415: Grenzen im Weltall

415: Grenzen im Weltall

Link: https://oe1.orf.at/programm/20260112#819338/Grenzen-in-der-Unendlichkeit

Die Astronomin Ruth Grützbauch spricht über die Lichtgeschwindigkeit im Weltall, die wie ein Faden zwischen Raum und Zeit wirkt, das Ende des Beobachtbaren im Weltall, den Anfang des Universums, die Besonderheiten der Naturkonstanten, die Zeit, und was passiert, wenn ein Stern endet.

Eine Schwelle im Universum stellt ein Gleichgewicht dar. Wenn zum Beispiel der Einfluss der Sonne mit dem Einfluss des interstellaren Raums im Gleichgewicht steht – also dort, wo sich die Teilchendichten angleichen – dann spricht man von einer Übergangszone. Dort befindet sich die Grenze unseres Sonnensystems. Genau genommen handelt es sich aber eher um eine Schwelle: Denn es geht weiter, bis man irgendwann, in etwa 4,2 bis 4,5 Lichtjahren Entfernung, beim nächsten Stern ankommt – bei Proxima Centauri.

Eine klare Grenze hingegen ist die Lichtgeschwindigkeit. Nichts kann sich schneller als das Licht im Vakuum ausbreiten – weder Materie noch Information. Diese Grenze ist unabhängig vom Beobachter und stellt eine fundamentale Schranke in unserem Universum dar.

Warum das so ist, möchte die Astronomie nur ungern beantworten, auch wenn die Frage nach dem “Warum” häufig gestellt wird. Beobachtungen werden in Modelle übersetzt, die beschreiben, wie sich Naturphänomene verhalten. Diese Modelle können das “Warum” manchmal andeuten, liefern aber vor allem überprüfbare Aussagen über das “Wie”.

Wer beim Blick ins Große dann ins Kleine schaut, kommt am Ende eines Sternes nicht vorbei. Am Ende der Lebenszeit eines Sterns halten sich Strahlungsdruck und Gravitationskraft nicht mehr die Waage: Der nukleare Brennstoff ist aufgebraucht, und die Gravitation gewinnt die Oberhand. Der Stern kollabiert. Je nach Masse endet dieser Prozess als Weißer Zwerg oder – bei besonders großer Masse – als Schwarzes Loch. Der sogenannte Schwarzschildradius bezeichnet dann jene Grenze um ein Schwarzes Loch, ab der nichts mehr entkommen kann, nicht einmal Licht. Jenseits dieses Punktes verlieren unsere bekannten physikalischen Beschreibungen ihre Gültigkeit – zumindest nach heutigem Kenntnisstand.

Gestaltung: Lothar Bodingbauer

Service

Gesprächspartnerin:
Dr.in Ruth Grützbauch
Astronomin und Wissenschaftsvermittlerin
Initiatorin und Leiterin des Projekts “Public Space/Pop-Up-Planetarium”

Das mobile Planetarium

342. Blick zu den Sternen

342. Blick zu den Sternen

Warum ich zu den Sternen blicke

Link zum Programm

Blicke zu den Sternen gehören neben der Wahrnehmung von Sonne und Mond zu den wohl eindrücklichsten Erlebnissen der Kindheit. In der dunklen Nacht den Kopf zu heben, um bei klarem Wetter „die Unendlichkeit“ zu sehen, das haben wir wohl alle irgendwann erlebt. Es kamen viele Fragen, und im Idealfall viele Antworten. Oft Jahre später.

Für Wissenschaftler:innen, die sich mit dem Universum beschäftigen, entstehen neben den Antworten dann auch immer neue Fragen. Der eine beschäftigt sich mit Galaxien, wie sie entstehen, und wie sie zusammenhalten, der andere mit den technischen Fähigkeiten, sie zu fotografieren. Wenn es jemanden gibt, der darüber nachdenkt, ob es „Leben da draußen“ gibt, wird es ein anderer auch suchen – und muss sich dazu überlegen, wie man es denn finden kann. Und es gibt jene, die sich überlegen, wie man das Wissen über das Universum weitererzählen kann, sodass es alle verstehen – sie halten Kurse und betreiben Planetarien.

Der Blick zum Himmel ist etwas, was begeistert. Die Faszination darüber teilen sie alle. Sich selbst als Mensch vom Universum zu lösen, würde ihnen dabei schwer fallen, besonders dann, wenn sich die Sterne, bei voller Dunkelheit im Gebirge oder beim Beobachten am Meer, von Horizont zu Horizont ziehen.

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