Wenn Sie gebeten werden, aufzuschreiben, was man mit einem rohen Ei alles machen kann, dann hätte das sehr viel mit Mathematik zu tun.

Sie können es rollen, schieben und heben; kratzen, durchpieksen, zergatschen; bemalen, polieren und umhüllen. Alleine für das Drehen gibt es drei mögliche Richtungen: längs, quer und hoch. Sie können das Ei auch veschwinden lassen, ob hinter einem Polster oder einem Buch würde ich eher als eine Möglichkeit sehen. Ihnen fallen aber sicher noch viele mehr ein.

Mathematisch zu denken bedeutet, vor Aufgaben wie dieser keine Scheu zu haben. Mathematiker versuchen nicht nur eine Lösung zu finden, sie schauen auch gerne, ob es die einzige ist.

Wenn ich Sie nun auch noch bitten würde, Ihre Liste zu ordnen, dann würden Sie sofort fragen, nach welchen Kriterien, und der Auftrag wäre, sie zu finden.

Viele der Arten der Eimanipluation sind umkehrbar, manche nicht. Die einen ändern die Farbe des Eies, die anderen nicht. Viele davon finden in der Fläche statt, manche in einer Grube. Manchmal fliegt was durch den Raum. Zeitweise ändert sich der Geruch dabei, oft auch das Gefühl an den Fingern.

Eine ziemlich spannende, erkenntniswirksame und durchaus lustvolle Angelegenheit ist es, wenn das mit einem gut ausgebildeten Lehrer angeleitet im Mathematikunterricht passiert.

Würde diese Aufgabe dort gestellt, wäre das Bildungsziel nicht die fertige Liste veschiedener Manipulationsmöglichkeiten und das Finden der einzig wahren Ordnung, sondern das Erkennen, dass Systematisieren eine gut trainierbare Fertigkeit ist, und dass es viele mögliche Arten für Ordnungen gibt, von denen man je nach Bedarf, Einfluss, oder Vermögen die eine oder andere davon wählt.

Im Unterricht würde zusätzlich die Fertigkeit trainiert, darüber zu reden, zu diskutieren, wonach man sucht, was einem fehlt, was weiterführende Fragen wären. „Fertigkeiten“ werden im Bildungswesen Kompetenzen genannt. Ihre Bedeutung soll im zukünftigen Mathematikunterricht und abschließend bei der neuen Reifeprüfungung gestärkt werden.

Mathematik ist immer noch ein Selektionsfach in Österreich. Wer das Ziel nicht erreicht, wird vom weiteren Bildungsweg ausgeschlossen.

Aufgaben wie das Ei des Pythagoras verringern die Möglichkeit, mit Mathematik zu selektionieren. Das Ei des Pythagoras wäre ein Ei des Kolumbus im Bildungswesen, weil es fördern würde, statt auszusortieren. Die Eiaufgabe ist herkömmlich nicht benotbar.

Sie würden auch gerne „das Ei beschwören“ ins Spiel bringen? In dieser Kategorie befänden sich auch „anbeten“, „verleugnen“, oder „es mit kleingeschriebenen Formeln vollzuschreiben“. Alles Möglichkeiten, die zu vergessen dann doch noch zu schade wäre, stehen sie doch für die bisherige Schulmathematik selbst.