Aus einem bemerkenswerten Buch eine bemerkenswerte Liste über Kinder, die nach dem nationalsozialistischen Erziehungsideal erzogen wurden, das unter anderem Kameradschaft statt Freundschaft zum Ziel hatte …

  • Sie berichten von „völlig zerstörten, so verwüsteten“ Geschwistern
  • Fast alle haben das Gefühl, selbst nicht bindungsfähig zu sein, auch nicht an die eigenen Kinder
  • Beginnen oft einen völligen Neuanfang an ganz anderen Orten
  • Können es sich oft nicht einrichten – ihre Umgebung wohnlich, behaglich, schön machen
  • Verspüren einen Sog zu früheren Kindheitsorten
  • Können oft ihren eigenen Erinnerungen nicht trauen und versuchen Zeugen zu finden – es droht sonst das Verrücktwerden
  • Fast alle können ihre Mutter nicht anfassen, haben einen unüberwindlichen Ekel oder panische Angst davor, es ist diesen Kindern schwer oder gar nicht möglich die Mutter zu pflegen
  • Manche spüren ihren Körper kaum, zum Beispiel dann, wenn sie eigentlich Schmerzen haben müssten
  • Auch bei den eigenen Kindern fällt der Umgang mit Gefühlen schwer. Es kann kaum ausgehalten werden, wenn diese aggressiv sind, selbst wenn es sich um mehr oder weniger normale Auseinandersetzungen zwischen etwa Gleichaltrigen handelt
  • Es gelingt ihnen trotz besten Wollens oder theoretischen Wissens oft nicht etwa ein weinendes Kind zu trösten
  • Wenn es um Situationen geht, in denen die betroffenen Menschen eigentlich selbst heftige Gefühle haben müssten, spüren sie oft nichts anderes als eine leere Starre. In tatsächlich gefährlichen oder katastrophischen Situationen können sie ausgesprochen „cool“ und überlegen reagieren
  • Manche benötigen in scheinbar ganz normalen Situationen zwanghafte Rituale, die magischen Praktiken eines Kindes zur Eindämmung des Chaos ähneln
  • Sie können schwer Nein sagen
  • Eigene Wünsche zu äußern fällt ihnen schwer
  • Das Schlagen von Kindern lehnen sie bewusst ab, gelegentlich, im Affekt, schlagen sie doch. Dabei fühlen sie sich selbst wie gespalten, neben der schlagenden Person steht eine zweite, der unbegreiflich ist, wie die andere schlagen kann
  • Relativ viele sind arbeits- und berufsunfähig oder „bewusst“ aus Ausbildung und Beruf ausgeschieden

Quelle: Sigrid Chamberlain: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. Über zwei NS-Erziehungsbücher. Psychosozial-Verlag Gießen, 4. korrigierte Auflage 2003.

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