Manchmal fällt mir etwas ein, dann schreibe ich es auf. Manchmal fällt mir etwas auf, dann auch.
Lothar Bodingbauer
2026
Exkursion ins Baltikum
Mit dem Regionalforscher Michael Sauberer sind wir zu Studienzeiten ins Baltikum gefahren. Drei Wochen Exkursion. Jeden Tag hat es einen Preis gegeben für den "schönsten Kontakt mit Einheimischen". Er war einer meiner Lieblings-Lehrer an der Uni im Studium, freundlich, interessiert, begeistert von der spannenden Welt, die er mit uns entdeckte.
Sommer mit Freunden
Ein Land zu besuchen, in dem man noch nicht war: Japan. Ein Land zu besuchen, das man in Teilen schon gut kennt: Kanada. Möglichst mit Menschen. Das geht mit etwas Arbeit: 5 bis 6 Stunden täglich an 5 bis 6 Tagen pro Woche. Dazwischen ist Zeit für eigene Unternehmungen, davor und danach für klassischen Tourismus.
Hosts "… are prepared to carry out tasks alongside WWOOFers, not to delegate tasks to them. (You weed when I weed …)".
Das ist "WWOOF"-en. Eine Abkürzung für "Worldwide Opportunities on Organic Farms". Irgendwann mal kennengelernt. Es gibt für viele Länder eigene Homepages mit Listen von Hosts, also von Gastgebern. Familienbetriebe meist, weniger oder mehr organisiert, professionell, routiniert, liebevoll, bewusst.
Auf jedem Fall: dabei sein.
Kamloops
Kupferbergbau, trockene Gegend zwischen Vancouver und Calgary. Irgendetwas hat sich da schon abgeregnet in den Rocky Mountains davor und danach. Eisenbahnwaggons mit Kohle? In welche Richtung? Ölschiefer etwa? Müsste man herausfinden.
Das erste Mal in Rom
Da geht’s einem wie Goethe auf seiner Italienischen Reise. Mund offen, mit dem Elektrorad den Locals hinterher durch den Verkehr fließen. „Bist du deppert auf den Lippen“, ständig. Was für eine Stadt.
Ans Meer nach Bulgarien
Mit dem Zug über einige Stationen unterwegs, nach Varna, ans Schwarze Meer. Mittags: Mittagessen. Abends: ein Schlafzimmer. Gerade eingeführt: die Euro-Währung in Bulgarien.
Nachdem unser Hund in einer Schlägerei ein Auge verloren hat, trifft man immer wieder Menschen unterwegs, die das bedauern.
"Halbblind", sagt der ältere Herr mit Hörgerät, nachdem er den Hund wohl zwanzig Sekunden angesehen hat.
"Ist das Glas halbvoll oder halbleer?", frage ich ihn.
Er denkt weitere zwanzig Sekunden nach.
"Halbleer", sagt er nachdenklich, und setzt seinen Weg fort.
Bei uns werden die Entscheidungen im Haushalt nach dem Fünfaugenprinzip getroffen. Und manchmal drückt einer noch ein Auge zu.
Gehört
Mann mit Hund sieht unseren Hund auf drei Beinen dahinhunkeln. „Aha das ist der Hund mit dem Tick.“ „Nein, das ist just lazy-walk.“ „Aha, ich hab gar nicht gewusst dass das normal ist.“ #charming
2025
Was weckt Neugier?
Neugier kommt bei mir von der Sehnsucht. Die Sehnsucht kommt von den Träumen. Und die Träume kommen von den unerfüllten Wünschen. Werden die Wünsche erfüllt, verschwinden bald die Träume, und wenn die Träume fehlen, verschwindet die Sehnsucht, und wenn die Sehnsucht fehlt, dann schläft auch die Neugier. Wenn daran etwas veränderbar ist, würde ich am ehesten bei der Sehnsucht ansetzen. Wer die Sehnsucht (mir) weckt hat Zugang zu meinen Träumen. Und damit zur Neugier. Ich muss fast sagen, man besitzt mich dann fast. (Psst. Nicht weitersagen.) Die Neugier, wie es in fremden Ländern so ist, wurde bei mir durch echte Menschen geweckt, die uns zuhause besucht haben: Margot, eine Anthropologin. Christine, Entwicklungshelferin in Bolivien und Mr. Mace mit der Glatze, ehemaliger Besatzungssoldat im Haus meiner Großeltern. Sie haben meine Träume geweckt, und ja, damit die Sehnsucht, und …
The Bagel Class
Wer in Montreal die Gelegenheit hat, Bagels zu essen, wir die vielleicht auch gerne backen. Dazu gibt es einen Workshop bei der "Bagel Class". Mehl, Zucker, Salz, Germ, Öl, Wasser und als Zauberzutat Malz. Und Honig ins Kochwasser, in das sie 3 min. getunkt werden, bevor sie mit Sesam oder oder Mohn bestreut ins Backrohr wandern.
Erste Jännertage
Das neue Jahr beginnt mit neuen Schuhen, Socken und warmer Unterwäsche. Spaziergänge und Wanderungen finden bei kaltem, feuchtem Wetter statt. Die Sonne wärmt, wenn sie scheint. Mit Podcasts in beiden Ohren und den Hund an der Leine machen wir, mache ich Spaziergänge in und um Wien. Beides hat seinen Reiz, alleine oder zu zweit.
In den Tagen dazwischen wird aufgeräumt. Nun ist wieder alles bekannt, was in den Regalen ist. Aktivitäten wie Yoga bringen Mehrwert in die Gegenwart. Mehr Wert, und das äußert sich auch in der Ruhe bei den Übungen im Kieser-Training, wo es angenehmer ist, sich ganz der Übung zu widmen, als der Hoffnung, schon bald fertig zu sein.
Die Moose, Fische, Schnecken und Pflanzen in den Aquarien bilden immer stärkere Lebensgemeinschaften. Eine Garnele trägt ihre Eier unter dem hinteren Rücken. Sie hält die Eier mit mehreren Beinpaaren fest. Methusalem zieht seine Kreise im Aquarium. Der Schneck aus Marchegg ist wohl der Älteste in der gesamten Gruppe. Ich hoffe, er wird noch lange leben. Heute haben sie ein braunes Ahornblatt bekommen, das Versteck und Nahrung bringt.
Was kommt, sind Themen der Schule, und morgen Montag dann Yoga mit Xenia und Codieren mit Maxqda24 zum Thema "Kinderwunsch". Schreibtisch und Yogastudio. Dazwischen wohl mit Hund.
2024
Gstanzl über eine Seefahrt in Alaska
In Alaska ists lustig
In Alaska is lustig, in Alaska is schee,
da springan die Walfisch, då gibts recht vü Schnee.
Holladaria, hollodirå, holladiria, wås sågst denn då
Die an schaun auf d_Vegl, die aundan auf d_Fisch,
a poar schaun auf går nix, die lieng unterm Disch.
Holladaria, hollodirå, holladiria, was sagst denn da
Auf de Inseln gibt’s Seehund, und Fix wiadawö,
Da wirst ja ganz narrisch, do_kannst_daham wås fazö.
Holladaria, hollodirå, holladiria, was sagst denn da
I woas net, wås los is, es_ist_koana mehr då
de wearn doch net gfoan sei, ohne mi —-> aber jå!
Holladaria, hollodirå, holladiria, was sagst den da
Waun_des_ewig so weidageht, des liad und die foat,
finanziell wird des hoarig, des aufwachn hoat…
Holladaria, hollodirå, holladiria, was sagst denn da!
Natalia, Unalaska
Mit Natalia in Dutch Harbor. Beim WWII Museum hat Natalie im Bus und ich am Eingang auf unsere Gäste gewartet. Drei mal, alle drei Wochen – das verbindet hatten wir Zeit zu plaudern. Sie hat mir über viele Themen der kleinen Insel Unalaska erzählt. Von denen auch im Jahresrückblick von Radio KUCB 20 auch erzählt wird. Was sich eben so auf einer Insel in den Aleuten tut. Fischerei, Bücherei, vom Kommen und Gehen.
Nicht zu schnell
Es muss nicht immer Railjet sein. Von Linz nach Salzburg im Regionalexpress: Lokale Gespräche (Operationen, Säge, Sense, Mitarbeiter), lokale Themen (wer was mit wem wie genau), lokale Sprache (Dialekt). Der Schnellzug ist blass.
Thoughts on writing a travelogue
Workshop EN
Please add your own thoughts. And after that, if you want: share your thoughts with the person next to you who is not a member of your family.
What could we write ...
What's different
What's the same
Something we see/hear/feel
Something someone says
Thoughts, ideas and interpretations
What else could we do ...
Collect Sounds
Collect Photos and Videos
Collect Stories
Collect Objects
Get a tattoo (Why exactly not?)
What could we do with it ...
Keep it for ourself
Keep it for our loved ones
Keep friends: Share it with friends
Make money: publish it in a book/radio story/movie
Make it available for free in a blog/insta/X/whatEver/whatsApp_Status post
Idea: Give your Travelogue a theme for a day. Look out for ...
The round things
The soft things
The spiky things
Repeating actions, things which are only in the air, red objects, things in equilibrium
Unanswered questions along your route
HX Alaska 2024 | Lothar, more travel-related thoughts www.sprechkontakt.at
Workshop DE
Ergänzen Sie gerne Ihre eigenen Gedanken. Danach, wenn Sie möchten: teilen Sie Ihre Gedanken mit einer Person in ihrer Nähe, die (noch) nicht zu Ihrer Familie gehört.
Worüber könnten wir schreiben …
Was verschieden ist
Was gleich ist
Was wir sehen/hören/fühlen
Was jemand sagt/singt/seufzt
Gedanken, Ideen, Interpretationen
Was könnten wir sonst noch tun?
Töne sammeln, Geräusche, Musik
Fotos und Videos aufnehmen, zeichnen
Geschichten sammeln
Objekte sammeln
Ein Tattoo erhalten (warum genau eigentlich nicht?)
Was könnten wir damit tun?
Nichts weiter, außer es bei uns behalten.
Für unsere Family aufbewahrten
Es mit Freunden teilen
Geld verdienen: es in einem Buch publizieren, in einer Radiosendung, einem Film
Idee: Immer wieder mal dem Tag eine Farbe geben. Konzentriere dich auf …
Die runden Dinge
Die sanften Dinge
Die spitzen Dinge
Rhythmen, sich Wiederholendes, Dinge, die nur in der Luft sind, rote Objekte, Sachen im Gleichgewicht
Fragen, die bislang ohne Antwort sind
Ist es schade um die VWA?
Politisch war sie nicht zu halten, weil zu viele mit der VWA keine Freude hatten. Ich habe jetzt mal bei der Abschaffung auch geweint, aber:
Podcasts sind super - man teilt ein Gespräch, das weltweit zugänglich ist, die VWA ist es nicht.
Die Sachen, die die VWA gut machen, kann man in den Jahren zuvor im Unterricht machen, muss man sogar.
Die VWA wurde mit einer Vielzahl an Vorschriften eingeführt. Die Anleitung für die letzte Ölung hat weniger „Muss“ als die Einreichung des Themas der VWA in die Datenbank.
Perspektive
Ein älterer Herr mit zwei Hörgeräten schaut meinen einäugigen Hund mitfühlend an, und sagt: „halbblind“. Ich frage ihn (neugierig), ist das Glas halbvoll oder halbleer? Er denkt nach, neigt den Kopf und sagt: „halbleer“.
Alles klar, Herr Kommissar? Radioerinnerungen
Alles klar, Herr Kommissar? Der heitere Ratekrimi mit Leo Frank mit Haymo Pockberger war Fixpunkt meiner Kindheit mit Radio. Aus Linz kamen die Sendungen zu mir ins Innviertel aufs Land. Es war einerseits das Kennenlernen der Landeshauptstadt und seiner Einrichtungen als Informations- und Unterhaltungsversorger, andererseits war es Möglichkeiten, Bindungen einzugehen an Menschen abseits des Elternhauses. Die habe ich dann auch über Kurz- und Mittelwelle geknüpft, zu den Präsentationen deutschsprachiger Sendungen aus der ganzen Welt. Ob Propaganda oder Information, es waren immer Menschen, die mit mir in Verbindung traten, und zu deren Stimmen und ihrem Wesen, das erkennbar war, ich eine Verbindung aufbaute, die nur mir bekannt war. Manchmal auch ihnen, wenn ich einen Empfangsbericht mit Kinderschrift schickte. Die Hörspiele vom Regionalprogramm habe ich vorwiegend gehört, wenn ich krank war, sonst war ich meist draußen zu dieser Zeit. Das Tournier auf der Schallaburg kam später dann zu mir, auch hier die Menschen, die mit mir die Stunde teilten. Und als männliches Kind, war die “Welt für die Frau”, das Vormittagsprogramm meiner Oma Zugang zur Welt der Frauen, das war schon eine gute Gelegenheit. Für den Mann gab’s nichts. Aber das Wunderauto Dodo war männlich, immer hin. Das habe ich geliebt. Heute mache ich Radiosendungen, in denen Menschen erzählen, welche Wissenschaft sie betreiben - mit Pflanzen, Tieren, mit Wolken und Planeten. “Vom Leben der Natur” bietet nicht nur Informationen, sondern Beziehungen an. Die ich stellvertretend für die Hörer:innen knüpfe, im Vorgespräch, im Interview, und dann als Sendung. Radio wurde bei mir mittlerweile durch oft durch Podcasts ersetzt, weil dort mehr Zeit ist, die Nebenschwingungen aufzunehmen. Selbst nachzudenken in den “langweiligen” Stellen, die nicht herausgeschnitten sind. Radio ist mir also heute manchmal auch zu aufregend, weil es zu gut ist. Ich liebe das Fließen, das Lachen, das Abwarten, bis eine Antwort kommt, die mir zu denken gibt. Das ist vielleicht nicht die Zukunft des Radios, sondern eine Ergänzung. Radio bietet Sicherheit, dass Menschen Sendungen gestalten, die miteinander sprechen, was sie “nicht” senden. Das hört man nicht, aber das macht die Qualität eines Senders aus. Zeit für Diskussionen, über das, was nicht gesendet wird. Dann ist das was bleibt, fantastisch. Das braucht Ressourcen. Dann ist es gut. (Lothar Bodingbauer / Ö1 Wissenschaft)
2023
25 beste Bücher
Im vergangenen Jahr 2023 gab es für mich viel Zeit, um viel zu lesen. Am Kindle, weil ich hier nicht abgelenkt werde, weil es wie Papier ist, und weil man die Bücher immer dabei hat. Einige von ihnen wollte ich lesen, einige musste ich lesen. Hier sind meine Top 25: Sie waren fantastisch und ich kann sie empfehlen. #BestOf2023
Professionelle Krisenkommunikation. Jana Meißner und Annika Schach. Schon die Unterscheidung Ereignis, Störung, Notfall, Krise ist interessant. Eine Krise als etwas nicht Planbares, im Gegensatz zum Notfall. Und die fünf Reifegrade im Unternehmen, wie gut man vorbereitet ist im Team.
Kooperatives Lernen. Robert Gerbheim. Beziehungen beim Lernen. Damit wir nicht nur von vorne nach hinten unterrichten, und Studierende miteinander arbeiten können, und das als sinnvoll und angenehm empfinden können.
Feeling good together. David Burns. Kognitive Verhaltenstherapie für den Umgang mit "schwierigen Menschen", also mit jenen, die man nicht so gerne hat. Spoiler: es ist nicht das Gegenüber das Problem, sondern, wie man darüber denkt.
Necessary Losses. Judith Viorst. Wenn man einmal ins Jammern kommt, dass uns Verluste echt auf den A… gehen, kann man hier nachlesen, dass das völlig normal ist. Ein bisschen psychoanalytischer Hintergrund, und wunderschön geschrieben.
The Erotic Mind. Jack Morin. Hübsche Zusammenstellung über das oft Unausgesprochene und die Gedanken dazu. Beginnt mit den schönsten Erlebnissen und dem zentralen Thema, warum etwas gut oder nicht so toll ist. Beziehung first. Und Reden. Sehr nette Übersicht, falls man mal ein paar Fragen zum Thema hat.
Feeling Good und Feeling Great. Noch einmal kognitive Verhaltenstherapie. Und noch einmal ein Spoiler: es ist nicht das Problem das Problem, sondern wie man darüber denkt. Gedanken machen Gefühle. Äußerst Praktisch, wenn es mal Stress gibt, der richtig suckt.
Einführung in die Philosophie. Daniel-Pascal Zorn. Wie geht Philosophieren? Wie kann man das lernen? Durch Lesen. Aber was? Der Autor baut das schrittweise auf und relativiert die mögliche Grundannahme, dass man ständig arge Texte lesen soll. Man kann auch reden. Und diskutieren.
Und wenn es doch was Schlimmes ist? Barbara Günther-Haug. Wer wie ich immer wieder glaubt, zu sterben, wenn es mal in der Achselhöhle kitzelt, dann ist dieses Buch einer Ärztin fein. Sie erklärt, warum man manchmal ein wenig übertreibt, und was man tun kann, dass Sorgen um die Gesundheit angepasst und angemessen werden können.
The Imp of The Mind. Lee Baer. Wenn man mal Gedanken hat, die man sich selbst nicht erlaubt. Der "Kobold im Kopf" sucht sich jenes Themengebiet, wo er/sie am meisten Wirkung hat. Religion, Gewalt, etc. Kurzfassung: wer sich sorgen um seine Gedanken macht, braucht sich darüber keine Sorgen zu machen.
Stop Obsessing! Edna B. Foa und Reid Wilson. Wenn man sich dann doch immer wieder die selben Gedanken denkt, möchte man, dass man diesen ausgelutschten Pfad verlassen kann. "Anhaftende Gedanken", da gibt es Methoden, wie man Alternativen schafft. Topp-Tipp.
Gedanken verändern Gefühle. Dennis Greenberger und Christine A. Padesky. Dieses Buch kehrt die Sache um: nicht Gefühle machen Gedanken, sondern die Art und Weise, wie man über eine Sache denkt, das macht die Gefühle. Hübsch und interessant. Mit Anleitungen.
Theory of Woman in Religions. Catherine Wessinger. Wie es aussieht mit den Frauen in der Religion. Schlecht meistens. Nun gut, definiere mal schlecht. Eine Übersicht über bestehende Weltreligionen. Ich würde da mal eine neue Religion gründen.
The Cloudspotter's Guide. Gavin Pretor-Pinney. Einführung in die "Sprache der Wolken". Einerseits von der Physik her, und das gut verständlich, aber auch mit vielen Geschichten und Einblicken in die Kulturgeschichte, die Aufnahme der Wolken. Super nett, man sieht dann anders in den Himmel.
Unterricht ist Beziehungssache. Michael Felten. Ja, das ist ein aktualisierter Blick auf Unterricht. Wo Störungen nicht als Schwächen, sondern als Stärken in einem anderen Kontext gesehen werden können. Beziehungen als Grundlage. Feines Reclam Buch, modern.
Classroom Management. Michael Felten, too. Auch hier eine Aktualisierung. Ein neuer Blick, wie der Fluss der Klasse durch eine Schulstunde gesehen und gestaltet werden kann. Erfüllt mich mit Optimismus als Lehrer.
Meteorologie. Hans Häckel. Lehrbuch. Beginnt mit der Atmosphäre und setzt sich dann in die Prozesse rein, was sich alles wettergestaltend bemerkbar machen kann. Ein guter Lehrer, der Herr Häckel.
Kritisches Denken und Argumentieren. Otto Kruse. Ich habe mich ja gefragt, was "kritisches" Denken genau ist. Hier wird die Sache sehr systematisch vorgestellt und entwickelt. Gut verständlich und brauchbar für Schule, Studium und VWA-Geschichten.
Pädagogische Psychologie. Lernen, Motivation und Umgang mit Auffälligkeiten. Beate Schuster. Ein völlig anderer Blick auf Jugendliche als vor 30 Jahren: wertschätzend. Ein längst fälliges Update. Es ist eigentlich ein neues Menschenbild, das hier vorgestellt wird. Ein Lehrbuch, das ich gerne las.
Grundlagen des Projektmanagement for Dummies. Stanley E. Portney. Nun schon öfters festgestellt, dass die Dummies-Reihe ganz gut ist, einen Überblick über das Feld zu haben. Und weil einige unserer neuen Lehrer:innen viel Ahnung davon haben, was Projektmanagement ist, wollte ich da mal nachlesen.
Selbstwirksam schreiben. Wege aus der Rast- und Ratlosigkeit. Carmen C. Unterholzer. Da bin ich grad dran. Viele aufbauende Übungen, bei denen man lernt, dass man selbst in den bedeutsamen Dingen viel Einblick und Zugang hat. Und damit auch Entwicklungsmöglichkeiten.
Reise Know How Indien. Rainer Krack. Was so anders ist in Indien. Mit den Göttern und den Menschen, und wie sie sich benehmen. Nicht dass man gleich hinfahren möchte. aber spannend die Zusammenhänge erklärt.
Trust. Hernan Diaz. Winner of the 2023 Pulitzer Prize for Fiction. Ein Roman aus der Finanzwelt mit Abzweigung in frühe Methoden der Psychotherapie. Grauslich. Spannend. Eingewobene Portraits von Familien. Spielt in der Zeit des Finazcrashs 1929. (Link zu Wikipedia)
What if 2. Was wäre wenn. Randall Munroe. Physik im Extremen. Ernstgenommene schräge Ideen gedacht und vor allem fertig gedacht.
Internationale Beziehungen. Christian Tuschhoff. Beginnt mit der Information, dass man internationale Beziehungen nicht mit dem Bauchgefühl bewerten kann. Ein super Lehrbuch, das dann vorstellt, durch welche Brillen/Theorien man diese Beziehungen beschreiben kann. So schön geschrieben.
Favoured Print Books
Sabine Bode: Kriegskinder. Die Vergessene Generation. Was jene Menschen spüren können, die in Deutschland und Österreich im Krieg geboren wurden.
Sabine Bode: Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation. Was die Kinder jener Menschen spüren können, die in Deutschland und Österreich im Krieg geboren wurden.
Jojo Moyes - Someone Else's Shoes (ein Roman über zweite Chancen, wie passend zum 2. Bildungsweg)
Johannes Preiser-Kapeller: Byzanz – Das Neue Rom und die Welt des Mittelalters
Maarit Salolainen: Interwoven – Exploring Materials and Structures.
Philip Ball: How Life Works. A User's Guide to the New Biology. Das wird spannend: es gibt keinen Bauplan, auch nicht im genetischen Code. Das steht auf der ersten Seite. Es ist anders, als wir es gelernt haben.
Ian Kershaw: Hitler. Biographie. Empfohlen von einer Bekannten. Das wird gut, und möglicherweise auch aktuell interessant.
Kazhuo Ishuguro: Klara and the Sun – The Times and Sunday Times Book of the Year.
Karl Josef Klauer, Detlev Leutner: Lehren und Lernen – Einführung in die Instruktionspsychologie
Ian Kershaw: Hitler. Biografie.
Prima Schulschrift
Das ist die schönste Schulschrift ever. Sie nimmt Schüler:innen erstmals typografisch ernst und würdigt deren Mühe, sie zu erlernen. Von Titus Nemeth und Martin Tiefenthaler. Zu haben ist "Prima" als Download und den Wiener Bildungsserver. Wer Prima Buchstabe für Buchstabe neu übt, wird die Schönheit und Logik in ihr erkennen. Eine Freude. https://www.schulschrift.at
Spaß mit VWA: Vergleich Heuschrecke – Grizzlybär
Warum ist das interessant? Heuschrecke - Grizzlybär. Was möchte man überhaupt vergleichen. Aussehen? Organe? Atmung? Andere Körperabläufe? Sozialverhalten? Nahrung, klar. Fortpflanzung. Sinnesorgane. Feinde. Freunde. Geräusche. Winterstrategien? Stellung im Nahrungsnetz. Rolle im Ökosystem. Noch etwas? Kontakt mit Menschen. Evolutionäre Aspekte (Entwicklung/Stellung im Baum des Lebens/Kladogramm).
Warum würde man das tun? Weil man diese Arbeit als Schüler:in selbst hinkriegt. Weil das noch niemand gemacht hat. Weil es Spaß macht. Und vor allem: ultralehrreich, wenn man Bücher/Literatur dazu nimmt, damit das Ganze noch mehr Tiefe kriegt.
Fisch mit einem Pferd vergleichen
Kaiserschnurrbarttamarin mit einem Tausendfüßler
Seeadler mit Pilz
Baum mit einer Sonnenblume
(Idee in Kooperation mit @city.arthur)
Idee für VWA: Die zwei Seiten von Blättern
Idee für eine VWA
Blätter von Pflanzen haben eine große Oberfläche und wenig Volumen. Sie sind “Kraftwerke”, die die Energie der Sonne in die Pflanze holen (Photosynthese). Dazu verwenden sie grünes Chlorophyll. Blätter brauchen auch stabilisierende Strukturen, sonst würden sie an den Zweigen “schlabbern”. Diese Strukturen betreiben vermutlich keine Photosynthese. Auf der Vorderseite des Blatts würden sie wertvolle sonnenbeschienene Oberfläche verbrauchten. Deshalb sind sie auf der Rückseite (Hypothese).
Jedes Blatt hat zwei Seiten mit vermutlich unterschiedlichen Aufgaben. Wie unterscheiden sich die zwei Seiten eines Blatts optisch? Was haben sie gemeinsam? Ist das bei verschiedenen Pflanzen ähnlich?
Methode zur Beantwortung dieser Forschungsfragen: Fotografieren, Kriterien definieren, Vorder- und Rückseiten beschreiben und optisch auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersuchen.
Im Einführungsteil der VWA wird die Funktion eines Blatts und das botanische Vokabular vorgestellt. Im Hauptteil werden Blätter verschiedener Pflanzen untersucht. Was die Ergebnisse bedeuten könnten, wird im Schlussteil der Arbeit diskutiert.
Weiterführende Frage: Wenn ein Blatt auch Gasaustausch betreibt (Sauerstoff/CO2), müsste das über Poren funktionieren, die sich gleichermaßen auf Vorder- und Rückseite befinden. Ein Mikroskop müsste das zeigen.
Farbe
Glanz
Krümmung
Poren
Strukturen
Gleichförmigkeit/Zonen
Glatt/rauh
Härchen
Idee: Es wäre interessant, zuerst selbst ein Blatt zu beschreiben, ohne nachzuschauschauen, wie man es „richtig“ macht. Als „Vorstudie“ im Skizzenblock. Dadurch versteht man dann sicher gut, wie es offiziell geht…
Mathematikhefte
Ich habe die jahrtausendalte Tradition von "Schul und Hausübungsheft" gebrochen: Es gibt bei mir im Mathematikunterricht:
1 "Schulheft" - dort steht drin, was wir in der Schule machen. Alles ist richtig, bis auf kleine Fehler die "offiziell" passieren. Hohes Vertrauen in Inhalt und Richtigkeit.
1 "Probierheft" - dort steht drin, was man ohne Team rechnet und probiert. Oft zuhause, manchmal zwischendurch. Es muss nicht perfekt sein; Fehler sind normal.
1 "Schön und schlau"-Heft: dort steht drin, was man vollständig verstanden hat und noch einmal wunderschön schreibt und zeichnet. Alles dort ist bekannt und richtig - höchstes Vertrauen.
VWA in der Schule: Durchsicht der Vorschläge
In Österreich schreiben Schüler:innen während der letzten eineinhalb Schuljahre eine wissenschaftliche Arbeit. Ganz zu Beginn finden sie ihr Thema und machen einen Vorschlag, wie genau sie es bearbeiten werden. Das Ganze braucht ein hohes Maß an Kommonikationskompetenz zwischen ihnen, ihren Eltern, den betreuenden Lehrer:innen, der Direktion und sogar über die Schule hinaus in Richtung Unterrichtsministerium. In meiner derzeitigen Arbeit habe ich mir mit der Direktion die Vorschläge für die Arbeiten näher angeschaut: sie werden "Erwartungshorizonte" genannt und sind nicht nur ein Spiegel der Schullaufbahnn zuvor. Hier sind meine Eindrücke.
Insgesamt sind unter dem ersten Teil der gelesenen Vorschläge – 25 Arbeiten:
1) Viele spannende Arbeiten, weil
* bei den Themen oft der Lokalbezug hergestellt wurde * in der ersten Vorauswahl die Themen offenbar bereits gut ausgewählt und gefeedbackt wurden (diese Arbeit zahlt sich aus) * die Relevanz in den persönlichen Impulsen sehr nachvollziehbar beschrieben wurde und * dieser persönliche Impuls zwar oft mit "Seit ich ein Kind bin interessiere ich mich …" beginnt, aber daran nichts auszusetzen ist, weil was denn sonst könnte das persönliche Interesse besser argumentieren als das ganze bisherige Leben
2) Wir haben an allen Vorschlägen noch etwas geknetet und zum Glück immer etwas gefunden, was noch verbessert werden könnte - und zwar in der Intensität von "viel" (Änderungen sind notwendig, um die Arbeit erfolgreich durchführen zu können), bis "mittel" (etwas Wesentliches sollte noch ergänzt werden), bis zu "Kleinigkeiten" (Formulierungen/Aspekte ein bisschen klarer machen). Die Schüler:innen erhalten einige Wochen (viel), zwei Wochen (mittel) und eine Woche (bei geringen Änderungen) Zeit, um diese Überarbeitungen gemeinsam mit den Betreuungslehrer:innen durchzuführen. Es wäre wichtig, diese Änderungen nicht als Mäkelei zu sehen, auch wenn in den Kommentaren von uns steht "… ist zu ergänzen", sondern als den Wunsch und die Hilfe, die Arbeit zu ermöglichen, oder eben durch Kommentare und Wünsche aus Außensicht auf den "nächsten Level" zu heben. Das "A“ in VWA bedeutet für mich auch genau diese Auseinandersetzung und Kommunikation.
Bei den Quellen im Erwartungshorizont bitte immer den Ort des Verlags angeben, bei den Internet-URLs das Datum des Zugriffs. Das hat relativ oft gefehlt und ist für uns relativ mühsam, in den Feedbacks zu ergänzen.
Wir haben bei unserer Durchsicht sehr gut darauf geachtet, dass im Strauß aller Leitfragen auch eine eigenständige Frage vorkommt, die mit einer eigenen Methode auch selbst beantwortet wird, und die eben nicht von einer Quelle beantwortet und abgelesen wird.
Tipp: Oft ist so eine Frage durch "Vergleich zweier Projekte, Beschreibung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden" ganz leicht herstellbar. Die im Erwartungshorizont vorgeschlagene Methode soll sich dann wirklich auf diese Frage beziehen und sich auch in der Gliederung (meist vor dem letzten Punkt Schlussfolgerungen/Diskussion) finden. Eine Frage - eine Methode ist aufregend genug.
* Die allermeisten Arbeiten werden derzeit mit der Methode "recherchieren im Internet/in Büchern" bearbeitet. Es wäre schön, wenn wir ein bisschen mehr die Vielfalt der Methoden der einzelnen Fächer abbilden können. Das wird vermutlich in den Schuljahren vorher schon vorbereitet werden können, indem Aufgaben gestellt werden, die nicht mit Büchern, sonder durch Hinschauen / Fotografieren / Kartieren / Beobachten / Zeichnen / Zählen etc. zu lösen sind. Eine Liste von 33 Methoden habe ich hier zusammengestellt: https://www.phyx.at/vwa/
* Manchmal merkt man den enthusiastischen Zugang zu einem Thema - die Welt soll von den Ergebnissen erfahren, weil sie wichtig sind. Das ist in den persönlichen Impulsen fein, sollte aber dann durch neutrale Formulierungen in Gliederung und Leitfragen ersetzt werden. Bsp: „Warum ist die Bauindustrie so schädlich für…“ -> „Was sind die Auswirkungen der Bauindustrie“.
* wenn jemand „spannend“ schreibt, ist es immer interessant, was genau damit gemeint ist. Das auch einzufordern ist ein Service an unsere Studierenden, auch wenn sie das unter Umständen als Zumutung empfinden
* Partnerorganisationen sind immer eine Möglichkeit, Verbindungen herzustellen. Warum nicht auch ein bisschen an Bord holen. Bei Interessensgruppen wird man etwas vorsichtiger sein, aber Verbindungen gestalten unser Leben, warum nicht auch Verbindungen gestalten.
Meine persönlichen Tipps für das Arbeiten in verfahrenen Betreuungssituationen:
1) Mal nicht vom Thema auszugehen, sondern von den vielen verschiedenen Forschungsmethoden: Wie möchte ich arbeiten und dazu eine Frage zu suchen/finden/formulieren. Das Arbeiten an der Frage muss erklärt werden: es ist schön, diese Frage so lange anzupassen, bis sie perfekt passt und man weiß, dass sie funktionieren wird.
2) Mal nicht das Thema einzugrenzen, sondern auszuweiten: von der einfachsten und langweiligsten Frage aus dem Themengebiet aus, um diese dann vorsichtig zu erweitern, bis es in kontrolliertem Terrain spannend wird.
3) Persönliche Betroffenheit (bei Krankheiten) sind immer noch ein Ausschließungsgrund für das Thema.
4) Darauf achten, dass das Thema so formuliert ist - es steht ja im Zeugnis - dass ein:e zukünftiger Arbeitgeber:in es gut verstehen kann, es soll Anlass zur Kommunikation bieten: "Das ist ja spannend, was haben Sie denn da genau gemacht?"
Ich finde, dass die VWA nicht zu sehr durch Regeln bestimmt werden soll, die im Vordergrund stehen. Sie gehören meiner Meinung nach in den (notwendigen) Hintergrund. Im Vordergrund steht die Freude an einer eigenen Fragestellung, die man mit einer netten Methode selbst beantwortet. Die Sicherheit, dass das zwar mit Risiko, aber nie mit Verlust verbunden ist, wäre eine schöne Aufgabe durch uns Lehrer:innen im Laufe der ganzen Schulzeit zu vermitteln.
Beim Wührer
Wer als Kind in einer 4500 Einwohner:innen-Gemeinde zu Fuß zur Volksschule geht, hat mehrere Routen. Eine führte "beim Wührer" vorbei, bevor es durch eine enge Gasse ging und man den Marktplatz erreichte. Der Wührer war eines der Kaufgeschäfte, die alles hatten: Hefte für die Schule und Lebensmittel. Besonders waren aber die Angestellten, die so ruhig waren und nichts Überflüssiges redeten, die Chefin, die ebenso ruhig den Laden führte. Bewegung zwischen den Menschen, angepasst an das, was man wollte. Ein kleines Sozio-Biotop vor dem Nachhausekommen.
Fauna und Flora der Barrancos
Das Stadtgebiet von Guatemala City ist von Schluchten durchzogen, um die sich Straßen und (neu) erschlossene Siedlungsräume erstrecken. Diese Schluchten werden Barrancos oder Ramblas genannt. An ihren sandigen Abbruchkanten befindet sich ein spannender Lebensraum für Tiere und Pflanzen, mit vermutlich hoher Diversität. Einerseits ist es feucht an den Schattenseiten – andererseits trocken, aufgetrocknet an Stellen, wo die Sonne hinscheint. Über das Jahr hinweg werden sich sicher die Bedingungen ändern, besonders dann, wenn die Regenzeit kommt. Ein spannendes Thema für eigene Forschung.
2022
Mitarbeit am Schiff nach Norwegen und in die Antarktis
Man kann viel Geld ausgeben, um die Welt als Gast auf einem Schiff zu sehen. Fjorde im Norden, Eisberge und Pinguine im Süden. Man kann aber auch als Mitglied der Crew mitfahren und Geld dabei verdienen. Weil Möglichkeiten fehlen, es auszugeben, bleibt davon auch viel. Vor allem aber bleiben Erinnerungen. Eine Vielzahl neuer Erfahrungen und das Arbeiten im Team machen die Reisen zu einem intensiven Erlebnis. Was das für mich im Herbst und Winter 2022 bedeutet hat, habe ich hier zusammengefasst.
Die Vorgeschichte: Norden und Süden
Die Postschiffroute entlang der norwegischen Küste kenne ich seit Interrail in Skandinavien als Student. Zweimal bin ich die Route mit dem Schiff zwischen Tromsø und Bergen gefahren, einmal im Sommer, einmal im Winter. Die Farben, die Landschaft, das Wetter, wie schön. Fjorde, Wolken, Häfen, an denen man aussteigen und ein paar Stunden spazieren kann. Bei der zweiten Fahrt heuer im Jänner habe ich gegoogelt, ob es Jobs am Schiff gibt. Und ja, ein Wissenschaftskoordinator für die begleitenden Vorträge wurde gesucht. Genau mein Ding. Die Stelle wurde vergeben, nicht an mich, aber ein ermunterndes „bewirb dich doch noch einmal als Contractor auf Werkvertrag“ folgte. Nach zwei Zoom-Gesprächen wurden vier Reisen zu je 14 Tagen nach Norwegen vereinbart, und vier Reisen zu je 10 Tagen in die Antarktis.
Man braucht zuerst ein Seefahrts-Gesundheitszeugnis, um mitfahren zu dürfen. Als Österreicher ohne Meer fährt man dazu nach München. Der Arzt meinte allerdings: "Oh! Sie sind am Handgelenk verletzt. Sie dürfen nicht mitfahren". Ich hatte beim Kayakfahren mein Handgelenk verletzt, keine große Geschichte für Vorträge am Schiff, dachte ich. Das sah der Arzt anders: "Als Crew müssen Sie 100% einsatzfähig sein, im Krisenfall müssen Sie Menschen retten." Die ersten drei Fahrten nach Norwegen konnte ich deshalb nicht mitmachen, aber für die vierte Reise nach Norwegen im Oktober und für die folgenden vier Reisen in die Antarktis im November und Dezember hat es geklappt. Als Gast eines Schiffes merkt man von solchen Sicherheitsmaßnahmen gar nichts. Meine freiberufliche Sozialversicherung in Österreich hat sogar einen Teil des Verdienstentgangs kompensiert.
Gedanken zur Nachhaltigkeit
Als Postschiff hat man ja noch einen guten Grund, die Küste entlang zu tuckern: Versorgung. Dieser Auftrag fehlt am Kreuzfahrtschiff. Es ist umwelttechnisch schwer zu argumentieren, die Weltmeere zu befahren. Umso mehr geben sich die Unternehmen Mühe, "Nachhaltigkeit" zu vermitteln. Es gibt keine Plastikflaschen an Bord, sondern Metallflaschen für die ganze Reise und Wasserspender. Es gibt Mülltrennung, Gedanken zur Entsorgung von Grauwasser, Bio-Kraftstoffe und Hybridantriebe mit zuschaltbaren Batterien, die bei Versorgungsspitzen verhindern, dass ein weiterer Motor aktiviert werden muss. Dazu kommen die Inhalte der Wissenschafts-Programme an Bord: Vorträge, Beteiligungen bei Citizen-Science Projekten. Wissenschaftler:innen von Universitäten, die Forschung in der Antarktis machen, werden mitgenommen. Sie halten Vorträge und informieren die Gäste über ihre Arbeit. Das klare Bekenntnis auch zur Diversität in der Crew bedeutet allerdings, dass ihre Mitglieder aus der ganzen Welt eingeflogen werden müssen. Natürlich auch die Gäste. In Summe ist das für das Klima ein Spagat, der sich nicht ausgehen kann. Ich verwendete für mich das "Mitarbeiterargument" – ich wollte den Betrieb hinter den Kulissen kennenlernen. Es sind kleine Schiffe, mit denen ich unterwegs war. Schwarz aus dem Schornstein hat es nicht rausgeraucht. Es war kaum wahrnehmbar.
Die Vorbereitungen: Onboarding
Man wird ausgebildet. Einerseits durch Videos von den Führungspersonen des Unternehmens. Der CEO erzählt, dass er am liebsten auf Reisen auf einer Busstation im Nirgendwo auf einen Bus wartet, von der er nicht weiß, ob er kommt. Bemerkenswerter Hintergrund für einen Reiseveranstalter, der garantiert Leute wo abholt und hinbringt. Weitere Führungspersonen erzählen von der Vielfalt im Team, und von der Kunst, Vorträge zu halten: "Töte nicht mit Powerpoint Bullets" - sondern mache "dich" zum Teil der Geschichte. Es gibt einen Onlinetest, bei dem man lernen kann, wie das Unternehmen funktioniert. Das Schiff wird von Norweger:innen geleitet, von Filipinos betrieben, diese Antwort wird im Test eingefordert, das soll man wissen.
Bei der Ausbildung für den Job wurden auch "formative experiences" besonders erwähnt, die prägenden Erlebnisse, und wie man die Gäste dabei unterstützen kann, die Bedeutung des Momentes zu deuten. Was bedeutet das für sie, zum Beispiel einen Wal zu sehen. Nie sollte man sagen, „aber bei mir war das noch vieeeel besser“. Man soll überhaupt wenig über sich reden. Spannend war auch die Vorbereitung darauf, dass Gäste im Laufe der 10 oder 14 Tage unterschiedliche Phasen erleben. Wenn sie an Bord kommen sind sie eher beunruhigt, gestresst, das Neue ist noch unbekannt. Das regelt sich dann und im Mittelteil der Reise sind sie im Flow, um dann gegen Ende wieder in einen höheren Stressmodus zu gehen.
Die Crew und das Expedition-Team
150 Crew Mitglieder und um die 400 Gäste. Es gibt Activity Guides – für Wanderungen, Kayakfahren, Zelten. Es gibt das Science Team – für Vorträge, Workshops, und Forschungsprojekte (Wale, Robben, Pinguine, Eis). Es gibt die Expedition-Coordinators – für die Einteilung der Gäste bei Ausflügen. Chef:in ist die/der "Expedition Leader", immer in engem Kontakt mit der Brücke. Dazu kommen noch Expedition-Assistants für das Tagesprogramm, Activity- und Science-Leader/Coordinator:innen, Dolmetscher:innen, Fotografen und neu auch Videographers. Sie sagen zueinander „Hello my friend“, wenn der Name nicht bekannt ist, und immer wieder zwischendurch, "wie gehts?". Die meisten lernt man sehr schnell kennen.
Erste Fahrt: Die Reise zum Nordkap
14 Tage ab Hamburg, der erste Tag über die Nordsee mit begleitendem Orkan. Seekrankheit kann man nicht vorhersagen, es war aber allen sehr schlecht. Dieses ständige Rauf- und Runterheben des Schiffes. Dieses Rollen nach links und rechts, und das Hineinkippen in die Wellentäler nach vorne und zur Seite. Übel. Die Seekrankheit verschwindet zum Glück unmittelbar, wenn der Wellengang vorbei ist. Es ging dann recht ruhig zum Nordkap rauf und runter wieder nach Hamburg, mit vielen Stationen für Landausflüge.
Für Österreicher:innen und Deutsche ist das Nordkap ein besonderer Ort. Einmal im Leben möchte man dort gewesen sein. Als offizielles Reisetagebuch habe ich für alle Gäste die „Daily Blurbs“ geschrieben, das Reisetagebuch: Link zum PDF.
Ich war als „Environmentalist“ an Bord, also Spezialist für Physik, Wetter, Umweltthemen. Die Farben im Herbst: blau, grün, gelb-orange. Rote Häuser, grünes Nordlicht. Wolken beobachten für das NASA-Globe-Cloud Projekt. Nachdem ich Physik und Mathematik studiert habe, und Geografie auch, das passt inhaltlich gut zusammen. Dazu habe ich Workshops über Reiseberichte gehalten und die Strickrunde betrieben. Jeder bringt ein bisschen was noch extra mit, andere machen Yoga-Stunden oder erzählen Geschichten, geben ein Flötenkonzert.
Jeden Abend gab es ein Teammeeting, in dem der aktuelle Tag besprochen wurde, der nächste Tag vorgestellt und gegebenenfalls Sonderthemen (Erste Hilfe) präsentiert wurden. Am ersten Tag erhielt jede:r Neue vom Sicherheitsoffizier ein Sicherheitstraining. Es gab jede Fahrt auch Crew-Drill, bei dem die Abläufe im Alarmfall geübt wurden, für Gäste gab es eine eigene Übung. Bei meinem ersten Drill war ich auf der falschen Seite, beim falschen Boot. Deswegen übt man das. Beim nächsten Mal hat es geklappt. Jedes Crewmitglied hat eine Sicherheitsnummer ("304"), im Alarmplan ist verzeichnet, welche Aufgabe diese Person im Alarmfall zu tun hat. Bei mir: "Available Crew - report at the reception".
Die vier Reisen in die Antarktis
Vier mal zehn Tage zum beginnenden Sommer, Mitte November. Reisen in die Antarktis starten in Ushuaia, in Argentinien, an der Südspitze Südamerikas. Man überquert zuerst 800 km die Drake Passage, an der Atlantik, Pazifik und der südliche Ozean zusammenstoßen. „Drake lake“ oder „Drake shake“ hieß es immer, die Passage kann friedlich sein (Wellen 2m) oder anspruchsvoll (Wellen 4-5m) oder übel (7 und mehr m Wellen). Bei uns war alles gemischt, und einmal „übel+“, ich bin fast vom Sessel gefallen, ein anderes Schiff auf der Passage hatte eingeschlagene Fenster.
Die Umlauftage am Hafen waren immer extrem geschäftig, ruhiger dafür die Seetage zuvor. Am Abend vor dem Ende einer Tour sammelten wir die Koffer in den Gängen ein, am Morgen des nächsten Tages kommen Busse und transportieren Koffer und Gäste zum Flughafen. Ich habe dann immer schon am Flughafen in den Bussen die neuen Gäste für die nächste Tour eingecheckt. Das war immer nett, die Leute zu begrüßen, sich vorzustellen und eine Idee von der Reise zu geben. Am ersten Abend dann immer an Bord das Vorstellen des Teams.
Einen Tag und eine Nacht fährt man über die Drake zur Antarktis, und zwei Tage retour, wegen dem Wind. Diese Seetage sind dann gut auszuhalten, wenn man die Medikamente richtig nimmt, falls nicht, wurde problemlos freigestellt und konnte im Fall der Fälle in der Kabine flachliegen. Die Vorträge wurden dann von jenen gehalten, die es konnten.
In der Antarktis
Wir erreichen die antarktische Halbinsel, die mit dem Kontinent verbunden sind. Entlang dieser Halbinsel gibt es vorgelagerte Inselgruppen, die besuchbar sind. An 6 Tagen besteht die Möglichkeit, bei passender Wetter- und Eislage, anzulanden, also die Schlauchboote (Zodiacs) auszupacken, die Gäste raufzusetzen und vom Schiff an Land zu bringen. Die Gewässer sind durch die vorgelagerten South Shetland Inseln ruhig. Einmal versucht man dann auch mindestens am Kontinent selbst zu landen, und nicht auf einer Inseln. Spannend sind auch der Lemaire- und Neumayerkanal zwischen den Bergen, Gletschern, Eisbergen.
Es ist still. Die Pinguine sind entzückend. Man hinterlässt bei den Anlandungen nichts, außer Fußspuren. Nicht einmal aufs Klo geht man dort. Tiefe Löcher von Stiefeln werden zugeschaufelt, damit kein Pinguin reinfällt und steckenbleibt. Die Anlandungen sind die „Währung“ der Reise. Das ist es, wofür das Unternehmen hinfährt, das ist, was auch die Gäste wollen. Wenn sich Pinguinpfad mit Menschenpfad kreuzt, haben Pinguine immer Vorrang.
Die Lufttemperatur ist im beginnenden antarktischen Sommer wärmer als erwartet, an den Küsten hat es um die 0 Grad. Die Farben: weiß, blau, grün/azul bei Eisbergen.
So funktioniert eine Anlandung: Das Schiff bleibt stehen, stabilisiert sich durch Propeller und nicht durch den Anker. Die Tenderpit wird geöffnet. Ein Pier für die Zodiacs-Schlauchboote entsteht am Schiff. Die Schlauchboote (5-20) werden mit einem Kran ins Wasser gehoben. Zur vereinbarten Briefing time kommt das Expedition team (10 Personen etwa) angezogen und mit Schwimmweste zum Tenderpit, lädt durch eine Ameisenkette Strandungstaschen („Stranding“, mindestens 48h muss man aushalten, sollte man vom Mutterschiff getrennt werden), Stöcke, Flaggen, und Rettungsmittel ins erste Boot und fährt los. Die Expeditionsleiterin dirigiert die Fahrt an die beabsichtigte Landestelle. Treibeis, das mehr wird, könnte die Anlandung verhindern, wenn nicht, werden in den Schnee Stufen werden geschaufelt, und am Land Pfade ausgetreten und beflaggt. Gekreuzte Flaggen bedeuten „Stopp“. Die Crew wird positioniert, der Kanal am Funkgerät wird getestet, wenn alles passt, kommen die Gäste, schlauchbootweise und sehr koordiniert. Manche Stellen dürfen nur eine Maximalzahl von 60 Gästen an Land haben, andere 100.
Schwierig war, nicht aufs Klo zu gehen und daher vorher wenig zu trinken - man darf ja nichts dort lassen, Schnee oder Regen waren weniger ein Problem, weil die Ausrüstung grandios ist. Wind allerdings hat jede lange Stehtzeit kalt gemacht. Da war dann heiße Suppe und eine heiße Dusche fein danach.
Für mich selbst war die Antarktis wie das Ankommen auf einem anderen Planeten.
Die Daily Blurbs von den vier Fahrten werden noch zusammengestellt. Ich werde sie nach Erhalt hier verlinken.
Übrigens: Auch die historischen Reisetagbücher der Entdecker:innen sind spannend. Von Ernest Shackleton zum Beispiel. Ein Hörtipp auch: der Weltrekord in der Umsegelung der Antarktis von Lisa Blair, besprochen in Conversation von ABC Radio National.
Die IAATO kontrolliert alle Schiffsbewegungen und Anlandungen in der Antarktis. Die "International Association of Antarctica Tour Operators". Das Abzeichen ist auf allen Uniformen drauf. Es gibt eine Einschulung, an denen man teilnehmen muss, auch die Gäste. Als Crew-Mitglied gibt es auch eine Onlineprüfung, man muss sich gut einlesen.
Es gibt relativ strenge Regeln: nicht in den Schnee setzen in der Nähe von Vögeln (Vogelgrippe Übertragungsgefahr). Ein Ornithologe überprüft den Abstand zu Pinguinkolonien. Es gibt "Observer", die auf den einzelnen Schiffen mitfahren, um zu kontrollieren, ob sich alle an die Regeln halten.
Spannende Momente
Jede Tür darf man am Schiff öffnen, die nicht gerade mit einem großen Hebel versehen ist. Man soll sich nämlich auch überall gut auskennen. Die Brücke darf man jederzeit besuchen. Was dann weniger oft vorgekommen ist, als beabsichtigt. Einerseits wegen dem Wellengang, der von der Brücke besonders „hübsch“ erlebt wird, andererseits gibt es so viel zu tun, dass man lieber mal erst schläft, bevor man extra wo hingeht, wo man nichts zu tun hat.
Schön war es, an den Endpunkten der Pfade an Land für mehre Stunden immer zu stehen. Aufgabe war dabei auch, die Gäste bei ihren „formative experiences“ zu begleiten, den „prägenden Erlebnissen“. Oft sind sie einfach nur gestanden und haben geschaut. Oft haben sie fotografiert. Manchmal haben sie geredet. Manchmal habe ich nachgefragt, was den Blick für sie so schön macht. Das waren immer sehr nette Gespräche, oft berührend, weil manche von ihnen auch eine Mission mitgenommen haben, warum sie hier sind, und manche die Gedanken an einen verstorbenen Partner.
Auch für mich: Erstes mal Felsen der Antarktis, erstes Mal schwimmendes Eis, erstes mal eine Robbe, die auftaucht, ein Walrücken, eine Flosse. Erstes Mal Pinguine - drei Arten, die man lernt, auseinanderzuhalten: Gentoo, Chinstrap und Adelie. Den Geruch nach Zoo in ihrer Nähe. Erstes Mal Gletscher, riesige. Das Geräusch von brechendem Eis. Das Platschen kalbender Gletscher. Das Schaukeln mancher Eisberge durch Wellen, die zu ihrer Größe passen - es schaukelt immer nur einer.
Jede Anstrengung hatte eine Belohnung. Früh aufstehen um die Camper vom Land abzuholen - das Licht in der Früh war einfach traumhaft. Drei Kormorane, die im Tiefflug über Bucht & Boot flogen. Eisberge im Morgenlicht.
Der Platz am Vulkan: Wenn man sich in eine Richtung sattgesehen hat, drehte man sich einfach ein bisschen um, in die andere Richtung sieht es völlig anders aus. Und wenn man einmal rum ist, hat sich das Wetter geändert und alles ist wieder anders. Das Wetter wechselt alle 15 Minuten. Es kann auf der linken Seite des Schiffes anders sein, als auf der rechten. Das war das eigentliche Privileg: stundenlang da zu sein. Und die Wolken sind grandios.
Eisberge sind vielfach blau/grün. Es ist ein schönes Blau. Es gibt drei Erklärungen: das Eis absorbiert alle Farben bis auf blau/grün. Das Eis absorbiert nur rot, der Rest ist in der Mischung blau/grün. Das Licht wird ähnlich wie am Himmel besonders gut im blauen Bereich gestreut. Welche der Erklärungen die „richtige“ ist, ist wirklich alles andere als eindeutig. Es kommt nämlich auch darauf an, wie gemessen wird.
Ich verstehe nun, warum Menschen dorthin fahren. Oft haben die Gäste gesagt es wäre so „pristine“. Muss mal nachschlagen, was das genau heißt. Und sie haben recht. Unberührt. Keine Bäume. Keine Pflanzen. Aber Flechten, etwas Gras vielleicht. Keine Tiere, die an Land leben. Nur Vögel, Robben, die über das Meer kommen.
Was ich über Pinguinen gelernt habe
Pinguine sind neugierig und wirken sehr menschlich. Einer ist bei der Landestelle stundenlang dort gestand und hat den Menschen zugeschaut. Würden Pinguine nach Wien kommen, würde ich wahrscheinlich ein Mensch sein, der so dasteht.
Sie sind oft weit oben am Felsen und gehen dabei recht unbeholfen an Land, sie springen über kleine Gräben. Wenn es schnell gehen muss, legen sie sich auf den Bauch und schieben mit den Beinen an. Im Wasser sind sie schnell wie Fische. Zu Beginn des Sommers warten sie auf das Schmelzen des Schnees, damit sie Eier legen können. Sie stehen in Gruppen herum, und sie besuchen einander in diesen Gruppen. Sie schnäbeln oft in die Luft, manchmal jagt einer den anderen weg. Mit den zunehmenden Wochen steigt die Energie in den Gruppen, und es gibt gefühlt mehr Konflikte. Sie klauen sich auch die Steinchen, die sie für die Nester brauchen, um zu verhindern, dass die Eier von unten her nass werden.
Im Gespräch mit Rudi Radiohund
Hat sich zufällig ergeben, über Internetleitung haben wir ein bisschen geplaudert, und meine Radiokollegin Kathrin Wimmer hat dann zwei Folgen über die Antarktis und die Pinguine gestaltet. Das war sehr nett, ich war etwas seekrank (Drake!) beim Gespräch über Skylink/Internetleitung.
Wo ist Lothar? Rudi telefoniert in die Antarktis. Rudi schüttelt den Kopf und wischt mit seinen Pfoten über das Smartphone seines Herrlis. Seit einigen Wochen postet sein Radiokollege Lothar Bodingbauer lustige Bilder von Eis und Schnee und Pinguinen und Seerobben und so weiter. Der Radiohund ist verwirrt: "Lebt Lothar jetzt im Schönbrunner Zoo in der Gefrierabteilung? Oder, wo ist dieser Lothar?" Rudi platzt vor Neugier und ruft ihn an. (13.12.2023, ORF Radio Ö1, Rudi – der rasende Radiohund)
Welche Farbe haben Pinguinsohlen? Rudi telefoniert mit seinem Radiokollegen Lothar Bodingbauer. Der ist gerade in der Antarktis und beobachtet Pinguine. Das bedeutet, er steht stundenlang im Schnee herum und schaut den flugunfähigen Vögeln zu. Meistens sind sie neugierig und schauen zurück, oder watscheln herum. „Besonders lustig ist es, wenn sie auf ihrem Bauch über Eisplatten rutschen“, erzählt Lothar. Dabei konnte er herausfinden, welche Farbe die Unterseite ihrer Füße hat. Der Radiohund ist entzückt. (18.01.2023, ORF Radio Ö1, Rudi – der rasende Radiohund)
Durch die Tätigkeit als Vortragender war ich in der Position, einerseits Wissen zu präsentieren - andererseits aber, es selbst zu lernen. Neu waren für mich die Wolken, die ich beginnend mit Juli in Österreich versucht habe, zu verstehen, es war ein Anfang. Wolken sind wie eine Sprache. Dazu gibt es die Cloud Appreciation Society, und das Buch Cloudspotter's Guide dazu, und eine Podcastepisode von ABC-Radio National.
Den Gästen hat das gut gefallen, gemeinsam die Sprache der Wolken zu entdecken, sie erzählen nämlich etwas, über das Land über dem sie schweben, und über den Himmel darüber. Wolken sind eher keine Dinge, sondern Prozesse.
Dann: die Vogelkunde. Es waren immer Ornithologen mit dabei, und in Gesprächen mit ihnen habe ich versucht, herauszufinden, wie man „Vögel lernt“. Aussehen, Silhouette, Lebensraum/Ort, Verhalten, Brut und Lebensweise, Ökosystem, Parasiten. Auch das ist wie eine Sprache.
Arbeitsplatz Expeditionsschiff
Es ist wie eine Mischung aus Shopping-Mall, Universität (fahrendes Klassenzimmer), Tiefgarage, Tiergarten, Nationalpark, und Staatsoper. Die herumfährt, und schaukelt, wenn es See gibt. Das Spannende ist, mitzuarbeiten. Wie in der Oper sehen die Gäste im Zuschauerraum die Aufführung auf der Bühne. Der technisch Raum dahinter ist ebenso groß, und unfassbar spannend. Auch inhaltlich, wie Wirklichkeit gestaltet wird, was das Produkt ist, warum man das macht – das alles bekommt man als Crewmitglied mit.
Sicherheit geht am Schiff vor, das ist überall zu spüren. Jede:r der Crew hat die "Macht", "unsafe work" zu stoppen, wenn man der Meinung ist, dass sie nicht sicher ist. Es wurden auch immer wieder potenziell unsichere Situationen besprochen, die aufgefallen sind.
Wie viel verdient man auf einem Schiff?
Als Gastlektor waren 1700 norwegische Kronen (170€) pro Tag vereinbart, An- und Abreisetag zählen extra. Dafür arbeitet man laut Vertrag, den man unterschreibt, pro Tag 12 Stunden. De facto ist man 24 Stunden an Bord, arbeitet überall mit, wo es notwendig ist. Nach zwei Monaten hat man insgesamt um die 10.000€ verdient, die punktgenau abgerechnet immer zur Monatsmitte am Konto landen. 40 Tage am Stück zu arbeiten, ist ein recht üblicher Wert. Danach Urlaub.
Jetzt kommt es darauf an, wie viel Steuern zu zahlen sind. Diese Steuern - und Sozialversicherungsbeiträge - fallen im Wohnsitzland an. Diskussionen darüber, wo man wohnen sollte, um den Steuerbetrag zu verringern, gibt es unter Kolleg:innen. Manche Länder haben auch Regelungen für Seefahrer:innen. Angestellte Crewmitglieder erhalten pro Arbeitstag einen Tag frei an Land. Viele Gespräche drehen sich darum, wie man auf Dauer Beziehungen gestalten und erhalten kann.
Trinkgeld? In Norwegen explizit nicht erwartet - und auch im Programm so angegeben - trotzdem bekam jeder im Team € 34. In der Antarktis pro zwei Fahrten € 20, da gab es für die Gäste eine Urne zum Einwerfen an der Rezeption. Beim Teammeeting wurde ein Bündel Geld durchgereicht, jeder durfte sich 20€ oder 20$ nehmen.
Und es hat auch mal nicht so gut geklappt
Nach einigen Stunden in der Kälte an einem Punkt habe ich es abgelehnt, Fotos von Gästen zu machen, weil meine Hände so kalt waren, und ich die Handschuhe zwar aus, aber kaum mehr anziehen hätte können. Weil ich nicht wusste, wie lange ich noch dort stehen musste. Selbstschutz geht vor. Es war richtig so. Aber dieses „nein“ war dennoch ungewöhnlich. Ich stand an diesem Nachmittag auch eher abseits und war mürrisch, was ungewöhnlich war, weil man üblicherweise immer mit den Leuten plaudert. Ich habe dann aber am Abend das in der Programmvorschau angesprochen und die Sache erklärt.
Spannend war der Anspruch, Wartezeiten für Gäste durch Gespräche nett zu machen. Ich empfand das nicht als Show, sondern als eine sympathische Herausforderung. Durch die Rolle als Crew ist man stimmungsgestaltend. Man erzählt, was gerade passiert, warum man wartet, man fragt nach, wie es geht. Man ermuntert. Das funktioniert.
Filmtipp: The Triangle of Sadness. Witzig über die Schnittstelle Crew und Gäste auf einem Schiff. Im Kern stimmt vieles, wenn auch zugespitzt und ab dem Mittelteil des Schiffes drastisch kippend.
Ich konnte übrigens kein Boot anbinden, als man mir ein Seil zuwarf. Knoten muss man zuerst lernen. Ein Pferd anbinden, ein Boot.
Was sind das für Leute?
Alle, die dabei sein, haben das Leuchten vom "Leben unterwegs" in den Augen. Der Kern der Crew, die auch letztlich jene Menschen sind, die diese Fahrten gestalten, das waren besonders in der Antarktis bemerkbar, das sind „Landing-people“. Die aufgehen, wenn sie bis zum Bauch in wasserdichter Kleidung im Wasser stehen, um die Boote zu halten oder wegzuschieben - die in Schnee und Eis Spuren machen, es sind Outdoor-Leute mit viel Reiseleitungserfahrung, die koordinieren, Prozesse gestalten, optimieren. Mit roten Ohren, voll dabei. Das ganze als Unternehmen natürlich betrieben, um letztlich Geld damit zu verdienen. Sehr glaubhaft wird der Crew vermittelt, dass sie wichtig ist, ohne sie gäbe es das "Produkt" nicht.
Gut gefallen hat mir, dass das Unternehmen auf seine Mitarbeiter:innen schaut. Mobbing geht gar nicht, es gibt eine designierte Person an Land, sollte ein Problem nicht an Bord geklärt werden; Team-Verantwortliche sprechen zum Beispiel an, dass man nicht sagen soll: "Talk to the girls at the expedition desks" - es sind "Expedition coordinators", die sich um ein Problem annehmen. Das auch von der Crew sprachlich einzufordern, gefällt mir gut. Oder von "Operation guidelines" zu sprechen, das wäre die eine Seite, wenn es um Regelungen für das Benehmen in der Antarktis geht, es aber dann "Operation procedures" zu nennen, um den Spielraum rauszunehmen, auch wenn es letztlich nicht rechtlich verpflichtend ist, auch das gefällt mir gut.
Zusammenfassung und Rückblick
Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass sich das ganze Unternehmen in Summe ökologisch argumentativ nicht ausgeht. Es war eine wirklich spannende Erfahrung. Das Arbeiten im Team war grandios. Die Landschaft unglaublich. Die Menschen bezaubernd. Die Teamführung bedeutend. Ich habe viel Neues gelernt, und Bekanntes neu sortieren können. Finanziell war es solide. Sozial phänomenal. Harte Arbeit auch. In Summe eine faszinierende Abwechslung.
Noch eine witzige Geschichte
Bei meiner letzten Fahrt in die Antarktis war ein Ehepaar aus Los Angeles dabei, die ursprünglich aus Sarajevo sind. Ich habe sie kennengelernt, als ich sie nicht fotografieren konnte, weil meine Hände so kalt waren, dass ich sie nicht wieder in die Handschuhe gekriegt hätte. Das habe ich in den Tagen drauf durch besonders viele Foto gutgemacht, und wir haben immer sehr nett miteinander geplaudert, wenn wir uns getroffen haben. Dann habe ich einen Vortrag über Farben gehalten und als erstes Bild (Farben entstehen im Kopf oder im Computer) das neue Bild vom James-Webb-Weltraumteleskop gezeigt, und erzählt, dass das ja Infrarot ist, und der Computer das zu Farben übersetzt.
Nachher hat mich der Mann gefragt, ob ich weiß, warum das im Infrarot arbeitet, und ich habe weder ja noch nein gesagt, sonder "warum?" gefragt, und er hat mir das erklärt „wegen der Rotverschiebung hat sich das Interessante ins Infrarot verschoben“, und wir haben noch über das Teleskop geplaudert (Lagrange Punkt 2), und weil er so am Punkt davon erzählt hat, habe ich ihn gefragt, warum er das alles weiß, und er hat gesagt, weil er es gebaut hat. Huiiii – Klar, da waren mehr beteiligt, weil Team und so, aber das war schon lustig, und ich hab kurz geprüft, ob ich in meinem Vortrag nicht allzu viel Blödsinn erzählt habe…
Viele Themen habe ich angeboten, nicht alles konnte ich halten. Aber es war auf jeden Fall sehr nett, mit den Gästen fachlich seriös, aber in einer gewissen Leichtigkeit und auch Neuartigkeit im Blickwinkel über die Themen zu sprechen. Es ist nett, wenn Gäste nach dem Vortrag kommen, um noch zu diskutieren, oder einfach um zu sagen, dass es ihnen gefallen hat. Die Vorträge wurden auf Englisch und Deutsch gehalten und oft wurde auch simultan gedolmetscht.
Das Wetter verstehen: Wetter ist nicht nur ein Zustand, es ist ein Prozess. Um Wolken, Winde, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag zu verstehen, werden wir die Physik bitten, uns die grundlegenden Konzepte des Wetters zu erklären.
Die Geschichte der Wissenschaft: Wo ist der Unterschied zwischen Wissenschaft und Glauben? Wie die wissenschaftliche Methode funktioniert und ob die Ergebnisse bewiesen werden können. Wissenschaft ist die Suche nach der besten Beschreibung unserer Umwelt.
Die Farben der Natur: Blauer Himmel, grüne Gewässer, rote Sonnenuntergänge, schillernde Farben von Insekten und Vogelfedern. Das Grau der Felsen. Wie entstehen Farben in der Natur und was verraten sie uns über die Objekte, aus denen sie entstehen?
20 Arten von Eis: Eis und Schnee sind zwei Formen von gefrorenem Wasser. Es gibt noch 17 weitere, von denen eine zwischen der Erde und dem Mond zu finden ist. Wo finden wir die Modifikationen von Eis und wie entstehen sie?
Meeresströmungen und Windsysteme: Meeresströmungen und Windsysteme - Wie beeinflusst die ständige Strömung von Meerwasser und Wind um den Globus das Leben an den Küsten der Ozeane? Angewandte Thermodynamik ist der Schlüssel dazu.
(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)
Die "Tiny Talks" (15 min)
Wolken. Die verschiedenen Arten von Wolken und wo wir sie finden können.
Den Meeresspiegel verstehen. Warum es nicht einfach ist, den Meeresspiegel zu erklären, und wie er sich verändert, wenn das Eis schmilzt.
Energie für das Leben. Es ist ein erklärbares Wunder, wie die Energie der Sonne in die Lebewesen kommt. Kurzfassung: durch Chlorophyll und Mitochondrien.
Geht es nur mir so, oder ist es hier drinnen kalt? Wenn uns kalt ist, ist das nicht nur ein Zustand "niedriger Energie", sondern ein Prozess, der Energie von uns an die Umgebung abgibt. Wenn wir uns warm fühlen, kehrt die Energie zurück.
Meeresströmungen und Windsysteme - Wie beeinflusst die stetige Strömung von Meerwasser und Wind um den Globus das Leben an den Küsten der Ozeane? Angewandte Thermodynamik ist der Schlüssel dazu.
Wie schwimmt ein Schiff? Um Schiffe zu verstehen, müssen wir den Auftrieb verstehen.
Navigieren in antarktischen Gewässern: Die faszinierende Geschichte des Südlichen Ozeans.
Im Uhrzeigersinn um die Antarktis: Der antarktische Zirkumpolarstrom.
Die Drake-Passage: Wo Ozeane sich treffen. Dank der Drake-Passage ist der antarktische Zirkumpolarstrom die einzige Meeresströmung, die um einen ganzen Kontinent fließen kann.
(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)
Die Workshops (45 min)
Do it yourself Wissenschaft: Entwickeln und Vorschlagen einer wissenschaftlichen Frage an die Natur, die während der Reise untersucht und beantwortet wird; die Ergebnisse werden im letzten Teil des Workshops präsentiert.
Experimente zur Ozeanographie: Erforschen Sie die Physik des Ozeans mit Werkzeugen und Zutaten, die in jeder Küche zu finden sind.
Schreiben auf Reisen: Was sind die Zutaten für einen Reisebericht? Wir werden Konzepte und Ideen entwickeln, sie mit Beobachtungen vor Ort füllen und das Ergebnis präsentieren: eine Reisegeschichte, die geschrieben, fotografiert oder aufgezeichnet wurde.
Fotos so bunt: Bringt eure Fotos mit! Woher kommen die Farben? Physiker können die verschiedenen Ursprünge der Farben erklären, was zu einem tieferen Einblick in die fotografierten Motive führt.
Stricken Sie mit: Bringen Sie Ihr Strickzeug mit, um gemütlich zu stricken und zu plaudern. Haben Sie Ihre Arbeit vergessen? Kommen Sie einfach zum Plaudern! (Zwangloses Treffen)
(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)
Kontakt mit Florida
Kontakt mit Florida — Frau Lindinger, oder Frau Lindhuber, wahrscheinlich hieß sie Frau Lindlbauer, war eine alte Frau mit weißen Haaren, die in einem Wohnblock in der Nähe der Badstraße in Altheim lebte. Wir lehnten unsere Fahrräder an die Büsche vor dem Haus, als wir sie besuchten. Ein Zugang zum Stiegenhaus, eine Treppe, ein schmaler Vorraum, in dem Frau Lindlbauer stand. Sie hatte einen Luftpostbrief in der Hand, aus Tampa, Florida. Mit rot-blauen Streifen und dünnem Kuvert. Der Brief in englischer Sprache. Von ihrer Tochter? Mhm, kann nicht sein. Frau Lindlbauer hat meinen Vater gebeten, ihn ins Deutsche zu übersetzen. Das hat er mehrfach getan. Und ich glaube, dafür bekam ich als begleitendes Kind Schokolade. Wann das war? Kindergartenzeit, glaube ich. Aber seither gibt es Florida in meinem Leben.
Schule anders? Kommentar zum Kommentar
In ihrem Kommentar zur Zukunft der Schule vom 19. August sitzt die Autorin bereits in der Überschrift "Weg mit dieser Schule" dem Trugschluss auf, dass Schule die Gesellschaft verändert. Es ist genau umgekehrt. Die Gesellschaft verändert die Schule, und wenn sich nichts ändert, ist die Mehrheit der Gesellschaft offenbar mit diesem Schulsystem sehr einverstanden. "Zerschlagt das Schulsystem" ist daher eher als Ruf nach einer gesellschaftlichen Revolution zu sehen, als einer revolutionären Neugestaltung des Schulsystems. Und warum auch nicht. Für die Zeit nach einer derartigen Revolution schlage ich vor: Schule ohne Ferien – weil Schule ein Ort ist, an dem es immer was zu lernen gibt. Wer genug gelernt hat, bleibt eine Zeitlang weg. Schule mit Lehrer:innen, die ihren Arbeitstag dort verbringen und mit dem Lehrplan im Hintergrund Tages- Wochen- und Monatskurse anbieten, an denen die Schüler:innen nach Lust und Interesse teilnehmen. Auf unterschiedlichen Niveaus, immer mit Sprachförderung. So können alle – und das schlägt die Autorin des Kommentars auch vor – gemeinsam zur Schule gehen. Fächer würden sich Themen unterordnen. Noten kann es da keine geben, sie würden bestehende Verhältnisse zementieren, es würde geschummelt werden. Feedback von vorbildlichen Lehrer:innen würde die Noten ersetzen. Schulen, die auch als Wohnräume gestaltet sind, würden es allen Beteiligten erleichtern, gerne dort zu sein. Das zu erreichen ginge nun auch ohne die im Kommentar vorgeschlagene Notbremse. Im bestehenden Schulsystem haben engagierte Teams sehr wohl sehr viel Gestaltungs- und Entwicklungsspielraum.
Lothar Bodingbauer ist Wissensvermittler via Radio, Podcast und Unterricht, er unterrichtet Physik und Mathematik am Abendgymnasium Wien. https://www.sprechkontakt.at
Unterwegs gesehen und gehört
Im Schienenersatzbus von Weyer an der Enns nach Waidhofen an der Ybbs. Eine wirklich kurze Strecke:
Kostbar (Kneipe in Weyer)
Drunter und Drüber (Dessous und Kleidung, Geschäft ebendort)
„Ab und zu vermisse ich dich nicht, ab und zu schon.“ (Jemand telefoniert im Bus)
Geschichten, Sprache und Geräusche
Eine besonders schöne Radiosendung, die mit Sprache und Geräuschen eine ganze Welt entwickelt, ist diese: Eider Island by Falling Tree Productions. Es geht um Vögel und um Menschen auf einer Insel, und die Menschen, die dort leben.
Vorgestellt wurde diese Sendung im "How Sound Podcast", einem englischsprachigen Podcast über das Radiomachen, in welcher Episode, weiß ich wieder: Folge 279. Empfehlenswert ist der Podcast für Radiomacher:innen überhaupt. Klar, auch für Podcaster:innen, obwohl es halt wirklich viel Arbeit ist, so mit Tönen zu gestalten.
4 Tipps für die erfolgreiche Radiogeschichte
Wenn du einen Konflikt erlebst, mische dich nicht ein, oder versuche ihn gar zu lösen, sondern lehne dich zurück und beobachte.
Gehe die Hauptstraße hin, aber hinter den Häusern zurück.
Wenn jemand sagt, alle sind einer ganz bestimmten Meinung, finde die Person, die anders denkt.
Schau auch ein bisschen auf die Bücher im Regal, besonders jene, die herumliegen, die gerade benützt und gelesen werden.
Journalismus und Wahrheit
Kein Phänomen wird so misshandelt wie die Wahrheit. Sie wird ans Licht gezerrt, veröffentlicht, gebeutelt, sie wird geknetet. Jede:r sucht sie. Viele glauben sie zu haben. Journalismus allerdings ist die Suche "nach dem anderen Standpunkt". Und Wissenschaft die "Annäherung an das Beweisbare". Von blanker Wahrheit ist da keine Spur. Das schauen wir uns an. An vielen Beispielen und an eigenen Ideen.
Schreiben wie ein Hai
Gute Texte. Man soll sie lesen können. Wenn man müde ist, und schlapp schon vor dem letzten Bild noch im Museum steht.
Gute Texte braucht es auch bei schriftlichen Arbeiten. Bei Angaben. Abgaben. Es sind die Klein- und Gebrauchstexte, mit denen wir das Publikum gewinnen können. In welcher Form steht wo das Verb? Beschäftigen wir uns mit einem Zustand, mit dem Prozess?
Im Workshop lernen wir unsere Texte einfach mal "besser" zu machen. Eine "Wahrnehmung der Bedeutung" ändern wir möglicherweise zu "ich nehme wahr, was es bedeutet".
Wir werden genau diese Wahrnehmungsfähigkeiten auch trainieren: Worauf schauen wir beim Lesen? Und dann: worauf schauen wir beim Schreiben.
Storytelling
Wir erzählen einander Geschichten. Was passiert ist. Was vielleicht passieren wird.
Im Workshop "Storytelling" entwickeln wir Geschichten. Ausgehend von der Frage: "Worüber lohnt es sich zu reden?" finden wir Themen bei einem "doppelseitigen" Spaziergang, bei dem wir erst vor die Kulissen, und dann hinter die Kulissen schauen. Im gemeinsamen Gespräch werden wir jene Punkte identifizieren, die zu berichten spannend sind.
Obwohl es einige Leitlinien gibt, was eine gute Geschichte ist, und wie sie vermittelt wird, steht in meinem Workshop zum Storytelling der Prozess der gemeinsamen Erarbeitung im Mittelpunkt.
Wirkungsvolle Strategien lernen wir im "reverse engineering" einer guten Radiogeschichte kennen. Und: Storytelling beinhaltet immer die/den Erzähler:in, es gibt keine fertigen Rezepte die einzigartig sind. Es gibt nichts zu kopieren.
Wer eine Geschichte vorschlägt, die es sich lohnen soll, zu machen, wird zum Vorstellen folgende drei Punkte vorbereiten:
Ich mache eine Geschichte über …
Es geht darin um …
Und das Besondere daran ist …
Im Zug
Es ist keine Kunst, in der Ruhezone der Eisenbahn etwas zum Aufregen zu finden. Steigt einer ein. Setzt sich fast hin und fragt: "ist da frei?". "Grüß Gott, bitte gerne." Lektion erteilt. Man grüßt. Kontaktaufnahme. Anfänger. Sein Telefon läutet nach 2 Minuten. Maximal laut, und der Klingelton das Scheppern eines Weckers. Kurzes Gespräch. Nach weiteren zwei Minuten noch ein Anruf. "Könnten Sie das auf lautlos stellen, das geht einen ja in den Bauch". "Ja". Konziliantes Gegenüber. Er sucht keinen Streit. Und verabschiedet sich nach einer halben Stunde in St. Pölten mit einem freundlichen "Auf Wiedersehen".
Feedback zum Bienenpodcast
Am Podcast schätze ich die Vielseitigkeit der Themen und der Gesprächsparter, die Art, wie verschiedenen Ansichten Platz geboten wird, die Reflexionen über Entwicklung, Lernen und Beweggründe, dass sowohl die handfeste imkerliche Praxis und Erfahrung, als auch die Forschung zu Wort kommen. Dass praktische Erfahrung und akademisches Wissen denselben Respekt bekommen, die Dan-Carlin-mäßige Länge der Abschnitte (die Kakteen, Klasse! :-)), die Offenheit und Großzügigkeit, mit der Podcaster und die allermeisten Gesprächspartner ihr Wissen, ihre Erfahrungen und auch Fragen und Unsicherheiten teilen, die Gedankengänge, die von der Imkerei zu gesellschaftlichen/politischen Themen und von Österreich in die ganze Welt führen, die weltverbesserliche Grundeinstellung, die immer inspirierend und neugierig, aber nie missionierend rüberkommt. — Kerstin Namuth, Göteborg
Wünsche
Ich freue mich schon, wenn man wieder reisen kann. Dann werde ich herumfahren und mich wieder mit allen versöhnen.
12 Tipps für den eigenen Reisebericht
1) Eine Spur, die erkennbar verfolgt wird. Und wie verfolgt man eine Spur? Man startet bei etwas, das man bemerkt. Und dann geht's los. Man trifft Menschen und hört ihre Geschichten. Man blickt in die Vergangenheit und entdeckt ihre Spuren in der Gegenwart.
Beispiel: Der Katalog des Lebens, Carl von Linné, Radiosendung, aufgenommen in Uppsala, Schweden
2) Was bemerkt man? Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit dem Bekannten. Es wahrscheinlich unmöglich, vielleicht sogar unsinnig, einen Ort beim ersten Mal zu portraitieren – außer man hat Zeit. Was immer geht, sind Blicke. Die man bemerkt, die man beschreibt.
3) Nichts ist belangloser, als das, was an einem Ort „geboten“ wird.
4) Wenn etwas in besonders schönem Licht erscheinen soll, ist der Schmutz an den Rändern genauer unter die Lupe zu nehmen.
5) Manchmal bringen einen beim Aufnehmen die Fragen nicht weiter. Dann kann man es durchaus mit einer Feststellung probieren. Oder mit einem Ausdruck der Verwunderung. Der Bitte um Hilfe.
6) Die An- und Abreisen miteinzubeziehen ist je nach Umstand möglich, unvermeidlich, völlig irrelevant oder für den Beginn oder den Abschluss der Geschichte lebensnotwendig.
7) Im Radio erzählen wir eigene Geschichten, wir erzählen die Geschichten der anderen, und wir erzählen die Geschichten einer völlig leblosen Welt: die der Geräusche. Verkehrslärm ist zu vermeiden. Was vor Ort aufgenommen wird, das zählt. Es gibt so viele interessante Geräusche. Sie werden aber erst dann verständlich, wenn sie mit Gefühlen zum Leben erweckt werden.
8) Wir hören gerne jemandem zu, der von seinen Träumen spricht. Sollte niemand von seinen Träumen sprechen, hilft es, die Frage nach diesen Träumen als letzte Frage im Interview zu stellen.
9) Public Relations sind keine Träume.
10) „Ich“ oder „wir“ ist möglich, aber schwierig. „Wir“ kann man erst nehmen, wenn jedem klar ist, wer das ist. Und „ich“ kann man erst nehmen, wenn man als Gestalter interessant ist. Vorderhand also nie, aber es gibt Ausnahmen: „ich“ als Persona muss etabliert sein oder werden.
11) Scheitern hörbar, lesbar, spürbar zu machen, ist eine ehrenwerte Aufgabe und es kann böse enden. Es verrät viel über die/den, der berichtet. Und deswegen kommt es ganz darauf an. Sprich (zumindest im Radio) nicht über das, was letztlich nicht gelungen ist. Aber: einen Erfolg werden die Hörer:innen erst dann gestatten, wenn man zuvor ehrlich und nachvollziehbar gescheitert ist.
12) Worüber lohnt es sich zu reden? Zu schreiben? Wenn ich für mich schreibe: alles lohnt sich. Wenn ich für andere schreibe, dann sollte ich schlüssig die Relevanz nachweisen, zeigen, dass es sich lohnt, die Geschichte zu hören. Das funktioniert immer. Man dreht den Blickwinkel und wendet ihn. Man zoomt hinein, oder hinaus. Man hört Stimmen oder blendet sie aus. Die Relevanz muss für jede Geschichte neu verhandelt werden.
Extra: Es gibt in jeder Sprache die wunderbaren Wortgruppen. Für etwas, was ist (Dinge). Für etwas was passiert (Prozesse). Für die Vergangenheit und die Zukunft. Für Möglichkeiten und Bedingungen (Modalverben). Das alles spannt einen ganzen Raum für Neues auf.
Reisebericht, Reisejournalismus, Reden über die Reise
Es lässt sich immer auf eine Frage herunterbrechen: „Worüber lohnt es sich zu reden?“. Die Antwort auf diese Frage bestimmt, was ein guter Reisebericht ist. Was guter Reisejournalismus ist. Ob das, was über die Reise erzählt wird, spannend, packend, fesselnd, wirklich ist.
Ein gutes Beispiel findet sich überraschend nahe. 4 Bücher. Jemand hat eine vierbändige Gesamtausgabe von Graham Greenes Werken in die Ecke eines Lehrerzimmers einer Schule gestellt. Dort wo sich Druckerpatronen und Overheadfolien sammeln, altes Zeug, dort wo niemals etwas wegkommt, ich bin Lehrer dieser Schule. Man nimmt den ersten Band über die Ferien mit, um Graham Greene eine Chance zu geben. Eine Geschichte über die Reise eines Pfarrers durch den Dschungel Südamerikas. Eine Geschichte voll Hitze, Schmutz, Jammern und Niedertracht. Man nimmt es so hin. Aber spannend wird es, als man in einem anderen Buch des großartigen Reiseschriftsellers Paul Theroux eine Geschichte über Graham Greene liest. Er beschreibt dessen kurzen Aufenthalt in Südamerika, den er nach zwei Wochen mit Fieber abbrechen musste, sein Leben voller Widersprüche. Seine Abscheu vor Langeweile.
Nicht nur ist Paul Theroux ein Reiseschriftsteller, der vor allem die schwierigen Seiten einer Reise bemerkt und notiert, es ist der Zufall, der diese Kette an Beobachtungen aneinanderreiht. Eine Verbindung zu Bruce Chatwin, der wohl eine Tradition der Reiseschriftstellerei begründet hat, und der anfangs Freund dann Feind von Paul Theroux war.
Zu einer Spur, zu einer Spurensuche und zum Thema von Gedanken wird es, wenn in diese Landschaft nun auch das Lehrerzimmer eingebaut wird. Von wem stammt diese Gesamtausgabe? Gedruckt wurde sie vermutlich in den 1960-er oder 1970-er Jahren. Intakt mit Schutzumschlag, leicht eingerissen, ein wenig vergilbt. Wer stellt die Gesamtausgabe von Graham Greene sorgsam dorthin, wo sich nur altes Schulzeug ansammelt, das sich niemand traut, wegzuwerfen. Eine Lehrerin? Ein Lehrer? Vielleicht kurz vor der Pensionierung? Warum? Hat er oder sie das Werk gelesen? Den ersten Band? Die Geschichte aus dem Dschungel? Und hat diese Person die selbe Mühe gespürt, über die Plage der Reise und der politischen Umstände der Region zu lesen? Wie vermischen sich diese Welten? Überlappen sie sich, verlaufen sie parallel? Sind sie identisch?
Das, worüber man redet, ist nicht planbar. Es ist immer etwa, was sich vor Ort mit den Beteiligten, die man oft suchen muss, entwickelt. Es ist der Staub, der herumliegt, die Risse im Umschlag. Der wichtige Blick zum Konflikt. Zur Reibung der überlappenden Ränder. Das Beschreiben genau dieser Landschaft. Bereinigt um lose Enden und Dinge, die sich im Nichts wieder verlaufen. Zusammengestellt zu einer Geschichte. Die in meinem beschriebenen Fall dort beginnt, wo ich Paul Theroux das erste Mal entdeckte: Im „alten Patagonien-Express“, im Buch, das ich zuerst von ihm entdeckte. Die Geschichte hält im Lehrerzimmer kurz inne. Und geht in Therauxs Beschreibung vom Leben Graham Greenes wieder weiter. Sie endet in einem neuen Blick auf die vier Bücher. Und der Frage, von wem sie wohl sind.
2021
Zur Pandemie
Zwei Jahre leben wir nun mit Corona. Viel wurde erforscht, entwickelt und geredet. Folgendes lässt sich sagen:
Die Krankheit ist schlimmer als die Impfung.
Die Pandemie ist keine Privatsache.
Wissenschaft und Glauben sind fein zu unterscheiden.
4 Komplexitätsstufen einer Podcastproduktion
Wenn jemand gerne einen Podcast hätte, muss man ein Angebot legen. Das ist schwierig, wenn die Beteiligten noch nicht wissen, was genau sie haben möchten. Ich habe mich hingesetzt, und vier Levels definiert, die unterschiedliche Preise haben. Diese Levels kann der Auftraggeber auch mischen, besonders in der Entwicklungsphase von Episode 1 bis 10.
S (Preis: 25% einer XL Folge) „Small“: Vorhandenes Interview, Schnitt „mit Hand“ vorne & hinten, ggf. weitere Schnitte nach Vorgabe, Ähs; Audiobearbeitung und mp3- Bereitstellung.
M (Preis: 50% einer XL Folge) „Medium“: Vorhandenes Interview, intelligenter Schnitt „mit Hirn“ (journalistisch) auf vorgegebene Ziellänge, ggf. nach Vorgabe, Ähs; Audiobearbeitung und mp3-Bereitstellung.
L (Preis: 75% einer XL Folge) „Large“: Vorhandene Interviews, intelligenter Schnitt „mit Gestaltung“ (journalistisch/ dramaturgisch) auf vorgegebene Ziellänge, Ähs; ggf. Zwischentexte, „Audioplüsch“ (Akzente), Audiobearbeitung und mp3-Bereitstellung.
XL (Preis: 100% einer XL Folge) „X-Large“: Umsetzung eines Themas, ggf. Interviewführung; Schnitt und Mischung (journalistisch/dramaturgisch) auf vorgegebene Ziellänge, Ähs; ggf. Geräusche/Musikbrücken, Zwischentexte, Moderation/Präsentation, Audiobearbeitung und mp3-Bereitstellung.
Nachtzug
Aber mal ehrlich. Ich finde Schlafzüge auch super, aber zeig mir einen, in dem man nicht in Zellen reist, die einem Gefängnis gleichen. Oder einem Aquarium. Ich weiß nicht. Besser ist, und das ist mir lieber, am Tage zu reisen, Mittags in einem Städtchen auszusteigen und in einem guten Restaurant zu Mittag zu essen, am Nachmittag nach einem Spaziergang am fremden Orte wieder einen Zug zu ersteigern, um am Abend dort auszusteigen, wo eine Kleinstadt ist, um dort gepflegt zu nächtigen. Das Frühstück am gedecktem Tisch, bevor es wieder weiter geht. So dauert die Fahrt nach Paris vielleicht drei Tage, aber menschliche drei Tage, und man kommt ausgeruht und erholt am Zielort an.
Lebenskäse
Alltagsbeobachtung: Ein Vater kommt Samstag Mittag mit seinen zwei kleinen Kindern am Laufrad aus dem Spar. Packt eine Leberkässemmerl aus, atmet durch, beißt zuerst hinein (wie im Flugzeug: Sauerstoffmasken zuerst die Erwachsenen selbst aufsetzen), dann beißen die beiden Kinder hinein. Der Vater sagt zu allen Beteiligten und zum Beobachter: "Ahh, deswegen leben wir."
Podcast Workshop/Vortrag
Idee
Sie würden gerne einen Podcast starten oder hätten gerne einen Vortrag zum Thema? Können wir machen. Wenn es zur Sache geht, ist auch ein "Podcast-Tag" eine gute Möglichkeit, die notwendige Technik kennenzulernen und Formatideen gemeinsam zu entwickeln.
Wissenschaftspodcasts als Unterhaltungs- und Recherchequelle
"Gespräche auf Augenhöhe", und das in aller Ausführlichkeit zu wissenschaftlichen Themen. Podcasts sind in den letzten Jahren überall dort entstanden, wo Interesse besteht, mehr zu einem bestimmten Thema zu erfahren. Ein 45 min. Überblick über erfolgreiche Wissenschaftspodcasts, die auch den individualisierten Unterricht bereichern können.
Podcasts zum Selbermachen
Es geht weniger um das Veröffentlichen, als um das Zugänglichmachen von Gesprächen und Informationen. Podcast ist eine "Haltung". Was auch immer man tut, es wird jemanden geben, der sich dafür in der Tiefe interessiert. Gespräche mit Expert:innen leicht geführt und dann als Podcastepisoden geteilt werden. Wie man einen Podcast aufsetzt, so dass er auch gut klingt, und wie Community-Arbeit die Hörer:innenzahl erhöht, das lernen Sie in diesem Workshop.
About
Lothar Bodingbauer (*1971) arbeitet journalistisch für ORF Radio Österreich 1 und Deutschlandfunk. Er ist Radiojournalist (350 Beiträge/Sendungen), „Podcaster der ersten Stunde“ mit seinen Formaten „Physikalische Soiree“ und „Bienengespräche“, mit insgesamt 10.000 regelmäßigen Downloads pro Folge. Als „Podcastpate“ hilft er in der sendegate.de Community Newcomer:innen beim Aufsetzen von Podcasts. Mit der Österreich Werbung publiziert er derzeit den Auftragspodcast „Wald wirkt Wunder“. Er veranstaltete Podcast-Workshops mit Mitarbeiter:innen der Österreichischen Mediathek, der Österreich Werbung, dem Standard, dem Kloster Pernegg, dem Freien Radio Salzkammergut und Studierenden der Universität Wien bzw. den Pädagogischen Hochschulen. Am FJUM hält er im Herbst 2022 zum sechsten Mal einen 6-Vormittagskurs „Sprechtraining für Podcaster:innen“ ab.
Wiener Caféhäuser
Einen sehr netten Blick auf die Wiener Caféhäuser habe ich gerade im Doppelshot-Café-Podcast gehört: Marian aus Berlin hat mit Hr. Thomas aus dem Café Museum über die Wiener Caféhauskultur gesprochen. Dazu auch der anspesporchene Artikel der Österreich-Werbung. Hr. Thomas nannte dann auch einige weitere Wiener Cafés und es entstand zum Schluss der Sendung die Frage, wie es denn mit den "neuen" Cafés aussieht in Wien, die Qualitätscafés anbieten aber keine traditionellen Caféhäuser sind. Das müssen wir uns bald einmal genauer anschauen. Aber, bevor es soweit ist, hier eine Liste zu besuchender Wiener Caféhäuser, die es auch noch gibt, und die einen Besuch absolut wert sind, wenn man in der Stadt ist. Es sind Cafés, wie man sie nach vielen Jahren in Wien gut kennt und die man schätzen gelernt hat. Aus dem Kopf heraus - und alphabetisch. Ich glaube, das Bild, das Marian im Gespräch mit Sebastian vom Podcast gemeinsam mit Hr. Thomas vom Café Museum entwickelt hat, stimmt recht gut. Freundlich sind die "Herren (und Frauen) Ober" alle - wenn auch alle Häuser und Menschen durchaus ihre Eigenheiten haben.
Café Alt Wien - Bäckerstraße, Innenhof, klein
Café Bräunerhof - dort war ich noch nie, Thomas Bernhard offenbar schon
Café Diglas - Wollzeile
Café Drechsler - Naschmarkt
Café Eiles - Josefstädter Straße, Rathausnähe
Café Engländer - Journalisten
Café Florianihof - 8. Bezirk
Café Goldegg - Goldeggasse im 4. Bezirk, nahe dem Hauptbahnhof/Belvedere
Café Hawelka - Klassiker, beim Graben
Café Hummel - Josefstädter Straße Halfway, sehr lokal
Café Jelinek - sehr klein; Otto Bauer Gasse
Café Korb - Innenstadt, Journalist:innen vom Falter sind dort
Café Prückel - Jugendstil, sehr großes "Wohnzimmer", Stadtpark
Café Rathaus - witzig, Rathausnähe
Café Rüdigerhof - anders auch, kennt man vor allem als Student
Café Ritter 1 - Halfway Mariahilferstraße
Café Ritter 2 - in Ottakring
Café Savoy - etwa anders, Naschmarkt
Café Schwarzenberg - Schwarzenbergplatz
Café Sperl - Gumpendorferstraße/Naschmarkt
Café Tirolerhof - in der Nähe der Oper, etwas versteckt
Café Weidinger - am Gürtel nahe dem Westbahnhof, Billard
Café Westend - Westbahnhof Eckhaus, Eingang zur Mariahilferstraße
Café Wortner - 4. Bezirk, sehr lokal
Café Zentral - da war ich noch nie
Wenn ein wichtiges Café fehlt, habe ich es entweder vergessen, oder es hat tatsächlich einen Grund. Extra zu erwähnen sind die Caféhäuser der Reihe "Aida" und der Reihe "Kurkonditorei Oberlaa". Dort trifft man Wiener:innen, die anders sind, als die Besucher:innen der Traditionshäuser. Schnell gefragt: einen handgefertigten Espresso würde ich in meiner Gegend in der "Kaffeefabrik Wieden" trinken.
Ach: und wunderbar gerösteten Café für Zuhause gibt's hier im Onlineshop, hurtigschnell geliefert von Prem Frischkaffe, Michael Prem war gerade in "Erklär mir die Welt" zu Gast.
Von Wien nach Sassnitz an die Ostsee. Ein Sommerprogramm für zwei Wochen.
Es ist denkbar unkompliziert. Ein Rennrad, sehr wenig Gepäck. Nicht gegen den Wind. Nicht im Regen. Am Abend ein Hotel. Relativ kurze Etappen. Nach einer Woche einen Extratag Pause. Im Spätsommer. Man kann gar nicht verhindern, dass man gut gelaunt nach zwei Wochen am Meer ankommt, nach 1000 Kilometern, 1000€ für Hotels, und 300€ für Essen. Anlass: Ein Artikel im Drahtesel 2/21.
Das Gepäck: Ein Set am Körper: Radhose, T-Shirt (Sport-Stoff), Socken. Das wird jeden Abend im Hotel gewaschen und ist am nächsten Tag bereit. Ein Extra-Set in der Packtasche links - falls das Hauptset einmal nicht trocken wird (das war einmal der Fall). Ein zweites Extra-Set als Reserve in der Packtasche links (wurde nie benötigt). Ein langärmeliges Funktionsshirt. Eine Goretex-Weste für den Abend. Ein Ausgehset: Chinesische (leichte) lange Hose, T-Shirt. Zwei Unterhosen, die ebenso gewaschen werden. Ein Schlaf-Shirt. Ein Sackerl mit Toilettartikel, ein Sackerl mit bisschen Kabel und Zeugs. Radschuhe am Körper, ganz leichte Vivobarefoot Schuhe für den schicken Abend. Extra: Ein Motorrad-Erste-Hilfe-Set vom ÖAMTC. Eine Ersatzdecke, drei Ersatzschläuche. Nichts von den Extras wurde benötigt. Und: Eine Wasserflasche mit Magnesiumtabletten; Helm. In Summe: Leichtes Gepäck macht Spaß. Nahrung kauft man unterwegs beim Bäcker, im Supermarkt, im Restaurant. Frühstück im Hotel. Kein einziges Problem beim Rad - nicht einmal Luft nachgefüllt.
Die Strecke: Tageslängen zwischen 60 und 120 km sind sehr leicht machbar. Eine direkte Linie zum Ziel, abseits großer Straßen (wichtig) und abseits typischer Radwanderwege. So kommt man hübsch durchs Land und sieht Gegenden, die man sich nicht freiwillig ausgesucht hätte. Dort ist auch wirklich wenig los. Regenradar: zeigt Schauer, bei denen man sich unterstellt, und großflächige Regengebiete, wo man besser mit dem Zug ein Stück fährt (einmal gemacht). Navigation mit Naviki, Bikemap und Bergfex - diese drei unterscheiden sich durchaus ein wenig in Abdeckung und Vorschlägen, es schadet nicht, ein wenig zu probieren und auch mit Hirn einmal einen Fluss eher zu folgen, auch wenn es nicht vorgeschlagen wird. Geplant wurde die Strecke innerhalb 1,5 Stunden mit Booking (Schwerpunkt auf spät noch stornierbare Hotels; es war aber kein Storno notwendig, sodass man diesen Schwerpunkt auch weglassen könnte.)
Wien – Znaim – Trebic – Havlickuv Brod – Poděbrady – Zittau – Hoyerswerda – Lübben (Pausetag) – Berlin – Gransee – Demmin – Stralsund – Sassnitz – Binz
Die Routine: Aufstehen, packen (5 min), Podcasts für den Tag laden, Frühstück meist im Hotel, sonst beim Bäcker. Fahren, losfahren ohne Podcasts wegen der Vogelstimmen in der Früh. Pausen dort, wo es schön ist, auf Bankerl, oder wenn der Hunger kommt. Mittagessen wenn günstig. Ankunft am Nachmittag. Duschen. Ausgehkleidung. Ein Schläfchen vor dem Spaziergang in die Umgebung. Relativ früh schlafen, weil nichts los ist. Duolingo. Kontakt mit Familie & Freunden immer wieder, Strava. Nach einer Woche kommt man gut in eine Routine, die man ja zu Beginn nicht kennt. Strategie: Kein Fahren im Regen.
Der Gruß: "Servus" hilft bei allen Menschen. Wenn man keinen Kopfhörer trägt, geht der Kontakt leichter. Schlecht mit Airpods. Leichter mit Knochenschallkopfhörern, die die Leute nicht sehen. (5 Stunden Podcasthören täglich geht leicht.)
Das Ziel: Das Meer ist sehr schön als Ziel. Irgendwann kommen nämlich dann die Möwen, der Geruch, die Häuser, die Flüsse, da weiß man, dass man bald ankommt.
Die Überraschung: Überall war es anders, als ich mir vorgestellt habe. Berlin ist relativ leicht erreichbar von Wien aus. Fahrradfahren ist nicht langweilig, die Neuheit der Landschaft ändert sich angemessen und angenehm jeden Tag.
Fazit: Ich würde es genau so wieder machen. Keine Änderungen. Erstaunlich. Steigungen sind kein Thema, wenn man Zeit hat. Feldwege mit Schotter sind eine nette Variation, halt ein bisschen langsamer fahren. Das Rennrad kann das auch. Die Stimmung war wie der Weg: 75% wundervoll, 22% geht gut, 3% muss man durch.
Tipp zum Schluss: Wenn man das Rennrad zerlegt und mit Frischhaltefolie (0,99€) einwrappt, kann man es im Zug auch bei vollen Fahrradreservierungen als Handgepäck mitnehmen.
Einen Podcast starten
Einen Podcast zu starten, das ist doch eine wirklich gute Idee. Es braucht auch nicht viel dazu.
1. Jede Person ein eigenes Mikrofon. Welches das ist, ist nicht die große Frage. Aber die anzustrebende „Präsenz“ kommt nur daher, dass das Mikro vor dem Mund ist. Das wollen wir haben. Wir zeichnen diese Mikros auf getrennten Spuren auf. Das ist das eigentliche Ziel der einzelnen Mikros: die getrennten Spuren. Jede Person braucht 1 Spur. Keine Kompromisse hier. Warum? Siehe den nächsten Punkt.
2. Die getrennten Spuren lädst du auf www.auphonic.com hoch und legst dort eine „Multitrack Produktion“ an. Auphonic wird daraus ein Audiofile File machen. Und zwar so: wer nicht spricht, wird stummgeschalten - denn das Mikrofon der ruhigen Person würde ja auch die Sprache der daneben sitzenden sprechenden Person aufnehmen, aber das auf Entfernung. Das würde klingen, wie im Bad. Und das genau wollen wir nicht. Es soll nach Studio klingen. Das könnte man auch per Hand machen, aber Auphonic macht das mühelos automatisiert für 1 Euro die resultierende Stunde. Guter Klang und geschenkte Zeit - deswegen mögen wir Auphonic. Jetzt müssen wir das eine - gerechnete - Audiofile nur noch bereitstellen. Dafür sorgt der nächste Punkt.
3. Theoretisch wäre WordPress + Podlove Plugin die schönste Lösung, einerseits die Audioepisode zur Verfügung zu stellen, samt einem Feed für den Podcast, unter dem Leute ihn in Verzeichnissen finden können. Das braucht ein bisschen Erfahrung und den Willen zum Schrauben. Wenn du dir das sparen möchtest, nimm irgend ein Modell von www.podigee.com - die kümmern sich um alles und die höheren Abomodelle beinhalten sogar Auphonic.
Das war’s. Der Rest ist Detail und Feinputz. Schau, dass du möglichst bald und regelmäßig veröffentlichend auf Episode 10 kommst, dann hast du genug Erfahrung, dich um den Feinputz zu kümmern. Den Goldstandard des Audioequipments habe ich hier zusammengestellt, aber nimm ruhig einmal irgend etwas anderes, Hauptsache du berücksichtigst Punkt 1. Feedback und Verbesserungen bau immer in die nächste Folge ein, nicht in jene, die du veröffentlichen möchtest, sonst kommst du vor lauter Bessermachenwollen zu nichts anderem.
Und wenn du Fragen hast, stell dich bei sendegate.de vor und erzähl von deinem Projekt. Die gibt es PodcastpatInnen, die bedingungslos helfen. Ich bin auch einer.
Alle meine Podcast-Posts findest du hier, da ist sicher auch etwas dabei.
Happy Podcasting!
Alltagsdialog, Wien, 10 Uhr
"Entschuldigen Sie bitte", ruft ein alter Mann aus dem offenen Fenster die Gasse hinunter zur vorbeigehenden Frau, "was ist heute für ein Tag?" - "Samstag", antwortet die Frau. "Ich danke Ihnen!", ruft der Mann und zieht sich ins Wohnungsinnere zurück.
Entgegnungen
In Gesprächen überhören wir sie meist. Und doch sind sie wichtig. Wer sie beherrscht, gehört dazu. Ein Integrationskriterium?
* Stell dir vor! * Geh! * Na geh. * Geh weiter… * Bist du deppert! * Wirklich? * Echt? * War ist’s. * Geh, wirklich. * Nein, sowas! * Ja, eh. * Na servus! * Oida! Oida? Oida. Oida!? Oida?! * Aber nicht wirklich. * Was du nicht sagst. * Ach so! * Interessant
35 Gedanken Community Building & Podcast
Podcasts werden gehört, Podcast finden Community. Das kann kaum verhindert, unter Umständen aber gefördert werden.
Hörer:innentreffen
Nicht in Zielgruppen denken, eher vielleicht in “Stilgruppen” (Quelle)
Werbung hat noch nie etwas besser gemacht
Kontinuierliches und regelmäßiges Publizieren
Content – Inhalt – Relevanz
Werbung ab 5000 regelmäßige Downloads über zB https://missing-link.media
Live-Sendungen mit Bühne
Live-Sendungen mit Chat
Newsletter, Instagram, Facebook, Twitter
Titel sind überbewertet / Ausnahme: „Der Podcast des Jahres“ von den Gebrüder Moped
Vorbilder anschauen: Erklär mir die Welt, Falterradio, Freakshow, Erzähl mir von Wien, Lage der Nation, Methodisch inkorrekt, Omega-Tau, Sozialpod, Raumzeit, Jung und Naiv, Geschichten aus der Geschichte, wrint, Sendegarten
Die Themenlandschaft des Podcasts konsequent abarbeiten (alle relevanten Stellen/Leute kommen irgendwann mal vor)
Host erarbeitet sich einen „Ruf“, wird als Person wiedererkannt
Eingeladen werden / cross-podcast
Jemanden einladen, die:der Community hat
Thema des Podcasts ist klar abgegrenzt (Astronomie, Kakteen)
Art des Podcasts ist wiedererkennbar
Flyer auf (Fach-) Veranstaltungen
Berichte in Fachzeitschriften
Preise (Auszeichnungen) sind nicht zu vernachlässigen
Moderationen übernehmen
Kalte Akquise (Universitätsinstitute)
„Routinekompetenz“ durch Regelmäßigkeit in Nebenpodcasts erarbeiten
Podcaster:innen-Treffen: #Podstock, #Subscribe, Podcasterei Österreich #meetup
Gastgeber:in sein (Rubriken)
Erst ab Folge 10 den Community-Apparat auffahren – spart Nerven
Authentische Sprache (nichts ablesen)
Golden Five: Audioqualität, Formatklarheit, Feedbackkultur, Workflow sitzt, Sprache passt
Einen Haufen Äste zerhacken und zu Bündeln packen („Wied machen“)
Sich um etwas bewerben
Einen Konflikt beschreiben
Einen Wunsch äußern
Fragen stellen, wenn keiner eine stellt
Einen Tag ohne Handy leben
Eine Zeitlang auf einer chinesischen Tee-Farm arbeiten
Jemanden trösten
Einen Hund trainieren
Mit 100 Dingen eine Woche lang leben
Einen Monat ohne Verkehrsmittel verbringen
Eine blinde Person begleiten
Eine taube Person begleiten
Eine Geschichte mit Happyend erfinden
Über einen Fluss schwimmen
Eine fremde Sprache lernen
Alle Meinungen zu einem Thema herauszufinden versuchen
Ein ZIB2-Interview vorbereiten
Mit eine:r Zeitzeug:in reden
Einen Vorgang in einer Skizze darstellen
Einen Computer zerlegen
Die Exponentialfunktion erkennen
Änderungen quantifizieren können
Jemandem dienen
Ein Geheimnis hüten
Eine Prüfung bestehen
Einen Traum deuten
Jemanden retten
Die Phasen der Entwicklung Kakteen aus Samen mitzeichnen
Jemanden verteidigen
Jemanden verurteilen
Sich ohne Wenn und Aber entschuldigen
Jemandem vergeben
Spaghetti Bolognese kochen
Alpaccas richtig streicheln
Einen Bahnübergang überqueren
Eine Ausstellung entwerfen
Einen Liebesbrief schreiben
Eine verbogene Verkehrstafel geradebiegen
Einen Knopf schön annähen
Das Klo putzen
Die Küche perfekt aufräumen
Einen Tag in der Begegnungszone Herrengasse verbringen
Apfelstrudel backen
Kontakt zu einem Feind aufnehmen
Einer Schnecke 5 Minuten zusehen
Ein Auto umparken
Argumente für und gegen das Veröffentlichen einer „österreichischen Islamkarte“ finden
Atmen
Ein Stück für einen Clown entwerfen
Um Hilfe bitten
Ein Gedicht übersetzen
Feedback und Kritik entgegennehmen
Einen Preis verhandeln
Die Modalverben richtig unterscheiden
Mit einem Rollstuhl durch Wien fahren
Um Geld betteln
Suppe für Obdachlose kochen
Zwei Tage schweigen
Kontakt zu eine:m Tourist:in aus Japan aufnehmen
Alle 9 Landeshauptstädte an einem Tag besuchen
Die Früchte eines Baums verwerten
Eine Fläche desinfizieren
Maiglöckchen von Bärlauch unterscheiden
Barfuß durch Schlamm waten
Eine Seite Text auf einen Absatz kürzen
Ein kleines Dach decken
Einen Zug nur knapp versäumen
Ein Gespräch beginnen
Ein Gespräch beenden
Eine Schachtel falten
Die wesentlichen Aussagen von Thomas Piketty „Kapital“ kennen
Das Ende von Titanic ändern
Die Phasen der Trauer von Elisabeth Kübler-Ross kennen
Das Binär- und Dezimalsystem verstehen
Ein Antistress-Seminar besuchen
Altpapier, Plastik und Altglas richtig entsorgen
In einem Fahrradschlauch das Loch finden
Eine große Schachtel Schrauben sortieren
Ein fremdes Passwort herausfinden
Flucht von Suche unterscheiden können
Seinen Computer neu aufsetzen können
Mit einer Person des gleichen Geschlechts Hand in Hand gehen
Den Satz „Satire darf alles“ verteidigen
Einen Podcast starten
Die Grundkräfte des Universums verstehen
Mehrere Formen von Gerechtigkeit kennen (Wikipedia)
Fehlt was?
Formate
formate: akzentfrei deutsch, ambiente, bienengespräche, ceai, crispr-cast, diagonal, dimensionen, europajournal, forschung aktuell, horch, journal panorama, kinderuni, lobster und tentakel, markt und medien, moment am sonntag, moment leben heute, physikalische soiree, radiokolleg, rudi radiohund, slow science, sonntagsspaziergang, the macher report, vom leben der natur, vwa (vorwissenschaftliche arbeit)
plattformen: wien.abendgymnasium, beevienna, bienenpodcast, deutschlandfunk, der standard, fjum, geocaching, horch.xyz, hurtigruten expeditions, itunes podcast, orf radio oe1, oe1 macht schule, österreichische mediathek, österreichische schule guatemala city, österreich werbung, phyx, schallaburg, sendegate, sparkling science, sprechkontakt, stadtgespräch, technisches museum wien, teachingmethodsonline, themacher, universität wien, vorarlberg museum, wien energie, wien museum, wissenschaftspodcasts, themen: bildung, gesellschaft, handwerk, kulturgeschichte, leben, menschen, prozesse, zustand, natur, reise, wissenschaft
Lothar Bodingbauer
Lothar Bodingbauer: *1971. Studied Graduate Physics, Mathematics and Geography (Cartography and Population Geography) in Vienna, Austria. Works as a radio-journalist for Public Broadcasting and produces podcasts on bees, science, new music, and education. Notable shows to date include Physics of the North, Carl von Linné, Process Philosophy. Teaches young adults in Vienna. Runs und rows with his Jack Russel mix, cultivates cacti and bees and loves to meet people (and their dogs). The best time of his life was spent in St. Petersburg waiting three hours for a train. ORCID ID https://orcid.org/0009-0009-9868-3615
Erinnerung an Theodor Duenbostl 1946–2017
Theo war mein Betreuungslehrer im Schulpraktikum nach dem Studium. Ein Experimentiermeister erster Klasse. Ich habe Schüler:innen gesehen, die im Schulbuch, das er gemeinsam mit Thomas Brezina geschrieben hat, in der Pause freiwillig gelesen haben. Er hat gewusst, wie man Physik vermittelt. Mit Begeisterung. Das Neue hat ihn immer interessiert. Thx!
Interessen
Seilbahnchefs, Wirtschaftskammerpräsidenten. Interessensvertreter:innen sorgen für die Interessen ihrer Gruppe. Das kann für sich genommen nicht schlecht sein. Für das Gesamtbild sind Journalist:innen zuständig. Spannend wird es, wenn politische Entscheidungsträger:innen dazukommen. Sie beziehen ihre Entscheidungsgrundlagen von Expert:innen, aber eben auch von Interessensvertreter:innen - die haben sie ja gewählt. Wir kommen zur Forderung "Macht braucht Kontrolle". Dann funktioniert das Ganze auch in kritischeren Situationen.
"Neue Autorität": Gewählte Macht im Blumenbeet
Ellbogenarbeit, Bullying. Ist nicht cool. Nur mit Regeln kann dem Einhalt geboten werden. Mit Autorität, die sich nicht vom Schulhof zurückgezogen hat, um ihn jenen zu überlassen, die Regeln mit Körperkraft und reiner Macht bestimmen. Autorität, die sich um alle kümmert. Nach gemeinsam ausgehandelten Regeln. Das braucht Worte, und nicht Kraft.
Buchtipp: "Neue Autorität" heißt ein Konzept, das von Haim Omer in einem Buch vorgestellt hat, und das ich ganz bemerkenswert fand. Sichtbar zu sein, zu sagen "wir sind hier, damit alle lernen können", anstatt sich zurückzuziehen, das fand ich passend.
Rassismus
Aggression definieren Verkerkehrspsychologen als einen emotionalen Zustand, bei dem man in Kauf nimmt oder beabsichtigt, dass das Gegenüber davon negativ betroffen wird. Bei Rassismus ist es vermutlich ähnlich. Es ist eine Geschichte zu bemerken, dass die XXX. ein Volk sind, die in der Straßenbahn durch lautes Reden auffallen, es ist eine andere Sache - nämlich - wenn Angehörige dieses Volkes, erkennbar durch ihren Namen, am Wohnungsmarkt keine Wohnung bekommen, mit dem Hintergrund, dass sie so laut reden. Das ist struktureller Rassismus und muss durch Gesetze, Überwachung und soziale Maßnahmen kontrolliert werden. Dass das Ganze zusätzlich auf einem Fehlschluss beruht - die leisen angehörigen der betroffenen Gruppe hört man in der Straßenbahn nicht - ist eine völlig andere Geschichte.
Abschiebung
Wenn sich mehrere Ebenen vermischen, die jede für sich genommen eine ziemlich klare Aussage haben, ergibt sich ein Dilemma. Jede:r der Beteiligten argumentiert korrekt. Am Ende des Tages bleibt aber etwas übrig. Das mag für die einen das Recht sein, für die anderen die Richtigkeit eines Prozesses, und hoffentlich für die meisten die Menschlichkeit. Kinder abzuschieben, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben? Mitten in der Nacht? Vor den Augen ihrer Mitschüler:innen? Mit Hunden und vermummten Polizisten? Das tut man nicht.
Clubhouse
Menschen, die einander treffen, um miteinander zu reden. Audio only. Das ist doch schön. Der negative Rest ist hoffentlich Detail: Datenschutz, Vermischung bestehender Ebenen und Regeln, Ungewohntes. Aber in Zeiten von Isolation und Behauptung ist die Metaebene zu bekannten Themen wichtig und interessant gepflegt zu diskutieren. Und darum geht es. Also gut.
Update August 2022: Clubhouse spielt keine Rolle mehr, zumindest in meinem Leben, ich habe es vor kurzem vom Smartphone gelöscht. War es schlecht? Nein, die erlebten Diskussionen waren toll und erinnerungswürdig. Über die Situation mit Corona, Impfungen, über die Regierung, mit regierungsteiligten oder regierungsnahen Personen.
Der neue Präsident
Joe Biden hat die Aufgabe, das Land wieder zu einen. Das hören wir oft. Ein Präsident hat die Macht, eine Stimmung vorzugeben. Respekt, Anstand und Expertise. Einen müssen das Land aber die Menschen selbst. In jeder einzelnen Begegnung mit jemandem, der anders denkt. Und spricht. Und ist.
2020
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Hilfe zur Themensuche
1. Reihenfolgen
Vom Menschen zum Thema: Ich kenne jemanden, der etwas besonders gut kann. Der für etwas steht. Der etwas entwickelt hat. Eine Pionierin. Die einen Konflikt erfolgreich bewältigt hat. Ein Überlebender. Der unterwegs ist. Eine Suchende. Ein Flüchtender. Jemand, der nahe dran ist. Die gut erzählt. – Worüber wird er sprechen?
Vom Thema zum Menschen: Ich habe ein Thema, das ich akustisch ausmalen möchte. Dazu baue ich eine Landschaft mit Orten, Situationen, Umständen, Begegnungen, Gefahren. Mit Momenten. Und dazu suche ich Menschen, die dazu passen. Die diese Landschaft in Farbe tauchen, wenn sie farbig sein soll. Die diese Landschaft in schwarz/weiß tauchen, wenn sie schwarz/weiß sein soll.
TIPP: Einzahl (die sehr konkret ist) ist besser als Mehrzahl (die oft beliebig ist)
Überraschung. Katastrophe. Wechselwirkung. Auseinandersetzung. Die Trafostation.
4. Geschichten von Orten und Geräuschen
Beschreibungen: Die abgeschliffenen Granitfelsen im Sauwald bei Passau entstehen durch eine bestimmte Art der Verwitterung. Sie wird Wollsackverwitterung genannt, weil die Felsen dann aussehen wie aufgestapelte Wollsäcke. Das bringt uns in eine Zeit, in der es Wollsäcke gab. Wollsäcke?
5. Geschichten in der Zeit und von der Begegnung von Menschen mit sich und der Natur
Blickrichtungen: Blick nach vorne, Blick zurück. Blick rundherum. Es ist etwas passiert. Es wird etwas gemacht. Es wird etwas entstehen. Oder von dem, was nie da war: Nichts ist passiert.
6. Expertinnen und Experten
Zusammenhänge: Sterne werden bunt, wenn man mehr von ihnen weiß.
TIPP: Themen entwickeln sich systemisch und multifaktoriell, wenn man erst mal beginnt. Sie sind wie Lebewesen, die sich in der Begegnung mit ihren Erfinder:innen entwickeln.
Abgefahren
Der Verkäufer verlässt den Würstelstand an der Straßenbahnstation durch die Hintertüre, die er versperrt. Er geht eilig um den Stand herum und schiebt vorne von außen das große Glasfenster zu. Dann läuft er zur Straßenbahn, die in diesem Moment einfährt. Er springt hinein und fährt davon. Im Würstelstand geht das Leben weiter, als wäre er noch da. Es brennt das Licht. Fünf Bratwürste liegen nach wie vor am Grill. Eine spanischsprechende Touristin klopft an die Scheibe.
Podcasting für Anfänger:innen
Immer wieder fragt mal jemand, wie das geht mit dem Podcasten, und ich habe jetzt einmal die für mich vorstellbar einfachste Möglichkeit aufgeschrieben.
So, du möchtest einen Podcast machen?
Am besten ist, du legst einfach los. Jedes Element kannst du noch ändern. Ziel ist, möglichst zuverlässig bis zur 10. Folge zu kommen. Du lernst sehr viel dabei. Danach haben sich viele Fragen selbst beantwortet oder sie haben sich selbst erübrigt. Dann kannst du an allen verbleibenden Schrauben drehen, um deinen Podcast zu verbessern.
Was du am Anfang nicht brauchst?
Fancy Signation, unglaublicher Titel
Tolle Sprecherstimmen
Teure Hardware
Schneidekunst und Gestaltungshandwerk
Grafik, Marketing und Social Media, Gedanken an die Zielgruppe
Was du am Anfang schon brauchst?
Einen Feed. Wenn es was für die Ohren ist, und einen Feed hat, ist es ein Podcast.
Einen Takt. Regelmäßig und schmutzig ist besser als perfekt, sauber und selten.
Die Zeit, deine eigenen Folgen nach Veröffentlichung selbst ganz zu hören.
Ein offenes Service, das dir die Veröffentlichung macht.
Shownotes und Kapitelmarken.
Wie geht es? Du klickst dir ein Konto bei https://www.podigee.com für 12€ pro Monat, 4 Stunden pro Monat sind dabei. Die machen den Feed, sorgen für gutes Audio, und stellen die Folgen zum Download und Abonnieren bereit. Du füllst dort die Angaben für deinen Podcast aus. Jetzt bist du mit den Vorbereitung fertig. Danach nimmst du die erste Folge auf. Sie wird die sogenannte „Nullnummer“. Darin erzählst du, was du vorhast. Du verwendest irgendein Mikrofon, Hauptsache du hältst es halbwegs ran. Allenfalls ein bisschen schneiden mit irgendeinem Audioprogramm, das kann man lernen. Du lädst die Aufnahme hoch, bestätigst alle Fragen und drückst OK. Du bist online. Dann machst du dir einen Plan für die ersten 10 wirklichen Folgen, den du abarbeitest. Höre deine Folgen selbst nach dem Veröffentlichen zur Gänze durch und mache dir dazu deine Gedanken. Das sorgt für einen automatischen Verbesserungseffekt. Bleib nicht stehen, mach’ weiter. Auch wenn du nichts aktiv machst, wird die Qualität und deine Downloadzahlen linear zunehmen. Es wird am Anfang nicht spektakulär sein, es mag zäh wirken, aber deine Erfahrungen wachsen und dein Erfolg kann mit dieser zunehmenden Erfahrung durchaus beschleunigt werden. Viele Podcasts möchten am Anfang alles richtig machen. Ach was.
Was? Du willst was besser machen? Ja. Du kannst jedes einzelne Element verbessern. Ein toller Titel. Ein gutes Mikrofon. Headsets. Studio-Link. Ultraschall Schneidesoftware. Eigenes Hosting, Audiobearbeitung mit Auphonic. Verzeichnisse. Ein tolles Konzept. Sprechtechnik-Kurse. Etwas Dramaturgie. Ein bisschen schneiden. Tollere Raumakustik. Spannendere Fragen. Klarere Aussagen. Bessere Sichtbarkeit. Und Hörbarkeit. Und Geld. Und Spannung. Unverwechselbarkeit, Relevanz. Verbindungen in die Communities.
Wer hilft? https://sendegate.de mit den Podcastpat:innen. Stell’ dich dort einfach mal vor.
Podcast und Radio
Eine Art ist, was sich paart. Das wissen die Biologen. Pferd und Igel sind verschieden. Radio und Podcast auch, sonst hätten sie sich längst vermischt. Es gibt aber Überschneidungen. Das Wichtigste: sie teilen sich ein Ohr. Zwei natürlich.
Dann geht es aber schon los: Radio wird über Lautsprecher gehört, Podcasts über Kopfhörer. Radio ist Verlautbarung, Podcast Diskurs. Radio ist Handwerk. Podcast eine Haltung. Radio ist Schein. Podcast hat nichts zu verlieren. Zielgruppe wichtig - Zielgruppe egal. Radio möchte Hörer, Podcasts akzeptiert die Hörer, die sie verdienen. Wenn Radio zu Podcast werden soll, ist das mit Mehraufwand verbunden. Wenn Podcast zu Radio werden soll, auch. Beide müssen nachhaltig agieren, damit sie auf längere Sicht erfolgreich sind. Radio ist gebühren- oder werbefinanziert, Podcast Umweg- oder Hörer:innenfinanziert. Ausnahmen bestätigen wie immer diese Regeln.
Nun zu Details.
Eine Erfolgsgeschichte: Drosden, Virologe. Corona Virus Update. Tägliche Episode zur Corona-Lage. Produziert von zwei Wissenschaftsjournalisten des NDR. Schnell umgesetzt: der Arzt bekommt ein Gerät und kann jeden Tag technisch eine Folge Gespräch liefern. Kompetenz kommt von beiden Seiten.
Hat es einen Feed? Dann ist es ein Podcast. „Podcast" als Ausspielkanal für hochwertige Radiosendungen. Nur mit einem Feed ist eine regelmäßige Sendung im „Podcatcher“ auf mobilen Endgeräten (Smartphones) abonnierbar. Hier gibt es bereits einen Rückstand: Es sollte einen Feed für jede regelmäßige Radio-Wortsendung geben. Zusätzlich zur Mediathek. Es ist dabei nicht wirklich notwendig, dass die Files länger als eine Woche vorgehalten werden. Hauptsache, Onkel Fred in Australien kann die Sendung auf seinem Smartphone abonnieren. Der deutschsprachige Raum befindet sich im ganzen Internet - weltweit.
Radio ist Handwerk, Podcast eine Haltung. Die Stärke von Öffentlich-Rechtlichem-Radio liegt in der ausgebildeten Sprache, im Journalismus, in der Musik, in der Schönheit von Formaten, im Weglassen, Auswählen, Gestalten und im verlässlichen Auffinden unterschiedlicher Standpunkte. In der Diskussion (Redaktionssitzungen). Die Stärke von Radio liegt nicht in der Wahrheit - die gibt es nicht. Die Stärke von Podcast hingegen liegt im Diskurs, im Prozesshaften, im Zugänglichmachen. Nicht im Veröffentlichen – hier ist also für Radio vermutlich wenig zu tun. Obwohl.
Vom persönlichen Vorteil. Ein Podcast wächst dann über die 4. Episode hinaus, wenn er nachhaltig ist. Wenn er für den Produzenten Vorteile hat. Das müssen ehrliche Vorteile sein, im Sinne Viktor Frankls Ergonomie am Arbeitsplatz. Wissen, Vorsprung, ein besserer Zuhörer werden, ein besserer Mensch. Wenn es die Hörerzahl ist, die mir zuhören, und ich das wichtig finde, dann die Hörerzahl. In jede Unternehmen gibt es bisher unerkannte Mitarbeiter:innen, die genau in dieser Hinsicht nicht nur Interesse, sondern auch Talent haben.
Podcast ist Lagerfeuer. Intim (im Ohr über Kopfhörer), authentisch, befreit von Längenvorgaben. Verlässlichkeit, einmal pro Woche, zweimal im Monat, ein mal pro Monat, alle zwei Monate. Sie fordern bestehende Hierarchien heraus und erreichen Zuhörende an nicht vorhergesehenen Orten und Umständen. Zielgruppen zu definieren ist nicht Podcasterdenke. Sie haben keine Musik. Oft auch keine Signation, einfach weil es egal ist. Ein Podcast erreicht die Hörer, die er verdient. Podcast ist Hörer:innentreffen - direkter Kontakt in verschiedenen Städten. Manchmal auch live. Podcast ist das Leben und die Pflege von Metadaten, von Kapitelmarken, die Einbindung des Chats (begleitende Diskussion von Livesendungen via Slack/Andere Software) auf Augenhöhe. Podcasts sind durch ihre Länge trollfrei. Es gibt immer eine Nullnummer, die bereits veröffentlicht wird. Podcasts entwickeln sich über die Episodenzahl. Jene mit 200+ sind die Götter im Podcasthimmel. Podcast is Community, in der bedingungslos geholfen und das System weiterentwickelt wird (Sendegate, #Subscribe, #podcastpatInnen).
Wovon leben Podcaster:innen? Nicht von Werbung, denn „die hat noch nie etwas besser gemacht“, sondern von Aufträgen aus Museen (Texte schreiben) Hörer:innenbeiträgen (freiwillig), Moderationen von Diskussionsrunden, Zuwachs von Wissen. Von der sozialen Währung „Kontakt und Begegnung“. Von Auftragsarbeiten, die aus ihrem Ruf entstehten, gute Gesprächspartner zu sein.
Weitere Gedanken: Das Manuskript wieder aus dem Radiobereich zurückdrängen. Erzählendes Radio. Das kann man im Podcast üben. Weiterbildung (Mikrofonzeit).
Meine Meinung — was kann man beim Radio tun: Transfer von Radio zu Podcast funktioniert nicht gut, vieles wird dann als „Zusatzbelastung“ empfunden. Eher beim Radio bleiben, oder Podcasts völlig neu aufsetzen.
Radio von zuhause
Erfahrungen von Lothar Bodingbauer (Ö1 NAT, Ö1 MOM)
Interviews für Radio wurden bisher face:face oder in Studios durchgeführt, die über Rundfunkleitungen verbunden sind. Wenn beides nicht funktioniert, weil Homeoffice vorgeschrieben und Funkhäuser gesperrt sind, können Radioleute Technik verwenden, die in den letzten Jahren von Podcaster:innen der deutschsprachigen Podcastlandschaft entwickelt wurden: "Studio-Link". Abhängig vom Mikrofon der Gegenseite sind hier Interviews in Studioqualität möglich.
Beispiel (Sendung mit 6 Leuten an unterschiedlichen Plätzen): https://freakshow.fm/fs248-public-static-final
1) Mein Gegenüber hat ein tolles Mikro und ein Interface. Lösung: Studio-Link Standalone. Die Gegenseite lädt das Programm herunter, startet es, sagt mir ihre/seine ID. Ich lade das Programm herunter, starte es, gebe die ID ein. Allenfalls: Auswahl des Interfaces. Beide Seiten haben einen Aufnahmeknopf, den sie betätigen. Sollte es durch das Internet zu Verbindungsstörungen kommen, kann die lokale Aufnahme verschickt werden. Das Gespräch kann auch gleichzeitig über ein beliebiges Videokonferenz-System geführt werden, um die Gegenseite zu sehen, es wird dann dort nur das Bild verwendet, und der Ton stummgeschaltet. / Häufiger Fehler: Echo - Gegenseite muss einen Kopfhörer aufsetzen. Es gibt auch einen "live"-Knopf, das einen Link zum Abhören der laufenden Aufnahme in bestmöglicher Qualität liefert.
2) Mein Gegenüber hat kein ordentliches Mikrofon, aber immerhin ein Smartphone. Lösung: Ich schicke ihm einen Link - angeklickt öffnet sich beim Ersten mal eine Download-Seite für eine App (Softphone), diese App wird installiert, und der Link noch einmal geklickt - es ist mit diesem Link alles vorkonfiguriert. Ich habe auf meiner Seite in "my Studiolink" diesen Link vorbereitet und kann dann mit Studiolink-Standalone auf meiner Seite das Gespräch wie in Punkt 1) durchführen und aufzeichnen.
3) Mein Gegenüber hat "nur" eine Telefonnummer. Einerseits kann ich aus Skype mit Guthaben herauswählen. Mit Skype Call Recorder (Apple) kann ich beide Spuren getrennt aufnehmen und dann verwenden. Oder ich sorge dafür, dass Studio-Link eine Nummer anrufen kann. Dazu muss ich eine sogenannte SIP-Nummer organisieren. Mit diesem SIP-Konto kann ich die/den gewünschten TeilnehmerIn anrufen, Aufzeichnung wie immer über den Studiolink-Standalone Aufnahmeknopf. Oder ich kann angerufen werden.
Funktioniert das? Es gibt zwei Fehlerquellen - eine auf meiner Seite - ich sollte meine Infrastruktur schon ausprobiert haben, weil sie eine etwas "neue" Logik hat. Auf der Gegenseite kann es alles geben - von "funktioniert sofort" und "wow", zu "wir finden den Fehler nicht". Die Chance ist aber immer mehr als fair. Nur in ungewöhnlichen Umständen (Betriebssysteme/Computer/Aktualisierungsgrad/Interfaces) gibt es Probleme. Die Mühe zahlt sich aus, das Ergebnis ist immer besser als ein Telefonmitschnitt oder Zoom-Mitschnitt oder auch Skype.
A) Größere Interviews (Vom Leben der Natur): Ich verschicke per Post ein kleines Paket mit einem Headset (Beyerdynamic DT297) und einem kleinen Interface (Focusrite Scarlet), das wird angesteckt, und mit Studiolink-Standalone mache ich das Gespräch in bester Qualität. Theoretisch können hier bis 6 Teilnehmer:innen kombiniert werden.
B) Ein AKG-214 Großmembranmikrofon kostet bei Klangfarbe in Wien 298€, vielleicht gibt es sie auch in irgendwelchen Lagern zum Ausborgen. Das sorgt für Studioklang ohne Kleiderschrank und Bettdecke etc. Es klingt einfach nicht wie ein "normales Interviewmikrofon für Moderationen verwendet". In einem normalen Zimmer verwendbar, das nicht kahl ist, braucht keine absolute Stille in der Wohnung.
C) Auphonic rechnet mir die Aufnahmen "schön", und zwar vor allem was die Lautstärken betrifft, Rundfunk ist -23 LUFS (Ö1: -20 LUFS). Diese Aufnahme kann ich dann via ftp in den ORF Pool übertragen. Bis 2 Stunden pro Monat gratis. (Keine Rauschunterdrückung einstellen, das mögen wir beim Radio nicht.)
D) Soll ein Podcast bespielt werden, nimmt man sinnvollerweise mit Ultraschall.fm auf, Studiolink ist dort integriert. Man kann auch einfach live senden (bis 500 Hörer:innen, Link verschickbar). Ultraschall verwendet Reaper (derzeit kostenlos), und adaptiert das in die Podcastwelt.
E) Möchte man zuhause OTs/Radiosendungen schneiden, empfehle ich eher Hindenburg (Mac) als Software - dieses Programm ist angetreten, „um Protools aus dem Rundfunkbereich zurückzudrängen“. Es reicht, die einfach Version zu verwenden, "Journalist Pro" ist nicht notwendig, weil Auphonic für die passenden Lautstärken sorgt.
F) Für den Mitschnitt von Computerton verwende ich Audio Hijack.
G) Die deutschsprachige Podcast-Community heißt "Sendegate". Dort gibt es Möglichkeiten, alle Fragen zu stellen, die sich ansammeln. Üblicherweise gibt es jährliche Treffen, bei denen man die Entwicklung vorantreibt.
H) Ich stehe gerne auch für Fragen zur Verfügung: lothar@sprechkontakt.at
I) Cleanfeed kann auch noch ausgezeichnete Audioverbindungen (Chrome Browser), kostet im monatlichen Abo etwas, ist easy für unerfahrene Gesprächspartner:innen, kann lokale Aufnahmen. Easy mit Smartphones. Man verschickt einfach ein Mail mit dm Link und der Gast wird zugeschalten. Hier muss nichts installiert werden.
Fragen zu Beethoven
Ludwig van Beethoven lebte ab 1792 in Wien. 35 Jahre hier in der Probusgasse 6. Heute ist dort das Beethoven Museum von Wien Museum. Eine Ausstellung zu Beethoven in Wien wurde von Lisa Noggler kuratiert und im November 2017 neu eröffnet. Ich habe die Ausstellungstexte redaktionell begleitet.
Was hat er gegessen?
Worüber hat er seine Musik geschrieben (was waren seine Geschichten)? Welche Geschichten hat er erzählt?
Wenn er 42 mal umzieht, was ... ... hat er immer mitgenommen? ... immer da gelassen?
War er auf der Flucht?
Kann heute noch wer wie Beethoven Musik schreiben?
Was hat ein Pantomime mit Beethoven zu tun?
Ganz ehrlich, wo war B. ein Arschloch? Was hat ihn berührt?
Warum berührt Lisa sein Taubwerden?
Was war seine zentrale Lebensfrage (Musik war nur ein Weg dorthin a la "Die Welt ist ungerecht, durch meine Musik kann man das ändern bzw. die Welt ist gottlos, durch meine Musik...)
Komponieren Luxus oder Knochenarbeit? Getrieben oder treibend?
Wie hat er das gelernt? Warum durfte er das lernen, in welcher Welt lebt man, dass er das darf?
Wer war sein wirklicher Gegner? Wer hat gewonnen?
Warum kennt ihn in Wien niemand? Also so als "Wiener".
Wen würde Beethoven heute wählen? Waren seine Schüler gute und freundliche Menschen?
Wem würde auffallen, wenn Beethoven me (in Wien) gelebt haben würde?
Wer hätte heute finanzielle Verluste, wenn sein Ruf schlecht wäre?
Wer redet Beethoven schön und warum?
Typische Handbewegung (Geste) oder Gesichtausdruck (Mimik)
Hören Taube heute Beethoven?
Beethovens Einfluss auf Deutschpop.
Warum war Beethoven keine Frau.
Hätte er in Wien "keine Werbung" an die Tür geklebt (wovon hielt er sich in seiner Wiener Zeit fern)?
Wie würde er heute in Wien leben?
Was haben wir davon, wenn wir uns heute mit Beethoven in Wien beschäftigen? Wer kann und konnte mit B Geld verdienen.
Wie ging er mit Konflikten um
Und hört man das in seiner Musik.
Bedingungsloses Grundeinkommen. Wie hätte sich das auf seine Zeit in Wien ausgewirkt.
Was war seine Wiener Musik: Abgrenzung? Protest? Musik für die Massen?
Indonesisches Spanferkel
Babi Guling
Podcast - 7 häufige Fehler
Sprache ist zu groß - man eifert vielleicht jemandem oder etwas nach, möchte einen Schein erwecken, fehlender Zeitraum, der beansprucht wird; Atem mit Mundgeräuschen; Klicken
Technik ist zu schlecht - Hall, Nichtpräsenz, Lautstärken, Rauschen
Kein Feed, oder sonderbarer Feed, oder Feed in geschlossenen Systemen
Konzept ist mau bei niedriger Folgenzahl
Format ist nicht nachhaltig - zu viel Energie pro Folge
Monolog statt Dialog oder Trialog etc: Isoliertheit im Denken, Isoliertheit in der Durchführung
Keine Anbindung an Sendegate/Podlove – keine Kapitelmarken, Player, Transkript, Shownotes, keine gegenseitige kostenlose Hilfe
Wikipedia und Schule im Jahr 2020
Ich höre immer wieder mal von Schüler:innen, dass sie in der Schule von Wikipedia gewarnt werden. Besonders im Bereich der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) als Teil der österreichischen Reifeprüfung sollen Schüler:innen mit Quellen von Wissen kompetent umgehen. Wikipedia ist böse. Oder zumindest nicht offen und zugegeben verwendbar.
Es scheint so, dass Positionen von Lehrer:innen aus der ersten Zeit von Wikipedia stammen und aktualisiert werden können. Hilfreich ist dazu, selbst einen Wikipedia-Artikel zu schreiben, oder auch nur zu bearbeiten, um die aktuellen Mechanismen kennenzulernen, um zu sehen, dass nicht "irgendetwas" in die Enzyklopädie aufgenommen wird. Klar, es muss nicht alles stimmen, was in der Wikipedia steht. Aber: es kann eben nicht jeder alles schreiben. Hat ein Autor keinen Ruf erarbeitet, müssen seine Änderungen oder Artikel erst "gesichtet" werden. Jede Behauptung in einem Wikipedia-Artikel braucht einen Beleg - sonst wird es im Artikel gekennzeichnet. Gelöscht wird da durchaus schnell. Es gibt umfassende Diskussionen über die Relevanz von Artikeln - alles hinter den Kulissen und sichtbar für jene, die selbst mitschreiben.
Natürlich wird eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema nicht im Überblicksartikel bleiben und vielleicht zu den Quellen des Wikipedia-Artikels, der Belege, führen. Aber als Angabe der Basisliteratur zu wohl allen denkbaren Themen ist der Wikipedia-Artikel meines Erachtens sehr gut geeignet. Er gibt einen Überblick, wurde von mehreren Menschen verfasst, wird ständig aktualisiert, und die Mechanismen der Inhaltserstellungen sind transparent. Selbstverständlich sollte man den zugehörigen Wikipedia-Artikel zum Thema vor der Einreichung einer VWA gelesen haben, des Überblicks wegen – und somit ist es in Ordnung für mich, ihn auch als Basisliteratur anzugeben.
Übrigens: wenn es sich um Lehrbuchwissen handelt, brauchen Quellen nicht angegeben zu werden. Man muss also nicht immer und unbedingt dazusagen, dass man sein Wissen aus der Wikipedia hat. Empfehlenswert ist in jedem Fall, vor allem Lesen sich über ein Thema selbst Gedanken zu machen, was man weiß, was man erwartet, um dann genauer nachzulesen. Und selbstverständlich sollte man den Wikipedia-Artikel zu jedem Thema gelesen haben, mit dem man sich irgendwo im (halb-)öffentlichen Raum beschäftigt, bevor man loslegt.
2019
111+ Stellschrauben für Podcasts
Länge
Tonqualität / Auphonic-Verwendung
Frequenz der Veröffentlichung
Aktuelle Folgenzahl
Anzahl Downloads
Regelmäßigkeit der Veröffentlichung
Format
Community-Angebot
Live-Aufnahme mit Chat
Live-Option vor Publikum
Monetarisierungswille
Förderungspotenzial für Geldgeber
Anzahl an Stimmen, unterscheidbar/ähnlich
Sprechweise und Sprechtechnik
Genderwahrheit (Gäste, Inhalt, Art zu reden)
Gewalt in der Sprache vs. Gesprächskultur
Bedarf für diesen Podcast
Massentauglichkeit
Skalierbarkeitselemente
Aktuelle thematische Relevanz
Definierte existierende Zielgruppe
Außerhalb-der-Zielgruppen-Chancefaktor
Abhängigkeiten irgendwelcher Art
Medienhaus im Nacken vs. Indie
Interessensgruppe im Nacken vs. Indie
Support von angrenzenden Abteilungen
Persönlichkeitszuordnung & Rampensau-Faktor
Kleinteiligkeit, Gestaltungsdichte
Schnitt oder nicht
Vorbereitungsdauer
Definierter Workflow zur Episodenentstehung
Kontributorendeklaration
Bearbeitungsdauer nach der Produktion
Unverwechselbarkeit, Vergleichbarkeitsfaktor
Vorbilder irgendwo vorhanden?
Grafik und Metatexte
Signation, Sounddesign, Soundlogo
Newsletter begleitend
Facebook / Twitter / Instagram / TicToc
Vorankündigung der Folgen
Planungshorizont
Podcast-Community-Anbindung D/Ö
Nähe-Ferne-Potenzial ausgeschöpft
Ausspielkanäle ausgeschöpft
Lizenzfragen geklärt
Jingle / Signation / akustische Trennungselemente
Transkript und Transkript-Player-Einbettung
Übersetzung in andere Sprachen & Länder
Micro Payments und weitere Spendenmöglichkeiten
Hörer-Adressierung
Housekeeping : Content - Ratio
Mikrofondisziplin
Überraschungselemente
Impact-Factor - wird erwähnt, Cross-Empfehlungen
Shownotes gepflegt
Episodenbilder und Episodenunterscheidbarkeit
Ästhetisierungsfaktor im Gesamtbild
Schnöselfaktor
Kritikmöglichkeit
Hörertreffen
Podcast-Radio-Crossoverpotenzial
Podcast-Print/Online Crossoverpotenzial
Abo-Button auf Homepage
Internetauftritt: Episodenliste versus „letzte Folge only“
Aufkleber, Kugelschreiber, Luftballons, Shirts etc.
Kindermit/zuhörtauglichkeit
Intimitätsfaktor, Lagerfeuerfeeling, Radiogefühl, Drama und große Bühne?
Geschwindigkeit / Pace
Doppelgeschwindigkeitsabspielgeeignet
Innovationspotenzial - ganz vorne in der Meute?
Professionalitätsgesamteindruck
Dauer-Archivierung (archive.org) vs „stirbt mit Macher:in“
Kapitelmarken / Bilder zu Kapitelmarken
Würde man eine Episode zufällig hören wollen - Faktor
Hat bei einem Symposion darüber erzählt
Hat einen Preis gewonnen, Preistauglichkeit
Universitäts-Anbindung
Zitierbarkeit angesprochen bzw. geklärt
Volatilität - Folgen ändern sich ständig / bleiben gleich
Ausgereiztheit. Fertig. bzw. Potenzial für wie viele Folgen
Haben-die-Gestalter:innen was davon-Faktor
Podcast-als-Haltung Kompatibilität
Bei fyydd und panoticum geclaimed?
Foto der Gestalter:innen irgendwo dabei
Eigene Domain
Hobbyproduktion, Nebenbei oder Hauptberuf
Wie finden es andere - Stimmen bekannt?
Im Sendegarten je gewesen?
Gäste oder nicht
Prominenzfaktor passiv (Gäste) und aktiv (Hörer:innen)
Themenklarheit
Würde es mein Vater hören - Faktor
Druck auf die Veröffentlichung der nächsten Folge vorhanden
Redigierte Manuskripte bzw. Zweitverwertung der Inhalte
Hinweise auf andere Podcasts im Programm
Gibt es eine oder mehrere Gold-Folgen, sind diese auf der Homepage dargestellt
Sieht auf allen Playern und Devices gut aus
Veränderungswille, -wunsch, oder -druck
Existierendes Einkommen aus Podcast / Folgeaufträgen
Könnte man es als Unternehmen aufblasen-Faktor
Wurde bereits eine Folge zurückgezogen
Könnte jemand eine produzierte Folge zurückziehen - (Droh)potenzial
Troll-Freiheit
Text-Redundanzen/Dubletten in der Folgendarstellung (Titel, Untertitel, Beschreibung)
Wenn kommerziell: Produktionskosten bekannt, Verkaufskosten pro Folge bekannt
Nachhaltigkeitspotenzial für Produzent:innen, „wesensgemäßes Podcasten" möglich?
Glücksfaktor aktiv (Produktion) und passiv (Zuhören)
Qualitätsmananagement
Feedback vorhanden
Feedbackmanagement vorhanden
Einsam versus gemeinsam - Faktor
Accessibility: Hörbehinderung, Seebehinderung, Leichte Sprache
Fachzeitschriften Anbindung
Sprachmix / Mehrsprachigkeit
Freies Radio Anbindung/Verwandtschaft/Herkunft
Fach-Experten machen Podcast vs. Laie
Risikofaktor 1: was würde passieren, wenn was inhaltlich schiefgeht
Risikofaktor 2: was würde passieren, wenn der Feed bricht und alle Abos weg sind
Kopf und Kragen - Faktor: Ist jemand abhängig vom Podcast
Geplante Obsoleszenz/Ablaufdatum vorhanden
Langzeitarchivierung gesichert
Ist/war zu Gast in anderen Podcasts
Es gibt kleine Aufkleber
Dauer und Stelle von Housekeeping
Beim Reden klickt es
n! Sprüche für 24 Wochen
Der Friede meiner Freude ist die Hoffnung deiner Vielfalt.
Der Friede seiner Freude wird die Vielfalt ihrer Hoffnung.
Der Friede seiner Hoffnung war die Freude unserer Vielfalt.
Der Friede eurer Hoffnung ist die Vielfalt ihrer Freude.
Der Friede meiner Vielfalt wird die Freude deiner Hoffnung.
Der Friede ihrer Vielfalt war die Hoffnung seiner Freude.
Die Freude meines Friedens sei die Hoffnung deiner Vielfalt.
Die Freude seines Friedens werde die Vielfalt ihrer Hoffnung.
Die Freude seiner Hoffnung wäre der Frieden unserer Vielfalt.
Die Freude eurer Hoffnung sei die Vielfalt ihres Friedens.
Die Freude meiner Vielfalt werde der Frieden deiner Hoffnung.
Die Freude ihrer Vielfalt wäre die Hoffnung seines Friedens.
Die Hoffnung meines Friedens ist die Freude deiner Vielfalt.
Die Hoffnung seines Vielfalt wird die Struktur ihrer Freude.
Die Hoffnung seiner Freude war der Frieden unserer Vielfalt.
Die Hoffnung eurer Freude ist die Vielfalt ihres Friedens.
Die Hoffnung meiner Vielfalt wird der Frieden deiner Freude.
Die Hoffnung ihrer Vielfalt war die Freude seines Friedens.
Die Vielfalt meines Friedens sei die Freude deiner Hoffnung.
Die Vielfalt seines Friedens werde die Hoffnung ihrer Freude.
Die Vielfalt seiner Freude wäre der Frieden unserer Hoffnung.
Die Vielfalt eurer Freude sei die Hoffnung ihres Friedens.
Die Vielfalt meiner Hoffnung werde der Frieden deiner Freude.
Die Vielfalt ihrer Hoffnung wäre die Freude seines Friedens.
(Mit Zaun funktioniert es nicht.)
Podcast und Natur
Journalismus ist Handwerk und Podcast ist eine Haltung. Beim Podcast möchte man Inhalte vielleicht weniger veröffentlichen, im Sinne hoher Zuhörer:innenzahlen, sondern eher "zugänglich machen". Wie beim Lagerfeuer, um das man sitzt, bei dem sich jemand über ein bestimmtes Thema unterhält und man dabei zuhören kann. Besonders die Natur eignet sich als Thema für Podcasts, weil es gerade hier viele Menschen gibt, die über einen Teil daraus sehr gut Bescheid wissen. Man spricht in beliebiger Länge miteinander, bis das Thema entweder fertig geredet, oder argumentativ, diskursiv umkreist wurde. So entstehen Geschichten, im Fall der Natur "Naturgeschichten".
Glocken aus Uusi Valamo, Finnland
Aufnahme von 1992: Glocken aus dem finnischen Kloster “Uusi Valamo”. Gehört noch vor dem Einstieg ins Radiohandwerk. Gewidmet dem Radiolehrer Manfred Steinhuber. Im Kloster kann man für Kost und Quartier arbeiten.
Update: Aufnahme von 2019: Die Melodie hat sich die Jahre über gewandelt. Sie wird nach Auskunft der Mönche im Gedächtnis weitergegeben, wenn ein anderer Mönch spielt, prägt er sie nach seinen Vorstellungen. Angeblich gibt es auch einen italienischen Glockenspiellehrer, der 2019 kommen hätte sollen, der aber nicht gekommen ist. Das Foto stammt auch aus diesem Jahr.
Hörerlebnis: Stille + Podcast
Ich habe mein „lokales Hörmaximum“ gefunden, das bessere Ergebnisse als Noice Cancelling bringt. Und zwar eine Kombination aus angepassten Schallschutz Ohrenstöpsel für 65€ und Knochenschallkopfhörer für 120$.
Die Knochenschallkopfhörer habe ich schon seit zwei Jahren, die legen zur Umgebung einfach eine (Podcast-)Stimme drauf, wie wenn jemand neben einem hergeht und mit einem spricht. Radfahren möglich, man hört sonst alles.
Aber wenn ich das „Alles“ mit den Ohrenstöpseln wegmache, dann spricht jemand ruhig zu mir.
Ein Traum. Stille! Mit diesen unglaublich weichen Ohrenstöpsel im Schlafwagen, beim Busfahren und vor allem auch im Bett neben der Strasse. Und dann, wenn man Lust hat, einen Podcast auf die Stille addieren.
Ahhhhhh!
1) Ohrenstöpsel SleepLine via Neuroth 2) Knochenschall AfterShocks
Gedanken zum Mathematikunterricht
Verbesserungen in Mathematik
Dieser Text entstand durch ein Anonymes PAD, an dem alle mitschreiben konnten, die wollten.
Oft ist die Stoffangabe unklar. Was soll gelernt werden, was soll gekonnt werden.
Die Anzahl an Nicht genügend bei den Schularbeiten ist riesig.
Unterricht beschränkt sich oft auf das Vorrechnen von Beispielen.
Fragend-entwickelnder Unterricht funktioniert bei den "neuen Beispielen" nicht mehr als Standardmethode.
Lehrer wissen auch oft nicht, wo sie anfangen sollen.
Anwesenheiten (Schule für junge Erwachsene): oft kommt jemand nur jedes zweite Mal. Das geht nicht.
Viele Schüler:innen wollen nicht reden.
Viele Schüler:innen können nicht reden.
Schlechte Schüler wissen nicht, wo sie anfangen sollen.
Viele SuS fangen oft sehr spät/kurzfristig zum Lernen an.
Einige SuS lernen nicht, sondern lesen nur oberflächlich ohne zu reflektieren.
Klare Listen für jedes Semester, was man können muss. Mit Übungsbeispielen aus den Büchern. (Anmerkung: <– dazu gibt es doch den Lehrplan und die Kompetenzen <– Antwort: Wir können jeden Punkt daraus so zur Schularbeit geben, dass ihn niemand beantworten kann, und es ist aus Sicht der Studierenden sehr oft unklar, wo sie anfangen sollen, nachzulernen, auf welcher Ebene; „grün unterlegte Beispiele“ aus Büchern helfen, aber wenn dann trotzdem etwas anderes kommt, gibt es Probleme. Ich muss mich als Lehrer verlässlich & vorhersagbar daran halten)
Onlinekurse leicht zugänglich, wie der für 1. Semester mit Sprachtraining: https://www.phyx.at/mathematik/m1/
Maßnahmen, dass Schüler:innen selbst die Lehrer:innenrolle übernehmen.
Mathe-Partys. Mathe Clubs. Auch die Guten brauchen Motivation. Gibt es Erfahrungen?
Erfolgsgeschichten ein, zwei mal pro Semester, vorgestellt
Wöchentlich wird durch kleine schriftliche Wiederholungen (eine Aufgabe) das zuvor Gelernte "abgeprüft" und somit bekommen die SuS Rückmeldung, was sie z.B. falsch verstanden haben.
Die SuS müssen selbst über besprochene Stoffgebiete Zusammenfassungen schreiben (klassische Zusammenfassung, Mindmap, Video drehen, Folder, selber Fragen erstellen (Kahoot)...)
SuS viel selber rechnen lassen, ev. eine Musterlösung bereit stellen (geht mit Aufgabenpool recht gut) --> SuS haben dann die Möglichkeit, nicht vor allen anderen Leuten, sondern die Lerperson persönlich Fragen zu stellen
Lernvideos einsetzen, bzw. "Flipped Classroom" - falls möglich
Fragen an Studierende: Was ist das Problem?
Wie teilst du dir deine Lernzeit ein?
Wie gehst du vor, wenn du nicht mehr weiter weißt?
Mehoden besprechen, wie Hilfe geholt werden kann. Mit welchen Sätzen.
Worte- und Vokabeltraining. Es ist gar nicht klar, ob nicht jemand das Wort "Gelände" mit "Geländer" verwechselt.
Was tun, mit Leuten, die nichts können?
Die Studierenden lernen zu wenig.
Sie können mit Fehlern nicht adäquat umgehen.
Sie haben ihre Unterlagen nicht geordnet.
Positive Bestärkung wirkt immer noch am besten.
Rückmeldungen über Lernerfolg / Misserfolge werden oft fatalistisch gesehen.
Stress ist unfassbar kontraproduktiv in Mathe - aber viele beginnen nicht zu lernen ohne Stress.
Verantwortungen sind zu trennen: wer muss wofür Verantwortung übernehmen?
Wir müssen mehr voneinander wissen, es geht nicht mehr, dass wir isoliert unser Ding machen.
Wenn von 20 Handystunden pro Woche nur 5 Stunden zur Mathematik wandern, wäre das Problem gelöst.
Es gibt viele Insel-Initiativen. Was fehlt, sind große Stimmungen und Trends. Fairs/Konferenzen zum Austausch.
Viele Maßnahmen führen dazu, dass die Lehrer immer besser werden, nicht die Schüler.
Alles ist unüberschaubar.
Schnittstellen Abendschule - Tagesschulen. Wer kommt wann warum.
Familienentscheidung in 5 Schritten: Gegen einen Job in Guatemala
Wer das Angebot hat, für zwei Jahre an der Österreichischen Schule in Guatemala zu unterrichten, muss zunächst alle Familienmitglieder befragen. Jede:r könnte mit – in Form eines Auslandsschuljahres, oder in Form eines Karenzjahres für die mitreisende Partnerin. Aber jeder muss zustimmen, denn die Kinder sind zu alt, um sie einfach einzupacken, und zu klein, um sie alleine in Österreich zu lassen. Wir haben uns gemeinsam entschieden – zuhause zu bleiben. Wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind, und warum alle damit zufrieden sind, das beschreibe ich hier.
Aus zeitlichen Gründen hat sich die Bewerbung mit anschließender Bestätigung der Entsendung und die Entscheidung der Familie überlappt. Wir haben also nicht vor der Bewerbung entschieden. Das hatte für den Arbeitgeber Nachteile, es wurde aber im Bewerbungsgespräch von mir ausdrücklich angesprochen.
Wir wussten also: den Job gibt es. Und jetzt müssen wir herausfinden, ob "wir" ihn annehmen. Technisch sind mitreisende Kinder und Partner absolut willkommen, gerade an einer österreichischen Schule ist alles mit der Bildungsschiene in Österreich kombinierbar für die Kinder.
Wir haben den Informations- und Diskussionsprozess von der eigentlichen Entscheidung getrennt. Es war also klar, dass niemand an irgend einem Punkt eine Entscheidung trifft, bevor wir nicht gemeinsam am Entscheidungstisch sitzen.
Schritt 1: Entscheidungs-Matrix
Was spricht für oder gegen "gehen", was spricht für oder gegen "bleiben". Jeder der vier Beteiligten schreibt auf eine bestimmte Post-it Farbe die Argumente und positioniert sie im jeweiligen Quadranten. Besonders wichtige Punkte können mit einem extra Klebesymbol (Pferd, Blume, Stern, etc.) gekennzeichnet werden. Interessant war für die Kinder, dass ein Argument für das Gehen nicht unbedingt ein Argument gegen das Bleiben war. Alle vier Felder brauchen eigene Gedanken. Dieser Schritt hat sehr gut funktioniert, das Plakat wurde an die Zimmertür gehängt.
Wir haben danach immer wieder im Raum miteinander gesprochen und konnten auf die Tür verweisen. Was man sieht ist, dass es bei niemandem nur Nachteile gibt, dass es bei niemandem nur Vorteile gibt, dass sich das Verhältnis der Vor- zu Nachteilen bei allen vier Personen stark unterscheidet. Die Sache würde also komplex werden.
Schritt 2: Weitere Informationen
Ein zweitägiges Seminar folgte und es kamen Informationen aus dem Ministerium, was Bezahlung und weitere Modalitäten betrifft. Und es folgten Gespräche mit einer Lehrerin der Schule, die bei diesem Seminar dabei war und beim Abendessen auch für Fragen der Familie zur Verfügung stand. Schwierig war, alle Familienmitglieder an diesen Tisch zu bekommen, weil sonst eigentlich eine Vorentscheidung getroffen worden wäre, wenn man diese besonders wertvollen Informationen nicht abholt oder erfragt.
Schritt 3: Bauchgefühl
Es war keine Eindeutigkeit bzw. Einstimmigkeit vorhanden. Zu sehr waren die Beweggründe, Wünsche, Sorgen, Hintergründe unterschiedlich, verwoben, vermischt und verwischt. Gespräche mit dem größeren Familienkreis brachten zusätzliche Informationen für Zwischen- oder Teillösungen. Einer von uns könnte beginnen, nach dem ersten Jahr könnte man nachkommen. Eine Ferienreise würde das Gebiet zeigen, man würde besser wissen, wofür- oder wogegen man entscheidet. Aus alldem entwickelte sich aber kein gemeinsamer eindeutiger Trend.
Schritt 4: Aufschlüsselung der Entscheidungsarten
Chefentscheidung: Geht nicht, da die beiden Erwachsenen keine klare Chefrolle beanspruchen, sondern recht fluid und austauschbar diese Rolle ausüben.
Mehrheitsentscheidung: Geht nicht, da es scheinbar 2:2 stand.
Eindampfen der Möglichkeiten: Kann gemacht werden, wenn viele verschiedene Möglichkeiten vorliegen, die man gruppieren und sortieren kann. War aber nicht, denn es gab nur eine Entscheidung: das Angebot anzunehmen, oder nicht. Die Zusage musste bis Schulende (innerhalb 14 Tagen) erfolgen.
So gesehen war an dieser Stelle eine Patt-Situation, die eigentlich ein "nein" als einzige Möglichkeit zuließ. Das hätte aber zumindest zwei von vier Personen frustriert. Die eine Gruppe hätte der jeweils anderen Gruppe die Schuld geben können, später vielleicht, eine positive Lebensentscheidung verhindert zu haben.
Das wollten wir nicht, daher eine vierte Art der Entscheidung, die aus dem Gebiet der Soziokratie kommt.
Es ist die Suche nach den inakzeptablen Szenarien: Es geht darum, dass jede:r eine Position formuliert, die für sie oder ihn definitiv nicht möglich ist. Dafür brauchten wir eine gute Stunde Zeit. Es war inhaltlich gut machbar, weil wir bereits alle möglichen Punkte kannten. Neu war die Art zu denken: Was möchte ich nicht, dass eintritt, auf keinen Fall. Trotz aller Zwischen- und Mischlösungen, was sollte nicht sein. Diese Position konnte jede:r formulieren (Schritt 1), und jede:r am Tisch hörte diese Formulierungen. Daraufhin (Schritt 2) formulierte jede:r Szenarien, die trotz der vier verschiedenen "no-go´s" möglich wären.
Und da war es dann klar: das einzige Szenario, das alle vier klaren Negativ-Positionen wertschätzt (acknowledged), war, das Angebot des Ministeriums nicht anzunehmen, nach Guatemala zu gehen.
Interessant dabei war, dass die Sache auf einer höheren Ebene Widersprüche gezeigt hat. Wer die "PM-Logikrätsel" kennt, weiß, dass es erst durch die Kombinationen von Elementen Umstände und Informationen gibt, die neuartige Erkenntnisse zu lassen. So war das auch bei uns. Durch die Formulierung eines bestimmten "no-go´s" musste ein anderes "no-go" geändert werden, was eine Verkettung zutage brachte, die zu Beginn nicht einsehbar war. Wenn man dann die Positionen beider Personen berücksichtigt, war das letzte mögliche "wir gehen nach Guatemala" Szenario nicht mehr im Rennen, und als einzige Möglichkeit blieb "nicht annehmen" über.
Wir verblieben an diesem Abend, dass wir mit der Entscheidung noch bis zum nächsten Tag warten würden, falls noch jemandem etwas einfällt.
Schritt 5: Die Entscheidung
Am nächsten Tag kamen wir am Küchentisch zusammen, besprachen die Möglichkeiten, eine Entscheidung zu treffen: Chef, Mehrheit, Eindampfen und die "Suche nach dem inakzeptablen Szenario". Wir stimmten dafür, unsere Entscheidung nach dieser vierten Methode zu treffen. Somit haben wir nicht abgestimmt, ob wir nach Guatemala gehen oder nicht, sondern wir haben abgestimmt, wie wir entscheiden. Das war sehr spannend zu sehen.
Niemand ist "schuld" an der getroffenen Entscheidung. Sie konnte nur gemeinsam entstehen. Wir können einander nicht zuschreiben, Grund für die Entscheidung zu sein. Das nimmt die Verantwortung von allen Schultern, besonders auch später in einigen Jahren.
Jed:r einzelne hätte eine „für-Guatemala“-Entscheidung ermöglichen können, indem auf die jeweilige "no-go"-Position verzichtet worden wäre. Da aber im Mittelpunkt unseres Wunsches war, diese vier Positionen zu respektieren und einzuhalten, war dies keine mögliche Option. Warum? Wir kennen Menschen, die durch Umstände, denen sie ausgesetzt waren, durch Entscheidungen, an denen sie nicht mitarbeiten durften, ein Leben lang betroffen sind.
Und wie ist es bei Euch? Habt ihr auch Erfahrungen mit komlexen Entscheidungen gemacht? Mail an lothar@sprechkontakt.at
Epilog: Der Schuldirektor hat sehr verständnisvoll reagiert und die Einladung ausgesprochen, sich wieder zu bewerben, wenn die Stelle in dieser Fächerkombination neu ausgeschrieben wird und sich die familiäre Situation geändert hat.
Dank an Ingrid/Linda/Alexandra für die Entscheidungsmatrix, Dank an Gottfried für das Erzählen der Methode der Soziokratie, Dank an alle Beteiligten für die Geduld.
Update 2022: Über das Mindset beim Entscheiden spricht die Psychologin Agnes Justen-Horsten in Folge 98 von Nicolaus Kreutters Auswanderer-Podcast.
Podcast im Wirtshaus
Unseren "Horch"-Podcast - haben wir erstmals im Wirtshaus mit 20 Leuten aufgenommen. Was muss ich wissen, um zeitgenössische Musik gerne zu haben? Elisabeth Haselberger aus Ulm hat ihre Flöten mitgebracht, ich den Klang der Sonne - und es war beim Haiderwirt in St. Veit ein wunderschöner Vormittag. Risiko? Keines. Schön wars. (Horch 22)
Über mich
Als Tellerwäscher habe ich in Finnland meine Karriere begonnen. Im finnischen Kloster Uusi-Valamo kann man mit vielen netten Finnen den Sommer verbringen, und im Tagesbetrieb mithelfen. Daraus hat sich meine erste Radiosendung für das Österreich 1 Reisemagazin Ambiente ergeben: „Von der Kunst des Reisens“.
Geboren 1971 in Altheim, Oberösterreich. Studium Mathematik und Physik in Wien. Lothar Bodingbauer lebt und arbeitet in Wien. Radiojournalismus, Podcasts, Vorträge und Workshops. Manchmal am Schiff. Mag Menschen, und das, was sie sagen.
Improvisationsübungen
Hinweis: Bei all diesen Spielen geht es mehr darum, das Reden im Fluss zu halten, als eine sinnvolle Geschichte zu bauen. Man baut mit seinen Partner:innen einen Sprachfluss. Die Übungen hier sind meist zu zweit.
1. Der fehlende Buchstabe... Ihr einigt euch auf einen Buchstaben, der in der nicht vorkommen darf. (AEIOU sollen das aber nicht sein). A erzählt eine Geschichte, B läutet eine Glocke, wenn A ein Wort mit dem Buchstaben doch sagt. In diesem Fall wechseln die Rollen und die Geschichte geht weiter. (Sehr schwer! Macht lieber erst die nächsten!)
2. Und nicht nur das... A und B sagen abwechselnd einen Satz. Der neue Satz wird immer eingeleitet mit „–und nicht nur das!“ Variationen: „Ja, und...“ bzw. „Ja, aber“.
3. Einen Satz zurück... A erzählt eine Geschichte, B läutet dann und wann eine Glocke (oder sagt „Ping“), A stoppt und geht einen Satz in der Geschichte zurück, wiederholt ihn mit einer Änderung und setzt fort.
4. Da fehlt was... A erzählt eine Geschichte und lässt dann und wann Pausen, in die B etwas einfügt. Das kann auch eingeleitet werden mit „und sagte: ...“
5. Wörterkette... Das ist eine Aufwärmübung. Es werden Wärter aneinandergereiht, die immer irgend etwas miteinander zu tun haben sollen. Solche Ketten heißen „Assoziationsketten“. Beispiel: Apfel–rund–Mond–Sterne–Nacht–Tag–24-gerade...
6. Geschichtenart ändern... A erzählt eine Geschichte, und B ruft dann und wann zu, welche Art diese Geschichte ein soll, aus welchem Genre (sprich: „Schau-re“). Beispiel für Genres: Märchen, Liebesgeschichte, Comedy, Phantasy, Dokumentation, Science Fiction (Zukunft), Krimi, Katastrophe, Horror, Kostüm/Geschichtliches, ...
7. Bewegte Hände... A erzählt eine Geschichte und hat dabei die Arme hinter sich verschränkt. Hinter ihm steht B, der seine Arme anstatt A‘s Arme nach vorne streckt. B bewegt seine Hände, je nachdem was A sagt, und A erzählt die Geschichte auch so, dass sie zu B‘s Handbewegungen passt. Beispiel: „Wie man viele Fische fängt.“ Das kann man auch filmen, so dass man nicht merkt, dass B hinter A steht.
8. Bewegte Arme... Variation zu vorhin. Wieder erzählt A eine Geschichte. Neben ihm steht B, der A‘s Arme nimmt und sie für ihn bewegt. Bsp: Wie lange soll man Fernsehen?“
9. Doppelsprech... A und B erzählen gleichzeitig die selbe Geschichte, indem sie sich anschauen und gleichzeitig die selben Worte sprechen, die sie bilden.
10. Sätze mit 3 Wörtern... A und B erzählen abwechselnd eine Geschichte, jeder einen Satz - der aber nur 3 Wörter haben darf. Variation: mit 2 Wörtern.
11. Das Beste / das Schlechteste... A und B erzählen abwechselnd eine Geschichte, jeder einen Satz, der eingeleitet wird mit „und das Schlechteste daran war“, bzw. „und das Beste daran war“. Für besonders Geübte: das Beste und das Schlechteste abwechseln!
12. Das Beste / das Schlechteste (Variation)... A erzählt eine Geschichte, wo alles großartig funktioniert. Alles ist das Beste, das Schönste, das Wunderbarste. Wenn B eine Glocke läutet, (oder „Bing“ sagt), wird die Geschichte mit umgedrehtem Vorzeichen fortgesetzt. Alles ist das Schlechteste, das Blödeste, alles geht schief. Much fun! Lothar Bodingbauer, training.sprechkontakt.at
13. Experteninterview... A ist ein Experte für irgendeine Sache, zum Beispiel, für das Ungarische Kistenholz. B stellt ihm wie in einer Pressekonferenz dazu völlig frei erfundene Fragen diesbezüglich, die A ebenso völlig frei erfunden beantwortet.
14. Von A bis Z... A und B erzählen abwechselnd eine Geschichte, jeder einen Satz, der mit den Buchstaben des Alphabetes abwechselnd beginnt.
15. Emotionen bitte... A erzählt eine Geschichte, B ruft ihm zu, mit welchen Gefühl er die Geschichte weitererzählen soll: grantig, fröhlich, traurig, aggressiv, gelangweilt, ängstlich, glücklich, tief deprimiert, scheu, aufgeregt, ...
16. Emotionen noch einmal... A beginnt ein paar Sätze einer Geschichte zu erzählen, die anfangs aufgeregt voller Emotion sind, dann erklären, warum das so dramatisch ist, und die dann in einem ruhigen Satz enden. Das ist das Zeichen für B zu übernehmen, der völlig aufgeregt in eine Emotion übernimmt, dramatisch, dann erklärt, warum das so dramatisch ist, und wieder in einem ruhigen Satz endet, den A aufgeregt übernimmt, usw.
17. Ein Wort... Auch das ist möglich: A und B erzählen eine Geschichte, abwechselnd, jeder nur ein Wort. Es kommt wieder nicht so sehr darauf an, was der Inhalt der Geschichte ist, als dass gemeinsam ein Sprachfluss entsteht.
18. Zwei Wörter... Zum Ausprobieren, wie das funktioniert. Abwechselnd zwei Wörter.
19. Kauderwelsch... A erklärt, wie man Eiernockerl macht. Allerdings in einer völlig unverständlichen Sprache, die absatzweise B ins Deutsche übersetzt. A darf dabei ruhig die Hände gebrauchen!
20. Jeder einen Satz: A und B wechseln sich ab, jeder erzählt einen Satz, es entsteht eine Geschichte der beiden.
Gedanken zu Podcasts
Podcast ist „Zuhören am Lagerfeuer“: Wir sitzen dabei und hören einer Diskussion zu. Auch wenn wir nicht mitreden, sind wir am Feuer. Wir können die Distanz frei wählen.
Podcasts sind eine Art, die Wirklichkeit zu beschreiben, sie zu denken durch „Erreden“. Die eigentliche Frage ist: worüber lohnt es sich zu reden? Worüber lohnt es sich zu denken?
Möchten wir das Rauschen erhöhen? Das kann passieren. Es ist gar nicht so leicht, etwas Eigenständiges zu machen, was am Wasserfall bemerkt werden kann. Authentizität ist gut. Eine hohe Schlagzahl bringt auch Anfänger schnell in den Bereich guter Ergebnisse (ab Folge 10).
Bei Podcasts ist die Kommentarkultur höher, Hater hören nicht lange zu, und wenn jemand lange zuhört, hat er eine differenzierte Meinung (bekommen).
Podcasts finden im Kopfhörer statt, Radio im Lautsprecher. (Tim Pritlove)
Die Zielgruppe ist bei Podcasts reichlich egal. Ein Podcast spricht sich herum (man kann gar nicht verhindern, dass er gehört wird). Regelmäßigkeit hilft dabei.
Aus Podcastern werden keine Radioleute. Das ist eine Beobachtung.
Ähs schneiden? Beim Denken hören braucht bestimmte Ähs. Das schneiden wir beim Radio recht undifferenziert alles weg, man kann in den Sendungen den Menschen nicht mehr beim Denken zuhören, ein Wesenentlicher Teil der Sprache geht verloren. Das Vorlesen von Manuskripten ist nicht mehr denken/sprechen, sondern die Wiedergabe von Gedrucktem. Eine Katastrophe der Menschheit, wie ich meine.
Der Vertrauenslevel der Podcasthörer:innen ist höher, sie entschuldigen meine Fehler, weil sie mich kennen, übrigens wird auch Ironie hörbar, einordenbar. Weil mehr Zeit ist.
Gute Podcaster sind die gute Zuhörer. Sie können auch gut zusammenfassen, was wir gehört haben. Zwischendurch schadet das gar nicht.
Metatexte sind unsere Freunde. Kapitelmarken. Untertitel, Inhaltsbeschreibungen.
Hörer:innentreffen: Podcaster:innen, die das machen, bauen ihre Hörerschaft gut aus. Und ich kenne sehr viele, die routinemäßig ankündigen, wenn sie in einer Stadt sind, sie treffen sich in Restaurants, passenden Locations.
Podcast ist das „nächste“ Medium, sagt Tim Pritlove in seiner Keynote (Video hier) bei der #subscribe10 im März 2019 – und er meint damit das dem Ohr nächstengrenzende Medium. Weil Podcast eben mit Kopfhörern gehört werden.
Werbung macht nichts besser, sagen viele Podcaster, sie macht das Publikum zur Zielgruppe - teilt sie in Scheibchen, Glaubwürdigkeit leidet, der „Wert der Marke“ sinkt. Wer nicht für eine Zielgruppe sendet, ist überrascht, aus welchen Ecken Hörer:innen kommen. Das ist auch ein sonderbarer Widerspruch: Man macht das Ding für die Hörer, und mann macht es genau nicht für die Hörer - man lässt sie dabei sein.
Zweiter sonderbarer Widerspruch: Die Person des Podcasters ist egal, er ist stellvertretend der Gesprächspartner im Podcast, und gleichzeitig ist die Person wichtig, mit einer oft erlebten Asymmetrie der Bekanntheit. Man ist den Menschen sehr vertraut, denen man zuhört, aber eben einseitig vertraut, Podcaster berichten aber auch, dass ihnen die Hörer vertraut sind, für die sie ja diese Gespräche machen.
„Seit exzellent zueinander“ war der letzte Punkt bei der Eröffnung der Podcaster:innenkonferenz #subscribe10 (Link zum Programm).
Sprechen als Mittel zur Erkenntnis braucht Zeit.
Worüber lohnt es sich zu reden, finde ich noch einmal, das ist die eigentliche Frage.
Museumspodcasts
Gespräche, die zugänglich sind. Bei denen man dabei sein kann. Wie damals am Lagerfeuer, als die Menschen noch in Kohorten umherzogen. Das, worüber sie reden, steht im Mittelpunkt. Die Wärme des Feuers. Und sie reden so lange, bis sie fertig sind.
Es geht bei Podcasts vorderhand nicht um Reichweite, sondern um die Zugänglichkeit des Gesprächs. Um die Möglichkeit, dabei zu sein. Die Länge der Sendung ist egal. Podcaster:innen sind in seltenen Fällen berühmt. Meinung ist Teil des Konzepts, und im Museumsumfeld wird durch einen Podcast kuratorische Arbeit hörbar gemacht.
In Podcasts finden Sie meistens Gespräche. Radiosendungen zeigen hingegen in aufwändig gestalteten Beiträgen die Welt, wie sie den Gestaltenden erscheint. Und das ist nicht der einzige Unterschied: Radio wird über Lautsprecher gehört, Podcasts über Kopfhörer. Radio ist geteilte Öffentlichkeit. Podcasts eher intim. Bei Radioaufnahmen wird ein Mikrofon hin- und her geschwenkt. Beim Podcast-Gespräch tragen alle Teilnehmer:innen Kopfhörer, an denen Mikrofone montiert sind, die der Kopfbewegung folgen. Jede:r kann zu jeder Zeit reden. Jeder kann den anderen gut hören.
Musik ist wegen GEMA-Gebühren selten dabei. "Verlautbarungen" verschwinden wie das Geheul der Wölfe im Dunkel weit hinter dem Feuer. Sie machen Platz dem Detail, den weiten Augen, dem schweifenden Geist, und dem Wunsch etwas herauszufinden zu wollen. Im Kontakt, im Gespräch.
Sendungen heißen beim Podcast "Episoden". Im Museum können sie via QR-Code den Ausstellungsobjekten hinzugefügt werden. Wer also ein Objekt sieht und Lust auf den Hintergrund hat, verfolgt bei Verfügbarkeit die Entstehung des Präsentierten als Podcastepisode über den bereitgestellten Link.
Blick in die Geschichte.
Die erste Podcastwelle entstand um das Jahr 2000. Audiofiles wurden via mp3 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es war die Zeit der illegal geteilten Musikfiles. Die neuen mp3-Player lösten den Walkman und Discman ab. Parallel zu Internet-Blogs mit Texten und Bildern entstanden erste Audioblogs. Auch sie konnten über "RSS-Feeds" abonniert werden, ohne jede Seite einzeln ansurfen zu müssen, um zu schauen, ob es etwas Neues gibt. Wann immer es eine neue Episode gibt, wird das zugehörige mp3-File automatisch heruntergeladen. Es wartet dann auf dem mobilen Endgerät, bis es der Benutzer zeitsouverän hören möchte. Einziges Problem der ersten Podcastwelle: der Klang. Viele der Aufnahmen hörten sich an, als ob sie auf dem Klo gemacht wurden. Die Stimmen waren nicht präsent, es hallte und schepperte. Aber man konnte senden, man konnte gehört werden.
Und dann kam Podcastwelle 2.
Ausgelöst durch Pioniere aus Deutschland, zuzuordnen dem Umkreis des "Chaos Computer Clubs" - die "guten Hacker". Sie geben Wissen über Podcastepisoden weiter. Die Episoden dauern gerne um die 1, 2, 3 Stunden. Oder 4. Wenn sich jemand mit dem Thema auskennt. Über das Ohr zum Beispiel - ein Experte für Cochleaimplantate. Oder über Kurdistan, Feminismus, das Bierbrauen, Pornographie oder die Chilli-Schote. Über Kakteen. Gespräche sind nun in Studioqulität zu hören und von Radiosendungen nur insofern zu unterscheiden, dass sie keine gebauten Beiträge oder Features sind. Und dass auch mal gelacht wird.
Auch die Rundfunkanstalten ziehen nach, die in Podcasts einen weiteren Ausspielkanal für ihre Sendungen haben. Öffentlich-rechtliche Radiostationen müssen diese Angebote üblicherweise "depublizieren", nach einer bestimmten Zeit vom Netz nehmen. Freie Podcaster:innen nicht. Die Erfahrung zeigt: auch ältere Episoden werden noch gehört, wenn sie verfügbar sind.
Dann kam die Podcastwelle 3.
"Podlove" entstand, ein digitales Plugin für das weitverbreitetes Content-Management-System "Wordpress", das viele Bloger:innen verwenden. Episoden können damit noch einen Tick einfacher veröffentlicht werden. Die Podcasts verlassen die Nerd-Ecke. Die Community trifft sich regelmäßig an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum, um Erfahrungen zu tauschen. Oder digital auf www.sendegate.de. Österreichische Audioexperten entwickelten mit "Auphonic" ein Onlineservice, das aufgenommenes Material akustisch optimiert. Mehrspuraufnahme sind mit "Ultraschall" möglich, und über das Plugin "Studiolink" können Mikrofone an mehreren Orten kostenlos via Internet in Studioqualität verbunden werden. Das Podcast-Equipment passt in ein Köfferchen.
Zunehmend werden auch "Podcastlabels" gegründet, eigene Agenturen, die ausschließlich Podcasts produzieren.
Manche Podcaster:innen finanzieren mit Werbung ihre Episoden -obwohl, da sind sich viele einig, Werbung noch nie etwas besser gemacht hat. Andere Podcaster:innen arbeiten mit Produktplatzierung. Oft zahlen die Hörer:innen zusammen, und es gibt auch jene Podcasts, bei denen Auftraggeber Episoden kaufen, weil es ein Budget für Öffentlichkeitsarbeit gibt. Einige verkaufen Bücher, Vorträge Expertise und Kurse, aber die meisten podcasten als Hobby. Und das in guter Qualität - Garantie oder Aufsicht gibt es keine. Es braucht ein kritisches Ohr und auch die Erfahrung kuratierter Podcastverzeichnisse wie wissenschaftspodcasts.de, um "gut" von "belanglos" zu unterscheiden.
Wir sind jetzt in Podcastwelle 4.
Die Verlage und Zeitschriften und Zeitungen sind eingestiegen. Podcast wurde bekannter, weil auch Musikplattformen wie Spotify die Episoden anbieten. Wir schreiben das Jahr 2019. Jede:r, der etwas auf sich hält, macht einen Podcast. Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.
Für Menschen beim Pendeln, im Auto, in der Werkstatt. Manche Podcasts sind einzigartig. Viele senden für die Nische, einige für die breite Masse. Ein Spielplatz für Experimente auch für Verlage, die die längste Zeit ihre Inhalte auf Papier gedruckt haben.
Andreas Sator etwa lernt als Standard-Journalist in "Erklär mir die Welt" Alltägliches und Unbekanntes im Gespräch mit Expert:innen in einem eigenen Podcast kennen und Maria Wegenschimmel erforscht in ihrem "Wiener Sozial-Pod" Hilfsangebote für Mitmenschen auf eigene Faust, sorgt dadurch für eine Vernetzung der Beteiligten untereinander.
Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.
Interessant ist dabei, dass sich freie Podcaster:innen oft in ihren eigenen Produktionen einen unabhängigen Ruf erarbeiten. Einen Stil, eine Art, für die sie ihren Hörer:innen bekannt sind, und die dann von einem Auftraggeber gekauft wird. Zum Beispiel Holger Klein aus "WRINT", der für einen Hornbach-Bauhaus-Podcast seine Art, Gespräche zu führen, mitbringt. Er spricht mit Abenteurern und Do-It-Yourself-Pionieren. Marketingabteilungen und Pressestellen müssen in solchen Projekten ebenso flexibel sein, wie die beteiligten Podcaster:innen, die bisher gewöhnt waren, alleine zu arbeiten. Müssen die Inhalte freigegeben werden? Wer entscheidet? Wer hört ab, wer hört mit? Wer repräsentiert und wer veröffentlicht, wo und wie?
Es gibt Abhängigkeiten, Überschneidungsflächen, Graubereiche, Bekanntheitsströme und die Eroberung neuer Terrains.
Und das Stadtgespräch?
Das "Stadtgespräch" ist der Podcast des Technischen Museums Wien. Mittlerweile bei Folge 20 erschien die erste Episode Anfang 2017 im Zusammenhang mit der Ausstellung "Zukunft der Stadt", weil Expert:innen verfügbar waren, die bereit waren, über ihre Inhalte ausführlicher zu reden. Der Lichtmeister von Wien - er kümmert sich um alle Lampen inklusive Ampeln. Die Logistikexpertin über die Zukunft der Lastenräder. Die Leute vom Stromverteiler, die dafür sorgen, dass Energie für alle zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellt - eine Episode in Verbindung mit der Elektrizitätsausstellung On-Off. Mit der Ausstellung "Zukunft der Arbeit und Produktion" erschienen Gespräche mit Roboteringenieuren, mit Soziologen, einer Expertin der Gewerkschaft, mit einer Datenwissenschaftlerin der VOEST. Die Gespräche immer ausführlich und immer mit vielen Details.
Und immer lang.
Im allgemeinen werden die Episoden der "Stadtgepräche" nicht geschnitten. Es sind auch die Pausen zu hören. Das Denken. Das Atmen. Das Leben. Das Dazwischen, was in Kurzbeiträgen in Radio und Fernsehen meist wegfällt.
Eigene Gedanken werde sorgsam in die des Gegenübers geflochten. Beim "Stadtgespräch" aus dem Technischen Museum sind oft sind die Kurator:innen der kommenden Ausstellung dabei. Ihre Fragestellungen werden hörbar, zugänglich, ihre Ansätze spürbar. So bekommt das Museum eine Stimme. Die Sicherheiten, die Zweifeln, das Nachfragen, das Explorieren. Wer Lust hat, hört zu. Wer nicht - nicht.
Podcast-Tipps und Beispiele aus anderen Museen.
Empfehlenswerte Podcasts sind – natürlich neben dem Stadtgespräch – die Referenzprodukte aus dem deutschsprachigen Raum: "CRE", "Omega Tau", "Forschergeist". Vielleicht auch die "Bienengespräche" aus Wien, wenn Sie sich für Natur interessieren. Es gibt den "Lila Podcast" mit feministischen Inhalten. Ja, auch für Männer. Für Läufer:innen die "3-Schweinehunde". Oder "Zeitsprung", Geschichten aus der Geschichte. Alle sind einfach zu finden, einfach zu googeln. Das Sigmund-Freud-Museum in Wien hat einen Podcast, das Smithsonian Museum, das Archäologische Museum Hamburg. Über Ausstellungen erzählen der "Museumscast", "Exponiert", "Kunst und Horst" und das "Kulturkapital". Die Grenzen verschwimmen. Empfehlenswerter Startpunkt für Suchen ist auch das Podcastverzeichnis www.fyyd.de
Wenn Sie Ihren Lieblingspodcasts gefunden haben, drücken sie auf dessen Website auf den "Abonnieren"-Knopf und aktivieren dadurch eine App auf Ihrem Smartphone, den sogenannten "Podcatcher". Er sammelt die neuen Episoden und speichert sie wie in einem Schatzkästchen bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Sie bereit sind, zu hören. Es gibt eine Pausetaste. Und oft auch Kapitelmarken. Damit sie wieder zurückfinden, wo sie aufgehört haben zu hören, als Sie stoppen mussten, weil es ja auch noch die anderen Dinge im Leben gibt.
Geschnetzeltes nach Holgi
Erinnerung an das Gespräch über Geschnetzeltes: Aus "Holgis kleine Kochschule", WR275
Pfanne heiß, bisschen Öl in Pfanne halber TL Bleistiftdick. Rosa heiß, Fleisch raus Runterschalten, wieder Öl. Zwiebel, Champignons, braten, bis glasig. Weinbrand drauf. Sahne drauf. Soßenbinder. Abbinden. Pfanne ausschalten. Fleisch rein mit allem. Salzen, umrühren, stehenlassen.
Gemüse in Pfanne, rein in WOK, hohe Hitze anbraten, rühren, schwenken. Schnell garen: Wasserdampf … 1/2 Sojasauce, 1/2 Sherry Nudeln dazu.
Mit Huhn
Hühnchenbrust Bleistiftdick. 30 min Marinieren: 1/2 Salz, 1 Eiweiß, 1/2 Speisestärke pro Person Scharf anbraten, durchrühren, hohe Hitze
Kommentar zur neuen Mathematikmatura
"Es ist ein Problem der Kommunikation."
Gedanken zur Reifeprüfung Mathematik
Die zentrale Reifeprüfung in Mathematik hat inhaltlich keine Probleme. Die Beispiele sind schön, passend, interessant und im Schwierigkeitsgrad angemessen. Die schlechten Ergebnisse zeigen Eines: wie gut die Kommunikation nicht funktioniert. Bisher konnte jedes Probleme durch passende Angaben gelöst werden. Das ist nun nicht mehr so.
Das Problem der schlechten Leistungen der neuen Reifeprüfung in Mathematik wird überstürzt auf die fehlende sprachliche Kompetenz der Schüler:innen geschoben. Das greift zu kurz.
Die gesamte schlechte Kommunikation fliegt auf.
1) Innerhalb der Fachgruppe. Wie gut reden die Lehrer:innen miteinander.
2) Innerhalb den Schüler:innen. Wie gut reden die Schüler:innen miteinander.
3) Zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen.
4) Zwischen Eltern und Schüler:innen.
5) Zwischen Bifie und Lehrer:innen, zwischen Schulaufsicht und Lehrer:innen, zwischen Direktion und Lehrer:innen.
Ich wiederhole: bisher wurden Probleme auf allen fünf Ebenen in Mathematik gelöst, in dem die zur Gesamtsituation passenden Angaben gegeben wurden.
Die Beispiele der zentralen Reifeprüfung können nun nur gelöst werden, wenn deren Inhalte von den Schüler:innen verstanden wurden. Das geht nicht mehr alleine ("ich lerne das zuhause"), das geht durch Kommunikation ("wir reden über Mathematik"). Können Lehrer:innen genügend Gesprächssituationen im Unterricht schaffen? Können Sie diese Situationen plausibel machen? Können Sie Schwächen im kommunikativen Bereich verbessern?
Wollen die Schüler:innen mit Lehrer:innen über die Inhalte sprechen? Wollen sie miteinander reden, um offene Fragen und ihr Lernen zu diskutieren? Wie gelingt es den Eltern, mit ihren Kindern über Mathematik zu reden. Können sie es überhaupt? Wie lange tun sie es schon - die Oberstufe dauert 4 Jahre. Kommunikation kann nicht im letzten Moment gelernt werden.
Lehrer:innen weisen schon in der 5. Klasse die Schuld den Schüler:innen zu, sie müssten besser, mehr lernen. Das greift zu kurz.
Es geht um den problematischen Umgang mit Modalverben in Österreich: Können die Schüler:innen reden? Verstehen sie die Sprache? Worüber wollen sie reden? Verstehen sie den Sinn des Redens? Worüber dürfen sie reden? Sind Fehler diskutierbar, Teil der Kultur, oder führen sie zu Minus, Punktabzug, schlechtem Image und Noten? Wie müssen sie reden? Und ja, wie müssten sie es tun.
Es geht um Autoritätsgläubigkeit, Hörigkeit, Unterdrückung, Gewalt. Das fliegt auf, bei der Mathematikmatura. Weil sie vollständiges Denken, vollständige Menschen braucht. Jene Leute, die diese Art der Matura in Österreich eingeführt haben, haben Großes geleistet. Aber jetzt wird durch die schlechten Ergebnisse sichtbar, was wir alles nicht haben:
Wir verstehen die Gestaltung von Prozessen noch zu wenig, wir denken noch immer in Zuständen. Leistung wird als Zustand gedacht. Leistung ist ein Prozess, Kommunikation ist ein Prozess.
Die folgenden fünf Vorschläge sind im wesentlichen: Verbesserung der Kommunikation.
Vorschlag 1: Achtsamkeit als Thema.
1) Wie sprechen die Ebenen miteinander.
2) Wozu sprechen sie miteinander.
3) Wie können Schüler:innen einen wertschätzenden Umgang in ihrer Kommunikation mit sich selbst beim Mathelernen entwickeln.
Vorschlag 2: Förderung der Kommunikation.
Sie findet zwischen Menschen statt, um sie zu verbinden. Was können Lehrer:innen dazu beitragen? Wie verständlich ist das Bifie, das Ministerium, der Schulrat? Es braucht hier Experten der Wissensvermittlung. Profis. Warmherzige Menschen.
Vorschlag 3: Verbesserung der Bildungssprache.
"Typ 1"-Aufgaben und "Typ 2"-Aufgaben sind schreckliche Wörter. Das Können, das Wissen; können, wissen. Die Frage, fragen. Das sind schöne Wörter. Damit können wir arbeiten. Es braucht hier Experten der Sprachgestaltung. Profis. Warmherzige Menschen.
Vorschlag 4: Konzentration auf Prozesse.
Sprechkontakte schaffen. Sprechgelegenheiten schaffen. Die gesprochene Sprache der geschriebenen Sprache mehr Gewicht geben. Dem Zuhören. Dem Entwickeln. Bei Geschriebenem entwickelt sich nichts. Geschriebenes diente in Österreich zu oft der Verlautbarung. Beim Reden passiert das Gute.
Vorschlag 5: Tafeln abmontieren. Dann können Lehrer:innen nicht mehr vorne stehen und predigen. Individualisierung. Die neuronalen Netze können die Schüler:innen im Bereich der Mathematik nur durch Selbsttätigkeit knüpfen. Sonst: alles was Spaß macht. Podcasten etwa. (Aus dem Abendgymnasium z.B. das „Schulgespräch": http://schug.sprechkontakt.at)
Zeit gibt es genug. Inhaltlich ist mathematisch alles möglich, die Inhalte sind zeitgemäß. Die Verbesserung steckt im "wie". Im "miteinander".
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Ich müsste meine Gedanken eigentlich im Gespräch erzählt haben, weil ich auch mein Gegenüber hören wollte.
Es gibt Sprache, die ist weit und rund. Doch manche springt und stolpert, Stück. Für Stück.
Sommer unter Ziegen
Diesen Sommer haben wir in Kanada auf einer Farm Erfahrungen gesammelt. Es gibt da ein Netzwerk: WWOOF, "Willing Workers On Organic Farms" oder "World Wid Opportunities on Organic Farming" - der Deal ist: Mitarbeit auf einem Biobauernhof, 5 Stunden an 5 Tagen, gegen Kost und Quartier. Letztlich werden Erfahrungen ausgetauscht, Geld spielt keine Rolle, es ist ein Geben und Nehmen. Wir waren auf der Haute Goat Farm: Debbie und Shain haben etwa 25 Ziegen, 7 Alpacas, eine Handvoll Pferde und 4 Hunde. Es gibt Ziegenyoga, und vor allem man kann "Shmurgeln" - Zeit mit den Tieren verbringen. Erst bei den Alpacas, dann spazieren, und dann am Spielplatz der Ziegen. Kein Tier wird gegessen. Was für eine schöne Farm. Im Einzugsbereich von Toronto gibt es auch viele Menschen, die das interessiert. Im Detail haben wir das gemacht: Haute Goat WWOOF Manual.
Gaspé Marathon
CBC Radio One berichtet immer wieder über die "Gaspé-Region" im Osten Kanadas. Am 18. August 2018 gab es dort einen Marathon und damit eine gute Möglichkeit, die Region zu besuchen, wenn man eh schon in Kanada ist. 29 Teilnehmer/innen, klein und überschaubar, wunderbares Wetter, schöner Track.
Podcast-Techniksetup in 3 Schritten – Jede:r kann senden*
* in Radio-Studioqualität
Zur technischen Seite eines Podcasts in bester Qualität braucht es nicht viel. Jede:r kann senden. Jedes Element in meinem aktuellen mobilen Setup hat natürlich Alternativen. Aber kein Element an sich ist für den perfekten Klang verzichtbar.
Hier ist also "mein Goldstandard Setup", das sich an Technik und Format an der deutschen Podcasterlandschaft im Umfeld von sendegate.de, metaebene.me, ultraschall.fm und auphonic.com orientiert. Bei Fragen helfen die Podcastpat:innen (via Podcasterei in Österreich) gerne weiter, und ich auch.
Jede Person bekommt ein eigenes Mikrofon. Für Gespräche sind Headsets die ideale Lösung, weil man sich gleichzeitig gut hört. Aufgenommen werden die Spuren getrennt digital. Wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich manchmal eine Funkstrecke dabei. Üblicherweise sind die Zoom-Aufnahmgeräte passend (meines Zoom F8: Link zu Thomann), es geht aber fast jede beliebige Alternative. Das könnte auch ein Computer mit Audiointerface für zwei oder mehrere Eingänge – zB. von Focusrite (Link zu Thomann) – sein.
Die dargestellten Headsets Beyerdynamic DT297 (Link zu Thomann) sind das Herzstück des Goldstandards, und sie kosten je rund 300 Euro mit Kabel. Günstige Alternativen gibt es auch (HMC660 Diskussion), die aber nicht ganz trivial sind. Daher bleibe ich hier bei der "Alles-Sorglos-Investition" – für mich hat sich die ausgezahlt.
Am Computer kann man die einzelnen Spuren noch schneiden und mit Kapitelmarken versehen. Das geht sinnvollerweise mit Ultraschall - ein Softwarepaket, das die Audiosoftware "Reaper" ergänzt, die man sich vorher installiert. Die fertigen Spuren werden exportiert und dann transferiert.
Wer alles selbst machen möchte, lädt die Spuren hoch zu Auphonic, ein Online-Servidce, die sich um perfekten Klang, die Lautstärke und den fertigen Mix samt Export auf den Zielserver kümmert. Das ist dann üblicherweise eine Wordpress Installation mit Podlove Podcast Publisher. Wie man so etwas in 3 Stunden aufsetzt, habe ich hier beschrieben. Oder man schickt alles zu Podigee, die kümmern sich ums Publizieren. Natürlich können auch alle anderen denkbaren Audio- oder Videoplattormen mit dem fertigen Produkt beschickt werden.
Mein persönlicher Eindruck: Immer wieder tauchen Podcasts mit super Inhalten auf, die ihre Klangqualität nicht voll ausschöpfen. Meist verzichten sie auf Hedasets oder/und Auphonic.
Im Ziel: Bergen City Marathon 2018
Bergen City Marathon. Am 28. April 2018 bin ich in Norwegen etwas mehr als 42 km gelaufen, in ungefähr 4 Stunden. Es war fein, es war schön, es war machbar. Hier ist die Geschichte dazu.
Insgesamt hat die Vorbereitung dazu 9 Jahre gedauert. Das erscheint ein wenig viel, ist aber leicht erklärt: Systematisch zu laufen habe ich vor 9 Jahren begonnen, als die Ärztin bei der Gesundenuntersuchung sagte, sie könne mir das einfach verschreiben, wie ein Rezept. Bis dahin habe ich gerne Sport gemacht, aber eben nicht systematisch.
Ich habe Runkeeper verwendet, eine App am iPhone, die die Läufe aufzeichnet. Schnell habe ich entdeckt, dass es Trainingspläne gibt, die in meinem Sinne waren. Ich wollte nicht zu schnell zu viel laufen, um mich nicht zu verletzen. Der gewählte Trainingsplan war ein Marathon in 3 Monaten, Zielzeit 4 Stunden. Es war damit klar, wie viel ich wann laufen sollte.
Da dachte ich mir, wenn es gut geht, werde ich einen Marathon laufen. Aus dem einen Trainingsplan sind dann 5 oder 6 geworden, weil der Sommer dazwischen kam, oder eine Reise. Oder der Winter. Letztlich bin ich immer schön und regelmäßig gelaufen. Die Distanzen wurden länger, die Zeiten sicherer. Anfangs war ich ziemlich schlapp, dann nicht mehr so. Zeit war nie ein Thema, die langen Läufe am Wochenende zur Entspannung mit vielen Podcasts im Player, also sehr entspannt.
Dann habe ich vom Bergen City Marathon gehört. Als Student war ich einmal dort, es war sehr schön. Läufe von vielen Menschen haben mich nie interessiert, aber das wäre doch auszuhalten, kühles Klima, nette Umgebung, nicht allzu viele Leute. Und dann war es so weit - eine Anmeldung war nicht aufzuhalten. Schon im November des Vorjahres habe ich mich angemeldet, 6 Monate vorher. Startnummer 123. Damit war die Gewissheit da, dass der kommende Trainingsplan auch mit einem Marathon enden würde.
Im September des Vorjahres habe ich von @informatom Strava kennengelernt, sowie den Podcast "Die drei Schweinehunde", zur Aufnahme der Episode 2 wurde ich eingeladen. Dort habe ich zum ersten mal vom Bergen City Marathon erzählt. Strava ermöglicht eine schöne Vernetzung zu Bekannten, die auch irgendwas trainieren. Die "Kudos", die man vergibt, sind tatsächlich aufbauend. Immer wieder auch verschiedene Laufpodcasts gehört, nicht viel, aber man kriegt ein bisschen Stimmung mit, und Themen, wie Streakrunning (Running Talk RP086). Wesentlich wichtige POdcastepisode kam auch vom "Alltäglichen Podcast - Triathlon".
Laufschuhe erst von Laufschuh Toni in Wien und dann von RunFitFun in Frauenkirchen waren ideal, weil passende Schuhe wirklich wichtig sind, und Menschen, mit denen man darüber spricht.
Podcasts hören auf langen Strecken. Oft zufällig ausgewählte kurze Episoden, oft eine vier-Stunden-Episode von Freakshow, ich war viel mit Menschen unterwegs, die erzählt und geredet haben. Da ist man nicht alleine, und erholt sich gleichzeitig vom Alltag, weil man nicht Auskunft geben muss dabei. Keine Fragen beantworten. Nur hören und laufen.
Die Stadt erlaufen, das Umland. Mit dem Railjet zum Flughafen fahren, und dann wieder zurück. Das ist schön, besonders auch zu unterschiedlichen Tages- und Wochenzeiten, bei unterschiedlichem Wetter. An das Ende der Donauinsel. Nach einem Interview in Graz noch 19 km die Mur runter, und 19 wieder rauf.
Die eigenen Stärken und Grenzen kennen lernen. Nicht als Hindernis, sondern als Grenze, an die man sich annähern kann, die man erweitern kann. Das erste mal 2 Stunden am Stück laufen. Das erste mal 38 km laufen. Die psychologischen Faktoren kennenlernen, besonders auch die guten. Die schlechten sind meist nur aufgefallen, dass sie einen geplanten Lauf verhindert haben - zu kalt, zu müde, zu wäh. Ist man erst unterwegs, geht es eigentlich nur gut. Und die physiologischen Faktoren waren interessant. Die Erschöpfung in den ersten Jahren nach den kurzen Läufen. Das Ende nach 1,5 Stunden Lauf. Aber dann auch ersten nach 2,5 Stunden zu spüren, dass das gut funktioniert. Den Hunger danach, oder nicht gleich danach. Nach 3,5 Stunden. Das Ende der Energie nach 35 km. Wenn man zu schnell weggelaufen ist. Die bessere Einteilung der Ressourcen. Oft durch Gespräche mit anderen, die sich auskennen.
Keine Extratouren. Ich habe immer nur Wasser getrunken, vielleicht ein bisschen was gegessen, minimal, aber Energiegels nur 1 mal ausprobiert. Ich wollte langsamer werden, oder aufhören können, wenn die Energie weg war, ich wollte diese Ränder nicht durch Extras ausdehnen. Das funktioniert bei mir ganz gut. Nachher erzählt mir mein Körper immer, was er braucht. Da muss ich nur zuhören. Ich glaube, dass das passt. Beim Marathon dann alles wie immer machen, keine Extratouren. Das hat geklappt.
Die Kinder und der Hund. Waren sie mit dabei – die Kinder manchmal mit den Rädern – war es lustig, und immer habe ich meine Trainingsziele zurückgestellt, und bin nicht ganz so schnell gelaufen wie geplant, nicht ganz soweit. Sie haben Support gespielt. Oft sind wir auch stehen geblieben. Das passte gut, das gehört alles zusammen. Der Hund kam in den letzten 4 Jahren dazu, auch seine Strecken wurden immer länger, die er mitlief. Auch mit einem Freund am Wochenende. Variationen, vor allem auch sozial, waren wichtige Faktoren.
Ehrgeiz. Schon irgendwie, im Vorantreiben des Trainingsplans. Aber weniger in der Geschwindigkeit. In der Schule wurde wenig auf meine Bedürfnisse gehört, so wollte ich eher selbst jetzt auf meine Bedürfnisse hören, und das ging gut.
Beim Osteopathen war ich einige Male, mit ihm habe ich in den letzten Wochen vor dem Marathon noch feine Dinge meines Körpers kennen gelernt. Innere Kartierungen. Bewegungen, leichte/starke Änderungen, Sichtweisen, Besprechungsweisen. Erinnerungen, die sich der Körper gemerkt hat. Das hat insgesamt sehr viel bedeutet für mich.
Geholfen hat noch in der Feinabstimmung der letzten Wochen diese Liste an 15 Fehlern von Andreas Butz. Die habe ich alle nicht gemacht, und die Ernährung auch beachtet.
Dann war es soweit. Zwei Tage vorher mit der AUA nach Bergen, die Family mit dabei - sie liefen 5 km. Donnerstag Anreise nach Oslo, mit dem Zug 7 Stunden nach Bergen über das norwegische Festland, Freitag Eingewöhnung, etwas spazieren. Samstag Lauf - mit Aufwärmen. Das erste mal die Stimmung eines gemeinsamen Laufes kennen zu lernen, war extrem fein. Bisher bin ich ja immer alleine oder zu zweit in der Au gelaufen, vielleicht mit dem Hund - viele Leute waren mir zu viel.
Der Lauf dann: zwei Runden. In der zweiten Runde startete der Halbmarathon, mit denen man dann auf den Berg hinauf gezogen wurde. Langsamer Beginn, wie geplant, langsamer Lauf am Anstieg. Freundlich die anfeuernden Menschen: "Heia, heia". Erstaunlich, wie das trägt. Ich bin ohne Uhr gelaufen, weil ich keine Lust hatte, mir Stress zu machen. Am Ende waren es 4 Stunden und 40 Sekunden. Da war ich dann stolz, weil ich wusste, aber eben nur vermutete, dass meine Zeit ungefähr 4 Stunden wären. Gesichert war das vorher aber alles nicht.
Strategie war: Die ersten 10 km langsam, dann Renntempo bis km 35, dann eher schneller werden. Wenn bergauf, dann extra langsam, und wenn bergab, dann ein bisschen anziehen, aber nicht zu schnell.
Klogehen. Ja. Dreimal. Weil ich viel getrunken habe. Ab 20 km bei jeder Labestation 1 Becher Wasser. Ab km 30 immer wieder auch mal ein isotonisches Getränk. Wasser von einem kleinen Kind wieder. Die in die Hände gedrückte Rippe Schokolade habe ich nicht gegessen, die habe ich eingesteckt.
Beim Lauf reichte die Energie problemlos bis zu geplanten Schwelle bei km 35, ab dann sagte ich mir immer wieder "die Reserven sind geöffnet" – was mich zum Ziel getragen hat. Schöner Einlauf in die Altstadt, Menschen, Jubel, Freundlichkeit. Die letzten zweihundert Meter extra aufrecht. Weil es ging. Weil es war.
Beim Lauf habe ich keine Kopfhörer getragen, ich wollte die Umgebung hören. Nett war, dass ich der Aussendung der Veranstalter auch erwähnt war, dass ein Marathon auch Spaß machen soll, und sich zum Beispiel anfeuernde Kinder auch mal über ein High Five freuen. Das war sympathisch.
Das iPhone hat mit der offiziellen Renn-App zusätzlich mitgeschrieben, was individuelle Rennfotos möglich macht, und der eigene "Runkeeper" auch. 2-3 mal habe ich die Stimme aus der Bauchtasche gehört 9:05 Minuten pro Meile, da wusste ich, dass die Zeit in meiner geplanten Zeit ist. Auch nach der ersten Runde war der Halbmarathon dann bei 1 Stunde 59, da wusste ich, das wird schon passen.
Interessant war die superprofessionelle Zeitmessung mit RFID-Chip in der Startnummer. Die war gar nicht so leicht zu befestigen - an der langärmligen Jacke oder am T-Shirt? Wie würde sich das Wetter entwickeln? 9 Grad, Sonne, Wolken, leichter Regen. Nach dem Ziel eine Medaille, Wasser, zwei Zimtschnecken. Und Sonne gleich darauf.
Ingesamt: Es hat gewaltig viel Spaß gemacht. Großartige Strecke, super organisiert, wunderbare Stimmung. Ich war stolz. Und bin es jetzt noch jeden Moment.
Wie es weitergeht? 1 Woche Pause zur Erholung. Die war echt gut. Und dann nach Belieben. Jetzt bin ich mal zufrieden.
Gute Nachrichten und wie man sich täuschen kann
Ein wenig durchatmen. Sich erholen. Auftauchen aus der Welt der schlechten Nachricht. Abtauchen in die schöne Welt des Mittagsschlafs. Das Telefon in den Flugmodus. Das selbe mit der schlauen Uhr. Man schläft ein, da rüttelt die Uhr. "Stehen Sie auf, um Ihr Stehziel zu erreichen". Die Gesundheitseinstellung. Die Uhr merkt, dass man pro Tag meist zu viel sitzt und zu wenig steht. Danke. Falscher Moment. - Einige Tage später. Beginnender Mittagsschlaf. Flugmodus aktiviert. Gesundheitsmodus deaktiviert. Und was passiert? Man schläft ein, rüttelt die Uhr. "Eine Minute tief atmen". Die Uhr merkt, wenn man pro Tag zu wenig tief atmet. Danke. Falscher Moment. - Die Sache mit dem Pulsalarm ist mir noch nicht passiert. Wenn das Herz aufhört zu schlagen, dann kann die Uhr Freunde rufen. Coole Sache. Fürs erste wird die Uhr dem Hund umgebunden. Der läuft viel herum - Laufziel. Steht mehr, als er sitzt. Stehziel. Hechelt wie wild - Atemziel. Alles erreicht. Und wenn er schläft - dann ist ihm alles wurscht.
Und es gibt die guten Nachrichten. Gleich nebenan, im Chinarestaurant. Zu Mittag ist dort die Hölle los. Hinz sitzt neben Kunz. Hinz spricht Englisch, Kunz arabisch. und das Gespräch am Nebentisch entzieht sich dem Verständnis. Kunz kommt mit einer Frau. Er spricht viel. Sie hört viel. Er ist erregt. Sie ruhig. Zwischen Hauptgang M8 und dem Glückskeks plötzlich aus seinem Mund ein deutscher Satz. "Es ist einfach schön, wenn jemand an einen denkt". Weiter auf Arabisch. Er ist erregt. Sie ruhig. Und wieder: ein deutscher Satz: "Wir sind alle süchtig nach Freiheit". - Man müsste Schriftsteller sein, um die Geschichte dazwischen zu erfinden.
Und die Kindheit ist voll von guten Nachrichten. An Lehrer kann man sich noch gut erinnern. Ein Gruß an dieser Stelle an die Frau Kaliauer, die extra Rechnungen aufgeschrieben hat, Additionen mit sechsstelligen Zahlen, weil man die gerne hatte. Und sie hat sich dann auch die extra Mühe gemacht, die Ergebnisse auch zu korrigieren. Ihr Mann war Polizist. Für uns ein bisschen gruselig. Aber doch eine gute Schule. Der Turnlehrer zwei Jahre später im Gymnasium war bei der SS, das war nicht gruselig, weil er freundlich war. Das Habt-Acht bei der Stirnreihe war witzig, das Ruht danach, rechtes Bein nach vor, befreiend. 1982. Er war wirklich ein netter Mensch - auch ihn möchte man grüßen. Und den Geografielehrer, der einem erlaubt hat, den russischen Konsul in die Schule einzuladen, um ihn zu fragen, wie das Leben so ist in der Sowjetunion. Es gibt viele schöne Lernerlebnisse, und fast alle sind vom Inhalt her zweitrangig gewesen, aber vom sozialen, emotionellen, erstranging. Wenn alles gut ging. Glück.
Der Busfahrer gestern im Burgenland zwischen Frauenkirchen und Neusiedl: alles nur dunkel, sagt er. In der Früh dunkel. In der Nacht dunkel. Immer nur dunkel, sagt er. Ein Blick aus dem Fenster - rechts blinken hunderte rote Lichter, die sich drehen, das müssen die Windräder sein - links eine weiße große Scheibe am Himmel, das ist der volle Mond. Dazwischen der Orion mit dem Leitstern, der Beteigeuze, ein Roter Überriese, 100-facher Durchmesser der Sonne, in den nächsten 100.000 Jahren könnte er zu einer Supernova explodieren. Dann wird es richtig hell. Wie ein zweiter Vollmond, ein gewaltiger Ausbruch - Unvermittelt: Die Erinnerung an den letzten Heurigen, im Jahr 2000, Heimaturlaub vom Zivildienst am Jüdischen Museum in Montreal. Mit Freunden zum Heurigen in Nussdorf. Im Garten wird hinter einer Hecke am Nebentisch gesungen: "Und dann gang i ans Peters Brünnele". Schön, dachte man sich, es wird wieder gesungen. Nach dem Lied ein zackiges "Sieg Heil, Sieg Heil, Sieg Heil". Im Jahr 2000. Wie beim Rütteln der Uhr wird man aus süßem Traum geweckt. "Es war nicht alles schlecht, was der Hitler gemacht hat", wird einige Jahre später der jüdische Freund dem Großvater erzählen, der bei der Wehrmacht war, und mein Großvater wird antworten, es war aber auch nicht alles gut. Der eine verteidigt das, was der andere üblicherweise verteidigt, er hat Verständnis. Da ist etwas passiert, zwischen ein, zwei, drei Treffen mit dem Austausch von Erzählungen, Erlebnissen. Die beiden verstehen sich. Da wird es richtig hell.
Die Schnauze ist das Heiligtum vom Hund, sagt der Busfahrer dann, als das Gespräch zu den Bienen kommt, die jetzt bald wieder fliegen werden. Er hat Mitleid mit dem Hund, den die Bienen in die Schnauze gestochen haben. Alles was Fell ist, ist Bär, so glauben die Bienen zu wissen. Und alles was Bär ist, ist erfahrungsgemäß schlecht.
Jaja. Es zahlt sich schon aus, genauer hinzuschauen.
Randnotizen, 5. Februar 2018 / Moment Ö1 / Lothar Bodingbauer
In 3 Stunden und 30 Schritten einen Podcast aufsetzen
Alexander von Humboldt: Kosmos
Da hatte ich diese Idee für einen Podcast. Diesen Wunsch.
Und wie ich diesen Podcast aufsetze, das beschreibe ich hier. Weil immer wieder jemand danach fragt, wie das geht, wie man einen Podcast macht.
So könnt ihr könnt euch dann vorstellen, wie das geht. Die angegebenen Zeiten beziehen sich immer auf "ich bin erfahren und weiß, wohin ich schauen muss, ich weiß, was ich tun muss". Feinabstimung wird erst nachher folgen, hier ist ein funktionierendes, fertiges Setup. Es geht sich aus zwischen zwei Spaziergängen mit dem Hund.
Und: es geht auch schneller, ohne eigene Website. Zum Beispiel bei podigee.de oder libsyn.com
———
Der Anlass. Die Denkarbeit im Kopf. Ich möchte gerne viel laut lesen, um meine Radiosprache zu trainieren. Ich möchte herausfinden, woher unsere Fächer-Unterteilungen kommen: Geografie, Geschichte, Biologie, Physik, Chemie, etc. Ich möchte herausfinden, ob das heute noch notwendig ist. Früher musste man ja den Inhalt der Forschungsschiffe sortieren, die zurückgekommen sind. Heute hat man sie aber sortiert, und wir könnten uns auf die Prozesse konzentrieren. Wer steht im Mittelpunkt dieser Forschungsgeschichte? Die Humboldts. Wilhelm, der ist es nicht. (3 Bücher schicken lassen, eher zäh.) Aber der Alexander ist es. Ich suche auf Gutenberg das Buch, das hier im Zentrum steht: Kosmos. Es besteht aus einigen Kapiteln, die ich laut lesen kann. Bingo. (Zeit: Einige Wochen/Monate, in der die Idee entsteht).
Die Mikrofonarbeit. Der Start. Ich setze mich zum Schreibtisch und lese das erste Kapitel ins Studiomikrofon. Eine Seite. Die Titelseite. Das zweite Kapitel ist eine Einführung, schon einige Seiten. Das ist gut. Nach diesem Kapitel erzähle ich, worum es geht (nach dem Lesen weiß ich es ja). Und jetzt ist die Idee für einen Podcast konkret. Ich lese das Kapitel, erzähle nachher, worum es geht, stelle das vor das Kapitel und habe schöne Episoden. Worum wird es gehen. Dann wird gelesen. Im ersten Kapitel ist viel Platz für die Erklärung meiner Idee, plausibelmachen. (Zeit: 2 Stunden Aufnahme, mit Schneiden, Herstellen der ersten beiden WAV-Files; in die Zeit zur Einrichtung des Podcasts habe ich diese zwei Stunden nicht dazugezählt). Womit wurde aufgenommen? Einspuraufnahmen (auch diese) bei mir mit Hindenburg; Multitrack (mehre Personen) mit Ultraschall.
Die Laptop-Arbeit. Der Podcast wird eingerichtet. Diese Arbeit könnte im Café stattfinden, oder am Sofa. Los geht es, jetzt wird der Podcast aufgesetzt.
Erster Schritt: eine URL für die Website. Der Podcast braucht eine Internetseite, er muss gehostet werden. Eine Domain habe ich: sprechkontakt.at. Der neue Podcast soll auf der Subdomain kosmos.sprechkontakt.at sein. Subdomain, weil es nichts extra kostet. Die URL ist bei dieser Geschichte relativ egal. Man kann nebenbei Arte schauen.
Im FTP Programm beim Provider einen neuen Ordner "kosmos" einrichten (10 Sekunden)
Die Subdomain über das Webinterface von 1&1 einrichten (30 Sekunden)
Die Subdomain mit dem Ordner "kosmos" verbinden, Domainverwendung Webspace. (10 Sekunden)
In Kosmos mit FTP Programm einen Ordner "audio" einrichten, dort werden die mp3-Files liegen. (10 Sekunden)
Einen sicheren FTP Zugang zu diesem Ordner bei 1und1 anlegen, der wird gebraucht, damit später Auphonic die mp3 Files dorthin speichern kann. (30 Sekunden)
Diesen sicheren Zugang gleich auf Auphonic als neuen Service eintragen, weil jetzt die Daten am Bildschirm sind. Für Nichtwissende: Auphonic ist ein Online Service, wir werden es brauchen, um unsere Roh-Audio-Files zu gut hörbare mp3 Files aufzubereiten. (30 Sekunden).
Wordpress einrichten. Download auf das Laptop Upload in das /kosmos Verzeichnis am via FTP Programm. Während der Upload läuft bei 1und1 eine neue MYSQL Datenbank anlegen und die Zugangsdaten in wp-config eintragen, die ebenfalls via FTP Programm auf den Server geladen wird. Dazu das downgeloadete wp-config-sample in BBEdit (Textprogramm) aufmachen, verändern (Datenbankname, Username, Servername, Passwort, "Salzfloskeln", unter wp-confit abspeichern und via FTP auf den Server in das /kosmos Verzeichnis. (5 Minuten)
Die Adresse aufrufen - zum ersten Mal - und den ersten Benutzer im Wordpress anlegen. Nicht admin, sondern einen vernünftigen Namen. Die Wordpress Installation wird somit abgeschlossen, ein Name soll vergeben werden. In diesem Fall. "Alexander von Humboldt: Kosmos". (1 Minute). Zunächst wird einmal das Standard-Theme verwendet, es gibt noch keinen Grund, hier was zu ändern.
Wir brauchen nun ein Episodenbild, 1400x1400 Pixel. Dazu habe ich ein Template meiner Sprechkontakt-Podcasts, das ich nützen werde. Ein Bild von Humboldt von Wikipedia, gemeinfrei, mit hoher Auflösung, seine Unterschrift (5 Minuten), im Bildbearbeitungsprogramm zu einem quadratischen Episodenbild zusammenbauen. (10 Minuten). Leitfarbe grün #86c351.
Podlove Publisher installieren, als Plugin in Wordpress. Er wird "neue Episoden" anlegen lassen und sie verteilen - er wird einen sogenannten "Feed" herstellen, der abonniert werden kann, und der an Podcast Verzeichnisse wie iTunes oder fyyd weitergegeben werden kann (1 Minute).
Weitere Metadaten: Media. "audio" als Ordner eingeben, mit voller Adresse . Player: Podlove Web Player 4, Leitfarbe grün eingeben, automatisches Darstellen des Players ja, Lizenzselektor: Creative Commons 4, Verzeichnis Kategoerien. (alles zusammen in diesen Settings 10 Minuten)
Podlove Publisher weiter einrichten: Episode Assets, das sind die Files. mp3, Podcast Cover, manuelle Eingabe der Kapitel. (30 Sekunden)
Podlove Publisher weiter einrichten: Podcast Feed: alles schon da. Die Feedadresse ist: http://kosmos.sprechkontakt.at/feed/mp3/ (10 Sekunden, kopieren)
Podlove Publisher weiter einrichten: Module auswählen. Auphonic, Contributers, Flattr, Subscribe Button, fyyd, das sollte dabei sein. (1 min).
Jetzt wird ein Auphonic Prduktion Preset eingerichtet, denn Podlove Publisher möchte sich gerne damit verbinden. Es soll eine einfache Produktion werden, kein Multitrack. mp3 Mono 112kbps, Episodenbild mit grünem Streifen, Metadaten ausfüllen, Abkürzung KOS festlegen, so werden die Episoden nummeriert, sftp auswählen, und eine Übertragung zu archive.org, die schon existiert und nicht mehr angelegt werden muss - dort werden alle Episoden für die Ewigkeit archiviert (5 min).
Zurück zu Podlove Publisher, jetzt sind in den Settings die neuen Module dazugegkommen, die nun bearbeiten werden. Alles mal durchschauen (10 Minuten).
Podlove Publisher: Expert Settings durcharbeiten. Wordpress Impressum Seite erstellen. Eigentlich hier nichts weiter zu tun. (3 Minuten).
Weiter in den Wordpress Einstellungen. Untertitel: "Podcast zur Naturgeschichte" in den General Settings, auch die Permalinks auf Post Name einstellen; Weiter im Erscheinungsbild, ein Headerbild ins Standardtheme, Podlove Subscribe Button in die Widget-Leiste. Standardtheme Twenty Seven ist soweit OK. (20 Minuten)
Nun werden die ersten beiden Episoden publiziert, die vorbereitet wurden. Dazu jeweils eine neue Produktion anlegen in Auphonic, dann eine neue Episode anlegen in Wordpress. Im wesentlichen immer Titel, Untertitel (Summary) und Inhalt eingeben, Kapitelmarken. Übernehmen der Meta- und Produktionsdaten in die Wordpress Episode. Publizieren. (20 Minuten pro Episode)
Episodenarchiv anlegen. Dazu eine neue Wordpress Seite "Episoden", vorher noch ein Podlove Template "meinarchiv" anlegen, und den Shrotcode auf die Seite geben. Dann ins Menü von Wordpress. Weil schon von anderem Podcast vorhanden, Dauer: 5 Minuten.
Testen und korrigieren: 15 Minuten
Podcast in iTunes eintragen: https://podcastsconnect.apple.com (5 min)
Podcast in fyyd eintragen. (1 min)
Das wärs. Der Podcast ist gestartet. Hier: https://kosmos.sprechkontakt.at
Weitererzählen, Facebook auslassen, zahlt sich nicht aus.
Am selben Tag hat noch iTunes einen Bestätigungslink geschickt. Jetzt ist der Podcast im Verzeichnis: https://itunes.apple.com/at/podcast/alexander-von-humboldt-kosmos/id1340297820?l=en
Am nächsten Tag habe ich ein wenig in den Themes geschaut, irgendwo ist immer etwas, was in der Darstellung nicht passt, damit kann man jetzt ein wenig herumspielen. Aber das Wesentliche ist da, und ich freue mich auf die Aufnahme der nächsten Episode. Kann es kaum erwarten, wie wird diese Geschichte weitergehen?
PS: Zum Inhalt des Podcasts und der Kuh in diesem Beitragsbild. Es ist "die Kuh von Lombok". Ich habe sie auf "meiner" Forschungsreise fotografiert. Lombok ist die nächste Insel von Bali aus in Richtung Australien. Lombok liegt aber auf einer anderen Kontinentalplatte als Bali, und so gibt es dort andere Tiere und Pflanzen - zum Beispiel Kakteen, die plötzlich in der Landschaft zu finden sind. Das war meine Begegnung mit Wegeners Theorie der Verschiebung von Kontinentalplatten. Ein Kaktus fuhr auch zurück nach Wien - in einer Kiste "meiner Forschungsreise". So ist dieser Alexander von Humboldt Podcast auch ein wenig eine Spurensuche in die eigene Sicht der Welt, der Forschung, und der Welt der Forschung.
2017
Filmschau: Die Glasbläserin
So ruhig wird selten wo gesprochen. Die Armut lässt kein Geschrei zu. Ruhige Bilder. Viele Blicke. Die beiden Schwestern wurden als unabhängige, kritische Menschen erzogen. Als der Vater stirbt, müssen sie sich ihren Platz in der Dorfgemeinschaft erst erkämpfen. Alle rücken herum. Möchten sich nicht verändern, alle reagieren, manche agieren mit Gewalt. Tradition als Gerüst für ein hartes Leben. Dass dann genau diese Tradition eine zentrale heikle Situation zum Guten wendet, wird erkennbar, dass sich alle mit den neuen Gegebenheiten abfinden. Die zwei Schwestern haben ihren Platz erkämpft. Das Gleichgewicht wurde wieder gefunden. Und ja, es geht ums Glas.
Filmschau: Meine schöne innere Sonne
Dass in französischen Filmen ggf. viel geredet wird, hätte man gewusst. Dass es nur am Rande damit zu tun haben wird, was man hören möchte, auch. Trotzdem überraschend: Juliette Binoche redete sich um Kopf und Kragen, um entweder eine innere Mitte zu finden, oder endlich einmal daraus herauszugehen. Schöner Höhepunkt war das Zwiegespräch – und das war dann wirklich eines, dem man folgen konnte – mit Gérard Depardieu, der durch seine Sicht der Dinge zum Schluss des Filmes Ordnung in die vielen Worte brachte. Als Wahrsager. Mit einem Lächeln Isabelles endete der Film.
Filmschau: Weit
Alleine gibt es keine Kraft. Kraft braucht ein Gegenüber. Im Weltall sind alle vernünftigen Kräfte Wechselwirkungen. Vorgänge, Austausch, Auseinandersetzung. Zwischen mindestens zwei Dingen, Menschen, Objekten. Es geht noch mehr, zumindest in der Physik wirkt alles auch auf alles. Dass das auch auf der Erde geht, haben Gwendolin und Patrick im Film gezeigt. Sie sind in jeder gezeigten Begegnung mit jemandem im Austausch. Wenn nicht, dann sind sie alleine und ruhen sich aus. Dass da jemand Dritter locker Platz hat, ist logisch. Und noch mehr, weil auch für Zuschauenden da auch noch Platz ist. So gesehen hat Reisen ganz viel Kraft. Schöne Reise, schöne Kräfte. Schöner Film über eine Reise um die Welt, die im Osten beginnt und im Westen endet.
Filmschau: Helle Nächte
Mit so wenig Aufregung einen Film machen. Nichts wird überdehnt. Keine Krise bis zum Ende dargestellt. Leichte Skizzen geben die Richtung vor. Vater und Sohn. Lernen sich erstmals kennen. Nachvollziehbar. Eine lange Fahrt entlang eines ansteigenden Bergweges, immer mehr dem Nebel entgegen, dem Höhepunkt. Ein Vermissen. Ein Verfolgen. Fertig. Mit dem Flugzeug zurück. Trotzdem nicht langweilig für 10 Leute im Kino. Guter Sound. Spielort: Norwegen.
Die Tastatur
Meine neue Tastatur hat wunderschöne Eigenschaften. Sie klappert. Sie hat richtige Hübe, das heißt sie legt einen weiten Weg zurück, bevor sie das Signal an den Computer für den richtigen Buchstaben auslöst. Die Tastatur wird über USB-Kabel mit dem Computer verbunden. Sie hat beim Mediamarkt 9,99 Euro gekostet. Das ist nicht viel. Ich habe sie gekauft, weil ich einen Raspberry-Pi Zero bestellt habe, der genau so eine Tastatur braucht. Jetzt aber hängt sie am Macbook. Kenner werden sie als Standard-Tastatur erkennen. Sie ist schwarz, hat neben den Haupttasten in der Mitte einen abgesetzten Ziffernblock rechts außen, dazwischen einige Tasten für unterschiedliche Positionen des Cursors samt Druck- und Bildschirmdrucktaste, in der oberen Leiste befinden sich 12 Funktionstasten, und in der linken oberen Ecke eine Escape-Taste. Ich weiß gar nicht mehr, was so eine Escape-Taste tut, und jetzt probiere ich sie au
15 mal gut gelehrt
(Foto: Schachzimmer an einem Gymnasium in Perm, Russland)
Es gibt einige Situationen, an die man sich rückwirkend gerne erinnert. Man hat selbst etwas sehr gut gelernt. Warum? Es wurde gut gelehrt.
1. Die Volksschullehrerin gab mir immer wieder Zetteln mit vielen Additionen großer Zahlen. Das machte mir Spaß, ich habe sie nach diesen Aufgaben gefragt, und sie machte sich auch die Mühe, die Ergebnisse zu kontrollieren.
2. Im Geografieunterricht des Gymnasiums lernten wir über Russland und ich konnte meine Erfahrungen vom Radiohören auf der Kurzwelle mit einbringen. Ein Feature über das Störfischen an der Wolga in Astrachan – man hörte die Möwen kreischen und roch das Wasser – das brachte ich in den Unterricht mit und wir hörten es gemeinsam an. Anschließend fragte ich den russischen Konsul in Salzburg, ob er unsere Schule besuchen würde, was er mit einem Begleiter auch wirklich tat. Wir schenkten ihm Brot und fragten ihn, warum so viele Leute in der Sowjetunion Alkohol tränken.
3. Im Seminar an der Universität erarbeitete der Didaktikprofessor aus Deutschland mit unserer Gruppe von vier Physikstudent/innen die Gesetze des Magnetpendels. Er führte uns einen Lernweg entlang, den wir selbst gingen, der von ihm stammte, und der das Arbeiten in der Gruppe als Stärke beinhaltete.
4. Im anderen Seminar an der Universität stellte der andere Didaktikprofessor uns viele Fragen zur Physik vor, die wir in der Gruppe bearbeiten sollten. Die Fragen waren großartig, weil es erstmals nicht die Antworten waren, die das Bedeutsame daran waren. Hier sind die Fragen: PDF Fragen zur Physik
5. Ein Lichtblick während der Studienzeit: das Didaktikseminar, gehalten von einem Waldorflehrer. Seine Sicht, und die "Waldorfsicht" auf die Natur war als Ergänzung wun-der-bar.
6. Ohne Lehrer erinnere ich mich gerne an das Arbeiten mit Kakteen und Kakteensamen. Das Wissen eignete ich mir aus Bücher an, und durch die Arbeit selbst. Ich wurde ohne anwesenden Lehrer, sehr wohl aber durch Lehrer in Büchern, zum Experten. Das selbe passierte mit dem SHARP Taschenrechner 1402, der in Basic programmierbar war. Durch das Programmieren entdeckte ich den Maschinencode, die Ansteuerung der einzelnen Pixel durch den Binärcode und es war ein schönes Werkzeug zum Entdecken verborgener Logik.
7. Während eines Sprachkurses in Cambridge erfuhrt ich, wie fein es ist, wenn eine Lehrerin individuell das Lernprogramm mit dir selbst abstimmt. Sie diagnostizierte in den ersten Tagen meinen Stand in Englisch, erforschte meine Interessen und gab mir dann ganz gezielt ein Buch und einige Kapitel daraus, die zu mir, meinem Können und meinen Interessen passten. Es war schön, von dort aus das Können weiter zu entwickeln. Weil es möglich war.
8. Viele Dinge habe ich durch Vereinsabende gelernt: Der Fotoclub wurde von lokalen Männern und Frauen betrieben. Sie sahen sich gemeinsam Fotos an und besprachen sie. Einige Vereinsabende haben wir selbst gemacht, in dem wir Expert/innen eingeladen haben, über ein Thema aus der Natur zu sprechen.
9. Im Volkshochschulkurs zum Radiojournalismus waren die Besten des Senders vertreten. Sie kriegten sich über Kleinigkeiten in die Haare, so sehr, dass sie sich anschrieen und einen roten Kopf bekamen. Über die Frage, ob man einen Interviewausschnitt im Mittagsjournal spielen soll, oder nicht, weil er schlecht aufgenommen war. Das gefiel mir. Die Expertise mit Emotion, angewendet ans Detail – vor großem Hintergrund. Und es waren keine Pädagogen, die das machten, aber Lehrer.
10. Praxisfeld Radiojournalismus bei Roland Machatschke. Eine Vorlesung mit Übung, die ich gerne besuchte, weil er uns aus der damals wunderbaren Weltwoche ganzseitige Interviews gab, von Alexander Solschenizyn zum Beispiel. Ausschnitte daraus sollten wir zu Radiobeiträgen umarbeiten. Wir lernten zu erkennen, "was wichtig ist". Die Hausübungen wurden korrigiert und mit Anmerkungen versehen. Zusätzlich haben wir viel gehört und besprochen - auf die Fragestellung hin "ob es Sinn ergibt, was wir da hören".
11. Hundeschule - neue Art: 10 Hunde, 10 Menschen, 10 Hunde-Menschen-Pärchen. Die Trainerin sagt, sie sieht sich den Zustand jedes Pärchens beim Kommen an. Dauert den Bruchteil einer Sekunde. Aber sie sieht den Zustand. Heterogene Gruppen, der Dackel ist neu mit seinem Mensch, der Windhund Paul kann schon alles. Belohnung, wenn der Dackel nur in die richtige Richtung schaut. Wenn etwas nicht klappt, wird das Niveau - für den Dackel - gesenkt. Und wieder erhöht. Hohes Niveau beim Windhund. Wer alles kann, bleibt weg und kommt dann weiter im Kurs 2 für Fortgeschrittene. Diagnostischer Blick der Trainerin ist unverzichtbar. Großartiges Lernen. (Hundezentrum Wien)
12. Fragen können. Jemanden, der sich auskennt. Unerreicht. Meist umgesetzt in Radiosendungen und in Podcast-Episoden. Lehren, lernen als Vermittlung, Switchboard. Weitergeben. Idealzustand. In ein Event gegossen sind solche Erfahrungen zum Beispiel auf der Subscribe zu finden, wo Podcaster/innen alles austauschen, was sie können, kennen, wissen. Passiv geht auch: Hören von Radiosendungen, Hören von Podcasts. Einsam in Teilen, aber intensiv und sehr am Punkt. Und man kann mit Freunden auch gemeinsam hören, wenn man sich einen Ohrhörer teilt. Zum Beispiel diese CRE-Folge über Poststrukturalismus 2.
13. Blogs, die von Menschen verfasst wurden, die sich in einem Gebiet gut auskennen, und die ihr Wissen teilen, meist prozesshaft. Der Vorgang wird dokumentiert, beschrieben. Was passiert, wie, wann. Das Teilen des Prozesses als schönes Lehren führt zu schönem Lernen.
14. Vorlesungen, an die man an der Uni durch Zufall geriet. Zum Beispiel im Audimax eine Vorlesung über Strafrecht. Gehalten vom Besten. Keine Ahnung, wer das war, es muss der Beste gewesen sein. Es war eine Einführungsvorlesung, die unfassbar spannend und begeisternd war. Es ist eine gute Idee, Einführungsvorlesungen von den Besten halten zu lassen.
15. Und zuletzt: schöne Fehler. Peinliche Misserfolge. Autsch. Schämen. Wieder aufrappeln. Immense Möglichkeiten. Der Einzelfall als Lehrer, auch wenn es meistens richtig wehtat.
Klackerlaken bauen. Wenn die Kinder die Volksschule besuchen, wird man auch schnell selbst zum Lehrer. Experimentieren. Einmal pro Woche. Ohne Text.
Öfter mal still sein
Nicht jede Frage braucht eine zweite Frage, die das selbe sagt.
Manifest. 12 mal „So muss Schule.“
Transparenz: Planungen, Gedanken, Diskussionen sind zugänglich.
Zusammenarbeit: Ergebnisse entstehen immer gemeinsam.
Wollen: Die Grundlage des Lernens.
Verantwortung: Jeder übernimmt seinen Teil.
Sprache: Über das Tun reden. In drei Sprachen.
Konflikte: Gehören dazu und bieten immer Möglichkeiten.
Individualisierung: Lernen je nach Können und Wollen.
Lehrplan: Sicherung der Schnittstellen.
Kompetenzorientierung: Können gehört zum Wissen.
Erlebnisse: An sie erinnern wir uns.
Wertschätzung: Positive Bestärkung sichert jeden Lernweg.
Wiederholungen, Routinen: Leitlinien für die Entwicklung.
Schriften
Als Radiomacher bin ich immer interessiert an Geschichten. Erzählt werden sie meist von Menschen, oft aber auch von Gebäuden, von der Natur. Aber auch von der Schrift. Da kommt man nicht schnell drauf, aber mit ein bisschen Hilfe freundlicher Typographen eröffnet sich rasch eine Welt, die man längst geahnt hat. Wie viel Hintergrund in einer Schrift steckt. Vom Landstrich. Vom Denken. Von den Inhalten. Ich liebe es. Und in meinem Leben habe ich mir bisher vier Schriften gekauft: Carrosserie, FF Real, ocr-t und jüngst Marselis Serif. Weil ich mich gerne mit ihnen selbst die Geschichten erzähle, die ich schreibe. Auch wenn ich sie dann nur im Radio vorlese, und sie gar nicht zu sehen sind, wird man sie spüren.
Audioschnitt
Nicht dass jemand auf die Idee kommt, dass das, was man im Radio hört, auch so gesagt wurde. Ich habe hier mal eine Editing-Session mit Hindenburg aufgenommen, damit man einen Eindruck bekommt, wie eine 10 Minuten Aufnahme "geputzt" werden kann. Das ist in diesem Fall der erste Schritt, der zweite ist dann inhaltlich - das Stück wird auf 4:10 min. geschnitten. #vomlebendernatur . Bei anderen Interviewpartner/innen würde das unter Umständen anders herum gehen. Erst Inhalt, dann Feinschnitt. In diesem Fall hat die Interviewpartnerin so schön gesprochen, und man muss für den inhaltlichen Schnitt den Inhalt auch lernen, das geht ganz gut auch beim Feinschnitt.
2016
Wenn Kinder plötzlich nicht zur Schule kommen
Ist das ein ganz schlechtes Zeichen.
Bei uns ist vor drei Jahren Gregori plötzlich verschwunden. Die Kinder meinten, es wäre, weil seine Mutter nicht gescheit Deutsch gekonnt hat. Furchtbar. Dazu habe ich für das ORF Österreich 1 Radioprogramm "Moment" Folgendes geschrieben:
MOMENT RANDNOTIZEN / Lothar Bodingbauer / 25. November 2013
Löcher sind eine interessante Sache. Und es ist dabei nicht einmal klar, ob Löcher überhaupt zu den Sachen zählen. Denn ein Loch ist die Abwesenheit von etwas, und was nicht ist, kann keine Sache sein. Wie kann man aber dann darüber reden? – Die Sprache macht es einfach: Indem man ihm einen Namen gibt, dem Loch. Ab dann ist es da – obwohl eigentlich etwas weg ist.
Ein kleiner Freund von mir, er heißt Gregori. Ging in die 2. Volksschulklasse gemeinsam mit meinem Sohn. Als Begleitperson gehe ich manchmal mit, wenn die Klasse zum Tennisplatz marschiert. Gregori erzählt gerne. Erzählt mir zum Beispiel den ganzen Weg zum Tennisplatz von so einem Loch. Er kommt aus Russland und hat einen entzückenden Akzent. Erzählt eine halbe Stunde lang mit größtem Vergnügen über das Loch. Das Loch in allen Facetten. Nie habe ich ein Loch so intensiv erlebt, wie durch das Zuhören von den Gedanken des kleinen Gregori. Weißt du, Lothar, sagte er, Drka heißt Loch. Aber Drtschka heißt „Kleines Loch“. Interessant. Drschtka. Das kleine Loch. Vielleicht hat er etwas andere Wörter dafür verwendet, ich kann ja nicht Russisch, aber, das habe ich mir gemerkt.
Ein paar Monate später erzählt mir eine Frau in Russland, dass Drka das kleine Loch ist. Und Drtschka ein wirklich extrem kleines Loch. Für den kleinen Gregori war das kleine Loch schon ein großes Loch, und von seiner Warte aus, ist das nur zu verständlich. Und für kleine Kinder, die manche Dinge auch lieber „mit ohne Zimt“ zum Beispiel essen, ist das Loch „mit ohne was“ eben auch sehr interessant.
Ist ein Loch nun die Abwesenheit von Etwas, oder ist es genau umgekehrt? Ist Wärme die Abwesenheit von Kälte? Oder ist Kälte die Abwesenheit von Wärme? Ist Frieden die Abwesenheit von Krieg? Oder Krieg die Abwesenheit von Frieden? Und ist die Dunkelheit die Abwesenheit von Helligkeit – oder Helligkeit die Abwesenheit von Dunkelheit? Ich würde gerne eine Art Lampe erfinden, die – wenn man sie einschaltet – den Raum dunkel macht. Ich würde diese Lampe dann „Dunkle“ nennen, und ich glaube, für dieses Gerät wär sicher Bedarf – weil man damit Dinge zum verschwinden bringen könnte.
Verschwunden ist aber Gregori. Von einem Tag auf den anderen. War plötzlich nicht mehr in der Schule. Mein kleiner Freund Gregori. Weg. Mit seinen Gedanken, mit seinen Facetten. Die Kinder waren außer sich, wussten auch nicht genau was war, das einzige was mir mein Sohn erzählen konnte, ist, dass Gregori zurück nach Russland musste, weil seine Mutter nicht so gut Deutsch gekonnt hat. Das ist bei den Kindern hängen geblieben. Weil jemand nicht so gut Deutsch kann, verschwindet ein Kind.
Es ist aber durchaus möglich, dass Gregori zurück nach Russland musste, weil seine Mutter eine gute Stelle an der Universität erhielt, oder für seinen Vater eine zeitlich befristete Stelle in Österreich endete. Wer weiß! Aber wenn bei den Kindern hängenbleibt, er musste zurück, weil seine Mutter nicht gut Deutsch konnte, ist das fatal für die Diskussion um die Sprache, um Integration. Um das Dazugehören. Wer nicht gut Deutsch kann, verschwindet.
Ein Loch kann man übrigens kaufen. Das Nichts. Wer es nicht glaubt, ruft ein Baggerunternehmen an und erkundigt sich, was es kostet, so ein Loch im Garten. Da kann man sich reinsetzen und den Himmel anschauen, und weiter nachdenken, ob was da ist, oder ob wer fehlt.
a.b.c.psssst.neue-musik?
Was muss man wissen, um zeitgenössische Musik gern zu haben? Mit Schwung erzählen wir in Episode eins Vom Fliegen und von Flugversuchen. Wie die Katze in den Schnee kam, ist auch uns ein Rätsel. Wie das Kinderlied im Reich der zeitgenössischen Musik bearbeitet werden kann, und was man da beim Hören spürt, das klären wir in Episode zwei. Von leisen Spuren und Lautmalerei. Leise Töne dann – und über individuelle Schmerzgrenzen reden wir in Episode fünf. Sportliches mit Kraft und Ausdauer? Gerne. Episode 22. Stay tuned. In Episode 50 geht's um's Schluss machen. Das wird nämlich die letzte sein, wenn alles so gut läuft, wie jetzt geplant. Also: Wir haben unsre Mikros gerichtet, Elisabeth in Ulm, und Lothar in Wien, wir feilen Krallen und Konzept.
Hörtipp: Radiospurensuche in Island
Der großartige Richard Fidler (Conversations, ABC Radio National) besucht mit seinem Freund, dem Schriftsteller Kári Gíslason, Island. Ein langer Weg von Australien. Sie machen sich auf die Suche nach den Geschichten Islands, die über den "Saga Writer" Snorri Sturluson in direkter Verbindung mit Kári stehen. Er ist mit ihm verwandt.
Entstanden ist eine vierteilige Radio-Geschichtenreihe, die auch eine Familiengeschichte ist. Eine Entdeckungsreise, Spurensuche, die viele Fäden aufwirft und zusammenführt. Wir hören dabei die Geschichten von Gunnar, Gudrun, Gisli und Egil, wunderschön vor Ort erzählt und mit Gedanken von Richard und Kári, Familienmitgliedern und Wissenschaftler/innen begleitet.
Ballade des Briefmarkenverkäufers
– für Maya
Die Zähne des Bildes blicken ihr leidend entgegen Sie fletschen die Ränder der Suchenden wegen Grad siebzehn verlangte die Schöne vor ihnen Wie soll er sie reißen, zerreißen, wie soll er ihr dienen? Ihr Lächeln verfolgt nun gefühlsam die Hände warten aufs Trennen der zärtlichen Bände Sie sind weiß, weil es schneit
Als Kind aber erst zerriss er die Bilder Inmitten entzwei durchs Gesicht wie ein Wilder Durch Baum oder Hause so schnell riss er sie Und falsch war es doch! (Ganz richtig war's nie) Heute jedoch soll er es gleich schaffen, inmitten entzwei Gleich siebzehn von ihnen, nicht sechs oder drei Sie sind weiß, weil es schneit.
Ratlos noch blickt er jetzt auf und errötet Sogleich ihm ihr Anblick das Kindliche tötet Ihn macht zu dem Mann der er ist, vor ihr sitzt Ein Verkäufer für Briefmarken, sein Antlitz erglitzt Und lächelnd durchtrennt er für sie die postalische Ware, die Zähne der Marken. Sie schüttelt erfreut ihre Haare Sie sind weiß, weil es schneit
13 Vorschläge für die Schule
Klimawandel, Wanderungsbewegungen, religiöser Einfluss oder Verschiebungen am Arbeitsmarkt: Es wäre höchste Zeit, die Schule an die Gesellschaft anzupassen. Aber genau das ist in der Praxis schwierig. 13 Gründe, woran es liegt – aus der Sicht eines Lehrers.
1. Stundenplan von Sisyphos: Schulleitern stehen jedes Jahr aufs Neue die Haare zu Berge, wenn sie Lehrer, Schüler und Räume auf Tausendstel-"Werteinheiten" genau unter einen Hut bringen sollen. Diese Einteilung könnte automatisch oder über Nacht kostengünstig in Indien passieren, wäre sie nicht ein wesentlicher Teil des Machtgefüges einer Schule. Es geht dabei um die Erfüllung oder Nichterfüllung von Wünschen und Ansprüchen. Leider hat die Schulleitung damit das Jahr über den Kopf voll und nicht mehr frei für inhaltliche Arbeit. Wer will sich denn das antun? Vorschlag: Verwaltungssoftware abschalten und mit den Lehrern vereinbaren, dass sie regelmäßig zur Arbeit kommen.
2. Schulentwicklung im Schwitzkasten der Raster: Wirklich große Änderungen im Schulbetrieb werden stets und konsequent mit dem Argument "Geht nicht in bestehenden Strukturen" abgelehnt. Jede Neuerung muss in einer Software abgebildet werden, die mit ihren Zellen und Spalten das Land im Bann hält wie ein Drache, der die Administratoren quält. Vorschlag: sexy Software, mehr Köpfe und mehr Macht für Inhalt.
3. Alte Fächer statt neue Themen: Die Einteilung der Welt in Geografie, Geschichte und Biologie war wundervoll, als die Expeditionen noch am Dampfen waren. Heute geht es aber nicht mehr um Entdeckung und Einordnung, sondern um Prinzipien und Prozesse, um die Bewältigung komplexer Fragestellungen. Dazu unpassend auch die Ausbildung von Lehrern: Ein Physiklehrer kann nur als Physiklehrer eingesetzt werden, und vielleicht ist er gut für große Gruppen oder für kleine, gut als Prüfer, Vortragender oder Troubleshooter. Vorschlag: Themen statt Fächer, gut ausgebildete Lehrer, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten fluid anbieten.
4. Starre Schulbuchaktion: Gedacht als sinnvolle Versorgung der Schüler mit kostenlosen Büchern, wurde sie zu einer der wesentlichsten Bremsen für die Anpassungen des Schulbetriebs an die Anforderungen der heutigen Gesellschaft. Inhalte in Büchern können nur mit großer zeitlicher Verzögerung und mit großem Aufwand und auf dem Weg über Gutachter und Kommissionen aktualisiert werden. Verlage werden sich hüten, risikohafte Entwicklungen voranzutreiben, die bestehende Geldflüsse infrage stellen. Vorschlag: keine Bücher, sondern Magazine, die von Schülern abonniert und in Redaktionen im Monatsrhythmus zusammengestellt werden – immer mit begleitender Sprachentwicklung in Deutsch, Englisch und einer weiteren Muttersprache.
5. Unverständliche Sprache der Bildung LPK und VWA, NBT und GWK:Abkürzungen gibt es in der Schullandschaft, da kann das Militär vor Neid erblassen. Vieles versteht man einfach nicht, was da auf einem Blatt für Eltern, Lehrer, Schüler steht. Es sind Gesetzestexte, die ohne Übersetzung nicht zu Unbeteiligten nach außen dringen sollten. Vorschlag: Lesen der verständlichen Beförderungsbedingungen der Wiener Linien, Abkürzungen abschaffen und Profis aktivieren, die wissen, wie man Inhalte an Menschen bringt.
6. Kommunikation: Die meisten außerschulischen Bildungseinrichtungen, die Schulen verändern könnten, sind mit ehemaligen Lehrern besetzt, die nicht mehr unterrichten. Ihr Kommunikationsverhalten in den bisher von ihnen unterrichteten geschlossenen Klassen wird in die Entwicklungspositionen hineingetragen. Daraus resultieren die beobachtbaren Kommunikationsprobleme. Vorschlag: Kommunikation. Profis lernen sie von Profis und Lehrer in der weiten Welt: zum Beispiel in guten Hundeschulen, in der Geriatrie, auf Twitter, in Freiwilligencamps und bei Piloten. Auf Weltreisen und im Theater.
7. Achtsamkeit und Transparenz: Die Schüler sind keine Gefangenen, auch wenn sie das Schulgebäude nicht verlassen dürfen. Achtsamkeit im Umgang mit ihren Ressourcen und ihrer Lebenszeit wäre angemessen. Vorschlag: Auch im Schulbetrieb nicht für das Schulheft produzieren, sondern immer auch für andere. Relevanz der Inhalte erhöhen, Herausforderungen definieren, Verantwortung übergeben. Partizipation, Fairness und mehr Fenster in die Wände zum Gang.
8. Ferien: Haben Sie schon einmal nachgedacht, was die Gründe für Schulklassen und gemeinsame Ferien sind? Das Militär und die gemeinsame herbstliche Kartoffelernte schon lange nicht mehr. Vorschlag: Auflösung der Ferienstrukturen. Schulbetrieb wie in einer der guten neuen Hundeschulen. Dort kann man immer hingehen, weil es dort immer etwas zu lernen gibt. Hat man genug, macht man Pause. Man lernt mit jenen, zu denen man passt. Lehrer dort haben einen exzellenten diagnostischen Blick, sie loben, wann immer es geht. Und billiger wird auch der Urlaub.
9. Arbeit, zu ruhige Arbeit: Lehrer haben oft keine andere Aufregung als zu unterrichten. Dabei ist ein Fuß draußen in einem anderen Teil der Gesellschaft wesentlich für die Entwicklung neuer Inhalte, Gedanken und Methoden. Vorschlag: Ein Wochentag wird nicht in der Schule verbracht, sondern anderswo, die Schüler kommen am besten gleich mit.
10. Wille zum Schmerz: Als Lehrer und als Schüler messen wir den Erfolg unserer Arbeit leider oft am Aufwand und Schmerz. Das muss nicht sein. Vorschlag: nicht mehr, sondern besser. Zusammenarbeit ergibt sich aus geänderten Strukturen oft leichter, sie muss nicht immer extra sein.
11. Graue Nachhilfe: Schulprobleme werden in Österreich extern gelöst und nicht an die Schule selbst zurückgespielt. Vorschlag: Registrierkassenpflicht für Nachhilfelehrer, Finanzpolizei – oder Nachhilfe überhaupt verbieten und dafür den Studenten ordentliche Stipendien gewähren. Die Eltern werden sehr schnell bei der Schule selbst mit Beschwerden auf der Matte stehen, und dort gehören sie damit auch hin.
12. Schnittstellenproblematik ungelöst: Es gibt keine Gespräche zwischen Schulen und Universitäten, was die Anforderungen sind, die ein Studium an die Schüler später stellt. So bilden wir ins Blaue hinaus aus. Vorschlag: miteinander reden und Brille putzen. Gläser mit Gleitsicht. Und immer mal umdrehen. Den Kopf hinhalten und Verantwortung für den Erfolg übernehmen.
13. Akustik mit Fluchtimpuls: Der Lärm von 30 Kindern in der Klasse wird von allen Beteiligten als schmerzhaft empfunden. Die Schulhäuser mit Klassen und Gängen hallen extrem. Vorschlag: Schalldämmung wie im Kurhaus Oberlaa: viele Menschen, ruhiges Schwimmen. Lernzonen von öffentlich zu privat. Verbunden mit Lichtinseln, entstehen Umgebungen, in denen alle gern einmal länger bleiben. Ergonomie am Arbeitsplatz. Auch das ist Achtsamkeit den Lehrern, den Schülern und der Bildung gegenüber.
Das wär's fürs Erste. Sie sehen: Nicht mehr, sondern anders wäre recht – und ein Gratisfrühstück bitte. (Lothar Bodingbauer, 1.2.2016, Der Standard)
Lothar Bodingbauer, geb. 1971, unterrichtet am Abendgymnasium Wien und entwickelt derzeit Unterricht für die Einführungssemester. Bildungsanreize, Sprachentwicklung und Themen werden dabei möglichen Defiziten und Fächern vorangestellt
2015
Interviewformate
Ich analysiere gerade Interviewformate. Nicht alle, aber ausgewählte. Und ausgewählte Personen.
hr-info / Interview (Als Interview) CBC Radio One / As it happens (Als Sendung) BBC Radio 4 / Today (Als Strategie) Deutschlandradio Kultur / Das Interview (Als Setting) ABC Radio National / Life Matters (Als Person: Natasha Mitchel)
Wie verläuft die Grenze zwischen Gespräch und Interview?
Wie zeichnen sich Fragen ab?
Wie werden Antworten aufgegriffen?
Wie endet das Interview.
Was war die Geschichte.
Wie eindeutig ist der Unterschied zwischen Recherche- und Interviewfrage?
Ist der Inhalt, was man vom Interview weiter erzählt, planbar?
Was unterscheidet Interviews?
Neues Podcast Projekt
Es reicht. Ich gehe in den Boulevard. Künstler, Könner und Boulevard genau genommen. Drivetime talk. Drivetime talk. Gespräche mit Menschen, die etwas Besonderes tun. Die ganze Geschichte in 15 Minuten. Kein Gespräch, sondern ein Interview. Da hat wo wer eine gute Idee, da macht wer etwas Interessantes, da ist jemand dick in einer Sache drin. Wir erfahren, wie es dazu gekommen ist, und was das im Zusammenhang bedeutet. The Macher Report.
Zwei mal zuhören
Es ist immer wieder schön, mal als Zuhörer im Publikum zu sitzen, wenn man sonst immer eher für Zuhörer gestaltet und Sendungen macht.
1. Podiumsdiskussion: Die Archäologinnen Barbara Horejs und Sabine Ladstätter sprachen über Archäologie, Ausgrabungen und Funde in Ephesos (Türkei). Veranstaltet im Wiener Akzent-Theater in der Vortragsreihe "Am Puls" von PR&D mit Simultandolmetsch in Gebärdensprache, was beim Getreidemahlen eine nette Situation ergab, weil die Dolmetscherin das Verfahren zeigte, von dem die Archäologin sprach.
Voller Saal, interessiertes Publikum. Aha-Effekt, wie viel Expertise in vergrabenen Dingen steckt. Unterschiedliche Stile der Vortragenden: Barbara Horeis hat sehr lebendig erzählt, Sabine Ladstätter einen sehr schönen und fürs Sprechen geschriebenen Text vorgelesen; beide mit Powerpoint-Unterstützung, die Bilder und Diagramme zeigten und gut zur Sprache passten. Der Weitererzählwert der Veranstaltung war sehr hoch, der Diskussionsleiter Till C. Jelitto führte gut und spannend dicht die Diskussion nach den Präsentationen - sympathisch auch seine Frage "von welcher Erkenntnis träumen Sie". Der Wissenschaftsfonds FWF finanziert die vorgestellten Grundlagenforschungen mit, einen Bericht von der Veranstaltung mit Bildern gibt es hier. Insgesamt: Sehr fein. +1 und gerne wieder.
2. Benefizkonzert der Wiener Symphoniker im Wiener Stephansdom. Bruckners 4. Symphonie und vorab einige Motetten vom Chor der Dommusik St. Stephan. Zugunsten der Caritas Flüchtlingshilfe. So schön kann Musik sein, wenn sie dreidimensional von rundherum kommt. Ohne Sicht am gewählten Platz, aber mit vollem Ton. Das schafft kein Lautsprecher: Hinsetzen und die Musik von überall her hören. Kardinal Schönborn hielt eine kurze Rede, sympathisch - er war markiert mit einer roten Kappe und daher gut sichtbar auch auf den Monitoren, die zeigten, was die Kameras von Chor, Orchester und Redner aufnahmen. Sehr ruhiges Bild, sehr unaufdringlich. 66 Minuten ist die Aufführungsdauer der 4. Symphonie Bruckners, sagt Wikipedia, und die vier Sätze zeigten, dass Bruckner schon sehr hübsch eine Dramaturgie gestaltet, bei der einem nicht fad wird. Das große Wumms kommt nicht am Schluss, sondern einige Minuten vorher, sodass noch Zeit ist, die Spannung wieder abzubauen. So schön kann Benefiz sein. +1 und gerne wieder.
Den Stecker in die Steckdose stecken und es knallt, die Sicherung fällt.
Sich mit dem Messer in den Finger schneiden.
Der Ton, bei dem die Saite reißt.
Die Dusche aufdrehen und den ersten Schwall kalten Wassers abkriegen.
Senf, der auf die Schuhe tropft.
Den Brief zukleben und bemerken, dass noch etwas darin fehlt.
Das Fenster öffnen und bemerken, dass gleich eine Tür knallen wird.
Bei 1% Batterielaufzeit schnell noch was im Web nachschauen wollen, und der Bildschirm wird schwarz, nachdem der Browser startet.
Wenn man das richtige Wort gesagt hat.
Die Stille, nachdem alle gehen und die Wohnungstür ins Schloss fällt.
2014
17 Tipps für Schulhomepages
Statische Verlautbarungen gab es früher. Mittlerweile haben die meisten Schulen auf eine dynamische Websites umgestellt, die es erlauben, Neuigkeiten blogartig zu veröffentlichen.
Die neuen Schulhomepages haben sich aus dem ehemals geschlossenen Kosmos Schule in eine Öffentlichkeit hin entwickelt, in der es schon profilierte Inhaltsanbieter gibt, mit denen sie sich messen müssen. Sie können von vielen Beteiligten gemeinsam geschrieben und gestaltet werden.
Folgende Punkte können die Ergebnisse verbessern.
1) Erzähle eine Geschichte. Es ist für die nicht unmittelbar Beteiligten noch recht uninteressant, dass irgend eine Aufführung statt gefunden hat. Was ist der eigentliche Inhalt der Aufführung, und wie steht sie mit den Beteiligten in Verbindung? Was waren die wirklichen Herausforderungen, und warum kann uns das alle interessieren? Das Interesse an wirklichen Geschichten aus der Schule ist da, natürlich auch daran, wer die Geschichte geschrieben hat.
2) Mache ein eigenes Foto. Es gibt diese Fotos, die ein wesentliches Element der Geschichte zeigen, und die vielen anderen als Hintergrund dabei haben. Was ist die Metaebene der Geschichte? Wie ist der Kontext? Was ist ein überraschendes Detail? Fotos erzählen Geschichten auf einem Blick, und da zahlt sich ein Gedanke mehr bei der Auswahl wirklich aus. Immer selbst machen, denn es gibt sie, die eigenen unverwechselbaren Fotos.
3) Lasse die Ausrufezeichen weg. Schüler/innen lernen, sich im Schulhaus mit ihrer Lautstärke zurückzuhalten. Rufzeichen ist aber anschreien. Warum rufe ich? Warum schreie ich? Wen rüttle ich so stark? Die Stärke des Satzes kommt aus dem Inhalt, und nicht aus dem Satzzeichen am Schluss, das bis auf wenige überlegte Ausnahmen wirklich niemand mehr irgendwo öffentlich verwendet.
4) "Wir" und "uns" schließen andere aus. Nämlich jene, die nicht dabei sind. Möchtest du das wirklich tun? Es gibt also eine Alternative zur Formulierung "An unserer Schule" oder "wir haben etwas gemacht". Wer ist wir? Wer sind die anderen, außerhalb von "uns". Es dauert eine kurze Zeit zwar, aber man findet immer eine alternative, nicht ausschließende Formulierung.
5) Wichtiges zuerst. Weil es die Geschichte ist, die wichtig ist, kann das in den meisten Fällen nur der Inhalt der Sache sein, der Rahmen braucht da nicht gleich an erster Stelle beschrieben werden. Kommt die Hauptinformation im 3. Gliedsatz erst hinten? Kann man da gleich etwas umstellen? Dank an die Beteiligten kommt, wenn überhaupt, immer erst am Schluss, denn der ergibt sich aus der Sache selbst.
6) Neu zu schreiben zahlt sich aus. Chronologisch absteigend geordnete Blog-Schulhompeages erlauben, dass die veröffentlichten Inhalte nach unten hin versinken und immer schwieriger zu finden sind. Warum sollte man das verhindern? Warum sollte das schlecht sein? Schreibe lieber etwas Neues, statt das Alte wieder hinaufzureihen, und man wird sehen, dass das Neugeschriebene auch die neuen Aspekte der Geschichte erzählen werden, die sich immer über die Zeit entwickeln.
7) Keine Formatierungen. Nein. Nicht fett. Nicht kursiv. Nicht unterstrichen. Wird denn Unwichtiges veröffentlicht? Meist sind Formatierungen Versuche, den Text an bestimmten Stellen aufzuwerten, und den Blick der Leser/innen auf bestimmte Punkte zu lenken. Das hieße aber, dass die anderen, nicht formatierten Stellen unwichtig sind, und das heißt auch, dass Leser/innen denken müssen, dass auch Unwichtiges veröffentlicht wird. Das kann also nicht sein. Ist der Text gut genug, braucht er keine Formatierungen. Zwischenüberschriften, Zitate und andere wohlüberlegte Ausnahmen ausgenommen. Und ja: ein Menüpunkt “Wichtige Links” kann man auf “Links” ändern, Unwichtiges wird ja nicht veröffentlicht.
8) Absätze sind gut. Wirklich. Finde ich als Leser/in eine Situation vor, in der ich das Gefühl habe, mir wird geschmeichelt? Lange Texte sind Auszüge der Gedanken - die höre ich mir gerne im persönlichen Gespräch an. Aber *veröffentlichte *Gedanken durchlaufen einen ersten Filter, den ich so sehr schätze, wenn ich auf gut redigierten Websites unterwegs bin.
9) Mut zu etwas Schmutz, Kritik und Lücke. Warum warten, wenn etwas veröffentlicht werden soll? Wenn es dafür eine gute Antwort gibt, dann warten. Aber: eine erste Version mit den grundsätzlichen Inhalten ist meistens besser, als die perfekten Inhalte, die spät oder nie veröffentlicht werden. Lehrer/innen haben erfahrungsgemäß hier die größte Angst vor Fehlern. Kommentarfunktionen erlauben aber Ergänzungen und Berichtigtungen. Zusätzlich erlauben Redaktionssysteme der Blog-Websites mehreren Personen den Zugang zur Veröffentlichung, mehrere Personen können also Fehler erkennen und ändern. Hilfreich ist eine Vereinbarung, dass Typos ohne Rücksprache gändert werden können, und bei größeren Änderungen mit Rücksprache gearbeitet wird.
10) Zeitnahes Arbeiten. Wir hätten gerne die Informationen am selben oder am nächsten Tag. Ein Foto, eine Zeile Text, ein Hinweise reicht oft als Start dafür aus. Der detaillierte Bericht kann gerne später kommen. Im internen Bereich einer Homepage können auch Protokolle zeitnah veröffentlicht werden, was jenen nützt, die nicht dabei waren. Kommentarfunktionen erlauben auch hier wieder Ergänzungen und Berichtigtungen.
11) Regelmäßigkeit rulez. Diese Regelmäßigkeit wird sich für Leser/innen der Seite schnell einstellen, sobald mehrere Personen Inhalte veröffentlichen. Es ist aber auch die Regelmäßigkeit des eigenen Schreibens gemeint. Schöne Beiträge brauchen einige Jahre an Übung und Entwicklung des eigenen Stils, das kann nur funktionieren, wenn der Zähler brav hochtickt, und das geht nur dann, wenn man auch in frühen Stadien Inhalte veröffentlicht, auch wenn man es noch nicht perfekt kann.
12) Live macht mehr Spaß. Eine Projektwoche mit Angeboten auf der Schulhomepage zu entwickeln, erlaubt ein Gefühl für die Bedeutung seines Tuns als Lehrer/in zu entwicklen. Die Dinge werden nicht mehr privat im eigenen Zimmer entworfen, sondern im ständigen Austausch mit der Umgebung. Der Änderungswunsch entspringt dem Wissen, dass jede Änderung bemerkt wird, und nicht dem abstrakten Auftrag einer Schulleitung. Rückmeldungen und Feedbacks sind Teil der Methode, die Ergebnisse können verglichen und gemessen werden, und das nützt in den meisten Fällen direkt den Schüler/innen und mittelbar dann auch dem guten Ruf der Schule und des Unterrichts.
13) Tidbits. Wöchentlich wechselnde Umfragen, Fotos des Tages, “heiße” Geschichten, RSS-Feeds von Zeitungen mit Bildungsbeilagen, dann und wann ein Portrait und eine Würze Kontrverse verleiten alle Angesprochenen natürlich auch, immer wieder mal die Homepage zu besuchen, um zu schauen, ob man nicht etwas versäumt. Absolvent/innen kommen auch gerne mal vorbei. Genau das wäre das Ziel. Wenn man dann auch noch den Vertretungsstundenplan leicht erreichbar ganz oben platziert, kann man sich auch strukturell unterstützt auf ständigen Besuch der Seite freuen, und sich damit sicher sein, dass der ganze Aufwand auch gesehen und bemerkt wird.
14) Schaue, dass es alle machen. Ein Redaktionssystem wie Wordpress ermöglicht den Zugang von allen Mitarbeiter/innen einer Schule. Informationen sollen dort veröffentlicht werden, wo sie entstehen. Es wird unzählige Versuche geben, das auf dich abzuwälzen. Es ist harte Arbeit aber sehr lohnend, wenn trotzdem alle ihre Veröffentlichungen machen, die dann von einigen übernommen und verbessert werden können.
15) Schreibe nicht, was kommen wird, aber berichte sehr wohl über ungelegte Eier. Ein Widerspruch? Leser/innen der Homepage an Gedanken teilhaben zu lassen, die sich mit zukünftigen Projekten beschäftigen, ist gut, wenn man sie eben teilhaben lässt und sie stark durch das Geschriebene betreut. Etwas aber bloß anzukündigen - "hier kommen bald Fotos von" - ist wie immer im Netz - nicht ganz so gut.
16) Titel gerne, aber in den Kontakten. Im Fließtext haben sie auch auf einer Schulhomepage nichts zu suchen.
Update 2022: 17) Smartphone vor Computer. Responsive Layoutes müssen einfach sein.
Gorbatschows Broschüren
Da haben sich bei mir über die 80-er Jahre ein paar Broschüren angesammelt. Vom Österreichischen Sowjetischen Reisedienst erhalten - Ziel: Transsib fahren - und beim Zusammenräumen immer wieder auf einen neuen Platz gestellt. Jetzt sind sie fällig. Altpapier.
Kinderuni Hagenberg
Mit 20 Kindern lernen, wie Radiobeiträge entstehen. Einen Tag lang. Der Kurs begann, dass ich meinen Büro-Sack ausräumte. Dort war alles drin, was ein Radiojournalist braucht. Inclusive Getränk und car2go Karte. Mit einer Skype-Schaltung haben wir später auch einen Bademeister interviewt. Die Fragen hält der Junge links. Und draußen war das freundliche Mikrofon immer mit dabei.
Eisenbahn zum Hören
In letzter Zeit wieder ein paar Eisenbahn-Sachen gehört und gemacht. Hier meine Highlights.
Deutschlandfunk Feature: "Verspätungsfreude im ICE". Eine Stunde über das Netzwerk, die Zeit und das Thema Verspätung.
Gespräch im Bahncast mit dem ehemaligen Chef der Schweizer Bundesbahn, Benedikt Weibel. Er spricht auch über fehlende politische Aufträge für die Deutsche Bahn.
Nach wie vor eines der besten Gespräche über die Verspätung bei der Bahn. Endlich mal solide erklärt im Rahmen von DRadio-Wissen.
Pflanzen an Verkehrswegen. Der Botaniker Michael Hohla spricht im Radioprogramm Österreich 1 über das Besondere an Eisenbahnstrecken.
Unsre Bienen fliegen auf's Belvedere
Unsere Bienen sind gekommen. Drei Ableger fliegen jetzt in den Gärten des Quartier Belvedere in Wien. Summen und brummen. Und am Abend ab 8 Uhr ist huschiheia. Ruhe in der Kiste. Im nächsten Jahr - wenn alles gut geht - heißen sie dann "Volk" und machen lecker Honig.
Neue gelernte Worte
Im Imkerkurs an der Imkerschule Warth / Mistelbuch haben wir bei Imkermeister Schittenhelm viele neuen Begriffe der Imkerei kennengelernt. Kleine Bienen, lange Worte.
Mein Donnerstag
Es gibt Tage, an denen sich drei Mittagsschläfchen ausgehen. An manchen zwei, meistens eins. Aber am Donnerstag war ein vielfältiges Programm ohne Pause. Typisch für eine schöne Mischung, wie sie mir gefällt, insgesamt aber zu lange.
Schwimmen gehen mit den Volksschulkindern
Interview in Laxenburg (Filmarchiv) - "Wie kommen die Kratzer aus den alten Filmen?"
Besprechung zum Thema "Ein 'Haus der Verantwortung' in Braunau?"
Eine Schularbeit für das Abendgymnasium vorbereiten und durchführen
Rhetorik Workshop: Gandhi - gewaltfreier Widerstand, Analyse: Kommunikation und Verantwortung
Matura und das Ende vom Anfang der Zusammenarbeit
Die kommende Maturaform in Österreich ist wichtig, weil dadurch Lehrer notwendigerweise zusammenarbeiten. Auch Schüler arbeiten in ihrem Lernen im Rahmen ihrer Vorbereitung zusammen. Während der Prüfung aber werden alle Netze gekappt, und das hat Konsequenzen auch auf die Zeit davor. Ein Rückschritt ist abzusehen.
Die neue Mathematikmatura erfordert auch den Einsatz von Technologie. Früher waren das "Taschenrechner", heute muss dieser Rechner auch Gleichungen lösen können und grafische Darstellungen ermöglichen. Das Interessante ist, dass die iPhones / Smartphones / iPads / Tablets der Leute das alles können - mit Apps, Browser oder Programmen. Nur: diese Geräte wird man nicht bei der Matura einsetzen können, da sie Netzwerkverbindung haben.
Jetzt wetzen die Hersteller der programmierbaren Taschenrechner schon in den Startlöchern - 80 Euro wenn es gut geht, müssen die Eltern zahlen, damit man die Matura bestehen wirklich auch das letzte Detail einiger weniger Beispiele rechnen kann, sollte die Schule nicht irgendeine andere Lösung finden. Die Schüler dürfen mit der "gewohnten Technologie" arbeiten - aber die ist eben heute grundsätzlich vernetzt.
Das Hauptproblem ist also, dass man den Schülern in den Jahren vor der Prüfung lernt, vernetzt zu arbeiten, mit allen Mitteln, zum Beispiel: Geogebra, Wolfram Alpha, und dann schraubt man von diesem wunderbaren Fahrzeug bei der Matura die Räder ab, - schaltet das Netz aus - nur weil die Prüfungsform diese Arbeitsweise nicht zulässt.
Daher verzichten Schulen (update: möglicherweise) schon im Unterricht vorher darauf und lassen irgendwelche Rechner kaufen, die außerhalb des Matheunterrichts und der Prüfung so gar keinen Nutzen haben. Das ist wäre jammerschade.
Aber es gibt Alternativen. Geogebra Prüfungssticks zum Beispiel. Steckt man in den Laptop, dann ist das Netz weg, aber die gewohnte Anwendung noch da. Zwei Räder sind also noch am Fahrzeug - oder, ein anderes Bild, man fährt auf der Felge. Und selbst bei dieser Lösung müssen sich Schulen gut informieren, vielleicht sind nicht für alle Schüler Laptops vorhanden, und es könnte sein, dass Schulen überschnell aus Bequemlichkeit die programmierbaren Taschenrechner kaufen lassen.
"Bring your own device". Jeder soll mit seinem Gerät arbeiten können, so wie es heute üblicherweise gemacht wird. Das wird derzeit vom Bildungssystem nicht reflektiert. Es wird sich die Maturaprüfung selbst ändern müssen - sie ist nicht mehr zeitgemäß, und an dieser Fragestellung sieht man das ganz deutlich.
Vom Zahnarzt und dem Werkdrachen
Ich liebe meinen Zahnarzt. Er ist immer wieder für Überraschungen gut. Vor kurzem hat er mich zur Abwechslung mit Lachgas betäubt. Es ging um eine Füllung, die getauscht werden sollte, eigentlich eine harmlose Sache, und da war dieser neue Apparat im Behandlungszimmer. Sieht aus wie eine Eismaschine für das Eis in der Tüte zum Herunterlassen. Nichts Ungewöhnliches, etwas Neues bei meinem Zahnarzt zu finden, Neues interessiert ihn furchtbar, aber meist sind es kleine Dinge: eine sich drehende Spritze die die Zahnwurzel anbohrt für die gezielte Betäubung der schmerzleitenden Nerven, eine Minikamera, die ein Computerbild erstellt, in dem eine beginnende Karies markiert wird; selbst über seine Weltsicht hat er immer wieder neue und überraschende Erkenntnisse bereit.
Aber vorige Woche war es dieser Apparat. Lachgas. In Amerika schon gang und gäbe, da lässt sich schon jeder betäuben damit, völlig ungefährlich, es verkürzt die Zeitwahrnehmung und nimmt die Angst. Ob ich es probieren will, hat er gefragt, er möchte Erfahrungen sammeln im praktischen Einsatz. Na klar, warum nicht. Schnorchel aufsetzen, erst Sauerstoff, dann Lachgas. Nahm die Angst bis auf eine kleine Panik, die aufzog, als der Behandlungsstuhl nach hinten gelegt wurde. Die war aber schnell weg, die Füllung wurde gewechselt, und dort, wo man sonst den Zahn spürt, an dem herumgerüttelt wird, war während der Behandlung so ein großes Nichts, einfach nichts da. Die Zeitwahrnehmung war auch wirklich verkürzt, und als das Lachgas den Körper verließ, war alles so wie vorher und der Trip war vorbei.
Mein Zahnarzt ist immer für Überraschungen gut, das mit der Panik, die aufzog, als ich nach hinten gelegt wurde, das hatte er auch, sagte er, als er es ausprobiert hat, und die Assistentin, sagte, bei ihr war das auch - und wir lachten über unsere Panik, die wir hatten, beim Einsatz von Lachgas beim ersten Mal, die wir einander erst nachher erzählt haben. Wenn ich mich erst daran gewöhnt habe, ist das weg, dann kostet so ein Lachgaseinsatz allerdings auch 90 Euro.
Für Menschen, die echte und tiefe Angst vor Zahnbehandlungen haben, ist das sicher das Geld wert, aber ehrlich, ich habe es lieber, wenn mir mein Zahnarzt eine vernünftige Betäubung mit seiner drehenden Bohrspritze verpasst, und mir dann, während sie wirkt, von seinen Pferden erzählt, vom neuen Fahrrad, von seiner Sicht der Welt. Das habe ich gerne, das nimmt mir die Angst, weil er da ist, weil ich da bin, und nicht weg, per Lachgas in der Wahrnehmung tiefer gelegt. Angst kann ich durch Kontakt viel besser überwinden, und so ein Kontakt, der kostet nichts.
Angst hat auch mein Sohn oft am Freitag, da gibt es Werkunterricht in der Schule, und der "Werkdrache" macht Stress, der Werklehrer, weil immer soll alles schon fertig sein, genauer, sauberer, und überhaupt. Lachgas ist jetzt keine Option für meinen Sohn, er hat eine andere Methode, er hat mich eingebucht als Papa-der-in-die Schule-kommt-und-einen-Workshop-leitet. Ich soll an einem Vormittag den Kindern Origami beibringen. - Eine schöne Idee. Allein, Origami konnte ich bis dahin so gut wie Ikebana, die Kunst des Blumenbindens - nämlich gar nicht. Das heißt: einlesen, üben, und ab zu einer Besprechung mit dem Werkdrachen, mit dem ich diesen Workshop halten sollte. Freitag Früh beim Frühstück aber die fatale Frage von meinem Sohn: "Was ist, wenn der Werkdrache dich fragt, was du schon falten kannst?"
Wir gingen also beide mit mulmigem Gefühl zur Schule. Und tatsächlich, der Werklehrer fragte mich, was ich schon falten kann. „Kraniche", war meine Antwort, denn ich war vorbereitet, ich hatte geübt am Wochenende zuvor. 10 Stück. Er lachte, freute sich über diesen Papa-Beitrag, und bekam damit auch gleich ein freundliches Gesicht.
Wer 1000 Kraniche in seinem Leben gefaltet hat, darf sich etwas wünschen, sagt eine japanische Legende. Ich wünsche mir, dass die Angst klein bleibt, beim Zahnarzt und in der Schule, und dass es immer Menschen gibt, mit denen man sie teilen kann.
Ö1 Moment Leben Heute, Randnotizen, 10. März 2014, Lothar Bodingbauer
Zaun
Letztes Jahr sind viele Meter Zaun im Wiener Benyapark dazugekommen. Wer weiß, wofür sie gut sind. Es ist nicht einmal klar, ob jemand draußen, oder drinnen gehalten werden soll.
Erfahrungen mit dem Yellowtec iXm Mikrofon
Einige Besuchern kommen auf diesen Blog über die Suchfunktion nach einem Mikrofon vorbei kommen, das auf Speicherkarte aufnimmt. Da ich seit 2012 so eines verwende, und meine Erfahrungen auch hier aufschreibe, noch ein paar Details, die ich gerade jetzt auch wieder per e-Mail an einen Interessenten verschickt habe.
Das Heißestes Ding auf Erden. iXm Yellowtec Mikrofon mit Beyerdynamic Niere, rund 1090 EUR.
Mit diesem Mikrofon kann man im Botanischen Garten und auch auf einer Verkehrsinsel Interviews mit automatischer Aussteuerung machen. Kein Lärm, kein Pumpen. Kein Kümmern. Wunderbare Arbeit der Yellowtec-Ingenieure. Als freiberuflicher Reporter ist es nun mein einziges Gerät für Interviews. Immer geladen. Immer dabei. Das Yellowtec iXs hat mein gesamtes Audioequipment abgelöst. Mit der Beyerdynamic Kapsel geht es eine hervorragende Verbindung ein. Samtige Aufnahmen. Freude beim Hören. Freude beim Sender.
Details: Ja - das iXm ist DAS Mikrofon, das ich für meine Radioarbeit verwende und auch sofort wieder kaufen würde. Es kostet derzeit hier bei Thomann 1090 Euro. Das heißt, man sollte schon Geld verdienen damit, oder jemanden haben, der dafür bezahlt. Unbedingt mit der Beyerdynamic Kapsel kaufen - die ist wirklich gut. Ich verwende die Kapsel "Niere" (Beyer C), Aufnahmebeispiele unten. Die anderen Kapseln (die von Yellowtec) habe ich auch selbst getestet, aber der Unterschied war deutlich zugunsten der Beyerdynamic Kapsel hörbar. Ich meine, wenn man den Vergleich hat - die Aufnahmen waren mit allen Kapseln gt.
Ploppen ist wie bei jedem Mikrofon ein Thema, aber völlig im normalen Bereich. Weil ich aber ohne Kopfhörer mit dem iXm arbeite, muss ich die Erfahrung einbauen und gefühlvoll mit dem Thema umgehen - das heißt: nahe ran, aber nicht zu nahe. Windschutz drauf und das Problem ist so gut wie nicht vorhanden, außer bei Plopp-Typen als Interviewpartner, die aber sehr selten sind.
Ein Rycote Windschutz für Außenaufnahmen ist immer dabei.
Die automatische Aussteuerung ist perfekt. In vernünftiger Radioausbildung lernt man, dass automatische Aussteuerung tödlich ist für eine gute Aufnahme - bei dem Mikrofon wird das aber so schlau und gut gemacht, dass man getrost darauf vergessen kann. Nämlich wirklich vergessen - weil es perfekt ist. Ich habe etwa eine "Von Leben der Natur"-Sendung über Flechten im Stadtgebiet auf einer Verkehrsinsel in Linz aufgenommen, und die Aufnahme war perfekt. Hier ist diese Sendung als vier Hörbeispiele mit unterschiedlichen Atmosphären - Nummer 3 ist die auf der Verkehrsinsel:
Ich arbeite ohne Kopfhörer mit dem Mikrofon, weil ich ihm vertraue. Das ist nämlich der einzige Nachteil - wenn man in Echtzeit mithört ("Monitor"), klingt die Aufnahme leicht übersteuert. Ich war zu Beginn entsetzt, habe aber mit einem Techniker von Yellowtec Rücksprache gehalten, und er hat mir erklärt, dass man sehr früh in der Verarbeitungskette den Kopfhörerton abzweigt, wegen der Latenzzeit (Verzögerung). Würde man später das perfekte Signal abgreifen, das auch aufgezeichnet wird, hätte man eine hörbare Verzögerung. Oder so ähnlich, klingt aber plausibel. Den Kopfhörer stecke ich also nur zum Kontrollieren an, ob ich aufgenommen habe.
Ein leicht wahrnehmbares Grundrauschen ist wahrnehmbar. Das ist aber kein Problem, weil ich das Mikrofon üblicherweise unterwegs einsetze, wo der natürliche Hintergrund dieses Rauschen weit überdeckt.
Weitere Vorteile: Akku eingebaut, plus Batteriemöglichkeit, falls der Akku nicht mehr geladen ist - was bei mir noch nie vorgekommen ist. Akku wird über USB Kabel geladen.
Wo verwende ich das Yellowtech Mikrofon nicht? Ich greife auf mein Beyerdynamic Stereomikrofon mit dem Zoom Aufnahmegerät zurück, wenn ich Stereoaufnahmen brauche. Das heißt: für die Interviews (Mono) verwende ich das Yellowtec iXm.
Weitere Fragen gerne an mich.
Ja! Natürlich. Freundliche didaktische Konzepte für freilaufende, glückliche Schüler
Das "freundliche didaktische Konzept" ist eine Marke wie "Ja! Natürlich." Es besteht aus fünf Eckpunkten, die die Idee mit je 20% stützen.
Diese Eckpunkte sind einerseits Merkmale wie die Auszeichnung von Nährwerten oder die Darstellung von ansprechenden Serviervorschlägen, andererseits auch die Vollständigkeit einer Dokumentation der Produktions- und Kühlkette sowie garantierte Schadstofffreiheit durch zertifizierte Biobetriebe.
Ziel ist, nicht einfach nur zu tun, wie man glaubt, sondern vorher den Rahmen zu überlegen, in dem man es tut. Im eigenen Unterricht, in der Fachgruppe, als Schule. Das Folgende könnte man als Checkliste verstehen. Ein "Serviervorschlag".
1) Inhalt. Was wird unterrichtet. Beinhaltet auch die Zugänglichkeit des Inhalts, Schulübung, Hausübung, Quellen für Inhalte, Abwechslung, Antilangeweile, Sprache, Verständlichkeit.
2) Form. Wie wird es unterrichtet und geprüft. Methoden und Methodenwechsel, die aus den Überthemen "Kompetenzorientierung", "Kommunikation", "Kreativität", "Problemelösen", und "Wissen und Fertigkeiten selbst konstruieren" folgen.
3) Relevanz. Macht es Sinn, zur Schule zu gehen. Nicht die Bewertung der Leistung soll im Mittelpunkt stehen, sondern die Produktion von verwendbaren Ergebnissen. Verwendbar bedeutet: für andere verwendbar, für sich selbst, für die Schule. Motivation gehört auch hierher. Sie folgt aus der Relevanz.
4) Verantwortung. Weiß jeder, was zu tun ist. Moderne Lernformen brauchen klare Strukturen und Erwartungen, die in schlanker und freundlicher Sprache vorher leicht kommunizier- und verhandelbar sein müssen. Kann sich der Lehrer immer mehr auf seine Kernkompetenzen "Zusammenhänge herstellen, Lernwege planen, Kompliziertes erklären" besinnen. Problemlösungsprozeduren sind einzuplanen und ebenfalls zu kommunizieren. Verantwortung muss gelernt werden, auch das ist im Konzept.
5) Sozialer Spannungsbogen. Kann das didaktische Konzept Selbstbewußtsein und das Bewußtsein der Selbstwirksamkeit fördern. In welcher Gruppengrößen findet Lernen statt. Variationen von "alleine" bis "alle gemeinsam". Das hilft Schülerinnen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Stärken und Schwächen bilden einen förderungsklimatisch günstigen Spannungsbogen, bei der Sprache und eigenes Forschen wichtige Elemente sind.
2013
20 schöne Metakompetenzen für die Schule
Erfinden | befreien | sich hin- und hineinsetzen | Seiten wechseln | Standpunkt formulieren | Folgen abschätzen | Interessengruppen finden | Gespräch führen | etwas verbessern | filtern und ergänzen | Trainingsplan aufstellen | sortieren | Potemkinsche Dörfer erkennen | Intrigen bekämpfen | rechtzeitig aufhören | etwas hinaustragen | aufräumen und wegwerfen | simulieren/durchspielen | formatieren | Streit schlichten
10 Elemente für eine Radiosendung
Thema – spannt den Raum auf. Muss nicht unbedingt neu sein.
Titel, Untertitel, Pressetext – grenzt das Thema ein. Sollte präzise sein.
Zugang – Grenzt den Beitrag von anderen Beiträgen zu diesem Thema ab. Je bekannter das Thema, desto neuer sollte der Zugang sein.
Inhalt – das, was man nach dem Hören weitererzählen kann. Es sollte immer etwas Neues, Weitererzählbares dabei sein.
Interviewpartner – Auswahl, Inhalt, Art zu erzählen, Blickwinkel, unabhängige Sprache.
Schnitt der Originaltöne – Wo ist der Kern, Schluss machen nach der Hauptaussage. Lange Teile besser im eigenen Text schön zusammenfassen.
Geräusche – welcher Klang ist unverwechselbar?
Dramaturgie der Beitragsgestaltung – Spannungsbogen, Genuss und Freude im Erzählen. Schauplatzwechsel.
Sprache im Text. Einfach und schön, Liebe zum Detail, keine schwierigen Schnörkel, geschrieben fürs Reden, eher Redundanz als Variation.
Überraschungen – das volle Programm. Wenn gewünscht, von 0 bis 100%.
Lothar Bodingbauer arbeitet als Radiojournalist für deutschsprachige Rundfunkanstalten und als Podcaster. Seine Spezialgebiete erstrecken sich über Themen der Wissenschaft, Bildung und Sozialpolitik bis hin zu Fragestellungen und Besonderheiten des Alltags und des Reisens.
Saisonende am Gänsehäufel
Wenn man am späten Nachmittag am Wiener Gänsehäufel an den Zehen zu frösteln beginnt, nähert sich das Saisonende. Ab 15. September ist Schluss. Und heute war wahrscheinlich der letzte Tag am Wasser.
Von Singapur erreicht man in 40 Minuten mit dem Schnellboot eine erste Inselgruppe Indonesiens. Die weit verzweigte Stadt darauf heißt Batam. Viele Fabriken gibt es hier, die Produkte herstellen, die es billig in unseren europäischen Regalen gibt - Drucker, Computer. Die Insel und ihre Umgebung boomt. Viele der Bewohner sind erst in jüngerer Zeit aus anderen Gegenden Indonesiens hier hergekommen.
2012
Fotos aus Montreal
Schicke Stadt in Nordamerika. Irritiert durch Studentenproteste. Einmal Boom, einmal Niedergang. Derzeit Boom. Aber weit im Norden. Von der Größe vergleichbar mit Wien, vielleicht mehr Vororte. Ähnlich viele U-Bahn Linien. Französische Sprache. Ein paar Fotos sind leicht zu finden. Viel Streetart. Bunt, nicht nur im Herbst.
Das Ei des Pythagoras
Wenn Sie gebeten werden, aufzuschreiben, was man mit einem rohen Ei alles machen kann, dann hätte das sehr viel mit Mathematik zu tun.
Sie können es rollen, schieben und heben; kratzen, durchpieksen, zergatschen; bemalen, polieren und umhüllen. Alleine für das Drehen gibt es drei mögliche Richtungen: längs, quer und hoch. Sie können das Ei auch veschwinden lassen, ob hinter einem Polster oder einem Buch würde ich eher als eine Möglichkeit sehen. Ihnen fallen aber sicher noch viele mehr ein.
Mathematisch zu denken bedeutet, vor Aufgaben wie dieser keine Scheu zu haben. Mathematiker versuchen nicht nur eine Lösung zu finden, sie schauen auch gerne, ob es die einzige ist.
Wenn ich Sie nun auch noch bitten würde, Ihre Liste zu ordnen, dann würden Sie sofort fragen, nach welchen Kriterien, und der Auftrag wäre, sie zu finden.
Viele der Arten der Eimanipluation sind umkehrbar, manche nicht. Die einen ändern die Farbe des Eies, die anderen nicht. Viele davon finden in der Fläche statt, manche in einer Grube. Manchmal fliegt was durch den Raum. Zeitweise ändert sich der Geruch dabei, oft auch das Gefühl an den Fingern.
Eine ziemlich spannende, erkenntniswirksame und durchaus lustvolle Angelegenheit ist es, wenn das mit einem gut ausgebildeten Lehrer angeleitet im Mathematikunterricht passiert.
Würde diese Aufgabe dort gestellt, wäre das Bildungsziel nicht die fertige Liste veschiedener Manipulationsmöglichkeiten und das Finden der einzig wahren Ordnung, sondern das Erkennen, dass Systematisieren eine gut trainierbare Fertigkeit ist, und dass es viele mögliche Arten für Ordnungen gibt, von denen man je nach Bedarf, Einfluss, oder Vermögen die eine oder andere davon wählt.
Im Unterricht würde zusätzlich die Fertigkeit trainiert, darüber zu reden, zu diskutieren, wonach man sucht, was einem fehlt, was weiterführende Fragen wären. "Fertigkeiten" werden im Bildungswesen Kompetenzen genannt. Ihre Bedeutung soll im zukünftigen Mathematikunterricht und abschließend bei der neuen Reifeprüfungung gestärkt werden.
Mathematik ist immer noch ein Selektionsfach in Österreich. Wer das Ziel nicht erreicht, wird vom weiteren Bildungsweg ausgeschlossen.
Aufgaben wie das Ei des Pythagoras verringern die Möglichkeit, mit Mathematik zu selektionieren. Das Ei des Pythagoras wäre ein Ei des Kolumbus im Bildungswesen, weil es fördern würde, statt auszusortieren. Die Eiaufgabe ist herkömmlich nicht benotbar.
Sie würden auch gerne "das Ei beschwören" ins Spiel bringen? In dieser Kategorie befänden sich auch "anbeten", "verleugnen", oder "es mit kleingeschriebenen Formeln vollzuschreiben". Alles Möglichkeiten, die zu vergessen dann doch noch zu schade wäre, stehen sie doch für die bisherige Schulmathematik selbst.
Gegenden im Osten
Was nach dem Fall des Eisernen Vorhangs blieb sind die Vorurteile. Über die Jahre haben sie sich angesammelt und sie blieben. Warum sind die Menschen hinter dem Schalter so ernst? Warum gibt es so riesige Pfützen? Wie geht es den Kindern? Eine Reise nach Perm (Russland) schafft Abhilfe, zeigt bisher unbekannte Menschen, schafft neue Bilder und neuen Raum für neue Vorurteile.
Frage des Monats: Mehrere Religionen subskribieren
Kann man sich bei mehreren Religionen gleichzeitig einschreiben? Ist das von bürokratischer Seite her möglich und ergeben sich dann auch wirklich wie gewünscht mehrere Verpflichtungen zur Kirchensteuer? Ist das von religiöser Seite her möglich? Würde sich im Schadensfall eine Religion auf die andere ausreden, oder würden mehrere Religionen gleichzeitig Hilfe anbieten? Probiert überhaupt jemand, gleichzeitig katholisch und muslimisch zu sein? Ist das eher eine administrative Sache, und wer schiebt wo warum diesem multireligiösen Subskriptionskonzept einen Riegel vor?
Erfahrungen zur Stadtmobilität neu
Ohne Auto in Wien, aber mit Smartphone. Da wird die Stadtmobilität mittlerweile wirklich interessant - und macht auch wirklich Spaß.
1) Kostenlos: Zu Fuß gehen
2) Kostenlos: Fahrrad: Citybike. Das Smartphone zeigt, wo die nächsten Räder stehen. Das Angebot wurde stark ausgebaut. Eigener Standard-Fahrradbesitz ist letztlich unnötig. Das Citybike ist gut genug. Unsere 2 Kinderräder haben's gerade gefladert. Rennrad ist leicht, darf in die Wohnung.
3) Von A nach B: Wiener Linien. Wenn ich nicht lenken möchte oder große Strecken zurücklegen will. Smartphone (Qando, Mobile Ticket): 2,50 Euro. Der reguläre Ticketpreis im Automaten: 2 Euro. Hey, Leute, soll ich in Zukunft wirklich noch ein Packerl Fahrkarten bei mir führen?
4) Von A nach B, typischer Weg: rund 6 Euro mit car2go: Smartphone (car2go) zeigt, wo das nächste Auto steht. Es ist wirklich immer eines da. Und die Parklücke kann nicht zu klein sein, passt das Ding noch rein.
5) Von A nach B, typischer Weg, mit mehreren Personen: rund 12 Euro mit dem Taxi. Smartphone (mytaxi) holt es.
Passt also alles.
Alles? Nur die Wiener Linien machen noch nicht bei dem Gesamtkonzept mit, das Smartphone zur Drehscheibe der Stadtmobilität zu machen. Sie argumentieren via Twitter, man kann mit 2 Euro 50 dafür 90 Minuten fahren - im Gegensatz zur 2-Eurofahrkarte. Man sähe es als ein Zusatzangebot. Und es gäbe ja noch die Jahreskarte. Zwei Argumente, die für mich nicht nachvollziehbar sind. Jahreskarte macht mir wie jedes Kundenbindungsprogramm keinen Spaß. Und entweder man macht das Smartphone gemeinsam mit der Wiener Linien App zur Drehscheibe, oder man lässt es bleiben. Derzeit werde ich durch die Benutzung noch "bestraft", wenn ich so, im Mix mit den andren Methoden, zur Arbeit fahre.
Langgestrecktes Nadelöhr Argentinierstraße: Fahrradfahrer sind meist zu schnell, der Weg zu eng.
Die verteidigte Ambulanz
Lego hat mit seiner Erweiterung auf automatische Waffen den Einzug des Martialischen ins Kinderzimmer geschafft. Es sind damit viele neue Kombinationen möglich, wie hier der neue Krankenwagen mit fetter Verteidigung. Wir werden dann zuhause bald über die Genfer Kriegskonvention sprechen.
Reisesendung
Meine erste Radiosendung war ein Beitrag für die Reisesendung Ambiente im ORF Programm Österreich 1. Mittlerweile sind schon viele Jahre vergangen und ich frage mich nach wie vor, was eigentlich genau in einer Reisesendung sein soll, und was nicht. Regeln habe ich keine, aber Gedanken schon.
1) Kein Beitrag über eine Stadt fängt mit einer Verkehrs-Atmo an. Es kracht genug. Verbrennungsmotoren haben als kennzeichnendes Geräusch nichts verloren.
2) Was ist ihr schönster Platz in dieser Gegend? Das ist keine gute Frage an einen Bewohner. Besser: Welche Stellen haben Sie in dieser Gegend gerne? Der Hörer soll entscheiden, ob das die schönsten Plätze sind. Oft ist wenig Zeit für Recherchen, mit der Frage nach dem Besten/Schnellsten/Großartigsten kommt nichts Gescheites raus. Das hört man nicht, aber man spürt es beim Hören.
3) Nicht einen Reiseleiter aufnehmen. Bei einem Rundgang mit anderen Touristen. Nicht. Nie.
4) In einem Museum kann man ruhig mit Mitarbeitern sprechen, über ihre Arbeit, ihren Zugang. Man erfährt dann oft etwas über den Inhalt des Museums. Es ist aber nicht so nett, den Inhalt des Museums vom Mitarbeiter zu erfahren. Das kann man als Tourist nach dem Hören der Sendung aus Lust am Reisen selber tun.
5) Es hilft schon, nicht beim ersten Mal an einem Ort eine Sendung darüber zu machen, sondern erst einmal ohne Mikrofon einfach nur Augen und Ohren offen zu halten, um zu "spüren", was die Gegend ausmacht.
6) Kein "wir" oder "ich". Warum sollte sich der Hörer für "uns" oder "mich" interessieren?
Wie geht das denn? Kerzen gegen den Glauben
Eine zugegeben härtere Ecke einer etablierten überregionalen Glaubensgemeinschaft ruft über e-Mail ihre Mitglieder auf, Kerzen gegen die Errichtung eines Klosters einer anderen etablierten überregionalen Glaubensgemeinschaft anzuzünden. Liebe Freunde, wie kann man denn Kerzen gegen etwas anzünden? Das geht doch gar nicht! Das dürften die Versenders des Aufrufs auch registriert haben, sodass wenige Zeilen darunter die Aktion präzisiert wird. Die Kerzen wären für die Erhöhung der Zahl derer, die bei der Abstimmung innerhalb der Ortsgemeinde, gegen das fremdreligiöse Kloster stimmen würden. Ein gesegnetes Bravo an dieser Stelle.
Wortwahl in Bildungsfragen
Wissen - wissen, Können - können, Fragen - fragen. Die wichtigsten Begriffe der Bildung sind Hauptworte und Zeitworte gleichermaßen. Ob das ein Test für Verständlichkeit in Bildungsfragen ist? Mit diesen Begriffen kann man aber zugegebenermaßen schlecht herumkompetenzen.
Logisch
Das richtige Weltbild ist von dem, der seines am schlüssigsten erklärt.
Vom Reden hören und lesen
Wer sich für Rhetorik interessiert und einem Gespräch zuhören will, in dem einige prächtige Tricks verraten werden, dem möchte ich die neueste Ausgabe des CRE Podcasts empfehlen: Rhetorik. Diese Sendung ist insbesondere auch für Lehrer/innen interessant, geht es auch darin um das Können, Spannung aufzubauen und seine Argumente nicht sinnlos im Mittelteil zu verheizen. Link zur Sendung: CRE Ausgabe 190
Der zweite Tipp wird besonders für Englisch-Lehrerinnen interessant sein. Der Sprachwissenschaftler David Crystal schreibt über die "verschluckten letzten Worte", in seinem Blogeintrag über Elocution - engl: die Sprechtechnik. Er meint darin, dass sehr oft die zu hohe Sprechgeschwindigkeit auf Unverständnis stoßen lässt.
ZIB Protest, Weltuntergang und die Pflichten des Nachfragens
Gestern haben die ZIB Redakteure ihr Manifest für unabhängige Berichterstattung veröffentlicht. Einen Film, der die Stimmen vieler beteiligte Redaktionsmitglieder zu einer einzigen Botschaft zusammensetzt, im Stil des großartigen Lip Dubs von Grand Rapid. Nicht ganz so optimistisch zwar, in jedem Fall aber: die Stimmung kommt rüber. Diese ORF Leute sind sauer.
Interessant dabei ist weniger der Anlass, die politisch motivierte Postenbesetzung für den Büroleiter des Generalintendanten durch den Generalintendanten, sondern die bis zu diesem Moment abwesende Öffentlichkeit an dieser Geschichte. Wieder einmal sind wir draufgekommen, dass wir uns viele Jahre vorher schon dafür interessieren hätten müssen.
Eine Parallele zum Weltuntergangsszenario 2008 drängt sich auf, das auftauchte, als der aufgerüstete Elementarteilchen-Beschleuniger am CERN mit ein paar Teraelektronenvolt mehr Energie wieder in Betrieb ging. Angeblich, so befürchtete plötzlich eine immer größer werdende Öffentlichkeit, könnten dort bei den Experimenten Schwarze Löcher entstehen, die erst Genf, dann die Schweiz, und dann die ganze Welt verschlingen.
Wir wurden bitter daran erinnert, dass wir jahrelang den Wissenschaftern dort keine Fragen mehr gestellt haben, was genau sie eigentlich machen. Wir haben das Geld überwiesen und einfach nicht mehr nachgefragt. Und dann musste man glauben, was sie sagten.
Jetzt beim Protest der ORF Redakteure ist es ähnlich. Wir haben jahrelang den Staatsfunk gefördert und betrieben, durch Gebühren, mangelndes Nachfragen und durch Uninteresse an den Mechanismen von Medien und Berichterstattung.
Ein Medienjournal, wie es etwa der Deutschlandfunk als wichtiges Werkzeug des öffentlichen Nachfragens betreibt (Markt und Medien), fehlt bei uns in Österreich. Und jetzt sind wir überrascht, dass das Ungetüm seine weitreichenden Schatten ins Land wirft. Oder besser, wenn wir daran erinnert werden, dass es diese Schatten schon seit langem gibt.
Ein Dank den ORF ZIB-Redakteuren, dass sie uns an die Pflicht des Nachfragens erinnern. 270.000 mal wurde das Protest-Video innerhalb 24 Stunden angesehen. Eine gute Medienberichterstattung wäre eine konstruktive Fortsetzung ihrer vielfältigen Stimme.
8 mal Post
Magazine, Briefe, Kataloge… Vor dem Internet bin ich einmal pro Tag mit Freude zum Briefkasten gegangen, um nachzuschauen, was da gekommen ist. Heute kann ich das 8 mal tun.
Briefkasten unten im Gang
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Zite
Flipboard
8 mal Post. Und nach wie vor schaue ich gerne nach.
Liebe Hörer/innen der Physikalischen Soiree!
Wir sind im Jahr 2012 angekommen. Seit 1997 gibt es die Physikalische Soiree. Das ist eine feine Sache, und wir freuen uns sehr. In den kommenden Wochen gibt es einige Änderungen, die einerseits im Bereich der Feinabstimmung auf dieser Seite liegen, andererseits aber auch gravierende Neuerungen: wir wollen für Schulen alternative Lernformen mit naturwissenschaftlichen Themen anbieten, andererseits auch für physikinteressierte Anfänger/innen hübsche Grundlageninformationen zusammenstellen. Und dann soll sich auch die Sendung selbst in diesem Jahr etwas wandeln, von der Berichterstattung hin zum Gespräch mit Wissenschafter/innen, die oft so weit von unseren Ohren entfernt werkeln, aber sehr interessante Zusammenhänge gut erklären können, wenn man sie nur danach fragt. Das werden wir tun!
Lassen Sie sich überraschen und schauen Sie wieder einmal vorbei. Sollten Sie den Podcast der Physikalischen Soiree abonnieren wollen, dann geht das am besten über iTunes, aber auch über jedes andere Podcast System.
Ein gutes neues Jahr wünschen Ihnen die Mitarbeiter/innen der Physikalischen Soiree.
2011
Die Post am Wiener Westbahnhof
Die Post am Wiener Westbahnhof war einmal super gut erreichbar. Beim Eingang links, von der äußeren Mariahilferstraße war es das erste Lokal, das man innerhalb des Westbahnhofkomplexes erreichte. Gut, das war in einer Zeit, da Briefe noch wichtig waren. Dann kam das wirklich üble Ausweichquartier hinten links, in der Gasgasse, wo gestern dieses Foto entstand, und nicht einen Streit habe ich dort erlebt, zwischen den angestellten Menschen und den angestellten Postbeamten.
Heute, 2011, nach der Renovierung des Westbahnhofs und der Eröffnung der geilen Shopping-Mall, ist die Post dort, wo sie heute hingehört: unbedeutend, im hintersten Eck. Der Briefschalter dann innerhalb der Post im hintersten Eck. Geschätzte Laufzeit von der Mariahilferstraße, 20 Minuten, ein Weg. Aber das hat sich ja wahrscheinlich jemand überlegt: "der Kunde soll auf dem Weg die Angebote der anderen Geschäfte nützen können". Und in der Post: "der Kunde soll auf dem Weg zum Briefschalter die Angebote des Post-Shops, sowie des BAWAG-Shops sowie des A1-Shops nützen können".
Danke, Marketing, so wird das Leben richtig einfach. Dem Stellenwert der Post angemessen, biete ich an, dass der Postbeamte nur noch einmal pro Woche kommt.
Regenwetter in Wien
Nicht, dass der Schnee in der Stadt unbedingt fehlt. Aber wir erreichen langsam den Tiefpunkt der Jahreszeit. Um 14 Uhr ist es dunkel wie nie. Drei Kerzen ins Fenster und besser nicht hinaus. Oder halt in eine Konditorei.
Der Name Jakob Ahrenberg
Zite ist ein online Magazin, das mich gerade fragte, ob ich nicht ein Profil anlegen möchte. So könne ich meine Interessen leicht speichern und auf allen Geräten zugänglich machen. Ja gerne, warum nicht. Als "echten" Namen gab ich für mein Profil Jakob Ahrenberg ein, das war der erste Name, der mir in den Sinn kam. Jakob Ahrenberg. Warum ist mir dieser Name eingefallen? Manchmal fällt mir auch der Name Hilde Spiel ein. "Wer um alle Welt ist Hilde Spiel...?", aber dies Person gibt es wirklich. Was ist also mit Jakob Ahrenberg, habe ich den schon mal getroffen? Wikipedia gibt Auskunft. Es gibt tatsächlich einen Johan Jacob Ahrenberg, einen finnischen Architekten, der schon längst tot ist, und dem ich auch nie begegnet bin. Der Mann hat ein exisitierendes Profil in Wikipedia, ich hatte nie etwas mit ihm zu tun, habe nie etwas von ihm gehört, und trotzdem fällt er mir ein. Vielleicht habe ich halt wirklich schon mal gelebt, und manchmal, ganz selten, dringt was durch. Auf der anderen Seite bin ich schon manchmal mit Finnair geflogen und wer weiß, was die so in ihren Bordmagazinen hatten. Oder es gibt noch eine andere Erklärung.
4 Podcast Tipps vom Wochenende
Es gibt doch nichts Besseres für einen sonnigen Nachmittag, als mit ausgesuchten Podcasts über die Praterhauptallee zur Donauinsel zu laufen. Folgende vier großartige Sendungen habe ich am Samstag dabei gehört:
1) SWR2 Wissen - Emilie du Châtelet (1706 - 1749): Die erste Naturwissenschaftlerin, eine Gefährtin Voltairs. Ein hingebungsvolles Portrait, mit spannender Dramaturgie und unfassbarem Ende. 30 Minuten. Link
2) BR2 Sozusagen - Anglizismen gibt es genug im Deutschen, aber wie sieht es mit russischen Worten aus? Wolf Oschlies hat ein Buch darüber veröffentlicht und spricht mit Thomas Meyerhöfer darüber. 15 Minuten. Link
3) ABC Radio National All in the Mind - Besuch im Sigmund Freud Museum. Ein überaus schönes Gespräch der Gestalterin Natasha Mitchell mit der Sigmund Freud Expertin Bettina Althoff. 30 Minuten. Link
4) Dradio Wissen - Studium der evangelischen Theorie. Svenja Üing spricht über die Inhalte und Umstände des Studiums, sowie der Arbeit danach. Solche Berufsbilder sollte man hören können, bevor man studiert. 15 Minuten. Link
Podcast Tipp: Emilie du Châtelet
SWR2 Wissen - Emilie du Châtelet (1706 - 1749): Die "erste Naturwissenschaftlerin", eine Gefährtin Voltairs. Ein hingebungsvolles Portrait von Marianne Thoms mit spannender Dramaturgie und unfassbarem Ende. 30 Minuten.
Erziehungsratgeber, Sido und Bushido
Da ist wer witzig, dort oben im Norden! Der NDR-3 Erziehungsratgeber als Podcast. Am selben Tag im Fernsehen: bei Lanz im ZDF zu Gast die Rapper Bushido und Sido. Das war eine sehr schöne Sendung. Lanz muss immer "Stopp" sagen, wie zu schlimmen Kindern. Und die anderen Gäste werden nervös, weil Bushido so böse schaut und über den Bambi was anderes sagt, als erwartet wird, aber zu erwarten war.
Technik Radio
Technische Bemerkungen - welche Hardware brauche ich für Radioaufnahmen?
Tipp: Erst einkaufen, wenn man mit einem Radiobeitrag auch Geld verdient. Man kann sich die Geräte auch ausleihen, wenn man einen konkreten Beitrag plant bzw. vereinbart hat. Wer aber gerne mit Aufnahmegerät und Mikro auf Urlaub fährt, statt mit einem Fotoapparat, dann kann dadurch natürlich einen Gleich-Kauf gut argumentieren! Link: Aufnahmebeispiel aus Schottland.
Welches Aufnahmegerät ist empfehlenswert?
Kassette, DAT, MiniDisk ist vorbei. Heute nimmt man auf Speicherkarten auf, was den Vorteil hat, dass die gesammelten Töne mit USB Kabel direkt als Daten auf den Computer übertragen werden können. Wichtig ist ein ordentlicher Mikrofonstecker (XLR, Klinke), der sich nicht ausnörgelt, sowie eine manuelle Aussteuerungsmöglichkeit. Mein Aufnahmegerät ist ein Zoom F8 Field Recorder, braucht wenig Batterien und kann auch Podcast Aufnahmen mit bis zu 8 Mikroeingängen machen.
Welches Mikrofon ist empfehlenswert?
Eine gute Wahl schlägt sich spürbar in einer guten Tonqualität nieder. Vermutlich ab 100-200 Euro wird ein gutes Mikrofon kosten. Ob Mono, oder Stereo kommt darauf an, ob man Interviews aufzeichnet (Mono) oder viel mit Geräuschen arbeitet (Stereo). Wichtig ist ein weiches Mikrofonkabel, mit einem harten gibt es schnell Nebengeräusche. Beispiele finden sich hier. Meines ist ein AKG 1000S (Mono), und ein Beyerdynamic MCE82 (Stereo). Ich verwende beide mit einem sympathischen Rycote Windschutz draußen vermeidet Windgeräusche.
Neuester Zugang: Yellowtec iXm Mikrofon mit Beyerdynamics Kapsel mit Nierencharakteristik, das das Aufnahmegerät digital eingebaut hat. Mono. Das heißeste Ding auf Erden. Gekauft bei Studer in Wien. Link zum Mic.
In welchem Format wird aufgezeichnet?
Idealerweise als verlustfreies WAV File. Etwas mehr als eine Stunde Stereo passen auf 1 GB Speicherkarte. Wenn der Speicherplatz knapp wird, kann man auch als MP3 (128, 44100) aufzeichnen, hat plötzlich 17 Stunden Speicherplatz, ist annähernd genau so gut, hat aber ein leicht höheres Rauschen.
Das soll man sich alles kaufen?
Erst wenn man damit Geld verdient, oder statt einem Fotoapparat einfach grundsätzlich gerne mit einem Tonaufnahmegerät auf Reisen geht. Hier ist ein Beispiel für so ein "Audiofoto".
Welches Schneideprogramm ist empfehlenswert?
Das ist mehr eine Frage des Geschmacks, da eigentlich alle Schneideprogramme die einfachen Schnittmöglichkeiten haben, die man für Radiosendungen braucht. Kostenlos ist Audacity, ich habe auf meinem Mac Book mit ProTools, gearbeitet, bin aber auf Hindenburg umgestiegen; der ORF arbeitet überall mit DIGAS, einige Leute arbeiten mit Adobe Audition, in die Podcast-Richtung geht Reaper/Ultraschall. Mit allen diesen Programmen lassen sich mehrere Audiofiles in mehreren Spuren auch zu komplexeren Beiträgen arrangieren. Aber mein Renner für *Radio*beiträge ist Hindenburg Journalist, ca. 85 Euro. Großartig. Macht genau was man braucht: schneiden, Clips speichern, arrangieren, Level automatisch, Blenden machbar. Empfehlung.
Wird viel geschnitten?
Für Radio schon. Zum Beispiel 76 Schnitte auf 4:20 min. in diesem Hörbeispiel: Link, mp3
Fehlt noch ein Ton?
Den kann man sich hier kostenlos ausborgen. www.freesound.org. Einige beiläufig aufgenommene Atmos von mir sind hier zu finden: www.freesound.org/people/vollkornbrot
Manuskript
Nie das, was man hört. Schlecht: "Es ist Nacht, die Hunde bellen. Sanft rauscht der Wind." - Die Hunde hört man ja bellen. Den Wind kann man schon erwähnen, weil der nicht so eindeutig nach Wind klingt.
Nie das, was man nicht geschafft hat. Angenommen man macht eine Sendung über den Straßenmeister, und ärgert sich, dass man nicht um 7 Uhr Früh da war, als alle Mitarbeiter noch da waren, und die Ausgabe der Tagesarbeit war. Jetzt sind alle weg, und irgendwie könnte das langweilig werden, wenn nur der Straßenmeister spricht, der als einziger im Büro ist. Schlecht: "Alle sind weg, nur noch der Straßenmeister ist da." (Der Hörer denkt sich: wäre doch der Gestalter früher gekommen, muss ich DAS jetzt hören?). Besser: "Alle sind weg. Es ist ruhig in der Straßenmeisterei. Endlich ist Zeit zu reden." - Da freut sich der Hörer gleich mit, und ist froh, dass er den Trubel nicht aushalten muss.
Schöne klare Sätze. Redundanz vor Varianz. Also: Wörter wiederholen ist besser, als sie zu variieren. Schlecht: "Bundeskanzler, Bundeskanzleramt, Ballhausplatz", sondern lieber drei mal "der Bundeskanzler". Schlecht: "Sonne, Zentralgestirn, Mutterstern", besser: drei mal Sonne. Eine Banalität ergibt sich erst, wenn der restliche Text nichts taugt, sonst ist es eher wohltuend, weil jedes Mal denken "Aha, Zentralgestirn = Sonne" kostet den Hörer 3 Sekunden, die er abgelenkt ist, in denen er dem Verlauf der Sendung nicht folgen kann. Das bedeutet auch: nach schwierigen Wörtern einige Sekunden leichten Inhalt bringen.
Der gute erste Satz. Wenn der nicht gut war, braucht es schon einen zweiten, der den ersten korrigiert. Und das wäre doch schade, denn sonst könnte man schon einen zweiten guten Satz weiter spinnen.
Unbedingt das Manuskript zwischendurch laut lesen. Wir schreiben für's Gehört werden, nicht für das Gelesen werden.
Verzicht auf Ironie, Sarkasmus, Zynismus und andere Stilelemente. Die sind normalerweise durch den Text nicht hörbar.
Eher lässt man nichts unausgesprochen. Anders formuliert: was gehört werden soll, wird ausformuliert.
Die Form: Wie sieht ein Manuskript aus?
Es gibt wahrscheinlich so viele Manuskriptformen, wie es Gestalter gibt. Man schreibt ein Manuskript einfach so, dass man sich auskennt, wenn man es liest. Wenn es ein Unbeteiligter liest.
Ein Manuskript ist natürlich mehr als der bloße Text, den man vor dem Mikro vorliest. Es beinhaltet Regieanweisweisungen ebenso wie die zu spielenden Originaltöne (OTs) und Geräusche (Atmos). Hier ist ein Beispiel für ein Manuskript. Die Sendung dazu kann man hier hören.
Fehlt noch ein Ton?
Den kann man sich hier kostenlos ausborgen. www.freesound.org
Einige meiner schönen Atmos sind dort zu finden: www.freesound.org/people/vollkornbrot
Gibt es noch ein paar Tipps für die Beitragsgestaltung?
Ja. Erste Ideen für Umsetzungen sind das was sie sind: erste Ideen. Die zweiten und dritten Ideen sind dann interessant.
Beispiel: Beitrag spielt in der Schule. Ich bräuchte ein Geräusch, das nach Schule klingt. Erste Idee: Schulklingel. Weg damit. Zweit und dritte Idee? Her damit.
Interviews
Wie macht man Radio? Oder Podcasts?
Freundlich sein, sich etwas erzählen lassen, zuhören, nachfragen, aufmuntern.
Interviews - Aufnahmearten
Es gibt zwei Arten von Interviews für Radiosendungen und zwei Arten von Radiosendungen: Livesendungen und Sendungen mit vorab gestalteten Beiträgen. Rechercheinterviews sind Gespräche, die man als Journalist führt, um Informationen zum Thema der Sendung erhalten, von der Person, mit der man diese Gespräche führt.
Frage: Wie welche Farbe hat Ihr neuer Esel? Antwort: Weiß!
Keinesfalls findet so etwas innerhalb einer Livesendung statt, der Hörer würde den Fragenden für nicht sehr schlau erachten. Hier hätte man besser vorher recherchiert, dass der neue Esel weiß ist, und kann die Frage darauf aufbauen.
Frage: Ihr neuer Esel ist weiß. Grau war nicht gut genug?
In Livesendungen kommt man vielleicht auch in die Situation, etwas besser vorher recherchiert zu haben, man hat es aber nicht gemacht. Da gibt es einen Trick, zum Beispiel, wenn man nicht weiß, dass der neue Esel weiß ist.
Frage: Welche Farbe hat der neue Esel für Sie?
Die meisten Interviews wird man aber aufzeichnen, um Teile (OT's / Originaltöne) daraus in gebauten Beiträgen zu verwenden. Hier gibt es sehr wohl die Möglichkeit, schon das Rechercheinterview mit Mikrofon und Aufnahmegerät zu führen - wenn das dem Interviewpartner recht ist. Manche Leute sagen, "ach nehmen wir doch einfach auf, Sie nehmen eh nur das, was Ihnen passt".
Das ist schon richtig und meist geht das auch gut. Aber schnell hat meine eine halbe Stunde Gespräch aufgenommen und die Bearbeitungszeit danach wächst fast exponentiell mit der aufgenommenen Aufnahmezeit. Die Aufnahme muss durchgehört und transkribiert oder exzerpiert werden, die richtigen Stellen müssen identifiziert und herausgeschnitten werden. Vorteil ist aber, dass man alle Informationen auf Band hat, und auch sehr wirklichkeitsnahe Aussagen hat, die nicht sehr konstruiert sind. Ein weiterer Nachteil, dass die Interviewpartner auch ermüden - für die ist das doch auch anstrengend.
Besser ist wahrscheinlich, das Recherchegespräch ohne Mikrofon zu führen, Einzel- und Besonderheiten in einem Notizbuch zu notieren, und danach jene Punkte zu identifizieren, die nur der Interviewpartner so gesagt haben kann - und kein anderer. Man formuliert zu diesen vielleicht drei Punkten drei schöne Fragen und nimmt nur diese Antworten auf. Die Interviews dauern in diesem Fall nur 10 Minuten, sind kompakt, leicht zu bearbeiten und der Qualität tut das keinen Abbruch - im Gegenteil.
Beispiel für ein Rechercheinterview mit Mikrofon: Gespräch mit dem Regisseur Markus Kupferblum, für die Sendung "der Schrei auf der Bühne". Das Interview hier ist leicht auf Versprecher geschnitten, es erzählt so viel über das Theater, dass es auch schön in voller Länge hörbar ist. Link: Lob und Tadel #008
Interviews - Inhalte
Zur Sicherheit: hier ist von Interviews für nicht tagesaktuelle Sendungen die Rede. Für Hintergrundgeschichten, für das Feuilleton, für Features, für Reisesendungen, gebaute Beiträge und gebaute Reportagen.
Alles kann man fragen, die eigenen Fragen schneidet man ohnehin raus. Blöde Zwischenfragen helfen oft: "Hä?" oder "Das verstehe ich leider nicht", etc.
Ist eine Zwischenfrage schön gestellt und passt sie gut dazu, bleibt sie drinnen.
"Was bedeutet das konkret?" ist eine der wichtigsten Nachfragen auf zu allgemeine oder abstrakte Antworten.
"Erzählen Sie mir doch mehr darüber!" ist eine der wichtigsten Aufforderungen zum Weiterreden, wenn der Interviewpartner (zu) kurz antwortet.
Wenn man nach wiederholtem Nachfragen keine klare Antwort erhält, kann man sagen: "Habe ich Sie richtig verstanden, dass … " - und dann sagt man genau das Falsche. Was dann als Reaktion kommt, kann man sicher verwenden.
Man kann das Mikrofon durchaus schon früher einschalten. Zum Beispiel, wenn man an der Haustüre anläutet und durch das Stiegenhaus nach oben geht, und an der Wohnungstür "Hallo" sagt. Das geht dann in Richtung Originaltonfeature, ist oft nett, man muss aber aufpassen, dass es auch nett klingt, Grund hat und nicht beliebig ist.
Soviel ich weiß, ist die Anwesenheit eines Mikrofons implizit mit einer Einwilligung zum Gesendetwerden verbunden - bis zu dem Moment, in dem der Interviewpartner das weitere Aufnehmen bzw. Verwenden verbietet. Nachträglich kann er das auch nicht widerrufen. Einzige Möglichkeit, für ihn nicht gehört zu werden, ist still zu sein. Sonst kann man wenigstens noch "Ich sage dazu gar nichts, und Sie dürfen das auch nicht verwenden" verwenden. Man wird allerdings bei "freundlichen" Interviews immer dem Gegenüber die Möglichkeit geben, etwas noch einmal zu formulieren, bzw. auch die nachträgliche Bitte, das so nicht im Radio zu spielen erfüllen. Man gewinnt hier auch beim Hörer nichts, wenn man hier zu platt vorgeht. Die meisten Menschen haben auch keine Erfahrung mit Medien, und wir führen niemanden vor. Anders ist das allerdings bei trainierten Interviewpartner, die partout nichts sagen wollen, aber eben doch reden wollen. Hier sind wir schon etwas schonungsloser - allerdings nur, wenn der Hörer etwas davon hat. Siehe nächster Punkt.
Nie persönliche Kränkungen in irgend einer Weise auf Sendung bringen.
Nonverbales Nachfragen bzw. Bestätigen. Alles was der Interviewende an bestätigendem "Mhm" gleichzeitig sagt, kann nicht rausgeschnitten werden. Im Fernsehen ist das der nickende Interviewende. Also: Mund halten. Nicken - im Radio geht das eben. Oder ganz entsetzt oder nachfragend schauen, wenn etwas gesagt wird, was man gerne noch erklärt hätte.
Still zu sein, nachdem man den ersten Antwortschwall erhalten hat. Nichts sagen, ist auch ein gutes handwerkliches Mittel, mehr als nur die erste Reaktion zu erhalten. Nicht nachfragen. Ermunternd anschauen, warten was kommt. Nachdenken braucht Zeit, und diese Zeit wollen wir doch geben.
Eine Frage die man stellt, braucht normalerweise keine möglichen Antworten, die man selbst als Auswahlmöglichkeiten formuliert. Also: Frage stellen und warten. Gut: "Wie geht es Ihnen jetzt zuhause in Wien nach dieser langen Reise?" Eher schlecht: "Wie geht es Ihnen jetzt zuhause in Wien nach dieser langen Reise? Sind Sie traurig, dass Sie wieder da sind, oder eh ganz froh, dass blablabla."
Interviews auf der Straße sind am besten durch die Frage selbst einzuleiten: "Ich arbeite an einer Sendung über den Mund und würde Sie gerne fragen, ob Sie mit Ihren Lippen zufrieden sind?" ist erfahrungsgemäß besser als: "Entschuldigen Sie bitte, hätten Sie kurz Zeit für ein Interview?"
Interviews - Risikogruppen
Wir sind uns ja einig, dass Interviews geführt werden, damit die Menschen über ihr Tun erzählen und oft dieses Tun auch reflektieren. Das gelingt bei Bildhauern, Handwerkern, Tierpflegern, Leute, die etwas Besonderes tun oder können meist immer gut.
Es gibt aber bestimmte Berufsgruppen, für die "Reflektieren" bedeutet, in eine artifizielle Sprache zu fallen, in ihre Berufssprache, in Nebelbegriffe, härter formuliert, in "Bullshit". Manchmal aus Absicht, oft aus Angst, etwas Falsches zu sagen, meist aber aus dem internen Stil, in diesem Berufsbereich so miteinander reden (zu müssen).
Mitarbeiter von NGOs und Lobbyingorganisationen. Sie haben oft so eine Konzeptsprache drauf, die schwer im Radio verwendbar ist. Das Problem "zu schielen" wird dann schnell zur "komplizierten Sehsituation", die jemand hat; man bittet nicht um Hilfe, sondern man bittet jemanden "bei diesem Prozess zu begleiten". Auch das "gegenderte" Reden bringt im Radio nichts. ReporterInnen: Das Binnen-I hört man ja nicht, und wenn man in einem Satz drei mal beide Geschlechtsversionen hat, kann man diesen Satz nicht mehr hören. Es gibt Alternativen, die man meist durch Nachdenken herausfindet und ja, gerne auch nur die weibliche Form.
Marketing. Pressestellen. Es geht hier darum, die strategischen Begriffe in die Medien zu bringen. Wenn irgendwann einmal dann doch ein Gespräch entsteht, und es wird ein strategischer Begriff vergessen, wird er gnadenlos nachgeschoben. Alle Eventualitäten werden bedacht. Damit man nur nicht jemanden ausschließt, damit man nur nicht kritisierter wird. Die Interviews werden dadurch meist unbrauchbar. Schade. Es wäre schön, wenn Berater den Leuten beibringen würden, dass sie für längere Radiosendungen verständliche Reflexions- und Kommunikationssprache brauchen. Aber irgendwie ist es auch klar: für Fernsehen und Extremkurzradiobeiträge müssen die Aussagen in 20 Sekunden zusammengefasst werden. Da geht's nur mit Schlagworten - die dann eben bei längeren Sendungen zu Hülsen werden.
Man selbst. Es ist nicht zu verhindern, dass man irgendwann glaubt, dass man "weiß, wie es geht" oder sich selbst im Weg steht. Dann ist Zeit, wieder ein paar Sendungen von ganz wo anders anzuhören. Zum Beispiel von der BBC - Medical Matters. Dort treten immer wieder die Reporter selbst sehr hör- und spürbar auf - wahrscheinlich hochinsziniert und vorbereitet, aber eben professionell.
Und bei Podcasts ist alles ein bisschen anders.
4 Relikte im Auslandsradio
Die deutschsprachigen Radiosendungen fremder Länder auf Kurzwelle waren immer auch eine Inspiration für neue Vokabel und Ideen. Über die Jahre hat sich das Ganze ins Internet verlagert, die Programme haben sich gewandelt. Was geblieben ist sind Themenbereiche mancher Sender.
"Hervorragende Gestalten des albanischen Volkes" stellt Radio Tirana in deutscher Sprache jeden Dienstag vor.
Über "Geschenke von Freunden" berichtet der deutschsprachige Dienst von Radio Pjöngjang (Nordkorea) in seinem Programm.
Über das "wunderbare und mutige Volk Weißrusslands" berichtet in deutscher Sprache das Programm "Belarus von A bis Z".
Über die Eröffnung einer Schmetterling-Ausstellung im kasachischen Pawlodar berichtet die Stimme Russlands auf Deutsch.
Journalismus wahrhaft
Der amerikanische Journalist Walter Lippmann riet Journalisten stets dazu, Distanz zu den Mächtigen zu wahren. Es gebe kein höheres Gesetz im Journalismus, als die Wahrheit zu sagen und den Teufel zu beschämen. (FAZ, 2011, July 14)
Missverständnis
Eine österreichische Partei setzt ein "unmissverständliches und klares Zeichen", in dem sie einen Mitarbeiter aus Partei und Parlamentsclub ausschließt. Liebe Freunde der subtilen Kommunikation: Ihr könnt ein Zeichen setzen. Ob es missverständlich oder unklar ist, klar oder unmissverständlich, das beurteilen ich oder mein Kater, der schläft aber gerade.
Fotos aus Batam, Indonesien
Ich bin gerade in Batam. Batam ist dort, wo vor kurzem mal eine Qantas Düsenteil runtergefallen ist. Das hat sich sehr schnell herumgesprochen. Was, Koffer? Ein Flugzeug ist abgestürzt? Es war dann doch nur ein Bus, der Koffer ausgeladen hat. So ähnlich wie dieser hübsche Bus hier.
Auf der Insel Belakang Padang. Es hatte vor einer Woche den ersten Tag geöffnet: "My Café". Das Café liegt auf einem doch recht entlegenen Teil einer Nebeninsel von Batam, die man durch ein schmales Boot erreichen kann, und dann nach rechts hinten eine halbe Stunde spazieren, bis übers Meer. Zur Sicherheit die Koordinate dieser netten Menschen: Google Maps.
Das Motorrad hier wiederum hat schon länger keinen Gast mehr gesehen. Es steht ein wenig vergilbt da, und wartet auf eine mitleidige Hand, einen Schwamm, Seife, Wasser und viel Schaum.
Die Hälfte Zeit des Tages ist Nacht. Das ist für mich etwas ungewöhnlich, weil wir im Sommer ja gewöhnt sind, nach Einbruch der Dunkelheit um 10 oder 11 dann irgendwann auch einmal schlafen zu gehen - zumindest unter der Woche. Aber hier fällt die Sonne um 19 Uhr ins Meer, dann ist es finster. Hier gehen wir nicht ins Bett, sondern steigen auf die Motorräder und fahren wo hin.
Ach ja, um 4 beginnt der Muezzin zu singen und der Müll zu brennen. Das ist etwas ungewöhnlich. Die Kinder hier aber unterscheiden sich durch nichts von den anderen Kindern dieser Welt. Sie stecken sich, wenn sie klein sind, die ganze Hand in den Mund, um sie von Schokolade sauber zu kriegen, und gehen, wenn sie größer sind, zur Schule.
Die meisten Rätsel lösen sich meist gut auf, wenn man sich dann irgendwann ein bisschen besser auskennt. In welche Richtung das Bemo fährt und was es kostet. Warum es so angenehm warm ist und immer wieder so gut riecht, warum man einfach über die Straße gehen kann ohne zu Tode gefahren wird. Top 1 der bleibenden Rätsel allerdings sind die Fragen, warum die Menschen so freundlich sind, warum die Zeit so schnell vergeht, und was die Steine bedeuten, die nebenan auf den Telegrafendrähten hängen. Irgendwelche Ideen?
Tag der menschenlosen Namen
Wie immer etwa um diese Zeit bedanke ich mich bei all jenen, die mir ein Mail geschickt haben, um mir etwas zu verkaufen, oder mich um Hilfe zu bitten. Lange konnte ich schon bei keiner Geldtransaktion mehr unter die Arme greifen, Penisverlängerungen scheinen auch nicht mehr zu gehen; trendig sind derzeit Anti Spam Software (!) und so kleinere Betrügereien durch Password Fishing.
Ich bedanke mich in jedem Falle ganz herzlich exemplarisch bei den wenigen von vielen, bei denen mit den schönsten Namen:
Arthur Tobias (ID 8013) marked as spam. Marcy Rey (ID 8010) marked as spam. Willis Shockley (ID 8003) marked as spam. Deon Correa (ID 8001) marked as spam. Und Salvatore Wilder, der mit der Uhr.
Schauabriss am Wochenende
Oh und da saßen wir alle am Sonntag Nachmittag in der Sonne und schauten zu, wie der große Bagger das Haus auffraß. Der Frühling kann beginnen. Beachtenswert ist das Plakat links - vermutlich von einer Schutthalde in Haiti. Who cares?
2010
Assange: 7 Demontage Strategien
Was auch immer Julian Assange (Wikileaks) getan oder nicht getan hat, bemerkenswert sind die (medialen) Ansätze, ihn zu demontieren. Man kann sich das merken, sollte man es einmal selbst brauchen, oder wenn es einen mal selbt trifft:
1) Isolieren: "Er ist ein unsozialer Einzelkämpfer, hat sich mit seinen Mitarbeitern zerstritten, kann nicht kooperieren." Bonustrack: finde einen ehemaligen Mitarbeiter, der das sagt.
2) Kriminalisieren: "Er hat jemanden vergewaltigt." Besser noch: Wenn das mehre Personen aussagen, wird aus dem einfachen Kriminellen ein notorischer. Vergewaltigung ist wirklich übel. Kinderpornografie geht auch gut. Bei Frauen wäre möglich, dass sie ihre Kinder getötet haben, bei Biefträgern, dass sie in ihrer Garage säckeweise nicht ausgetragene Post horten, bei Bauern, dass sie ihre Kühe verhungern lassen.
3) Fälschen. Keine schechte Idee ein paar gefälschte Cables in Umlauf zu bringen. Je kruder, desto besser.
4) Die Vergangenheit adressieren: "... er war schon immer ..."
5) Als rücksichtslos darstellen: Durch die Enthüllungen werden Informanten gefährdet.
6) Als ruhmsüchig darstellen: Er tut das nur, weil er eitel ist
7) Als Kontrollfreak darstellen.
Alles sehr interessant.
Tipp: Ausführliches Interview mit Julian Assage im Time Magazine.
PS: Fehlt was in der Liste?
Krieg, Angst und risikohafte Lernwege
Wir leben in einer westlichen Schuldgesellschaft. Auch bei Bildungsproblemen wird nach dem Schuldigen gesucht. In einer asiatischen Schamgesellschaft würde man zuerst die Betroffenen bedauen: Es tut mir leid. Doch daran scheint im Moment niemand zu denken. Schuld hat mit Schule nichts zu tun. Es braucht sich auch niemand zu entschuldigen. Sehen wir uns lieber den Hintergrund hier in Österreich an. Bildung geschieht in Österreich vorwiegend über risikolose Lernwege, und das vor dem Hintergrund der psychologischen Folgen des 2. Weltkriegs. Folgen für "uns", für die Angehörigen der "Verfolger". Weit hergeholt? Keineswegs. Im folgenden drei ungewöhnliche Beobachtungen und Kombinationen.
1. Lehrer der letzten Jahrzehnte sind in hohem Maße Kinder von Menschen, die den Krieg erlebt haben. Alle haben den Krieg erlebt, auch abseits der Front. Angehörige der von den Nazi deklarierten Gruppen hatten keine Chance. Die Angehörigen der Verfolger waren zwar sicher, konnten aber Fehler machen. Wer Fehler machte, wurde verhaftet, deportiert. Familie und Existenz war in Gefahr. Daher die Angst vor Fehlern. Vor diesem Hintergrund wurden die Kinder erzogen - die heutigen Lehrer.
2. Lehrer, die vor diesem Hintergrund Angst vor Risiko haben, haben auch Angst vor risikobehafteten Lernwegen. Sie wollen alles richtig machen, wollen der Behörde genügen. Sie fordern Regeln, wollen Sicherheiten, homogene Schülergruppen, die Angaben für die kommende Zentralmatura. Bei Überbelastung, die durch die geänderten Umstände an unseren Schulen rasch kommen muss, wird vor dem Hintergrund der Angst agiert - Angst, die durch ihre Erziehung die und Erfahrung von Eltern des 2. Weltkrieges in Verbindung mit Existenzverlust steht. Und schnell haben wir da auch die Aggression im Haus - Resultat der Angst vor Gefahr für Leib und Leben.
3. Lehrerbildungsanstalten und Schulbehörden werden in hohem Maße von ehemaligen Lehrern beschickt. Von Lehrern, die risikobehaftete Lernwege scheuen - richtig - weil viele von ihnen als Riskovermeider erzogen wurden. Dabei wäre Risiko - eben beim Lernen - gar nicht mehr fatal.
Angst macht keine gute Schule. Gute Schule braucht risikobehaftete Lernwege. Lernwege ohne vorgegebenen Ausgang. Mathematikbeispiele mit zu wenigen, zu vielen Angaben - wie das Leben halt so spielt. Es muss gefiltert oder vervollständigt werden. Dabei wissen wir wissen nicht, wie das Ergebnis sein wird, wie diese hochwirksamen Pfade der Erkenntis verlaufen.
1. Sichere Lehrer
2. Sichere Schüler
3. Sichere Eltern
Was Schüler und Eltern betrifft ist auch hier sehr oft die Angst vor risikobehafteen Lernwegen vorhanden. Angst, "es" nicht zu schaffen. Das ist eine Beobachtung.
Naheliegend und leicht einsehbar ist das vor dem Hintergrund von Flucht und Asysl. Hier muss etwa vor dem Lernen einer neuen Sprache die Sicherheit aufgebaut werden, die alte nicht zu verlieren. Dann ist eine sichere Existenz auch notwendig, das Selbstbewußtsein für ein Gestalten seiner Welt zu entwicklen. Angst vor Selektion macht kein gutes Lernen. Und was bildungsferne Schichten betrifft, ist auch hier die Exisitenzgefährdung die alles bestimmende Randbedingung.
Auch Universitäten bemängeln verschulte Lehrgänge, kritisieren den Unwillen der Studierenden, risikobehaftete Lernwege zu gehen, die nachhaltiger und erfolgreicher wären, als das Trampeln vorgefertigter Pfade. Die Betreiber institutionalisierte Lernumgebungen müssen gestalten, nicht verwalten, sie müssen vor allem sicher sein. Müssen das Thema Angst in ihrer persönlichen Erziehung vor dem Hintergrund des Schreckens unseres Kulturkreises, des 2. Weltkrieges auch innerhalb ihrer Familien bewältigen.
5 Regeln, um mit E-Mails schnell und effizient viel Ärger zu machen und zu kriegen
Jetzt gibt's e-Mails schon eine Weile. Praktisch. Manchmal schwierig. Hier meine persönlichen Erfahrungen wenn's kritisch wird.
1. Schreibe persönliche Kritik am besten per E-Mail, sende es kurz nach dem Moment, in dem du dich geärgert hast, dann ist der Zorn noch am frischesten.
E-Mails sind kurzfristig und schnell schreib- und verschickbar. Das verleitet uns, persönlichen Kränkungen sofort zu entgegnen. Tipp: Höchstens positive Kritik und Lob per E-Mail versenden. Alles andere nur mündlich und persönlich.
2. Leite E-Mails, die an dich gerichtet wurden, und persönliche Inhalte über andere Personen enthalten, an andere Menschen weiter.
E-Mail sind Briefe, die man schreibt, oder erhält, an eine, oder von einer Person. Andere Leute geht das grundsätzlich nichts an. Tipp: Höchstens konkrete Inhalte und Fakten ohne persönliche Zusammenhänge weiterleiten. Tipp: Es ist meist besser, Wünsche an eine andere Person in einem persönlichen E-Mail neu zu formulieren, als Wünsche anderer an andere weiterzuleiten.
3. Lese dienstliche E-Mail am besten zuhause nach 18 Uhr, das hält dich dann den Abend und die Nacht lang wach und du kannst ausführlich darüber nachdenken.
E-Mail lesen ist nicht einfach. Die Schnelligkeit des Abrufens verführt dazu, schnell noch am Abend nachzulesen, was sich so tut. Gut wenn es gut ist, schlecht, wenn es sich um Probleme handelt. Tipp: Eine hohe E-Mail Lesedisziplin entwickeln, dienstliche E-Mails erst am nächsten Tag lesen und bearbeiten. Bei den meisten E-Mail Programmen kann man dienstliche E-Mails automatisch kennzeichnen und in einen eigenen Ordner speichern lassen (ohne hinzuschauen).
4. Schreibe dienstliche E-Mail am besten zuhause nach 18 Uhr, damit alle Menschen wissen, dass du am Abend und in der Nacht noch Dienst verrichtest.
Es macht keinen guten Eindruck, spät Nachts E-Mails zu versenden. Als Empfänger möchte ich mich darauf verlassen können, dass der Versender gut und ruhig nachgedacht hat, was er/sie schreibt. Dass er schläft, um sich auf den anstrengenden nächsten Tag in der Firma vorzubereiten. Nacht-E-Mails erfüllen diese Kritierien im allgemeinen nicht, außer bei Freiberuflern. Tipp: E-Mails verschicken zwischen 6 und 18 Uhr, dann freut sich der Empfänger höchstens, wie früh man schon arbeitet.
5. Verwende die Adressfelder "an", "cc" und "bcc" irgendwie.
Nicht jeder möchte wissen, mit welchen Leuten er sonst noch in einen Topf geworfen wird ("an" und "cc"). Nicht jeder möchte sich angesprochen und aktiviert fühlen, wenn er Sachen bloß zur Info kriegt, die aber an andere gerichtet sind ("an"). Tipp: "cc" dient der Mitinformation für nicht aktiv an der Sache arbeitenden, und "bcc" schickt man entweder nur wirklich gut vertrauten Personen zum Mitlesen – das ist der geheime und manchmal auch fiese Aspekt – hauptsächlich schreibt man eben in "bcc" jene Adressaten, die man voreinander geheim halten will.
Kleines Missgeschick in der Hauseinfahrt
(Hinweis für Nicht-Wiener: Die Öko-Box ist ein häufiges Bild in Wiens Hauseingängen. In ihr werden die Tetrapacks der Haushalte zur Wiederverwertung gesammelt. Alle zwei Wochen stellt man sie vor die Tür, dann wird sie zur Wiederverwertung abgeholt. Wenn der Lebensstandard steigt, kauft man sich eine größere Karre, aber die Hauseingänge bleiben gleich schmal.)
The Last Mile: Segway Website - We know you're excited.
An dem Tag, an dem sich der Segway Roller Chef mit einem Segway Roller über eine Klippe zu Tode stürzte, zeigte ein Besuch der Website neben verständlicherweise gröberen Fehlern auch die passende Werbung: The last mile. Und: We know you're excited.
Indonesien: Bali
Es gibt Gegenden auf Bali, da fliegen die Wolken so tief, dass man glaubt, darin zu ertrinken. Vermutlich ist es so, dass diese Gegenden höher liegen, dem Himmel also auf halben Weg entgegen kommen. Wer Bilder sieht, vergisst den Lärm des Verkehrs auf den Hauptstraßen.
Weitergabeproblem
Es ist ja alles sehr schön mit den elektronischen Büchern und Apps. Aber wie kann ich sie weitergeben, wenn ich sie gelesen und gespielt habe? Weiterschenken? Verborgen? Ach ja, sie waren ja etwas billiger als die wirklichen Bücher, aber so viel billiger auch wieder nicht. Irgendwie ein Schmarrn.
Lügen in eigener Sache
Darf man auf seinem eigenen Weblog über sich selbst die Unwahrheit sagen?
Lathar Badingbauer hat für seine Verdienste um die Völkerverständigung den Friedensnobelpreis erhalten.
Lethar Bedingbauer lebt in einem Berg im oberösterreichischen Salzkammergut, aus dem er nur einmal jährlich zum Einkaufen herauskommt. Er ist jedoch über die e-Mail Adresse lebenimlochimberg@sprechkontakt.at wochentags ganz gut erreichbar.
Lithar Bidingbauer entdeckte zwölf bislang unbekannte Orchideenarten während seines dreijährigen Aufenthalts in Laos.
Luthar Budingbauer verbüßte eine zweijährige Haftstrafe wegen des Verfassens falscher Gebrauchsanweisungen.
Zur Sicherheit wegen der Suchmaschinen und dem Nichtvergessen des Internets habe ich in diesen Beispielen meinen Namen leicht geändert. Nicht dass ich das wollte, aber dürfte ich mir solchartige Lebenswandlungen selbst zusammenzimmern und veröffentlichen? Kennt sich da wer aus?
Nachricht aus Denpasar, Indonesien
Ich werde mich nie wieder über den Stadtlärm in Wien beschweren. Ich werde mich nie wieder über den Stadtlärm in Wien beschweren. Ich werde mich nie wieder über den Stadtlärm in Wien beschweren.
Alles eine Frage der Zeit
Auch in der Vergangenheit haben die Menschen vorwiegend in der Gegenwart gelebt. (Keine) Ausnahmen?
Sprachliche Neubewertung
"Potenziale" statt "Schwachpunkte". Derartige sprachliche Neuausrichtungen gibt es auch in Singapur. #isxc
Marketingleute mit Schwerpunkt "Weltweite Marke Singapur" schlagen der dortigen Beamtenschaft folgende Änderungen in der offiziellen Amtssprache vor, weil diese oft zu autoritär klänge:
Na, da wollen wir doch auch mal den österreichischen Beamtensprachschatz überarbeiten!
Stempeln --> Ausfüllen --> Abschieben --> In Verstoß geraten -->
Update 2022: "Guidelines" wird dann auch wieder in anderen Umständen druch "Operational Procedures" ersetzt, um aus einer Anregung quasi Fakten zu machen.
Selten gehörte Wortkombination
Einfühlsamer Bademeister
Zwei blöde Worte
Serviceoffensive
Heißgetränk
Menü I
Stresshäppchen
Paniksuppe mit Mobnockerl
Burnoutgulasch mit überlastetem Salat
Fluchtkuchen
Gelöscht: Facebook.
1) Ich habe nur noch in Statusmeldungen gedacht wenn mir etwas passiert ist
2) Ich wollte mich nicht mehr zum Karl machen für die 50 Mitleser, die selber zwar brav liken oder kommentieren, selber nichts gepostet haben
3) Keine Exportfunktion - meine Statusmeldungen und Fotos, mein Teillebensarchiv verschwinden in mir unzugänglichen Datenwelten
4) Hauptgrund: Die Vermischung von Freundesgruppen, die ich normalerweise völlig unterschiedlich adressiere: Neue Freunde, Nachbarbuben aus der Kindheit, Schulkollegen, Untergebene, Übergebene, Reisebekanntschaften
5) Der Entzug - war schlimm. Ich glaube nach wie vor, Freunde verloren zu haben - und das ist Grund genug für Grund 5
Kein Grund: Privacy. Im Internet veröffentlicht man da wie dort nichts, was man nicht auch am Bahnhof aufhängen würde.
Update: Einige Zeit später habe ich Facebook wieder aktiviert. Wegen der Freund:innen.
Geplante Pilgerreise
Ich möchte den Jakobsweg mit dem Segway Roller fahren. Wer kommt mit?
Offene Sicherheitsdienst-Fragen der letzten Woche
1) Wenn ein geparkte Auto Öl verliert, die Polizei informiert wird, die kommt, die die Feuerwehr ruft, die kommt, die Bindemittel streut. Schreiben die dann eine Rechnung an den Autobesitzer?
2) Wenn die Kassierin beim Spar in Auhof fragt, ob sie in meinen Rucksack schauen darf, darf sie das? Wenn ich nein sage, darf ich das? Wenn sie sagt, fragen darf sie ja, und ich darf nein sagen, warum ärgert mich das?
3) Wenn ein privater Sicherheitsdienstmann am Mozartplatz in Wien mit einer Puffe im Halfter Richtung Favoritenstraße geht. Darf er das?
PS: Wo kann man das lernen, wen kann man da fragen, was die Antworten betrifft? Müsste man das alles schon wissen?
Start in den Tag
Manchmal schaue ich in der Früh ins Facebook, um zu sehen, ob's mich noch gibt. Dann drücke ich die "Lokalisieren" Taste am iPhone, um zu sehen, wo ich bin. Dann schaue ich in ORF.ON, ob die Welt noch steht, und dann geht's los.
Google Flotte in Wien
Leute, hängt's die Wäsche rein. Die Google Cars stehen bereit, am Tag der Arbeit steh'n sie still vor dem Palais Schwarzenberg in Wien. Mit Wiener Kennzeichen allesamt. Die bleiben wohl länger... Also: Fensterputzen, Hecken schneiden, und in der nächsten Zeit nicht nackt im Garten stehen!
Bitte um mehr Knochenbrüche
Ärzte bemerken, dass die Zahl an Knochenbrüchen bei Kindern - verursacht beim Spielen - abnehmen. Dies wäre darauf zurückzuführen, dass weniger draußen gespielt werde, weniger auf Bäumen, weniger auf Fahrrädern, mit Stelzen oder auch mit Seifenkisten. Was zunimmt sei die Anzahl an Stress- und Überlastungsschäden an Sehnen und Gelenken, verursacht durch Joysticks, die Bedienung von Mäusen und einseitige Haltung. Knochenbrüche wären aber wünschenswerter, denn diese heilen vergleichsweise rasch und rückstandslos. Die Heilung von Überlastungsschäden dauert ungleich länger.
"Nature Deficit Disorder" - heißt eine Sendung von ABC Radio National aus Australien, eine Sendung von Natasha Mitchel, die sich genau mit diesem Thema der fehlenden Natur und deren Risiken beschäftigt.
Testosteronshow
Club 2 gestern mit lauter wichtigen Männern (Taus, Lingens, Steger, Androsch, Blecha, Rabl), die über einen anderen wichtigen Mann (Kreisky) redeten. Und wenn wichtige Männer wichtig reden, lassen sie sich nicht gerne unterbrechen, und so haben sie die meiste Zeit gleichzeitig geredet - außer als Androsch sprach. Die eine Frau (Pittermann) hat dann geredet, wenn es mal still war. So gut wie nie.
Alternative Teemischung (Vorschlag)
Manchmal sind die angebotenen Kräutertees von den diversen Erfindern doch mit einem Schwerpunkt auf triefende Liebe entworfen. Die Texte sind freundlich, zart, sehr vielversprechend. Da wollen wir doch nicht hintanhalten und für die härteren Teetrinker unter uns eine Mischung nur einmal als Anregung auf den Markt werfen - mit freudiger Erwartung, was es da sonst noch alles geben könnte.
Nachrichten von Sisyphos
Sisyphos wurde größer und trat den Stein mit seinen Zehen in den Boden. Als Kern einer Steinobstfrucht wuchs dieser zur Pflanze, zum Baum, an den Sisyphos eine Schaukel hängte. Die Kinder der Umgebung hatten eine Schaukel, bei der sie wussten, das einer immer da ist, der sie antauchte: Sisyphos. Er lachte, sie teilten sich die Kirschen im Sommer und spuckten die Kerne in weitem Bogen umher.
Haltungsfrage
Warum legen so viele Menschen beim Schreiben mit der Hand den Kopf schief?
Tag der Würdigung der unbekannten Namen
Es ist immer wieder schön, wie viele Namen es gibt. Menschen, die sie tragen gibt es nicht immer. Ihre Spam-Mails landen in einem Ordner, der im Normalfall ungeschaut gelöscht wird. Heute aber ist der Tag der Würdigung des unbekannten Namens. Folgende Personen haben mir letzte Nacht ein e-Mail geschickt, das in diesem Datenfriedhof landete. Ruhm und Ehre ihnen allen.
PS: Meine Favoriten sind Hannah Drusilla, Wendell Grimm und Marion Vickers. Ihnen besonderer Dank.
Neue Zahlen im Radio
Otto Brusatti korrigiert im Gespräch mit Isabel Karajan die Anzahl der Sinne auf 17-18, und setzt die Anzahl der Todsünden auf "sicher mehr als 7". Das war eine hübsche Sendung insgesamt. (Ö1 Klassik Treffpunkt)
Frage
Kann man eigentlich Löcher verkaufen, und wie packt man sie ein?
Vom Sehen und Hören
Bei der Behebung von Altersweitsichtigkeit per Lasermethode kann in Richtung "Monovision" gearbeitet werden. Dabei wird ein Auge fix auf Fernsicht eingelasert, das andere auf Nahsicht. Abgesehen davon, was passiert, wenn das eine oder andere Auge mal ausfällt, ist natürlich die Erweiterung des Konzeptes auf das Hören interessant. Das eine Ohr wird dabei auf Telefonieren/Flüstern (Nahhören), das andere auf Direkthören/Zurufen (Fernhören) eingestellt. Oder auf Musik bzw. Sprache, auf Männerstimmen (links) und Frauen- und Kinderstimmen (rechts), und vielleicht inhaltlich auf Lug- oder Trug. "Oh entschuldigen Sie bitte, Fragen nehme ich nur rechts entgegen..."
Handlungsbedarf Festplatte - gelöst
Sieht es bei Ihnen zuhause auch so aus, wie bei mir auf der Festplatte? Aber hoffentlich!
Seit Monaten arbeite ich mit DevonThink - Office - ein Programm, das sämtliche Dokumente elektronischer Natur in einem herrlichen System aus sauberen Ordner, zugänglich durch einfache Volltext-Suchanfragen, nach meinen Bedürfnissen sortiert und ständig bereithält. Großzügige Eingangskörbe stehen schon am Desktop herum, um den ersten Schwung an Einzusortierendem aufzunehmen, damit sie später in die einzelnen Gegenden des elektronischen Lebens gezogen und verschoben werden. Sucht man später was - ein Wort aus dem Inhalt des Dokumentes eintippen, fertig.
Und dann sind auch im Realen viele Alltagspapiere weg, seit nach ebenso vielen Monaten ein doppelseitiger Scanner mit dem Namen ScanSnap wie der Nimbus 5000 einen ganzen Stapel zapp zapp zapp doppelseitig als pdf samt OCR Erkennung in Volltext umwandelt, so schnell kann man gar nicht schauen. Der Scanner steht gleich neben dem Computer, ist sofort Betriebsbereit, darunter der Altpapierkorb. Die Festplatte macht dank Time Machine automatisch Backups, wenn sich was ändert.
Irgendwann werde ich den Computer samt Backup-Platte auf ein kleines Floß setzen und brennend den Ganges hinuntertreiben lassen. Das Zimmer ist dann leer bis auf die Pflanzen, das Klavier, umgebende Menschen, die Socken und ein paar ganz reelle Lieblingsbücher. Man atmet durch und pfeift ein kleines Lied.
Elia Bragagna, Sexualtherapeutin im Gespräch mit Michael Kerbler
Das Symptom ist nie unser Feind.
Stammbuch Erkenntnis
Bei Durchsicht des Poesiealbums, das man im Alter von ca. 10 Jahren führte, greift folgende Erkenntnis an: Wenn der Volksmund zur Poesie greift, greift er zuerst mal zur Moral. Einer der beliebtesten Sprüche im Album: Es ist leichter einen ersten Wunsch zu ersticken, als alle zu befriedigen, die ihm folgen.
Aber dann fällt ein anderer doch noch ein bisschen aus dem Rahmen: Man needs a little madness, otherwise he can't cut the rope to be free.
2009
Lesekompetenz
Mangelnde Lesekompetenz ist ein Hauptthema gegenwärtiger Schulfragen. Hier einige Beobachtungen, Schlüsse und Vorschläge zur Verbesserung der Problematik.
Obiges Bild zeigt zwei Selbsteinschätzungen von SchülerInnen zum Lesen. Bei der ersten ist die Lust am Lesen und die intrinsische Motivation klar erkennbar, bei der zweiten scheint das "Viellesen" eine erstrebenswerte Leistung zu sein, die zwar gefordert, aber noch nicht erreicht wird.
Weil es ein Bedürfnis ist: Weil man etwas erfahren will. Textaufgaben im Mathematikunterricht erhöhen die Schwierigkeit und stellen daher vorderhand noch kein Bedürfnis dar.
Weil es Vorbilder gibt: Wir lernen durch Nachahmen immer noch mehr als durch Anschaffen.
Weil man damit berühmt oder reich werden kann: Wettbewerbe scheinen hier sicherlich einen gewissen Zweck zu erfüllen.
Weil die erlesenen Welten sichere Orte sein können: Phantasiewelten laden heute durchaus anderswo ein, wo es früher "nur" geschriebene Heftchen und spannende Bücher gab.
Es gibt nun einige gute Gründe, warum schlecht gelesen wird. Viele der Gründe sind ablauftechnischer Natur, hier könnte man mit professioneller Unterrichts- und Lernumweltgestaltung viel erreichen. Viele der Gründe sind aber gehirntechnischer Natur, sie liegen in der Weise verborgen, wie das Gehirn den Sprung von der gehörten zur gelesenen Sprache macht. Wissen darüber hilft in besonderem Maße.
Hören I: Im Alter von 5 Jahren können Kinder aus lesefernen Gruppen einen Rückstand von 30 Millionen gehörten Wörtern aufweisen. Gehörte Wörter sind jedoch die Grundlage für das spätere Lesen, sie sind wichtig für die Entwicklung des phonologischen Bewusstseins.
Hören II: Die Harvard University hat herausgefunden, dass es in den Familien nahezu aller leseschwachen Kinder zu selten Tischgespräche beim gemeinsamen Essen gibt. Lesen beginnt vor dem Können mit dem Hören von Geschichten. Bei Migrationsfamilien sprechen Eltern und Großeltern oft eine andere Sprache. Wie soll ein Kind Vertrauen in eine Sprache entwickeln, in der er/sie der/die erste ist, der sie lesend beherrschen soll. Ein Sprachtrauma größter Natur mag hier in den Familien vorhanden sein.
Hören III: In der Schule eignen sich die Lehrinhalte vieler Fächer nicht, um Wissen zu erwerben. Physik wird erzählt, diskutiert und erstritten, das Lesen von naturwissenschaftlichen Inhalten ist nur eine seltene Ausnahme und eignet sich sicherlich nicht, das Reden und Hören darüber zu ersetzen. Sokrates hat sich dagegen gewehrt, dass seine Dialoge aufgeschrieben werden.
Hören IV: Zuhören wird oft mit Zustimmung verwechselt. In einer Zeit der Behauptung ist das tragisch. Und schon wieder fehlen einige Wörter in der persönlichen Sammlung.
Angst: Mathematik wird im Fluchtgedächtnis gespeichert, wenn man sie mit Angst lernt. Die Angst vor dem Nichtverstehen der Angabe reicht aus, um kreativ und lebendig mit der geschriebenen Angabe umzugehen.
Die Trennung von geschriebener und gesprochener Sprache: Eine der großen Tragödien der menschlichen Kulturgeschichte, nicht wegen der erfolgten Trennung, die die größten Chancen für die Weitergabe von Wissen darstellt, sondern der unüberlegte Einsatz der beiden Spracharten. Geschriebene Worte werden vorgelesen. Gesprochene Worte werden aufgeschrieben. Das kann nicht funktionieren. Wir erinnern uns, wie jemand von einem Lehrer schwärmt, den er/sie mal hatte: er/sie hat so gut erklärt. Nicht: er/sie hat so gut geschrieben. Das Hören steht an dieser bedeutenden Stelle.
Faulheit und andere Umstände: Was man Kindern nicht erklären kann/will, das sollen sie lesen. Fehlende Individualisierung kann heute nicht mehr durch "lies das mal" kompensiert werden. Schulen, die Kinder in Stammklassen zusammenfassen, in denen die Klassen wie Kasernenzimmer aufgereiht sind, in denen die LehrerInnen nach Stundenrastern bezahlt werden, haben es auch bei der Leseförderung schwer.
Der fehlende Genuss am Schreiben von Alltagstexten: Nicht alles ist Literatur. Geschrieben wird auch Alltägliches: Einladungen, Anleitungen, Aufgaben. Wenn diese schlecht geschrieben sind, werden sie nicht gerne gelesen.
Ja so ist das. So könnte es sein. Was folgt daraus?
Hörförderung ist Sprachförderung ist Leseförderung. Aktives Zuhören ist ein Kulturgut. In Deutschland gibt es die "Stiftung zuhören", u.a. werden KindergärtnerInnen ausgebildet, Kinder besser einmal klar und deutlich auf Augenhöhe anzusprechen, ohne das Gesprochene öfters zu wiederholen. Mehr dazu auch in diesen Podcasts: Seid Ohr – Wer nicht zuhört, lernt nicht lesen, schreiben und rechnen – Silivia Plahl – SWR2 Wissen vom 1.8.2009 Das Geheimnis des Lesens - Wie wir lernen Texte zu entschlüsseln – Jochen Paulus – SWR2 Wissen vom 4.4.2009 Lesen mit Spiegelneuronen – Was ist Neurogermanistik – Gerhard Lauer – SWR2 Wissen vom 4.5.2008
Über Beziehungen lernt das Kind: Aber das wissen wir ja schon lange.
Erwachsenenbildung auf jeder möglichen Ebene, um die Bedeutung des Zuhörens in den Familie zu stärken. Die Regierung von Quebec/Kanada hat einmal eine Postkartenaktion durchgeführt, bei der gezielt Postkarten in mehreren Wellen an die Haushalte von Einwandererstadtteilen in Montreal mit gut gemachten Förderungsanreizen versendet wurden. "Hören Sie ihrem Kind zu, dann wird es später viel erzählen.", "Loben Sie Ihr Kind, dann wird es Selbstvertrauen entwickeln". Grundsätzliches ist nicht zu schlecht, erwähnt zu werden. Ein weiteres kanadisches Beispiel ist die Website http://www.investinkids.ca/ mit nicht banaler Grundbildung, zum Beispiel hier.
Lernen, wo man etwas Lesen kann: das den Kindern beizubringen erscheint zumindest in höherem Alter oft wesentlicher als das wie.
Besserer Einsatz von Schulbüchern: Besonders in den Naturwissenschaften kann im Wissenserwerb das Lesen nicht das Hören und Diskutieren ersetzen.
Überhaupt: Bessere Schulbücher, sprich: bessere Texte in naturwissenschaftlichen Schulbüchern. Lektoren der Verlage sind oft entweder Germanisten ohne Ausbildung im naturwissenschaftllichen Bereich, oder Naturwissenschaftler ohne Ausbildung im sprachlichen Bereich. Aus Kostengründen. Ja. Aus Kostengründen.
Naturwissenschaftliche Texte finden sich auch an vielen anderen Orten. Zum Beispiel dieser Text von Gottfried Schatz aus der Neuen Zürcher Zeitung. Dieser Text wurde für LeserInnen geschrieben, die die Zeitung weglegen könnten. Dementsprechend gut ist er. Schulbücher dürfen nicht weggelegt werden, aber dann darf man sich auch nicht über mangelnde Leselust beklagen.
Angstfreie Mathematik: Lesen kann dabei durchaus eine Erleichterung sein. Da muss aber sonst alles stimmen. Mehr dazu in diesem Artikel des deutschen Gehirnforschers Manfred Spitzer.
Die Förderung der Muttersprache bei zweisprachigen Kindern. Experte dafür ist der Wiener Sprachwissenschaftler Rudolf de Cillia, hier ein Artikel darüber.
Die Rolle des Buchklubs der Jugend. Wettbewerbe. Förderungen. Tage des Lesens. Bücher im Fernsehen, zum Beispiel die legendäre Sendung "Fortsetzung folgt nicht" von Edgar Böhm im österreichischen Fernsehen der 80er Jahre. Hier ist die Zusammenarbeit von Kinderprogramm und Stifungen, die sich um das Lesen kümmern, besonders erstrebenswert.
Zuhören. Wer es gewohnt ist, gehört zu werden, hört später zu und liest wenn niemand spricht.
Und wie so oft in der Erziehung gibt es den Matthäus-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben. Besonders die schon gut lesenden Kinder profitieren von all diesen Maßnahmen.
Noch ein Satz ist irgendwo gestanden: Wer lesen kann, hat mehr Zeit nachzudenken.
Erfolg
Der Bausparvertrag für's Kind bringt 6 Euro Zinsen und 5 Euro Bearbeitungsgebühr.
Abschied vom Südbahnhof
Ja, es war ein rauschendes Fest gestern am Tag vor dem Ende. Jedes Alter, alle Schichten. Die An- und Abkünfte an diesem Ort waren ja auch immer gemischter Natur. Venedig, Mürzzuschlag. Nach Hause kommen.
Rechtes Nähen
Da wundert man sich, warum es beim Stoff eine "rechte" und eine linke Seite gibt, und entdeckt auf den englischsprachigen Seiten von Burda Style eine Anleitung, bei der die Seiten mit "right" and "wrong" bezeichnet werden. Oh ja, das macht dann Sinn. Aber warum heißt es dann bei uns "rechts" und "links" und nicht "rechtens" und "falsch". Oder verstehe ich da was nicht vom Grundvokabular?
Übrigens: nachdem die alte aber eben erst bei Pflänzel herrlich überholte Bernina Nähmaschine zwei Stunden angesteckt war, begann ohne weiteres Zutun der Motor zu krachen, zu stinken, es stiegen graue Wolken auf, die Sache drohte zu explodieren, man stand vom Fernsehen auf, zu dem man sich schon hingestreckt hatte, und steckte alles ab. Heute wieder alles normal. Darf man da weitermachen als wäre nichts geschehen?
Ich muss mal
... ich muss das mal aus der Sicht des Schülers sehen. Würde mir nicht gefallen so ein Platz zum Leben. Ich habe übrigens vor kurzem einen Tiergartenspezialisten gehört, der über "Verhaltensanreicherungen" bei Zootieren sprach. Vielleicht könnte man ihn einmal in Schulen arbeiten lassen?
Flugfrage
Ob eine Henne im Aufwind fliegt?
Mathematikstudium
Es gibt keine trivialen Unterkörper.
Sonderbare Bezüglichkeit
Einen Packen Packpapier in Packpapier einpacken.
Beim Essen gefressen werden.
Lehrende belehren.
Sonst noch was?
Marketing hat funktioniert
Da kaufte ich mir Handschuhe beim Eybl in der Pferdesportabteilung, dort waren sie im Angebot. Mit Pferden habe ich nichts am Hut, aber die Handschuhe brauche ich zum Radfahren, also doch: Drahtesel, halbwegs im Zielgebiet. Ich kaufte auf Kundenkarte.
Drei Wochen später: von Eybl für mich ein Pferdesportkatalog zugeschickt im Briefkasten, das Eybl-Marketing funktioniert, noch nie was haben sie mir bisher was für Pferde geschickt. Nur immer Laufen oder das andere Zeugs. Urspannend die Sachen für's Reiten. Was es da alles gibt...
Huffett Glitzer: Das Huffett mit dem Glitzereffekt, zur täglichen Pflege geeignet, hält den Huf elastisch.
Glitzerspray: Ein glitzernder und glänzender Auftritt mit dem Glitzerspray, das Spray mit Glitzereffekt macht dich und dein Pferd zum Star.
Rider's Magic. Das Power-Konzentrat für Volumen, Glanz und schnelle Kämmbarkeit.
Mähnenliquid. Wirksam gegen Schuppen, Mähnen- und Schweifscheuern.
Letzteres werde ich gerne mal ausprobieren. Oder auch mal eine Abschwitzdecke für mich. Und eine Longierpeitsche für die gegnerischen Radfahrer am Ring. Yiha!
Offener Brief, den man sich aufhob
Offener Brief an die Teilnehmerlnnen der Übungen zu […]
Es ist Ihnen vermutlich allen aufgefallen, daß ich bei der Organisation der Übungen zur Vorlesung […] keine wie immer gearteten büokratischen Maßnahmen getroffen habe, um Ihre Anwesenheit sowohl in der Arbeitsphase als auch vor allem bei den Plenumsveranstaltungen zu kontrollieren. Ich bin nämlich (nach wie vor) der tiefen Überzeugung, dass
i) die Universität ein Ort nicht nur der geistigen, sondern auch der persönlichen menschlichen Freiheit aller ihrer Angehörigen sein und bleiben muß und daß ii) ich durch genügend intensives Engagement in der Lehre zu guter Letzt auch diejenigen unter Ihnen, die augenblicklich noch den von mir bewußt geschaffen Bereich minimalen Zwanges ausnützen, um sich der mühseligen Aufgabe einer individuellen Weiterbildung durch äußere und innere Emigration zu entziehen, durch meinen persönliches Vorbild begeistern und dadurch zum Ausharren und Durchhalten bewegen kann.
Zur Bildung, insbesondere zur naturwissenschaftlichen, führt kein Königsweg, sie erfordert Zeit, Geduld und oftmals eine gewisse Härte gegen sich selbst. Nur wenn Sie eben diese Einstellung den Ihnen anvertrauten Schülerlnnen aktiv vorleben, können Sie gute Lehrerlnnen werden, welche Jugendliche durch Ihr eigenes Beispiel begeistern und damit erziehen.
Der kommentarlose Massenexodus von rund der Hälfte der Teilnehmerlnnen an der letzen Übungsstunde […] hat mir leider schmerzlich vor Augen geführt, daß mein grundlegender pädagogischer Ansatz im Rahmen des von mir persönlich einge- führten didaktischen Modells der Lehrerlnnenbildung an der Universität Wien zum ersten Mal (nach über zehn Jahren Aktivität auf diesem Gebiet) im wesentlichen an der Unzulänglichkeit der menschlichen Natur und damit an der Wirklichkeit gescheitert ist.
Ich habe einfach nicht genügend Zeit, solange in Geduld und unter Verzicht auf jegliches äußeres Disziplinierungsmittel auf Sie pädagogisch einzuwirken, bis Sie alle ohne Ausnahme die für Ihren späteren Beruf nötige charakterliche Reife erworben haben. Dabei bin ich mir sehr wohl bewußt, daß etwa die Hälfte aller Übungsteilnehmerlnnen diese Reife langst besitzt. Bei dieser letztgenannten Gruppe von Menschen mochte ich mich daher entschuldigen, wenn ich auf Grund der Verbitterung über mein persönliches Scheitern zu ganz unzulässigen Pauschalurteilen neige. Ich mochte durch meinen Brief bewirken, daß bestimmte Kolleginnen - wer das genau ist, kann niemand entscheiden außer sie selbst ganz persönlich - sich betroffen fühlen und beginnen, über ihre eigene Einstellung zu Bildungsarbeit und Selbsterziehung ein wenig nachzudenken.
Wenn sich etwa die Hälfte der Arbeitsgruppen gleichzeitig und quantitativ entfernt, ohne ihre Absicht vorher irgendwie zu artikulieren, läßt sich naturgemäß eine sinnvolle Kommunikation zwischen Übungsleiter und Studierenden nicht mehr aufrechterhalten. Ware ich ein verantwortungsbewußter Politiker, würde ich angesichts meines Scheiterns in und an einer derartigen Situation meinen Hut nehmen und zurücktreten.
Sie müßten sich dann selber um eine entsprechende Bildungsmöglichkeit kümmern. Ich vermute allerdings, daß sich etliche unter Ihnen überhaupt nicht bewußt sind, was Sie in Ihrem zukünftigen Beruf wirklich dringend brauchen. Erst wenn es zu spät ist, wenn Sie also bereits vor einer Schulklasse stehen, wird Ihnen dann (hoffentlich) klar werden, was Sie leichtfertig versäumt haben, solange Sie im Studium noch frei von den Sorgen des täglichen Kampfes mit der Institution Schule und der Auseinandersetzung mit einer (manchmal bedrohlich wirkenden) Generation von Jugendlichen waren; von Jugendlichen, die Ihnen anscheinend vielfach - aus für Sie meist nicht einsehbaren Gründen - Desinteresse oder sogar Ablehnung entgegenbringen können.
Ich glaube nicht, daß es sehr viele andere Lehrveranstaltungen gibt, welche andauernd um das Problem der (für beide Seiten lustvollen) Vermittlung von Physik an (äußerlich!) scheinbar gelangweilte oder sogar opponierende jugendliche Laien kreisen. Offenbar spielt ein solches Argument aber im pädagogischen Spannungsfeld der Universität für die Gestaltung des Zeitplanes vieler Kolleginnen keine wesentliche Rolle.
Nun kann ich aber nicht, ebensowenig wie einmal Sie als künftige Lehrerlnnen, von meiner Verpflichtung, diese Übungen weiter abzuhalten, von irgend jemandem entbunden werden. Ich stehe also naturgemäß weiter zu Ihrer Verfugung. Allerdings spiele ich Ihnen jetzt den Ball der Verantwortung zu, Ich fordere ganz explizit und bewußt von Ihnen eine Stellungnahme zu allen jenen Fragen, die ich auf dem beigefügten Blatt zusammengefaßt habe. Ich erwarte von Ihnen eine ehrliche Antwort, welche Sie bitte mit Ihrer persönlichen Unterschrift bestätigen sollen. Ich bestehe auf der Vollständigkeit Ihrer Ausführungen und werde keine einzige der gemachten Angaben weiter überprüfen, weil ich kein Untersuchungsrichter bin. Ich werde Ihren Aussagen bedingungslosen Glauben schenken und bin überzeugt, daß Sie mich nicht belügen.
Auf Grund der von Ihnen gemachten Angaben werden wir in der nächsten Übungs- stunde eine neue, präzise Geschäftsordnung der Lehrveranstaltung […] kurz diskutieren. Ich werde das für alle bindende Resultat dann schriftlich festhalten und an Sie verteilen, damit es in Hinkunft keine weiteren Mißverständnisse gibt. Ich bedaure die Notwendigkeit eines solchen, zutiefst bürokratischen Schrittes, der bei einer offenen und ehrlichen Kommunikation zwischen uns sicher vermeidbar gewesen wäre, aus ganzem Herzen, sehe aber in meiner pädagogischen Hilflosigkeit keinen anderen Ausweg.
Mit freundlichen Grüßen, […]
Farben
Es wird kalt und die Leute ziehen Schwarzes an. Der Katalog von Land's End kommt ins Haus, die Farbe für Männerjacken: Sattelbraun.
Fernsehen update
Im Bayerischen Fernsehen ein bayerisch-türkischer Kochkurs. Mutig. Mit Gernstl. Der Mann kann's. Ein Genuss. Zur selben Zeit sitzen Krassnitzer, Pröll und Thurnher in der prallen Sonne und reden was.
Einfach Frage - komplizierte Antwort
Im schlechtesten Fall ist das eine Entwicklung, die auf die Zukunft gerechnet nicht 100%-ig auszuschließen ist. (Direktor der Hagelversicherung)
Vermutung: Er meinte "ja" auf die Frage, ob Dürrekatastrophen in Zukunft nicht mehr versichert werden können.
Nach Venedig ist's nicht lustig
Da fährt man in so einem Depressivenzug in der Früh von Wien Süd in Richtung Venedig. Die Leut' hängen rum, saufen und verschütten Bier im Speisewagen in aller Früh, den Kellner schmeißt's und ein Mr. Allknow erklärt den Umliegenden die Welt. Im Abteil lehnen alle in einem Eck und irgendwie könnten wir da ein wenig Heiteres vertragen. Aber bloß keinen Animator.
Elektronischer Abschied
Heute in einem e-Mail folgende total hübsche Schlusszeile gefunden: Mit total freundlichen Grüßen, Barbara C.
Anderer Ton
Ein Angestellter der türkischen Botschaft tauscht über die Lautsprecheranlage im Innenhof, wo sonst Visaanwärter stehen und streng adressiert werden, Zärtlichkeiten mit der kleinen Tochter des Hauses aus. Eine herrliche Abwechslung für angrenzendes Wohnen.
Himmlisch
Ich bezahle für meine private Rechtsschutzversicherung ungefähr gleich viel wie Kirchensteuer. Ob es da einen Zusammenhang gibt?
Erfahrungsbericht Mathematik Vorlesungen
Die MathematiklehrerInnen am Abendgymnasium Henriettenplatz in Wien halten die Mathematikstunden für die Erstsemestrigen in Vorlesungs- und Übungsform ab. Nach den ersten vier Vorlesungen für alle 120 Zuhörenden haben sich die folgenden bemerkenswerten Punkte herausgestellt.
1. Halte nie eine Vorlesung, die Du nicht zur Gänze vorher durchgeführt hat. Jedes Beispiel, jede Idee muss eigentlich vorher durchgesprochen werden. Während der Vorlesung gibt es genug zu denken und zu tun, es bleibt dabei keine Zeit, eigene Unklarheiten zu beseitigen.
2. Plane zwischen den Hauptpunkten der Vorlesungen kurze Erholungspausen ein, in denen nicht viel passiert. Eine Sprechpause, eine kleine Geschichte, eine Überleitung. Diese Zäsuren sind für die Zuhörenden äußerst wirksam weil erholsam.
3. Gib einen kurzen Überblick zu Beginn, worum es in der Vorlesung gehen wird. Diese Inhaltsübersicht hilft den Zuhörenden einzuordnen, was sie/ihn erwartet.
4. Plane Stellen ein, in denen Du während der Vorlesung kürzen kannst. Erfahrungsgemäß wird man diese Stellen brauchen. Auf der anderen Seite schadet es nicht, eine kleine Geschichte für den Schluss aufzubewahren, die nur dann erzählt wird, wenn sie auch gebraucht wird.
5. Sei Dir im Klaren, ob Deine ZuhörerInnen mitschreiben wollen oder nicht. Bei besonders wichtigen Beispielen lasse genügend Zeit, damit das Vorgetragene wirken kann und aufgeschrieben werden kann, wenn das jemand will.
6. Eine Motivationsgeschichte zu Beginn bindet die ZuhörerInnen emotionell an das Vorlesungsgeschehen.
7. Warte bei Fragen an die Zuhörenden die Antworten ab. Wenn die Vorlesung mit Mikrofon oder Video aufgezeichnet wird, wiederhole die Antwort, damit sie auch für die später Zusehenden hörbar wird.
8. Oh ja, und wenn du Fehler machst, überlege dir, wie du das in der Aufzeichnung kennzeichnen willst, bzw. was du den Zuhörenden und für's Band in Echtzeit sagen könntest.
Buchstaben
"In Wien und Berlin werden kyrillische Buchstaben nicht als Bedrohung aufgefasst." — Dirk Merbach, Gestalter des neuen Falter Layouts, Die Zeit, 18. Sept. 2008.
PS: Wenn man Zeitungen liest, die 5 Monate alt sind, und es fällt einem gar nicht auf, wird wieder alles ziemlich spannend.
Zufall in der Wetterkunde
Der Meteorologe, ein Experte für die Windsysteme des Mittelmeers, wird mich heute in München zum Interview in einem roten Golf oder hellblauen Passat abholen. (Ob er auch schon einen Scirocco in der Garage hatte?)
Literatur
Der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß hat "eine ererbte Symathie für Scheiternde. Es ist nicht Aufgabe der Literatur, Siegernaturen noch einmal zu feiern." – (Die Presse, 14. Feb. 2009)
In der Post was zum Trinken
Wir kennen die Frage beim Bäcker, wenn man eine kleine Jause kauft: "und auch was zum Trinken?". Das ist Marketing, hier kann man noch ein paar Prozent Umsatzsteigerung herausholen. Irgendwie haben das jetzt die Leute in der Post spitzgekriegt. Man gibt einen Brief auf, in einem großen Kuvert. Die Frage: "... wollen Sie ihn vielleicht nicht Einschreiben schicken?" Yeah!
Diagonale
Der Nachbar über der Straße hat einen Fernseher, der auf diese Entfernung für uns ein größeres Bild macht, als unser kleiner Schirm quer überm Sofa. Der Nachbar schaut aber leider nicht immer das gewünschte Programm.
Treffsicherlich
Das Mitteilungsheft heißt im Kindssprech Wichtigheft. Dieses Wort wird leider niemals in ein Verzeichnis aufgenommen werden - nicht einmal für das Unwort des Jahres wäre es Kandidat.
Mhmmm!
Ich finde Gefallen an diesen unbekannten Beeren, die da plötzlich vom Himmel fallen und zerquetscht in irgendwelchen Smoothies landen. Heute: Die Boysenbeere. God knows where they come from and how they look in real life...
Verständnisfrage
Man hört in einem Interview, dass viel zu wenig um Entschuldigung gebeten wird, sondern vermehrt nur ein "Tschuldigung" ausgesprochen wird. Das ist nicht allzu tragisch. Man weiß ja, was gemeint ist. Schwieriger ist, wenn in Lautsprecherdurchsagen öffentlicher Einrichtungen nach der Bekanntgabe von Problemen für unser Verständnis gedankt wird. "Wir bitten um Verständnis", wäre hier wohl besser. Der Dank käme dann danach - sofern nicht der Fall eintritt, dass die Betroffenen sauer sind, und leider kein Verständnis haben. Denen aber gleich voraus zu danken ist schlechter als ein bloßes "Tschuldigung".
Update: Es heißt richtig "Zotige Schnurre". Bitte dringend um Beispiele, wer eine zotige Schnurre zuhause hat.
Update (danke Klaus Brandl): Eine zotige Schnurre wird zum Beispiel bei einem 50-jährigen Geburtstag erzählt, eine Geschichte über den Jubilar mit anrüchigem, aber liebenswertem Hintergrund. Die z. S. wäre daher sauberer bzw. harmloser als ein schmutziger Witz.
Unterhaltung
... und dann hat mich der GZ-Lehrer gefragt, wie ich zu GZ stehe, und ich hab gesagt "na ja", da habe ich einen Dreier bekommen. Und die anderen haben gesagt "ganz gut", die haben einen Zweier bekommen. Na, hätt ich sagen sollen "schlecht"? Dann hätt ich wahrscheinlich einen Fünfer bekommen ...
Sätze, die selten genannt werden
Er hat ihm nicht nur Sand in die Augen gestreut. Schraube bitte eine neue Glühbirne raus. Dreh den Fernseher um! Geh mir in den Weg!
Wir müssen Ihnen also diese Missverständnisse in den Weg räumen. Sie trank so sanft.
Könnten Sie bitte etwas schneller sprechen? Ich verstehe Sie zu stark.
Der Deckel passt nicht! Der Deckel passt fast! Der Deckel passt!
Vorrat
Donnerstag: "Europa sitzt in der Kältefalle" Freitag: "Europa in der Kreditklemme"
Für die Samstag schlagen wir der Presse etwas mit "Europa" und "Presse" vor, dann hätte wir noch eine "Europa" und "Quetsche" Verbindung für den kommenden Montag, aber ab Dienstag hängen die Kollegen dann in der Schlagzeilenenge.
Illusionenza
Ich bin in eine Illusion getreten. Sie lässt wieder ihre lllusionen zum Fenster raushängen. Die gröbsten Illusionen hat er leider noch vor sich. Zuviel Illusionade getrunken. Er hat die ganze Zeit Illusionetten gemampft. Oh, was sind Sie von Beruf? Illusionatiker. Illusiopath? Ach, ich dachte er sei Illusionateur. Eine illusionistische Haltung wäre nun absolutiv verfehlt. Da liegt ein Illusionasmus vor. Illusiotrop, wasserdicht, in alle Richtungen. Der Arme, er illusioniert wieder. Da müssen wir noch einmal drüberillusionieren. Gib noch etwas Illusionat rein! Diese Angelegenheit erfordert eine sofortige Illusionative. Sie hat sich wiederholt illusioniert. Die Sache geht leider in die nächste Illusionanz. Ach ist der Kleine süß... Ja, er heißt Illusius! Machen Sie sich hier mal lieber Illusionen. Wir sind hier von einer illusionistischen Umzäunung umgeben. Nicht zu überwinden. Ja, sie muss endlich ihre Illusionen unter Kontrolle kriegen. An der dritten Illusion rechts abbiegen. Nein, Sie müssen erst über die anderen beiden Illusionen drüber und dann rechts.
Und Achtung: Zwischen ... und ... liegt ein toter Greifvogel auf der linken Spur. Fahren Sie bitte vorsichtig. (Bayern 3 Verkehrsdienst) - Um ihm nicht weiter zu schaden.
Frisch und munter
Kaum kommt die Sonne raus, räumt der Bäcker in der Auhofstraße die Tische auf's Trottoir und es gibt Frühstück bei -8°C. Bravo! (Das Wasser im Glas hält sich in diesem Aggregatzustand wahrscheinlich 10 Minuten.)
Und wieder neue Namen für die Züge
Auch auf der letzten Fahrt mit der Bahn beeindruckende Namen von Schnellzügen im Fahrplan gesehen. Neben Dauerbrennern wie EC Transalpin stammen folgende Lichter der Namensgebung aus dem aktuellen Fahrplan:
IC easybank
EC Urlaub am Bauernhof (kennen wir schon, ist sympathisch)
IC auslandssemester-info.at
EC Industrieland Österreich (das ist aber wirklich schön)
IC Die Kurzentren Österreichs
EC SUPERFUND (ja, großgeschrieben)
IC EurothermenResorts (ja, zusammengeschrieben)
EC LA REDOUTE - Modetrends (ja, gemischt geschrieben)
IC Alpentransitbörse (Killer!)
EC Samariterbund (vergleichsweise zahm)
IC Linz 09 Kulturhauptstadtstadt Europas (musste kommen)
IC ALPENKONVENTION (oder ALPENKONVEKTION, ich weiß nicht mehr genau)
und
IC Österreichischer Städtebund (OK)
Danke vorerst für diese Auswahl. Diese Züge fahren alle irgendwie auf der Westbahn herum. Man möchte noch folgende Namen vorschlagen, sollten einmal welche gebraucht werden:
IC Wurzelspitzenresektion
EC Panikattacken 2009
EC Geriatrische Chance
IC Bacteria Coli
IC Zwangsausgleich
EC Innerer Rückzug
IC Nagende Eifersucht
EC Binomialkoeffizient (oder auch EC Lehrsatz des Pythagoras)
EC Klamm&Heimlich
IC Langsame Fahrt
EC Schlafender Hund
IC rotten.com
IC Oh Du Mein Held
IC Ctrl-Alt-Del
und
IC IC IC oder eventuell IC Eurocity-Intercity
Um weitere Anregungen wird gebeten. Vielleicht leisten wir uns mal einen Schnellzugnamen für ein Jahr. Ich wär für EC Rambazamba. Oder IC El Karacho (siehe Kluge Etymologisches Wörterbuch 24. Auflage). Mal schauen, was das kostet.
Modern auf Reise
Mit Kindern auf Reise entlang der Donau im Zug. Leichte Müdigkeit, Langeweile, das Notwendige schon gemacht, das Müßige erledigt. Doch dann die Idee. Das Telefon verbindet sich mit www.sagen.at und holt flugs in den Zug eine Sage von der Donaunixe im Strudengau, die den verirrten Fährmann sicher geleitet aus Dank, da er sie vor Verspöttern bewahrte. Das Bild einer Briefmarke ist beigefügt. Wie praktisch. Suchen kann man die Sagen nach Ländern und Landstrich.
Aufgabe
Bringen Sie die folgenden Begriffe in die richtige Reihenfolge:
Grotesk, absurd, kafkaesk, perfid, frugal.
2008
Ferne Feunde
Da hat man einen Menschen aus dem Netz gefischt, mit dem man nichts gemeinsam hat bis auf den Familiennamen und dass man auf der selben Erde wohnt. Aus Brasilien schreibt sie - und nach maschineller Übersetzung muss man sich freuen: “…für den Herrn auch ein schönes Jahr und ein frohes Weihnachtsfest! und dass all Ihren Wünschen durchgeführt werden und eine große Umarmung!”
Holocaust Dance
Goyang City, Korea. Grand Prix Finale im Eiskunstlauf, das Paar tanzt zur Titelmelodie von Schindlers Liste.
Geisterzug
Einige neue Railjet Züge der ÖBB stehen schon etwas in den großen Bahnhöfen herum. Sie sind hübsch beschriftet - Economy steht in der Mitte drauf - und vorne dran die fesche Lok: Spirit of Vienna. Jede neue Sache bringt die Gelegenheit für neue Namen, und war der Intercity "Innere Sicherheit" schon ziemlich cool benamed, freuen wir uns schon jetzt, was da noch kommt. Übrigens: Fahrkarte heißt derzeit Ticket, und die Nachtpost am Westbahnhof "Center Filiale". An manchen ÖBB Mungos steht außen "Cleaning" drauf, an anderen "Security". Die Wachmungos am Südbahnhof hießen mal "Service und Sicherheit", aber das war nicht so cool.. Jetzt kommt der Schaffner. Mal fragen, wie er derzeit heißt.
Erinnerungen
Man erinnert sich daran, dass am Linzer Bahnhof in der Männertoilette ein Elektro-Rasierer für alle (männlichen) Reisenden installiert war, der sich mit UV-Licht wieder säuberte.
Verkehr
Die Autobahn ist jeder Laster Anfang.
Hans Kumpfmüller
Anfänger
Als einer, der früher gerne "Russisch für Anfänger" geschaut hat, fällt mir heute auf, dass ORF 1 am Samstag um 12:50 eingequetscht zwischen zwei amerikanischen Soaps "Türkisch für Anfänger" ausstrahlt. Und das ist doch bemerkenswert, wo "Heimat - fremde Heimat" üblicherweise gegen 3 Uhr Nachts angesiedelt wird.
Warum, warum, warum?
Warum gibt es keine Schispringerinnen?
Weihnachten steht vor der Tür
Heute dachte ich zufällig daran, dass ich vor einigen Jahren am 26. Oktober die erste weihnachtlich geschmückte Auslage des Jahres gesehen habe, beim Herzmansky. Da dachte ich einen Moment daran, ob das heuer auch wieder so sein wird. Nationalfeiertag ist Weihnachtsschmuckbeginn.
Nein, diesmal wars zwei Tage früher, heute am 24. Oktober, flatterte ein e-Mail ins Haus. Es geht also los!
Wieder einmal Club 2
Jörgl, schau oba. Die Frau M. ist gar nicht blöd, und der Herr R. macht eine hübsche Unterstellung: "Ihre Formulierung ist doch ein Angriff auf Ihre eigene Intelligenz". Der Herr B. nicht so sehr sympathisch, und der zugeladene Korrespondent spricht fast unverschämt direkt. Frau Sch. wehrt sich trefflich, und der Herr Diskussionsleiter weiß, wann man sich zurücknimmt, und wann man mitredet: "Wenn beim Bauern die Kuh hin war, war er mit der neuen Kuh da"... "Haider war ein verhunztes Genie" - sagt Herr R.
Gut zu lesen immer wieder: Lichtenberg
Es ist ein großer Unterschied zwischen etwas noch glauben und es wieder glauben. Noch glauben, daß der Mond auf die Pflanzen wirke, verrät Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben zeugt von Philosophie und Nachdenken.
Weitere Aphorismen Lichtenbergs gibt es hier.
Wahlausgang
"Das Irrlicht ist wieder da - Jörg Haider."
Neue Zürcher Zeitung vom 29.09.2008
Erigierte Wahlkrawatten
Letzte Elefantenrunde im österreichischen Fernsehen am Donnerstag Abend mit allen Spitzenkandidaten für die Wahl am Sonntag. Bemerkenswert war die Menge an hoch & breit erigierten Krawatten samt Knoten, die diese Männer aller Farben zur Schau stellten. Die/den größte/n hatte der Herr rechts. In der Mitte, stellvertretend für uns alle, die Moderatorin.
Wortbedeutung Fummel - Nachhilfe gesucht
Da geht man am Schaufenster eines aufgelassenen Geschäftes vorbei und wundert sich, was genau eigentlich Fummel ist.
Sozialisation mit Fahrer
Wir alle sind in Bussen, Zügen, und von mir aus auch auf Schiffen und in Flugzeugen groß geworden. Was auch immer geschah, der Fahrer war mit dran. So hat man ein Vertrauen in Risiken, den Fahrer und das Gefährt selbst entwickelt, das bei der Mitfahrgelegenheit in Finanzvehikelkonstruktionen derzeit durchaus fehlt.
Was man als König darf
Carl Gustav, König, Schwede und Pfadfinderkonferenzchef, möchte während seines Wienbesuchs im Zelt schlafen. Darf er nicht. Zu gefährlich. Armer König.
Quelle: Ö1 Nachrichten 9 Uhr
Wandlung
Es ist interessant, dass jener Mann in unserem Haus, der als Arzt sein Leben lang Weiß getragen hat, seit seiner Pensionierung ausschließlich in schwarzer Kleidung zu sehen ist.
Wortwahl im Fehlerbereich
Da wundert man sich immer wieder, dass Marketingstrategen durch geschickte Wortwahl Fehler der Firma gerne dem Kunden verantworten. Oder zumindest eine Teilverantwortung in die Schuhe schieben wollen. Da bekam man einen Brief der Telefonkompanie, dass ab nun die Rechnungen nur mehr an die komische e-Mail Adresse geschickt werden, die man bei denen automatisch erhalten hat. Man soll sich doch melden, wenn man die Rechnung per Post weiter will. Tat man. Erhielt man den folgenden Brief:
Mit Ihrer Rechung wurde Ihnen mitgeteilt, dass Sie die nächste Rechnung nur mehr in elektronischer Form erhalten. Diese Information ist nicht richtig, Sie erhalten weiter in gewohnter Form die Rechnung in Papierform. Wir möchten uns für das Missverständnis entschuldigen. Mit freundlichen Grüßen ...
Der letzte Satz verwendet das Wort Missverständnis. Zu einem Missverständnis gehören zwei Leute - einer der meint - und der andere, der fälschlicherweise was anderes meint. Nein nein, es war ein Irrtum der Firma, kein Missverständnis von welcher Seite auch.
Pingelig? Mit Sicherheit. Ich höre aber auch lieber das Wort "Ladung" statt "Einladung" zu einer Veranstaltung mit Anwesenheitspflicht...
Wirklich sehr zufrieden - erste Ansätze
Sehr geehrte Damen und Herren, ich würde Ihr Angebot YY gerne nutzen, bin aber mit den allgemeinen Bedingungen nicht einverstanden, dass Sie mir "rechtlich bedeutsame Mitteilungen auch über SMS senden" wollen. Ich hätte solche gerne per Post. Wenn Sie das ändern wollten, bin ich gerne dabei. Mit freundlichen Grüßen, LB
Lieber Herr LB,
es tut uns sehr Leid, dass Sie mit den Bestimmungen für YY nicht zufrieden sind.
Wir arbeiten ständig daran, dass Sie sich bei uns gut betreut fühlen. Mit Ihren Ideen und Anregungen helfen Sie uns, Ihren Wünschen näherzukommen und unser Service für Sie zu verbessern.
Kundenzufriedenheit hat für uns oberste Priorität!
Wir arbeiten deshalb ständig daran, dass Sie sich bei uns gut betreut fühlen. Mit Ihren Ideen und Anregungen helfen Sie uns, Ihren Wünschen näherzukommen und unser Service für Sie zu verbessern.
Eine Änderung der Bestimmungen für YY ist derzeit aber nicht geplant. Sollten Sie noch Fragen haben, sind wir gerne für Sie da!
Haben wir Ihre Anfrage zu Ihrer Zufriedenheit erledigt?
[...]
Freundliche Grüße
Steyr Bahn - lobende Erwähnung
Wir bedanken uns beim Bahnhofsvorstand in Steyr, der bezüglich einer Verspätungsdurchsage durch die Lautsprecher nicht wie derzeit an den Bahnhöfen üblich für das Verständnis dankt, sondern um Verständnis bittet.
Die Dame vom Empfang
Nicht, dass man es den Häftlingen nicht vergönnen würde: Helene Pigl, die Leiterin des Polizeigefängnisses des Wiener Landesgerichts war früher Rezeptionistin im Hilton der selben Stadt. Früher sah sie zu, dass die Leute hereinkommen, heute, dass sie nicht rausgehen. Dazwischen blieb alles gleich: sie blieb im Beherbergungsgeschäft.
Ihr Motto - zugegebenermaßen aus dem Zusammenhang gerissen: "In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst." Im Interview mit dem BahnReiseMagazin antwortet sie auf die Frage, ob es nicht seelisch sehr belastend sei, täglich mit vielen Schicksalen konfrontiert zu sein: "Ja, anfangs nimmt man sich das sehr zu Herzen, weil man dazu neigt, Menschen vieles zu glauben, was sie einem erzählen. Mit der Zeit lernt man, Geschichten durch den nötigen Filter zu betrachten, genau zu hinterfragen und auch seine Meinung dazu zu äußern. Damit ermöglicht man Betroffenen, ihr Leben aus einer anderen Perspektive zu reflektieren."
Diese Redewendung darf man sich merken. Wenn man angelogen wird, sagt man "erzähl das wem anderen" und dem Lügner wird dadurch "ermöglicht, sein Leben aus einer anderen Perspektive zu reflektieren". Auf Wienerisch geht das zusammengefasst einfacher mit: "Geh, erzähl ma ka Gschicht."
Namen aus Österreich
Statistik Austria hat gerade die beliebtesten Namen des Vorjahres veröffentlicht. Nichts Ungewöhnliches, aber bei den Mädchennamen fällt auf, dass 4 der 10 beliebtesten mit "L" beginnen. Le-Le-La-Li. Warum bloß?
United Kingdom revisited
Da kommt man nach 10 Jahren wieder einmal nach Großbritannien und bemerkt mit Interesse ...
... daß in Bahnhöfen auf Schildern unsoziales Verhalten auch offiziell nicht geduldet wird.
... daß bei Rauchverboten nicht nur der Raucher, sondern auch der, der es duldet, bestraft wird. Darüber hinaus wird am Schild angeboten, den Raucher zu vernadern.
... daß die Anzahl der Überwachungskameras wirklich mächtig zugekommen hat.
... und dass trotzdem in einem Londoner Stadtteil zwei 14 jährige Mädchen Polizisten kratzen und beißen, weil sie von ihnen aufgefordert wurden, Papierl aufzuheben, die sie auf den Boden geworfen haben.
Sonst ist alles aber beim alten, hier in diesem schönen, großzügigen, linksfahrenden Land.
Gedicht über's Gedicht
Ich mag Gedichte meistens nicht, Weil sie so kurz sind. Mir fehlen viele Worte drin, Im Wortedschun-Geldicht.
Ich mag jedoch die Menschen gerne, Die diese Dichte schreiben. Sie erzählen nämlich oft sehr gerne, die vielen Zwischenräume.
Es geht um den Zusammenhang, Und diesem erst entrissen, Bleibt das Gedicht ein nacktes Ding. Verglichen mit des Schreibers Wissen.
In vielen Worteschunkel-Dichten, Freut mich das Lesen nicht, Ich hör sie viel mehr gerne an, die so geschriebenen Geschichten.
Lösung der Aufgabe Nr. 67 aus: Kreatives Schreiben, 111 Übungen, Reclam. "Schreibe ein Motivationsgedicht".
Spannender Dienstweg
In der Schweiz ist gerade der 91-jährig der Schweizer Schriftsteller Gerhard Meier verstorben. Er habe sich, so sagte er selbst, nur an den "Dienstweg" gehalten, als er sich vom Provinzler zum Weltbürger entwickelte, schreibt sein Kollege Adolf Muschg. So haben interessante Dienstwege auszusehen, mit Verlaub. Eine der Stationen auf Meiers Dienstweg war die Position eines Lampendesigners. Erst mit 40 Jahren begann er zu schreiben, zunächst mit Gedichten, dann sein Hauptwerk: die Amrainer-Tetralogie. Einer seiner Romane ist fast ganz im Konjunktiv gehalten. Seine schönsten Texte habe er dem Wind anvertraut. Eine Würdigung des Schriftstellers brachte die NZZ in ihrer Ausgabe vom 23. Juni 2008 auf Seite 25. Ich weiß, das nützt nicht viel, wenn man sie wirklich lesen will, aber verglichen mit Online Würdigungen schlaffen diese weit ab.
Dein Freund - die Polizei
Da hat es doch einmal den Slogan "Die Polizei - dein Freund und Helfer" gegeben. Ist das noch aktuell? Ich meine, gilt das noch? Oder wurde der - wie die Schulmilch - irgendwann klammheimlich eingestellt?
Reisekrankenversicherung - früh schlafen gehen
In den Ausschlussbedingungen der österreichischen Ärzteflugambulanz wird festgehalten, in welchen Fällen bei Reisen kein Versicherungsschutz besteht. Neben Terrorgefahr und bakteriologische Kampfstoffe steigt die Versicherung auch bei Ereignissen aus, die infolge von Übermüdungs- und Erschöpfungszuständen eintreten. Also: nicht zu lange wegbleiben im Urlaub am Abend, und brav früh schlafen gehen - sonst kann man unangenehm erwachen.
Fußball - alt und schnell
Viele Fenster in unserer Gasse sind geöffnet, und Nachbarn schauen Fußball. Aber irgendwie ist die ganze Gasse nicht synchron. Wir schreien 5 Sekunden früher. Immer. Jetzt habe ich herausgefunden warum: wir haben Fernsehen über das Telekabel analog. Sie schauen digital. Scharfes Bild. Aber immer hinten. Hehe! Wenn's drauf ankommt, schreien wir als erstes in der Gasse. Tipp: Abrüsten, liebe Nachbarn, für's Endspiel!
Intrige und die Einsicht umzukehren
Der Kärntner Bischof Alois Schwarz wird vom Standard gefragt, ob es eine Intrige gegenüber seiner Person gäbe. Dessen Antwort: "Das ist keine Intrige. Für mich sind das Leute, die in kritischer Solidarität mit mir um die Diözese ringen." Großes Kompliment. Kritische Solidarität statt Intrige. Aber vielleicht hat er ja recht!?
Es gab da auch einmal einen Innenminister, der Menschen einlud, an der Grenze umzukehren. Nach draußen selbstverständlich. "Wir laden diese Menschen an der Grenze ein, umzukehren". Auch diese Wortkombination verdient uneingeschränkte Bewunderung.
Ein anderes Wort für Fernbedienung wäre: Entfernte Nahbedienung, und ein anderes Wort für Zusammenbruch: Kritischer Aufbruch. Alsdenn. Los geht's.
Biotope
Neulich im Zug eine Situation, die den noblen Herrn gegenüber eigentlich zum Auszucken bringen hätte müssen. Hätte müssen, denn er las ein Buch, war friedlich, still, vergnügt. Der Titel des Buches begann mit "feucht". Die Farbe des Einbands: rosa. Nähere Informationen im Magazin Format. Genauere Recherche brachte Folgendes: Ein Feuchtgebiet ist ein Gebiet, das im Übergangsbereich von trockenen zu dauerhaft feuchten Ökosystemen liegt. Flora und Fauna sind an den ganzjährigen Überschuss von Wasser angepasst. Aber interessant ist der Link zum Qualitätsradio: Link zum DeutschlandRadio. Das lesen also die Herrschaften, sind entspannt, und man freut sich, es ist Literatur.
Lebensdatenproblematik
Wenn es eine Maschine gäbe, die jede Sekunde eines Lebens aufschreiben würde. Was würde sie nützen? Da man zum Lesen etwas länger braucht, als zum Erleben, könnte niemand diese Sammlung an Lebensdaten lesen, da er dazu länger leben müsste, als der, dessen Leben er liest. Das ist die Problematik der Chronisten. Sie zeichnen daher nicht alles, sondern nur manches auf. Die Problematik liegt in der Reduzierung. Üblicherweise schreiben Chronisten das auf, was bemerkenswerter ist als das tägliche Tun. Man könnte aber auch einmal als Chronist jede zweite Handlung aufschreiben, oder nur Tätigkeiten, die sich nach links wenden, oder nur welche, die sich nach oben erstrecken, die etwas verbessern (das tun sie sogar), aber auch vielleicht nur jene, die etwas verschlechtern. Vielleicht nur die zukunftsweisenden, oder nur jene, die sich auf die Vergangenheit beziehen; oder jene, die an etwas Geschehenes erinnern lassen - oder eben jene, die man lieber vergessen möchte. Das aufzuzeichnen wäre eine große Kunst.
4 Netzwerke besser als 1?
Da hört man im Qualitätsradio, dass 4 soziale Netzwerke besser wären als eines, dass man da glücklicher sei. Das ist möglicherweise nicht so zu vereinfachen. Es braucht mehr Zeit, 4 Netzwerke zu pflegen, wenn man davon ausgeht, dass mit der Tätigkeit in Netzwerken auch Verpflichtungen einhergehen. Weniger Zeit könnte aber eventuell mit etwas weniger Glück einhergehen.
Briefumschläge
Wir haben gelernt, bei der Beschriftung von Briefkuverts, die ins Ausland verschickt werden, das Land abgekürzt der Postleitzahl voranzustellen, dazwischen ein Bindestrich. Schluss damit: es geht so: keine Abkürzung vorangestellt, sondern in einer neuen Zeile das Land hinzugefügt, in vollen Worten, in Blockbuchstaben. So fressen es die automatischen Sortieranlagen, der Rest wird ausgespuckt.
Positive Verhaltensskala
An vielen Schulen gibt es ausgeklügelte Skalen, um negatives Verhalten von Schülern zu beschreiben. Schwieriger ist es, positives Verhalten zu formulieren. Ein Vorschlag hier.
Stufe 0
Du bist anwesend und fällst weiter nicht auf. Weder positiv, noch negativ. Ein ganz normaler Tag in einer ganz normalen Schule.
Stufe 1
Du nimmst aktiv am Unterricht teil, bist aufmerksam und verlässt die Klasse, nachdem du deinen Platz aufgeräumt hast. Du sprichst im Unterricht nachdem du aufzeigst und respektierst die Lernruhe. Du versuchst einen guten Willen zu den Anforderungen des Lebens in der Schule zeigen, auch wenn es dir nicht immer gut gelingt. Du versuchst Termine einzuhalten. Du verwendest das Wort „danke“ und trennst den Müll.
Stufe 2
Du nimmst aktiv am Unterricht teil und übernimmst Verantwortung. Du bist hilfsbereit. Du bist höflich: du grüßt, und verwendest neben dem Wort „danke“ ebenso gerne das Wort „bitte“. Du entschuldigst dich, wenn du verspätet in den Unterricht kommst und nennst danach den Grund. Du begegnest deinen MitschülerInnen respektvoll und wertschätzend. Du erledigst deine Pflichten und meldest dich rechtzeitig, wenn es dir nicht gelingt, Termine einzuhalten. Du bittest um Hilfe, wenn dir das Verhalten von Stufe 1 nicht gut gelingt.
Stufe 3
Du übernimmst Aufgaben und Ämter und bist tolerant, wenn jemand anders ist. Du trittst positiv und selbstsicher auf und bittest um Hilfe, wenn es dir einmal nicht gelingt. Du begegnest auch deinen Lehrer/innen respektvoll und wertschätzend. Du versuchst, dich nach einem Ideal zu verhalten, das du deinem Alter angemessen selbst aufstellst. Du gehst schonend mit der Umwelt um und isst in der Schulkantine regelmäßig auch grüne und gesunde Sachen. Du bittest um Hilfe, wenn dir das Verhalten von Stufe 2 nicht gut gelingt.
Stufe 4
Du kümmerst dich um andere. Zeigst Humor und versuchst schlechte Laune in einer geeigneten Weise auszuleben, ohne sie als erste Wahl jemanden anderen umzuhängen. Du löst Konflikte auf eine konstruktive Weise und ziehst die Streithelfer/innen zu Hilfe, wenn das nicht gut gelingt. Du schützt Schwächere und schaffst für andere ein positives Lernklima. Du versuchst, dich nach einem Ideal zu verhalten, das du deinem Alter angemessen selbst aufstellst und deine Umwelt in besonderem Maße einschließt. Du bittest um Hilfe, wenn dir das Verhalten von Stufe 3 nicht gut gelingt.
Stufe 5
Du organisierst einen Teilbereich im Schulalltag und übernimmst dadurch in besonderem Maße Verantwortung. Du hast Geduld, wenn einmal etwas nicht so funktioniert, und kannst dich auch zurücknehmen. Du trittst aktiv für die Probleme von Minderheiten ein. Du kannst meist gut mit deinen Grenzen umgehen. Du strengst dich auch bei unangenehmen Aufgaben besonders an. Du bittest um Hilfe, wenn dir das Verhalten von Stufe 4 nicht gut gelingt.
Stufe 6
Du bist für andere ein Vorbild in einigen ganz persönlichen Bereichen. Du kritisierst den Unterricht in konstruktiver Weise. Erzählst dem Lehrer, wenn dir einmal eine Stunde sehr gut gefallen hast oder weist ihn auf Verbesserungsmöglichkeiten hin. Du kennst sehr gut deine Grenzen der Belastbarkeit und bittest rechtzeitig um Hilfe. Du bittest um Hilfe, wenn dir das Verhalten von Stufe 5 nicht gut gelingt.
Stufe 7
Du entwickelst neue Ideen für eine/deine Schule und setzt sie in Zusammenarbeit mit allen Beteiligen um, indem du Mitschüler organisierst und beispielgebend vorangehst. Du bist für neue SchülerInnen der 1. Klasse ein Vorbild in sehr vielen Bereichen: ja, so möchte ich sein. Du bittest um Hilfe, wenn dir das Verhalten von Stufe 6 nicht gut gelingt.
Ewig
Das Bankhaus Schelhammer & Schattera informiert in einem Prospekt über die vorzügliche Lage seines Geschäftslokales im Herzen Wiens gleich neben dem Stefansdom. Es wäre dadurch möglich, "das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden". Wo genau ist das Angenehme, und wo das Nützliche zu finden?
Vor 12 Jahren im Café Westend, Wien
Vor 10 Jahren in Wien. 1996. Genauer Ort der Begebenheit: In diesem Café. Das Café Westend. Sie ahnen es. Ein richtiges Wiener Café. Mein Lieblingscafé, weil es ein wenig abgewetzt wirkt, weil vor den großen Fenstern die Straßenbahnen vorbeifahren, und vor allem, weil es am Westbahnhof liegt und ich jederzeit in einen der Züge steigen könnte, um diese schöne Stadt in Richtung Amsterdam, Paris oder Budapest zu verlassen. In genau diesem Café trug sich an diesem Tag Ungeheuerliches zu.
Wie es in der Natur der Sache liegt, kann man an diesem Ort nicht nur Wien verlassen, sondern auch betreten. Und nicht wenige Touristen aus dem Ausland beginnen ihren Aufenthalt eben im Café Westend. Ich habe seit Jahren die Gepflogenheiten der Herren Ober studiert, weiß was man tut, und weiß, was man besser läßt. Ich kenne die Lautstärke, in der man „Herr Ober, zahlen“ ruft, weiß, wann ein „bitte“ dazugehört, und wann nicht. Ich kenne mich aus bei der Melange, beim kleinen Braunen, beim Kapuziner und der Schale Gold. Wenn der Herr Manfred im Halbdunkel am Kellnerpult steht, weiß ich, daß es besser ist, das Zahlenwollen um 5 Minuten zu verschieben, weil der Herr Manfred gerade ein Sexhefterl studiert. Irgendwann werde ich ihm auf dem Weg zur Toilette ein neckisches „Aber Herr Manfred“ ins Ohr raunen, aber derartige Intimitäten sind normalerweise nur dem Herrn Doktor erlaubt, der die Zeitungen noch nach der Sperrstunde lesen darf, während er inmitten der hochgestellten Sessel einen Gugelhupf mit Schlag zu sich nimmt.
Also, um zur Begebenheit dieses Sonntags zurückzukommen: Gäste sind wir gewohnt im Café Westend. Wir fühlen mit ihnen, wenn Sie mit unsicherer Stimme eine Melange bestellen, hoffend, das richtige bestellt zu haben, wenn sie doch nur Kaffee kennen.
Übrigens, so ganz im Vertrauen: Ein bißchen Schmäh ist bei den ganzen Caféarten dabei. Es sollen einmal vier Herren „Eine Schale Gold, einen gestreckten Braunen, einen Kapuziner und eine Melange bestellt haben. Der Herr Ober ging zur Budel und rief nach hinten: „Mali, vier Café“.
Ich hielt also gerade in diesem Café meine Nachhilfestunde in Physik ab, erzählte von Einstein und Schrödinger, als ich rechts von mir an einem der Mitteltische, die den Gästen aus dem Ausland vorbehalten sind, zuerst Geraune, dann verdeckten Aufruhr vernam. Ich habe es von Anfang an erlebt, und es hat sich folgendermaßen geschickt.
Ein Gast aus Deutschland bestellte ein Frühstück. Als er mit „Eine Melange bitte“ begann, applaudierte ich stumm. Er hat sich informiert. Doch dann begann es: „Und zwei Semmerl“. Natürlich hätte ich ihm weiter stille Anerkennung zollen sollen, denn „Semmerl“ zu sagen, das verriet genaue Kenntnisse. Doch etwas hielt mich zurück. „Haummma net“ pfauchte der Herr Ober. Oh Du Armer, weißt Du nicht, daß es am Sonntag hier kein Gebäck gibt? Sei zufrieden mit der Melange und bestell jetzt einen Gugelhupf, dann ist alles gut.
Der Gast nahm für den zweiten Anlauf seinen Mut zusammen. „Dann näme ich zwei Kipferl“. Oh mein Gott. „Kipferl“ zu sagen, das zeigt ein gerüttelt Maß an linguistischer Fachkenntnis, aber am Sonntag!!!
„Haumma net!!!!“ Das Selbstbewußtsein des Deutschen war gebrochen, er sank in sich zusammen und ergab sich dem Lokalcolorit. Gottseidank, ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn er rebelliert hätte. Traurige Verwirrtheit machte sich auf seinem Gesicht breit. Ich hätte ihm gerne auf die Schultern geklopft: Das kann ja jedem passieren“.
Charme, so lehrt mich der Duden, Abteilung Fremdwörter, Charme ist eine liebenswürdig-gewinnende Lebensart. Und dann schreiben die Reiseführer über den Wiener Charme der Wiener Herren Ober im Wiener Café, Wiener Charme ist etwas ganz besonderes. Wiener Charme, verehrte Hörer, ist, wenn der Herr Ober das Tablett mit dem kleinen Braunen grundsätzlich einen Zentimeter über dem Tisch abstellt, und wenn er dabei „No, is scho do“ ruft. Dann können Sie sicher sein, er mag sie.
Nach vielen Jahren Caféhauserfahrung wurde ich damals beim Eintreten begrüßt mit „Ein kleiner Brauner, der Herr“. Nie habe ich einen kleinen Braunen getrunken, immer nur große, oder eben eine Melange. Aber ich kann ihnen dieses Glücksgefühl nicht beschreiben, diesen wärmenden Strahl der Sonne im schmuddeligen Grau des Alltags, als ich so begrüßt wurde. Ich fühlte, er hat mich angenommen. „Ja bitte, Herr Manfred, und ein Buttersemmerl!“
Endlich weiblich
Am Sonntag im Qualitätsradio gehört: "Jüngerinnen und Jünger". 100 Punkte!
2007
Verhältnis
Wenn man in Gefahr ist, kleinkariert zu denken, vielleicht hilft es, größer schreiben?
Rätsel des Alltags II
Die Bundesbahn wirbt in einem Faltblatt im Eisenbahnabteil, doch ein SMS an 0664 660 6000 zu schicken. Das ist die Echtzeitauskunft. Die Zugnummer eingetippt und "Sie erhalten sofort die aktuellen Fahrzeiten auf Ihr Handy". Ausprobiert im Zug nach Innsbruck lieferte das Retour-SMS: "ACHTUNG! Das Event ist ausverkauft". Noch einmal probiert, die prompte neue Antwort: "Für Kultur antworte A, für Musical antworte B, für Rock/Pop antworte C". Besser nicht antworten, wer weiß, was kommt.
Rätsel des Alltags I
Anker informiert seine Mitarbeiter im Produktionsbereich des Geschäftes über Leitlinien. Diese sind im flotten "wir" formuliert und der letzte Satz an die Mitarbeiter gibt Rätsel auf: "Wir sind Anker-frisch". Was das wohl wieder bedeutet?
Lob an die Post
Da bringt der Briefträger einen persönlich adressierten Brief der Post selbst. Darin ein Fragebogen, wie man die Qualität des Zustelldienstes weiter erhöhen könnte. Als erste Aufgabe: kontrollieren Sie bitte die Adresse, die wir von Ihnen haben. Nun, die war falsch angeschrieben am Kuvert, die Hausnummer streute um 2, die Türnummer um 7 Nummern. Aber der Brief der Post hat mich trotz dieser falscher Adresse erreicht. Also: kein Qualitätsverbesserungsbedarf beim Zustelldienst. Danke!
Beschwerde
Wer über das Leben klagt, findet selten gute Worte.
Schwierige Bedeutungen
1) Seine Bedeutung kann nicht unterschätzt werden
2) Seine Bedeutung kann kaum hoch genug veranschlagt werden.
Was heißt das, wie geht das? Kann man so über eine Ecke denken? Sätze wie die obigen sind sehr, sehr schwergreifend.
Den Sinn des ersten Satz kann man mühelos mathematisch ergreifen: Nicht (Bedeutung < Untere Grenze) ----> Bedeutung ≥ Untere Grenze. Für alle beliebigen unteren Grenzen. Es findet sich also zu jeder beliebigen unteren Grenze die Bedeutung darüber. Klar doch, so geht's! Zweiter Satz? Keine Ahnung. Mit einer Epsilon- und Deltaumgebung müsste man das mit dem Grenzwertsatz der Analysis hinkriegen.
Insgesamt ist von Formulierungen wie obigen abzuraten. Sie spielen in der "Magst keinen Senf?"-Liga.
Viel wurde erfunden ...
... viel wurde erdacht. Aber kein Loch im Küchenboden, wo man die Sachen reinkehren kann.
Schnelle Enten - schnelle Schwäne
Überschall ist, wenn sich die Schallursache schneller als der Schall selbst ausbreitet. Überschall gibt es quasi auch im Wasser, wenn Enten und Schwäne schneller paddeln, als sich die Wellen ausbreiten, die sie dabei schlagen. Sie schwimmen den Wellen davon, die dreiecksförmig begrenzt nach hinten weglaufen. Man könnte glauben, je spitzer das Dreieck, desto schneller die Ente. Die Verhältnisse sind aber bei Wasserwellen durch Interferenz (Überlagerung) so gelagert, dass der Öffnungswinkel des Dreiecks immer etwa 40° ist - so zumindest der Literaturwert, egal welche Geschwindigkeit das Paddeltier hat.
30 Minuten auf Bahnsteig 3
Umsteigen in St. Valentin und eine halbe Stunde Zeit am Bahnsteig 3 bringen Erlebnisse und Gedanken zu Tage, für die man nur "danke" sagen kann.
"Willkommen in St. Valentin". Das ist sehr höflich von Chris Lohner, die im sicheren Wien sitzt, und die auch St. Valentin ihre Stimme leiht. St. Valentin ist in diesem Fall nur Bahnsteig drei, und das Willkommen erübrigt sich zwischen Beton und vier Gleispaaren vorne, und vier hinten. Wer hier herkommt, muss hier umsteigen, besuchen will er niemanden.
Schön die Güterzüge und eine Befürchtung, die sich nicht bewahrheitete: einer mit gesägten Brettern von rechts nach links, und einer mit Baumstämmen von links nach rechts. Hätten beide geschnittene Bretter gefahren, wäre das beunruhigend. So aber hatte alles seine Ordnung. Das Sägewerk ist rechts.
Zweideutig eine Szene, die Chris Lohner gleichzeitig auf Bahnsteig drei und vier spielte. Sie sprach zur selben Zeit verschiedene Ansagen auf beiden Bahnsteigen, schwer zu verstehen, da zwischen Bahnsteig drei und vier nicht wirklich viel Distanz liegt. Eine Ansage kündigte ca. das Kommen eines Zuges an, und die andere drohte das Gehen eines anderen an.
Zwei mal eine "wichtige Durchsage" von einer knorrigen Mänerstimme für Reisende nach Wien, die 10 Minuten Verspätung des IC ankündigte. "Duchsage" hätte gereicht, wirklich wichtig ist, wenn man ohnehin etwas ängstlich am Bahnsteig sitzt und mit dem Schlimmsten rechnet, ein sich abzeichnender Schienenersatzverkehr. Wohltuend der Verzicht des Bahnmeisters auf die auszusprechende Floskel "Die Österreichischen Bundesbahnen sind stets um die Pünktlichkeit ihrer Züge bemüht". Ist ja kein Problem, Verspätung darf sein, kommt vor, ist ja schwierig so ein Netzwerk zu betreiben, aber sie schönzureden macht dem sorgenvollen Reisenden keinen Spaß, auch wenn sich die Marketingabteilung das vermutlich noch so wünscht.
"Stand clear". Das war der wie im großen Fernsehkino gesprochene Abschlusswunsch ohne Möglichkeit zum Widerspruch, sozusagen die akustische Klammer von Chris Lohner, als dann der Zug nach Wien angekündigt wurde. Der letzte Wunsch aus St. Valentin: sauber zu stehen.
Im Zug eine herrliche Fahrt mit einem Clown, einer Klimaexpertin und zwei netten Töchtern. Die 6. Person im Abteil wurde vergrault. Der Nahrungsmitteltrolleyfahrer bot Kaffe "mit oder ohne Gas" an.
Brabbelndes Gerede
Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit. Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Gerhard Schröder setzte dem Hegelzitat zur Freiheit noch ein "Zuversicht" voran, und verwendete damit anlässlich einer Einpeitschungsrede vier abstrakte Begriffe in einem Satz. "Wir sind voller Zuversicht, dass Einsicht in die Notwendigkeit letztlich die Freiheit ist" - oder so ähnlich. Diese Reihenfolge ist aber lange noch nicht alles, was das Zitat mit Zuversichtserweiterung hergibt. Mathematisch lassen sich nämlich 4! = 4*3*2*1 = 24 verschiedene Sätze bilden. Los geht's.
Die Zuversicht, dass Einsicht die Notwendigkeit zur Freiheit ist.
Die Zuversicht, dass Einsicht die Freiheit zur Notwendigkeit ist.
Die Zuversicht, dass Notwendigkeit die Einsicht zur Freiheit ist.
Die Zuversicht, dass Notwendigkeit die Freiheit zur Einsicht ist.
Die Zuversicht, dass Freiheit die Einsicht zur Notwendigkeit ist.
Die Zuversicht, dass Freiheit die Notwendigkeit zur Einsicht ist.
Die Einsicht, dass Zuversicht die Notwendigkeit zur Freiheit ist.
Die Einsicht, dass Zuversicht die Freiheit zur Notwendigkeit ist.
Die Einsicht, dass Notwendigkeit die Zuversicht zur Freiheit ist.
Die Einsicht, dass Notwendigkeit die Freiheit zur Zuversicht ist.
Die Einsicht, dass Freiheit die Zuversicht zur Notwendigkeit ist.
Die Einsicht, dass Freiheit die Notwendigkeit zur Zuversicht ist.
Die Notwendigkeit, dass Einsicht die Zuversicht zur Freiheit ist.
Die Notwendikgeit, dass Einsicht die Freiheit zur Zuversicht ist.
Die Notwendigkeit, dass Zuversicht die Einsicht zur Freiheit ist.
Die Notwendigkeit, dass Zuversicht die Einsicht zur Freiheit ist.
Die Notwendigkeit, dass Freiheit die Einsicht zur Zuversicht ist.
Die Notwendigkeit, dass Freiheit die Zuversicht zur Einsicht ist.
Die Freiheit, dass Einsicht die Notwendigkeit zur Zuversicht ist.
Die Freiheit, dass Einsicht die Zuversicht zur Notwendigkeit ist.
Die Freiheit, dass Notwendigkeit die Einsicht zur Zuversicht ist.
Die Freiheit, dass Notwendigkeit die Zuversicht zur Einsicht ist.
Die Freiheit, dass Zuversicht die Einsicht zur Notwendigkeit ist.
Die Freiheit, dass Zuversicht die Notwendigkeit zur Einsicht ist.
Besonders Geübte können mit 5 Begriffen 5!=120 schöne Sätze bilden. Einen pro Tag in ein Gespräch eingeflochten reicht das für 1/3 Jahr Schönreden. Achtung vor der Mitverwendung des Wortes "Apfel" in der Reihe der verwendeten Wörter.
Mördersturm
Da hörten die Kinder im Alter von 4 die Nachrichten im österreichischen Qualitätsradio mit: "Der Monstersturm bewegt sich auf Jamaika zu." Immer wieder erzählte man ihnen, dass es Monster nicht gibt, und dann bringen die Nachrichten - die ja bekanntlich über Tatsachen berichten - diese Unruhe ins Konzept.
3 Dinge, die durchaus Förderungsbedarf haben
Schlagobers-Erzeuger in der Flasche mit Lachgas-Patrone
Manöverkritik nach Projekten
Forellen
Warum nicht auch umgekehrt?
Wenn jedes Jahr so und so viele Erinnerungstafeln enthüllt werden. Müsste man nicht hier und da eine dieser Tafeln wieder verhüllen?
Es braucht sicherlich nicht drei Türsteher um einem die Tür zu einem noblen Lokal aufzuhalten und einem aus der Jacke zu helfen - sollte man sich darüber wundern. Es braucht aber sicher drei Türsteher, um diese Tür zuzuhalten oder einem gegebenenfalls unfreiwillig wieder in die Jacke zu helfen.
Wenn in der Zeitung berichtet wird, dass die Kirche einen neuen, dritten Eingang erhalten habe, hätte man nicht ebensogut über die Eröffnung eines neuen Ausgangs schreiben können?
Denkmäler sind Anlässe, über einen Sachverhalt nachzudenken. Gibt es auch Nichtdenkmäler, die einem an dieser Stelle helfen, diese Sache zu vergessen?
Uppsala und Carl von Linné
Einer muss ja die Natur sortieren. Systematisieren, um den Pflanzen Namen zu geben. Und der Hausmaus. Und dem Leben überhaupt. Carl von Linné hat das getan, er arbeitete in Uppsala, in Schweden, und von ihm stammt das Namenssystem von Tieren und Pflanzen - die lateinischen Doppelnamen. Ein Besuch in Uppsala bei Menschen, die heute noch mit Carl von Linné arbeiten: Botaniker. Eine Sendung dazu entstand.
2006
Kinderuni Steyr: Hörspiele mit VolksschülerInnen
Während die Mädchen nach 20 Minuten schon fast mit ihrem Manuskript fertig waren, weil sie sich einfach hinsetzten und losfantasierten, stritten die Buben noch immer, wer Chef ist. Nach weiteren 20 Minuten sah die Sache schon anders aus, und am Schluss hatten sie alle ihr Ergebnis.
Sonderbare Theorie? Kein Problem.
10 Regeln für die Präsentation einer eigenen Theorie, die der gängigen wissenschaftlichen Meinung zum Thema widerspricht:
Beginne harmlos.
Ende mit der allgemein akzeptierten Kritik an der gängigen Theorie, nicht mit deinen eigenen Thesen.
Dazwischen bringe deine Thesen, wiederhole polemische Kernsätze immer wieder in einfachen Worten. Bsp: „Einstein was wrong". „The Einstein party is over".
Präsentiere die bestehende Theorie als Konspirationstheorie. Es würden neue Erkenntnisse - die eigenen - nicht nur ignoriert, sondern aktiv verhindert werden.
Zitiere ein Hauptexperiment der bestehenden Theorie und sage, es wurde falsch gemessen. Das Gerät messe 2000-mal genauer. Damit ist experimentell genau das Gegenteil zu zeigen - die Richtigkeit eigene Theorie. Bringe völlig bekannte Alltagsbeispiele (Bohrlöcher) und zeige irre Abnormalitäten, die durch die eigene Theorie erklärt werden.
Erfinde ein anderes Wort für die Hauptsache, das es aber schon in anderem Zusammenhang gibt. Bsp: Raum statt Äther.
Lasse einen unschuldigen Unbeteiligten (Fernmeldeingenieur) deinen Effekt messen und bestätigen, „weil er nicht wusste, dass man diesen Ergebnis nicht messen darf". Lasse ihn dann dafür gefeuert werden, weil er es tat: etwas Richtiges herauszufinden, was aber von der bestehenden Theorie nicht akzeptiert wird.
Zeige deine einfachen Experimente im Labor: so einfach geht es, wenn man nicht mit der Konspirationstheorie mitspielt.
Bringe die Ergebnisse der bestehenden Theorie als Sonder- und Spezialfälle, die in deiner besseren Theorie erhalten sind.
Präsentiere viele Kurven, Messwerte und Formeln einem Publikum, von dem du ausgehst, dass es nicht viel weißt, weil du ihm auf der anderen Seite auch einfache Sachen erklärst, wie etwa, dass man ein Koaxialkabel im Geschäft nebenan kaufen kann.
3 Dinge, die mir nicht einmal auffallen, wenn es sie nicht mehr gäbe
Fasching
Tennis
Erdnussbutter
Und noch eins: Knäckebrot
3 Dinge, die verschwunden sind, und die mir fehlen
Kartonfahrkarten (die kleinen) der Eisenbahn
"Darf's sonst noch etwas sein?" (Heute: "Was darf's sonst noch sein?")
Schreibmaschinengeklapper
Probeweise Eisenbahn
Nord- und Südkorea wollen wieder eine Bahnverbindung eröffnen. Am 25. Mai 2006 werden probeweise zwei Züge die Grenze überqueren. Das war eine Nachricht in den Nachrichten. Folgende Fragen sind zu stellen:
Warum muss man das ausprobieren?
Warum zwei Züge?
2005
Amerikanische Ängste
Körpersäfte jeder Art
Grünes zwischen den Zähnen
Umkleiden am Strand ohne Tuch
Auf einem Foto nicht lächeln
Maniacs und Massenmörder
Beleidigen, aber richtig
Es wird viel zu wenig gut beleidigt, meist nur zufällig hingehackt. Deshalb eine kleine Übersicht der Eskalationsstufen. Man wähle gezielt...
Du bist dumm (Einfacher Bezichtigungsansatz)
Nur du bist dumm (Bezichtigung mit Separierung)
Du warst schon immer dumm (Die Vergangenheit rauben)
Nur Du warst schon immer dumm (Raub der Vergangenheit mit Separierung)
Du wirst immer dumm bleiben (Raub der Zukunft)
Nur Du wirst immer dumm bleiben (Zukunftsraub mit Separierung)
Du warst schon immer dumm und Du wirst immer dumm bleiben (Kombinierter Vergangenheits- und Zukunftsraub)
Nur Du warst schon immer dumm und nur Du wirst auch immer dumm bleiben (Kombinination aus Allem)
Du bist Nichts (Nicht einmal mehr eine Bleidigung wert - Zusatz von Werner Gruber)
Eine weitere Möglichkeit, jemanden während einer Besprechung zu beleidigen ist die simple Frage eines Freundes: "Was hätten Sie eigentlich werden wollen?"
2003
Böser Güterzug
Radio Wien berichtete heute Morgen, dass ein Güterzug in Himberg "wieder unter Kontrolle" sei. Böser Güterzug. Manchmal wird es denen halt auch zu viel.
Rechtsauskunft Online
Als Breitband-Internetnutzer habe ich das "Rechtsinformationssystem der Republik Österreich" angesurft, zur Probe "Strafrecht" eingegeben, und erhalte top-gereiht unter den Funden nicht nur die Information, dass Österreich offenbar ein Gesetz zum Schutz von Untereseekabel hat, sondern auch, dass strafrechliche Bestimmungen zum Schutz derselben bereits 1888 getroffen wurden, und dass neben Österreich auch Französisch-Marokko und die Tchechoslowakische Republik einer internationalen Vereinbarung zum Schutze der Unterseekabel beigetreten sind. Ich bin auch für den Schutz von Unterseekabel, Seelöwen und Meeresschildkröten. Aber sollten wir nicht bei den Flußkrebsen anfangen? Da das Rechtsinformationssystem bereits solche Sucherfolge aufweist, kann ich sicher bald über weitere interessante Gesetze berichten.
PS: Ich habe gerade noch herausgefunden, dass das Gesetz dazu im Jahr 9999 endet. Was für eine Welt!
Auflauf von Frau Thaller
5 Esslöffel Mehl
1 Prise Salz Milch (kalt), dazurühren, bis die Masse grießkochartig daherkommt
5 ganze Eier
2 Eßlöffel Fett in einer Auflaufform (Bratl-in-der-Rein-Form) zergehen lassen, Masse hineinkippen. 15 Minuten im heissen Rohr backen. Nicht die Nerven verlieren!
Den Auflauf darf man mit den Händen essen. Frau Thaller war übrigens unsere Nachbarin, die mit dem Kirschbaum, und die, die immer freundlich zu uns Kindern war. Ihr Auflauf: legendär.
Stuhleck für Frauen
Das steirische Schigebiet "Stuhleck" hat den internationalen Frauentag lokal interpretiert: Tageskarten kosten am 6.3.2003 statt 28 Euro 24 - für Frauen. So einfach ist das, die Frauensache.
2002
Wünschen
Ich fühle mich so befreit von einem Wunsch. Beim Wünschen bin ich immer so eingesperrt. Aber jetzt bin ich befreit.
– Sarah, 10, vor einem Vulkan
Diplomarbeit: Physik im Radio
Abstract
Thema dieser Arbeit sind Wege zur Verbesserung der Qualität von Radiosendungen physikalischen Inhalts. Es wird eine Auswahl physikdidaktischer Erkenntnisse vorgestellt, die für Radioredakteure physikorientierter Sendungen von Interesse sein können. Im speziellen wird ein Überblick über das didaktisch hochinteressante Gebiet der „Präkonzepte“ gegeben, die sogenannten „vorunterrichtlichen Vorstellungen“ der Lernenden. Präkonzepte beeinflussen entscheidend die Aufnahme und Einordnung neuer physikalischer Konzepte – sie sind jedoch meist falsch und darüber hinaus nur schwer zu ändern. Ein Überblick über bedeutsame Präkonzepte wird gegeben, wie auch eine kurze Darstellung der im Schulunterricht allgemein vermittelten physikalischen Konzepte („worauf kann sich der Redakteur verlassen?“) und ein kurzer Exkurs, wie die neuen österreichischen Lehrpläne für das Fach „Physik“ ausgerichtet sind. Die vorliegende Arbeit entwickelt auch ein Analysewerkzeug für bestehende Manuskripte, das bei der Analyse einer Radiosendungen zum Thema „Quantenphysikalische Verschränkung“ angewendet wird. Wer eine gute, spannende und im physikalischen Sinne auch richtige Radiosendung gestalten kann, könnte viel von diesem Handwerk für den Unterricht brauchen – und umgekehrt. Diese Arbeit gibt daher aus Symmetriegründen auch Lehrern einen kurzen Überblick über wesentliche Aspekte der Erstellung von Radiosendungen.
Quelle: Physik im Radio (PDF), Universität Wien, 2002 Lothar Bodingbauer
Deutsch lernen in Ungarn
Die ungarische Sprache kennt kein Passiv, so ist es zu erklären, dass “wurde geboren” oft zu “habe geboren” wird. Weitere schöne Fehler werden von den Deutschlehrern des bilingualen Gymnasiums Mezöbereny in SO-Ungarn in eine Liste eingetragen, die am Kasten des Lehrerzimmers hängt. Hier ist der Stand vom 18. Dezember 2001.
Mein Vater ist Kontrolleur. Er konjugiert Fahrscheine.
Ich esse gerne Bartkartoffeln.
Claudia isst zum Frühstück Brötchen mit Weichei.
Nachmittags isst Klara Mai Tisch und Salat. Sie trinkt Wien.
Ich habe in dieser Stadt geboren, das ist meine Geburtsstadt. Hier sah ich zuerst die Sonnenwelt.
Die Leute sprechen auf der Straße laut, sie zerstören uns.
Wir entwerten die Wochenende bei der Großonkel.
Ich liebe meine Heimat, weil ich hier lebe und ich werde hier toten.
In dem Stall sind die Pferde, mit ihnen zusammen reiten können.
Ist deines Planes schon dir heute Abend?
Ich lache Petras Besuchen (ich freue mich auf Petras Besuch)
Sie können das Ausland viel besser als das Mutterland.
Ich möchte in viele Auslände fahren.
Wegbeschreibung: Gehen sie geradeaus bis zum Kreuzzug. Gehen sie bis zum Robert-Koch-Platz. An der Ecke steht der Robert-Koch-Platz.
Hier soll irgendwann eine Videokassette stehen: Effi Brief.
Im Hotel Astoria bin ich ein Stummgast.
Beispielsatz für Konjunktiv II: Wenn Franz eine Froschzunge hätte, könnte er nie mehr schmusen.
Wenn ich doch ein Berg aus Schokolade wäre!
77: Sevenundsehzig
Ich habe 1987 in Bikescsaba gebohren.
Mein Vater ist Maschinenpistole von Beruf.
Ich hänge aus der Schule.
Der Lehrer bekleidet die Klasse am Klavier.
Variation I: “Ich möchte mich als Schwamm unter Enten fühlen.”
Variation II: “Ich möchte mich als Schwein unter Enten fühlen.”
Verb zu “Verlust”: verlustigen.
Der Wolf hat Rotkäppchen hereinbekommen.
Die Kurzgeschichte hat kurze Länge.
In der Geschichte rollt ein altes Ehepaar.
Waschen wir unsere Kinder nicht mehr im Fluss!
Seelensportler (statt“Segelsportler)
Speerhochsprung (statt“Stabhochsprung)
Mein Gesicht ist kein Schnurrbart.
Auf dem Ufer liegt die Sonne.
Der Patient wurde noch ein paar Tage in Lebensgefahr geschaukelt.
Bist du immer krank, wenn du Fisch isst? Nur wenn der Fisch ein Problem hat.
Hände hoch, oder ich scheisse.
Wüßte ich, dass hier nichts besprochen wird, würde ich schon zu Hause gewesen worden sein.
1848 fand ein Urlaubskampf statt.
Verurteilen – teilte verur – verurgeteilt
Ich wurde in Bekes gebort.
“Strumpfleber” statt “Schrumpfleber”
Der TV-2 ist einer der besten ungarischen Steuern.
Der Wolf und die sieben Geilen.
Wenn das Mittagessen gekocht ist, können die Tische entdeckt werden.
Sie haben sich erkältet. Welche Beschwerden haben Sie? Ich habe Fieber, und meine Augen sind zu klein.
Der Zug kommt am Sündenbahnhof an.
Bringen – brang – hat gebrungen
Jemanden mit kaltem Blut töten
Das ist übrigens mein erster regulärer Blogeintrag im Internet - am 1. April 2002. Die früheren Beiträge am Weblog habe ich erst nachträglich eingefügt.
2000
Gedenkdienst in Kanada: Bericht nach Hause II
Salzburger Nachrichten 8./9. Juli 2000
Es ist oft die Wortwahl, die das Zusammenarbeiten von österreichischen Gedenkdienern und jüdischen Holocaust-Überlebenden schwierig macht. Als Vertreter des “Täterstaates Österreich” wurde ihre Arbeit zu Beginn mit Skepsis aufgenommen. “60 Jahre seid ihr zu spät”, hieß es, und: “Ihr wollt nur gute Stimmung machen”. Die Ängste gegenüber der gemeinsamen Arbeit im Dienst der guten Sache - dem Aufarbeiten der Schrecken der NS-Zeit - sind heute jedoch den praktischen Erfahrungen gewichen.
Ein Erfahrungsbericht (Lothar Bodingbauer).
Es gibt einige Worte, die wir während unserer Arbeit mit Holocaust-Überlebenden nicht verwenden dürfen. “Selection”ist eines davon: Die Deportierten wurden von den Nationalsozialisten vor ihrer Deportation selektiert.
Dann: “Efficiency”. Effizienz war eines der Schlüsselwörter, wenn es um die rascheste und ökonomischste Lösung galt, zukünftige KZ-Häftlinge in Viehwaggons an den Ort ihrer Vernichtung zu bringen.
Das “Golden Age” ist das Restaurant des Altenheims des jüdischen Zentrums in Montreal. Als ich dort unlängst dem Koch unbedacht mit dem deutschen “Jawohl” meine Zufriedenheit ausdrücken wollte, daß Apfelsoße auf meiner Mehlspeise ideal sei, war im Raum ein Moment der Stille zu verspüren.
Es hätte böse enden können, aber sie haben dann doch alle weitergegessen.
Was sich wie eine eigenartige, fast witzige Wortspielerei anhört, hat einen ernsten Hintergrund, dem ich nur mit Sensibilität und Verständnis begegnen kann. Das Vokabular des Verbrechens war mir bis zu meinem Dienstbeginn zwar bekannt, aber seine Bedeutung für die Betroffenen kannte ich nicht. Viele Überlebende, mit denen ich Tonband-Interviews mache, zittern heute noch, wenn sie von den Erlebnissen erzählen, die nun in ihrem Leben 60 Jahre zurückliegen.
Ich habe die Internet-Seite des Museums gestaltet, und mußte feststellen, daß ich auch die Farbe Gelb nicht verwenden darf, und diese Farbe scheint auch tatsächlich auch auf keiner Drucksorte des Museums auf.
Gelb war die Farbe, mit der Juden im 3. Reich gebranntmarkt und gekennzeichnet wurden. Es gibt hier noch zu viele Menschen, die sich daran erinnern.
Holocaust-Überlebende betreiben das Montrealer Holocaust Centre gemeinsam mit vier jüdischen Angestellten, die aus zweiter oder dritter Generation stammen. Das Museum wurde 1974 auf Initiative von Holocaust-Überlebenden gegründet und ist in das jüdische Zentrum Montreals eingebettet. In allen Führungsgremium nehmen die Überlebenden eine starke und richtungbestimmende Stellung ein. Viele Überlebender wollen von moderner Museumspädagogik noch nichts wissen, sind von ihrem persönlichen Trauma bestimmt. Sie sagen, ein Holocaust Museum sei zum Gedenken da, brauche keine Darstellung des jüdischen Lebens vor und nach dem Krieg. Nur langsam gelingt es den anderen Mitarbeitern, diese Fokussierung aufzuweiten.
Erstaunlicherweise gibt es am Museum ein Filmprogramm mit Videofilmen aus der NS-Zeit. Da sitzen die Überlebenden und sehen sich einmal im Monat einen Horrorfilm an, mit Sätzen wie “Weg mit dem Juden”und Maschinengewehrsalven. Die Zuseher sitzen stumm und reißen die Augen auf, essen Cookies und trinken Kaffe. An Skurrilität ist diese Situation nicht zu überbieten. Ich weiß bis heute nicht, warum sie das machen.
Diese Holocaust-Überlebenden unterscheiden sich durch nichts von meinen Großeltern. Die alten Bilder, die sie mir zeigen, sind die gleichen, die Ausbildung ähnlich, ihre Berufe, sie sprechen oft die selbe Sprache. An Montrealer Schulen erzähle ich von meinen Großeltern und ihrer Rolle im nationalsozialistischen System. Die Schüler staunen, wenn ich vom “Umkippen”berichte, jenem Punkt, an denen sich die Ideale von einem guten, edlen Leben in moralischer wie auch in körperlicher Hinsicht plötzlich sich gegen jene wandten, die nicht so waren, oder von der Staatspropaganda anders dargestellt wurden, als sie selbst sein wollten. Meine Großmutter hat immer den Kopf geschüttelt, wenn wir im Fernsehen Bilder gesehen haben, vom jubelnden Heldenplatz beim Anschluß. “Da sind wir gestanden”, hat sie gesagt, sich gewundert. Sie hatte einfach keine Erklärung.
Mein Kollege Michael Pollan ist der erste jüdische österreichische Gedenkdiener, und das wirft genau zwei Fragen auf. Ist er Österreicher? Ist er Mitglied der jüdischen Gemeinschaft? Wir sind trotz dieser ungeklärten Definitionsfragen in alle Bereiche des Museums eingebunden. Gemeinsam begleiten wir Interviews der “Witness-to-History”-Reihe, Videoaufzeichnungen, die durchgeführt werden, um die Erlebnisse der Überlebenden noch festzuhalten, bevor sie mit dem Tod ihrer Erzähler sterben. Wir übersetzen deutschsprachige Dokumente des Archives ins Englische und betreuen die derzeitige Ausstellung über Kinder des Holocaustes. Das Museum ist auch ein Servicezentrum. Wir helfen ehemaligen Verfolgten Formulare auszufüllen, die ihre Ansprüche für Entschädigungen aus Deutschland und Österreich geltend machen. Das ist ein eigenartiger Interessenskonflikt, wir müssen ja schließlich auch dafür bezahlen, wenn wir wieder heim nach Österreich kommen. Aber daß ich die Menschen kenne, die das Geld bekommen, und sehe, wie viele von ihnen Mindestpensionisten sind, die sich dritte Zähne davon kaufen, hilft.
Ich selbst muß pro Arbeitsstunde umgerechnet 25 Schillinge zahlen, das Geld aus Österreich reicht nicht aus, um meine Kosten zu decken. “Eigeninitiative” heißt das, und gibt mir etwas Rückendeckung gegen Argumente, Gedenkdiener lebten gut auf Staatskosten im sonnigen Ausland.
Wir werden gefordert, müssen erzählen. Als Gedenkdiener in Kanada sind wir Ansprechpartner für Interessen und Sorgen über Österreich. Immer wieder werden wir gefragt, warum Österreich heute wieder so dumm ist, so eine Regierung zu wählen. Ich erkläre dann die Grundsätze der Demokratie und bedanke mich für die Proteste, denn die gehören halt auch zur Demokratie. Ich sage auch, daß Haider kein Nazi ist, daß die bisherige Regierungsform der österreichischen zwei Großparteien wahrscheinlich ihr Ende finden mußte, und daß ich froh bin, daß die Österreicher in diesen Tagen wieder eine politische Meinung jenseits der Wurstigkeit haben.
Auf Fremdenfeindlichkeit und Populismus in Kanada hinzuweisen, vergesse ich auch nicht. Und zeige meine Sorge darüber, daß Politiker, die polarisieren, den Menschen nichts Gutes tun. Nur einmal hat sich - ein Unbekannter - beschwert, daß wir noch lustig sind, und vor uns hinpfeifen.
Lieselotte hat als Kind den Holocaust überlebt. Mit der Ankunft der Gedenkdiener hat sie wieder angefangen Deutsch zu reden. Wenn wir Kaffee kochen, unterhalten wir uns in deutscher Sprache über die Qualität des Kaffees und über die Güte österreichischer Buchteln. Sie wird mir noch ein Loch in den Bauch fragen.
Es ist das gemeinsame Arbeiten, das gute Stimmung macht, jenseits von politischer Theorie und offiziellen Entschuldigungen, die übrigens für alle Menschen, mit denen ich hier gesprochen hat, von großer Bedeutung sind. Die Leute hier sind einfach - ganz normal - und haben Angst vor allem, was sie aus Österreich an die Schrecken der vergangenen Zeit erinnert.
Wenn ich im Jänner nächsten Jahres nach Österreich komme, werde ich Lehrer sein und mit Schülern arbeiten. Irgendwie lerne ich in diesem Jahr zu begreifen, wozu Erziehung führen kann.
Lothar Bodingbauer, *1971, studierte in Wien Mathematik und Physik Lehramt und arbeitet als Radiojournalist für ORF und Deutschlandfunk. Dieses Jahr verbringt er als Gedenkdiener des “Vereines für Dienste im Ausland” in Kanada.
Stichwort: Gedenkdienst
Der Gedenkdienst wurde 1992 vom Innsbrucker Politologen Andreas Maislinger gegründet. Als Ersatz für den Militär- bzw. Zivildienst befinden sich derzeit ca. 60 Gedenkdiener weltweit an Holocaust-Gedenkstätten im Einsatz. Der Dienst dauert - im Vergleich zum 12-monatigen Inlandszivildienst - 14 Monate und wird rückwirkend als Zivildienstersatz anerkannt. Nähere Informationen finden sich im Internet auf www.auslandsdienst.at und www.gedenkdienst.at
1999
Gedenkdienst in Kanada: X-mas
Tatsaechlich. Hinter den Fensterscheiben sind die Christbaeume zu sehen, bunt beleuchtet, die Wohnzimmer im gedaempften Licht. Schoen sieht das aus, und man muss gar nicht selbst dabei sein.
Gut, es sind in den Weihnachtsausgaben der Montreal Gazette, der National Post und der Globe and Mail schon die Anzeigen fuer den Ausverkauf am 26. Dezember, dem Boxing-Day, zu finden. Aber: Heute ist Weihnachten und morgen der Weihnachtsfeiertag, und das ist allen klar.
* Essenkaufen bis 17 Uhr, dann sind wirklich alle Laeden dicht * Letzte Lieder der Strassenmusikanten, gutes Geschaeft * Gute Stimmung ueberhaupt * Christmas carols auf CBC Radio Canada * Auf den Strassen des fruehen Abends sind schon kaum mehr Menschen
Im Fernsehen: Takshow am Kommerz-Sender. Mehrere junge Maedchen sollen zur Besserung ins Gefaengnis gesteckt werden. Sie sind goschert und dann kommen ins Studio eine Polizistin und ein Polizist. Die Polizist sagt: “Ihr kommt zu mir”, meint zu ihr ins Gefaengnis, und wirft ihnen orange Gefaengniskleidung hin. Das fuehrt zu einer wuesten Beschimpfung gegenseitig, und moeglicherweise wird nach der Werbung eine Weihnachtsamnestie folgen. Doch es ist nicht auszuhalten, solange zuzusehen.
Umgschaltet: Vancouver ist im Nebel, seit Tagen, nur ein Wolkenkratzer schaut heraus. Draussen auf dem umgebenden Bergen scheint die Sonne, und ein Flugzeug holt Luft, und taucht in den Nebel ein.
Minus 19 Grad hat es jetzt am Abend draussen, mit dem Windfaktor ist das schon ziemlich frostig, aber heute war ein schoener Sonnentag. Am Nachmittag sind die Europaer schon tief im Heiligen Abend, was einen Spaziergang umso schoener macht. In der U-Bahn zwei leicht Verrueckte, heute leicht Vergnuegte, die voller Entzueckung auf die Zeichentrickfigur am elektronischen Display starren.
Radio Canada hat eine Leitung nach Port Moresby nach Neuguinea. Der Gespraechspartner von der Heilsarmee sagt: It’s “gorgeous”, ein Lieblingswort der Kanadier fuer “grossartig”. Morgen wird auch er in die Weihnachtsmesse gehen. Dann gehts telefonisch nach Ost-Timor, zu einem Mitglied der Peace-Keeping-Forces.
18:42. Europa schlaeft. Waere ich ganz gesund, so wuerde ich jetzt draussen spazieren. Aber morgen, ja morgen geht’s zum St. Lawrence River! Und fuer heute Abend habe ich mir die Weihnachtausgaben der Zeitungen besorgt, zur Sicherheit ein Readers Digest. Zusaetzlich gibt’s im Charles Dickens Christmas Carol im Fernsehen und: Zwei Geschenke darf ich auch noch oeffnen!
Gedenkdienst in Kanada: Hockey im Molson Center
Gerauft wurde nur dann, wenn abgepfiffen war. Haette der eine Hockeyplayer dem anderen noch waehrend des Spieles eine verpasst, haette es fuer ihn fuer zwei Minuten “ab auf die Strafbank” geheissen. Und die ist wiederum durch eine Glasscheibe vom Gegner getrennt, der eventuell auch einsitzen muss.
Wir sprechen hier vom Hockeyspiel der Canadiens gegen die Gaeste aus Pittsburgh. Die Brauerei Molson hat dazu, und nicht nur zu diesem Spiel, ein Hockeystadion spendiert, aus dem sie eventuell auch Gewinne lukriert, da muesste man nachfragen. Die Eintrittskarte fuer ganz hinten oben, mit wunderbarem Gesamtueberblick, kostet $ 22,70. Plexiglasscheiben trennen die ersten Reihen vom Spielfeld, und das ist Naturgemaess ein Eisfeld, mit Werbungen darunter verborgen. Darueber schwebt ein Riesenluster der am Hauptbildschirm das Spielgeschehen zeigt, den Spielstand, und an den Nebenbildschirmen Werbungen einspielt, und auch wer einsitzen muss. Oft kommt Werbung und oft eine Detailfigur des Publikums. Die freut sich dann immer, springt auf, reisst die Haende nach oben und wiegt im weiblichen Fall die Hueften. Zusaetzlich werden Informationen gegeben, wann es passend waere, zu klatschen, zu stampfen, oder im Krisenfalle auch zu schunkeln. 25000 Menschen koennten das im neuen Molson Centre tun.
Gespielt wird drei mal 20 Miuten mit 20 Minuten Pausen dazwischen, an denen die Besucher hinauseilen um den obligaten Hot Dog zu kaufen, Coca Cola oder auch ein Molson Bier. Ein gelbes Pick-Up Auto der Marke Dodge faehrt herein und prostituiert sich. Gleich danach ein rotes Lastwaegelchen mit einem Weihnachtsmann darauf, der mit einem grossen Gewehr Wuerste in die Menge schiesst. T-Shirts sind darin, lautet die Auskunft der Kenner.
Gemuetlich ist die ganze Halle, mit guter Luft und schoener Sicht. Das Spiel selbst verlaeuft tendenziell schleppend. Kaum ist eine Minute gespielt, wird gestoppt, irgendetwas unsichtbares passiert, gegebenenfalls wird ein Spieler ausgetauscht. Bei wechselnder Musik. Ueberhaupt ist zu bemerken, dass auf den Spielerbaenken mehr Spieler sitzen, als alm Feld herumfahren: 5 pro Mannschaft und jede einen Tormann. Vier Schiedsrichter stehen herum, fahren dann und wann dazwischen, und weichen dem Puck hoechstens durch einen Schritt nach oben oder zur Seite aus. Oft muessen sie auch ihren Kopf schuetzen vor den Schlaegern bzw. den Schlaegen.
Das Spielgeschehen unterliegt einer bemerkenswerten Organisation und Taktik. Schnell wird der Puck nach vorne getrieben, um dann unmittelbar zur Seite dem aufholenden Spieler der gleichen Mannschaft zugespielt zu werden. Der dann ganz gerne ein Tor schiesst, und dann ertoent eine Sirene, die Halle jubelt, und rote Blinklichter auf der entsprechenden Seite des Spielfeldes zeigen die Richtigkeit des Gesehenen an. Wie schoen ist es, wenn das Spielgeschehen dichter, den Aufforderungen zu klatschen vorausgeeilt, und es so gesehen spannend wird! Und wie dann Pittsburgh gegen die Canadiens gespielt haben, wird morgen die “Gazette” schreiben: 5:1 gewonnen.
Gedenkdienst in Kanada: Montreal Holocaust Memorial Center
INFORMATIONEN ZUM GEDENKDIENST Jänner 2000
GESCHICHTE UND GEGENWART DES MHMC (Montreal Holocaust Memorial Center)
Das MHMC geht auf eine Initiative der Association of Survivors of Nazi Oppression zurück, die 1974 gegründet wurde. Diese jüdische Vereinigung der Überlebenden des nationalsozialistischen Regimes gewann die Unterstützung der Stadt Montreal und des Allied Jewish Community Service (heute: Federation Combined Jewish Appeal, kurz: Federation CJA) für die Errichtung einer Holocaust-Gedenkstätte, die 1979 im Gebäude der Federation CJA eröffnet wurde. Die Holocaust-Survivors spielen bis heute eine aktive Rolle als Museumsführer und richtungsgebende Mitarbeiter in Gremien und im Servicebereich des MHMC. Der erste Schritt zur Errichtung eines Museums war die Schaffung eines Archives zur Aufbewahrung von Kunst- und Erinnerungsgegenständen, Dokumenten und Fotografien, die mit dem Holocaust in Verbindung stehen. Die Sammlung des Archives umfaßt heute etwa 50.000 Objekte. Aus den Beständen des Archives wurde 1985 die erste große Ausstellung des MHMC zum Thema „Children of the Holocaust – Legacy of a Lost Generation“ (Kinder des Holocaust – Nachlaß einer verlorenen Generation) zusammengestellt und der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Dauerausstellung des Museums wurde 1991 unter dem Titel „Splendor and Destruction: Jewish Life that Was, 1919 – 1945“ (Glanz und Zerstörung: vergangenes jüdisches Leben, 1919 – 1945) präsentiert und führte zu einer jährlichen Besucherzahl von 15.000 Personen.
Die Führungen durch das Museum werden vorwiegend von den Überlebenden des Holocaust gehalten, die in kurzen Vorträgen ihr persönliches Schicksal während der Shoa (hebr.: Holocaust) schildern. Eine Hauptzielgruppe aller Aktivitäten des Centres sind Schulklassen. Das MHMC bietet für Schüler und Studenten speziell betreute Führungen durch das Museum an, widmet sich intensiv der ständigen Verbesserung des geschichtlichen Unterrichts zum Thema „Holocaust“ und ist aktiv an wissenschaftlichen Symposien zur Didaktik der Vermittlung des Holocaust, von Toleranz und Antirassismus beteiligt. In Summe erreichte das MHMC 1995 durch das gesamte Veranstaltungsgebot, das außer festen Ausstellungen auch Vorträge, Tagungen und Wanderausstellungen behinhaltet, knapp 100.000 Besucher.
Derzeit wird das MHMC vollständig umgebaut, die ständige Ausstellung wird um eine Darstellung des jüdischen Lebens in fünf Städten Europas und Noradfrikas vor dem 2. Weltkrieg und das Leben nach dem Holocaust erweitert. Museumspädagogen sorgen für eine zeitgemäße und multimediale Darstellung der Sammlung. Im zweiten Teil des Jahres 2000 wird der Umbau abgeschlossen und eine Neueröffnung zu erwarten sein. Eine verkleinerte, temporäre Ausstellung ist aber schon jetzt zu besuchen. Im Mittelpunkt der Dokumentations-, Forschungs- und Publikationstätigkeit des MHMC stehen die Schicksale von Opfern und Überlebenden der Shoa. Ihnen ist das Programm „Witness-to-History“ gewidmet. Es umfaßt bisher etwa 400 auf Video aufgezeichneten Interviews mit Holocaust-Überlebenden. Diese Dokumente werden wissenschaftlich ausgewertet und Forschung und Lehre zur Verfügung gestellt.
Die Organisation von Gedächtnisfeierlichkeiten zum Gedenken an den Holocaust ist ein weiteres Aufgabenfeld des MHMC.
Als Serviceeinrichtung hilft das MHMC ehemaligen Zwangsarbeitern, die notwenigen Formulare für Entschädigungen durch schweizer oder österreichische Banken auszufüllen. Finanziert wurde das MHMC 1997 zu 45% durch Spenden. 55% der Mittel wurden von der Mutterorganisation Federation CJA zur Verfügung gestellt. Die Republik Österreich stellt mit der Entsendung zweier Gedenkdiener zwei unentgeltliche Arbeitskräfte zur Verfügung.
GEDENKDIENST ALS FORM DES ÖSTERREICHISCHEN ZIVILDIENSTES
In Österreich dürfen präsenzdienstpflichtige Männer frei wählen, ob sie anstatt des 8-monatigen Militärdienstes den 12-monatigen Zivildienst leisten wollen. Dieser Zivildienst ist in Österreich normalerweise mit der Tätigkeit an sozialen Einrichtungen im Inland verbunden. Es besteht jedoch seit 1992 auch die Möglichkeit, einen 14-monatigen Dienst im Ausland zu leisten, an Einsatzstellen etwa, die sich aktiv mit Zeitgeschichte und der österreichischen Rolle im nationalsozialistischen Regime beschäftigen. Diese Idee dieses Gedenkdienstes geht auf den österreichischen Politikwissenschaftler Andreas Maislinger zurück, der 1980 mehrere Monate als freiwilliger Mitarbeiter für die deutsche Aktion Sühnezeichen - Friedensdienste in Auschwitz-Birkenau tätig war.
Ziel dieses in Anerkennung der Täterrolle Österreichs im nationalsozialistischen Regime vom Bundesministerium für Inneres genehmigten Gedenkdienstes ist es, jungen Österreichern die Möglichkeit zu geben, sich aktiv mit Zeitgeschichte und dem Holocaust zu beschäftigen und Zeichen zur aktiven und verantwortungsvollen Beschäftigung mit der österreichischen NS-Vergangenheit zu setzen.
Heute werden Gedenkdiener nach Israel, Europa und Nordamerika geschickt, sie sind aktiv in alle Bereiche der Einsatzstellen eingebunden und sind durch ihre unterschiedliche Vorbildung spezialisiert, zu geschätzten Mitarbeitern geworden. Für die Shoa Foundation des Filmemachers Steven Spielberg katalogisieren und evaluieren Gedenkdiener etwa Interviews, die von Überlebenden gemacht wurden; österreichische Gedenkdiener führen durch Museen oder besuchen als Vortragende Schulklassen Universitäten und Symposien.
Der Verein für Dienste im Ausland arbeitet heute mit 30 Institutionen weltweit zusammen. 39 Gedenk-, Friedens- und Sozialdiener arbeiten an 20 Einrichtungen, eine Zahl die sich erhöht. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit wurde um die Beschäftigung mit Gegenwart und Zukunft erweitert. In jüngster Zeit wurden Gedendienststellen um soziale oder friedenssichernde Einrichtungen erweitert. Sozialdiener etwa betreuen etwa in Buenos Aires Straßenkinder und Friedensdiener unterstützen in Palästina die Tätigkeit der Palaestinian Society for Human Rights and Environment.
DER ÖSTERREICHISCHE GEDENKDIENST AM MHMC
Im April 1995 wurden die ersten österreichischen Kontakte zum MHMC geknüpft, und Judith Pfeifer trat als nichtzivildienstpflichtige Frau ihren freiweilligen Dienst in Montreal an.
Die Resentiments der Überlebenden gegenüber jungen Österreichern als Repräsentanten des „Täterlandes“ konnten durch den Einsatz der Leitung des MHMC und österreichischer Holocaust-Opfer überwunden werden. Die ursprüngliche partielle Ablehnung des Gedenkdienstes am MHMC gründete sich auf das Argument, dieser Gedenkdienst sei erst 50 Jahre nach dem Holocaust und daher viel zu spät ins Leben gerufen worden und solle der Republik Österreich auf diesem Weg zur Wiedergewinnung ihrer durch die Waldheim-Affäre und die Wahlerfolge der FPÖ unter Jörg Haider angeschlagenen internationalen Reputation verhelfen.
Die Zusammenarbeit gestaltete sich aber dann als so überaus erfolgreich, daß das MHMC auch von österreichischer Seite durch das Bundesministerium für Inneres als offizieller Einsatzort für den Gedenkdienst anerkannt wurde. Die Gedenkdiener stehen im steändigen Kontakt mit der österreichischen Bot schaft in Ottawa und dem österreichischen Konsulat in Montreal, die die Aktivitäten sehr genau und mit großem Interesse verfolgen.
Von 1996 bis 1997 leistete Philipp Manderla Gedenkdienst, 1998/99 Klaus Jagoditsch und Wolfgang Müller, seit dem 16. Oktober 1999 Michael Pollan und seit dem 1. Dezember 1999 Lothar Bodingbauer.
Die meisten Gedenkdienstleistenden hatten zur Zeit ihrer Tätigkeit ihr Studium bereits abgeschlossen oder waren in fortgeschrittenen Studienabschnitten. Die damit verbundene Selbständigkeit ihrer Mitarbeit dürfte in Zukunft durch die Unaufschiebbarkeit des Zivildienstes gefährdet sein: Kommende Gedenkdienstgenerationen werden gerade erst die Mittelschule beendet haben.
Die Gedenkdiener sind in alle Arbeitsbereiche des MHMC vollständig eingebunden: Sie katalogisierne, indizieren, übersetzen, entwickeln Materialien, führen, betreuen ehemalige Zwangsarbeiter und entwickeln eigenständige Programme; Gedenkdiener sind den angestellten MHMC-Mitgliedern gleichgestellt. Darüberhinaus werden Gedenkdiener von Mitarbeitern und Besuchern des MHMC oft sorgenvoll nach den politischen und sozialen Verhältnissen in Österreich befragt. Es ist also naheliegend, dem Gedenkdienst im Ausland auch eine Botschafter- oder Repräsentanzrolle zuzuschreiben.
Gedenkdienst in Kanada: Kindersingen
Kinderchor inmitten der Cavendishmall, einem Einkaufszentrum etwas ausserhalb der Stadt. Mit dressiertem Gesicht stehen sie da gruppiert herum, bewegungslos. Sie singen freudlos, wenn auch im Chor, ihre einstudierten Weihnachtslieder. “The little Drummer Boy” zum Beispiel. Dann und wann setzten sie ihre Floeten an und pusten hinein. Dirgiert werden sie von einer weisshaarigen Dame, begleitet von ihrem Duplikat am Elektro-Piano. Dreissig Menschen sehen den Kindern - schon etwas froehlicher - zu. Ein alter Mann geht vorbei, bleib stehen, ist unschluessig, ob er laecheln soll, oder nicht, probiert es, laechelt doch nicht und geht weiter. Recht hat er. Aber was sollte man tun, 8 Tage vor Weihnachten.
Gedenkdienst in Kanada: R.
R. traegt vermutlich eine Peruecke. Graumeliert, oben glatt, links und rechts die Haare nach aussen gedreht. Sie ist eine sonnige Frau und gelb war ihre Lieblingsfarbe. Als Voluntaerin hilft sie im Holocaust Museum mit, waehrend des Krieges war sie Zwangsarbeiterin in einer deutschen Waschmittelfabrik. Ihren unmittelbaren Vorgesetzten vertraute sie, wie sie sagt, denn sie waren in Ordnung. Aber der Abteilungsleiter war ein Nazi, kurz vor Kriegsende hat er sich abgesetzt. Er ist einfach verschwunden. Viele Menschen in der Fabrik seien durch “freundliches Feuer” der Briten und Amerikaner ums Leben gekommen, als das Gelaende bombardiert wurde. R. hat, wie alle aelteren Damen Montreals rot bemalte Lippen, am Nachmittag allerdings schon etwas ausgebleicht. Sie treagt gruene Kleider und einen pelzbesetzten Schal und sagt: “Life is beautiful, Lothar, isn’t it?“
Gedenkdienst in Kanada: H.
H. versteckte seinen Daumen zwischen Zeigefinger und Mittelfinger. So wie es Kinder gerne machen, wenn sie angestrengt nachdenken. Den Fragebogen auszufuellen, mit der genauen Angabe, in welchen Konzentrationslagern H. eingesperrt war, das bedurfte angestrengten Nachdenkens.
Gewiss waren die Namen, die Daten und die Reihenfolge der verschiedenen Lager unveraendert in seienem Gedaechtnis, aber sie waren etwas verschuettet, und um die Angaben freizuraeumen, dazu musste H. den Daumen zwischen die Finger stecken. Sein Atem roch nach scharfen feinen Pfefferminzdrops, er klapperte mit seinen falschen Zaehnen und meinte, ja gewiss, es waeren viele Lager gewesen in denen er gewesen sei. Ob er denn vielleicht die groessten nennen sollte, am Fragebogen fuer die Entschaedigung zur Zwangsarbeit. Genaugenommen am Fragebogen zur Registgrierung fuer die Entschaedigung zur Zwangsarbeit waehrend des 2. Weltkrieges. Die United Restitution Organisation hatte ihn an die juedischen Bewohner Montreals ausgeschickt, um die Ansprueche zu registrieren.
Die letzten grossen Stationen von H. waren Auschwitz und Birkenau. Und er hat bei IG Farben gearbeitet. Viel Geld scheint er heute nicht zu besitzen, und es ist ihm voellig klar, dass der Fragebogen nur zur Registrierung gilt und noch keine Entschaedigung bedeutet. Mit den Zaehnen klappernd geht er davon. Ein sich zurueckziehender freundlicher Mann.
Gedenkdienst in Montreal - Cumming House
Das Cumming House ist nur der Verwaltungsapparat der juedischen Gemeinde Montreals und auch der ganz Kanadas. Dahinter ist durch Verbindungsgaenge das Tageszentrum fuer Senioren erreichbar und das YHA, die Young Hebrew Association, mit Sportmoeglichkeiten und Volkshochschulartigen Kursen. Um $ 30 Millionen wurde das Cummings House renoviert und es ist nun definitiv nobel eingerichtet. Viel Stein und Marmor, Teppichboeden in den oberen Stockwerken. Die Raeume haben Namen nach Familien erhalten, die sie gesponsert haben. 400 Menschen arbeiten hier, was man kaum glauben moechte. In der Eingangslobby wacht ein Security-Mann ueber jeden Ein- und Austretenden, links davon ist nun das Montreal Holocaust Museum im Erdgeschoss zu finden: Dessen Buero und die Ausstellung "Kinder im Holcoaust". Das Buero des Museums bekommt noch keine Frischluft, und ist quasi auf der Strasse, nur durch grosse Fensterscheiben von ihr getrennt. Das bedeutet, zu jeder Zeit die Wetterlage zu kennen, zu mancher Zeit den Mond, und gegebenenfalls die Sonne. Die Angestellten moegen das Buero nicht, und obendrein soll es in ein paar Monaten in den Keller, was gar nicht schoen ist. Alles oben wird dann zum Hauptmuseum. Und dabei meinen sie, wuerde der Holocaust durchaus besser zum Keller passen. "Ausstellungsstuecke zaehlen mehr als die Menschen". "Ruhe" schreit Bill, der Chef, dazwischen im Buero, "wir sind hier ein Museum!". Jeder kann am Bueroleben teilnehmen und ist dorch durch Trennwaende von den anderen getrennt. Die beiden Gedenkdiener haben einen Schreibtisch mit Besucherstuhl in den Gaengen dazwischen erhalten, und koennen so, Laufburschen aehnlich, jederzeit einspringen, wo sie gebraucht werden.
Gedenkdienst in Kanada: Habits II
Schlechte Seiten der Montrealianer, oder vielleicht der Nordamerikaner im allgemeinen:
1. Eine inflationaere Menge an Plastiksackerln: Im Supermarkt, in jedem Markt, fuer Werbezetteln. Wer als Firma kein Plastiksackerl mit seinem Namen bedruckt hat, ist ein Niemand, ein Nichts. Das Montreal Holocaust Memorial Centre ist zwar noch nicht ins neue Gebaeude umgezogen, es gibt aber schon bedruckte Plastiksackerln mit der neuen Adresse.
2. Die klassischen Musiker geben sich zwar in ihren gedruckten Programmen grosse Muehe, aber gegen Europas Orchester haben sie keine Chance. Ganz Wien ist Musik im Vergleich, da muss man auf die Programme nichts mehr hinschreiben, das ist zu spueren. Es gibt den Geist der Stadt!
3. Irgendwelche polierten Aepfeln gleicher Groesse. Ist doch nicht notwendig, oder? Nicht zu fassen, das meiste Obst und Gemuese ist genetisch veraendert. Die Tomaten halten endlos.
4. Kinderaufbewahrung in Einkaufszentren. Discomusik, alles bunt, bunte Lichter, bunte Musik und die Kinder zappeln herum. Negativ!
Gedenkdienst in Kanada: Habits II
Gute Seiten der Montrealianer, oder vielleicht der Nordamerikaner im allgemeinen:
1. Der Gasofen zuendet sich von selber an, man drueckt und dreht auf, zwei Sekunden spaeter brennt die Platte. Bravo!
2. Im Supermarkt packt an der Kasse ein Helfer die Einkaeufe in - schlechte Seite - Plastiktaschen und verstaut sie auf eventuell mitgebrachten Schubkarren. Er denkt dabei mit und verwendet zwei Sackerl fuer einen Kartoffelsack, gibt, wenn es ein schweres Ding war, nichts mehr hinein, und zerdrueckbare Sachen immer obendrauf. Auch die Kassierin legt es ihm schon passend hin.
3. Vier verschiedene Wochenzeitungen fuer Stadt-Programm und Stadt-Kultur sind gratis: Zwei in franzoesischer und zwei in englischer Sprache.
4. Werbung wird im Haus unten beim Postfach in Plastiksackerl - schlechte Seite - bereitseitgehaengt und nicht zur Tuer heraufgetragen. Schlechte Seite: Auch der Postmann macht sich die Muehe des Heraufgehens nicht, er hinterlaesst unten im Postfach eine Karte, zum Packerl-selber-holen.
5. Die franzoesische Kueche in der Provinz Quebec mit Baguette und Wein, und Kaese und Kaffee. Welch ein Genuss!
6. Die Kommentatoren beim Schirennen fahren auf die Oesterreicher voll ab: Vor der Werbung wird noch ein Bild Hermann Meiers gezeigt, mit Untertitel: “The Hermann-nator, after the break. A whole lot of Austrians more to come”. Und wie sie sich freuen. Nebenbei: Die Oesterreicher sind auch gut, die ersten vier Plaetzte gehen an Oesterreich, dann ein Italiener, dann wieder ein Oesterreicher.
7. Die vielen bunten Menschen. Es geht auch anders, Mr. Haider. Angeblich nimmt Quebec jeden Einwanderer, Hauptsache, er spricht franzoesisch, gleich mit welchem Akzent.
8. An manchen Fussgaengeruebergaengen sind an den Ampeln gegenueber Zaehler aufgehaengt. Diese zeigen dem Ueberquerungswilligen im Count Down Stil an, wieviele Sekunden ihm zur Ueberquerung noch bleiben. Der Count Down beginnt bei 25.
9. Ortsgespraeche sind kostenlos, und daran koennte man sich gewoehnen.
10. So viele Leute haben einen tollen Haarschnitt!
11. Die fehlende kollektive Hysterie der Kanadier, wie wir es von den Amerikanern so gar nicht gewoehnt sind.
Gedenkdienst in Kanada: Dining Out
Die Rue Dennis ist ueber und ueber mit Christbaumlaempchen geschmueckt. In allen Farben. Im Lateinischen Quartier der Innenstadt befinden sich, in viktorianischen Hauesern an beiden Seiten der Strasse aufgereiht, die kulinarisch bunten Restaurants der Stadt; und viele Menschen nuetzen am Freitag Abend die Gelegenheit zum “dining out”. Unglaublich viele Menschen, die Restauran sind voll. Meist dunkel, und mit etwas Kerzenlicht sitzen sie wohlgeordnet an den Tischen und sie sind jeden Alters. Was sie essen weiss man nicht, doch es wird schmecken. Sie sehen gluecklich aus.
Gedenkdienst in Kanada: Buslinie 161
Busfahren auf der Linie 161. Leicht wird einem schlecht. Grund dafuer sind die staendigen Stops an jeder Strassenkreuzung. Stop-Schilder fuer jede Strasse, oder auch “Arret” fuer alle. Und dann geht’s wieder weiter, nach einem leichten “touch-down”, einem angedeuteten Stehenbleiben der Beteiligten.
An der Haltestell reihen sich die Mitfahrwilligen in eine Reihe ein, im Einstieg wird dem Chaffeur die Karte gezeigt oder wahlweise eine zwei Dollar Muenze ins Auqarium geworfen, das ist ein Glasbehaelter der die Fahrkarten oder den Fahrpreis kurz dem Fahrer zeigt, bevor er sie an den Blechbehaelter darunter weitergibt. Wer nachher wieder aussteigen will, zieht die gelbe Reissleine entlang der Fensterscheiben. Nicht fest, mit der ganzen Faust nach unten, sonder meist nur zwei Finger werden verwendet: Mit einem elganten kurzen Ruck, zackig leicht, so wird gezogen, und damit ist die Sache noch nicht getan. Man muss beim Ausstieg hinten ganz zur Tuere gehen, also eine Treppe hinuntersteigen, dann erst wird sie sich oeffnen. In Wien soll man gerade dort nicht stehen, und so konditioniert traut man sich in Montreal nicht mitzumachen. Zweite Moeglichkeit, die hintere Tuer aufzukriegen bei anderen Bussen: Die ganze Hand an den mittleren Tuerrahmen auf die gelbe Linie legen, das funktioniert auch.
Die Sitze sind enger angeordnet, als im vertrauten Mitteleuropa, und von draussen sieht der Bus sehr futuristisch aus. Wie ein Panther im Sprung nach vorne, mit breitem Hintern. Innen auffallend viele Omis mit rotgeschminkten Lippen. Der Rest der Mannschaft sitzt regungs- und bewegungslos.
PS: Die Reißleinen sind in manchen Bussen auch rot.
Gedenkdienst in Kanada: Baguette
In Montreal wird gerne und gut franzoesisch gegessen. Das bedeutet gerade im Supermarkt eine nette und gute Auswahl an Kaese, Brot, suessem Gebaeck und Wein. Exemplarisch das Etikette du Baguette:
Baguette Francaise 280g / French Bread Stick 280 g Ingredients: Farine enrichie (Farine de ble enrichie, amylase, peroxyde de benzolyle, fer reduit, azodicarbonate mononitrate de thianine, ribovlavine), eau, levure fraich sel, esters tartrique des mono et glyceride acetyle, acideascorbique. Pack date 08-DE-99, best before 10-De-99, **total** $0.79, net 1 pcs. Supermarche Ornawka Inc., 4885 Van Horne, Montreal H3W 1J2. Special.
Und ich dachte: Mehl, Wasser, Salz, Germ.
Gedenkdienst in Kanada: Wasser im Büro
Es ist lang, schmal und aufrecht. Es wird mit der Steckdose verbunden und hat vorne zwei Wasserhaehne. Es steht in nahezu jedem Buero und ist wiederbefuellbar: Mit grossen Plastikbehaeltern voll Wasser.
Der Buerowasserspender ist aus der Naehe nordeamerikanischer Arbeitsplaetze nicht wegzudenken. Wer Durst hat, der trinkt. Er trinkt jenes Wasser, das der Areitsgeber fuer ihn kauft. Kostet ja ausserdem nicht viel. Gekuehlt fliesst es aus dem rechten Hahn, ungekuehlt aus dem linken.
Wenn sie es nur schaffen wuerden, die Plastik-Schaumstoffbecher zu ersetzen, zeitweise sieht man auch schon kleine Kartontueten, die so klein sind, dass auch ein Kind sie ein paarmal befuellen muss, um einen mittleren Durst zu loeschen.
Gedenkdienst in Kanada: Eaton Centre
Das Montreal Holocaust Museum befindet sich bis Mitte Dezember in einem verlassenen Einkaufszentrum der Cavendishmall. EinTeil der Halle wurde fuer die Ausstellung des Museums benutzt: “Kinder und der Holocaust”, heute steht alles fertig in Bubble-Wrap, Plastikfolie mit Luftblasen, und in Kartons verpackt da und wartet auf den Abtransport.
Alle anderen, die bis vor kurzem auch hier gearbeitet haben, sind schon weggezogen, neben dem Museum haelt nur der Canadian Jewis Congress ein paar Schretibtische am hinteren Rand der Einkaufshalle.
Die Reste der Boeros sind unschwer zu verbergen: Schreibtischsessel ohne Raeder, kaputte Tische, dann und wann ein Akt, und viel viel Muell. Frueher war das ein Kaufhaus wie Herzmanski, oder Gerngross. An den Saeulen sind bis zur Decke Spiegeln befestigt, Schinkraeume mit wunderbaren alten, plastikbezogenen Sesseln lassen die sich schminkenden Damen vor den Spiegeln noch erahnen. Die Beleuchtung ist ja noch da!
Getrennt sind die provisorischen Bueros durch Paravents. So schnell ist naemlichein Buero gebaut: Tisch, Telefon, Paravent. Und da kann der Rest der Halle noch so gross sein, wirkt alles schon sehr intim. Teppichboeden ueberall, und Spiegeln. Der letzte Schreibtisch im hinteren Eck ist der vom Chef des Museums: Bill A. Surkis. Refugium nennt er sein Gebiet und dort darf auch geraucht werden. Weil er es so bestimmte.
In der Nachbarschaft rattert - ohne Kundschaft - immer noch die Rolltreppe. Ueberall liegen heute verlassene halbtoten Luftballons herum. Gestern war hier Kinderfest. “A youous Hanoukah”. Die aufgeklebten Schilder weisen auf den Grund der Feier hin: Juedische Weihnachten. Ein Fest, das mit Weihnachten allerdings nichts zu tun hat, weil der Sieg ueber Antiochos Truppen be Macabaea gefeiert wird, ein Sieg gegen die Hellenisierung.Etwas skurril, die ganzen Luftballons, am Boden, durch Kinderhaende geknetet, die Zeichnungenund diese Verlassenheit am Tag danach. Sind doch tatsaechlich alle weg!
Am Eingang sitzt der Portier, gaehnt, raucht, liest Zeitung, und wird um 15 Uhr abgeloest, vom Kollegen, der noch gar nicht jeden kennt.
Eoton hiess man hier frueher, und Eaton ist abgehaust. Der Rest von Cavendish ist der bluehenden Teil der Shopping Mall, die zur Weihnachtszeit in ihrer Mitte Lamas, Schafe, Ziegen und Huehner beherbergte, zum Fuettern und Streicheln. Die Grenze zum abgehausten Eaton bildet eine riesige lange Glasscheibe, auf der, wie man erzehlt, eine Kuenstlerin in Hinterglasmanier eine Stadt gezeichnet hat, es wird wahrscheinlich Montreal sein, mit viel, viel gruen und vielen bunten Hochaeusern.
Gedenkdienst in Kanada: Ile Ste Helene
Per U-Bahn ist die Donauinsel Montreals leicht zu erreichen. Eine eigene kurze Linie verbindet die Ile-Ste-Helene mit dem Stadtgebiet. Der Suedzipfel der Insel zeigt dem St. Lawrence River das Gesicht, er blickt stromaufwaerts. Der Fluss teilt sich nach links zum Chenal Le Moyne und nach rechts zur Hauptader des St. Lawrence Stroms. Fleuve Saint-Laurent ist sein franzoesischer Name, am Ufer sieht man wegen des sauberen Wassers noch weit ins Flussbett hinunter.
Was auffaellt, wenn man die U-Bahn Station auf der Insel verlassen hat, ist der dunkle aber starke Laerm von der Suedseite her. Spaeter wird man eine Eisenbahnbruecke vielleicht zwei Kilometer weit sehen, auf der ein Gueterzug langsam den St. Lawrence ueberquert. Unendlich viele Waggons muessen es sein, mindestens jedoch so viele, dass der ganze Zug auf der langen Bruecke Platz hat.
Eine wunderschoene alte andere Bruecke ist die Jaque Cartiere Bruecke, auch sie macht auf der Insel halt. Mit Stahltraegerboegen verbindet sie die Ile-Ste-Helene mit der Stadt, ihrer Schwesterinsel Ile-Notre-Dame und dem Ostteil Montreals. Die Abfahrt von der Bruecke zur Insel ist ein riesiges Gebaeude, die Strasse fuehrt im Halbogen steil herunter. Es muessen naemlich die Autofahrer den Vergnuegungspark erreichen koennen: “La Ronde”. Mit Achterbahn und sonstigen Lustgewinnanlagen.
Jetzt, um 10 nach 8 ist es richtig hell geworden, ein kurzes rotes Schiff wendet elegant im Strom und raucht ganz heftig aus dem Schornstein, vereinzelt dringen Schlaege vom neuen Hafen zur Insel herueber. Ein Jogger und ein Fischer sind die einzigen Menschen um diese Zeit im Park, und ein Mensch, der hinter seinem Schreibtisch im Cousto-Meeresmuseum sitzt. Was er um diese Zeit vorhat, obwohl das Museum erst um 10 Uhr oeffnet? Sein Museum heisst “Biosphere”. Taucherglocken und ein kleines Unterseeboot am Platz davor weist auf die Verbindung zum Meer hin. Und das beste: Eine Riesenkugel aus Stahlrohr-Dreiecken umfasst das gesamte Gebaeude. Perfekt rund ist sie, obwohl sie ja aus geraden Rohren besteht. Man muss erst in die Kugel hineingehen, um zu erkennen, dass keine Glasscheiben das Innere abschotten, sondern das Innere zum Himmel hin offen ist. Lauter Dreiecke, die die Kugelhuelle formen, stabilisiert durch weitere Dreiecke, die ins Innere ragen.
An diesem Ende der Insel befindet sich der “Lac-des-Cygnes”, der Schwanenteich. Man ist fast versucht, ueber die Bruecke zurueck zur Stadt zu gehen, jedoch: bequemer ist die U-Bahn.
Gedenkdienst in Kanada: Stadtspaziergang
Der Spaziergang beginnt an der Cote-des-Neiges. An der Seite des Schnees, wie es uebersetzt heisst. Den Boulevard Edouard Montpetit hinauf, zum Cimetiere Notre-Dame-des-Neiges, vorbei an Cafes und Baeckerein mit Baguette und allerlei franzoesischen Gnuessen. Der Weg in Richtung Downton fuehrt ueber den Mont Royal, ein grosses gruenes Naherholungsgebiet, das zum einen Teil Friedhof, zum anderen ein wunderschoener Park mit alten Baeumen ist.
Der Friedhof ist naturgemaess wie ausgestorben, besonders jedoch zum fruehen Morgen. Grosse Wege sind, durch winterkahle Baeume eingefasst, Alleen. Kleine Wege fuehren durch die unzaehligen Grabreihen. Im Nebel und leichtem Niselregen ist die Stadt selbst nicht zu sehen. Die Grabstaetten des Friedhofes bestehen eigentlich nur aus den Grabsteinen, nur selten sind Blumen davor eingepflanzt.
Ein grosses Gebaeude aus Stein wird wohl die Begräbnisfeierlichkeiten beherbergen. Die Raben Viele schwarze kleine Voegel, Name unbekannt, starten gemeinsam und landen wieder zwischen den Graebern. Vereinzeilt aber dennoch, dann und wann ein Raabe.
Hat man den Friedhof erst durchquert und den Chemin Rememberance gekreuzt, erreicht man den weltlichen Teil des Mont Royals. Lac des Castor, oder Biberpfütze heißt ein Teich, auf dem sich trotz des warmen Wetters Eisplatten wie zerbrochene Glasscheiben befinden. Quer durch den Wald geht es nun schon hinunter, Downtown. †ber die Trafalgerstiege erst, dann am Generalhospital Montreals vorbei zu den Hauptgeschäftsstrapen: Die Rue Ste-Catherine etwa, die an den Enden rauher, verwahrloster ist, wie in der mondänen Mitte. Die Rue University führt über das Hotel Hilton - Eisenbahn hält im Haus - zum alten Hafen: Zum Vieux-Port, große Schiffsanlegestellen mit Museen und einem Imax Kino darauf. Im Somer wird hier sicherlich das große Ding abgehen, wenn alle draußen sitzen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Entlang des St. Laurenz Rivers führt die Rue Notre-Dame stadteinwärts erstreckt sich die Altstadt, mit großen Gebäuden, ein Gebiet, das Samstag Morgen noch ausgestorben ist. Hier werden sich die Touristen herumtreiben, an der Kirche Notre-Dame, Souvenirgeschäfe weisen auf diese Tatsache hin. Würde man dem Fluß entlang weitergehen, erreichte man den neuen Hafen und die Industrie- und Lagerhallen in seiner Umgebung. Die Rue Berri hinauf jedoch führt zum anderen Ende der Rue Ste-Catherine, das ebenso verwarlost wirkt, wie ihr Anfang. Erstaunlich ist, und von Europa her unbekannt, daß Abrißhäuser und schön gepflegte Häuser nebeneinander Platz haben. Natürlich gibt es viertelweise Gesamteindrücke, aber diese Homogenität eines Stadtgebietes in all seinen Facetten ist hier nicht zu finden.
Gedenkdienst in Kanada: Erster Eindruck von Montreal
Montreal ist unauffaellig. Wie angekuendigt sprechen die Menschen englisch und franzoesisch, was im Alltag keine Muehe macht. Nur selten werden Informationen nur in franzoesischer Sprache bekanntgemacht. Der Gespraechspartner wechselt sofort ins englische, wenn man auf seine Begruessung englisch antwortet. Viel Verkehr braust durch die Strassen, grosse Trucks und viele neue VW Beatles.
Ausgesprochen viele junge Menschen, huebsch die meisten, und mit bunt gemischter Hautfarbe tummeln sich in der Stadt. Montreal ist keine amerikanische Stadt, der Kulturschock nach der Ankunft am Flughafen findet nicht statt. Weit sind die Distanzen allerdings schon, und mit der U-Bahn dauert es noch immer lange. Vielleicht kommt der Eindruck der Weite auch durch die frue einbrechende Dunkelheit, um ungefaehr um halb fuenf Anfang Dezember.
In der Innenstadt ist das Wasser des St. Lawrence Rivers nicht zu sehen, auch wenn das Innere Montreals zur Gaenze auf einer Insel liegt. Viele beleuchtete Kreuze sind ueber das Stadtgebiet und auf dem Mont Royal, dem Stadtberg verstreut. “Sehr christlich sind sie hier, und viele Geistliche haben derzeit Verfahren am Hals, wegen sexueller Belaestigung, erzaehlt David, der mich vom Flughafen abholt.
Unter den Strassen und Haeusern befinden sich unzaehlige Shopping Malls, gut beleuchtet, hell, mit guter Luft und schoenen bunten Geschaeften. Kaum heimelig, dennoch. Die Geschaefte auf den Strassen sind schmal, gehen aber tief ins Haus hinein.Oft sind sie halb in den Keller gebaut, der erste Stock beginnt durch eine Stiege erreichbar ueber der Strasse, oft sind dort die Eingaenge fuer die Wohnungen ueber den Geschaeften. Teuer ist der Einkauf in den kleinen Lebensmittelgeschaeften, doch billig in den Supermaerkten. Das Preisniveau liegt aehnlich wie in Wien, und manchmal auch darunter.
Die Autos halten sehr oft mitten auf der Sperrlinie und halb auf dem Zebrastreifen, der keiner ist, nur zwei Linien begrenzen die Fussgaengeruebergaenge. Man hat oft die selbe Ampel wie die Autofahrer, und wenn die dann auf gelb springt, heisst es “laufen, und zwar schnell. Die Baeume auf den Gesteigen haben Holzlatten als Umrahmung als Schutz vor den Schneepfluegen erhalten. Die groesseren Baeume muessen ohne Schutz auskommen, schreibt die Stadtzeitung, die weiter berichtet, dass Gehsteige 50 Jahre haltenund aus Beton sind, Strassen hingegen nur 20 Jahre halten muessen, und meist nach 12 Jahren schon kaputt sind.
Kanada als Staat ist hier kaum zu bemerken. Nur manchmal taucht der Schriftzug “Canada” auf, in Times New Roman gehalten, meist in Verbindung mit staatlichen Normen, etwa wie man Archivgegenstaende beschriften soll.
Das Telefonieren nach Oesterreich ist mit einer sogenannten “Pre Paid” Telefonkarte billig. 20 Minuten kosten 5 Dollar, also etwa 50 Schilling und somit etwa 2 Schilling pro Minute. Hat man allerdings eine Karte von “Bell” erwischt, haelt diese nur 14 Minuten. Welch ein Unterschied! Wenn man sich am Telefon verwaehlt, taucht gleich ein Operator auf, dererklaert, wie es richtig geht. Sehr angenehm ist das.
Wasser ist uebrigens wichtig in dieser Stadt. In den meisten Geschaeften und Bueros befinden sich grosse Wasserflaschen, auf dem Kopf gestellt, und Trinkbecher. Auch franzoesisches “Perrier” gibt es zu kaufen, fuer $ 1,5 die 0,7l Flasche.
Gedenkdienst in Kanada: Mr. B.
Mr. B. nennen ihn alle. “You can call me A.”, fuegte er hinzu, nachdem er sich selbst vorgestellt hatte. A. kommt einmal die Woche ins Archiv des Museums, um Dokumente zu uebersetzen oder zusammenzufassen. Englisch, Franzoesisch, Hebraeisch und Jiddisch sind die Sprachen, die er beherrscht.
Vor seiner Pensionierung war Mr. B. Buchhaendler in einem abgelgenenen Teil Montreals. Es war sein eigenes Geschaeft, das allerdings nicht viel abwarf, weil die Passanten einfach zu wenig lasen. Und dennoch war seine Buchhandlung ein Zentrum: fuer linksintellektuelle Gespraeche mit Studenten und Interessenten.
Mr. B. ist in Montreal geboren und arbeitete nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland bei der Lufwaffe. Dort lernte er seine Frau kennen, mit der er nach Israel auswanderte. Im Kibbuzz “Ein-Dor” am Berg Tabor in der Naehe von Tel Aviv pfluegte er die Felder. Die Arbeitsweise im Kibbuzz gefaellt ihm auch heute noch gut, obwohl er wieder nach Kanada zurueckgekehrt ist. “Einer fuer alle und alle fuer einen”, sagt er, und seine Augen leuchten, ein bisschen von unten, um zu pruefen, ob er auch die Augen des Gegenuebers begeistern kann. Seine Augen fuellen sich immer mit Traenen, wenn er seinen Gespraechspartner direkt ansieht. Ob das aus Traurigkeit ist, oder einfach die Augen des Alters, kann man nicht wissen.
In seiner braunen Schnuerlsamthose und im karierten Hemd verlaesst er immer wieder den Raum, um neue Akten zu holen, oder alte zurueckzubringen. Er arbeitet ruhig und mit grossem Interesse. Auch ein neues Lehrbuch ueber den Holocaust studiert er schnell, sicher und ruhig: Zuerst das Inhaltsverzeichnis, dann das Buch selbst. Das ist der Blick eines Buchhaendlers, der es gewohnt ist, zu lesen. Zu Mittag haette er uns zu “Wendys” eingeladen, doch leider war keine Zeit, oder noch kein Wille fuer diese Art der Begegnung.
A. ist sehr unaufdringlich, trotz seinem grossen Intersse fuer das Gespraech. Er hoert schon schlecht und legt seine Haende immer wieder hinter die Ohren. Seine schwarze Kappe mit ausklappbaren Verlaengerungen fuer die Ohren ist an den Raendern unten schon etwas abgewetzt. A. verabschiedet sich bis naechste Woche und verlaesst leise den Raum.
Gedenkdienst in Kanada: Flug nach Montreal
Der Flug mit British Airways ist ein Vergnuegen. Von Wien nach London Heathrow ein Hops von doch zwei Stunden, zuerst entlang der Westautobahn und Donau bei guter Sicht nach unten, dann ueber Oberoesterreich beginnende Wolken und Nebel dann bis London selbst. 4 Pfund kostet eine Packung Zigaretten dort, 80 Schilling. Ein weiterer Grund, nicht zu rauchen.
Der Transfer in London Heathrow von Terminal 1 zum Terminal 4 geht reibungslos im Bus vor sich. Mit dabei zwei aeltere Wanderer aus Kaerten, nicht uebermaessig protzig ausgestattet, aber schon ganz Wanderer, sehr funktioniell. “Ich habe diese Langstreckenfluege satt”, jammert der eine, aber stolz und routiniert. Nach Mexiko wird es gehen, erzaehlt er, und uerbersetzt dem Kameraden englische Standardausdruecke des Busfahrers. Danach: Zweites Flugzeug, neuer Start.
Die Strecke nach Montreal wird durch eine neue Boeing 777 bedient, 5220 km. Beim Einsteigen die grosse Freude, wie gross die Sitzabstaende doch sind, und wie geuetlich doch die Sitze selbst. Doch weiter hinten die Erkenntnis, es war die Business Class, durch die man ging. Konservenbuechse fuer Economy, jedoch vor jedem Sitz ein Fernsehmonitor, der neben Videofilmen auch die genaue Strecke anzeigt, wie lange es noch dauern wird, und wie weit es denn noch geht. London - Montreal mit British Airways FlugBA 95 bedeutet: 7 Stunden 11 Minuten, am Anfang starker Gegenwind mit fast 200 km/h, der sich spaeter auf 80, 90 km/h herunterschraubt. Die Route fuehrt ueber England, Irland, weit uebers Meer, sie erreicht Groenland jedoch lange nicht. Auf 37.000 Fuss, 11000 Meter, hat es darussen -65 Grad.
Stolz kommt der Chefsteward vorbei mit einem Fragebogen: Der Platz 29A unter anderem wurde durch den Computer ausgewaehlt. Ob man einen detaillierten Fragebogen zum Service ausfuellen koennte? Assessment und Evaluierung werden in Grossbritannien vorangegtrieben. Zwanzig Frageboegen haette man allerdings auch ohne Computer im Flugzeug verteilen koennen. Ob die Stewardess auch immer gelaechelt hat (hat sie), mit Augenkontakt (ja!), oder gestresst gewirkt hat (niemals), ob die Toilette am Anfang des Fluges im guten Zustand war (weiss ich nicht), und auch waehrend dessen (das schon), oder nur am Anfang, und dann immer schlimmer (aeh, nein), oder auch nicht einmal am Anfang (keine Ahnung, zu kompliziert). Ob das Essen ausreichend war (ja), und gut (ja). Kein Problem.
British Airways hat alles unter Kontrolle und der Flug ist wirklich wunderbar, wenn ach zu lange. Zwei furchtbare Damen an den Nebensitzen schuetten Whiskey und Tonic und Wein in sich hinein, laecheln aber freundlich und verhalten sich sonst ruhig. Lange braucht die Sonne beim Westwaertsfliegen, um unterzugehen, und drei Stunden spaeter, nachdem wir abgeflogen sind, kommt wir in Kanada an. Plus fuenf Stunden Zeitunterschied, von London aus gesehen.
Die Einwanderung selbst durch Zoll und Pass passiert freundlich und problemlos. “Archivist” steht in der Arbeitsbewilligung. Der Aufenthalt bis 31. 1. 2001 ist gesichert.