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ID 79
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 31.12.2007
Libeccio, Bora, Scirocco und Khamsin
Durch die Kleinräumigkeit der Landschaft und großen Unterschieden in der Oberflächenbeschaffenheit entstehen im Mittelmeerraum viele unterschiedliche Windsysteme, die meist klingende und charakteristische Namen bekommen haben: Bora, Libeccio, Khamsin, Scirocco, Mistral, Levante, und viele weitere mehr. Mit den Winden verbunden sind Sonne oder Regen, oft Sturm oder Stille, Überschwemmungen und Trockenheit, eine erfrischende Seebrise oder eben auch drückende Schwüle. Die Winde des Mittelmeers sind …
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Österreich 1 · 31.12.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Durch die Kleinräumigkeit der Landschaft und großen Unterschieden in der Oberflächenbeschaffenheit entstehen im Mittelmeerraum viele unterschiedliche Windsysteme, die meist klingende und charakteristische Namen bekommen haben: Bora, Libeccio, Khamsin, Scirocco, Mistral, Levante, und viele weitere mehr. Mit den Winden verbunden sind Sonne oder Regen, oft Sturm oder Stille, Überschwemmungen und Trockenheit, eine erfrischende Seebrise oder eben auch drückende Schwüle. Die Winde des Mittelmeers sind Ausdruck eines auch im Jahreslauf vielfältigen Lebensraums.
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Levante|Mistral|Mittelmeer|Scirocco|Wind|Windsystem|Wissenschaft
ID 78
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 31.12.2007
Falknerei
Die Jagd mit Greifvögeln hat auch in Österreich reiche Tradition. Auch heute noch trainieren Jäger Geier, Adler, Falken, Uhu, Milan und Bussard, um sie als Jagdhelfer einzusetzen. In der Falknerei Obernberg am Inn werden die Tiere darüber hinaus für die Verwendung in Flugvorführungen ausgebildet. Noch im Ei findet die erste Prägung durch den Falkner statt, der mit den Jungvögeln spricht, sodass sie sich an seine Stimme gewöhnen. Sind sie erst geschlüpft, werden die Vögel von Hand aufgezogen. Das …
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Österreich 1 · 31.12.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Die Jagd mit Greifvögeln hat auch in Österreich reiche Tradition. Auch heute noch trainieren Jäger Geier, Adler, Falken, Uhu, Milan und Bussard, um sie als Jagdhelfer einzusetzen. In der Falknerei Obernberg am Inn werden die Tiere darüber hinaus für die Verwendung in Flugvorführungen ausgebildet. Noch im Ei findet die erste Prägung durch den Falkner statt, der mit den Jungvögeln spricht, sodass sie sich an seine Stimme gewöhnen. Sind sie erst geschlüpft, werden die Vögel von Hand aufgezogen. Das Training danach erfolgt ausschließlich durch Belohnung. Im Idealfall bilden Falkner und Greifvogel eine fein eingestellte Verbindung, die - die Rangordnung im Greifvogelteam genau beachtend - eine komplexe Vorführung erarbeitet und darstellt.

Es spricht: Helmut Kotlik, Falknerei Burg Obernberg am Inn.
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ID 77
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute|Radioproduktion > Premium | 22.12.2007
Weihnachten beim Landpfarrer
Karl Burgstaller: Zum Heiligen Abend hin beginnen die Menschen ruhig zu werden. Besonders für viele Landpfarrer beginnt eine hektische Zeit. Durch den Priestermangel müssen mehrere Pfarren betreut werden, damit alle ihren persönlichen Weihnachtsgottesdienst erleben können. Die Weihnachtszeit ist anstrengend. Wann genau kommt nun Weihnachten zu einem Priester selbst?
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Österreich 1 · 22.12.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Karl Burgstaller: Zum Heiligen Abend hin beginnen die Menschen ruhig zu werden. Besonders für viele Landpfarrer beginnt eine hektische Zeit. Durch den Priestermangel müssen mehrere Pfarren betreut werden, damit alle ihren persönlichen Weihnachtsgottesdienst erleben können. Die Weihnachtszeit ist anstrengend. Wann genau kommt nun Weihnachten zu einem Priester selbst?

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ID 76
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 21.12.2007
Leben im All
Es spricht: Heinz Oberhummer, Atominstitut der Österreichischen Universitäten: Bis vor einigen Jahren noch war die Suche nach Außerirdischen reine Spekulation und die Forschung darüber ganz und gar nicht wissenschaftlich. Heute können Astrophysiker und Astrobiologen hingegen schon gut abschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es Leben außerhalb der Erde geben könnte. Der Astrophysiker Heinz Oberhummer spricht über Hypothesen, Bedingungen und Möglichkeiten der Existenz von Leben im Weltall.
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Österreich 1 · 21.12.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Es spricht: Heinz Oberhummer, Atominstitut der Österreichischen Universitäten: Bis vor einigen Jahren noch war die Suche nach Außerirdischen reine Spekulation und die Forschung darüber ganz und gar nicht wissenschaftlich. Heute können Astrophysiker und Astrobiologen hingegen schon gut abschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es Leben außerhalb der Erde geben könnte. Der Astrophysiker Heinz Oberhummer spricht über Hypothesen, Bedingungen und Möglichkeiten der Existenz von Leben im Weltall.
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ID 75
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 11.11.2007
Sonnenwind und Weltraumwetter
Die Sonne sendet nicht nur Licht zur Erde, sondern auch massive Teilchen, die vom Erdmagnetfeld abgefangen werden. Es entstehen Nordlichter, wenn diese Teilchen mit den Molekülen der hohen Atmosphäre zusammenstoßen. Normalerweise sind diese Polarlichter nur in den Regionen um die Pole sichtbar. Bei großen Sonnenstürmen werden jedoch ausbruchsartig große Mengen von Materie aus der Sonne in Richtung Erde geschleudert und Leuchterscheinungen gibt es dann auch in unseren Breiten. Sonnenstürme bergen …
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Österreich 1 · 11.11.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Die Sonne sendet nicht nur Licht zur Erde, sondern auch massive Teilchen, die vom Erdmagnetfeld abgefangen werden. Es entstehen Nordlichter, wenn diese Teilchen mit den Molekülen der hohen Atmosphäre zusammenstoßen. Normalerweise sind diese Polarlichter nur in den Regionen um die Pole sichtbar. Bei großen Sonnenstürmen werden jedoch ausbruchsartig große Mengen von Materie aus der Sonne in Richtung Erde geschleudert und Leuchterscheinungen gibt es dann auch in unseren Breiten. Sonnenstürme bergen dabei durchaus eine Gefahr für Leben, das auf Technologie angewiesen ist: Umspannungswerke können zerstört werden, und Flugzeuge werden angewiesen, die Polrouten zu meiden, da die Strahlung eine Gefahr für das Leben darstellt.

Gesprächspartner: Helmut Rucker, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Helmut Rucker

1. Filename: radio075_nat_sonnenwind_1 Lebensfeindliche Bedingungen

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Vakuum, Strahlung ab 30, 40 km - lebensfeindlich, in der Nähe von Weltraumbedingungen. „Erdnaher Weltraum“. Satelliten ab 250 km Höhe. Ab 10 Erdradien tagseitig (10 mal 6370 km) ist äußere Grenze jenes Raumes mit Erdmagnetfeld - jenseits davon: interplanetare Bedingungen, Sonnenwind.

Sonne: Einfluss auf alles Geschehen auf der Erde. Strahlung: Licht und Wärme; aber auch: hochleitendes Plasma aus der Sonnenatmosphäre ist Sonnenwind. Plasa: ionisierte Teilchen. Teilchen mit Ladung. Elektronen, Protonen. Strömt von der Sonne ab, 300-800 km/s, braucht ca. 3-4 Tage zur Erde. Verändert das Erdmagnetfeld. Tagseitig zusammengedrückt, nachtseitig zu Magnetschweif ausgedehnt.

Teilchen von Sonnenwind kann tiefer eindringen in Atomsphäre und Polarlicht auslösen. Weltraumwetter: Einfluss aus interplanetarem Raum, primär von der Sonne, auf die Erde.

2. Filename: radio075_nat_sonnenwind_2 Stürme aus dem All

Filename: radio075_nat_sonnenwind_2

Sonnenstürme klingt nach Wetter im Weltraum. Eruptionen auf der Sonne, Coronale Massenauswürfe. Lokal auf Sonne, können in Richtung Erde die Erde betreffen. Masse eines schnellen Sonnenwindes 1000 - 2000 km/s, in 1 Tag bei der Erde. Üblicherweise 1 mal pro Woche. Aber auch Aktivitätszyklus der Sonne: 11 Jahre.

Update:

„4. Februar 2022. Das Raumfahrtunternehmen Space X schickt auf einen Schlag 49 niegelnagelneue Satelliten ins All. Einen Tag später sind 40 davon abgestürzt.“ (SWR)

Einer der stärksten Auswürfe 2003, Nordlicht auch in Österreich, rötlich in Richtung Norden. Sehr selten dort sonst.

Magnetfeldänderungen: Wirkungen auf der Erdoberfläche, Ströme in Pipelines, Hochspannungsleitungen. Probleme bei elektronischen Geräten. Stromausfall in Quebec. Auch Radiowellen, GPS verändert, Navigation

3. Filename: radio075_nat_sonnenwind_3 Eine schützende Hülle

Filename: radio075_nat_sonnenwind_3

Magnetfeld lenkt geladene Teilchen ab. Eine Art Strom entsteht auf dieser Grenzschicht, Plasma kann das Magnetfeld nicht durchdringen, würde es fehlen, kämen sie durch. Sind energiereich. Kosmische Strahlung, schädlich. Organisches Leben hätten Probleme, Mutationen. Bemannte Raumfahrt: Mondflüge, Astronauten haben schützende Hülle des Erdmagnetfelds verlassen, Astronauten waren dem ausgesetzt. Relativ kurz allerdings.

In Richtung Mars ist das schwieriger. Aufenthalt in Raumkapsel mehrere Monate. Hochenergetische Strahlung von Sonne und galaktischem Raum trifft Raumschiff. Kann intensiv sein, durch meterdickes Blei. Erbschäden.

Piloten sind allerdings länger davon betroffen, bei koronalen Massenausbrüchen: nicht so hohe Polrouten. Südlichere Routen.

4. Filename: radio075_nat_sonnenwind_4 Seltene Phänomene

Filename: radio075_nat_sonnenwind_4

Erscheinungen am Himmel: in Frühzeit Zeichen von Gottheiten, nahes Ende der Welt. Ursache: Sonnenwind. Wechselwirkung mit dem Erdmagnetfeld. Halloween Event Oktover, November 2003: deutliche Erscheinung rötlich über Österreich, ins Bläuliche, Hellgrüne. Unüblich in Österreich. Polarlicht: Aurora Borealis (N), Aurora Australis (S). Dauerte lange, es zu erklären.

EIndringende Teilchen des Sonnenwinds spiralisierend auf Magentfeldlinien im N und S senkrecht zu Höhen der Atmoshäre, 200, 300 km Höhe. Kollidieren mit Atmosphärennteilchen, Sauerstoff, Stickstoff. Für kurze Zeit regen die Elektronen O und N Atome an, erregte Zustände gehen zurück in den Grundzustand. Das ist das Phänomen „Nordlicht“. Eötlich: Sauerstoff in großen Höhen, Stickstoff ins Bläuliche, gelblichgrün. AUch eine Frage der Höhe.

Tanzende Gebilde: Vorhänge, Bögen, Strukturen, Bewegung der Leuchterscheinung.

5. Filename: radio075_nat_sonnenwind_5 Erweiterte Untersuchungsräume

Filename: radio075_nat_sonnenwind_5

1350 Konrad von Lebenberg erstmals beschrieben. Hat lange gedauert, Angstrom, Birkeland (1867-1917) sahen als Physiker einen Zusammenhang mit der Sonne. Grundlagenforschung. Räume, die man untersuchen will, von der Polkappe über Erdoberfläche hinaus in den Weltraum gelegt. 1882: Ausrufung des 1. Arktischen Jahres. Weyprecht. 1932 Abermals Kooperation, 1957/58 Internationales Geophysikalische Jahr, Start des 1. Satelliten. Internationales Heliophysikalische Jahr: Untersuchungsräume in Gesamtes Sonnensystem 2007.

Forschung mit Satelliten und Höhenforschungsraketen.

Magnetic Reconnection: Phänomen bei geomagnetischen Stürken stark. Sonne schickt vermehrt Sonnenwind, an Flanken der irdischen Magnetosphäre treten vermehrt Teilchen ein, besonders nachtseitig. Folgen den Linien und werden in Polargebiete hineingepresst: Nordlicht.
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Magnetfeld|Nordlicht|Sonnensturm|Sonnenwind|Weltraumwetter|Wissenschaft
ID 74
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 11.10.2007
Fuchs
Der Rotfuchs ist in Mittelereupa der einzige Vertreter der Füchse und erlebt derzeit einen großen Aufschwung, was seine Verbreitungsmöglichkeiten betrifft. Füchse sind generell äußerst anpassungsfähige Tiere. Genügsam und anpassungsfähig von Natur aus, hat er mit der praktischen Ausrottung der Tollwut in Österreich seinen größten natürlichen Feind verloren. In der freien Natur eher ein Einzelgänger schließt er sich zum Zwecke der Eroberung der Städte zu größeren Gruppen zusammen. Als ein Mitglie …
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Österreich 1 · 11.10.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der Rotfuchs ist in Mittelereupa der einzige Vertreter der Füchse und erlebt derzeit einen großen Aufschwung, was seine Verbreitungsmöglichkeiten betrifft. Füchse sind generell äußerst anpassungsfähige Tiere. Genügsam und anpassungsfähig von Natur aus, hat er mit der praktischen Ausrottung der Tollwut in Österreich seinen größten natürlichen Feind verloren. In der freien Natur eher ein Einzelgänger schließt er sich zum Zwecke der Eroberung der Städte zu größeren Gruppen zusammen. Als ein Mitglied der "hundeähnlichen" Tiere sieht er zwar schlecht, riecht dafür jedoch umso besser und ernährt sich von ziemlich allem, was ihm die Natur und in zunehmenden Maß auch die Stadt an Futter überlässt. Jäger versuchen, sein zahlenmäßiges Aufkommen in den letzten Jahren zu reduzieren, sie haben es dabei nicht leicht, denn die in Märchen oft beschriebene Listigkeit des Fuchses ist tatsächlich vorhanden.
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Fuchs|Wildtier
ID 73
ORF > Österreich 1 > Journal Panorama|Radioproduktion > Premium | 10.09.2007
Bildungsökonomie
Was kostet ein Sitzenbleiber? Es gab eine Zeit, in der Bildung als grundsätzliche und unantastbare Bedingung für die Bezwingung des Wilden ins uns gesehen wurde. Heute wird Bildung fast ausschließlich in Kosten-Nutzen-Rechnungen an ihrer Auswirkung im Bruttoinlandsprodukt gemessen, verglichen im globalen Wettbewerb. Es zahlt sich demzufolge in unseren Breiten aus, schon in die Bildung von Kindergartenkindern zu investieren, allenfalls in die Erwachsenenbildung, die Alten hingegen werden möglichs …
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Österreich 1 · 10.09.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Was kostet ein Sitzenbleiber? Es gab eine Zeit, in der Bildung als grundsätzliche und unantastbare Bedingung für die Bezwingung des Wilden ins uns gesehen wurde. Heute wird Bildung fast ausschließlich in Kosten-Nutzen-Rechnungen an ihrer Auswirkung im Bruttoinlandsprodukt gemessen, verglichen im globalen Wettbewerb. Es zahlt sich demzufolge in unseren Breiten aus, schon in die Bildung von Kindergartenkindern zu investieren, allenfalls in die Erwachsenenbildung, die Alten hingegen werden möglichst kostengünstig allenfalls noch etwas bei Laune gehalten. Leise aber beharrlich entstand in den letzten Jahren ein neues ökonomisches Forschungsgebiet: die Bildungsökonomie. Eine Sendung über die Suche nach dem Wert der Bildung.

URL:

Manuskript (ohne letze Änderungen)

JOURNAL PANORAMA: BILDUNGSÖKONOMIE

Lothar Bodingbauer

PRESSETEXT

Bildungsökonomie: Sei gescheit, mein Teuerster!

Es gab eine Zeit, in der Bildung als grundsätzliche und unantastbare Bedingung für die Bezwingung des Wilden ins uns gesehen wurde - wie auch immer das geschah. Heute macht Effizienz auch vor Bildungsfragen nicht halt. Der Bildungserfolg wird in Kosten-Nutzen-Rechnungen an seiner Auswirkung am Bruttoinlandsprodukt gemessen, verglichen im globalen Wettbewerb. Es zahlt sich aus, schon in die Bildung von Kindergartenkindern zu investieren. Leise aber beharrlich entstand in den letzten Jahren ein neues ökonomisches Forschungsgebiet: die Bildungsökonomie. Ein Journal-Panorama auf der Suche nach dem Wert der Bildung – von Lothar Bodingbauer.

ANMODERATION

Menschen, die im Bildungswesen arbeiten, reagieren auf bildungsökonomische Fragen oft äußerst allergisch. „Immer nur nach dem Nützlichen zu fragen, ziemt sich gar nicht für großzügige und freie Menschen“, wird Aristoteles zitiert, wenn es um die Frage nach der Effizienz von Bildungsmaßnahmen geht. Seit einigen Jahren machen aber wirtschaftliche Optimierungsversuche auch vor Bildungsfragen nicht halt. Der Bildungserfolg wird in Kosten-Nutzen-Rechnungen an seiner Auswirkung am Bruttoinlandsprodukt gemessen, verglichen im globalen Wettbewerb. Leise aber beharrlich entstand ein neues ökonomisches Forschungsgebiet: die Bildungsökonomie. Hören Sie dazu jetzt ein Journal-Panorama auf der Suche nach dem Wert der Bildung – von Lothar Bodingbauer.

BEITRAG

Mikrofon / 0:24 Text

Jeder, der einmal in der Schule war, ist in Österreich ein Bildungsexperte, und jeder, der einmal Geld ausgegeben hat, ein Ökonom. Wer beides tat, ist Bildungsökonom. So könnte man überspitzt die Verwirrung auf den Punkt bringen, die derzeit in Österreich um den Begriff „Bildungsökonomie“ herrscht. Dabei ist es doch so einfach. Man muss nur den richtigen fragen.

CD-1 / 1 0:37 Mailbox Lückl - Bildungsministerium

(Mailboxsignal: Kling - Heute, 10 Uhr 35): Grüß Gott, Herr Bodingbauer, Lückl Bildungsministerium. Sie haben gestern versucht, mich zu erreichen. Betreffend Ihre Anfrage, was für Kosten für den Staat anfallen beim Sitzenbleiben eines Schülers einer Schülerin liegen beim Bildungsministerium keine derartigen Zahlen aus entsprechenden Erhebungen vor. Eventuell könnte die Bundesanstalt Statistik Österreich dementsprechendes Zahlenmaterial für Sie bereitstellen. Mit freundlichen Grüßen, Lückl Bildungsministerium.

Mikrofon / 0:23 Text

7700 Euro kostet einmal Sitzenbleiben im Durchschnitt in Österreich der öffentlichen Hand. Was immer man mit dieser Zahl anfangen will. Sie ist auch im Statistischen Zentralamt nicht leicht zu kriegen - die sonst alles haben, was in Österreich Daten verursacht. Was kostet ein Schuljahr dem Staat? Vielleicht ist diese Frage einfach nicht interessant?

CD-2 / 1 0:2 OT Kurt Scholz

Die Ökonomie ist unser Schicksal...

Mikrofon / 0:5 Text

... sagt Kurt Scholz, der frühere Wiener Stadtschulratspräsident ...

CD-1 / 2 0:46 OT Kurt Scholz

und auch ich bin der Meinung, dass man jeden Euro, der in das Schulwesen investiert wird, genau anschauen und umdrehen soll. Man soll wissen, was Unterrichtsstunden kosten, was die Absage von Unterricht kostet, man soll durchaus ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass das Schulwesen der zweit- oder drittgrößte Budgetbrocken überhaupt im Bundesbudget ist. Dafür soll man ein klares Bewusstsein haben. Davon trennen möchte ich allerdings eine Schule oder eine Pädagogik, die nur mehr unter dem Diktat der Zahlen steht. Derzeitig haben wir eine schleichende Entwicklung, in die Richtung, je billiger, desto besser organisiert ist das Schulwesen. Und dagegen muss man schon gewisse Einwände haben.

CD-2 / 2 1:19 ******** Mix Abendschüler

Ja, es hat mit meinen Eltern auch zu tun. Ich soll machen was ich will. Sie können mich nicht zwingen dazu. Das war beste, was sie machen haben können. So bin ich selbst immer wieder auf die Schnauze gefallen, rausgehaut worden, da passt es nicht. Und so bin ich selbst draufgekommen, wie wichtig die ganze Ausbildung da ist, dass man die ganze Ausbildung hat und so. --- Es war so, dass ich mit 14, 15 Interessen entwickelt haben, die sich mit der Schule nicht überschnitten haben, Musik, selber Musik machen, ich dachte mir, das Wissen, das mir in der Schule übermittelt wird, kann ich mir selber über das Internet beizubringen, zumindest die Sachen, die mich da interessieren. Das war aber nicht ausreichend, um positiv abzuschließen, und darauf bin ich zwei mal in der 6. Klasse durchgefallen. --- Ich habe Konditor gelernt, dann auf Patisserie umgestiegen, und habe in besseren Hotels gearbeitet, was furchtbar anstrengend war, ich habe aber was gesehen von der Welt, habe Geld verdient, jetzt kann ich mich zwei Jahr hinsetzen, arbeiten, was nicht so interessant ist, einfach nur sitzen, und die Schule machen.

Mikrofon / 0:26 Text

Das war die Sicht von drei Wiener Abendschülern, die im zweiten Anlauf die Matura machen. Jeder von ihnen hat zwei Schuljahre a 7700 Euro in den Sand gesetzt. Auch Manfred Adlmanseder hat dem Staat mehr gekostet als der Durchschnitt. Er hat Russisch studiert, Doktorrat, dann Jus studiert, zweites Doktorrat. Jetzt ist er Finanzchef einer bedeutenden Maschinenbaufirma, exportorientiert.

CD-1 / 3 0:11 OT Manfred Adlmanseder

Es ist durchaus ein Vorteil, wenn man in einer Führungsposition zum Telefon greifen kann, um den Direktor eines Unternehmens anrufen kann und sich mit ihm in seiner Sprache zu unterhalten...

Mikrofon / 0:12 Text

Ein Vorteil, der aber ziemlich teuer war. Stichwort Bildungsökonomie: hätte der Staat Ihnen nicht einen Sprachkurs zahlen können, musste es ein Russischstudium sein, anders gefragt:

CD-2 / 3 0:58 OT Manfred Adlmanseder

Wo liegt der Vorteil für die Volkswirtschaft, dass Sie als Finanzchef Puschkin gelesen haben? --- Schauen Sie, Puschkin mag ein Privatvergnügen sein. Nur stellen Sie sich vor, ein Abendessen mit Geschäftspartnern in Moskau. Sie sitzen zusammen, im Cafe Puschkin, ich war erst letzte Woche dort im übrigen. Man plaudert, unterhält sich, parliert in Russisch. Natürlich kommen Themen wie Literatur, Musik. Ja was glauben Sie, wir können nicht als exportorientieres Land in der Führungsebene eines Unternehmens auftreten, wenn wir hier nicht mitreden könne. Bildung, auch schöngeistige Bildung, Musik Malerei, sind ein gemeinsamer Bestandteil Europas. Und ich sage es ihnen ganz ehrlich, für Geschäftsabschlüsse nicht gerade schlecht, wenn man ein bisschen was davon versteht.

Mikrofon / 0:17 Text

Da ist doch etwas gut gegangen - beim Einzelnen. Bildung wurde eingekauft, von ihm, vom Staat, das Ergebnis lässt sich sehen. Das könnte doch eine schöne Verbindung ergeben: die Bildung und der Markt, fragt Lorenz Lassnig, Institut für Höhere Studien.

CD-1 / 4 2:4 OT Lorenz Lassnig

Was wäre, wenn man Bildungswesen organisieren würde, nach Marktwirtschaft. Dass Bildung eine Ware wie jede andere auch. Wohnungen, Brot. Hier gibt es eine wesentliche Unterscheidung: diese Unterscheidung ist mit privaten und sozialen Erträgen verbunden. Hier wird untersucht, in wie weit durch Bildungsinvestitionen private Erträge erzielt werden, Ertrag gemessen in Einkommen mit bestimmten Bildungsabschluss. Ergebnisse: Rendite in Bildung gleiche Höhe wie bei normalen Kapitalinvestitionen. Aktienfonds kauft - Wenn der Staat investiert, oder wenn der einzelne Bürger investiert. - Das ist unabhängig, Investitionen egal woher sie kommen. Was kann man daraus politisch schließen. Bildungsökonomie hat einen starker Trend, die Hochschulbildung mit hohen Erträgen auf private Investitionen aufbauen soll, wohingegen man die allgemeine Bildung nicht auf privaten Investitionen aufbauen soll, hier soll man nicht nach ökonomischen Erträgen schauen, sondern hier gibt es wesentliche Aspekte, die über den Markt heraus eine Rolle spielen: sozialer Zusammenhalt, Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten gegenseitig kennen lernen, dass man eine gemeinsame Kultur schafft und so weiter.

Mikrofon / 0:40 Text

Hier gibt also die Ökonomie der Politik die Hand. Dieses Gemeinsame im Staat ist nämlich nicht ganz freiwillig, sagt Lorenz Lassnig. Fehlender sozialer Zusammenhalt kostet der Volkswirtschaft Wirtschaftswachstumspunkte. Damit sind wir weg vom Einzelnen. Jede Investition in die Bildung rechnet sich für das Individuum

und

für den Staat, und zusätzlich entsteht ein Gruppeneffekt, wenn besondere Bildung vermittelt wird: vernetztes Denken, Teamwork. Das bringt dem Individuum selbst nicht viel, aber dem Staat sehr wohl. Und zwar ebenso viel, wie die Arbeitsleistung selbst, sagt Lorenz Lassnig - Zur Sicht der Wirtschaft nun.

CD-2 / 4 2:11 OT Claus Raidl

Was braucht Böhler-Uddeholm?

Mikrofon / 0:6 Text

Eine Frage, die Claus Raidl, der Vorstandsvorsitzende von Böhler Uddeholm beantwortet.

CD-1 / 5 1:50 OT Claus Raidl

Wir brauchen gutausgebildete Controller, gut ausgebildete Diplomingenieure, die sowohl in der Forschung einsetzbar sind in Produktion, Vertrieb, Produktentwicklung, wir brauchen gutausgebildete Juristen, wir brauchen gut ausgebildete Marketingleute. Finanzleute, die wissen, wie man Unternehmen billig finanzieren kann, wissen wie Kapitalmarkt funktioniert, die Börse funktioniert. Wenn ich es aus meiner kleinen Sicht von Böhler-Uddeholm sehe, so verlange ich, erwarte ich vom Bildungssystem, dass diese Qualifikationen auf den Bildungseinrichtungen vermittelt werden, Universitäten. Fachhochschulen, berufsbildenden Schulen; HAK, dass dort diese Qualifikationen vermittelt werden, die mir helfen, dass sich Böhler-Uddeholm sich im Wettbewerb besser behauptet. Denn wenn Sie bessere Dipl.Ing. für neue Produkte habe, für Forschungen, Ergebnisse aus Forschung, und Ergebnisse aus der Forschung, wenn Sie bessere Mitarbeiter haben für Finanzierungen, dann werden Sie einen Konkurrenzvorteil haben. Daran gibt es ein doppeltes Interesse, das Interesse des Individuums, man soll doch um Gottes willen einem Jungen Menschen mit 10 oder 12 Jahren durch die Auswahl seiner sekundären Ausbildung den Weg zu einer höheren Bildung versperren, das ist die individuelle Sicht, auch die Sicht der Wirtschaft ist, wir müssen ein Interesse haben, dass die Begabungen der jungen Menschen wirklich alle zur Entfaltung kommen, denn wir können die alle brauchen.

CD-2 / 5 1:22 ******** Mix Große Menschen

Ja, Bildung ist ein großer Begriff, aber was ich schon von klein auf gemerkt hat, meine Eltern, meine Mutter speziell auch, dass wir am Abend Bücher, vorlesen, mag sein, dass es bei anderen Bauern nicht selbstverständlich war --- Meine Mutter hat immer gesagt, wir haben nicht so viel Geld, aber alles was ich an Geld habe, investiere ich in Eure Ausbildung. --- Schule losgegangen ist, ist sehr gefördert worden, eine kleine Schulbank bekommen, da kann ich Hausübung machen, das ist von meiner Mutter sehr gefördert worden. --- Selber schwere Jugend gehabt,. hätte sicher mehr aus mir machen könne, wenn ich ein gescheiteres Elternhaus gehabt hätte, da habe ich gesagt, solche Fehler dürfen nicht passieren, das muss einfach hinhauen --- und mein ältester Bruder war ein Jahr in USA als Student, später draufgekommen, Eltern haben Kredit aufgenommen - später als er älter wurde, haben wir ein Terrarium gehabt, heimische Fischarten, Schlangen. Und da musst halt mit dem Kind machen. Ihm hat es gefallen, mir hat es gefallen, das war wirklich was ganz was Schönes.

CD-1 / 6 0:6 OT Gudrun Biffl

Wieviel Bildung lässt man wem zukommen, auf wieviel Bildung hat man Rechtsanspruch?

Mikrofon / 0:5 Text

Fragt die Arbeitsmarktexpertin Gudrun Biffl vom Wirschaftsforschungsinstitut.

CD-2 / 6 0:58 OT Gudrun Biffl

Da komme ich jetzt von der Arbeitsmarktseite und sage, die Wirtschaft und auch daher die Gesellschaft braucht ein ganz bestimmtes Qualifikationsniveau der Menschen, um bestimmte Produktionsprozesse meistern zu können. Es ist durchaus sinnvoll, in einer Situation, wo ich eine Technologie habe, wo ich eine große Zahl von standardisierten Fähigkeiten brauche, also die Industrialisierungsphase, dass man ein Bildungssystem hat, das genau diese standardisierten Qualifikationen im hohen Maße für den Markt produziert. Wenn sich aber jetzt unser Wirtschaftssystem wegbewegt von diesen Qualifikationsprozessen, über Globalisierung, über die technologische Entwicklung, und wir sind ein reiches Land, dann müssen wir uns überlegen, dass wir die jungen Menschen in die Qualifikationen hineinbringen, die sie dann brauchen für die nächste wirtschaftliche Entwicklungsstufe. Und da haben wir gewisse Probleme in Österreich.

CD-1 / 7 0:6 OT Hannes Eichsteininger

Es gibt Schüler, die braucht niemand. Das sind gar nicht so wenige.

Mikrofon / 0:5 Text

Hannes Eichsteininger, Lehrer an der Polytechnischen Schule in Ried im Innkreis.

CD-2 / 7 0:39 OT Hannes Eichsteininger

Es ist ja das Problem in Österreich, dass es den Hilfsarbeiter, der früher an der Maschine gestanden ist und den Hebel umgelegt hat, nicht mehr gibt. Dadurch bleiben die Leute, die in diesem Bereich gearbeitet haben, die bleiben wirklich über. Die werden mitgeschleppt, Arbeitsloseninitiativen. Aber auch diese Unterstützungen laufen aus, wenn 18-19. Und das ist ein ungelöstes Problem, da ist Geld alleine nicht die richtige Lösung. Da können sie die Firmen mit Geld zuscheissen, die werden diese Leute nicht einstallen. Hier haben wir ein Arbeitslosenproletariat, das niemand benötigt.

CD-1 / 8 0:34 OT Gudrun Biffl

Österreich selektioniert. Wir selektionieren so, dass ein relativ großer Anteil an Jugendlichen nicht in Lage versetz wird, außer zu extrem hohen individuellen Kosten, auch Selbstmotivation Externistenmatura, Berufsreifeprüfung neben Erwerb ist nicht so leicht , das heisst es wird eine Gruppe abgesagt, die gar nicht einmal vorgesehen sind für die univistäre Ausbildung.

CD-2 / 8 0:9 OT Ursula Müller

Im allgemeinen kann man es in der 3. Klasse schon sagen, ob es ehr gute Schüler sind, und die gehören in ein Gymnasium, oder ob es eher durchschnittliche Schüler sind oder unterdurchschnittliche.

Mikrofon / 0:4 Text

Ursula Müller, Volksschuldirektorin in Altheim, Oberösterreich.

CD-1 / 9 1:3 OT Ursula Müller

Da tut sich noch so viel, es gibt natürlich die Kinder, bei denen man es vom 1. Schultag an sieht, die so kompetent sind. Bei uns am Land hängt es noch stärker vom Familienhintergrund ab, weil für die Kinder die Belastung des Fahrens dazukommen, wenn sie nach Braunau oder Ried fahren müssen, sie 16 und 20 km Bus fahren, das ist für 10-jährige nicht unbedingt lustig, schon manchmal, erste Tragödien im Bus ab, es gibt auch diese Kinder, es ist eine Belastung. Wenn die Eltern selbst ins Gymnasium gegangen sind, und viel davon halten, werden sie die Kinder entsprechend persönlich stärken, dass diese Belastung aushalten, wenn die Eltern sagen, wir sind in die HS gegangen, es ist aus uns etwas worden, diese Belastung tuen wir unseren Kindern nicht an, dann ist natürlich der Weg in die Hauptschule gezeichnet, wenn es sich um sehr gute Schüler handelt.

CD-1 / 9 1:11 OT Gudrun Biffl

Vererbung des Bildungsniveaus heißt, dass die Kinder das selbe Ausbildungsniveau haben wie die Eltern. Das sind in Österreich 52% der Schüler. Das heißt, wir selektionieren. Normalerweise sagen wir immer, unser Bildungssystem selektioniert nach Fähigkeiten und Begabungen. Ganz eigenartig, weil man im Endeffekt nicht danach selektioniert, sondern nach dem sozialen Status. Wenn man wirklich nach Fähigkeiten und Begabungen selektionieren wollte, muss man diesen gesamten sozialen Krimskrams entfernen, welches Potenzial hat dieses Kind, das muss man fördern, herausfinden, in welchem Maß kann das das Schulsystem machen, im welchen Maße das Elternhaus. Bei uns kommt die Förderung in hohem Maße aus dem Elternhaus. Daher haben es Kinder aus einem bourgeoisen Hintergrund es nun mal leichter, sich in diesem Bildungssystem zurechtzufinden, als Kinder die aus bildungsfernen Schichten kommen. Da können die Eltern einfach nicht den Beitrag leisten, und in Folge dessen fallen ihre Kinder automatisch zurück, weil das Schulsystem ihnen nicht diese Förderung angedeihen lässt, die diese Kinder bräuchten. Und das ist der Unterschied zu den nordischen Ländern.

Mikrofon / 0:5 Text

Sagt die Arbeitsmarktspezialistin Gudrun Biffl vom Wirtschaftsforschungsinstitut.

CD-1 / 10 1:18 ******** Mix Abendschüler

Als ich mit meinen Eltern in dieser Zeit diskutiert habe, wo ich nicht wußte, was ich machen soll, war mein Papa verständnisvoll, er hat gesagt, mach irgendwas, mach weiter, überleg dir was anderes meine Mama war stressig, sonst verlierst wieder ein Jahr. Und die Mischung aus beiden hat dazu geführt, dass ich es selber verstanden habe --- Im Gymnasium habe ich es versabelt, weil ich zu faul dazu war, und jetzt kann ich es, cih weiß, dass ich es kann, und das will ich mir beweisen. --- Und jetzt denke ich mir, das ist ja wirklich interessant was ist da wirklich passiert, lerne es anders als mit den Augen und Kopf als mit 16, nehm auch mehr mit, es zahlt sich auf jeden Fall aus, mit 20 die Abendschule zu machen als mit 18 die Matura. --- Bildung ist persönlich, will niemand was beweisen, mache Matura, weil ich Bandbreite des Wissens haben will, wenn man in einer Gesprächsrunde ist, und es geht um das und das, du hast eine Ahnung, worums geht, man muss zwar nicht mitreden können, aber ich verstehe, worums geht.

Mikrofon / 0:36 Text

Ein staatlich geplanter Bildungsweg, der es allen recht macht, ist schwierig. Die Startpunkte sind verschieden, die Wege verlaufen unterschiedlich, und die Ziele sind anders. Effizienz in diesem Zusammenhang bedeutet normalerweise, nicht den Lehrer schneller reden zu lassen, oder die Stunden zu kürzen oder zu verlängern, sondern ganz grundlegend den Storch aus den Startpunkten der Ausbildung zurückzudrängen, die Streuung in den Ergebnissen nicht allzu groß werden zu lassen, und auch durchaus darüber zu wachen, dass nicht einige zu effizient ihren Bildungsweg durchziehen.

CD-2 / 10 0:5 OT Walter Kiessling

Zu einem entscheidenden Kriterium bei der Beurteilung von Bildungssystemen ist der Output geworden.

CD-2 / 0:17 Text

Stellt der Bildungswissenschaftler Walter Kiessling fest. Er hat nicht immer Zeit, den Studenten ein Feedback zu geben, wie viel Zeit sie sich für ihre Seminararbeiten nehmen zu müssen, wie sie vom Copy und Paste, wie sie vom Plagiatsverhalten wegkommen können.

CD-1 / 11 0:26 OT Walter Kiessling

Zunehmend mehr Studierende ich sage jetzt einmal auch als Reaktion auf das gesellschaftliche Klima vermeiden Lernprozesse, die risikoreich sind. Wo nicht ganz klar ist, da ist der Anfang und hier ist das Ende, und dazwischen kann mir nichts passieren, da geht ein Schritt nach dem anderen und es gibt noch klare Zwischenetappen, sondern dass es sein kann, dass ich scheitere, zurück zum Start muss, aber zum Schluss kommt vielleicht etwas Neues heraus.

CD-2 / 11 0:38 OT Claus Raidl

Wir brauchen auf jeder Ebene eine Basis, die mindestens im obersten Drittel, bei diversen EU-Rankings ist. Es braucht aber jede Gesellschaft, und ich weiß, dass das vor einigen Jahren nicht möglich war zu sprechen, durch falsch verstandene Gleichheitsgrundsätze, es braucht jede Gesellschaft eine Elitenausbildung. Wichtig ist nur, dass sie jedem zugänglich ist, nicht an Geburt und Stand geknüpft ist, oder an irgend so was geknüpft ist.

CD-1 / 12 0:5 ATMO Kindergarten

(darüber nach kurzer Zeit folgender Text)

Mikrofon / 0:10 Text

Die Kinder im Montessori Kinderhaus in Wien wachsen in zwei Sprachen auf, das kosten den Eltern pro Nase und Monat 350 Euro pro Monat. Es zahlt sich aus...

CD-2 / 12 0:36 OT Lorenz Lassnig

Weil hier gibt es nach den neueren Ergebnissen der Bildungsökonomie relativ klare Aussagen, dass die Investitionen im ganz frühen Alter noch vor der Volksschule, am besten verwerten, die höchsten ökonomischen Erträge bringen. Wenn in diesem Alter eine gute Basis geschaffen wird, die Kinder die besten Möglichkeiten haben, von höherer Bildung und so weiter und von Hochschulbildung zu profitieren.

CD-1 / 13 0:48 OT Gudrun Biffl

Man muss so was wie Schlüsselqualifikationen in den Bildungssystemen anbieten, umfassende Ausbildungen, nicht notwendigerweise Spezialisierungen. Wir sind häufig auf dem Spezialisierungstrip. Du brauchst eine relative Breite der Ausbildung, um dann auch Berufsswitching betreiben können. Viele Berufe im Informations- und Kommunikationsbereich, Bereiche wo das Wissen nicht aufbauen ist, wo sprunghaft etwas anders gebraucht wird, man muss über die Fähigkeit zu verfügen, etwas anders anzufangen, nicht ganz unten. Das ist auf allen Bildungsebenen, fängt mit der Vorschule an, Volksschule bis hinauf ins universitäre System.

Mikrofon / 0:3 Text

Sagt Gudrun Biffl zu den Maßnahmen. Kurt Scholz:

CD-2 / 13 0:59 OT Kurt Scholz

Wir brauchen ein Schulwesen, das sich seine soziale Selektivität eingesteht, und nach diesen Bewusstsein, dass das Schulwesen starken stärker macht und schwachen fast nicht hilft müssten eine Fülle von organisatorischen Maßnahmen, finanzielle Maßnahmen, Maßnahmen die den Übertritt ins höhere Schulwesen erleichtern. Aber es muss immer ergänzt werden durch den Appell an den Einzelnen. Du musst wollen, du musst auch gegen Hindernisse höhere Bildung erreichen. Ich sehe derzeit in Österreich leider Gottes wenig Entwicklung in diese Richtung. Der Appell an die Opferbereitschaft ist nicht sonderlich populär und der Glauben an die Sozialmechanik, ich führe jetzt die Gesamtschule ein, und dann bricht das Paradies der Gerechtigkeit und der Gleichheit an, der ist in meinen Augen übergroß.

Mikrofon / 0:13 Text

Womit wir wieder Zuhause wären, in den eigenen vier Wänden. Wir erinnern und an die Rendite. Sie ist wie bei jeder Vorsorge dort am größten, wo am frühesten begonnen wird. Wir sind bei den Maßnahmen.

CD-1 / 14 0:52 OT Gudrun Biffl

Ich habe immer wieder versucht, über Au Pair aus dem englisch- oder französischsprachigen Raum kommen, nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur hereinzubringen. Sie haben nicht nur die Sprache gesprochen, sondern auch die Küche hereingebracht, sie haben Lieder gesungen. Sie sind unterschiedlich Probleme angegangen. Das heißt die Kinder sind multikulturell aufgewachsen, das hat sie in die Lage versetzt, so weiterzuarbeiten. man macht nicht irgend einen Tourismusurlaub, sondern man geht längere Zeit wohin, arbeiteten dort , machten bei Sozialprojekt mit. Kriegen mit, Menschen in verschiedenen sozialen Situationen. All das ist unglaublich wichtig, dass man sich in einer komplexen Welt zurecht findet.

CD-2 / 14 2:22 OT Kurt Scholz

An der Spitzte stünden bei mir nicht die Budgetzahlen, sondern etwas ganz altmodisches , sondern lachende Kinder, oder das Glück der Kinder. Das wäre etwas, wo ich sagen würde, das wäre ein Ziel des Schulwesens, dem ich alles andere unterordnen würde. Wenn ich einmal fröhliche, lachende, optimistische Kinder habe, Kinder mit Zuversicht, die ich nur habe, wenn ich Lehrer habe, die Zuversicht in ihrem Beruf haben, dann würde ich sagen, was sind diese Inhalte, die diese Menschen in der Schule besprechen werden. Da gibt es eine breite Diskussion, welche Bildungsinhalte wir im Schulwesen haben. Und wenn ich einerseits das Menschenbild vor mir habe, nach dem ich erziehen will, und die Inhalte des Bildungswesens, müsste man fragen, mit welchem Kosteneinsatz erziele ich das. Die ökonomische Frage an erster Stelle zu stellen, ist meines Erachtens eine Sünde wider dem Geist des Bildungswesens. -- Das nächste, wahrscheinlich investieren in Eltern, Vater- Kind Erlebnisse. Das Veschwinden der Väter aus der Erziehung ist die größte Tragödie der modernen Bildung. Es gehen hier so viele Rollenvorbilder verloren, dass den Kindern wirklich im Bildungsgang etwas wesentliches abgeht. Den Buben wie den Mädchen. -- Würde ich Millionen gewinnen, eine Schule zu gründen. Keine exklusive Privatschule, eine relativ normale Schule, mit einer Beindung. Dass die Lehrerinnen und Lehrer dort handverlesen sind. Den dieser Faktor Mensch ist für mich mehr und mehr der entscheidende. Ich glaube nicht mehr an die Lehrplanreform mit Papier Schere und Kleister, wo irgendetwas modernistisches hineingeschrieben wird. Man sollte Lehrer wie die antiken Philosophen mit der Lampe in der Hand suchen und die besten können dann - fast egal wie der Lehrplan ausschaut - dann auch mit den Kindern etwas erreichen.

Mikrofon / 0:18 Text

Hier stößt die Bildungsökonomie an ihre Grenzen. Effizienz und Emotion. Wie misst man Emotion? In der bildungspolitischen Diskussion wird damit gerne gespielt. Insgesamt fehlen der Bildungsökonomie immer wieder diese Daten, sagt Lorenz Lassnig vom Institut für höhere Studien.

CD-1 / 15 0:35 OT Lorenz Lassnig

Ich glaube nicht, dass Katastrophenstimmung angesagt ist. Meine Sicht ist die, das ist vielleicht nicht so wissenschaftlich begründbar, dass man nicht gut Bescheid weiß darüber. Wenn man hohe Anforderungen stellt und nicht gut bescheid weiß, dann entsteht Unsicherheit und politischer Hickhack, und gleichzeitig gibt es feste Interessenspositionen, die man aus meiner Sicht auch angreifen sollte, und dann entsteht eben die Situation die wir haben.

CD-2 / 15 1:18 ******** Mix Abendschüler

Mir war es ganz wichtig, dass ich Matura mache, ich habe schon beim Schulabbruch gesagt, ich werde diese Matura nachholen. Ich sehe es nicht als verlorene Zeit an --- verloren deshalb nicht, weil es in der Zeit, wo Schule nicht gut gelaufen ist, ich in eine andere Richtung entwickelt habe, Musik. -- Ausgewogenheit im Leben, das man Bildung hat, dass ich meine Grenzen kenne, da her und nicht weiter, dann kann ich mit mir zufrieden sein und beeinflusse nicht meine Umwelt durch schlechte Einflüsse, grantig sein. --- Der Plan bis jetzt funktioniert es super, weil man am Vormittag arbeitet, ich arbeite 8-14 Uhr, dann esse, und dann am Abend wieder in die Schule gehe, es ist hart, aber es schaut gut aus.

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ID 72
ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 02.09.2007
Ibmer Moor
Das Ibmer Moor ist mit 2000 Hektar die größte zusammenhängende Moorlandschaft Österreichs und liegt in den oberösterreichischen Gemeinden Eggelsberg, Moosdorf und Franking. Ein Teil ist als Naturschutzgebiet seit 1973 über den 4km langen Moorlehrpfad der Öffentlichkeit zugänglich. Bemerkenswert ist auch die Mischung unterschiedlicher Moortypen: Niedermoor, Übergangsmoor und Hochmoor. Die zeitweise intensive wirtschaftliche Nutzung der Moorflächen bis in die 1970er Jahre hat die ursprüngliche Veg …
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Österreich 1 · 02.09.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Das Ibmer Moor ist mit 2000 Hektar die größte zusammenhängende Moorlandschaft Österreichs und liegt in den oberösterreichischen Gemeinden Eggelsberg, Moosdorf und Franking. Ein Teil ist als Naturschutzgebiet seit 1973 über den 4km langen Moorlehrpfad der Öffentlichkeit zugänglich. Bemerkenswert ist auch die Mischung unterschiedlicher Moortypen: Niedermoor, Übergangsmoor und Hochmoor. Die zeitweise intensive wirtschaftliche Nutzung der Moorflächen bis in die 1970er Jahre hat die ursprüngliche Vegetation durch Torfstich, Entwässerung oder Beweidung stark geschädigt. Trotzdem befindet sich im Ibmer Moor weiterhin eine große Vielfalt auch seltener Moorpflanzen sowie eines der größten Brachvögelvorkommen Österreichs in Form der Natura 2000 Vogelschutzgebiete Frankinger Moos und Pfeiferanger.
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ID 71
Uppsala im Linné-Jahr
ORF > Österreich 1 > Ambiente | 19.07.2007
Uppsala im Linné-Jahr
Vor 300 Jahren wurde in Schweden Carl von Linné geboren. Er entwickelte jene Methode, die Natur zu benennen, die heute weltweit angewendet wird: zwei lateinische Namen bezeichnen Gattung und Art von Pflanzen und Tieren. In Uppsala unterhielt er einen kleinen, feinen botanischen Garten und lehrte an der Universität. Wir unternehmen eine Exkursion im Stile Linnés, mit der akustischen Botanisiertrommel - dem Mikrofon - in gepflegte botanische Gärten und wildwüchsige Wälder in und um Uppsala im Jubi …
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Österreich 1 · 19.07.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Vor 300 Jahren wurde in Schweden Carl von Linné geboren. Er entwickelte jene Methode, die Natur zu benennen, die heute weltweit angewendet wird: zwei lateinische Namen bezeichnen Gattung und Art von Pflanzen und Tieren. In Uppsala unterhielt er einen kleinen, feinen botanischen Garten und lehrte an der Universität. Wir unternehmen eine Exkursion im Stile Linnés, mit der akustischen Botanisiertrommel - dem Mikrofon - in gepflegte botanische Gärten und wildwüchsige Wälder in und um Uppsala im Jubiläumsjahr.

Manuskript

AMBIENTE BEITRAG

Uppsala – auf den Spuren von Carl von Linne

(Lothar Bodingbauer)

Anmoderation:

Von der Hausmaus

Mus musculus

bis zum Buschwindröschen

Anemone nemorosa

hat

er

den Lebewesen der Natur Namen gegeben. Auch den Menschen hat er mit

Homo sapiens

benannt.

In jedem Botanischen Garten der Welt befinden sich unzählige Pflanzen, die im Namensschild ein

L

führen, und dieses

L

steht für Linné.

Carl von Linné, der schwedische Naturforscher, er ist der Erfinder der uns oft vertrauten lateinischen Doppelnamen für Tiere und Pflanzen. Er feiert heuer seinen 300. Geburtstag.

Die meisten Spuren vor Ort hat er in der Gegend von Uppsala hinterlassen, in Schweden. Dort wohnte er, betreute seine botanischen Gärten und unterhielt ein Sommerhaus, ein Zentrum für Studenten, Naturbegeisterte und auch Erholungsbedürftige. Das ist auch heute noch so. Lothar Bodingbauer hat Uppsala besucht und einige Menschen begleitet, die dort Carl von Linné immer noch tagtäglich treffen.

CD 1 / 1 Atmo

(Atmo kurz stehen lassen)

Mikro Text

Die kleine Universitätsstadt Uppsala liegt ungefähr 60 Kilometer von Stockholm entfernt. Man könnte die Gegend vielleicht am besten als das

Cambridge des Nordens

bezeichnen. Die Universität prägt das Leben der Stadt, sie wurde schon 1477 gegründet, als zweite Universität Skandinaviens.

Der kleine Fluß Fyrisån durchzieht die Stadt und seine Länden bilden einen willkommenen Treffpunkt nicht nur für die Lachmöwen und Schwäne der Region, sondern gerade auch für die Studenten, die dort auf die nächste Prüfung lernen oder zwischen den Vorlesungen Café trinken.

Oben am Berg das unvollendete Schloss von Uppsala, gleich daneben: die Kathedrale, in der neben Marmor und Bronce frische Blüten eine ganz bestimmte Grabplatte schmücken: Dort, am Grab von Carl von Linne, beginnt für den Besucher auf Linnés Spuren der Ausflug an jener Stelle, wo das Studium des Lebens für Linné selbst geendet hat.

CD 2 / 1 Atmo

(In den letzten Satz ziehen, kurz stehen lassen, dann folgenden OT)

CD 1 / 2 0:34 OT Deutsch Olof Jacobson

Also wir sind hier am Grabe Carl Linneus. Wir sind also in der Domkirche von Uppsala. So ein großer Mann wie er war, er ist natürlich hier begraben. Es ist heute das Jubiläumsjahr, wie sie wissen. Das bedeutet, dass man hier es verschönt hat, wir haben eine Umringung von Pflanzen, es ist eine Menge von verschiedenen Pflanzen. Alle von ihnen sind normalerweise von Linneus Namen gegeben. Es ist grün und ganz schön am Grabe.

Mikro Text

Olaf Jacobson betreut dieses Ehrengrab. Er ist der Vorsitzende der schwedischen Linné-Gesellschaft und katalogisiert in Uppsala die Korrespondenz des Naturforschers.

Den größten Teil seines Lebens verbrachte Linné auf den Spuren der Pflanzen hier in dieser Stadt. Er kam 1707 aber in

Småland

zur Welt, einer Provinz in Südschweden, deren Bewohner als besonders energiereich und ausdauernd beschrieben werden. „Setze einen Smålander auf einen Felsen, und er kann sich ausreichend ernähren. Gib ihm eine Ziege, und er wird reich“ – so heißt es in Schweden. Der Name Linnaeus stammt von den Linden, die im Hof der Familie standen. Linnés Vater war Priester, und Carl, der zweite Sohn, sollte ebenfalls Priester werden – was durch einen Mentor an Carls Volksschule erfolgreich verhindert wurde, der beobachtete, mit welcher Freude Carl mit Blumen spielte. Es war Linnés Mutter, die ihm schon früh Kränze voller Blüten um die Wiege wand. Carl, so schreiben die Biographen, war immer freundlich, lustig, glücklich und außerordentlich amüsierend. Rasch eignete er sich das botanische Wissen seiner Zeit an, studierte Medizin und wurde Experte für die Botanik. Nach Lehr- und Wanderjahren in Europa ließ er sich in Uppsala nieder. Mitten in der Stadt entstand sein eigener botanischer Garten, in dem er Vorlesungen hielt: Der Linné-Garten, der auch heute das Linné-Museum von Uppsala beherbergt.

CD 2 / 2 Atmo

(Kurz stehen lassen)

CD 1 / 3 0:46 OT Deutsch Erik Århammer

An der gegenüberliegenden Seite vom neuen provisorischen Kiosk bewegen wir uns auf ein altes Haus zu, was jetzt das Linne-Museum beherbergt, und was früher von der Familie Linne bewohnt wurde und wo er auch die Studenten unterrichtet hat, Forschung betrieben hat. Und dann hat er vom Fenster des Arbeitszimmers im 1. Stock über den Garten hinausschauen können und auch zusehen können, dass die Gärtner alles genau so in die Wege geleitet haben und gepflanzt haben, wie er das geheißen hat. Klingeln wir, und sehen, ob jemand zuhause ist.

Mikro Text

Erik Århammer ist Gärtner, ein Nachfolger Linnés, denn er betreut im Botanischen Garten der Universität das Linneanum - die Orangerie. Er führt durch das Linné-Museum und zeigt Linnés Arbeitszimmer im ursprünglichen Zustand: mit Kästen voller Bögen mit gezeichneten und gepressten Pflanzen, Büchern, botanischem Handwerkszeug, selbst die Tapeten der Räume bestehen aus Drucken von Buch-Bögen, die Linné von seinen Verlegern zum Korrigieren erhalten hat.

CD 1 / 4 0:42 OT Deutsch Erik Århammer

Jetzt stehen wir von einem lebensgroßen Bildnis, das einen sehr jungen Carl von Linne zeigt, in der Lappentracht. Er hat ja eine Reise nach Lappland unternommen, eine sehr strapaziöse solche, wo er eine Pioniertat vollbracht hat, dass er da lebend wieder herausgekommen ist, ist schon allerhand. Und da hat er auch eine Lappentracht von da mitgeführt, und da sieht man alle Utensilien. Sehr interessant ist die so genannte Zaubertrommel oder Neuttrümma, wie es auf schwedisch heißt, wo man gute Geister beschwört hat und auch böse Geister hat versucht fernzuhalten. Die hat also magische Eigenschaften.

Mikro Text

Es war seine erste große Forschungsreise, die Linné als 23-jähriger Student in den Norden Schwedens, nach Lappland unternahm. Er katalogisierte alles, was er erlebte, alles was er sah. Er beschrieb Blumen, Sträucher, Steine, aber auch Sitten und Gebräuche. Besonders die Eigenheiten der heutigen Samen interessierten ihn - für ihn sonderbare Menschen in seinem eigenen Land. Derartige Lebensbeschreibungen waren neu für die damalige Zeit, und sie lesen sich auch heute noch spannend, unterhaltsam und oft amüsant. Zum Beispiel das, was er über das Werbeverhalten junger Männer schreibt: Eine bestimmte Art von Pilz hilft ihnen, Frauen zu begeistern.

Digas Zitat Carl von Linné

Wenn ein Jugendlicher in Lappland so einen Pilz findet, bewahrt er ihn vorsichtig in einer Tasche auf, die er an seiner Hüfte anbringt, sodass der leichte Duft des Pilzes ihn für die Mädchen attraktiver macht, um das er sich bewirbt. Oh, seltsame Venus! In anderen Gegenden der Welt musst du mit Schokolade oder Kaffe gelockt werden, mit Eingemachtem und Süßen, mit Wein und Leckerbissen, Juwelen und Perlen, Gold und Silber, Seide und Kosmetik, Kugeln und Schmuck, Konzerten und Spielen; hier gibst du dich zufrieden mit einem kleinen welken Pilz!

Mikro Text

Die Stadt war anstrengend, damals wie heute. So kaufte Linné für sich und seine Familie ein Sommerhaus, 10 Kilometer außerhalb von Uppsala: In Hammarby. Garbiele Bodegård trifft dort als Waldökologin immer wieder auf Linnés Arbeitsweise, auf Linnés Spuren.

CD 1 / 5 1:45 OT Deutsch Gabriele Bodegård

Es knuspert, wenn man läuft. Es ist schon lange her, dass es geregnet hat das letzte mal. Ja, jetzt sind wir in Linnes Hammarby. Schauen wir, ob wir hier reinkommen (Atmo) So. Das ist Linnes Museum, was er selbst gebaut hat, 1766. Da hat es gebrannt in Uppsala, er hat Angst gehabt, seine ganzen Pflanzensammlungen, dass sie auch verbrennen, deswegen hat er das Häuschen hier gebaut aus Stein, kein Ofen hier drinnen. Da hat er seine ganzen Pflanzensammlungen hineingelegt, ein paar Tiere. Man kann durchs Fenster kucken. Da steht wie ein Holzpferd aus, was da drin steht, da kann man drauf sitzen, mit einer Schreibunterlage. Das hat Linne gebaut. Auf schwedisch Plughest, pluga studieren, lernen, hier sagt man auch heutzutage Streber sagt man Plughest, viel zuhause sitzt und studiert.

Mikro Text

Man kann sich glücklich schätzen mit einer Wanderführerin wie Garbiele Bodegård. Sie zeigt winzige Nagelköpfchen-Flechten, die man alleine nicht einmal von Nahem selbst erkennen würde, sie bückt sich dort, wo jeder andere vorbeigehen würde. Als Linné-Pädagogik wird diese Art des teilnehmenden Wanderns in der Natur in Schweden bezeichnet.

CD 2 / 3 3:25 OT Deutsch Gabriele Bodegård

Wenn man da eine Gruppe hat, einer von der Gruppe soll ein Buch dabei haben, kriegt ein Buch, ein Pflanzenbuch, einer einen Kescher um Tiere zu fangen, einer kriegt ein Gewehr aus Holz. Denn früher hat es keine Ferngläser gegeben, da haben sie die Vögel vom Himmerl geschossen, um zu bestimmen, was sie waren. Wieder ein anderer hat Disziplinstrafen ausgeteilt, einer hat Protokoll geführt. Alle waren irgendwie aktiv. Das ist Linne Pädagogik, wenn alle aktiv sind, dann sind dann auch alle konzentriert. - Jetzt gehen wir aus dem kleinen Park auf Linnes Wanderpfad, den er immer zur Kirche eingeschlagen hat. -

Ah kuck mal, das sieht eigentlich aus wie Elch. Ich glaube dass wir hier Elch-Fell, Haare gefunden haben. Und die Haare sind hohl. Und man kann sie brechen, das hört man vielleicht auch. (Atmo) Und wenn ich mit Kindern hier wäre oder mit Gruppe, und würde über den Elch erzählen, dass sich seit sich die schwedische Forstwirtschaft so geändert hat, seit den 50er 60er 70er Jahre, Kahlschlag macht, dann pflanzt man Fichten oder Tannen, dann haben sich die Elche wahnsinnig vermehrt. Das ist wie eine Futterkrippe. Die gehen herum fressen Knospen ab, die Forstwirte verzweifeln, und den Elchen geht’s gut, und die Jäger freuen sich auch. - Wir haben die mehr offene Landschaft verlassen und sind durch den Fichtenwald gelaufen. Und hier haben wir die Raststätte von Linne, seinen Lieblingsplatz, auf diesen abgeschliffenen Steinen hat er immer gerastet, wenn er zur Kirche gegangen ist. Man sagt, das ist Linnes Sofa. Der Stein ist abgebrochen, als der Gletscher rübergerutscht ist über die Kuppe, das sieht ziemlich bequem aus. Wenn man hier sitzt und der Wald ein bisschen lichter wäre, könnte man weit sehen. Es ist ein windgeschützter Platz, auch wenn es stürmt, hört man nur den Wind rauschen in den Wipfeln. Man kann hier sitzen und sich vorstellen, wie Linne über die Natur nachgedacht hat.

-------- SCHNEIDEN MÖGLICH: BEGINN ---------

CD 1 / 6 0:10 OT Englisch / Weiblich Lena Hansson

Möchten Sie die Linnea Borealis sehen?

(ATMO)

Mikro Text

Wieder zurück im Linné-Garten in Uppsala zeigt Lena Hansen, die Chefgärtnerin, eine Pflanze, die zu Ehren Linnés benannt wurde: die

Linnea Borealis

, ein kleines unscheinbares Gewächs, mit ebenso unscheinbaren aber hübschen blassblauen Blüten. Im diesem botanischen Garten sind alle Pflanzen einfach zu finden, sie wurden geordnet, nach Linnés Vorstellungen.

CD 2 / 4 1:40 OT Englisch / Weiblich Lena Hansson

Wir haben hier eine symmetrisch angelegte Gartenanlage. Auf einer Seite befinden sich die mehrjährigen Pflanzen, auf der andern die einjährigen, und dann das Frühlings- und Herbst-Quartier bei der Orangerie dort. In Linnés Zeit war das hier ein wissenschaftlicher Ort, er war ausgelegt nach dem Sexualsystem, das Linné entwickelt hat. - Sie beginnen mit dem Pferdeschwanz hier, in der ersten Klasse. Sie müssen im Uhrzeigersinn gehen, dann können Sie dem System gut folgen. Dann können Sie vergleichen, wenn Sie ein Vergrößerungsglas bei sich haben, und schauen, ob er richtig gezählt hat. - Das System, das ganze Sexualsystem, ist aufgebaut von der Anordnung der Staubblättern und den Griffeln innerhalb der Blüte. Es gibt 24 Klassen, ein wirklich einfaches System, künstlich, aber einfach. So einfach, dass jeder der die verschiedenen Anordnungen sehen kann, auch dem System folgen kann.

Mikro Text

Carl von Linné taxonomierte Zeit seines Lebens. Ganz ohne Lehrer sollten alle Menschen die Pflanzen bestimmen und einordnen können. Lena Hansson kennt nicht nur die

Pflanzen

in ihrem Linné-Garten genau, sie kann auch die

Besucher

einteilen, je nachdem,

wie

sie durch den Garten gehen.

CD 1 / 7 0:32 OT Englisch / Weiblich Lena Hansson

Wenn sie wirklich Pflanzen lieben, greifen sie oft das Material an, schauen sich die Schilder an, gehen sehr langsam durch den Garten. Aber wenn sie nur hier sind mit einer Gruppe von Besuchern, dann schlendern sie herum, schauen sich einfach um schöne Pflanzen um. Diese Menschen genießen die Sicht des Gartens eher als einer ganz bestimmten Pflanze.

-------- SCHNEIDEN ENDE ---------

CD 2 / 5 0:17 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Also in Schweden liebt man die Natur. Weil wir haben ja so lange schwere Winter. Und wenn die Sonne kommt, dann fühlt man so glücklich. - Also wir lieben die Blumen, wir lieben die Natur, und wir lieben Linne.

Mikro Text

Wer hier für ihr Schweden spricht ist Mariette Manktelow-Steiner. Sie ist Botanikerin in Uppsala und hat in Wien studiert. Sie organisiert im Linné-Geburtstagsjahr heuer die Feierlichkeiten in Uppsala: Tänze, Spiele, Ausstellungen, Exkursionen im Stile von Linné. Ja sogar ein Liebesfestival gibt es, passend für Linnés System, die Pflanzen zu sortieren. Und wirklich: alle freuen sich: die Wanderer, die Forscher, die Kinder und die großen Leute.

CD 1 / 8 0:18 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Ja, es ist eine Hysterie, aber nicht wie man denkt, also es ist so nett, und die Leute sind so engagiert und alle Leute in Uppsala werden wirklich und möchten wirklich Linné feiern. Also von kleine Kinder bis alte Leute. Alle sind da und möchten ein großes Fest machen zusammen.

Mikro Text

Eine unglaublich lebendige Welt tut sich auf, wenn man den Botanikern auf Linnés Spuren in Uppsala zusieht, wie sie mit einer einfachen Art die Natur zu erleben - dem genauen Hinsehen, dem Beschreiben, dem Ordnen, dem Überlegen, wie die Naturgeschichte geschrieben wurde, arbeiten und forschen.

Für die

gewöhnlichen

Menschen werden Anleitungen gestaltet, die im Jubiläumsjahr in Uppsala überall zu finden sind. Wo der Ausflug auf Linnés Spuren in Uppsalaheuer endet, kann er in Zukunft immer wieder von neuem beginnen.

CD 2 / 6 0:16 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Das ist wahr, also wir machen das hier für die Zukunft. Viel Geld ist benützt um Linnes Hammarby, die Plätze, die Linne-Garten, die Pfade zu restaurieren. So kommt man zu Uppsala nächstes Jahr, dann ist es viel mehr Spaß als voriges Jahr.
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ID 70
Katalog des Lebens: Carl von Linné
ORF > Österreich 1 > Dimensionen|Radioproduktion > Premium | 13.05.2007
Katalog des Lebens: Carl von Linné
Zum 300. Geburtstag von Carl von Linné: Der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné war leitender Gärtner des Botanischen Gartens von Uppsala. 1745 legte er eine Blumenuhr an, die mit dem zeitlich unterschiedlichen Aufblühen von Blumen im Laufe des Tages die Uhrzeit anzeigte. Wirklich bekannt und berühmt wurde Carl von Linné jedoch durch sein Bemühen, die Arten der Natur zu sortieren und zu katalogisieren. Er entwickelte eine Taxonomie von Tieren und Pflanzen, die mit ihren lateinischen …
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Österreich 1 · 13.05.2007 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Zum 300. Geburtstag von Carl von Linné: Der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné war leitender Gärtner des Botanischen Gartens von Uppsala. 1745 legte er eine Blumenuhr an, die mit dem zeitlich unterschiedlichen Aufblühen von Blumen im Laufe des Tages die Uhrzeit anzeigte. Wirklich bekannt und berühmt wurde Carl von Linné jedoch durch sein Bemühen, die Arten der Natur zu sortieren und zu katalogisieren. Er entwickelte eine Taxonomie von Tieren und Pflanzen, die mit ihren lateinischen Doppelnamen auch heute noch als „Katalog des Lebens“ von all jenen verwendet wird, die sich praxisbezogen mit Lebewesen beschäftigen. Wissenschaftlich entwickeln sich vor dem Hintergrund genetischer Untersuchungsmethoden die Konzepte der Unterscheidung von Arten nun in eine völlig andere Richtung. Künftige Taxonomien aufgrund von DNA-Basensequenzen scheinen jedoch den praxisbezogenen Zweck des Umgangs mit Arten und Artkonzepten nicht zu erfüllen. Die Sendung beantwortet die Frage, wie Carl von Linné die Taxonomie der Natur entwickelt hat, und in welcher Weise sie heute noch notwendig und zeitgemäß ist.

CARL VON LINNÉ – 300. GEBURTSTAG

MANUSKRIPT DIMENSIONEN

LOTHAR BODINGBAUER

23. Mai 2007

DIGAS Zitat Carl von Linné

Worte können die Freude nicht beschreiben, die nach dem Winter durch die Sonne allem Leben gebracht wird. Der Birkhahn und der Auerhahn beginnen ausgelassen zu sein, der Fisch sich immer schneller zu bewegen. Jedes Tier fühlt einen sexuellen Drang. - Ja, Liebe kommt sogar zu den Pflanzen. Männliche und weibliche, sogar die Hermaphroditen halten ihre Hochzeit – das ist das Thema, das ich hier diskutieren werde – sie alle zeigen ihre sexuellen Organe.

Wenn das Blüten-Bett gemacht ist, dann ist es Zeit für den Bräutigam, seine geliebte Braut zu umarmen und sich ihrer hinzugeben.

DIGAS Sprecher

Der Katalog des Lebens

CD 1/1 0:15 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Im 19. Jahrhundert er war wie ein Heiliger. Er machte keine Fehler, er war phantastisch. Er war unser König, unser schwedischer Blumenkönig. Er war sehr freundlich zu den Leuten. Aber er hatte auch seine schwarzen Stunden...

DIGAS Sprecher

Zum 300. Geburtstag des schwedischen Naturforschers Carl von Linné

CD 1/2 0:21 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Wir systematisieren unsere Häuser, und was wir haben. Es ist eine Arbeit, das ist natürlich. Denn das menschliche Gehirn muss mit Systematik arbeiten. Und dann hat man einige Leute, die sind supergut auf systematisieren, und sie können große Systematik machen, und Linné war einer von diesen Menschen.

DIGAS Sprecher

Eine Sendung von Lothar Bodingbauer.

CD 1/3 0:24 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Also Linné war ja ein sehr großer Wissenschaftler. Linné hatte eine große Bedeutung für Sprechen von der Natur. Er konnte die Natur beschreiben in solcher Sprache, dass Leute heute das lesen können, und spüren, dass er fühlte, wie wir fühlen von der Natur.

Mikro Text

Mariette Manktelow-Steiner ist eine der direkten Nachfolger von Carl von Linné. Sie hat in Wien Botanik studiert, und arbeitet heute an der Universität Uppsala, dem Cambridge des Nordens, ein wissenschaftliches Zentrum für Medizin und die angrenzenden Naturwissenschaften. Linné verbrachte dort die größte Zeit seines Lebens. 10 km außerhalb der Kleinstadt erwarb er ein Sommerhaus, um den schädlichen Einflüssen des Stadtlebens zu entgehen – und Botanik zu betreiben, in seinen Rabatten – den Beeten, die er anlegte und deren Inhalte er sorgsam beschriftete.

Heute befinden sich in jedem Botanischen Garten der Welt unzählige Pflanzen, die im Namensschild ein „L“ führen. Dieses „L“ steht für Linné. Man kann daran erkennen, dass Carl von Linné diese Pflanze als erster wissenschaftlich beschrieben hat.

Geboren wurde Carl von Linné vor genau 300 Jahren in Südschweden, am 23. Mai 1707, gerade als Isaac Newton in England starb und Exkursionen von Forschern rund um die Welt im vollen Gang sind. Die Fundstücke der belebten Natur werden zurück an die Universitäten und Akademien gebracht, in Kisten und Säcken, in Skizzen und Reistagebüchern. Diese Funde brauchen einen Namen. Sie müssen geordnet werden. Linné sortierte die heimische Natur und die fremde. - Von der Hausmaus bis zur Kiefer. Fast die gesamte europäische Flora und große Teile der Fauna wurde von ihm beschrieben.

Linné beendete das damalige Namenschaos, in dem er 18.000 europäische Pflanzennamen auf nur etwa 3.000 reduzierte und ein System für die Vergabe entwickelte. Die zwanzig oder mehr verschiedene Bezeichnungen für den Feldhasen ersetzte er durch: Lepus europaeus - der europäische Hase; und - revolutionär für diese Zeit: Linné ordnete den wissenden Mensch, den Homo Sapiens, in das Reich der Tiere ein, und nicht als Bindeglied der irdischen Schöpfung zu den Engeln. Alles, sagte er dennoch, alles sei Teil eines göttlichen Plans, jedes Stück der Natur ist Teil einer Ordnung, die es zu finden gilt.

CD 1/4 0:36 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Er war nicht ein Prozessmensch, er war nicht ein Prozessforscher. Er war ein Systematiker und damit möchte er alles sortieren und das ist typisch für einen Musterforscher, wenn man so sagen kann. Also Systematiker in dieser Welt sie machen eine große Arbeit, um alle Dinge zu sortieren. Und das ist ja sehr notwendig für all die anderen Forscher, die mit den Prozessen, zum Beispiel evolutionäre Prozesse arbeiten möchten. Das muss man auch einen Baum des Lebens haben.

Mikro Text

Mariette Manktelow-Steiner organisiert im Linné-Jubiläumsjahr 2007 die wissenschaftlichen Anteile der Feierlichkeiten in Uppsala. Mit Linné teilt sie den Beginn des Wegs der Interessen.

CD 1/5 0:48 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Als ich 14 Jahre alt war, es war so gut, Pflanzen zu sammeln und pressen und so. Mein Vater schaute mich in der Flora, da war ein Schlüssel. Man konnte die Arten finden durch diesen Schlüssel. Das war vollkommen faszinierend für mich. Ich konnte das nicht ändern ich muss immer diesen Schüssel verwenden ich wollte immer alle Arten lernen, und darum bekam ich ein Botaniker und ich glaube ich bin ein Systematiker, ein Systematiker vom Anfang. Also ich habe ein Systematikergehirn und jetzt systematisiere ich nicht Pflanzen, sondern diese Projekt von Linné Jubiläum das ist dieselbe Arbeit aber mit anderen Dinge zu sortieren.

Mikro Text

Ein Systematiker versucht, unterschiedliche Dinge oder auch Vorstellungen, abstrakt oder konkret, in eine Ordnung zu bringen. Er gruppiert sie nach Eigenschaften, die er selbst festlegt oder für wichtig hält, oder nach Regeln, die von der Wissenschaftsgemeinde entwickelt und für wichtig gehalten werden.

Linné schuf 24 Klassen von Pflanzen, in die er jede einzelne einordnete. Das Kriterium dafür ist bestechend einfach und für jedermann zugänglich: die Anzahl und Anordnung der Staubfäden und Stempeln in den Blüten, die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane. Karin Martinsson ist ebenfalls Botanikerin an der Universität Uppsala.

CD 1/6 1:6 OT Englisch / Weiblich Karin Martinsson

Das wurde vor ihm nicht gemacht, und es gab nun eine neue, praktische Methode. Es ist sehr einfach, die Staubblätter und die Stempel zu zählen, und dann die Art in eine der 24 Klassen des Sexualsystems zuzuordnen.

Wir haben hier eine Fuchsia. Und wenn wir da die Staubblätter zählen, da haben wir... – [warten bis engl. „8“ genannt wird“] 8 Staubblätter. Die Fuchsia gehört also in die Klasse Octandria - mit 8 Staubblättern und einem Stempel.

Linneus selbst erkannte, dass das kein natürliches System ist. Diese Klassen reflektieren nicht, wie die Arten verwandt sind. Aber es ist ein sehr praktisches System, und es machte möglich, all die neuen Arten zu klassifizieren, die aus der ganzen Welt nach Europa gekommen sind, als Ergebnisse der wissenschaftlichen Exkursionen.

Mikro Text

In der Folge entstand die Wissenschaft der klassischen Taxonomie, die sich bis heute erhalten hat. Die Lebewesen - nicht nur die Pflanzen - werden in Gruppen sortiert, die einem hierarchisch geordneten Kategoriensystem zugeordnet werden. Je weiter oben in der Hierarchie, desto abstrakter. Die unterste Stufe bildet die konkrete Art. Zum Beispiel: das Buschwindröschen. Darüber: Die Gattung - Windröschen, aus der Familie der Hahnenfußgewächse, die zur Abteilung der Bedecktsamer gehört, aus der Überabteilung Samenpflanzen, dem Unterreich der Gefäßpflanzen und - ganz oben in der Hierarchie - dem Reich der Pflanzen.

((Nächster Cut starten, beginnt mit Atmo))

Lenna Hansen ist leitende Gärtnerin in Linnés früherem eigenen kleinen botanischen Garten, mitten in Uppsala.

CD 1/7 1:26 OT Englisch / Weiblich Lena Hansson

Das ist ein kleiner Unterstand, wo wir die Schilder während dem Winter aufbewahren. Diese Schilder sind aus Schiefer, und wir haben eine kleine Malerei auf der Vorderseite, und dann die Linné’schen Namen. Einen neuen Namen, wenn es ihn gibt, stellen wir danach in Klammer. Dann das Gebiet, wo die Pflanze vorkommt, dann eine lateinische und eine arabische Zahl, das ist die Klasse und Ordnung im Sexualsystem. So weiß man gleich, in welchem Gebiet man hier im Garten nach der Pflanze suchen soll. Und dann kommt noch der schwedischen Namen - wenn es einen gibt. Alle kennen wir gar nicht mehr, die es damals gab, denn sie haben sich in ganz Schweden sehr unterschieden.

Mikro Text

Linnés Hauptwerk, die „Systaema Naturae“, veröffentlichte er 1735 in der holländischen Universitätsstadt Harderwijk, wo er mit seinen aus Schweden mitgebrachten Arbeiten das Doktordiplom der Medizin erwarb. Er hatte kein Geld mehr, doch ein Gönner, der Botaniker Jan Frederik Gronovius finanzierte das Werk, das in seiner ersten Auflage nur 10 Folioseiten enthielt, während die 13. Auflage, 35 Jahre später, schon aus mehr als 3.000 Seiten bestand.

Der eigentliche Beginn des linnéschen Namenssystem ist 1753 mit seinem Buch: „Species planetarum“ anzusetzen, in dem er alle bekannten Arten des Pflanzenreiches publizierte, und drei Jahre später, in der zehnten Auflage der „Systema Naturae“ veröffentlichte er auch die Namen aller ihm bekannten Tiere.

Vor dieser Zeit wurden die Arten durch eine Aufzählung ihrer Eigenschaften benannt. Zum Beispiel hieß das Buschwindröschen: „Anemone seminibus acutis foliolis incisis caule unifloro“, und das bedeutet: Anemone mit spitz zulaufenden Samen, eingeschnittenen Blättern und einblütigem Stiel.

Der neue Name hebt die Unterschiede hervor: Anemone nemorosa, die Anemone des Waldes, im Gegensatz etwa zur Anemone Alpina. Die - ja, und jetzt sind wir bei einem Problem, die Alpen-Kuhschelle. Die „Anemone alpina“ wird nämlich heute nicht mehr den Anemonen, sondern der Gattung der Kuhschellen zugeordnet: Pusaltilla alpina heißt sie heute. Der alte Name: Anemone alpina ist als Synonym geblieben.

Das System, so schrieb Linné, sollte so einfach sein, dass eine Art ohne die Hilfe eines Lehrers identifiziert werden kann. Und gerade deshalb wird es heute weltweit verwendet, von allen, die praktisch mit Tieren und Pflanzen arbeiten, handeln und forschen. Zum Beispiel auch Matz Hjertson, Evolutionsbiologe in Uppsala.

CD 1/8 0:25 OT Englisch / Männlich Matz Hjertson

Das ist einer der Räume in unserem neuen Gebäude, mit extra Security und Klimakontrolle. Dieses Material wurde von Linneus hier in Uppsala verwendet. – Ich ziehe jetzt meine Handschuhe an, um Ihnen etwas zu zeigen. – Das ist das Stück Pflanze, das ist die Grundlage für den Namen.

Mikro Text

Welche Überraschung. In diesem Hochsicherheitsraum in Uppsala befindet sich unter vielen anderen gepressten Pflanzen auch DAS Buschwindröschen aus unserem vorigen Beispiel, die Naemone Nemorosa. Ähnlich dem Pariser Urmeter für die Physik - ist dieses eine Exemplar die Referenzpflanze für die Beschreibung und den Namen der Art.

Linné war sich der Bedeutung dieser Typus-Expemplare für die Forschung noch nicht bewusst. Wenn er ein besseres Exemplar bekam, tauschte er es einfach aus. Das konnte in der Folge zu Problemen führen: zur Vermischung von Arten, besonders von „schwierigen“ Arten.

CD 1/9 0:40 OT Englisch / Männlich Matz Hjertson

Bei vielen Pflanzen, die heute von Forschern untersucht werden, müssen sie zunächst einmal wissen, womit sie es grundsätzlich zu tun haben. Sie beginnen mit einer Art, die sie aufgrund ihres Aussehens festlegen, genau so wie Linné es getan hat. Aber manchmal stellt sich heraus, dass diese Art, auf diese Weise morphologisch beschrieben, „nicht hält“. Es gibt sehr ähnlich aussehende Arten, die jedoch eine unterschiedliche genetische Basis haben.

Jeder hier in Europa kennt zum Beispiel einen Apfel. Es gibt aber verschiedene Kulturarten. Und wenn man auf die genetische Kodierung schaut, kann man auf hunderte, wenn nicht auf 1000e Varietäten stoßen.

Mikro Text

Die heutige Taxonomie hat die Linnésche Taxonomie weiterentwickelt und verfeinert, sie versucht die Arten nach inneren Kriterien zu verbinden, nicht nach der bloßen äußeren Erscheinungsform. Sie arbeitet mit DNA-Analyse, Computermethoden, Matrizen und Wahrscheinlichkeiten.

Eine völlig neue Taxonomie - der so genannte Phylocode, ein Strichcode des Lebens auf DNA-Basis, kommt derzeit über seine Kinderschuhe nicht hinaus. Nicht zuletzt durch seinen Ansatz, für alle Arten völlig neue Namen zu vergeben. Und die klassische Taxonomie nach Linné hat einen Vorteil: sie gilt als äußerst stabil, denn wissenschaftliche Ansichten über Verwandtschaftsverhältnisse können sich weitaus schneller wandeln, als die äußere Erscheinungsformen,die Kriterien nach denen die Arten ursprünglich geordnet wurden.

Allen Methoden gemein ist, dass sie DEN Baum des Lebens zeichnen wollen. Ist er denn wirklich ein Baum?

CD 1/10 0:36 OT Englisch / Männlich Matz Hjertson

Das ist wahrscheinlich nicht der Fall. Wenn man bei den Mikroben schaut, bei Bakterien und ähnlichen Lebewesen, dann gibt es einen kontinuierlichen Gen-Transfer zwischen verschiedenen Arten, wir haben Virusse, die Gen-Sequenzen übertragen, gleichsam über den ganzen Platz. Es sieht auch danach aus, dass horizontaler Gen-Transfer zwischen Pflanzenarten öfter vorkommt, als bisher gedacht.

Statt einem verzweigenden Baum des Lebens müssen wir heute mehr immer von einem Netz sprechen, zumindest in bestimmten Gebieten.

CD 1/11 0:23 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Die Klassifizierung der Organismen wird verändert jede Minute, jede Stunde, während wir hier sitzen und reden, so forscht jemand in der Welt ein Forscher, ein Forscher korrigiert, ein kleinen Zweig auf dem Baum des Lebens. Jede Stunde verändert sich diese Klassifikation.

Mikro Text

Was wäre ein Botaniker ohne botanischen Garten, klagte Linné dem schwedischen König, und erhielt daraufhin und aufgrund seiner bisher gebrachten wissenschaftlichen Leistungen unterhalb des Schlosses von Uppsala ein Gelände, das noch der heutigen Universität als botanischer Garten dient. Eric Århammer betreut als leitender Gärtner das Linneanum, die Orangerie.

CD 1/13 0:45 OT Deutsch Erik Århammer

Wir gehen jetzt hinaus in die Orangerie, wo hier die Mittelmeergewächse stehen, zu den vier Lorbeerbäumen von Carl von Linné, die er als Stecklinge bekommen hat. Das sind große alte knorrige Bäume, hier sind wir beim ersten schon angelangt. Vom Alter geprägt, rissige knorrige Rinde, 6m hohe Lorbeerbäume, 270 Jahre alt ungefähr, 4 Stück. Hier steht dann Laurus Nobilis, das ist der lateinische Gattungs- und Artname, dahinter solle dann ein L stehen, weil Carl von Linné hat diesen Baum wissenschaftlich beschrieben.

Mikro Text

Wie die meisten Botaniker war Linné ein guter Beobachter und Beschreiber der Verhältnisse. Er schrieb wertfrei, präzise, auf Schwedisch und damit für alle verständlich. Legendär sind seine Berichte über eine ausgedehnte Lapplandexkursion, die er schon als 25-jähriger unter großen Strapazen unternahm.

CD 1/14 0:29 OT Deutsch Erik Århammer

Da hat er alles aufgeschrieben, was ihn an Neuigkeiten zukommen konnte, wie auch die Sitten und Gebräuche der Ortsbevölkerung und das Wetter und die Landschaft und die verschiedenen Gebrauchsgegenstände. Er hat alles beschrieben. Das ist unglaublich informativ gewesen und ist es heute noch, das ist sehr interessant zu lesen.

DIGAS Zitat Carl von Linné

Sogar die lahmste Kuh, die unter normalen Umständen kaum in der Lage wäre, zu gehen, rennt wie ein Rentier durch die Felder. Ihre Schwänze auf und ab, sie laufen und springen, bis sie schließlich zu einer Wasserstelle kommen, wo sie halten, wie eine Rast auf der Flucht vor einem Feind. Ich haste herbei, um zu sehen, was sie da mit einer Kraft größer als die einer Peitsche oder der Tod selbst gejagt hat, und finde etwas, dem ich selbst schon begegnet bin: Oesturs Bovi. Diese Bremsen attackieren nicht den Körper, sondern die Füße, zwischen den größeren und den kleineren Hufen der Tiere. Das Insekt fliegt keine zwei oder drei Spannen über den Boden, meistens nur auf halber Höhe. Das Vieh rennt, bis es Wasser findet, worin es stehen kann, bis die Bremsen sie nicht mehr belagern.

Mikro Text

Linneus wissenschaftlichen Exkursionen innerhalb Schwedens waren von seinen Auftraggebern - der Universität oder der Krone - auch dazu gedacht, neue Möglichkeiten für Anpflanzungen zu finden, für Arten, die bisher teuer importiert werden mussten.

Er forderte, nachhaltig mit den Wäldern umzugehen, und immer mehr wandelte er sich von der Beschreibung des Zustands zur Vorstellung des Faktors „Zeit“. Erst spät entwickelte er eine Vorstellung von „Evolution“. Olof Jacobson, Leiter der schwedischen Linné-Gesellschaft:

CD 1/15 1:39 OT Englisch / Männlich Olof Jacobson

Als er begann, dachte er, dass alles bereits erschaffen war, und alle Arten bereits fertig. Aber bevor er starb, war er überzeugt, dass eine Art von Evolution vor sich geht. Er konnte es nicht benennen, wie. Aber er war überzeugt, dass „etwas“ von sich geht. Was das Alter des Planeten betrifft, war er überzeugt, dass er viel älter ist, als was man bisher gedacht hat, wenn man das Alter nur von der Bibel übersetzt. -- Er bestieg einmal den Berg Chinekola (sprich: „chine-kolä“) , einen Berg mit vielen Schichten, und er war wie immer sehr sorgfältig, die verschiedenen Schichten zu beschreiben. Als er das getan hat, sagte er, es wäre dumm zu denken, dass die Steine über den anderen Schichten zur selben Zeit erschaffen worden sind, als die anderen. Wir sehen eine immense Anzahl von Jahren vorbei streichen. Wir hatten ein Meer hier einmal, es waren Tiere darin, die haben wir heute nicht mehr, sie sind aber in dieser Schicht. Darüber sieht man viel Sand, da war ein Fluss mit Sandschichten. Darüber gibt es wieder andere Schichten, wo es viele Pflanzen gibt. Und was man über all diese Schichten herausfinden kann, ist, dass die Kreation der Erde ein Produkt der Zeit ist.

DIGAS Zitat Carl von Linné

Mir wird schwindlig, wenn ich auf diesen Höhen stehe und hinunterschaue durch die Zeitalter und sehe, wie Klangwellen gleich, die fast verloschenen Spuren einer früheren Zeit, die heute nur noch flüstern kann, und alles andere von damals ist bereits still.

Mikro Text

Neben seinen naturgeschichtlichen Lehrbüchern verfasste Linné unzählige Manuskripte und Briefe, die derzeit von der Schwedischen Linnégesellschaft klassifiziert, systematisiert und als Faximile mit englischer Zusammenfassung im Internet veröffentlicht werden.

CD 1/16 0:29 OT Englisch / Männlich Olof Jacobson

Er hatte ein großes Korrespondentennetz. Linné hatte mehr als 400 Korrespondenten außerhalb von Schweden. Das ist wirklich ein Netzwerk. Wenige Wissenschaftler heute haben ein lebendes Netzwerk einer derartigen Größe, und er benützte es, um an Informationen heranzukommen, und um Informationen herzugeben, über die Naturwissenschaften.

Mikro Text

Schon als Medizinstudent im 2. Jahr hielt Carl von Linné Vorlesungen über Botanik. Er präsentierte Naturgeschichte als etwas Neues. Seine Exkursionen, Herbationes genannt, sind heute legendär. Die Studenten erhielten Aufgaben: einige hatten zu schreiben, andere zu zeichnen, einer holte mit einer Flinte die Vögel vom Himmel - Ferngläser gab es noch nicht, um sie genau zu beschreiben. Alle andern botanisierten und scharten sich - manchmal zu hundert bis zweihundert - um ihn. 23 seiner Studenten wurden selbst Professoren.

DIGAS Zitat Carl von Linné

Niemand vor ihm, hat seine Studien mit größer Begeisterung verfolgt und niemand hatte mehr Hörer, niemand vor ihm machte mehr Beobachtungen im Bereich der Naturgeschichte, hatte eine größere Einsicht in die drei Reiche der Natur, niemand vor ihm war ein größerer Botaniker oder Zoologe, und hat die Flora, Fauna und Topographie seines Landes besser beschrieben als er. Niemand schrieb mehr Bücher, schrieb sie richtiger, methodischer, niemand hat die ganze Wissenschaft so sehr verändert und eine neue Zeit eingeleitet. Niemand schickte seine Wissenschaft in so viele Teile der Welt, schrieb seinen Namen auf mehr Pflanzen und Insekten, und tatsächlich – auf die ganze Natur, und niemand listete so viele Lebewesen auf, wurde Mitglied so vieler wissenschaftlicher Gesellschaften, und niemand ...

... wurde berühmter, als er.

Mikro Text

Wer hier über Linné schreibt, ist Linné selbst. Es war Stil seiner Zeit, seine eigene Biographie in der dritten Person zu schreiben, um sie als Lebenslauf für Bewerbungen zu verwenden, oder als Nachruf für sein Begräbnis. Es war aber sein persönlicher Stil, das reichlich selbstbewusst zu tun.

CD 1/17 1:0 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Er war ein Sohn von einem Pfarrer, sein Großvater war ein Bauer. Er selbst bekam ein „von“. Er war adelig. Er machte eine Klassenreise. Wir sagen es auf Schwedisch. Damit folgen immer Komplexe. Man fühlt sich nicht gut genug. Man macht gute Dinge, man wird berühmter aber drinnen ist man immer zweifelnd und man denkt, vielleicht bin ich nicht so gut, wie sie sagen. So wenn man liest Linneus Selbstbeschreibung, dann schreibt er. Ich bin der berühmteste Botaniker der Welt, und alle müssen meinem Sexualsystem folgen aber gleichzeitig konnte er schreiben: Wenn ich sterbe, wäscht mich nicht. Ich bin nicht eine große Person, vergesst mich nur ...

DIGAS Zitat Carl von Linné

Legt mich in einen Sarg, ungewaschen, ungekleidet, eingewickelt in ein Leintuch. Nagelt den Sarg zu, damit niemand meine Erbärmlichkeit sieht, lasst die Glocken der Stadt-Kathedrale läuten, aber keine Glocken am Land; und Männer meiner Heimat sollen mich zu Grabe tragen. Es soll keine Unterhaltung geben, und auch kein Bedauern.

Mikro Text

Charles Darwin wurde für seine Evolutionstheorie gescholten und gebeutelt, seine Ideen wurden von Rassisten missbraucht. Mit Carl von Linné ist das bis heute nicht geschehen. Sein System der Namensvergabe ist, so scheint es, ohne Tadel, jeder kann damit arbeiten und ableiten, was auch immer er kann und will.

Gibt es dennoch Schattenseiten? Im Alter wurde Linné depressiv, er war massiv überarbeitet. In den Sommermonaten arbeitete er von 4 Uhr Morgens bis 10 Uhr Nachts.

Kann Systematik auch zu einer Obsession werden? Marietta Manktelow-Steiner:

CD 1/18 0:53 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Ja natürlich, das ist so, und vielleicht war es auch so für Linné. Ein bisschen, weil er systematisierte auch Moral, er hatte Beobachtungen von Menschen in seinem Leben und am Ende hat er geschrieben ein kleines Buch für seinen Sohn, wie er leben sollte, weil er hatte gesehen in seinem Leben dass macht man etwas schlecht, dann kommt etwas Schlechtes zurück. Dieses Buch ist genannt Nemesis Divina. Göttlich Rache. Ja. Also es ist ein Problem, Systematiker zu sein. Ich kann zum Beispiel nicht eine Tapete sehen, ohne die Muster ausforschen, darum habe ich nur eine Farbe auf meinen Wänden in meinem Haus.

DIGAS Sprecher

Sie hörten: Der Katalog des Lebens - Zum 300. Geburtstag des schwedischen Naturforschers Carl von Linné.

CD 1/19 0:26 OT Deutsch Marietta Manktelow-Steiner

Alle sind Systematiker mehr oder weniger. Kein Mensch kann leben ohne Systematik. Man muss immer die Gläser in einem Platz haben, die Messer an einem anderen Platz, sonst wird man verrückt.

DIGAS Sprecher

Gestalter der Sendung war Lothar Bodingbauer. Gesprochen haben:

Nina Strehlein

(VORNAME FEHLT) Strzowski

und Arthur Treinacher

Morgen in "Dimensionen - Die Welt der Wissenschaft": Kulturgüterschutz, eine Sendung über Naturwissenschaft und Denkmalpflege.
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ID 69
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute|Radioproduktion > Premium | 27.12.2006
Reisender Messerschmied
Auf ausgedehnten Wanderungen jenseits des 69. Breitengrades lernte der junge Oberösterreicher Norbert Leitner die Wildnis Nordeuropas kennen. Zuhause sattelte er vor fünf Jahren um und richtete sich eine Schmiedewerkstatt ein. Seine Messer heißen: 69 Grad Nord. Er arbeitet nun als freischaffender Messerschmied für Abenteurer, die über das Internet den Weg zu ihm ins Innviertler Outback finden.
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Österreich 1 · 27.12.2006 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Auf ausgedehnten Wanderungen jenseits des 69. Breitengrades lernte der junge Oberösterreicher Norbert Leitner die Wildnis Nordeuropas kennen. Zuhause sattelte er vor fünf Jahren um und richtete sich eine Schmiedewerkstatt ein. Seine Messer heißen: 69 Grad Nord. Er arbeitet nun als freischaffender Messerschmied für Abenteurer, die über das Internet den Weg zu ihm ins Innviertler Outback finden.

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ID 68
ORF > Österreich 1 > Dimensionen | 17.07.2006
Prozessphilosophie – eine Universalmethode?
Ein Portrait des Philosophen Alfred North Whitehead: Der Mathematiker, Logiker, Physiker und Philosoph Alfred North Whitehead hat 1929 mit seinem Opus Magnum „Process and Reality“ einen philosophischen Ansatz vorgelegt, der sich durch eine besondere Eignung zur interdisziplinär angelegten Forschung auszeichnet. Kann die Prozessphilosophie Whiteheads die Dynamik derzeit getrennter wissenschaftlicher Felder der Gegenwart vereinen? Eine Sendung anlässlich der 6. Internationale Whitehead-Konferenz ( …
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Österreich 1 · 17.07.2006 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Ein Portrait des Philosophen Alfred North Whitehead: Der Mathematiker, Logiker, Physiker und Philosoph Alfred North Whitehead hat 1929 mit seinem Opus Magnum „Process and Reality“ einen philosophischen Ansatz vorgelegt, der sich durch eine besondere Eignung zur interdisziplinär angelegten Forschung auszeichnet. Kann die Prozessphilosophie Whiteheads die Dynamik derzeit getrennter wissenschaftlicher Felder der Gegenwart vereinen? Eine Sendung anlässlich der 6. Internationale Whitehead-Konferenz (3. – 6. Juli 2006) in Salzburg.

Link zur Sendung in der

Physikalischen Soiree PHS124
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Alfred North Whitehead|Philosophie|Prozessphilosophie|Wissenschaft
ID 67
Physik im Hohen Norden
ORF > Österreich 1 > Dimensionen|Radioproduktion > Premium | 21.05.2006
Physik im Hohen Norden
Foto: Radiarantenne (
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Österreich 1 · 21.05.2006 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Foto: Radiarantenne (

Eiscat radar

) in der Nähe von Sodankylä, Finnland

Nordlicht, Klimawandel und die Physik der Kälte und Finsternis: Der hohe Norden ist für Physiker ein ganz besonders spannendes Gebiet. Den Nordlichtern auf der Spur verfolgen die Wissenschaftler mit Radaranlagen und Messraketen Erscheinungen der hohen Atmosphäre. Sie studieren das Magnetfeld im Norden Finnlands und beschäftigen sich nebenbei noch mit den Auswirkungen extremer Kälte auf den Menschen.

Link zur Physikalischen Soiree 123

|

Manuskript

(PDF) | Filename: radio067_physik_norden Sendung

Filename: radio067_physik_norden

Mauksript

01 Zitat Weyprecht 0:13

Um den Pol herum flimmern und flackern nach allen Seiten die kurzen Strahlen, in der Richtung nach dem Punkte in der Nähe des Zenits, gegen den der Südpol der freien Magnetnadel zeigt. Was wir sehen ist die Nordlichtkorona.

Sprecherin

Physik aus Lappland.

02 OT Samenfrau / Fuchsfeuer 0:18

Nordlicht heißt auf Finnisch Revontulet. Das heißt eigentlich Fuchsfeuer. Und nach Erzählung entstehen Nordlichter dadurch, dass ein Fuchs rennt am Himmel und aus dem Schwanz kommen dann diese Farben und dieses Feuer, und darum heißt es Revontulet.

Sprecherin

Nordlicht, Klimawandel, und die Physik der Kälte und der Finsternis.

03 OT Samenfrau / Winter 0:13

Und das ist auch nicht deprimierend, wie Menschen manchmal behaupten. Weil wir haben ja immer Schnee und Schnee, reflektiert von Mond, Sterne und Polarlichter, und das ist frisch und schön.

Sprecherin

Eine Sendung von Lothar Bodingbauer.

02 ATMO Fußgängerübergang 0:55

Hineinziehen in Sprecherin, kurz stehen lassen, dann Text:

Text Ort

Das sind die akustischen Signale eines Fußgängerübergangs auf einer Straße im Norden Finnlands - in Lappland. Jenseits des Polarkreises. Dieser Übergang auf der Straße nach Sodankylä zum Geophysikalischen Observatorium zeigt schon exemplarisch, wie die Wissenschaftler hier arbeiten: Signale werden gesendet, und das Echo zurück wird erforscht. Diese Signale werden natürlich nicht einfach über die Straße geschickt, sondern nach oben, (ab jetzt ATMO wegziehen) in den Himmel. Es sind elektromagnetische Signale - Radiowellen. Die Wellen werden in der hohen Atmosphäre zum Teil zurückgeworfen. - Dies gibt Aufschlüsse wie die Atmosphäre beschaffen ist. Dort wo das Nordlicht entsteht, wo Ozon die UV Strahlen filtert, wo die Sonnenstürme ankommen, und wo eine Vielzahl chemischer Prozesse das Leben auf der Erde beeinflusst. Die Physik im Hohen Norden Finnlands besteht zu großen Teilen aus dem Studium der Hohen Atmosphäre.

04 OT Esa / Star 0:05

Of course one basic key question is: we are living with a star.

Text Vorstellen

Wer die Erde verstehen will, muss zur Sonne schauen, sagt der Nordlicht-Spezialist Esa Turunen. Er ist einer der Wissenschaftler am geophysikalischen Institut in Sodankylä.

05 OT Esa / Solar 0:26

Übersetzung:

Wir leben mit einem Stern, der Sonne. Die Teilchen von der Sonne, die das Nordlicht bilden, brauchen 2, 3 Tage, um die Erde zu erreichen. Die Sonne ist also sehr nahe! Wir müssen deswegen lernen zu verstehen, was auf der Sonne passiert, und wie sich das auf die Erde auswirkt.

Alles

auf der Erde hängt von der Sonne ab, und wie sie sich benimmt.

Text Nordlicht Schlüsselstelle

Das Nordlicht nimmt eine Schlüsselstelle zwischen Sonne und Erde ein. Es ist tatsächlich eine Spur – nicht von einem Fuchs, wie es die Erzählungen der Samen beschreiben – sondern die Spur des Sonnenwinds. Wer sich also auf die Fährte des

Nordlichts

macht, wird die Sonne finden. Warum aber führt diese Spur in den Hohen Norden? Der allgemeine Ausdruck für das Nordlicht ist Polarlicht. Man könnte das Polarlicht daher auch im Süden finden, weil das Magnetfelder der Erde an beiden Polen auf den Boden trifft und zuvor noch durch die Atmosphäre führt. In den Auralen Zonen, in ringförmigen Gebieten, die sich wie zwei Heiligenscheine um die Pole erstrecken. Dort stößt das Magnetfeld durch die Atmosphäre, dort entsteht das Nordlicht, oder das Polarlicht, und diese Gegenden gilt es zu erforschen.

06 OT Esa / 60 Theorien 0:10

Übersetzung:

Als die ersten Wissenschaftler hierher kamen, hatten sie überhaupt keine Ahnung wie das Nordlicht entsteht. Es gab 60 Theorien, aber keine davon stimmte.

Text Weyprecht

Was Wissenschaftler nicht verstehen, versuchen sie zunächst einmal genau zu beschreiben. Wie Carl Weyprecht, Leiter der österreichisch-ungarischen Expedition zum Franz Joseph Land um 1870:

07 Zitat Weyprecht 0:40

Dort im Süden, tief am Horizonte, steht ein matter Lichtbogen... Langsam nimmt der Bogen an Intensität zu und hebt sich gegen den Zenit; er ist vollkommen regelmäßig. Es sind keine Strahlen darin zu erkennen. Höher und höher steigt der Bogen, in der ganzen Erscheinung liegt eine klassische Ruhe.... Noch steht er entfernt vom Zenit, und schon trennt sich ein zweiter Bogen vom dunklen Segmente im Süden ab, dem nach und nach andere folgen. Alle steigen dem Zenit entgegen... Über das ganze Firmament sind nun Lichtbogen gespannt, Es stehen sieben zur gleichen Zeit am Himmel!

08 OT Esa / Station 0:26

Übersetzung:

Die ersten Wissenschaftler kamen 1882, 1883. Sie errichteten währen des 1. Internationalen Polarjahres eine permanente Forschungsbasis hier in Sodankylä, am Rande der Auralen Zone. So weit im Norden wie möglich, wo die Zivilisation die Station noch versorgen konnte.

Text Nordlicht

Die ersten Wissenschaftler glaubten noch, das Nordlicht befinde sich auf 200, 300 Metern Höhe, und man könne es mit Radiowellen sichtbar machen. Diese Idee unterscheidet sich nur wenig vom Glauben, dass das Nordlicht kommt, wenn

Krieg

droht, oder wenn man bloß pfeift – so wird es den

Kindern

der Gegend erzählt.

Heute ist die Entstehung des Nordlichts in den großen Zügen wissenschaftlich erklärt. Sie ist mit der Aktivität der

Sonne

verbunden.

Nordlichter entstehen, wenn die Sonne impulsartig viele hochenergetische Teilchen zur Erde schleudert. Dieser Vorgang wird Sonnenwind genannt, er entsteht in Sonnenflecken. Schon Galileo Galilei hat diese Flecken mit seinem Fernrohr beobachtet. - Da es nun alle 11 Jahre besonders viele Sonnenflecken gibt, und alle 11 Jahre auf der Erde besonders viele Nordlichter, liegt der Zusammenhang mit dem Sonnenwind sehr nahe.

Schnelle Elektronen und Protonen werden im Sonnenwind mit 500 km pro Sekunde in den Weltraum geschleudert. Diese Teilchen werden vom Magnetfeld der Erde eingefangen, das dabei messbar verzerrt wird. Die Teilchen werden durch die Magnetfeldlinien zu den Polen der Erde transportiert. Bevor jedoch sie dort am Boden angekommen sind, durchstoßen sie die Atmosphäre, auf 100 bis 150 km Höhe. Die Atmosphäre beginnt zu leuchten: Das Nordlicht entsteht, die Aurora Borealis.

09 Zitat Weyprecht 0:25

Und wiederum eine andere Form. Im Süden liegt dicht über dem Horizonte ein schwaches Band, das wir kaum beachten. Auf einmal hebt es sich rasch... Kurze Zeit hält es sich stationär, da kommt plötzlich Leben hinein. Von Ost gegen West jagen lebhaft die Lichtwellen durch... Die Natur führt uns ein Feuerwerk vor, wie es sich die kühnste Fantasie nicht herrlicher zu denken vermag...

Text Farben

Die

Farben

des Nordlichts können unterschiedlich sein. Es kommt darauf an, welche Moleküle und Atome vom Sonnenwind getroffen werden. Meist ist es

Sauerstoff

der leuchtet, sein Licht ist grün oder auch rot. Stickstoff sendet ebenso rotes Licht aus, aber auch blaues Licht und violettes.

Nordlichter sind

häufig

.

In zwei von drei Nächten sind sie in Lappland zu sehen.

10 OT Esa / Prozesse 0:46

Übersetzung:

Heute wissen wir, was das Nordlicht ist. Das Nordlicht, das die Menschen sehen, ist aber nur 5% der Prozesse die wir in den Polarregionen in der oberen Atmosphäre haben. Der Grund, auch heute in diesem Gebiet hier weiter zu forschen ist: wir möchten wissen, was die globale Rolle dieser Prozesse in der Oberen Atmosphäre der Arktis ist. Jene Prozesse, die hier Polarlichter entstehen lassen: Haben sie auch eine globale Bedeutung? Zu welchem Ausmaß haben sie es? Zu welchem Ausmaß wird die gesamte Atmosphäre davon beeinflusst, und damit auf lange Sicht gesehen, auch das Klima auf der Erde?

Text Heute

Sodankylä ist eine kleine Stadt in Lappland mit etwa 10.000 Menschen. 50 fest angestellte Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten dort, Geophysiker und Meteorologen. Sie forschen im

Arktis Research Center

einer Außenstelle der Universität Oulu, der Universität Lapplands. Das Arktik-Institut befindet sich von städtischen Einflüssen ungestört mitten im Wald, bei den Flüssen und den Seen.

Die meisten der anwesenden Menschen und Geräte beobachten die Umwelt: nach oben, nach unten, und nach allen Seiten. Gemessen wird mit vielen verschiedenen Methoden.

02 Atmo Ballonstart 0:27

5 Sekunden stehen lassen, darüber dann folgender Text; Atmo läuft aus

Text Wetterballon

Auf einer Lichtung im Wald werden Wetterballons gestartet, vollautomatisch, alle 4 Stunden, das ganze Jahr über. Sie werden mit Wasserstoff gefüllt, deswegen der Alarm für die Umgebung. Lautlos heben sie sich in die Luft und verschwinden schnell im Himmel. Ihre Messkapseln messen Druck, Temperatur und Wind entlang des Weges und funken die Daten zur Erde.

Die Wetterballons messen bis zu etwa 20 km Höhe. Von dort an übernehmen Satelliten.

11 OT Osmo / Vorstellen 0:07

I am Osmo Aulamo, I am Head of Satellite Operationas in Arctic Research Center here in Sodankylä.

Text Wolken

Wenn Osmo Aulamo zur Arbeit fährt, bewundert er oft die höchsten vorkommenden Wolken, auf 20 km Höhe. Über ihre Bedeutung für das Klima weiß er sehr genau Bescheid. Sie sind faszinierend und bedrohlich zugleich.

12 OT Osmo / Wolken 0:32

Übersetzung:

Das sind wirklich schöne und farbenfrohe Wolken am Himmel. Es sind aber genau jene Regionen der Atmosphäre, wo das Ozon zersetzt werden kann. Notwendig dafür sind kalte Temperaturen und Chlor, vereinfacht gesagt. Wenn Sie Chlor in diese Gegend hineinbekommen, können sie damit Ozon zerstören. Das passiert eben genau in der Stratosphäre, in diesen schönen Wolken.

Text International

Wo die Stratosphären-Wolken gebildet werden, ist es ausgesprochen kalt. Bis -80 Grad Celsius. Die Ozonzersetzung braucht genau diese tiefen Temperaturen. Doch nicht nur die Temperaturen bestimmen die chemischen Prozesse ab dieser Höhe, sondern auch die Einflüsse des Sonnenwinds. Die Messungen am Arctic Research Center in Sodankylä sind von internationalem Interesse.

13 OT Zede /Hassler 1:48

Übers ganze Jahr gerechnet sind natürlich Finnen hier. Aber momentan ist hier eine Kampgange, die hat den schönen Namen Sauna, eine Abkürzung für Total Ozonmessungen in Sodankylä. Da sind wir für 3 Wochen hier kommen Gruppen aus der ganze Welt aus Nordamerika und Europa. Mein Name ist Alexander Zede. Ich arbeite in Washington im Goddard Space Center. Bei der Nasa. Ich bin Atmosphären- wissenschaftler. Unser Interesse an dieser Kampgange ist, wir wollen Satellitendaten mit Bodendaten vergleichen, in hohen Breitengraden. Und bei niedrigen Sonnenständen, deshalb sind wir hier im Frühling. Der Grund dafür, dass wir diesen Ort ausgesucht haben ist, dass die Bodendaten und Satellitendaten stimmen nämlich unter diesen Bedingungen nicht gut überein. Deshalb hat man viele verlässliche Bodengeräte zusammengebracht, und aufgestellt und relativ viele Spezialisten versammelt, die dann sagen, das ist der beste Wert vom Boden, und wenn der Satellit immer noch andere Wert hat, ist es die Schuld vom Satelliten. ---

Birgit Hassler, ich bin vom Deutschen

Wetterdienst, und wir messen hier Gesamtozon. Man spaltet das Licht von der Sonne in verschiedene Wellenlängen, eine in der Ozon stark absorbiert wird, und eine in der Ozon nicht absorbiert wird. Und wenn man vergleicht, kann man sagen, soviel Ozon ist in der Atmosphäre vorhanden.

--- Heuer sind wir über dem Durchschnitt. Die Ozonwerte, die wir gerade messen, sind 10 bis 20% über dem Werten der letzten 15 Jahre. Das ist eine Jahr-zu-Jahr Variation. Das hängt aber mit den Temperaturen zustande.

Text Ozon-Hoch

Das momentan gemessene Ozon-Hoch gibt aber noch keinen Anlass, die globalen Sorgen

aufzugeben

. Die Konzentration der Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe in der Atmosphäre

gesamt

ist zwar schon zurückgegangen, aber seit ihrem Verbot, in Kühlschränken verwendet zu werden, wird es noch

Jahrzehnte

dauern, bis das Ozon-Gleichgewicht der Atmosphäre wieder hergestellt ist.

Osmo Aulamo überwacht als Meteorologe auch die Ozon-

Satelliten

messungen. Gomos heißt das System:

14 OT Osmo / Satellitenmessung 0:16

Übersetzung:

Wir messen zuerst mit dem Satelliten das Sternenlicht außerhalb der Atmosphäre, und dann durch die Atmosphäre durch. Es werden dabei gewisse Wellenlängen absorbiert. Und daraus kann man dann berechnen, wie viel Ozon vorhanden ist.

Text Ozongehalt

Die Messungen des Ozongehalts der Atmosphäre erfolgen von zwei Seiten: bodengestützt, und satellitengestützt. Die Vorteile der beiden Methoden werden kombiniert.

15 OT Osmo / Lokal 0:33

Übersetzung:

Wir können hier lokal Ozon messen, und das ist einer der wenigen guten Plätze dafür. Wir können aber nicht die gesamte Erde mit diesen Bodenmessungen abdecken, die wir brauchen für das Verständnis der Situation. Wenn wir nun die sehr genauen aber punktuellen Bodendaten mit den eher ungenauen aber dafür globalen Satellitendaten verbinden, dann können wir zwei Aspekte desselben Problems kombinieren und so ein ziemlich gutes Bild von der Situation erhalten.

Text Messen

Die Wissenschaftler in Lappland versuchen die Mechanismen und Gesetze der Vorgänge in der Atmosphäre zu erkennen. Alle zugänglichen physikalischen und chemischen Größen, die Bedeutung haben könnten, werden dafür gemessen: die meteorologischen Grunddaten, aber auch geophysikalische Größen:

RIO-Meter

sind Messgeräte für den Einfluss kosmischer Strahlung;

Imaging Riometer

stellen die Ergebnisse auch bildlich dar,

Ionosonden

bestimmen die Höhen der verschiedenen Atmosphärenschichten,

Radargeräte

befassen sich mit dem Wetter, dem Weltraumschrott und der globalen Funkwellenausbreitung. Das Aardwark System heißt übersetzt

Erdschweinsystem

und ist ein weltweites Netzwerk zur Ortung von Blitzen. Eine All-Sky- Camera macht alle 10 Sekunden ein Bild des

gesamten Himmels

. Und weil das Erdmagnetfeld alle Einflüsse der Sonne und des Weltraums widerspiegelt – ist das

Pulsation Magnetometer Network

von besonderer Bedeutung. Es misst die Änderungen des Erdmagnetfelds. Sind sie hoch, gibt es Nordlicht – seine Sichtbarkeit ist eigentlich die

einfachste

Messung der Änderungen des Ermagnetfelds. Die genauen Messwerte lassen aber auch

Rückschlüsse auf die Ursache des Nordlichts zu: das

Weltraumwetter

.

Die Magnetometer des Arktic Institute befinden sich abseits von Störeinflüssen in einigen Hütten mitten im Wald auf einer

Lichtung

. Esa Torunen erklärt, dass die Messanlagen nur unter besonderen Umständen betreten werden dürfen:

16 OT Esa / Gehen 0:25, Atmo bis 0:47

Übersetzung:

Wir können jetzt nicht hineingehen, weil wir alle so viel Eisen an uns haben. Die Brillen, in den Schuhen, in den Uhren. Auch ein Goldring hat noch zuviel Eisen drin. Unser Magnetmeister muss sogar die Damen bitten, die BHs auszuziehen, weil sie

auch

Eisen beinhalten.

OT wird zu ATMO, darüber folgender

Text Hütten

Nicht nur die

absolute

Stärke des Magnetfelds wird gemessen, sondern auch, wie sich das Magnetfeld verändert. Die Station ist Teil eines internationalen Netzwerks.

17 OT Esa / Hütten 0:47

Übersetzung:

Das größere Gebäude hier besteht aus zwei Hütten, ineinander geschachtelt. Es ist ein Meter Raum dazwischen. Früher wurde dieser Raum mit zwei Öfen geheizt, mit Feuerholz. Heute verwenden wir natürlich Elektrizität. Es muss die innere Hütte eine sehr gleich bleibende Temperatur haben. Früher, ohne Computer, machten wir die Magnetmessungen sehr herkömmlich. Man hatte einen Quarzfaden, einen Spiegel, einen Magnet im Faden. Man hatte Licht, und drei Meter Laufstrecke. Am Ende war ein Fotopapier, das sich langsam bewegte. Das zeichnete auf – und jeden Tag musste jemand das Fotopapier entwickeln. Darauf waren die Messwerte eingezeichnet.

Text Zeitreihe

Seit 1914 erfolgen die Messungen kontinuierlich. Eine unschätzbar wertvolle Zeitreihe entstand über die Entwicklung des Magnetfelds der Erde. Glaubte man ursprünglich damit nur das Nordlicht zu erklären, dient die Magnetfeld-Messreihe heute auch Studien über die globale Temperaturentwicklung.

Die Fotografien der Magnetmessungen haben den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden, nicht so die Bilder der Nordlichter.

18 OT Esa / Fotografien 0:27

Übersetzung:

Früher wurden die Nordlichter noch auf Glasplatten fotografiert. Am Ende des 2. Weltkriegs wurden aber hier leider diese Platten zerstört. Es explodierte der Kellner, alles flog in die Luft.

Schade, es muss wirklich gute Fotografien gegeben haben.

Wir hatten Deutsche Truppen hier, ganz Lappland war besetzt. Als sie zurückgeschlagen wurden, brannten sie alles nieder.

Text Geophysiker

Es sind die Geophysiker, die sich mit den Magnetfeldmessungen befassen. Ihr Forschungsgebiet beginnt

im

Boden. Zwischen 0 und 20 km Höhe messen die Meteorologen, und darüber, bis in den Weltraum hinaus, erstreckt sich wieder das Forschungsgebiet der

Geophysiker

.

Das Gebiet um Sodankylä eignet sich besonders gut für die Magnetfeldmessungen. Die

Geschichte

, warum gerade hier in

Finnland das Geophysikalische Institut gegründet wurde, ist ebenso speziell wie kurios.

Anfang des 17. Jahrhunderts kamen französische Wissenschaftler für ein Jahr, um zu messen, ob die Erde

rund

sei. Sie steckten, wo der Finnische Meerbusen endet, Dreiecke in die Landschaft, maßen und bestätigten: Ja, die Erde sei

rund

. 1 Jahr später gab es 200 Kinder mit französischen Vätern im Gebiet, und weitere 200 Kinder

hatten

finnische Väter, aber die Kinder sahen nicht finnisch aus.

Als dann anlässlich des Polarjahres 1882 Wissenschaftler anfragten, ob sie eine Forschungsstation errichten könnten, dort oben am Meer, leicht erreichbar durch Schiffe, lehnte die Bevölkerung dankend ab. Keine Wissenschaftler mehr. Diese wanderten landeinwärts, überwandten Rentierzäune, errichtet von Samen, die ebenfalls keine fremden Leute ertragen wollten, einer schwamm über einen Fluss mit einem Messgerät und stellte fest – ja, in Sodankylä gibt es den perfekten Ort für Magnetfeldmessungen. Wegen einer vierzig Meter dicken Tonschicht im Untergrund. So die Geschichte, wie sie Jirkki Manningen, Experte für das „Erschweinsystem“ – das Aadvark Netzwerk erzählt.

19 früher 20 OT Jirkki / Erdschwein 0:29

Übersetzung:

Das ist ein interessantes Tier. An unserem Observatorium ist das

Very Low Frequency Network

danach benannt. In Europa haben wir 4 - 5 Empfänger-Stationen. Die empfangen Signale von Sendern rund um die Welt. Hier haben wir gerade das Signal aus Hawaii bekommen. Damit können wir die Situation der Ionosphäre und der oberen Atmosphäre studieren entlang des Pfades nach Sodankylä.

03 Atmo Radio 0:30

darüber folgender Text

Das Pfeifen und Knistern der Mittel- und Kurzwellen im Radio wird von atmosphärischen Störungen verursacht, zumeist von Blitzen. Der

Zustand der Atmosphäre

ist für die Ausbreitungsbedingungen der Wellen verantwortlich.

Auch das Militär interessiert sich dafür.

Jirkki Manningen erzählt, was sonst mit den Daten passiert, die die Wissenschaftler sammeln: Sie sind für alle frei zugänglich im Internet abrufbar.

20 früher 21 OT Jirkki / Nutzer 0:53

Übersetzung:

Die meisten Nutzer unserer Daten sind Wissenschaftler. Aber daneben gibt es auch Anfragen zum Beispiel von der Forstwirtschaft. Zahlt es sich aus, dass sie eine Woche rausgehen, um Land zu vermessen, wenn es einen Magnetsturm hat, oder es Nordlicht gibt, und sie ihre Messungen danach wegwerfen können? Das ist viel Geld, da könnten auch wir etwas dafür verlangen. Wenn wir aber Leistungen verkaufen, dürfen wir die Bildungs-Lizenzen unserer Computerprogramme nicht mehr nutzen, wir müssen Geschäftslizenzen kaufen – das macht unsere Leistungen wieder teuer, und niemand kauft sie ein. Solange wir also die Daten kostenlos hergeben, gibt es kein Problem, aber wenn wir aber Geld dafür haben wollen, müssen wir die Lizenzänderungen berücksichtigen.

Text

Das Weltraumwetter schlägt sich auf das Erdmagnetfeld nieder. Wer es misst, kann Warnungen vor Magnetstürmen herausgeben, oder Weltraumwetterberichte, so wie diesen:

ZITAT Sprecherin

Eine Sonnenwind Schockwelle wurde gestern um 18 Uhr durch den ACE Satelliten am L1-Punkt aufgezeichnet. Die Geschwindigkeit des Sonnenwinds sprang von 450 auf 500 km pro Sekunde. Im Gegensatz zum vorhergehenden Event am 12. Mai ist die z-Komponente des Magnetfelds der Erde weitgehend im Norden geblieben. Geo- magnetische Konsequenzen blieben deswegen beschränkt. Die gestrige Schockwelle steht vermutlich in Verbindung mit der leichten vollen Halo CMD am 12. Mai.

Text

Sonnenwind oder Stürme kosmischer Teilchen bedeuten im Allgemeinen

Gefahr

für die Erde. Wenn nicht unmittelbar für die

Menschen

am Erdboden, dann doch Gefahr für viele technische Einrichtungen:

Sonnenwinde können

Pipelines

vorzeitig korrodieren, sie gefährden Passagiere und die Besatzungen auf Flügen über die Pole der Erde, sie sind tödlich für Astronauten auf Weltraumspaziergängen, Satelliten können durch sie

Schaden

nehmen und das GPS- Navigationssystem kann Abweichungen bekommen. Sonnenwind kann auch in Hochspannungsleitungen Überspannungen auslösen – Stromausfälle sind die Folge.

Das Ziel der Messungen in Sodankylä ist, computergestützte Modelle zu bilden, die mit der Wirklichkeit übereinstimmen: Welche chemischen Vorgänge laufen in der Atmosphäre ab, unter welchen Bedingungen? Wie ist die Energiebilanz? Verstehen wir die Verbindung von Weltraumwetter und dem Klima der Erde? Kennen wir die Gründe für

Veränderungen

? Wie wirkt sich die globale Erderwärmung auf die Atmosphäre aus? Was bedeutet das im Umkehreffekt für das Klima? Mit welchen

Überraschungen

ist zu rechnen?

Die Analysen der Messwerte stehen weltweit erst am Anfang. Die Modelle werden gebildet und wieder verworfen. Der Atmosphärenwissenschaftler Esa Torunen:

21 früher 19 OT Esa / Frust und Freude 0:40

Übersetzung:

Es ist für uns nicht sonderlich frustrierend, wenn wir eine lange Rechnung noch einmal machen, weil sie falsch war. Aber wir sind schon froh, und fühlen uns erfolgreich, mit kleinen Dingen: einfach, wenn wir ein neues Resultat bekommen. Wenn wir wissen, das hat vorher noch keiner getan. Oder wenn wir ein kompliziertes Computermodell machen, und wenn eine Figur dabei herauskommt, eine einfache getupfte Linie, und wir vergleichen sie mit den wirklichen Messwerten eines Satelliten. Und es ist ein perfektes Match, das macht uns doch sehr glücklich

Text Fragen

Suchte man anfänglich nach Erklärungen für die Entstehung von Nordlichtern, so stehen heute Umweltfragen im Mittelpunkt des Interesses. Insbesondere die Sonnenaktivität wurde bislang unterschätzt, und ihre Auswirkungen auf die Ozonschicht und den Energiehaushalt der Atmosphäre.

Die Ursachen und Wirkungen der Vorgänge in der Hohen Atmosphäre sind heute erst

ansatzweise

verstanden. Ganz geklärt sind sie noch lange nicht.

Was

machen

aber Wissenschaftler, wenn sie etwas noch nicht

verstehen

? Sie beobachten.

Und so sich die All Sky Kamera in Sodankylä alle 10 Sekunden ein Bild des Himmels macht, das via

Internet

für jeden sofort abrufbar ist, so machen sich auch jene die hier leben, immer wieder auf die Suche nach dem Nordlicht.

Wie auch

Reeta

und

Jonna,

zwei Schülerinnen aus Lappland: 22 OT Kind Reetta 0:22

Übersetzung:

Wir waren auf dem Berg Schlittenfahren und da waren solche Nordlichter, solche verrückten, die haben wir dann lang beobachtet. Wir hüpften vom Berg in einen Schneehügel, legten uns auf den Rücken und beobachteten die Nordlichter. Und plötzlich waren sie dann verschwunden.

23 OT Kind Jonna 0:14

Übersetzung:

Einmal war ich draußen im Freien und da war ein total schönes Nordlicht, das seine Form interessant verändert hat. Mein Papa hat gesagt, dass das eine Krone ist oder so was ähnliches. Und dieses Nordlicht hatte viele verschiedene Farben - und so ein schönes Nordlicht hatte ich vorher noch nie in meinem Leben gesehen.

24 OT Kind Reetta 0:18

Übersetzung:

Als kleines Kind habe ich mich auch oft über die Nordlichter gewundert und wie verrückt geschrieen: „Was sind die denn?!“ und dabei bin ich herumgerannt. „Was sind die eigentlich?“ zeigte ich lachend mit dem Finger auf sie, wie verrückt. „Was sind die, ich will sie berühren!“ Dann hat mein Patenonkel gesagt: „Das sind Nordlichter.“ „Wow“, sagte ich dann.“

25 Zitat Weyprecht 4 0:25

Doch schon ist alles abgeblasst. Mit der gleichen unbegreiflichen Geschwindigkeit, mit der es gekommen, ist es auch wieder verschwunden. Das war das Nordlicht des kommenden Sturmes, das Nordlicht in seiner vollen Pracht. Keine Farbe und kein Pinsel vermögen es zu malen!

Sprecherin

Sie hörten: Nordlichter, Klimawandel und Finsternis: Die Physik Lapplands. Eine Sendung von Lothar Bodingbauer.
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ID 66
ORF > Österreich 1 > Ganz Ich|Radioproduktion > Premium | 04.05.2006
Hoffen im Garten
Geplatzte Paradeiser, krumme Karotten, zerstörter Salat im Vorjahr? Die neue Gartensaison hat begonnen. Die Fehler des Vorjahres können nun verbessert werden. Was sind die Wünsche an das neue Gartenjahr? Was soll gelingen? Eine akustische Suche nach Rezepten, Hoffnungen und Strategien für das erfolgreiche Gartenjahr.
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Österreich 1 · 04.05.2006 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Geplatzte Paradeiser, krumme Karotten, zerstörter Salat im Vorjahr? Die neue Gartensaison hat begonnen. Die Fehler des Vorjahres können nun verbessert werden. Was sind die Wünsche an das neue Gartenjahr? Was soll gelingen? Eine akustische Suche nach Rezepten, Hoffnungen und Strategien für das erfolgreiche Gartenjahr.

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ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 03.01.2006
Zahntechniker
Der Zahntechniker ist Meister über Brücken, Kronen und Prothesen. Er modelliert und bildet nach, was die Natur perfekt vorgemacht hat: gesunde Zähne. Ein Skulpteuer ist der Zahntechniker oft. Aber die künstlerischen Aspekte seiner Arbeit sind hintangestellt. Selbst die Farbwünsche der neuen Zähne werden von den Kunden diktiert. Ein Porträt über die Arbeit an Zähnen - außerhalb des Mundes.
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Österreich 1 · 03.01.2006 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der Zahntechniker ist Meister über Brücken, Kronen und Prothesen. Er modelliert und bildet nach, was die Natur perfekt vorgemacht hat: gesunde Zähne. Ein Skulpteuer ist der Zahntechniker oft. Aber die künstlerischen Aspekte seiner Arbeit sind hintangestellt. Selbst die Farbwünsche der neuen Zähne werden von den Kunden diktiert. Ein Porträt über die Arbeit an Zähnen - außerhalb des Mundes.
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Premium|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Vom Leben der Natur | 31.12.2005
Aal
Anuilla anguilla, der europäische Aal, stellt mit seinen Wanderungsbewegungen in das Bermudadreieck und zurück eine bemerkenswerte Ausnahme in der österreichischen Fischwelt dar. Nur wo er über Rhein und Elbe einen Zugang zum Atlantik hat, kommt er bei uns natürlich vor. Durch Hindernisse und Gefahren auf dem Weg ist der Aal in jüngster Zeit massiv vom Aussterben bedroht. Der Fischökologe Josef Wanzenböck vom Limnologischen Institut der Akademie der Wissenschaften spricht über die Besonderheiten …
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Österreich 1 · 31.12.2005 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Anuilla anguilla, der europäische Aal, stellt mit seinen Wanderungsbewegungen in das Bermudadreieck und zurück eine bemerkenswerte Ausnahme in der österreichischen Fischwelt dar. Nur wo er über Rhein und Elbe einen Zugang zum Atlantik hat, kommt er bei uns natürlich vor. Durch Hindernisse und Gefahren auf dem Weg ist der Aal in jüngster Zeit massiv vom Aussterben bedroht. Der Fischökologe Josef Wanzenböck vom Limnologischen Institut der Akademie der Wissenschaften spricht über die Besonderheiten dieses schlangenförmigen und durch seine Lebensweise kryptisch wirkenden Fischs, der schon in Film “Die Blechtrommel” von Günter Grass eine schwer zu vergessende Rolle als ungustiöser Nebendarsteller bekommen hat.

Aalglatt und dennoch gefährdet

Die Bestände des Europäischen Aals (Anguilla anguilla L.) sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Deshalb arbeitet die Generaldirektion Fischerei der Europäischen Kommission an einem Maßnahmenpaket zur Rettung der Aale. Zur fachlichen Beratung steht ihr ein Gremium von Fischereiexperten zur Verfügung. Einer von ihnen ist der Fischökologe Josef Wanzenböck vom Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Mondsee.

Josef Wanzenböck leitet die Arbeitsgruppe zum Management des Aals, die im heurigen Frühjahr detaillierte Vorschläge zum Schutz der Aale ausgearbeitet hat und diese dem Plenum der Fischereiexperten vorgelegt hat. Der Abschlussbericht, der der Europäischen Kommission als Entscheidungsgrundlage dienen wird, wurde vor kurzem veröffentlicht. “Da der Aalbestand in den letzten drei Jahrzehnten auf weniger als fünf Prozent zurück gegangen ist, muss man die vorgeschlagenen Maßnahmen möglichst unverfälscht umsetzen, um die Lebensgrundlage dieser faszinierenden Tierart langfristig zu sichern”, ist Josef Wanzenböck überzeugt.

Die Experten empfehlen, das Fischen von Aalen in allen Lebensstadien auf mindestens die Hälfte zu reduzieren. Aale sind nicht zuletzt wegen ihres komplizierten Lebensrhythmus sehr gefährdet: Sie schlüpfen im Westatlantik und wandern mit dem Golfstrom Richtung Europa. Dort angekommen wandern sie im Lauf ihrer Jugendentwicklung flussaufwärts, bis sie zum Laichen wieder in den Atlantik ziehen. Aus diesem Grund stellen Flusskraftwerke und Pumpwerke ohne Fischtreppen für Aale tödliche Hindernisse dar. Die Experten raten deshalb – im Einklang mit den Empfehlungen der Europäischen Wasserrahmenrichtline – dringend zu ökologisch sinnvollen Begleitmaßnahmen beim Ausbau der Flüsse. Eine weitere Möglichkeit den Aalbestand zu erhalten, stellt das Handelsverbot mit den Jugendstadien des Aals, mit den schmackhaften Glasaalen dar. Glasaale sollten in Zukunft nur noch zum Besatz natürlicher Gewässer innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes des Aals gehandelt werden dürfen.

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ID 63
ORF > Österreich 1 > Rudi Radiohund | 01.01.2005
Kinder im Sauwald 2
Was es bedeutet, Dialekt zu reden. Besuch im Sauwald im Innviertel.
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Was es bedeutet, Dialekt zu reden. Besuch im Sauwald im Innviertel.
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ID 62
ORF > Österreich 1 > Rudi Radiohund | 31.12.2004
Kinder im Sauwald 1
Was ist der Sauwald? Besuch in einer Schule in Esternberg.
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Österreich 1 · 31.12.2004 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Was ist der Sauwald? Besuch in einer Schule in Esternberg.
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ID 61
ORF > Österreich 1 > Ganz Ich|Radioproduktion > Premium | 22.12.2004
Klavierspielerin
Portrait Martina Gröschel: Die Leidenschaft. Ihre Leidenschaft, ganz alleine. Martina Gröschels Leidenschaft, Klavier zu spielen – nur für sich. Stundenlang. Jeden Tag. Bis heute, seit jener Zeit, als sie 11 Jahre alt geworden ist.
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Österreich 1 · 22.12.2004 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Portrait Martina Gröschel: Die Leidenschaft. Ihre Leidenschaft, ganz alleine. Martina Gröschels Leidenschaft, Klavier zu spielen – nur für sich. Stundenlang. Jeden Tag. Bis heute, seit jener Zeit, als sie 11 Jahre alt geworden ist.

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ID 60
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 06.12.2004
Schulweg
Erinnerungen: Der Weg von und zur Schule ist jedem Erwachsenen noch gut in Erinnerung. Es gab spannende Erlebnisse entlang der täglichen Route und Routine, an manchen Tagen war es auch langweilig. Immer aber war der Schulweg eine wenig überwachte Grauzone zwischen Schule und Elternhaus, und damit die Möglichkeit, eine viertel oder halbe Stunde allein zu sein und Eigenes zu erleben.
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Österreich 1 · 06.12.2004 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Erinnerungen: Der Weg von und zur Schule ist jedem Erwachsenen noch gut in Erinnerung. Es gab spannende Erlebnisse entlang der täglichen Route und Routine, an manchen Tagen war es auch langweilig. Immer aber war der Schulweg eine wenig überwachte Grauzone zwischen Schule und Elternhaus, und damit die Möglichkeit, eine viertel oder halbe Stunde allein zu sein und Eigenes zu erleben.
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ID 59
ORF > Österreich 1 > Dimensionen | 18.10.2004
Metrologisches Institut
Portrait einer im Hintergrund wirkenden Einrichtung: Es ist nicht die Wetterkunde, sondern die Kunde um Maßeinheiten und deren weltweit gleiche Reproduzierbar- und Vergleichbarkeit, womit sich das österreichische Metrologische Institut beschäftigt. Diese Arbeit hat in Wien lange Tradition, die "Wiener Einheiten" der österreichisch-ungarischen Monarchie waren für ihre Zeit im wahrsten Sinne des Wortes maßangebend - und modern. Die spätere Meter-Convention entwickelte sich zum Internationalen SI-E …
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Österreich 1 · 18.10.2004 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Portrait einer im Hintergrund wirkenden Einrichtung: Es ist nicht die Wetterkunde, sondern die Kunde um Maßeinheiten und deren weltweit gleiche Reproduzierbar- und Vergleichbarkeit, womit sich das österreichische Metrologische Institut beschäftigt. Diese Arbeit hat in Wien lange Tradition, die "Wiener Einheiten" der österreichisch-ungarischen Monarchie waren für ihre Zeit im wahrsten Sinne des Wortes maßangebend - und modern. Die spätere Meter-Convention entwickelte sich zum Internationalen SI-Einheitensystem, das heute nahezu in allen Bereichen des verwendet wird. Es gibt das Kilogramm, die Sekunde, einige weitere Grundeinheiten mehr, und schon die Länge - das Urmeter - wird auf die Sekunde zurückgeführt.
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ID 58
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute|Radioproduktion > Premium | 10.08.2004
Geocaching
Moderne Schnitzeljagd: Mit Satellitenunterstützung und GPS-Navigation finden moderne Schnitzeljäger ihr Ziel. Geocaching heisst die heutige Form der Schatzsuche, die es gibt, seit die Amerikaner die Genauigkeit der Positionsbestimmung via Satellit spürbar erhöhten. In Internetforen werden “Geocaches” - wohlplazierte Schätze - weltweit ausgeschrieben, Zusatzaufgaben vor Ort machen die Schatzsuche spannend. Eine Möglichkeit, Computerkinder wieder in die Natur zu bekommen.
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Österreich 1 · 10.08.2004 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Moderne Schnitzeljagd: Mit Satellitenunterstützung und GPS-Navigation finden moderne Schnitzeljäger ihr Ziel. Geocaching heisst die heutige Form der Schatzsuche, die es gibt, seit die Amerikaner die Genauigkeit der Positionsbestimmung via Satellit spürbar erhöhten. In Internetforen werden “Geocaches” - wohlplazierte Schätze - weltweit ausgeschrieben, Zusatzaufgaben vor Ort machen die Schatzsuche spannend. Eine Möglichkeit, Computerkinder wieder in die Natur zu bekommen.

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ID 57
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 28.06.2004
Wie viel ist ein "bisschen"?
Ganz früher stand in den Kochbüchern: „Den Teig rühre drei Vaterunser lang“. Das war praktisch, denn Armbanduhren gab es nicht, und Küchenuhren auch nicht, da war wohl nur die Uhr an der Kirche. Das „Vater unser“ als Zeiteinheit liegt heute weitab zwar von den heute üblichen Definitionen für Kilogramm, Meter und Sekunde, war aber auch genau. Man konnte es ratschen, oder leiern, aber die Standardlänge des Kochbuchvaterunsers war bekannt. Überhaupt das Messen. Wieviel ist eigentlich wenig? Was mei …
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Österreich 1 · 28.06.2004 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Ganz früher stand in den Kochbüchern: „Den Teig rühre drei Vaterunser lang“. Das war praktisch, denn Armbanduhren gab es nicht, und Küchenuhren auch nicht, da war wohl nur die Uhr an der Kirche. Das „Vater unser“ als Zeiteinheit liegt heute weitab zwar von den heute üblichen Definitionen für Kilogramm, Meter und Sekunde, war aber auch genau. Man konnte es ratschen, oder leiern, aber die Standardlänge des Kochbuchvaterunsers war bekannt. Überhaupt das Messen. Wieviel ist eigentlich wenig? Was meint man genau mit einem Bisserl, einem Batzerl? Einem Trumm?
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ID 56
ORF > Österreich 1 > Dimensionen|Radioproduktion > Premium | 05.05.2004
Physikunterricht in der Krise?
Physik zählt zur Allgemeinbildung, wenn auch die meisten Menschen einfache physikalische Phänomene falsch erklären. Mädchen schneiden in Physik prinzipiell schlechter ab als Burschen. Teure Physiklabors wollen autonom budgetierende Schulen nicht mehr unterhalten. Die Physik-Didaktiker sind ratlos. Was tun? Die Experimente sollen schülerzentrierter werden – nicht der Herr Professor soll experimentieren, sondern die Schüler sollen es – lustvoll - tun. „Gender Mainstreaming“ hat auch in den Physiks …
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Österreich 1 · 05.05.2004 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Physik zählt zur Allgemeinbildung, wenn auch die meisten Menschen einfache physikalische Phänomene falsch erklären. Mädchen schneiden in Physik prinzipiell schlechter ab als Burschen. Teure Physiklabors wollen autonom budgetierende Schulen nicht mehr unterhalten. Die Physik-Didaktiker sind ratlos. Was tun? Die Experimente sollen schülerzentrierter werden – nicht der Herr Professor soll experimentieren, sondern die Schüler sollen es – lustvoll - tun. „Gender Mainstreaming“ hat auch in den Physiksaal Einzug gehalten, und ehemalige physikdidaktische Hardliner fordern Junglehrer auf, mutiger zu unterrichten. Nicht das Schulbuch soll in die Schule hineingetragen werden, sondern das Leben. Erfolgreich? Noch nicht. Die Beliebtheit des Faches „Physik“ nimmt nach wie vor mit zunehmenden Alter ab, die PISA Studie zeigte Erschreckendes in Österreich. Eine Sendung um den Zustand des Physikunterrichts an Österreichs Allgemeinbildenden Höheren Schulen.

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ORF > Österreich 1 > Rudi Radiohund | 31.12.2003
Venusdurchgang
Die Venus schiebt sich vor die Sonne – Rudi Radiohund fragt nach, bei Hermann Mucke vom Wiener Planetarium.
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Die Venus schiebt sich vor die Sonne – Rudi Radiohund fragt nach, bei Hermann Mucke vom Wiener Planetarium.

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Automatisches Transkript (Whisper, kann Fehler enthalten):

Signation

Rudi – Der rasende Radiohund.

Rudi

Ah, grüß euch. Ich bin gerade beim Sternschnuppern. Jetzt ist es zwar noch nicht finster, aber das macht nichts. Morgen ist nämlich Venus-Durchgang. Und morgen ist es auch nicht finster. Am Vormittag. Da wird die Venus vor der Sonne vorbeiziehen. Sie wird sich vor die Sonne schieben, mitten am Vormittag. Herr Professor Hermann Mucke, Sie sind der Sternmeister im Wiener Freiluftplanetarium am Georgenberg. Sie kennen sich am Himmel aus wie keiner. Wie geht das genau, so ein Venus-Durchgang?

Herr Mucke

Bis jetzt, Rudi, bis jetzt war die Venus am Abendhimmel zu sehen. Und sie ist jeden Abend ein Stück tiefer in der Dämmerung gestanden. Und dann ist sie plötzlich in der Abenddämmerung nicht mehr zu sehen gewesen.

Rudi

Ja, wo ist sie denn hin?

Herr Mucke

Ja, da ist ja die Sonne gerade untergegangen, die stand da unter dem Horizont. Und die wandert jetzt zwischen uns und der Sonne durch.

Rudi

Moment, wer wandert wie, wohin?

Herr Mucke

Die Venus, die wandert vor der Sonne vorbei, von links nach rechts, über sechs Stunden lang. Aber du musst früh aus deinem Körbchen, denn es geht schon um 7.20 Uhr los. Morgen früh? Morgen früh. Und es geht ungefähr bis vor halb zwei zu Ende. Am Nachmittag. Am Nachmittag. Und während der Zeit kannst du das dunkle Bunkterel sehen. Aber wichtig, wichtig, da braucht man eine Schutzbrille. Eine normale Sonnenbrille ist viel zu schwach, aber man kann sich beim Optiker eine kaufen. Oder wenn der keine hat, dann geht man in die nächste Apotheke und kauft sich vielleicht mit ein paar anderen zusammen eine Rettungsdecke.

Rudi

Ah, das kenne ich. So eine silberne Rettungsdecke. Aber die ist teuer, oder?

Herr Mucke

Viereinhalb Euro. Und wenn das ein paar zusammen machen, haben sie einen großen Fleck. Und den nehmen wir doppelt und dann schneiden wir so große Stückerl heraus wie eine Ansichtskarte, machen einen Rahmen aus dem Pappendeckel und biegen diese Folie hinein. Und dann kann man durchschauen und dann sieht man die Sonne ganz abgedunkelt und das schwarze Fleckerel der Venus in der Sonnenscheibe. Jede Stunde ist sie ein Stück weiter.

Rudi

Wuffen! Herr Professor Mucke, kann ich als Hund auf der Venus spazieren gehen? Wie ist denn die Venus für mich?

Herr Mucke

Grauslich! So schön sie am Himmel ausschaut, Sie ist zwar so groß wie die Erde, nur ganz wenig kleiner. Sie hat eine dichte Lufthülle und da geht das Sonnenlicht durch, wacht den Boden warm und die Wärme geht nicht mehr raus. Und daher ist es dort fast 500 Grad heiß. Stell dir vor, da ist das Blei vom Bleigießen schon längst geschmolzen bei der Temperatur. Und atmen kann man auch nicht ordentlich, weil das ist lauter Kohlendioxid, sagen die Physiker und Chemiker. Und das kann man ja nicht atmen, da geht man ja zugrunde, da müsste man einen Raumanzug tragen. Nein, nix. Mit herumlaufen auf der Venus ist wirklich nix.

Rudi

Wuff! Und wie ist man eigentlich zum ersten Mal draufgekommen, dass es so einen Venus-Vorbeiflug vor der Sonne gibt? Hat da einer dauernd zur Sonne geschaut?

Herr Mucke

Ja, das hat man eigentlich ausgerechnet. Und dann hat man gewartet, ob es auch stimmt. Und da gab es einen Astronomen in Paris, der hat gehört davon, dass im Jahre 1631 die Venus vor der Sonne vorbeiziehen wird. Und da hat er gewartet. Aber leider, dieser Durchgang ist zu Ende gegangen, eine halbe Stunde bevor die Sonne aufgegangen war in Paris. Und da hat er es nicht mehr gesehen. Man hat damals noch nicht so genau rechnen können. Aber den nächsten 1639, den hat man in England gesehen. Zum ersten Mal einen Venus-Durchgang.

Rudi

Wuff, wuff, ich freue mich so. Und morgen wieder. Am Vormittag zwischen 7.20 Uhr und 13.23 Uhr. Wuff, wuff, wuff. Also Achtung, rechtzeitig auf die Uhr schauen, denn die Venus wartet nicht. Danke, Herr Professor Mucke. Als Astro-Sternen-Radio-Schnupperhund verabschiede ich mich heute von Euch mit Venus Ahoi und für morgen gut Guck!

Dazu gibt es auch eine Physikalische Soiree, die am 7. Juni 2004 erschienen ist.

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Automatisches Transkript (Whisper, kann Fehler enthalten):

Es gibt für Sie kein Fernsehen heute Abend. Und Sie wollen auch nichts lesen. Und nicht reden. Es gibt für Sie Radio 1476. Alles schwingt. Alles strahlt. Und alles wirkt auf alles. Die Physikalische Serie. Herzlich willkommen, Lothar Bodingbauer begrüßt Sie zur physikalischen Soiree. Heute zu einem ganz speziellen Anlass morgen, morgen am Vormittag. Morgen wird sich am Vormittag die Venus vor der Sonne vorbeischieben. Zu bemerken ist das nur, wenn man in die Sonne hinein sieht und das darf man nur, wenn man eine Schutzbrille hat. aber bemerkt man einen schwarzen Punkt, der sich durch die Sonne durchschiebt. Das Ganze beginnt um 7.20 Uhr, endet um 13.23 Uhr und ist ein Ereignis, das kein lebender Mensch jemals gesehen hat. Das letzte Mal war das 1800 und irgendwas der Fall. Morgen wieder. Zu Gast in der physikalischen Sorée ist heute Professor Hermann Mucke. Und wer das Glück hatte in Wien gefirmt zu werden, hat sehr wahrscheinlich Professor Mucke kennengelernt. Man geht nach einer ordentlichen Wiener Firmung in den Prater, fährt mit dem Riesenrad und wenn man Glück hat, geht man ins Planetarium und dort hat man Professor Mucke erlebt. Er ist ein Sternmeister. Er bediente lange Jahre im Wiener Planetarium die große Projektionsmaschine, die die Sterne im Planetarium projizieren und mehr als das, er erklärte Generationen von Wienerinnen und Wienern den Sternenhimmel. Guten Abend Herr Professor Mucke. Guten Abend. Herr Professor Mucke, morgen erleben auch Sie etwas völlig Neues, den Venusdurchgang. Wie ist das für Sie? Ja es ist etwas Besonderes. Kein lebender Mensch hat das bisher gesehen, denn der letzte war 1882 und der nächste wird 2012 sein. Und es Das sind sehr seltene Ereignisse und sie werden in ihrem Ablauf bestimmt von den Umlaufzeiten des Planeten Venus, unseres inneren Nachbars im Sonnensystem, und unserer Erde, die die Bahn der Venus mit ihrer Bahn umschließt. Und da das Ganze ein bisschen alles gekippt ist gegeneinander, ist das nicht regelmäßig und oft zu sehen, sondern wirklich nur ganz selten. Ganz selten. Und es sind Perioden von acht Jahren, von 105 einhalb Jahren, von 121 einhalb Jahren. Und diese Erscheinungen sind nicht immer alle an einem und demselben Ort sichtbar. So ist zum Beispiel dieser Durchgang morgen von Anfang bis zum Ende zu sehen. Wir erleben den Eintritt der winzigen schwarzen Venus-Scheibe, wenn die Sonne etwa 30 Grad hoch im Ost-Nordosten steht und sie wird wieder austreten, wenn sie schon über den Mittag hinaus ist. Also wir sehen den kompletten Durchgang, wenn das Wetter mitspielt. Dagegen den nächsten sehen wir leider nur in seinen Endphasen, weil da geht die Sonne für uns zu spät auf. Da Und der erste Venus-Durchgang, der vorberechnet wurde und wo die Leute dann zum Himmel geschaut haben, war 1631. Von Kepler vorhergesagt, aber noch mit Hilfsmitteln, die nicht so genau waren wie die heutigen natürlich, weil wir verdanken ja Kepler die ersten Berechnungen der Bahnen der Planeten, die mit der Wirklichkeit, wie man sie mit freiem Auge beobachten konnte, damals nahtlos zusammenpassten. Und so prognostizierte er für 1631 einen solchen Durchgang. Die Astronomen waren zur Stelle, zum Beispiel in Paris, Garcentie, aber der Durchgang endete für Paris eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Und so hat dieser Astronom ihn nicht gesehen. Der erste, den man wirklich nach Vorherberechnung, und zwar eigener Vorherberechnung, beobachtet hat, war der von 1639. Und es war ein Astronom namens Horrocks, der ihn in der Nähe von Manchester mit seinem Freund Crabtree im Fernrohr beobachtet hat. Diese Astronomie, so wie wir sie hier in Europa kennen, ist ja eine faszinierende Sache. Da haben jahrhundertelang Menschen den Himmel beobachtet und ganz genau mitgeschrieben, wann welcher Planet wo steht, wann welche Tierkreiszeichen wo zu sehen sind. Und dann sind Menschen wie Kepler gekommen und haben gerechnet und konnten mit diesen jahrhundertelang gesammelten Daten etwas anfangen. Ja, es ist zunächst einmal so, dass man staunend unter dem großen Himmel stand, die Figuren, die die Sterne miteinander bildeten, mit Fantasie erfüllten, sodass die Sternbilder entstanden, richtige Figuren. Und das war eine sehr wichtige Sache, denn mit Hilfe dieser Figuren konnte man sich am Himmel zurechtfinden. Denken wir zum Beispiel an das Sternbild des großen Bären, dann konnte man sagen, Diese oder jene Himmelserscheinung erreigete sich an der Schnauze des großen Bären oder beim rechten Fuß des Jägers Orion. Das waren also zahlenfreie Ortsangaben und es fiel auf, dass in gewissen Sternbildern helle Lichtpunkte zu sehen waren, die langsam ihren Ort vor dem Hintergrund der Sterne veränderten. Sie sahen aus wie Sterne, aber sie bewegten sich. Daher der Name "Wandelsterne". Und das griechische Wort, das wir als Lenwort haben "Planet", geht ja zurück auf die griechische Wurzel. Die bedeutet jemand, der umherirrt. Und darin liegt schon die Tatsache, dass man vor dieser Planetenbewegung ziemlich radlos stand. Und erst später dann, Copernicus und dann erst Kepler, hat man die Gesetze gefunden, nach denen sich diese Bewegungen vollziehen. Was sehen Sie vom Beruf Astronom? Ja, ich habe mein Berufsleben der Himmelskunde gewidmet und habe im Jahr 1964 die ehrenvolle Aufgabe durch die Stadt Wien bekommen, das damals neue Wiener Planetarium zu leiten und zu betreuen. Das war keine ganz einfache Sache. Es ist so ein Mittelding zwischen einer Schule und einem Theater und es erfordert also nicht nur Fachwissen in entsprechendem Ausmaß, sondern auch die Fähigkeit dieses Fachwissen in verständlicher Form weiterzugeben und besonders durch die Möglichkeiten des Planetariums darzustellen. Und es ist an so einem Schaltpult, wie es damals im war, eine große Versuchung oft, das Publikum zu überfordern. Noch dazu sind erhebliche Probleme in der Vermittlung da. Man sitzt erhöht über dem Publikum, man sitzt sozusagen hinter einem Pult mit vielen Schaltern, hinter Wall und Graben. Es ist dann dunkel, wenn die Sterne leuchten. Man sieht also das Publikum nicht. Man hat über sich das, was man erklärt und Aufmerksamkeit wird vom Publikum her auf das und nicht auf den Redner gezogen. Das alles muss überbrückt werden und das erfordert eine sehr subtile und durch Erfahrung und Praxis anzueignende Tätigkeit. Man hat also wirklich die Möglichkeit hier das zu tun, was man sagt, nun es ist ein Teil der Natur, den wir erklären. Und es gibt eine Regel beim Radiomachen, wenn man einen Gast einlädt, schmeichle nicht dem Gast zu sehr, aber ich kann den Hörern versichern, ich war als 14-jähriger mit meiner Großmutter im Planetarium und ich habe Professor Mucke dort kennengelernt, da war ein Mann hinter einem riesen Pult und einer riesen Kuppel mit unzähligen Punkten und eine Höllenmaschine in der Mitte, ein Projektor und dieser Mann hat diese Höllenmaschine geritten und wir sind im Universum vorn zurückgefahren und das Ganze war so, dass ich immer angesprochen wurde. Ich war dabei und ich war auch verblüfft, wie die anderen Kinder, die dieses Planetarium öfters besucht haben, auch schon gut informiert waren. Die haben sehr viel gewusst, die Kinder. Ja, also Kinder sind ja sehr aufgeweckte Zuhörer und Zuseher und es stand damals im im Mittelpunkt der Bemühungen, das zu erklären und zu zeigen, was man mit freiem Auge in der Natur draußen sehen kann. Das heißt, wenn jemand nach einer Vorführung hinausging, dann fand er nahtlos Anschluss unter guten Sichtverhältnissen an das, was er am Himmel mit freiem Auge sehen konnte. Das war ein großer Anreiz, nicht mehr die künstlichen Sterne anzuschauen, sondern die echten und sich zu überzeugen. Da oben gibt es Sternbilder, in denen manchmal ein Stern überzählig ist, nämlich ein Planet. Und diese Sternbilder, wo diese Wandelsterne laufen, das sind ja dadurch ausgezeichnete Bilder. Und das sind einfach die, die wir heute die Sternbilder des Tierkreises Und wenn man die gut im Kopf hat, ist jeder überzählige Lichtpunkt sofort zu entdecken gewesen. Und es ist so ein großer Jammer, dass auch heute noch und gerade heute viele oft gebildete Menschen natürlich wissen, was ein Planet ist, ja sogar wissen, wie es am Mars ausschaut, dank der vorzüglichen Berichte in unseren Medien. Aber die noch nie einen Planeten wirklich am Himmel gesehen haben, sodass sie wussten, Lichtpunkt ist nicht ein Stern, eine ferne Sonne, sondern ein dunkler, von unserer Sonne beleuchteter und wegen seiner Nähe noch sichtbarer Planet. Wenn Sie zum Himmel schauen, sehen Sie diese überzähligen Sterne auf einen Blick? Ja sofort, natürlich, das sind gute Freunde und man kann sie verfolgen, wie sie langsam wandern. Und jetzt, morgen, da zeigt uns die Venus, wie sie vor der Sonne als Planet vorüberzieht. In sechs Stunden und sechs Minuten ist sie durch. Und da kann man erleben, in diesen wenigen Stunden, wie ein Planet wirklich auf seinem Weg um die Sonne zieht. Wie ist eigentlich die Gewichtung als Sternenkundler? Da ist ja viel Normales zu sehen. Der normale Ablauf der Planetenbewegung, die Sterne, wie man sie sieht. Und dann gibt es diese Besonderheiten, Kometen, Mondfinsternis, Sonnenfinsternis, Venusdurchgang, wie ist da die Gewichtung? Sind das Einzelereignisse, die dann und wann auftreten, mit denen man sich erfreut, beschäftigt wie eine Belohnung für jahrelanges auf den Himmel schauen mit der Normalkost sozusagen? Ja, also das sind natürlich Höhepunkte des Erlebens, aber zunächst einmal ganz einfache Sachen, die Stirne gehen auf und unter, wie es uns die Sonne zeigt. Der Mond geht ebenfalls auf und unter, aber jeden Tag steht er eine Handspanne im Stierkreis unter den Sternbildern weiter. Er nimmt zu, seine Lichtgestalt ändert sich von der schmalen Sichel des Neulichtes gleich nach Neumond über das erste Viertel bis zum Vollmond und dann nimmt er wieder Grundlage für die Schaffung eines Mondkalenders in alter Zeit. Oder wir erleben eben den Sternbilder Himmel, die Kulisse. Und das Schöne ist, diese Kulisse ändert sich mit der Zeit übers Jahr weg, denn unser Planet Erde, der steht ja ein halbes Jahr später auf der anderen Seite seiner Bahn. Und dann schauen wir in der Nacht in eine entgegengesetzte Himmelsrichtung und dort stehen natürlich ganz andere Sternbilder. Das heißt, wir erleben die Bewegung der Erde indirekt in einem Wechsel der Sichtbarkeit der Sternbilder. Der Sternbilderhimmel ist nicht immer der gleiche, wie viele Leute glauben. Und das sind ganz einfache Sachen zunächst einmal, die man gerade mit einem Planetarium wunderbar erklären konnte. Aber natürlich ist es so, dass solche Darstellungen, die den Himmel nachbilden, nicht die einzigen Tätigkeitsgebiete sind, die man im Planetarium abdeckt. Man kann natürlich die großen Ereignisse der Erkundung des Weltalls durch Großteleskope, durch Satelliten, durch Weltraumsonden vermitteln und da kommt man dann natürlich ganz zwangläufig in die Bereiche der astronomischen und astronautischen Technik und das ist etwas, was natürlich wieder eine besondere Vermittlung verlangt. Zu Gast in der heutigen Ausgabe der Physikalischen Sorée ist Professor Hermann Mucke. Er ist Sternenkundler und hat in Wien im Planetarium jahrelang Menschen den Himmel nahe gebracht. Herr Professor Muck, Sie haben den Schritt aus dem Planetarium jetzt heraus gemacht. in Wien am Georgenberg ein Freiluftplanetarium verwendet, das keinen Projekte hat als die natürlichen Sterne selbst. Ja, also wir erklären die echten Sterne und wenn der Himmel schön und klar ist und das ist er dort am Stadtrand von Wien noch dazu leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar in Mauern neben der Wotruba-Kirche, dann ist das natürlich ein ganz großartiges Erlebnis für die Leute. Wir können also wirklich, und das jetzt auf kurzen Nenner gebracht, die wichtigsten Tatbestände unseres astronomischen Weltbildes durch Beobachtungen mit freiem Auge abdecken. Aber da kommt es natürlich einmal vor, dass die Sicht ein bisschen schlechter ist oder dass jemand nicht so scharf sieht und deshalb bitten wir auch Ferngläser mitzunehmen, die also Sichtschwächen ausgleichen und wir können sogar besondere Einzelheiten vermitteln durch Projektion mit einem Computerprojektor unter freiem Himmel, so dass aus dem normalen modernen Stonehenge ein Freiluftplanetarium wird, wo wir auch in Zeitraffung arbeiten können, wo wir den Himmel nachstellen können und sollte plötzlich eine Wolkenbank aufziehen, dann flüchten wir in die Wotruba-Kirche und dann übernimmt der Computer mit seinem Himmel die Rolle des Echten. Ich sag's Ihnen, Sie sitzen schon wieder auf seiner Höllenmaschine, die Sie da draußen an Georgenberg gebaut haben. Aber diese Höllenmaschine ist die Natur und jeder kann das nacherleben. Und da gehen oft Leute vorbei, die das noch nicht kennen und die denken sich dann, ja Ja, ist das ein Landeplatz für Außerirdische? Ja, wir stellen uns vor eine Arena, nicht wahr? Mit Sitzstufen. Bei uns ist die Bühne oben und daher ist die Arena eine Sitzstufenpyramide. Also genau umgedreht, man sitzt nach oben hin. Ja, und wir haben Masten und Pfeiler. Es gibt dort jeden Tag ein Zeitsignal zum Mittag, nachdem man die Uhr stellen kann und vieles mehr. Und damit jeder auch privat hingehen kann, es kostet nichts, es ist nicht abgesperrt. Jeder ist willkommen, der dort hinkommt. Dass sich der ein bisschen auskennt mit dieser Anlage, haben wir ein kleines Büchlein verfasst. Da ist alles genau beschrieben, was man dort macht. Und da sind alle Hilfsmittel in dem Büchlein drin, die man braucht. Ein wunderschöner Sternbilderatlas, Monatskarten, die kann man mit den Mitteln der Kopiertechnik vergrößern ohne weiteres im nächsten Copycenter. Dann über sich halten, wer einen Regenschirm und hat einen Himmel zum Angreifen. Und da kann man auch alleine hingehen? Ja, man kann nicht nur alleine hingehen, sondern wir haben auch unsere Hoffnung nicht enttäuscht gesehen, dass viele Lehrer schon sich anhand dieses Büchleins oder durch den Besuch von Führungen diese Methode sozusagen angeeignet haben, dort zu erklären, dass die mit ihren Schülern hingehen und ihnen das selbst erklären. Und da ist nur eines notwendig, nämlich uns zu informieren, wenn man mit einer Gruppe kommen will, denn wir müssen darauf achten, dass nicht mehrere Gruppen übereinander kommen. Das Schöne an der Astronomie, an der Sternenkunde ist, wenn man jemanden hat, der einem das erklärt, einer der sich auskennt. Das heißt die Vermittlung ist in der Sternenkunde wirklich was Schönes. Ja und mein Lehrer Thomas hat immer gesagt, die Himmelskunde wird von den Frauen übertragen, von den Großmüttern, den Tanten. Das war früher wirklich so, die Mütter waren es, die die das Wissen weitergegeben haben. Oder die Freundinnen, die Bräute, die haben die Astronomie verbreitet. Und gar viele haben Erinnerungen dank Schlüsselerlebnissen, wie zum Beispiel eine Sonnenfinsternis. Dieses Nicht-Eingreifen-Können in den Ablauf himmelskundlicher Vorgänge nur in dem staunenden Zuschauen liegt ein ganz besonderer Reiz. Es ist dem menschlichen Zugriff und all dem, was da vielleicht als schlecht empfunden werden könnte, entdrückt. Es ist eine Welt, die man eigentlich nicht so ohne weiteres manipulieren kann. Es sei denn durch Sichtverschlechterung. Wenn Ihnen der liebe Gott den Wunsch erfüllt, Ihre Beobachtungen nicht nur auf der Erde durchzuführen, durch hinaufschauen, sondern da gibt Ihnen ein kleines Weltraummoped, mit dem sie überall ganz schnell hinkommen. Wo würden sie denn da als erstes herumfliegen und sich ein bisschen näher umschauen, wie es dort da ist? Da brauche ich gar nicht weit fahren, da brauche ich nur außerhalb der Lufthülle der Erde mich zu bewegen. Da hat man dann wunderbare Sicht und da kann man dann auch zum Beispiel sich in die Nähe von himmelskundlichen Kleinkörpern begeben. Zum Beispiel einen kleinen Planeten aus der Nähe anschauen. Ich frage mich ja immer wieder, wie das Weltbild so wäre, wenn man unter ganz bestimmten Bedingungen aufwächst. Zum Beispiel, Sie kommen in einer Eisenbahn zur Welt und verbringen Ihre ganze Kindheit in dieser ständig fahrenden Eisenbahn und bemerken die Welt nur, wie sie draußen beim Fenster vorbei gleitet. Und dann dürfen Sie einmal aussteigen im Alter von 18 Jahren. Das möchte ich ganz gerne erleben, wie man sich da fühlt. Anders, man kann aufwachsen ohne den Himmel erklärt zu bekommen. Man sieht Sterne, man sieht sich verändernde Sterne und das möchte ich auch ganz gern wissen, wie das wäre, wenn man eigentlich überhaupt nichts vom Weltraum, von den Sternen und von den Bedingungen, die es dort gibt und Bewegungen wüsste. Das möchte ich ganz gern erleben. Ja, das wäre dann eine Forderung an den Wunsch, etwas zu entdecken. Und man könnte dann Entdeckungsfaden unternehmen. Und das ist natürlich etwas, was in jedem Menschen steckt. Die Forscher, die noch mit ganz einfachen Fortbewegungsmitteln die Erde erforscht haben, Dann denken wir zum Beispiel an die Suche, die James Cook im Auftrag der englischen Admiralität erledigen musste und einen Südkontinent gesucht hat und kreuz und quer durch den Südpazifik gefahren ist, ja sogar mit einem Segelschiff rund um die Antarktis gefahren ist, was der für Entbehrungen und Mühen auf sich genommen hat, aus Entdeckeraufgaben heraus. Und das ist natürlich auch überall in der Botanik, in der Zoologie, in der Geografie eine Sache, die appelliert an das Wissenwollen der Menschen. Und das wäre dann der Antrieb, dass man auch hinaufschaut und sich überlegt, was ist das. Und dann macht man sich in der Regel von den Dingen, die man sieht, eine Art Modellvorstellung und prüft dieses Modell an der Wirklichkeit. Stellt dann fest, es passt doch nicht ganz so. Wir verbessern das Modell Schritt für Schritt. Und das war genau das, was man in der Himmelskunde vom Altertum bis zur Gegenwart getan hat. Und das zu erläutern und darzustellen und zu erklären war immer ein großer Teil meiner Bemühungen. Ich stelle mir Sie vor mit der Pulmanmütze vorne bei einem Schiff, James Cook, der da durch die Ozeane gleitet, zum Himmel sehend und heraus zu versuchen versucht, wie das Ganze zusammenhängt. Wann hat das bei Ihnen angefangen? Ja, so 14, 15 Jahren. Warum? Ich wollte eben auch einmal da oben mich ein bisschen tummeln und natürlich war der Wunsch da, das mit irgendwelchen optischen Hilfsmitteln zu tun. Was war da gegeben? Das war die Zeit unmittelbar nach dem Krieg. Nichts war da, nur Trümmer. Und zum Beispiel ein gutes Fernglas wäre weit über meinen Zugriffsmöglichkeiten gestanden. Und da fiel mir in die Hände, am Dachboden in einer Truhe, Das, was noch aus der Zeit meiner Großeltern dort aufgehoben wurde, alte Schulbücher. Und die alten Schulbücher waren ja in einer Art geschrieben, die noch viel unmittelbarer war als heute. An diesen Schulbüchern konnte man wirklich etwas lernen, auch wenn man nicht zur Schule ging. Und da war ein Fernrohr beschrieben, wie es funktioniert. Da ging nun die Suche nach geeigneten Brillenlinsen. Ich habe welche gefunden, ich habe sie kombiniert mit Teilen des Mikroskops und hatte plötzlich ein Fernrohr. Und habe all die Entwicklungsprobleme, die man wirklich beim Bau von Fernrohren hatte, in der Optik vor allem, miterlitten. Und mir dann später, durch die Güte meines Lehrers Thomas, auch wirklich ein schönes Fernrohr beschaffen können und dann ging es erst richtig los. Dann war es wirklich auch Ihre Mutter, also weil Sie gesagt haben, die Frauen bringen uns den Himmel nahe? Schauen Sie, ich bin ein Junge gewesen, der im Krieg aufgewachsen ist. Mein Vater war eingerückt, er ist zum Glück unbeschadet wieder zurückgekommen. Meine Mutter musste sich um die Familie kümmern Und meistens ist es ja doch so, dass die Eltern im Erwerbsleben stehen und daher oft nicht das geben können, was zum Beispiel Großeltern geben können. Und daher spielen Großeltern oft eine viel größere Rolle in der Entwicklung eines jungen Menschen als die Eltern. Bei Ihnen auch? Ja, ich kann nicht sagen. Und es war dann auch immer der Wunsch, immer mehr kennenzulernen und genaueres einzelnen dann auch die Dinge mit Zahl und Maß zu erleben, sich daran zu freuen, dass alles stimmt oder zu entdecken, ich habe mich verrechnet, es stimmt doch nicht. Aber so erlebte man zum Beispiel auch die Rechentechnik. Und eine Rechenmaschine, eine mechanische, die nur vier Grundrechnungsarten kannte und praktizieren ließ, die war natürlich ein Geschenk des Himmels damals. Und als der erste Taschenrechner mit den Winkelfunktionen kam, das war ja ein Geschenk des Himmels gewissermaßen. Und so ist es dann weitergegangen bis zum Computer. Und jetzt geht es dann wieder weiter. Ich glaube, Herr Professor Mucke, wir reden in 100 Jahren wieder. Machen wir wieder eine Sendung? Und wie sich das weiterentwickelt hat? Ja, also das wäre natürlich interessant zu sehen und ich danke Ihnen für dieses fröhliche Gespräch und die Möglichkeit ein bisschen was davon zu erzählen, was mein Leben bewegt hat. Wir danken Ihnen und das war die Physikalische Sorée, die Vor-Venus-Durchgangsausgabe, nämlich die Juni-Ausgabe und morgen am 8. Juni, schauen Sie zum Himmel, einfach am Vormittag, da wird die Sonne mit der Venus ein kleines Tänzchen auffüllen. Lothar Bodingbauer verabschiedet sich.
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ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute|Radioproduktion > Premium | 31.12.2003
Kleiner Chronist
Sebastian Mitterbauer: Portrait eines 15-jährigen mit ungewöhnlichen Interessen: Niemand in der Gegend kann so gut Kurrent wie Sebastian Mitterbauer. Wann immer ein alter Text mit den nicht mehr lesbaren Buchstaben auftaucht, wird Sebastian gerufen. Als 14-jähriger wurde er zum Experten für Haus- und Ortschroniken. In den Ferien räumt er das Gemeindearchiv auf. Vom spanischen Erbfolgekrieg bis hin zur jüngeren Geschichte erstreckt sich seine spezielle Welt.
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Österreich 1 · 31.12.2003 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Sebastian Mitterbauer: Portrait eines 15-jährigen mit ungewöhnlichen Interessen: Niemand in der Gegend kann so gut Kurrent wie Sebastian Mitterbauer. Wann immer ein alter Text mit den nicht mehr lesbaren Buchstaben auftaucht, wird Sebastian gerufen. Als 14-jähriger wurde er zum Experten für Haus- und Ortschroniken. In den Ferien räumt er das Gemeindearchiv auf. Vom spanischen Erbfolgekrieg bis hin zur jüngeren Geschichte erstreckt sich seine spezielle Welt.

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Manuskript

CD Cut 1 (00:18) Trailer

Da kann ich selber etwas erforschen, was andere erforscht haben, und was noch nicht in die Öffentlichkeit gekommen ist. Da liegen Berge von Urkunden in den Archiven herum, die noch nie bearbeitet worden sind. Das ist sehr interessant, wenn man sich so etwas durchliest.

00:18 OT 1 Ausschnitt (60)

Wie ich noch in die dritte Klasse Volksschule gegangen bin, habe ich daheim nebenbei die Kurrentschrift gelernt, und habe mich immer weiter hineingelesen in die Urkunden. Manche Sachen sind nicht sehr schön geschrieben, aber ich versuche, dass ich sie trotzdem übersetze.

Wer immer sich in ein Gemeinde- oder Stadtarchiv begibt, taucht ein in eine Welt der längst vergangenen Zeit. Der Forscher wird belohnt – durch Geschichten und Begebenheiten auf die einen Reim zu machen sich heutzutage wenige verstehen. Die Chronik eines Ortes trifft viele Menschen und hinterlässt sonderbare Spuren.

N.N. begrüßt Sie bei Moment Leben Heute.

1

Einer der wenigen, die eine Dorfchronik in alter Schrift und antiquierter Sprache lesen können ist Sebastian Mitterbauer. Er sortiert im oberösterreichischen Altheim die alten Dokumente dieser kleinen Stadt. Er sortiert Kassabücher und ordnet Urkunden. Sebastian ist 15 Jahre alt. Er, kaum noch auf der Welt, datiert und übersetzt die meist kurrent geschriebenen Dokumente des Ortes und seiner Umgebung ins heutige Deutsch. Hören Sie ein Portrait der ungewöhnlichen Interessen eines ganz normalen Schülers – von Lothar Bodingbauer.

Manuskript Beitrag (OT Länge 7:12)

00:22 OT 2 Kurrent lernen – Beispiel für Urkunde (61a)

Ich habe mich mit der Blockschrift in der ersten … und die habe ich dann halt nebenbei gelernt.

Sebastian überträgt zunächst einmal die Kurrentschrift in einen leicht lesbaren Computertext.

00:32 OT 3 Schreibweise, Zitat (61b)

Die Schreibweise von damals ist natürlich eine Katastrophe … Gewalt ich mich angenommen, verordnet gehaben.

Reich und schön – das, was heute Themen von Fernsehserien sind, wurde früher auf andere Weise abgehandelt: zum Beispiel in einem Erbrechtsbrief, den Sebastian gerade übersetzt.

00:30 OT 4 Lesen gelernt (62)

Es ist wahrscheinlich ein Erbrechtsbrief … Kunstschätze, oder einen Haufen Geld, das ist sehr interessant, wenn man sich so was durchliest.

Das Schreiben allerdings hat Sebastian schon wieder verlernt.

00:07 OT 5 Kein Brieffreund (63)

Weil ich keinen Brieffreund habe, den ich in Kurrent schreiben kann. Lesen kann ich es schon gut.

2

Und das reicht auch völlig aus, um in der Geschichte des Ortes zurückzugehen. Sebastian verbringt viele Stunden im Gemeindearchiv von Altheim. In der Zeit zurückzugehen heißt für ihn zunächst, im Gemeindearchiv einige Schränke weiter nach hinten zu gehen.

ATMO 1 Archiv (64)

Vorbei an Flaschen mit seltsamen Inhalt, Gegenständen aus Holz, die heute längst keinen Namen mehr haben, weil sie keiner mehr kennt. Das Gemeindearchiv von Altheim sammelt nicht nur Schriftstücke, sondern auch wichtige Gegenstände des Ortes: Flachsrechen, Holzrahmen, Bilder, Kugeln, wer weiß wie sie heißen, wer weiß, wofür man sie spart.

02:13 OT/ATMO 6 Bierflaschen, Foltermethoden (65) – darüber auf Zeichen

Das ist ganz interessant, das sind alte Bierflaschen – Bresenhuberchronik … müsste ich in meiner Brauereichronik nachschauen.

Eine eigene Brauereigeschichte des Ortes hat Sebastian selbst geschrieben. Und so ist das Nachschauen ins geschichtliche Detail für hier nicht allzu schwierig.

OT/ATMO 6 hoch bis Ende:

… aber das ist Geschichte der Brauereien in Altheim.

Und sonst, selbst Chronik schreiben? Chronist zu sein? Das wäre zu viel, meint Sebastian, aber ein Tagebuch geht sich schon aus.

(00:39) OT 7 Tagebuch (66)

Ja ich schreibe nur was rein, wenn … so was wie Anne Frank, mache ich nicht, das ist mir zuviel.

Anne Frank, Schülerin, getötet während des 2. Weltkriegs durch Nazi-Schergen. Das ist neuere Geschichte, wie Sebastian in der Schule lernt. Er weist auf die Kästen links hinten im Gemeindearchiv hin.

(00:36) OT 8 3. Reich (67)

Da sind dann noch die Akten vom 3. Reich … dass man weiß wo man suchen muss, wenn man was sucht. (Geräusch).

3

In vielen Land-Gemeinden wurden die Dokumente der Kriege vernichtet, Aufzeichnungen zu den Taten und Gesinnungen der Gemeindebevölkerung aus den Chroniken herausgerissen. Für Sebastian Mitterbauer ist es noch zu früh, das Kapitel „2. Weltkrieg und die Altheimer zu öffnen. Es seien einfach noch zu viele am Leben, die das betrifft.

Der Chronist als Verschlossener. Als Hüter der Geschichte. Was er findet und übersetzt, mag an die Außenwelt dringen. Was er verbirgt, bleibt wohl für immer verborgen.

(00:48) OT 9 Rauschige (68)

Da hat es einmal in der Fastnacht … aber es ist gut, dass es so etwas heute nicht mehr gibt.

Heute. Wieder zurück, hier und jetzt, erzählt Sebastian von seinen Berufsplänen. Er möchte Tischler werden. Heimatforscher möchte er bleiben. Als Nebenberuf.

(00:28) OT 10 Zukunft – Geschichte studieren (69)

Ich werde es sicher nicht so betreiben … die was schon warten drauf, dass sie wo reinkommen.

Sebastians Vater ist selbst an der Geschichte des Ortes interessiert, er hat seinen Sohn schon früh mitschauen lassen bei dem, was er tut.

(00:22) OT 11 Vater (70)

Und das hat mich einfach interessiert … Dokumente herumgelegen, das hat mich damals schon interessiert..

Eigentlich ist Sebastian Mitterbauer ein ganz normaler Jugendlicher. Vielleicht etwas restriktiv beim Fernsehen seien seine Eltern, meint Sebastian, deshalb spielt sich sehr viel im eigenen Kopf ab.

(00:09) OT 12 Normal sein (71)

Meine Hobbys wie Radfahren … nur dass ich einen Vogel habe für die Heimatkunde, das ist nicht ganz normal.
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ID 53
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 31.12.2002
Notizbuch
Das Notizbuch. Für die einen ist es einfach ein Speicher von Fakten und Begebenheiten ihres Lebens. Für die anderen ist es mehr: ein komplexes Stapel Papier, gebunden zwischen zwei Buchdeckel und verbunden mit einem wohldurchdachten System, die Seiten zu beschreiben.
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Österreich 1 · 31.12.2002 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Das Notizbuch. Für die einen ist es einfach ein Speicher von Fakten und Begebenheiten ihres Lebens. Für die anderen ist es mehr: ein komplexes Stapel Papier, gebunden zwischen zwei Buchdeckel und verbunden mit einem wohldurchdachten System, die Seiten zu beschreiben.

Manuskript

MOMENT – Lothar Bodingbauer

Das Notizbuch, 2. Februar 2005, Mittwoch

SENDUNG SIGNATION

OT 01 Intro

Für mich ist es definitive ein städiger Kampf, den ich nicht gewinne. Ich bin ein Notizbuchlooser ... Schneide Seiten raus. Versuche immer eine Ordnung herzustellen, aufs Neue. Es ist ein hoffnungsloser Kampf.

MODERATIONSVORSCHLAG

Das Notizbuch. Für die einen ist es einfach ein Speicher von Fakten und Begebenheiten ihres Lebens. Für die anderen ist es mehr: ein komplexes Stapel Papier, gebunden zwischen zwei Buchdeckel und verbunden mit einem wohldurchdachten System, die Seiten zu beschreiben.

Das Notizbuch. Lothar Bodingbauer hat Erzählungen gesammelt, von Menschen, wie sie es verwenden.

OT 02: Ich habs da. Das ist ein schönes kleines schwarzes Büchel. Abe rich brauche meine Brille, ich sehe im Nahbereich nicht so gut.

Darüber: TEXT, OT läuft als Atmo weiter

Robert Seraphin und sein Notizbuch. Er ist Filmemacher. Es ist postkartengroß, recht dick, und in biegsames schwarzes Leder eingehüllt. Er beschreibt immer nur die rechte Seite.

OT läuft weiter: Also mein Notizbuch bedeutet für mich eine Form der Ordnung, die ich im Kopf nicht habe. … Schneide Seiten raus … es wird nie Hisotrie meiner Gedanken sein … Abreißblock, Spiralbücher …. Wirkt mir immer zu billig und zu trivial. Ist komisch, ist so etwas wie eine ästethische Instanz … Form und Ästhetik haben, dass ich wirklich gerne reinschreibe.

OT läuft weiter, wird zu Atmo Pferdewiehern

Ab Wiehern sofort

Musik darunter von CD 2/ Cut 01

,

OT läuft weiter: Traum … kam in Stadt … kann ich gar nicht lessen … während ich es raufgehen lasse, schauen wir uns ins gesicht in die Augen, sein Gesicht ist das eines jungen Mannes, das lächelt. Das wars.

MUSIK ausblenden in die Pause hinein, OT läuft weiter: Schau das ist ziemlich leer. Da habe ich nicht viel zu tun gehabt. Da war ich ziemlich nachlässig. Huch! Das ist ganz leer. Schau. (Pause, blättert). Ich glaub das ist ein schlechtes Beispiel für ein Notizbuch. Das ist so leer!

TEXT darüber:

Martina Siebenhandl ist Fotografin. So leer ihr Notizbuch auch ist, es ist ihr eine wichtige Stütze. Es ist klein – ein einfacher Kalender.

OT läuft weiter: … habe ich das Gefühl, ich habe nichts getan. Ich habe nichts erreicht. Kein Erfolgserlebnis. (Atmo läuft aus, darüber folgender Text.)

Wenn das Notizbuch mit einem Kalender kombiniert wird, dann kann ein leerer Tag, wie wir eben gehört haben, schon schrecklich sein. Macht nichts, sagt Alexander Rueprecht, jeder Tag ist für mich ohnehin eine individuelle Katastrophe. Auch sein Notizbuch ist ein Kalender. Ein Stehkalender.

OT 03: Und hier bei diesem Kalender … und so funktioniert mein System im großen und ganzen.

Funktioniert: Zu seiner vollen Unzufriedenheit. Immer wieder versucht Alexander Rueprecht, handschriftliche Notizen, die er auf kleine Zetteln schreibt, in schöne Notizbücher umzuschreiben.

/// KÜRZBARE STELLE falls Beitrag zu lange

OT 04: Ich habe da ein mehrstufiges System entwickelt … hat sich bewährt, dass es auch optisch von weitem sichtbar ist. // eventuell kürzbar, falls Beitrag zu lang

///

Die Chancen auf geordneten Erfolg sind aber auch heuer wieder gering.

OT 05: Vor allem, weil ich alles gleichzeitig habe … aufgrund optischer Präsenz auch noch vor mir liegen.

Und genau das könnte der Reisebürofachfrau Evelny Preiss nicht passieren. Sie entwirft Studienreisen und betreibt ein Notizbuch, das sein Gegenteil ist: kein Notizbuch.

OT 06: Ich habe keines. … hat das Vorteile? … weigere mich die einzuspeichern … bemerkenswert finde … im Kopf bin ich viel flexibler.

Der Nachlassverwalter wird da einmal wenig zu tun haben. Und Pech auch:

OT 07: Eventuell Pech auch … heißt schon auch, es war nicht wichtig genug.

aneinanderschneiden

OT 08: Es hat mit dem Reisen zu tun. …

Eva Bilisitsch, sie ist Schauspielerin, ihr Notizbuch ist dreieckig, wird einmal von der Spitze, dann wieder von der Breitseite her beschrieben, ganz wie es ihr gefällt.

OT 09: Was habe ich da geschrieben … das ist wieder eine Charakterbeschreibung von der Hauptfigur für unser Kindermusical.

Es macht keine Faxen, und keine Probleme. Das Notizbuch von Eva Bilisitsch ist so, wie es sich gehört. Es ist einfach nur da, wenn sie es braucht. Ganz einfach für Notizen.

OT 10 – Das betrifft auch dieses Stück. Da zum Beispiel … Eine Zeichnung von … hat das Privileg auch reinzuschreiben, die darf das.
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ID 52
Education|Radioproduktion > ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute|Radioproduktion > Premium | 31.12.2002
Dialektstunde
Am Land wurde immer schon versucht, die Mundart aus der Schule zu drängen. "Red schön", hatte es geheißen. Trendumkehr nun: In der Musikhauptschule St. Martin im Innkreis lernen die Schüler die charmanten Feinheiten und verbalen Schärfen ihres Dialektes kennen, mit einem Mundartdichter der Region. Ein Lokalaugenschein.
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Österreich 1 · 31.12.2002 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Am Land wurde immer schon versucht, die Mundart aus der Schule zu drängen. "Red schön", hatte es geheißen. Trendumkehr nun: In der Musikhauptschule St. Martin im Innkreis lernen die Schüler die charmanten Feinheiten und verbalen Schärfen ihres Dialektes kennen, mit einem Mundartdichter der Region. Ein Lokalaugenschein.

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Transkript (automatisiert, Whisper, kann Fehler enthalten)

[0:11] In der Schule wird schön nach der Schrift gesprochen und richtig Deutsch gelernt, damit man nicht immer mir und mich verwechselt oder das Teller sagt. Am Mikrofon begrüßte Herbert Schaden. Für die Fallfehler und das Nicht-Hochdeutsch-Sprechen-Können werden immer schon die Dialektsprache oder eine ausgeprägte Mundart verantwortlich gemacht. Schule und Unterricht und Dialekt, das passte und passt nicht zusammen. Oder doch? Die Lehrer der Landhauptschule St. Martin im Innkreis sind besorgt, dass die Mundart-Rede in ihrer Gegend zu verschwinden droht und fühlen sich zuständig für deren Wiederbelebung. Eine bemerkenswerte Initiative auch für den Inviertler Lothar Bodingbauer. Ein Blärmekistel, das ausschaut wie ein Schuhrschopter, ein quadernförmiger Blumenkasten, Innenmasse 1,24 cm lang, 31 cm breit, 2 cm und 8 cm hoch, soll die Einwände auch farbiert werden. Wie viele Quadratmeter sind zu bestreichen? Mundart ist dann, wenn die Landschaft und ihre Menschen eine bestimmte Farbe bekommen. Eine Farbe, die man nur hört. Wir haben gerade die erste Übung gehört, Mathematik. Übung Nummer 2, Tausordnung. Mache keinen unnötigen Lärm. Lärm ist ungesund und stört die Konzentrationsfähigkeit. Blei nicht unnötig um a dumm, weil wann schreist wie a Kaiwe, ist es nicht gesund und aufpassen kannst du auch nicht.

[1:40] Riecht nicht zu fleiß a Psi, weil das Zeig oder Schuhe kostet ein Haufen Geld.

[1:45] Grat die Schuhebänge sind nicht zu Tagen da. Das Fach bei der Bank und der Kosten sollen kein Sauhaufen sein.

[1:53] Hausschuhe mit abriebfesten Sohlen halten nicht nur die Schule rein, sondern auch deine Füße gesund. Mit die Batsche, mit denen du keine schwarzen Strieh am Boden machst, wenn du ein wenig schliefst, sind nicht gerade kein Drehgeiner, mit denen kriegst du keine Kassel. Lass kein Geld in der Garderobe liegen. Dort, wo es gewohnt auf keinem Tier, sollst kein Geld ansagen lassen. Nicht auf dem Stierengelände sitzen und rutschen. Dass ein Jahr nicht auf dem Stierengelände sitzt und womöglich noch runterrutscht.

[2:24] Benehmen beim Schulbus fahren. Am Bus zieht es dir mal ruhig hin, macht kein Gaudi, darfst nicht und macht auch keinen anderen Tand. Nicht tanzen. Dort, wo die Tänze doch noch manchmal eine wichtige Rolle spielen, ist das eine gefährliche Drohung. Wie schreibt man aber diese Mundart-Geschichten eigentlich auf? Sicherlich mit vielen weichen Buchstaben, aber auch? Alles sie gelangen. Warum? Puh, also ich war zum Sohn. Du schreibst es einfach so, wie du denkst. Dann schreibst du es dann halt einfach alles sie gelangen, nicht mehr groß. Der Mundart-Dichter Hans Kumpfmüller wurde beigezogen, um zu helfen, der Sprache der Kinder wieder Beine zu machen. Wieder auf die Fürstshöfen. Wir haben dann auch gesagt, ja, was machen wir? Wir machen Fächerübergreifend, Mathematik haben wir gehabt und jetzt machen wir auch was mit Musik. Und da ist eigentlich von den Schülern, von der Gruppe, der Impuls kommt, dürfen wir ein Schanzl schreiben.

[3:25] Grundsätzlich dürfen wir alles. Also haben wir gesagt, sie dürfen. Und jetzt sind wir einfach hergegangen, irgendeiner ist auf die Tafel gegangen und haben gesagt, nehmen wir die Orte, von wo die Schüler her sind. Und da habe ich halt auf irgendeinen gezeigt, ich weiß nicht, war es der oder wie, ja, von was es ist, ja, von Uzenau, ne, Uzenaich, ne. Uzenau ist ja ein Wort, das ist allein schon ein Gestanz, da braucht es dir eigentlich nichts mehr dazu sagen. Irgendeiner hat dann mal Uzenau auf die Tafel geschrieben, ja, und dann Uzenau, was reimt sich? Oh, ne, ist ja klar, es ist sogar drinnen im Wort. Und wir, wir kommen, was gibt es für Ohr, dann sind die ganzen, was weiß ich, alles, was halt eurerlegt ist, da zur Debatte gekommen, da. Und wir haben aber gewusst, es sollte lustig werden, es sollte ein wenig ein Ding, nein, das Oster war einmal, das ist immerhin schon gescheckt, es ist schon einmal was. Aber es war, es war immer noch zu rund, jetzt haben wir ihm einmal die Hand gegeben, dann war es EKD-Ore. Das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst, das hat einmal gepasst.

[4:33] Das ist einmal so da gestanden. Und dann war halt ein wenig ein Ding, so zwei Zeiten haben wir, jetzt sind wir aber erst Halbzeit. Was kommt dann, wenn man viel isst, dann muss man späumen. Und späumen, das war so herrlich, dass du mal späumen sagen darfst, späumen schreiben darfst. Und da ist auch Rannen durch die Reihen gegangen. Also späumen war richtig schön. Ich bin ein Späumen.

[5:09] Und dann, ja, was ist das? Gespeiber, das ist dann nur einmal schöner geworden. Und was schaut denn aus, wie er gespeibert? Und irgendwer hat dann gesagt, der Semmigren, das ist die mehrwertige Soße. Und das hat sich dann eh so mit der Gruppe mehr ergeben. Zunzunau, Zunzunau, ich gehöre die Osterwärme, beim Ganzen Semmigrenner, und was ist dann? Und man hat es da schön. Und hat schon gepasst. Und wir haben einen Gestanz gehabt.

[5:35] Music.

[5:44] Der Lump, der Feu, segiert die Blanbinderschläge. Der Depp, der Brieftrager, fliegt von Heusel runter. An Grundwasser drin, spielt sich der Elefant mit dem neuen Flieger. Der Gschäckert-Auf, turnt auf der Wasserbombe umeinander. Das sind Nonsens-Gedichte. Die Schüler lernen dabei die schöne Führung des lautmalerischen Sprechpinsels. Ich war früher in Eberschwang Lehrerin und die haben in Thurnen gesagt, schnell, schnell, schnell, weil sie uns schnell gehen hätten müssen. Dort wo ich bin, da sagt man schnell, sind wir in Kirchen am Hausruck. Das ist eigentlich eine Nachbarsgemeinde und schon wird das anders ausgesprochen.

[6:35] Die anderen haben gesagt, Affe und der andere Affe. Bist du aufgelaufen über den Hafen und die anderen haben gesagt, bist du Affe gelaufen auf den Hafen. Es sind sehr viele Ausdrücke verloren gegangen und die Kinder haben am Anfang zu Hause gefragt und sind mit ganz vielen Ausdrücken gekommen, die sie eigentlich nicht mehr verwenden. Und das, glaube ich, ist auch der Vorteil von unserem Projekt, dass manches wiederbelebt wird oder dass es nicht verloren geht. Ich denke an das 2, 2 und 2. Im Hochdeutschen heißt es, es gibt also zwei Personen, in der Mundart gibt es also 2, 2 und 2 für männlich, weiblich und säglich. Der Deutschlehrer Matthias Ertl. Naja, es ist so, dass die Umgangssprache, das ja eigentlich nicht mehr Dialekt ist, sich mehr und mehr verbreitet. Das ist klar, das ist der Lauf der Zeit. Und es ist irgendwo schade, weil das natürlich so prägnante Mundatausdrücke dann dadurch verloren kriegen. Schlagt das dann über in Deutschaufsätze auch?

[7:36] Dass auf einmal Späum drinnen steht? Und vor allem, wann es drinnen steht, kriegt man da dann jetzt einen Fehler? Oder ob heute nicht mehr? Ich glaube nicht, dass Späum schreiben. Aber es kann nur eine Bereicherung sein, wenn Sie da treffende Ausdrücke suchen in der Mundart und das dann auch in der Schriftsprache treffende Ausdrücke finden. Denn manches ist einfach in der Mundart besser zum Ausdrücken für uns, weil das die Sprache ist, die wir sprechen. Mein Papa kann auch viel gut dichten und dann gefällt das auch viel, was wir da alles zuschauen. Das Gstanzel dichten, das ist irgendwie am Anfang auch nicht so leicht, weil man muss sich einmal was einfallen lassen, wo was reimt. Aber man kann sich auch manchmal bei anderen Gstanzel, die man schon kennt, ein bisschen was anschauen.

[8:23] Und wenn man nachher mittendrin ist, nachher ist es auch gar nicht mehr so schwer. Und mir nix, dir nix haben die Kinder auch für das Radio aus Wien Eingstanzl fabriziert. Da drunter in den Wern, da sauchen sie aus der Rehre, da essen sie mit den Händen, weißt du, wie dick, das ist, wie dick kleiner Kind. Können wir das alles merken? Ja, dann machen wir das. Ohne wieder nachher.

[8:50] Music.
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ID 51
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 31.12.2002
Oral History
Gesprochene Geschichten mit Großeltern: Wenn Ida Maier aus Mettmach (OÖ) aus ihrem Leben erzählt, hören ihr Schülerinnen und Schüler der Hauptschule des Ortes mit offenen Ohren zu. Sie erzählt den von einer Zeit, als sie das selbe Alter hatte, wie die Jugendlichen heute. "Oral History" heißt es, wenn der Geschichtsunterricht nicht in der Schule stattfindet, sondern bei den Betroffen zu Hause.
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Österreich 1 · 31.12.2002 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Gesprochene Geschichten mit Großeltern: Wenn Ida Maier aus Mettmach (OÖ) aus ihrem Leben erzählt, hören ihr Schülerinnen und Schüler der Hauptschule des Ortes mit offenen Ohren zu. Sie erzählt den von einer Zeit, als sie das selbe Alter hatte, wie die Jugendlichen heute. "Oral History" heißt es, wenn der Geschichtsunterricht nicht in der Schule stattfindet, sondern bei den Betroffen zu Hause.
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ID 50
ORF > Österreich 1 > Dimensionen|Radioproduktion > Premium | 31.12.2002
Nikola Tesla
Genie oder Scharlatan? Der Erfinder Nikola Tesla (1856-1943) gilt als Wegbereiter für das Wechselstromsystem. Für seine Arbeiten zu "Freier Energie" und angeblichen "Todesstrahlen" interessieren sich heute allerdings vor allem Phantasten und "Verschwörer". Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit Biographen und selbst ernannte geistige Erben Nikola Tesla (1856-1943) als verkanntes Genie propagieren. Tesla-Gesellschaften arbeiten an einem Beweis für das Konzept der "Freien Energie", ohne Fo …
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Österreich 1 · 31.12.2002 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Genie oder Scharlatan? Der Erfinder Nikola Tesla (1856-1943) gilt als Wegbereiter für das Wechselstromsystem. Für seine Arbeiten zu "Freier Energie" und angeblichen "Todesstrahlen" interessieren sich heute allerdings vor allem Phantasten und "Verschwörer". Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit Biographen und selbst ernannte geistige Erben Nikola Tesla (1856-1943) als verkanntes Genie propagieren. Tesla-Gesellschaften arbeiten an einem Beweis für das Konzept der "Freien Energie", ohne Forschungsgelder und außerhalb der Wissenschaftsgemeinde. Zwischen Scharlatanerie und wissenschaftlich gesicherten Errungenschaften Teslas zu unterscheiden, ist schwierig, hat doch die Tesla-Spule, mit der für Menschen unschädliche hochfrequente Wechselströme erzeugt werden, hohes Lob der Physiker eingetragen. Teslas Arbeiten und Erfindungen mit Generatoren und Motoren halfen auch maßgeblich mit, weltweit den Wechselstrom gegenüber der Stromversorgung mit Gleichstrom durchzusetzen. Um 1900 war der Erfinder Nikola Tesla vom Glück wenig begünstigt: In seinem Labor wütete ein Brand und nahezu jedes größere Projekt musste aus Geldmangel abgebrochen werden, bevor nennenswerte Ergebnisse vorlagen. Bei den meisten Patentanmeldungen wurde er von seinen Kollegen überholt. In den Augen seiner Kritiker war er vor allem eines: ein Scharlatan. Tesla habe behauptet, geheimnisvolle Todesstrahlen erfunden zu haben, mit Hilfe eines kleinen vibrierenden Gerätes Gebäude zum Einsturz bringen zu können, Energie zu funken, es gäbe "Freie Energie" in der Atmosphäre, die man nur auf die richtige Weisen nutzbar machen müssen. Wie konnte es zur Bildung der Tesla - Legenden kommen? Die Radiosendung zeichnet ein Bild des widersprüchlichen Erfinders, vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen allgemein anerkannter Wissenschaft und dem Tesla - Kult, dessen phantastische Bücher in regelmäßigen Abständen die vorderen Regale der Buchhandlungen erreichen.

URL:

Manuskript

00:06 CD Cut 55 ATMO Brrzzzzl

00:18 CD Cut 56 ATMO / OT Gratz

Der Strom, der Strom ist so groß über meinen Körper, dass diese Glimmlampe zu leuchten beginnt.

Genie oder Scharlatan?

00:10 CD Cut 57 OT Gratz

Es fließt an meiner Hautoberfläche ab, der // Strom, der da über meinen Körper geflossen ist. Der immerhin dazu ausreicht, um diese Glimmlampe zum Leuchten zu bringen.

Der Elektroingenieur und phantastische Erfinder Nikola Tesla.

2:20 ca DIGAS 07 OT Vujovic Intro Teil 1

Tesla Memorial Gesellschaft in New York begrüßt Österreichisches Rundfunk und alle Zuhörende. Unsere Gesellschaft wurde 25 Jahre zurück gegründet, um Nikola Tesla zu ehren und seine Ideen zu verbreiten. Mein Name ist Dr. Vujovic, Generalsekretär für die Tesla Memorial Gesellschaft in New York.

Eine Sendung von Lothar Bodingbauer.

( ... Fortsetzung)

Nikola Tesla war ein großes Wissenschaftler und ein Humanist. Er war auch ein großes Vorbild für die Balkanstaaten und das ehemaliges Österreichisch-Ungarisches Gebiet. // Er studierte in Graz polytechnisches Institut und Universität Prag. In Budapest entdeckte er das kreisende elektromagnetische Field in 1882. Das war eine kolossale Entdeckung. Diese Entdeckung war die Basis für die Wechselstromelektrizität. Das ist heute die Elektrizität der Welt. Nikola Tesla Name wurde angenommen für die Einheit für Magentische Dichtigkeit. Tesla Memorial Gesellschaft in New York hatte zu den Vereinigten Nationen vorgeschlagen, ein Nikola Tesla zu erklären. Der Nikola Tesla Tag würde ein Tag für Wissenschaft, Forschung und Brüderschaft zwischen allen Nationen und Religionen in der Welt werden. Wir leben in einer Zeit von Europäischen Vereinigung. Nikola Tesla und seine wissenschaftlichen Erfolge war ein Vorbild für alle Balkanstaaten und die ehemalige Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Für den New Yorker Krankenhausarzt Ljubo Vujovic ist die Beschäftigung mit Nikola Tesla eine Frage der Berufung.

Für den Mann im Stromkreis, den wir zu Beginn der Sendung gehört haben, ist Nikola Tesla Teil des Berufs. Prof. Ernst Graz von der Technischen Universität Wien. Er hat seinen Studenten eine Teslaerfindung vorgeführt – den so genannten Tesla Transformator, mit dem man hohe Wechsel-Spannungen mit hoher Frequenz erzeugen kann.

Kurzgefasst und vereinfacht: Nikola Tesla war der Wegebereiter des Wechselstromsystems, jenes Stroms, der bei uns aus der Steckdose kommt.

Bekannter als Tesla ist der Amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison. Er hat xxxx die Glühlampe erfunden, und Edison wollte sie mit Gleichstrom betreiben. Gleichstrom ist Strom, der ständig in eine Richtung fließt. Wechselstrom hingegen fließt ständig hin und her – 60 mal in der Sekunde, im europäischen Stromsystem etwa.

Teslas Idee war Wechselstrom. Er bietet im Gegensatz zum Gleichstrom den Vorteil, dass der gesamte Übertragungsweg einfacher und verlustfreier zu handhaben ist, von der Erzeugung in den Generatoren, bis über die Hochspannungsleitungen zu den Wechselstrommotoren.

Der Elektrotechniker Nikola Tesla hat nicht unbedingt den Wechselstrom einfach nur erfunden – sondern er vor allem auch die Geräte dazu geliefert: Generatoren zur Erzeugung, Transformatoren zum Ändern der Spannungen, geeignete Wechselstrommotoren. Thomas Alva Edison ist auf seinen Gleichstromgeräten sitzen geblieben. Wechselstrom hat sich durchgesetzt.

Und ob es nicht genug wäre, Nikola Tesla hat mit diesem Wechselstrom auch gewaltige Versuche mit sehr hohen Spannungen und hohen Frequenzen durchgeführt. Es hat dabei geblitzt, geraucht, gefunkt, Tesla verschwand in einem elektrischen Flammenmehr und entstieg demselben wieder, unverletzt. Er experimentierte vor den begeisterten Augen der versammelten Gäste in den Elektrisiersalons der Jahrhundertwende, vor Menschen, die sich versammelt haben, um sich an elektrischen Vorführungen zu begeistern, um 1900, in einer Zeit, da das alles neu war. Von den Gefahren hatte man oft wenig Ahnung. In manchen Schuhgeschäften etwa wurde die gerade erfundene Röntgenröhre verwendet, um die passenden Schuhgröße herauszufinden.

Alles war im Aufbruch, zwischen 1880 und 1940, es war eine Zeit der Erfinder - hier in Europa, und in Amerika. Die Welt war im Wettbewerb; Ingenieure und Wissenschaftler befanden sich im Erfindungs- und Erklärungstaumel. Es herrschte ein Boom um die Elektrizität und ihren Einsatz. Es ging gerade auch um Lizenzgebühren für die Verwendung von Erfindungen, Investitionen sollten sich lohnen, indem ein System durchgesetzt wurde, am besten weltweit. Auch die Radioübertragung wurde in dieser Zeit erfunden.

Die Fabriken forderten mehr Energie. Und Nikola Tesla versprach – ohne besseres Wissen von heute: Ich werde Euch Energie aus dem Weltall beschaffen - freie Energie, die nichts kostet, die immer nur strömt.

Adolf Schneider, Schweizer Verleger:

1:08 DIGAS 02 OT Schneider Tesla Wunderauto

In der Literatur taucht immer wieder ein Bericht auf über ein so genanntes Tesla Auto. Das ist eigentlich ein Elektroauto, das er umgebaut hat, ein vornehmes Auto der 30er Jahre. Das hat er als Elektroauto umgebaut mit einem 70 PS Elektromotor. Aber als Energiequelle hat er Energie aus dem freien Raum bezogen über eine Antenne, und dann über eine spezielle Elektronik. Das findet man zwar normalerweise nirgendwo in der Wissenschaftshistorik verzeichnet, aber es gibt sehr viele Belege dafür. Wir hatten zum Beispiel letztes Jahr den Sohn des früheren Direktors des deutschen Erfinderhauses in Hamburg getroffen. Der hatte die Chance, 1930 von Tesla persönlich empfangen zu werden, und er konnte persönlich das Auto fahren. Und da gibt es ausführliche Berichte darüber. Und das Problem ist, Tesla hat erkannt, dass in der aufkeimenden Ölindustrie und so weiter das offenbar kein besonders interessantes Thema war, kostenlos mit Energie durch den Raum zu fahren.

Schon in zwei Jahren soll es laut Adolf Schneider wieder so ein Auto geben, das mit freier, kostenloser Energie aus dem Weltall fährt.

Phantasiererei? Humbug in Teslas Namen?

Nein. Nikola Tesla bediente jeden. Er lieferte Erfindungen und Ideen für jeden Geschmack. Für Wissenschaftler korrekte - und für Esoteriker phantastische. Für jeden ist in Teslas Hinterlassenschaften heute etwas dabei.

Aber schauen wir einmal zurück. Ins vor-vorige Jahrhundert, 1856. Auf Österreichisch-Ungarisches Gebiet. In Smiljan, in der Nähe von Zadar im heutigen Kroatien wird Nikola Tesla geboren, als Sohn einer serbischen Familie. Sein Vater ist serbisch-orthodoxer Priester. Der Sohn aber darf Ingenieur werden, und erhält seine Ausbildung vom K & K Militär finanziert. Tesla studiert zu erst in Graz. Prof. Franz Pichler, Tesla-Experte von der Universität Linz:

0:40 CD 31 OT Pichler

Tesla hat mit Begeisterung studiert. Er hat wirklich nachgewiesen das doppelte wenn nicht das dreifache an Vorlesungen besucht und mit ausgezeichnetem Erfolg absolviert. Im zweiten Jahr ließ sein Eifer schon nach aber er war durchaus noch ein guter Student. Und im dritten Jahr kam die Katastrophe. Tesla belegt zwar Vorlesungen, geht aber nicht in die Vorlesungen, bezahlt aber nicht die Gebühren an die technische Hochschule in Graz und wird prompt hinausgeworfen.

Tesla studiert weiter in Prag, er bleibt aber hier wie dort ohne akademischen Abschluss. In der Folge arbeitet er als Elektrotechniker in Budapest, in Paris, in Strassburg, und wieder in Paris. Dort dann schon für eine Firma von Thomas Alva Edison. Tesla sieht in Edisons Betrieb Gleichstrommotoren, in denen der elektrische Strom zum Antrieb auf die sich zu bewegenden Teile übertragen werden mit so genannten „Bürsten“. Ein Vorgang, der mit vielen Funken und hohen Verlusten verbunden ist. Prof. Pichler:

0:39 CD 22 OT Pichler

Er hat das Bürstenfeuer gesehen. Ist das notwendig? Man muss sich das so vorstellen, damals war der Gleichstrom vorrangig und der einzige Wunsch war es, nach der Entdeckung des Induktionsgesetzes nach Faraday und den ersten Maschinen, Generatoren, Dynamos, um Elektrizität zu erzeugen, wieder Gleichstrom zu machen. Wechselstrom war unbekannt, obwohl das die natürliche Art der Stromerzeugung an sich ist. Technisch gesehen einfacher ist. Und Tesla hat das erkannt. Er hat immer wieder die Sachen vom Grund aufgesehen. Nicht. Und so geht es bei Tesla weiter.

1884 wandert Nikola Tesla nach Amerika aus, um zuerst in den New Yorker Werkstätten von Thomas Alva Edison zu arbeiten. Tesla repariert Edisons Generatoren und wurde von Edison auch gebeten, diese elektrischen Gleichstromgeräte auch gleich zu verbessern. Das tat Tesla - und zwar so weit, wie es sich Edison besser nicht gewünscht hätte - Edisons Motoren, und überhaupt, Edisons Stromversorgungssystem mit Gleichstrom sollte in der Folge von Teslas Wechselstromerfindungen verdrängt werden. Mit Teslas Idee eines rotierenden Magnetfeldes wird es nämlich nun möglich, ohne große Verluste die zu drehenden Teile des Motors anzutreiben, ohne das Bürstenfeuer. Ein rotierendes Magnetfeld aber gibt es nur - wenn es Wechselstrom gibt.

Edison aber ist dagegen. Er startet eine Imagekampagne und sorgt dafür, dass der Elektrische Stuhl mit Wechselstrom ausgestattet wird.

Die Firma Westinghouse stellte damals Teslas Wechselstromprodukte her - und berichteten bald amerikanische Medien: „The prisoner was Westinghoused“ - der Gefangene wurde Gewestinghoused - mit Wechselstrom getötet. Damit wurde gesagt, wie gefährlich der Einsatz Wechselstrom wäre. Der Druchbruch des Wechselstromsystems aber war nicht aufzuhalten.

Prof. Adalbert Prechtl vom Institut für die Grundlagen der Elektrotechnik an der Technischen Universität Wien:

0:34 CD 10 OT Prechtl

Die Durchsetzung des Wechselstromsystems in den USA und etwa parallel dazu in Europa hat sich beispielsweise dadurch gezeigt, dass eine riesengroße Anlage, ein Kraftwerk bei den Niagarafällen ausgerüstet wurde. Die Generatoren, das waren für die damalige Zeit Riesendinger, Generatoren im Megawattbereich, die wurden nach seinen Plänen gebaut und das war der Beginn der großtechnischen Energieversorgung.

Das Erfinder- und Fabrikanten Gespann Tesla-Westinghouse erlebt seinen Höhepunkt auf der Weltausstellung in Chicago 1893. Westinghouse hat den Auftrag bekommen, die Weltausstellung mit elektrischer Energie zu versorgen. Mit Wechselstrom. Die Welt ist begeistert. Die Weltausstellung ein voller Erfolg.

Nikola Tesla lebt in New York, in den besten Hotels, er kleidet sich vorzüglich, und leistet sich den Spleen, sich um die Stadttauben mehr zu kümmern, als das andere Menschen tun würden; Freunde hat er kaum. Tesla tut vor allem eines: er arbeitet wie ein Pferd. Glaubt man den Biografen, schläft der Erfinder nicht. Prof. Alexander Marincic, vom Tesla Museum in Belgrad:

00:30 CD 63 OT Marincic

Übersetzung:

Tesla sagte von sich, er könne eine Maschine konstruieren, bloß in seinen Gedanken. Er kann sie auch in seinen Gedanken in Betrieb setzen. Dort repariert er sie auch. Und wenn er sie dann baut, dann funktioniert sie genauso Perfekt, wie in seinen Gedanken. Das ist natürlich übertrieben, aber es trifft irgendwo den Kern.

Journalisten und Mitglieder der amerikanischen High Society sind begeistert von der sprühenden Gedankenkraft des Erfinders. Tesla zieht sich dicke Korksohlen an, die ihn vom Boden elektrisch isolieren, was ihn noch größer macht, hager war er schon immer, und er verschwindet in einem Meer von meterlangen Blitzen und Funken, die aus einem Gerät kommen, das heute nach ihm benannt „Tesla Spule“ heißt. Den erschrockenen Zuschauern erzählt er, zum Beispiel 1893:

ATMO

elektrische Geräusche von CD 2 / Cut 1

Sprecher:

Die Lichtströme, die Sie von meiner Hand ausgehen sehen, rühren von einer Spannung von etwa 200 000 Volt her; dieselbe wechselt in ziemlich unregelmäßigen Intervallen, manchmal etwa eine Million Mal in der Sekunde. Wenn man eine Vibration von gleicher Amplitude, aber viermal so schnell, unterhielte, wozu über 3 000 000 Volt erforderlich sein würden, so würde das mehr als ausreichend sein, um meinen Körper in einen vollständigen Flammenmantel einzuhüllen. Aber diese Flamme würde mich nicht im geringsten verbrennen; ganz im Gegenteil, wahrscheinlich ist, dass ich keiner Weise verletzt würde. Und doch würde der hundertste Teil dieser Energie, in anderer Weise angewendet, völlig hinreichen, um einen Menschen zu töten.

Teslas Idee ist nun, hochfrequente hohe Spannungen zu übertragen, nicht mit Drähten, wie bisher und auch heute üblich, sondern durch die Luft. Um zu erkennen, dass das physikalisch nicht gut geht, hätte Tesla mehr theoretisches Wissen haben müssen. Die Theoretisierung der Ingenieurswissenschaften aber setzte erst später ein.

Tesla war ein Praktiker: Nach ersten Energieübertragungsexperimenten in Colorado Springs wird in Long Island, New Jersey wird Turm errichtet, finanziert von einem mächtigen Geldgeber, J. P. Morgan. Der Turm soll Energie nach Europa funken, jeder könnte sie empfangen.

Das aber gerade freut den Geldgeber J. P. Morgen nicht, er will ja den elektrischen Strom verkaufen, an Menschen, die er kennt, denen er Rechnungen schicken kann. Das Projekt Wardencliff Tower wird eingestellt, der Turm gesprengt, um wenigstens den Schrottwert wieder herauszubekommen.

In der Zwischenzeit hat aber in Europa Guglielmo Marconi die ersten Radiosignale drahtlos übertragen, 1901 - Marconi hat sich auf die bloße Informationsübertragung beschränkt, während Tesla eben Energie zu funken versuchte. Marconi hatte Erfolg. Er gilt damit heute als der Erfinder des Radios – Marconi kannte aber Teslas Patente und Ideen. Prof. Marincic, Tesla Museum Belgrad:

0:14 DIGAS 14 OT Vujovic Tesla erfand Radio

Übersetzung:

Nikola Tesla ist der Erfinder des Radios. Der Oberste Gerichtshof der USA hat ein Urteil gegen Marconi gefällt, dass Tesla das Radio erfunden hat und nicht Marconi - die Patente von Marconi waren nur Kopien von Teslas Patenten.

Ob Tesla oder Marconi: Fest steht, dass viele Erfindungen dieser Zeit um 1900 fast zeitgleich in Europa und in den USA gemacht wurden. Prof. Pichler weiter:

0:23 CD 35 OT Pichler

Es ist nicht immer der, der das Patent hat, als der wirkliche Erfinder zu nennen. Es ist wichtig immer, wer hat das durchgesetzt, wer hat was in die Welt gesetzt, von dem die Menschheit letztlich profitieren konnte, oder auch nicht profitieren.

Tesla kommt langsam aber sicher in Geldschwierigkeiten, er lebt weiter in den besten Hotels von New York - und muss sich immer mehr bemühen, seine Ideen, die sprudeln, auch zu verkaufen. Seine Ideen Verlassen den sicheren Boden des bisher möglichen. Tesla sagte, er hätte ein Gerät entwickelt, das mit Vibrationen Gebäude zum Einsturz bringen lassen könne, er hätte Ideen, Roboter per Funk fernzusteuern, ein Verteidigungssystem für Amerika könnte er herstellen, mit nicht näher beschriebenen Todesstrahlen. Grundlagen des Lasers werden Teslas Ideenreichtum zugeschrieben, eine Tesla-Turbine, und Geräte für Heilbehandlungen - zur Erwärmung tiefer liegender Gewebeschichten - und das gibt es heute wirklich, in Kuranstalten, zum Beispiel in Bad Schallerbach. Jeden kann Tesla beliefern, mit Geräten oder Ideen. Heute ist es die Vermischung von Begriffen, die Prof. Prechtl von der Technischen Universität Wien bemängelt. Beispiel: Teslas angebliche Erfindungen zur Freien Energie.

0:30 CD 17 OT Prechtl

Das mit der Freien Energie ist nun deshalb so besonders interessant, weil hier ein typischer Prozess stattfindet. Es gibt hier den Begriff der freien Energie, als einen anerkannte physikalische Größe in de Thermodynamik. Das aber hier mit freien Energie und dem gleichen Namen bezeichnet wird, ist wieder etwas ganz anderes. Das ist ein unendliches Energiereservoir, das man nur anzuzapfen braucht, und das Energieproblem der Menschheit wäre gelöst.

0:46 DIGAS 20 OT Vujovic, Venus

Übersetzung:

In Passadena, Kalifornien, gibt es eine Gruppe von Leuten, eine religiöse Sekte, die glauben wirklich, dass Nikola Tesla kein Mensch ist, wie wir alle. Er hat so viel für die Wissenschaft getan, mehr als ein Mensch tun kann. Sie glauben, dass Nikola Tesla von der Venus gekommen ist, mit einem Raumschiff. Er verbrachte sein Leben auf der Erde und nach seinem Tod ging er wieder zur Venus zurück. Für mich ist das schon in Ordnung, so zu denken, sie idealisieren ihn zu einem Maximum. Das ist wie ein schönes Bild, oder ein schönes Lied.

Dr. Vujovic, von der Tesla Memorial Society New York.

Es sind vier Gruppen von Menschen, die sich heute mit Nikola Tesla beschäftigen, sagt ein Verwandter Teslas, William Terbo, der wie sein Großonkel Nikola Tesla ebenfalls Ingenieur ist, allerdings für Getriebe. Einerseits beschäftigen sich heute Wissenschaftler der Elektrotechnik mit Tesla, die seine Bedeutung für die Erfindung des Wechselstromsystems für untadelig und wichtig halten. Teslas grundlegenden elektrotechnischen Ideen.

Eine zweite Gruppe von heutigen Teslabegeisterten sind die Mitglieder der serbischen Gemeinde in den USA, so Teslas Großneffe William Terbo:

0:36 DIGAS OT Terbo Gruppe 1 und 2

Übersetzung:

Das sind Leute, die einen ähnlichen ethnischen Hintergrund wie Nikola Tesla haben, Menschen aus Serbien, die in Tesla ein Modell sehen, was ein Mensch alles machen kann, der aus einem ähnlich rückständigen Gebiet herkam, wie sie selbst.

Als weitere Gruppe nennt Teslas Großneffe William Terbo die so genannten Hobbyisten, die mit heutigen, modernen Materialien Teslas Erfindungen nachbauen. Sie arbeiten nicht mehr mit Hartgummi und Baumwollisolierungen, und erhalten damit bessere Ergebnisse wie Tesla selbst, es gibt größere Funken, gewaltigere Leuchterscheinungen, gefährlichere Experimente.

0:45 DIGAS OT Terbo Gruppe 3 und 4

Übersetzung:

Als Krieg der Sterne herauskam, haben diese Leute sofort an Nikola Tesla gedacht. Mein Gott, da gibt es jemanden, der 100 Jahre vorher die selbe Art von Raketenverteidigung ersonnen hat. Denen fiel Nikola Tesla sofort wieder ein. Und die vierte Gruppe sind die eher mystisch veranlagten Menschen, die in Tesla fast eine Art religiöse Komponente sehen. Wenn Tesla so anders ist, so begabter als alle anderen Menschen, dann muss das ein besonderes Geschenk ein, und vielleicht sogar ein Geschenk von irgendeinem höheren Geist.

Tesla stirbt 1943 im New Yorker Hotel New Yorker. Er stirbt 86-jährig im Schlaf, unter unverdächtigen Umständen, wie im Totenblatt steht. Seine Asche befindet sich heute im Tesla Museum Belgrad, von dort: Prof. Alexander Marincic:

0:32 CD 66 und 67 anschneiden OT Marincic

Übersetzung:

Und hier ist die Asche von Nikola Tesla, in dieser Kugel hier. Nach seinem Tod ist sie nach Belgrad gebracht worden. --- Und hier ist der berühmte Tresor, wo er seine Geheimnisse aufbewahrt hat. Nach seinem Tod hat man darin allerdings nur ein paar Papiere gefunden, und auch hier, auf diese Schachtel hat er geschrieben: Achtung, nicht öffnen, Gefahr, und als man sie öffnete, war ebenfalls nur einige Unterlagen drinnen.

2:00 ca / 10 sek. frei stehen lassen CD 60 ATMO Hörsaal

Prof Gratz von der Technischen Universität Wien kann seine Studenten auch heute mit Teslas Geräten und Experimenten immer noch begeistern. Und auch für uns ist Nikola Teslas Erbe ist in die Steckdosen eingegangen.

(Atmo im letzten Satz wegziehen)

An dieser Stelle sollte die Sendung zu Ende sein. Aber nach Abschluss der Recherchen erreichte unseren Anrufbeantworter noch ein Anruf aus New York:

2:10 ca DIGAS 05 OT Vujovic, Abschlusshinweis

Übersetzung:

(Hallo, hier ist Dr. Vujovic.) Ich habe vergessen, Ihnen zu sagen: Die Tesla Memorial Society hat ein Tonband von einer Gedenkveranstaltung für Nikola Tesla gefunden, vom 10. Jänner 1943. La Guardia, der berühmte Bürgermeister aus New York hat gesprochen, Sie kennen ja den La Guardia Flughafen in New York. Ich spiele Ihnen einen Ausschnitt vor, da spielt auch ein berühmter Jugoslawischer Geigenspieler. Und darauf spricht La Guardia! (Musik, La Guardia)

(Musik bleibt, und dann ein englischer Satz bleibt am Schluss: "If you are interested, call me back")

Sie hörten:

Genie oder Scharlatan?

Der Elektroingenieur und phantastische Erfinder Nikola Tesla.

Eine Sendung von Lothar Bodingbauer.
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ID 49
Deutschlandfunk > Sonntagsspaziergang | 17.12.2002
Wiener Schrammelmusik
Besuch beim Heurigen – mit Musik.
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Deutschlandfunk · 17.12.2002 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Besuch beim Heurigen – mit Musik.
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ID 48
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 23.06.2002
Unsere liebe Post
Der aktuelle Geschäftsbericht der Post fordert an markanter erster Stelle, mehr Briefe und Pakete mit weniger Mitarbeitern und Postämtern schneller und billiger zuzustellen. Moment begleitet einen Brief vom Innviertel nach Wien, von Postkasten zu Postkasten, und bittet alle 'Träger' auf der Strecke zu Wort. Ergebnis: Wer glaubt, das Postlerleben sei einfach und die Uniform noch blau, der irrt. Eines hilft jedoch noch immer: Die Hunde im Rayon beim Namen zu kennen.
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Österreich 1 · 23.06.2002 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der aktuelle Geschäftsbericht der Post fordert an markanter erster Stelle, mehr Briefe und Pakete mit weniger Mitarbeitern und Postämtern schneller und billiger zuzustellen. Moment begleitet einen Brief vom Innviertel nach Wien, von Postkasten zu Postkasten, und bittet alle 'Träger' auf der Strecke zu Wort. Ergebnis: Wer glaubt, das Postlerleben sei einfach und die Uniform noch blau, der irrt. Eines hilft jedoch noch immer: Die Hunde im Rayon beim Namen zu kennen.
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ID 47
Schulbuch
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 31.12.2001
Schulbuch
Umsonst sollen Schulbücher nicht sein, aber wenn’s halt noch gratis wären, das wär’ schon recht. Eine Aussage des Innviertler Schriftstellers Hans Kumpfmüller. Seit 1972 gibt es in Österreich kostenlos Schulbücher für alle. 10% Selbstbehalt ausgenommen. Jedes Jahr kommen so etwa 8 Millionen Schulbücher an Kinder, Kegel und Familien. Zum 30-jährigen Geburtstag der Schulbuchaktion hätten wir eigentlich nur zwei Fragen an das österreichische Schulbuch: Woher kommst Du, wohin gehst Du?
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Österreich 1 · 31.12.2001 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Umsonst sollen Schulbücher nicht sein, aber wenn’s halt noch gratis wären, das wär’ schon recht. Eine Aussage des Innviertler Schriftstellers Hans Kumpfmüller. Seit 1972 gibt es in Österreich kostenlos Schulbücher für alle. 10% Selbstbehalt ausgenommen. Jedes Jahr kommen so etwa 8 Millionen Schulbücher an Kinder, Kegel und Familien. Zum 30-jährigen Geburtstag der Schulbuchaktion hätten wir eigentlich nur zwei Fragen an das österreichische Schulbuch: Woher kommst Du, wohin gehst Du?

Am Foto: Friederike Desch, Oberschulrätin, Altheim, OÖ
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ID 46
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 12.08.2001
Österreichs Wetter-Kleinräume
Auf einem Österreichrundflug erklärt uns ein Mitarbeiter der Austro-Control den Salzburger Schnürlregen von oben --- Dem Fuß- und Bergvolk prognostiziert ein Tiroler Bergwetterfachmann das, was er durch Erfahrung von Morgen schon weiß - und: Ein 81-jähriger Textilarbeiter aus Oberösterreich, er kennt das Wetter im Mühlviertel besser als jeder andere und gibt es mit 70-prozentigen Trefferquote den Oberösterreichern im Radio bekannt.
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Österreich 1 · 12.08.2001 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Auf einem Österreichrundflug erklärt uns ein Mitarbeiter der Austro-Control den Salzburger Schnürlregen von oben --- Dem Fuß- und Bergvolk prognostiziert ein Tiroler Bergwetterfachmann das, was er durch Erfahrung von Morgen schon weiß - und: Ein 81-jähriger Textilarbeiter aus Oberösterreich, er kennt das Wetter im Mühlviertel besser als jeder andere und gibt es mit 70-prozentigen Trefferquote den Oberösterreichern im Radio bekannt.

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ID 45
ORF > Österreich 1 > Journal Panorama | 22.10.2000
Zwangsarbeit
Wer wird die Entschädigungen bekommen? Portraits jüdischer Menschen, die während der NS-Zeit Zwangsarbeit leisten mußten. Was sie heute denken, wie sie leben, und wovon sie träumen.
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Österreich 1 · 22.10.2000 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Wer wird die Entschädigungen bekommen? Portraits jüdischer Menschen, die während der NS-Zeit Zwangsarbeit leisten mußten. Was sie heute denken, wie sie leben, und wovon sie träumen.

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ID 44
CBC > Outfront | 07.05.2000
Gedenkdienst - My Story
This story about victims and perpetrators, about presence and the past, was not aired but closed and sent to the archives by a kill payment.
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07.05.2000 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
This story about victims and perpetrators, about presence and the past, was not aired but closed and sent to the archives by a kill payment.

Weblink zur Sendereihe:

(bis 2009)
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ID 43
Radioproduktion | 07.05.2000
Gedenkdienst - The Dream
Der Traum / Englisch – Teil der Outfront Geschichte
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07.05.2000 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der Traum / Englisch – Teil der Outfront Geschichte
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Gedenkdienst
ORF > Österreich 1 > Journal Panorama|Radioproduktion > Premium | 07.05.2000
Gedenkdienst
Montreal Holocaust Memorial Centre: Gedenkdiener B. berichtet: Was ein österreichischer Zivildiener in Montreal erlebt: Von Insurance-Claims, stillen Feiern und angekündigten Politikern.
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Österreich 1 · 07.05.2000 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Montreal Holocaust Memorial Centre: Gedenkdiener B. berichtet: Was ein österreichischer Zivildiener in Montreal erlebt: Von Insurance-Claims, stillen Feiern und angekündigten Politikern.

URL:

https://www.sprechkontakt.at/audio/radio044_gedenkdienst mp3

Hinweis: Der Gedenkdienst wurde in Österreich von Andreas Maislinger (Innsbruck) gegründet. Link zu weiteren Infos:

Transkript (automatisiert, Whisper, kann Fehler enthalten)

Speaker 1

Es war wieder einmal einer jener Tage, an denen alles schiefgehen sollte. Das Innenministerium war mit seiner Zahlung schon den zweiten Monat im Verzug, Regierungswechsel. Und der Bankomat war in der Folge für mich zumindest seit einer Woche tot. In der Nacht hatte ich meinen ersten Holocaust-Traum. Ich wurde von Nazi-Schergen gejagt und musste beim Loch am Zaun zur Straße in die Freiheit warten. Und das wussten sie. Sie erschossen mich. Solche Träume seien ganz normal unter Gedenktin, heißt es. Normalerweise kommen sie schon früher. Ich hatte meinen erst im 4. Zivildienstmonat. Gedenktdienst heißt der Zivildienst eigentlich bei mir. Und weil wir gerade dabei sind, der Holocaust ist die systematische und bürokratische Vernichtung von 6 Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges durch das Nationalsozialistische Regime und seine Kollaborateur. In der Anerkennung der Täterrolle Österreichs schickt mich die Republik nach Kanada, um das Land zu verteidigen. Zivildienst, so sagte man uns beim Stellungstermin, sei die zivile Form der Landesverteidigung. Und Österreichswerte sollen erhalten werden. Die In-Teilbrücke wurde uns damals auf einem Video gezeigt und alte Menschen in Rollstühlen. Was hat der Holocaust damit zu tun? Nun ja, erst Teil der österreichischen Geschichte. Ob nun Österreich Opfer oder Täter war, ist mir wiederum ziemlich egal. Da wird viel gestritten und die Sachlage ist philosophisch, politologisch, pädagogisch. Aber selbst die schärfsten Kritikerstimmen zu niemals vergessen und nichts über einen Kamm scheren. Und wo viel gestritten wird, gibt's viel zu tun und deshalb bin ich hier. Der Hungertrieb, meinen Kollegen Mike Pollan und mich, ins Golden Age, ins Altenheim des jüdischen Zentrums in Montreal. Hier wird von den alten Leuten neben gutem Essen auch Musik gemacht, wie sie eben gehört haben, den Walze. zu essen, gab es aber Pflanzen, süße Teigtaschen mit Topfenfüllung. Und der Koch fragte mich mit einem aufmunternden Blick, ob ich Apfelsoße wollte. Genauso aufmunternd und deutsch und deutlich sehr erfreut war meine Antwort. "Ja, Woll!" Es fiel mir ein. "Ein, ja, Woll!" war unter dieser Schaf- und Holokaustüberliminten das unangebrachteste Wort, Apfelsoße gut zu finden. Es hätte bös enden können, aber der Koch erklärte der Kassierin, dass ich von den fünf Prinzen nur vier bezahlen muss, weil ich eh so schlecht aussehe. Paula arbeitet wie viele andere im Museum ehrenamtlich. Auch sie ist ein Survivor, eine Überlebende des Holocaust. Als ihnen 70er-Jahren weltweit Stimmen laut wurden, den Holocaust habe es nie gegeben, begannen die Survivor zu sprechen. Sie suchten einen Platz, um ihre Erinnerungen den neuen Generationen mitzuteilen. Hier in Montreal wurde im jüdischen Zentrum des Holocaust Memorial Center eingerichtet. Ein Gedächtnisraum, ein Museum und Programme wurden entworfen für Schulen. Die Überlebenden fanden einen Platz und viele Aufgaben, und damit war auch eine therapeutische Funktion erfüllt. Neu für mich war zu erfahren, dass die jüdische Gemeinschaft einer Stadt für mittellose Juden Ein Dach über den Kopf zu bieten, Essen, Bildung und zwei Sätze von Kleidungsstücken, Sommer und Winterkleidung. Unser Dienstart ist also im Bildungsteil angesiedelt, im Holocaustmuseum, der Direktor Bill Serkes. Als vor fast vier Jahren das Seid Bronfmann Center auf der Straße gegenüber einen Brief von Judith Pfeiffer erhalten hat, die Wolle für ein Jahr nach Montreal kommen, als österreichische Gedenkdienerin.

Speaker 2

Da wusste noch niemand, was es war.

Speaker 1

Und unsere erste Frage war, ob das Ganze ernst gemeint ist und ob es so eine Einrichtung in Österreich überhaupt gibt. Eine Mitarbeiterin von uns ist dann zufällig zu dieser Zeit nach Wien gefahren. Und sie ist mit der Bestätigung zurückgekommen, den Gedenktdienst gibt es. Er wurde vom Innsbrucker Politologen Andreas Meislinger gegründet und schickt junge Österreicher an Holocaust-Gedenkstätten. als Ersatz für den Militär bzw. Zivildienst. Judiths Anfrage wurde dem Komitee des Centers vorgelegt und auch bewilligt. Es kam also ein junger Mensch aus Österreich und obendrein eine junge Frau. Sie wurde aufgenommen und begann bei uns zu arbeiten. Liebkatz war zu dieser Zeit Präsident des Museums. Es gab, so erinnert er sich, beträchtliche Bedenken innerhalb der Gemeinschaft der Überlebenden gegen eine Beteiligung Österreichs am Museum. Ihr seid 60 Jahre zu spät hieß es und ihr wollt nur gute Stimmung machen. Man sah keine wirkliche Einsicht Österreichs, dass man den Holocaust nicht nur miterlebt hat, sondern auch daran Schuld war. Als dann aber klar wurde, dass der junge Österreicher kommen, denen die traurige Rolle zumindest einiger ihrer Vorfahren durchaus bekannt war, da konnten sich die Offenren im Komitee durchsetzen. Wir wollten es probieren.

Speaker 3

Ich muss vergessen, aber ich kann nicht vergessen. Vergeben, wo kannst du vergeben, jemand, das mir totgeschlagen, deine Pferde, Schwester, Bruder, Nichten, Neffen. Sie können das nicht vergeben. Viel Weinbaum. Geboren in Polen, Savichurst, an der Wiesnl river. Ich war verschickt von der SS nach dem Konzentrationslage, Matthausen und dann Gussen. Ich war befreit bei der Amerikaner Armee 6 und 6. Ich glaube, dass ich gearbeitet habe in Estreich und war nicht bezahlt. Und der Messerschmitt-Kompany war in Estreich, in Steuern, und ich habe dort gearbeitet. Keine Essen war nicht genug. Wenn ich bin rausgekommen, war ich 38 Kilo, habe ich geweckt, gewogen. Heute leide ich mit Romatisen, Portraitis, mein Herz ist nicht gut. Weil ich gearbeitet mit Dualminium zu machen der Europanen, das gibt Känze Krebs. Ich lade von der Inbne, ich habe zwei Jahre zurück eine Operation gehabt. Ich kann nicht arbeiten, ich mache gar nicht. Und der Rente, das ich bekommen, ist nicht genug.

Speaker 1

Viel Weinbaum lebt von 8.000 Schillingen Rente pro Monat. Das Preisenniveau in Kanada ist ungefähr gleich wie in Österreich. Menschen wie viel kommen zu uns, damit wir ihnen helfen, Claims auszufüllen. Claims sind die notwendigen Registrierungen für Entschädigungen oder Rückerstattungen aus Europa, von den Schweizer Banken, von österreichischen Banken, von Versicherungen oder nun auch für die Zwangsarbeiterentschädigungen aus Österreich und Deutschland. Da kommen sie und werden wieder einmal von einem Österreicher registriert, eine skurrile und immer wieder schwierige Situation. Natasha Laliba T. arbeitet im Holocaust-Center. Sie erzählt von unserem Vorgänger Klaus Jagutitsch. Eine Frau, die als Kind den Holocaust überlebt hat, ist hereingekommen, hat Klaus gesehen und gehört. Sie sah ihn an und sagte, wie kannst du das getan haben? Fühlst du dich nicht schlecht? Er saß da und starte sie an und hatte keine Idee, worüber diese Frau sprach. Er war sehr verstört. Er sagte, gnädige Frau, ich kenne sie überhaupt nicht. Ich weiß nicht, wovon sie reden. Da hat sie bemerkt, dass sie ihn für etwas verstanden hat. was beschuldigt hat, was während des Krieges geschehen ist, und sie entschuldigt es sich bei ihm. Sie sagte, mein Gott, ich kann gar nicht glauben, was ich gerade sagte. Sie sind ja gar nicht verantwortlich. Es waren vielleicht seine Vorfahren, aber nicht diese 27-Jährige, der hier im Center seinen Dienst verrichtete.

Speaker 4

young man who's come here to do a service.

Speaker 5

You know, this is from the insurance. Mm-hmm, yes. Everything belonged to you.

Speaker 6

You want to fill out another one?

Speaker 5

Yes. The same one?

Speaker 6

Sure. Sentee. But you already sent it in. I beg your pardon? But we already sent it in.

Speaker 5

I know. They asked me so. I want to get filled out again. Mm-hmm. That's it. Just give a fill out. That's all. I send it back. Sie haben sie nicht bekommen oder was? Man weiß es nicht. So ist Mike ein guter Mann. Das ist es.

Speaker 6

Was hast du für ein Geburtstag gemacht?

Speaker 5

19, 20. 5. Januar.

Speaker 6

Das erste Mal, als ich gekommen bin, wollte ich Ihnen, wie heute bei diesen Insurance-Claim-Helfe, und das sind eben Verfälle, wo familienangehörige Versicherungen hatten. Bei ihm zum Beispiel war es der Vater und der Großvater. Der Vater hatte zum Beispiel einen Fabrik, die versichert war. Und dieses Versicherungsgeld ist natürlich abhandengekommen. Das wurde natürlich nie wieder gesehen. Und sonst war er ein paar Mal da und hat mich gebeten ihm zu helfen bei Briefen, die er nach Deutschland schicken musste wegen der Wiedergutmachung. Meistens ist es so, dass diese ganzen Briefe von Deutschland alle auf Deutsch geschrieben sind und die Leute hier verstehen es natürlich nicht. Nach dazu ist es ein sehr kompliziertes Deutsch, dieses Fach Deutsch sogar, ich habe auch oft Probleme zu verstehen, was genau gemeint ist und deshalb kommen oft Leute her und fragen, dass man das übersetzt und hin und wieder auch einen Brief zurückschreibt für sie und solche Sachen.

Speaker 5

Mike, er hat mir viel geholfen. Er fiel mir alle meine Papers vom Holocaust, alles. Er hat mir viel geholfen. Das ist für mich sehr wichtig. Ich weiß nicht, wie ich es in Deutschland alles fiel.

Speaker 6

Er hat eine sehr große Familie gehabt. Er ist der einzige Überlegende, also wirklich der einzige. Ich meine, muss ich vorstellen, alle Leute, die er in seinem Leben in Polen gekannt hat, sind umgekommen, sind ermordet worden. Er war in Auschwitz und er wurde auch sterilisiert. Das ist besonders tragisch, also er hat nie Kinder bekommen können. Deshalb bekommt auch ein bisschen mehr Pension als normal 1500 Dämer gemohnt. Das ist nicht viel, aber es ist doch um einiges mehr als die normale Pension.

Speaker 7

Good morning kids. Good morning. How are you? Good. Should I say good morning to the teachers too? Yeah. Good morning teachers. Good morning. I was born in Austria. You guys know where Austria is? Yeah. Do you know any famous Austrians? No. No. The famous, yes. Who? There's a guy in the paper. That guy.

Speaker 8

Your glider.

Speaker 2

Who?

Speaker 8

Your glider? Hi there. Hi there, yes. Anybody else?

Speaker 7

Yes. Yeah, I'm afraid so.

Speaker 8

Yes. The ones who survived.

Speaker 7

Yes. How about somebody very important today?

Speaker 8

You.

Speaker 7

No. How about Schwarzenegger?

Speaker 9

Yeah.

Speaker 7

We have other guys that are a little less important like Mozart. Schraus, der Waldkirche, Dr. Freud.

Speaker 8

Dr. Freud, Siegmann Freud, Psychoanalysis.

Speaker 1

Walter Absel war es Jugendlicher im Belgischen Widerstand und überlebte. Er emigrierte nach Kanada und baute sich dort ein neues Leben auf. Heute ist Walter Absel 75 Jahre und er genießt es, im Holocaust-Zentrum zu Kindern zu sprechen. Den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vergleicht Walter Absel so. "Stell euch vor, die Amerikaner marschieren morgen in Kanada ein", im Quebec und machten es zu einem seiner Bundesstaaten. Glaubt ihr, die kanadische Armee könnte etwas dagegen tun?

Speaker 7

Über Nacht wurden wir zu Ostmark. Das Leben eines jüdischen Buben, ich war 13, änderte sich drastisch. Ich durfte nicht mehr zur Schule gehen, in Swimmingpool. Ich durfte nicht mehr

Speaker 1

ins Theater gehen oder ins Kino und sogar die Parkbänke waren angeschrieben. Nicht für Juden. Da habe ich meinen ersten Akt des Widerstands gemacht. Ich habe mich geschwind auf die Ecke einer Bank gesetzt.

Speaker 7

Kommt und holt mich.

Speaker 1

Glücklicherweise hat mein Vater einen Freund getroffen, der gesagt hat, das ist verrückt, aber das geht vorbei. Das dauert nur ein paar Monate. Warum schaut ihr nicht, dass ihr wegkommt? Zufällig haben wir ein Visum für Belgien bekommen. Und so klingt der Originalton, der für Erwachsene bestimmt ist.

Speaker 7

wurden Ende 1943, also ein Jahr bevor der Befreiung Belgians von der Gestapo verhaftet. In meiner Abwesenheit, ich kam vielleicht 10, 15 Minuten später nach Hause und sie wurden in das Sammellager Marlin gebracht. Ich habe die Bestätigung der Belgischen Behörden und wurden von dort natürlich nach Auschwitz verschleppt. Wir haben nie mehr von ihnen gehört. Das Komische ist, dass wir, dadurch dass wir in Belgien zuerst von Österreicher Deutsche wurden, wie die Deutschen einmarschiert sind, dann haben wir den Belgien natürlich beigebracht, dass wir eigentlich nicht Deutsches sind, sondern als Juden, dann haben wir in unsere Identitätskarte hingegeschrieben bekommen "Al Ma' no Enmi", das heißt also nicht feindlicher Deutsche. Dann kamen die Deutschen, die Deutsche Besetzung und dann waren wir nicht würdig, Deutsche zu sein. So wurde unsere Nationalität wieder geändert auf Appatrit, also staatenlos. Und nach der Befreiung ging die ganze Geschichte wieder verkehrt, also zuerst von staatenlos auf Deutsch. Dann bekommen wir nicht feindliche Deutsche und dann eventuell bekamen wir wieder die österreichische Nationalität. Also mit In einer kanadischen Nationalität haben wir wahrscheinlich sechs Mal diese Nationalität geändert. Meine Frau, die auch in Wien geboren ist, ist ganz narisch mit Österreich und besonders mit Wien. Ich freue mich auch, wenn wir jetzt jeden Sommer nach Österreich fahren. Meine Frau sinkt dann immer morgen. Morgen bin ich wieder in Wien. Wir wissen genau, wo wir gehen. Ich habe im dritten Bezirk gewohnt. Meine Frau im neunten. Wir besuchen die alten Häuser. Und jedes Jahr sind wir wieder dort. Meine Frau sagt, wenn ich nach dem Ring spazieren gehen kann, dann hat der Hitler gewonnen.

Speaker 1

Kanada hat während des Zweiten Weltkrieges fast keine Juden aufgenommen, die emigrieren mussten. Bei der alljährlichen Holocaust-Gedächtnisfeier wird dennoch zum Schluss die kanadische Hymne gesungen. Wir zwei Österreicher haben den Gästen die Plätze angewiesen. Hinter mir eine schniefende Frau, vor mir sechs brennende Kerzen und rechts zu meiner Seite der ungrische Honorakonsul. Wo mit wir beide Botschafterrolle des Gedenktienstes angekommen sind. Mein Kollege Michael Paulern sieht es so.

Speaker 6

Es ist eine ziemlich heikle Situation. Als Gedenktiner hier, als österreichische Gedenktiner wird man von Holocaust-Überlehmeten immer wieder besorgt nach der Situation Österreich gefragt. Ich persönlich versuche einfach zu erklären, warum die politische Situation dazu ist, was überhaupt los ist und das irgendwie zugänglicher zu machen, ohne das Problem zu verharmlosen von meiner Sicht aus. Und ich glaube, es ist sehr wichtig, dass die Menschen hier, die vielleicht nicht den gleichen Einblick in die österreichische Politik haben, mit Österreichern vor Ort darüber sprechen können.

Speaker 1

Ich wiederum erkläre, dass die Österreicher demokratisch gewählt haben, dass Jörg Heider kein Nazi ist und dass das herkömmliche Regierungssystem nach so langer Zeit wahrscheinlich sein Ende finden musste, was den Vorteil hat, dass wieder viel mehr Österreicher eine politische Meinung jenseits der Wurstigkeit haben. Und dann bedanke ich mich für die Proteste, denn die gehören halt auch zur Demokratie. Als Jörg Heider seinen Besuch in Montreal angekündigt hat, war für uns ein grauenhafter Tag. hat Bill Serkis, unser Chef, noch angekündigt, heider wolle unser Museum besuchen. Wir sahen uns an und sagten, warum nicht? Schaden tut es ihm sicher nicht. Die Sache ist ein Mediummäßig hochgegangen und der Canadian Jewish Congress hat eine Stunde nach dem Aufsperren angeördnet, die Museumstheor wieder zuzusperren, das Licht abzudrehen und heider nicht herein zu lassen. Die Reaktion des Canadian Jewish Congress war auf der anderen Seite widerverständlich, denn zwei Wochen zuvor hat man noch zur Demonstration vor dem österreichischen Konsulat aufgerufen. Gegen Heider, den Hater, den Hasservisie nannten und alles andere als zuzusperren, wäre inkonsequent gewesen.

Speaker 10

Die 10. Jauhrung hat mich jeden gefragt, wo ist die Welt? Die Welt hat dann nicht geentfert und 6 Millionen von unseren Brüdern und Schwestern seinen Klaig geschwarnichtet geworden. Aber wer jetzt treibt, lebt mir in ein Freiland, mir ist ein Atel von der Welt. [speaking German]

Speaker 11

Each candle will be lit by three people, thereby symbolizing the transmission of the Holocaust legacy from one generation to the next.

Speaker 12

Die erste Kandel wird von Benik Granik durchgelegt. Der Survivor von Buchenwald, Flossenberg und Grossrosen. Er ist ein Hochzeichen, der Erster. Michel Friedman, der Granddaughter der Erster.

Speaker 1

Sie haben einfach Angst. Vor allem, was aus der Richtung der Vergangenheit kommt. Irrational Angst, was sie aus Europa an die Toten, die sie beklagen, erinnert. Beim Yamashua-Gedächtnisfest für die Opfer des Holocaust zünden jeweils drei Generationen eine Kerze an. Großvater, Vater, Tochter, legen ihre Hände übereinander. Der hinter ganzen Feier fällt kein Wort gegen Österreich, kein Wort gegen Deutschland. Es ist nur ein stilles Trauer.

Speaker 11

candle will be lit by Brenda Gertel, survivor from Pauline.

Speaker 5

If I hear news from the Nazis or from the camps, I get very mad. It makes me very, very mad. When I don't talk about that, I cool off. Now when they talk about Germany, about the Holocaust, I'm very mad because me myself particularly, I pass lots of trouble in Auschwitz and Bergen. I've been operated, sterilized, castrated in a broken leg, and I got beat up. And then I lost all my family. It's only when it comes to holidays, I feel very, very, I'm very nervous.

Speaker 4

You're dealing with people that have experienced a great trauma for the most part.

Speaker 1

Wenn man mit Menschen arbeitet, die ein großes Trauma erlebt haben, dann gibt es natürlich die bekannten Probleme, das Trauma. Einige haben Schuldgefühle, das sie überlebt haben und andere nicht. Das ist die ganze Palette psychologischer Probleme, aber zu allem kommt, dass diese Menschen auch jetzt ihren Alterungsprozess erleben. Die Leute werden älter und ihre Eigenheiten verstärken sich. In anderen Worten, wenn sie in ihrer Jugend mit irgendetwas überkreuzt waren, dann wird stärker. Ihr hauptsächlicher Lebensinhalt wird zu ihrer Mitte und wenn das das Überleben des Holocaustes ist,

Speaker 4

können Sie sich vorstellen, was das heißt. Arbeiten mit Überlebenden ist sehr, sehr schwierig.

Speaker 1

"Kathleen Chatterley arbeitet an Schulprogrammen über den Holocaust. Wir alle kennen die Geschichten unserer Eltern", sagt sie, "wenn wir uns über den Schulweg beklagten." Die haben dann gemeint, Das ist ja gar nichts gegen das, wie wir zur Schule gehen mussten. Zwei Stunden lang im Schnee und das mit einem Schuh oder so. Dann kann man sich vorstellen, wie es manchen Kindern gegangen ist,

Speaker 13

die an Eltern in Holocaust überlebt haben, wenn sie mit irgendwelchen Sorgen zu ihnen gekommen sind. Meine Eltern haben gerade erst angefangen zu reden, was ihnen passiert ist.

Speaker 2

Sie haben das nie gemacht.

Speaker 1

Ich kann mich erinnern, als Kind habe ich die Geschichten von Albträumen mitbekommen, wie sie sich erzählt haben. Ich hatte dann auch diese Träume. Hunde haben mich gejagt. Vielleicht ist es bei meinen Kindern nicht mehr so. Es dauert wirklich Generationen. Das war unser Name während der Zwangsarbeit und wir waren noch glücklich, dass sie uns nicht

Speaker 13

sofort erschossen haben.

Speaker 1

Einmal pro Monat kommen Überlebende ins Museum und schauen sich einen Horrorfilm an. Einen auf den Deutsch. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum sie das machen.

Speaker 11

Was will er jetzt? Er sagt, dass hier das Herr Lude ist. Wo? Er sagt, dass ich ein Juni bin. Wer? Er sagt, dass ich… Es gibt eine Hitparade des Holocaust erzählt Catherine Chatterley.

Speaker 1

Es kommt darauf an, wo die Überlebenden sich während des Krieges befunden haben in Europa, in welcher politischen Umgebung, welchen religiösen Hintergrund sie hatten, wie sie sich mit dem Judentum identifizierten. Wettbewerb gibt es wie in jeder anderen Gemeinschaft auch. Aber dass es sich hier um den Holocaust handelt, erhöht einfach den Einsatz. Sie haben alles verloren. Es ist eine total verrückte Gemeinschaft. Ich kann es nie allen recht machen. Sie sind zu verschieden. Aus diesem Grund, wenn wir jetzt das neue Museum machen, neue Programme entwerfen, das Bild, das wir zeichnen sollen, es ist extrem schwierig, es der jüdischen Gemeinschaft recht zu machen. Es ist eigentlich ganz unmöglich.

Speaker 14

…based on who you ask you will have different answers.

Speaker 9

I think it's the dehumanizing of your opponent, whether he's political or religious. And I don't even talk about opponents.

Speaker 1

Maurice Schenker, überlebender aus Belgien. Er hat nach dem Krieg als Repräsentant für die deutsche Radiofirma Blaupunkt gearbeitet. Ironischerweise, wie er sagt. Es geht um die Entmenschlichung des Menschen. Egal, ob es politisch ist oder religiös, es kann jeder das Opfer sein. Es ist recht einfach, jemanden umzubringen, nachdem du ihn erst einmal entmenschlicht hast. Hinter jeder Zahl steht ein Name, und hinter jedem Opfer standen die Täter. Die Opfer sind leichter auszumachen, weil sie im Boden liegen. Mr. Tanagol braucht Geld für seine dritten Zähne. Von den Schweizer Banken hat er vor einiger Zeit 5'300 Schillinge erhalten und davon sein Auto repariert. Was aber wird er mit dem Entschädigungsgeld für die Zwangsarbeit machen?

Speaker 5

Ich würde nach Israel fahren und ein Stückchen Land kaufen für meine Familie.

Speaker 2

Ich würde einen Stein aufstellen und für meine Familie beten mit einem Rabbi. Weil ich habe ja meine ganze Familie verloren.

Speaker 1

Den Namen Tanagol wird es nach mir nicht mehr geben, weil jeder andere tot ist. Und wissen Sie, von welchem Stückchen Land Mr. Tanagol spricht, dass er sich kaufen will?

Speaker 5

Er meint ein Grab in Israel.

Speaker 1

Das Innenministerium zahlt mir für die Betreuung der Täterrolle von Österreichern und für die Betreuung der Opfer 138.000 Schilling, genauso viel wie einem österreichischen Zivilliner für ein Jahr. Weil ich 14 Monate arbeiten muss und zu meinem Einsatzort fliegen, bezahle ich selbst umgerechnet pro Arbeitsstunde 25 Schilling. Feiertags zahle ich doppelt. In Summe 80.000 Schilling. Dafür darf ich in allen Bereichen mitarbeiten und bei den festen Mitfeiern und natürlich auch mitessen. Lise Lotte hat wieder angefangen in Deutsch zu reden. Sie fragt viel, erkundigt sich mal über die politische Lage, mal übers Essen, mal wie es so geht. Sie muss als junge Frau eine Prinzessin gewesen sein.

Speaker 8

Wenn Sie jetzt zurückkommen im Jänner, werden Sie darüber sprechen, was Sie hier gelernt haben?

Speaker 1

Nein, ich kann noch nichts sagen. Schaut, wie normal die Juden sind. Ich werde nicht sprechen müssen, weil ich hier lebe, ich werde Kinder erziehen müssen oder dürfen, ich werde Lehrer sein und die Art, wie ich mit ihnen umgehe, da muss ich gar nicht mehr reden.

Speaker 8

Nein, nein, nein, nein, nein. Man kann sagen … ich habe eine Klasse …
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ID 41
Deutschlandfunk > Sonntagsspaziergang | 26.02.2000
Wo ist dieser Karneval?
Der größte Winterkarneval findet an diesem Ort statt. Zwei Sprachen werden dort gesprochen. Eisskulpturen, Kanurennen und der große Umzug jedes Jahr. Wo das ist? Die Auflösung kommt nach dem Beitrag - ebenfalls akustisch.
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Deutschlandfunk · 26.02.2000 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Der größte Winterkarneval findet an diesem Ort statt. Zwei Sprachen werden dort gesprochen. Eisskulpturen, Kanurennen und der große Umzug jedes Jahr. Wo das ist? Die Auflösung kommt nach dem Beitrag - ebenfalls akustisch.
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ID 40
ORF > Österreich 1 > Nachrichten | 15.02.2000
Haider in Montreal
Jörg Haider wollte das Holocaust Memorial Center besuchen.
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Österreich 1 · 15.02.2000 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Jörg Haider wollte das Holocaust Memorial Center besuchen.
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ID 39
ORF > Österreich 1 > Nachtjournal | 15.02.2000
Haider in Montreal
Jörg Haider wollte das Holocaust Memorial Center besuchen.
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Jörg Haider wollte das Holocaust Memorial Center besuchen.
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ID 38
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute|Radioproduktion > Premium | 11.11.1999
Was Kinder gerne essen
Moment Kulinarium: Als in Österreich die Vielseitigkeit der Nahrungsmittel fehlte: Vor, während und nach den Weltkriegen, da hatten die Menschen mit Mangelerscheinungen zu kämpfen. Heute leben wir im Überfluß und doch, der Mangel bleibt: Wie die Erwachsenen essen auch Kinder gedankenlos: es fehlt an Vielfalt, was bleibt ist zu viel Süßes, und zu viel Fettes. Was an fertigem Essen speziell für Kinder zu kaufen ist, täuscht nur schlecht über die Einseitigkeit des Angebotes hinweg. Ist alles was gu …
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Österreich 1 · 11.11.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Moment Kulinarium: Als in Österreich die Vielseitigkeit der Nahrungsmittel fehlte: Vor, während und nach den Weltkriegen, da hatten die Menschen mit Mangelerscheinungen zu kämpfen. Heute leben wir im Überfluß und doch, der Mangel bleibt: Wie die Erwachsenen essen auch Kinder gedankenlos: es fehlt an Vielfalt, was bleibt ist zu viel Süßes, und zu viel Fettes. Was an fertigem Essen speziell für Kinder zu kaufen ist, täuscht nur schlecht über die Einseitigkeit des Angebotes hinweg. Ist alles was gut schmeckt, ungesund? Gesundes, gutes für den Kindermund braucht Zeit und Aufmerksamkeit.

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ID 37
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute|Radioproduktion > Premium | 31.10.1999
Anstrengungsvermeider
"Es gibt zwei Formen von Anstrengungsvermeidung. Das haben wir bei Kindern und Erwachsenen festgestellt. Die apathischen haben die Methode gefunden, ich mache alles einfach furchtbar langsam. Da muß man natürlich in einer Stunde weniger tun. Wer langsamer arbeitet, der tut weniger, und das ist gemütlicher. Die zweite Form ist, extrem schnell, aber so schlecht und schlampig, daß alle sagen, geh, lass es, ich machs für Dich." - Britta Rollett, Uni Wien (Moment / ORF Radio Österreich 1)
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Österreich 1 · 31.10.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
"Es gibt zwei Formen von Anstrengungsvermeidung. Das haben wir bei Kindern und Erwachsenen festgestellt. Die apathischen haben die Methode gefunden, ich mache alles einfach furchtbar langsam. Da muß man natürlich in einer Stunde weniger tun. Wer langsamer arbeitet, der tut weniger, und das ist gemütlicher. Die zweite Form ist, extrem schnell, aber so schlecht und schlampig, daß alle sagen, geh, lass es, ich machs für Dich." - Britta Rollett, Uni Wien (Moment / ORF Radio Österreich 1)

Filename: radio037_mom_anstrengungsvermeider Beitrag

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Gehören Sie zu den Menschen, die rechtzeitig putzen, laufen, vorauswissend planen, schwer tragen, frühzeitig lernen, und gut organisieren? Gehören Sie zum Kreis derer, die sich mit aller Macht bemühen, ihre Aufgaben zu erledigen? Und sind Sie schrecklich traurig, wenn sie Ihre Arbeiten nicht erfolgreich abschließen?

Oder sind Sie sind ein Anstrengungsvermeider? Und sind der Meinung, daß die Dinge des Alltags andere besser erledigen können.

Das kann sehr vernünftig sein. Dass wenn man irgendeine unangenehme Aufgabe zugeteilt bekommt, dann ist es ja eigentlich eine sehr gute Strategie, wenn man sagt "kann ich nicht" stat "mag ich nicht", das wird Iieber gehört.

Brigitte Rollet ist Entwicklungspsychologin an der Universität Wien. Seien Sie beruhigt, Anstrengungen zu vermeiden hat durchaus mit Intelligenz zu tun.

Es ist extrem gescheit, eine Arbeit mit einem Minimum an Aufwand zu machen. Derjenige, der als erster das Rad erfunden hat, der war natürlich auch ein Anstrengungsvermeider, weil er sich gesagt hat, jetzt muß ich die Dinge nicht mehr schleppen oder ziehen, sondern die rollen schön dahin und ich spare mir eine Menge Arbeit. Viele große Erfindungen sind, wenn sie dem Menschen erspart haben, eigentlich von den intelligenten Anstrengungsvermeidem erzeugt worden.

Anstrengungsvermeidung ist recht gescheit, sagt Prof. Rollett, wenn sie bewußt eingesetzt wird..

Es kann aber diese Eigenschaft, Dinge abzuwehren zur Gewohnheit werden. Dann wird es unter Umständen bedrohlich, besonders wenn es in einem Bereich ist, der fur einen sehr wichtig ist. Wenn Kinder in der Schule gewohnheitsmäßig sich freuen, wenn sie etwas nicht können, weil sies dann nicht mehr machen müssen, und traurig sind, wenn sie einmal etwas gut machen, weil dann die Lehrer und Eltern wieder von ihnen etwas erwarten, dann kann das sehr schlecht werden. Und dasselbe kann natürlich auch im Beruf passieren, daß sich jemand absichtlich ungeschickt anstellt, weil er sagt "ahh", da machen alle anderen die Arbeit, weil er sagt, wunderbar, dann muß ich sie nicht machen.

Das geht auch eine Zeitlang gut.

Irgendwann kommt aber die Rechnung, das heißt, dann ist man der erste, der entlassen wird, im Beruf, oder dann wird man, obwohl man gescheit ist als Schüler, in die schlechtere Schulstufe geschickt, usw.

Ich bin auch ein Anstrengungsvermeider. Was unterscheidet mich von jenem, der das professionell betreibt?

Wenn man seine Arbeit rationell einteilt, ist man natürlich ein Anstrengungsvermeider, aber ein intelligenter Anstrengungsvermeider. Es kommt also darauf an, daß man die nicht unintelligente Form, die Justamentform, die immer Form verwendet, sondern daß man genau überprüfen kann, ist das ein Fall, wo sich Anstrengung lohnt, oder ist es ein Fall, wo es sehr vie besser ist darüber nachzudenken, wie man die Sache auf einfachere und bessere Weise machen kann.

Prinzipien haben ihren Grund. Dem Grundprinzip, nichts zu tun, ¡st Brigitte Rollet auf den Grund gegangen. Es beginnt schon sehr, sehr früh.

Wenn man schon kleinen Kindern so viele Übungsblätter für die Schule gibt, so daß die Kinder das nur mehr mit Unlust machen, dann überwiegt die Unlust so, daß sie in der Schule nicht mehr ordentlich arbeiten wollen, wie wir in Untersuchungen feststellen konnten. Wenn die Kinder eine Stunde pro Tag, das ist für kleine Kinder sehr gut, dann entwickelten sie sich zu großen Faulpelzen und Anstrengungsvermeidem. Wenn sie nur 10 min oder so lange wie sie Spaß dran hatten, es gibt durchaus Kinder, die durchaus eine Stunde auch gerne etwas mnachen, üben mußten, dann waren sie fleißig und leistungsmotiviert.

Anstrengend wird die Anstrengungsvermeidung dann, wenn man mehr Energie zur Einsparung aufwendet, als man sich erspart. Es gibt zwei Grundformen von Anstrengungsvermeidem.

Das haben wir bei Kindem und Erwachsenen festgestellt. Die apahthischen haben die Methode gefunden, ich mache alles einfach furchtbar langsam. Da muß man natürlich in einer Stunde weniger tun. Wer langsamer arbeitet, der tut weniger, und das ist gemütlicher. Die zweite Form ist, extrem schnell, aber so schlecht und schlampig, daß alle sagen, geh, lass es, ich machs für Dich.

Ein kleiner Tip zur Früherkennung.

Ob es sich um einen Anstrengungsvermeider in dieser Position handelt, erkennt man daran, ob die Leute in Situationen, die sie interessieren, durchaus schnell und genau sind, es bezieht sich dieses Verhalten immer nur auf unangenehme oder lästige Situationen, die die Leute in Wirklichkeit nicht mögen.

Wenn Sie es nicht mehr aushalten, weil Sie von einer Horde Anstrengungsvermeidem umgeben sind, und alle Arbeit bei Ihnen hängen bleibt, dann gibt es Alternativen zum Auszucken. Es lebe die Psychologie!

Die wichtigste Gegenstrategie ist, daß man den Anstrengungsvermeider nicht durchkommen lassen kann. Normalerweise sagen die Leute, geh ich machs für Dich, Du machst das so schlampig, so langsam, ich übemehm das. Damit hat er ja eine Bekräftigung, wie die Psychologen sagen. Das heißt, das darf man auf keinen Fall machen. Man muß aufjeden fall den Anstrengungsvermeider, wenn es geht, etwas kleinere Aufgabeneinheiten geben, dafür aber sorgen, daß die auch wirklich gemacht werden. Damit man selber nicht nervös wird, ist es sehr sehr wichtig, daß es Dinge sind, weo es auf die pünlktliche Ablieferung nicht ganz so ankommt, denn selbstverständlich wenn Feuer auf dem Dach ist, dann muß die Sache schnell und ordentlich gemacht werden. Das heißt, Anstrengungsvermeider lemen es dadurch wieder mehr Arbeitseinsatz zu zeigen, daß sie einerseits eine möglichst angenehme Situation vorfinden, daß sie andererseits dafür sorgt, daß sie die Sache auch zu Ende bringen, was immer sie auch für Ausreden und Taktiken anwenden. Das ist im Einzelfall gar nicht so einfach.

Es ist sinnvoll, mit anstrengungsvermeidenden Schulkindern einen Arbeitsvertrag zu entwerfen. Taschengelderhöhung bei 2 Stunden täglicher Lemzeit. Ist schon vorher alles fertig, muß anderes bearbeitet werden. Das verhindert Strategie 1, alles ganz schnell und schlampig zu machen. Wird länger gebraucht, darf diese Zeit nicht für den nächsten Tag gutgeschrieben werden. Das verhindert Gegensjtrategie 2, alles ganz langsam zu machen. Alles klar? 2 Jahre dauert die Wende zum leistungsmotivierten Mitmenschen. Bei Schulkindern. Erwachsene schaffen es schneller.

Im Industrie und Arbeitsbereich ist es so, da man mit der Vernunft arbeiten kann, daß man mit solchen Trainingsmöglichkeiten schon nach einigen Wochen Erfolg haben kann. Da kann sich der Erwachsene bewußt werden, daß er unbewußte Strategien der Arbeitsvmeidung verwendet, da kann er sich entschließen, es entweder anders zu machen, oder sich eine Arbeitsstelle zu suchen, die mehr seinen Vorlieben entspricht, und wo es dan leichter ist, wieder Arbeitseinsatz zu zeigen.

Meine persönliche Strategie im Kampf, wer den Abwasch macht: Ich warte noch länger wie mein anzuspomendes Gegenüber.

Es ist tatsächlich so, daß man manchmal jemanden zum Nachdenken bringen kann, indem man noch langsamer arbeitet wie er, genauso Zeit vertut, oder genau so wie er die Sache schlampig macht oder sie einfach liegen läßt, das kann sogar ohne daß man ein Wort sagt, ein bißchen zum Nachdenken bringen. Oder indem man es anspricht, und sagt ist das richtig so, oder sollen wir nicht gemeinsam schauen, daß die Sache schnell und ordentlich erledigt ist.

Vorsicht! Loben Sie nicht zu früh, wenn jemand vor Ihnen jemand zum Besen gegriffen hat, oder wenn Ihr Kind die erste Hausübung alleine macht, denn eine besondere Eigenheit von Anstrengungsvermeidem ist, daß sie ihnen die entsprechende Tätigkeit so unangenehm ist, daß sie in dem Moment, wo man sie lobt, die Arbeit einstellen. Der Lorbeereffekt. No, der hat mich jetzt gelobt, um Gottes Willen, jetzt wird er noch verlangen, daß ich noch mehr tue, jetzt muß ich ihm gleich zueigen, daß ich es überhaupt nicht machen will und kann.Man muß daher Anstrengungsvermeider auf eine bestimmte Weise loben. Man sagt daher: das haben Sie gut memacht, jetzt bin ich aber neugierig, ob das auch das nächste mal so sein wird. Da signalisiert man, daß man keine Hoffnung hat, daß das immer so sein wird. Davor haben nämlich Anstrengungsvermeider Angst. Auf diese Weise ist es möglich, ihnen den angenehmen Gefühlszustand des Lobs zu vermitteln, ohne daß sie sofort automatisch: um Gottes willen, ich wurde gelobt, das heißt ich muß das immer tun.

Sind Sie ein Mann?

In allen Untersuchungen sind immer die Männer wesentlich Anstrengungsvermeidender als die Frauen. Also das Vorurteil von der weiblichen fleißigen Art stimmt wirklich. Woher das kommt, können wir nicht sagen.

Haben die Frauen die Männer verwöhnt? Oder handelt es sich um eine natürliche, vielleicht intelligente Anstrengungsvermeidung von Männern, die gefunden haben, daß Frauen bereit sind, ihnen alles abnehmen, wenn sie es nur dringlich genug machen? WeIche Erfahrungen haben Sie mit Anstrengunsvermeidern, welche Strategien haben Sie im Kampf mit ihnen? Was machen Sie, um … zu machen? Rufen Sie uns an, wir sind auf Ihre Ticks gespannt. Eine Zusammenfassung hören Sie morgen.
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ID 36
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute > Momentaufnahme|Radioproduktion > Premium | 12.10.1999
Mosaikwerkstatt
Besuch bei der Familie Storch in Zirl: Arbeiten an Mosaiken.
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Österreich 1 · 12.10.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Besuch bei der Familie Storch in Zirl: Arbeiten an Mosaiken.

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ID 35
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 27.09.1999
Versöhnungsmechanismen
Collage: Wenn Regierungen versagen, gehen die Menschen aufeinander los. Versöhnungsmechanismen arbeiten kaum so effizient und sind vor allem stiller. Es gibt jedoch die Versuche, für das friedliche Miteinanderleben von Kosovo-Albanern und Serben versöhnliche Hebeln zu finden, entwickelt von jenen, die nicht mehr leiden wollen. Eine Sendung anlässlich der Braunauer Zeitgeschichtetage.
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Österreich 1 · 27.09.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Collage: Wenn Regierungen versagen, gehen die Menschen aufeinander los. Versöhnungsmechanismen arbeiten kaum so effizient und sind vor allem stiller. Es gibt jedoch die Versuche, für das friedliche Miteinanderleben von Kosovo-Albanern und Serben versöhnliche Hebeln zu finden, entwickelt von jenen, die nicht mehr leiden wollen. Eine Sendung anlässlich der Braunauer Zeitgeschichtetage.

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ID 34
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 08.09.1999
Glückliche Almleute
Portrait von zwei Senner:innen.
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Österreich 1 · 08.09.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Portrait von zwei Senner:innen.
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ID 33
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 25.08.1999
Legalisator
Portrait eines Ehrenamts in Tirol.
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Österreich 1 · 25.08.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Portrait eines Ehrenamts in Tirol.

Legalisator

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ID 32
Neues aus Österreichs Bergen
ORF > Österreich 1 > Journal Panorama|Radioproduktion > Premium | 04.08.1999
Neues aus Österreichs Bergen
10 akustische Ansichtskarten mit lieben Grüßen aus dem Alpenraum: Wie leben in den Bergen? Ausgezeichnet mit einer “Lobenden Erwähnung” beim Dr. Galler-Tourismuspreis.
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Österreich 1 · 04.08.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
10 akustische Ansichtskarten mit lieben Grüßen aus dem Alpenraum: Wie leben in den Bergen? Ausgezeichnet mit einer “Lobenden Erwähnung” beim Dr. Galler-Tourismuspreis.

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Audioversion ohne Musik
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ID 31
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 28.07.1999
Frauennotruf Pinzgau Pongau
Gewalt gegen Frauen ist auch im ländlichen bereich ein weitverbreitetes Problem. Die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen, ist im überschau- und einsehbaren Bereich eines kleinen Ortes weit größer als in Städten. Zu groß ist die Scham, zu drückend die Selbstvorwürfe und zu massiv die Befürchtungen, die Verwandten oder Freunde könnten von der misslichen Situation erfahren. Aber auch der Mangel an vertraulich arbeitenden Beratungsstellen verschärft die Situation der betroffenen Frauen. 1997 ist in Saalf …
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Österreich 1 · 28.07.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Gewalt gegen Frauen ist auch im ländlichen bereich ein weitverbreitetes Problem. Die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen, ist im überschau- und einsehbaren Bereich eines kleinen Ortes weit größer als in Städten. Zu groß ist die Scham, zu drückend die Selbstvorwürfe und zu massiv die Befürchtungen, die Verwandten oder Freunde könnten von der misslichen Situation erfahren. Aber auch der Mangel an vertraulich arbeitenden Beratungsstellen verschärft die Situation der betroffenen Frauen. 1997 ist in Saalfelden eine spezielle Beratungsstelle geschaffen worden, die Opfer von Gewalt in ihrer Beziehung wurden. Über 40 Frauen haben seither das Angebot in Anspruch genommen, über ihre Probleme und Ängste zu sprechen, oder mitsamt den Kindern für eine Übergangszeit ins Frauenhaus zu ziehen.
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ID 30
ORF > Österreich 1 > Moment – Leben heute | 24.03.1999
Stimmen einer Orgel
Gute Stimmung bei der Königin der Instrumente Das Stimmen einer Orgel ist eine wahre Sisyphusarbeit. Ständig ändert sich die Temperatur im Kirchenraum und damit auch die Tonhöhen der Pfeifen. Kein Zweifel: Die Orgel lebt. Für den Orgelbaumeister Adolf Donnabaum ist das ein Traum. Einen Tag vor der Aufführung des „Messias“ schütteln sich am frühen Morgen der Cembalostimmer, der Mikrofonierer und der Orgelstimmer die Hände. Die Klangherren haben jene Helfer aus dem Saal vertrieben, die polternd an …
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Österreich 1 · 24.03.1999 · Gestaltung: Lothar Bodingbauer · Importiert
Gute Stimmung bei der Königin der Instrumente Das Stimmen einer Orgel ist eine wahre Sisyphusarbeit. Ständig ändert sich die Temperatur im Kirchenraum und damit auch die Tonhöhen der Pfeifen. Kein Zweifel: Die Orgel lebt. Für den Orgelbaumeister Adolf Donnabaum ist das ein Traum. Einen Tag vor der Aufführung des „Messias“ schütteln sich am frühen Morgen der Cembalostimmer, der Mikrofonierer und der Orgelstimmer die Hände. Die Klangherren haben jene Helfer aus dem Saal vertrieben, die polternd an den Sesseln herummräumten, und jeder der drei bekommt nun die angemessene Zeit für seine Aufgabe. Zwei Stunden hat sich Adolf Donnabaum herausgehandelt. Er ist Orgelbaumeister. 500 Pfeifen erwarten ihn im Gehäuse der „Franz Schmitt Orgel“, der Hausorgel eines früheren Leiters der Wiener Philharmoniker. Still ist es im Raum geworden. Nur der elektrische Blasebalg wird unhörbar zur Arbeit fauchen. 24 Orgeln hat Adolf Donnabaum im Laufe der letzten dreißig Jahre selbst gebaut: „Mit diesem Instrument kann man alles ausdrücken, was der Mensch sagen will. “ Genau das wird Händels Oratorium mit gemessenen 443, 3 Hertz für den Grundton „a“ machen. Dieser Kammerton wird sich noch erhöhen, wenn Menschen kommen, und mit der mitgebrachten Temperatur die Tonhöhe der Orgelpfeifen steigen lassen. „Wenn man eine Metallpfeife auch nur in die Hand nimmt, ändert sich der Ton. Das macht das Stimmen ziemlich schwer“. Zuerst wird der Grundton gestimmt, und dann geht es mit Oktaven, Quinten und Quarten auf- und abwärts. Das Principal ist das erste Register, das so gestimmt wird, alle anderen ordnen sich ihm unter. „Wohltemperiert“ heißt die Stimmung, und das bedeutet, daß der unvermeidliche mathematische Stimmfehler, das sogenannte „pythagoräische Komma“, gleichmäßig auf alle Intervalle aufgeteilt wird. Der Orgelbaumeister arbeitet schnell und konzentriert. Legt Bleigewichte auf die Tasten, ohne Assistent könnte er sonst nicht den Ton anschlagen und gleichzeitig die Pfeifen aus ihrem vorgsehenen Platz nehmen. Störungen beim Gang der Arbeit quittiert er mit zwei steilen Falten auf der Stirn. Das Funktelefon ist abgeschaltet. Abgelenkt will er während der Zeit des Stimmens nicht werden, „die Konzentration wäre dahin, nach einer Stimmung bin ich ohnehin geistig ziemlich ausgebrannt“. Unterstützung kommt von einem elektronischen Meßgerät, das mit wandernden Strichen anzeigt, ob der vorgeschlagene Ton zu hoch ist, oder zu tief. Das geht aber nicht mehr bei Mixturen, bei denen mehrere Pfeifen gleichzeitig durch einen einzigen Tastendruck aktiviert werden. Das Meßgerät kann zwar mit den Vorlieben des Stimmers programmiert werden, es kann jedoch nicht mehr zwischen mehreren Tonhöhen unterscheiden, und auch nicht zwischen Klang und Geräusch. „Ob der Fehler in den Obertönen liegt, oder nicht, kann nur das geschulte Ohr auseinanderhalten. Aber das Meßgerät ist schon eine Erleichterung. 80% der Arbeit kann ich damit sehr schnell machen, für den Rest brauche ich meine Ohren, und vor allem, mein Gefühl“. Das Stimmhorn ist das wichtigste Werkzeug für die Stimmung der Metallpfeifen. Auf der einen Seite eines Stabes sitzt ein Kupferkegel, mit dem die Öffnungen der Pfeifen aufgeweitet werden, die Töne werden damit tiefer. Mit der andere Seite des Stimmhornes, einem Trichter, werden die Pfeifen am oberen Ende wieder zusammengebogen, die Töne werden höher. Ein Korkgriff verhindert, daß sich das Stimmhorn erwärmt, was wiederum die Tonhöhe beeinflussen würde. Die Arbeit schreitet gut voran. Nur einzelne Intervalle machen Probleme. Und so tanzen mit den verstreichenden Minuten die Töne durch das Orgelgehäuse. Mit Katzenjammer hat das nichts zu tun, mehr vielleicht mit dem Quietschen einer Eisenbahn in Kurven. Im Inneren der Orgel vollzieht sich der Lauf der Töne einer Oktave gleichmäßig von einer Seite zur anderen. Nur die sichtbaren Pfeifen im Prospekt an der Front der Orgel sind nicht nach Tonhöhen, sondern nach ästhetischen Kriterien geordnet. Hören kann das Ohr den Mißklang zweier Töne durch die Schwebung: Ein regelmäßiges Lauter- und Leiserwerden des Zusammenklanges, ein paar mal pro Sekunde, oder auch nur einmal alle paar Sekunden. Und irgendwo dazwischen liegt der Kompromiß, das Ideal. Wo genau, wird durch Stil und Sicherheit des Stimmers festgelegt, und über diese Fragen wird unter Fachleuten gerne diskutiert. Das war schon immer so. „Es ist besonders tragisch, wenn bei der Orgel etwas nicht stimmt, denn die Töne der Orgel sind tragend. Die Leute hören jeden Fehler“. Violinspieler können falsche Tonhöhen unmittelbar ändern, der Cembaloklang verfliegt im Kirchenraum, aber der Orgelton krallt sich in den Winkeln und Nischen fest. Wenn alle Pfeifen halbwegs gleichmäßig verstimmt sind, dann kann ein guter Orgelspieler transponieren, das Stück einen Halbton höher oder tiefer spielen als im Notenblatt notiert. Nach einer halben Stunde ist das Principal fertig. Ein Ton des angestimmten Akkordes reißt noch aus und wird vom Stimmhorn gezähmt. Adolf Donnabaum gibt etwas verschämt zu, nicht so gut zu spielen, wie er stimmt, indes beenden einige wohlgestimmte Akkorde jene Monotonie, die durch die regelmäßig angeschlagenen Intervalle beim Stimmen eingetreten ist. Der Meister kratzt sich ein wenig an seinem kurzen weißen kurzen Bart und erinnert sich daran, den „Subbaß 8 Fuß“ nicht zu vergessen, eine Gruppe großer Pfeifen, die mit dem Pedal zum Toben gebracht werden. „In Wien“, zwinkert Orgelbaumeister Donnabaum dann zwischendurch, „kommen zuerst die Lipizzaner, dann die Sängerknaben und dann die Philharmoniker. Die Orgel wird oft so lange gespielt, bis es gar nicht mehr geht, solange sie noch irgendwie pfeift, wird sie benützt. “ Dann seien von 20 Registern vielleicht noch vier spielbar und der Organist schließt ständig Kompromisse. „Es gibt aber auch Orgelbesitzer, die ihr Instrument regelmäßig pflegen und stimmen“, und das müsse auch sein, denn die ständigen Temperaturwechsel der Jahreszeiten schlagen sich in veränderten Tonhöhen nieder. Früher, als die Kirchen noch nicht geheizt waren, war es noch besser - für die Orgeln. Und früher haben die Lederriemen in der Traktur der Orgel noch 50 Jahre gehalten, heute sind es durch die schnelle Art der Gerbung nur mehr 30 Jahre. „Da muß dann halt viel gemacht werden“, freut sich der Orgelbaumeister und leidet zugleich. Bei älteren Orgeln muß sich der Mensch dann an das Instrument anpassen, wenn etwa die Übertragung des Tastendruckes an die Windlade unter den Pfeifen nicht mehr unmittelbar sondern nur noch zäh funktioniert. Das gehört dann zur Persönlichkeit der Orgel. Aber das genau ist es, was Adolf Donnerbaum begeistert. Für ihn ist durch den Beruf des Orgelbauers ein Traum in Erfüllung gegangen. „Es hat alles gepaßt! Meine Eltern waren mit der Kirchenmusik sehr vertraut, ich habe Violine gelernt, und als ein Orgelbauer einen Lehrling suchte, war ich dabei. “ Gelernt hat er in Linz, und in den fünfziger Jahren ist er nach Holland gegangen, dort wo die große Tradition zu Hause ist. „Das kommt durch den Reichtum und das Konkurrenzverhalten der verschiedenen Konfessionen dort. Jeder wollte die schönste und wohlklingendste Orgel bauen lassen, und Geld war auch genügend da. “ Die Lehre zum Beruf des Orgelbauers dauert in Österreich dreieinhalb Jahre. Jedes Jahr beenden fünf bis zehn Lehrlinge diese Ausbildung. Die meisten Orgelbauer sind in Vorarlberg zu Hause, der Konkurrenzdruck im In- und Ausland ist groß. Dennoch sind die inländischen Betriebe gut ausgelastet. Es gab eine Zeit, da beschäftigte Adolf Donnabaum 8 Angestellten und wurde damit zum Manager. Heute arbeitet er – wenn nicht gerade Stimmzeit ist – allein in seiner Werkstatt im 3. Wiener Bezirk, an der Werkbank mit Holz- und Metallpfeifen, an Trakturen. Am Schreibtisch entwirft er Angebote und Konstruktionsplänen für neue Orgeln. „Wenn man in einen Raum kommt, der leer ist, und man bekommt den Auftrag, eine Orgel zu bauen, dann verbindet man architektonische und ästhetische Kriterien mit der musikalischen Kunst und dem Handwerk. Da wird alles konstruiert, angefertigt, zusammengebaut, gestimmt, das ist eine wunderbare Arbeit, man muß alles können, und daß aus Bäumen und Erzen so etwas entstehen kann, ist eine Faszination. Wenn es klingt, ist es vollendet. “ Richtig zufrieden ist Adolf Donnabaum eigentlich nie. „Orgelstimmen ist ja eine Sisyphusarbeit. Wenn man eine Zeitlang arbeitet, erwärmt sich die Luft hier durch den Orgelmotor, jede Luftbewegung wirkt sich aus, dann muß man irgendwann sagen: Schluß, jetzt paßt es“. Die Erwartungen an ihn sind hoch, und wenn die Königin trotz Huldigung verstimmt ist, halten sich die Veranstalter an ihn, auch wenn physikalische Gesetze an den Dissonanzen die Physik schuld sind. Oder die Bewegung. „Das Leben der Orgel ist eben immer vorhanden. “ Nach zweieinhalb Stunden sind die vielen Pfeifen und Register der Orgel in der Südstadtkirche in Maria Enzersdorf wieder befreundet. Die Ausgangssituation war gut. Nun ist der Cembalostimmer an der Reihe, und tags darauf wird die Orgel mit dem Cembalo den Gesang von Chor und Solisten lächelnd oder traurig unterstützen. Kunst und Kirche werden zum Leben erweckt, und Adolf Donnabaum wird dabeisein und hören.
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