ADW012 Finnische Glocken

ADW012 Finnische Glocken

 

 

Glocken aus der Mitte Finnlands, aus Uusi-Valamo (Neu-Valamo). Dort haben ehemals russische Mönche ein Kloster errichtet. Man kann dort als Freiwilliger für Kost und Quartier arbeiten. Die Glocken werden vom “Sakristan des Tages” geläutet – und das braucht einige Übung.

Die Glocken aus dem russisch-orthodxen Kloster “Uusi Valaomo” in der Mitte Finnlands waren mein Einstieg ins Radiohandwerk. Und sie sind immer noch ein ständiger Begleiter, weil ich nun schon ein paar mal an diesem Ort wieder war. Auch später mit den Kindern – wieder arbeitend als Tellerwäscher, und immer wieder diese Glocken, die sich in den letzten zwanzig Jahren auch verändert haben. Die Melodie wird nicht aufgeschrieben, sie wird im Kopf der Glockenläuter (Sakristane genannt) weitergegeben. Manchmal kommt auch ein Glockenlehrer aus Italien, doch der ist 2019 ausgeblieben. Dann muss man selbst weiterentwickeln. Diese Aufnahme ist der Stand von ca. 1994. Wer wissen will, wie die Glocken heuer klingen, fährt einfach hin.


Diese Episode ist am 27.10.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 2 Minuten und 25 Sekunden

 

ADW011 Blasmusikprobenbeginn

ADW011 Blasmusikprobenbeginn

 

 

Wenn Menschen zusammensitzen und musizieren ist das eine feine Sache. In den meisten Blasmusikapellen wird regelmäßig geprobt. Die Aufnahme stammt aus Erzberg. Es ist der Beginn einer Probe, und die einzelnen Instrumente werden im Mittelteil auch “näher vorgestellt”.

Gemeinsam Musik machen. Regelmäßige Proben. Unterschiedliche Instrumente. Wer aufnimmt, muss herumgehen zwischen den Menschen mit ihren Tüten, Blasen und Röhren, er muss sein Mikrofon hinein und hinabstrecken, dazwischenhalten und darüber. Dreidimensional ist alles, was auf einem Stereomikrofon zweidimensional immerhin abgebildet wird. Die einen spielen gut, die anderen besser. Diese Aufnahme entstand zu einer Radiosendung über die Blasmusik in Österreich, sie entstand in Eisenerz, wo sonst eigentlich nicht so viel los ist und sonst nur Mopeds mit ihren Auspuffen durch das Zentrum röhren.


Diese Episode ist am 22.10.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 3 Minuten und 6 Sekunden

 

ADW010 Italien in Wien

ADW010 Italien in Wien

 

 

Eher ungewöhnlich, dieses Soundscape. Nicht wegen dem Italienisch, sondern wegen der Situation. Kurz vor dem Einsteigen dieser italienischsprechenden Gruppe war das noch eine Wiener Straßenbahn der Linie 18 vom Hauptbahnhof zum Westbahnhof. Doch schlagartig hat sich das geändert.

Die Linie 18 ist eine besondere Straßenbahnlinie in Wien. Sie verband den Südbahnhof mit dem Westbahnhof. Verbindet immer noch, aber der Südbahnhof wurde zum Hauptbahnhof und der Westbahnhof unbedeutend. Die Linie 18 ist ein Verbindungsweg zwischen Bezirken und Kulturen. Sie verläuft teils unter der Erde, teils über der Erde. Immer wieder steigen Reisende aus- oder zu, die zwischen den Bahnhöfen pendeln oder verlorengehen oder verloren gegangen sind. In diesem Fall bei dieser Aufnahme eine Gruppe Italiener. Was sie sagen, verstehe ich nicht. Ich mag aber den Klang Italiens im Herzen Wiens.


Diese Episode ist am 12.10.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 3 Minuten und 1 Sekunden

 

ADW009 Wiener Rolltreppe

ADW009 Wiener Rolltreppe

 

 

Diese Rolltreppe ist ein musikalischer Partner, bereit für den Rhythmus-Part. Es gibt sicher ein Lied, das man mit einem beliebigen Instrument dazu spielen könnte. Die Rolltreppe ist am Wiener Volkstheater zu finden, in der U-Bahn Station. Möglicherweise wird sie bald repariert oder mechanisch besser eingestellt. In jedem Fall bis dahin, ein höchst erfreuliches mechanisches Geräusch aus der Soundscape einer Stadt.

Privilegiert ist jener, der an einem Ort wohnt. Der nicht nur einmal vorbeikommt und alles hinnehmen muss, wie es ist, und wie es klingt. Wer täglich vorbeikommt wird eine Änderung bemerken, an dieser Rolltreppe. Sie klapperte ganz leise, jetzt stark und rhythmisch. Irgendwas hat sich verändert. Die Gegend um die Rolltreppe – beim Karsplatz in Wien – wurde damit zum Indurstiregebiet, ein Industrieklang ist entstanden. Metallisch rätselhaft. Weg von der Stille des leisen Transits.


Diese Episode ist am 07.10.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 0 Minuten und 59 Sekunden

 

ADW008 Spieluhr Klaipeda

ADW008 Spieluhr Klaipeda

 

 

Litauen, Baltikum, Kurische Nehrung. Einige Museen erzählen über die Geschichte – in der übrigens auch Ännchen von Tharau eine Rolle spielt. Sie hat einem berühmten Lied ihren Namen geliehen. Ob es diese Spieluhr in einem der Museen Klaipedas noch gibt?

Es gibt ein kleines Museum irgendwo in Litauen, in Kleipeda. Mit schönen Parkettböden und erlesenen antiken Gegenständen. Darunter eine Uhr. Eine Spieluhr. Sie spielt dieses Lied. Wie oft sie das getan hat, weiß ich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass es Menschen gibt, die diese Melodie lieben. Die sie gebaut, komponiert, die Uhr repariert haben. Die sie öfter schon gehört haben, als ich. Zweimal nämlich. Beim ersten Mal erkannt – beim Zweiten Mal für eine Radiosendung aufgenommen. Und jetzt ist sie da, die Melodie, und bleibt.


Diese Episode ist am 28.09.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 0 Minuten und 52 Sekunden

 

ADW007 Der Kreisel

ADW007 Der Kreisel

 

 

Reine Nervenfrage dieses Geräusch. Man spürt, wie es sich entwickelt, kann aber noch nicht genau sagen, wie es endet. Der Kreisel – aus dem Technorama Winterthur (Schweiz). Genau genommen ein Metallring, der sich dreht. Eine von mehr als 500 Stationen, an denen man selbst ausprobieren kann, was die Naturgesetze spielen.

Physik hat seinen eigenen Klang. Ein ganzes Haus voller Physik ist also ein ganzes Haus voller Klänge. In Winterthur hat man das Technische Museum aufgelöst, es ist keine Sammlung mehr, sondern es ist ein Stationenbetrieb mit 100 Experimenten. Dingen, mit denen man spielen kann. Vieles ist still, und manches funktioniert mit Ton. Das Reden über große Entfernungen mit Hilfe von Schalltrichtern. Der Ton dieses aufgenommenen Instrumentes ist reines Beiwerk. Er entsteht bei Drehen eines Kreisels. Und er erzählt über den Zustand des Kreisels. Es war ein schöner Ausflug dorthin nach Winterthur mit den Kindern. Sehr zu empfehlen.


Diese Episode ist am 22.09.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 1 Minute und 11 Sekunden

 

ADW006 Ärmelkanalküste Dieppe

ADW006 Ärmelkanalküste Dieppe

 

 

Das Rollen der Wellen am Ärmelkanal bringt nicht nur das Geräusch des Wassers, sondern auch das der hin- und hergeschobenen Steine, die am Grund rundgeschliffen werden. Der Wind geht, und so baut man eine kleine Grube, wo das Mikrofon abgeschirmt wird, und wo nichts pustet. Drüben ist England, und dieses Geräusch stammt von der Küste in Dieppe.

Das Rauschen eines Meeres kann ja gehörig auf die Nerven geht. Weil es laut ist, stark und unbarmherzig. Wer aber in den Wochen zuvor auf dem Landweg an die Küste gereist ist mit der Bahn, der freut sich genau auf dieses Rauschen. Ob es wohl Menschen gibt, die das Meer erkennen, die Küste? Am Klang? Ist da nicht auch das Wetter und die momentane Bedingung wichtig, wie das Meer heut klingt? Ich habe das Meer in Dieppe in Frankreich mit nach Hause gebracht. Nicht den Sand, nicht den Wind, nicht den Geschmack des Salzes, sondern den Klang.


Diese Episode ist am 14.09.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 1 Minute und 20 Sekunden

 

ADW005 Zebrastreifen Lappland

ADW005 Zebrastreifen Lappland

 

 

Die Akustik an Zebrastreifen ist ein Thema für sich. Eigentlich nur für Blinde gedacht, sind die Geräusche doch von jedem wahrnehmbar – und werden ausgeblendet. Ein ausgesprochen schönes Ping-Pong über die Straße gibt es in Sodankylä, eine kleine Stadt in Lappland, im Norden Finnlands. Die akustische Kennzeichnung der Stelle ist dort wohl auch für Sehende notwendig, denn in der lang und dicht verschneiten Landschaft sind die Zebrastreifen im Winter nur selten zu sehen. Dort wo es piepst, dort geht man rüber.

Das ist einer meiner größten, schönsten, bemerkenswertesten gesammelten Klänge. Er ist in der Stille entstanden, in einer Nacht an einem Ort nördlich des Polarkreises, im Winter. Niemand ist da draußen um diese Zeit in Sodankylä, aber der Zebrastreifen macht mit seinen Ampeln und Geräuschgebern Leben in die Stille. Die eine Seite kommuniziert mit der anderen. Gemacht für Blinde, die das Dunkle nicht sehen. Oder das Helle, ist hier egal. Das Geräusch des Zebrastreifens ist zwischen den Ampeln wie ein Ping-Pong-Spiel, das der Platz hier spielt mit seinen Elementen. Und es zeigt, wie die Wissenschaftler des Geophysikalischen Institutes hier arbeiten, um das Nordlicht zu erforschen, die Atmosphärenphysiker, sie schicken Strahlen in den Weltraum, und sie empfangen Strahlen, und was davon dann fehlt, erzählt ihnen eine Geschichte von der Situation dazwischen zwischen Himmel und Erde.


Diese Episode ist am 06.09.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 0 Minuten und 55 Sekunden

 

ADW004 Talking Gecko

ADW004 Talking Gecko

 

 

Der Legende nach gibt es Geckos, die irgendwo in den Bäumen sitzen und ihren Namen sagen. Einen habe ich in Batam getroffen, das ist die erste Insel in Indonesien unterhalb von Singapur. Mit einem Schnellboot kann man sie in 45 Minuten erreichen. Weitere 45 Minuten mit dem Angkot und wir sind in Anggrek Mas 2, auf der Veranda eines Freundes. Dort sitzt dessen Freund, der Gecko, der sich alle Stunde mal zu Wort meldet und seinen Namen sagt.

In Indonesien ist viel Leben. Sobald die Sonne untergeht und davor. Wer das nicht gewöhnt ist, ist vielleicht manchmal ein bisschen verzagt, wenn er auf der Terrasse sitzt am Wohnort eines Freundes, der eingeladen hat, vorbeizukommen. Man kommt früher nach Hause als der Freund und wartet auf seiner Terrasse in der Dunkelheit, und da kommt auch der Gecko vorbei und erzählt. Was genau, ist nicht zu verstehen. Vielleicht sagt er einfach seinen Namen. Gecko! Gecko, Gecko!


Diese Episode ist am 31.08.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 0 Minuten und 16 Sekunden

 

ADW003 Klapperanzeige Paris

ADW003 Klapperanzeige Paris

 

 

Bahnverbindungen werden am Gare du Nord in Paris immer noch am Klapperboard angezeigt. Im Gegensatz zu Monitoren ist das akustisch äußerst hübsch. So ein Board musste einmal ungeahnte Vorteile gehabt haben. Heute erscheint es aber logisch, dass die mechanische Bewegung der Farbplättchen der Anzeige von Zügen auf Monitoren unterliegt. Was wohl der richtige Name dafür ist?

Monitore als Anzeigetafeln sind bequem für die Betreiber. Aber so richtig toll sind klappernde Anzeigetafeln, die die Verbindungen der Züge am Bahnhof anzeigen. Die sich verändern, die Rattern, neu gestalten, alles zeigen. Was für ein Leben. Und gerne wartet man am Bahnhof lange auf den nächsten Zug. Eine meiner schönsten Aufnahmen und Reisezustände.


Diese Episode ist am 29.08.2013 erschienen. Dauer: 0 Stunden 2 Minuten und 0 Sekunden