WORT DER WOCHE 12. August 2020 – Wahlbetrug / Ö1 Moment – Leben heute

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Lothar Bodingbauer

 

 

 

Vergangenen Sonntag wurde in Belarus gewählt – in Weißrussland. Der bisherige langjährige Amtsinhaber Alexander Lukaschenko hat laut offiziellem Ergebnis fast 80% aller Stimmen erhalten, und das bei enorm hoher Wahlbeteiligung von ebenso 80%. Da stimmt was nicht, sagt die unterlegene Kandidatin Swetlana Tichanowskaja. Sie wird das Ergebnis nicht anerkennen, sie sagt: hier gab es Wahlbetrug. Wahlbetrug ist unser …

 

 

SIGNATION DAS WORT DER WOCHE

 

Wahl kommt von Wollen. Und Betrug von Trügen, einen falschen Schein erwecken, verwandt mit Traum. Wollen und träumen. Und wer nicht gewählt – gewollt – wird – aus der Traum. Was liegt näher, als dafür zu sorgen, dass der Traum weitergeht, und das mit zweifelhaften Mitteln.

 

Die Geschichte zeigt viele Beispiele von Wahlfälschung mit unterschiedlichsten Methoden aus oft überraschenden Richtungen. Automatische Algorithmen etwa, die zweifelhafte Aussagen über – sagen wir – eine Kandidatin A in die Timeline der Sozialen Netze spült, so dass Menschen, die sie wählen würden, zu einem gewissen Prozentsatz zu Hause bleiben, mit dem Gedanken, „es sind ja eh alle korrupt“. Das nützt dem Kandidaten B.

 

Kontrolle der Medien. Einschüchtern. Einsperren. Veranstaltungen verbieten. Das Internet am Wahltag drosseln. Vorhänge bei Wahlkabinen entfernen oder gar nicht erst einbauen. Eine prügelnde Staatsmacht. Die Liste der Möglichkeiten ist lang. Offizielle Beobachter sollen dann nicht dabei sein bei so einer Wahl, denn eines steht fest: Für jede Form des Wahlbetrugs gibt es eine Möglichkeit, sie festzustellen. Das gilt besonders für die Richtigkeit der Endergebnisse.

 

OT 1: Alle Daten erzählen Geschichten, aber die erzählen die meistens ziemlich leise. Und Statistiker sind die Leute, die den Daten besonders gut zuhören können.

 

Erich Neuwirth. Statistiker – und „Zuhörer“. Er ist emeritierter Professor der Universität Wien.

 

OT 2: Wir sind nicht gut im Erfinden von Zahlen und Ziffern, die zufällig ausschauen, weil wenn man so Zahlen erfindet, denkt man nicht daran, dass 6-Mal hintereinander dasselbe auch vorkommen kann, und das tut es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit.

 

Und da sind wir bei der nachträglichen Kontrolle, ob alles richtig zugegangen ist. Wer Zahlen erfindet, macht Fehler.

 

OT 3: Genau so ist es, ja. Wenn man die Leute zufällig Zahlen nennen lässt, kommen weitaus mehr ungerade Zahlen als gerade Zahlen zum Beispiel.

 

Computer können das Erfinden im Allgemeinen besser, sie verschieben aber die Möglichkeiten der Betrugserkennung nur auf eine andere Ebene.

 

OT 4: Es gibt mehrere Tests auf Zufälligkeit. Und so zu erfinden, dass man die alle austrickst, ist nicht einfach. Wenn man sich z. B. Wahlbeteiligung und Ergebnisse einer bestimmten Partei oder eines bestimmten Kandidaten gegenüberstellt, dann erwischt man vereinfacht gesagt, die Wahllokale, wo noch irgendjemand noch ein Paket Wahlkuverts zusätzlich in die Urne geworfen hat.

 

Ballot-stuffing heißt diese Form des Wahlbetrugs. Man stopft noch Wahlzettel in die Urne rein. Vorher, nachher, während. Wie auch immer.

 

OT 5: Wenn die Wahlbeteiligung dort besonders hoch ist, wo prozentmäßig ein bestimmter Kandidat besonders stark abschneidet, dann legt es den Verdacht nach, dass da zusätzlich Stimmen nur für einen Kandidaten hineingeschummelt wurden.

 

Die österreichische Bundespräsidentschaftswahl 2016 musste wiederholt werden, weil Wahlzettel aus der Briefwahl zu früh geöffnet wurden. Erich Neuwirth hat damals nachgerechnet:

 

OT 6: Das entsprechende Gesetz sagt ja, die Wahl ist dann aufzuheben, wenn die Manipulationen von Einfluss auf das Ergebnis waren. Und ich kann Statistik praktisch sicher nachweisen, war kein Einfluss. Das war eindeutig. Wobei, die Verfassungsrichter konnte ich leider damals nicht überzeugen, dass die Statistik sagt, dass es keinen Wahlbetrug gegeben hat, also keine Wahlverfälschung, obwohl nicht korrekt geöffnet wurde.

 

Die Zahlen auch dieser Wahl haben eine Geschichte erzählt, die auf zwei Achsen in einem Diagramm zu finden ist. Markiert mit unterschiedlichen Farben. Abweichungen sind grafisch gut erkennbar. Muster werden erkennbar, und damit auch potenzieller Betrug. Das gilt für alle Wahlen – in allen Ländern – die Frage ist nur, ob die Daten zugänglich sind, und die Muster dadurch zugänglich gemacht werden.

 

OT 7: Randomness is much too important to be left to chance.

 

… das wissen die Statistiker; Randomness, Zufälligkeit, ist viel zu wichtig, um dem Zufall überlassen zu werden. Wer die Zahlen kontrolliert, hat so zunächst die Wahl gewonnen. Ob es auch die Herzen sind, ist fraglich.

 

 

 

 

 

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