Radio, Science, Education

Wien

Vom Leben der Natur

  • 085. Taufliege

    Taufliegen sind jene lästigen winzigen Fliegen, die sich in unseren Obstschüsseln tummeln. Eine davon ist Drosophila melanogaster, die als Modellorganismus der Entwicklungsgenetik große Berühmtheit erlangt hat und als eines der am besten erforschten Lebewesen gilt. Jährlich erscheinen mehr als 4.000 Publikationen über Drosophila, und dennoch gibt es Organe bei dieser Insektenart, die nahezu unerforscht sind. Auch nach 100 Jahren intensiver Forschungen lässt sich bei Drosophila noch immer wissenschaftliches Neuland beschreiten. Es spricht: Carlos Ribeiro, Genetiker im Labor Barry Dickson, IMP – Research Institute of Molecular Pathology (Vom Leben der Natur / ORF Radio Österreich 1 ab 2. Juni 2008 )

    Programmtext

    Die Fruchtfliege (Taufliege) ist ein bedeutender Modellorganismus für Genetiker. An ihr kann unter verhältnismäßig einfachen Bedingungen erforscht werden, wie Gene dazu beitragen, komplexe Strukturen und Verhaltensmuster von Organismen auszubilden.
    So unscheinbar diese Fliege ist, so spannend sind ihre Verhaltensweisen, was Partnerwahl und Essverhalten betrifft.

    Am Wiener Institut für Molekulare Pathologie wurde eine “Fliegenbibliothek” eingerichtet, ein Zentrum für den weltweiten Versand von genetisch veränderten Fruchtfliegen.

    Kontakt

    Carlos Ribeiro, Genetiker im Labor Barry Dickson
    IMP – Research Institute of Molecular Pathologie
    Dr. Bohr-Gasse 7
    1030 Wien


    Teil 1: Ein historisches Umfeld


    Teil 2


    Teil 3


    Teil 4


    Teil 5


    Hinweis: Die einzelnen Teile stehen gesamt als Physikalische Soiree 135 zum Hören zur Verfügung.

  • 084. Meeresströmungen

    Nicht nur für Seefahrer sind Meeresströmungen von großer Bedeutung, sondern auch für Fischfang und Landwirtschaft. Wasser in Bewegung bedeutet Energietransport – oft über weite Strecken. Kaum eine Meeresströmung ist etwa so berühmt wie der Golfstrom. Er transportiert große Mengen an Wärme nach Europa, von seiner Exitenz hängt Vieles in Europa ab. Längst sind nich alle Mechanismen geklärt, die für das Entstehung und die Aufrechterhaltung von Meeresströmngen von Bedeutung sind. Zu grobmaschig ist das Netz der Beobachtungen, zu komplex die zugrundeliegenden dynamischen Vorgänge. Die Sendereihe erzählt über die physikalischen Aspekte von Meeresströmungen und ihre Bedeutung für die Kulturlandschaften der Erde.

    (Ab 1. Juni 2008 – das genaue Datum der Ausstrahlung ist unklar)

    Interviewpartner: Michael Hantel, Meteorologe (Link zu Wikipedia)

    Meeresströmungen — Wassermassen in Bewegung

    Der Meteorologe Michael Hantel über Meeresströmungen

    Teil 1: Der Transport von Energie

    Erde ist von 70% von Wasser bedeckt. Klimatisch ist der Ozean daher sehr wichtig. Meeresströmungen sind eine Komponente. Wasser fließt, Wellen, sie bewegen Wasser hin und her. Wellen sind keine Meeresströmungen. 

    Meeresströmungen sind das, was übrigbleibt, wenn man sich die Wellen wegdenkt. Die Variabilität muss man sich auch wegdenken. Gezeitenströmungen zum Beispiel. 7 m/s in Irland. 

    Oststrom: West nach Ost. Ostwind: Aus Osten. “Ein westwärtiger Strom” ist einfacher zu verstehen 0,1 m/s = 0,2 Knoten, 360 m/ Stunde.

    Beispiele: Golfstrom, Kuroshio, Äquatorialströmung, Antarktischer Strom.

    Messung: Meeresströmungen merkt man nicht am Schiff. Columbus nach Amerika: geografische Position „heute“ + Kurs. Auf der Karte. Er rechnet vor. Er ist aber wo anders. Die Differenz ist die Meeresströmung. Segelt 6 m/s, Golfstrom nach Norden 6 m/s. Er segelt daher nach NW – nicht auf die Antillen. Sondern Cape Caverast in Amerika.

    Viele Geheimnisse. In welchen Bewegungsformen steckt die hauptsächliche Energie? In den kleinen Wirbeln im Golfstrom, die Golfstromwirbeln. Das sind ziemlich tiefgehende Drehbewegungen des Wasserkörpers, 1000m, nicht dauernd beobachtbar, das geht einem ständig durch die Lappen. Weil das aber für Wärme und Energietransport wichtig ist, sind da viele Fragezeichen.

    Auch die Tiefenzirkulation ist nicht ständig beobachtbar.

    Teil 2: Das Phänomen der Ekman Spirale

    Wie setzt sich die Strömung an der Oberfläche nach unten hin fort? Beim Fischen wird zum Beispiel die Leine mitgenommen: Das Phänomen der „Ekman Spirale“.

    Fridtjof Nansen versuchte den Nordpol zu erreichen. Bäume aus Sibirien wurden an der Küste von Grönland gefunden, Lerchen. Daraus schloss er, dass es am Nordpol kein Land gibt. Das Schiff „Fram“ fror im Eis fest. 1893–1896. Nansen beobachtete Wind aus Osten. Das Eis wurde nicht nach Westen geführt, sondern nach Nordwesten. Wind aus Westen, Eis nicht nach Osten, sondern Südosten. Eis wurde um 45° nach rechts abgelenkt. Drift.

    Nansen erzählte das in Bergen seinen Studenten. Ekman machte eine Theorie und löste das Problem in einer Nacht. Die Drehung kommt durch die Erdrotation zustande. Ostwind. Durch Reibung möchte er Reibung nach Westen mitnehmen. Warum nimmt er das mit? Wie ein Jugendlicher auf dem Surfbrett, er rennt hin, springt drauf, bei diesem Sprung gibt er seinen Impuls an das Surfbrett weiter. Jugendlicher ist der Wind, Surfbrett das Wasser. Weil sich Erde dreht, wird diese Strömung nach rechts abgelenkt. Kraft, die nach rechts geht, und die Kraft nach vorne, das sind 45 Grad. Nach unten immer weiter. Die obere Wasserschicht wirkt auf die untere. Noch weiter nach Norden, die noch weiteren Schichten fließen nach Norden und noch tiefer nach Osten zurück. Von oben alle verbundene Strömungsvektoren: eine Spirale, die sich auf ein Schwänzchen zusammenzieht. In den hohen Breiten. Am Äquator: Null. Das ist die Ekman Spirale. Das erklärt auch Eisdrift an der Oberfläche, auch Strömungsmessung von Nansen durch das 3 m dicke Polareis, Strömungsmessung in der Tiefe.

    Link: Die Korkenzieherströmung, auch Ekman-Spirale – https://de.wikipedia.org/wiki/Korkenzieherströmung

    Teil 3: Das Zusammenwirken von Kräften

    Die Menschheit hat immer Seefahrt betrieben. Äquatorialströme: Pazifik und Atlantik, Wasser von Osten nach Westen, über 20.000 Kilometer. Durch den             Passat getrieben, durch Wind. Dieser Windantrieb ist ein Transport von Impuls. Das heißt, dass der Wind einen horizontalen Impuls hat, wenn er weht. Und dass er den jetzt auf das Wasser überträgt. Dadurch entsteht die Wasserströmung in Windrichtung. Das ist die eine Kraft, die wirkt. Die andere Kraft ist die Schiefstellung der Meeresoberfläche. Wasser steht waagrecht, aber es sind ständig Kräfte da (der Wind etwa), die im Wasser Höhenunterschiede produzieren, kleine Berge und Täler. Wenn die Meeresoberfläche nicht exakt gerade ist, sondern an einer Stelle einen Berg bildet und einer anderen Stelle ein Tal, dann muss das Wasser vom Berg zum Tal fließen. Weil im Wasser Hochdruck herrscht. Das Wasser versucht vom Berg zum Tal zu fließen. 

    Man nennt diese Kraft, die das Wasser treibt, die Druckgradientkraft. Wir haben also Wind, Druckgradientkraft, und die dritte Kraft, die genauso wichtig ist, ist die ablenkende Kraft der Erdrotation. Das ist eine ganz unanschauliche Geschichte. 

    Da stellen Sie sich vor: wer hat schon mal den Film „Takshis Castle“ gesehen? Folgende Situation: die jugendlichen Wettbewerbsteilnehmer müssen über ein langes Brett gehen, ungefähr 10 m lang. Das Brett führt über ein Wasserbecken, in das darf man nicht fallen. Der Witz ist nun, dass sich das Brett in 1 Minute um sich selbst dreht. Man kann vom Rand an einer Stelle auf das Brett hinaufkommen. Und dann kommt man über Wasser und nach einer halben Umdrehung kommt das Ende vom Brett an dieser Stelle wieder vorbei. In der Zwischenzeit muss man über das Brett gegangen sein, dann kann man wieder ausseigen. Wenn man das nicht weiß, ist das zum Totlachen. Man muss die Jugendlichen sehen, die über das Brett laufen und von einer mächtigen Kraft abgelenkt ins Wasser fallen. Es schaffen es nur ganz wenige. Und diese Ablenkung heißt Corioliskraft. Man muss den Corioliseffekt wissen. Wenn man ihn weiß, kann man ihn berücksichtigen, dann braucht man sich nur vorher gegen die Kraft zu stemmen.

    Zurück zur Meeresströmung: dieser Prozess des Ausgleichs zwischen der der Schrägstellung der Wasseroberfläche, das ist ganz wenig, 1 m pro Tausend km. Das sehen Sie gar nicht. Das ist die eine Kraft, und die andere Kraft ist die Corioliskraft, und die ist auch sehr schwach, die kennt man normalerweise nicht. und der Takashi-Castle-Spieler, der sieht die nur, weil er sich in einer ganz abnormen Situation befindet. Aber das Wasser, das Tag und Nacht der Erddrehung ausgesetzt ist, und diesen schwachen Kräften ausgesetzt ist, merkt die Corioliskraft, die Schiefstellung der Oberfläche, und bewegt sich unter diesen beiden Kräften. Und diese verschiedenen Kräfte wirken zusammen. Das nennt man das „Geostrophische Gleichgewicht“.

    Ein Beispiel ist der Nordäquatorialstrom. Er fließt von Ost nach West, und wenn Sie sich die Karte ansehen, dann sehen Sie, dass die Wasseroberfläche im Atlantik und im Pazifischen Ozean ganz leicht nach Süden hin ansteigt. Dieser Ausgleich ist der ganz wichtige Ausgleich der Meeresströmung, dass die Balance der Meeresströmung im freien Weltmeer.

    Ein anderes Beispiel ist der antarktische Wasserring. Das ist ein Strom, der um die Antarktis von West nach Osten permanent herumläuft. Das ist das Reich des Albatros, und in dieser Gegend haben wir eine Strömung, die sonst im ganzen Weltmeer in dieser Stärke nicht erreicht wird. Da passiert das Entsprechende. Auf der Südhalbkugel steigt der Wasserspiegel zu Antarktika hin an.

    Der Golfstrom hat, der Kuroshio hat das, der Nordäquatorialstrom hat das. Und dieses Gleichgewicht sorgt dafür, dass Strömungen über 1000e km in eine Richtung fließen können.

    Teil 4: Die Bedeutung des Golfstroms

    Man muss mal im Golfstrom getaucht haben. Man muss gesehen haben, wenn die Wellen durchfließen und wenn die goldenen Schwärme von Fischen zu 1000en, kleine 10 cm lange Fische, 1000 Fische unter der Wasseroberfläche stehen, dann in der Welle gleichmäßig mit rauf und runtergehen. Und wenn die Sonne reinscheint und man wieder auftaucht, muss man das fast UV-blaue Licht auf der Wasseroberfläche gesehen haben. Man kann UV-Licht nicht sehen, aber wenn man dieses tiefe Blau sieht, denkt man, dass man UV sehen kann.

    Der Golfstrom ist bedeutend auf ganz vielen Gründen. Einer davon ist, dass er riesige Mengen von Wärme aus der Golfregion in die Polargebiete transportiert. Ein anderer ist, dass er das Gebiet der stärksten Sturmtätigkeit in der Atmosphäre markiert. Das hängt damit zusammen, dass durch die Wärme am Golfstrom ein sehr starker Vertikalaustausch von Wärme und Feuchte zwischen Ozean und Atmosphäre passiert. Er ist also energetisch äußerst wichtig, nicht nur der Golfstrom, sondern der Curoshio im pazifischen Ozean genauso.

    Was ist das Besondere am Golfstrom? Im Passatgebiet herrscht Hochdruck in der Atmosphäre. In den Subtropen, bis in die Tropen hinein, herrscht über dem Weltmeer, dem Atlantik und auch über dem Pazifik ein Windsystem, das von Nordosten her weht. Das ist der NO-Passt. Er weht von NO nach Südwest. Er ist sehr beständig, er treibt die Seefahrer auf ihren Weltumsegelungen von Europa nach Amerika. So ist Columbus nach Amerika gesegelt, im NO-Passat. Auf der Südbhalbkugel ist es der SO-Passat. Er weht auch nach O aber mit einer Komponente von S nach N. Die Passate treffen sich am Äquator und treiben das äquatoriale und das subtropische Strömungssystem am Ozean. Jetzt haben wir gleichzeitig nicht nur Winde dort, sondern auch Druck. Das Passatgebiet über dem subtropischen Ozean herrscht relativer Hochdruck in der Atmosphäre. Das Besondere ist, dass sich im Hochdruckgebiet die Luft entgegen der Erdrotation dreht, das nennt das „antizyklonal“. Das ist mit dem Linkswalzer vergleichbar. Die Erdrotation ist ein Rechtswalzer, die Antizyklonalrotation ist ein Linkswasser. Diese Linkswasserdrehung der Luft wird auf das Wasser übertragen. Das heißt, das Wasser bekommt Linkswalzerdrehung mit. Gleichzeitig führt der NO-Passat aber dazu, dass das Ozeanische Oberflächenwasser als Ganzes nach Süden fließt, nach Südwesten. Vor der amerikanischen Küste muss es wieder nach Norden zurück, sonst würde der Atlantik nach Süden leerlaufen. Wenn der Strom an der Westseite nach Norden zurückfließt, konzentriert er sich auf einen schmalen Küstenstreifen. Er ist nicht viel breiter als 100 km, vergleichen mit dem etwa 5000 km breiten Atlantik. Durch diesen schmalen Streifen muss das Wasser wieder nach Norden zurück, das heißt, das Wasser muss 50-mal so schnell sein im nordwärtigen Teil wie im südwärtigen Teil, um den Ausgleich zu machen. Im Golfstrom herrscht ungefähr 5 m/s, das sind ungefähr 18 Stundenkilometer. 20 km/h. 

    Das Beständigste am Golfstrom ist seine ständige Veränderlichkeit. Er ist hochvariabel, er bildet Ringe, er fluktuier, er mäandriert. Und er ist jedes Jahr anders. Das ist das Normale. Jetzt hört man, der Golfstrom bricht zusammen. Das stimmt nicht. Ja, er bricht immer wieder zusammen und dann bildet er sich immer wieder neu. Er muss sich immer wieder neu bilden, der Mechanismus des Golfstroms ist so stark. Wenn die atmosphärische Zirkulation auch weiterhin die Aufgabe hat, das globale Windsystem aufrechtzuerhalten und dabei den Wärmetransport und den Drehimpulstransport und den Wassertransport in die hohen Breiten zu bewerkstelligen, dann muss das atlantische und das pazifische Stromsystem so funktionieren, dass dort immer dieser Linkswalzerimpuls aus der Atmosphäre in den Ozean hineingeht und dann ist der Golfstrommechanismus immer aktiv. 

    Das heißt, der Golfstrom kann nicht zusammenbrechen. Der Golfstrom wird sozusagen, wenn er mal schwächer geworden ist, ständig neu gebildet.

    Teil 5: Die Kälte der Tiefsee

    Als die Amerikaner in den 50er Jahren das Problem des radioaktiven Abfalls hatten, kamen sie auf die Idee, das am Meeresboden abzulagern. Da wurden Experten befragt, ob das gefährlich sei, weil man eigentlich der Meinung war, dass es in der Tiefsee überhaupt keine nennenswerten Stromgeschwindigkeiten mehr geben könnte. Und ich weiß, dass mein Lehrer Georg Wüst damals gewarnt hat und Stromgeschwindigkeiten in der Gegend von 10 cm pro Sekunde, das ist also eine ziemliche Schneckengeschwindigkeit, das sind so kleine Geschwindigkeiten, dass man die normalerweise nur dadurch messen kann, dass man dort Unterseeboote hinschickt. Die würde aber reichen, um radioaktiven Abfall, den man dort ablagert, im Laufe der Zeit dort wegzutragen. Daraufhin wurde dieses Projekt abgeblasen, und ich weiß noch, mit welchem Stolz Wüst die ersten direkten Strommessungen und Fotografieren von dem Meeresboden zeigte. Da gibt es nämlich Rippeln, die bilden sich erst bei mindestens 10 cm Stromgeschwindigkeit. Das war der Beweis, dass es am Meeresboden Wasserbewegungen gibt. Auf diese Weise ist verhindert worden, dass radioaktiver Abfall am Meeresboden abgelagert worden ist.

    Diese Strömungsgeschwindigkeiten in der Tiefsee: Es fließt vor allem das kalte Wasser unten zum Äquator hin. Woher kommt dieses kalte Wasser? Warum ist der Ozean unten überhaupt kalt. Das Innere des Meeres ist doch warm? 

    An der Oberfläche ist das tropische Wasser warm. Aber das Tiefenwasser ist kalt, ungefähr 4 Grad, 3 Grad, 1 Grad. Ganz kalt. Das kann doch eigentlich gar nicht sein. Und es ist dadurch so, dass das kalte Wasser ständig durch arktisches und antarktisches eiskaltes Wasser gespeist wird. Das passiert auf der Nordhalbkugel, das in einem ganz schmalen Bereich durch die sogenannte Konvektion vor Labrador. In der Labradorsee befinden sich Areale, die sind im freien Ozean zum Teil nur 50 oder weniger km im Durchmesser, da ist das Wasser so kalt, durch Kälteausbrüche aus Kanada und der inneren Arktis, vor allem im Winter, da haben wir dort in der Luft Temperaturen von –20 Grad und weniger. Das Wasser wird abgekühlt und stürzt, weil es kalt ist, und damit schwer, an dieser Stelle im Ozean in die Tiefe und fällt auf 1000, 2000 Meter ab. Das ist eine Art kalter Wasserfall nach unten. Der jetzt am Meeresboden ankommt und sich dort in einem schmalen Strom entlang Amerika südwärts ausbreitet. Das fließt jetzt in Richtung zum Äquator und speist das gesamte ozeanische Tiefenwasser im Atlantik. Dieses kalte Wasser breitet sich nun dann aus, zum Äquator hin aus und wird dort wieder zurückgeführt und das gesamte ozeanische Stromsystem, das im Atlantik entwickelt ist, das im Pazifik entwickelt ist, im Indischen Ozean entwickelt, und das durch den entsprechenden Prozess vor Antarktika, wo es ebenfalls solche Konvektionszellen gibt, die kaltes Wasser nach unten führen und äquatorwärts führen, dieses gesamte ozeanische Stromsystem bezeichnet man als ein Förderbandsystem, die englische Fachbezeichnung ist „Conveyer Belt“. 

    Da geht es zu wie in einem Netzwerk, auf der Autobahn, einer Mischung aus hektischer Schnellbewegung und ganz ruhiger Bewegung dazwischen. Das Interessante ist, dass diese Tiefenzirkulation eigentlich im Wesentlich auf der deutsch-österreichischen Atlantik-Expedition mit dem Forschungsschiff und Vermessungsschiff Meteor 1925–1927 entdeckt wurde. Und das Verrückte ist, dass eben das Wasser nicht, wie man denken sollte, sich völlig gleichmäßig organisiert, sondern sich in starken Strömungen konzentriert. Und die Kräfte, die das bewirken sind immerfort am Werke. Wenn ein solcher Storm sich mal gebildet hat, bildet er sich immer wieder, auch wenn er mal zusammenbricht.


    Filename: radio084_meeresstroemungen_1 Teil 1

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_2 Teil 2

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_3 Teil 3

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_4 Teil 4

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    Filename: radio084_meeresstroemungen_5 Teil 5

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  • 080. Verwandlungskünstler Eis

    Eis existiert in 18 verschiedenen Formen. Gut erforscht sind davon nur das klassische Eis und der uns wohlbekannte Schnee. Alle anderen Formen festen Wassers finden sich teils auf dem Meeresgrund, teils im Weltall, und zum Großteil nur in den Labors der Forscher. Es sind nämlich extreme Druck- und Temperaturbedingungen, die die beteiligten Wassermoleküle zu den exotischeren Eissorten anordnen lassen. Der Chemiker Thomas Loerting von der Universität Innsbruck spricht über das Eis und seine vielfältigen Formen.

    Link: Teil 1 bis 5 in der Physikalischen Soiree 131

    Filename: phs131

  • 079. Falknerei

    Die Jagd mit Greifvögeln hat auch in Österreich reiche Tradition. Auch heute noch trainieren Jäger Geier, Adler, Falken, Uhu, Milan und Bussard, um sie als Jagdhelfer einzusetzen. In der Falknerei Obernberg am Inn werden die Tiere darüber hinaus für die Verwendung in Flugvorführungen ausgebildet. Noch im Ei findet die erste Prägung durch den Falkner statt, der mit den Jungvögeln spricht, sodass sie sich an seine Stimme gewöhnen. Sind sie erst geschlüpft, werden die Vögel von Hand aufgezogen. Das Training danach erfolgt ausschließlich durch Belohnung. Im Idealfall bilden Falkner und Greifvogel eine fein eingestellte Verbindung, die – die Rangordnung im Greifvogelteam genau beachtend – eine komplexe Vorführung erarbeitet und darstellt.

    Es spricht: Helmut Kotlik, Falknerei Burg Obernberg am Inn.

  • 078. Libeccio, Bora, Scirocco und Khamsin

    Durch die Kleinräumigkeit der Landschaft und großen Unterschieden in der Oberflächenbeschaffenheit entstehen im Mittelmeerraum viele unterschiedliche Windsysteme, die meist klingende und charakteristische Namen bekommen haben: Bora, Libeccio, Khamsin, Scirocco, Mistral, Levante, und viele weitere mehr. Mit den Winden verbunden sind Sonne oder Regen, oft Sturm oder Stille, Überschwemmungen und Trockenheit, eine erfrischende Seebrise oder eben auch drückende Schwüle. Die Winde des Mittelmeers sind Ausdruck eines auch im Jahreslauf vielfältigen Lebensraums.

  • 076. Leben im All

    Es spricht: Heinz Oberhummer, Atominstitut der Österreichischen Universitäten: Bis vor einigen Jahren noch war die Suche nach Außerirdischen reine Spekulation und die Forschung darüber ganz und gar nicht wissenschaftlich. Heute können Astrophysiker und Astrobiologen hingegen schon gut abschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es Leben außerhalb der Erde geben könnte. Der Astrophysiker Heinz Oberhummer spricht über Hypothesen, Bedingungen und Möglichkeiten der Existenz von Leben im Weltall.

  • 075. Sonnenwind und Weltraumwetter

    Die Sonne sendet nicht nur Licht zur Erde, sondern auch massive Teilchen, die vom Erdmagnetfeld abgefangen werden. Es entstehen Nordlichter, wenn diese Teilchen mit den Molekülen der hohen Atmosphäre zusammenstoßen. Normalerweise sind diese Polarlichter nur in den Regionen um die Pole sichtbar. Bei großen Sonnenstürmen werden jedoch ausbruchsartig große Mengen von Materie aus der Sonne in Richtung Erde geschleudert und Leuchterscheinungen gibt es dann auch in unseren Breiten. Sonnenstürme bergen dabei durchaus eine Gefahr für Leben, das auf Technologie angewiesen ist: Umspannungswerke können zerstört werden, und Flugzeuge werden angewiesen, die Polrouten zu meiden, da die Strahlung eine Gefahr für das Leben darstellt.

    Gesprächspartner: Helmut Rucker, Österreichische Akademie der Wissenschaften

    Helmut Rucker

    1. Filename: radio075_nat_sonnenwind_1 Lebensfeindliche Bedingungen

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_1

    Vakuum, Strahlung ab 30, 40 km – lebensfeindlich, in der Nähe von Weltraumbedingungen. „Erdnaher Weltraum“. Satelliten ab 250 km Höhe. Ab 10 Erdradien tagseitig (10 mal 6370 km) ist äußere Grenze jenes Raumes mit Erdmagnetfeld – jenseits davon: interplanetare Bedingungen, Sonnenwind.

    Sonne: Einfluss auf alles Geschehen auf der Erde. Strahlung: Licht und Wärme; aber auch: hochleitendes Plasma aus der Sonnenatmosphäre ist Sonnenwind. Plasa: ionisierte Teilchen. Teilchen mit Ladung. Elektronen, Protonen. Strömt von der Sonne ab, 300-800 km/s, braucht ca. 3-4 Tage zur Erde. Verändert das Erdmagnetfeld. Tagseitig zusammengedrückt, nachtseitig zu Magnetschweif ausgedehnt.

    Teilchen von Sonnenwind kann tiefer eindringen in Atomsphäre und Polarlicht auslösen. Weltraumwetter: Einfluss aus interplanetarem Raum, primär von der Sonne, auf die Erde.

    2. Filename: radio075_nat_sonnenwind_2 Stürme aus dem All

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_2

    Sonnenstürme klingt nach Wetter im Weltraum. Eruptionen auf der Sonne, Coronale Massenauswürfe. Lokal auf Sonne, können in Richtung Erde die Erde betreffen. Masse eines schnellen Sonnenwindes 1000 – 2000 km/s, in 1 Tag bei der Erde. Üblicherweise 1 mal pro Woche. Aber auch Aktivitätszyklus der Sonne: 11 Jahre. 

    Update: „4. Februar 2022. Das Raumfahrtunternehmen Space X schickt auf einen Schlag 49 niegelnagelneue Satelliten ins All. Einen Tag später sind 40 davon abgestürzt.“ (SWR)

    Einer der stärksten Auswürfe 2003, Nordlicht auch in Österreich, rötlich in Richtung Norden. Sehr selten dort sonst.

    Magnetfeldänderungen: Wirkungen auf der Erdoberfläche, Ströme in Pipelines, Hochspannungsleitungen. Probleme bei elektronischen Geräten. Stromausfall in Quebec. Auch Radiowellen, GPS verändert, Navigation

    3. Filename: radio075_nat_sonnenwind_3 Eine schützende Hülle

    Filename: radio075_nat_sonnenwind_3

    Magnetfeld lenkt geladene Teilchen ab. Eine Art Strom entsteht auf dieser Grenzschicht, Plasma kann das Magnetfeld nicht durchdringen, würde es fehlen, kämen sie durch. Sind energiereich. Kosmische Strahlung, schädlich. Organisches Leben hätten Probleme, Mutationen. Bemannte Raumfahrt: Mondflüge, Astronauten haben schützende Hülle des Erdmagnetfelds verlassen, Astronauten waren dem ausgesetzt. Relativ kurz allerdings. 

    In Richtung Mars ist das schwieriger. Aufenthalt in Raumkapsel mehrere Monate. Hochenergetische Strahlung von Sonne und galaktischem Raum trifft Raumschiff. Kann intensiv sein, durch meterdickes Blei. Erbschäden. 

    Piloten sind allerdings länger davon betroffen, bei koronalen Massenausbrüchen: nicht so hohe Polrouten. Südlichere Routen.

    4. Filename: radio075_nat_sonnenwind_4 Seltene Phänomene

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    Erscheinungen am Himmel: in Frühzeit Zeichen von Gottheiten, nahes Ende der Welt. Ursache: Sonnenwind. Wechselwirkung mit dem Erdmagnetfeld. Halloween Event Oktover, November 2003: deutliche Erscheinung rötlich über Österreich, ins Bläuliche, Hellgrüne. Unüblich in Österreich. Polarlicht: Aurora Borealis (N), Aurora Australis (S). Dauerte lange, es zu erklären.

    EIndringende Teilchen des Sonnenwinds spiralisierend auf Magentfeldlinien im N und S senkrecht zu Höhen der Atmoshäre, 200, 300 km Höhe. Kollidieren mit Atmosphärennteilchen, Sauerstoff, Stickstoff. Für kurze Zeit regen die Elektronen O und N Atome an, erregte Zustände gehen zurück in den Grundzustand. Das ist das Phänomen „Nordlicht“. Eötlich: Sauerstoff in großen Höhen, Stickstoff ins Bläuliche, gelblichgrün. AUch eine Frage der Höhe.

    Tanzende Gebilde: Vorhänge, Bögen, Strukturen, Bewegung der Leuchterscheinung.

    5. Filename: radio075_nat_sonnenwind_5 Erweiterte Untersuchungsräume

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    1350 Konrad von Lebenberg erstmals beschrieben. Hat lange gedauert, Angstrom, Birkeland (1867-1917) sahen als Physiker einen Zusammenhang mit der Sonne. Grundlagenforschung. Räume, die man untersuchen will, von der Polkappe über Erdoberfläche hinaus in den Weltraum gelegt. 1882: Ausrufung des 1. Arktischen Jahres. Weyprecht. 1932 Abermals Kooperation, 1957/58 Internationales Geophysikalische Jahr, Start des 1. Satelliten. Internationales Heliophysikalische Jahr: Untersuchungsräume in Gesamtes Sonnensystem 2007.

    Forschung mit Satelliten und Höhenforschungsraketen. 

    Magnetic Reconnection: Phänomen bei geomagnetischen Stürken stark. Sonne schickt vermehrt Sonnenwind, an Flanken der irdischen Magnetosphäre treten vermehrt Teilchen ein, besonders nachtseitig. Folgen den Linien und werden in Polargebiete hineingepresst: Nordlicht.

  • 074. Fuchs

    Der Rotfuchs ist in Mittelereupa der einzige Vertreter der Füchse und erlebt derzeit einen großen Aufschwung, was seine Verbreitungsmöglichkeiten betrifft. Füchse sind generell äußerst anpassungsfähige Tiere. Genügsam und anpassungsfähig von Natur aus, hat er mit der praktischen Ausrottung der Tollwut in Österreich seinen größten natürlichen Feind verloren. In der freien Natur eher ein Einzelgänger schließt er sich zum Zwecke der Eroberung der Städte zu größeren Gruppen zusammen. Als ein Mitglied der “hundeähnlichen” Tiere sieht er zwar schlecht, riecht dafür jedoch umso besser und ernährt sich von ziemlich allem, was ihm die Natur und in zunehmenden Maß auch die Stadt an Futter überlässt. Jäger versuchen, sein zahlenmäßiges Aufkommen in den letzten Jahren zu reduzieren, sie haben es dabei nicht leicht, denn die in Märchen oft beschriebene Listigkeit des Fuchses ist tatsächlich vorhanden.

  • 072. Ibmer Moor

    Das Ibmer Moor ist mit 2000 Hektar die größte zusammenhängende Moorlandschaft Österreichs und liegt in den oberösterreichischen Gemeinden Eggelsberg, Moosdorf und Franking. Ein Teil ist als Naturschutzgebiet seit 1973 über den 4km langen Moorlehrpfad der Öffentlichkeit zugänglich. Bemerkenswert ist auch die Mischung unterschiedlicher Moortypen: Niedermoor, Übergangsmoor und Hochmoor. Die zeitweise intensive wirtschaftliche Nutzung der Moorflächen bis in die 1970er Jahre hat die ursprüngliche Vegetation durch Torfstich, Entwässerung oder Beweidung stark geschädigt. Trotzdem befindet sich im Ibmer Moor weiterhin eine große Vielfalt auch seltener Moorpflanzen sowie eines der größten Brachvögelvorkommen Österreichs in Form der Natura 2000 Vogelschutzgebiete Frankinger Moos und Pfeiferanger.

  • 064. Aal

    Anuilla anguilla, der europäische Aal, stellt mit seinen Wanderungsbewegungen in das Bermudadreieck und zurück eine bemerkenswerte Ausnahme in der österreichischen Fischwelt dar. Nur wo er über Rhein und Elbe einen Zugang zum Atlantik hat, kommt er bei uns natürlich vor. Durch Hindernisse und Gefahren auf dem Weg ist der Aal in jüngster Zeit massiv vom Aussterben bedroht. Der Fischökologe Josef Wanzenböck vom Limnologischen Institut der Akademie der Wissenschaften spricht über die Besonderheiten dieses schlangenförmigen und durch seine Lebensweise kryptisch wirkenden Fischs, der schon in Film “Die Blechtrommel” von Günter Grass eine schwer zu vergessende Rolle als ungustiöser Nebendarsteller bekommen hat.

    Aalglatt und dennoch gefährdet

    Die Bestände des Europäischen Aals (Anguilla anguilla L.) sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Deshalb arbeitet die Generaldirektion Fischerei der Europäischen Kommission an einem Maßnahmenpaket zur Rettung der Aale. Zur fachlichen Beratung steht ihr ein Gremium von Fischereiexperten zur Verfügung. Einer von ihnen ist der Fischökologe Josef Wanzenböck vom Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Mondsee.

    Josef Wanzenböck leitet die Arbeitsgruppe zum Management des Aals, die im heurigen Frühjahr detaillierte Vorschläge zum Schutz der Aale ausgearbeitet hat und diese dem Plenum der Fischereiexperten vorgelegt hat. Der Abschlussbericht, der der Europäischen Kommission als Entscheidungsgrundlage dienen wird, wurde vor kurzem veröffentlicht. “Da der Aalbestand in den letzten drei Jahrzehnten auf weniger als fünf Prozent zurück gegangen ist, muss man die vorgeschlagenen Maßnahmen möglichst unverfälscht umsetzen, um die Lebensgrundlage dieser faszinierenden Tierart langfristig zu sichern”, ist Josef Wanzenböck überzeugt.

    Die Experten empfehlen, das Fischen von Aalen in allen Lebensstadien auf mindestens die Hälfte zu reduzieren. Aale sind nicht zuletzt wegen ihres komplizierten Lebensrhythmus sehr gefährdet: Sie schlüpfen im Westatlantik und wandern mit dem Golfstrom Richtung Europa. Dort angekommen wandern sie im Lauf ihrer Jugendentwicklung flussaufwärts, bis sie zum Laichen wieder in den Atlantik ziehen. Aus diesem Grund stellen Flusskraftwerke und Pumpwerke ohne Fischtreppen für Aale tödliche Hindernisse dar. Die Experten raten deshalb – im Einklang mit den Empfehlungen der Europäischen Wasserrahmenrichtline – dringend zu ökologisch sinnvollen Begleitmaßnahmen beim Ausbau der Flüsse. Eine weitere Möglichkeit den Aalbestand zu erhalten, stellt das Handelsverbot mit den Jugendstadien des Aals, mit den schmackhaften Glasaalen dar. Glasaale sollten in Zukunft nur noch zum Besatz natürlicher Gewässer innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes des Aals gehandelt werden dürfen.

    Filename: radio064_nat_aal