Westbahn: das Wort der Woche

ORF Radio Österreich 1 – Moment –  14:40 Uhr, 14. Dezember 2011

Seit Sonntag fährt nun eine weitere Eisenbahngesellschaft zwischen Wien und Salzburg. Das soll den Kunden freuen – gelächelt wird, wie nie zu vor auf dieser Strecke, die Westbahn heißt, gleich wie der Firmenname dieses neuen Konkurrenten der guten alten wohlbekannten ÖBB. Ohne Zweifel: Westbahnist das Wort der Woche.

Die Westbahn, das ist die Bahnstrecke von Wien nach Linz und Salzburg. Mit Verbindungen weiter nach München und Innsbruck. Und diese Bahn war weitgehend unbedeutend in der Zeit, in der sie gebaut wurde.

Die Hauptachsen des Verkehrs liefen nämlich nicht von Osten nach Westen, sondern von Norden nach Süden. Wir befinden uns im österreichischen Kaiserreich. Wirtschaftsraum Tschechoslowakei, Anschlusshafen Triest. Das war die Nordbahn – die allererste Eisenbahnlinie der Monarchie.

Wir schreiben das Jahr 1851. Ein Staatsvertrag mit Bayern hält nun auch den Bau einer Eisenbahnstrecke von Wien in den Westen fest. Der Wiener Großhändler und Bergbauunternehmer Herman Dietrich Lindheim erhält den Zuschlag für den Bau einer Privatbahn von Wien in den Westen. Der Eisenbahnhistoriker Alfred Horn:

Es kam zur Entwicklung verschiedenster Trassenvarianten, die sowohl links als auch rechts der Donau verlaufen wären. Erstmals schaltete sich das Militär massiv in Trassenstudien ein und verlangte ultimativ, dass die Strecke von Wien nach Linz in einem Abstand, der nicht mehr im Einflussbereich auch schwerster Geschütze von der linken Seite der Donau stand, auszuführen wäre. Die ursprüngliche Trasse entlang des rechten Donauufers, wie sie heute die Franz-Josefs-Bahn nach Tulln einnimmt, schied dadurch aus, und musste auf Kosten einer sehr ungünstigen Linienführung durch die Berge des Wienerwaldes vorgenommen werden.

Erst nach dem 1. Weltkrieg steigt die Bedeutung der Bahnstrecke der Westbahn mit dem Verschwinden der Nord-Süd-Achse. – Krieg und Zerstörung entlang der Strecke dann im 2. Weltkrieg.

Die Geschwindigkeitserhöhung: unmittelbar nach dem Krieg war man froh, dass man überhaupt wieder fahren konnte, dann hat man zögernd auf 90 km erhöht, auf 100, auf 120, dann mit den neuen Triebwagen auf 140. Und mit Beschaffung neuer Lokomotiven dann auf 160, und jetzt letztendlich auf 200.

Die Westbahn wird seit 1901 durchgehend zweigleisig befahren, seit 1952 ist sie vollständig elektrifiziert. Heute wird sie in weiten Teilen vierspurig betrieben, Spitzengeschwindigkeiten bei Testfahrten sind im Gebiet Ybbs und Pöchlarn auch schon mit 305 km/h möglich. Neubaustrecken und Tunnelanlagen beschleunigen den Verkehr weiter: doch viel wird man nicht erreichen, die Geschwindigkeitsprofile gleichen einem Sägeblatt: schnell, langsam, schnell. Wer wirklich schnell fahren will, der muss schnell bleiben – so einfach ist das – und das geht eben besser in Frankreich als bei uns im kleinräumigen Österreich, durch den Wienerwald, durch schmales Tal und wechselhafte Landschaft.

Aber sicherer ist sie geworden, die Westbahn. Heute wird zunehmend mit ETCS gefahren, dem europäischen modernen Zugsicherungssystem. Die Westbahn ist heute wichtiger Teil des TEN-Netzes Paris-Wien-Bratislava und Budapest, Teil also des Infrastrukturnetzes der Europäischen Union, das neben Autobahn und Eisenbahn auch das Energie- und Kommunikationsnetz beinhaltet.

Nach Abschluss aller Ausbaumaßnahmen, soll letztendlich das 1-2-3-Schema verwirklicht sein. Eine Stunde nach Linz, zwei nach Salzburg, und drei nach Innsbruck und München.

Mit welcher Kompanie man in Zukunft auch fahren will, die Westbahnstrecke bringt einen durch einen guten Teil Österreichs, bei Gesprächen mit Mitreisenden, vielleicht einem guten Buch. Sehr oft ein schöner Ausblick, und wer genau schaut: Auch heute sind noch vereinzelt Grenzsteine mit den Initialen K.E.B. zu finden. K.E.B, Erinnerungen an die ehemalige „Kaiserin Elisabeth Bahn“.

Verkehrsfragen der NZZ

Aus der NZZ: Zehn Fragen an den öffentlichen Verkehr

1. Weshalb werden die seitlichen Liniennummer- und Zielanzeigen bei den S-Bahn-Zügen immer kleiner?

2. Weshalb erwidert die Dame am Bahnschalter das Begehren «Ich möchte nach London» mit einem ungläubigen Blick und der Frage «Mit dem Zug?»

3. Weshalb ist in den IC-Doppelstockwagen und -Neigezügen der SBB ein Arm zu heben, damit sich die automatische Abteiltüre auch tatsächlich öffnet?

4. Weshalb können zwar Sitzplätze, nicht aber Billette für internationale Züge länger als drei Monate im Voraus gebucht werden?

5. Weshalb müssen Busse ausschliesslich stufenlose Eingänge, dahinter aber zahllose Schwellen haben?

6. Weshalb werden die Billettautomaten immer grösser, wo doch die Rechner offensichtlich immer kleiner werden?

7. Weshalb kommt es immer wieder vor, dass das Schweizer Zugpersonal in verspäteten Zügen nicht erwähnt, welche Anschlüsse gewahrt werden und welche nicht?

8. Weshalb müssen Trams und Busse des Nahverkehrs, mit denen man nur Kurzstrecken zurücklegt, klimatisiert sein, zumal doch durch Fenster, die sich öffnen liessen, während der Fahrt mit Wind zu rechnen wäre?

9. Weshalb muss man, um mit den SBB zu telefonieren, eine zusätzliche Gebühr bezahlen, wo doch sonst Beratungsgespräche gratis sind?

10. Wofür steht in der Schweiz bei den S-Bahnen das S, zumal auch auf dem Land und im französischen und italienischen Sprachraum?

Quelle: NZZ vom 15.10.2009; P. S.

Nach Venedig ist's nicht lustig

Da fährt man in so einem Depressivenzug in der Früh von Wien Süd in Richtung Venedig. Die Leut‘ hängen rum, saufen und verschütten Bier im Speisewagen in aller Früh, den Kellner schmeißt’s und ein Mr. Allknow erklärt den Umliegenden die Welt. Im Abteil lehnen alle in einem Eck und irgendwie könnten wir da ein wenig Heiteres vertragen. Aber bloß keinen Animator.

Erinnern Sie sich?

(c) Lothar Bodingbauer / Österreichs Städte haben Zeit für Sie

Werbeplakate aus der Eisenbahn der 70er Jahre. Fahren auch heute noch auf manchen Strecken mit.

(c) Lothar Bodingbauer / Österreichs Städte haben Zeit für Sie

Ähem. Und das zugehörige Klo in diesem Waggon – befahren im Jahr 2007 – sieht immer noch so aus wie damals. Der leicht süßliche Geruch wird sich vielleicht auch auf Distanz in Erinnerung rufen?

(c) Lothar Bodingbauer / Österreichs Städte haben Zeit für Sie

(c) Lothar Bodingbauer