Es ist immer wieder schön, mal als Zuhörer im Publikum zu sitzen, wenn man sonst immer eher für Zuhörer gestaltet und Sendungen macht.

1. Podiumsdiskussion: Die Archäologinnen Barbara Horejs und Sabine Ladstätter sprachen über Archäologie, Ausgrabungen und Funde in Ephesos (Türkei). Veranstaltet im Wiener Akzent-Theater in der Vortragsreihe „Am Puls“ von PR&D mit Simultandolmetsch in Gebärdensprache, was beim Getreidemahlen eine nette Situation ergab, weil die Dolmetscherin das Verfahren zeigte, von dem die Archäologin sprach.

Voller Saal, interessiertes Publikum. Aha-Effekt, wie viel Expertise in vergrabenen Dingen steckt. Unterschiedliche Stile der Vortragenden: Barbara Horeis hat sehr lebendig erzählt, Sabine Ladstätter einen sehr schönen und fürs Sprechen geschriebenen Text vorgelesen; beide mit Powerpoint-Unterstützung, die Bilder und Diagramme zeigten und gut zur Sprache passten. Der Weitererzählwert der Veranstaltung war sehr hoch, der Diskussionsleiter Till C. Jelitto führte gut und spannend dicht die Diskussion nach den Präsentationen – sympathisch auch seine Frage „von welcher Erkenntnis träumen Sie“. Der Wissenschaftsfonds FWF finanziert die vorgestellten Grundlagenforschungen mit, einen Bericht von der Veranstaltung mit Bildern gibt es hier. Insgesamt: Sehr fein. +1 und gerne wieder.

2. Benefizkonzert der Wiener Symphoniker im Wiener Stephansdom. Bruckners 4. Symphonie und vorab einige Motetten vom Chor der Dommusik St. Stephan. Zugunsten der Caritas Flüchtlingshilfe. So schön kann Musik sein, wenn sie dreidimensional von rundherum kommt. Ohne Sicht am gewählten Platz, aber mit vollem Ton. Das schafft kein Lautsprecher: Hinsetzen und die Musik von überall her hören. Kardinal Schönborn hielt eine kurze Rede, sympathisch – er war markiert mit einer roten Kappe und daher gut sichtbar auch auf den Monitoren, die zeigten, was die Kameras von Chor, Orchester und Redner aufnahmen. Sehr ruhiges Bild, sehr unaufdringlich. 66 Minuten ist die Aufführungsdauer der 4. Symphonie Bruckners, sagt Wikipedia, und die vier Sätze zeigten, dass Bruckner schon sehr hübsch eine Dramaturgie gestaltet, bei der einem nicht fad wird. Das große Wumms kommt nicht am Schluss, sondern einige Minuten vorher, sodass noch Zeit ist, die Spannung wieder abzubauen. So schön kann Benefiz sein. +1 und gerne wieder.