Wortwahl in Bildungsfragen

Wissen – wissen, Können – können, Fragen – fragen. Die wichtigsten Begriffe der Bildung sind Hauptworte und Zeitworte gleichermaßen. Ob das ein Test für Verständlichkeit in Bildungsfragen ist? Mit diesen Begriffen kann man aber zugegebenermaßen schlecht herumkompetenzen.

Ich muss mal

… ich muss das mal aus der Sicht des Schülers sehen. Würde mir nicht gefallen so ein Platz zum Leben. Ich habe übrigens vor kurzem einen Tiergartenspezialisten gehört, der über “Verhaltensanreicherungen” bei Zootieren sprach. Vielleicht könnte man ihn einmal in Schulen arbeiten lassen?

Jetzt wird's eng

In einer Klasse im Gymnasium Rahlgasse, Wien

EGMR: Kreuz in Schulzimmern verletzt Religionsfreiheit

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat heute festgestellt, dass Kruzifixe in Klassenzimmern öffentlicher Schulen nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar sind. Kreuze in Klassenzimmern verletzen laut EGMR die Religionsfreiheit der Schüler und das Recht der Eltern, ihre Kinder nach den eigenen Überzeugungen zu erziehen.

Quelle: www.orf.at

Offener Brief, den man sich aufhob

Offener Brief an die Teilnehmerlnnen der Übungen zu […]

Es ist Ihnen vermutlich allen aufgefallen, daß ich bei der Organisation der Übungen zur Vorlesung […] keine wie immer gearteten büokratischen Maßnahmen getroffen habe, um Ihre Anwesenheit sowohl in der Arbeitsphase als auch vor allem bei den Plenumsveranstaltungen zu kontrollieren. Ich bin nämlich (nach wie vor) der tiefen Überzeugung, dass

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Physikunterricht in der Krise?

Physik zählt zur Allgemeinbildung, wenn auch die meisten Menschen einfache physikalische Phänomene falsch erklären. Mädchen schneiden in Physik prinzipiell schlechter ab als Burschen. Teure Physiklabors wollen autonom budgetierende Schulen nicht mehr unterhalten. Die Physik-Didaktiker sind ratlos. Was tun? Die Experimente sollen schülerzentrierter werden – nicht der Herr Professor soll experimentieren, sondern die Schüler sollen es – lustvoll – tun. „Gender Mainstreaming“ hat auch in den Physiksaal Einzug gehalten, und ehemalige physikdidaktische Hardliner fordern Junglehrer auf, mutiger zu unterrichten. Nicht das Schulbuch soll in die Schule hineingetragen werden, sondern das Leben. Erfolgreich? Noch nicht. Die Beliebtheit des Faches „Physik“ nimmt nach wie vor mit zunehmenden Alter ab, die PISA Studie zeigte Erschreckendes in Österreich. Eine Sendung um den Zustand des Physikunterrichts an Österreichs Allgemeinbildenden Höheren Schulen.

Eltern und Schulprobleme

Blöde Lehrer?

Bei Schwierigkeiten Ihres Kindes mit bestimmten LehrerInnen regen Sie sich zuerst einmal kräftig auf, wie blöd, dumm und unprofessionell er/sie sich verhält. Sie ermuntern Ihr Kind, Stirn zu zeigen, und die Schwierigkeiten stolz hinzunehmen, denn man selbst wäre ebenso revolutionär als SchülerIn gewesen.

Besser: Sie bringen Ihrem Kind bei, mit blöden, dummen und sich unprofessionell verhaltenden LehrerInnen umzugehen, da diese ebenso zum Gesamtbild einer Schule dazugehören. Für das nächste Mal versuchen Sie mit Ihrem Kind Strategien zu entwickeln, um derartige Probleme entweder schon im Vorfeld zu vermeiden oder sich zur rechten Zeit an die richtige Instanz zu wenden.

Ordnung in der Schultasche?

Ob Ihr Kind Mitteilungsheft, Schulhefte und Bücher in vernünftig geordneter Weise und schönem Zustand bei sich hat, schauen Sie sich nur zu Beginn des Schuljahres einmal an und argumentieren mit dem Satz: ich vertraue meinem Kind, derartiges selbst in die Hand zu nehmen.

Besser: Sie besprechen mit Ihrem Kind zu Beginn des Schuljahres die Bedeutung von Mitteilungsheft, Schulheften und Bücher in einer vernünftigen geordneten Weise bei sich zu haben und ermuntern es, diese Fragen selbst regelmäßig sicherzustellen, Sie sprechen Ihr Vertrauen aus, dass das möglich ist und kontrollieren die Einhaltung nicht nur durch die Frage „hast Du alles beisammen“ – Antwort: ja, sondern gehen in immer größer werdenden Abständen die Schulsachen mit Ihrem Kind gemeinsam durch, schon um den Schultascheninhalt gemeinsam immer wieder zu evaluieren und gegebenenfalls zu verringern oder zu verbessern.

Respekt?

Sie bringen der Schule und ihrem Personal eine Art heiligen Respekt entgegen und hinterfragen nicht, ob Aktionen und Reaktionen Ihrem Kind – das Sie sehr gut kennen – angemessen ist.

Besser: Sie erweitern mit jedem Schuljahr Ihr Repertoire, wie man mit dem System Schule und ihrem Personal umgehen kann, trotz schwieriger Bedingungen Verbesserungsvorschläge machen kann und lernen sich mit anderen Eltern zu organisieren und den Kontakt zu Klassenvorstand, LehrerInenteam und Direktion nicht nur hinzunehmen, sondern auch zu pflegen. Ihr Kind binden Sie dabei als BeraterIn ein und fordern es immer wieder auf, schöne Alternativen zu suchen und passend zu formulieren und selbst mitzugestalten.

Wie beurteilt man guten Unterricht?

Es ist einigermaßen schwierig, guten Unterricht in unterschiedlichen Schulen und Klassen vergleichbar zu machen. Zu viele Faktoren, die sich nicht so einfach in Zahlen gießen lassen, haben große Bedeutung. Bekanntestes Beispiel: die Persönlichkeit des Lehrerers spielt die anerkanntermaßen größte Rolle für guten Unterricht.

Ein ähnliches Problem haben Netzwerkbetreuer von EDV-Netzen, wenn sie die Sicherheit ihres Netzes gegen Angriffe von außen in Zahlen bringen sollen. Zu viele oft unbekannte Faktoren haben einen – meist unbekannt großen – Einfluss. Es ist nun interessant zu sehen, welche zusammenfassende Empfehlungen die Fachzeitschrift IX aus dem deutschen Heise-Verlag in der Ausgabe 07/2008 zum Thema Sicherheit in Netzen gibt:

Zur Überprüfung der Effektivität von Maßnahmen und Wirtschaftlichkeit von Investitionen bedarf es in aller Regel belastbarer Kennzahlen- die aber bei abstrakten, kaum messbaren Größen wie “Sicherheit” nur schwer zu erhalten sind.

Die bisherigen Ansätze zur Messbarkeit von IT-Sicherheit in verschiedenen Standards sind relativ oberflächlich und untechnisch – erfüllen aber gelegentlich dennoch ihren Zweck.

Da das Thema Kennzahlen für die IT-Sicherheit noch in den Kinderschuhen steckt, kann man hier durchaus kreativ sein und ungewöhnliche Zahlen und Größen – beispielsweise das Schwachstellenmanagement – erfolgreich zur Beurteilung und Verbesserung von Prozessen heranziehen.

Was auch immer das Schwachstellenmanagement ist. Dass IT-Experten zur Kreativität aufrufen, wenn das bestehende Regelwerk zu unkonkret ist, ist interessant. Dieser Ansatz könnte auch für Bildungsvermittlungsexperten eine Anregung sein.

Verhaltensskala für LehrerInnen

Nicht nur SchülerInnen sollen die Bandbreite ihres Verhaltens kennen oder kennen lernen, sondern auch LehrerInnen. Daher eine längst fällige Formulierung eines Vorschlags für eine Verhaltensskala für LehrerInnen:

Negativ

 

Sie weisen zu Beginn der Stunde auf einen Missstand hin und beginnen den Unterricht, ohne den Stundenablauf im Groben zu skizzieren.

 

Sie sagen missmutig „nein“, wenn etwas nicht geht und wirken persönlich gekränkt, weil Sie danach gefragt wurden.

 

Sie gehen einen halben Tag nicht aufs Klo oder essen nichts, auch wenn Ihr Körper dringend nach dem einen oder dem anderen danach fordert. Tür- und Angelanfragen beantworten Sie missmutig und genervt, wenn keine Zeit für eine korrekte Entgegennahme besteht.

 

In Gesprächen mit KollegInnen bezeichnen Sie SchülerInnen, die den Anforderungen des Schulalltags in der einen oder anderen Weise nicht entsprechen, als dumm, blöd, deppert oder auch vollkommen realitätsfremd.

 

Sie ärgern sich, wenn SchülerInnen Fristen nicht einhalten, oder anderweitig durch Nichtorganisiertheit negativ auffallen, und lassen sich diese schlechte Laune so anmerken, dass man sie als Erziehungsmittel auffassen könnten.

 

Sie versuchen, Probleme grundsätzlich durch ein „ja“ zu klären, um so SchülerInnen eine positive Erledigung durch Fristverlängerung zu ermöglichen, räumen ihr/ihm jedoch keine Verantwortung darüber ein, und so bleibt wieder alles bei Ihnen hängen – was Sie ärgert.

 

Sie lassen sich in Gesprächen unterbrechen oder tadeln die/den unterbrechenden missmutig für den bloßen Versuch, das Gespräch zu unterbrechen.

 

Sie werden durch die Anforderungen des Schulalltags von einer Situation zur anderen gehetzt, die Sie zu erfüllen suchen, Sie aber am Tagesende erkennen, dass dies nur unter größter Anstrengung möglich war.

 

Sie versuchen Fehler entweder zu vertuschen, oder jemandem anderen zuzuschreiben. Keinesfalls informieren Sie Ihre/n Vorgesetzten über gröbere Geschichten und lernen statt dessen akribisch, so im Grauschatten des Erlaubten zu agieren, dass diese Missstände nicht weiter auffallen.

 

Sie produzieren bei problematischen Elternanfragen grundsätzliche Aussagen, dass so etwas nicht gehe, und dass das Problem ausschließlich durch familieninterne Strategien gelöst werden können.

 

Sie verwenden beim problembeladenen Elternkontakt reflexhaft eine der folgenden 14 Floskeln, die von www.learn-line.nrw.de so hübsch gesammelt wurden: 

  1. Das ist völlig ausgeschlossen.
  2. Das kann gar nicht stimmen.
  3. Da müssen Sie sich täuschen.
  4. Das gibt es bei uns nicht.
  5. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.
  6. Das habe ich noch nie gehört.
  7. Das ist noch nie vorgekommen.
  8. Sie sind der / die Erste.
  9. Sie sind der / die Einzige.
  10. Da müssen Sie / Ihr Kind selber irgend etwas falsch gemacht haben.
  11. Sie sind / Ihr Kind ist da sicher besonders empfindlich.
  12. Vergessen Sie bitte nicht, dass wir eine gute Schule sind.
  13. Dafür haben wir zu viel Erfahrung im Umgang mit Kindern.
  14. Von den anderen Eltern der Klasse haben wir diese Beschwerde noch nie gehört.

 

Sie gehen davon aus, das Kinder perfekte Wesen sein müssen, die jederzeit jeden Tag sonnig und gut gelaunt ihrem Wissensdrang nachgehen und ständig Lust an positiven Sozialkontakten haben.

 

Sie verwenden Ihre Freizeit nur um sich bis zur Besinnungslosigkeit vorzubereiten. Ihr Gehalt geben Sie für alles andere aus, nur nicht für eine Coaching Stunde, die Ihnen hilft, den Schulalltag einigermaßen intakt über die Runden zu bringen.

 

Neutral

Sie sind anwesend und fallen weiter nicht auf. Weder positiv, noch negativ. Ein ganz normaler Tag in einer ganz normalen Schule.

Positiv

Sie begrüßen die Schüler mit einer kleinen Geschichte, was Sie heute schon Nettes erlebt haben und stellen dann den SchülerInnen vor, was Sie in dieser Stunde mit ihnen vorhaben. (Schülerrecht auf positive Aktivierung und Recht auf Einblick in die eigene nächste Zukunft, wenn sie von anderen – Ihnen – abhängt.)

Sie entschuldigen sich, dass etwas nicht geht, wenn etwas nicht geht. (Schülerrecht auf freundliche Mitteilung unbequemer Tatsachen.)

 

Sie benützen die Pause, um Ihre persönlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen und verweisen Tür- und Angelanfragen mit einem freundlichen Hinweis auf Ihre Sprechstunde oder auf einen besseren konkreten Zeitpunkt. (Lehrerrecht auf Toilettenbesuch und rechtzeitige Nahrungsaufnahme.)

 

Sie verwenden auch in internen Gesprächen korrekte Bezeichnungen für SchülerInnen, die den Anforderungen des Schulalltags in der einen oder anderen Weise nicht entsprechen. (Menschenrechte auf Würde und Nichtperfektsein.)

 

Sie weisen SchülerInnen ernst auf Nichteinhaltung organisatorischer Fristen oder unpassende Strategien zur Bewältigung des Schulalltags hin und setzen einen konkreten messbaren Nachtermin, der zu einer konstruktiven Klärung der Problemstellung wenigstens von Ihrer Seite beitragen kann. (SchülerInnenrecht auf Schulung in organisatorischen Belangen.)

Sie verwenden das Wort „nein“ in einem ernsthaften Kontext und haben kein wie immer geartetes schlechtes Gewissen, wenn dadurch dem/der SchülerIn Verantwortung übertragen wird, die sie/er vielleicht nicht nützt. (SchülerInnenrecht auf ein klares „nein“ und Selbstverantwortung.)

Sie lassen sich in einem Gespräch nicht unterbrechen und weisen gegebenenfalls freundlich auf diese Tatsache hin. (SchülerInnenrecht auf Uninformiertheit.)

Sie führen eine Liste persönlicher Prioritäten und kennen konstruktive Mechanismen und Strategien, wenn die Umstände so gelagert sind, dass diese Prioritäten nicht erfüllt werden können. (Menschenrecht auf Gestaltung ihrer/seiner Prioritäten.)

Sie geben frank und frei Ihre Fehler zu, nennen diese Herausforderungen und versuchen keinen besseren Schein zu erwecken, als Sie selbst ausstrahlen können. Bei gröberen Geschichten wenden Sie sich auch an Ihren Vorgesetzten bzw. weisen sie/ihn auf täglich praktizierte Missstände hin, an die sich schon alle gewöhnt haben. (Menschenrecht auf Fehler.)

Sie denken bei Elternkontakt als erstes daran, dass das betroffene Kind das Wichtigste ist, was diese Eltern haben. Danach formulieren Sie Ihre Sicht der Problemstellung und bieten dem Familiensystem unzählige Möglichkeiten, die Sache gemeinsam in den Griff zu bekommen. (Familienrecht auf Integrität und Intaktbleibenheit.)

Sie erklären nicht jede Problemsituation mit Ihrer Unzulänglichkeit und verfallen andererseits nicht in das Extrem, diese Unzulänglichkeit der/dem anderen zuzuschreiben. (LehrerInnenrecht auf Teilung der Verantwortung.)

Sie gehen davon aus, das Kinder keine perfekten Wesen sein müssen, die auch teilweise betrübt, besorgt, zornig und missmutig sind und ihrem Wissensdrang nicht nachgehen wollen und auch einmal keine Lust an positiven Sozialkontakten haben. Konstruktive Kritik an solchem Verhalten kennen Sie eine ganze Menge aus dem ff. (SchülerInnenrecht auf professionelle Erziehung.)

Sie verwenden Ihre Freizeit nicht nur um sich bis zur Besinnungslosigkeit vorzubereiten, sondern auch um sich wohlzufühlen, sich zu entspannen, nette Sachen zu machen, zu Schlafen und dann und wann eine Coaching-Stunde auch aus dem eigenen Gehalt zu bezahlen. (LehrerInnenpflicht auf Sicherung der eigenen Ressourcen.)