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Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 13.04.2022
Strategie
Wie soll man mit Krieg umgehen? Mit Umweltkatastrophen? Mit einem Virus, der vielleicht im Herbst schon wieder anders aussieht? Wir brauchen eine Strategie. Und das ist unser Wort der Woche.
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Österreich 1 · 13.04.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Wie soll man mit Krieg umgehen? Mit Umweltkatastrophen? Mit einem Virus, der vielleicht im Herbst schon wieder anders aussieht? Wir brauchen eine Strategie. Und das ist unser Wort der Woche.

SIGNATION WORT DER WOCHE / Ö1 13.04.2022

Strategie. Interessant ist dieses Wort, weil oft etwas dabeisteht: Eine "gute" Strategie, ist das eine, eine "schlechte" Strategie das andere. Wählen Sie doch eine "passende" Strategie, oder "entwickeln" Sie sie eine Strategie. Brillant kann sie sein. Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, dann ist man "strategielos". Wer will das sein.

Die Urform des Wortes kommt aus dem Griechischen. Sie bezeichnet einen Plan für das Vorgehen, das Wort kommt von STRATEGOS, Feldherr oder Heerführer. Das Heer. Es muss geführt werden. Und das ist auch eine der drei Hauptfelder, in denen wir "Strategien" heute noch finden. Die Entwicklung militärischer Strategien gehört in den Bereich der Militärwissenschaft. Zu unterscheiden von der Taktik - wie man das Ganze im Gefecht umsetzt. Das zweite: die Wirtschaft - jeder Betrieb wird Strategien entwickeln, und sie auf ihre Stärken und Schwächen abtesten. Und das dritte Gebiet, in denen man Strategien heute findet, ist jene Wissenschaft, die komplexe Entscheidungen unter oft noch komplexeren Bedingungen simulieren und modellieren: das ist die Spieltheorie. Achtung: Spiel klingt freundlich - das kann auch Krieg sein.

OT Müller

*Natürlich. Die ganze Spieltheorie wurde natürlich aus militärischen Gedanken heraus entwickelt. Der Spieltheoretiker würde empfehlen, für jede dieser möglichen Konfliktsituationen, in die ich geraten kann, überlegen Sie sich doch, für jede dieser Möglichkeiten, in denen ich aufgefordert sein könnte, irgendwie etwas zu sagen, oder eine Handlung zu setzen, überlege ich mir, wie ich reagieren würde.*

Wieland Müller leitet das Institut für Experimentelle Wirtschaft an der Universität Wien. Er ist Experte für das Modellieren von Strategien.

OT Müller

*Es ist klar, Strategie ist in der Regel etwas, was ein bisschen vorausschauend ist, was einen längeren Horizont betrifft. Taktik ist dann, wie man eine solche Strategie umsetzt und meint in der Regel eher kurzfristige Handlungen. Der Spieltheoretiker überlegt sich einfach im Vorhinein, was ist denn die gesamte Spielsituation. Er denkt sie durch vom Anfang bis zum Ende und überlegt sich, wann in diesem Spiel könnte dann ein einzelner Spieler aufgefordert sein, sich zu entscheiden und überlegt sich dann in allen diesen Situationen, was sind denn meine Handlungsmöglichkeiten und der Spieltheoretiker sagt, für all diese Situationen, in denen ein Spieler aufgefordert sein könnt, in dem Spiel zu entscheiden, muss er eine Entscheidung parat haben. Und zwar schon im Vorhinein.

Das heißt, in der Spieltheorie geht man schon davon aus, dass man sich alle Handlungsweisen vorab überlegen kann oder sogar muss?

Ganz genau. Es kann natürlich sein, dass man von vornherein sagt, OK, wenn wir uns die Situation vorstellen, bestimmt Dinge schließen wir aus. Aber wir sehen, dass das keine kluge Herangehensweise ist. Man sollte also bestimmte Dinge, die möglich sind, nicht ausschließen. Sie können womöglich nur mit gewisser Wahrscheinlichkeit auftreten. Aber wenn sie zu katastrophalen Ereignissen führen könnten, dann sollte man sie sie sich natürlich überlegen.

Und dann kommt ein Präsident wie Donald Trump, der alles anders macht und sich an gar nichts hält, was bisher klar war?

Genau. Und er bringt alles durcheinander, weil er nach Regeln lebt, mit denen wir nicht so richtig was anfangen können, und dann geraten wir natürlich in Nervosität, weil wirt uns darauf nicht vorbereitet haben.

Und kann das in irgendeiner Weise gut sein für ein Gesamtsystem mit oft eingefahrenen Abläufen?

Na ja, das wird jetzt. Eine schwierige, aber interessante Diskussion, weil bestimmte Veränderungen gibt es nur in Krisensituationen. Wenn wir jetzt wirklich in Bedrängnis geraten, was Umweltverschmutzungen angeht, dann wird sich die Menschheit vielleicht mal überlegen, ob man wirksame Mitteln ergreift. Umverteilung und schwierige politische Prozesse intensivieren sich und werden schneller in Krisensituationen, sodass zum Beispiel die Aufstockung von Militärbudgets, die lange Zeit überhaupt keine Rolle gespielt haben, plötzlich innerhalb von 24 Stunden geschehen. Also solche Krisensituationen sind natürlich Katalysatoren, die plötzlich explosionsartig politische Diskussionen, besonders in einer Demokratie, in der die Meinungsbildung aus guten Gründen langsam vonstatten geht, plötzlich beschleunigt werden, das kann natürlich etwas Gutes haben. Ich will da nicht auf den Krieg eingehen, weil da sehe ich nichts, was es gutes bringt, das ist einfach nur fürchterlich, aber natürlich haben Krisensituationen auch das Potenzial inne, bestimmte Entscheidungen zu beschleunigen, um vielleicht wieder zum Agierenden zu werden, anstatt nur zu reagieren.*

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Das Wort der Woche, gestaltet von Lothar Bodingbauer.

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ID 378
Hahnenkamm kochen
ORF > Österreich 1 > Diagonal | 09.04.2022
Hahnenkamm kochen
Kentucky Fried Planet - Diagonal zum Thema Huhn
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Österreich 1 · 09.04.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Kentucky Fried Planet - Diagonal zum Thema Huhn

Wie schmeckt der Hahnenkamm? In Frankreich eine Delikatesse - in Österreich weitgehend verschwunden. Alois Schörghuber zeigt, wie man Hahnenkämme kocht, und gemeinsam probieren wir, wie sie schmecken.
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Ö1: Kentucky Fried Planet Diagonal zum Thema Huhn
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ID 377
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Randnotizen | 04.04.2022
Worüber lohnt es sich zu reden?
Große Worte, kleine Worte. Zwischenrufe. Seufzer. „Ach ja“. Wer redet, teilt sich mit. Und manchmal ist es auch gut, eine Pause zu machen.
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Österreich 1 · 04.04.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Große Worte, kleine Worte. Zwischenrufe. Seufzer. „Ach ja“. Wer redet, teilt sich mit. Und manchmal ist es auch gut, eine Pause zu machen.

Manuskript

Worüber lohnt es sich zu reden? Ja, das kann man schon sagen, wenn man Soziologie studiert, zum Beispiel, da heißt es nämlich dann: „über alles lohnt es sich zu reden“, und über alles bedeutet auch über die Kleinigkeiten des Alltags, die man erlebt hat, die Verspätung verursacht haben, eine Freude hervorgerufen haben, die etwas beschreiben, was man erlebt und gesehen hat. Diese scheinbar einfachen Erzählungen und Beschreibungen sind notwendig, dass man einander dann versteht, auch bei komplexeren Dingen. Das schreibt das Buch über soziologische Paradigmen, das furchtbar interessant ist, weil genau das haben wir ja eigentlich jetzt in den letzten Jahren mit Corona eingeschränkt.

Diese Sozialkontakte, wo man belangloses Miteinander direkt von Auge zu Auge, von Ohr zu Ohr, Mund zu Mund bespricht, aber wir haben sehr wohl dann die wichtigen Dinge uns erzählt den Konferenzen, und wir haben uns dann zunehmend gewundert, warum wir einander nicht mehr verstehen, warum diese Welten so verschieden geworden sind, warum es Trennungen und Gräben gibt. „Offenbar“, sagt das Buch mit soziologischen Theorien, „weil wir eben diese ganz gewöhnlichen Dinge nicht mehr teilen.“

TRENNER

„Wow“, hat die Zahnärztin gesagt, als sie in meinen Mund reingeschaut hat, und diesen Zahn, den Vierer rechts oben gesehen hat, von dessen Problem ich ihr bereits am Telefon erzählt habe. „Wow“, hat sie gesagt, und vorher noch die Dame mit der Mundhygiene, die hat das vorher noch gesehen, die hat gesagt „ui“. Ja, wenn man eh beim Zahnarzt nicht viel erzählen kann, und die Personen, auf die es ankommt, dann „wow“ und „ui“ sagen, weiß man, dass auch diese einfachen und sehr, sehr kurzen Worte sehr bedeutungsvoll sind. Wann sagen Sie zum Beispiel „oh-oh“? Und was machen die anderen dann in Ihrer Umgebung, schauen die zu Ihnen hin, oder gehen sie in Deckung? Mein Hund hört in der ganzen Wohnung die Ausrufe des Entsetzens aus der Küche, wenn etwas hinunterfällt. Wenn ein Ei zum Beispiel auf den Boden klatscht, dieses „bah“, interpretiert er als: „da gibt's jetzt was mit Sicherheit für mich zu fressen“. – Hat eben erst stattgefunden, soweit kann er gar nicht entfernt sein, dass er das nicht hört. Ja, ja, diese kleinen „Mikro“-geräusche, ich glaube, die haben wir alle evolutionär drauf und wir hören sehr gut, was die anderen damit meinen.

TRENNER

„Ahhh“. Sagte der Mann, an der Ecke beim Supermarkt, nachdem er mit seinen Kindern aus dem Supermarkt rausgekommen ist und in die Leberkässemmel gebissen hat, die er ausgepackt hat. Und er schaute mich an. „Ahhh, dafür leben wir“, sagte er, obwohl wir uns noch nie gesehen hatten. Und wenn man da genau hingeschaut hat, hat er als erstes davon abgebissen von der Leberkässesemmel und danach, hat er den Kindern davon gegeben, hat er sie abbeißen lassen. Und das erinnert uns doch an den Film der Sicherheitsmaßnahmen, oder an diese Vorführung im Flugzeug, wenn die Sauerstoffmaske herunterfällt, dann soll man sie als Erwachsener zuerst selbst aufsetzen, und dann erst den Kindern geben. Dieser erste Biss in die Leberkäsesemmel war echt lebensnotwendig offenbar. Was wissen wir, was er schon an diesem Tag erlebt hat?

Und manchmal lohnt es sich auch zu warten.

ATMO Bahnübergang Bregenz

Das Warten am Bahnübergang. Schon vor dem Senken des Schrankens kündigt sich diese Zeitspanne an, durch eine Glocke, die verstummen wird, wenn der Schranken die Straße versperrt. Dann wird es still. Man steht da und denkt nach, man weiß, dass nichts in der Welt die kommende Minute verändern würde, verkürzen. Und während man auf diese Weise ruhig wird, kommt bald der Zug. Man sieht die Menschen, man freut sich, dass das Warten nun ein Ende hat. Und wenn er dann hochgeht, geht auch die Zeit wieder weiter.
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Gedanken
ID 376
Abkürzungen und Durchhäuser
Premium|Radioproduktion > Deutschlandfunk > Sonntagsspaziergang | 27.03.2022
Abkürzungen und Durchhäuser
Wer auf eine Reise geht, weiß oft, was ihn erwartet. Ein klarer Weg, ein schönes Ziel. Manchmal aber lässt man sich treiben, besonders in der Stadt. Überraschungen sind dabei unvermeidlich. Und es gibt noch etwas: wenn die Stadtbewohner über Generationen schon jene oft „informellen Wege“ ganz selbstverständlich benützen, die touristische Besucher nur durch Zufall entdecken. Ingrid Rachbauer und Lothar Bodingbauer nehmen uns mit in Wien so einen Geheimgang, eine Abkürzung durch die Wiener Hofburg …
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Deutschlandfunk · 27.03.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Wer auf eine Reise geht, weiß oft, was ihn erwartet. Ein klarer Weg, ein schönes Ziel. Manchmal aber lässt man sich treiben, besonders in der Stadt. Überraschungen sind dabei unvermeidlich. Und es gibt noch etwas: wenn die Stadtbewohner über Generationen schon jene oft „informellen Wege“ ganz selbstverständlich benützen, die touristische Besucher nur durch Zufall entdecken. Ingrid Rachbauer und Lothar Bodingbauer nehmen uns mit in Wien so einen Geheimgang, eine Abkürzung durch die Wiener Hofburg.

Sonntagsspaziergang

Link zum Buch:

Geheime Pfade, Gabriele Hasman

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Manuskript:

Abkürzung in Wien durch die Hofburg

10:07 min

(Lothar Bodingbauer und Ingrid Rachbauer)

BEITRAG

"Darf man da durch?" fragen Touristen, wenn sie die offene Tür sehen. "Klar", antworten die Wiener. Auch wenn es offiziell niemand erlaubt hat. Vom Burggarten links der Oper durch die Hofburg, den Sitz des Präsidenten, in die Innenstadt. Nicht außen rum, sondern durch die Gänge. Das Wissen um diesen Weg wird in Wien von den Eltern zu den Kindern, von den Großeltern zu den Enkelkindern weitergegeben. Oder man entdeckt ihn selbst.

OT Ingrid Rachbauer

Ich gehe immer gerne in Wien durch irgendwelche Innenhöfe und wenn sie dann noch eine Tür nach draußen haben, dann gehe ich einfach weiter, so lange bis es nicht mehr geht.

MUSIK darunter (Tritsch Tratsch Polka, Op. 214, Johann Strauß: Wiener Philharmoniker mit Karl Böhm 1973; https://open.spotify.com/track/0wcuMjodTBzuW3rRIEsjdm?si=dcdac08ed1784287)

1 Minute 30 - wir machen jetzt den Schnelldurchgang. So lange dauert der direkte Weg, der über 1, 2, 3, 4 Ecken führt.

OT Ingrid Rachbauer

Eigentlich muss man nicht ums Eck gehen. Eigentlich gehst du nur geradeaus.

Der Start beim Palmenhaus am Burggarten.

OT Ingrid Rachbauer / Lothar Bodingbauer

Du darfst dich nur nicht verführen lassen, in einen der anderen Gänge zu gehen. – Wir gehen unten bei dieser Tür jetzt hinein. Der Hintereingang der Hofburg. Grüne Tür, offen steht sie. Rechts ein Klingelschild. Feuerwache. – Und eine Kamera. – Man sieht uns? – Ja, wenn wir läuten würden. – Und links ein Lastenlift. Küchenstiege. – Es sind 1, 2, 3, 4 Stockwerke. Wir sind jetzt in dem Teil, wo die Redoutensäle nicht weit weg sind und die Nationalbibliothek. Die ist da hinter uns. – Wir müssen da jetzt wirklich durch den Hof wieder links abbiegen. Dann kommen wir durch diesen Durchgang bei einem Eingang vorbei, der heißt "Zehrgadenstiege". Was sind die Zehrgaden? – Tja, das ist sogar beschriftet in Brailleschrift. Standort, Zugang, Ausgang, Türöffner, 1. Obergeschoss. BDA, Bundesdenkmalamt. – Das sind schon fast geheime Abkürzungen: BHÖ, BDA. – Und es gibt Trakte, sehen wir hier, es gibt den Reichskanzleitrakt, Schweizertrakt, Schweizertrakt nochmals, Leopoldinischer Trakt, Michaelertrakt und die Feuerwache. – Und da sind wir jetzt in einem doch ein bisschen repräsentativeren Hof jetzt. – Da ist die Hofmusikkapelle, das Tor mit den zwei Kreuzen. – Da ist noch eine Tresortüre, die offen ist. – Und da ist schon das Schild, "Kaiserliche Schatzkammer Wien". – Und jetzt sind wir durch, durch die Abkürzung. (Fiaker Atmo). – Genau. Und da sind auch schon die Fiaker. – Wir sind jetzt also durch, wie lange haben wir gebraucht? Im Wesentlichen 1 Minute 30 Sekunden, wenn man sich nicht verplaudert, weil man jemanden trifft. – Gehen wir aber vor – Was wissen wir über den Gesprächspartner? – Meinhard Rauchensteiner ist zuständig in der Präsidentschaft für die Abteilung Kultur, und das zweite habe ich mir nichtgemerkt und das dritte. Da ist er.

OT Meinhard Rauchensteiner

Als was soll ich mich vorstellen? - Das ist die große Frage. Was ist man denn, wenn man so ist wie Sie hier, erreichbar für ein Gespräch über diesen Geheimgang? – Ich bin einer der wenigen glücklichen, die in der Hofburg arbeiten in der Präsidentschaftskanzlei, also dem Bundespräsidialamt Österreichs, wie man es auch nennen könnte. Dort bin ich Abteilungsleiter für Wissenschaft, Kunst und Kultur. – Haben Sie auch so ein schönes Büro unterm Dach? Unterm Dach!? Also unterm Dach hat Joseph Haydn in der Nähe gewohnt, wie er noch keinen Job hatte. Also unterm Dach lieber nicht. Man kann ein Büro haben in der Belle Etage, das ist natürlich dann das Beste mit Blick auf den Heldenplatz, das geht sich dann aus. Da muss man nicht raunzen, auch wenn man Wiener ist.

Die Hofburg war vom 13. Jahrhundert bis 1918 die Residenz der Habsburger, seit 1946 ist sie Sitz des Präsidenten. Des Bundespräsidenten. Eine bauliche Anlage, die 24 Hektar umfasst. Ein Abbild des Herrschens und des Lebens - auch heute.

OT Meinhard Rauchensteiner

In der Hofburg sind ja so unendlich viele Institutionen untergebracht, von den Lipizzanern bis zur Nationalbibliothek. Da ist es naheliegend, dass man diesen Weg auch kennt, zumal ist ja die Hofburg der, glaube ich, größte zusammenhängende Profanbau Europas. Wenn man da immer völlig außen drum herum müsste, das wäre schon ein ziemlicher Block mitten in der Stadt und da gibt es natürlich zahlreiche Durchgänge und manche sind prominenter und manche sind eben ein bisschen verborgen. – Führt die Küchenstiege noch zur Küche? – Na ja, diese ganzen Stiegen hier führen ja hinauf zum großen Redoutensaal, zum kleinen Redoutensaal und zum Zeremoniensaal. Das heißt, das sind Räume, die für große Empfänge, für Staatsessen genutzt wurden und da braucht es natürlich viele Zubringerstiegen, wo man von hinten dann auch Caterern sagen kann, bitte dort hinaufbringen. Also wir gehen jetzt gerade in einem Innenhof, im sogenannten Schweizerhof, der seinen Namen trägt, weil hier zumindest für ein paar Jahre die Schweizergarde untergebracht war, bevor wir sie dann dem Heiligen Stuhl geschenkt haben zur Bewachung und seither sind sie im Vatikan. Das ist einer der ältesten Teile der heute noch bestehenden Hofburg. ein Renaissancetrakt mit der Freitreppe mit der sogenannten Botschafterstiege, die früher Gesandtenstiege hieß, weil ja die Vertreter eines anderen Landes wenige Botschafter als vielmehr Gesandte genannt wurden und hier ist man zum Kaiser gekommen, also etwa Karl dem 6. oder zu Franz I, dem Mann von Maria Theresia, also Franz Stefan von Lothringen. Das heißt zu dem Zeitpunkt, als hier die Botschafter oder Gesandten ein und ausgingen und ihre Accruements überreicht haben, oder Proteste vorgetragen haben, was auch immer, was man halt als Diplomat so tut, das war schon der prominentere Eingang damals. – Und ist das eigentlich jetzt der spannendste Durchgang für Wien aus Ihrer Sicht oder gibt es da noch ein paar noch geheimere? – Ich finde, viele der Durchgänge sind ja heute gar nicht mehr begehbar. Weil Gegensprechanlagen es verhindern, dass man sie tatsächlich als Durchhaus benützt. In den 70-er Jahren konnte man überall noch durch und hineingehen. Und die gewissermaßen, die Außenhaut der Stadt war ja um ein Vieles größer als die Fassadenstadt, die eigentlich lediglich touristische Zwecke erfüllt und daher finde ich diese wirklich verborgenden und heute auch öffentlich kaum mehr zugänglichen Hinterhöfe, Durchgänge viel, viel spannender. Es gibt noch ein paar, wo draufsteht, "freiwilliger Durchgang", etwa bei der Stiegengasse der sogenannte Raimunddurchgang. Und dort sind auch noch, was ich sehr schön finde, die Geschäfte tatsächlich zu sehen und teilweise neu vermietet, und das zeigt auch, dass diese Höfe ja genutzt wurden für das öffentliche Leben.

Gabriele Hasmann hat darüber ein Buch geschrieben: Geheime Pfade – Durchhäuser, Hinterhöfe und versteckte Gassln in Wien.

OT Gabriele Hasmann

Na ja, in Wien ist das halt entstanden aus einem sozialen Gedanken heraus, man sollte es nicht glauben. Am Anfang war das ja nur für die Bewohner, die natürlich in diesen Höfen, in diesen Innenhöfen, in den Durchäusern. Das war ja sozialer Hotspot. Da hat man sich getroffen, da hat man getratscht, da hat man Neuigkeiten ausgetauscht, sich am Laufenden gehalten. Mittendrin meistens ein Brunnen, und das war dann der Hotspot. - "Wir sind hier nicht im Durchhaus", hat es dann auch oft geheißen, bei erzieherischen Maßnahmen Kindern gegenüber. – Genau, weil da viel getratscht wurde, ausgetauscht wurde, was nicht immer der Wahrheit entsprochen hat. Und dann haben sie sich gedacht, sollte man nicht so egoistisch sein und sollte das für alle Leute öffnen, damit die einfach eine Abkürzung haben von einer Straße zur anderen, wo sie vorher rundherum gehen mussten.

OT Meinhard Rauchensteiner

Und das andere was ich ganz interessant finde ist, dass Durchhäuser wieder vermehrt gebaut werden, weil durch die Stadterweiterung werden erstmals wirklich große Wohnblocks gebaut. Das heißt die geschlossene Bauweise, die einen Durchgang verhindert, erfährt einen Aufschwung, einen ungeahnten. Und damit man eben nicht um diese ganzen Häuserblocks herum muss, wurden die Durchgänge gemacht, die eben bis auf Widerruf genutzt werden konnten.

Meinhard Rauchensteiner von der Hofburg beschreibt das Paradoxe, diese "Freiwilligkeit auf Dauer".

OT Meinhard Rauchensteiner

Wenn ich als privater Immobilieninvestor ein Haus baue, wo ich einen Durchgang mache, dann kann ich auch wesentlich mehr Geschäftslokale unterbringen, und ich kann daher Gewerbemieten auch einnehmen, und das ist eine zusätzliche Einkunftsquelle. – Darf ich jetzt einen Vorschlag machen? Wir schalten ab. Dürfen wir Sie auf einen Café einladen?

Und so gehen und schleichen wir, abkürzend und bummelnd, und wer sich genauer informieren möchte. Es gibt eine Liste von 40 Abkürzungen und Durchhäusern in Wien, die man erkunden kann. Unser Gang durch die Hofburg ist in dieser Liste übrigens noch nicht verzeichnet. Ein wirklicher Geheimgang also. Da gibt es noch viel zu erkunden.

ATMO Schlüssel/Gang läuft aus

ABMODERATION

Über Geheimgänge und Durchgänge in Wien - Lothar Bodingbauer und Ingrid Rachbauer haben berichtet.
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ID 375
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 16.03.2022
Umrouten
Sanktionen dienen dazu, unerwünschtes Verhalten zu bestrafen, und im Idealfall erwünschtes Verhalten hervorzurufen. Sie kennen das vielleicht vom Internetverbot für Jugendliche und Kinder. Wenn aus irgendeinem Grund ein ganzes Land vom Internet abgeklemmt werden soll, oder sich die Umstände des Datentransits durch dieses Land verändern, dann wird "umgeroutet". Und das ist durchaus normal - so funktioniert das Internet.
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Österreich 1 · 16.03.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Sanktionen dienen dazu, unerwünschtes Verhalten zu bestrafen, und im Idealfall erwünschtes Verhalten hervorzurufen. Sie kennen das vielleicht vom Internetverbot für Jugendliche und Kinder. Wenn aus irgendeinem Grund ein ganzes Land vom Internet abgeklemmt werden soll, oder sich die Umstände des Datentransits durch dieses Land verändern, dann wird "umgeroutet". Und das ist durchaus normal - so funktioniert das Internet.

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ID 374
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 14.03.2022
Bienenkönigin
Der erste Platz im Bienenstaat: Fünf Imker:innen sprechen über ihre Sicht auf die Bienenkönigin.
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Österreich 1 · 14.03.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der erste Platz im Bienenstaat: Fünf Imker:innen sprechen über ihre Sicht auf die Bienenkönigin.

Eine Bienenkönigin der Honigbienen legt pro Tag 2000-3000 Eier im Volk. Ihr Leben lang, das um die 5 bis 7 Jahre dauern kann. Die Bienenkönigin wird auch "Weisel" genannt.

Sie entsteht aus einem Ei, aus dem eine Larve schlüpft, die mit "Gelee Royal" gefüttert wird, dem eiweiß- und nährstofreichen Königinnenfuttersaft, der von den Arbeiterbienen produziert wird. Einige Tage nach ihrem Schlupf fliegt die Königin aus, einmal nur, um von mehreren Drohnen - den männlichen Bienen - begattet zu werden. Sie kehrt danach in das Bienenvolk zurück, und bleibt dort bis zu ihrem Tod.

Stirbt die Königin im Volk, oder beschließt es, dass die Königin getauscht werden muss, besteht nur während einiger Tage dieses Zeitfenster der jungen Larven, die mit Gelee Royal gefüttert werden, um eine neue Königin "zu machen". Kommt hier etwas dazwischen, ist das Volk "hoffnungslos weiselos", es löst sich auf.

Interviewpartner:

1) Ralph Büchler: Bienenwissenschaftler, Leiter des Bieneninstituts im hessischen Kirchhain

2) Marian Aschenbrenner: Berufsimker im

Wiener Bienenzentrum

3) Ingrid Schmaranzer: Königinnenzucht und

Gebirgsimkerei "Imego" in Gosau

4) Paul Jungels: Königinnenzüchter und

Berufsimker in Luxemburg

5) Stefan Mandl: Präsident der österreichischen Berufsimker und Honigerzeuger im

Bienenhof Mandl

(Aufgenommen an der Fachtagung der Erwerbsimker 2022 in Salzburg)

Teil 1: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_1 Ralph Büchler – Die Position im Bienenstaat

Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_1

Teil 2: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_2 Marian Aschenbrenner – Wenn die Bienenkönigin fehlt

Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_2

Teil 3: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_3 Ingrid Schmaranzer - Das Handwerk der Zucht

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Teil 4: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_4 Paul Jungels - Persönliche Beziehung

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Teil 5: Filename: radio369_nat_bienenkoenigin_5 Stefan Mandl - Anpaarung im Fliegen: Die Begattung der Königin durch Drohnen

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ID 373
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 02.03.2022
Zeitenwende
Ö1 / Moment - Leben heute - Wort der Woche - Zeitenwende
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Österreich 1 · 02.03.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Ö1 / Moment - Leben heute - Wort der Woche - Zeitenwende

In seiner Regierungserklärung hat am Sonntag der Deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz von einer "Zeitenwende" gesprochen. Andere Politiker sagten das auch. Zeitungen schreiben es. Europa, ja die ganze Welt, stehe vor einer Zeitenwende.

Manuskript

Signation "Wort der Woche"

Physikalisch ist mit der Zeit ja alles klar. Sie läuft voran. Es gibt keine Umkehr. Keine Wende. Einzelne Zeitpunkte werden durch besondere Ereignisse markiert, und das war's dann auch schon. Für die Historikerin, für den Historiker allerdings, gibt es ein Wort, die Zeitenwende.

OT 1

Das Wort „Zeitenwende“ wird in verschiedenen Kontexten verwendet. Da ist zum einen natürlich die Zeitenwende im Hinblick darauf, dass eine neue Zeitrechnung beginnt, also „vor Christus“, „nach Christus“, das bezeichnet man ja auch als Zeitenwende, oder dass dann Historiker im Nachhinein sagen, „das war ein epochaler Einschnitt“, und die Zeit davor unterscheidet sich qualitativ von der Zeit danach. Man spricht auch von Zeiten, wo sich die Ereignisse überschlagen, wo es eine Beschleunigung gibt, wo etwa in einer Woche so viel passiert wie sonst in einem Jahrzehnt. Und von dem unterscheiden muss man aber, dass Zeitgenossen selbst, dass Menschen, die ein bestimmte Ereignis erlebt haben, das selbst als eine Zeitenwende wahrgenommen haben, nicht erst dann Historiker Jahrhunderte später, sondern dass tatsächlich Zeitgenossinnen und Zeitgenossen eine solche Zeitenwende definieren.

Johannes Preiser-Kapeller, Umwelthistoriker und Byzanzexperte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Als Historiker, sagt er, kann man erst aus einer gewissen zeitlichen Distanz rückblickend sagen, ob etwas wirklich eine Zeitenwende war.

OT 2

Zehn Jahre ist einmal ein Mindestabstand, auch als Zeitgenosse, wenn man das einigermaßen seriös einordnen möchte. Natürlich sprechen wir auch von Zeitenwenden, die dann Jahrhunderte später als solche definiert wurden. Etwa die Abfolge von Antike und Mittelalter. Das Mittelalter als Zeit haben erst Denker der Renaissance im 14., 15. Jahrhundert definiert, ganz am Ende der Periode, die sie als solche definiert haben. Da sprechen wir von Jahrhunderten, wo man dann solche Zeitenwenden definiert hat. Aber ansonsten muss man schon davon ausgehen, dass es einen Mindestabstand braucht, um überhaupt entscheiden zu können, welches Ereignis hat tatsächlich eine Veränderung herbeigeführt, die sich in der „longue durée“, wie es der große französische Historiker Fernand Braudel genannt hat, die in der langen Dauer eine Wirkung hat.

Auch der Wechsel vom Mittelalter zur Neuzeit. Das erscheint als ein Zeitpunkt, erstreckte sich aber über eine längere Zeit.

OT 3

Das merkt man auch daran, dass auch Historikerinnen und Historiker darüber gestritten haben, wann endet das Mittelalter, beginnt die Neuzeit. Da gibt es sogar Deutungen, die nicht nur vom 15. Jahrhundert ausgehen, da gibt es auch verschiedene Kandidaten, 1453 der Fall Konstantinopels, 1492 die Entdeckung Amerikas, aber zum Beispiel Jacques Le Goff, ein großer französischer Historiker hat für ein Mittelalter bis zum Jahr 1789 plädiert, bis zur französischen Revolution, weil er gesagt hat, erst dann hat sich diese alte Gesellschaftsordnung Europas, die da über 1000 Jahre Bestand hatte, so fundamental verändert.

Und wenn sich an solchen Zeitenwenden viel tut, wird auch viel wahrgenommen, sagt Johannes Preiser-Kapeller, es wird viel erzählt, berichtet, aufgeschrieben. Er nennt ein Beispiel: der Untergang des Römischen Reiches – in der Schule wird das mit dem Jahr 476 gelehrt, der große Einschnitt war aber bereits 410, als Rom von den Westgoten erobert wird.

OT 4

Das ist ein traumatisches Ereignis. Rom ist vorher 800 Jahre lang nie von Feinden besetzt worden. Die Hauptstadt des mächtigen Imperiums wird da jetzt geplündert. Und das wird wahrgenommen, hier hat sich etwas verändert. Und dann ist auf einmal das Sensorium da, vielleicht ist da eine große Krise des Imperiums dahinter und dann werden auch andere Ereignisse in diesen Interpretationsrahmen eingeordnet.

1989, der Fall der Berliner Mauer, 2001, die Terroranschläge vom 11. September. Das sind Zeitenwenden neueren Datums, die sofort den Interpretationsrahmen verändert haben.

OT 5

Der Kampf der Kulturen, die Herausforderung der amerikanischen Supermacht und so weiter. Das sind dann so verschiedene Narrative deswegen entstanden und Dinge dann in diesen Rahmen eingeordnet worden.

Auch geologische Zeitalter erleben ihre Zeitenwenden. Trias Jura, Kreide. Die Grenzen sind in den Ablagerungen sichtbar, und es wird ja derzeit auch diskutiert, ab welcher Zeit das menschliche Leben auf der Erde sich auch in den Ablagerungen wiederfindet. Bei allen Unsicherheiten, die mit Zeitenwenden und der Interpretation der Ereignisse verbunden sind, aus Japan gibt es ein Beispiel, wo Zeitenwenden ganz normaler Teil des Lebens sind, erzählt Johannes Preiser-Kapeller. Mit jedem „Tenno“, mit jedem neuen Kaiser, entsteht auch eine neue Zeitrechnung.

OT 6

Als 2019 Naruhito, der neue Tenno, inthronisiert wurde, wurde auch eine neue Periode definiert mit der Regierungsdevise Reiwa, das heißt, die Schöne Harmonie, und man rechnet jetzt, Jahr 1 von Reiwa, Jahr 2 von Reiwa, das ist eine neue Zeitrechnung, die unter dem neuen Tenno begonnen hat, so wie auch unter seinen Vorgängern. Das heißt, hier ist die Zeitenwende systemisch angelegt und wird dann jeweils aktiviert, wenn es zu einem solchen Wechsel kommt.

ABMODERATION

Zeitenwende, das Wort der Woche, gestaltet von Lothar Bodingbauer.

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)

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ID 372
Flaschengärten
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 28.02.2022
Flaschengärten
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Österreich 1 · 28.02.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
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Flaschengärten sind Ökosysteme auf kleinstem Raum. In einer großen, bauchigen Glasflasche wachsen Pflanzen auf etwas Substrat, das im Idealfall arm an Nährstoffen und gut wasserdurchlässig ist.

Wird die Öffnung des Glasbehälters mit einem gewöhnlichen Korken verschlossen, oder auch offen gelassen, sprechen wir von einem gewöhnlichen „Flaschengarten“. Bei luftdichtem Verschluss heißt das Ganze „Hermetosphäre“, weil der Deckel den Inhalt von der Umgebung „hermetisch“ abschließt. In diesem Fall befinden sich alle Stoffe im Kreislauf. Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid, sowie Wasser und alle Nährstoffe.

Es können auch kleine Tiere (weiße Asseln, Springschwänze) als „Hausmeister“ mitarbeiten, als Destruenten abgestobenes Pflanzenmaterial wieder zu zerlegen.

Entstanden sind Flaschengärten in der Zeit der großen Entdeckungsfahrten, als Pflanzenmaterial über viele Monate hinweg wieder in die Heimatländer gebracht werden musste.

Flaschengärten und Hermetosphären sind besonders für den Unterricht anschauliche Objekte. Sie können von den Schülerinnen und Schülern unter Anleitung selbst gepflanzt werden, die Stoffkreisläufe erinnern an das Ökosystem der gesamten Erde, und nicht zuletzt übernimmt man Verantwortung über einen ganzen Lebensraum, den man selbst gestaltet hat.

Interviewpartnerinnen:

Prof. Mag. Katharina Bäck

BG und BORG / HIB Graz Liebenau

V.-Ass. Mag. Dr. Judith Haumann

Universität Wien, Department für Funktionelle und Evolutionäre Ökologie

Teil 1: Welt im Kreislauf

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Teil 2: Exotischer Ursprung (Filename: radio368_nat_flaschengaerten_2 mp3

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Teil 3: Praktische Gestaltung (Filename: radio368_nat_flaschengaerten_3 mp3

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Teil 4: Nichts geht verloren (Filename: radio368_nat_flaschengaerten_4 mp3

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Teil 5: Übernommene Verantwortung (Filename: radio368_nat_flaschengaerten_5 mp3

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Botanik|Didaktik|Hermetosphäre|Judith Haumann|Katharina Bäck|Wissenschaft
OE1-Link:
Ö1: Flaschengaerten Lebensform auf kleinstem Raum
https://oe1.orf.at/programm/20220228#669550/Flaschengaerten-Lebensform-auf-kleinstem-Raum
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ID 371
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 16.02.2022
Trucker
In der Hauptstadt Kanadas, in Ottawa, und an der kanadisch-us-amerikanischen Grenze haben Lastwagenfahrer, Trucker, das öffentliche Leben lahmgelegt. Aus Protest gegen Corona-Maßnahmen. Ihre schweren Fahrzeuge konnten von der Polizei nur mit Mühe geräumt werden. Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat den Notstand ausgerufen. Trucker – das Wort der Woche.
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Österreich 1 · 16.02.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
In der Hauptstadt Kanadas, in Ottawa, und an der kanadisch-us-amerikanischen Grenze haben Lastwagenfahrer, Trucker, das öffentliche Leben lahmgelegt. Aus Protest gegen Corona-Maßnahmen. Ihre schweren Fahrzeuge konnten von der Polizei nur mit Mühe geräumt werden. Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat den Notstand ausgerufen. Trucker – das Wort der Woche.

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Manuskript

SIGNATION „WORT DER WOCHE“

„Truck“ ist eine verkürzte Form des Wortes "truckle", was so viel wie "Rad, Rolle oder Umlenkrolle" bedeutet. Das lateinische Wort "trochlea" bedeutet "Rolle". Das Wort Truck wurde 1774 im Englischen zum ersten Mal schriftlich festgehalten, um ein "Fahrzeug mit Rädern zum Transport schwerer Gegenstände" zu beschreiben. Und im Deutschen wird das Ganze etwas sperrig "Lastkraftwagen" genannt, ein Trucker ist eben ein "Lastkraftwagenfahrer".

ATMO Ausschnitt „Convoy“:

Das sind die neuen Helden Amerikas. Die Giganten der Landstraße. Die riesigen Überlandtransporter. Was früher die Cowboys mit Pferden waren, das sind heute die Männer mit ihren gewaltigen Trucks. Sie sind immer unterwegs, aber sie sind ihre eigenen Herren und haben ihre eigenen Gesetze. Sie können ein Stück ihres Weges mitfahren, in dem Film der Neuen Constantin: „Convoy“.

Das Bild, das wir vom Trucker haben, stammt natürlich aus den USA. Staub, Diesel, freie Straßen, Freunde und Frauen.

ATMO hoch

Ein Action-Film, wie Sie ihn noch nie gesehen haben. Die Geschichte von harten Männern, die ihre Freiheit um jeden Preis verteidigen.

Die Gemeinschaft der Trucker, der Zusammenhalt. All das ist etwas, was im Deutschen durchaus auch im Wort „Fernfahrer“ spürbar ist. Und es gab diesen Zusammenhalt, weil sich die Fernfahrer getroffen haben, an den Grenzen, in den Zollgebieten, als sie warten mussten, bis ihre Waren verzollt wurden. Dieses soziale Leben ist aber mit dem Fallen der Grenzen in Europa weggefallen. Was kam ist das GPS: Das CB-Funkgerät wurde mit einem Handy ergänzt, an dem der Chef sich jederzeit melden kann. Man ist „trackbar“, also verfolgbar geworden. Arbeitszeit und Ruhepausen sind streng geregelt. Die Langstrecke, das Fernfahren, wird heute vor allem von osteuropäischen Fernfahrern übernommen, die wenn sie zu 2. Unterwergs sind, 20 Stunden am Stück eine Kabine von 4 m2 teilen müssen.

OT

Ich bin als Jugendlicher im LKW aufgewachsen. Ich bin viele Ferien mit meinem Onkel als Beifahrer mitgefahren und das Interesse zum Transportunternehmertum, für die Branche, das ist mir wirklich schon als Kind eingeimpft worden.

Günther Reder aus Hörsching. Er ist Obmann des Fachverbands „Güterbeförderung“ in der Wirtschaftskammer Österreich.

OT

Was war das schöne, ja, man hat viel Gegend gesehen, da sind wir quer durch Österreich gefahren. Man ist mit vielen Leuten zusammengekommen, die gewisse Freiheit zwischen den Be- und Entladestellen, ja, das hat ganz einfach Spaß gemacht.

Bei der Statistik Austria weiß man, dass laut Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung im Jahr 2020, also vor 2 Jahren, rund 55.000 Personen als „Fahrer schwerer Lastkraftwagen“ erwerbstätig waren. So viele Menschen, wie in St. Pölten leben. Und die meisten von ihnen sind angestellt.

OT

Also 90% der Transportleistung von österreichischen Unternehmen wird mittlerweile im Inland erbracht. Und wenn man sich das Transportvolumen anschaut: 84% vom Transportvolumen auf der Straße wird also lediglich auf einer Strecke von bis zu 80 km transportiert. Und daraus lässt sich schon ableiten, dass sich unsere Lenker, die Lenker, die auf österreichischen Fahrzeugen sitzen, eher nicht mehr die sind, die wochenlang in Europa unterwegs sind, sondern vorwiegend eben im nationalen Bereich eingesetzt sind oftmals relativ geregelte Arbeitszeiten haben, täglich nach Hause kommen und so weiter.

8000 Fahrerinnen und Fahrer fehlen. Da gibt es vermutlich Gründe.

OT

Ja natürlich, in einem Leben sozusagen auf der Strecke, wo natürlich immer ein bisschen Termindruck ist, wird oftmals das Thema gesunde Ernährung und genügend Bewegung in den Hintergrund verdrängt und da ist sicherlich auch, gerade wenn man auf einem LKW-Parkplatz auf der Autobahn seine Ruhezeit verbringen muss, ist sicherlich sozusagen die Möglichkeit sehr überschaubar, dort entsprechend attraktive Bewegungsräume vorzufinden.

Aber, sagt Günther vom Fachverband für Güterbeförderung…

OT

Der Beruf ist so vielseitig. Es gibt Arbeit für jemanden, der mit wenig Leuten in Kontakt sein will, der fährt vielleicht am besten in einem Nachtschicht-LKW oder in einem Linien-LKW, wo er sein eigener Herr innerhalb des Transportauftrages ist und mit sehr wenigen Leuten kommunizieren muss, und jemand der ein kommunikativer Typ ist, der ist vielleicht eher auf einem Fahrzeug besser untergebracht, in der Direktkundenzustellung, der auf Baustellen zustellt, der vielleicht die Milch von Bauernhöfen abholt und ja, wenn ein LKW-Fahrer innerhalb dieser Breite das gefunden hat, was im liegt, dann gibt es sehr wenige, die nicht positiv über den Beruf berichten können.
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ID 370
Botanische Illustrationen
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 02.02.2022
Botanische Illustrationen
Um eine Pflanze zu zeichnen, muss man sie zuerst verstehen. Sie besteht aus vielen verschiedenen Elementen mit unterschiedlichen Funktionen. Wenn es Blätter gibt, haben sie immer auch eine Struktur. Farben. Ränder. Und Fehlstehlen. Wer Pflanzen "botanisch illustriert" muss die Pflanze dem Original möglichst ähnlich mit Aquarellfarben, Blei- oder Farbstift "klärend" zu Papier bringen. An den Standorten der Botanischen Gärten entwickeln sich oft lokale "Schulen der botanischen Illustration", so au …
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Österreich 1 · 02.02.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Um eine Pflanze zu zeichnen, muss man sie zuerst verstehen. Sie besteht aus vielen verschiedenen Elementen mit unterschiedlichen Funktionen. Wenn es Blätter gibt, haben sie immer auch eine Struktur. Farben. Ränder. Und Fehlstehlen. Wer Pflanzen "botanisch illustriert" muss die Pflanze dem Original möglichst ähnlich mit Aquarellfarben, Blei- oder Farbstift "klärend" zu Papier bringen. An den Standorten der Botanischen Gärten entwickeln sich oft lokale "Schulen der botanischen Illustration", so auch in Wien.

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Manuskript

TEASER OT „MOM Trailer Botanische Illustrationen 2“

Ich habe gleichzeitig 20 verschiedene Pflanzen, die ich illustriere und kann immer nur so lange arbeiten, vor allem wenn es blühende Pflanzen sind, solange diese Pflanze blüht. Und dann muss ich wieder etwas anderes machen. Und dann warte ich ein Jahr lang, bis diese Pflanze wieder blüht.

ANMODERATION

Wie zeichnen Sie eine Pflanze? Eine Blume, eine Blüte? Ein Ringerl in der Mitte, fünf Schlaufen für die Blütenblätter. Den Stängel, und die Blätter? Für den Anfang ist das sicher gut.

TEASER OT „MOM Trailer Botanische Illustrationen 3“

Wenn ich mit der Illustration beginne, beginne ich zuerst mit einer Bleistiftzeichnung auf einem dicken 300g Papier. Und die Bleistiftzeichnung soll so aussehen, dass sie unsichtbar ist. Da geht es darum, dass man entspannt arbeitet. In dem Moment, wo man versucht, unbedingt eine gerade Linie zu machen, gelingt es eher nicht.

MODERATION FORTSETZUNG

Wer aber wissenschaftlich illustrieren möchte, muss die Pflanze, die portraitiert werden soll, zuerst verstehen. Lothar Bodingbauer hat Menschen getroffen, die ganz genau hinsehen. Botanische Illustrationen, und wie sie entstehen.

**** BEITRAG **** 10:07 min ***

ATMO Schraffieren

Hier entsteht das Bild eines Blattes … in grau … mit Bleistift wird es schraffiert … und radiert wird auch.

OT Pertl

Ist ganz wichtig. Ich radiere bei allen Skizzen. Ich radiere und zeichne drüber, radiere …

Das ist Margareta Pertl …

OT Pertl

Ich radiere nie auf Aquarellpapier. Wenn ich da die Oberfläche verletzte, kann es sein, dass mir die Aquarellfarbe zerrinnt, oder dass sie einen anderen Farbton bekommt.

Margareta Pertl ist Botanische Illustratorin im botanischen Garten der Universität Wien. Sie hat dort beim Eingang neben dem Glashaus in einem kleinen Ziegelgebäude ein kleines Kämmerlein. Es riecht nach frischer Erde, nach Farbe. Die Sonne scheint beim Fenster herein, wird reflektiert am Haus gegenüber und es gibt Tageslichtlampen für ganz besonders helles Licht.

ATMO Spitzen

Und es gibt viele, viele Zeichnungen von Pflanzen, an der Wand, in Ablagen, in Büchern, in Mappen.

ATMO Blättern

OT Pertl

Ich habe Kunst studiert und ich beschäftige mich seit ca. 20, 25 Jahren mit der botanischen Illustration. Mit der wissenschaftlichen botanischen Illustration. Eine Pflanze wird zerlegt, sie wird ganz genau angeschaut, in ihren einzelnen Teilen gezeichnet. Und da kommt es jetzt natürlich darauf an, wie gut Sie zeichnen können, aber das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist, dass Sie sich damit beschäftigen und auseinandersetzen und erkennen, wie schauen die Staubgefäße aus, wie schauen die einzelnen Blütenblätter aus. Das ist ja nicht nur ein Ringerl. Sondern das hat eine Struktur. Und das lernt man kennen. Und das lernt man dann zu übersetzen auf ein Papier als Zeichnung.

Und es kommt dabei nicht darauf an, sagt Margareta Pertl, dass das Ganze vielleicht schneller ginge, wenn man es fotografiert. Es ist ein wenig wie beim Aktzeichnen.

OT Pertl

Auch ein Akt, oder ein Gesicht, oder ein Teil des Körpers hat ein System. Und dieses System muss man mal erfahren und dann kann man es zeichnen.

OT Wilfling

Und ein Punkt ist wirklich diese Qualität des Beobachtens.

Alois Wilfling, er ist nebenbei auch Experte für alte Obstsorten, er ist aber vor allem hauptberuflich, und das hat er lange gelernt, botanischer Illustrator. Er lebt in der Steiermark.

OT Wilfling

Wenn wir heute im Arbeitsalltag unterwegs sind, dann haben wir jede zweite Sekunde ein neues Bild und hier, ist die botanische Illustration sozusagen ein bisschen eine Gegenwelt. Botanische Illustration ist Meditation im reinsten Sinne, weil ich fünf oder zehn Stunden sitze, und konzentriert, aber doch entspannt bei einer Sache bleibe. Und wenn ich einen Tag oder zwei Tage vor einer Pflanze sitze, dann eröffnet sich diese Pflanze mir gegenüber. Das heißt, ich beginne Dinge zu sehen, die ich in

zwei Sekunden sowieso nicht, aber auch in fünf Minuten oder in einer halben Stunde nicht sehe. Und wenn ich nach zwei Tagen diese Pflanze verlasse, dann kenne ich sie ganz anders als jeder andere, ja.

Aber da gibt es noch die Frage mit dem Fotografieren. Könnte ein Foto nicht alles besser darstellen, egal ob man es im Wesen erfasst oder nicht. Nein, sagt Alois Wilfing.

OT Wilfling

Wenn man versucht zum Beispiel einen Apfelbaum darzustellen, der zugleich blüht und fruchtet, dann wird man sie mit dem Foto recht schwertun. De facto ist es so, dass wir für wissenschaftliche Zwecke nicht eine Pflanze zeichnen, sondern vielleicht die gleiche Pflanze, 50- oder 100-mal zeichnen, und dann daraus einen Idealtypus machen. Das heißt, wir analysieren die Pflanze in der ersten Phase. Sie wird zerlegt, sozusagen, und ich zeichne von mir aus jetzt auf einem Ast eines Apfelbaumes, eine Blüte, eine Knospe, eine junge Frucht, eine ältere Frucht, das Blatt von unten, das Blatt von oben und

setze das dann, also zuerst diese Analyse, ich analysiere die Pflanze und setze es dann in der Synthese wieder zusammen und ordne alles an, sodass ich alle Merkmale auf einer idealtypischen Zeichnung sehe. Das kann einfach durch die Fotografie nicht gewährleistet werden.

OT Pertl mit ATMO

Ich mache jetzt hier grad ein Birkenblatt, das vergrößert ist, und zwar vierfach vergrößert, und da muss man schon ganz genau schauen, wo sind die Hauptvenen, wo sind die kleinen Adern. Wie ist das System?

Und man könnte jetzt glauben auf Entfernung, dass Fehlstellen, irgendwelche Flecken am Blatt, dezent übermalt werden, so tun, als ob da gar nichts wäre. Nein, sagt Margareta Pertl. Im Gegenteil.

OT Pertl

Das ist dann abwechslungsreich, also so wie hier sieht man, dass die Spitzen des Herbstblattes sind schon ein bisschen brauner und hier sieht man, wie sich das Blatt von grün zu Gold und Dunkelbraun verfärbt.

OT Wilfling

Für Pflanzen ist es auch sehr typisch, dass sie gewisse Parasiten draufhaben, gewisse Schäden haben und die sind manchmal durchaus Erkennungsmerkmale und solche Dinge werden auch mit dargestellt.

ATMO Zeichnen

Bei der wissenschaftlichen botanischen Illustration müssen auch die Härchen stimmen. Jedes Härchen im Idealfall, denn es sind Bestimmungsmerkmale, die Arten unterscheiden.

OT Pertl

Und man muss es klärend darstellen. Das heißt, wenn ein Teil verdeckt ist und man's nicht sieht, dann hat das ja gar keinen Sinn zu illustrieren, weil dann sieht man's nicht. Also man muss das dann so drehen, dass man alle Teile, die wichtig sind zur Bestimmung der Pflanze, dass man die sieht. Und das Foto, das ich auch mache, das dient nur sozusagen der Dokumentation.

OT Wilfling

Pflanzendarstellungen findet man in steinzeitlichen Höhlen genauso wie Tierdarstellungen. Die sind meistens aber deutlich bekannter dann, ja und ob das jetzt aus irgendwelchen kultischen Zwecken, mystischen Zwecken gewesen ist oder mit der Zeit dann natürlich aus gesundheitlichen Zwecken, weil man die Pflanzen als Heilpflanzen genutzt hat…

Und mit dem genaueren Blick auf die Natur, sagt Alois Wilfling, ist auch die wissenschaftliche Illustration entstanden. Gleichzeitig mit der Entwicklung der Wissenschaft und der Entdeckung neuer Kontinente auf den Forschungsreisen. Vor 250 Jahren zum Beispiel, da wurde Australien entdeckt.

OT Pertl

Man hatte so sehr viel Pflanzenmaterial mitgenommen. Das hat meistens sehr gelitten

und bei diesen Expeditionen waren ja immer wissenschaftliche Zeichner mit. Es waren immer Landschaftszeichner mit und meine großen Vorbilder, die Brüder Bauer, der Ferdinand Bauer, der ja nach Australien gegangen ist, der hatte dort die australische Flora illustriert und ist auch dort viel mehr bekanntes. Bei uns musste ich dazu sagen, der hat Zeichnungen angefertigt, die sind jetzt zum großen Teil bei uns im naturhistorischen Museum, und in jedes Teilchen hat er eine Nummer hineingeschrieben. Und diese Nummer hat mit seiner Farbskala korrespondiert. Der hat über, ich glaube, über tausend oder 2000 verschiedene Farben gehabt mit einer Nummer. Und hier dann hat er das ausgemalt.

OT Wilfling

Das Erste, was ich natürlich mache, ich gebe diese Pflanze ins Wasser, damit sie frisch bleibt. In der Nacht kommt sie in den Kühlschrank und, wenn man zeichnet, dann ist es ganz wichtig, dass ich nicht um die Pflanze rundherum schaue, oder rundherum gehe, sondern ich muss sie von einem Punkt aus zeichnen. Das heißt, auch die Pflanze wird fixiert, dass sie immer in der gleichen Position ist und auch das Licht wird fixiert, ja. Das heißt, ich habe aus der genau gleichen Position die Beleuchtung, damit ich einfach bei der Illustration dann wirklich Licht und Schatten konstant vorhanden habe.

Was hier Alois Wilfling nicht erzählt hat, ist, dass er den Bauchnabel, seinen Bauchnabel am Tisch markiert. Dort setzt er sich dann immer genau hin, wenn er wieder seine Arbeit an der Zeichnung aufnimmt, damit die Perspektive, seine Sicht auf die Pflanze, die Gleiche bleibt. Und unwillkürlich hält der Illustrator oft bei seiner Arbeit dann auch die Luft an.

OT Wilfling

Eine frühe Freundin von mir, die hat immer gesagt, „atme, atme, atme“, weil sie es gehört hat, ja, dass man so lange nicht atmet und man selbst merkt das aber überhaupt nicht.

ATMO Schraffieren

OT Pertl

Also ich messe hier alles ab. Jede Zacke, jede Stängellänge, jede Distanz von der Knospe zum Blatt wird auch eingetragen in meinen Skizzen. Das hier ist ein Proportionalzirkel. Stechzirkel. Da kann ich zum Beispiel hier die Größe abnehmen und wenn ich jetzt diesen Teil hier dreimal vergrößert haben will, das ist zum Beispiel hier bei diesem Birkenblatt. Da sieht man, das ist ein Zentimeter. Das ist viermal vergrößert. Das heißt, ich nehme alle Maße vom Blatt ab und übertrage sie auf meine Skizze.

An den Standorten der botanischen Gärten entstehen meist auch sogenannte „Schulen der botanischen Illustration“, erzählt Margareta Pertl, in denen man in Kursen die Illustration handwerklich lernen kann, und wofür auch immer man die Produkte dann verwendet

ob man sie mit Passe-Partout im Rahmen an die Wand hängt, für Bestimmungsbücher verwendet, oder vielleicht für Etiketten auf Mineralwasserflaschen für Wasser mit Geschmack, Zitrone, Orange oder Himbeere, die großen Kunstwerke, die Aquarelle, die Originale, werden nur mit vorgehaltener Hand besprochen, sagt Alois Wilfling.

OT Wilfling

Wenn man Originale anschaut, dann ist es nicht erlaubt, daneben zu sprechen. Unweigerlich spuckt man, ja und das könnte die Originale sofort beschädigen. Das heißt, man geht ein, zwei Meter weg und spricht von den Werken weg, und im Normalfall hält man sich sogar dann noch die Hand vor, ja. Und daneben wird nur betrachtet, aber nicht gesprochen.

ABMODERATION

Ein Beitrag von Lothar Bodingbauer.

Die Ausstellung „Botanische Illustrationen“ ist im Botanischen Garten der Universität Wien am Wiener Rennweg noch bis Ende Mai zu sehen. Die „Wiener Schule der botanischen Illustration“ veranstaltet dort für seine Mitglieder regelmäßige Treffen zum Austausch, zur Naturbeobachtung und zum gemeinsamen Zeichnen.
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Ö1: Pflanzen zeichnen
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ID 369
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Randnotizen | 17.01.2022
Das Leib-Seele-Problem
Über das Verreisen mit hohen Geschwindigkeiten
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Österreich 1 · 17.01.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Über das Verreisen mit hohen Geschwindigkeiten
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ID 368
Gedanke zum Verreisen
Deutschlandfunk > Sonntagsspaziergang | 02.01.2022
Gedanke zum Verreisen
Über die Geschwindigkeit im Nachtzug und die Klapperanzeige am Pariser Gare du Nord.
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Deutschlandfunk · 02.01.2022 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Über die Geschwindigkeit im Nachtzug und die Klapperanzeige am Pariser Gare du Nord.
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ID 367
Ätherische Öle
Premium|Tagebuch|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 20.12.2021
Ätherische Öle
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Österreich 1 · 20.12.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
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Der feine Duft der Pflanzen: Der Destillateur Felix Billiani spricht über ätherische Öle.

Ätherische Öle werden von Pflanzen produziert, um Freunde anzulocken und Feinde zu vertreiben. Der Duft dieser Öle polarisiert auch uns Menschen, wenn wir ihn riechen. Wir lieben einen Duft oder hassen ihn. Die Prägung entsteht in früher Kindheit, wenn Düfte mit Erlebnissen verbunden werden.

Die Öle bestehen aus verschiedenen Anteilen unterschiedlich großer Moleküle, die leicht flüchtig sind. Aus der jeweiligen Mischung entsteht der Duft, von denen die Destillateure auch jene riechen können, die am leichtflüchtigsten sind und schon beim Destillieren verschwinden.

Bei der Wasserdampfdestillation werden ätherische Öle in zweierlei Weise gewonnen: als Hydrolat mit wasserlöslichen Inhaltsstoffen, und als Öl selbst, das oben aufschwimmt und in einer sogenannten "Florentiner Flasche" von der Wasserphase getrennt werden kann.

Hören:

Folge 1

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Folge 2

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Folge 3

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Folge 4

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Folge 5

GESPRÄCHSPARTNER:

DI Felix Billiani

Kesselwerk - Ätherische Öle erleben

A-3163 Rohrbach a.d. Gölsen
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Destillieren
OE1-Link:
Ö1: Der feine Duft der Pflanzen
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ID 366
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 15.11.2021
Biomaterialien
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Österreich 1 · 15.11.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
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Werkstoffinspirationen aus der Natur: Der Physiker und Materialwissenschafter Peter Fratzl spricht über Biomaterialien.

Biomaterialien sind Materialien „aus, für und durch die Natur“. Es sind jene Werkstoffe, aus denen Pflanzen und Lebewesen bestehen: Holz, Gras, Wolle, Haare, Panzer – aus Zellulose, Chitin und Proteinen. Es sind aber auch jene Werkstoffe, aus denen zum Beispiel Prothesen – für Lebewesen – bestehen, Keramik, Gold oder Platin. Und es sind Materialien, die von der Natur inspiriert sind: Oberflächen von Schmetterlingen, die schillernde Farben haben, die Oberfläche des Lotusblattes, das Wasser perfekt abperlen lässt, die Zähne von Tieren mit hohen mineralischen Anteilen.

Die Natur passt sich auf dem Weg der Evolution an die Umweltbedingungen an, ist nie perfekt, sondern immer nur so gut wie nötig, damit bei Änderungen der Umweltbedingungen noch immer genug Eigenschaften vorhanden sind, die anderswo hinpassen. Die Natur kann hervorragend mit limitierten Ressourcen auskommen.

Es gibt Biomaterialien, die zwar aus dem gleichen Material bestehen, aber durch ihre unterschiedliche Struktur ganz verschiedene Eigenschaften haben. Diese Materialien können aber auch Informationen verarbeiten. Sie leiten etwa Schwingungen gefiltert weiter, damit das Gehirn nicht überlastet wird, das sich sonst mit zu vielen – meist uninteressanten – Schwingungen beschäftigen müsste. Eine selektive Weiterleitung erfolgt durch die Wahl der passenden Materialien. Die falschen Schwingungen kommen gar nicht erst an.

Es ist lohnend, die Zusammenhänge zwischen der Struktur und den physikalischen Eigenschaften von biologischen und bioinspirierten Verbundwerkstoffen zu erforschen, um selbst effizientere und bessere technologische Werkstücke herstellen zu können.

GESPRÄCHSPARTNER:

Prof. DDr. Peter Fratzl

Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Podsdam

Hörer:innenreaktion

[quote]Diese Beiträge fand ich hochinteressant, aktuell sehr wichtig und gut vermittelt! Danke! Würde gerne noch mehr von diesem Wissenschaftler zu diesem Thema hören.[/quote]

Teil 1: Klassiker Lotusblatt (Filename: radio362_nat_biomaterialien_1 mp3

)

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Teil 2: Anpassung statt Optimierung (Filename: radio362_nat_biomaterialien_2 mp3

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Filename: radio362_nat_biomaterialien_2

Teil 3: Holz und Spinnenseide (Filename: radio362_nat_biomaterialien_3 mp3

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Filename: radio362_nat_biomaterialien_3

Teil 4: Zähne am Fließband (Filename: radio362_nat_biomaterialien_4 mp3

)

Filename: radio362_nat_biomaterialien_4

Teil 5: Vielfältige Lösungen (Filename: radio362_nat_biomaterialien_5 mp3

)

Filename: radio362_nat_biomaterialien_5
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Ö1: Werkstoffinspirationen aus der Natur
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ID 365
Beim Totengräber von Hallstatt
Premium|Radioproduktion > Deutschlandfunk > Sonntagsspaziergang | 14.11.2021
Beim Totengräber von Hallstatt
Hallstatt im Salzkammergut ist eine kleine Gemeinde mit etwa 800 Einwohnern. Der Ort nimmt ganz wenig Platz ein am Ufer des Hallstättersees und wer mit der Bahn kommt, muss erst noch die Fähre zur anderen Seite des Sees hin zum Ort nehmen. Die meisten Häuser sind eng an den Berg gebaut und viele von ihnen sind nur über Treppen und enge Wege erreichbar. Trotz aller Enge gibt es zwei Kirchen in Hallstatt, die katholische und die evangelische, mit den jeweils zugehörigen Friedhöfen. Die Gebeine der …
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Deutschlandfunk · 14.11.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Hallstatt im Salzkammergut ist eine kleine Gemeinde mit etwa 800 Einwohnern. Der Ort nimmt ganz wenig Platz ein am Ufer des Hallstättersees und wer mit der Bahn kommt, muss erst noch die Fähre zur anderen Seite des Sees hin zum Ort nehmen. Die meisten Häuser sind eng an den Berg gebaut und viele von ihnen sind nur über Treppen und enge Wege erreichbar. Trotz aller Enge gibt es zwei Kirchen in Hallstatt, die katholische und die evangelische, mit den jeweils zugehörigen Friedhöfen. Die Gebeine der Verstorbenen mussten immer schon nach einer angemessenen Zahl an Jahren den neuen Begrabenen Platz machen, wenn auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten Feuerbestattungen häufiger werden. Ein fest angestellter Totengräber hätte in diesen Tagen nur wenig zu tun. Lothar Bodingbauer hat mit dem letzten „offiziellen" Totengräber in Hallstatt gesprochen - über das Leben, Sterben und Begrabenwerden im Salzkammergut.

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Link zur Podcastepisode (Lobster und Tentankel):
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Friedhof|Friedrich Idam|Hallstatt|Salzkammergut
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ID 364
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 20.09.2021
Flusspferd
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Österreich 1 · 20.09.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
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Gewichtige Pflanzenfresser

Flusspferde wurden von ihren europäischen Entdeckern als "Nilpferde" bezeichnet, weil sie am Nil zuerst gesehen wurden. Ausgewachsen erreichen die Tiere eine Länge von 6 Metern und ein Gewicht um die 3 Tonnen. Sie sind reine Pflanzenfresser und gehen vor allem in der Nacht an Land, um mit ihren Lippen Gras abzureißen - bis 50 kg pro Tag.

Eigentlich können Flusspferde nicht schwimmen und stoßen sich eher am Gewässergrund ab. Sie "laufen" unter Wasser. Nasen und Ohren sind zum Tauchen verschließbar, sie liegen mit den Augen auf einer Linie. So sind die Tiere kaum sichtbar, wenn sie im Wasser auftauchen. Die Eckzähne können einen halben Meter lang werden und im Kampf mit Konkurrenten die Gegner stark verletzen. Das Maul weit aufzureißen ist dabei nicht für die Nahrungsaufnahme wichtig, sondern eine Geste der Dominanz.

Flusspferde sind näher mit Walen verwandt als mit anderen Säugetieren. Es gibt zwei Arten: Großflusspferde, sie leben im südlichen Teil von Afrika in ausgeschwemmten Flussbecken, und Zwergflusspferde, die nur 350 kg auf die Waage bringen und eher in den Urwaldgebieten von Afrika zuhause sind. Im Tiergarten Schönbrunn leben derzeit zwei Flusspferde: Mutter und Sohn.

GESPRÄCHSPARTNERIN:

Sonja Sladky,

Tiergarten Schönbrunn

Teil 1: Die irreführende Bezeichnung "Nilpferde" (Filename: radio360_nat_flusspferd_1 mp3

)

Filename: radio360_nat_flusspferd_1.mp3

Teil 2: Schwieriger Transport (Filename: radio360_nat_flusspferd_2 mp3

)

Filename: radio360_nat_flusspferd_2

Teil 3: Leben zwischen Land und Wasser (Filename: radio360_nat_flusspferd_3 mp3

)

Filename: radio360_nat_flusspferd_3

Teil 4: Lebensraum am falschen Kontinent (Filename: radio360_nat_flusspferd_4 mp3

)

Filename: radio360_nat_flusspferd_4

Teil 5: Alltag im Zoo (Filename: radio360_nat_flusspferd_5 mp3

)

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Ö1: Gewichtige Pflanzenfresser
https://oe1.orf.at/programm/20210920#650518/Gewichtige-Pflanzenfresser
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ID 363
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Randnotizen | 30.08.2021
Entgegnungen
Ö1 Moment - Leben heute am 30.08.2021: Randnotizen
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Österreich 1 · 30.08.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Ö1 Moment - Leben heute am 30.08.2021: Randnotizen

Manuskript

Einmoderationsvorschlag: Lothar Bodingbauer hat sich nun Entgegnungen, Beleidigungen und Gefühle näher angesehen.

SIGNATION "Randnotizen"

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht mit den Emojis, mit diesen kleinen Symbolen, die man an Kurznachrichten anhängen kann, um seine Gefühle zu zeigen. Ich finde sie gut. Ich schreibe etwas, und kann dann noch in der Feinabstimmung ein wenig sagen, ob das Ganze ironisch gemeint war, mit einem zwinkernden Smiley. Oder ganz und gar freundlich und erfreut geschrieben von mir, mit einem lachenden Smiley. Es gibt Zielscheiben, damit weiß man, oder kann dann zeigen, dass man den Punkt getroffen haben möchte, oder es gibt vielleicht eine Medaille, usw. und so fort.

Warum finde ich das gut? Weil es einfach abgegangen ist, seine Gefühle zu zeigen, bei Nachrichten. Ich komme aus einer Familie, wo der Großvater Nationalsozialist war, und als Nazi hat er zumindest in meiner Erziehung nie Gefühle gezeigt, oder ausgesprochen, und deswegen finde ich es sehr wohltuend, wenn man es kann. Ich frage mich dann oft, wenn ich diese Hinterlassenschaften meines Großvaters sehe, diese Zettel, die er geschrieben hat, oder Tagebucheinträge, welche Smileys, oder welche Emojis hätte er verwendet. Was wären das für Gefühle gewesen, die zu diesen Inhalten, zu dieser Kriegszeit gepasst hätten. Und – ja, da fällt mir nichts dazu ein.

TRENNER

Aber: Es gibt ja vor den Emojis, vor den Smileys noch etwas anderes, und diese Elemente finden wir in unserer Sprache nach wie vor. Es sind die Entgegnungen. Wenn jemand etwas sagt. Dann antwortet man nicht unbedingt mit Inhalt, also weiteren Erzählungen, weiteren Beschreibungen, sondern man entgegnet oft mit einem Wort zum Beispiel. Einem Satz, einem kurzen. Der eigentlich nur eine Kontaktaufnahme ist und eigentlich ein gesprochenes Emoji.

Stell dir vor. Na geh. Bist du deppert. Wirklich? Echt? Nein, sowas. Oida. Was du nicht sagst. Ach so. Natürlich. Geil, cool, wie cool ist das denn, sicher, oh, wow, siehste. Eindeutig. Ich weiß genau, was du meinst.

Diese Entgegnungen kann man in jedem Gespräch hören, wenn man sich darauf konzentriert, und wer sie nicht hat, wirkt dumm.

Also ich zum Beispiel, in Spanisch. Ich lerne gerade Spanisch und habe diese Entgegnungen noch nicht drauf, und wenn sich die Leute unterhalten, dann schaue ich sie an, wenn sie was sagen, und kann eigentlich nichts darauf sagen. Das heißt, ich glaube, dass es wirklich günstig ist, diese Entgegnungen in einer Sprache wirklich schnell zu lernen. Und ich denke da an Schülerinnen und Schüler in einer Schule aus einer anderen Sprachherkunft kommen und ihre Lehrerinnen und Lehrer anschauen. Und sie wirken, ja, wenn sie diese Entgegnungen noch nicht gelernt haben … Sie wissen was ich meine. Und das ist ein Missverständnis. Eindeutig. Ich weiß genau, was du meinst.

TRENNER

Schimpfwörter, dafür gibt es eigentlich auch keine Emojis. Arschloch. Wie würde man das grafisch bebildern. Wir haben uns vor kurzem, mit Freunden, darüber unterhalten, warum eigentlich "du Sau" etwas Schlimmes ist. Und wir konnten es eigentlich vom Wesen her, vom Objekt, vom Schwein nicht ableiten. Oder eben beim Arschloch. Der Arsch, also ja, gut, die Sprache, der Hintern, und ein Loch. Beides für sich eigentlich nicht wirklich problematisch. Was wäre dann bei besagtem Schimpfwort schlecht? Am Abend ist es mir aber eingefallen. Es ist nicht das, was beschrieben wird, sondern das was vor sich geht, der Prozess. Was kommt denn durch das genannte Schimpfwort durch. Und wir sollten das nicht weiter ausführen. Aber das ist das Beleidigende an diesem Wort, der Prozess. Und der wird halt ignoriert. Den sieht man nicht bei einer Abbildung, bei einem Wort. Also diese Dinge, die passieren.

Und wenn wir in den letzten Jahren gelernt haben, mit Emojis, mit diesen grafischen Symbolen von Gefühlen umzugehen, wäre es dann noch interessant, das Mitgefühl auch zu beschreiben. Wenn man genau sucht in dieser Liste der grafischen Symbole, die bereits vorgeschlagen werden, gibt es bereits eins, das ist ein Smiley, und Arme, und diese Arme umarmen ein Herz. Man fühlt sich gedrückt. kein Zustand ein Prozess, ein Vorgang. Und Mitgefühl ist etwas, was wir ja in diesen Tagen wirklich brauchen. Also: fühlen Sie sich als Hörerinnen und Hörer hier mal gedrückt.
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ID 362
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 26.07.2021
Thripse
Ö1 / Vom Leben der Natur ab 6. Juli 2021
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Ö1 / Vom Leben der Natur ab 6. Juli 2021

Mit winzigen Flügeln durch die Luft

Elisabeth Koschier, Professorin für Pflanzenschutz, spricht diese Woche über die Thripse.

Thripse sind sehr kleine Insekten. Sie werden auch Fransenflügler genannt, Blasenfüße oder Gewitterfliegen. Weltweit sind 6000 Arten beschrieben. Viele ernähren sich von Pilzen oder Pflanzen, andere sind Räuber und ernähren sich von anderen Insekten.

Sie sind etwa 1 bis 3 mm groß, haben Flügeln mit Fransen, 6 Beinchen, einen ovalen Kopf mit Antennen. Ihre Mundwerkzeuge sind Stechborsten, die sie vorstoßen können, um Zellen auszusaugen. Aus den Eiern schlüpfen Larven, es gibt zwei Larvenstadien, danach zwei Ruhestadien, dazwischen häuten sie sich, und zu guter Letzt entsteht ein erwachsener Thrips. Das ganze dauert zwischen ein und vier Wochen. Sie leben zwischen 20 und 70 Tagen.

Thripse verstecken sich in Spalten und Nischen von Pflanzen, um sich vor Feinden zu schützen. Sie sind daher als Insektenart sehr unbekannt. Gut bekannt - und wenig geliebt - sind sie hingegen in der Landwirtschaft und der Zierpflanzenzucht. In Glashäusern und Monokulturen können sie großen Schaden anrichten.

Interviewpartnerin:

Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.nat.techn.

Elisabeth Helene Koschier

Institut für Pflanzenschutz

Universität für Bodenkultur, Wien

Teil 1: Filename: radio358_thripse_1 Mit winzigen Flügeln durch die Luft

Teil 2: Filename: radio358_thripse_2 Vorbereitungen zum Fliegen

Teil 3: Filename: radio358_thripse_3 Herausforderungen im Gartenbau

Teil 4: Filename: radio358_thripse_4 Lebensraum Zimmerpflanze

Teil 5: Filename: radio358_thripse_5 Zuchtprogramm im Marmeladenglas
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Insekten|Thripse
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Ö1: Mit winzigen Fluegeln durch die Luft
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ID 361
Rasen, Wiesen, Gstettn
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 15.07.2021
Rasen, Wiesen, Gstettn
ORF Radio Österreich 1 | 18.07.2021 | Moment am Sonntag
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ORF Radio Österreich 1 | 18.07.2021 | Moment am Sonntag

Sattes Grün in vielen Schattierungen

Bekanntlich ist das Gras in Nachbars Garten immer grüner. Deshalb wird der Rasen gepflegt wie sonst kaum ein Stück Natur. Als Ideal gilt seit dem 18. Jahrhundert der sattgrüne, akkurat gestutzte "englische Rasen". Wer ohne Mähen und Bewässern zum Rasenteppich kommen möchte, holt sich einen Plastik-Rasen in den Vorgarten. Wenn das Grün allerdings als Blumenwiese daherkommt, ist das oft Anlass für Unstimmigkeiten in der Nachbarschaft. Viele dieser "Gstettn" sind allerdings gewollt: die Stadt Wien etwa lässt bewusst manche Verkehrsinseln ungemäht, um die Pflanzen- und Insektenvielfalt zu fördern. Über private Grünflächen aller Art.

Gestaltung: Bea Sommersguter und Lothar Bodingbauer
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Rasen
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Ö1: Rasen Wiese Gstettn
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ID 360
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 30.06.2021
Hausarrest
Manuskript
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Manuskript

SIGNATION "Wort der Woche"

Der Hausarrest verbindet etwas Angenehmes - das Haus - mit etwas Unangenehmen - dem Arrest. Arrest, entstanden das Wort aus dem lateinischen restare - zurückbleiben, stillstehen; wir kennen auch arretieren, und das bedeutet: blockieren. Man wird zuhause blockiert. Das kennen einige von uns vielleicht aus den 1950er- und 60-er Jahren, wo das oft angewendet wurde, wenn Kinder etwas angestellt hatten. Keine Freunde treffen. Kein Badenfahren. "Ist das erlaubt", fragen offenbar viele Kinder Google. Und die Antwort ist, ja, leider. Aber: einsperren dürfen die Eltern die Kinder dabei nicht, das wäre Freiheitsberaubung. Man kann die Kinder auch nicht der Schulpflicht entziehen. Langer Hausarrest gilt aber als eine sehr schwere Form der Strafe. Häufig wird auch Computer- oder Fernsehbenützung verboten. Wer übertreibt, gefährdet das Kindeswohl, und das ist sehr wohl verboten.

Galileo Galilei wurde 1633 bis 1642 von der Inquisition unter Hausarrest gestellt, weil er die Sonne in den Mittelpunkt rückte. Das waren Vergehen. 9 Jahre dauerte dieser Hausarrest, der, so muss man sagen, nur durch Galileos Tod beendet wurden.

International gibt es viele Beispiele von Menschen, die zuhause festgesetzt werden oder wurden.

In Österreich aber ist Hausarrest im öffentlichen Recht durchaus ein geordneter Teil des Strafvollzugs. Seit 2010. Denn wer zuhause ist, hat Struktur. Er muss eine Arbeit haben.

OT "Anstatt dass man in Haft ist, ist man im eigenen Zuhause und hat dann nur ganz bestimmte Zeiten, wo man die Unterkunft verlassen darf."

Miriam Zillner ist leitende Sozialarbeiterin im Verein Neustart, einer Organisation für Bewährungshilfe und Soziale Arbeit. Haftstrafen bis zu 12 Monaten dürfen in Österreich in Hausarrest umgewandelt werden. Im Durchschnitt sind es 3 Monate.

OT "Es gibt Sonderzeiten wo man die Unterkunft verlassen darf. Man braucht eine Beschäftigung, eine Tagesstruktur, da darf man die Unterkunft verlassen. Und für Einkauf, Arztbesuche. Und Behördentermine."

Das Gefängnis zuhause ist ein Gefängnis im Kopf, sagt Miriam Zillner und berichtet von einem der ersten Häftlinge, der 2010 in den Hausarrest durfte.

OT "Man ist eingesperrt, und er hat gesagt, nach ein paar Wochen hat er diese Fußfesseln nicht mehr gesehen, sondern er hatte das Gefängnis im Kopf sozusagen, weil er eben nicht raus darf aus der eigenen Wohnung."

Miriam Zillner berichtet von durchwegs positiven Erfahrungen. Die Betreuung ist das Um- und Auf. Man ist beim behördlich angeordneten Hausarrest mit elektronischer Überwachung nicht einfach nur zu Hause.

OT "Es bringt aus unserer Sicht, aus unserer Erfahrung, dass die Personen, die die Haft auf diese Art verbüssen, dass Resozialisierung nicht notwendig ist, weil sie nie die Unterkunft und die Arbeit verlieren und so nie aus dem Umfeld herausgerissen werden und dadurch auch der Einstieg nicht wieder notwendig ist. Der zweite Grund ist, dass es eine extreme Voraussetzung an Struktur braucht. Die Personen müssen den ganzen Tagesablauf selbst strukturieren, haben da so etwas wie einen Wochenplan und müssen den einhalten. Und immer früh aufstehen, um in die Arbeit zu gehen zum Beispiel. Viele Personen haben das davor nie geschafft. Und das war dann oft das erste Mal, dass sie das über einen längeren Zeitraum geschafft haben.

Strafen haben in unserer Gesellschaft eine Wandlung erlebt. Prügelstrafen wurden abgeschafft. In den 1970er Jahren prägte der ehemalige Justizminister Christian Broda den Begriff der „Gefängnislosen Gesellschaft“. Das Gefängnis aber gibt es nach wie vor. Es gibt hier den Begriff "Haftübel" das verspürt werden soll. Haftübel als Konsequenz eines strafrechtlich relevanten Verhaltens in der Vergangenheit. – Hausarrest unter kontrollierten Bedingungen, sagt Miriam Zillner vom Verein Neustart, das ist moderner Strafvollzug.

OT "Dadurch dass die Personen eben nicht aus dem Umfeld herausgerissen werden, den Job nicht verlieren und die Wohnung nicht verlieren nämlich auch aus Sicht der Rückfallgefahr, ohne Arbeit und ohne Einkommen ohne Wohnen hat man eine höhere Rückfallgefahr, das sagen auch zahlreiche Studien und dadurch dass dieser Verlust nicht passiert, dass eben die Arbeit bleibt und auch bleiben muss, weil sonst verlieren sie den elektronisch überwachten Hausarrest, ist das ein großer Vorteil aus unserer Sicht, dass der elektronisch überwachte Hausarrest angewendet werden kann."
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ID 359
Seychellen
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 26.06.2021
Seychellen
Der Meeresbiologe und Fotograf Robert Hofrichter spricht diese Woche über eine Gruppe von 115 Inseln im Indischen Ozean, von denen große Teile als Naturschutzgebiete gewidmet sind.
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Österreich 1 · 26.06.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der Meeresbiologe und Fotograf Robert Hofrichter spricht diese Woche über eine Gruppe von 115 Inseln im Indischen Ozean, von denen große Teile als Naturschutzgebiete gewidmet sind.

Die Republik Seychellen sind ein Land, das größtenteils aus Ozean besteht - dem westlichen Teil des Indischen Ozeans. Die vielen Inseln liegen auf einem Plateau im Osten Afrikas, die Wassertiefe beträgt auf diesem Plateau nur um die 50m.

Entstanden ist die Inselgruppe von rund 115 Inseln. Die Granitinseln waren ein Bruchstück von Gondwana, dem „südlichen Urkontinent“. Sie haben sich von Afrika, Madagaskar und Indien losgelöst. Tiere und Pflanzen haben sich auf den Inseln daher weitgehend unabhängig von anderen Weltgegenden entwickelt.

Weiße Sandstrände, verwitterte Granitblöcke und tropische Vegetation. Die Inseln entsprechen unserer Vorstellung von Paradies. Tatsächlich sind große Teile als Naturschutzgebiete definiert. Riesenschildkröten haben sich hier entwickelt.

Interviewpartner:

Dr. Robert Hofrichter, Redaktionsbüro Hofrichter mit Bildarchiv, Schwarzstraße 33, A-5020 Salzburg

Ö1 Programm

1. Die Verschiebung von Erdplatten

URL:

2. Sehr große und sehr kleine Tiere

URL:

3. Das Meer in seiner Vielfalt

URL:

4. Eine vielfach aufgeteilte Republik

URL:

5. Von Reisen und Veränderungen

URL:

Foto: Maria Hofrichter
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Afrika|Biodiversität|Evolution|Gondwana|Granitinseln|Indischer Ozean|Inselökologie|Meeresbiologie|Naturschutz|Ozeanografie|Riesenschildkröten|Robert Hofrichter|Seychellen|Tropen|Umwelt|Wissenschaft
OE1-Link:
Ö1: Die Seychellen Inselwelt im Indischen Ozean
https://oe1.orf.at/programm/20210621/641701/Die-Seychellen-Inselwelt-im-Indischen-Ozean
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ID 358
ORF > Österreich 1 > Diagonal|Radioproduktion > Premium | 26.06.2021
Diagonal: Reduktion
Leben im Weniger - Diagonal zum Thema Reduktion
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Österreich 1 · 26.06.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Leben im Weniger - Diagonal zum Thema Reduktion

Entwurf

URL:

Manuskript

Schauen Sie bitte eine Ihrer Gabeln an. Genau, die vom Besteck. Höchstwahrscheinlich hat sie 4 Zinken und 3 Zwischenräume. Im Sinne der Reduktion könnten wir doch einen Zinken wegnehmen. Sie funktioniert immer noch. Und noch einen. Es bleiben 2 Zinken über - und ein Zwischenraum. Es heißt nun Spießchen. Das Ding hat also einen anderen Namen bekommen. Es hat auch etwas Funktion verloren, aufschaufeln kann man mit den zwei Zinken nichts mehr. Werden auch die noch getrennt, dann heißt das Ganze "Stäbchen" - und hier muss der Reis dann extra klebrig sein, oder das ganze Esskonzept muss umgestellt werden, die Schale zum Mund geführt und die Nudeln mit den Stäbchen in den Mund hineingeschoppt werden. Reduktion hat also etwas mit Funktion zu tun - ab einer bestimmten Grenze der Vereinfachung ändert sich die Funktion und dann bekommt das Ding einen anderen Namen.

"Kontextabhängige Menüführung" - jetzt nicht beim Essen, sondern bei der Software oder auch im Flugzeug, wird das genannt. Sie kennen das Bild vom typischen Cockpit: unzählige Schalter und Lämpchen. Sie zu reduzieren, ohne an Komplexität zu verlieren oder die Funktion zu verändern, das wird heute mit Bildschirmen gelöst.

OT Reduktion 1

*In einem modernen Cockpit gibt es jetzt auch das sogenannte Glascockpit…*

Martin Kozik, AO.Professor für Regelungsmethoden an der TU-Wien …

OT Reduktion 2

*… das heißt, große Bildschirme, die das was früher zum Beispiel der Kompass war und so weiter, auch darstellen können, aber natürlich auch sehr viele Funktionen abrufbar machen über kontextsensitive Tasten. Das heißt, je nachdem in welchem Betriebszustand dieses Display ist, haben die Tasten eine andere speziell zugeordnete Funktion.*

Es werden also nur noch die Schalter und Entscheidungsmöglichkeiten angezeigt, die im jeweiligen Moment notwendig sind. Und was notwendig ist, das ändert sich ständig. Das ist die wahre Kunst der Reduktion. Hier werden Abläufe mitgedacht. Und hier können Katastrophen passieren.

Der Knopf für den Schleudersitz bleibt nicht zufällig ein wirklich-extra-Knopf in einem sonst gläsernen Cockpit.

OT Reduktion 3

*De Facto wird natürlich vom Bordpersonal überwacht. Das heißt, jede der Entscheidungen, die da vielleicht getroffen werden, sind letztendlich immer abgesegnet von einer menschlichen Instanz.*

Reduktion führt in der Wissenschafterkenntnisgewinngeschichte oft zu Modellen. Modelle sind "reduzierte Abbilder der Wirklichkeit". Um die Wirklichkeit zu verstehen, um sie vorherzusagen. Gerade lebende Organismen werden so besser verstehbar.

Blut ist ein sogenannter Modellorganismus. Ein Pieks in den Finger. Die Analyse der Inhaltsstoffe - und schon wissen wir, wie es uns. Die Gene der Fruchtfliege - sie vermehrt sich alle 7 Tage, die Generationen sind leicht verfügbar. Was wir bei der Fruchtfliege verstehen, das kann auch auf andere Lebewesen übertragen werden. Die Ackerschmalwand in der Botanik. Escherichia-Coli in der Bakteriologie. Die Labormaus. Alles Modellorganismen, besonders gut verstanden, von denen wir oft hören. Oder auch: Caenorhabditis elegans, von Wissenschaftler:innen recht lässig "C elegans" genannt. Auf Deutsch: der Fadenwurm.

OT Reduktion 4

*Der Fadenwurm hat die Besonderheit, dass er nur 302 Nervenzellen besitzt, und wir haben Technologien entwickelt, dass wir die Aktivität aller dieser Nervenzellen in Echtzeit aufzeichnen können. Und aus diesen Messungen heraus können wir Rückschlüsse ziehen, welche Verhaltensabläufe dieser Wurm gerade kontrollieren möchte.*

Manuel Zimmer ist Professor für Neurobiologie an der Uni Wien.

OT Reduktion 5

*Warum schlafen wir überhaupt. Wie passiert es überhaupt, dass ein Gehirn, oder ein Organismus so schlagartig oder schnell von einem Zustand in den anderen Zustand versetzt werden kann.*

Versteht man das beim Fadenwurm, kann es auf unser Gehirn übertragen werden. Fadenwürmer schlafen übrigens gerne im Rudel. Wenn der Sauerstoffgehalt in der Umgebung sinkt, atmen viele Fadenwurmmünder. Es sind also offenbar viele von ihnen auf einem Haufen, und das signalisiert ihnen, alle sind da, und sie schlafen ein. Ist der Sauerstoffgehalt hingegen hoch, dann wissen sie "O-o - die anderen sind weg", ich bleib mal lieber wach.

OT Reduktion 6

*Und das faszinierende dabei ist, wir können jetzt die Gehirnaktivfität aufzeichnen in Einzelzellauflösung und in Echtzeit, und wir können sehen, wie so ein Gehirn aufwacht und wie es wieder in den Schlaf zurückversetzt wird.*

Neueste Ergebnisse aus der Borstenwurmforschung übrigens zeigen, wie dessen Muskelzellen vernetzt sind. Und wenn man dann sieht, wie dieser Wurm durch das Sichtfeld des Mikroskops groovt, und man kann das erklären, dann kann man die Faszination von Modellen für Wissenschaftler:innen nachvollziehen.

OT Reduktion 7

*Vielleicht sind diese Mechanismen nicht genau so im Detail im menschlichen Gehirn, aber im Prinzip könnte es ähnlich funktionieren*.

Modellorganismen werden perfekt erforscht, und die Forschung geht weiter. Models am Laufsteg oder am Plakat - ihre perfekte Schönheit soll ja angeblich auch für die gesamte Menschheit stehen.

Reduktion betrifft neben der Gabel, dem Cockpit, dem Fadenwurm und den Mode-Modellen auch die Erklärungen. Es heißt ja auch „Erklärungsmodelle". Eine Erklärung wird dabei immer weniger sein, als die Welt in ihrer Fülle ist.

Und immer wenn es zwei konkurrierende Erklärungen gibt, für ein und die selbe Sache, dann wird die einfachere und kürzere Erklärung die richtige sein. Das ist das Prinzip von "Okhams Razor", benannt nach einem Mönch. William of Ockham, ein mittelalterlicher Philosoph und Theologe. Das Prinzip der höchstmöglichen Sparsamkeit bei Erklärungen. Von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste allen anderen vorzuziehen. Und eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Behauptungen enthält.

Das hat einen Vorteil: man kann sie leichter widerlegen.

"Die Sonne geht im Osten auf, im Süden hält sie Mittagslauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen.“ Einfach, nicht? Aber falsch. Wir brauchen also zu Okhams Rasierer noch etwas Feinschliff. Es braucht ein weiteres Wissenschaftsprinzip, die Vorhersage. Die mit der Erde im Mittelpunkt nicht möglich wird, für die seltsamen Schleifen, die andere Planeten über die Monate hinweg sichtbar am Himmel machen. Die Erde im Mittelpunkt, dieses erklärungsmodell, kann das nur mit unzählige Korrekturzahnrädern, die ins Himmelsuhrwerk eingebaut werden müssen, erklären, und Galileo Galilei kann mit einer konkurrierenden einfachen Erklärung punkten: die Erdre dreht sich, die Sonne bleibt ruhig. Das ist die Wahrheit.

"Abduktion" ist das Prinzip, aus seltsamen Besonderheiten das Seltsame zu entfernen, und den Rest als nüchternes Gesetz zu präsentieren.

Aber da sind wir nun bei einem wichtigen Punkt: wann geht es jemals um die Wahrheit. Klar, beim Flugzeugbauen und beim Bremsweg. Beim Mond und beim Computer. Aber in Wahrheit geht es doch genauso oft um Geschichten. Um schöne Geschichten, die das Universum beschreiben. Die Sache mit dem Urknall, 13,8 Milliarden Jahre ist das her. Expansion des Universums. Knapp mit Okhams Rasiermesser gekürzt und beschrieben. Fertig. Aber unsere Sehnsucht lebt von den Geschichten. Und Geschichten sind das Gegenteil der Reduktion. Sie machen unser Leben wieder erzählbar. Sie machen wieder Plüsch ran.

ZITAT mit Klang-Plüsch …

Izanagi und Izanami standen auf der schwebenden Brücke des Himmels und beratschlagten und sprachen: ,Ist unten am Boden nicht etwa gar ein Land?‘ Hierauf stießen sie mit dem himmlischen Juwelenspeer nach unten und rührten damit im blauen Meer herum. Als sie die Salzflut gerührt hatten, bis sie sich zäh verdickte, und sie den Speer wieder heraufzogen, häufte sich das vom Ende des Speeres herabtropfende Salz des Wassers an und wurde eine Insel, die den Namen bekam Ono-goro-zima: „Von selbst verdichtet und geronnen.“

ABMODERATION:

Eine japanische Schöpfungsgeschichte zum Schluss in diesem Beitrag von Lothar Bodingbauer über die Reduktion in Technik und Wissenschaft.
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Abduktion|Andreaeae elegans|Cockpit|Erklärungsmodelle|Escherichia coli|Fadenwurm|Flugzeug|Galileo Galilei|Glascockpit|Japanische Mythologie|Kognitive Modelle|Komplexität|Kontextsensitive Bedienung|Manuel zimmer|Markus Völter|Martin Kozik|Modellorganismen|Ockhams Rasiermesser|Reduktion|Regelungstechnik|Schlafverhalten|Softwaredesign|Stäbchen|Technik|TU Wien|Unfälle|Wissenschaftstheorie
OE1-Link:
Ö1: Diagonal zum Thema Reduktion
https://oe1.orf.at/programm/20210626/641993/Diagonal-zum-Thema-Reduktion
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ID 357
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 23.06.2021
Endlager
Umweltministerin Leonore Gewessler hat vor kurzem in einem Zeit-im-Bild-Interview an ein nationales Entsorgungsprogramm für radioaktiven Abfall erinnert. Auch in Österreich fällt nämlich radioaktiver Abfall an - durch Industrie und Medizin, oder bei der Dekontamination. Dazu wurde ein sogenannter Entsorgungsbeirat eingerichtet, für die Entsorgung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle. Er soll in den kommenden Jahren Vorschläge für ein Endlager in Österreich präsentieren.
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Österreich 1 · 23.06.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Umweltministerin Leonore Gewessler hat vor kurzem in einem Zeit-im-Bild-Interview an ein nationales Entsorgungsprogramm für radioaktiven Abfall erinnert. Auch in Österreich fällt nämlich radioaktiver Abfall an - durch Industrie und Medizin, oder bei der Dekontamination. Dazu wurde ein sogenannter Entsorgungsbeirat eingerichtet, für die Entsorgung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle. Er soll in den kommenden Jahren Vorschläge für ein Endlager in Österreich präsentieren.

Manuskript

SIGNATION

Angenommen Sie haben einen verbogenen Nagel in der Werkstatt. Was tun Sie damit? Geradebiegen. Gut. Wenn das misslingt? Entsorgen. Da gibt es einen Weg: zum Altmetall. Recyceln. Ein Kreislauf. Und alles ist gut. Ein Nagel macht nun wirklich keine Sorgen.

Anders sieht es bei radioaktiven Elementen aus. Einmal gebraucht, liegen die Reste herum. Die Reste sind Zerfallsprodukte, die oft selbst nicht stabil sind, sondern weiter zerfallen. Dabei produzieren sie Hitze. Sind weiter radioaktiv. Radioaktive Abfälle machen Sorgen.

Ein Endlager muss her. Das Ende der Sorgen. Die ultimative Entsorgung. Früher gab es die zweifelhafte Idee: aus den Augen, aus dem Sinn, Fässer mit radioaktiven Abfällen wurden am Meeresgrund versenkt. Das ist seit 1993 weltweit verboten. Man versenkt seither die Fässer in geophysikalisch stabile Gesteinsschichten im Boden. Und hier wird zunehmend darüber nachgedacht, das Ganze reversibel zu machen, sollten in einigen Tausend Jahren die Kinder unserer Kindeskinderkindeskinder draufkommen, dass das “Endlager” doch nicht so ideal war wie gedacht. Vielleicht gibt es dann eine bessere Entsorgung oder sogar die Wiederverwertung mit Methoden, die erst entwickelt werden.

Weltweit gibt es nur sechs Endlager für hochradioaktiven Abfall, in Russland, der Ukraine, Weißrussland und den USA. Geplant werden welche in China, Argentinien, in Finnland und Frankreich.

Alles Leben ist endlich. Müsste es nicht eigentlich Unendlichlager heißen?

OT Endlager 1

*Ja, wenn Sie das so wollen, sprachlich ja.*

… meint Roman Beyerknecht.

OT Endlager 2

*Ich bin Geschäftsführer der Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH. Unsere Firma kümmert sich um das Management der radioaktiven Abfälle in Österreich, von der Sammlung vom Verursacher, über die Aufarbeitung, Konditionierung und bis zur Zwischenlagerung. Wir betreiben auch das österreichische Zwischenlager für diese radioaktiven Abfälle.*

Das kann zum Beispiel ein Feuermelder sein, in dem geringe Mengen radioaktiver Stoffe für das Feststellen von Rauch vorhanden sind. Kaputt muss er "entsorgt" werden. Ins Zwischenlager gebracht. Nach Seibersdorf. Kosten: Rund 300 Euro laut Tarifplan. Radioaktive Abfälle werden in Österreich in ein Zwischenlager gebracht. Endlager gibt es noch keines in Österreich. Ein Entsorgungsbeirat wird oder muss sich in Zukunft darum kümmern. Ob Abfälle aus Medizin oder Industrie, es sind keine großen Mengen, die hier in Österreich entstehen, schwach- oder mittelradioaktiv, aber man kann sie nicht einfach zum Recycling bringen.

OT Endlager 3

*Ja der Unterschied zum herkömmlichen konventionellen Abfall ist der, dass vom radioaktiven Abfall ein mehr oder weniger großes Risiko für Umwelt und Personen ausgeht. Beim Großteil der radioaktiven Abfälle, vor allem jenen aus Österreich, sprechen wir jetzt nicht davon, dass es heiß wird, das ist gar nicht einmal das Thema, es geht wirklich um die ionisierende Strahlung, die auf die Zellen von Lebewesen einfach nachteilig einwirken können, und dort zum Gesundheitsrisiko führen.*

Zuerst wird versucht, die Menge "einzudampfen". Zu pressen, zu reduzieren, einzuschmelzen, in Glas oder Beton zu gießen. Alles wird in einem Zwischenlager aufbewahrt, vieles davon hat auch eine kurze Halbwertszeit von 30 Jahren, nach 150 Jahren wären noch 3% der Strahlung da. Ein Endlager würde die "heiße Ware" für immer aufnehmen.

OT Endlager 4

*Das ist der letzte Schritt der Entsorgung von radioaktiven Abfällen. Bis zur Zwischenlagerung haben wir in Österreich ein fertiges System, das gut funktioniert, und genau dieser letzte Schritt fehlt.*

Ein Schritt, der nun geplant werden soll. Das wird wegen der aufwändigen Suche nach geeigneten Orten, den Bewilligungen und zu erwarteten Befürchtungen der ortsansässigen Bevölkerung - Stichwort: Nicht in meinem Hinterhof - das wird sehr lange dauern.

OT Endlager 5

*Österreich und Deutschland sind da sicher ein bisschen einmalig, weil die Sensibilität in diesem Gebiet sehr groß ist, und größer als in anderen vergleichbaren Ländern. Die technischen naturwissenschaftlichen Lösungen für diese Abfälle gibt es, weltweit auch in vielen funktionierenden Endlagern. Das wird letztendlich auch in unserem Zwischenlager sichergestellt, auch hier werden die radioaktiven Abfälle gelagert, aber natürlich ist die Akzeptanz der Bevölkerung und der Gesellschaft ein wesentliches und zentrales Thema bei der Suche nach einem Endlager.*

Politisch wird man sich nur wenig Freunde machen, mit dem Engagement für ein Endlager. Es müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden. Roman Beyerknecht:

OT Endlager 6

*Das ist wieder der große Unterschied zwischen Nieder- und mittelaktiven Abfällen und diesen hochaktiven Abfällen. Während man bei diesen hochaktiven Abfällen von Kernkraftwerken von 100.000 bis Millionen von Jahren redet, redet man in der Regel bei den niederaktiven Abfällen von Zeiträumen von mehreren 100 Jahren. Das sind viel überschaubarere Zeiträume, die man auch entsprechend simulieren und voraussagen kann.*
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ID 356
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Randnotizen | 21.06.2021
Randnotizen: Ruheabteil
Ein Jahr haben wir nun unser Leben reduziert. Und jetzt: wir können uns wieder häufiger treffen. Alte Herausforderungen werden wieder aktuell. Neue entstehen.
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Österreich 1 · 21.06.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Ein Jahr haben wir nun unser Leben reduziert. Und jetzt: wir können uns wieder häufiger treffen. Alte Herausforderungen werden wieder aktuell. Neue entstehen.

Beobachtungen aus dem Ruheabteil.

Manuskript

SIGNATION

Es gibt wieder Leben nach Corona. Das sich entfaltet. Das an Facetten gewinnt, an Dimensionen. Hoffnungen, die Wirklichkeit werden. Imaginäres, das angreifbar wird.

So geschehen in meinem Spanischkurs. Der wurde im letzten Jahr rein über Zoom, über Videokonferenz abgehalten. Großartige Erfindung. Man sitzt zuhause, jeder sitzt zuhause, und man lernt trotzdem gemeinsam. Und nun: 3G machts möglich, getestet, geimpft oder genesen, und gegen Ende des Spanischkurses könnte man noch ergänzen: geprüft. Wir haben uns vorige Woche zum Abschluss realmente in einem Spanischrestaurant getroffen zum Tacos essen. Waren die anderen Kursteilnehmer bisher flach und schön von vorne am Bildschirm zu sehen, kamen sie nun einer nach dem anderen zur Tür herein. Rund im Gesicht. Mit hervorstehenden Brillen und wippendem Schmuck. Der ganze Körper in Bewegung und man sieht sie von der Seite, man sieht die Größe, man sieht sich auch von unten und von oben. Gekrümmter, weil bewegter Mund. Selbst das Lächeln hatte ein vorne und hinten. Und ich sage Ihnen: ich habe keinen von den anderen unmittelbar wiedererkannt, obwohl ich sie vom Videounterricht gut kannte. Es scheint so, dass unser Hirn für das Wiederkennen alle Dimensionen braucht. Ist schlüssig, denn evolutionär sind Bildschirme doch erst ganz zum Schluss dazugekommen, die 3D - drei Dimensionen, auf zwei Dimensionen reduzierten.

Es war ein schöner Abend - so in echt, miteinander zu reden. Die Tacos waren großartig, und das Nichtwiederkennen am Anfang schlug nach wenigen Minuten um. In ein Erinnern, ein Wissen. So ein Hirn lernt offenbar, den zweidimensionalen Bildschirm nach einer ersten Verwirrung recht schnell mit der räumlichen Wirklichkeit zu verbinden. Das waren doch die Menschen, die ich kannte. Getestet, genesen, geimpft. 3G macht 3D wieder möglich - und ich rede noch gar nicht vom Parfum das manch wer trug.

TRENNER

Begegnungen auch in der Eisenbahn, wenn Fahrten wieder möglich sind. Eine neue Form des Vernaderns wurde da im letzten Jahr der Corona-Ruhe offenbar entwickelt, wir können sie derzeit in den Ruhewägen der Railjets unserer geschätzten Eisenbahn ausprobieren. Da hat sich wirklich wer was ausgedacht. Sie wissen ja, das Ruheabteil. Wenn ich wirklich Ruhe haben will während der Zugfahrt, dann muss ich mich in ein ganz normales Abteil setzen. Im Ruhewagen muss ich mich nämlich dauernd aufregen. Weil jemand spricht, ein anderer Musik hört, ein dritter telefoniert. Und das Schlimme ist, ich reg mich zu Recht auf, qua Signet reisen im Ruheabteil jene, die Ruhe suchen, weil sie müde sind, aber offenbar auch jene, die in Ruhe telefonieren möchten. Konflikte sind unvermeidlich, und wer nicht wirklich perfekt die Regeln der gewaltfreien Kommunikation beherrscht, ist hier verloren. Zur Erinnerung: gewaltfreie Kommunikation verläuft in 4 Stufen.

“Sie telefonieren gerade. Ich versuche im Ruheabteil mich zu entspannen. Wenn Sie telefonieren kann ich mich nicht entspannen. Ich bitte Sie daher, nicht mehr zu telefonieren.”

Sie spüren schon, das muss man vor der Abfahrt üben. Aber:

Diese wundervolle Reihe freundlicher Informationen und Appelle des gewaltfreien Gesprächs mit einem Störenfried können Sie nun abkürzen, indem Sie in das Bord-Internet einloggen und die Person per Platznummer vernadern.

ZITAT Sie fühlen sich in der Ruhezone gestört und wollen anonym eine Lärmbelästigung melden? Dann folgen Sie diesem Link. Sollten Sie sich durch das Nichteinhalten der Spielregeln von einem Mitreisenden gestört fühlen, haben Sie die Möglichkeit, dies unserem Zugpersonal an Bord von ihrem Sitzplatz aus zu melden. Danach wird mithilfe einer Durchsage explizit auf die Ruhezone hingewiesen bzw. unser Zugpersonal persönlich im Wagen vorbeischauen um sich um die Einhaltung zu kümmern.

Wie war das? Haben wir richtig gehört? Wir spulen zurück.

ZITAT Danach wird mithilfe einer Durchsage explizit auf die Ruhezone hingewiesen.

Helfen Sie mir mit einem Vergleich. Das ist so, wie wenn man im Dunkeln mit der Taschenlampe nach Sternen sucht. Oder eben - und das kenne ich aus Zeiten, als ich schlechte Nerven hatte - wenn die Kinder anschreit, endlich ruhig zu sein.

ZITAT Danach wird mithilfe einer Durchsage explizit auf die Ruhezone hingewiesen.

TRENNER

Man kriegt sich schneller in die Haare, dieser Tage, so scheint es. Themen wie Politik, Ruhezonen, Platzverbote oder "die Impfung" sollte man unter Umständen in Gesprächen eher mal ausklammern. Und da stellt sich die Frage, worüber man eigentlich reden soll. Probieren Sie's mal mit dieser unverfänglichen Frage: "Sind Sie mit ihren Lippen zufrieden?". Ich hab das probiert. Interessanterweise haben die meisten gelächelt, und sagten. "eigentlich ja". Irgendwie, und das finde ich nett, haben alle ihre Lippen gern. Sie auch?
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ID 355
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 02.06.2021
Amtsmissbrauch
Der Amtsmissbrauch ist keine Lappalie. Die staatliche Hoheitsgewalt wird ausgenutzt, um wissentlich jemanden zu schädigen. Amtsmissbrauch gehört zum Strafgesetzbuch, Amts-missbrauchs-träger werden bei Verurteilung nicht einfach getadelt, oder notfalls in ein hinteres Tal versetzt, sie werden de facto eingesperrt oder zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Rechtsstudium kommt das Thema durchaus am Anfang schon vor, es ist aber auch etwas für Spezialisten dabei.
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Österreich 1 · 02.06.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der Amtsmissbrauch ist keine Lappalie. Die staatliche Hoheitsgewalt wird ausgenutzt, um wissentlich jemanden zu schädigen. Amtsmissbrauch gehört zum Strafgesetzbuch, Amts-missbrauchs-träger werden bei Verurteilung nicht einfach getadelt, oder notfalls in ein hinteres Tal versetzt, sie werden de facto eingesperrt oder zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Rechtsstudium kommt das Thema durchaus am Anfang schon vor, es ist aber auch etwas für Spezialisten dabei.

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Manuskript

(ohne letzte Änderungen)

SIGNATION "DAS WORT DER WOCHE"

ZITAT

*Ein Beamter, der mit dem Vorsatz, dadurch einen anderen an seinen Rechten zu schädigen, seine Befugnis, im Namen des Bundes, eines Landes, eines Gemeindeverbandes, einer Gemeinde oder einer anderen Person des öffentlichen Rechtes als deren Organ in Vollziehung der Gesetze Amtsgeschäfte vorzunehmen, wissentlich mißbraucht, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen.*

Kurzgefasst: Der Amtsmissbrauch ist keine Lappalie. Die staatliche Hoheitsgewalt wird ausgenutzt, um wissentlich jemanden zu schädigen. Amtsmissbrauch gehört zum Strafgesetzbuch, Amts-missbrauchs-träger werden bei Verurteilung nicht einfach getadelt, oder notfalls in ein hinteres Tal versetzt, sie werden de facto eingesperrt oder zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Rechtsstudium kommt das Thema durchaus am Anfang schon vor, es ist aber auch etwas für Spezialisten dabei.

OT Amtsmissbrauch 1

*Das Thema ist sehr vielschichtig und führt sozusagen in die Tiefen des öffentlichen Rechts hinein*

Peter Bußjäger ist Professor für öffentliches Recht, Staat und Verwaltungslehre an der Universität Innsbruck. Nicht nur Beamte sind von Amtsmissbrauch betroffen, sondern jeder, der im Namen des Staates Hoheitsgewalt vollzieht.

OT Amtsmissbrauch 2

*Genau. Der Strafrechtliche Begriff des Beamten umfasst nicht nur den klassischen Beamten, der pragmatisiert ist, sondern auch Vertragsbedienstete und umfasst einen weiten Kreis von Personen sondern auch Politiker, die nicht in einem vertraglichen Verhältnis zum Staat stehen sondern gewählte Organe sind. Auch sie zählen zu den Beamten im Sinne des Strafgesetzbuches und können alle möglichen Delikte begehen. mir fällt gerade ein ganzer Gemeinderat einer Tiroler Gemeinde ein, die ein denkmalgschütztes Objekt haben abreissen lassen, sind beispielsweise zu einer sehr hohen Geldstrafe wegen Amtsmissbrauchs verurteilt worden. Die haben sicherlich nicht im Traum daran gedacht, dass sie Beamte im Sinne des Strafgesetzbuches sein könnten, aber das waren sie.*

Die Angst, zum Beispiel in der Kommunalpolitik immer mal etwas falsch zu machen, und dafür eingesperrt zu werden, muss man nicht haben. Man wird auch bei komplexer Gemengelage als Gemeinderat nicht in den Amtsmissbrauch hineingetrieben, meint Peter Bußjäger.

OT Amtsmissbrauch 3

*Das ist halt auch ein Fall, bei dem die einzelnen Mitglieder zwar gewusst haben, das ist rechtswidrig, sonst wären sie nicht verurteilt worden, aber sich gedacht haben, das it keine schlimme Sache, und vielleicht ist das im Sinne der Gemeinde besser, wenn das alte Haus weg ist, und wir dort vielleicht neue Wohnungen oder was auch immer errichten können. Vielleicht haben sie es durchaus gut gemeint, gut gemeint nützt einem da aber nichts.*

Es muss einen Schaden geben, um wegen Amtsmissbrauchs verurteilt zu werden, nicht unbedingt nur in Geld gemessen, sondern auch: ein Schaden am Recht des Staates. Es geht um die Vollziehung der Gesetze, aber unter Ausübung der Hoheitsgewalt.

OT Amtsmissbrauch 4

*Jemand der einen Baubescheid erlässt, beispielsweise ein Bürgermeister, kann in Ausübung dieser Funktion einen Amtsmissbrauch begehen, hingegen, gewährt der Bürgermeister dem Fußballclub eine Förderung, auf welche dieser Club keinen Anspruch hatte, rechtswidrigerweise, dann ist es kein Amtsmissbrauch, sondern dann ist es möglicherweise das Delikt der Untreue.*

--- SCHNEIDEN MÖGLICH

Ein Beispiel: Wer ein elektronisches Abgabeninformationssystem missbräuchlich abfragt, um einem Fussballfreund zu helfen, der Filialleiter einer Bank ist, um die Kreditwürdigkeit eines Kunden einzuschätzen: Amtsmissbrauch. Zu Schaden kommen dabei steuerpflichtige Personen hinsichtlich der abgabenrechtlichen Geheimhaltung und des Datenschutzes. Untersucht wird das Ganze von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.

--- SCHNEIDEN ENDE

Peter Bußjäger kennt die verschiedenen Ebenen der staatlichen Verwaltung sehr genau. Eines ist zu beobachten. Je weiter "unten" in der Hierarchie, desto eher ist es möglich, dass Amtsmissbrauch auch stattfindet.

OT Amtsmissbrauch 5

*Das Delikt als solches gibt es über alle Ebenen hinweg. Es sind weder in einem Ministerium noch in einem Amt der Landesregierung noch in den Gemeinden ist jemand vor Amtsmissbrauch gefeit. Das Problem stellt sich in erster Linie für Vollzugsorgane, strukturgemäss eher Organe, auf der unteren Vollzugsebene angesiedelt sind, die das ausführen müssen. Durch eine schlechte Impfstrategie kann ich Entscheidungen treffen, die für viele Menschen fatal ist, aber ich mache keinen Amtsmissbrauch, durch schlechte Politik kann ich auch schlechte Entscheidung treffen, einen Amtsmissbrauch kann aber ein Polizist begehen, der vor Ort eine rechtswidrige und wissentlich falsche Entscheidung trifft.*
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ID 354
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 12.05.2021
Taliban
Die Taliban haben in Afghanistan eine dreitägige Feuerpause angekündigt – Anlässlich des muslimischen Festes Id al-Fitr, dem traditionellen Fastenbrechen nach dem Fastenmonat Ramadan.
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Österreich 1 · 12.05.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Die Taliban haben in Afghanistan eine dreitägige Feuerpause angekündigt – Anlässlich des muslimischen Festes Id al-Fitr, dem traditionellen Fastenbrechen nach dem Fastenmonat Ramadan.

Die Bürger sollten das Fastenbrechen friedlich und sicher feiern können, teilte der Sprecher der Taliban, Mohammad Naeem am Montag per Tweet mit. Das Fest wird heute Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche beginnen, je nach Sichtung des Mondes. Fast zeitgleich ereignete sich ein neuer blutiger Anschlag mit mehreren Toten.

URL:

SIGNATION Wort der Woche

Die Taliban sind eine Gruppe von Menschen. Eine terroristische Vereinigung. Milizen. Islamistisch. Afghanistan. Die Taliban: Der Name kommt von Arabisch talib - Schüler, Suchender. Einen Atemzug weiter fallen Begriffe wie: Mittelalter, Koranschulen in Pakistan, das Bergland von Afghanistan. Drei Viertel des Landes bestehen aus schwer zugänglichen Gebirgsregionen. Ein Puffergebiet zwischen den Großmächten. Unzugänglich. Stämme, die früher als Nomaden in Bewegung waren. Andere Riten. Andere Regeln. Und dann, die Gegenwart: ein historischer Sprung: Als die Sowjets 1989 abziehen, bekämpfen sich bewaffnete Gruppen, die Mujahedins, muslimische Guerillagruppen, die mit Waffengewalt eine vermeintlich göttliche Ordnung herstellen wollen. Sie besetzen 1992 Kabul, die Hauptstadt. Der pakistanische Geheimdienst fördert die Taliban, die vom Süden Afghanistans vorrücken. Sie sollen dem Chaos des Bürgerkriegs der Mujahedin ein Ende setzen und sie besetzen 1994 die zweitgrößte Stadt Kandahar. Ihr weltanschauliches Konzept ist in den Flüchtlingslagern Pakistans entstanden - eine brutale Ordnung. Mit Anschlägen gegen die Zivilbevölkerung, Sperren, damit Lebensmittelhilfslieferungen nicht ankommen. Die Taliban sind paschtunische Koranschüler der Deobandi-Bewegung. Sie steht für eine strenge und klassische Auslegung des sunnitisch-hanafitischen Islam und strebt die Rückkehr zu dessen „Wurzeln“ an. Ein Bilderverbot. Radikalität. Massaker an Tausenden von Menschen. Geld kommt vom Opiumhandel, Waffen von unterstützenden Hintergrundmächten. Mit dabei: Russland, die USA, China, Pakistan. Die Golfstaaten. Der Einsatz von US-Drohnen, die ohne Risiko aus der Luft ihre Führer töten, verändert die Lage. Ebenso ein Treffen der USA mit den Taliban im Vorjahr, um sie als Verhandlungsmacht anzuerkennen.

Möglicherweise sind es weniger Antworten, als Fragen, die uns im Zusammenhang mit Taliban interessieren sollten.

Wie „funktioniert“ das Machtsystem der Taliban? Und kann man irgend etwas Gutes über die Taliban sagen? Fragen, die wir an Thomas Schmidinger schicken, der sich gerade im Irak aufhält.

01 Atmo Taliban in letzten Satz

02 OT Taliban Schmidinger 1 darüber

*Ich bin gerade im Irak unterwegs, wo ich einerseits Projekte unterstütze vor allem mit Überlenden des Genozids an die Jessiden, und andererseits auch meine Feldforschungen aktualisiere.*

Thomas Schmidinger ist an der Universität Wien Sozial- und Kulturanthropologe mit den Schwerpunkten Kurdistan, Jihadismus, Naher Osten und Internationale Politik. "Puh", sagt er, als er die Liste der Fragen erhält.

03 Atmo Taliban Whatsapp / darüber (Mikro offen lassen)

Und er schickt über Whatsapp folgende Antworten.

04 OT Taliban Schmidinger 2

*Die Taliban waren immer eine relativ stramm organisierte und gut bewaffnete Organisation, die auch eine gemeinsame Ideologie vertreten hat. Was sie aber vor allem gegenüber den verschiedenen sogenannten Mujahedingruppen von Afghanistan im Vorteil hatten, dass sie tatsächlich in einem großen Teil von Afghanistan so etwas wie eine zwar extrem totalitäre aber doch Rechtssicherheit hergestellt haben, so etwas wie ein Gewaltmonopol. Und viele Afghanen, die mit der Ideologie der Taliban überhaupt nicht einverstanden waren, haben nach 2001, nach dem Einmarsch der Amerikaner und ihrer Verbündeten, gesagt, dass Afghanistan einfach unter den Taliban sicherer war, und dass es gewissermaßen eine immer noch besser ist, in einer Diktatur zu leben, als im totalen Chaos.*

Zentral könnte der Begriff: Werterelativismus sein:

05 OT Taliban Schmidinger 3

*Ja, ob man die Taliban jetzt respektiert oder nicht, hängt vom Wertesystem ab. Wenn mein ein Kulturrelativist ist, wenn man der Meinung ist, dass jeder seine eigene Kultur hat, und Menschenrechte nicht universell sind, dann kann man die Taliban schon respektieren und sich denken, die sind halt anders. Wenn man der Meinung ist, dass Menschenrechte universell sind, dass Männer und Frauen gleichwertig sein sollen, dann sind die Taliban natürlich genau das Gegenteil von einem menschenrechtsorientierten System. Also sie sind sicher ein politischer Gegner, der gleichheits- und freiheitsorientiert ist.*

Taliban werden eine Rolle spielen in der weiteren Geschichte Afghanistans und der ganzen Region. Die wirklich große Frage ist, ob es jemandem gelingen wird, die vielen unterschiedlichen Menschen in dieser Region zu vereinen.
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ID 353
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 21.04.2021
Munitionslager
Tschechien hat vor kurzem 18 Mitarbeiter der russischen Botschaft in Prag ausgewiesen. Der Grund ist der Verdacht, dass die Offiziere von russischen Geheimdiensten GRU und SVR in zwei Explosionen in Munitionslagern im südmährischen Vrbetice 2014 verwickelt gewesen seien. Das teilte der tschechische Premier Andrej Babis und der Innenminister Jan Hamacek mit.
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Österreich 1 · 21.04.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Tschechien hat vor kurzem 18 Mitarbeiter der russischen Botschaft in Prag ausgewiesen. Der Grund ist der Verdacht, dass die Offiziere von russischen Geheimdiensten GRU und SVR in zwei Explosionen in Munitionslagern im südmährischen Vrbetice 2014 verwickelt gewesen seien. Das teilte der tschechische Premier Andrej Babis und der Innenminister Jan Hamacek mit.

Manuskript

Es gibt Gegenden, in denen es nicht so leicht ist, Häuser zu verkaufen. Wen würden Sie als Nachbarn akzeptieren? Den botanischen Garten gerne. Die Autobahn wohl eher nicht. Wohnen unter einer Stromleitung, oder über einer Deponie. Natürlich nicht. Neben einem Munitionslager? Da kann man nur mit guter Aussicht punkten. In Österreich zum Beispiel in Stadl Paura, ein wunderschöner Wanderweg entlang der Traun - und plötzlich Zaun. Mit Stacheldraht. Warnschildern. Rostigen Ketten und schnell versperrt der Wald den Blick, wer nicht zur Traun hin schaut, sondern in das militärische Sperrgebiet hinein. Nur die Einheimischen wissen Bescheid. Die Zufahrt - eine Sackgasse ohne Anschrift. Das Navigationssystem zeigt einen grünen Wald mit Eisenbahnanschluss, verzweigten Wegen, Hütten.

SCHNEIDEN MÖGLICH // Munitionslager haben immer die Schnittstelle zur Öffentlichkeit, die gut bewacht werden will. Und sei es durch Nicht darüber reden. //

Damit dort alles mit rechten Dingen zugeht, gibt es einiges zu berücksichtigen. Festgehalten in Österreich im Munitionslagergesetz 2003 under der Munitionslagerverordnung 2006. Zur militärischen Munition zählen ...

ZITAT 1

Munition für Pistolen und Maschinenpistolen, Gewehre und Karabiner, Maschinengewehre, Granatwerfer, Fliegerabwehrkanonen, Maschinenkanonen und Panzerabwehrkanonen, Panzerkanonen, Haubitzen und Kanonen, Raketenwerfer, Panzerabwehrrohre, Lenkwaffen, Bordkanonen und Raketen, Hand- und Gewehrgranaten, Minen, Spreng- und Zündmittel, Granatzünder, Signalmittel, Nebel-, Knall- Markiermittel, Übungsschießgeräte und Kleinkalibergewehre und Pulver, Ladungen und Zündeinrichtungen.

Die Lagerung erfolgt ...

ZITAT 2

oberirdisch, unterirdisch oder in Kombination.

Und die Schutzabstände?

ZITAT 4

Die Schutzabstände sind nach folgender Formel zu ermitteln:

S = 2,4 * Q hoch 1/3, wobei Q die Explosivstoff-Höchstbelagsmenge darstellt.

Was ist das bloß für ein Geschäft. Einen Tag der offenen Tür wird es dort nicht geben.

---

OT Kollmann 1 (00:06)

*Munition wird intern in verschiedenen Gefahrenklassen abhängig bei ihrem Verhalten von Unfällen klassifiziert.*

Brigadier Georg Kollmann leitet die Abteilung Waffensysteme und Munition. Er ist stellvertretender Leiter der Direktion Rüstung und Beschaffung im Bundesministerium für Landesverteidigung. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen die österreichischen Munitionslager.

OT Kollmann 2 (00:19)

*Wir haben also Munition, die sehr einfach ist, wie zum Beispiel eine Pistolenpatrone oder eine Sturmgewehrpatrone. Sollte hier irgendetwas passieren, dann detoniert höchstens die Packung mit 20, 30 Stück. Aber der Rest des Stapels, der traditionsgemäß bis zu einer Tonne betragen kann und mehr, würde hier nicht in Mitleidenschaft gezogen.*

Am anderen Ende der Gefahrenskala wäre der Sprengstoff selbst.

OT Kollmann 3

*Würde ein Sprengstoff entsprechen umgesetzt so wird automatisch durch sogenannte Detonationsübertragung der gesamte Stapel in die Luft fliegen und würde würden die Abstände nicht eingehalten, auch Nachbarstapeln auch mit zur Detonation bringen. So käme es dann zu den großen Unfällen. Das kann in Österreich insofern nicht passieren, weil unsere Abstände entsprechend groß gewählt werden, wie auch andere handhabungsleichtere Munitionssorten als Trennfläche einlagern, unsere Bauten entsprechend berechnet sind, sodass im schlimmsten Fall bei einer oberirdischen Anlage das Dach der Anlage weggesprengt würde, aber im Endeffekt die Auswirkung auf Unbeteiligte und Bauwerke rundherum absolut verhindert wird.*

Zu nahe darf man trotzdem nicht ranbauen, dafür sorgen die Raumordnungsgesetze - auch wenn die Lage zwischen Wald und Fluß noch so still und schön wäre.

In Tschechien ist also 2014 ein Munitionslager explodiert. Das Problem ist nicht unbedingt die Explosion selbst, das große Problem sind die Dinge, die danach "undefiniert herumliegen", so nennen es die Militärexperten, große Teile, kleine Teile, noch gefährlich, oder vielleicht auch nicht. Es wird Jahre dauern, es aufzuräumen. Das Gebiet ist unbrauchbar geworden.

Ein eigener Abschnitt im österreichischen Munitionslagergesetz widmet sich den Entschädigungen. Wenn einmal etwas schiefgeht. Als dritter Punkt darin: Die Entschädigung ist in Geld zu leisten,

ZITAT 5

auszuzahlen spätestens drei Monate nach Rechtskraft der die Entschädigung feststellenden gerichtlichen Entscheidung.
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ID 352
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 16.04.2021
Freiwilligenarbeit auf der City Farm
Wirken im Grünen: Andrea Rieß spricht über ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Naturbereich. Gärtnern im Wiener Augarten.
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Österreich 1 · 16.04.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Wirken im Grünen: Andrea Rieß spricht über ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Naturbereich. Gärtnern im Wiener Augarten.
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ID 351
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 14.04.2021
Freiwilligenarbeit im Tiergarten
Günther Hundseder spricht über seine ehrenamtliche Tätigkeit im Naturbereich:
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Österreich 1 · 14.04.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Günther Hundseder spricht über seine ehrenamtliche Tätigkeit im Naturbereich:

Mithilfe im Tiergarten Schönbrunn.

Der Eintritt in die Pension bringt vielfältige Bereicherungen - auch im Naturbereich. Man hat endlich Zeit, den Wandel der Jahreszeiten bewusst zu erleben und zu gestalten, oder man kann die Flora und Fauna vor der Haustüre oder bei Ausflügen neu entdecken.

Es gibt auch etliche Möglichkeiten, sein Wissen und seine Begeisterung für die Natur ehrenamtlich einzubringen. Man kann bei Schutzprojekten mitwirken: Vögel werden bei einem Monitoring erfasst oder Frösche und Kröten im Frühjahr sicher zu ihren Laichgebieten geleitet. Das wertvolle Wissen um die Pflanzenwelt kann an Kinder und Erwachsene weitergegeben werden.
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ID 350
Naturschutzhunde
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 08.03.2021
Naturschutzhunde
Spürnasen für die Umwelt
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Österreich 1 · 08.03.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Spürnasen für die Umwelt

Link zum Programm

Der Salzburger Biologe Leo Slotta-Bachmayr spricht über die Arbeit mit Naturschutzhunden

Hunde haben üblicherweise im Wald nichts verloren - außer sie sind ausgebildete Naturschutzhunde. Sie suchen Borkenkäfer und erkennen geschädigte Bäume schneller, als Menschen. Sie suchen den Kot von Wildkatzen und helfen nachzuweisen, dass es in diesem Gebiet welche gibt. Sie finden tote Fledermäuse, die mit Windkraftanlagen kollidiert sind, zuverlässiger als Menschen, die ihre Augen dazu verwenden müssten.

Es ist der Geruchssinn, der Hunde zu idealen Helfern bei Naturschutzaufgaben macht. Dazu kommt ihre Begeisterungsfähigkeit. Sie werden ausgebildet, dass ihnen die Arbeit Spaß macht, dass sie Freude daran finden, ihre Aufgaben zu erfüllen. Motivation ist der Schlüssel. Im Rahmen der Ausbildung wird darauf geachtet, die richtigen Ergebnisse gezielt zu belohnen. Das kann zum Beispiel das Spiel mit einem Zerrkissen sein, das sie nach erfolgreichem Fund des gewünschten Objektes erhalten.

Noch ist nicht in allen Einsatzgebieten die Arbeit der Naturschutzhunde als offizielle "Methode" anerkannt. Zunehmend wird aber bekannter, dass der Einsatz von gutausgebildeten Naturschutzhund-Mensch-Teams gute und vor allem rasche Ergebnisse bringt.

Interviewpartner:

Dr. Leopold Slotta-Bachmayr

Naturschutzhunde – Spürhunde im Natur- und Artenschutz

Kleingmainer Gasse 5c

5020 Salzburg

info@naturschutzhunde.at

1: Freude am Suchen (Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_1 mp3

)

Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_1

2: Schnell, begeisterungsfähig und günstig (Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_2 mp3

)

Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_2

3: Eine zielgerichtete Ausbildung (Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_3 mp3

)

Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_3

4: Suche nach dem Wolf (Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_4 mp3

)

Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_4

5: Brillanz auf vier Pfoten (Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_5 mp3

)

Filename: radio345_nat_naturschutzhunde_5
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OE1-Link:
Ö1: Spuernasen fuer die Umwelt
https://oe1.orf.at/programm/20210308#630746/Spuernasen-fuer-die-Umwelt
Link zur Sendungsseite
ID 349
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 03.03.2021
Diversität
Vergangenes Wochenende wurden die Golden Globes verliehen, Preise für die besten Filme und Fernsehsendungen. Für die besten Schauspieler, die beste Regie. Die beste Serie. Die Vergabe bestimmt eine Gruppe rund 100 internationalen Journalisten, die in Hollywood arbeiten. Und bei dieser 78. Verleihung viel es auf, dass die schwarze Community unter den Abgesandten der internationalen Medienwelt in Los Angeles nicht repräsentiert ist. Die Schauspielerin Jane Fonda erhielt einen Preis für ihr Lebensw …
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Österreich 1 · 03.03.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Vergangenes Wochenende wurden die Golden Globes verliehen, Preise für die besten Filme und Fernsehsendungen. Für die besten Schauspieler, die beste Regie. Die beste Serie. Die Vergabe bestimmt eine Gruppe rund 100 internationalen Journalisten, die in Hollywood arbeiten. Und bei dieser 78. Verleihung viel es auf, dass die schwarze Community unter den Abgesandten der internationalen Medienwelt in Los Angeles nicht repräsentiert ist. Die Schauspielerin Jane Fonda erhielt einen Preis für ihr Lebenswerk. "Lasst uns das Zelt größer machen", sagte Fonda in ihrer Rede. Die Diversität sollte in Hollywood, im Zentrum der amerikanischen Erzählindustrie, doch größer sein.

Manuskript

SIGNATION

Diversität. Ein sperriges Wort. Abstrakt. 4-silbig. Ein vermeintlicher Zustand, die Diversität.

Es ist nicht einfach, die Herkunft des Wortes zu beschreiben. Di - für zwei? Eine falsche Fährte. Es gibt aber eine Verwandtschaft zum germanischen "werden". Kein Zustand also die Diversität, sondern ein Prozess. Etwas wird. entsteht.

Divers steht in unserer Alltagssprache auch für "beliebig". Auch das ist wieder eine falsche Fährte zum Verständnis, was Diversität bedeutet. Egal ist da gar nichts. Richtig hingegen die Spur zum lateinischen Grundwort: vertere: umwenden, drehen. Die Umstände werden verändert. Das "Di" kommt von DIS - und diese Vorsilbe drückt einen Gegensatz aus. Das Ausgeschlossen sein. Divertere, lateinisch für "auseinandergehen", "voneinander abweichen".

Und das soll gut sein? Diversität ist in unserer Sprache positiv belegt. Am Acker. Am Marktplatz. In Firmen. Diversität im Angebot sichert Erfolg, wenn das eine oder andere Produkt im Laden zum Ladenhüter wird. Die eine oder andere Strategie scheitert.

OT 1 | Lisa Appiano | 00:19

Ja, ich finde das eigentlich auch ganz gut, das einmal zu betonen an dem Begriff Diversität. Dass mit dieser Dis-Vorsilbe die Gegensätzlichkeit schon drinnen liegt. Also nicht gleich auf die Vielfalt den Blick zu legen, sondern erst mal auf diese eigentliche Differenz, die da angelegt ist.

Lisa Appiano, Universität Wien, Personalabteilung, Abteilung für Gleichstellung und Diversität.

OT 2

| Lisa Appiano | 00:16

Diversität kommt ja in der Forschungsliteratur ja eigentlich aus der Pflanzenbiologie Und die Biodiversität ist ja wahrscheinlich das weitgeläufigere Wort, als wenn wir jetzt Diversität als Konzept sehen, das mit sozialen Positionen arbeitet.

Diversität in der genetischen Vielfalt - eine Art passt immer dazu, wenn sich die Umstände ändern. Klimatisch. Genetisch. Wenn eine Überschwemmung, ein Hangrutsch, ein - krass jetzt - Meteoriteneinschlag, die Landschaft verändert. Diversität als Ressource, damit das Leben weitergeht. Die Vielfalt.

Vielfalt, sagt Lisa Appiano, bedeutet, die Unterschiede genau und systematisch zu betrachten. Wer unterscheidet? Und was wird unterschieden? Bei den Wildbienen ist es die Zunge. Kommt in die Blüte hinein, oder gerade mal nicht. Die Länge der Zunge, die Flügel, die Farbe, die Streifen. Der bevorzugte Zeitpunkt, auszufliegen. Und bei den Menschen?

OT 3 | Lisa Appiano | 00:21

Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, geistige und körperliche Fähigkeiten, soziale Herkunft, nationale Herkunft, Hautfarbe, Sprache. Also nach diesen Aspekten kann man schauen, wie ist unsere Organisation darauf ausgerichtet.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Vor- und Nachteile, die sich ergeben, wenn man der einen oder der anderen Gruppe angehört.

OT 4 | Lisa Appiano | 00:03

Das ist auch eine Machtfrage und eine politische Frage.

Im Sozialen hat Diversität einen weiteren Aspekt: Gerechtigkeit. Wenn alles passt, nimmt man die Anstrengungen nicht wahr, die andere benötigen, um mitzumachen. Denn: wer voneinander abweicht findet unterschiedliche Bedingungen vor. Zugangsbeschränkungen. Eingangsregelungen. Teilhabemöglichkeiten. Möglichkeiten, an der Normalität erst einmal teilzunehmen. An der Universität Wien gibt es 3 Gründe, "Diversität und Gleichstellung" in den Abteilungsrang zu erheben.

OT 5

| Lisa Appiano | 00:58

Einerseits aus rechtlichen Grundlagen zur Antdiskriminierung, die aus dem Bundesgleichbehandlungsgesetz kommen, aber auch aus dem Universitätsgesetz, oder aus nationalen Entwicklungsplänen für die Hochschulen. Aber auch einer ökonomischen Perspektive, weil Hochschulen ja zunehmend auch unternehmerisch im Wettbewerb stehen, wo man davon ausgeht, dass die Vielfalt von Studierenden oder Mitarbeitenden Wettbewerbsvorteile bringt. Ja, eine Ressource, auch einen Gewinn bringt, und die dritte Motivation wäre ein ethischer Anspruch, schon aus einem Ideal, dass Universität als Ort der "Universitas" funktioniert, also als eine im idealen Sinn diskriminierungsfreien Gemeinschaft, wo alle um den Erkenntnisgewinn ringen.

Es ist ein konfliktreicher Weg, wenn Strukturen verändert werden. Für die Bienen ist Diversität eine Überlebenfrage und für uns Menschen wohl auch. Millimeter für Millimeter geht es voran. Wenn es gelingt, ein Vorteil - aber, Vorsicht, meint Lisa Appiano, es wäre bitter, Diversitätsfragen nur aus der Sicht "was bringt's" zu diskutieren.

OT 6 | Lisa Appiano | 00:07

Wir brauchen ja doch einen ethischen Anspruch, auch wenn es nicht nur um die eigenen Vorteile geht.

Link zu Lisa Appiano:
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ID 348
Schwerefeld der Erde
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 10.02.2021
Schwerefeld der Erde
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Österreich 1 · 10.02.2021 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
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Die Erde sieht vom Weltraum perfekt rund aus. Es gibt kein "oben" und kein "unten", weil die Schwerkraft wirkt und alle Dinge die "oben" sind nach "unten zieht". Die Anziehungskraft der Massen, erstmals wissenschaftlich beschrieben durch Isaac Newton und wichtig als Teil der Relativitätstheorie von Albert Einstein.

Rund ist die Erde aber bei präzisen Blick nicht. Je nachdem, wie die Masse im Erdinneren verteilt ist, ändert sich die Schwerkraft im Gebiet darüber, und das hat Auswirkungen auf die Form der Erde. Dazu kommen die regelmäßige Auswirkungen der Anziehungskraft von Sonne und Mond, die Gezeiten. Sie "walken" die Erde durch und verändern das Schwerefeld.

Wenn jemand Interesse an einer präzisen Höhenangabe hat, braucht diese Person alle Informationen über die Unregelmäßigkeiten. Er möchte das sogenannte "Geoid" kennen, ein perfektes Modell der Erde mit allen Unregelmäßigkeiten. Der Bezugspunkt, die "Meereshöhe 0", braucht ebenfalls Informationen über das Geoid. Es ist aus vielen Messpunkten und der kontinuierlichen Beobachtung des Schwerefelds durch Satelliten entstanden. Das Geoid sieht aus wie eine Wetterkarte mit Luftdruck- oder Temperaturverteilung und ist ein wichtiges "Produkt" der Geodäsie, der präzisen Vermessung der Erde.

Interviewpartner

Em. Univ.-Prof. DI Dr. Hans Sünkel

Österreichischen Akademie der Wissenschaften - Institut für Weltraumforschung

TU Graz - Institut für Geodäsie

1. Eine unförmige Erde (Filename: radio343_nat_schwerefeld_1 mp3

)

Filename: radio343_nat_schwerefeld_1

2. Eine veränderte Zeit (Filename: radio343_nat_schwerefeld_2 mp3

)

Filename: radio343_nat_schwerefeld_2

3. Berge unter den Meeren (Filename: radio343_nat_schwerefeld_3 mp3

)

Filename: radio343_nat_schwerefeld_3

4. Die Meereshöhe "Null" (Filename: radio343_nat_schwerefeld_4 mp3

)

Filename: radio343_nat_schwerefeld_4

5. Die Auswirkungen der Jahreszeiten (Filename: radio343_nat_schwerefeld_5 mp3

)

Filename: radio343_nat_schwerefeld_5

Foto: NASA / Virginia CubeSat Constellation Satellites Deployed from Space Station
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Ö1: Die Schwerkraft und die Form der Erde
https://oe1.orf.at/programm/20210215#627954/Die-Schwerkraft-und-die-Form-der-Erde
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ID 347
Blick zu den Sternen
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 21.12.2020
Blick zu den Sternen
Warum ich zu den Sternen blicke
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Österreich 1 · 21.12.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Warum ich zu den Sternen blicke

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Blicke zu den Sternen gehören neben der Wahrnehmung von Sonne und Mond zu den wohl eindrücklichsten Erlebnissen der Kindheit. In der dunklen Nacht den Kopf zu heben, um bei klarem Wetter „die Unendlichkeit“ zu sehen, das haben wir wohl alle irgendwann erlebt. Es kamen viele Fragen, und im Idealfall viele Antworten. Oft Jahre später.

Für Wissenschaftler:innen, die sich mit dem Universum beschäftigen, entstehen neben den Antworten dann auch immer neue Fragen. Der eine beschäftigt sich mit Galaxien, wie sie entstehen, und wie sie zusammenhalten, der andere mit den technischen Fähigkeiten, sie zu fotografieren. Wenn es jemanden gibt, der darüber nachdenkt, ob es „Leben da draußen“ gibt, wird es ein anderer auch suchen – und muss sich dazu überlegen, wie man es denn finden kann. Und es gibt jene, die sich überlegen, wie man das Wissen über das Universum weitererzählen kann, sodass es alle verstehen – sie halten Kurse und betreiben Planetarien.

Der Blick zum Himmel ist etwas, was begeistert. Die Faszination darüber teilen sie alle. Sich selbst als Mensch vom Universum zu lösen, würde ihnen dabei schwer fallen, besonders dann, wenn sich die Sterne, bei voller Dunkelheit im Gebirge oder beim Beobachten am Meer, von Horizont zu Horizont ziehen.

Foto: Wolfgang Birkfellner

Interviewpartner:innen

Teil 1: Die Weite des Universums. Ruth Grützbauch ist Astronomin und Erfinderin des Pop-Up-Planetariums in Wien.

Filename:

Dr. Ruth Grützbauch, Astronomin und Erfinderin des Pop-Up-Planetariums in Wien

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Teil 2: Das Wesen der Galaxien. Gerhard Hensler ist Astrophysiker an der Universität Wien.

Filename:

Univ.-Prof. i.R. Dipl.-Phys. Dr. Gerhard Hensler, Professor für Theoretische Astronomie

Teil 3: Das Sammeln von Licht. Wolfgang Birkfellner ist Physiker für bildgebende Verfahren an der MedUni Wien und Astrofotograf.

Filename:

Univ. Prof. Mag. Dr. Wolfgang Birkfellner, Physiker für bildgebende Verfahren an der Meduni Wien, und Astrophotograph

Teil 4: Die Suche nach Leben im Universum. Lisa Kaltenegger ist Direktorin des Carl Sagan Institute an der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York.

Filename:

Lisa Kaltenegger, Direktorin des Carl Sagan Institutes an der Cornell Universität in Itacah, US-Bundesstaat New York

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OE1-Link:
Ö1: Lichtpunkte am Firmament
https://oe1.orf.at/programm/20201221#621644/Lichtpunkte-am-Firmament
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ID 346
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 12.11.2020
Der Fadenwurm
Der Nervennetz des Fadenwurms: Der Neurobiologe Manuel Zimmer spricht über Caenorhabditis elegans, einen der wichtigsten Modellorganismen der Biologie. Abgekürzt wird dieser Fadenwurm „C-elegans“ genannt.
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Österreich 1 · 12.11.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der Nervennetz des Fadenwurms: Der Neurobiologe Manuel Zimmer spricht über Caenorhabditis elegans, einen der wichtigsten Modellorganismen der Biologie. Abgekürzt wird dieser Fadenwurm „C-elegans“ genannt.

Caenorhabditis elegans, der Fadenwurm, ist neben der Fruchtfliege (Genetik) und der Acker-Schmalwand (Botanik) einer der wichtigsten Modellorganismen der Biologie. Er ist klein, durchsichtig, genügsam und braucht für seine Entwicklung nur 3 Tage. Das ist aber noch nicht alles. Jeder Wurm hat die gleiche Anzahl an Zellen - etwas über 1000 - und die gleiche Anzahl an Nervenzellen - etwas über 300. Jede dieser Zellen hat eine eigene Bezeichnung und kann so zunächst kartiert - das ist noch zum Ende des 20. Jahrthunderts passiert - und auf ihre Verbindungen untersucht werden - das ist jetzt Gegenstand der Forschung.

Einerseits geht es bei den wissenschaftlichen Untersuchungen derzeit um Fragen zum programmierten Zelltod. Während der Entwicklung eines Fadenwurms sterben einige Zellen geplanterweise zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt wieder ab. Das ist für die Krebsforschung vom Interesse. Bei Krebs gibt es Störungen beim programmierten Zelltod, die Krebszellen vermehren sich unkontrolliert. Andererseits sind besonders die Nervenzellen des Fadenwurms für Neurowissenschaftler interessant. Sie können deren Aktivität durch genetische Tricks sichtbar machen. Ist ein Neuron aktiv, flackert es im Mikroskop auf. Der Fadenwurm leuchtet beim „denken“.

So wird es möglich, das Verhalten zu untersuchen, und zwar auf neuronaler und genetischer Basis. Was im Wurm ist wofür zuständig? Auch Schlaf-Forschung wird auf zellulärer Ebene möglich. Wenn sich ein Fadenwurm schlafen legt, kündigen das seine Neuronen im Vorfeld an.

Interviewpartner:

Univ.-Prof. Dr. Manuel Zimmer

Department für Neurowissenschaften und Entwicklungsbiologie der Universität Wien

1. Jede Zelle ist benannt

URL:

2. Eine Karte von Zellen und Verbindungen

URL:

3. Wie Gedanken entstehen

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4. Koordination des Verhaltens

URL:

5. Schlafen im Rudel

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Acker-Schmalwand|Apoptose|Biologie|Biowissenschaft|C-elegans|Caenorhabditis elegans|Entwicklungsbiologie|Fadenwurm|Fruchtfliege|Gehirnaktivität|Genetik|Krebsforschung|Manuel zimmer|Mikroskopie|Modellorganismus|Neuronale Aktivität|Neurowissenschaft|Neurowissenschaften|programmierter Zelltod|Schlaf|Universität Wien|Verhaltensforschung|Zellkarte
ID 345
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Wort der Woche | 28.10.2020
Appell
"Appelle haben nicht geholfen", meinte gestern der deutsche SPD Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. "Ohne den schnellen Teil-Shutdown droht uns ein längerer Voll-Lockdown nur wenige Wochen später. Jetzt können wir noch ein relativ normales Weihnachten und bis dahin offene Schulen retten." Das gilt für Deutschland. Aber analog meint das offizielle Österreich das selbe: Der Halloween-Appell von Gesundheitsminister Anschober. Der Allerheiligen-Appell von Bundeskanzler Kurz. "Es darf nicht die Po …
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Österreich 1 · 28.10.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
"Appelle haben nicht geholfen", meinte gestern der deutsche SPD Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. "Ohne den schnellen Teil-Shutdown droht uns ein längerer Voll-Lockdown nur wenige Wochen später. Jetzt können wir noch ein relativ normales Weihnachten und bis dahin offene Schulen retten." Das gilt für Deutschland. Aber analog meint das offizielle Österreich das selbe: Der Halloween-Appell von Gesundheitsminister Anschober. Der Allerheiligen-Appell von Bundeskanzler Kurz. "Es darf nicht die Post abgehen", so Anschober. Keinen Blödsinn machen. Und zuhause zu bleiben. Appell.

Manuskript

SIGNATION

ZITAT:

Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag lieber, was du für dein Land tun kannst.

- John F. Kennedy. Moralischer Appell 1961 bei seinem Amtsantritt.

Es gibt wohl zu jedem Festtag einen Appell. Zu jedem Ort. Zu jedem Hobby. Zu jeder Tätigkeit. Zu jeder Eigenschaft. Es gibt einen Karfreitags-Appell - eine australische Spendenaktion für kranke Kinder - und einen Maßhalte-Appell: vom ehemaligen bundesdeutschen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, 1962, gerichtet an die Gewerkschaft, die 10% Lohnerhöhung forderte, während die Wirtschaft nur um 5% gewachsen war.

ZITAT:

Wir können nicht doppelt so viel verdienen, wie wir an Werten schaffen!

Zwei P

Zwei L

Der Appell. Steht im Lexikon nur knapp unter der Apokalypse und über dem Appetit.

Der Appell. Eine Methode des gütlichen Zuredens, des Beschwichtigens und des Beschwörens, so definierte es der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Günter Schmölders, und zwar den staatlichen Appell als moralische Beschwörung. Für das, was schnell umgesetzt werden soll. Ohne Eingriffe. Ohne Gewalt.

Der Begriff "Maßhalteapell", wird auch heute noch verwendet, eben weil genau das Zügeln des Appetits in der Politik so oft gebraucht wird.

Appell - erklärt am besten durch das Verb - das Appellieren. Entlehnt aus appelare - Latein. Anrufen. Auffordern sogar. Ein Intensivum zu Pellere: Stoßen, treiben; und ad: hin zu. Also jemanden hinstoßen. Mit der Nase zum Beispiel. / Wenn Sie also Ihre Kinder bitten, den Müll hinunterzutragen, und nichts passiert, dann kommt die Phase zwei, Sie appellieren an: das Pflichtgefühl. Ehrgefühl. Den Anstand. (Nicht den Abstand). Das Miteinander. Wir alle müssen etwas tun. Die Kinder werden protestieren - und auch das gehört zur eigentlichen juristischen Bedeutung des Appells, die Berufung. Das Appellationsgericht sogar, das Berufungsgericht, in Österreich sind das etwa die Landesgerichte und Oberlandesgerichte – der sogenannte Instanzenzug geht bis zum Obersten Gerichtshof. Court of Appeal im Englischen: und Appeal, appealing da ist noch ganz etwas Anderes gemeint, da ist jemand attraktiv. Sprachliche Brücken sind hier gebaut.

ATMO APPELL 1: Fanfare Militär / 1. Teil Appellblasen

Aber vor allem auch militärisch, der Appell am Appellplatz der Aufruf der Soldaten, feierlich. Antreten zum Appell ein wenig martialischer. Fehlt da einer?

ATMO APPELL 2: Fanfare Militär / 2. Teil

Es ist ein zwischenmenschliches Etwas, der Appell, eine Verbindung, die mit Inhalten gefüllt wird. Appelliert wird an das Gewissen. An die Vernunft. Der Appell an die Tugend. Die appellierende Person meist nicht der größte Rowdie, sondern jemand mit Position. Ein bestimmtes Verhalten soll bestärkt, oder sogar hervorgerufen werden. Oder Unterlassen. Bitte keine Plastiksackerl - ein Appell, geholfen hat das erst seit dem Verbot. Auf Empfängerseite kann es passieren, dass der Appell beim einen Ohr hinein - und wie es die Eltern gerne nennen - beim anderen Ohr hinausgeht.

Nonverbal geht auch: das Winken, ein Hilferuf.

Herbei

.

Aristoteles unterscheidet als Vater der Rhetorik den rationalen Appell vom emotionalen und vom moralischen. Die Linguistik, die Sprachwissenschaft ergänzt: besonders in der Werbung. Kauf... Offen oder verdeckt angewendet. Die nächste Stufe der Befehl. Kauf!

Wahrscheinlich kennen Sie die "vier Ohren" von Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden: Störungen und Klärungen. Die Psychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wer spricht, kommuniziert auf vier Ebenen: Die Sache selbst, die Beziehung zum Gegenüber, die Selbstoffenbarung, wie es dem Sender geht dabei, aber, jetzt kommt's, immer mit Appell. Wird dieser nicht gehört, dann gibts Konflikte.

Es ist eine wahre Freude, aus einer Aussage, diese Appellebene herauszuhören, auch wenn sie nicht genannt wird.

ZITATE:

"Es ist so kalt heute."

– Mach mir bitte einen Tee.

"Es geht mir alles am Orsch."

– Sei lieb zu mir.

"Wer geht mit dem Hund?"

– Du bitte.

"Die Lage ist extrem ernst."

— Bleibt zuhause.

Bei dieser Gelegenheit: aus dem Archiv der wirklich schöne und sehr verständliche Appell eines Senners aus den Bergen Tirol, an die Zuhörerinnen und Zuhörer im Radio.

OT APPELL 3 – Senner vom Brenner

Ich bin der Seidner Walter. Die Hirten und die Senner von den drei Almen da hätten einen Wunsch: Wenn auch die Schranken weggefallen sind, aber von den Straßen und die Zäune möchten halt die Gatter zutun, die Berggeher und die Mountain-Biker. Das wäre unser Wunsch. Dass wir nicht brauchen jeden Tag da nachrennen, und schauen, ob alles in Ordnung ist. Gell. Dass das Vieh nicht zu den gefährlichen Orten hingeht. Weil da draußen ist gefährlich, wenn da ein Vieh rausgeht, da stürzt es ab. Das wäre unser Wunsch, wenn das einmal möglich wäre.

Appelle kommen von einem Wunsch zur Verbesserung. Fürs Vieh, fürs Leben; fürs Überleben der Gesellschaft. Keiner appelliert an das Böse in uns. Wobei: Verbesserungen von Despoten und Diktatoren naturgemäss anders gedeutet werden als vom Chef einer karitativen Organisation der Appell, vor Weihnachten an seine Mitmenschen zu denken.
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ID 344
ORF > Österreich 1 > Diagonal|Radioproduktion > Premium | 17.10.2020
Menschlicher Faktor
Filename: radio339_dia_menschliches_versagen
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Österreich 1 · 17.10.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
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Menschliches Versagen bei Flugzeugunfällen

Diagonal 17.10.2020, Lothar Bodingbauer, 7 min.

BEITRAG

Es war kein ganz normaler Flug. Schon von Beginn an. Kurz nachdem der Airbus der Hapag Lloyd am 12. Juli 2000 in Kreta gestartet war, ließ sich das Fahrwerk nicht einfahren. Kein allzu großes Problem eigentlich. Kommt vor, ist gut geübt und gut bekannt. Der Flug wurde fortgesetzt und landete nicht wie geplant in Hannover, sondern in Wien. Allerdings: am Acker vor der Landebahn. 143 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder mussten das Flugzeug über die Notrutschen verlassen. Alle haben überlebt, aber 26 Personen wurden verletzt. – Der Treibstoff war ausgegangen. Überraschend für die Piloten, denn der Flugrechner im Airbus-310 hätte eine geordnete Landung zumindest in München vorausberechnet. – Was war passiert? Luftwiderstand: Wer mit ausgefahrenem Fahrwerk fliegt, braucht um die Hälfte mehr Treibstoff. Das wussten die Piloten, sie dachten aber, dass der Flugrechner das auch weiß, und miteinbezieht in seine Berechnungen.

ZITAT

Was macht es? Warum macht es das? Und was macht es als nächstes?

Das fragen sich Pilotinnen und Piloten sehr häufig, wenn sie es mit komplexen Systemen zu tun haben, denen sie vertrauen müssen. Der Flugrechner ist so ein System.

Und jetzt kommt das "hätte", dieses unscheinbare Wort, das die Verzweigungen des Schicksals in der Vergangenheit ermöglicht. "Hätte" der Pilot nicht versucht herauszufinden, was der Flugrechner macht, warum er das macht, und was er als nächstes macht, hätte er seine Denkzeit verwenden können, eine bessere Lösung für das Problem "Fahrwerk lässt sich nicht einziehen" zu finden. "BIAS" heißt das auf Englisch, wenn Menschen ihre Gedanken in einem bestimmten Licht führen. Voreingenommenheit. BIAS, eine gedankliche Schlagseite, die man erhält, weil vielleicht die Zeit knapp ist. Es gibt mehrere davon: Den Bestätigungs-Bias zum Beispiel: Die Lösungssuche konzentriert sich auf bisherige Annahmen. Der Aufmerksamkeitszurodnungs-Bias, er tritt unter Stress auf, die Reihenfolge strukturierter Abläufe wird verworfen und der Bedrohung geopfert. Und neben diversen Biases gibt es noch den Tunneleffekt, die Konzentration auf das Problem statt der Rundumsicht; Aufgabeneliminierung: unter hoher Belastung werden ganze Handlungsketten ausgelassen. Und: das Vertrauen in die eigene Kontrollfähigkeit, vulgo: sich zu überschätzen; plus Autoritätsgefälle im Cockpit - dem Copiloten fällt's auf, und fragt sich, wie sag ich`s dem Chef.

ZITAT

Die Stresszunahme des Kommandanten wird aus der Sprachauswertung evident …

… steht im Unfallbericht des Hapag Lloyd Flugs 3378 von Kreta zum Acker vor Wien …

ZITAT

… Symptome der Regression, Stottern und unvollständige Sätze, Äußerungen von Hoffnung und Angst sind in der Sprachauswertung nachweisbar.

Die Piloten wurden von Ereignissen überrascht, anstelle sie vorherzusehen. "Sie flogen hinter ihrem Flieger her", so heißt es es in der Fliegersprache.

Was passiert ist, wird im Unfallbericht akribisch analysiert: Eigentlich war eine Kontermutter schuld, eine Befestigung, die die Fahrwerkseinziehungshydraulik justiert. Ein Fehler in der Wartung. Die Feinjustierung wurde immer schlabbriger über die Monate und Jahre hinweg, so dass nach 2000 klaglosen Starts und Landungen sich bei der 2001 das eingefahrene Fahrwerk nicht mehr verriegeln ließ. Der Pilot wollte das Flugzeug zurück nach Deutschland bringen - Stichwort: wirtschaftliche Anforderungen - und er verließ sich dabei auf den Flugrechner, der anzeigte, zumindest bis München kannst du fliegen.

"Getheritis" wird ein sehr spezieller BIAS genannt, unter dem Piloten leiden, die viel fliegen. Sie möchten am Abend schleunigst zuhause ankommen, wenn sie schon 5 Flüge hatten.

"Getheritis, ankommen wollen". Eigentlich kein Problem, wenn es nur das einzige Problem wäre. Sind aber: schlechte Sicht. Seitenwind und ein unstabilisierter Anflug noch mit im Spiel, dann könnte die letzte Entscheidung, die Landung nicht abzubrechen, zum Problem werden.

Unfallberichten listen auch auf, an welcher Stelle zeitlich zurück was getan hätte werden können, um ein Unglück zu verhindern. Beim Flug der Hapag Lloyd war diese Stelle in der Gegend um Graz, dort wäre eine sichere Landung noch möglich gewesen. Besser in Zagreb. Oder in Kreta, in aller Ruhe hätten die Checklisten abgearbeitet werden können, die extra dafür da sind, nichts zu vergessen.

Der Pilot hat seine Fluglizenz aufgrund dieses Unfalls verloren. Unter anderem weil er lange keine Luftnotlage erklärt hat, bis 22 km vor der Landebahn in Wien beide Triebwerke ausgefallen waren. Ob er auch ein Lob erhielt, dass er trotzdem noch landen konnte, und alle überlebten?

ZITAT

25 Minuten vor der Notlandung äußerte der Kommandant offen und erstmalig auch seine Skepsis hinsichtlich einer erfolgreichen Landung …

… steht im Unfallbericht …

ZITAT

… und zwei Minuten später räumte er auch ein, dass ihn die Umstände verblüffen. Als danach der Copilot aussprach, dass er zur Überzeugung gelangt sei, dass der Flugrechner den höheren Luftwiderstand doch nicht berücksichtigt, schlug sich die dadurch ausgelöste zusätzliche Überraschung und Belastung des Kommandanten in seiner Sprache nieder.

Selbst das Cockpit-Design kann mitverantwortlich sein, ob Pilotinnen und Piloten Fehler machen - im Krisenfall, wenn es eng wird mit der Aufmerksamkeit. Leuchten alle Lämpchen grün, wenn alles passt, und nur das eine rot? Oder leuchtet nichts, bis auf das Problematische? Welche Alarmmeldungen werden automatisiert ausgerufen? Schüttelt das Steuer, wenn die Strömung droht abzureißen - und sind die Steuerbewegungen des Piloten auch zu spüren vom Co-Piloten?

OT / Markus Völter 1

"Also was die Luftfahrt sehr gut kann erst mal, ist Kommunikation. Jeder Fehler führt nur einmal zu einem Unfall. Weil dann wird viel Aufwand in die Aufklärung gesteckt und es wird dann auch an alle Airlines kommuniziert und es wird gefordert, dass sie Procedures ändern."

Markus Völter, Softwareingenieur und Autor des Buches "Once You Start Asking". Er hat mit über 300 Technikerinnen und Technikern über ihren Beruf gesprochen, ihre Arbeit, und ihre Geräte. Und wenn sie versagen.

OT / Markus Völter 2

"Ein weiterer Punkt ist dann eben auch eine Fehlerkultur, dass man Fehler zugibt. Und eben nicht die Angst hat, das man dann als Depp dasteht oder gefeuert wird. Und was auch dabei hilft, ist dieses anonyme Reporting. Das man sagen kann, hey ich habe heute den Kapitän soundso beobachtet und das war echt übel, was der Mann getrieben hat, redet mal mit dem. Man muss solche Prozesse gut designen. Weil Fehlerkultur heißt ja, dass alle Willens sind, Fehler zuzugeben und damit konstruktiv umzugehen."

Dazu kommt natürlich: Gutes Handwerk, und: trainieren, was sich trainieren lässt. - Rein technische Gebrechen, wie das plötzliche Ausfahren der Schubumkehr in vollem Reiseflug, wie das 1991 bei der abgestürzten Lauda Air Maschine im Westen Thailands der Fall war, sind meist völlig neu und nicht vorhersagbar, sonst würde man das ja verhindern.

Menschliches Versagen besteht aus menschlichen Unzulässigkeiten, die für sich ganz normal sind, aber in einer schicksalhaften Verbindung mit Technik zum Schweizer-Käse-Problem werden: wenn sich die Löcher darin zufällig in Linien aneinander reihen, dann fällt der Käse auseinander.

OT / Markus Völter 3

"Also der Punkt ist einfach, dass immer an solchen Grenzsituationen, wo man fast beschlossen hätte, durchzustarten, oder wo die Sicht fast zu schlecht war, oder der Wind fast zu hoch, das ist sozusagen eins von diesen Swiss Cheese-Löchern. – Wenn man es philosophisch betrachtet ist immer der Mensch schuld, weil jeder technische Fehler in der Maschine natürlich auch irgendwie von einem Menschen verursacht wurde, weil die Maschine nicht früh genug getauscht wurde, weil die Wartung fehlgeschlagen hat, weil im Design was kaputt ist. Wir kommen immer beim Menschen raus im Endeffekt."
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ID 343
Radioproduktion | 14.10.2020
Kommission
Ö1 / Moment / Das Wort der Woche / 14.10.2020
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14.10.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Ö1 / Moment / Das Wort der Woche / 14.10.2020

Haben die Betriebe in Ischgl zu spät geschlossen, obwohl man von Corona längst schon wusste? Das zu untersuchen, war Aufgabe einer Kommission unter dem Vorsitz früheren Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofes, Ronald Rohrer. Sie hat am Montag ihren 287-seitigen Schlussbericht vorgelegt hat, der öffentlich über die Website des Landes Tirols zugänglich ist. 6 Expertinnen und Experten haben die Fakten und alle Aussagen der Beteiligten gesammelt. Und sie schreiben im ersten Teil des Schlussberichts: es soll keine Anklage sein, wer was falsch gemacht hat, sondern es soll Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wie man bei einer Pandemie besser vorzugehen hat. Kommission - (das Wort der Woche)

SIGNATION

Kommission. Die Vereinigung. Die Verbindung. Aus dem Lateinischen, commissio - das hat auch mit Mission zu tun, einer Entsendung, einem Auftrag. Von "mittere", etwas Laufen lassen. "Committere", zusammen etwas laufen lassen.

"Kommission zur fachlichen Beratung im Bereich von Blut und Blutprodukten sowie Blutspende- und Transfusionswesen", das ist etwa so eine österreichische Kommission, angesiedelt im Sozialministerium. Ehrenamtlich ist dort die Tätigkeit. Wer dabei ist, wird schon anderswo bezahlt: Leiterinnen und Leiter von Blutdepots etwa, Fachärztinnen und Fachärzte aus Universitätskliniken, je eine Vertretung aus der Wirtschaftskammer, der Interessensgemeinschaft Plasma, der Ärztekammer, der Arbeiterkammer, und so weiter.

Oder: die Bioethikkommission, ein "Beratungsgremium für den Bundeskanzler zu Bioethik mit Geschäftsstelle im Bundeskanzleramt". Darf die CRISPR-CAS Genschere, für die es den Chemienobelpreis heuer gab, verwendet werden, um Menschen, kurzgefasst, gesund zu machen, ist eine der Fragestellungen. Dürfen Stammzellen dazu verändert werden - die Antwort ist ja - oder Experimente an menschlichen Ei- und Samenzellen gemacht werden? - die Antwort ist nein, nämlich genau dann nicht, wenn daraus in der Folge Menschen entstehen.

Oder: Die Kommission für Provinienzforschung. Sie untersucht die österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen "nach Objekten, die heute in Folge einer NS-Entziehung", so heißt es in der Selbstbeschreibung der Kommission, im Eigentum des Bundes stehen.

Kommissionen sind mit klaren Interessen verbunden.

OT "Kommissionen werden in allen möglichen Bereichen des Lebens gebildet. In der Politik kommen die Aufträge entweder aus den Regierungen, aber auch aus dem Parlament."

Katrin Auel ist Politikwissenschaftlerin in Wien, sie leitet am Institut für Höhere Studien die Abteilung "European Governance and Finance", ihr Spezialgebiet ist die Rolle nationaler Parlamente.

OT "In der Regel werden Kommission eingesetzt um ein Thema aufzubereiten. Das gilt für Kommissionen, die außerhalb des politischen Systems eingerichtet werden, das gilt aber auch für einen Teil der Kommissionen die beispielsweise innerhalb des Parlaments eingerichtet werden, denken Sie an Enquetekommissionen und beispielsweise an die Enquetekommission zur Stärkung der Demokratie. DAs war eine Kommission, die ist gebildet worden vom Hauptausschuss des Nationalrats mit dem expliziten Ziel, sich untereinander aber auch mit Experten dieses Themas anzunehmen und sich dafür mehr Zeit dafür zu nehmen, als normalerweise im parlamentarischen Alltag Zeit dafür ist."

Entscheidungen werden normalerweise nicht getroffen, in Kommissionen, sondern es werden die Voraussetzungen geschaffen, die es den Auftraggebenden ermöglicht, Entscheidungen zu treffen.

OT Häufig geht es darum, Lösungsvorschläge für einen bestimmten Problembereich zu entwerfen, Handlungsempfehlungen zu entwerfen, diese aber nicht selber umzusetzen sondern im Grunde genommen ein Thema für die Politik und später daraus folgende politische Entscheidungen aufzubereiten. Das muss man ein kleines bisschen unterscheiden von Kommissionen, die die Untersuchung eines bestimmten Falles oder eines bestimmte Ereignisses und das Stichwort hier ist natürlich die Ischgl Kommission, die sich damit befassen, hier geht es nicht darum, ein Themenfeld relativ breit aufzuarbeiten, sondern es geht darum, nachzuvollziehen, wie bestimmte politische Abläufe passiert sind, welche Entscheidungen getroffen sind, welche Entscheidungen man hätte besser treffen können. Aber auch hier ist mit einer solchen Kommission in der Regel keine Entscheidungsfähigkeit verbunden, sondern das obliegt dann politischen aber auch unter Umständen juristischen Entscheidungsträger.

Wenn Studien in Auftrag gegeben werden, dann ist das die "Kleine Version", sozusagen, einer Kommission.

OT "Ja. Studien werden häufig für eine relativ abgegrenzte Frage in Auftrag gegeben, während sich Kommissionen häufiger mit einem großen, breiten Thema beschäftigen.

Oft tragen Kommissionen die Namen bedeutender Persönlichkeiten, und oft werden sie von bedeutenden Persönlichkeiten geleitet. Natürlich auch international. Eine sehr bekannt gewordene Kommission wurde zum Beispiel in Südafrika zum Ende der Apartheid eingerichtet, 1996 durch den damaligen Präsidenten Nelson Mandela: die Wahrheits- und Versöhnungskommission, mit dem Ziel, die Verbrechen der Apartheid aufzuarbeiten, es einerseits den Tätern zu ermöglichen, zu sprechen – sie gingen straffrei aus, andererseits auch die Stimmen der Opfer hörbar zu machen.

Wahrscheinlich findet man jeden Aspekt menschlichen Lebens in einer speziell dafür eingerichteten Kommission. Katrin Auel vom Institut für Höhere Studien:

OT "Mich interessieren natürlich ganz besonders als Parlamentsforscherin parlamentarische Kommissionen, das ist etwas, wo man selbst verständlich hinhört, auch Kommissionen wie beispielsweise die Ischgl-Kommission sind natürlich immer interessant."
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ID 342
Radioproduktion | 02.10.2020
Schwarzes Meer
Österreich 1 / ORF / Vom Leben der Natur, 5. - 9. Oktober 2020
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02.10.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Österreich 1 / ORF / Vom Leben der Natur, 5. - 9. Oktober 2020

Das Schwarze Meer hat eine geringere Artenvielfalt als das Mittelmeer. Grund ist der geringere Salzgehalt und ein widrigeres Klima in Teilen der Küstenstaaten. Im Winter friert das Wasser des Schwarzen Meeres in Küstennähe dort durchaus zu.

Weniger Arten bedeutet aber nicht unbedingt eine geringere Anzahl an Lebewesen. Jene wenigen Arten, die vorkommen, kommen in einer größeren Zahl vor. Viele dieser Arten können über den Bosporus aus dem Mittelmeer das Schwarze Meer besiedeln, wenn sie es schaffen, in der richtigen Tiefe die richtige Strömung zu erwischen. Andere Arten stammen aus einer früheren geologischen Erdzeit, in der die sogenannte Parathetys Teil eines weltumspannenden Meeres war, das unter anderem auch bis nach Wien reichte.

Das Schwarze Meer steht über die Donau auch mit Österreich in Verbindung. Berichte über Störe (Hausen) aus dem Schwarzen Meer, die auf Wanderungen den Weg zum Oberlauf der Flüsse zurücklegten, gab es bis zum Bau der Kraftwerke und Staustufen auch aus unserer Region.

Für Meeresbiolog:innen ist das Schwarze Meer besonders interessant, weil sie viele Arten und Lebensgemeinschaften aus dem Mittelmeer im Schwarzen Meer in anderen Umständen bzw. Kontexten vorfinden, und so unter Umständen als bekannt und gültig vorausgesetzte Lehrmeinungen revidiert werden müssen.

Interviewpartner:

ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Steiner

Department für Evolutionsbiologie

Universität Wien

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ID 341
Radioproduktion | 29.09.2020
Gehsteiggespräche
ORF Radio Österreich 1, Moment - Leben heute, 29. September, 15:30 Uhr - 15:55 Uhr, 25 Minuten, mit Hörer:innenreaktionen am nächsten Tag
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29.09.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
ORF Radio Österreich 1, Moment - Leben heute, 29. September, 15:30 Uhr - 15:55 Uhr, 25 Minuten, mit Hörer:innenreaktionen am nächsten Tag

Eine Radio-küsst-Podcast-Produktion: https://www.sprechkontakt.at/gehsteiggespraeche/

Aus einer Serie von sechs Gehsteiggesprächen hier im Bildungspodcast sind Ausschnitte zu einer Radiosendung verwebt.

Seit Menschen in Städten wohnen, teilen sie sich den Verkehrsraum auf. Die Liste der dabei entstehenden Konflikte ist lang. Einerseits sind es planmäßige Begegnungen, andererseits Zufälligkeiten und Unfälle, oft sind es unterschiedliche Interessen, die für Probleme sorgen. Schanigärten, Begegnungszonen, Parkplatz für Autos, Platz für Fahrräder und Roller? Eine Bestandsaufnahme nicht nur der baulichen Anlagen, sondern auch der Möglichkeiten, die es bereits gibt, sich vom wohldefinierten Bürgersteig wieder hin zu einer gemeinsam genutzten Verkehrsfläche zu bewegen. „Gehsteiggespräche“ mit Planer:innen, Historiker:innen und Betroffenen. Hörer:innen haben nach der Sendung die Möglichkeit, Ihre Erfahrungen oder Ideen telefonisch oder per E-Mail einzubringen. (Lothar Bodingbauer)
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Radioproduktion
ID 340
Radioproduktion | 14.09.2020
Himalaya
Vom Leben der Natur, Ö1, 14.09.2020-18.09.2020
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14.09.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Vom Leben der Natur, Ö1, 14.09.2020-18.09.2020

Johann Weidinger, Geologe
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Radioproduktion
ID 339
Traunwanderweg
ORF > Österreich 1 > Ambiente|Radioproduktion > Premium|Radioproduktion > Deutschlandfunk > Sonntagsspaziergang|Tagebuch | 03.09.2020
Traunwanderweg
Vom Alpenvorlands eine "Industrielinie" entlang ins Salzkammergut hinein. Industrie zu Beginn im Welser Raum, dann Flusstransport - Salz aus den Bergen, Papierverarbeitung zwischendurch. Und Sprengstoff.
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Österreich 1 · 03.09.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Vom Alpenvorlands eine "Industrielinie" entlang ins Salzkammergut hinein. Industrie zu Beginn im Welser Raum, dann Flusstransport - Salz aus den Bergen, Papierverarbeitung zwischendurch. Und Sprengstoff.

Filename: radio334_amb_traunwanderweg Beitrag

Link zum Beitrag (DLF, 30.08.2020):

[quote]Wenn Sie mich fragen, was die Menschen an der Traun verbindet, wäre die erste Antwort natürlich: "Der Fluss". Beim ersten Hinschauen könnte man damit zufrieden sein. Es ist aber kaum mehr als eine bloße Zufälligkeit, am selben Fluss zu wohnen, so wie die erste Perle an der Kette mit der nächsten nur soviel zu tun hat, wie dass sie an der selben Kette hängt. Was verbindet die Menschen an der Traun darüberhinaus? Für eine ausführlichere Antwort gehen wir in die Geschichte, und finden die Industrie. Die Pferde. Das Salz. Wir gehen in die Geologie und finden die Eiszeit. Den Schotter. Die Keramik. Und schon aus weiter Ferne sehen alle diesen Berg. Den Traunstein.[/quote]

Die Traun entlang von Lambach nach Gmunden. Eine Industrielinie vom Alpenvorland ins Salzkammergut.

Auswärts ging es immer leichter. Seit dem 13. Jahrhundert transportierten erst Flöße, dann Schiffe das Salz aus dem Salzkammergut die Traun hinunter, hinaus an die Donau. Stromschnellen bei Roitham machten den Weg zurück aber unmöglich. Erst durch den Bau der Traunfälle konnten Pferdezüge die Schiffe zurückziehen. Heute erzählt eine Wanderung am Traunweg viel von der Geschichte dieser Region, die von den pulsierenden Lebensräumen des Alpenvorlands bei Wels ins Salzkammergut hineinwandernd, eine Geschichte der Papierindustrie ist, die dieses Wasser braucht, die Energie, die man daraus gewinnt, von Pferden und vom Transport. Das Benediktinerstift Lambach bildet mit seiner Schule Kontakt zu Himmel und Wissenschaft, die angrenzende Landwirtschaftsschule zum Boden und zu den Pferden, auch heute noch. Wer sich beim Wandern aber wundert, was sich entlang eines langen Stücks Stacheldrahtzauns mit unzähligen Verbotsschildern verbirg? Es ist das Haupt-Sprengstofflager des Bundesheeres. Dieses Wegstück touristisch zu integrieren ist bisher noch nicht gelungen, und so wandert man auf lange Strecken auch recht einsam oft von Lambach aus hinein ins Salzkammergut, wo als erster Ort Gmunden mit seiner Keramiktradition grüßt. Die Orientierung ist einfach. Immer am Fluss bleiben und der Traunstein weist in der Ferne schon gut sichtbar genau zum Ziel und in die richtige Richtung.

Bahnhof Lambach aussteigen, zum Fluss runter, nach Lambach, Stadl-Paura, die Traun entlang, ein Stück Bundesstraße, Traunfall rüber auf die andere Seite, Steyrmühl Papierfabrik, Museum, Bahnhof Gmunden.

Links zu Stationen und Themen:

Lambach:

Benediktinerstift Lambach

: http://www.stift-lambach.at

Werkschule

: https://www.werkschule.at

Landwirtschaftsschule:

Stadl-Paura:

Pferdefotografie

: https://www.slawik.com

Pferdezentrum

: https://www.pferde-stadlpaura.at

Schiffleutmuseum

: http://www.schifferverein.at

Hauptsprengstofflager des Bundesheers

: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/heer-lehnt-neue-siedlung-neben-munitionslager-ab;art67,3112014

Roitham am Traunfall:

Traunfall, Wasserfall

: https://www.oberoesterreich.at/oesterreich-poi/detail/401995/traunfall.html

Tauchbasis Magic Dive

: https://www.traunfall-tauchen.at

Atlantis Qualidive

: https://www.flusstauchen.at

Steyrermühl:

Papiermachermuseum Steyrmühl

: https://papierwelten.co.at

UPM Papierfabrik:

Gmunden:

Kammerhofmuseum

: https://museum.gmunden.at

Gmundner Keramik

: https://www.gmundner.at/de/

Manuskript

TRAUNWEG von Lambach nach Gmunden / Lothar Bodingbauer

Pressetext: Auswärts ging es immer leichter. Seit dem 13. Jahrhundert transportierten erst Flöße, dann Schiffe das Salz aus dem Salzkammergut die Traun hinunter, hinaus an die Donau. Stromschnellen bei Roitham machten den Weg zurück aber unmöglich. Erst durch den Bau der Traunfälle konnten Pferdezüge die Schiffe zurückziehen. Heute erzählt eine Wanderung am Traunweg von der Geschichte dieser Region, sie führt von den pulsierenden Lebensräumen des Alpenvorlands bei Wels bis ins Salzkammergut, eine Geschichte der Papierindustrie, die dieses Wasser und die Energie, die man daraus gewinnt, braucht, eine von Pferden und vom Transport. Das Benediktinerstift Lambach bildet mit seiner Schule Kontakt zu Himmel und Wissenschaft, die angrenzende Landwirtschaftsschule zum Boden und zu den Pferden, auch heute noch. Wer sich beim Wandern aber wundert, was sich entlang eines langen Stücks Stacheldrahtzauns mit unzähligen Verbotsschildern verbirgt? Es ist das Haupt-Sprengstofflager des Bundesheeres. Dieses Wegstück touristisch zu integrieren ist bisher noch nicht gelungen, und so wandert man auf lange Strecken oft auch recht einsam von Lambach aus hinein ins Salzkammergut, wo als erster Ort Gmunden mit seiner Keramiktradition grüßt. Die Orientierung ist einfach. Immer am Fluss entlang und schon weist auch der Traunstein in der Ferne den richtigen Weg.

ANMODERATION VORSCHLAG

Die Alpen ziehen sich wie ein Band durch Österreich. Darüber im nördlichen Alpenvorland ziehen sich die Donau, die Westbahn und die Westautobahn entlang an den Alpen vorbei. Wer die Berge erreichen möchte, muss die großen Wege verlassen und auf die Berge zugehen. Am besten geht das entlang eines Flusses. In Oberösterreich ist es die Traun, die das Alpenvorland mit dem Salzkammergut verbindet. Auf ihr wurde viele Jahrhunderte das Salz aus den Alpen zur Donau gebracht. Die Traun sorgt für Wasser, Transport, Energie und für Fische und sie verbindet die Landwirtschaft im Alpenvoralpenland mit der Papierindustrie, die sich dort ansiedelte. Lothar Bodingbauer und Ingrid Rachbauer haben die Traun 32 km von Lambach an der Westbahn nach Gmunden ins Salzkammergut zu Fuß begleitet.

MANUSKRIPT

Die Navigation ist denkbar einfach. Meist sind es kleine und gewissermaßen „informelle“ Wege, die die Traun auf dem Weg in die Berge begleiten. Wer das Wasser verliert, hebt seinen Blick und sieht immer vor sich einen, den einen Berg, den wirklich alle kennen, die man hier trifft.

Sie meinen wahrscheinlich den Traunstein, oder? – Das ist der Wächter des Salzkammerguts, der Traunstein – Ja, unser Traunstein! – Sieht man von weitem, ja. – Der thront natürlich über dem Traunsee. – Das ist einfach ein markanter Anhaltspunkt. – Und das ist der Berg, den alle Mitbrüder beim Aufwachen sehen, wenn sie den ersten Blick Richtung Süden werfen. Je nachdem, ob er wolkenverhangen ist, eine klare Sicht ist, oder diesig, dunstig, kann man schon eine kleine Prognose abgeben.

Und der Blitz schlägt auch wirklich ins Stift Lambach ein.

ATMO Donner / fetter Knall

Drei Sekunden braucht der Schall für einen Kilometer. Die hat er nicht voll ausgeschöpft.

Wenn ich unterwegs bin, und dem Fluss der Traun folge, so kann ich durch die Bögen der Traun, die Mäander, die Landschaft immer wieder verschoben und versetzt sehen.

So beschreibt Abt Maximilian Neunlinger seine Heimat als Benediktinermönch hier in Lambach über der Biegung am Fluss.

Da sind die Türme, die sich abwechseln, das ist die Mariahilf-Kapelle, die Kalvarienberg-Kirche, Stadl-Paura mehrere Türme und das Stift, und in ihren Proportionen verraten sie nicht gleich, wer wer ist, und wer der größte ist. – Viel mehr nehme ich aber am Weg auch die Natur wahr. Das ist das Wasser, das mir entgegenströmt, das eine beruhigende Strömung hat, einen Klang und auch einen Schwung, der einen antreibt. Es sind die Pflanzen, die am Weg gesäumt sind, ich staune hier über die wilden Feuerlilien, die wachsen, es sind die Vögel, die man zwitschern hört, und natürlich auch die Fische der Traun, wenn sie einmal hochschnellen, um eine Mücke zu fangen…

Herrlich.

…. das bestätigt auch Ali, der Fischer. So stellt er sich vor.

Überhaupt die Bachforellen, die Regenbogenforellen, die sind unbeschreiblich lecker. (Lacht) Und noch besser ist es natürlich, wenn man Hechte auch erwischt. Etwas Hochwasser ist besser.

ATMO: Steckerlfisch bestellen

Die gefangenen Fische werden als Steckerlfisch gegessen, am Grill gegart, aufgespießt an langen Holzstäben. Mit Krautsalat.

Im Sommer ist die Traun ein Naherholungsgebiet für Jung und Alt.

ATMO: Sprung und Platsch, baden

Die Sonne leuchtet rein und die Lichtspiegelungen sind natürlich fantastisch.

Der Tauchlehrer Harald Buchner kennt die Welt der Traun auch unter Wasser.

… meistens so gelblich grün sind die Sonnenstrahlen, die sich unten auf den Steinen reflektieren. Und man sieht sehr viele Felsformationen die ausgespült sind, wo unten weiches Gestein ist, und wenn sich dann hartes Gestein drauflegt, und durch die Strömung dreht sich der harte Stein, und bohrt sich in das weiche Gestein runter, dann schaut das zum Teil aus wie der Grand Canyon, und besonders schön ist, es wenn ein Fisch daherkommt, der durch die Sonnenstrahlen durchschwimmt, und die grünen Seegräser mit der Strömung wehen. – Unter Wasser sieht man vor allem, wenn man unterhalb der Steyrermühl taucht, sieht man alte Wehranlagen …

Maximilian Medl ist für den Betrieb der 10 Kraftwerke verantwortlich an der Traun, die 1/3 der oberösterreichischen Haushalte mit Strom versorgen können.

Noch von der Salzschifferei sieht man alte Wehranlagen, durchaus alte Einbauten, die noch vorhanden sind. Und das ist das Interessante, wenn man taucht, ist es wirklich leise, da hört man wirklich nichts, das ist gerade, wenn man einen stressigen Beruf hat, sehr angenehm, weil man wirklich total abschalten und man ist wirklich mit dem Gewässer eins.

Auf halber Strecke zum Traunsee befindet sich der Traunfall, ein 12m hoher Wasserfall. Eine schwierige Stelle früher für die Flößer und Schiffer, ab dem 16. Jahrhundert rumpelten sie über den sogenannten Fallkanal, eine Rampe aus Holz, die eingebaut wurde, um die Fahrt zu erleichtern. In Stadl-Paura, flussabwärts, wurde die Fracht dann umgeladen in flachere Schiffe, weil die Traun ab dort weiter, aber auch seichter wird, zur Donau hin. Der Name Stadl-Paura kommt vom „Salzstadl“ aus Holz, diese Stadl sehen aus wie die oberösterreichische Version der Speicher der typischen Hansestädte. In den Stadln wurden das Salz zwischengelagert, und „Stadler“ nennen sich die 5000 Einwohner der Markgemeinde Stadl-Paura auch heute.

Ja, man kann sich das natürlich nicht mehr gut vorstellen, wie es früher war. Natürlich Stadt-Paura war früher mehr so eine Art Industriewohngemeinde, wir haben da unten die Spinnerei gehabt, die gibt es schon einige Jahre schon nicht mehr, vorher war es im Prinzip die Salzschiffahrt und die Flößerei von dem die Menschen im Ort gelebt haben, und jetzt geht es hinüber in Freizeit und Wohngemeinde, wir haben nirgenwo weit hin, wir sind gleich im Salzkammergut, wenn wir wollen in Linz oder Wels, es ist ein idealer Platz zum Leben.

Christian Edlbauer unterrichtet in Stadl-Paura an der Mittelschule und engagiert sich im Schifferverein und im Schiffsleutmuseum, das die Tradition bewahrt. Lange Zeit wurden die Flöße und Schiffe nach getaner Arbeit stromabwärts verkauft, was zu einem Holzschwund im Salzkammergut führte. Kaiser Maximilian ordnetet 1509 den sogenannten „Gegenzug“ an: 4 Pferde zogen ein Schiff wieder nach oben, auf Treppelwegen, beladen dann statt Salz mit Getreide, Wein, und anderen Gütern aus der Landwirtschaft des Alpenvorlands.

Ja und das hat dann seine Wirkung gezeigt, der Baumbestand im Salzkammergut hat sich dann wieder erholt im Salzkammergut, im Laufe der Jahrzehnte, Jahrhunderte, aber es war schon eine wichtige Sache, dass dann die Gegenzüge gestartet wurden.

ATMO: Alle-Hopp, Pferde, Wasser

Tassilo und Ernesto geben ihr Bestes, zwei weiße Hengste mit braunen und schwarzen Flecken - ein Fotoshooting für einen Bildband über Pferde am Wasser. Das Wissen um die Pferde ist auch nach dem Ende der Salzschifffahrt in der Region geblieben. Stadl-Paura und Umgebung ist bis heute in Österreich

das

Pferdekompetenzzentrum, mit Stallungen, Zucht, mit Wissen, Aus- und Weiterbildung.

Wir haben zum Beispiel so Tigerschecken, das sind Noriker, gescheckte schwarz-weiße Pferde, das ist so eine Pferderasse, mit der früher die Bischhöfe gefahren sind, das ist eine sehr stattliche Rasse, wir haben so ein Gespann im Schulbetrieb im Einsatz.

ATMO: Musik Campus

Franz Hochrainer ist Direktor der Landwirtschaftsschule Lambach. Ein Campus direkt am Traunweg, mit Wiesen, Internat, Glashäusern und modernen Gebäuden mit Fassaden aus Holz. Immer wieder sind auch Gäste hier.

Derzeit haben wir eine barocke Akademie aus Wien zu Gast, die Orchester und Gesangsproben machen, und zum Wochenende gibt es dann ein Konzert im Stift Lambach. Früher waren wir eine normale landwirtschaftliche Fachschule, da war ich schon Junglehrer auch, wir sind die Bildungsabteilung der Pferdewirtschaft, und da geht es darum auch mit Pferden Erfolg Geld zu haben, mit Pferden Geld zu haben, wo es auch darum geht, wirtschaftliche Aspekte zu verwirklichen.

Es ist diese Verbindung mit Geld, mit heutigen Geschäften und Umständen, die das Wissen über Pferde in der Region hält. Die Verbindung zur Landschaft, die das Wissen über Landwirtschaft am Leben hält, und die Verbindung zum Leben selbst, an der Landwirtschaftsschule wird auch das Wissen um Pflege von Menschen gelehrt und weitergegeben. Die Offenheit zur Kultur – Stichwort Musik, verbindet den Campus mit dem Stift, das seine florierendste Zeit als Hüter des Salzhandels längst erlebt hat, aber ein einzigartiges barockes Stiftstheater als Auditorium heute bereithält, den ältesten bespielbare Theaterraum Österreichs.

ATMO Gehen

Der Wanderweg nach Gmunden führt ab Stadl-Paura einige Kilometer lang entlang eines Zauns mit furchterregenden Tafeln vorbei: nicht fotografieren, nichts anzünden. Nicht hereinkommen. Nichts angreifen. Alles hier drückt aus: „Bitte weitergehen. Wegbleiben. Es gibt hier nichts zu sehen!“ Stacheldraht. Der Wandernde wundert sich.

Hier in Stadl-Paura befindet sich im bereich der Traunauen das größte Munitionslager des Österreichischen Bundesheeres und dieses ist durch den von Ihnen beschriebenen Zaun mit Warntafeln abgesichert.

Peter Bromberger ist stellvertretender Kommandant der Munitionsanstalt Stadl-Paura.

Hier in diesem Munitionslager wird fast die gesamte Vielfalt der vom österreichischen Budnesheer verwendeten Munition gelagert und die Sicherheit ist natürlich unsere höchste Aufgabe, die wir durchzuführen haben.

Im besten Fall ist hier also gar nichts los.

Atmo: Gehen -> Papierplätschern

Weiter traunaufwärts liegt dann Steyrermühl am Fluss. Dort wird das Papiermacherhandwerk nach wie vor gelehrt und im Papiermachermuseum auch an Besucherinnen und Besucher weitergegeben.

ATMO: Papiermachen

Erni Hindinger ist Museumsmitarbeiterin. Sie zeigt vor, wie Papier in der „Steyrermühl“ mit der Hand geschöpft wird.

Atmo

Energie, Wasser und Fasern. Das sind die Zutaten für Papier.

Atmo

Steyrermühl ist in Österreich ein klingender Name, bis zum zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Produktionskette, vom Zeitungspapier bis hin zum Inhalt – das Wiener Tag- und Abendblatt – von einem Verlagshaus aus bedient. Steyrermühl. Heute gehört die Papierfabrik einem finnischen Konzern und produziert mit einem Bruchteil an Mitarbeitern vollautomatisch auf modernsten Anlagen.

Steyrermühl heißt es aus dem Grund: früher haben sie Papiermühlen sehr oft auf den Standort aufgelassener Getreidemühlen errichtet. Und so war es auch da 1563 ist erstes Mal bei Steyrermühl die Zenkelmühle als Getreidemühle erwähnt wurde. Dann hat ein Besitzer mal Steyrer geheißen und dann ist es die Steyrermühl worden, jetzt heißt der ganze Ortsteil Steyrermühl.

So wie der Verkehr vom Wasser auf die Straße verlegt wurde, wird zunehmend Information von Papier in die digitale Welt wandern, sagt Erni Hindinger. Der Begeisterung für Papier tut das noch keinen Abbruch.

Atmo: ggehen

Und dann liegt der Traunstein ganz nahe. Der Traunsee, mit Gmunden als ersten markanten Ort.

Atmo : Schiff, Traunsee

Um die 13.000 Einwohner hat diese Stadt am Eingang des Salzkammerguts. Die ersten Bewohner waren Fischer im 5. Jahrhundert, 1278 wurde Gmunden zur Stadt erhoben. Bekannt ist die Stadt auch für seine Keramik mit ihrem charakteristischen Design: türkisen großen und kleinen Schleifen. Der Geologe Hans Weidinger ist Leiter des Kammerhofmuseums, des Gmundner Heimatmuseums.

Keramik braucht immer zwei Dinge. Das eine ist der Rohstoff Ton. Dass man überhaupt Keramik machen kann. Das ist ja keine hochwertige Keramik, sondern eben ein Steingut, wie man sagt, also kein Porzellan. Man braucht kein Kaolin dazu, sondern es genügt im Prinzip der normale Lehm, das haben schon die Steinzeitmenschen gewusst. Und bei uns in Gmunden war es so, dass in Waldbach am Fuße des Grünbergs diese Lehme hatte, weil die Verwitterung der Flüschzone dieser Tonsteine und des Sandsteins bilden eben sehr viele Lehmgruben aus und da haben wir zum Beispiel im Museum von Gmunden zwei Steinbeile, die auf die Jungsteinzeit zurückgehen an einem Brandhorizont in einer Brandgrube in drei Meter tiefe gefunden. Die dürften also in der Steinzeit vor 4-5-Tausend Jahren Ton abgebaut haben. Ich brauche also den Rohstoff, Holz brauche ich zum Brennen der Keramikware und dann der Transportweg Traun. Das war sicher das Wichtigste weil entlang der Traun mit den Schiff hatte ich die optimale Verbindung zur Donau und ins Kaiserreich.

„Gmunden ist das Amphiethater der Eiszeit“, sagen die Geologen. Gletscher, die gleichsam vor unseren Augen den Schutt der Berge abgetragen

und in das Alpenvorland hinausgeschoben haben. In wenigen Jahrtausenden. Es entstanden Stufen und Schichten. – Wer Zeit hat, schaut auch ein wenig von der Traun weg, in die Täler der Zubringerbäche, zum Beispiel in Lambach, weiter draußen wieder in der Nähe der Westbahn.

Die Zuflüsse, die Bäche, waren früher deswegen wichtig und fast wichtiger wie die Hauptgerinne, weil sie natürlich leichter zu bändigen waren. Da waren drei Wasserräder. In kleineren Gewässern konnte man leichter Staudämme bauen können, zwar nicht so viel Energie wie im großen Gerinne, aber das große gerinne war immer auch schwer zu bändigen.

ATMO: Schmiede

Ja, mein Name ist Peter Deinhammer und wir betreiben hier in Lambach im Ortsteil San seit 2006 ein kleines Kulturhaus, das heißt Pro-Diagonal und seit 2019 auch die Werksschule. Das ist eben eine Initiative zur Förderung von handwerklicher Bildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. – Also der erste Einschnitt im Verkehrswesen war der Bau der Westbahn, 1861, und von dort weg sind die Leute nicht mehr stehengeblieben, sondern durchgefahren. Das war eine erste Phase, wo diese große barocke Blütezeit, die bis dahin noch existiert hat, eher ins Hintertreffen gekommen ist, und wo dann eine große Vereinzelung eigentlich bekommen hat. Das Stift war natürlich immer der kulturelle und gesellschaftliche Mittelpunkt, weil dort immer sehr viel Gäste da waren, viel Betrieb war. Ein Knotenpunkt gewesen. – Ja, ich bin da geboren und ich wollte eigentlich ein Schmied werden. Mein Großvater war der Schmied, und ich bin als Kind ganz viel bei ihm in der Werkstätte gewesen, er ist mit 87 gestorben, der war wirklich eine Berufung.

Und bevor Peter Deinhammer dem Großvater als Schmied und heute als Schmiedelehrer gefolgt ist, wurde er Musiker – für Orgel, Clavicord und Cembalo, weil ihn zuvor die Bahn ins Ausland gebracht hat, auf andere Wege.

ATMO: Cembalo

Verkehrswege prägen das Leben der Region, die Lebenswege an der Traun. Und: der Nebel.

Wir zählen zu den Gegenden mit den meisten Nebeltagen in Österreich. Mitbrüder, die nicht hier gebürtig sind, und aus Gebirgsregionen kommen wie Osttirol oder Heiligenbut in Kärnten, die leiden mitunter auch heute noch am Nebel, der ihnen völlig neu und fremd ist in dieser Dichte. Das ist bevorzugt im Herbst, das ist einfach eine bekannte Stimmung wenn man beim Frühstück durch den Innenhof blickt, und man sieht die Fenster vis-a-vis nur Schattenhaft.

Abt Maximilian Neunlinger war als Jugendlicher in der Nachfolge seines Vaters auch einmal Marktfahrer, er hat auf den Märkten in der Umgebung Ledergürtel verkauft, an die harten Jungs, an die Vespa-Burschen. Für ihn wurde das Leben dann im Stift Lambach zur Berufung – als Benediktinermönch. So wechselhaft sich alles ändert, Stetigkeit ist neben dem Gehorsam und der klösterlicher Gemeinschaft eine der Grundregeln der Benediktiner.

Natürlich kann man das Benediktinerstift Lambach so wie Hallstadt anderswo nachbauen, wenn Sie das meinen, das ist möglich, aber Sie würden uns schon entwurzeln von den Beziehungen und Bindungen hier im Ort, in der Region, und Benediktiner sind Menschen, die sich nicht gleich bewegen lassen, einen Ort zu verlassen. Für uns ist es wichtig, in der Gemeinschaft beständig zu leben, und natürlich braucht jede Gemeinschaft auch einen Ort, wo sie leben kann. (Atmo Glocke real während des Interviews) Manchmal hätten wir uns schon gewunschen, dass wir ein kleineres Haus hätten, diese Pläne hat jede Generation einmal gehabt, aber wir sind dann doch zu Hause geblieben.
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ID 338
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Randnotizen | 31.08.2020
IIllusionen
Wortspiele mit dem Begriff "Illusion"
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Österreich 1 · 31.08.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Wortspiele mit dem Begriff "Illusion"

Filename: radio333_mom_illusionen Beitrag

Filename: radio333_mom_illusionen

Manuskript

SIGNATION

Einige offene Fragen haben sich in den letzten Tagen in meine Tagträume geschlichen...

Wenn jemand eine gute Tat macht, ist er dann ein guter Täter?

Ein Anderer ist ein Attentäter. Was oder wo, um alles in der Welt, ist Atten?

Wenn jemand ein sympathischer Mensch ist, wo ist dann der Schwerpunkt seiner Sympathie? In seiner Mitte? Am Kopf, im Kopf, oder zwischen den Schultern?

Es gibt WCs für Frauen und für Männer. In Finnland, Schweden, und Norwegen nicht. Wer hat die WCs jemals getrennt? Aus welchem Grund? Und was hat sich verändert, dass in Skandinavien diese Trennung wieder aufgehoben wurde?

Im Verkehrsdienst gehört: "Achtung: Zwischen ... und ... liegt ein toter Greifvogel auf der linken Spur. Fahren Sie bitte vorsichtig." - Warum?

TRENNER

Aus der Liste der Sätze, die man vermutlich noch nie gehört hat, und auch nie hören wird:

Sie hat ihm nicht nur Sand in die Augen gestreut.

Schraube bitte eine neue Glühbirne raus.

Dreh den Fernseher um!

Geh mir in den Weg!

Könnten Sie bitte etwas schneller sprechen?

Wir müssen Ihnen hier einige Missverständnisse in den Weg räumen.

Und Sätze, die man häufiger hört, und ungefähr gleichhäufig sogar:

Der Deckel passt!

Der Deckel passt nicht!

Der Deckel passt fast!

TRENNER

Manche Wörter liegen so nah nebeneinander. Asymptotisch und asymptomatisch, das hört man ja gerade öfter, aber auch Statiker, Statistiker, Stator und Statist - da liegen Welten dazwischen.

Der eine untersucht die Verteilung der Kräfte im Gebäude, der andere die Zahlen, der dritte ist der feste Teil im Motor, und viele vom Vierten werden gerade am neuen Flughafen in Berlin gebraucht, um auszuprobieren, ob man von dort fortfliegen kann, wenn er dann bald eröffnet wird.

Sie erlauben bitte die folgende Spielerei:

Ich bin in eine Illusion getreten.

Sie lässt wieder ihre lllusionen zum Fenster raushängen.

Die gröbsten Illusionen hat er leider noch vor sich.

Zuviel Illusionade getrunken.

Er hat die ganze Zeit Illusionetten gemampft.

Oh, was sind Sie von Beruf? Illusionatiker.

Ach, ich dachte er sei Illusionateur.

Eine illusionistische Haltung wäre nur absolut verfehlt.

Da liegt ein Illusionasmus vor.

Illusiotrop in alle Richtungen!

Der Arme, er illusioniert wieder.

Da müssen wir aber jetzt noch einmal drüberillusionieren.

Gib noch etwas Illusionat rein!

Diese Angelegenheit erfordert eine sofortige Illusionaton.

Sie hat sich wiederholt illusioniert.

Die Sache geht leider in die nächste Illusionanz.

Ach ist der Kleine süß... Ja, er heißt Illusius!

Machen Sie sich hier mal lieber Illusionen.

Wir sind hier von einer illusionistischen Umzäunung umgeben. Nicht zu überwinden.

Ja, sie muss endlich ihre Illusionen unter Kontrolle kriegen.

An der dritten Illusion rechts abbiegen. Nein, Sie müssen erst über die anderen beiden Illusionen drüber und dann rechts.

... illusionierend, illusioniert, illusioniebig, illusionistisch, illusionativ, illusionesk, illusionod, illusionarisch, illusional, illusiotiv, illusionamisch, illusionastisch. Illusionell! Das Illusionat, neoillusionistisch. Illusionale. Illusionengler & Illusioniker. Illusionator. Illusionateur. Illusionationszeit. Illusionatik. Illusiopädie. Illusionasmus, llusionismus; Illusionen. Illusion. Genug.

Im Lexikon steht übrigens: Illusion: beschönigende, dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung, wie auch immer, ich mag sie in gewisser Weise, die Illusionen. Man sollte nicht davon abhängen, aber so wie Gewürze auch, sie machen das Leben dann doch ganz interessant.
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ID 337
Premium | 12.08.2020
Wahlbetrug
WORT DER WOCHE 12. August 2020 – Wahlbetrug /
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12.08.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
WORT DER WOCHE 12. August 2020 – Wahlbetrug /

Ö1 Moment - Leben heute

Manuskript

Vergangenen Sonntag wurde in Belarus gewählt - in Weißrussland. Der bisherige langjährige Amtsinhaber Alexander Lukaschenko hat laut offiziellem Ergebnis fast 80% aller Stimmen erhalten, und das bei enorm hoher Wahlbeteiligung von ebenso 80%. Da stimmt was nicht, sagt die unterlegene Kandidatin Swetlana Tichanowskaja. Sie wird das Ergebnis nicht anerkennen, sie sagt: hier gab es Wahlbetrug. Wahlbetrug ist unser …

SIGNATION DAS WORT DER WOCHE

Wahl kommt von Wollen. Und Betrug von Trügen, einen falschen Schein erwecken, verwandt mit Traum. Wollen und träumen. Und wer nicht gewählt - gewollt - wird - aus der Traum. Was liegt näher, als dafür zu sorgen, dass der Traum weitergeht, und das mit zweifelhaften Mitteln.

Die Geschichte zeigt viele Beispiele von Wahlfälschung mit unterschiedlichsten Methoden aus oft überraschenden Richtungen. Automatische Algorithmen etwa, die zweifelhafte Aussagen über - sagen wir - eine Kandidatin A in die Timeline der Sozialen Netze spült, so dass Menschen, die sie wählen würden, zu einem gewissen Prozentsatz zu Hause bleiben, mit dem Gedanken, „es sind ja eh alle korrupt“. Das nützt dem Kandidaten B.

Kontrolle der Medien. Einschüchtern. Einsperren. Veranstaltungen verbieten. Das Internet am Wahltag drosseln. Vorhänge bei Wahlkabinen entfernen oder gar nicht erst einbauen. Eine prügelnde Staatsmacht. Die Liste der Möglichkeiten ist lang. Offizielle Beobachter sollen dann nicht dabei sein bei so einer Wahl, denn eines steht fest: Für jede Form des Wahlbetrugs gibt es eine M

ö

glichkeit, sie festzustellen. Das gilt besonders für die Richtigkeit der Endergebnisse.

OT 1: Alle Daten erzählen Geschichten, aber die erzählen die meistens ziemlich leise. Und Statistiker sind die Leute, die den Daten besonders gut zuh

ö

ren k

ö

nnen.

Erich Neuwirth. Statistiker - und „Zuh

ö

rer“. Er ist emeritierter Professor der Universität Wien.

OT 2: Wir sind nicht gut im Erfinden von Zahlen und Ziffern, die zufällig ausschauen, weil wenn man so Zahlen erfindet, denkt man nicht daran, dass 6-Mal hintereinander dasselbe auch vorkommen kann, und das tut es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit.

Und da sind wir bei der nachträglichen Kontrolle, ob alles richtig zugegangen ist. Wer Zahlen erfindet, macht Fehler.

OT 3: Genau so ist es, ja. Wenn man die Leute zufällig Zahlen nennen lässt, kommen weitaus mehr ungerade Zahlen als gerade Zahlen zum Beispiel.

Computer können das Erfinden im Allgemeinen besser, sie verschieben aber die Möglichkeiten der Betrugserkennung nur auf eine andere Ebene.

OT 4: Es gibt mehrere Tests auf Zufälligkeit. Und so zu erfinden, dass man die alle austrickst, ist nicht einfach. Wenn man sich z. B. Wahlbeteiligung und Ergebnisse einer bestimmten Partei oder eines bestimmten Kandidaten gegenüberstellt, dann erwischt man vereinfacht gesagt, die Wahllokale, wo noch irgendjemand noch ein Paket Wahlkuverts zusätzlich in die Urne geworfen hat.

Ballot-

stuffing heißt diese Form des Wahlbetrugs. Man stopft noch Wahlzettel in die Urne rein. Vorher, nachher, während. Wie auch immer.

OT 5: Wenn die Wahlbeteiligung dort besonders hoch ist, wo prozentmäßig ein bestimmter Kandidat besonders stark abschneidet, dann legt es den Verdacht nach, dass da zusätzlich Stimmen nur für einen Kandidaten hineingeschummelt wurden.

Die österreichische Bundespräsidentschaftswahl 2016 musste wiederholt werden, weil Wahlzettel aus der Briefwahl zu früh ge

ö

ffnet wurden. Erich Neuwirth hat damals nachgerechnet:

OT 6: Das entsprechende Gesetz sagt ja, die Wahl ist dann aufzuheben, wenn die Manipulationen von Einfluss auf das Ergebnis waren. Und ich kann Statistik praktisch sicher nachweisen, war kein Einfluss. Das war eindeutig. Wobei, die Verfassungsrichter konnte ich leider damals nicht überzeugen, dass die Statistik sagt, dass es keinen Wahlbetrug gegeben hat, also keine Wahlverfälschung, obwohl nicht korrekt ge

ö

ffnet wurde.

Die Zahlen auch dieser Wahl haben eine Geschichte erzählt, die auf zwei Achsen in einem Diagramm zu finden ist. Markiert mit unterschiedlichen Farben. Abweichungen sind grafisch gut erkennbar. Muster werden erkennbar, und damit auch potenzieller Betrug. Das gilt für alle Wahlen - in allen Ländern - die Frage ist nur, ob die Daten zugänglich sind, und die Muster dadurch zugänglich gemacht werden.

OT 7: Randomness is much too important to be left to chance.

… das wissen die Statistiker; Randomness, Zufälligkeit, ist viel zu wichtig, um dem Zufall überlassen zu werden. Wer die Zahlen kontrolliert, hat so zunächst die Wahl gewonnen. Ob es auch die Herzen sind, ist fraglich.

ABMODERATION

Das Wort der Woche von Lothar Bodingbauer
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Ö1: Grillkohle aus Oesterreich
https://oe1.orf.at/programm/20200812#608262/Grillkohle-aus-Oesterreich
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ID 336
Heuschrecken in Wien
Premium | 04.08.2020
Heuschrecken in Wien
Episodenbild: Blauflügelige Ödlanschrecke, Foto: Günther Wöss
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04.08.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Episodenbild: Blauflügelige Ödlanschrecke, Foto: Günther Wöss

Der Biologe Günther Wöss über die Heuschrecken der Bundeshauptstadt.

ORF Radio Österreich1 | 3. August bis 7. August 2020

Es gibt in Wien mehr Heuschreckenarten, als auf vergleichbar großen Flächen anderswo. Grund ist, dass die Österreichische Bundeshauptstadt an der Schnittstelle zwischen zwei Großräumen liegt: dem pannonischen Raum und dem Alpenraum. Die Arten beider Lebensräume treten hier gemeinsam auf. Ein kleiner Unterschied in den Bedingungen eines Lebensraumes kann schon eine völlig andere Artenzusammensetzung bei Heuschrecken bedeuten.

Die Hinterbeine der Heuschrecken sind als Sprungbeine ausgebildet, zusätzliche Sprungkraft können einige Arten aus der Spannung des gesamten Körpers gewinnen.

Heuschreckenforscher/innen interessieren sich besonders für Verbreitungskarten. Sie zu erstellen erfordert genaue Kenntnisse der Arten. Wenn diese Arten optisch oft schwer zu unterscheiden sind, hilft meist die Analyse der "Gesänge" weiter, die für viele Arten charakteristisch sind. Ob zur Partnersuche oder Revierabgrenzung: Heuschrecken "stridulieren" - sie zirpen. Langfühlerschrecken (zu denen auch die Grillen gehören) verwenden dazu ausschließlich ihre Vorderflügel und Kurzfühlerschrecken reiben die Oberschenkel an den Flügeln.

GESPRÄCHSPARTNER:

Mag. Günther Wöss

Freiberuflicher Zoologe

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am

Naturhistorischen Museum Wien

BUCHTIPP:

Günther Wöss, Manuel Denner, Liesbeth Forsthuber, Matthias Kropf, Alexander Panrok, Werner Reitmeier & Thomas Zuna-Kratky:

Insekten in Wien - Heuschrecken

Österreichische Gesellschaft für Entomofaunistik Eigenverlag 2020

Teil 1: Filename: radio331_heuschrecken_1 Eine facettenreiche Landschaft

Teil 2: Filename: radio331_heuschrecken_2 Vielfalt am Schnittpunkt großer Lebensräume

Teil 3: Filename: radio331_heuschrecken_3 Vielfalt am Schnittpunkt großer Lebensräume

Teil 4: Filename: radio331_heuschrecken_4 Hörbare Unterschiede

Teil 5: Filename: radio331_heuschrecken_5 Forschung in Bewegung
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Ö1: Heuschrecken Wiens
https://oe1.orf.at/programm/20200804#607821/Heuschrecken-Wiens
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ID 335
Premium | 22.06.2020
Greifvögel in Südafrika
ORF Radio Ö1 | Vom Leben der Natur | 08:55–09:00 Uhr
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22.06.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
ORF Radio Ö1 | Vom Leben der Natur | 08:55–09:00 Uhr

Die Ornithologin Petra Sumasgutner über ihre Forschung an Beutegreifern auf der Südhalbkugel der Erde.

Beutegreifer sind Tiere, die andere Tiere fressen. Frühere Bezeichnungen – Raubtiere – schließen immer auch eine Wertung ein, die von heutigen Forscher:innen nicht gewünscht wird. Beutegreifer können die verschiedensten Arten sein, Vögel insbesondere werden auch als Greifvögel bezeichnet. Wer als Ornithologin an Beutegreifern forscht, wird bald auf Ähnlichkeiten stoßen, auch wenn diese Forschung auf zwei verschiedenen Kontinenten stattfindet. Im Stadtgebiet geht es um das Miteinander von Mensch und "Raubtieren", das im Detail dann durchaus unterschiedlich ausgestaltet sein kann. Es gibt medial große Aufregung, wenn ein Adler statt seinem bevorzugten Beutetier, den Klippschliefer, irrtümlich einmal einen Dackel erwischt. Wer die Medienberichte untersucht, wird aber rasch erkennen, dass von ein und dem selben Vorfall immer wieder berichtet wird. Die Berichte machen sich selbständig und geistern als Mythos durch das Internet. Im Nationalpark andererseits geht es um das Ermöglichen des Überlebens vieler Arten, ein Wunsch, der mit den Interessen von Menschen kollidieren kann, die mit Tieren Geld verdienen möchten. Stichwort Geiersterben in Südafrika: Die Kadaver von Nashörnern werden von Wilderern vergiftet, um die Geier zu töten, die den Standort der Wilderer verraten würden. Es ist die Beschäftigung mit den Vögeln selbst, die Forschung an Beutegreifern spannend macht, aber auch die Einbettung dieser Forschung in das Gefüge und die Netzwerke der Menschen, die in ihrer Umgebung leben.

Interviewpartnerin:

Dr. Petra Sumasgutner

Konrad Lorenz Forschungsstelle

Fischerau 11

4645 Grünau im Almtal

T: +43-7616 8510

office.klf@univie.ac.at

Montag: Filename: radio329_beutegreifer_1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede

(mp3)

Filename: radio329_beutegreifer_1

Dienstag: Filename: radio329_beutegreifer_2 Raubtiere im Hinterhof

(mp3)

Filename: radio329_beutegreifer_2

Mittwoch: Filename: radio329_beutegreifer_3 Ökologische Gleichgewichte

(mp3)

Filename: radio329_beutegreifer_3

Donnerstag: Filename: radio329_beutegreifer_4 Leben in Nationalparks

(mp3)

Filename: radio329_beutegreifer_4

Freitag: Filename: radio329_beutegreifer_5 Zusammenarbeit mit der Bevölkerung

Filename: radio329_beutegreifer_5
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ID 334
Radioproduktion | 20.06.2020
Unendlich
20.06.2020 / ORF Radio Ö1 / Diagonal
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20.06.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
20.06.2020 / ORF Radio Ö1 / Diagonal

Studiogespräch

Diagonal macht Schluss

"Alles hat ein Ende, nur ..." - "Diagonal" macht Schluss

Über 150 Mal wurde er in den vergangenen zwei Millennien einmal mehr, einmal weniger öffentlichkeitswirksam angekündigt und kam dann doch nicht: Der Weltuntergang. "Hungern nach der Apokalypse heißt eigentlich Verlangen nach der Zeit nach der Apokalypse" gibt der Publizist Maarten Keulemans in seinem Buch "Exit Mundi. Die besten Weltuntergänge" zu bedenken.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, sagt man dazu wohl im Fußball. Dazwischen liegt immer der Abpfiff. Aber wie und wann der kommt beziehungsweise gekonnt zu setzen ist, das ist stets die Frage. Der Mensch ringt mit seiner Endlichkeit, die Künste mit dem grandiosen Finale, letzten Worten und Schlussstrichen; Webseiten geben Tipps für krönende Schlusssätze in Bewerbungsschreiben und der post-industrielle Dienstleistungskapitalismus hat sich das Beziehungsende als Markt erschlossen. Auch in Österreich gibt es heute eigene Agenturen, die sich auf das professionelle Schlussmachen spezialisiert haben - sei es mit dem ehemaligen Herzblatt oder der Chefin. "Diagonal" zur Kunst des Aufhörens und zu Konjunkturen des Endes.

Mit Beiträgen von Alexandra Augustin und Lisa Rümmele, Lothar Bodingbauer, Dominique Gromes, Erich Klein, Christian Scheib und Horst Widmer.

Präsentation: Peter Waldenberger und Roman Tschiedl
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Ö1: Diagonal macht Schluss
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ID 333
Radioproduktion | 14.06.2020
IIASA Portrait
MOMENT Was macht eigentlich
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14.06.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
MOMENT Was macht eigentlich

SIGNATION "Was macht eigentlich…"

… das IIASA. Was für eine Ansammlung an Vokalen, und jeder Buchstabe in dieser Abkürzung hat natürlich seine Bedeutung.

International Institut - ein internationales Institut, ja klar, wofür, für Applied, für Angewandte. Und jetzt das S: System Analyse.

Internationales Institut für Systemanalyse, beheimatet in Laxenburg, im Schloss Laxenburg in Niederösterreich. Ein Kind des kalten Krieges, denn damals haben sich die Sowjetunion und die USA zusammengesetzt, um sich gemeinsam mit anderen Staaten und eben auch mit Österreich zu überlegen, wie man nicht Militärbasen sondern Gesprächsbasen errichten kann. In diesem Fall mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die sich mich Risikoforschung beschäftigen, mit Systemen, mit komplexen Systemen.

Um die 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten auch heute noch in Laxenburg. Die Aufgaben haben sich von Themen des Kalten Krieges gewandelt, von der Konfliktforschung hin zu den aktuellen Themen der Menschheit, die beforscht werden, alle geschart um einen inhaltlichen Kern: "Nachhaltigkeit". Wie können Menschen auf dem Planeten Erde nachhaltig leben - im System Erde. Da gibt es Zusammenhänge, Taten, Ideen, und Auswirkungen. Komplexität. Es geht um die gesamte Weltbevölkerung, um Energie, Luftqualität und Treibhausgase, neue Technologien, Risiko und Resilienz, also wie sich Systeme gegenüber Störungen verhalten, Evolution und Ökologie, Wasser, und neuerdings auch um so genannte Ökosystem-Services: was die Natur für uns Menschen leistet, bewertet in Geld.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen münden in sogenannten Policies, also in konkrete Inhalte für die Politik. Und das auf verschiedenen Skalen, om Dorf, zur Stadt, zu Ländern, Kontinenten, zur Welt.

Reinhard Mechler ist einer der Wissenschaftler in Laxenburg.

OT 1: Wir arbeiten zu globalen Wandelproblemen, das sind Probleme, die zu groß oder auch zu komplex sind, sodass sie eineinzelnes Land oder eine einzelne akademische Disziplin effektiv lösen kann.

Die Komplexität der Systeme macht Vorhersagen schwierig.

OT 2: Wir haben hier zum Beispiel positive und negative Rückkoppelungseffekte in Systemen. Diese positiven oder negativen Schleifen. Diese Rückkopplungseffekte führen auch zu nichtlinearen Entwicklungen, wie zum Beispiel wie man es jetzt sieht, die exponentielle Zunahme von Coronavirusinfektionen wird dadurch bedingt.

Menschen haben kein Gefühl für "nichtlineare Effekte", agt Reinhard Mechler. Es geht hier um exponentielles Wachstum. Je mehr, desto "sehr viel mehr". Menschen denken linear, "je mehr, desto mehr". Doppelt so viel, doppelt so viel. Alles nicht der Fall, bei wirklich komplexen Situationen oder auch Bedrohungen.

OT 3: Es geht auch um Irreversibilitäten. Auch beim Coronavirus, der Entwicklung. Kommen wir zu Systemgrenzen heran, kann das zu irreversiblen Effekten führen, Gesundheitssystem, aber auch bei individuellen Auswirkungen. Klimawandel das selbe Problem, nähern wir uns Kipppunkten, lokalen Kipppunkten oder globalen Kipppunkten.

Menschen entscheiden individuell im allgemeinen sehr kurzfristig. Für den nächsten Tag, die nächste Woche. Myopisch, kurzsichtig, sagt Reinhard Mechler, und er bezieht sich da auch selbst gleich ein.

OT 4: Das sehen wir jetzt auch bei der Coronakrise. 4, 6-Wochen vorauszudenken, zu einer Entwicklung, die wir sonach nicht gesehen haben, fällt uns extrem schwer. Bei IIASA versuchen wir in die Zukunft vorauszudenken, 10, 20, 80 jähre, bis zum Ende des Jahrhunderts. Das ist auch ein wichtiger Punkt der Systemanalyse. Die Langfristigkeit mit der kurzen Frist zu koppeln, und da entsprechende Szenarien auszuarbeiten.

Reinhard Mechler arbeitet selbst im Forschungsgebiet "Risiko und Nutzen".

OT 5: Da verwenden wir mathematisch gesprochen die Netzwerktheorie. Da geht es um die Verknüpfung, innerhalb des Netzes an Verbindungen. Wir hatten uns in den letzten Jahren gefragt, wie zum Beispiel Naturkatastrophen das Finanzsystem bedingen, ob hier große Katastrophen zu einem Kollaps des Finanzsystems in Österreich oder in Europa oder Global führen können. Die Modellierung basiert auf der Idee auf einer Ansteckung eines Erregers. Und ähnliche Theorien werden eben auch in epidemiologischen Umständen, die Ausbreitung eines Virus verwendet.

In positiven Umständen ist zum Beispiel auch die Mode ein komplexes System, das mit ähnlichen Mechanismen funktioniert. Die Arbeit von Influencern auf Instagram, in sozialen Medien. Der kalte Krieg ist längst vorbei. Die Welt im Wandel - und so gesehen ist viel zu tun in diesen Tagen. Auch am IIASA, auch in Laxenburg.
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ID 332
Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 14.06.2020
Pflanzensammlungen
Sammeln, zeigen, schützen, kultivieren.
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Österreich 1 · 14.06.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Sammeln, zeigen, schützen, kultivieren.

Friedrich Schwarz vom Botanischen Garten Linz spricht über die Bedeutung von Pflanzensammlungen.

Gestaltung: Lothar Bodingbauer

Botanische Gärten vereinen weltweit mehrere Ebenen der Funktion. Für Besucher/innen sind es Orte der Erholung, Entspannung und Weiterbildung. In den Sammlungen wird die Vielfalt der Flora gezeigt, und in thematisch spezialisierten Ausstellungen wird der Fokus auf besondere Aspekte gelegt.

Es gibt dazu immer auch ein wissenschaftliches Interesse für die lebendigen Objekte der Sammlungen - seien es Kakteen, Orchideen, Rosen oder Bäume. Die vielen Objekte - Arten - werden am Leben erhalten, sie werden über Samen und Stecklinge vermehrt, sie werden aber auch über ein weltweites Netzwerk botanischer Gärten ausgetauscht.

Viele Objekte stammen aus einer Zeit, da es noch Expeditionen in andere Länder gab, Sammlungsfahrten, bei denen pflanzliches Material "nach Hause" gebracht wurde. Doch diese Zeit ist vorbei. Es gibt strenge Auflagen, weder Pflanzen noch Samen noch das Wissen über sie einfach außer Landes zu bringen.

GESPRÄCHSPARTNER:

Dr. Friedrich Schwarz

Magistrat der Landeshauptstadt Linz, Stadtgrün und Straßenbetreuung

Abteilungsleiter

Botanischer Garten

und Naturkundliche Station

Teil 1: Netzwerke des Austauschs (Filename: radio327_pflanzensammlungen_1 mp3

)

Filename: radio327_pflanzensammlungen_1

Teil 2: Anzucht und Beschriftung (Filename: radio327_pflanzensammlungen_2 mp3

)

Filename: radio327_pflanzensammlungen_2

Teil 3: Beschränkungen bei der Einfuhr (Filename: radio327_pflanzensammlungen_3 mp3

)

Filename: radio327_pflanzensammlungen_3

Teil 4: Gewächse hinter den Kulissen (Filename: radio327_pflanzensammlungen_4 mp3

)

Filename: radio327_pflanzensammlungen_4

Teil 5: Management des Wissens (Filename: radio327_pflanzensammlungen_5 mp3

)

Filename: radio327_pflanzensammlungen_5
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ID 331
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Randnotizen | 25.05.2020
Von der Gegenwart
Wie viel Vergangenheit begegnet Ihnen in der Gegenwart und was bedeutet das für die Zukunft? Über die Zeitformen.
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Österreich 1 · 25.05.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Wie viel Vergangenheit begegnet Ihnen in der Gegenwart und was bedeutet das für die Zukunft? Über die Zeitformen.

In der Gegenwart sollst du leben. Sagen angeblich die Buddhisten. Und die Leute vom Online-Yoga. Ich höre da immer zu, im Halbschlaf, wenn meine Lebensgefährtin ihre Morgenübungen macht. Ist sie fertig, bin ich ausgeschlafen. Lebe den Moment. So kann es losgehen.

Bemüh dich um das Paradies, sagen die Andersgläubigen hingegen. Und das liegt vor dir – mehr oder weniger weit in der Zukunft. Auch ein Konzept, ich kenn das von der Sonntagsmesse.

Alles nichts, wir schwören auf die Vergangenheit, sagen die Ewiggestrigen. Und es ist nicht so klar, was an den zerbombten Resultaten so schön war, dass man sie wieder haben wollte. Aber solche Leute reden ja über die Zukunft. Gut, das taten die damals auch.

3 Sekunden dauert für uns das „jetzt“, das weiss die Wissenschaft. Drei Sekunden, die wir als Mensch als „jetzt“ erleben. Geräusche spielen sich üblicherweise in diesen drei Sekunden ab. Da baucht man schon ein bisschen Erinnerung, weil sie so schnell verschwinden. Es ist ein hübsches Wechselspiel dieser 3 Sekunden Gegenwart, finde ich, mit dem was war, und dem was wird. Erinnerungen versus Ideen, und warum ich das alles erzähle, weil ich gerade eine neue Sprache lerne, Spanisch.

So kannst du die Welt ganz neu entdecken. Stück für Stück eignet man sich die Begriffe an, zuerst für die Dinge. Personen, die Länder, dann für die Mengen. Für den Besitz. Für Gefühle, Geschmäcker, Farben und Zahlen. Es ist eine neu beschriebene Welt, die hier entsteht. Die wiederersteht eigentlich. Mit neuer Sprache. Dazu kommen die Verben. Zuerst in der Gegenwart. Ich gehe zur Universität. Ich esse den Apfel. Mein Sohn trinkt die Milch. Da glaubt man dann, das war’s dann schon. Jetzt kann ich Spanisch. Aber dann: voy a comer. Ich werde essen. Die Zukunft geht auf. Ab jetzt gibt es eine Möglichkeit, mit der man beschreiben kann, was sein wird. Unfassbar, wer sich das einfallen hat lassen. Großartig. Heute schon von morgen sprechen. Das kann was. Und mehr braucht es nicht, könnte man auch hier wieder meinen. Da kommt der Spanischlehrer Antonio, der Bilder malt - besonders gern in rot - und er sagt: zwei Formen der Vergangenheit wären als Nächstes dran.

Langeweile breitet sich aus. Wer würde über das sprechen wollen, was war? Ich war einkaufen. Ja eh. Und? Ich habe mir gedacht, dass – natürlich, aber was denkst du jetzt? Ich kaufte die Äpfel. Hier sind sie, ich sehe sie.

Warum sollte ich über die Vergangenheit reden, wenn ich lebensmäßig da bin, hier, und lebenstechnisch ohnehin nur in die Zukunft gehe? Auf der anderen Seite: hast du das Bügeleisen ausgeschaltet - eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit mit Konsequenzen für jetzt, und sicher auch später.

So klar ist es also doch nicht, wie viel Vergangenheit sinnvoll ist für die Gegenwart und Zukunft. Abschaffen sollte man die Vergangenheit wohl nicht.

TRENNER

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie das folgende Geräusch schon einmal gehört haben. (GERÄUSCH) Und es ist durchaus personenabhängig. (GERÄUSCH). So klingt es beim Geduldigen, und so beim Ungeduldigen, oder bei dem, der wenig Zeit dafür verwenden will. (GERÄUSCH) Der Zaghafte, es könnte auch der Sparsame sein. Wie auch immer, was ist das für ein Geräusch?

Sie kennen es bestimmt, wenn man nämlich mehr von seinem Hintergrund dazu noch hört (ATMO), in der Eisenbahn, in der Österreichischen, Deutschen und wahrscheinlich auch in der Schweizer Eisenbahn hat oder hatte dieses Geräusch seinen Lebensraum, und zwar im WC. Es ist der Trockenseifenspender. Das war nämlich jenes Gerät, das unten so einen igelhaften Kreis hatte, mit drei um 120 Grad versetzten Stacheln, die man mit den Fingern fassen oder nur mit den Knöcheln anschieben und drehen konnte, und es wurde dabei die Seife, die trockene Seife auf die Hand gerieben. Wenn dann kein Wasser da war, weil es schon aus war, konnte man sich die Seife (ATMO) runterklopfen. Heute ist es ja so, dass mit Flüssigseife das Problem besteht, wenn das Wasser aus ist, haben wir die Seife flüssig in der Hand, was soll man tun. Ja, früher war doch manches besser… Jetzt habe ich doch über die Vergangenheit geschwärmt. Ich weiß nicht, ob es Trockenseifenspender noch in den modernen Eisenbahnwaggons gibt, man kann aber diesen Spender im Internet sehr wohl leicht finden. Ich habe mir einen schicken lassen, mit einem Karton voller Seife, und habe das im Bad installiert und gehe jetzt beim Händewaschen auch in Zukunft wieder so gut wie auf die Reise.
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ID 330
Deutschlandfunk > Sonntagsspaziergang | 24.05.2020
Schluchzen im Liegewagen
Geräusche finden ja immer in der Gegenwart statt, und wer über sie spricht, muss sie aus der Vergangenheit zurückholen. Vielleicht mit technischen Mitteln. Aber ein Aufnahmegerät war damals nicht dabei. Das folgende Geräusch kann ich Ihnen nicht vorspielen.
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Deutschlandfunk · 24.05.2020 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Geräusche finden ja immer in der Gegenwart statt, und wer über sie spricht, muss sie aus der Vergangenheit zurückholen. Vielleicht mit technischen Mitteln. Aber ein Aufnahmegerät war damals nicht dabei. Das folgende Geräusch kann ich Ihnen nicht vorspielen.

Es ist ein tiefes, herzzerreißendes Schluchzen, das aus der Ecke kommt. Der Zug hat Straßburg erreicht, und jemand ist zugestiegen. Hat sich in die Ecke der obersten Etage im Liegewagen zurückgezogen und weint, und weint, und weint so herzzerreißend, dass der Student in der obersten Etage gegenüber fragt, was leicht los wäre. Und das Mädchen erzählt von einem Sommer in Strassburg, einem Filmworkshop, an dem es teilgenommen hat, und dass es jetzt wieder nach Bulgarien zurückfährt. Und dass es nie dorthin zurück wird können, wo es so schön war.

Ob er ihre Hand halten könnte, fragt sie den Student gegenüber, und er hält ihre Hand, und so schlafen sie ein. Die Hände über den tiefen Raum des Liegewagenabteils verbunden, im dritten Stock, auf der dritten Ebene, ganz oben. Am Morgen steigt er aus, im Nebel von Wels, einem Umsteigebahnhof in Oberösterreich, wo der Zug wieder hält. Und sie schaut ihn an. Und er schaut sie an. Eine Sekunde, vielleicht zwei.
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