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Hörerlebnis: Stille + Podcast

Ich habe mein „lokales Hörmaximum“ gefunden, das bessere Ergebnisse als Noice Cancelling bringt. Und zwar eine Kombination aus angepassten Schallschutz Ohrenstöpsel für 65€ und Knochenschallkopfhörer für 120$.

Die Knochenschallkopfhörer habe ich schon seit zwei Jahren, die legen zur Umgebung einfach eine (Podcast-)Stimme drauf, wie wenn jemand neben einem hergeht und mit einem spricht. Radfahren möglich, man hört sonst alles.

Aber wenn ich das „Alles“ mit den Ohrenstöpseln wegmache, dann spricht jemand ruhig zu mir.

Ein Traum. Stille! Mit diesen unglaublich weichen Ohrenstöpsel im Schlafwagen, beim Busfahren und vor allem auch im Bett neben der Strasse. Und dann, wenn man Lust hat, einen Podcast auf die Stille addieren.

Ahhhhhh!

Links:

1) Ohrenstöpsel SleepLine via Neuroth
2) Knochenschall AfterShocks

Und ich habe alles bezahlt, das ist keine bezahlte Werbung, sondern Begeisterung.

Familienentscheidung in 5 Schritten: Gegen einen Job in Guatemala

Familienentscheidung in 5 Schritten: Gegen einen Job in Guatemala

Wer das Angebot hat, für zwei Jahre an der Österreichischen Schule in Guatemala zu unterrichten, muss zunächst alle Familienmitglieder befragen. Jede:r könnte mit – in Form eines Auslandsschuljahres, oder in Form eines Karenzjahres für die mitreisende Partnerin. Aber jeder muss zustimmen, denn die Kinder sind zu alt, um sie einfach einzupacken, und zu klein, um sie alleine in Österreich zu lassen. Wir haben uns gemeinsam entschieden – zuhause zu bleiben. Wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind, und warum alle damit zufrieden sind, das beschreibe ich hier. mehr lesen…

WordPress Widgets verschwunden?

WordPress Widgets verschwunden?

Wenn einmal die Widgets der WordPress-Seite verschwinden: einfach auf ein anderes Theme umschalten und dann wieder auf das originale Theme zurückschalten. Dann sind alle Widgets wieder da.

Podcast im Wirtshaus

Podcast im Wirtshaus

Unseren „Horch“-Podcast – haben wir erstmals im Wirtshaus mit 20 Leuten aufgenommen. Was muss ich wissen, um zeitgenössische Musik gerne zu haben? Elisabeth Haselberger aus Ulm hat ihre Flöten mitgebracht, ich den Klang der Sonne – und es war beim Haiderwirt in St. Veit ein wunderschöner Vormittag. Risiko? Keines. Schön wars.

Nachzuhören hier als Episode Horch 22

„Wir alle sind Armin Wolf“ – Trilologie

„Wir alle sind Armin Wolf“ – Trilologie

Workshop anlässlich der „Medientage Strobl 2019“, die Fachtagung für „Freie Medien und Bildungsarbeit“, Link zur Website.

Als „4. Macht im Staat“ bezeichnet wird Journalimus bezeichnet, und wenn es jemandem nicht daran gelegen ist, dass diese Macht existiert, wird er angegriffen. Oder seine besten Vertreter:innen. Als Anchorman der ZIB2 steht Armin Wolf und insgesamt der gesamte öffentlich-rechtliche Journalismus immer wieder ganz vorne. Lassen wir nicht ihm und dem öffentliche-rechtlichen Rundfunk die heißen Kartoffeln aus dem Rohr holen, „wir alle sind Armin Wolf“. Als Akteure – als Journalist:innen – aber auch als Medienkonsument:innen.

 

Wir-alle-sind-Armin-Wolf: Trilogie / Diskussion / Manifest
(Lothar Bodingbauer)

Kritischer Journalismus macht Populisten keine Freude. Eigentlich ist das doppelt gemoppelt. Man könnte auch nur „Journalismus“ dazu sagen. Journalismus ist kritisch. Wenn Armin Wolf als ZIB2-Anchorman ganz vorne an den glühenden Kohlen arbeitet und dabei angegriffen wird, dann passiert das stellvertretend ihm, wir schauen zu. Aber Armin Wolf, das sind wir alle.

  1. Bestandsaufnahme. Was ist Journalismus. Ganz genau? Wie funktioniert Meinungsbildung beim Publikum. Geht es um Glauben? Um Wahrheit? Welche Interessensgruppen gibt es, und warum sind wir wirklich alle Armin Wolf?
  2. Komplexität statt einfache Antworten. Was bedeutet kritisch denken ganz genau? Wer hat Vorteile? Wer hat die Nachteile?
  3. Glauben versus Wissen. Die „Marke Wissenschaft“ löst aus dem Gesamtkomplex „Universum“ jene Elemente, die messbar, wiederholbar, vorhersagbar und widerspruchsfrei sind. Was ist der Rest, und wie sollen wir damit umgehen? Es ist nicht die Suche nach der Wahrheit, sondern die Suche nach der besten Geschichte, die Wissenschaft stark macht. Ihre Stärke ist, vom „warum“ zum „wie“ zu kommen. Warum und wie? Das schauen wir uns an.

Als Endprodukt der Trilogie entsteht pro Teilnehmer:in ein Manifest (LINK), wie sie mit Journalismus, Komplexität, Glauben und Wissen umgehen möchten. Das nageln sie dann an eine Tür.

  • Mit wem reden? Ausgrenzen? Oder nicht? – Jan Böhmermann.
  • Umgang mit Komplexität.
  • Der andere Standpunkt.Meinung abgeben – Meinung machen.

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Sendungsbewusst

Sendungsbewusst

Drüben auf Sendegate wird gerade diskutiert, was „sendungsbewusstsein“ bedeuten kann. Das ist eine interessante Diskussion

 

Ich sehe Sendundungsbewusstsein vor allem auf der Seite des Gastes im Podcast. Ich verlange es sogar. Dabei rede ich eher von Wissenspodcasts, bei dem man jemanden besucht, der etwas Bestimmtes weiß. Ich möchte, dass diese Person erzählen möchte, und das Erzählte auch senden oder gesendet haben möchte. Keinesfalls möchte ich jemanden besuchen, der diese Verantwortung mir zuschieben möchte. Ich als Gatekeeper. Um dann auch noch herumzumäkeln, was alles nicht gesendet werden sollte aus dem Gespräch, und daher raus muss. Public Relations mit Message Control fallen daher alle raus bei mir als Gäste, eben weil diese Leute nicht sendungsbewusst sind. — Für mich selbst als Host hat das Wort „sendungsbewusst“ keine Bedeutung.
299. Insekten im Garten

299. Insekten im Garten

Wer seinen Garten schön zusammenräumt – verblühte Blumen rasch entsorgt, alte Bäume nicht verrotten lässt, auch Laub zusammenträgt – der macht es Insekten schwer, sich wohlzufühlen. Es sind aber gerade die kleinen Hausgärten, die für den Lebensraum von Insekten wichtig sind. Was können wir tun, damit sie sich ansiedeln? Dass sie bleiben? Etwas gelassener alles sehen, meinen ökologisch bewusste Gärtner/innen. Historisch werden Insekten oft mit Parasitentum und Krankheit verbunden, aber in einem naturnahen Garten sichern gerade sie eine gesunde Vielfalt, die Lebensgrundlage auch für Vögel und größere Tiere sind. Ein naturnaher Garten ist auch oft weniger Arbeit, braucht aber mehr Wissen. (Moment / ORF Radio Österreich 1)
MANUSKRIPT fast-final
SIGNATION

ATMO Gartenarbeit, Laub

OT / Teaser-Mix
*Wenn ich hier Wiesenfläche habe, oder Rasen habe, dann mähe ich den, und dann habe ich immer wieder so kleine Spots, wo ich Blumenvielfalt vorfinde, und dahinten stelle ich mir einen Sessel hin, und dann liege ich in der grünen Natur. – Die große Mehrzahl der roten Listen wird länger und länger und länger. – Es hat jeder eine unterschiedliche Toleranzgrenze, die kann man niemanden vorschreiben. – Wir haben eine große Zahl an Arten, von denen wir wirklich ernsthaft befürchten müssen, dass sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verschwinden werden.*

MODERATION
Vom Leben und Überleben der Insekten im eigenen Garten.

OT / Teaser-Mix
*Es gibt halt nun mal Schädlinge und es gibt vielleicht auch Pflanzen, da will ich sie nicht haben. Ich werde auch zum Beispiel, wenn ich Rosenrost habe, das Laub dort nicht liegen lassen, weil ich will im nächsten Jahr, dass sich die nicht wieder aus dem infizieren. – Jeder Quadratmeter zählt. Wenn jeder von uns in seinem Rahmen den Garten nicht so durchpflegt, auf Chemie verzichtet. Wenn jeder in seinem Rahmen das Beste gibt, hilft das der Natur schon.*

MODERATION
Wer seinen Garten immer schön zusammenräumt – verblühte Blumen rasch entsorgt, und alte Bäume nicht verrotten lässt, auch Laub zusammenträgt – der macht es den Insekten schwer, sich wohlzufühlen. Es sind aber gerade die kleinen Hausgärten, die für den Lebensraum von Insekten so wichtig sind. Was können wir tun, damit sie sich ansiedeln? Was können wir tun, dass sie bleiben? Etwas gelassener alles sehen, meinen ökologisch bewusste Gärtnerinnen und Gärtner. Ein naturnaher Garten ist oft weniger Arbeit, braucht aber mehr Wissen. Lothar Bodingbauer hat sich umgehört – und nach seinem Beitrag können Sie uns anrufen und erzählen, wie es bei Ihnen läuft und summt und brummt im Garten.

OT Katja Hintersteiner
*Ja, jetzt gehen wir in meinen Garten.*

(darüber)

Zu Besuch bei Katja Hintersteiner in Linz.

*Die Mädchen haben das Trampolin aufgebaut, und die Sachen nicht weggeräumt.*

Mutter von zwei Kindern und Ökologin. Sie kennt sich aus in ihrem Garten.

*Gut. Klein, fein. Da haben wir etwas Bienenfreundliches angepflanzt. Dort kommt jedes Jahr etwas dazu. Die Frühblüher sind schon fast verblüht. Die nächsten Frühjahrsblüher kommen. Die Tulpen und Narzissen, und jetzt wird es bald ein blaues Meer von Iris und Schwertlilien herinnen werden. Da drüben haben wir noch verschiedene Weiden. Wir haben eine Purpurweide da, dazwischen und eine sehr zezelige Lavendelweide, die ganz spät blüht. Das ist sehr schön, wenn man ein Pollenangebot über einen längeren Zeitraum von den Weiden anbietet und nicht immer nur die Salweide nimmt. Dort drüben haben wir Brombeeren und Hinbeere und dort haben wir meine Sandkiste. Das war der Spielplatz der Kinder lange Zeit. Dort war tatsählcih ein alter Baumstamm hinten, der über die Jahre verrotten durfte. Das war Lebensraum für Ameisen, Käfer, etc. Man sieht hier noch die Reste von einem Stamm, wo wir lange Zeit draufgesessen sind. Und du siehst, wie die Tiere daran arbeiten, wei die Pilze daran arbeiten, wie er sich zersetzt. Und diese Sukzession des Zersetzens, des Abbauens, man sieht es auch dort drüben, wo man noch so Strukturelemente von Holz sieht, hier entsteht neuer Raum, Lebensraum und aus der Sandkiste ist ein Magerrasen geworden.*

Die Unordnung, die man sieht in Katja Hintersteiners Garten ist wolüberlegt und gut begründet. Katja ist auch Imkerin, und sie weiß, was Insekten wirklich brauchen. Nicht immer nur nass. nicht immer nur trocken.

OT Hintersteiner
*Ja. Viele Wildbienenarten sind ja ganz eng mit ihren Pflanzen vergesellschaftet. Und dementsprechend wenn ich jetzt diese Wildbienen fördern möchte, dann muss ich ihnen auch ihre Pflanzen anbieten oder eben diese Vielfalt anbieten. Das sind Nelken. Flachliegende, bodenkriechende Nelkenarten, dann haben wir vereinzelt, was da so aufsteht und ein bisschen an Schafgarbe erinnert, Puftalmum, das Ochsenauge. Dann haben wir da hinten schon im schönen saftig grünen Blatt, die pfirsichblättrige Glockenblume. Auch so eine trockenheitsliebende Pflanze. Da wieder andere Nelkenarten, Steinnelken. Man lässt auch Pflanzen stehen, auch wenn das für einen Hobbygärtner oder für viele Hobbygärtner ganz arg klingt. Weil das schaut schlampig aus. Weil es stängelbrütende Wildbienenarten gibt. Und hier muss ich die Stängel stehen lassen, kann die nicht wegschneiden.*

Es ist das Ausräumen der Gärten, das Saubermachen, was am meisten Probleme für Insekten schafft. Wer braucht welchen Lebensraum? Wann soll was gemäht werden?

OT Hintersteiner
*Schau, so schön, so viele Vögel wieder. Und die Schlüsselstelle ist die Pflanzenvielfalt, und mit der muss ich beginnen.*

EVENTUELL MUSIK DRUNTER

ZITAT
„Sei höflich und gefällig gegen alle Insekten, die dir begegnen“, sagte Kassandra zum Schluss, „dann wirst du mehr von ihnen lernen, als ich dir heute sagen kann, aber hüte dich vor den Hornissen und Wespen. Die Hornissen sind unsere mächtigsten und bösesten Feinde, und die Wespen sind ein unnützes Räubergeschlecht ohne Heimat und Glauben. Wir sind stärker und mächtiger als sie, aber sie stehlen und morden, wo sie nur können.

Mehr als 100 Jahre alt ist die Biene Maja – ein Buch mit adaptiertem Zeichentrickfilm, in jüngsten Jahren auch ganz neu aufgelegt. Abgesehen davon, dass der Schriftsteller Waldemar Bonsels offen antisemitisch war und eine zweifelhafte Rolle im Nationalsozialismus gespielt hat – das Gut und Böse, das Beseelte der Natur aus der Neuromantik hat sich bis heute gehalten. Aber das Bild wandelt sich: Die Nahrungspyramide wird zu Nahrungsnetzen. Der Stammbaum zum Netz des Lebens. Es geht um Gleichgewichte und Zwischenverbindungen, systemisches Denken. Ursachen können Wirkungen an ganz unterschiedlichen und unbeabsichtigten Orten haben. Der Feind wird nicht zum Freund, sondern zum Wesen, dessen Rolle im ökologischen Gefüge wir gar nicht kennen.

OT Alena
*Wanzen. Blattläuse, Wollläuse, Schilfläuse, Schnecken…*

Wir besuchen Alena Binder. Sie ist beruflich Gärtnerin im Botanischen Garten in Wien.

OT Alena
*Wir verbinden historisch vermutlich Insekten immer eher mit Schädling, Parasit und Krankheit, was früher auch vielleicht mal zugetroffen hat. Aber gerade in einem naturnahen Garten wäre es absurd, wenn ich ein Problem mit Insekten habe. Ja, wenn mein Kohl von Raupen zusammengefressen wird, bin ich auch nicht glücklich, aber im Endeffekt gerade in naturbelassenen Gärten, wenn irgendwo mal ein paar Blattläuse sind, ist das nicht gleich – ah – die Krise, sondern es stellt sich dann eh ein Gleichgewicht mit den Gegenspielern von den Schädlingen ein. – Da drüben blitzt was. – Ja, wir haben diese Blechdose mit Stroh gefüllt und verkehrt herum auf einen Holzstecken platziert. Das soll ein Lebensraum für Ohrwürmer sein. Und diese Ohrwürmer sind Nützlinge, weil sie unter anderem auch Blattläuse vertilgen und ja, es heißt immer, man soll sie nicht direkt zu Bienenhäusern hin stellen, weil sie anscheinend auch deren Brut schnabulieren, aber es ist eh groß genug und so gefährlich sie auch aussehen, und sie können auch ganz schön zuzwicken, aber im Endeffekt will man sie haben. – Jeder Mensch hat seine Vorstellungen, die er vom Alltag mitbringt. Man macht sich selbst Konzepte. Wie wächst eine Pflanze, oder wie lebt eine Biene.*

David Bröderbauer leitet die „Grüne Schule“ im Botanischen Garten. Sie soll Bewusstsein bilden für die engen Zusammenhänge in unseren Ökosystemen. Nämlich bei den Menschen, die dieses Bewußtsein noch nicht entwickelt haben, bei Kindern. David Bröderbauer, selbst Ökologe, gibt ein Beispiel.

OT David
*Wir haben im Garten in den Wiesen unzählige Frühjahrsgeophyten, einfach gesagt, Frühjahrsblüher.– Geophyten sind die, die es nur hier gibt? – Geophyten wachsen mit unterirdischen Organen in der Erde. Sie überwintern mit diesen Organen in die Erde und dann treiben sie im Frühjahr schnell aus, bevor die Bäume eine dichte Laubdecke machen und das Sonnenlicht stehlen – Ah ja. – Wie kommen nun diese Frühjahrsblüher in unsere Wiesen? Wenn man jetzt reinschaut man hat da die Traubenhyazinthe, man hat den Milchstern und man hat die Schlüsselblumen. Das sind tausende hier und die werden zum teil von Ameisen verbreitet. Diese Frühjahrsblüher haben oft Samen mit Ölkörpern, Eleiosomen nennt man das wissenschaftlich. Die sind sehr nährstoffreich. Die Ameisen. fressen das gerne, schnappen den Samen und vertragen die, schleppen die zum Bau und mit diesen Ölkörper nehmen sie diese Samen mit und führen so zur Verbreitung von den Frühjahrsblühern. Die helfen uns, die Ameisen, dass diese Wiesen jetzt im Frühjahr so wunderschön blühen, indem sie die Samen weitertragen. – Wir sind jetzt aus diesem schattigen Bereich, aus diesem Forstbereich da runter gegangen, und plötzlich hat man wirklich ein anderes Gefühl, es ist sandig, es sind Steine da. Es stehen vertrocknete Gewächse herum, wo man wissen sollte, dass das absichtlich so ist, und nicht einfach vergessen wurde beim Bewirtschaften oder beim Schönmachen. – Ja (Alena). Das ist jetzt die panonnische Gruppe. Pannonikum, ja der Neusiedlersee aber nicht nur das, das Pannonikum erstreckt sich zum Teil noch ins Waldviertel hinein. Viele Pflanzen muss man immer mal wieder ein bisschen bitten, dass sie dableiben, wo sie hinsollen. Aber an sich ist es gewünscht, dass das auch möglichst natürlich aussieht und wirkt und ja, im Pannonikum räumt auch keiner die Pflanzenteile weg. Ich räume schon ein bisschen im gewissen Grad aus. Vor allem Dingen, ich hole zum Beispiel Laub raus, weil meine Gruppe, oder ein Großteil meiner Gruppe soll nährstoffarm sein.*

Mit „Gruppe“ ist hier gemeint mit dem Gefüge aus pannonischen Pflanzen.

OT Alena
*Und sobald ich da viel Laub drin habe, habe ich natürlich sofort wieder eine andere Zusammensetzung der oberen Bodenschicht. Da hinten im Wald lasse ich es einfach liegen. Da stört es niemanden und ist sogar gut. – (David) Diese natürliche Anlage dient auch dazu, dass die Pflanzen blühen, von Wildbienen bestäubt werden können und auch Samen bilden, und dann sich selbst aussamen. Das heißt, wir sind hier im pannonischen Raum und bilden im Garten eine Fläche, wo das halbnatürlich wachsen kann, damit es noch Standorte gibt, wo diese Pflanzen und Tiere leben können. (Alena) Vor zwei Jahren habe ich ein Hummelnest entdeckt, in dem Fall ist es unter einer Rose unter dem Laub gewesen. Ich wollte die Rosen etwas zurückschneiden und habe etwas gehört, ein etwas ertzürntes Brummen und habe mir gedacht, OK da ist jetzt jemand, und ich dann wirklich gesehen, sie hat sich aus Moos und kleinen Ästchen und Laub da ihr Nest gebaut. Dann habe ich sie natürlich in Ruhe gelassen.*

Es sind aber durchaus die Katastrophen die kleine Katastrophen, die ein Ökosystem begehrenswert macht und einen Lebensraum wertvoll, erzählt der Biodiversitätsforscher Harald Fiedler.

OT Fiedler
*Ökosysteme haben dann den größten Artenreichtum, wenn sie einem mittleren Störungsgrad unterliegen. Das heißt, wenn nicht in zu großer Folge Störungsereignisse immer wieder passieren, also kleinräumige Störungsereignissen haben. So wie wir sie bei soclhen Überschwmmungen haben. Da wird mal hier was weggeschwemmt, da wird mal da was weggeschwemmt. Und es kann die Sukzession wieder starten. Es brennt mal irgendwo, aber kleinräumig, nicht Riesenflächen, es brennt kleinräumig, ein Baum wird vom Blitz getroffen, ein Baum fackelt ab, durch kommen dann an diesem kleinen Standort Organismenarten ansiedeln, die nebendran unter dem Kronenschirm eines großen Baumes nicht existieren können. Also diese Heterogenität, diese Mosaikartigkeit, die ist wichtig, und das ist eben beim Klimawandel ganz anders ist, das ist ja nicht heterogen, sondern eine homogene Erwärmung über ganze Kontinente.*

Leben, Sterben und auch Aussterben gehört bei der Evolution, bei der Entwicklung der Arten immer auch dazu. Was beunruhigend für Harald Fiedler ist, ist die Geschwindigkeit, mit der das derzeit passiert. Warum ist eigentlich Biodiversität wichtig, die Vielfalt der Arten?

OT Fiedler
*Wenn wir viele verschiedene Arten in einem Ökosystem haben, die alle mehr oder weniger das Selbe können, aber nicht ganz genau das selbe können oder nicht ganz genau das selbe tun, dann haben wir etwas, was wir in der theoretischen Ökologie den Portfolioeffekt nennt, oder den Insuranceeffekt nennt. Wie an der Börse auch. Wenn ich mehrere Arten habe, wenn ich viel Arten habe, die eine bestimmte Funktion erfüllen, dann ist die Wahrscheinlichkeit große, wenn sich die Außenbedingungen ein bisschen ändern, ich hab e mal ein kühleres Jahr, ein feuchtere sJahr, ein heißeres Jahr, eintrockeneres Jahr, ich habe ein Jahr, in dem ein Sturm passiert, in dem etwas ganz Anderes passiert. Dann habe ich eine größere Chance, dass irgendeine der vielen Arten die Funktion trotzdem wahrnehmen können. Wenn ich aber nur einzige Art habe, die diese Funktion erfüllt, und die fällt dann wirklich weg, dann habe ich ein echtes funktionelles Problem. Da kann man einen schönen Bogen zu den Bienen schlagen. Die eine Bestäuberart fliegt am frühen Morgen, die andere in der frühen Mittagszeit, die anderen am Nachmittag. Mal regnet es, mal regnet es nicht. Und durch vielfältigen Unvorhersehbarkeiten kann eine artenreichere Bestäubergilde tatsächlich diese Dienstleistung der Bestäubung, diesen Ökosystemservice besser erbringen.*

Bestäubergilde, also die Vielfalt der bestäubenden Insekten. Ökosystemservices, das, was die Natur für uns leistet. – Für die Gärtnerin Alena Binder heißt das vor allem eins: schauen, dass die Vielfalt bleibt, und das geht am besten durch Strukturen im Garten.

OT Alena
*Was einmal ein großer Punkt ist, ist einfach Pflanzen. Und ohne Pflanzen und Pflanzenvielfalt am besten während der gesamten Vegetationsperiode was Blühendes, ohne dem brauche ich mir auch keine Gedanken über Insekten machen. Weil das ist nun mal die Lebensgrundlage eines Insekts, in irgend einer Weise Pflanzen zu haben, am besten blühend. Das zweite ist Strukturen, Strukturenvielfalt und auch Strukturen über das ganze Jahr. – Was ist da mit Strukturen gemeint? – Das sind einerseits unterschiedliche Lebensräume von offenen Flächen, geschlossenen Flüchen, Flächen im Schatten, Flächen in der Sonne, sandigen Flächen, gemulchten Flächen, Laubhaufen oder Steinmauer. Also so unterschiedliche Lebensräume. Unter Struktur fällt in meinen Augen auch Pflanzen, weil die gerade auch abgestorbene Pflanzen, trotzdem noch sehr wesentlich sind. Da ist zum Beispiel ein wesentlicher Punkt, Totholz stehen lassen, in einem normalen Hausgarten ist es sicher kein Problem, wenn man sagt, wenn man sagt, OK, da ist ein alter Baum, den lasse ich stehen. Der darf auch absterben hier, und da darf es auch etwas Vermoderndes geben. Oder Holzhaufen liegen lassen. Und das nächste, was halt auch unter Pflanzenstruktur fällt in meinen Augen, dass man gerade im Winter bei Stauden die abgestorbenen Pflanzenteile stehen lässt. Das ist sicher ein wesentlicher Punkt. So dieser ausgeräumte Garten ist gerade im Winter ganz schlecht, weil die Tiere sind zwar im Sommer, aber die brauchen im Winter ja auch eine Überbrückung, um dann wieder im Frühjahr dazu sein. Man sieht dann auch ästethisch auch was schönes, weil es hat dann auch den Rauhreif, der irgendwo hängenbleibt, ist ja auch optisch schön.*

Eine besondere Rolle hat das abgeschnittene Gras. Rasenmäher würden es zerhächseln, samt allen Tieren und Larven und Würmern und Raupen, die drauf sind. besser ist es, und so wird es im Botanischen Garten in Wien gemacht, mit einem Balkenmäher abzuschneiden. Das erzählt Frank Schuhmacher, einer der leitenden Gärtner im Botanischen Garten.

OT Frank
*Wir haben es versucht mit so Mandeln, wie man es in der Landschaft sieht, so Heumanderl, das geht auch, oder eben teilweise, dass man sie offen auf dem Kompost auflegen, der ist hier gleich in der Nähe, auf diesen Komposthaufen, und dort können dann diese Tiere schlüpfen.*

Und Bäume, ja die Bäume. Viel zu oft zu gut gepflegt.

OT Frank
*Das wäre auch für den heimischen Garten der Punkt, dass man erstens die Bäume, die da sind, wenn man zum Beispiel ein Bauvorhaben hat oder Ähnliches, sehr gut überlegt, welche Bäume man rausnimmt. Zeit kann man nicht kaufen, einen alten Baum kann man nicht ersetzen irgendwie, da kann man nur einen jungen Baum setzen, und dann eben diese alten Bäume, so lange sie keine Gefahr darstellen, wirklich alt werden lässt. Auch wenn sie dann nicht mehr die ganz perfekte Kronenform haben, und vielleicht nicht mehr ganz so viele Früchte tragen.*

Und Bäume, so heißt es unter Botanikern, Bäume sterben im Stehen.

OT Frank
*Ja, die sterben im Stehen und langsam. Die schmeissen nen Ast runter, große Äste, da denkt man um Gottes Willen, jetzt muss der Baum raus. Wenn wir nicht wären, die wir sagen, wir sind jetzt gefährdet durch diesen Baum, dann würde dieser Baum noch Jahrzehnte dort leben, obwohl er vielleicht die Hälfte seines Individuums abgeworen hat. – Aber in diesem Sinne, umsägen und liegen lassen ist durchaus eine Option. – Ist sicher besser als ganz entfernen, noch besser ist noch auf 2m runterzusägen. Es gibt eine ganze Reihe an Tierarten, die sozusagen das vertikale Holz brauchen. Horizontales Holz und vertikales Holz. Beides braucht es dafür. (Paula) Also Insekt ist ja nicht gleich INsekt. Die haben alle ganz unterschiedliche Bedürfnisse.*

Paula Polak. Sie ist ökologische Landschaftsarchitektin und berät Menschen, die sich einen Garten einrichten wollen, was sie tun können, damit sich Insekten im Garten wohl fühlen.

OT Paula
*Vor ein paar Jahren haben die meisten Leute was für sich selber wollen. Was kann ich denn essen, wo kann ich einen Tee machen. Und jetzt kommen sie, was ist denn gut für die Bienen.*

Das ökologische Bewusstsein hat sich gewandelt, beobachtet Paula Polak.

OT Paula
*Unsere Generation kennt das ja noch, aber jetzt wachsen Kinder heran, die so etwas nie gesehen haben. Das heißt, es liegt eigentlich an unserer Generation, diese blühende Landschaft wieder ins Bewusstsein zu bringen und zu erhalten.*

Ja, und es ist einigermaßen interessant, was es alles zu beachten gibt, und man wird viele Bücher lesen und Gespräche mit Leuten führen müssen, die sich damit auskennen. Aber, so ein, zwei Tipps, gibt es auf alle Fälle, und die beginnen bei Paula Polak bei der Kleinräumigkeit, beginnen bei der Maht. Der Rasenmäher ist oft auch zu schnell. Wer mit der Hand mäht, das dauert.

OT Paula
*Das versuche ich den Leuten, die Blumenwiesen anlegen, bitte lasst ein Drittel der Fläche echt einmal ein Jahr in Ruhe. Weil einfach dieser Rückzugsraum ist für verschiedenste Insekten. – Warum nicht 3/3? – Weil das für die Leute schlecht auszuhalten ist und weil schon: Vielfalt ist ja das Schlüsselwort bei der naturnahen Gestaltung. Das heißt, ich kriege dann, wenn ich vielfältig mähe zum Beispiel, die Fläche, also das erste Drittel der Wiese mähe ich Ende Juni, wenn die Margerite anfängt zu verblühen. Das ist der klassische Zeitpunkt. Haben wir ein Drittel. Gut. Das heißt, die Pflanzen, die bis dahin schon ausgesamt haben, können sich so verjüngen. Das zweite Drittel mähe ich, wenn das erste schon wieder Blüten zeigt. Das heißt, die Insekten können zwischen zwischen diesen zwei Dritteln schon mal herumfliegen und Nahrung aufnehmen, und das dritte Drittel bleibt stehen, da blüht, was blüht, da samt aus, was aussamt, das darf bis zum nächsten Jahr stehen. Und das Ganze variiere ich über die Jahre. Ich lasse dann auch mal das erste Drittel übers Jahr stehen und ich mähe dann mal zwei Wochen später. So können alle, kriegen alle Pflanzenarten, die in der Wiese drin sind, und das sind meistens 50-60 Arten, kriegen ihre Chance sich weiter zu vermehren. Was man nicht bedenkt ist nämlich, viele Wiesenpflanzen wie Margerite und Wiesensalbei sind sehr kurzlebig. Das Individuum lebt 5, 6, 7Jahre, wenn sie nicht aussamen könne, dann wars das. Wenn man immer zu früh mäht, wenn man ihnen keine Samen gönnt, dann ist die Pflanzenart halt weg.*

ATMO Garten/Laub/Arbeit in den letzten Satz.

Zurück im Garten von Katja Hintersteiner, der Ökologin in Linz. Sie ist immer am Probieren, sie hütet ihren mosaikartigen Garten wie einen Schatz. / Insekten und Wildbienenhotels sind gut, sagt sie, allerdings müssen sie auch richtig gemacht werden. Und da ist sie gerade am Experimentieren. Um Verbesserungen einzuführen.

OT Katja
*Die alte Bauweise ist, dass man Baumscheiben nimmt in einer Stärke von ca. 10 cm. Und da hat man Löcher hineingebohrt. Aber jetzt kommen wir zur Physik, Stirnholz. Zieht Feuchtigkeit. Und wenn ein Stirnholz Feuchtigkeit zieht, geht natürlich die Feuchtigkeit in die Bienenbrut hinein und die verschimmelt. Diese Erfahrung habe ich machen müssen und ich rüste jetzt um, ich nehme jetzt einfach die Baumstämme als Ganzes, entrinde die und spiee somit die sukzessive Besiedelung von einem Totholz nach, indem ich eben die Baumstämme, wenn sie entrindet sind, dann schon mit Lächern versehe, aber ich bohre wirklich längs hinein und nicht ins Stirnholz. Die Tiefe sollte schon so um die 10 cm. betragen, das ist schon gut, dass die Bohrgänge sehr lange sind. Das sind natürlich keine handelsüblichen Bohrer, die bekommt man in. keinem Bauhaus, eher selten, und das wäre natürlich ideal, wenn so ein zwei Millimeterbohrer auch 8 cm lange ist. Also jede Wildbienenart hat so ihren bevorzugten Nistraum und es gibt natürlich Gemneralisten, also die gehörnte Mauerbiene zum Beispiel, die nimmt ja alles, was geht, da sind die Lochgrößen relativ wurscht, wenn zu klein, dann passt sie irgendwann nicht mehr rein, aber sie nimmt auch große 8 mm Durchmesser an, dann verkittet sie die besser. Es gibt Wildbienenarten, cih hab e Schnekcenhäsuer überall leigen, weil sie nutzen auch Schneckenhäuser. Viele kleiden ihre Nistplätze mit Blättern aus, manche verkleben es auch in Blättern, das heißt sie kleben Blätter zu, unterschiedliche Strategien für diese Vielfalt an Wildbienen. Und wenn ich es nicht für den ganzen Garten aushalte, was ich ja absolut verstehe, dann schaffe ich zumindest kleine, wilde Strukturen in meinem Garten. Und auch der Hügel ist permanent in der Veränderung, und ich finde das ganze Leben, und das sieht man in der Natur, wenn man sich solche Naturstandorte ansieht, Urwälder, sind permanent in einem Prozess der Weiterentwicklung. Natur bleibt nicht stehen, und sagt, so jetzt daugt es mir, und es ist gut. Es ist eine permanente Weiterenwicklung und das darf ich in meinem Garten auch machen.*

Und insgesamt, eine Zusammenschau, bevor wie Sie um eine Meinung bitten:

MUSIK, darüber

OT Mix Schluss
Also absolut der erste Punkt, keine Chemie im Garten. – Dort, wo man es selber steuern kann, ein bisschen Unordnung zulassen, dann kommen diverse Arten wieder da hin, also da kann man schon auch was machen. Wiesen, die kein Rasen sind, sind ja trotzdem gepflegt, vielleicht mehr wie ein Rasen, aber trotzdem geht man mit einer anderen Gelassenheit ran, wenn man zulässt, dass Insekten und Lebewesen da sind, weil die nun mal dazugehören.

MUSIK hoch

Improvisationsübungen

ERZÄHL-SPIEL-IDEEN (zu zweit)

1. Der fehlende Buchstabe… Ihr einigt euch auf einen Buchstaben, der in der nicht vorkommen darf. (AEIOU sollen das aber nicht sein). A erzählt eine Geschichte, B läutet eine Glocke, wenn A ein Wort mit dem Buchstaben doch sagt. In diesem Fall wechseln die Rollen und die Geschichte geht weiter. (Sehr schwer! Macht lieber erst die nächsten!)

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Gedanken zu Podcasts

Podcast ist „Zuhören am Lagerfeuer“: Wir sitzen dabei und hören einer Diskussion zu. Auch wenn wir nicht mitreden, sind wir am Feuer. Wir können die Distanz frei wählen.

Podcasts sind eine Art, die Wirklichkeit zu beschreiben, sie zu denken durch „Erreden“. Die eigentliche Frage ist: worüber lohnt es sich zu reden? Worüber lohnt es sich zu denken?

Möchten wir das Rauschen erhöhen? Das kann passieren. Es ist gar nicht so leicht, etwas Eigenständiges zu machen, was am Wasserfall bemerkt werden kann. Authentizität ist gut. Eine hohe Schlagzahl bringt auch Anfänger schnell in den Bereich guter Ergebnisse (ab Folge 10).

Bei Podcasts ist die Kommentarkultur höher, Hater hören nicht lange zu, und wenn jemand lange zuhört, hat er eine differenzierte Meinung (bekommen).

Podcasts finden im Kopfhörer statt, Radio im Lautsprecher. (Tim Pritlove)

Die Zielgruppe ist bei Podcasts reichlich egal. Ein Podcast spricht sich herum (man kann gar nicht verhindern, dass er gehört wird). Regelmäßigkeit hilft dabei.

Aus Podcastern werden keine Radioleute. Das ist eine Beobachtung.

Ähs schneiden? Beim Denken hören braucht bestimmte Ähs. Das schneiden wir beim Radio recht undifferenziert alles weg, man kann in den Sendungen den Menschen nicht mehr beim Denken zuhören, ein Wesenentlicher Teil der Sprache geht verloren. Das Vorlesen von Manuskripten ist nicht mehr denken/sprechen, sondern die Wiedergabe von Gedrucktem. Eine Katastrophe der Menschheit, wie ich meine.

Der Vertrauenslevel der Podcasthörer:innen ist höher, sie entschuldigen meine Fehler, weil sie mich kennen, übrigens wird auch Ironie hörbar, einordenbar. Weil mehr Zeit ist.

Gute Podcaster sind die gute Zuhörer. Sie können auch gut zusammenfassen, was wir gehört haben. Zwischendurch schadet das gar nicht.

Metatexte sind unsere Freunde. Kapitelmarken. Untertitel, Inhaltsbeschreibungen.

Hörer:innentreffen: Podcaster:innen, die das machen, bauen ihre Hörerschaft gut aus. Und ich kenne sehr viele, die routinemäßig ankündigen, wenn sie in einer Stadt sind, sie treffen sich in Restaurants, passenden Locations.

Podcast ist das „nächste“ Medium, sagt Tim Pritlove in seiner Keynote (Video hier) bei der #subscribe10 im März 2019 – und er meint damit das dem Ohr nächstengrenzende Medium. Weil Podcast eben mit Kopfhörern gehört werden.

Werbung macht nichts besser, sagen viele Podcaster, sie macht das Publikum zur Zielgruppe – teilt sie in Scheibchen, Glaubwürdigkeit leidet, der „Wert der Marke“ sinkt. Wer nicht für eine Zielgruppe sendet, ist überrascht, aus welchen Ecken Hörer:innen kommen. Das ist auch ein sonderbarer Widerspruch: Man macht das Ding für die Hörer, und mann macht es genau nicht für die Hörer – man lässt sie dabei sein.

Zweiter sonderbarer Widerspruch: Die Person des Podcasters ist egal, er ist stellvertretend der Gesprächspartner im Podcast, und gleichzeitig ist die Person wichtig, mit einer oft erlebten Asymmetrie der Bekanntheit. Man ist den Menschen sehr vertraut, denen man zuhört, aber eben einseitig vertraut, Podcaster berichten aber auch, dass ihnen die Hörer vertraut sind, für die sie ja diese Gespräche machen.

„Seit exzellent zueinander“ war der letzte Punkt bei der Eröffnung der Podcaster:innenkonferenz #subscribe10 (Link zum Programm).

Sprechen als Mittel zur Erkenntnis braucht Zeit.

Worüber lohnt es sich zu reden, finde ich noch einmal, das ist die eigentliche Frage.

Museumspodcasts

#subscribe10 | Workshop Museumuspodcasts |…hier zur Workshopdoku

Gespräche, die zugänglich sind. Bei denen man dabei sein kann. Wie damals am Lagerfeuer, als die Menschen noch in Kohorten umherzogen. Das, worüber sie reden, steht im Mittelpunkt. Die Wärme des Feuers. Und sie reden so lange, bis sie fertig sind.

Es geht bei Podcasts vorderhand nicht um Reichweite, sondern um die Zugänglichkeit des Gesprächs. Um die Möglichkeit, dabei zu sein. Die Länge der Sendung ist egal. Podcaster:innen sind in seltenen Fällen berühmt. Meinung ist Teil des Konzepts, und im Museumsumfeld wird durch einen Podcast kuratorische Arbeit hörbar gemacht.

In Podcasts finden Sie meistens Gespräche. Radiosendungen zeigen hingegen in aufwändig gestalteten Beiträgen die Welt, wie sie den Gestaltenden erscheint. Und das ist nicht der einzige Unterschied: Radio wird über Lautsprecher gehört, Podcasts über Kopfhörer. Radio ist geteilte Öffentlichkeit. Podcasts eher intim. Bei Radioaufnahmen wird ein Mikrofon hin- und her geschwenkt. Beim Podcast-Gespräch tragen alle Teilnehmer:innen Kopfhörer, an denen Mikrofone montiert sind, die der Kopfbewegung folgen. Jede:r kann zu jeder Zeit reden. Jeder kann den anderen gut hören.

Musik ist wegen GEMA-Gebühren selten dabei. „Verlautbarungen“ verschwinden wie das Geheul der Wölfe im Dunkel weit hinter dem Feuer. Sie machen Platz dem Detail, den weiten Augen, dem schweifenden Geist, und dem Wunsch etwas herauszufinden zu wollen. Im Kontakt, im Gespräch.

Sendungen heißen beim Podcast „Episoden“. Im Museum können sie via QR-Code den Ausstellungsobjekten hinzugefügt werden. Wer also ein Objekt sieht und Lust auf den Hintergrund hat, verfolgt bei Verfügbarkeit die Entstehung des Präsentierten als Podcastepisode über den bereitgestellten Link.

Blick in die Geschichte.

Die erste Podcastwelle entstand um das Jahr 2000. Audiofiles wurden via mp3 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es war die Zeit der illegal geteilten Musikfiles. Die neuen mp3-Player lösten den Walkman und Discman ab. Parallel zu Internet-Blogs mit Texten und Bildern entstanden erste Audioblogs. Auch sie konnten über „RSS-Feeds“ abonniert werden, ohne jede Seite einzeln ansurfen zu müssen, um zu schauen, ob es etwas Neues gibt. Wann immer es eine neue Episode gibt, wird das zugehörige mp3-File automatisch heruntergeladen. Es wartet dann auf dem mobilen Endgerät, bis es der Benutzer zeitsouverän hören möchte. Einziges Problem der ersten Podcastwelle: der Klang. Viele der Aufnahmen hörten sich an, als ob sie auf dem Klo gemacht wurden. Die Stimmen waren nicht präsent, es hallte und schepperte. Aber man konnte senden, man konnte gehört werden.

Und dann kam Podcastwelle 2.

Ausgelöst durch Pioniere aus Deutschland, zuzuordnen dem Umkreis des „Chaos Computer Clubs“ – die „guten Hacker“. Sie geben Wissen über Podcastepisoden weiter. Die Episoden dauern gerne um die 1, 2, 3 Stunden. Oder 4. Wenn sich jemand mit dem Thema auskennt. Über das Ohr zum Beispiel – ein Experte für Cochleaimplantate. Oder über Kurdistan, Feminismus, das Bierbrauen, Pornographie oder die Chilli-Schote. Über Kakteen. Gespräche sind nun in Studioqulität zu hören und von Radiosendungen nur insofern zu unterscheiden, dass sie keine gebauten Beiträge oder Features sind. Und dass auch mal gelacht wird.

Auch die Rundfunkanstalten ziehen nach, die in Podcasts einen weiteren Ausspielkanal für ihre Sendungen haben. Öffentlich-rechtliche Radiostationen müssen diese Angebote üblicherweise „depublizieren“, nach einer bestimmten Zeit vom Netz nehmen. Freie Podcaster:innen nicht. Die Erfahrung zeigt: auch ältere Episoden werden noch gehört, wenn sie verfügbar sind.

Dann kam die Podcastwelle 3.

„Podlove“ entstand, ein digitales Plugin für das weitverbreitetes Content-Management-System „WordPress“, das viele Bloger:innen verwenden. Episoden können damit noch einen Tick einfacher veröffentlicht werden. Die Podcasts verlassen die Nerd-Ecke. Die Community trifft sich regelmäßig an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum, um Erfahrungen zu tauschen. Oder digital auf www.sendegate.de. Österreichische Audioexperten entwickelten mit „Auphonic“ ein Onlineservice, das aufgenommenes Material akustisch optimiert. Mehrspuraufnahme sind mit „Ultraschall“ möglich, und über das Plugin „Studiolink“ können Mikrofone an mehreren Orten kostenlos via Internet in Studioqualität verbunden werden. Das Podcast-Equipment passt in ein Köfferchen.

Zunehmend werden auch „Podcastlabels“ gegründet, eigene Agenturen, die ausschließlich Podcasts produzieren.

Manche Podcaster:innen finanzieren mit Werbung ihre Episoden -obwohl, da sind sich viele einig, Werbung noch nie etwas besser gemacht hat. Andere Podcaster:innen arbeiten mit Produktplatzierung. Oft zahlen die Hörer:innen zusammen, und es gibt auch jene Podcasts, bei denen Auftraggeber Episoden kaufen, weil es ein Budget für Öffentlichkeitsarbeit gibt. Einige verkaufen Bücher, Vorträge Expertise und Kurse, aber die meisten podcasten als Hobby. Und das in guter Qualität – Garantie oder Aufsicht gibt es keine. Es braucht ein kritisches Ohr und auch die Erfahrung kuratierter Podcastverzeichnisse wie wissenschaftspodcasts.de, um „gut“ von „belanglos“ zu unterscheiden.

Wir sind jetzt in Podcastwelle 4.

Die Verlage und Zeitschriften und Zeitungen sind eingestiegen. Podcast wurde bekannter, weil auch Musikplattformen wie Spotify die Episoden anbieten. Wir schreiben das Jahr 2019. Jede:r, der etwas auf sich hält, macht einen Podcast. Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.

Für Menschen beim Pendeln, im Auto, in der Werkstatt. Manche Podcasts sind einzigartig. Viele senden für die Nische, einige für die breite Masse. Ein Spielplatz für Experimente auch für Verlage, die die längste Zeit ihre Inhalte auf Papier gedruckt haben.

Andreas Sator etwa lernt als Standard-Journalist in „Erklär mir die Welt“ Alltägliches und Unbekanntes im Gespräch mit Expert:innen in einem eigenen Podcast kennen und Maria Wegenschimmel erforscht in ihrem „Wiener Sozial-Pod“ Hilfsangebote für Mitmenschen auf eigene Faust, sorgt dadurch für eine Vernetzung der Beteiligten untereinander.

Auch die Museen begannen den Hörraum zu erobern.

Interessant ist dabei, dass sich freie Podcaster:innen oft in ihren eigenen Produktionen einen unabhängigen Ruf erarbeiten. Einen Stil, eine Art, für die sie ihren Hörer:innen bekannt sind, und die dann von einem Auftraggeber gekauft wird. Zum Beispiel Holger Klein aus „WRINT“, der für einen Hornbach-Bauhaus-Podcast seine Art, Gespräche zu führen, mitbringt. Er spricht mit Abenteurern und Do-It-Yourself-Pionieren. Marketingabteilungen und Pressestellen müssen in solchen Projekten ebenso flexibel sein, wie die beteiligten Podcaster:innen, die bisher gewöhnt waren, alleine zu arbeiten. Müssen die Inhalte freigegeben werden? Wer entscheidet? Wer hört ab, wer hört mit? Wer repräsentiert und wer veröffentlicht, wo und wie?

Es gibt Abhängigkeiten, Überschneidungsflächen, Graubereiche, Bekanntheitsströme und die Eroberung neuer Terrains.

Und das Stadtgespräch?

Das „Stadtgespräch“ ist der Podcast des Technischen Museums Wien. Mittlerweile bei Folge 20 erschien die erste Episode Anfang 2017 im Zusammenhang mit der Ausstellung „Zukunft der Stadt“, weil Expert:innen verfügbar waren, die bereit waren, über ihre Inhalte ausführlicher zu reden. Der Lichtmeister von Wien – er kümmert sich um alle Lampen inklusive Ampeln. Die Logistikexpertin über die Zukunft der Lastenräder. Die Leute vom Stromverteiler, die dafür sorgen, dass Energie für alle zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellt – eine Episode in Verbindung mit der Elektrizitätsausstellung On-Off. Mit der Ausstellung „Zukunft der Arbeit und Produktion“ erschienen Gespräche mit Roboteringenieuren, mit Soziologen, einer Expertin der Gewerkschaft, mit einer Datenwissenschaftlerin der VOEST. Die Gespräche immer ausführlich und immer mit vielen Details.

Und immer lang.

Im allgemeinen werden die Episoden der „Stadtgepräche“ nicht geschnitten. Es sind auch die Pausen zu hören. Das Denken. Das Atmen. Das Leben. Das Dazwischen, was in Kurzbeiträgen in Radio und Fernsehen meist wegfällt.

Eigene Gedanken werde sorgsam in die des Gegenübers geflochten. Beim „Stadtgespräch“ aus dem Technischen Museum sind oft sind die Kurator:innen der kommenden Ausstellung dabei. Ihre Fragestellungen werden hörbar, zugänglich, ihre Ansätze spürbar. So bekommt das Museum eine Stimme. Die Sicherheiten, die Zweifeln, das Nachfragen, das Explorieren. Wer Lust hat, hört zu. Wer nicht – nicht.

Podcast-Tipps und Beispiele aus anderen Museen.

Empfehlenswerte Podcasts sind – natürlich neben dem Stadtgespräch – die Referenzprodukte aus dem deutschsprachigen Raum: „CRE“, „Omega Tau“, „Forschergeist“. Vielleicht auch die „Bienengespräche“ aus Wien, wenn Sie sich für Natur interessieren. Es gibt den „Lila Podcast“ mit feministischen Inhalten. Ja, auch für Männer. Für Läufer:innen die „3-Schweinehunde“. Oder „Zeitsprung“, Geschichten aus der Geschichte. Alle sind einfach zu finden, einfach zu googeln. Das Sigmund-Freud-Museum in Wien hat einen Podcast, das Smithsonian Museum, das Archäologische Museum Hamburg. Über Ausstellungen erzählen der „Museumscast“, „Exponiert“, „Kunst und Horst“ und das „Kulturkapital“. Die Grenzen verschwimmen. Empfehlenswerter Startpunkt für Suchen ist auch das Podcastverzeichnis www.fyyd.de

Wenn Sie Ihren Lieblingspodcasts gefunden haben, drücken sie auf dessen Website auf den „Abonnieren“-Knopf und aktivieren dadurch eine App auf Ihrem Smartphone, den sogenannten „Podcatcher“. Er sammelt die neuen Episoden und speichert sie wie in einem Schatzkästchen bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Sie bereit sind, zu hören. Es gibt eine Pausetaste. Und oft auch Kapitelmarken. Damit sie wieder zurückfinden, wo sie aufgehört haben zu hören, als Sie stoppen mussten, weil es ja auch noch die anderen Dinge im Leben gibt.

Lothar Bodingbauer, Radiojournalist und Podcaster der „Stadtgespräche“ aus dem Technischen Museum Wien

 

Beispiele für Podcasts aus Museen

Beispiele für Podcasts über Museen

Alles drin, was der Reporter braucht

Alles drin, was der Reporter braucht

Podcast ist „Zuhören am Lagerfeuer“: Wir sitzen dabei und hören einer Diskussion zu. Auch wenn wir nicht mitreden, sind wir am Feuer. Wir können die Distanz frei wählen.

Podcasts sind eine Art, die Wirklichkeit zu beschreiben, sie zu denken durch „Erreden“. Die eigentliche Frage ist: worüber lohnt es sich zu reden? Worüber lohnt es sich zu denken?

Möchten wir das Rauschen erhöhen? Das kann passieren. Es ist gar nicht so leicht, etwas Eigenständiges zu machen, was am Wasserfall bemerkt werden kann. Authentizität ist gut. Eine hohe Schlagzahl bringt auch Anfänger schnell in den Bereich guter Ergebnisse (ab Folge 10).

Bei Podcasts ist die Kommentarkultur höher, Hater hören nicht lange zu, und wenn jemand lange zuhört, hat er eine differenzierte Meinung (bekommen).

Podcasts finden im Kopfhörer statt, Radio im Lautsprecher. (Tim Pritlove)

Die Zielgruppe ist bei Podcasts reichlich egal. Ein Podcast spricht sich herum (man kann gar nicht verhindern, dass er gehört wird). Regelmäßigkeit hilft dabei.

Aus Podcastern werden keine Radioleute. Das ist eine Beobachtung.

Ähs schneiden? Beim Denken hören braucht bestimmte Ähs. Das schneiden wir beim Radio recht undifferenziert alles weg, man kann in den Sendungen den Menschen nicht mehr beim Denken zuhören, ein Wesenentlicher Teil der Sprache geht verloren. Das Vorlesen von Manuskripten ist nicht mehr denken/sprechen, sondern die Wiedergabe von Gedrucktem. Eine Katastrophe der Menschheit, wie ich meine.

Der Vertrauenslevel der Podcasthörer:innen ist höher, sie entschuldigen meine Fehler, weil sie mich kennen, übrigens wird auch Ironie hörbar, einordenbar. Weil mehr Zeit ist.

Gute Podcaster sind die gute Zuhörer. Sie können auch gut zusammenfassen, was wir gehört haben. Zwischendurch schadet das gar nicht.

Metatexte sind unsere Freunde. Kapitelmarken. Untertitel, Inhaltsbeschreibungen.

Hörer:innentreffen: Podcaster:innen, die das machen, bauen ihre Hörerschaft gut aus. Und ich kenne sehr viele, die routinemäßig ankündigen, wenn sie in einer Stadt sind, sie treffen sich in Restaurants, passenden Locations.

Podcast ist das „nächste“ Medium, sagt Tim Pritlove in seiner Keynote (Video hier) bei der #subscribe10 im März 2019 – und er meint damit das dem Ohr nächstengrenzende Medium. Weil Podcast eben mit Kopfhörern gehört werden.

Werbung macht nichts besser, sagen viele Podcaster, sie macht das Publikum zur Zielgruppe – teilt sie in Scheibchen, Glaubwürdigkeit leidet, der „Wert der Marke“ sinkt. Wer nicht für eine Zielgruppe sendet, ist überrascht, aus welchen Ecken Hörer:innen kommen. Das ist auch ein sonderbarer Widerspruch: Man macht das Ding für die Hörer, und mann macht es genau nicht für die Hörer – man lässt sie dabei sein.

Zweiter sonderbarer Widerspruch: Die Person des Podcasters ist egal, er ist stellvertretend der Gesprächspartner im Podcast, und gleichzeitig ist die Person wichtig, mit einer oft erlebten Asymmetrie der Bekanntheit. Man ist den Menschen sehr vertraut, denen man zuhört, aber eben einseitig vertraut, Podcaster berichten aber auch, dass ihnen die Hörer vertraut sind, für die sie ja diese Gespräche machen.

„Seit exzellent zueinander“ war der letzte Punkt bei der Eröffnung der Podcaster:innenkonferenz #subscribe10 (Link zum Programm).

Sprechen als Mittel zur Erkenntnis braucht Zeit.

Worüber lohnt es sich zu reden, finde ich noch einmal, das ist die eigentliche Frage.

Kommentar zur neuen Mathematikmatura

„Es ist ein Problem der Kommunikation.“

Gedanken zur Reifeprüfung Mathematik

Die zentrale Reifeprüfung in Mathematik hat inhaltlich keine Probleme. Die Beispiele sind schön, passend, interessant und im Schwierigkeitsgrad angemessen. Die schlechten Ergebnisse zeigen Eines: wie gut die Kommunikation nicht funktioniert. Bisher konnte jedes Probleme durch passende Angaben gelöst werden. Das ist nun nicht mehr so.

Das Problem der schlechten Leistungen der neuen Reifeprüfung in Mathematik wird überstürzt auf die fehlende sprachliche Kompetenz der Schüler:innen geschoben. Das greift zu kurz.

Die gesamte schlechte Kommunikation fliegt auf.

1) Innerhalb der Fachgruppe. Wie gut reden die Lehrer:innen miteinander.

2) Innerhalb den Schüler:innen. Wie gut reden die Schüler:innen miteinander.

3) Zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen.

4) Zwischen Eltern und Schüler:innen.

5) Zwischen Bifie und Lehrer:innen, zwischen Schulaufsicht und Lehrer:innen, zwischen Direktion und Lehrer:innen.

Ich wiederhole: bisher wurden Probleme auf allen fünf Ebenen in Mathematik gelöst, in dem die zur Gesamtsituation passenden Angaben gegeben wurden.

Die Beispiele der zentralen Reifeprüfung können nun nur gelöst werden, wenn deren Inhalte von den Schüler:innen verstanden wurden. Das geht nicht mehr alleine („ich lerne das zuhause“), das geht durch Kommunikation („wir reden über Mathematik“). Können Lehrer:innen genügend Gesprächssituationen im Unterricht schaffen? Können Sie diese Situationen plausibel machen? Können Sie Schwächen im kommunikativen Bereich verbessern?

Wollen die Schüler:innen mit Lehrer:innen über die Inhalte sprechen? Wollen sie miteinander reden, um offene Fragen und ihr Lernen zu diskutieren? Wie gelingt es den Eltern, mit ihren Kindern über Mathematik zu reden. Können sie es überhaupt? Wie lange tun sie es schon – die Oberstufe dauert 4 Jahre. Kommunikation kann nicht im letzten Moment gelernt werden.

Lehrer:innen weisen schon in der 5. Klasse die Schuld den Schüler:innen zu, sie müssten besser, mehr lernen. Das greift zu kurz.

Es geht um den problematischen Umgang mit Modalverben in Österreich: Können die Schüler:innen reden? Verstehen sie die Sprache? Worüber wollen sie reden? Verstehen sie den Sinn des Redens? Worüber dürfen sie reden? Sind Fehler diskutierbar, Teil der Kultur, oder führen sie zu Minus, Punktabzug, schlechtem Image und Noten? Wie müssen sie reden? Und ja, wie müssten sie es tun.

Es geht um Autoritätsgläubigkeit, Hörigkeit, Unterdrückung, Gewalt. Das fliegt auf, bei der Mathematikmatura. Weil sie vollständiges Denken, vollständige Menschen braucht. Jene Leute, die diese Art der Matura in Österreich eingeführt haben, haben Großes geleistet. Aber jetzt wird durch die schlechten Ergebnisse sichtbar, was wir alles nicht haben:

Wir verstehen die Gestaltung von Prozessen noch zu wenig, wir denken noch immer in Zuständen. Leistung wird als Zustand gedacht. Leistung ist ein Prozess, Kommunikation ist ein Prozess.

Die folgenden fünf Vorschläge sind im wesentlichen: Verbesserung der Kommunikation.

Vorschlag 1: Achtsamkeit als Thema.

1) Wie sprechen die Ebenen miteinander.

2) Wozu sprechen sie miteinander.

3) Wie können Schüler:innen einen wertschätzenden Umgang in ihrer Kommunikation mit sich selbst beim Mathelernen entwickeln.

Vorschlag 2: Förderung der Kommunikation.

Sie findet zwischen Menschen statt, um sie zu verbinden. Was können Lehrer:innen dazu beitragen? Wie verständlich ist das Bifie, das Ministerium, der Schulrat? Es braucht hier Experten der Wissensvermittlung. Profis. Warmherzige Menschen.

Vorschlag 3: Verbesserung der Bildungssprache.

„Typ 1“-Aufgaben und „Typ 2″-Aufgaben sind schreckliche Wörter. Das Können, das Wissen; können, wissen. Die Frage, fragen. Das sind schöne Wörter. Damit können wir arbeiten. Es braucht hier Experten der Sprachgestaltung. Profis. Warmherzige Menschen.

Vorschlag 4: Konzentration auf Prozesse.

Sprechkontakte schaffen. Sprechgelegenheiten schaffen. Die gesprochene Sprache der geschriebenen Sprache mehr Gewicht geben. Dem Zuhören. Dem Entwickeln. Bei Geschriebenem entwickelt sich nichts. Geschriebenes diente in Österreich zu oft der Verlautbarung. Beim Reden passiert das Gute.

Vorschlag 5: Tafeln abmontieren. Dann können Lehrer:innen nicht mehr vorne stehen und predigen. Individualisierung. Die neuronalen Netze können die Schüler:innen im Bereich der Mathematik nur durch Selbsttätigkeit knüpfen. Sonst: alles was Spaß macht. Podcasten etwa. (Aus dem Abendgymnasium z.B. das „Schulgespräch“: http://schug.sprechkontakt.at)

Zeit gibt es genug. Inhaltlich ist mathematisch alles möglich, die Inhalte sind zeitgemäß. Die Verbesserung steckt im „wie“. Im „miteinander“.

Ich müsste meine Gedanken eigentlich im Gespräch erzählt haben, weil ich auch mein Gegenüber hören wollte.

(Lothar Bodingbauer, Abendgymnasium Wien, https://www.sprechkontakt.at)

#reifeprüfung #mathematik #schule #kommentar

Erkenntnis

Wer seinen Garten schön zusammenräumt – verblühte Blumen rasch entsorgt, alte Bäume nicht verrotten lässt, auch Laub zusammenträgt – der macht es Insekten schwer, sich wohlzufühlen. Es sind aber gerade die kleinen Hausgärten, die für den Lebensraum von Insekten wichtig sind. Was können wir tun, damit sie sich ansiedeln? Dass sie bleiben? Etwas gelassener alles sehen, meinen ökologisch bewusste Gärtner/innen. Historisch werden Insekten oft mit Parasitentum und Krankheit verbunden, aber in einem naturnahen Garten sichern gerade sie eine gesunde Vielfalt, die Lebensgrundlage auch für Vögel und größere Tiere sind. Ein naturnaher Garten ist auch oft weniger Arbeit, braucht aber mehr Wissen. (Moment / ORF Radio Österreich 1)
MANUSKRIPT fast-final
SIGNATION

ATMO Gartenarbeit, Laub

OT / Teaser-Mix
*Wenn ich hier Wiesenfläche habe, oder Rasen habe, dann mähe ich den, und dann habe ich immer wieder so kleine Spots, wo ich Blumenvielfalt vorfinde, und dahinten stelle ich mir einen Sessel hin, und dann liege ich in der grünen Natur. – Die große Mehrzahl der roten Listen wird länger und länger und länger. – Es hat jeder eine unterschiedliche Toleranzgrenze, die kann man niemanden vorschreiben. – Wir haben eine große Zahl an Arten, von denen wir wirklich ernsthaft befürchten müssen, dass sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verschwinden werden.*

MODERATION
Vom Leben und Überleben der Insekten im eigenen Garten.

OT / Teaser-Mix
*Es gibt halt nun mal Schädlinge und es gibt vielleicht auch Pflanzen, da will ich sie nicht haben. Ich werde auch zum Beispiel, wenn ich Rosenrost habe, das Laub dort nicht liegen lassen, weil ich will im nächsten Jahr, dass sich die nicht wieder aus dem infizieren. – Jeder Quadratmeter zählt. Wenn jeder von uns in seinem Rahmen den Garten nicht so durchpflegt, auf Chemie verzichtet. Wenn jeder in seinem Rahmen das Beste gibt, hilft das der Natur schon.*

MODERATION
Wer seinen Garten immer schön zusammenräumt – verblühte Blumen rasch entsorgt, und alte Bäume nicht verrotten lässt, auch Laub zusammenträgt – der macht es den Insekten schwer, sich wohlzufühlen. Es sind aber gerade die kleinen Hausgärten, die für den Lebensraum von Insekten so wichtig sind. Was können wir tun, damit sie sich ansiedeln? Was können wir tun, dass sie bleiben? Etwas gelassener alles sehen, meinen ökologisch bewusste Gärtnerinnen und Gärtner. Ein naturnaher Garten ist oft weniger Arbeit, braucht aber mehr Wissen. Lothar Bodingbauer hat sich umgehört – und nach seinem Beitrag können Sie uns anrufen und erzählen, wie es bei Ihnen läuft und summt und brummt im Garten.

OT Katja Hintersteiner
*Ja, jetzt gehen wir in meinen Garten.*

(darüber)

Zu Besuch bei Katja Hintersteiner in Linz.

*Die Mädchen haben das Trampolin aufgebaut, und die Sachen nicht weggeräumt.*

Mutter von zwei Kindern und Ökologin. Sie kennt sich aus in ihrem Garten.

*Gut. Klein, fein. Da haben wir etwas Bienenfreundliches angepflanzt. Dort kommt jedes Jahr etwas dazu. Die Frühblüher sind schon fast verblüht. Die nächsten Frühjahrsblüher kommen. Die Tulpen und Narzissen, und jetzt wird es bald ein blaues Meer von Iris und Schwertlilien herinnen werden. Da drüben haben wir noch verschiedene Weiden. Wir haben eine Purpurweide da, dazwischen und eine sehr zezelige Lavendelweide, die ganz spät blüht. Das ist sehr schön, wenn man ein Pollenangebot über einen längeren Zeitraum von den Weiden anbietet und nicht immer nur die Salweide nimmt. Dort drüben haben wir Brombeeren und Hinbeere und dort haben wir meine Sandkiste. Das war der Spielplatz der Kinder lange Zeit. Dort war tatsählcih ein alter Baumstamm hinten, der über die Jahre verrotten durfte. Das war Lebensraum für Ameisen, Käfer, etc. Man sieht hier noch die Reste von einem Stamm, wo wir lange Zeit draufgesessen sind. Und du siehst, wie die Tiere daran arbeiten, wei die Pilze daran arbeiten, wie er sich zersetzt. Und diese Sukzession des Zersetzens, des Abbauens, man sieht es auch dort drüben, wo man noch so Strukturelemente von Holz sieht, hier entsteht neuer Raum, Lebensraum und aus der Sandkiste ist ein Magerrasen geworden.*

Die Unordnung, die man sieht in Katja Hintersteiners Garten ist wolüberlegt und gut begründet. Katja ist auch Imkerin, und sie weiß, was Insekten wirklich brauchen. Nicht immer nur nass. nicht immer nur trocken.

OT Hintersteiner
*Ja. Viele Wildbienenarten sind ja ganz eng mit ihren Pflanzen vergesellschaftet. Und dementsprechend wenn ich jetzt diese Wildbienen fördern möchte, dann muss ich ihnen auch ihre Pflanzen anbieten oder eben diese Vielfalt anbieten. Das sind Nelken. Flachliegende, bodenkriechende Nelkenarten, dann haben wir vereinzelt, was da so aufsteht und ein bisschen an Schafgarbe erinnert, Puftalmum, das Ochsenauge. Dann haben wir da hinten schon im schönen saftig grünen Blatt, die pfirsichblättrige Glockenblume. Auch so eine trockenheitsliebende Pflanze. Da wieder andere Nelkenarten, Steinnelken. Man lässt auch Pflanzen stehen, auch wenn das für einen Hobbygärtner oder für viele Hobbygärtner ganz arg klingt. Weil das schaut schlampig aus. Weil es stängelbrütende Wildbienenarten gibt. Und hier muss ich die Stängel stehen lassen, kann die nicht wegschneiden.*

Es ist das Ausräumen der Gärten, das Saubermachen, was am meisten Probleme für Insekten schafft. Wer braucht welchen Lebensraum? Wann soll was gemäht werden?

OT Hintersteiner
*Schau, so schön, so viele Vögel wieder. Und die Schlüsselstelle ist die Pflanzenvielfalt, und mit der muss ich beginnen.*

EVENTUELL MUSIK DRUNTER

ZITAT
„Sei höflich und gefällig gegen alle Insekten, die dir begegnen“, sagte Kassandra zum Schluss, „dann wirst du mehr von ihnen lernen, als ich dir heute sagen kann, aber hüte dich vor den Hornissen und Wespen. Die Hornissen sind unsere mächtigsten und bösesten Feinde, und die Wespen sind ein unnützes Räubergeschlecht ohne Heimat und Glauben. Wir sind stärker und mächtiger als sie, aber sie stehlen und morden, wo sie nur können.

Mehr als 100 Jahre alt ist die Biene Maja – ein Buch mit adaptiertem Zeichentrickfilm, in jüngsten Jahren auch ganz neu aufgelegt. Abgesehen davon, dass der Schriftsteller Waldemar Bonsels offen antisemitisch war und eine zweifelhafte Rolle im Nationalsozialismus gespielt hat – das Gut und Böse, das Beseelte der Natur aus der Neuromantik hat sich bis heute gehalten. Aber das Bild wandelt sich: Die Nahrungspyramide wird zu Nahrungsnetzen. Der Stammbaum zum Netz des Lebens. Es geht um Gleichgewichte und Zwischenverbindungen, systemisches Denken. Ursachen können Wirkungen an ganz unterschiedlichen und unbeabsichtigten Orten haben. Der Feind wird nicht zum Freund, sondern zum Wesen, dessen Rolle im ökologischen Gefüge wir gar nicht kennen.

OT Alena
*Wanzen. Blattläuse, Wollläuse, Schilfläuse, Schnecken…*

Wir besuchen Alena Binder. Sie ist beruflich Gärtnerin im Botanischen Garten in Wien.

OT Alena
*Wir verbinden historisch vermutlich Insekten immer eher mit Schädling, Parasit und Krankheit, was früher auch vielleicht mal zugetroffen hat. Aber gerade in einem naturnahen Garten wäre es absurd, wenn ich ein Problem mit Insekten habe. Ja, wenn mein Kohl von Raupen zusammengefressen wird, bin ich auch nicht glücklich, aber im Endeffekt gerade in naturbelassenen Gärten, wenn irgendwo mal ein paar Blattläuse sind, ist das nicht gleich – ah – die Krise, sondern es stellt sich dann eh ein Gleichgewicht mit den Gegenspielern von den Schädlingen ein. – Da drüben blitzt was. – Ja, wir haben diese Blechdose mit Stroh gefüllt und verkehrt herum auf einen Holzstecken platziert. Das soll ein Lebensraum für Ohrwürmer sein. Und diese Ohrwürmer sind Nützlinge, weil sie unter anderem auch Blattläuse vertilgen und ja, es heißt immer, man soll sie nicht direkt zu Bienenhäusern hin stellen, weil sie anscheinend auch deren Brut schnabulieren, aber es ist eh groß genug und so gefährlich sie auch aussehen, und sie können auch ganz schön zuzwicken, aber im Endeffekt will man sie haben. – Jeder Mensch hat seine Vorstellungen, die er vom Alltag mitbringt. Man macht sich selbst Konzepte. Wie wächst eine Pflanze, oder wie lebt eine Biene.*

David Bröderbauer leitet die „Grüne Schule“ im Botanischen Garten. Sie soll Bewusstsein bilden für die engen Zusammenhänge in unseren Ökosystemen. Nämlich bei den Menschen, die dieses Bewußtsein noch nicht entwickelt haben, bei Kindern. David Bröderbauer, selbst Ökologe, gibt ein Beispiel.

OT David
*Wir haben im Garten in den Wiesen unzählige Frühjahrsgeophyten, einfach gesagt, Frühjahrsblüher.– Geophyten sind die, die es nur hier gibt? – Geophyten wachsen mit unterirdischen Organen in der Erde. Sie überwintern mit diesen Organen in die Erde und dann treiben sie im Frühjahr schnell aus, bevor die Bäume eine dichte Laubdecke machen und das Sonnenlicht stehlen – Ah ja. – Wie kommen nun diese Frühjahrsblüher in unsere Wiesen? Wenn man jetzt reinschaut man hat da die Traubenhyazinthe, man hat den Milchstern und man hat die Schlüsselblumen. Das sind tausende hier und die werden zum teil von Ameisen verbreitet. Diese Frühjahrsblüher haben oft Samen mit Ölkörpern, Eleiosomen nennt man das wissenschaftlich. Die sind sehr nährstoffreich. Die Ameisen. fressen das gerne, schnappen den Samen und vertragen die, schleppen die zum Bau und mit diesen Ölkörper nehmen sie diese Samen mit und führen so zur Verbreitung von den Frühjahrsblühern. Die helfen uns, die Ameisen, dass diese Wiesen jetzt im Frühjahr so wunderschön blühen, indem sie die Samen weitertragen. – Wir sind jetzt aus diesem schattigen Bereich, aus diesem Forstbereich da runter gegangen, und plötzlich hat man wirklich ein anderes Gefühl, es ist sandig, es sind Steine da. Es stehen vertrocknete Gewächse herum, wo man wissen sollte, dass das absichtlich so ist, und nicht einfach vergessen wurde beim Bewirtschaften oder beim Schönmachen. – Ja (Alena). Das ist jetzt die panonnische Gruppe. Pannonikum, ja der Neusiedlersee aber nicht nur das, das Pannonikum erstreckt sich zum Teil noch ins Waldviertel hinein. Viele Pflanzen muss man immer mal wieder ein bisschen bitten, dass sie dableiben, wo sie hinsollen. Aber an sich ist es gewünscht, dass das auch möglichst natürlich aussieht und wirkt und ja, im Pannonikum räumt auch keiner die Pflanzenteile weg. Ich räume schon ein bisschen im gewissen Grad aus. Vor allem Dingen, ich hole zum Beispiel Laub raus, weil meine Gruppe, oder ein Großteil meiner Gruppe soll nährstoffarm sein.*

Mit „Gruppe“ ist hier gemeint mit dem Gefüge aus pannonischen Pflanzen.

OT Alena
*Und sobald ich da viel Laub drin habe, habe ich natürlich sofort wieder eine andere Zusammensetzung der oberen Bodenschicht. Da hinten im Wald lasse ich es einfach liegen. Da stört es niemanden und ist sogar gut. – (David) Diese natürliche Anlage dient auch dazu, dass die Pflanzen blühen, von Wildbienen bestäubt werden können und auch Samen bilden, und dann sich selbst aussamen. Das heißt, wir sind hier im pannonischen Raum und bilden im Garten eine Fläche, wo das halbnatürlich wachsen kann, damit es noch Standorte gibt, wo diese Pflanzen und Tiere leben können. (Alena) Vor zwei Jahren habe ich ein Hummelnest entdeckt, in dem Fall ist es unter einer Rose unter dem Laub gewesen. Ich wollte die Rosen etwas zurückschneiden und habe etwas gehört, ein etwas ertzürntes Brummen und habe mir gedacht, OK da ist jetzt jemand, und ich dann wirklich gesehen, sie hat sich aus Moos und kleinen Ästchen und Laub da ihr Nest gebaut. Dann habe ich sie natürlich in Ruhe gelassen.*

Es sind aber durchaus die Katastrophen die kleine Katastrophen, die ein Ökosystem begehrenswert macht und einen Lebensraum wertvoll, erzählt der Biodiversitätsforscher Harald Fiedler.

OT Fiedler
*Ökosysteme haben dann den größten Artenreichtum, wenn sie einem mittleren Störungsgrad unterliegen. Das heißt, wenn nicht in zu großer Folge Störungsereignisse immer wieder passieren, also kleinräumige Störungsereignissen haben. So wie wir sie bei soclhen Überschwmmungen haben. Da wird mal hier was weggeschwemmt, da wird mal da was weggeschwemmt. Und es kann die Sukzession wieder starten. Es brennt mal irgendwo, aber kleinräumig, nicht Riesenflächen, es brennt kleinräumig, ein Baum wird vom Blitz getroffen, ein Baum fackelt ab, durch kommen dann an diesem kleinen Standort Organismenarten ansiedeln, die nebendran unter dem Kronenschirm eines großen Baumes nicht existieren können. Also diese Heterogenität, diese Mosaikartigkeit, die ist wichtig, und das ist eben beim Klimawandel ganz anders ist, das ist ja nicht heterogen, sondern eine homogene Erwärmung über ganze Kontinente.*

Leben, Sterben und auch Aussterben gehört bei der Evolution, bei der Entwicklung der Arten immer auch dazu. Was beunruhigend für Harald Fiedler ist, ist die Geschwindigkeit, mit der das derzeit passiert. Warum ist eigentlich Biodiversität wichtig, die Vielfalt der Arten?

OT Fiedler
*Wenn wir viele verschiedene Arten in einem Ökosystem haben, die alle mehr oder weniger das Selbe können, aber nicht ganz genau das selbe können oder nicht ganz genau das selbe tun, dann haben wir etwas, was wir in der theoretischen Ökologie den Portfolioeffekt nennt, oder den Insuranceeffekt nennt. Wie an der Börse auch. Wenn ich mehrere Arten habe, wenn ich viel Arten habe, die eine bestimmte Funktion erfüllen, dann ist die Wahrscheinlichkeit große, wenn sich die Außenbedingungen ein bisschen ändern, ich hab e mal ein kühleres Jahr, ein feuchtere sJahr, ein heißeres Jahr, eintrockeneres Jahr, ich habe ein Jahr, in dem ein Sturm passiert, in dem etwas ganz Anderes passiert. Dann habe ich eine größere Chance, dass irgendeine der vielen Arten die Funktion trotzdem wahrnehmen können. Wenn ich aber nur einzige Art habe, die diese Funktion erfüllt, und die fällt dann wirklich weg, dann habe ich ein echtes funktionelles Problem. Da kann man einen schönen Bogen zu den Bienen schlagen. Die eine Bestäuberart fliegt am frühen Morgen, die andere in der frühen Mittagszeit, die anderen am Nachmittag. Mal regnet es, mal regnet es nicht. Und durch vielfältigen Unvorhersehbarkeiten kann eine artenreichere Bestäubergilde tatsächlich diese Dienstleistung der Bestäubung, diesen Ökosystemservice besser erbringen.*

Bestäubergilde, also die Vielfalt der bestäubenden Insekten. Ökosystemservices, das, was die Natur für uns leistet. – Für die Gärtnerin Alena Binder heißt das vor allem eins: schauen, dass die Vielfalt bleibt, und das geht am besten durch Strukturen im Garten.

OT Alena
*Was einmal ein großer Punkt ist, ist einfach Pflanzen. Und ohne Pflanzen und Pflanzenvielfalt am besten während der gesamten Vegetationsperiode was Blühendes, ohne dem brauche ich mir auch keine Gedanken über Insekten machen. Weil das ist nun mal die Lebensgrundlage eines Insekts, in irgend einer Weise Pflanzen zu haben, am besten blühend. Das zweite ist Strukturen, Strukturenvielfalt und auch Strukturen über das ganze Jahr. – Was ist da mit Strukturen gemeint? – Das sind einerseits unterschiedliche Lebensräume von offenen Flächen, geschlossenen Flüchen, Flächen im Schatten, Flächen in der Sonne, sandigen Flächen, gemulchten Flächen, Laubhaufen oder Steinmauer. Also so unterschiedliche Lebensräume. Unter Struktur fällt in meinen Augen auch Pflanzen, weil die gerade auch abgestorbene Pflanzen, trotzdem noch sehr wesentlich sind. Da ist zum Beispiel ein wesentlicher Punkt, Totholz stehen lassen, in einem normalen Hausgarten ist es sicher kein Problem, wenn man sagt, wenn man sagt, OK, da ist ein alter Baum, den lasse ich stehen. Der darf auch absterben hier, und da darf es auch etwas Vermoderndes geben. Oder Holzhaufen liegen lassen. Und das nächste, was halt auch unter Pflanzenstruktur fällt in meinen Augen, dass man gerade im Winter bei Stauden die abgestorbenen Pflanzenteile stehen lässt. Das ist sicher ein wesentlicher Punkt. So dieser ausgeräumte Garten ist gerade im Winter ganz schlecht, weil die Tiere sind zwar im Sommer, aber die brauchen im Winter ja auch eine Überbrückung, um dann wieder im Frühjahr dazu sein. Man sieht dann auch ästethisch auch was schönes, weil es hat dann auch den Rauhreif, der irgendwo hängenbleibt, ist ja auch optisch schön.*

Eine besondere Rolle hat das abgeschnittene Gras. Rasenmäher würden es zerhächseln, samt allen Tieren und Larven und Würmern und Raupen, die drauf sind. besser ist es, und so wird es im Botanischen Garten in Wien gemacht, mit einem Balkenmäher abzuschneiden. Das erzählt Frank Schuhmacher, einer der leitenden Gärtner im Botanischen Garten.

OT Frank
*Wir haben es versucht mit so Mandeln, wie man es in der Landschaft sieht, so Heumanderl, das geht auch, oder eben teilweise, dass man sie offen auf dem Kompost auflegen, der ist hier gleich in der Nähe, auf diesen Komposthaufen, und dort können dann diese Tiere schlüpfen.*

Und Bäume, ja die Bäume. Viel zu oft zu gut gepflegt.

OT Frank
*Das wäre auch für den heimischen Garten der Punkt, dass man erstens die Bäume, die da sind, wenn man zum Beispiel ein Bauvorhaben hat oder Ähnliches, sehr gut überlegt, welche Bäume man rausnimmt. Zeit kann man nicht kaufen, einen alten Baum kann man nicht ersetzen irgendwie, da kann man nur einen jungen Baum setzen, und dann eben diese alten Bäume, so lange sie keine Gefahr darstellen, wirklich alt werden lässt. Auch wenn sie dann nicht mehr die ganz perfekte Kronenform haben, und vielleicht nicht mehr ganz so viele Früchte tragen.*

Und Bäume, so heißt es unter Botanikern, Bäume sterben im Stehen.

OT Frank
*Ja, die sterben im Stehen und langsam. Die schmeissen nen Ast runter, große Äste, da denkt man um Gottes Willen, jetzt muss der Baum raus. Wenn wir nicht wären, die wir sagen, wir sind jetzt gefährdet durch diesen Baum, dann würde dieser Baum noch Jahrzehnte dort leben, obwohl er vielleicht die Hälfte seines Individuums abgeworen hat. – Aber in diesem Sinne, umsägen und liegen lassen ist durchaus eine Option. – Ist sicher besser als ganz entfernen, noch besser ist noch auf 2m runterzusägen. Es gibt eine ganze Reihe an Tierarten, die sozusagen das vertikale Holz brauchen. Horizontales Holz und vertikales Holz. Beides braucht es dafür. (Paula) Also Insekt ist ja nicht gleich INsekt. Die haben alle ganz unterschiedliche Bedürfnisse.*

Paula Polak. Sie ist ökologische Landschaftsarchitektin und berät Menschen, die sich einen Garten einrichten wollen, was sie tun können, damit sich Insekten im Garten wohl fühlen.

OT Paula
*Vor ein paar Jahren haben die meisten Leute was für sich selber wollen. Was kann ich denn essen, wo kann ich einen Tee machen. Und jetzt kommen sie, was ist denn gut für die Bienen.*

Das ökologische Bewusstsein hat sich gewandelt, beobachtet Paula Polak.

OT Paula
*Unsere Generation kennt das ja noch, aber jetzt wachsen Kinder heran, die so etwas nie gesehen haben. Das heißt, es liegt eigentlich an unserer Generation, diese blühende Landschaft wieder ins Bewusstsein zu bringen und zu erhalten.*

Ja, und es ist einigermaßen interessant, was es alles zu beachten gibt, und man wird viele Bücher lesen und Gespräche mit Leuten führen müssen, die sich damit auskennen. Aber, so ein, zwei Tipps, gibt es auf alle Fälle, und die beginnen bei Paula Polak bei der Kleinräumigkeit, beginnen bei der Maht. Der Rasenmäher ist oft auch zu schnell. Wer mit der Hand mäht, das dauert.

OT Paula
*Das versuche ich den Leuten, die Blumenwiesen anlegen, bitte lasst ein Drittel der Fläche echt einmal ein Jahr in Ruhe. Weil einfach dieser Rückzugsraum ist für verschiedenste Insekten. – Warum nicht 3/3? – Weil das für die Leute schlecht auszuhalten ist und weil schon: Vielfalt ist ja das Schlüsselwort bei der naturnahen Gestaltung. Das heißt, ich kriege dann, wenn ich vielfältig mähe zum Beispiel, die Fläche, also das erste Drittel der Wiese mähe ich Ende Juni, wenn die Margerite anfängt zu verblühen. Das ist der klassische Zeitpunkt. Haben wir ein Drittel. Gut. Das heißt, die Pflanzen, die bis dahin schon ausgesamt haben, können sich so verjüngen. Das zweite Drittel mähe ich, wenn das erste schon wieder Blüten zeigt. Das heißt, die Insekten können zwischen zwischen diesen zwei Dritteln schon mal herumfliegen und Nahrung aufnehmen, und das dritte Drittel bleibt stehen, da blüht, was blüht, da samt aus, was aussamt, das darf bis zum nächsten Jahr stehen. Und das Ganze variiere ich über die Jahre. Ich lasse dann auch mal das erste Drittel übers Jahr stehen und ich mähe dann mal zwei Wochen später. So können alle, kriegen alle Pflanzenarten, die in der Wiese drin sind, und das sind meistens 50-60 Arten, kriegen ihre Chance sich weiter zu vermehren. Was man nicht bedenkt ist nämlich, viele Wiesenpflanzen wie Margerite und Wiesensalbei sind sehr kurzlebig. Das Individuum lebt 5, 6, 7Jahre, wenn sie nicht aussamen könne, dann wars das. Wenn man immer zu früh mäht, wenn man ihnen keine Samen gönnt, dann ist die Pflanzenart halt weg.*

ATMO Garten/Laub/Arbeit in den letzten Satz.

Zurück im Garten von Katja Hintersteiner, der Ökologin in Linz. Sie ist immer am Probieren, sie hütet ihren mosaikartigen Garten wie einen Schatz. / Insekten und Wildbienenhotels sind gut, sagt sie, allerdings müssen sie auch richtig gemacht werden. Und da ist sie gerade am Experimentieren. Um Verbesserungen einzuführen.

OT Katja
*Die alte Bauweise ist, dass man Baumscheiben nimmt in einer Stärke von ca. 10 cm. Und da hat man Löcher hineingebohrt. Aber jetzt kommen wir zur Physik, Stirnholz. Zieht Feuchtigkeit. Und wenn ein Stirnholz Feuchtigkeit zieht, geht natürlich die Feuchtigkeit in die Bienenbrut hinein und die verschimmelt. Diese Erfahrung habe ich machen müssen und ich rüste jetzt um, ich nehme jetzt einfach die Baumstämme als Ganzes, entrinde die und spiee somit die sukzessive Besiedelung von einem Totholz nach, indem ich eben die Baumstämme, wenn sie entrindet sind, dann schon mit Lächern versehe, aber ich bohre wirklich längs hinein und nicht ins Stirnholz. Die Tiefe sollte schon so um die 10 cm. betragen, das ist schon gut, dass die Bohrgänge sehr lange sind. Das sind natürlich keine handelsüblichen Bohrer, die bekommt man in. keinem Bauhaus, eher selten, und das wäre natürlich ideal, wenn so ein zwei Millimeterbohrer auch 8 cm lange ist. Also jede Wildbienenart hat so ihren bevorzugten Nistraum und es gibt natürlich Gemneralisten, also die gehörnte Mauerbiene zum Beispiel, die nimmt ja alles, was geht, da sind die Lochgrößen relativ wurscht, wenn zu klein, dann passt sie irgendwann nicht mehr rein, aber sie nimmt auch große 8 mm Durchmesser an, dann verkittet sie die besser. Es gibt Wildbienenarten, cih hab e Schnekcenhäsuer überall leigen, weil sie nutzen auch Schneckenhäuser. Viele kleiden ihre Nistplätze mit Blättern aus, manche verkleben es auch in Blättern, das heißt sie kleben Blätter zu, unterschiedliche Strategien für diese Vielfalt an Wildbienen. Und wenn ich es nicht für den ganzen Garten aushalte, was ich ja absolut verstehe, dann schaffe ich zumindest kleine, wilde Strukturen in meinem Garten. Und auch der Hügel ist permanent in der Veränderung, und ich finde das ganze Leben, und das sieht man in der Natur, wenn man sich solche Naturstandorte ansieht, Urwälder, sind permanent in einem Prozess der Weiterentwicklung. Natur bleibt nicht stehen, und sagt, so jetzt daugt es mir, und es ist gut. Es ist eine permanente Weiterenwicklung und das darf ich in meinem Garten auch machen.*

Und insgesamt, eine Zusammenschau, bevor wie Sie um eine Meinung bitten:

MUSIK, darüber

OT Mix Schluss
Also absolut der erste Punkt, keine Chemie im Garten. – Dort, wo man es selber steuern kann, ein bisschen Unordnung zulassen, dann kommen diverse Arten wieder da hin, also da kann man schon auch was machen. Wiesen, die kein Rasen sind, sind ja trotzdem gepflegt, vielleicht mehr wie ein Rasen, aber trotzdem geht man mit einer anderen Gelassenheit ran, wenn man zulässt, dass Insekten und Lebewesen da sind, weil die nun mal dazugehören.

MUSIK hoch

Audiologo

 

Sprechkontakt bedeutet, in dem ganzen Rauschen und Gewusel eine Verbindung herzustellen, die durch Sprache funktioniert. „Wir haben Sprechkontakt“. Das sollte doch möglich sein: in wenigen Sekunden diese Grundlage als Logo den Podcastepisoden voranzustellen. Gedanken daran hatte ich schon länger, sich aber mal hinzusetzen, und das zu probieren, wurde ausgelöst durch eine Diskussion in der Freaks Show 227, Kapitel Audiologo, in der Tim Pritlove für seine Metaebene Podcasts eine akustische Verbindung sucht. Das sollte er schaffen, ich denke da an die Intro von der Audioausgabe des Economist.

Was soll ein Audiologo können: Kurz. Öffnend. Konstruktiv. Mehrschichtig aber nicht zu vielschichtig. Nicht banal. Meines hat eine Stunde Arbeit gebraucht, es besteht aus folgenden Elementen:

  1. Walkie Talkie, Freesound 27878
  2. Power On, Freesound 70107
  3. Synthesizer Schluss, Freesound 378113
  4. Fußgängerübergang in Sodankylä, Finnland, eigene Aufnahme auf Freesound 149972

In Verbindung mit einer Episode hört sich das Audiologo dann so an:

 

Aufgeschrieben

Es gibt Sprache, die ist weit und rund. Doch manche springt und stolpert, Stück. Für Stück.

Sommer unter Ziegen

 

Diesen Sommer haben wir in Kanada auf einer Farm Erfahrungen gesammelt. Es gibt da ein Netzwerk: WWOOF, „Willing Workers On Organic Farms“ oder „World Wid Opportunities on Organic Farming“ – der Deal ist: Mitarbeit auf einem Biobauernhof, 5 Stunden an 5 Tagen, gegen Kost und Quartier. Letztlich werden Erfahrungen ausgetauscht, Geld spielt keine Rolle, es ist ein Geben und Nehmen. Wir waren auf der Haute Goat Farm: Debbie und Shain haben etwa 25 Ziegen, 7 Alpacas, eine Handvoll Pferde und 4 Hunde. Es gibt Ziegenyoga, und vor allem man kann „Shmurgeln“ – Zeit mit den Tieren verbringen. Erst bei den Alpacas, dann spazieren, und dann am Spielplatz der Ziegen. Kein Tier wird gegessen. Was für eine schöne Farm. Im Einzugsbereich von Toronto gibt es auch viele Menschen, die das interessiert. Im Detail haben wir das gemacht: Haute Goat WWOOF Manual.

Link: WWOOF Canada | Haute Goat Farm 

 

Gaspé Marathon

Gaspé Marathon

CBC Radio One berichtet immer wieder über die „Gaspé-Region“ im Osten Kanadas. Am 18. August 2018 gab es dort einen Marathon und damit eine gute Möglichkeit, die Region zu besuchen, wenn man eh schon in Kanada ist. 29 Teilnehmer/innen, klein und überschaubar, wunderbares Wetter, schöner Track. Link zur Seite von Gaspé-Marathon.

Foto: Gaspé Marathon

Reise nach Prien

Reise nach Prien

Wohin soll denn die Reise gehen, wird man gefragt, wenn man wo einsteigt, in ein Gefährt, in ein Mobil, bei dem man das Reiseziel bestimmen kann. Wohin soll denn die Reise gehen, als ob man wüsste, was ein gutes Ziel wäre, denn dazu müsste man ja schon einmal dort gewesen sein, um sich sicher zu sein, ja dorthin soll es gehen. Und oft ist man ja nicht alleine unterwegs. Man muss sich verständigen, die Wünsche koordinieren. Es ist unter allen bedenkbaren Umständen und Erfahrungen schwierig, sich innerhalb der Familie ein Reiseziel für die Ferien auszumachen. Besonders, wenn die Kinder 14, 15 Jahre alt sind.

Heuer haben wir eine Reise nach Prien gemacht. Und davon möchte ich erzählen. Wir gingen in Wien zum Hauptbahnhof. Dort haben wir uns mit dem Rücken zur großen Anzeigewand gestellt. Ausgemacht war: auf 1, 2, 3, würden wir uns umdrehen. Wir würden zu dem Meer fahren, das in der Richtung des Reiseziels des 3. Zugs liegt. Den ersten und den zweiten Zug würden wir ja nicht mehr erwischen. Aber den 3. Zug, den nehmen wir, und dieser fuhr auf 1, 2, 3 nach Zürich. So war die Richtung klar. Wir fahren ans Meer in Richtung Zürich. Also nach Frankreich. Wir fahren an den Atlantik.

Wohin soll denn die Reise gehen? Bordeaux. Wir machten uns aus, immer um 11 Uhr 30, auszusteigen, egal wo der Zug gerade ist, um dort Mittagessen zu gehen, und nach einer Pause wieder weiterzufahren. Bis 18 Uhr ungefähr, um egal wo, dort auszusteigen, wo der Zug grad hält – um dort zu nächtigen.

½ 12 war es in Salzburg. Nach dem Mittagessen dann weiter mit dem nächsten Zug in Richtung Meer. Es war ein langsamer Zug. Er fuhr nach Zell am See. Der See sah so verlockend aus, und wenn es keine Eile gibt, dann steigt man aus, und schwimmt ein Stück. Der nächste Zug, der fuhr nach Innsbruck, Zeit zum Schlafen. Stück für Stück und Zug um Zug, weiter Richtung Ozean. Basel, Mulhausen, Dijon, und so weiter und so weiter – nach 5 Tagen erreichten wir auf diese Art Bordeaux.

Das Schöne an dieser Art der Reise war, dass wir nie einen Zug versäumt haben, wir haben ja immer nur den nächsten genommen. Und während man bei großen Zielen schnell einmal auf Hauptverkehrsstrecken landet, sich in der Folge zwischen Hauptstädten zu schnell fortbewegt, sind wir auf dieser Reise auf diese Weise in Gegenden gekommen, an Stellen ausgestiegen, die wir vorher mit Sicherheit oft nicht einmal vom Namen kannten. Regionalzüge, Schiffe, Stopps und Strecken, die man selbst nie wählen würde. Wir haben erlebt, dass es wichtig war, sich den Schlafplatz wirklich nur im letzten Zug des Tages auszumachen. Das geht mit den digitalen Buchungsplattformen ja sehr leicht. Würde man schon am Vormittag das Abendziel fixieren, oder Gott behüte auch am Vortag, da wäre das Schicksal viel zu stark eingeschränkt, und die Eile beginnt – man muss ja den vorgesehenen Zug, die vorherbestimmte Stadt erreichen. Da fängt der Stress dann wirklich an. Es ist gar nicht leicht, mit all den Sicherheiten, die man sich erkaufen kann, dem Schicksal eine Chance geben, die Strecke zu gestalten.

Viele Grüße also aus Bordeaux. Wer weiß, wohin uns die nächste Reise treiben wird, ans nächste Meer, auf diese Art. Ich bin noch schuldig, warum es eine „Reise nach Prien“ war, obwohl wir nach Bordeaux gefahren sind. Prien, das ist kein Ort, sondern ein Name, der schon viele Jahre in meinem Kopf herumgetragen wird. Prien ist ein Mensch, der Herr Prien. Er ist oder war Bibliothekar in Wien. Ich selber habe ihn nie gekannt. Er hat diese Reiseform erfunden. Herr Prien hat vor 30 Jahren in der Bibliothek für Slawistik an der Universität Wien gearbeitet und einem Freund, der dort studiert hat, von dieser wunderbaren Form der Fortbewegung abseits der großen Reisekorridore erzählt. Der Freund hat es wiederum mir erzählt, und nach 30 Jahren war es dann soweit. Unser heuriges Reiseziel hat seinen Namen erhalten, ja eigentlich der Weg, die Reiseform nach Prien …

ORF Radio Ö1 – Moment/Randnotizen, 6. August 2018. Eine erste Fassung dieser Randnotizen wurde im Deutschlandfunk/Sonntagsspaziergang als „Akustische Ansichtskarte aus Bordeaux“ am 1. Juli 2018 ausgestrahlt.

Hörerreaktion: „Vielen Dank für die gestrigen Moment-Randnotizen.  Moment ist sehr oft ein Quell von Freude, Nachdenklichkeit, Innehalten, Neugier, und nicht zuletzt Schmunzeln. Ihr gestriger Beitrag ist ein Juwel in allen diesen Aspekten. Dieser Sommer ist leider schon verplant, aber nächstes Jahr werde ich sicher auch nach Prien fahren.“ – P.W.

 

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