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Wien

Tagebuch

  • Rätsel des Alltags II

    Die Bundesbahn wirbt in einem Faltblatt im Eisenbahnabteil, doch ein SMS an 0664 660 6000 zu schicken. Das ist die Echtzeitauskunft. Die Zugnummer eingetippt und “Sie erhalten sofort die aktuellen Fahrzeiten auf Ihr Handy”. Ausprobiert im Zug nach Innsbruck lieferte das Retour-SMS: “ACHTUNG! Das Event ist ausverkauft”. Noch einmal probiert, die prompte neue Antwort: “Für Kultur antworte A, für Musical antworte B, für Rock/Pop antworte C”. Besser nicht antworten, wer weiß, was kommt.

  • Rätsel des Alltags I

    Anker informiert seine Mitarbeiter im Produktionsbereich des Geschäftes über Leitlinien. Diese sind im flotten “wir” formuliert und der letzte Satz an die Mitarbeiter gibt Rätsel auf: “Wir sind Anker-frisch”. Was das wohl wieder bedeutet?

  • Lob an die Post

    Da bringt der Briefträger einen persönlich adressierten Brief der Post selbst. Darin ein Fragebogen, wie man die Qualität des Zustelldienstes weiter erhöhen könnte. Als erste Aufgabe: kontrollieren Sie bitte die Adresse, die wir von Ihnen haben. Nun, die war falsch angeschrieben am Kuvert, die Hausnummer streute um 2, die Türnummer um 7 Nummern. Aber der Brief der Post hat mich trotz dieser falscher Adresse erreicht. Also: kein Qualitätsverbesserungsbedarf beim Zustelldienst. Danke!

  • Beschwerde

    Wer über das Leben klagt, findet selten gute Worte.

  • Bisher unbekannte Erweiterung

    “Du kannst mir gern den Buckel runterrutschen und mit der Zunge bremsen – Austrian German: abusive insult, literally “you can slide down my hunchback using your tongue as a brake”.

    Weitere hübsche Phrasen, die es nur in manchen Sprachen gibt: Mirror.

  • Schwierige Bedeutungen

    1) Seine Bedeutung kann nicht unterschätzt werden

    2) Seine Bedeutung kann kaum hoch genug veranschlagt werden.

    Was heißt das, wie geht das? Kann man so über eine Ecke denken? Sätze wie die obigen sind sehr, sehr schwergreifend.

    Den Sinn des ersten Satz kann man mühelos mathematisch ergreifen: Nicht (Bedeutung < Untere Grenze) —-> Bedeutung ≥ Untere Grenze. Für alle beliebigen unteren Grenzen. Es findet sich also zu jeder beliebigen unteren Grenze die Bedeutung darüber. Klar doch, so geht’s! Zweiter Satz? Keine Ahnung. Mit einer Epsilon- und Deltaumgebung müsste man das mit dem Grenzwertsatz der Analysis hinkriegen.

    Insgesamt ist von Formulierungen wie obigen abzuraten. Sie spielen in der “Magst keinen Senf?”-Liga.

  • Viel wurde erfunden …

    … viel wurde erdacht. Aber kein Loch im Küchenboden, wo man die Sachen reinkehren kann.

  • Schnelle Enten – schnelle Schwäne

    Überschall ist, wenn sich die Schallursache schneller als der Schall selbst ausbreitet. Überschall gibt es quasi auch im Wasser, wenn Enten und Schwäne schneller paddeln, als sich die Wellen ausbreiten, die sie dabei schlagen. Sie schwimmen den Wellen davon, die dreiecksförmig begrenzt nach hinten weglaufen. Man könnte glauben, je spitzer das Dreieck, desto schneller die Ente. Die Verhältnisse sind aber bei Wasserwellen durch Interferenz (Überlagerung) so gelagert, dass der Öffnungswinkel des Dreiecks immer etwa 40° ist – so zumindest der Literaturwert, egal welche Geschwindigkeit das Paddeltier hat.

  • Astronomen brauchen Hilfe

    Eine Million Galaxien müssen klassifiziert werden. Jedermann kann mitmachen, nachdem er einen dreiminütigen Einführungslehrgang online absolviert hat. Helfen Sie mit: http://www.galaxyzoo.org/

    Quelle: BBC Science Artikel

  • 30 Minuten auf Bahnsteig 3

    Umsteigen in St. Valentin und eine halbe Stunde Zeit am Bahnsteig 3 bringen Erlebnisse und Gedanken zu Tage, für die man nur “danke” sagen kann.

    “Willkommen in St. Valentin”. Das ist sehr höflich von Chris Lohner, die im sicheren Wien sitzt, und die auch St. Valentin ihre Stimme leiht. St. Valentin ist in diesem Fall nur Bahnsteig drei, und das Willkommen erübrigt sich zwischen Beton und vier Gleispaaren vorne, und vier hinten. Wer hier herkommt, muss hier umsteigen, besuchen will er niemanden.

    Schön die Güterzüge und eine Befürchtung, die sich nicht bewahrheitete: einer mit gesägten Brettern von rechts nach links, und einer mit Baumstämmen von links nach rechts. Hätten beide geschnittene Bretter gefahren, wäre das beunruhigend. So aber hatte alles seine Ordnung. Das Sägewerk ist rechts.

    Zweideutig eine Szene, die Chris Lohner gleichzeitig auf Bahnsteig drei und vier spielte. Sie sprach zur selben Zeit verschiedene Ansagen auf beiden Bahnsteigen, schwer zu verstehen, da zwischen Bahnsteig drei und vier nicht wirklich viel Distanz liegt. Eine Ansage kündigte ca. das Kommen eines Zuges an, und die andere drohte das Gehen eines anderen an.

    Zwei mal eine “wichtige Durchsage” von einer knorrigen Mänerstimme für Reisende nach Wien, die 10 Minuten Verspätung des IC ankündigte. “Duchsage” hätte gereicht, wirklich wichtig ist, wenn man ohnehin etwas ängstlich am Bahnsteig sitzt und mit dem Schlimmsten rechnet, ein sich abzeichnender Schienenersatzverkehr. Wohltuend der Verzicht des Bahnmeisters auf die auszusprechende Floskel “Die Österreichischen Bundesbahnen sind stets um die Pünktlichkeit ihrer Züge bemüht”. Ist ja kein Problem, Verspätung darf sein, kommt vor, ist ja schwierig so ein Netzwerk zu betreiben, aber sie schönzureden macht dem sorgenvollen Reisenden keinen Spaß, auch wenn sich die Marketingabteilung das vermutlich noch so wünscht.

    “Stand clear”. Das war der wie im großen Fernsehkino gesprochene Abschlusswunsch ohne Möglichkeit zum Widerspruch, sozusagen die akustische Klammer von Chris Lohner, als dann der Zug nach Wien angekündigt wurde. Der letzte Wunsch aus St. Valentin: sauber zu stehen.

    Im Zug eine herrliche Fahrt mit einem Clown, einer Klimaexpertin und zwei netten Töchtern. Die 6. Person im Abteil wurde vergrault. Der Nahrungsmitteltrolleyfahrer bot Kaffe “mit oder ohne Gas” an.