplan und die Kompetenzen <– Antwort: Wir können jeden Punkt daraus so zur Schularbeit geben, dass ihn niemand beantworten kann, und es ist aus Sicht der Studierenden sehr oft unklar, wo sie anfangen sollen, nachzulernen, auf welcher Ebene; „grün unterlegte Beispiele“ aus Büchern helfen, aber wenn dann trotzdem etwas anderes kommt, gibt es Probleme. Ich muss mich als Lehrer verlässlich & vorhersagbar daran halten)
Maßnahmen, dass Schüler:innen selbst die Lehrer:innenrolle übernehmen.
Mathe-Partys. Mathe Clubs. Auch die Guten brauchen Motivation. Gibt es Erfahrungen?
Erfolgsgeschichten ein, zwei mal pro Semester, vorgestellt
Meine eigenen “Versuche” im Unterricht (BHS):
Wöchentlich wird durch kleine schriftliche Wiederholungen (eine Aufgabe) das zuvor Gelernte “abgeprüft” und somit bekommen die SuS Rückmeldung, was sie z.B. falsch verstanden haben.
Die SuS müssen selbst über besprochene Stoffgebiete Zusammenfassungen schreiben (klassische Zusammenfassung, Mindmap, Video drehen, Folder, selber Fragen erstellen (Kahoot)…)
SuS viel selber rechnen lassen, ev. eine Musterlösung bereit stellen (geht mit Aufgabenpool recht gut) –> SuS haben dann die Möglichkeit, nicht vor allen anderen Leuten, sondern die Lerperson persönlich Fragen zu stellen
Lernvideos einsetzen, bzw. “Flipped Classroom” – falls möglich
Erste Hilfe:
Fragen an Studierende: Was ist das Problem?
Wie teilst du dir deine Lernzeit ein?
Wie gehst du vor, wenn du nicht mehr weiter weißt?
Mehoden besprechen, wie Hilfe geholt werden kann. Mit welchen Sätzen.
Worte- und Vokabeltraining. Es ist gar nicht klar, ob nicht jemand das Wort “Gelände” mit “Geländer” verwechselt.
Weitere Gedanken:
Was tun, mit Leuten, die nichts können?
Die Studierenden lernen zu wenig.
Sie können mit Fehlern nicht adäquat umgehen.
Sie haben ihre Unterlagen nicht geordnet.
Positive Bestärkung wirkt immer noch am besten.
Rückmeldungen über Lernerfolg / Misserfolge werden oft fatalistisch gesehen.
Stress ist unfassbar kontraproduktiv in Mathe – aber viele beginnen nicht zu lernen ohne Stress.
Verantwortungen sind zu trennen: wer muss wofür Verantwortung übernehmen?
Wir müssen mehr voneinander wissen, es geht nicht mehr, dass wir isoliert unser Ding machen.
Wenn von 20 Handystunden pro Woche nur 5 Stunden zur Mathematik wandern, wäre das Problem gelöst.
Es gibt viele Insel-Initiativen. Was fehlt, sind große Stimmungen und Trends. Fairs/Konferenzen zum Austausch.
Viele Maßnahmen führen dazu, dass die Lehrer immer besser werden, nicht die Schüler.
Alles ist unüberschaubar.
Schnittstellen Abendschule – Tagesschulen. Wer kommt wann warum.
Ein “Podcast küsst Radio“-Projekt von Lothar Bodingbauer, Mitarbeit: Ingrid Rachbauer
Am 14. Juli 2019 wird im ORF Österreich 1 Radioprogramm eine 45-minütige Sendung ausgestrahlt.
Blumen, Hahnentritt, Punkte, Bauernkaros: Die komplexe Welt der Stoffmuster
Es ist eine ganze Industrie – die Musterindustrie – die sich mit der grafischen Gestaltung von Stoffmustern beschäftigt. Ob Karo, Fischgrät, Hahnentritt, Glencheck oder Nadelstreif – die Klassiker sind bekannt. Der Hunger des Marktes nach immer neuen Formen und Ideen ist groß. Viele traditionelle Muster haben sich aus der Art der Webtechnik ergeben. Drucke erweitern diese Möglichkeiten und in zunehmendem Maße sind auch individuelle Muster von Kundinnen und Kunden gestaltbar.
LUT087: Thomas Lassenberger (Oberst, Bundesheer Brunn/Gebirge)
LUT088: Maria Huber (Trachten/Dirndl, Heimatwerk Linz)
Es hat viel Spaß gemacht, mit allen Beteiligten zu reden. Vielen Dank für die Beschreibungen, Einblicke und Gedanken. Rückmeldungen? feedback@sprechkontakt.at
Wer das Angebot hat, für zwei Jahre an der Österreichischen Schule in Guatemala zu unterrichten, muss zunächst alle Familienmitglieder befragen. Jede:r könnte mit – in Form eines Auslandsschuljahres, oder in Form eines Karenzjahres für die mitreisende Partnerin. Aber jeder muss zustimmen, denn die Kinder sind zu alt, um sie einfach einzupacken, und zu klein, um sie alleine in Österreich zu lassen. Wir haben uns gemeinsam entschieden – zuhause zu bleiben. Wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind, und warum alle damit zufrieden sind, das beschreibe ich hier.
Aus zeitlichen Gründen hat sich die Bewerbung mit anschließender Bestätigung der Entsendung und die Entscheidung der Familie überlappt. Wir haben also nicht vor der Bewerbung entschieden. Das hatte für den Arbeitgeber Nachteile, es wurde aber im Bewerbungsgespräch von mir ausdrücklich angesprochen.
Wir wussten also: den Job gibt es. Und jetzt müssen wir herausfinden, ob “wir” ihn annehmen. Technisch sind mitreisende Kinder und Partner absolut willkommen, gerade an einer österreichischen Schule ist alles mit der Bildungsschiene in Österreich kombinierbar für die Kinder.
Wir haben den Informations- und Diskussionsprozess von der eigentlichen Entscheidung getrennt. Es war also klar, dass niemand an irgend einem Punkt eine Entscheidung trifft, bevor wir nicht gemeinsam am Entscheidungstisch sitzen.
Schritt 1: Entscheidungs-Matrix
Was spricht für oder gegen “gehen”, was spricht für oder gegen “bleiben”. Jeder der vier Beteiligten schreibt auf eine bestimmte Post-it Farbe die Argumente und positioniert sie im jeweiligen Quadranten. Besonders wichtige Punkte können mit einem extra Klebesymbol (Pferd, Blume, Stern, etc.) gekennzeichnet werden. Interessant war für die Kinder, dass ein Argument für das Gehen nicht unbedingt ein Argument gegen das Bleiben war. Alle vier Felder brauchen eigene Gedanken. Dieser Schritt hat sehr gut funktioniert, das Plakat wurde an die Zimmertür gehängt.
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Wir haben danach immer wieder im Raum miteinander gesprochen und konnten auf die Tür verweisen. Was man sieht ist, dass es bei niemandem nur Nachteile gibt, dass es bei niemandem nur Vorteile gibt, dass sich das Verhältnis der Vor- zu Nachteilen bei allen vier Personen stark unterscheidet. Die Sache würde also komplex werden.
Schritt 2: Weitere Informationen
Ein zweitägiges Seminar folgte und es kamen Informationen aus dem Ministerium, was Bezahlung und weitere Modalitäten betrifft. Und es folgten Gespräche mit einer Lehrerin der Schule, die bei diesem Seminar dabei war und beim Abendessen auch für Fragen der Familie zur Verfügung stand. Schwierig war, alle Familienmitglieder an diesen Tisch zu bekommen, weil sonst eigentlich eine Vorentscheidung getroffen worden wäre, wenn man diese besonders wertvollen Informationen nicht abholt oder erfragt.
Schritt 3: Bauchgefühl
Es war keine Eindeutigkeit bzw. Einstimmigkeit vorhanden. Zu sehr waren die Beweggründe, Wünsche, Sorgen, Hintergründe unterschiedlich, verwoben, vermischt und verwischt. Gespräche mit dem größeren Familienkreis brachten zusätzliche Informationen für Zwischen- oder Teillösungen. Einer von uns könnte beginnen, nach dem ersten Jahr könnte man nachkommen. Eine Ferienreise würde das Gebiet zeigen, man würde besser wissen, wofür- oder wogegen man entscheidet. Aus alldem entwickelte sich aber kein gemeinsamer eindeutiger Trend.
Schritt 4: Aufschlüsselung der Entscheidungsarten
Chefentscheidung: Geht nicht, da die beiden Erwachsenen keine klare Chefrolle beanspruchen, sondern recht fluid und austauschbar diese Rolle ausüben.
Mehrheitsentscheidung: Geht nicht, da es scheinbar 2:2 stand.
Eindampfen der Möglichkeiten: Kann gemacht werden, wenn viele verschiedene Möglichkeiten vorliegen, die man gruppieren und sortieren kann. War aber nicht, denn es gab nur eine Entscheidung: das Angebot anzunehmen, oder nicht. Die Zusage musste bis Schulende (innerhalb 14 Tagen) erfolgen.
So gesehen war an dieser Stelle eine Patt-Situation, die eigentlich ein “nein” als einzige Möglichkeit zuließ. Das hätte aber zumindest zwei von vier Personen frustriert. Die eine Gruppe hätte der jeweils anderen Gruppe die Schuld geben können, später vielleicht, eine positive Lebensentscheidung verhindert zu haben.
Das wollten wir nicht, daher eine vierte Art der Entscheidung, die aus dem Gebiet der Soziokratie kommt.
Es ist die Suche nach den inakzeptablen Szenarien: Es geht darum, dass jede:r eine Position formuliert, die für sie oder ihn definitiv nicht möglich ist. Dafür brauchten wir eine gute Stunde Zeit. Es war inhaltlich gut machbar, weil wir bereits alle möglichen Punkte kannten. Neu war die Art zu denken: Was möchte ich nicht, dass eintritt, auf keinen Fall. Trotz aller Zwischen- und Mischlösungen, was sollte nicht sein. Diese Position konnte jede:r formulieren (Schritt 1), und jede:r am Tisch hörte diese Formulierungen. Daraufhin (Schritt 2) formulierte jede:r Szenarien, die trotz der vier verschiedenen “no-go´s” möglich wären.
Und da war es dann klar: das einzige Szenario, das alle vier klaren Negativ-Positionen wertschätzt (acknowledged), war, das Angebot des Ministeriums nicht anzunehmen, nach Guatemala zu gehen.
Interessant dabei war, dass die Sache auf einer höheren Ebene Widersprüche gezeigt hat. Wer die “PM-Logikrätsel” kennt, weiß, dass es erst durch die Kombinationen von Elementen Umstände und Informationen gibt, die neuartige Erkenntnisse zu lassen. So war das auch bei uns. Durch die Formulierung eines bestimmten “no-go´s” musste ein anderes “no-go” geändert werden, was eine Verkettung zutage brachte, die zu Beginn nicht einsehbar war. Wenn man dann die Positionen beider Personen berücksichtigt, war das letzte mögliche “wir gehen nach Guatemala” Szenario nicht mehr im Rennen, und als einzige Möglichkeit blieb “nicht annehmen” über.
Wir verblieben an diesem Abend, dass wir mit der Entscheidung noch bis zum nächsten Tag warten würden, falls noch jemandem etwas einfällt.
Schritt 5: Die Entscheidung
Am nächsten Tag kamen wir am Küchentisch zusammen, besprachen die Möglichkeiten, eine Entscheidung zu treffen: Chef, Mehrheit, Eindampfen und die “Suche nach dem inakzeptablen Szenario”. Wir stimmten dafür, unsere Entscheidung nach dieser vierten Methode zu treffen. Somit haben wir nicht abgestimmt, ob wir nach Guatemala gehen oder nicht, sondern wir haben abgestimmt, wie wir entscheiden. Das war sehr spannend zu sehen.
Der Vorteil dieser Entscheidungsart war für uns sehr wichtig:
Niemand ist “schuld” an der getroffenen Entscheidung. Sie konnte nur gemeinsam entstehen. Wir können einander nicht zuschreiben, Grund für die Entscheidung zu sein. Das nimmt die Verantwortung von allen Schultern, besonders auch später in einigen Jahren.
Jed:r einzelne hätte eine „für-Guatemala“-Entscheidung ermöglichen können, indem auf die jeweilige “no-go”-Position verzichtet worden wäre. Da aber im Mittelpunkt unseres Wunsches war, diese vier Positionen zu respektieren und einzuhalten, war dies keine mögliche Option. Warum? Wir kennen Menschen, die durch Umstände, denen sie ausgesetzt waren, durch Entscheidungen, an denen sie nicht mitarbeiten durften, ein Leben lang betroffen sind.
Und wie ist es bei Euch? Habt ihr auch Erfahrungen mit komlexen Entscheidungen gemacht? Mail an lothar@sprechkontakt.at
Epilog: Der Schuldirektor hat sehr verständnisvoll reagiert und die Einladung ausgesprochen, sich wieder zu bewerben, wenn die Stelle in dieser Fächerkombination neu ausgeschrieben wird und sich die familiäre Situation geändert hat.
Dank an Ingrid/Linda/Alexandra für die Entscheidungsmatrix, Dank an Gottfried für das Erzählen der Methode der Soziokratie, Dank an alle Beteiligten für die Geduld.
Update 2022: Über das Mindset beim Entscheiden spricht die Psychologin Agnes Justen-Horsten in Folge 98 von Nicolaus Kreutters Auswanderer-Podcast.