MOMENT Was macht eigentlich

SIGNATION „Was macht eigentlich…“

… das IIASA. Was für eine Ansammlung an Vokalen, und jeder Buchstabe in dieser Abkürzung hat natürlich seine Bedeutung.

International Institut – ein internationales Institut, ja klar, wofür, für Applied, für Angewandte. Und jetzt das S: System Analyse.

Internationales Institut für Systemanalyse, beheimatet in Laxenburg, im Schloss Laxenburg in Niederösterreich. Ein Kind des kalten Krieges, denn damals haben sich die Sowjetunion und die USA zusammengesetzt, um sich gemeinsam mit anderen Staaten und eben auch mit Österreich zu überlegen, wie man nicht Militärbasen sondern Gesprächsbasen errichten kann. In diesem Fall mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die sich mich Risikoforschung beschäftigen, mit Systemen, mit komplexen Systemen.

Um die 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten auch heute noch in Laxenburg. Die Aufgaben haben sich von Themen des Kalten Krieges gewandelt, von der Konfliktforschung hin zu den aktuellen Themen der Menschheit, die beforscht werden, alle geschart um einen inhaltlichen Kern: „Nachhaltigkeit“. Wie können Menschen auf dem Planeten Erde nachhaltig leben – im System Erde. Da gibt es Zusammenhänge, Taten, Ideen, und Auswirkungen. Komplexität. Es geht um die gesamte Weltbevölkerung, um Energie, Luftqualität und Treibhausgase, neue Technologien, Risiko und Resilienz, also wie sich Systeme gegenüber Störungen verhalten, Evolution und Ökologie, Wasser, und neuerdings auch um so genannte Ökosystem-Services: was die Natur für uns Menschen leistet, bewertet in Geld.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen münden in sogenannten Policies, also in konkrete Inhalte für die Politik. Und das auf verschiedenen Skalen, om Dorf, zur Stadt, zu Ländern, Kontinenten, zur Welt.

Reinhard Mechler ist einer der Wissenschaftler in Laxenburg.

OT 1: Wir arbeiten zu globalen Wandelproblemen, das sind Probleme, die zu groß oder auch zu komplex sind, sodass sie eineinzelnes Land oder eine einzelne akademische Disziplin effektiv lösen kann.

Die Komplexität der Systeme macht Vorhersagen schwierig.

OT 2: Wir haben hier zum Beispiel positive und negative Rückkoppelungseffekte in Systemen. Diese positiven oder negativen Schleifen. Diese Rückkopplungseffekte führen auch zu nichtlinearen Entwicklungen, wie zum Beispiel wie man es jetzt sieht, die exponentielle Zunahme von Coronavirusinfektionen wird dadurch bedingt.

Menschen haben kein Gefühl für „nichtlineare Effekte“, agt Reinhard Mechler. Es geht hier um exponentielles Wachstum. Je mehr, desto „sehr viel mehr“. Menschen denken linear, „je mehr, desto mehr“. Doppelt so viel, doppelt so viel. Alles nicht der Fall, bei wirklich komplexen Situationen oder auch Bedrohungen.

OT 3: Es geht auch um Irreversibilitäten. Auch beim Coronavirus, der Entwicklung. Kommen wir zu Systemgrenzen heran, kann das zu irreversiblen Effekten führen, Gesundheitssystem, aber auch bei individuellen Auswirkungen. Klimawandel das selbe Problem, nähern wir uns Kipppunkten, lokalen Kipppunkten oder globalen Kipppunkten.

Menschen entscheiden individuell im allgemeinen sehr kurzfristig. Für den nächsten Tag, die nächste Woche. Myopisch, kurzsichtig, sagt Reinhard Mechler, und er bezieht sich da auch selbst gleich ein.

OT 4: Das sehen wir jetzt auch bei der Coronakrise. 4, 6-Wochen vorauszudenken, zu einer Entwicklung, die wir sonach nicht gesehen haben, fällt uns extrem schwer. Bei IIASA versuchen wir in die Zukunft vorauszudenken, 10, 20, 80 jähre, bis zum Ende des Jahrhunderts. Das ist auch ein wichtiger Punkt der Systemanalyse. Die Langfristigkeit mit der kurzen Frist zu koppeln, und da entsprechende Szenarien auszuarbeiten.

Reinhard Mechler arbeitet selbst im Forschungsgebiet „Risiko und Nutzen“.

OT 5: Da verwenden wir mathematisch gesprochen die Netzwerktheorie. Da geht es um die Verknüpfung, innerhalb des Netzes an Verbindungen. Wir hatten uns in den letzten Jahren gefragt, wie zum Beispiel Naturkatastrophen das Finanzsystem bedingen, ob hier große Katastrophen zu einem Kollaps des Finanzsystems in Österreich oder in Europa oder Global führen können. Die Modellierung basiert auf der Idee auf einer Ansteckung eines Erregers. Und ähnliche Theorien werden eben auch in epidemiologischen Umständen, die Ausbreitung eines Virus verwendet.

In positiven Umständen ist zum Beispiel auch die Mode ein komplexes System, das mit ähnlichen Mechanismen funktioniert. Die Arbeit von Influencern auf Instagram, in sozialen Medien. Der kalte Krieg ist längst vorbei. Die Welt im Wandel – und so gesehen ist viel zu tun in diesen Tagen. Auch am IIASA, auch in Laxenburg.